Berliner Zeitung 05.11.2019

BerlinerVerlagGmbH

Honeckers Enkel –Porträt einer überforderten Generation – Seite 3

Kolumne:

Auf eine

Curry mitGysi

Seite 14

7°/10°

Es regnet öfter.

Wetter Seite 2

Charité-Arzt: Aufklären

hilft gegen die Impf-Angst

Berlin Seite 10

www.berliner-zeitung.de

Der FC Bayern hat nicht

nur ein Trainerproblem

Sport Seite 17

Dienstag,5.November 2019 Nr.257 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Ist Elektromobilität

wirklich die Zukunft?

Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8

Blockierer

bei der

Grundrente

VonDaniela Vates

Vor kurzem hat Unionsfraktionschef

Ralph Brinkhaus mal eben

die Koalition vom Tisch gewischt.

Wenn es mit der SPD keine Einigung

gebe bei der Grundrente, dann sei

das eben so,verkündete der Unions-

Fraktionsvorsitzende in einer internen

Runde.Dann ende eben die Koalition,

im Frühjahr werde neu gewählt,

zack, fertig.

So zumindest

berichten es Teilnehmer.

Es war

eine etwas rabiatere

Form dessen,

was Brinkhaus

seit einigen

Wochen öffentlich

sagt: „Wir

Ralf Brinkhaus

führtein wenig

unberechenbar.

CDU

werden uns

nicht verbiegen,

um diese Koalition

zu halten.“

In der Koalition gilt der 51-Jährige

mittlerweile als zentrales Hindernis

für eine Einigung bei der Grundrente.

Selbst die sonst gerne auch

sperrige CSU hat intern offenbar

mehr Kompromissbereitschaft erkennen

lassen. Ein Jahr nachdem

Brinkhaus den Kanzlerinnen-Vertrauten

Volker Kauder mit einer

überraschenden Gegenkandidatur

vom Fraktionsvorsitz gefegt hat, erlebt

die Union nun also einen zweiten

Revolutionsmoment mit dem

Westfalen –zumindest einen Anlauf.

Brinkhaus übernimmt die Rolle

als Mann mit klaren, scharfen Ansagen

–die Art der öffentlichen Positionsbestimmung,

die ein Teil der CDU

so schmerzlich vermisst. Bei seiner

Wahl zum Fraktionschef hat Brinkhaus

diese Sehnsucht schon einmal

bedient. Er stehe für „einen neuen

Aufbruch“, verkündete er der Fraktion,

die sich vonKauder untergebuttertund

vonMerkel zu wenig beachtet

fühlte. Merkel-Gegner sahen in

ihm ihren neuen Helden –die Kanzlerinhatte

Kauder unterstützt.

Das Bild vom Merkel-Gegner hat

Brinkhaus dann im ersten Jahr seiner

Amtszeit nicht erfüllt. Er ging nicht

auf Konfrontation zur Regierung,

sondern suchte mit nach Kompromissen.

Er positionierte sich, aber

schlug sich nicht immer auf die erwartete

Seite: Für eine Abschaffung

des Solidaritätszuschlags, die der

Wirtschaftsflügel gerne gehabt hätte,

verkämpfte sich der gelernte Steuerberater

nicht. Brinkhaus, der unbekümmert

selbstbewusst auftritt, sei

schon ein bisschen unberechenbar,

sagen CDU-Abgeordnete.

Brinkhaus’ harte Haltung kann

auch eine andereFolge haben: Wenn

es doch noch einen Kompromiss bei

der Grundrente gibt, kann er ihn

möglicherweise glaubhafter vertreten

als andere und etwa auf dem

CDU-Parteitag Ende November eine

Ablehnung abwehren – und damit

einen Bruch der Koalition.

VonPatrick Berger und Lutz Schnedelbach

Die Ausschreitungen beim

Derby der Fußball-Bundesliga

zwischen Union

Berlin und Hertha BSC

(1:0) könnten drastische Strafen zur

Folge haben. „Wir wollen die Linie

der Geldstrafen beibehalten, wann

immer es vertretbar ist“, sagt Hans E.

Lorenz, der Vorsitzende des DFB-

Sportgerichts, dem Magazin kicker.

In gravierenden Fällen könne aber

auch weiterhin auf den Teilausschluss

oder Totalausschluss zurückgegriffen

werden, sagt er. Die

Austragung von Geisterspielen ist

also möglich.

BeidenVorfällen am Sonabend in

Köpenick wurden drei Personen verletzt.

Ein Union-Fan sowie ein Polizist

kamen durch aus dem Gästeblock

abgefeuerte Leuchtraketen zu

Schaden. Nach dem Spiel kletterten

Unioner in den Innenraum. Ein

Platzsturmwurde durch den Einsatz

der Spieler verhindert. „Diese Bilder

will kein Verein sehen“, sagt Max

Jung, Mediendirektor bei Hertha.

Manwerde nun wie vomDFB aufgefordert

Stellungnahmen abgeben.

Strafen werdeman versuchen, an die

Einzeltäter weiterzugeben. Unions

Sprecher Christian Arbeit findet:

„Kollektivstrafen aufbrummen und

alle raus –ist das die Lösung? Bestimmt

nicht!“

Ohne Mauern

Mit Videoprojektionen und Performances begann auf dem

Alexanderplatz die Feierwoche zum 30. Jahrestag der friedlichen

Revolution. Michael Müller würdigte den Mut der Berliner. Seite 9

Geisterspiel für Union?

Nach den Ausschreitungen beim Stadt-Derby müssen beide Clubs mit harten Strafen rechnen

Der Fall liegt beim DFB-Kontrollausschuss.

„Es geht hier nicht um

eine kleine Geschichte“, sagt ein

DFB-Richter der Berliner Zeitung.

Der Strafenkatalog des DFB schreibt

vor: 1000 Euro propyrotechnischem

Gegenstand im Block, 3000 Euro für

Pyro außerhalb. Die gleiche Summe

muss bezahlt werden, wenn eine

Person in den Innenraum drängt.

Erschwerend kommt für die DFB-

Justiziare hinzu, dass Union und

Hertha in ihren Augen Wiederholungstäter

sind. 56 800 Euro musste

Union im Sommer zahlen, weil beim

Aufstiegstrubel die Fans den Rasen

gestürmt hatten und eine Feuerwerksrakete

im Gästeblock landete.

Zwischen Herthanern und der Polizeikam

es voreinem Jahr zu heftigen

Ausschreitungen bei einem Gastspiel

in Dortmund.

Nach einer Statistik der Polizei

werden gegenwärtig 974 Fans beider

Vereine als „gewaltbereit“ und 256

„Kollektivstrafen aufbrummen

und alle raus –ist das die Lösung?“

Christian Arbeit,

Presse- und Stadionsprecher des 1. FC Union

als „gewaltsuchend“ eingestuft. Die

meisten gewalttätigen Fans gebe es

bei Hertha, so die Spezialisten des

Landeskriminalamtes. 412 gehören

zur Kategorie Bund 61 zur Kategorie

C. BeiUnion sollen es 342 gewaltbereite

Anhänger sein und 55 gewaltsuchende

–alle namentlich bekannt.

Derweil laufen die Ermittlungen

auf Hochtouren. 18 Ermittlungsverfahren

wegen Körperverletzung,

Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung,

Landfriedensbruchs sowie Verstößen

gegen das Versammlungs-,

Waffen- und Sprengstoffgesetz wurden

eingeleitet. Sieben weitere Ermittlungsverfahren

gibt es wegen gefährlicher

Körperverletzung, Landfriedensbruchs

und Zusammenrottung.

DieErmittler sind zurzeit dabei,

die Aufnahmen der Überwachungskamerasauszuwerten.

Wesentlich bei ihren Ermittlungen

sei die Frage, wie es dazu kommen

konnte, dass eine Einlasskontrolle

am Stadion von Union-Fans

überfallen wurde, damit sie unkontrolliert

indie Sportstätte gelangen

konnten, sagt ein Beamter. Union-

Sprecher Arbeit sagt dazu: „Kein

Ordner ist verpflichtet, sich zusammenschlagen

zu lassen.“

Wie kann der Pyro-Wahnsinn gestoppt

werden? „Das ist das Thema,

an dem wir uns alleWoche fürWoche

abarbeiten“, sagt Arbeit. Hauptproblem

sind die „Clips“ genannten Raketen

in der Größe eines Kugelschreibers.

Sie werden bei Kontrollen

oft übersehen. Ein Sicherheitschef

eines Fußball-Bundesligisten,

der anonym bleiben will, sagt: „Eine

Identifikation der Übeltäter ist für

uns oft ausgeschlossen. Wirtun alles

dafür.Die Täter ziehen sich im Block

aber unter Fahnen komplett um,

tauschen ihre Klamotten. Es gibt

kaum eine Chance für uns, sie einwandfrei

rauszupicken.“

In Dänemarkkommt „kalte Pyro“

zum Einsatz. Der Unterschied: Die

Feuer werden 230 statt 2000 Grad

heiß. Hautverbrennungen kann es

aber bei direktem Kontakt ebenfalls

geben. Das Risiko für Verletzungen

ist aber viel kleiner.Fanvertreter von

Bundesligavereinen waren bereits in

Skandinavien und informierten sich

darüber. Der Sicherheitschef: „Eine

mögliche Lösung.“ Aber: „Der Reiz

liegt immer im Verbotenen.“

Kolumne Seite 14, SportSeite 18

AFP/JOHN MACDOUGALL

Eine weiße

Rose für die

Opfer des NSU

Merkel gedenkt der Toten

am Mahnmal in Zwickau

Enver Simsek war das erste Opfer

des Nationalsozialistischen Untergrunds.Ihm

zu Ehren war ein Gedenkbaum

gepflanzt worden. Bislang

Unbekannte haben den Baum

dann Anfang Oktober abgesägt. Nun

ist die Gedenkstätte nicht nur erneuert,

sondern erweitert worden. In

Zwickau wirdnun mit zehn Bäumen

an alle Opfer des rechten Mörder-

Trios gedacht. Zur Einweihung kam

sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Kanzlerin legte an der Gedenkstätte

eine weiße Rose nieder.

Sie sei ganz bewusst gekommen,

sagte sie. Sie war allerdings ohnehin

in der Nähe.Sie nahm teil am Festakt

ausAnlass des Produktionsstarts des

E-Autos im VW-WerkinZwickau.

Am 4. November 2011 war die

NSU-Terrorgruppe von Uwe Böhnhardt,

Uwe Mundlos und Beate

Zschäpe aufgeflogen. Zwischen 2000

und 2007 töteten die Terroristen acht

türkischstämmige und einen griechischstämmigen

Kleinunternehmer

sowie eine Polizistin. Außerdem

werden sie für zwei Sprengstoffanschläge

und diverse Raubüberfälle

verantwortlich gemacht. Böhnhardt,

Mundlos und Zschäpe hatten sich

zuletzt in Zwickau versteckt.

Während die Kanzlerin, begleitet

von Sachsens Ministerpräsident Michael

Kretschmer (CDU) und der

Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia

Findeiß (SPD), die Gedenkstätte besucht,

demonstrieren in Sicht- und

Hörweite hinter einer abgeriegelten

Kreuzung Vertreter von rechten und

rechtsradikalen Organisationen.

Kretschmer sagt, man sei zusammengekommen,

um Menschen die

Ehre zu erweisen, die unschuldig

und auf heimtückische Weise umgebracht

worden seien. „Und es gibt

Leute, die dagegen demonstrieren.

Daranmerken Sie, welchen Zeitgeist

und welche Haltung diese Leute haben.“

Merkel lässt nicht erkennen,

ob sie die Proteste wahrnimmt. Sie

hört aufmerksam den Erklärungen

zum Gedenkort zu. Die Bäume werden

vonder Polizei nachts bewacht.

Merkel sagte: „Wir haben Blumen

niedergelegt und damit möchte ich

ausdrücken, für die ganzeBundesregierung

auch, dass wir alles tun werden,

das habe ich den Angehörigen

auch versprochen vor vielen Jahren

schon, damit sich solche Dinge nicht

wiederholen.“ Danilo Starosta vom

Kulturbüro Sachsen sagt zum Besuch

derKanzlerin: „Es ist eine Wertschätzung

für die Akteure vor Ort.“

Sein Verein gehört zum bundesweiten

Aktionsbündnis „NSU-Komplex

auflösen“. DieInitiativen setzen sich

dafür ein, dass in Zwickau ein ständiges

Bildungs-, Dokumentationsund

Archivzentrum zu den Verbrechen

des NSU-Trios und seines Unterstützerumfeldes

eingerichtet

wird. (tom., dpa) PolitikSeite 4

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2** Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Tagesthema

Die Bundesregierung will vor allem die E-Mobilität fördern. Alternativen kommen zu kurz –obwohl sie die Umwelt meist weniger belasten.

ZuBeginn dieser Woche gibt

es gleich zwei Anlässe, um

einmal auf den Status quo

der Elektromobilität zu blicken.

Zumeinen der Auto-Gipfel mit

Kanzlerin Merkel und zum anderen

der Produktionsstart des ID.3 –

Volkswagens erstem rein elektrisch

angetriebenem Auto. Bei aller

E-Auto-Euphorie im Rahmen der aktuellen

CO 2 -Diskussion sollte man

nicht vergessen, dass die E-Mobilität

zurzeit noch die wahrscheinlich umweltbelastendste

Technologie ist –

außer den Verbrennungsmotoren.

Eine Bestandsaufnahme.

Die Bundesregierung setzt auf E-

Autos. Angela Merkel, Verkehrsminister

Andreas Scheuer, Finanzminister

Olaf Scholz und Arbeitsminister

Hubertus Heil wollen eine Million

Ladepunkte bis zum Jahr 2030 schaffen.

Außerdem sollen auch weitere

alternative Antriebe gefördert werden,

was durch eine Kaufprämie unterstützt

werden könnte, ander sich

die Bundesregierung und die Automobilfirmen

beteiligen. Bei den

neuen Antriebstechnologien soll neben

der Elektromobilität auch Wasserstoff

eine strategische Rolle spielen.

„Bei der Bewertung von Antrieben

darf esnicht nur um den CO 2 -

Ausstoß während der Fahrt gehen“,

sagt Peter Gutzmer, ehemaliger Vorstand

des Technikzulieferers Schaeffler.

„Wir müssen uns den gesamten

Lebenszyklus anschauen, angefangen

von der Rohstoffgewinnung

über die Produktion und den Betrieb

bis zum Recycling. Aber das tun wir

nicht, jedenfalls nicht ausreichend.“

Die jüngste Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes

zeigt, dass von

den 47,1 Millionen Pkw in Deutschland

Anfang dieses Jahres gerade mal

83 175 elektrisch betrieben wurden.

In Berlin, wo die Zahl der Autos

jüngst die 1,2-Millionen-Marke

überschritten hat, waren 2713 Elektro-Pkw

zugelassen. Zusammen mit

Plug-in-Hybriden, Brennstoffzellenautos

und verwandter Technik

waren es in Berlin 5537 und in Brandenburg

3 358 Fahrzeuge. Um die

CO 2 -Ziele der EU bis 2030 zu erreichen,

müssten bis dahin auf deutschen

Straßen sieben bis 10,5 Millionen

E-Autos unterwegs sein.

Ist ein E-Antrieb wirklich der

Wahrheit letzter Schluss –und welche

Alternativen gibt es? Ein Überblick:

Elektroantrieb. Die Herstellung der

in Elektroautos verbauten Batterien

ist mit einem enormen Energieaufwand

verbunden, der sich negativ

auf die Gesamtenergiebilanz auswirkt.

Außerdem sind die Autos nur

so sauber wie der Strom, den sie nutzen

–zurzeit zu einem Großteil aus

Kohlekraftwerken statt aus regenerativen

Quellen. Deutscher Strom

kommt noch zu zwölf Prozent aus

Atomkraftwerken. Und: Für die

enormen Batteriemengen der Mobilitätswende

gibt es noch gar kein Recycling-System.

Das für die Lithium-Ionen-Batterien

benötigte Kobalt wird in

Afrika unter oft fragwürdigen Bedingungen

abgebaut. Menschen

E-Ladestationen in Deutschland

Anzahl Ladestationen

16 641

15 616

14 179

11 609 12 793

6780

8839

Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2

2018 2019

Q3

sind nicht ausreichend vor giftigem

Kobaltstaub in der Atemluft geschützt.

Zehntausende Kinder müssen

in den engen Schächten arbeiten.

Ein großer Teil der Einnahmen

Auto-Gipfel

Die Regierung berücksichtigt nicht alle

neuen technischen Möglichkeiten

Besser ohne Strom

VonKlaus Kronsbein

Verteilung der Anschlüsse nach

Ladegeschwindigkeit in Prozent, 2019

Schnelle

11,6

Normale

9,5

Halb-Beschleunigte

14,5

Beschleunigte

64,4

BLZ/HECHER; QUELLE: CHARGEMAP.COM, AFP

IMAGO IMAGES/KAPTNALI

wird von Warlords für Waffenkäufe

genutzt.

In Chile werden große Mengen an

Lithium im größten Salzsee der Atacamawüste

gewonnen. Mineralhaltiges

Grundwasser verdunstet monatelang

unter der Sonne, der

Grundwasserspiegel sinkt.

Wissenschaftler aus Pennsylvania

haben jetzt eine Technologie vorgestellt,

mit der die Elektrobatterien in

der gleichen Zeit bis zu 80 Prozent

aufgeladen werden können, wie

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren

zum Tanken benötigen. Nach

zehn Minuten ist die Batterie wieder

voll.

Wasserstoff-Antrieb. Aus dem Auspuff

kommt nur Wasserdampf. Sogenannte

Bipolarplatten sind Energiewandler,die

H 2 und O 2 zu Wasser

reagieren lassen. Dabei entsteht

Strom, der für den Antrieb eines

E-Motors im Fahrzeug genutzt werden

kann. Aktuell wird Wasserstoff

aber noch unter hohem Energieaufwand

aus Erdgas hergestellt und ist

deshalb noch keine Alternative.

Auch die Lagerung ist oft noch ungeklärt.

Erdgas. In Deutschland gibt es bis

zum 31. Dezember 2025 eine Steuerbegünstigung

bei der Besteuerung

des Erdgases.Bis 2020 sollen Erdgasfahrzeuge

einen Anteil vonzehn Prozent

am europäischen Kraftfahrzeugbestand

ausmachen. Im Vergleich

zu anderen fossilen Brennstoffen

wie Kohle oder Erdöl

schneidet Erdgas gut ab,denn es verbrennt

besonders schadstoffarm.

Grund dafür ist der geringe Kohlenstoffanteil.

Erdgas verursacht 18 Prozent

weniger CO 2 als Benzin, 50 bis

95 Prozent weniger Stickoxide als

Diesel und nahezu gar keinen Feinstaub.

Die Planung von längeren

Fahrten ist aber mühsam. In

Deutschland gibt es derzeit nicht

einmal 1000 Tankstellen für Erdgas-

Fahrzeuge.

Bio-Methangas. Es entsteht bei der

Vergärung von Lebensmittelresten,

Kompostabfällen und Gülle. Chemisch

ist Biomethan mit Erdgas

identisch. Jeder Erdgasmotor kann

Biomethan verbrennen. Reines Biomethan

kann an etwas mehr als 120

Zapfsäulen getankt werden.

LPG/Flüssiggas. Rund 400 000 Fahrzeuge

sind aktuell mit Flüssiggasantrieb

unterwegs.Derzeit bieten bundesweit

über 7000 Tankstellen Autogas

an. Der CO 2 -Vorteil fällt im Vergleich

zum Benziner mit etwa 15

Prozent ins Gewicht. Stickoxide sinken

gegenüber einem Benziner um

20 Prozent und im Vergleich zu einem

Dieselmotor um 95 Prozent

Hybridmotoren. Hybridfahrzeuge

nutzen einen Verbrennungs- und

einen Elektromotor für den Antrieb.

DasAufladen der Hybridbatterie erfolgt

während der Fahrt mittels sogenannter

Rekuperation. Dasheißt,

beim Bremsvorgang wird Energie

zurückgewonnen. Beim Verbrauch

sparen Hybrid-Nutzer zehn bis 15

Prozent gegenüber einem Benziner.

Hybrid-Fahrzeuge stoßen weniger

CO 2 aus. Die Plug-in-Hybrid-Variante

erlaubt das Laden des E-Motors

auch an der heimischen Steckdose.

Bundesregierung und Autoindustrie

haben sich bei einem Spitzentreffen

auf eine milliardenschwere

höhere Kaufprämie für

Elektroautos verständigt. Beide Seiten

übernehmen wie bisher jeweils

zur Hälfte die Kosten, wie die Deutsche

Presse-Agentur am Montagabend

aus Regierungskreisen erfuhr.

Die Kaufprämie soll bis Ende

2025 verlängert werden, wie aus einer

Vorlage für das Spitzentreffen

hervorging vorliegt. Dievor mehr als

drei Jahren eingeführte Prämie ist

bisher bis Ende 2020 befristet. Die

Verlängerung soll Unternehmen und

Gipfeltreffen beschließt: Kaufprämie wird mit Milliarden aufgestockt

Verbrauchernlangfristig Planungssicherheit

geben.

Vorgesehen ist auch, die Prämie

deutlich anzuheben. Für rein elektrische

Autos unterhalb eines Listenpreises

von 40000 Euro soll der Zuschuss

von bisher 4000 Euro auf

6000 Euro steigen. Für sogenannte

Plug-In-Hybride soll es laut Vorlage

künftig in dieser Preisklasse statt

3000 dann 4500 Euro geben.

Für Autos mit einem Listenpreis

über 40 000 Euro soll der Zuschuss

für reine E-Autos künftig bei 5000

Euro liegen, für Plug-in-Hybride bei

4000 Euro.Bisher werden Elektroau-

tos nur bis zu einem Netto-Listenpreises

von 60000 Euro gefördert.

Diese Deckelung soll entfallen.

Zuerst hatte der deutsche Marktführer

Volkswagen

Bereitschaft

signali-

E-Mobilität

siert, die höhere Kaufprämie für

Elektroautos weiter zur Hälfte mitzufinanzieren.

Zur bestehenden

Kaufprämie hatten Bund und Industrie

jeweils 600 Millionen Euro

beitragen.

An dem Spitzentreffen

nahmen neben

Kanzlerin Angela

Merkel (CDU) mehrere

Bundesminis-

So soll bei VW die

Zukunft aussehen:

der Stromer ID.3.

GETTY

ter und Ministerpräsidenten teil,

dazu die Chefs des Autoverbandes

VDA sowie von Autoherstellern, Zulieferernund

Gewerkschaften.

Mit den höheren Kaufprämien

soll der Verkauf von E-Fahrzeugen

angekurbelt werden. Zwar steigen

die Neuzulassungen, aber auf einem

immer noch niedrigen Niveau. Die

Autohersteller wollen in den kommenden

Monaten und Jahren zahlreiche

E-Autos auf den Markt bringen,

auch im Massenmarkt.

Auf dem „Autogipfel“ ging es neben

der Kaufprämie auch darum,

den Aufbau eines flächendeckenden

Netzes an Ladestationen für E-Autos

zu beschleunigen.

Gleichfalls an diesem Montag

startete Volkswagen in Zwickau den

Bau seiner erste E-Großserie –die

wichtigste Umwälzung der jüngeren

Konzerngeschichte.Der ersteVertreter

der neuen Modellfamilie, ID.3,

wird seit Montag hier produziert.

„Wir rüsten zum ersten Mal eine

große Autofabrik komplett auf Elektro

um“, sagt Vorstandschef Herbert

Diess. Angela Merkel kam zum Start

und sagte: „Zwickau wird ein Eckpfeiler

der deutschen Autoindustrie

sein.“ (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es zeitweise schauerartige Regenfälle bei stark bewölktem

Himmel, und die Höchsttemperaturen liegen bei 10bis 12 Grad. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus West. In der Nacht werden 7bis 3Grad erwartet.

Dazu wechseln sich viele Wolken und schauerartiger Regen ab.

Biowetter: Die aktuelle Witterung

führt zuverstärktem Stoffwechsel

und erhöhtem Blutdruck. Rheumatiker

müssen mit Gelenk-, Gliederund

Narbenschmerzen rechnen. Zu-

7°/10°

Wittenberge

sätzlich plagen Kopfschmerzen.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 27 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 24 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 9µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 86%

Gefühlte Temperatur: maximal 10Grad.

Wind: schwach aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

6°/11° 7°/10°

Luckenwalde

4°/11°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Regen wolkig wolkig

6°/9° 5°/11° 5°/10°

Prenzlau

7°/10°

Cottbus

5°/12°

Frankfurt

(Oder)

6°/11°

Am Rand eines Sturmtiefs über dem Ärmelkanal weht mit stark böigen Südwestwinden

erwärmte Meeresluft zu uns. Inder feuchten Luft entwickeln sich wiederholt

Schauer. Diese reichen vom Nordwesten der Iberischen Halbinsel bis zum

Baltikum und vom Alpenraum bis zur algerischen Küste.

Sylt

6°/10°

Hannover

7°/11°

Köln

8°/13°

Saarbrücken

6°/11°

Konstanz

5°/10°

Hamburg

7°/9°

Erfurt

5°/9°

Frankfurt/Main

7°/12°

Stuttgart

6°/11°

Rostock

6°/11°

Magdeburg

6°/12°

Nürnberg

5°/9°

München

5°/11°

Rügen

7°/10°

Dresden

7°/12°

Deutschland: Heute befindet sich die

Sonne oft hinter Wolken. Örtlich kann

es Schauer geben. Die Höchsttemperaturen

belaufen sich auf 9bis

13 Grad, die Tiefstwerte auf 7bis

3Grad. Der Wind weht schwach aus

West. Morgen herrscht bei größtenteils

stark bewölktem Himmel unbeständiges

Schauerwetter. Dabei

klettern die Temperaturen auf Werte

von 8bis 11 Grad, und der Wind

weht schwach aus westlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 10°-12°

Nordsee: 11°-13°

Mittelmeer: 18°-27°

Ost-Atlantik: 12°-18°

Mondphasen: 12.11. 19.11. 26.11. 04.12.

Sonnenaufgang: 07:09 Uhr Sonnenuntergang: 16:29 Uhr Mondaufgang: 14:35 Uhr Monduntergang: 23:56 Uhr

Lissabon

19°

Las Palmas

23°

Madrid

16°

Reykjavik


Dublin

11°

London

13°

Paris

12°

Bordeaux

14°

Palma

21°

Algier

21°

Nizza

18°

Trondheim

-1°

Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin

10°

Mailand

13°

Tunis

26°

Rom

20°

Warschau

15°

Wien

9° Budapest

17°

Palermo

23°

Kiruna

-9°

Oulu

-3°

Dubrovnik

22°

Athen

24°

St. Petersburg


Wilna

12°

Kiew

15°

Odessa

19°

Varna

22°

Istanbul

24°

Iraklio

25°

Archangelsk

-3°

Moskau

12°

Ankara

19°

Antalya

24°

Acapulco 32° heiter

Bali 31° heiter

Bangkok 32° wolkig

Barbados 29° Gewitter

Buenos Aires 23° heiter

Casablanca 18° Regen

Chicago 4° wolkig

Dakar 31° wolkig

Dubai 32° sonnig

Hongkong 27° sonnig

Jerusalem 26° heiter

Johannesburg 31° heiter

Kairo 29° sonnig

Kapstadt 27° heiter

Los Angeles 24° sonnig

Manila 31° Gewitter

Miami 30° wolkig

Nairobi 30° wolkig

Neu Delhi 31° sonnig

New York 18° bedeckt

Peking 15° sonnig

Perth 25° heiter

Phuket 31° Gewitter

Rio de Janeiro 39° Gewitter

San Francisco 21° sonnig

Santo Domingo 30° heiter

Seychellen 29° wolkig

Singapur 32° Gewitter

Sydney 18° Schauer

Tokio 19° sonnig

Toronto 10° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 3 *

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Seite 3

Roberto und ich hatten nur zwei Mal

Kontakt, und das auch nur per

Mail. Und doch verbindet uns etwas.

Ein Schatten, für den wir

nichts können.

Ichhatte Roberto Yanezgeschrieben, weil

die Redaktion sich fragte,wie wohl der Enkel

von Erich Honecker, der seit 30 Jahren in

Chile lebt, heute auf den Mauerfall und auf

seinen Opablickt. Ichselbst wollte eher wissen,

ob er die neue Ost-West-Debatte verfolgt

und wie er sieht, was seit der Flucht seiner

Familie 1990 aus jenem Landstrich

wurde, indem einst in jeder Schule das Porträt

seines Großvaters hing.

Wasaus Roberto selbst geworden ist, hat

er in Interviews,einem Dokumentarfilm und

einem Buch erzählt. Es erschien nach dem

Todseiner OmaMargot, den er darin seinen

persönlichen Mauerfall nennt. Daher wusste

ich, dass ich zwar zur gleichen Generation

gehörewie er,der Sohn der Honecker-Tochter

Sonja und des Exil-Chilenen Leo Yanez:

Wir sind beide Mitte der Siebziger in der

DDR geboren worden, er in der Hauptstadt,

ich wie seine Großmutter in Halle/Saale.Ich

ahnte,dass sich unsereLeben vordem Mauerfall

ähnlicher waren als danach. Obwohl

meine Eltern weder privilegiert noch Honecker-Fans

waren, im Gegenteil. Aber der

Schnitt von 1989, der im Osten auch die für

immer prägt, die noch Kinder waren, hat

mich beflügelt –und Roberto traumatisiert.

Mit 15endete über Nacht sein Leben als

Lieblingsenkel des Staatschefs, wurde der

Opa von der Respekts- zur Unperson, von

der eigenen Partei aus dem Häuschen geworfen,

auf der Flucht vor wütenden DDR-

Bürgern. Honecker an den Galgen, stand auf

Plakaten. Robertos Eltern gingen mit ihm

und der kleinen Schwester in die Heimat des

Vaters,woRoberto nicht zurechtkam, die Eltern

sich trennten, Opa Erich nach einer

Odyssee todkrank ankam, starb. Roberto

rutschte in Drogensucht und Depression. Es

dauerte lange, bis er aus der Krise fand, die

1989 für ihn begann.

Seine Antwort auf meine E-Mail kam

trotzdem schnell und war sehr freundlich.

Über uns als Vertreter derselben DDR-Generation

zu sprechen, „ist natürlich interessant“,

schreibt er, sieben Tage nach seinem

45. Geburtstag. „Prinzipiell aber mache ich

Interviews nur gegen Bezahlung, denn –das

wissen Siebestimmt –wir leben im Kapitalismus.

Niemand kann es sich leisten, etwas

kostenlos zu tun, ich auch nicht.“

DerOpa schenkt Westspielzeug

Ichkenne diesen halb sarkastischen, halb resignierten

Ton, den Subtext, dass heute auch

nicht alles Gold ist, sehr gut. Aus meiner

sächsischen Heimat. Aber nicht von meiner

Generation, sondernvon der unserer Eltern.

Sie erkämpften vor 30Jahren die Wende, sie

spürten damals Hass auf Honecker, der für

uns Jüngere nur noch ein allgegenwärtiger

Opi war, dem die Stimme wegkippte, wenn

er mal wieder dasselbe faselte.

Kapitalismus war sein Wort, sein Dauerfeindbild.

Nun verwenden es unsere Eltern,

wenn sie über ihreEnttäuschungen mit dem

Westen sprechen, über die Schwächen des

Sozialstaats, über die hohen moralischen

Ansprüche des Westens,andenen er ständig

selbst scheitert.

Anfang der Neunziger, als Roberto längst

in Chile lebt und sein Großvater in Berlin wegen

der Mauertoten vorGericht steht, sagten

die Erwachsenen uns Wendekindern: Ihr

werdet die Einheit vollenden. Wenn erst unsere

Generation die Verantwortung trage,

würde niemand mehr entlang einer innerdeutschen

Grenzedenken.

Heute blickt der Westen verständnisloser

denn je auf die Wahlergebnisse,den Krawall,

die Ansichten im Osten. Wir 2,5 Millionen,

die zwischen Mitte der Siebziger und Mitte

der Achtziger in der DDR geboren sind, sind

nicht zur ersten gesamtdeutschen, sondern

zur „Dritten Generation Ost“ geworden: in

der DDR nur Kinder, heute trotzdem nicht

assimiliert. Erichs Enkel. Wiekann das sein?

Als Roberto Yanez Betancourt 1974 zur

Welt kommt, ist Oma Margot seit elf Jahren

Bildungsministerin, Opa Erich seit drei JahrenParteichef,

zwei Jahrespäter wirderauch

Staatsratsvorsitzender.Roberto wächst in einer

der begehrten Neubauwohnungen in

Berlins Mitte auf, bekommt vom Opa Westspielzeug,

am Wochenende fährt ihn ein

Chauffeur nach Wandlitz, wo 600 Angestellte

die Waldsiedlung der SED-Kader in Gang

halten. Roberto begleitet Opa zur Jagd,

raucht mit den Personenschützern, spürtim

Schulalltag Omas schützende Hand.

Aber er geht zur Polytechnischen Oberschule

wie wir alle, Privatschulen gibt es

nicht in der DDR.

Unser Schulalltag unterschied sich nicht

vom Westen, mit Kindergeburtstagen und

Pausenbroten, Strebern und Rowdies und

Löcherninden Jeans.Nur,dass es auch Fahnenappell

gab und ich, als meine Eltern die

Roberto Yanez, Sohn der Honecker-Tochter Sonja und des Exil-Chilenen Leo Yanez

Erich Honeckers echter Enkel Roberto Yanez, 1974 geboren,

floh 1990 nach Chile. Und tat sich lange schwer mit dem Leben.

Die Gleichaltrigen, die wie er in der DDR aufwuchsen

und –anders als er –inDeutschland geblieben sind,

kamen nicht so einfach im Westen an wie gedacht

Nase von „diesem Staat“ längst voll hatten,

zum Republikgeburtstag in Pionieruniform

Ehrenwache voreinem Parteidenkmal in der

Innenstadt stand.

Über die Pioniernachmittage schrieb ich

als stellvertretender Gruppenratsvorsitzender

Rechenschaftsberichte, indenen ich sicher

auch mal Honecker zitierte. Daheim

hörten wir Stones und Lindenbergund wurden

darauf eingeschworen, in der Schule

nicht zu erzählen, dass wir fast nurWestfernsehen

gucken.

VordemWehrkundeunterricht ab Klasse 9

(den Margot Honecker einst eingeführt

hatte) und der Pflichtzeit bei der Nationalen

Volksarmee fürchtete ich mich –aber nur,

weil ich unsportlich war.

Ehe es für mich ernst wurde,war alles vorbei.

Mein Vater ging heimlich zu den Montagsdemos

in Leipzig, meine Mutter zu Diskussionsveranstaltungen,

dann entfiel

meine Popsendung im ZDF für Sondersendungen

zum Mauerfall. Da war ich knapp 13.

Der Westen brach über alle Familien,

Freundschaften, auch über uns Pubertierende

herein wie ein Tsunami. Als sich das

WirEnkel

Roberto Yanez mit seinem Großvater

VonSteven Geyer

PRIVATARCHIV

Wasser wieder senkte, gab es Gewinner und

Verlierer, wobei die Verlierer fast alle in Ostdeutschland

lebten. Und wenn man im Osten

Gewinner und jung genug war,sowie ich,

dann blieb man nicht mehr lange da. Der

Aufbruch der Jugend war halb Flucht vor

dem Mangel an Möglichkeiten, halb die Verlockung

der Freiheit, der wir westwärts folgten

–oft weit über Westdeutschland hinaus.

Roberto spürt 1990 in Chile keine neue

Freiheit. Er geht zur deutschen Schule, ist

aber überlastet mit der fremden Welt, der

zerrütteten Familie, der Belagerung durch

die Medien, dem gnadenlosen Umgang mit

dem Opa. Honecker erliegt 1994 dem Krebs.

Roberto überwirft sich mit der Mutter,dafür

zieht er bald zu OmaMargot, damals Anfang

70. Für uns DDR-Kinder war sie „der lila Drache“

(wegen des Violettstichs im weißen

Haar), für Roberto bietet sie ein Zuhause.

Das Kommando hatte sie schon geführt, als

Opanoch Staatschef war.

In der WG mit „Robi“ gelten preußische

Disziplin und sozialistische Ideologie, doch

dem Gestrauchelten gibt das Halt. Undwährend

Oma Kontakte zu Altkommunisten aus

DPA/JÖRG CARSTENSEN

allerWelt pflegt, Kuba besucht und die Dankbarkeit

Tausender Chilenen genießt, die

einst vor der Militärdiktatur in der DDR untergeschlüpft

waren, bricht nun auch Roberto

auf: in Poesie und Kunst. Sein Ausweg

ist der Surrealismus.

Äußerlich erinnert nichts an ihm an den

Großvater. Erist groß, stämmig, sein Haar

schütter und lang, er trägt Bart und Latino-

Hippie-Klamotten. Offen kritisiert er bald

Selbstgerechtigkeit und Dogmatismus der

Großeltern. 1999 erscheint sein erster Gedichtband.

Seit 2002 lebt er von der Kunst,

eher schlecht als recht. Seit 2004 ist er clean.

2013 stellt er seine Bilder in Berlin aus,betritt

erstmals „großdeutschen“ Boden, wie Oma

sagt. 2016 stirbt Margot Honecker.

„Sie war leider niemals in der Lage, ihre

revolutionäre Gesinnung mit Selbstkritik zu

verbinden“, sagt er später. Solange sie lebte,

war er deshalb „von der DDR eingefangen:

ihr letzter Bürger“.

Ichbin da nicht so sicher.Esstimmt zwar:

Als ich zum vorigen Mauerfalljubiläum in dieser

Zeitung über uns Wendekinder schrieb,

war auch ich sicher,dass es das letzte Malist.

30 Jahre nach dem Mauerfall würde die

Mauer ja länger weg sein, als sie überhaupt

stand. Auch ich glaubte,wir könnten die Einheit

vollenden. Für mich hieß das da allerdings

längst nicht mehr, dass wir Ostler einfach

genauso werden, wie es die Westler

schon immer waren. „Zusammenwachsen“

würde bedeuten, dass auch wir den Westen

verändern. Etwas einzubringen hätten.

Gleichberechtigung der Frau, flächendeckende

Kitas, Polikliniken, längeres gemeinsames

Lernen, Brücke nach Osteuropa.

Wir hatten inzwischen das nötige Selbstbewusstsein.Wirwaren

imWesten wie im Osten

zuHause, hatten einen fundamentalen

Umbruch gemeistert, dann Auslands- und

Praktikumsstationen. Ich habe inFrankfurt

am Main und in Ohio gelebt, in Südafrika und

Washington gearbeitet und fühle mich doch

als Ostler. Das sei folglich keine Schwäche

mehr,„nur weil wirvon derWestnormabweichen“,

endete mein Text damals.Und: „Wenn

das mit den eingetretenen Wegen nicht vereinbar

ist, bitteschön. Es wäre nichtdas erste

Mal, dass wiruns eigene suchen.“ Es war optimistisch

gemeint, konstruktiv. Eswar mein

Traum vonDeutschland.

Er endete mit Pegida und AfD,mit Heidenau

und Höcke, mit Chemnitz und den Statistiken,

wonach Ossis nicht mal im Osten

eine nennenswerte Zahl an Spitzenpositionen

besetzen. Was die „dritte Generation

Ost“ einbringen wollte,hatte sich im Westen

schnell versendet. Wir hatten übersehen,

dass wir hochqualifizierten und weltoffenen

Ossis zwar erfolgreich waren – aber anderswo.

Wenn wir zuWeihnachten heimkehrten,

erwartete uns nicht unsere unter einer Zeitglocke

konservierte Kindheit, vonder unsere

Altersgenossen aus Schwaben, Bayern und

Westfalen schwärmten. Unsere Heimat, das

waren plötzlich die Städte und Dörfer in völlig

neuem Glanz. Aber auch menschenleere

Innenstädte; ein schleichender Niedergang,

für den die Schließung der großen Fabriken

alserste Mauerfall-Folge nur der Anfang war;

die mal lauten und mal unausgesprochenen

Klagen der Eltern, dass davon im Fernsehen

wenig die Rede war. Es war Westfernsehen

geblieben.

Im Gutenwie im Schlechten

WirWeihnachtsbesucher sind wie glückliche

Versionen vonRobertoYanez:Wirhaben den

Osten hinter uns gelassen und da vor allem

jene,die den abschätzigenBlick des Westens

und dasschlecht nachgeäffte Sächsisch bald

nicht mehr weglächeln mochten; und auch

die, die als Jugendliche in den wilden NeunzigernOrientierung

am rechten Rand gefunden

hatten. Ich hatte mich nie gefragt, was

aus ihnen geworden war, seit sie erwachsen

und selbst Elternsind.

Nun wissen wir es. Die Ossis gehen tatsächlich

eigene Wege.Ich hatte nurnicht geahnt,

wie sehr der Frust dabei die Richtung

weisen würde.

Werdas immer noch mit Erichs Erbe erklären

will, wurde gerade vonder größten Jugendstudie

des Landes widerlegt: Sie ergab,

dass auch die 12- bis 25-Jährigen imOsten

ganz anders ticken als im Westen, imGuten

wie imSchlechten. Ich habe die Studie gerade

in mein Regal gestellt, zwischen DutzendeBücher

über Mauerfall,Einheitsprobleme

und, ja, auch über die DDR. Die„Letzten

Aufzeichnungen“, die Erich Honecker

1992 im Knast in Moabit niedergeschrieben

hatte,fandich 2012 so spannend, dass ich sie

sofort gekauft und gelesen habe. ImUrlaub.

Im Ernst. Wann mich die DDR und ihr Personal

samt Nachfahren wohl nicht mehr interessiert?

Nach 40 Jahren Mauerfall? Einem

halben Jahrhundert?

In meiner zweiten Mail an ihn habe ich

Roberto Yanez gefragt, ob er noch über die

DDR nachdenkt oder spricht, drüben in

Chile.Auch weil ichvermute,dassesvielseltener

ist als bei mir.Das dürfte stimmen, sagt

mancher,der noch sporadischen Kontakt zu

ihm hat.

Yanezselbstschrieb in seiner letzten Mail

nichts dazu. „Einige meiner Beiträge erhalten

hohe Einschaltquoten, die Medien verdienen

damit“, antwortete er nur auf meinen

Hinweis, dass wir Interviewpartner nie bezahlen.

„Warum sollte ich ohne einen Euro

nach Hause kommen? Ist das nicht ein klassisches

Ausbeutungsschema?“

Heute lädt er auf YouTube Videos hoch, in

denen er zur Gitarre eigene Lieder vorträgt.

„Ein alter Vogel hat schwere Augen. Er weiß

zu viel“, singt er in einem der melancholischen

Stücke. „Es wird genossen, dass er

nicht hier ist. Er istweit weg.“

Egal, wen Roberto damit meint: Weit genug

ist er wohl noch nicht weg.

Steven Geyer hat schon mit vielen

über den Mauerfall gesprochen, aber

nie mit einem der Honeckers.


4** Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Angriff auf Prokuristin einer

Immobilienfirma in Leipzig

Zwei vermummte Täter haben in

Leipzig die Prokuristin einer Immobilienfirma

in ihrerWohnung angegriffen.

Die34-jährige Frau sei am Sonntagabend

durch Faustschläge verletzt

worden, teilte das Landeskriminalamt

am Montag mit. DiePolizei vermutet

einen linksextremistischen

Hintergrund. DieAngreifer flüchteten.

DieFirma baut im Stadtteil Connewitz

Eigentumswohnungen. (dpa)

USA kündigen Pariser

Klimaabkommen

DieUSA kehren Bemühungen zum

Kampf gegen den Klimawandel offiziell

den Rücken zu. DieUS-Regierung

habe zum erstmöglichen Termin

ihreKündigung für das Klimaabkommen

vonParis eingereicht,

teilte Außenminister Mike Pompeo

am Montag. DieUSA verträten weiter

ein „realistisches und pragmatisches

Modell“, so Pompeo. (dpa)

Tote in London: Verdächtige

in Vietnam festgenommen

Nach dem Fund von39Leichen in einem

Lastwagen nahe London hat die

vietnamesische Polizei acht Verdächtige

in der Provinz Nghe An festgenommen.

Siesollen nach Ansicht

der Behörden Teil eines Schleuserrings

sein, der Vietnamesen illegal

nach Großbritannien bringt, wie

staatliche Medien am Montag berichteten.

(dpa)

Schriftsteller Altan aus

türkischer Haft entlassen

Dertürkische Schriftsteller und Journalist

Ahmet Altan kommt unter Auflagen

frei. Diestaatliche Nachrichtenagentur

Anadolu meldete am

Montag, ein Gericht habe Altan zwar

zu zehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt,

aber zugleich seine Freilassung

unter Auflagen angeordnet. Altan

soll mit dem Geschwister-Scholl-

Preis ausgezeichnet werden. (AFP)

LindsayHoyle ist der neue

Sprecher des Unterhauses

LindsayHoyle, fortan Mister „Order“, an

seinem Arbeitsplatz

DPA/PRU

Lindsay Hoyle ist am Montag zum

neuen Präsidenten des britischen

Unterhauses gewählt worden. Der

Labour-Abgeordnete und bisherige

Vize-Sprecher setzte sich in der viertenWahlrunde

gegen seinen Parteifreund

Chris Bryant durch. Derneue

„Speaker of the House of Commons“

wirdtraditionell vonseinen Kollegen

zu seinem Stuhl gezerrt–eine Tradition

aus Zeiten, als der Speaker im

Konflikt mit der Krone auch mal auf

dem Schafott landete.HoylesVorgänger

John Bercow hatte vergangene

Woche das Amt abgegeben. (dpa)

Iran steigertProduktion

angereicherten Urans

Im Konflikt um das Atomabkommen

mit dem Iran droht eine neue Eskalation.

DerIranarbeitet nach Angaben

des Atomchefs Ali Akbar Salehi inzwischen

mit schnelleren Zentrifugen,

die den Prozess der Urananreicherung

wesentlich beschleunigen

sollen. Dieseit September genutzten

neuen Geräte seien zehnmal schneller

als die alten Zentrifugen. (dpa)

Morddrohung per E-Mail

Die Nazi-Terrorgruppe „Atomwaffen Division Deutschland“ bezieht sich auch auf die Verbrechen des NSU

VonJan Sternberg

Deutsche Sicherheitsbehörden

wissen so gut wie

nichts über die radikale

Neonazi-Terrorgruppe

„Atomwaffen Division Deutschland“

(AWD), die für Todesdrohungen gegen

die Grünen-Politiker CemÖzdemir

und Claudia Roth verantwortlich

sein soll. Dabei ist die aus USA stammende

Gruppierung bereits seit

2018 in Deutschland aktiv. Damals

veröffentlichte sie ein Rekrutierungsvideo,

in dem zum „langen

letzten Kampf, der bald kommen

wird“ aufgerufen wird. Eine schwarz

vermummte Person hält darin eine

schwarze Flagge mit grünen Streifen

und einem Atom-Symbol vor der

ostwestfälischen Wewelsburg, einer

früheren SS-Kultstätte.

Die Zeitungen der Funke-Mediengruppe

hatten berichtet, dass Özdemir

als erster Name auf einer Todesliste

stehe. Das habe die AWD

Ende Oktober in einer E-Mail an das

Büro des türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten

geschrieben.

Bundestagsvizepräsidentin Roth

drohten sie,sie stehe auf Platz zwei.

Die AWD wurde 2018 einmal im

Gemeinsamen Extremismus- und

Terrorismusabwehrzentrum –

Rechts (GETZ-R) vonBund und Ländernthematisiert.

Dasgeht aus einer

Anfrage der Linksfraktion im Bundestag

hervor. Die Bundesregierung

habe aber keine Anhaltspunkte, die

darauf hindeuten, dass es sich bei

der AWDumeine terroristische Vereinigung

handelt.

Mitden Mitteln des Rechtsstaats

Cem Özdemir erhielt eine Drohmail der „Atomwaffen Division Deutschland“.

„Wir werden diese Angriffe

gegen unsere freiheitlich demokratische

Grundordnung nicht hinnehmen und gehen

mit den Mitteln unseres Rechtsstaats

entschieden dagegen vor.“

Ulrike Demmer, stellvertretende Regierungssprecherin, über die Todesdrohungen gegen

Grünen-Politiker Claudia Roth und Cem Özdemir

NS-Erinnerungen auf dem Abstellgleis

DieInnenexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion,

Irene Mihalic, fordert

die Bundesregierung auf, diese

Einschätzung zu ändern. Der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) sagte sie, es könne

nicht sein, „dass wir immer nur reagieren

können, wenn das Kind in

den Brunnen gefallen ist“. Ein Sprecher

des Bundesinnenministeriums

teilte mit, die Gruppe würde „sehr

aufmerksam und intensiv“ verfolgt.

Laut Bundesjustizministerium

prüfen die Justizminister der Länder

derzeit, wie Bedrohungen klar und

effektiv verfolgt werden können. Bis

Mitte November würden sie ihre Erfahrungen

mitteilen. „Danach werden

wir uns Gedanken machen, wie

wir diesen Straftatbestand verschärfen

können“, sagte eine Sprecherin.

Die Gruppe ist ein Ableger einer

amerikanischen Neonazi-Vereinigung

mit der deutschen Bezeichnung

„Atomwaffen Division“. Ihren

Mitgliedern werden mehrere Tötungsdelikte

zur Last gelegt. 2017 erschoss

ein junger Mann in Florida

seine beiden Mitbewohner. Der Ex-

Neonazi war zum Islam konvertiert,

was die beiden anderen nicht akzeptierten.

Sie gehörten ebenso wie der

vierte Mitbewohner, Brandon Russell,

zur „Atomwaffen Division“. In

Russells Zimmer wurden nach Angaben

der Ermittler Teile für den Bombenbau

gefunden –und ein gerahmtes

Foto des Bombenlegers vonOklahoma

City,Timothy McVeigh. Im Januar

2018 erstach ein junger Mann

in Kalifornien einen ehemaligen

Mitschüler, der jüdisch und homosexuell

war. Der Täter gehörte der

„Atomwaffen Division“ an.

Flyerinder Humboldt-Uni

In Deutschland wurden bisher an

Universitäten in Frankfurt amMain

und voreinem Jahr in der Bibliothek

der Humboldt-Universität in Berlin

Flugblätter der Gruppe gefunden.

DieBerliner Polizei hatte damals ein

Ermittlungsverfahren wegen des

Verdachts auf „Verwenden von

Kennzeichen verfassungswidriger

Organisationen eingeleitet“. Der

Staatsschutz wurde eingeschaltet, es

wurden aber keine Tatverdächtigen

ermittelt.

Im Juni warfen Unbekannte Flugblätter

in Briefkästen im Umkreis der

Kölner Keupstraße. Dort hatten die

Terroristen des „Nationalsozialistischen

Untergrunds“ (NSU) am 9.

Juni 2004 eine Nagelbombe gezündet.

Die Flugblätter tauchten direkt

vor dem 15. Jahrestag des Anschlags

auf. Auf ihnen prangten ein Hakenkreuz

und ein Atom-Symbol. Gerichtet

sind sie an die „Moslems in

Deutschland“. DieVerfasser drohen:

„Gezielte Angriffe auf euch werden

bald starten.“ Sie bezeichnen die

Muslime als „das willfährige Werkzeug

der Juden, um Deutschland

und Europa zu zerstören“. Ähnlichen

Verschwörungstheorien hing

auch der Attentäter vonHalle an, der

zunächst eine Synagoge und dann

einen Döner-Imbiss angriff und zwei

Menschen erschoss.

Nordrhein-Westfalens Innenminister

Herbert Reul (CDU) sagte im

Innenausschuss des Landtags, die

aus den USA stammende „Atomwaffen

Division“ und ihr mutmaßlicher

deutscher Ableger propagierten das

Ziel, einen „Rassenkrieg“ vorzubereiten

und zu entfachen. Doch schon allein

die Frage,wie viele Mitglieder die

Gruppe in Deutschland hat, können

die Behörden nicht beantworten.

Bei einem internationalen Treffen der Antisemitismus-Beauftragten in Jerusalem stand der Anschlag in Halle im Mittelpunkt

VonAnja Reich, Jerusalem

Wie schwierig es in diesen Zeiten

ist, über Antisemitismus zu

sprechen, zeigt die Sache mit der

Rede.Felix Klein, Deutschlands Antisemitismusbeauftragter,

sollte sie

am Montag auf einem Treffen in Jerusalem

halten. In der ersten Version

wird auf den Beschluss des Deutschen

Bundestages vom 18. Januar

2018 verwiesen. Deutschland, heißt

es darin, werde„aufgrund seiner Geschichte

einen noch wirkungsvolleren

Kampf gegen Antisemitismus

führen“.

In der zweiten Version wird ein

weiterer Bundestagsbeschluss zitiert.

Er stammt vomMai dieses Jahres.

Die BDS-Bewegung, die Israel

politisch, wirtschaftlich und kulturell

isolieren will, wirddarin als antisemitisch

verurteilt. Es gibt Diskussionen

um diesen Beschluss.Gerade

haben mehrere Uno-Sonderberichterstatter

wegen Einschränkung der

Meinungsfreiheit Beschwerde dagegen

eingereicht. Felix Klein hat sich

dennoch für die zweite Version entschieden.

Es war ihm wichtig. Er

habe sich ja auch für den BDS-Beschluss

eingesetzt, sagt er. Dass er

am Ende keine der beiden Reden

hielt, hatte dann aber ganz andere

Gründe. Reden waren beim Treffen

in Jerusalem nicht vorgesehen, nur

Fragen sollten beantwortet werden.

Immerhin aber lobte Israels Staatspräsident

Reuven Rivlin den Bundestag

für seinen BDS-Entschluss.

Und der britische Kollege kündigte

an, im Unterhaus einen ähnlichen

Antrag einzuführen.

Grenzüberschreitende Initiativen

Felix Klein nickt entschieden. Es ist

Montagmittag, er sitzt auf einer

Wiese vor dem Präsidentenpalast in

Jerusalem, um seine Füße streicht

eine weiß-rot-braune Katze, hinter

ihm steht Elan Carr, der amerikanische

Antisemitismus-Beauftragte.

Der französische, der britische und

die EU-Beauftragte sind auch da. Internationale

Amtskollegen, gewissermaßen,

die sich im Palast des israelischen

Staatspräsidenten über

ein Thema austauschen, das 80 Jahre

nach dem Holocaust wieder beunruhigend

aktuell ist, vor allem in

Deutschland.

Organisiert wurde das Treffen

vom Jüdischen Weltkongress. Es

sollte um den 75. Jahrestag der Befreiung

vonAuschwitz gehen, um gemeinsame

Initiativen. Nun aber bestimmt

der Anschlag auf die Synagoge

in Halle die Diskussion, noch

mehr als das BDS-Thema.

Katherina von Schnurbein, EU-

Beauftragte im Kampf gegen Antisemitismus,

sagt, Halle hätte das

größte Massaker nach dem Holocaust

werden können. Präsident

Rivlin erinnert daran, dass Antisemitismus

kein jüdisches Problem,

sonderndas der gesamten Menschheit

sei. Felix Klein berichtet von

den jüngsten Bundestagsbeschlüssen.

Schon wieder neue Beschlüsse.

Diesmal geht es um die bessere Bewachung

jüdischer Einrichtungen

und um Maßnahmen gegen Hass

im Internet. Darüber hinaus gibt es

ein Programm, das die Deutschen

von den Engländern übernommen

haben: Jeder antisemitische Vorfall

AP

wird sofort gemeldet, recherchiert

und ausgewertet, Opfer werden betreut,

Täter konsequent verfolgt.

„Dieses Programm ist ein großer Erfolg“,

sagt der Antisemitismusbeauftragte.

Mehr Einfluss

Er klingt optimistisch an diesem Tag

in Jerusalem. Halle hat ihm, so makaber

es klingt, die Arbeit erleichtert.

Felix Klein hat jetzt mehr Einfluss,

mehr Befugnisse. Gerade hat er das

Verkehrsministerium um Unterstützung

gebeten, erzählt er. Esgeht um

die Bahn, mit deren Deportationszügen

Millionen von Juden in den Tod

geschickt wurden. Der Konzern hat

zwar kürzlich eine Million Euro für

den Ausbau der Holocaust-Gedenkstätte

YadVashem gespendet, aber

einen privaten Verein, der mit einem

Museumszug an die Rolle der Deutschen

Reichsbahn in der Nazizeit erinnern

will, unterstützt er nicht. Der

Verein soll für seinen Zug Standgebühren

zahlen. Nicht nur auf Bahnhöfen,

sondern auch auf dem Abstellgleis.

Fragwürdige

Therapien für

Schwule

Wassteckt hinter den

Konversionsbehandlungen?

Homosexualität ist keine Krankheit

und muss deshalb nicht

therapiert werden. Dies ist seit langem

Konsens unter Ärzteorganisationen,

Wissenschaftlern und Psychotherapeutenverbänden.

Dennoch

gibt es auch in Deutschland

immer noch Therapieangebote mit

dem Ziel, homosexuelle Menschen

„umpolen“ zu wollen. Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn

(CDU) will solche Konversionstherapien

weitgehend verbieten, dazu hat

er nun einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Um was geht es eigentlich bei

diesen Behandlungsmethoden?

Wassind Konversionstherapien? Solche

Therapieangebote zielen darauf

ab, die homosexuelle Orientierung

eines Menschen zu ändern beziehungsweise

zu „heilen“ und in heterosexuelles

beziehungsweise asexuelles

Verhalten umzuwandeln. Zu

den angebotenen Behandlungen gehören

neben der Psychotherapie unter

anderem Lichttherapie, Homöopathie

und offenbar auch Elektroschocktherapie.

Was sagen Wissenschaft, nationale

wie internationale Organisationen

dazu? Es gibt keine wissenschaftlichen

Belege für dieWirksamkeit von

Konversionstherapien. Im Gegenteil

können solche Behandlungen

nach Auffassung von Experten

schwerwiegende psychische Belastungen

wie Depressionen, Ängste

und soziale Isolation bis hin zu einem

erhöhten Suizidrisiko nach

sich ziehen. Viele internationale

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

geht gegen Konversionstherapien vor. DPA

und auch deutsche Organisationen

haben sich klar gegen solche Therapieverfahren

ausgesprochen. Die

Weltgesundheitsorganisation

(WHO) strich Homosexualität tatsächlich

erst 1990 vonder Liste psychischer

Erkrankungen.

Der Weltärztebund, dem auch

die Bundesärztekammer angehört,

bezeichnete gegen Homosexualität

gerichtete Therapien als „ernste Gefährdung

für die Gesundheit und

die Menschenrechte“. Auch der

Deutsche Ärztetag sprach sich 2014

deutlich gegen jegliche Stigmatisierung

und Benachteiligung von

Menschen unterschiedlicher sexueller

Orientierungen aus. Konversionstherapien,

die behaupteten, Homosexualität

in heterosexuelles

Verhalten umwandeln zu können,

seien abzulehnen.

Verbote dieser fragwürdigen

Therapien kamen spät. Als erstes

europäisches Land untersagte

Malta 2015 solche Methoden, auch

in Brasilien und mehreren US-Bundesstaaten

gibt es solche Verbote.

Werbietet solche Therapien an? Das

geschieht Kritikern zufolge oft verdeckt

und meist im evangelikalen

Spektrum, wobei sich auch dortkritische

Stimmen mehrten. Der Bund

Katholischer Ärzte (BKÄ) schreibt

auf seiner Webseite ganz offen, es

gebe „religiöse, psychotherapeutische

und medizinisch-homöopathische

Möglichkeiten der ,Behandlung‘

bei Homosexualität und homosexuellen

Neigungen“. (AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 5 *

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Politik

Gesicht zeigen

Frankreichs Regierung will den Zugang zu Behördendiensten über das Handy ermöglichen. Die Frage der Sicherheit der Nutzerdaten ist ungeklärt

VonBirgit Holzer,Paris

Einen neuen Reisepass oder

Personalausweis online bestellen,

ohne ins Gemeindebüro

fahren und

Schlange stehen zu müssen? Nur

noch ein einziges Konto und Passwort

brauchen, um die Steuererklärung

zu machen, eine Sozialwohnung

oder seinen Rentenbescheid

online zu beantragen? Den einfachen

Zugang per Handy zu über 500

Behördendiensten verspricht die

Software Alicem, die die französische

Sicherheitsbehörde ATNS, die

zum Innenministerium gehört, zur

Zeit ausarbeiten lässt. Das soll den

Nutzerninder Zukunft ermöglichen,

im Kontakt mit den staatlichen Stellen

ihre „digitale Identität“ nachzuweisen.

Testphase mit Freiwilligen

Doch schon vor seiner Einführung

stößt das Programm auf Misstrauen:

Welche Daten werden wie lange und

für welche Zwecke gesammelt? Datenschützer

warnen vor missbräuchlichem

Umgang mit sensiblen

Informationen, deren Klau

durch Hacker oder gar vor den Anfängen

eines Überwachungsstaates.

Denn die App Alicem –eine Abkürzung

für „Zertifizierte Online-Authentifizierung

auf dem Mobiltelefon“

(„Authentification en ligne

certifiée sur mobile“) –soll über Gesichtserkennung

funktionieren. Seit

Juni läuft eine Testphase mit Tausenden

Freiwilligen. Wenn das System

Die Authentifizierung durch Gesichtserkennung soll über die App Alicem erfolgen. Die Informationen sollen anschließend wieder gelöscht werden, versprechen die Behörden.

dann voraussichtlich im nächsten

Jahr startet, wird Frankreich das

erste EU-Land sein, das die neue

Technologie in diesem Ausmaß anwendet.

DasInnenministerium geht

davon aus,dass zunächst rund zehn

Millionen Franzosen, die einen biometrischen

Ausweis,einen Internet-

Zugang und ein an die Technik angepasstes

Smartphone besitzen, Alicem

nutzen könnten. Den persönlichen

Empfang in den

Behördenbüros ersetzt dies aber

nicht vollständig: Noch wird Frankreich

keine rein digital verwaltete

Gesellschaft. Um das „Vorzeichen einer

Politik der digitalen Identität“

handele es sich bei dem Projekt aber

durchaus, ließ Innenminister Christophe

Castaner wissen.

Die Gesichtserkennung ist demnach

lediglich notwendig, um den

Nutzer bei der ersten Anmeldung auf

seinem Smartphone mithilfe vonFotos

und Videoaufnahmen eindeutig

zu identifizieren. Laut ATNS werden

diese daraufhin sofort wieder gelöscht,

während andere persönliche

Informationen wie Name, Adresse,

Geburtstag und -ort sowie Augenfarbe

und Größe gespeichertbleiben.

Dies ist einer der Punkte,die Kritiker

auf den Plan bringen. „Jedes Sys-

ISTOCKPHOTO

tem ist hackbar“, sagt der Spezialist

für Netzsicherheit Baptiste Robert.

ATNS-Chef Jérôme Létier räumt ein,

dass es kein Null-Risiko gebe: „Wir

gehen diese Mission ohne Naivität

an. Unsist klar, dass wir von Anfang

an die Sicherheit von Alicem garantieren

müssen.“

Die Organisation für Bürgerrechte

im Internet La Quadraturedu

Net warnt vor einer „Banalisierung“

dieser Technologie und hat Klage

eingereicht. „Die Regierung will die

Leute zwingen, die Gesichtserkennung

zu nutzen. Sie übergeht die

Wichtigkeit eines klaren Einverständnisses

und der Wahlfreiheit“,

argumentiertder Anwalt der Organisation,

Martin Drago. Wer die Gesichtserkennung

ablehne,könne Alicem

nicht verwenden. Man befürchte

zudem die Bedrohung der

Anonymität im öffentlichen Raum

und das Ausspionieren von Personen

durch Überwachungskameras:

Wer garantiere, dass nicht irgendwann

die Polizei die entsprechenden

Technologien nutze, um beispielsweise

Demonstranten zu identifizieren?

Schutz der Identität

Um diese im Falle eines Anschlags

oder anderer Verbrechen anwenden

zu können, ließ der Bürgermeister

vonNizza, Christian Estrosi, tatsächlich

beim diesjährigen Karneval im

Februar auf einem klar ausgewiesenen

Raum und mit 1000 Freiwilligen

Gesichtserkennung mittels Videokameras

testen. Die Nationale Kommission

für Internet und Freiheitsrechte

CNIL hatte Bedenken dagegen

angemeldet, ebenso wie jetzt gegenüber

Alicem. Die Behörden

versuchen, die Bedenken auszuräumen.

„Es geht nicht darum, eine

Überwachungsgesellschaft wie in

China einzurichten“, versichert

ATNS-Chef Létier. „Das einzige Ziel

besteht darin, die Identität der Franzosen

zu schützen.“

Bordsprache deutsch

Reisetermine 2020

Reise 1

s) 16.05. -23.05.20

a) 23.05. -30.05.20

b) 30.05. -06.06.20

b) 06.06. -13.06.20

b) 20.06. -27.06.20

c) 27.06. -04.07.20

c) 04.07. -11.07.20

d) 18.07. -25.07.20

d) 25.07. -01.08.20

d) 01.08. -08.08.20

c) 15.08. -22.08.20

c) 22.08. -29.08.20

b) 29.08. -05.09.20

Reise 2

s) 13.06. -20.06.20

a) 11.07. -18.07.20

a) 08.08. -15.08.20

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Elbflorenz Reisedienst GmbH &Co. KG, Wiener Strasse 80, 01219 Dresden

TagHafen An Ab

01. Anreise

01. Kiel 18.00

02. Erholung auf See - -

03. Tallinn/Estland 10.00 18.00

04. St. Petersburg/Russland 08.00 20.00

05. Helsinki/Finnland 10.00 17.00

06. Stockholm/Schweden 09.00 18.00

07. Erholung auf See - -

08. Kiel 08.00

08. Abreise

Reise 1: 8-tägige Kreuzfahrt

Ostsee Highlights

Termin 01.08./15.08/22.08./29.08.20 statt Stockholm: Nynäshamn

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Kategorie

Kategorie

Innenkabine

Meerblickkabine

Verandakabine mit Balkon

Verandakabine Komfort mit Balkon

TagHafen An Ab

01. Anreise

01. Kiel 18.00

02. Erholung auf See - -

03. Bergen/Norwegen 10.00 20.00

04. Nordfjordeid/Norwegen 08.00 20.00

05. Flam/Norwegen 10.00 20.00

06. Stavanger/Norwegen 12.30 22.00

07. Erholung auf See - -

08. Kiel 08.00

08. Abreise

Reise 2: 8-tägige Kreuzfahrt

Norwegens Küste &Fjorde

Termin 13.06.20 statt Flam: Alesund

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•Zuschlag Reise 1: Saison b) Innenkabine + € 100,- p.P. /Meerblickkabine + € 100,- p.P./ Verandakabinen + € 100,- p.P.

•Zuschlag Reise 1: Saison c) Innenkabine + € 150,- p.P. /Meerblickkabine + € 200,- p.P./ Verandakabinen + € 150,- p.P.

•Zuschlag Reise 1: Saison d) Innenkabine + € 200,- p.P. /Meerblickkabine + € 250,- p.P./ Verandakabinen + € 250,- p.P.

•Zuschlag Reise 2: Saison a) Innenkabine + € 50,- p.P. /Meerblickkabine + € 50,- p.P./ Verandakabinen + € 50,- p.P.

•Einzelkabinen-Aufschlag 65%

•Bahn An- und Abreise €77,- p. P. oder bewachter Parkplatz in Kiel €77,- p.Pkw

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• InkludierteLeistungen:Vollpensionund ausgewählteGetränkeinden Buffet- Restaurants, Trinkgelder an Bord

• Nichteingeschlossen sind: Ausgabenfür Landausflüge,weiterepersönliche Ausgaben

• Sonstige Hinweise: Reise1:Reisepass , Reise2:Personalausweis mit 6-monatiger GültigkeitnachReiseende erforderlich

•Reiseveranstalter: AIDA Cruises,German Branch of CostaCrociereS.p.A, Am Strande3d, 18055Rostock

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6* Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▲ 13136,28 (+1,35 %)

5.8.19

4.11.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▲ 62,12 (+0,93 %)

5.8.19

4.11.19

Euro in US-Dollar

▲ 1,1158 (+0,17 %)

Reform wirkt bei

Ein-Euro-Jobs

Seit der Arbeitsmarktreform2012 ist

die Zahl der Ein-Euro-Jobber deutlich

gesunken. Außerdem erreichen

diese die Zielgruppe –schwervermittelbareEmpfängerdes

Arbeitslosengelds

II –besser als in früheren

Jahren, wie eine Studie des Nürnberger

Instituts für Arbeitsmarkt- und

Berufsforschung ergab.Die wenigsten

Ein-Euro-Jobber nahmen jedoch

in den drei Jahren danach eine sozialversicherungspflichtige

Beschäftigung

auf. In den ersten Jahren

nach der Einführung der Ein-Euro-

Jobs wurden diese auch an Arbeitslose

vermittelt, die bessereChancen

auf dem Arbeitsmarkt haben. (dpa)

5.8.19

Stand der Daten: 04.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

Quelle

aus DAX und MDAX vom 04.11. zum Vortag

4.11.19

Healthineers 42,00 +9,46 WWWWWWWWWWW

Hella 47,14 +6,65 WWWWWWWW

Dürr 29,00 +5,07 WWWWWW

ProSiebenSat.1 13,90 +4,87 WWWWWW

Commerzbank 5,69 +4,61 WWWWWW

Continental 127,54 +3,93 WWWWW

Verlierer

aus DAX und MDAX vom 04.11. zum Vortag

Deutsche Börse NA137,15 WWW –1,90

DeliveryHero 41,00 WW –1,28

1&1 Drillisch 23,44 WW –1,10

RWESt. 27,50 WW –0,94

CompuGroup Med. 57,50 WW –0,86

Brenntag NA 45,50 WW –0,78

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 04.11. ±% z. 01.11.

Euro Stoxx 50 (EU) +1,14

3672/2909 3665,21

CAC 40(FR) +1,08

5834/4556 5824,30

S&P UK (UK) +0,91

1562/1323 1485,89

RTS (RU) +2,29

1455/1033 1455,44*

IBEX (ES) +0,95

9588/8286 9416,40

Dow Jones (US) +0,36

27518/21713 27446,58

Bovespa (BR) +0,60

109532/83892 108847,90

Nikkei (JP) –0,33

23008/18949 22850,77*

Hang Seng (HK) +1,65

30280/24897 27528,94

Stx Singap. 20 (SG) +0,14

1657/1390 1616,40

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,30 0,30 0,30

RaboDirect **

rabodirect.de 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,13 0,13 0,13

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Im Hafen von Emden stehenAutos des Volkswagen-Konzerns zurVerschiffung bereit.

Flugbegleiter wollen zwei volle Tage streiken

Von Christian Ebner

Passagiere der Lufthansa müssen

zum Ende dieser Woche wieder

mit Streiks der Flugbegleiter rechnen.

Die Gewerkschaft Ufo hat zu

einem 48-Stunden-Ausstand bei der

Lufthansa am kommenden Donnerstag

und Freitag (7. und 8. November)

aufgerufen. Betroffen seien

alle Abflüge aus Deutschland, teilte

die Gewerkschaft am Montag mit.

„Weitere Aufrufe bei anderen

deutschen Flugbetrieben des Konzerns

sind jederzeit möglich“, kündigte

der Ufo-Vize Daniel Flohr an.

Erneut werde der gesamte Konzern

betroffen sein. Grundsätzlich sind

Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft

ebenso

möglich wie bei vier weiteren Flugbe-

Der nächste Deal

Die USA halten Strafzölle auf Autoimporte aus Europa und Asien nun für vermeidbar

Von Frank-Thomas Wenzel

Was zwei, drei Sätze bewirken

können: US-

Handelsminister Wilbur

Ross rückt in

einem Fernsehinterview vonStrafzöllen

gegen die europäische Autoindustrie

ab.Prompt schießen die Aktien

von großen Konzernen und Zulieferernanden

europäischen Börsen

in die Höhe.Sowurde am Montag der

Deutsche Aktienindex (Dax) erstmals

seit anderthalb Jahren deutlich über

dieMarkevon13000Punktengehievt.

Ross sagte in dem Interview mit

dem US-Sender Bloomberg Television,

man habe sehr gute Gespräche

mit den europäischen, japanischen

und koreanischen Freunden geführt.

Diese seien auch die weltweit wichtigsten

Autobauer.Die US-Regierung

hoffe nun, dass die Verhandlungen

mit „individuellen Unternehmen“

über deren Investitionen ausreichend

Früchte tragen würden, um Strafzölle

nach dem US-Handelsrecht überflüssig

zu machen, so der Minister. Auch

in den Diskussionen mit den Regierungen

gehe es voran.

Der Stoxx-600-Index für Automobile,der

aus europäischen Aktien aus

der Branche besteht, stieg auf den

höchsten Wertseit Ende April. Wenige

Tagespätersollteneigentlichzusätzliche

Zölle von 25Prozent für Importe

vonFahrzeugen undTeilen aus Europa

in die Vereinigten Staaten in Kraft

gesetzt werden. Aber US-Präsident

Donald Trump vertagte seinerzeit

Handelskrieg: Der vonUS-

Präsident Donald Trump losgetretene

Handelskrieg mit

der Volksrepublik China hat

eine Kettenreaktion ausgelöst,

die auch die deutsche

Wirtschaft massiv zu spüren

bekommt. Bereits im vorigen

Jahr sind nach zwei Jahrzehnten

stetigen Wachstums

die Autoverkäufe im Reich

der Mitte deutlich zurückgegangen.

KETTENREAKTIONEN

Auftragsrückgänge: Das

Center AutomotiveResearch

(CAR) geht davonaus,dass

dieses Jahr in China 20,5

Millionen Neuwagen verkauft

werden. 2017 waren es

noch fast vier Millionen Fahrzeugemehr.Das

macht nicht

nur VW,Daimler und BMW

und vielen Zulieferernzu

schaffen. Auch die deutschen

Maschinenbauer klagenüber

Auftragsrückgänge.

Umsatzeinbußen: Die CAR-

Experten haben errechnet,

dass bei einer Fortführung

vonTrumpsHandelskriegen

allein für die Autobranche in

den Jahren bis 2024 weltweit

insgesamt Umsatzeinbußen

von700 Milliarden

Euro zusammenkommen

können. Die chinesische

Schwäche beträfe nicht nur

Deutschland, sondernwürde

global Auswirkungen haben.

kurzfristig die Entscheidung. Mitte

November soll – nach derzeitigem

Stand –eineendgültige Entscheidung

fallen.

Die Strafabgabe würde vor allem

die deutschen Autobauer treffen –

aber auch US-Hersteller, daviele auf

Komponenten aus Europa angewiesen

sind. Ferner würden die Fabriken

europäischer Autobauer gebeutelt,

die in den USA produzieren. Auch

Tausende Arbeiter wären betroffen.

Das trifft insbesondere auf BeschäftigtevonBMWundDaimlerzu–beide

Konzerne fertigen ausschließlich jenseits

des Atlantiks die lukrativen SUV

für den gesamten Weltmarkt.

Zahlreiche US-Firmen, Unternehmensverbände

und Gewerkschaften

haben deshalb ihre Regierung mit

Nachdruck vor den Sanktionen gewarnt.

Trump hat bereits vor geraumer

Zeit mit erhöhten Abgaben auf

Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus

der EU einen Handelskonflikt losgetreten.

Offizielle Begründung waren

Gefahren für die nationale Sicherheit.

Dies wurde auch bei den Zolldrohungen

für Fahrzeuge ins Feld geführt.

Die EU-Kommission hat diese Argumentation

mehrfach zurückgewiesen.

Bemerkenswert an Ross’ Statement

ist, dass er ausdrücklich Südkoreaund

Japan angeführt hat. MitSüdkorea

hat die US-Regierung kürzlich

Der festgefahrene Tarifkonflikt bei der Lufthansa erreicht die nächste Stufe

trieben mit deutschem Tarifrecht.

Die Töchter sind für die Lufthansa

selbst, für Eurowings und Sunexpress

unterwegs.Für alle fünf Flugbetriebe

hat die Ufo jeweils separate Tarifforderungen

aufgestellt und sich in Urabstimmungen

die Zustimmung der

Mitglieder zu Streiks geholt. Die Zustimmung

lag nach gewerkschaftlichen

Angaben vomFreitag zwischen

„Weitere Streikaufrufe

sind jederzeit möglich.“

Daniel Flohr, stellvertretender Ufo-Chef

77,5 und 96,2 Prozent der abgegebenen

Stimmen.

Die Lufthansa will den Streik mit

juristischen Mitteln stoppen. Man

verurteile den „massiven“ Aufruf der

Gewerkschaft Ufo auf das Schärfste

und prüfe rechtliche Schritte dagegen,

erklärte ein Unternehmenssprecher.

Gleichzeitig werde an

einem Ersatzflugplan gearbeitet. Die

FOTO: JÖRG SARBACH/DPA

ein Handelsabkommen geschlossen,

das Strafzölle für Fahrzeuge ausschließt.

Auch mit Japan wurde Anfang

Oktober eine ArtTeileinigunger-

zielt,mitderZöllefürImportevonUS-

Agrarprodukten gesenkt werden.

Unter anderem geht es um Schweineund

Rindfleisch. Präsident Trump hat

die Vereinbarung als „game changer“

für Farmer bezeichnet, die zu seinen

wichtigsten Unterstützern zählen.

US-Landwirte leiden derzeit darunter,

dass im Zuge des Handelsstreits

mit China die Exporte ins Reich

der Mitte starkzurückgegangen sind.

In dem Nippon-Deal wird der Verzicht

auf Autozölle nicht ausdrücklich

erwähnt. Ministerpräsident Shinzo

Abebetonteaber,erhabedieZusicherung,

dass keine erhöhten Abgaben

für Exporte in die Vereinigten Staaten

erhoben würden. DieUSA sind für Toyota,

die weltweite Nummer zwei der

Branche, und andere Hersteller aus

Japan extrem wichtig.

Die verquere Art des Deals deutet

aber darauf hin, dass Trump sich –wie

häufig –zugleich ein Hintertürchen

offen gelassen hat, um doch noch

gegenjapanischeAutobauervorzugehen,wennesihmopportunerscheint.

Beobachter vermuten, dass die Vereinbarung

zum Vorbild für eine Einigung

mit der EU-Kommission werden

könnte. Das würde darauf hinauslaufen,

dass Brüssel Zugeständnisse

bei Agrarimporten aus den USA

machen müsste.Das haben die KommissionunddienationalenRegierungen

bislang aber immer abgelehnt.

Lufthansa erkennt den Gewerkschaftsvorstand

nicht als vertretungsberechtigt

an und lehnt Verhandlungen

mit der Ufo seit Monaten

ab.Die DGB-Gewerkschaft Verdi

stünde als Alternativezur Verfügung,

hat aber nicht die Mehrheit der Beschäftigten

hinter sich.

In der Auseinandersetzung hatte

die Ufobereits am 20. Oktober einen

19-stündigen Warnstreik bei vier

Lufthansa-Töchternausgerufen und

damit mehr als 100 Flüge ausfallen

lassen. Derletzte reguläreUfo-Streik

bei der Lufthansa-Kerngesellschaft

datiertaus dem Jahr 2015. DieUfo hat

erhebliche innergewerkschaftliche

Auseinandersetzungen hinter sich.

DieNeuwahl der Gewerkschaftsspitze

ist für den 14. Februar kommenden

Jahres geplant. (dpa)

ING fördert Weiterbildung

per Tarifvertrag

DieDirektbank ING will in den

nächsten drei Jahren mehrereMillionen

Euro in die Weiterbildung ihrer

Mitarbeiterinvestieren und schreibt

dies in einem Tarifvertrag fest. „Das

tariflich vereinbarteWeiterbildungsbudget

bei der ING in Deutschland

ist ein Alleinstellungsmerkmal in der

Branche.Wir würden uns wünschen,

dass dasSchule macht“, sagte Jan

Duscheck,Verdi-Bundesfachgruppenleiter

Bankgewerbe. Konkret

stehtden 4000 Mitarbeitern jährlich

ein Weiterbildungsbudget vonje

500 Euro zurVerfügung, das über

drei Jahreauf 1500 Euro angespart

werden kann. (dpa)

Bolivien stoppt

Lithium-Projekt

Unter derKruste des Salzsees Uyuni lagernLithiumreserven.

FOTO: GEORG ISMAR/DPA

Boliviens Regierung hat ein Joint

Venturezur Lithiumgewinnung mit

einem deutschen Unternehmen annulliert.

DerGouverneur des Departements

Potosí erklärte,die Regierung

vonPräsident EvoMorales

habe das Projekt per Dekret gestoppt.

Dasdeutsch-bolivianische

Gemeinschaftsprojekt war erst vor

einem Jahr ins Leben gerufen worden.

Dasimvergangenen Dezember

in Berlin vereinbarte Joint Venture

des Staatsunternehmens YLB und

der baden-württembergischen Firma

ACISystems zielte darauf ab,Lithium

aus dem Salzsee Uyuni zu gewinnen.

Eine Begründung für den

Rückzieher der Regierung wurde

nicht bekannt gegeben. Lithium

wirdunter anderem zur Produktion

vonBatterienfür Elektroautos benötigt.

(dpa)

Chinesen kaufen

Steigenberger-Hotels

DieSteigenberger-Hotels werden

chinesisch: DerKonzernHuazhu

Group hat die Dachgesellschaft der

Hotelmarke,die Deutsche Hospitality,durch

eine Tochtergesellschaft

vollständig erworben, wie beide Seiten

am Montag mitteilten. Laut dem

neuen chinesischen Eigentümer

liegt der Kaufpreis bei 700 Millionen

Euro.Neben Steigenberger gehören

zu der in Frankfurtansässigen Deutschen

Hospitality auch Marken wie

Intercity-Hotel und Jazinthe City.

Steigenberger hatte bereits Expansionspläne

vorgestellt: Demnach

soll die Anzahl der Häuser vonaktuell

118 bis 2024 auf 250 steigen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 7 *

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Wirtschaft

Wachstum mit künstlicherIntelligenz

Zwei von drei Geschäftsfeldern laufen bei Siemens Healthineers ausgezeichnet.Inder Diagnostiksparte aber hat sich das Management kräftig verrechnet

Von Thomas Magenheim

Der Chef des Siemens-Medizintechnikkonzerns

Healthineers redet nicht

lange um den heißen Brei

herum. „Wir waren zu optimistisch“,

gestehtBerndMontagbeider Bilanzvorlage

des eigenständig an der Börse

notierenden Siemens-Zweitkonzernsein.

Er meint damit das mit großen

Vorschusslorbeeren gestartete

Laborsystem Atellica. Das sollte die

ansehnlichen Gewinnmargen des

hochprofitablen Siemens-Geschäfts

weiter steigern. Stattdessen ist es

zum Hemmschuh geworden. „Atellica

macht Verlust“, räumt Montag ein.

An sich sei das zum Start eines

neuen Produkts dieser Dimension

nicht überraschend, sagt er.Das Ausmaß

der Margenbelastung ist es aber

schon. Von12,9 auf 9,9 Prozent ist die

operativeGewinnmargeimDiagnostikgeschäft

von Healthineers im Geschäftsjahr

2018/2019 (zum 30. September)

gefallen. Das klingt immer

noch nach viel, ist aber weniger als

die Hälfte der Profitabilität im Geschäft

mit bildgebenden Geräten wie

Computertomografen und fortschrittlichen

Therapien, die jeweils

Margen von rund 22Prozent schaffen.

Nachdem Montag schon vor einigen

Monaten die Auslieferziele für

Atellica von 2200 bis 2500 Systemen

kassiertund auf noch 1800 Einheiten

für 2018/2019 gesenkt hatte, verabschiedet

er sich nun auch von den

Bernd Montagist Chef desMedizintechnikkonzerns Siemens Healthineers.

mittelfristigen Erwartungen, die mit

dem Hoffnungsträger verbunden

waren. Nicht vor2024 werdeSiemens

Healthineers im Diagnostikgeschäft

auf eine Marge von etwa 15 Prozent

kommen. Dasist nicht nur zwei Jahre

später, sondern auch weniger als erwartet.

Geplant waren 16 bis 19 Prozent

Marge. Ob ein solches Niveau

überhaupt einmal erreichbar ist, will

Montag derzeit nicht vorhersagen.

„Erst müssen wir die Hausaufgaben

machen“, sagt er. Das heißt: Atellica

zum Laufen bringen. Versprochen

ist, mit dem System die Arbeitszeiten

in Großlaboren um 70 Prozent zu reduzieren

und beispielsweise Blut

binnen acht Minuten analysieren zu

können. Dasist viermal schneller als

bisher möglich. Theorie und Praxis

sind aber verschiedene Dinge. „Wir

waren auf die hochkomplexe Installation

nicht ausreichend vorbereitet“,

sagt Montag. Er hat Atellica nun

zur Chefsache gemacht. Der zuvor

dafür verantwortliche Manager Michael

Reitermann musste jüngst gehen.

Trotz dieser Belastung konnte Siemens

Healthineers nach starkem

FOTO: DANIEL KARMANN/DPA

Schlussquartal die Konzernumsätze

2018/2019 insgesamt um knapp

6Prozent auf 14,5 Milliarden Euro

steigern. Der Gewinn nach Steuern

sprang auch durch einen Sondereffekt

sogar um ein Viertel auf knapp

1,6 Milliarden Euro. Während der

Konzern mit seinen weltweit 52000

Beschäftigten in den beiden Geschäften

mit bildgebenden Großgeräten

und fortschrittlicher Therapie

aber damit als Weltmarktführer in

dem Bereich Marktanteile gewinnen

konnte,geht es bei der Diagnostik in

die andere Richtung. Hier haben die

Erlanger nur 2 Prozent Umsatzwachstum

geschafft, während der

Marktderzeit um gut 5Prozent jährlich

zulegt.

Diese gespaltene Entwicklung

bleibt vorerst erhalten. Für den Gesamtkonzernsagt

Montag im laufenden

Geschäftsjahr 2019/2020 5 bis

6Prozent Umsatzwachstum und 6-

bis 12-prozentiges Gewinnwachstum

voraus. Für das von Atellica belastete

Diagnostikgeschäft wird jedoch

eine weitereleichte Erosion der

Margeerwartet. „Wir werden die Talsohle

aber 2020 durchschreiten“,

kündigte Montag mit Blick auf das

Laborsystem an. Für die Folgejahre

veranschlagt er anhaltend mindestens

5Prozent mehr Konzernumsatz

und ein doppelt so starkes Gewinnwachstum.

TechnologischsetzendieErlanger

auf Digitalisierung und künstliche

Intelligenz(KI).MitderenHilfesollen

die von eigenen Geräten gesammelten

medizinischen Daten analysiert

werden. „Mit 750 Millionen Bildern

haben wir den größten Datenfundus

der Branche“, betont Montag. KI-

Analyse soll den nutzen, um Ärzten

künftig Vorschläge für Diagnose und

Therapie zu machen. Kurzfristig

drängender ist es aber, die Zusagen

zu Atellica endlich einzulösen.

Westwing in der Bredouille

Seit dem Börsenganggeht es für den Möbelhändler bergab

Von Thomas Magenheim

E swareinesderwenigendeutschen

Vorzeige-Start-ups im hierzuLande

nichtgeradeüppig repräsentierten

Onlinehandel. ImOktober 2018 ging

der Münchner Online-Möbelhändler

Westwing für 26 Euro je Aktie an die

Börse. Nun notiert das Papier nur

nochzwischen vier und fünf Euro.Immerhin.Vor

fünf Wochen waren es sogar

weniger als zwei Euro. Mehrmals

mussten Prognosen nach unten korrigiert

werden. Das wirft Fragen auf.

Aber wer mit dem börsennotierten

Unternehmen über seinen rasanten

Niedergangreden will, erhält nur eine

karge Antwort. „Das kommentieren

wir nicht.“

So zugeknöpft waren Westwing

und Firmengründerin Delia Fischer

nichtimmer.Mittlerweileheißtdie35-

Jährige Delia Lachance. Diesen Sommer

hat die Königinder Inneneinrichtung,

wie die als Kreativ-Vorstand

agierende Onlinepionierin bisweilen

tituliert wird, begleitet von großer öffentlicher

Inszenierung den kanadischen

ImmobilienentwicklerMaxime

Lachanceauf Ibiza geheiratet.Das Interesse

an Möbeln und Wohnaccessoires

von Westwing war jedoch zuletzt

sehr überschaubar. Zum Halbjahr

2019 sind die Erlöse leicht auf

unter 120 Millionen Euro geschrumpft.

Im Gesamtjahr 2018 stand

noch ein Umsatzplus um 16 Prozent

auf254MillionenEurozuBuche.Operativ

(vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen)sinddie

Münchner,die

unter dem Strich noch nie schwarze

Zahlen geschrieben haben,zudem im

erstenHalbjahr2019wiederindieVerlustzone

gerutscht.

Die Entwicklung ist alarmierend,

dennder allgemeine Trend im Online-

Möbelhandel geht nach oben. Von

den gut 37 Milliarden Euro,die derzeit

bundesweit jährlich mit Möbeln umgesetztwerden,entfielen2018beisteigender

Tendenz über sechs Milliarden

Euro auf den Onlinekanal. Bis 2023

sagtdieUnternehmensberatungPWC

in einer aktuellen Studie dem Onlineverkauf

von Möbeln inDeutschland

jährlich gut acht Prozent Wachstum

voraus.

Ausgerechnet beim Pionier Westwinggehtesnunaberabwärts.Alsdessen

Manager im Frühherbst nochFragen

beantwortet haben, erklärte Finanzchef

Florian Drabeck das Debakelmit

mangelhaftemMarketing und

falschem Sortiment nebst länderspezifischen

Problemen. Manwerde spätestens

ab dem vierten Quartal 2019

wiederprofitabelwachsen.Branchenkenner

sindsichallerdingsnicht so sicher,

ob eine Trendwende gelingt. Bei

Westwing sei die Glaubwürdigkeit

schwer beschädigt und die Geschäftsentwicklung

nur noch schwer vorherzusagen,

warnt AnalystGraham Renwick.

Patrick Ziechmann,der für PWC

an der Branchenstudie gearbeitet hat,

erklärt die für Westwing gefährlichen

Veränderungen im Markt: Mittlerweile

hätten Branchengrößen wie Ikea

das Internetgeschäftfür sichentdeckt.

AmDonnerstagmussWestwingreden.Andiesem

Tagist die Vorlage der

Zwischenbilanz für das dritte Quartal

fällig. Aktionäre könnten gute Nachrichten

gebrauchen.

Vonhier: klimaneutraleWärme

fürs Quartier.

Das Märkische Viertel ist das größte

zusammenhängende Wohngebiet in

Deutschland, das komplett mit Warmwasser

und Wärme aus regionaler

Biomasse versorgt wird. Zusammen mit

der GESOBAU beliefert Vattenfall hier

rund 13.500 Wohnungen.

Für ein fossilfreies Leben innerhalb einer

Generation.

Mehr auf vattenfall.de/fossilfrei

Delia Lachance hatmit 26 JahrenWestwing gegründet.

FOTO: PETRA SCHÖNBERGER/DPA


8* Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Meinung

Anschlagsserie

ZITAT

Lieber schneller

als zu spät

Jens Blankennagel

teilt den Ruf nach einem

Untersuchungsausschuss.

„Es wird mir nicht

langweilig, und ich

werde meiner Frau nicht

auf die Nerven gehen.“

Jeden Donnerstag stehen Leute vordem

Landeskriminalamt und halten Schilder

hoch. Ihre Frage: Warumsind nach 55

Anschlägen seit 2016 noch keine Täter ermittelt?

Es geht um eine Serievon Gewalttaten

in Neukölln, vor allem Brandanschläge,

bei denen immer Vertreter des

linken politischen Spektrums angegriffen

werden, Politiker, Gewerkschafter, Leute,

die sich gegen Neonazis engagieren.

Vermutet wird, dass es sich um eine

rechtsextremistische Terrorgruppe handelt,

aber die Ermittler können sie nicht

fassen. Da Polizisten meist ein konservatives

Weltbild unterstellt wird, lautet der

Vorwurf: DiePolizei sei –wie einst bei den

NSU-Morden – auf dem rechten Auge

blind. Es wird sogar behauptet, das LKA

würde die Neonazis schützen.

Ungeheuerliche Vorwürfe. Niemand

kann sagen, ob dies stimmt oder nicht.

Deshalb ist die Forderung nach einem

parlamentarischen Untersuchungsausschuss

richtig. Solche Ausschüsse geben

die Möglichkeit, in Akten zu schauen, die

der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich

sind, es werden Ermittler, Opfer und Angehörige

gehört.

Der Vorteil: Im Ausschuss säßen Vertreter

aller Parlamentsparteien, er wäre

also nicht einseitig. Es ginge nicht um Unterstellungen,

sondernmöglichst um Fakten.

Ein solcher Ausschuss mag viel Geld

kosten und viel Zeit und Kraft. Und er

könnte einzelne Ermittler belasten, aber

eben auch entlasten. Aufklärung ist notwendig,

denn es geht um Vorwürfe, die

das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben.

Undein solcher Ausschuss würde

früher oder später sowieso kommen:

Wenn keine Täter gefasst werden, wenn

die Anschlagsserie weitergeht, wenn Todesopfer

zu beklagen wären.

Konversionstherapie

Abschied vom

Mittelalter

Rasmus Buchsteiner

hätte sich ein Komplettverbot

gewünscht.

Man muss sich nur diese Erfahrungsberichte

durchlesen. Sie handeln

vondubiosen, selbst ernanntenTherapeuten,

die Homosexualität verdammen, zur

Krankheit erklären und „Heilung“ versprechen.

Sie berichten von Scham und

Schuldgefühlen, die Schwulen und Lesben

eingeredet werden. Sie dokumentieren

krudes Religionsverständnis, Bevormundung,

Zwang und innere Konflikte, nicht

selten Depressionen und Suizidgedanken.

Dasalles ist schaurig. Es wirkt wie Mittelalter

–und nicht wie 2019. DieFrage ist

also nicht, ob es richtig ist, dass Gesundheitsminister

Jens Spahn dieseTherapien,

die nachweislich großes Leid mit sich

bringen, per Gesetz verbieten möchte.

DieFrage ist vielmehr,warum das in einer

aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren

nicht schon längst geschehen ist. Es ist die

Folge einer Politik, die nicht wissen wollte,

wozu diese angeblichen Therapien führen.

Dieser Gesetzentwurf samt Strafvorschriften

war lange überfällig.

Zu wünschen wäresicherlich ein Komplettverbot

gewesen. Dass es nicht im

Entwurf steht, ist die Folge einer Abwägung

des Ministers. Natürlich ist der Gesetzgeber

immer gehalten, verhältnismäßig

zu handeln, nicht ins Selbstbestimmungsrecht

des Einzelnen einzugreifen,

wo dies nicht unbedingt geboten ist. Nur

was bedeutet das alles beim Thema Konversionstherapien?

Wo endet die Fürsorgepflicht

des Staates? Undwobeginnt die

Verantwortung des Individuums? Die

Frage, ob tatsächlich der Nachweis erbracht

werden kann, dass ein 16-Jähriger

oder eine 16-Jährige die seelischen Folgen

einer solchen Therapie überblickt, bevor

sie die Einwilligung erteilen, sollte noch

einmal gründlich beleuchtet werden.

Im-Mobilität

Technische Innovation hat in

Deutschland meist mit dem Auto

zu tun. Ob Sensoren oder Kunststoffschaum,

ob Roboter, LED-

Leuchten, hochfester Stahl oder Klebestreifen

–kaum eine Industrie liefertnicht im großen

Stil an die Autohersteller.Was sie brauchen,

wird produziert, was ihre Probleme

löst, wird entwickelt. Und weil Autos teuer

und die Ansprüche der Kunden entsprechend

hoch sind, haben es viele Lieferanten

weit gebracht. Seit Jahrzehnten bürgt das für

wirtschaftlichen Erfolg.

Eine komplette Wertschöpfungskette ist

entstanden, die dafür sorgt, dass jeder Beteiligte

sein Produkt perfektioniert–mehr allerdings

nicht. Denn das Ganze ist auch eine

Schicksalsgemeinschaft, aus der niemand

ausbrechen kann. Was nicht in die hergebrachte

Autologik passt, hat wenig Chancen.

So ist das deutsche System prädestiniert für

Feinschliff am bekannten Produkt. Für den

großen Bruch ist es nicht gemacht.

Das beweist die Einführung der Elektromobilität

seit über einem Jahrzehnt. Es war

der Herbst 2008, als erstmals eine „Nationale

Strategiekonferenz Elektromobilität“ ehrgeizige

Ziele formulierte. Unter anderem sollte

2020 eine Million Elektroautos auf deutschen

Straßen fahren. Wenig wurde erreicht,

und manche Erkenntnis von damals wird

seitdem bei jedem der ungezählten Autogipfel

wiederholt. Plattformen wurden gegründet

und Arbeitsgruppen installiert. Werihre

Berichte liest, denkt hinterher zweierlei: Darauf

wäre ich auch gekommen und –soentsteht

nichts Neues.

Wenn die Elektromobilität jetzt doch mit

Macht vorankommt, hat das zwei ganz andere,

viel einfachere Gründe: Wir verdanken

es radikalen Abgasvorschriften, die mit Fein-

Seit knapp sechs Jahren ist Monika Grütters

(CDU) Kulturstaatsministerin. Sie

wirkt charmant. Aber abgesehen von der

Fassade ihrer Politik, der sich die Ministerin

mit Hingabe widmet, geht im Praktischen

manches drunter und drüber.

Nehmen wir das Museum der Moderne.

Es soll auf einer Brache des einst westlichen

Berliner Kulturforums errichtet werden.

Nichts gegen das Projekt. Aber es ist obszön,

dass dieser Bau ursprünglich 130 Millionen

und dann 200 Millionen Euro kosten sollte,

jetzt aber mehr als 450 Millionen Euro –und

zwar bevor der erste Spatenstich getan ist.

Die Kostensteigerungen gehen wesentlich

auf die von der Ministerin nachträglich geforderten

Tiefgeschosse zurück. Und wie jeder

Kundige weiß, wird das Gebäude am

Ende weit mehr als ein halbe Milliarde Euro

verschlingen. Berichten Journalisten darüber,

lässt Grütters verbreiten: „Die Zahlen

sind völlig aus der Luft gegriffen.“ Ein paar

Wochen später stimmen sie dann doch. Am

14. November soll der Bundestag die Gelder

bewilligen –muss er aber nicht.

Für das Einheitsdenkmal, die sogenannte

Wippe, ist Grütters ebenfalls zuständig. Ich

halte es für geschichtsvergessen, das schaukelnde

deutsche Volk als Herrin der Geschichte

zu verewigen: In Thüringen sieht

das Schaukeln derzeit so aus,dass die Nichtwähler

zusammen mit den AfD-Wählernfast

die Mehrheit bilden; in großen Teilen Sachsens

dito; 1932 stimmten zwei Drittel der

Deutschen für NSDAP, DNVP und KPD, also

Industrie

Schicksal

Auto

Stefan Winter

fragt sich, werden nötigen Wandel, nicht nur

in der Autoindustrie, gestaltet und voranbringt.

KOLUMNE

Monika Grütters,

Ministerin des

schönen Scheins

Götz Aly

Historiker

für jene drei Parteien, die eine antidemokratische

totalitäreWende versprachen; im August

1914 jubelte das Volk dem kriegführenden

Kaiser zu. Stets nehmen solche Mehrheiten

für sich in Anspruch „Wir sind das Volk“.

Sind das gute Gründe, umdiesem immer

wieder zwischen Ressentiment, Revolution,

Krieg und Pogrom schwankenden Volk ausgerechnet

für sein überwiegend verhängnisvolles,

oft genug irrationales politisches

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

schliff am Verbrennungsmotor nicht mehr

zu schaffen sind, und einem Abgasskandal,

der alle Schlupflöcher geschlossen hat.

Das Symbol des Wandels ist Volkswagens

ID.3, der in Zwickau vom Band läuft. Es gibt

ihn nicht wegen der 2008 gesetzten Ziele oder

wegen Autogipfeln, Mobilitätsplattformen

und Arbeitsgruppen. Es gibt ihn, weil VW

nach dem Abgasbetrug um fast jeden Preis

neue Wege gehen muss.Plötzlich scheint das

Risiko der radikalen Innovation kleiner zu

sein als das Festhalten am Bekannten.

Nun rollen die neuen Autos an, aber an

den Rahmenbedingungen fehlt es immer

noch –elf Jahrenach dem ersten E-Autogipfel.

Das Ladenetz ist noch nicht so weit, es

gibt keine einheitlichen Abrechnungssysteme,

manche Unternehmen scheinen

plötzlich vom Tempo des Wandels überrascht,

und die Beteiligten geben sich gegenseitig

die Schuld: DieIndustrie habe die Zeichen

der Zeit zu spät erkannt, heißt es in der

Politik. Die Politik müsse endlich für klare

Rahmenbedingungen sorgen, heißt es in der

Industrie. All das wird sich in den nächsten

Jahren zurecht rütteln. Bleiben wirdaber die

Frage, wie Wirtschaft und Gesellschaft in

Deutschland mit den grundlegenden technologischen

Umbrüchen dieser Zeit umgehen,

der vielzitierten Disruption? Wertreibt

sie voran, gestaltet sie, vermittelt sie, federt

die Folgen ab? Wo kommen Innovationen

her, die nicht auf einem hundert Jahre alten

Produkt aufbauen?

Das ist keine akademische Frage, wenn

man bedenkt, dass für mindestens ein Drittel

der Großkonzerne im Daxihr traditionelles

Geschäftsmodell wackelt –von Banken

über Energiekonzerne bis zu Autobauern. Es

wird wenig helfen, in großen Runden Konsenspapierefür

ihregewünschte Strategie zu

formulieren. Aber es wäreschon viel gewonnen,

wenn man in solchen Runden die Verantwortlichkeiten

klären würde: Wie kann

der Staat Veränderung begleiten, und was

kann er nicht? In den Auto-Runden wurde

das jahrelang nicht geklärt.

DieWelt zeigt im Moment zwei Beispiele

für radikale Innovation. Da ist auf der einen

Seite das Silicon Valley, wo Milliarden auf

neue Ideen gesetzt werden, ohne alte Strukturen

weiterzuentwickeln. Unddaist aufder

anderen Seite China, das in einer wilden Mischung

aus Kapitalismus und Kommunismus

strategische Industrien aufbaut. Europa

–nicht nur Deutschland –muss seinenWeg

finden. DieMobilität der Zukunft wäremehr

als nur ein Probelauf.

Schaukeln ein Denkmal zu setzen? Wahrscheinlich

lässt sich dieser irrsinnige Symbolismus

nicht mehr stoppen, denn bald soll

der erste Spatenstich für die Volkswippe erfolgen.

Politisch verantwortlich ist MinisterinGrütters.

Aber sie kneift, wenn es um zwingende

rechtliche Vorgaben des Natur- und Denkmalschutzes

geht (Fledermäuse, denkmalgeschütztes

Gewölbe und Mosaiken, sumpfiger

Untergrund). Wie der Tagesspiegel am

vergangenen Sonntag berichtete,„umging“

das von Grütters geleitete Ministerium

„eine konkrete Antwort“ auf solche Fragen.

Das kennt man längst. Ende Juli hatte eine

Grütters-Sprecherin auf eine ähnliche Anfrage

dieser Zeitung mitteilen lassen, es

handle sich „um ein einmaliges Bauprojekt,

das in dieser Form noch nie realisiertwurde

und für das deshalb Unwägbarkeiten (…)

nicht ausgeschlossen werden können“. Alles

Weitere möge man den Generalunternehmer

Milla &Partner fragen. Ähnlich verantwortungsfaul

und schnoddrig windet

sich Grütters im Fall des Museums der Moderne.

Im Frühjahr dieses Jahres war es dieser

Zeitung unmöglich gewesen, Genaueres

über den Zustand jener Glasskulptur zu erfahren,

die einst den Palast der Republik

zierte. Sie befindet sich in einem Depot, das

der Ministerin untersteht. Warum darf das

geschichtlich bedeutsame Kunstwerk niemand

sehen? Wasist da los? Keine Antwort.

Nebel. Fortsetzung folgt.

Uli Hoeneß,

Noch-Präsident des FC Bayern München in der ARD

über seine Zeit nach seinem schon länger

angekündigtem Ausscheiden aus

seinem Amt am 15. November. Andem Taggibt es

eine Mitgliederversammlung.

AUSLESE

Befremden über die

Grundrente

SPD und Union kommen bei der Grundrente

nicht voran. Hauptstreitpunkt

scheint zu sein, ob und wie die Bedürftigkeit

potenzieller Grundrentenempfänger

geprüft werden solle,schreibt die Mainzer

Allgemeine Zeitung. „Wie sollte man dem

Steuerzahler, der letztlich für alles gerade

steht, erklären, dass etwa Kapitalertragsoder

Vermietungseinkünfte derer, die

Grundrente möchten, nicht exakt geprüft

oder bei der Bedürftigkeitsfrage nicht berücksichtigt

werden? Geht es in Wahrheit

um Ideologie? Das Grundrententhema

droht zum Symbolthema zu werden.“

Die Hessische Niedersächsische Allgemeine

schreibt:„Offensichtlich ist die CDU

nach demWahldesaster im Ostenwild entschlossen,

ausgerechnet bei den Menschen

klare Kante zu zeigen, die im Alter

trotz jahrzehntelanger Arbeit nur eine

kleine Rente bekommen. Die Grundrente

auch noch mit Bedingungen wie Steuersenkungenfür

Unternehmenzuverknüpfen,

dürfte nicht nur die Menschen, um die

es geht, befremden. Das wäre kein Kompromiss,sondernein

Kuhhandel.“

„Die Nerven liegen blank“, heißt es im

Tagesspiegel. „Setzt sich die SPD nicht

durch, dürfte auch demletzten Groko-Verteidiger

die Luft ausgehen. Setzt sie sich

durch, könnte es in der CDU noch ungemütlicher

werden.“ DieFrage sei nicht, wie

viel Kraft zum Kompromiss die Regierung

selbst noch hat, „entscheidender ist, wie

viel Kraft CDU und SPD noch haben, diese

Kompromisse mitzutragen“. Ingo Preißler

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Gault&Millau kürt

Günther Jauch zum

„Gastronom des Jahres“

Seite 15

Umstrittener Mietendeckel: Neues Gutachten bringt keine Klarheit Seite 11

Rechte Gewalt: Betroffene fordern Untersuchungsausschuss Seite 11

Stadtbild

Brumm

und bumm

Florian Thalmann

entdeckte dank Fruchtfliegenseinen

Jagdinstinkt.

Die Menschen behaupten oft von

mir,ich könne keiner Fliege was

zuleide tun. Nunhabe ich gelernt: Es

stimmt nicht. Gerade hatte ich Urlaub,

eine Pause vom Redaktionsalltag,

die ich nicht mit Reisen verbrachte,

sondern auf der Couch,

hauptsächlich in liegender Position.

Ohne Auftrag, ohne Ziel. Doch dann

sind sie plötzlich da: Fruchtfliegen.

Am Anfang schenke ich ihnen kaum

Beachtung, auch nicht mein Partner.

Doch dann, als sich unser Blick

schärft, sehen wir sie sitzen: an der

Decke,mal allein, mal in Gruppen.

Nun ist mein Vater im Forst tätig,

sitzt auch auf dem Hochsitz –den

Jagdinstinkt hat er an mich vererbt.

Und: Ich bin Besitzer einer Elektro-

Fliegenklatsche, das Schießgewehr

des kleinen Mannes. Das Gerät sieht

aus wie ein Tennisschläger, mit Metallstreben

dort, wo sonst das Netz ist,

und wirdmit Batterien betrieben. Am

Griff ein Knopf. Er wird gedrückt, die

Fliege anvisiert, gezielt, dann gibt es

einen Knall –und das Insekt sinkt darnieder.

Bevor jetzt Peta kommt: Mir

tut es leid um jede einzelne Fliege.

Die Jagdsaison ist dennoch eröffnet.

Es knallt und zischt, weil Grüppchen

an der Decke sitzen. Drei, vier,

fünf auf einen Streich. Ich schwinge

den Schläger wie Boris Becker in seinen

besten Jahren. Spiel, Satz, Sieg.

Am Ende, als keine Gegner mehr in

Sicht sind, krieche

ich über das

Laminat und

sammle die leblosen

Körper ein,

während ich im

Kopf „’s ist Feierabend“

summe.

Hass-Objekt: Es bleibt die beinahe

wissen-

die Fruchtfliege.

schaftliche Erkenntnis:

Dicke Fliegen knallen leiser.

Je kleiner das Insekt, desto bumm.

Doch dann, ich komme voneinem

Spaziergang, haben es sich neue Fliegen

bequem gemacht. Ich jage, bekämpfe

alle, entsorge sie, Stunden

später sitzen neue da. Ichsuche nach

Tipps gegen Fruchtfliegen und probiere

Omas Klassiker: ein Tellerchen,

eine Mischung aus Essig, Wasser,Saft

und Spüli. DerTeller steht, die Fliegen

scheinen darüber zu lachen. Am

Ende ersäuft eine in der Mische, die

anderen, die nur auf dem Rand landen,

scheinen die Gefahr zu spüren.

Es bleibt die einzige Lösung, der

Plage auf den Grund zu gehen. Also

wird jeder Schrank aus- und wieder

eingeräumt. Mit Rohrreiniger puste

ich die Abflüsse durch, dort nisten

die Plagegeister gern, lese ich. Die

Fliegen bleiben. Im letzten Schrank

entdecke ich den Übeltäter: Eine

Einkaufstüte mit vier Kartoffeln, irgendwann

abgelegt, um sie aus dem

Wegzuhaben. Ich atme durch. Entsorge

sie. Und jage die letzten Fliegen

mit dem Tennisschläger.

Seitdem ist Ruhe, zum Glück.

Nunja, fast. Eine Fliege gibt es noch,

wir sehen sie manchmal, wenn wir

vor dem Fernseher sitzen, galant

durch unser Blickfeld schweben, als

würde sie sich über uns lustig machen.

Aber auch sie werden wir kriegen,

mit dem Schläger, wenn sie am

wenigsten damit rechnet. Vielleicht

wird esdauern. Aber eine Sache haben

wir mehr als Fliegen: Batterien.

IMAGO

Videoinstallation auf dem Alexanderplatz: Erscheinungen aus der alten Welt –Wojciech Jaruzelski, Michail Gorbatschow,Erich Honecker

Nichts ist unendlich

Berlins Regierender Bürgermeister Müller eröffnete die Gedenkwoche „30 Jahre friedliche Revolution“

VonHarry Nutt

Die Trambahnen der Linien

M4, M5 und M6

bahnten sich zischend

und bimmelnd den Weg

über den Alexanderplatz, wo am 4.

November vor30Jahren kein Durchkommen

war. Die stolzeWeltzeituhr

war eine kleine Insel im Menschenmeer,

viele Fotos einer Geschichtsausstellung

auf Wandtafeln erinnern

daran.

Für die Eröffnung der Berliner Gedenkwoche

zum 30. Jahrestag der

friedlichen Revolution hätte es kein

besseres Datum geben können. Auf

der großen Demonstration auf dem

Alexanderplatz entdeckte die Bevölkerung

der Hauptstadt der DDR die

demokratischen Kräfte, die in ihr

wuchsen. Ein Passant vermag sich

noch immer darüber empören, dass

am nächsten Taginden Zeitungen lediglich

von 30000 Teilnehmern die

Rede war. Die Berliner Zeitung erschien

allerdings mit der Schlagzeile

„Hunderttausende demonstrierten

im Zentrum Berlins“.Tatsächlich warenrund

eine halbe Millionen Bürger

gekommen, um Rednernwie Christa

Wolf, Stefan Heym, Friedrich Schorlemmer

und anderen zuzuhören.

Geschichte für den Heimweg

Am Montagabend wollten kurz vor

18 Uhrnur ein paar HundertBerliner

dabei sein, als der Regierende Bürgermeister

Michael Müller (SPD) das

Startsignal für eine große Videoinstallation

gab, inder Szenen der Demonstration,

aber auch derenVorgeschichte,etwa

O-Ton-Einspielungen

zu den Wahlfälschungen zur Volkskammerwahl

im Mai1989, zu einem

Potpourri zusammengeschnitten

worden waren. Geschichtslektionen

für den Nachhauseweg, einige Passanten

blieben kurz mit dem Fahrrad

stehen, andere rannten der einfahrenden

Tram hinterher.

Unter den Besuchern, die gezielt

zur Eröffnung gekommen waren, befand

sich Wolfgang Thierse.Trotz der

Dunkelheit wurde der frühere Präsident

des Bundestags natürlich erkannt.

„Waren Sievor 30 Jahren auch

Das Theaterkombinat Panzerkreuzer Rotkäppchen spielt auf.

Michael Müller eröffnet knapp und unprätentiös die Gedenkwoche. DPA/PAUL ZINKEN (2)

hier?“ fragte jemand höflich. Thierse

nickte und zeigte stumm auf den Ort,

an dem er sich damals am 4. November

postiert hatte. „Wir waren auch

hier“, so der Fragende.„Genau hier.“

Vielleicht hat Michael Müller es

sich genau so vorgestellt. In einer

kurzen, angenehm unprätentiösen

Rede erläuterte er das Konzept der

Gedenkwoche,inder es darum gehe,

das historische Ereignis der friedlichen

Revolution erlebbar zu machen.

Man wolle ausdrücklich würdigen,

dass es kein Blutvergießen

gab.„Es war danach nicht immer ein

glatter Weg“, sagte Müller. „Aber es

ist etwas gelungen.“

Müllers Understatement wurde

dankbar angenommen. Bereits vor

Veranstaltungsbeginn kam es vor

den Schautafeln, die Überschriften

trugen wie „Auf die Straße“, „Massen

für Veränderung“ und „Die Reaktion“

zu angeregten Diskussionen

über historische Details oder einem

großen: „Was wäre gewesen, wenn

...?“ Eine Mutter erklärte ihrer Tochter

das Foto einer Frau, die weint. Es

ist ein Schnappschuss in das Fenster

eines Zuges, der Familien aus der

Prager Botschaft mit dem Umweg

über die DDR in den Westen beförderte.„Manchmal

gibt es das“, sagte

die Mutter,„dass Menschen weinen,

obwohl sie glücklich sind.“

Solche Regungen gab es am Montag

auf dem Alexanderplatz nicht zu

beobachten. Die assoziativ-kunstvolle

Videoinstallation will zu historischem

Interesse anregen. Mehr als

die Vermittlung geschichtlicher

Ereignisse sollen sie der Auslöser

sein für weiterführende Auseinandersetzungen.

Die Bilder flirren um

die Hausfassaden reihum, aber sie

werden auch jäh unterbrochen an

der hell erleuchteten Weihnachtswerbung

vonGaleria Kaufhof.

Als die warmen Worte zur Gebrauchsanweisung

verklungen waren,

wurde noch ein künstlerisches

Dessert feilgeboten. Das Theaterkombinat

Panzerkreuzer Rotkäppchen

musste sich per Megafon zunächst

einmal den Spielplatz für Performance

und Tanz freikämpfen. Auf

der Bühne erklang eine elegisch verlangsamte

Live-Version des großen

Karussell-Hits „Als ich fortging“.

„Nichts ist unendlich“ heißt es darin,

und so schön gesungen nahm es

umgehend die pathetische Botschaft

der historischen Augenblicke an, auf

die in den nächsten Tagen in rund

200 Veranstaltungen und an sieben

Open-Air-Schauplätzen in der Stadt

angespielt werden soll.

Emotrouble Ost

GETTY/CARSTEN KOALL

Auf dem Rückweg in die Redaktion

führte der kurze Fußweg am Roten

Rathaus und dem wuchtig aufragenden

Humboldt-Forum vorbei. Auf

dessen Ostfassade wurden zu Musik

ebenfalls Filmausschnitte,Fotos und

Transparente projiziert. Immer wieder

waren dabei –von außen und

voninnen –Bilder vomPalast der Republik

zu sehen. Klar,auf den musste

hier am historischen Ort unweigerlich

verwiesen werden. In der Anmutung

der künstlerischen Spielerei

wirkte es aber zugleich auch wie eine

verspätete und vorallem vergebliche

Korrektur des politisch durchgesetzten

Abrisses.

DasTheaterkombinat hatte zu seiner

Vorführung ein großes Transparent

mit dem Schriftzug „Emotrouble

Ost“ aufgehängt. „Erinnern, wiederholen,

durcharbeiten“ könnte die zurückhaltend-eindringliche

Regieanweisung

für diese Gedenkwoche in

politisch umtosten Zeiten sein. Wem

nicht danach ist, nimmt die Tram.

NACHRICHTEN

Bis Donnerstag werden

Autokennzeichen gescannt

DieKfz-Kennzeichen vonAutofahrern

sollen in den kommenden Tagen

an zehn ausgewählten Straßenabschnitten

per Videokameraerfasst

werden. DasZiel ist es,vor den kommenden

streckenbezogenen Dieseldurchfahrtverboten

zu ermitteln,

welche Fahrzeuge unterwegs sind.

Einbesonderes Augenmerkliegt auf

der Bestimmung desAnteils saubererDieselfahrzeuge,

teilte die Senatsverwaltung

fürVerkehr am Montag

mit. DieKennzeichen sollen vom

5. bis 7. November im Auftrag der Senatsverwaltung

erfasst werden. Die

Videokameras registrieren der Senatsverwaltung

zufolge nur das

Kennzeichen, kein Bild des Fahrzeugsoderder

Insassen.Die Daten

gingen ohne Ortsangaben an die Zulassungsbehörde,Halterdaten

würden

nicht abgefragt. (dpa)

Die meisten Berliner Taxis

am BER chancenlos

Fluggäste am neuen Hauptstadtflughafen

BER werden voraussichtlich

vorallem in Taxis mit LDS-Kennzeichen

einsteigen. DerLandkreis

Dahme-Spreewald (LDS) wolle Berliner

Taxen dortnur zulassen, wenn

der Bedarfnicht mit eigenen Taxen

gedeckt werden kann, teilte die Senatsverkehrsverwaltung

mit. „Für

eine Zulassung sämtlicher 8000 Berliner

Taxen sieht der Landkreis keinen

Raum“, antwortete Staatssekretär

Ingmar Streese auf eine Anfrage

der Linken im Abgeordnetenhaus.

Streese hat im Oktober mit Landrat

Stephan Loge verhandelt. DieKreisverwaltung

geht demnach davon

aus,dass wegen der guten Bahnund

Busanbindung des Flughafens

1000 TaxenamBER reichen. (dpa)

Bürgermeister planen Treff

an früherem Grenzübergang

DieBürgermeister aus Pankowund

Mitte treffen sich am 30. Jahrestag des

Mauerfalls am früheren Grenzübergang

an der Bornholmer Straße.Die

symbolische Begegnung der beiden

Vertreterder Bezirke östlich und

westlich der ehemaligen Grenze ist

für 21 Uhrander Bösebrücke geplant,

teilte Mittes Bezirksbürgermeister

Stephanvon Dassel mit. Er hat sich

dortmit seinem PankowerKollegen

Sören Benn verabredet. (dpa)

Schießstandaffäre: Ein

Polizist verklagt das Land

EinPolizist im Ruhestand will vor

Gericht erreichen, dass eine Schwermetallvergiftung

als Berufskrankheit

anerkannt wird. DerProzess gegen

das Land Berlin wirdamnächsten

Montag das Verwaltungsgericht in

der Hauptstadt beschäftigen, teilte

ein Sprecher am Montag mit. Der

54-Jährige argumentiertlaut Gericht,

er habe sich die Vergiftung

durch seine Tätigkeit auf unzureichend

belüfteten Schießständen der

Berliner Polizei zugezogen. DieParteien

streiten nach Gerichtsangaben

um einen Zusammenhang zwischen

der Schadstoffbelastung und der Erkrankung

des Klägers.Voraussichtlich

werdesich auch die Frage stellen,

ob der Beamte,der die Krankheit

erst 2016 angezeigt hat, gesetzliche

Meldefristen versäumt habe.Erwar

laut Angaben bereits seit 2003 durchgängig

dienstunfähig erkrankt. (dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Berlin

„Die Impfstoffe sind gut untersucht und sicher“

Eltern brauchen sachliche Informationen über das Impfen, sagt der Kinderarzt Thomas Schmitz von der Charité. Das helfe am besten gegen Vorbehalte

Grundsätzlich finden wohl

die meisten Menschen

Schutzimpfungen eine

gute Sache.Aber wenn es

um ihre eigenen, frisch geborenen

Kinder geht, kommen viele ins Grübeln.

Gab esdanicht diesen Autismus-Verdacht?

Sind die Krankheiten

wirklich noch zu fürchten? Auch die

Tatsache, dass Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn nun die Masern-Impfung

zur Pflicht für Kitaund

Schulkinder macht, wirdandiesen

Zweifeln wohl nicht viel ändern.

Der Informationsbedarf ist groß,

sagt der Pädiater Thomas Schmitz

von der Charité. Doch in der Praxis

fehle oft die Zeit für ausführliche Gespräche

–und im Internet wimmele

es vordubiosen Informationen.

Herr Dr.Schmitz, ist Ihr eigener Impfschutz

auf dem neuesten Stand?

Dasist er.Das wirdmir als Arzt im

öffentlichen Dienst aber auch leicht

gemacht: Der Betriebsarzt erinnert

regelmäßig an die Auffrischungen

und impft gleich.

Sie haben zwei Söhne, 12 und 15

Jahrealt. Haben Siedie immer genau

nach Plan impfen lassen?

Ja,auch während eines Auslandsaufenthaltes.

Als wir zwei Jahre in

den USA gelebt haben, war das etwas

schwieriger, weil es dort zum Beispiel

den Sechsfach-Kombinationsimpfstoff

gegen Diphtherie,Tetanus,

Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus

influenzae Typbund Hepatitis

Bnicht gibt. Um uns an die

deutschen Impfempfehlungen zu

halten, mussten unsere Kinder ein

paar Nadelstiche mehr über sich ergehen

lassen.

Können Sie nachvollziehen, dass

Müttern und Vätern Bedenken kommen,

wenn sie vor der Entscheidung

stehen, ihrem zarten Baby Mehrfachimpfstoffe

spritzen zu lassen?

Ich kann ganz und gar nachvollziehen,

dass alle Eltern wissen wollen,

wovor diese Impfungen schützenund

was die potenziellen Nebenwirkungen

sind. Kinderärzte nehmen

dies in der Regel sehr ernst und

sind auch gehalten, den Eltern die

Informationen zu geben, die sie für

die Entscheidung brauchen.

Wenn sich der mündige Bürger informieren

will, fängt er an, im Internet

zu recherchieren –oder er kauft ein

Buch. Sind das gute Ideen?

Ein Buch zu kaufen, ist eine sehr

gute Idee. Aber wenn man zum Beispiel

im Versandhandel nach Ratgebern

sucht, landet man schnell bei

kritischen oder sogar verschwörerischen

Titeln. Es ist gar nicht so einfach,

einen Ratgeber zu finden, der

sich damit befasst, wovor überhaupt

geschützt wird und was Impfstoffe

Positives bewirken. Undauch im Internet

ist es schwierig für Eltern, objektive,

sachliche und unabhängige

Information zu finden. Es gibt zwar

offizielle Webseiten wie Impfen-

Info.de von der Bundeszentrale für

gesundheitliche Aufklärung. Aber

auch die muss man als Laie erst mal

finden und vondem weit verbreiteten

polemischen Getöse unterscheiden.

„Die Öffentlichkeit zum Thema Impfen

besteht zum großen Teil aus Gegenöffentlichkeit“,

beklagen SieinIhrem

Buch „Klartext Impfen“. Hat Sie

das dazu bewogen, das Buch zu

schreiben?

Dass diese Gegenöffentlichkeit so

laut und präsent ist, war eine erschreckende

Erkenntnis für uns. Zu

dem Zeitpunkt hatten der Biologe

und Journalist Sven Siebert und ich

aber schon beschlossen, das Buch zu

schreiben. Denn ich hatte bei meiner

täglichen Arbeit als Kinderarzt

an der Charité gemerkt, dass die

meisten Eltern mehr Informationen

benötigen, um die Entscheidung zu

treffen. Die Allermeisten sprechen

sich nach gründlicher Aufklärung

auch für das Impfen aus. Viele sind

aber zunächst verunsichert und

brauchen sachliche Informationen.

In den ersten beiden Lebensjahren stehen für Kinder viele Impfungen auf dem Plan. So erhalten sie eine Grundimmunisierung gegen 12 Krankheiten.

In dem Buch berichten Sie auch von

den Anfängen der Impfungen und

wie gravierend die Krankheiten einst

waren, die wir heute nur noch vom

Hörensagen kennen.

Uns geht es darum klarzumachen,

was das für schlimme Krankheiten

sind, vor denen wir uns

heutzutage schützen können.

Denn die Kehrseite der großen Erfolgsgeschichte

der Impfungen ist

ja, dass gefährliche Infektionen wie

Polio und Diphtherie kaum noch

bekannt sind –darum leuchtet es

vielen Menschen auch nicht ein,

dass es wichtig ist, sich dagegen

impfenzulassen.

Stattdessen ist die Gegenöffentlichkeit

im Aufwind –und zwar vorallem

seit 1998, dem Jahr, indem der britische

Mediziner Andrew Wakefield behauptete,

dass die Dreifachimpfung

gegen Masern, Mumps und Röteln

Autismus verursacht. Er veröffentlichte

seine Erkenntnisse in der renommierten

Medizinzeitschrift Lancet.

Spielt er immer noch eine wichtige

Rolle?

Leider ja. Die Autismus-Story ist

ein Paradebeispiel für Fake News in

der Wissenschaft. Es hat sich gezeigt,

dass Wakefield betrogen und Daten

manipuliert hat. Er arbeitete mit

Rechtsanwälten zusammen, die

Schadensersatzansprüche gegen

Impfstoffhersteller durchsetzen

wollten. Leider wurde das alles aber

erst zwölf Jahre später klar. Dahat

auch der Wissenschaftsbetrieb lange

Zeit versagt. Letztendlich zogLancet

den Artikel zurück, die Co-Autoren

distanzierten sich und Wakefield

wurde die Approbation entzogen.

Aber die Verunsicherung war da –

und sie scheint sich bis heute zu halten.

Warum sind seine Thesen immer

noch in der Welt?

So etwas ist offensichtlich schwer

wieder einzufangen. Daswar wie ein

Lauffeuer.Wakefield ging in die USA

und wurde dort zum Star der Anti-

Vaxx-Bewegung, also der radikalen

Impfgegner. Das ist eine sehr emotionale

Bewegung, fast sektenhaft,

für die wissenschaftliche Erkenntnisse

und Sachargumente gar keine

Rolle spielen. Da wirdein starkideologisches

Weltbild aufrechterhalten.

Wie viele sind es in Deutschland, die

Impfungen ablehnen?

Skeptisch und wissbegierig sind

recht viele in Bevölkerung, das ist ja

auch gut so. Aber echte Gegner sind

wohl nur ein paar Prozent. Dassieht

man ja auch an den Impfraten, die in

der Regel deutlich über 90 Prozent

liegen. Die Ansichten der harten

Gegner sind also gar nicht repräsentativ

für das, was die Mehrheit der

ZUR PERSON

Thomas Schmitz (48) ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Neonatologie. Er arbeitet

als Oberarzt, Wissenschaftler und Dozent in der Klinik für Neonatologie an der Berliner

Charité, Campus Virchowklinikum.

Das Buch „Klartext Impfen! Ein Aufklärungsbuch zum Schutz unserer Gesundheit“ (Harper

Collins, 2019, 208 Seiten, 15 Euro) hat er zusammen mit dem Berliner Biologen und Journalisten

Sven Siebert(53) geschrieben.

Bevölkerung denkt. Aber immer wieder

geht es zunächst und ausführlich

um die Gegner, wenn das Stichwort

Impfen fällt.

Hat Impfskepsis auch etwas mit Bildung

zu tun?

Generell ist die Impfskepsis bei

Akademikerfamilien verbreiteter als

bei den weniger Gebildeten. Das

hängt wohl damit zusammen, dass

studierte Leute es gewohnt sind,

Dinge generell kritisch zu hinterfragen

und Entscheidungen selbstständig

zu treffen. Beim Thema Impfen

fehlt dann manchmal einerseits das

Vertrauen dem Arzt gegenüber und

andererseits die Bereitschaft, der Sache

dann auch wirklich auf den

Grund zu gehen. Die Informationen

über die Ständige Impfkommission

etwa, die die Empfehlungen erstellt,

sind einsehbar, und man kann sich

schnell Gewissheit darüber verschaffen,

dass das Gremium unabhängig

IMAGO IMAGES, SCIENCE PHOTO LIBRARY

und nicht von Pharmafirmen beeinflusst

ist. Aber trotzdem scheint es

vielen Menschen schwer zu fallen,

von einer skeptischen Haltung zu einer

Pro-Haltung zu wechseln.

Sie räumen in dem Buch ein, es sei

verdammt schwierig, sich von allen

Aspekten des Impfens ein umfassendes

Bild zu machen. Warum ist das

so?

Es sind sehr viele Krankheiten,

mit denen man sich da befassen

muss. Nach den schon genannten,

die mit der Sechsfach-Impfung abgedeckt

sind, gibt es da noch die

Pneumokokken, später Masern,

Mumps, Röteln, Windpocken, HPV.

Dassind komplexe Themen, die die

Infektiologie und die Mikrobiologie

berühren. Auch der Umgang

mit den Risiken, die es gibt, auch

wenn sie sehr gering sind, ist alles

andereals trivial. Eine ausführliche

Aufklärung darüber ist nicht immer

so leicht im Alltagsbetrieb einer

Kinderarztpraxis oder in einer Klinik

zu leisten. Im Winter sitzen in

den Praxen oft täglich 80 bis 100

Kinder im Wartezimmer und müssen

behandelt werden.

Waskönnte man verbessern?

Eigentlich müsste das Wissen

über die Bedeutung vonImpfstoffen

zum Grundwissen gehören und verpflichtend

im schulischen Lehrplan

stehen. Vielleicht ist es auch möglich,

dass Gynäkologen im Rahmen

der Betreuung der Schwangeren bereits

stichhaltig über das Impfen informieren.

Der wissenschaftliche Rat wird trotzdem

oft nicht befolgt. Wasmuss sich

ändern, um Vertrauen zurückzugewinnen?

Den Impfskeptikern ist es zu verdanken,

dass sich schon einiges geändert

hat. Die Ständige Impfkommission

zum Beispiel ist viel transparenter

geworden. Auf der Internetseite

der Stiko kann man alle wichtigen

Fakten über die Mitglieder nachlesen

–sie müssen sogar offenlegen, ob sie

Familienangehörige haben, die

schon mal bei einer Pharmafirma einen

Vortrag gehalten haben. Die

Transparenz ist also in hohem Maße

gegeben. Ich finde, das fördert das

Vertrauen in dieses Gremium und

seine Entscheidungen sehr.

Es gibt diese These, dass es Kindern

guttut, eine Kinderkrankheit durchzumachen,

weil sie dadurch reifen. Ist

da etwas dran?

Eine Krankheit macht krank,

nicht gesund. Eine Impfung dagegen

ist wie ein Training. Die Sechsfachimpfung

zum Beispiel enthält Bestandteile

von Bakterien und Viren,

die dem Immunsystem angeboten

werden, um daran zu reifen. Es lernt

den Fingerabdruck von Krankheitserregern

kennen und kann sie danach

abwehren. Man hat also den

Reifungsprozess, spart sich aber die

Erkrankungen. Dasist doch super.

Offenbar wurde aber vielfach beobachtet,

dass Kinder nach überstandener

Infektionskrankheit einen regelrechten

Entwicklungsschub haben.

Wir haben den renommierten

Schweizer Entwicklungsmediziner

Remo Largo dazu befragt. Seine Meinung

dazu ist: Auch wenn man ein

gesundes Kind zwei Wochen lang ins

Bett steckt, wirdesanschließend aktiver

und wissbegieriger sein. Zudem

kann auch die Zuwendung, die die

Kinder während einer Krankheitsphase

erhalten, förderlich für die

Entwicklung sein.

Typische Vorbehalte gegenüber Impfungen

sind außerdem: Mehrfachimpfungen

überfordern das Immunsystem,

die Hilfs- und Konservierungsstoffe

richten Schaden an. Was

sagen Siedazu?

Mehrfachimpfungen haben den

großen Vorteil, dass man den Kindern

Nadelstiche und damit auch

Schmerzenerspart. Deshalb wurden

diese Kombinationen überhaupt

entwickelt. Manmuss auch nicht befürchten,

das Immunsystem damit

zu überfordern. Das Immunsystem

wirdviel mehr durch die alltäglichen

Kontakte zum Beispiel in der Kindergartengruppe

herausgefordert als

durch Impfungen.

Undwas ist mit den Hilfs- und Konservierungsstoffen?

Die Impfstoffe, die Kindern verabreicht

werden, sind alle gut untersucht

und werden seit Jahrzehnten

verwendet. Manweiß daher sehr gut,

wie sicher sie sind.

Was halten Sie von der Impfpflicht

gegen Masern, die Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn durchgesetzt

hat? Ab 1. März 2020 müssen

alle Kinder beim Eintritt in die Schule

oder den Kindergarten Masern-Impfungen

vorweisen.

Die Impflücke bei Masern,

Mumps und Röteln ist in hohem

Maße dadurch entstanden, dass

viele Kinder oder auch Erwachsene

nicht die zweite der beiden empfohlenen

Impfungen bekommen haben.

Fünf bis zehn Prozent der Menschen

brauchen eine zweite Impfung,

um voll geschützt zu sein. Weil

früher erst im Schulalter das zweite

Mal geimpft wurde, ist das besonders

häufig versäumt worden und es

gibt viele Jugendliche und junge Erwachsene

mit unzureichendem

Impfschutz. Vielen Eltern kann die

Impfpflicht für Masern rein praktisch

helfen, an die zweite Impfung

zu denken. Wirmüssen aber aufpassen,

dass eine gesetzliche Pflicht

nicht zu verstärkter Gegenwehr

führt. Wirwerden mehr denn je über

das Impfen aufklären müssen.

DasGespräch führte Anne Brüning.


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 11 *

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Berlin

Welle von rechts

Seit 2016 gab es 55 mutmaßliche rechtsextremistische Anschläge im Süden Neuköllns. Betroffene fordern nun einen Untersuchungsausschuss

VonKatrin Bischoff

Nach einem Anschlag brennt das Auto von Ferat Kocak lichterloh. Das Fahrzeug stand sehr dicht am Haus der Elterndes Linken-Politikers.

In der Nacht zu Montag hat

Ferat Kocak wieder bei seinen

Eltern inRudow übernachtet.

Mit einem mulmigen Gefühl.

Er habe kein Auge zugemacht, sagt

er.Immer in Angst, dass wieder so etwas

geschehen würde wie in der

Nacht zum 1. Februar vorigen Jahres.

Damals wurde Kocak in seinem Elternhaus

durch einen hellen Schein

wach. Er glaubte zunächst, verschlafen

zu haben. Doch es war drei Uhr

morgens,das Licht stammte vonden

Flammen vordem Fenster.Sein Auto

brannte. Esstand nahe der Gasleitung.

Kocak weckte seine Eltern, er

rannte hinaus, versuchte den Brand

zu löschen.

„Die Feuerwehr sagte mir damals,

fünf Minuten später hätte das ganze

Haus gebrannt“, erinnert sich der

Linken-Politiker aus Neukölln, der

sich gegen Rechts engagiert. Seine

Mutter habe in jener Nacht einen

Herzinfarkt erlitten. Verfassungsschutz

und Landeskriminalamt

wussten offenbar, dass Kocak seit

langem von zwei Rechtsextremisten

ausgespäht wurde – doch gewarnt

wurde er nicht.

Der40-Jährige übergab an diesem

Montag zusammen mit weiteren Opfern

rechtsextremistischer Anschläge

im Süden Neuköllns die Petition

„Rechter Terror in Berlin –Untersuchungsausschuss

jetzt!“ an Vertreter

von SPD, Linken und Grünen im Abgeordnetenhaus.

Vertreter von CDU

und FDP waren nicht erschienen.

Miteinem Untersuchungsausschuss

sollen die Ermittlungen und eventuelle

rechte Strukturen innerhalb der

Polizei beleuchtet werden.

25 679 Menschen haben die Petition

bisher unterschrieben. Sie

wurde auf den Taggenau acht Jahre

nach der „Selbstenttarnung des

NSU“ überreicht, wie Kocak sagte.

Sie sei notwendig, weil seit Jahren

eine Welle rechten Terrors Neukölln

überziehe. Und man nicht warten

wolle, bis aus Brandanschlägen

Morde würden. Seit 2016 gab es in

Neukölln 55 Anschläge,hinter denen

Rechtsextremisten vermutet werden.

Betroffen waren Menschen, die

sich gegen Rechts engagieren.

Lasse Jahn vonder sozialistischen

Jugendorganisation „Die Falken“ aus

Neukölln bestätigt Kocaks Angaben.

Zuerst hätten man einfache Drohungen

erhalten. Dann seien Schmierereien

dazugekommen, später telefonische

Morddrohungen oder Morddrohungen,

die mit der Post kamen:

„die besagen sollten: Wir wissen, wo

du wohnst“. Höhepunkt sei der

Brandanschlag auf das Falkenhaus

gewesen, in dem in der Nacht zuvor

noch Kinder geschlafen hätten. Seit-

IMAGO IMAGES

dem gebe es einen Sicherheitszaun

mit Überkletterschutz und Kameras.

„Wir dachten, nun ist Ruhe, bis die

nächste Brandserie gegen Mitarbeiter

der Falken und ehrenamtlich aktive

Elternbegann“, sagt Jahn.

Die Politikwissenschaftlerin

Claudia von Gélieu spricht hinsichtlich

der rechtsextremistischen Übergriffe

in Neukölln vonVersagen und

Pannen bei den Sicherheitsbehörden.

Im Februar 2017 brannte ihr

Auto.Ihr Anwalt habe davon gesprochen,

„selten so schlampig geführte

Ermittlungen gesehen“ zu haben.

Ergebnis sei, dass die Täter nichts

befürchten müssten, dass sie einfach

weiteragieren könnten.

DieBetroffenen haben sich bereits

an den Generalbundesanwalt in

Karlsruhe gewandt mit der Bitte, die

Serievon Anschlägen als Terrorismus

einzustufen.VorwenigenWochen hat

das auch Innensenator Andreas Geisel

(SPD) getan. Ohne Erfolg. Karlsruhe

erklärte sich für nicht zuständig.

Eine im Maigegründete Sonderkommission

Fokus soll nun die Ermittlungen

noch einmal prüfen.

Fraktionschef Raed Saleh, der die

Petition an diesem Montag im Abgeordnetenhaus

für die SPD entgegennimmt,

plädiert für einen Sonderermittler.

Ersagt, der rechte Terror sei

derzeit die größte Gefahr in Deutschland.

Auch Susanne Kahlefeld von

den Grünen spricht sich für einen solchen

Ermittler aus.Die Linken-Abgeordnete

Anne Helm unterstützt hingegen

einen Untersuchungsausschuss.Ein

Sonderermittler sei zu allgemein.

DiePolitiker wollen sich nun

mit den Überbringern des Antrags

noch einmal treffen.

Für Ferat Kocak ist das ein erster

Erfolg im Kampf gegen den rechten

Terror in Neukölln. Er ist nach dem

Brandanschlag weggezogen aus Rudow–umseine

Elternnicht weiter zu

gefährden.

Neue Fragen zum

Mietendeckel

CDU bezeichnet Rückwirkung als „offenbar rechtswidrig“

VonUlrich Paul

Ist es rechtlich zulässig, die Mieten

in Berlin mit dem geplanten Mietendeckel

rückwirkend auf dem

Stand vom 18. Juni 2019 einzufrieren?

Mit dieser Frage hat sich jetzt

derWissenschaftliche Dienst des Abgeordnetenhauses

auf Bitten der

CDU-Fraktion auseinandergesetzt.

Das Ergebnis ist jedoch alles andere

als eindeutig: Ein rückwirkendes

Verbot von Mieterhöhungen

zum 18. Juni ist nach Ansicht der Experten

zwar „nicht gänzlich ausgeschlossen“,

aber zugleich „nicht als

rechtssicher“ einzustufen. Hintergrund:

Am 18. Juni hatte der rot-rotgrüne

Senat die Eckpunkte für den

geplanten Mietendeckel beschlossen.

Nach dem für Anfang 2020 vorgesehenen

Inkrafttreten des neuen

„Ein Gericht wird

entscheiden, ob

der Mietendeckel

Bestand hat.“

Katrin Dietl, Sprecherin der

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

und Wohnen

Gesetzes sollen die Mieten mit Stand

vom 18. Juni 2019 für fünf Jahre eingefroren

werden. So soll verhindert

werden, dass Vermieter die Zeit bis

zum Inkrafttreten des Gesetzes nutzen,

um die Miete zu erhöhen. Tatsächlich

hatte der Eigentümerverband

Haus und Grund vor dem Senatsbeschluss

dazu aufgerufen, die

Mieten bis zum 17. Juni heraufzusetzen.

Darauf folgte eine Welle von

Mieterhöhungen. Die Rückwirkung

des Mietendeckels soll Mietern ermöglichen,

eine Rückzahlung von

Mieten zu verlangen, die ab 18. Juni

vereinbartwurden. Nach Ansicht des

Wissenschaftlichen Dienstes ist an-

gesichts der uneinheitlichen Rechtsprechung

des Bundesverfassungsgerichts

nicht sicher prognostizierbar,wie

dieses Gericht oder der Berliner

Verfassungsgerichtshof den

Stichtag 18. Juni 2019 beurteilen

wird. Gewichtige Gründe sprächen

jedoch dafür, dass der Stichtag 18.

Juni 2019 einer gerichtlichen Überprüfung

nicht standhalten werde.

Zur Begründung verweisen die

Gutachter auf eine Entscheidung des

Bundesverfassungsgerichts aus dem

Jahr 1997. Die Richter entschieden,

dass der rückwirkende Wegfall von

steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten

für Schiffe und Flugzeuge

auf den Tagder Ankündigung durch

die Bundesregierung zulässig sei –

um zu verhindern, dass es zu „Mitnahmeeffekten“

komme, also zu

weiteren Bestellungen von Flugzeugen

und Schiffen nach dem bisherigen

Modell. Die damalige Ankündigung

der Bundesregierung zur Abschaffung

der Steuervorteile und die

Ankündigung des Senats zum Mietendeckel

sind laut Parlamentsdienst

zwar„als vergleichbar anzusehen“.

In einem zweiten Schritt sei jedoch

zu prüfen, ob die Rückwirkung

der Regelung mit den Grundrechten

der Betroffenen zu vereinbaren sei.

Während es im Fall von 1997 um

Subventionen gegangen sei, deren

Erhalt grundrechtlich nicht geschützt

sei, handele es sich beim

Mietendeckel„um einen Eingriff in

das Eigentumsrecht“, so die Gutachter.

Eine rechtssichere Einschätzung

darüber, ob die Rückwirkung des

Mietendeckels zulässig ist, ist laut

den Experten aber nicht möglich.

DieCDU stellt in einer Mitteilung

trotzdem fest, dass ein „rückwirkender

Preisstopp offenbar rechtswidrig“

sei. Im Hause vonStadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher

(Linke) zeigt man sich zurückhaltender.

„Allen Beteiligten war von Anfang

an bewusst, dass sie an dieser

Stelle juristisches Neuland betreten“,

sagt eine Sprecherin. „Am Ende

wirdein Gericht entscheiden, ob der

Mietendeckel Bestand hat.“

Für Berliner,

von Berlinern.

Silke und Holger Friedrich,

dieneuen Verleger der Berliner Zeitung,

mit einer Sonderedition am 8. November und der

Wochenendausgabe zum 9./10. November.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Berlin

Der November bietet uns

am Abendhimmel eine

wahre Planetenparade.

Auch so manches Sternbild

und die Raumstation ISS sind in

kalten Novembernächten gut zu beobachten.

Während über Berlin der

Schleier der Nacht liegt, wird die

Raumstation in 400 KilometernHöhe

über uns von der Sonne beleuchtet

und reflektiert genügend Photonen,

sodass man sie als hellen Lichtpunkt

am Himmel erspähen kann. Bis zum

12. November beobachten wir die

Raumstation am Morgen und nach

einer kurzen Pause ab dem 23. November

wiederum am Abend.

Merkur, der innerste Planet des

Sonnensystems, gibt in diesem Monat

ein besonderes Schauspiel, das

man unter speziellen Vorsichtsmaßnahmen

beobachten kann. In nur 88

Tagen umrundet Merkur unsere

Sonne,sodass er vonder Erde aus gesehen

nicht nur schnell unterwegs ist,

sondernauch nie einen großen Winkelabstand

zu unserem Stern erreichen

kann und daher in unseren Breiten

generell schwer zu beobachten

ist. Hinzu

kommt, dass

Merkur so dicht

an der Sonne

steht, dass es der

Allgemeinen Relativitätstheorie

bedarf, um seine

Bahn korrekt zu

berechnen. Am

TimFlorian Horn, 11. November

Direktor des Zeiss- wandert Merkur

Großplanetariums, nun von der

Prenzlauer Allee 80 Erde aus gesehen

von Ost

nach West vor der Sonnenscheibe

entlang. Da seine Bahn gegenüber

der Ebene Sonne–Erde stark geneigt

ist, kommt es nur sehr selten zu einem

solchen Merkurtransit. Die

Sonne ist gleißend hell, sodass für die

Beobachtung spezielle Sonnenfilter

angeraten sind. Denn Merkur ist im

Verhältnis so klein, dass er bei diesem

Transit nur 0,004 Prozent der Sonnenscheibe

bedeckt.

EDINGER

Beobachtung in der Sternwarte

Bitte schauen Sie niemals direkt mit

einem Fernglas oder einem Teleskop

zu unserem Tagesgestirn. Sie hätten

anatomisch nur kurze Möglichkeiten,

etwas zu sehen –und danach nie wieder.

Mit professionellem Equipment

laden die Archenhold-Sternwarte im

Treptower Park und die Wilhelm-

Foerster-Sternwarte auf dem Insulaner

am 11. November ab 13 Uhr bei

freiem Eintritt zur gemeinsamen Beobachtung

ein. Merkur wandert von

13:35 Uhrbis 19:04 Uhrvor der Sonne

entlang –jedoch geht die Sonne bereits

um 16:20 Uhr über Berlin unter.

Aufden nächsten Merkurtransit müssen

wir dann ein wenig warten. Dieser

ist für den Vormittag des 13. November

2032 vorausberechnet.

Nach Sonnenuntergang macht

der Planet Venus den Anfang der kosmischen

Objekte. Auch wenn Venus

noch nicht in vollem Glanzeerstrahlt,

kann sie nun endlich wieder als

Abendstern fungieren. Zunächst

wandert Venus durch das Sternbild

Skorpion, wechselt am 8. November

in den Schlangenträger und am 23.

November in den Schützen. Dabei

bleiben ihre Untergangszeiten um

17:20 Uhr herum nahezu konstant.

Durch ihre dichten Wolken wird ein

Großteil des ankommenden Sonnenlichtes

reflektiert. Wolken, die auf der

Oberfläche der Venus für eine Gluthölle

mit Temperaturen um 400 Grad

Celsius sorgen –Tag wie Nacht. Da

kann auch die konzentrierte Schwefelsäure

nicht helfen, die dort als Regen

niedergeht, aber schon auf dem

Weg zur Oberfläche wieder verdampft.

Venus ist dem Riesenplaneten

Jupiter dicht auf den Fersen und

überholt ihn am 24. November.

Jupiter im Sternbild Schlangenträger

verzeichnet große Verluste in der

Beobachtungszeit und will dennoch

die Planetenparade anführen

und Saturn ablösen.

Am 1. November geht das

kosmische Schwergewicht

um 18:39 Uhr unter,

am30. November

bereits um 17:09 Uhr.

Saturn wandert unweit

durch das

Sternbild Schütze

und kann noch gut

eineinhalb Stunden

tief in süd-

Pollux

westlicher Richtung

beobachtet O

Zwillinge

werden, bis der

gelblich schimmernde

Ringpla-

Prokyon

Kl. Hund

net am 1. November

um 20:19 Uhr

und zum 30. November

bereits um

18:37 Uhr untergeht.

Zu dieser besonderen Gr. Hund

Konstellation gesellt sich Sirius

am Abend des 28. November

die schmale Mondsichel.

DerNovember lädt ein, die

Planeten in einem Teleskop genauer

anzuschauen –etwa in einer

der Sternwarten in Berlin. Venus als

innerer Planet zeigt eine Phasengestalt,

die sich durch ihren zügigen

Umlauf um die Sonne schnell verändert.

Noch ist Venus zu 90 Prozent

beleuchtet und erscheint im Fernrohr

als kleines Scheibchen. Jupiter

offenbart neben Details in den Wolkenbändern

seiner Atmosphäre und

dem schrumpfenden Wettersystem

des sogenannten GRF (Großer Roter

Fleck) nur einen Bruchteil seiner 79

Monde. Saturn kann mit seinem

Ring, der aus unzähligen Eis- und

Gesteinsbrocken besteht, visuell

mehr aufwarten. Auch in Bezug auf

seine Gefolgschaft überbietet er Jupiter.

82Monde sind es, die diesem

Himmelsanblick Berlin

Kastor

Merkur passiert

die Sonne

TimFlorian Horn erklärt

das Firmament im November

am 1. November, 23 Uhr

Gr. Bärin

Beteigeuze

Aldebaran

Orion

Rigel

Hase

Fuhrmann

DER HIMMEL ÜBER BERLIN

Gr. Wagen

Kapella

Stier

Perseus

Plejaden

N

Kl. Wagen/

Kl. Bär

Polarstern

S

Drache

15. November 22 Uhr, 30. November 21Uhr

Kepheus

Kassiopeia

Andromeda

Dreieck

Widder

Fische

Walfisch

Deneb

Wega

B L Z/ H ECHER; QUELLE: STIFTUNG

Gasplaneten ihre Aufwartung machen.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel

am späten Abend: am 1. November

um 23 Uhr, am 15. November

um 22 Uhr, am 30. November um 21

Uhr. Im Nordosten steht das Sternbild

des Großen Bären als immerwährenden

Wegweiser zum Polarstern,

der uns wiederum denWeggen

Norden weist. Einen Teil des Sternbildes

kennen wir als den Großen Wagen.

Verlängern wir die gedachte Linie

über den Polarstern weiter, erreichen

wir das Himmel-W, das Sternbild

Kassiopeia. Da die Erdachse

zufällig auf den Polarstern zeigt,

scheint sich der Himmel um ihn zu

drehen. DieSterneund Sternbilder in

seiner direkten Umgebung wandern

um den Himmelspol herum, gehen

aber von unseren Breiten aus gesehen

nicht unter, wir bezeichnen sie

als zirkumpolar.

In südwestlicher Richtung erblicken

wir die ganz irdisch erscheinenden

Geschichten der Herbststernbilder

um das Sternviereck des Pegasus.

Hier sahen die großen Geschichtenerzähler

der Antike

ein auf dem Rücken fliegendes

Pferd. Direkt an dieses

Leier

Fabelwesen schließt sich

dasSternbild derschönen

Königstochter

Andromeda an, die

Schwan

mit ihrenElternKassiopeia

und Kepheus,

sowieihrem

Pegasus

Herbstviereck

Wassermann

P L AN ET ARIUM BERLIN

Delphin

zukünftigen Ehemann,

dem Helden

Perseus, auf

ewig am Himmel

vereint steht. Mithilfe

der Kassiopeia

finden wirden

Andromedanebel.

Nutzt man die

rechte Seite des

Himmels-W als Pfeil

und folgt derRichtung

W

gen Horizont, trifft man

genau auf unsere Nachbargalaxie,die

in 2,5 Millionen

Lichtjahren Entfernung

steht. Im Osten kündigen sich

bereits die Wintersternbilder um

den Himmelsjäger Orion an, der in

der winterlichen Gemengelage die

auffälligste Sternenanordnung darstellt.

Dennoch ist viel Phantasie gefragt,

um aus einer Reihe aus drei

Sternen seinen Gürtel zu erkennen.

Diezweihellen Sterne „oben“ stellen

die Schulterndar und die zwei Sterne

Rigel und Saiph die Knie.Hier finden

wir auch das berühmte Sternentstehungsgebiet

M42, den Orionnebel.

Dort können wir mit Teleskopen nahezu

direkt bei der Entstehung neuer

Sterne zuschauen.

In unseren Städten sorgt die allgegenwärtige

Beleuchtung für eine

Aufhellung des Himmels,sodass nur

wenige Himmelsobjekte bleiben. Ein

brauner Schleier des Lichtschmutzes,

der von Osten zu kommen

scheint, zieht sich in Berlin über das

gesamte Firmament und versucht,

den leuchtenden Himmel gänzlich

zu verdrängen.

Ein wahrer Heilsbringer ist das

Licht des Mondes, des zweithellsten

Objekts am Himmel. Auf ewiger

Bahn umrundet der Mond unsere

Erde und zeigt je nach Beleuchtung

die bekannten Mondphasen: Der

Monat beginnt am 4. November mit

dem zunehmenden Halbmond (erstes

Viertel) am Abendhimmel, der

Vollmond erleuchtet die Nacht am

12. November, am 19. November

steht der abnehmende Halbmond

(letztes Viertel) am Morgenhimmel,

und am 26. November steht der

Mond unbeobachtbar als Neumond

zwischen Sonne und Erde. Am

Abend des 13. November wandert

der Mond durch den Sternhaufen

der Hyaden im Sternbild Stier. Ein

wunderbarer Anblick –nicht nur im

Feldstecher.

Ewiger Kreislauf

In der zweiten Nachthälfte lohnt es

sich auch, nach Sternschnuppen

Ausschau zu halten, wenn auch eine

geringe Aktivität vorausgesagt ist.

Sternschnuppen sind kleine Staubkörnchen,

die beim Eintritt in die Erdatmosphäre

verglühen. Auf der Erde

können wir dann als flüchtiges Zeugnis

einen Kanal heißer Luft betrachten,

da die Sternschnuppe so heiß

verglüht,dass siedie Luft zumLeuchten

bringt. Besonders helle Sternschnuppen

können gar grünlich

leuchten und hinterlassen beim Betrachter

eine besonders nachhaltige

Erinnerung. Im November sind die

Leoniden mit dem scheinbaren Ursprungspunkt

(Radiant) im Sternbild

Löwe (lateinisch Leo) vom 13. bis 30.

November aktiv. Das Maximum des

Sternschnuppenstroms, der sich auf

den Kometen 55P/Tempel-Tuttle zurückführen

lässt, wird inder Nacht

vom17. auf den 18. November erwartet.

Es bleibt noch etwas abgeschlagen

am Morgenhimmel der Rote Planet

Mars, der einsam durch das

Sternbild Jungfrau schreitet. Unser

Nachbarplanet geht im November

um kurz nach fünf Uhrmorgens auf.

Der Kosmos ist ein ewiger Kreislauf.

Neue Sterne und Planeten entstehen,

andere Sterne blähen sich zu

RotenRiesensternen auf, um dann in

gigantischen Explosionen als Neutronensterne

oder gar Schwarze Löcher

zu enden. In den 13,787 Milliarden

Jahren, die das Universum alt ist, hat

der Kosmos schon einiges gesehen.

Wechselnde Koalitionen, wechselnde

Galaxien, verschmelzende Schwarze

Löcher, unbrauchbare Braune

Zwerge und vieles mehr. Wichtig erscheint,

dass wir als Teil des Universums

auf dem vielleicht einzig bewohnbaren

Planeten leben, der intelligentes

Leben hervorgebracht hat.

Mögen wiresnutzen.

Langsame Annäherung

Im Streit um die Karstadt-Filiale am Hermannplatz zeigen sich Investor René Benko und Baustadtrat Florian Schmidt jetzt diskussionsbereit

VonAnnika Leister

Karstadt-Eigentümer und Immobilien-Investor

René Benko ist

zurzeit häufig Thema in Berlin –oder

zumindest seine Berliner Bauprojekte.

Denn der österreichische Milliardär

besitzt schon zahlreiche prominente

Immobilien in der Stadt –das

KaDeWe am Kurfürstendamm oder

das „Stream“-Hochhaus neben der

Mercedes-Benz-Arena zählen dazu.

Zuletzt machte sein Konzern Signa

mit dem geplanten Umbau des Karstadts

am Hermannplatz Schlagzeilen

–vor allem weil Florian Schmidt,

grüner Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg,

dem pompösen

Bau seine Genehmigung verweigerte.Selten

aber lässt Benko sich in

der Öffentlichkeit blicken, auch mit

der Presse spricht er nicht oft.

Am Montag aber stellte sich der

42-Jährige bei der Industrie- und

Handelskammer anderthalb Stunden

lang den Fragen des Publikums.

Die aktuellen Diskussionen um den

Karstadt-Umbau und der Protest

von Schmidt beeindrucken Benko

wenig. Signa ist in mehreren europäischen

Ländernals Investor unterwegs.

Man versuche außerdem gerade,

sich ein zweites Standbein in

den USA aufzubauen, so Benko.Sein

erster Schritt dahin: Signa hat das

Chrysler-Gebäude, ein Wahrzeichen

NewYorks,aufgekauft.

Diskussionen und scharfe Kritik

wie in Berlin seien nichts Besonderes,

so Benko. „Man führt sie in unterschiedlichen

Formen in jeder

Stadt.“ ZumGlück habe Signa im Gegensatz

zu kleineren Projektentwicklern

die Möglichkeit, solche Streitigkeiten

auch auszusitzen. „Wir können

ein Projekt auch zehn Jahre liegen

lassen“, so Benko.

EinProblem mit Schmidt habe er

nicht. Man habe sich vor kurzem

erstmals persönlich kennengelernt,

stehe in „professionellem Austausch“

und „vernünftigem Dialog“.

Schmidt sei mit seiner Kritik „mal

kurzvorgeprescht“, dafür habe er bei

PolitikernVerständnis.

Kauft gerne und oft Häuser in Berlin: Karstadt-Eigentümer René Benko.

Die Pläne für die Karstadt-Filiale

am Hermannplatz verteidigte Benko

–zeigte aber zugleich Gesprächsbereitschaft.

Am Hermannplatz will

Signa 450 Millionen Euro in die Hand

nehmen, um das Gebäude teilweise

abzureißen und nach einem Entwurf

DPA/BIRGIT REICHERT

des Star-Architekten David Chipperfield

im Stil der 20er-Jahrewiederzuerrichten.

Dem Vorwurf einer Linken-Politikerin

im Publikum, Benko

wolle die Stadt mit einem „Monumentalbau

vereinnahmen“, widersprach

der Unternehmer.„Ichwollte

noch nie Monumentalbauten aus

Ego-Gründen betreiben“, sagte er.

Signa wolle nachhaltig bauen und

Stadtentwicklung vorantreiben. „Wir

reden mit allen, scheuen keine guten

Diskussionen“, so Benko. „Wir wollen

nicht nur den kurzenErfolg.“

Die Situation am Hermannplatz

verglich Benko mit einer Diskussion

um ein Haus inWien, das Protest von

Denkmalschützern und Anwohnern

hervorrief. Man habe sich gemeinsam

an einen Tisch gesetzt, einen

„qualitätsvollen Dialog“ geführt, der

am Ende in einen Architekten-Entwurf

gemündet sei. „Wir gehen entspannt

auf so einen Dialog zu“, so

Benko. Klar sei: Man werde am Hermannplatz

bauen, den Standort

wolle Karstadt unbedingt langfristig

halten. Aber wie genau, da gebe es

Spielraum: „Wie das nachher ausschaut,

werden wir sehen.“

Dialogbereit zeigt sich inzwischen

auch Florian Schmidt. Auf

seine strikte mehrseitige Absage an

den Konzern folgte Kritik nicht nur

aus der Wirtschaft, sondern auch

von Parteikollegen wie der Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop

(Grüne) und dem Regierenden Bürgermeister

Michael Müller (SPD)

selbst. Denkbar, erklärt Schmidt auf

Nachfrage der Berliner Zeitung am

Montag, sei eine Diskussion mit unabhängigen

Experten, der Nachbarschaft

und Signa, um zu erörtern,

welche Entwicklung gewünscht sei.

Noch gebe es dafür keine konkreten

Termine. „Aber es gab Gespräche

dazu mit Signa, die einen ergebnisoffenen

Neustart wohl mittragen.“

Scheint also, als bewegen sich

beide Seiten langsam aufeinander

zu. UndRené Benkos Lust aufBerlin

ist weiterhin ungetrübt. Laut Morgenpost

will der Signa-Konzern in

den kommenden Jahren weitere 3,5

Milliarden Euro in der Hauptstadt

investieren. „Ich bin absoluter Berlin-Fan“,

so Benko am Montag. Seit

15 Jahren sei Signa hier aktiv, neben

Benkos Heimat Wien sei die Stadt für

ihn der wichtigste Standort. „Für

mich ist Berlin die neue Hauptzentrale.“


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 13 *

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Berlin

Visa

und

Touristennepp

Checkpoint Charlie: Keine

falschen Soldaten mehr

Soldaten-Darsteller, die von Touristen

Geld für Fotos verlangen –

am berühmten Berliner Checkpoint

Charlie soll es das nicht länger geben.

Wegen vieler Beschwerden von

Bürgern und Touristen habe man

entschieden, gegen das bisher geduldete

Treiben am früheren Grenzkontrollpunkt

vorzugehen, teilte das

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

am Montag auf Anfrage mit.

„Dem Betreiber wurde mitgeteilt,

dass die Duldung ab sofortaufgehoben

ist und er mit Verfolgung einer

Zuwiderhandlung rechnen muss.“

Passanten seien gedrängt beziehungsweise

„regelrecht genötigt“

worden, am Kontrollhäuschen für

ein Foto mit den Schaustellern zu

zahlen, begründete der Bezirk den

Schritt. Demnach fiel die Entscheidung

bereits im August. Sollten die

Schausteller ihre Tätigkeit wieder

aufnehmen, werde das Ordnungsamt

im Rahmen seiner Personalkapazitäten

das Verbot durchsetzen –

gegebenenfalls mit Unterstützung

der Polizei, hieß es.

Angeblich kassierten falsche Soldaten

für Fotos vier Euro, die Tageseinnahmen

hätten bei 1500 bis

5000 Euro gelegen. Auch Scheinvisa

mit falschen Stempeln sollen verkauft

worden sein. DerBetreiber reagierte

mit Unverständnis. Der

Checkpoint Charlie war während der

Teilung Berlins Grenzübergang für

Diplomaten und Ausländer. Nach

dem Mauerbau 1961 standen sich

hier amerikanische und sowjetische

Panzer gegenüber. Der heutige Mix

aus Geschichtsvermittlung, Touristennepp

und Kommerz rief in der

Vergangenheit immer wieder Kritik

hervor. (dpa)

Die Zeit der falschen Soldaten am Checkpoint

Charlie geht zu Ende. IMAGO IMAGES

In der Willy-Brandt-Oberschule in Wedding will man es nicht hinnehmen, dass Schüler es nicht schaffen. Dazu gehören auch Regeln und Grenzen.

Gegen den Trend

Wieeine Brennpunktschule in Wedding trotz schwierigen Milieus die Fehlzeiten der Schüler halbiert hat

VonMelanie Reinsch

Die Willy-Brandt-Oberschule

liegt mitten im

Gesundbrunnenkiez in

Wedding –einem Brennpunktviertel.

87 Prozent der Kinder

und Jugendlichen der Integrierten

Sekundarschule (ISS) sprechen zu

Hause eine andere Sprache als

Deutsch. Schulen wie die Willy-

Brandt-Oberschule kämpfen mit

Problemen: Schüler schwänzen den

Unterricht, es gibt viele Fehlzeiten,

Schulabbrecher. Eltern sind schwer

erreichbar. Schulleiterin Andrea

Franke will das nicht hinnehmen.

Mithilfe des Berliner Indikatorenmodells,

das Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) vor drei Jahren

auf den Wegbrachte, hat Franke

geschafft, wovon viele andere Schulen

nur träumen.

Das Indikatorenmodell ist eine

Art Programm, mit dem die Schulen

möglichst viele Daten sammeln,

protokollieren und auswerten können,

um sich zu verbessern. So soll

die Entwicklung der Schule verfolgt

werden können. Über das Instrument

sollen die verschiedenen Qualitätsindikatoren

für eine Schule

über eine längere Zeit verfolgbar

sein. Für die ISS sind zum Beispiel

Quoten zur Erstwunschanmeldung

an der Schule, zuAbgängern ohne

Abschluss,zuVertretungsleistungen,

unentschuldigten Fehltagen oder

Übergriffen, auf das Schulpersonal

relevant. Auf Grundlage des Modells

wird dann gemeinsam mit der

Schulaufsicht ein Schulvertrag aufgesetzt,

der Ziele enthält, damit die

Schule zum Beispiel ihre Schulabbrecher-Quote

verbessern kann

oder keine Lehrkräfte mehr angegriffen

werden. Franke sagt, dass sie seit

Einführung des Modells 2016 die

Fehlzeiten an der Schule halbiert

habe. So musste die Schulleiterin

2015 noch 500 Schulversäumnissanzeigen

schreiben, in diesem Jahr nur

100. Zu einer Versäumnisanzeige

kommt es, wenn Schüler fünf Tage

unentschuldigt fehlen. Auch die

Schul-Abgänger-Quote soll 2015

fünfmal so hoch gewesen sein.

So wurde an der Weddinger

Schule unter anderem ein Leseunterricht

eingeführt, jedes Jahr wird

der Lernstand und der Fortschritt

der Schüler erhoben, es gibt einheitliche

Klassenarbeiten, um eine bessere

Vergleichbarkeit zu schaffen,

eine Stunde mehr Deutsch- und Matheunterricht

wurde eingeführt, es

finden Antidiskriminierungsveran-

„An der Willy-Brandt-Oberschule

kann man gut sehen, wie sich eine Schule

auf den Weggemacht hat.“

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie (SPD)

staltungen statt, ein Schulsozialarbeiter

wurde extra für die Elternarbeit

engagiert. „Das Indikatorenmodell

hat uns dabei geholfen, entsprechende

Ziele für den Schulvertrag zu

generieren“, erklärtFranke.

Scheeres sagte, dass es nicht

darum gehe, Schulen miteinander

zu vergleichen. Stattdessen gehe es

darum, dass jede Schule sich mit ihren

eigenen Daten befassen solle,

um positive sowie negative Tendenzen

zu erkennen. „An der Willy-

Brandt-Oberschule kann man gut

sehen, wie sich eine Schule auf den

FLORIAN BOILLOT

Weg gemacht“, sagte Scheeres. So

habe es auch keine Angriffe mehr auf

Lehrkräfte gegeben. Das sei ein

Punkt gewesen, den sich diese

Schule vorgenommen habe.

350 Schulverträge zwischen

Schulen und Schulaufsicht wurden

auf dieser Grundlage in Berlin schon

abgeschlossen. Bisher haben 121

Schulen der Integrierten Gesamtschulen/Gemeinschaftsschulen

und

221 Grundschulen Zugang zu dem

Instrument des Indikatorenmodells.

Die Gymnasien und Berufsschulen

sollen bis 2021 ebenfalls damit arbeiten

können.

Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft

und Politik der Industrie- und

Handelskammer (IHK) Berlin, lobte

das Indikatorenmodell. Berlin dürfe

nicht nachlassen, möglichst viele Jugendliche

zu einem erfolgreichen

Schulabschluss zu führen. „Es ist ein

richtiger Schritt, um die Schulqualität

an den Berliner Schulen zu steigern.

Für viele Unternehmen gehören

Indikatoren zum betrieblichen

Alltag, um den eigenen Unternehmenserfolg

realistisch zu bewerten“,

so Nolte. Objektive Indikatoren

könnten auch Schulen bei der Evaluation

ihrer Entwicklungsprozesse

unterstützen. Wichtige Voraussetzung

sei allerdings, dass sich alle

Schulen beteiligten und die Daten

auch nutzen.

POLIZEIREPORT

Tankstelle überfallen.

EinUnbekannter hat am Sonntagabend

am Sachsendamm in Schönebergeine

Tankstelle überfallen. Der

Räuber betrat gegen 22 Uhrden Verkaufsraum

und bedrohte die beiden

Angestellten mit einem Messer.

Dann verlangte er das Geld aus der

Kasse.Mit dem Geld und einigen

Schachteln Zigaretten flüchtete der

Mann über den Tempelhofer Damm

in Richtung Bahnhof Südkreuz. Die

beiden Angestellten der Tankstelle

blieben unverletzt.

Dealer gestellt.

Zivilfahnder haben am Sonntagabend

in Hakenfelde in Spandau einen

22 Jahrealten Mann in einem

Wald festgenommen. Er hatte zuvor

versucht, vorden Beamten in einem

Smartzuflüchten. In der Umhängetasche

des Mannes,die er zuvor weggeworfen

hatte,fanden die Fahnder

insgesamt rund 500 Gramm Marihuana,

drei Mobiltelefone und mehrere

HundertEuro. DerDealer war

den Beamten wegen seiner riskanten

Fahrweise aufgefallen.

Taxifahrer ausgeraubt.

In Neukölln haben zwei Männer am

Sonntagabend einen Taxifahrer ausgeraubt.

Siewaren gegen 19.40 Uhr

am Kottbusser Torindas Auto des

64-Jährigen eingestiegen. Aufdem

Wegzudem vereinbarten Fahrziel in

der Bornsdorfer Straße sollte der

Fahrer anhalten. Derhinter ihm sitzende

Täter soll ihn dann unvermittelt

vonhinten gewürgt und Geld geforderthaben,

während der zweite

Täter zusätzlich mit einem Messer

drohte.Die Täter nutzten das anschließende

Gerangel, um mit dem

Geld aus der Börse zu entkommen.

DerTaxifahrer blieb unverletzt.

Polizisten geschlagen.

In der Nacht zum Montag hat ein 26-

Jähriger auf dem Bahnsteig des U-

Bahnhofs Hermannstraße in Neukölln

randaliert. Sicherheitsmitarbeiter

der BVGhielten ihn fest und

riefen die Polizei. Als zwei Polizisten

des Polizeiabschnitts 55 eintrafen,

ging der Randalierer unvermittelt

auf die Beamten los und schlug ihnen

ins Gesicht. Dabei wurden die

Beamten leicht verletzt. DieStreife

überwältigte den Mann. Anschließend

wurde er gefesselt. Dabei wurden

sie anhaltend vondem 26-Jährigen

beleidigt. DerFestgenommene

kam in Gewahrsam, wo er nach einer

erkennungsdienstlichen Behandlung

und Blutentnahme wieder entlassen

wurde.Gegen ihn wirdwegen

Widerstands und Körperverletzung

ermittelt. (ls.)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Berlin

Stoß vor

U-Bahn: Mord

aus Heimtücke

26-Jähriger muss in

Untersuchungshaft

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Grüne wollen

Zwangsticket

für Touristen

Leitantrag für Parteitag

verlangt radikales Handeln

Nach der neuen Festnahme im

Fall des tödlichen Stoßes vor

eine U-Bahn in Kreuzberg gehen

die Ermittler davon aus, nun den

richtigen Mann gefasst zu haben.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft,

Martin Steltner,verwies am

Montag auf den am Sonntag erlassenen

Haftbefehl gegen einen 26-

Jährigen wegen Mordes aus Heimtücke.

Hintergrund der Tatseien mutmaßlich

Drogengeschäfte gewesen.

Der Tatverdächtige stammt

aus Marokko, er befindet sich in

U-Haft und hat sich bisher nicht

zu den Vorwürfen geäußert. Er war

am Sonnabendabend in einer

Flüchtlingsunterkunft in Berlin-

Wannsee festgenommen worden,

wie Steltner sagte.

Zunächst war am Samstag ein

ebenfalls als tatverdächtig gefasster

Mann wieder auf freien Fuß gesetzt

worden –der Mann habe für

die Tatzeit ein Alibi vorweisen

können und gelte als entlastet,

hieß es. Steltner sprach von großem

Engagement der Mordkommission

und insgesamt schwierigen

Ermittlungen im Bereich der

Drogenkriminalität – mit widersprüchlichen

Zeugenaussagen.

Das Opfer, der fälschlicherweise

Festgenommene und der

mutmaßliche Täter seien alle dieser

Szene zuzurechnen. Die Aufnahmen

der Überwachungskameras

vom Bahnsteig seien nicht besonders

ergiebig gewesen, so

Steltner. Letztlich hätten Angaben

von Zeugen zu dem 26-Jährigen

geführt.

In der Nacht zu Mittwoch war

ein 30-jähriger Iraner vor eine U-

Bahn gestoßen worden. Er wurde

durch den einfahrenden Zug so

schwer verletzt, dass er noch vor

Ort starb. Zuvor soll es auf dem

Bahnsteig einen Streit zwischen

dem Opfer und einem Begleiter

sowie einer größeren Gruppe, zu

der der Täter gehörte, gegeben haben.

In dem U-Bahnhof sind regelmäßig

Dealer und Drogenabhängige

unterwegs. Das Kottbusser

Tor, auch „Kotti“ genannt, zählt für

die Polizei zu den sogenannten

kriminalitätsbelasteten Orten.

(dpa)

Herr Gysi, wir kommen um das

Thema Fußball auch in dieser Woche

nicht herum. Sie waren am

Sonnabend beim Derby inder Alten

Försterei. Warihnen mulmig, als die

Leuchtraketen flogen?

Sagen wir so, es störte mich.

Letztlich war es nur Glück, dass niemand

ernsthaft verletzt wurde, als

die Leuchtraketen aus dem Hertha-

Block auf den Rasen und in andere

Blöcke flogen. Diese Verletzungsgefahr

billigend in Kauf zu nehmen, ist

durch nichts zu entschuldigen.

Haben Sie eine Ahnung, warum die

Vereine es nicht hinkriegen, so etwas

zu verhindern?

Um zu verhindern, dass das ins

Stadion gelangt, müsste man am

Eingang wahrscheinlich mit Körperscannern

und Sprengstoffhunden

arbeiten. Aber einen solchen

Aufwand kann niemand leisten und

er bietet auch keine Garantie. Vielleicht

muss man androhen und

dann auch praktizieren, Feuerlöschgeräte

einzusetzen.

Wären Sie für mehr Härte im Umgang

mit den sogenannten Ultras?

Die Sportgerichtsbarkeit des

DFB verurteilt die Vereine zu hohen

Strafen. Klar können dieVereine mehr

tun, sie kennen doch auch ihre Pappenheimer.

Andererseits geben die

Ultras für ihren Verein das letzte

Hemd und sorgen mit kreativen Choreos

und permanenter lautstarker

Unterstützung maßgeblich für die

Stimmung in den Stadien. Ich finde,

dass der Gesprächsfaden zwischen

aktiver Fan-Szene,Vereinen und Verband

wieder geknüpft werden muss.

Vielleicht sollte man das mal unter

neutralerVermittlung versuchen.

Union-Boss Dirk Zingler hat das

Wort geprägt vom Fußball-Klassenkampf

in Berlin. Das kann man natürlich

augenzwinkernd sehen, als

cooles Wortspiel sozusagen. Andere

kriegen bei solchen Aussagen Bau-

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar

Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Kurz und klar,ein paar Minutennur,

solange man eben zusammensteht für eine

Curry am Mittag. Unser Thema in dieser Woche:

Die Ausschreitungen beim Derby

Elmar Jehn, Gregor Gysi und Jochen Arntz (v.l.n.r)

„Letztlich war es nur Glück, dass niemand

ernsthaft verletzt wurde, als die

Leuchtraketen aus dem Hertha-Block auf den

Rasen und in andere Blöcke flogen. Diese

Verletzungsgefahr billigend in Kauf zu

nehmen, ist durch nichts zu entschuldigen.“

Gregor Gysi

schmerzen. Wie ist Ihre Haltung

dazu?

Dirk Zingler hat damit vermutlich

augenzwinkernd auf den beträchtlichen

Unterschied zwischen beiden

Vereinen angespielt. Der Marktwert

des Hertha-Kaders ist sechs Mal größer

als bei Union. In der Frage,welche

Rolle Investoren spielen oder eben

nicht spielen, unterscheiden sich die

Vereine fundamental. Aber zwischen

Millionenvereinen, auch wenn der

eine deutlich mehr davon hat als der

andere, ist es nicht wirklich ein Klassenkampf.

Zu DDR-Zeiten war es Liebe zwischen

Union und Hertha, jetzt ist es

Rivalität, die sich bis hin zu den

Szenen vom Sonnabend entlädt.

Was ist das eigentlich schiefgelaufen

zwischen den beiden?

Solche Derbys leben immer von

einergewissen Rivalität. Aber dieOstdeutschen

fühlten sich zu Recht

schlecht behandelt und entwickeln

jetzt ostdeutsches Selbstbewusstsein.

Und für den quasi geborenen Erstligisten

Hertha ist es nicht leicht, dass

es plötzlich auch Union aus dem Osten

auf Augenhöhe gibt und sie nun

auch noch gewonnen haben. Ich

hoffe, die beiden gewöhnen sich aneinander,sodass

es sich nicht so entwickelt

wie zwischen Schalke und

Dortmund.

Was kann Fußball grundsätzlich

leisten –und was nicht?

In den Vereinen wird eine beträchtliche

Sozialarbeit geleistet.

Aber selbstverständlich ist Fußball

ein Teil der Gesellschaft und ihrer

Probleme.Erkann aber helfen, dagegen

zu steuern. Dass die Spieler von

Union am Samstag eine Eskalation

verhinderten, als sie ihre Fans nach

dem Spiel aus dem Innenraum auf

die Tribüne zurückschickten, war ein

wichtiges Zeichen. Sie haben eine

Grenze gesetzt. Die Vorbildwirkung

auf und neben dem Platz ist nicht zu

unterschätzen.

Mehr Geld und mehr Arbeit für

den Klimaschutz: Der Landesverband

der Grünen will die Hauptstadt

weiter gegen den Klimawandel

rüsten. Auf dem nächsten Parteitag,

der am 7. Dezember im Park-Inn-

Hotel stattfinden soll, will die Partei

einen Leitantrag mit dem Titel „Wer

vernünftig ist, handelt radikal“ beschließen.

Darin fordert der Landesverband

unter anderem, den sogenannten

Klimavorbehalt einzuführen. Jede

Vorlage aus einer Senatsverwaltung

–egal aus welcher –soll in Zukunft

also nicht nur eine Kostenprognose,

sondern auch eine Klimafolgenschätzung

beinhalten. „Es ist wichtig,

dass hier alle Senatsverwaltungen

mit ins Boot geholt werden“, so

Grünen-Landesvorsitzender Werner

Graf. Es sei nicht nur Aufgabe der

Umweltsenatorin, auf diese Parameter

zu achten. „Egal, ob in der Bildung

oder beim Bauen –das Klima

muss immer mitgedacht werden.“

Auch in den Bezirken wollen die

Grünen eine zentrale Stellschraube

drehen: Sie möchten das Budget für

klimafreundliche Maßnahmen erhöhen

und im Bestfall zu 100 Prozent

vomSenat übernehmen lassen.

Zurzeit laufe das durch die Kosten-

Leistungs-Rechnung der Bezirke oft

anders, erklärt Graf mit einem Beispiel:

Ein Bezirk bezahle für einen

Baum 80 Euro, erhalte vom Senat –

der einzigen Geldquelle –aber nur

40 Euro an Unterstützung. Werviele

Bäume pflanze, gebe also zwangsweise

mehr Geld aus als ein Bezirk,

der weniger fürs Stadtgrün tue.„Wir

müssen Anreize schaffen, damit die

Bezirke ökologische Maßnahmen ergreifen.“

Außerdem im 18-seitigen Leitantrag

enthalten: AufLandesebene soll

ein Bauinformationszentrum eingeführtwerden,

das Investoren und Eigentümer

dabei berät, wie ökologisch

und zugleich günstig zu bauen

ist. Eine bereits in der Fraktion diskutierte

Idee hat es auch in den Antrag

geschafft: Für den Nahverkehr

will der Landesverband in Zukunft

eine zusätzliche Finanzierungsquelle

schaffen – durch ein BVG-

Zwangsticket für Touristen. Die sollen

in Zukunft dann fünf bis sieben

Euro proNacht zahlen. (ann.)

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Kreislauf-Debatte um Straßenstrich

CDU unterliegt mit Antrag auf Prostitutionsverbot auf der Kurfürstenstraße

VonGerhard Lehrke

Der Umgang mit der Prostitution

in der Kurfürstenstraße in Tiergarten

und Schöneberg bleibt ein

Thema: Unversöhnlich stehen sich

die Lager gegenüber, wie sich am

Montag im Gesundheitsausschuss

des Abgeordnetenhauses zeigte. Die

CDU-Fraktion, nur von der AfD unterstützt,

unterlag mit ihrem Antrag,

den Straßenstrich auf der Kurfürstenstraße

und in ihrer Umgebung zu

verbieten.

Mit ihrem Antrag wusste sie sich

zwar im Einklang mit der Mehrzahl

der Anwohner und mit dem grünen

Bezirksbürgermeister vonMitte,Stephan

von Dassel. Aber selbst die

drastischen Schilderungen der

CDU-Abgeordneten Katrin Vogel,

die kürzlich die Straße aufgesucht

hatte,vermochten es nicht, die Fraktionen

vonSPD,Grünen, Linken und

FDP zu überzeugen.

Vogel berichtete von grauenhaften

hygienischen Zuständen in der

kürzlich aufgestellten Toilette, die

bei ihr einen „bleibenden Eindruck“

hinterlassen habe. Sie sprach weiter

von Müll und benutzten Drogenspritzen.

Vonder Unsichtbarkeit des

Der Strich auf der Kurfürstenstraße ist

vielen ein DornimAuge.

GETTY IMAGES

Ordnungsamts sowie von minderjährigen

Prostituierten, deren Auftreten

die „Mär von den selbstbestimmten

Sexarbeitern“ als Fiktion

entlarve. Offenkundig werde hier

auch Menschenhandel betrieben.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci

(SPD) erklärte, essei in Berlin

„Tradition, Prostitution in der Stadt

zu halten“. Die Prostituierten seien

sicherer in der Stadt, als wenn sie ihrem

Gewerbe in „Verrichtungsboxen“

am Rand der Stadt nachgehen

würden. Im Übrigen werdeesProstitution

geben, solange die Menschheit

existiert.

Die Senatorin meinte, Polizei, Kitas,

Schulen, Quartiersmanagement

und Berater würden erfolgreich arbeiten.

Jetzt warte man auf die Empfehlungen

des Runden Tischs Sexarbeit,

der am Donnerstag zum letzten

Mal tagen wird. Für die Umsetzung

stünden 500 000 Euro bereit.

DieFDP-Abgeordnete MarenJasper-Winter

sprang Kalayci bei.

Durch ein Verbot des Straßenstrichs

verbessere sich nichts, die Prostitution

werde lediglich ins Nirgendwo

verlagert, was auch nicht im Sinne

der Polizei sei. Die kenne den Kiez

und wisse, wopotenziell Straftaten

begangen werden könnten.

Mit Anja Kofbinger (Grüne) legte

die FDP-Abgeordnete jedoch Wert

darauf, dass die Vorschläge des Runden

Tischs auch schleunigst umgesetzt

werden, weil die Situation für

die Anwohnerschaft unerträglich geworden

sei. Unter anderem deshalb,

weil in der Kurfürstenstraße Baulücken

geschlossen werden und sich

die sogenannte „Verrichtung“ zunehmend

voraller Augen abspiele.


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 15 *

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Berlin/Brandenburg

Wegen

Streits

erschossen

Ein Hundebesitzer muss

für sechs Jahre in Haft

Weil er seinen Nachbarn wegen

eines Streits um seine Hunde

mit der Schrotflinte erschossen hat,

muss ein 60-Jähriger für sechs Jahre

wegen Totschlags in Haft. Nach einem

Jahr soll er in eine Entziehungsanstalt

verlegt werden, wie das Landgericht

Potsdam am Montag anordnete.

Die Staatsanwaltschaft hatte

die Tatals Mord eingestuft. DieVerteidigung

hatte auf Totschlag plädiert

und eine Freiheitsstrafe von

fünf Jahren und sechs Monaten gefordert.

Der betrunkene Mann hatte seinen

Nachbarn imFebruar erschossen,

nachdem ihn dieser darauf hingewiesen

hatte, dass seine Hunde in

der Hofanlage verboten seien. (dpa)

LOTTO-QUOTEN

Mittwoch-Lotto:

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QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt 6838228,60 Euro

Klasse 2: unbesetzt 2394074,40 Euro

Klasse 3: 90 x8824,00 Euro

Klasse 4: 3835 x2853,20 Euro

Klasse 5: 5269 x150,70 Euro

Klasse 6: 44670 x35,50 Euro

Klasse 7: 89195 x17,80 Euro

Klasse 8: 757962 x9,40 Euro

Klasse 9: 628289 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Mahlzeit!

Günther Jauchs Potsdamer Restaurant mit dem Starkoch TimRaue wird vom Gault&Millau ausgezeichnet

VonBritta Schultejans und

Jens Blankennagel, Potsdam

Offiziell ist Fernsehmoderator

Günther Jauch erst

seit Ende September ein

Gastronom. Damals eröffnete

der 63-Jährige in Potsdam

sein Restaurant „Villa Kellermann“.

Nicht einmal sechs Wochen später

sorgt er mit dem Restaurant nun für

bundesweite Schlagzeilen: Am Montag

gab der Restaurant-Führer

„Gault &Millau“ bekannt, dass Jauch

der „Gastronom des Jahres“ ist.

Jauch, der seit Jahren in Potsdam

wohnt, hat die Villa gegenüber dem

Schloss Cecilienhof vor gut drei Jahren

gekauft und denkmalgerecht sanieren

lassen. In dem Restaurant

führt für ihn der Berliner Spitzenkoch

Tim Raue (45) die Küche. Die

Tester des „Gault &Millau“ urteilten

über Jauch: „Erließ ein Stück Kulturgut

aufwendig renovieren, öffnet es

für ein genussfreudiges Publikum

und schenkt Potsdam in Zusammenarbeit

mit Tim Raue ein Vorzeigerestaurant

mit weltläufigem Flair.“

Auch Besitzer eines Weingutes

Günther Jauch bei der Eröffnung der „Villa Kellermann“ im September. DPA/FRIEDRICH BUNGERT

Der Gault&Millau ist neben

dem Guide Michelin der

wichtigste Restaurantführer.

Ihre Kochmützen und Sterne

sind die höchsten Auszeichnungen

der Haute Cuisine.

Koch des Jahres istTohruNakamura

aus in München.

PREISTRÄGER GAULT & MILLAU 2020

Gastgeber des Jahres ist

David Breuer („Schwarzwaldstube“

in Baiersbronn),

Aufsteiger des Jahres: Christian

Eckhardt („Purs“ bei Koblenz).

Entdeckung des Jahres

ist Dustin Dankelmann

(„959“ in Heidelberg).

Sommelier des Jahres: Nina

Mann („Victor’sFine Dining“

im Saarland), Pâtissier des

Jahres: Marco D’Andrea

(„The Fontenay“ Hamburg).

Bester deutscher Koch im

Ausland: Heinz Beck („La

Pergola“ in Rom)

Aufder Speisekarte stehen unter anderem

Entenleberterrine Sanssouci,

Rindertatarstulle mit Sauerampfer

und Saiblingskaviar oder Königsberger

Klopse.Die Hauptspeisen kosten

19 bis 26 Euro.

Jauch, 1956 in Münster geboren,

ist einer der beliebtesten Fernsehmoderatoren

Deutschlands: 20 Jahre

lang führte er durch die Sendung

„SternTV“, seit 1999 moderierterdie

Ratesendung „Wer wirdMillionär?“

Seit 2010 besitzt er einWeingut an

der Saar, das bereits seit etwa 200

Jahren im Besitz seiner Vorfahren

war.Außerdem werden seit 2018 unter

seinem Namen auch Weine bei

Aldi verkauft, die allerdings bei den

Kritikernnicht gerade gut ankamen.

In Potsdam besitzt Jauch einige

Häuser.Ernutzt nach eigenen Angaben

all seine Einkünfte aus der Werbung

für wohltätige Zwecke. Mit einer

Millionen-Spende sorgte er dafür,

dass in Potsdam das Fortuna-

Portal wieder aufgebaut wurde. Das

gehörte zum Stadtschloss der Hohenzollern,

das im ZweitenWeltkrieg

schwer beschädigt und später in der

DDR gesprengt wurde. Nachdem

Jauchs Portal stand, entschloss sich

das Land, das Schloss nachzubauen.

Nun dient es dem Brandenburger

Landtag als Sitz des Parlaments.

Die Villa Kellermann wurde 1914

am Heiligen See gebaut, zu DDR-

Zeiten saß dort der Kulturbund, es

war ein öffentlicher Treffpunkt für

Künstler und Intellektuelle. Nach

dem Fall der Mauer befand sich dort

ein beliebtes italienisches Restaurant,

das aber vor zehn Jahren

schloss.Dann übernahm Jauch.

Jauchs Koch unter den Besten

Für die Deutschland-Ausgabe des

„Gault &Millau“, die am Dienstag erscheint,

haben 32 Kritiker mehr als

1000 Restaurants getestet. Diewichtigste

Auszeichnung „Koch des Jahres“

geht an den Münchner Küchenchef

TohruNakamura.

In der Gruppe deutscher Spitzenköche

hat sich nichts getan. Acht

Männer gelten weiter als Deutschlands

beste Köche: darunter Sven Elverfeld

vom „Aqua“ in Wolfsburg,

Christian Jürgens von der „Überfahrt“

in Rottach-Egern und Jauchs

Koch TimRaue –allerdings nicht mit

der „Villa Kellermann“, sondern mit

dem nach ihm selbst benannten

Restaurant in Berlin. (mit dpa)

NACHRICHTEN

Angeklagte bestreiten

Vorwürfe

Fünf ehemalige Mitarbeiter der

Brandenburgischen Boden Gesellschaft

(BBG) müssen sich seit Montag

wegen Untreue vordem Landgericht

Potsdam verantworten. Laut

Anklage wirdihnen vorgeworfen,

zwei Grundstücke 2008 und 2009 billiger

als zum Verkehrswertverkauft

zu haben. Damit sei dem Land ein

Schaden vondreiMillionen Euro

entstanden. Über ihreVerteidiger

teilten die Beschuldigten mit, dass

sie die Vorwürfe abstreiten. (dpa)

Vier Fälle von West-Nil-Virus

in Südbrandenburg

Im Landkreis Spree-Neiße und der

Stadt Cottbus sind vier Fälle desWest-

Nil-Virus nachgewiesen worden. Das

teilten die zuständigen Behörden am

Montag mit. Dazu, welche Tierarten

betroffen sind, wollte sich der Landkreis

nicht äußern. DasVeterinäramt

empfiehlt Pferdehaltern, ihreTiere

impfen zu lassen. BeiPferden kann

eine Infektion nach Angaben des

Friedrich-Loeffler-Instituts tödlich

oder mit bleibenden Schäden verlaufen.

DieInfektion ist eine anzeigepflichtige

Tierseuche. (dpa)

Randalierender Mann

löst SEK-Einsatz aus

EinSEK der Polizei hat wegen eines

randalierenden Mannes in Brandenburg/Havel

ein Mehrfamilienhaus

evakuiert. Wiedie Polizei mitteilte,

hatte der 44-Jährige Gegenstände

aus dem Fester geworfen. Es gab

Knallgeräusche in derWohnung. Gegen

Mitternacht wurde der Mann

vomSEK überwältigt. (dpa)

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Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


16 Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Wissenschaft

Meeresspiegel

droht bis 2300

stark zu steigen

Forscher fordern striktere

Pläne für den Klimaschutz

Die gegenwärtigen Klimaschutzverpflichtungen

von Regierungen

weltweit reichen Wissenschaftlern

zufolge nicht aus, umden Anstieg

des Meeresspiegels aufzuhalten.

Selbst wenn sich die Länder im

Zeitraum von 2016 bis 2030 an die

Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen

hielten, würde dies den Meeresspiegel

bis ins Jahr 2300 um 20 Zentimeter

ansteigen lassen. Dasgeht aus

einer Studie hervor, die am Montag

im Fachmagazin PNAS veröffentlicht

wurde. „Um den langfristigen

Anstieg des Meeresspiegels zu begrenzen,

ist es entscheidend, dass

bei den Klimaplänen der Länder

nachgebessertwirdund die Anstrengungen

zur Vermeidung von Emissionen

verstärkt werden“, erläutert

Studien-Koautor Johannes Gütschow

vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

(PIK).

Wie die Wissenschaftler berechnet

haben, wäre mehr als die Hälfte

des erwarteten Meeresspiegelanstiegs

auf die fünf größten Verursacher

von Treibhausgasemissionen

zurückzuführen: China, USA, EU, Indien

und Russland. Auf ihr Konto

würden 12 der 20 Zentimeter des erwarteten

Anstiegs gehen –und dies

für den Fall, dass sie die Klimaziele

aus dem Pariser Abkommen bis 2030

einhalten.

Langsame Reaktion

Werden diese verfehlt, könnte das in

einem noch höheren Anstieg der

Meere resultieren. Erstellt wurde die

Studie von Forschern des Instituts

Climate Analytics in Berlin und des

Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

(PIK). Sie zeigt den Autoren

zufolge erstmals die konkreten

Auswirkungen der bislang vereinbarten

Vorhaben der einzelnen Länder

zur Emissionsreduktion im Rahmen

des Pariser Klimaabkommens

mit Blick auf den längerfristigen

Meeresspiegelanstieg.

„Unsere Ergebnisse zeigen: Was

wir heute tun, wird einen großen

Einfluss bis zum Jahr 2300 haben“,

sagt Leitautor Alexander Nauels von

Climate Analytics. „20 Zentimeter

sind keine kleine Zahl, das entspricht

grob dem bislang im gesamten

20. Jahrhundert beobachteten

Meeresspiegelanstieg.“ Durch das

langsame Tempo, mit dem der

Ozean, die Eisschilde und Gletscher

auf die globale Erwärmung reagieren,

entfalteten sich die wahren Folgen

unserer Emissionen für den

Meeresspiegelanstieg erst über Jahrhunderte,warnt

er.„Je mehr Kohlendioxid-Emissionen

jetzt freigesetzt

werden, desto stärker bestimmen

wir auch bereits den Meeresspiegelanstieg

der Zukunft.“

Mit dem steigenden Meeresspiegel

steigt auch das Risiko für häufigereund

stärkereÜberflutungen. Das

könne für viele Küsten- und Inselgemeinschaften

verheerende Auswirkungen

haben. „Unsere Ergebnisse

zeigen klar, dass unsere heutigen

Emissionen unweigerlich dazu führen,

dass die Meerebis weit in die Zukunft

hinein ansteigen“, betont Ko-

Autor Carl-Friedrich Schleußner von

Climate Analytics. „Dieser Prozess

lässt sich nicht zurückdrehen.“ (AFP)

Vonsteigenden Pegeln bedroht: Male, die

Hauptstadt der Malediven. IMAGO IMAGES/XINHUA

Bei Patienten mit Mukoviszidose ist unter anderem die Lunge betroffen. Dortbildet sich zähflüssiger Schleim, der das Organ verklebt.

Neue Therapie gegen Mukoviszidose

Drei in den USA jetzt zugelassene Wirkstoffe helfen der Mehrheit der Patienten deutlich

VonWalter Willems

Selten reagiertdie Fachwelt so

euphorisch auf eine neue

Therapie: von einem

„Durchbruch“, einem „Meilenstein“

und einem „Grund für eine

große Feier“ ist die Rede. Der Anlass:

Ärzte um Peter Middleton von der

University of Sydney stellen im New

England Journal of Medicine eine

Kombination dreier Wirkstoffe gegen

Mukoviszidose vor, die viel bewirkt.

DieBehandlung besseredie Situation

bei bis zu 90 Prozent der an der Stoffwechselerkrankung

leidenden Patienten

deutlich, berichten die Forscher.Inden

USA wurde das Präparat

Trikafta nach einem beschleunigten

Verfahren am 21. Oktober für Patienten

ab zwölf Jahren zugelassen.

Zähflüssiger Schleim

Mukoviszidose –auch cystische Fibrose

(CF) genannt –ist in Europa die

häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung.

Weltweit haben mehr

als 70 000 Menschen die Krankheit.

Fehlerhafte Kanäle auf der Oberfläche

von Zellen führen bei den Patienten

dazu, dass Schleim in Bronchien,

Bauchspeicheldrüse,

Schweißdrüsen, Verdauungstrakt

und anderen Organen so zähflüssig

wird, dass er nicht mehr richtig abfließen

kann. Folgen der lebensbedrohlichen

und bislang unheilbaren

Erkrankung sind Dauerhusten, chronischer

Durchfall und Lungenentzündungen.

Ursache der Krankheit sind Veränderungen

am GenCFTR. Mehr als

1700 solcher Mutationen können

Mukoviszidose auslösen. Die neue

Das Leiden: Bei der erblichen

Stoffwechselkrankheit

Mukoviszidose sind Transportkanäle

an der Oberfläche

vonZellen defekt, die

normalerweise Wasser aus

der Zelle schleusen und so

Schleimhäute befeuchten.

RUND 8000 BETROFFENE IN DEUTSCHLAND

Die Symptome: Bei Erkrankten

bildet sich deshalb zähflüssiger

Schleim, der vorallem

die Lungeund Abführgängevon

inneren Organen

verklebt. Die Erkrankung wird

auch cystische Fibrose genannt,

kurz CF.

DieZahlen: In Deutschland

gibt es 8000 CF-Patienten.

Jährlich werden 200 Kinder

mitder Erkrankung geboren.

DieLebenserwartung istgestiegen.

Mehrals 60 Prozent

der Betroffenen hierzulande

sind älterals 18 Jahre.

Therapie zielt auf die mit Abstand

häufigste Mutation ab, sie trägt die

Bezeichnung Phe508del. Zwar wurden

in den vergangenen Jahren diverse

Therapien zugelassen, sie

kommen jedoch nur für Teilgruppen

der Patienten infrage.

An der nun publizierten Studie

nahmen mehr als 100 Zentren in 13

Ländern teil. Insgesamt waren es etwas

mehr als 400 Patienten, die alle

die Phe508del-Mutation in sich tragen.

Eine Hälfte von ihnen bekam

die drei Wirkstoffe Elexacaftor,Tezacaftor

und Ivacaftor, die übrigen erhielten

ein Scheinpräparat. Nach

vierWochen war die Lungenfunktion

im Vergleich zum Placebo um rund

14 Prozent verbessert. Verschlechterungen

der Lungenfunktion traten

mit den neuen Wirkstoffen deutlich

seltener auf.

„Bereits nach zwei Wochen sind

die Patienten unter der Therapie fitter,

respiratorisch verbessert und

zeigen die enorme Lungenfunktionsverbesserung“,

sagt Sabine Renner

vonder Medizinischen Universität

Wien, deren Ambulanz für cystische

Fibrose an der Studie teilgenommen

hatte. „Zusätzlich zeigt

sich eine völlig unkomplizierte Gewichtszunahme,auch

bei Patienten,

die bisher immer um jedes Gramm

kämpfen mussten.“

Zwei der insgesamt 200 mit dem

Präparat behandelten Patienten brachen

die Therapie ab –wegen Bluthochdruck

und wegen Hautausschlag.

Insgesamt hatten 28 mit der

Kombination behandelte Patienten

ernste Nebenwirkungen, verglichen

mit 42 in der ebenso großen Placebogruppe.Generell

sprechen die Autoren

von einem akzeptablen Nebenwirkungsprofil.

Zugelassen wurde das Präparat

Trikafta in den USA für Patienten ab

zwölf Jahren mit der entsprechenden

Mutation am CFTR-Gen. Die

Zulassungsbehörde FDA schreibt,

dass das Dreier-Präparat in der zweiten,

noch unveröffentlichten Studie

die Lungenfunktion im Vergleich zur

IMAGO/SCIENCE PHOTO LIBRARY

derzeitigen Zweier-Kombination um

10 Prozent besserte.

Erstmals stehe für die Mehrheit

der Patienten eine kausale Therapie

zur Verfügung, sagt Mirjam Stahl

vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung

in Heidelberg. Das sei

tatsächlich ein großer Durchbruch.

Dasbestätigt auch die Wiener Expertin

Renner. „Im Rahmen der Studie

konnte (und kann) ich Patienten mit

der Triple-Therapie begleiten“, erläutert

sie. Essei eine Freude zu sehen,

wie wenig CF-Beschwerden sie

beklagten.

Dennoch, betont Sabine Renner,

dürfe man nicht jene Betroffenen

vergessen, die nicht für die Therapie

infrage kämen. Dazu zählten Patienten

mit anderen Mutationen, mit

Unverträglichkeit der Triple-Therapie

und mit einer deutlichen Lebererkrankung

–was bei Mukoviszidose

recht häufig ist.

StrengereKriterien in Europa

Wann und für welche Patienten die

Therapie in Deutschland zugelassen

wird, sei noch nicht ganz absehbar,

sagt CF-Experte Simon Gräber von

der Charité Berlin. Da die europäische

Arzneimittelbehörde in der Vergangenheit

deutlich strengere Kriterien

zur Zulassung in einzelnen Patientengruppen

angewendet habe,

seien Prognosen schwierig. Es sei

möglich, dass die Dreifachkombination

erst in verschiedenen Stufen für

europäische Patienten zur Verfügung

stehe. Erbetont: „Auch wenn die Behandlung

ein großer Durchbruch für

90 Prozent der Patienten ist, bedeutet

sie bisher keine komplette Heilung

für diese Patienten.“ (dpa/fwt)

Im interstellaren Raum ist es wärmer als gedacht

Das zeigen erste Daten der Sonde „Voyager 2“, die vor einem Jahr den Innenraum unseres Sonnensystems verlassen hat

VonTill Mundzeck

Messungen der Raumsonde„Voyager

2“ zeigen eine erstaunlich

scharfe Grenze des Innenraums

unseres Sonnensystems. Die Sonde

hatte vor einem Jahr diese sogenannte

Heliosphäre verlassen und

war damit in den interstellaren

Raum eingetaucht.

Daten vonNovember 2018

Im Fachblatt NatureAstronomy präsentieren

Forscher jetzt die Auswertung

der Messdaten von dieser Passage,die

am 5. November 2018 stattfand.

Sie lief demnach etwas anders

ab als bei der Schwestersonde„Voyager

1“, die diese Grenze am25. August

2012 überquert hatte. Die beiden

Sonden werden nun voraussichtlich

Milliarden Jahre lang

durchs All driften.

Unsere Sonne bläst einen kontinuierlichen

Teilchenstrom ins All.

Dieser heiße Sonnenwind hat eine

große Blase im interstellaren Gas

ausgehöhlt, die Heliosphäre. Sie endet

dort, wo der Druck des dünnen,

heißen Sonnenwinds dem des dichteren

und kühleren lokalen interstellaren

Mediums gleicht. Die Schwerkraft

der Sonne reicht noch viel weiter

in den interstellaren Raum hinein,

so dass auch dort noch ferne

Asteroiden und Kometen unseres

Systems kreisen.

Als die beiden Sonden vor mehr

als 40 Jahren gestartet wurden, hatten

Forscher keine Vorstellung, wie groß

die Blase ist, die die Sonne in das interstellare

Medium geschnitten hat.

Beide Raumsonden haben die

Grenze der Heliosphäre nun in fast

gleicher Distanz passiert: „Voyager 1“

in etwa 121 Astronomischen Einheiten,

„Voyager 2“ in rund 119. Eine Astronomische

Einheit ist die Entfernung

der Erde vonder Sonne.

Das deutet auf eine symmetrische

Kugelformder Heliosphärehin,

zumindest auf einer Seite. Denn

beide Sonden haben dieselbe Halbkugel

der Heliosphäre durchquert

und sie schräg in Flugrichtung unseres

Sonnensystems verlassen, das

sich durch die Galaxis bewegt.

„Voyager 2“ hat die Grenzeder Heliosphäre

innur einem Tagpassiert,

was einen scharfen Übergang bedeutet.

„Die alte, historische Vorstellung,

dass der Sonnenwind sich einfach allmählich

reduziert, je weiter man in

den interstellaren Raum vordringt,

trifft nicht zu“, erläutertDon Gurnett

vonder University of Iowa. Erste Messungen

jenseits der Grenzezeigen zudem,

dass die Temperatur des lokalen

interstellaren Mediums mit 30 000 bis

50 000 Grad merklich höher liegt als

die erwarteten 15 000 bis 30 000

Grad.

Batterien reichen noch fünf Jahre

Die Forscher spekulieren, dass die

Heliosphäre eine Art Bugwelle durch

das interstellareMedium vorsich herschieben

könnte. Den „Voyager“-

Sonden wird allerdings voraussichtlich

die Energie ausgehen, bevor sie

eine solche Bugwelle erreichen und

vermessen könnten. Dieradioaktiven

Batterien werden Experten zufolge

noch etwa fünf Jahrereichen. (dpa)

Fischbestände

leiden unter

Insektiziden

Futtermangel, weil die

Kleinstlebewesen fehlen

Bestimmte Pflanzenschutzmittel

könnten erhebliche Auswirkungen

auf Fischbestände haben. Das

ergab eine Langzeitstudie an einem

japanischen See. Demnach fiel der

erstmalige Einsatz bestimmter Pestizide

auf nahe gelegenen Reisfeldern

mit dem Zusammenbruch ganzer

Fischpopulationen im Lake Shinji

zusammen. Die Forscher vermuten,

dass kleinste Wassertiere, und damit

die Nahrung der Fische, zerstört

wurden. Diedorteingesetzten Insektizide,

sogenannte Neonikotinoide,

sind weltweit stark verbreitet. Ähnliche

Szenarien könnten nach Expertenaussagen

daher auch in der EU

geschehen sein. Dortgibt es seit einiger

Zeit jedoch weitgehende Verbote

dieser Substanzen.

Neonikotinoide sind in der Kritik,

weil sie neben Schädlingen auch

nützlichen Insekten wie Bienen

schaden. Die Auswirkungen dieser

Mittel auf Ökosysteme in Gewässern

könnten beträchtlicher sein als bisher

angenommen. Das Team um

Masumi Yamamuro von der Universität

Tokio untersuchte die Wasserqualität

und die Lebewesen im Lake

Shinji. Dieser liegt in Küstennähe

und enthält Brackwasser.

Wiedie Forscher im Fachmagazin

Science berichten, kam es seit dem

ersten Einsatz der Insektengifte im

Jahr 1993 bis zu ihrer letzten Wasseranalyse

im Jahr 2016 zu erheblichen

Veränderungen im Ökosystem des

Sees.Sowaren eine Reihe vonkleinsten

Wasserlebewesen, die zuvor

reichlich vorkamen, entweder ganz

verschwunden oder nur noch in geringem

Maß zufinden. Dazu gehören

zum Beispiel bestimmte Arten

von Mücken, Asseln, Würmern oder

Krebsen. Diese dienen als Teil des

Zooplanktons insbesondere jungen

Fischen als Nahrung. Eine der Folgen:

DieBestände an Aalen und Stinten

brachen ein (dpa)

Starke Symbole: zwei Krallen eines

Kaiseradlers.

ANTONIO RODRÍGUEZ-HIDALGO

Neandertaler

schmückten sich

mit Vogelkrallen

Das schließen Forscher aus

einem Fund in Spanien

Neandertaler nutzten offenbar

die Krallen großer Greifvögel als

Ornamente.Deren Gebrauch sei vor

allem in Südeuropa üblich gewesen,

berichtet ein spanisch-französisches

Forscherteam im Fachblatt Science

Advances. Darin stellen die Wissenschaftler

ein rund drei Zentimeter

langes Zehenglied eines Adlers vor,

das in der Karsthöhle Cova Foradada

in der katalanischen Provinz Tarragona

gefunden wurde.

Es ist etwa 39 000 Jahre alt und

stammt somit aus der Spätphase der

Neandertaler,kurzbevor diese Menschenartausstarb.Der

Knochen, der

vermutlich vom linken Fuß eines

Kaiseradlers stammt, weist zwölf

Kerben auf. Diese wurden nach Ansicht

der Forscher absichtlich hineingetrieben

– möglicherweise

beimVersuch, die Kralle abzuschneiden.

(dpa/fwt)


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 17 *

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Sport

Rückschlag

vor der

Spielpause

Eisbären hadern mit ihren

Schwächen beim Powerplay

Nach dem 3:5 der Eisbären Berlin

bei den Straubing Tigers im letzten

Spiel vor der Deutschland-Cup-

Pause der Deutschen Eishockey Liga

haderte Marcel Noebels mit dem Ergebnis.

„Das war schade, denn

schlecht haben wir nicht gespielt“,

sagte der Nationalspieler bei Magentasport.

„Leider haben wir es verpasst,

Punkte mitzunehmen.“

Dass die Liga nun für eine Woche

aussetzt, kommt für den 27-jährigen

Angreifer nicht unbedingt zum richtigen

Zeitpunkt. „Wir hatten einen

ziemlich guten Lauf. Uns geht es sicherlich

nicht so,dass wir wegwollen

oder eine Pause voneinander brauchen“,

sagte Noebels.Schließlich haben

sich die Berliner mit sieben Siegen

in den jüngsten zehn Spielen auf

den sechsten Tabellenrang vorgearbeitet.

Nach einem holprigen Saisonstart

ist der als Ziel für die Hauptrunde

–ein Platz unter den erstenVier

–wieder in Reichweite.

Doch es bleiben Schwächen, etwa

im Überzahlspiel. AusSicht vonTrainer

Serge Aubin fiel gegen Straubing

die Vorentscheidung, als die Eisbären

im Schlussdrittel beim Stand von 2:3

fast anderthalb Minuten lang sogar

zwei Spieler mehr auf dem Eishatten,

aber kein Torerzielten. „Damuss das

Powerplay treffen“, sagte er.„Wirhatten

die Chance zum Ausgleich und

sind dabei gescheitert.“

DemCoach geht es nun darum, in

der Ligapause bereits die Grundlagen

für die entscheidende Phase der

Hauptrunde zu legen:„Wir geben den

Spielern fünf Tage frei, um die Batterien

wieder aufzuladen“, sagte der

Kanadie. „Das wird nicht so sehr für

die Woche nach der Pause wichtig

sein, sondernabJanuar,wenn es richtig

eng wird.“ (dpa)

Der Herbst der

müden

Beine

Alba klagt über den

engen Terminkalender

D

er Heimerfolg für Alba Berlin im

Ligaspiel gegen Ulm war mehr

Arbeit, als es das klare109:89-Ergebnis

vermuten ließ. „Es ist ganz

schwer, gleich von Anfang an die

Konzentration hochzufahren. Über

Energie und ganz viel Wille haben

wir sie aber noch gefunden“, sagte

Manager MarcoBaldi.

Für das lange Zeit müde Spiel seines

Teams machte Baldi auch den

engen Terminkalender verantwortlich.„Man

hat praktisch nicht einmal

ein Training, um etwas rauszuschütteln.

Das hatten wir in der Form so

noch nicht“, sagte der Alba-Macher.

Nur 45Stunden zuvor hatte Alba in

der Euroleague bei Real Madrid verloren.

„Das sind einfach zu viele

Spiele.Man muss das auch aus Sicht

der Spieler sehen. Es gibt eine gewisse

Anzahl, die vertretbar ist und

Sinn macht“, betonte Baldi.

Besonders das Format der aufgeblähten

Euroleague mit 18 Teams

und 34 Vorrundenspielen missfällt

ihm. „Wir müssen aufpassen. Die

Euroleague ist ja nicht die NBA. Und

wir können nicht besser werden als

die“, warnte er.Baldi fordertdeshalb,

ein gesundes Mittelmaß zu finden.

„Das ist für den europäischen Basketball

ein zentrales Thema für die

Zukunft“, sagte er. Auf europäischer

Ebene wird eraber nur wenig Mitstreiter

für seine Idee finden. Denn

der Großteil der Euroleague-Teilnehmer

ist für die Liga in dieser

Form.„Diemeisten nationalen Ligen

haben nicht diese Breite wie die

BBL“, sagte Baldi. (dpa)

Die Uneinigen

Der FC Bayern hat offensichtlich Probleme, die über die Frage nach dem neuen Trainer hinausgehen

VonMaik Rosner,München

Am Sonntagabend, etwas

mehr als 24 Stunden nach

dem 1:5 bei Eintracht

Frankfurt, folgten beim FC

Bayern die für so einen Fall üblichen

Vorgehensmuster. Um kurz vor 21

Uhr teilten die Münchner mit, dass

die im Juli 2018 begonnene Zusammenarbeit

mitTrainer Niko Kovac, 48,

beendet ist. Sein bisheriger Assistent

Hansi Flick, 54, übernimmt für die

Spiele in der Champions League am

Mittwoch gegen Olympiakos Piräus

und in der Bundesliga am Sonnabend

gegen Borussia Dortmund, für die

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge

am Montag zwei Siege in Auftrag

gab. Zudem teilten die Münchner

mit, dass Hermann Gerland, 65,

als Flicks Co-Trainer fungieren wird.

Offen blieb,wie es danach in der Länderspielpause

weitergeht.

Namen kurzfristig verfügbarer

Trainer, von Ralf Rangnick, 61, über

Massimiliano Allegri, 52, bis hin zu

Arsène Wenger, 70, und José Mourinho,

56, werden nun debattiert.

Ebenso wie die nur mittelfristig denkbaren

Lösungen Erik ten Hag, 49, der

derzeit Ajax Amsterdam trainiert,

Mauricio Pochettino, 47, vonTottenham

Hotspur, oder Thomas Tuchel,

46, vonParis Saint-Germain. Doch ob

und wann diese drei Fußballlehrer

überhaupt verfügbar wären, ist

ebenso unklar wie eine Antwort auf

die eigentlich vorrangige Frage nach

der großen Linie mitten im Umbruch.

Fast allen Kandidaten gemein ist ja,

dass sie allenfalls bedingt zu den Vorstellungen

im Verein passen, und das

Problem dieses Vereins ist seit einiger

Zeit auch, dass die führenden Köpfe

keine gemeinsamen Vorstellungen

entwickeln können. Bliebe noch

Mark van Bommel, der ehemalige

Bayern-Profi, der derzeit doch ziemlich

erfolgreich beim PSV Eindhoven

arbeitet, aber sein Talent als Trainer

eben noch nicht auf höchster Ebene

nachweisen konnte.

Angeblich einvernehmlich

Ein bisschen ablesen ließen sich die

übergeordneten Probleme auch an

jenen drei Pressemitteilungen, die

der Verein in rascher Folge verschickte.

„FC Bayern trennt sich von

Trainer Niko Kovac“ stand über den

ersten beiden Erklärungen, wobei

erst in der zweiten Kovac zitiert

wurde.Die dritte Mitteilung war dann

mit der Zeile „FC Bayern und Niko

Kovac trennen sich“ überschrieben,

was die angeblich einvernehmliche

NikoKovac muss gehen, Hansi Flick kommt –für zwei Spiele.

Entscheidung dokumentieren sollte.

Doch eher entstand bei diesen Kommuniqués

der Eindruck, dass einiges

drunter und drüber geht beim Meister

und sich diese auch ins Bild der

Kakofonie vonRummenigge und Präsident

UliHoeneß fügen.

Zu den Merkwürdigkeiten zählten

dabei auch die Zitate vonKovac, der in

Frankfurt wiederholt ausgeschlossen

hatte,aufzugeben.Tags darauf hieß es,

er habe seinen Rücktritt angeboten.

„Ich denke, dass dies zum jetzigen

Zeitpunkt die richtige Entscheidung

für den Klub ist. Die Ergebnisse und

IMAGO IMAGES/LACI PERENYI

auch die ArtundWeise,wie wir zuletzt

gespielt haben, haben mich zu diesem

Entschluss kommen lassen“, wurde

Kovac zitiert. Es klang wie eine goldene

Brücke für einen Abschied mit Stil eines

Trainers,der die Kabine längst verloren

und ohnehin nie richtig gewonnen

hatte. Andererseits griffen die

Münchner einfach ins Archiv.

Auf Twitter kursierten rasch Vergleiche

mit den Sprachregelungen

beim Abschied vonCarlo Ancelotti im

September 2017. Wie beim Italiener

war voneinem „offenen und seriösen

Gespräch“ die Rede, hinzu kamen

Die Jagd auf Nummer sieben

weitere Parallelen in Rummenigges

Zitaten. Sportdirektor Hasan Salihamidzic

wurde nun mit fast exakt jenen

Worten zitiert, die Rummenigge

2017 gewählt haben soll. „Ich erwarte

jetzt von der Mannschaft eine positiveEntwicklung

und absoluten Leistungswillen,

damit wir unsere Ziele

für diese Saison erreichen“, hieß es

damals bei Rummenigge. Bei Salihamidzic

wurde nun „von der Mannschaft“

durch „von unseren Spielern“

ersetzt, sonst war das angebliche Zitat

deckungsgleich.

Ohne erkennbareLinie

Tatsächlich aber ist der FC Bayern in

den vergangenen Jahren vor allem

durch fehlende Einigkeit aufgefallen.

Zu beobachten war das bei der Nachfolge

von Sportvorstand Matthias

Sammer ebenso wie bei der Frage

nach der Besetzung des Trainerpostens.

Rummenigge wollte nach Sammer

Philipp Lahm. Rummenigge

wollte nach Ancelotti und dem eingesprungenen

Jupp Heynckes Tuchel,

Hoeneß legte jeweils sein Veto ein.

Am Ende wurden es Salihamidzic

und Kovac. Ohne erkennbare Linie

verlief im Sommer auch der Kaderumbruch.

Philippe Coutinho wurde

vom FC Barcelona ausgeliehen,

nachdem sich die Bayern vergeblich

und von Verletzungspech begleitet

um die Flügelspieler Callum Hudson-

Odoi und Leroy Sané bemüht hatten.

Seither schwächten beide Kovacs Autorität

auf ihre Art: Kritiker Rummenigge

durch unverhohlene Skepsis,

Förderer Hoeneß durch Empfehlungen

für die Aufstellung.

In zehn Tagen steht auf der Jahreshauptversammlung

der Abtritt von

Präsident Hoeneß, 67, von der Vereinsspitze

an. Danach wird erauch

den Vorsitz im Aufsichtsrat abgeben,

aber einfaches Mitglied im Gremium

bleiben. Herbert Hainer, 65, wird

beide Ämter übernehmen. Zuvor

möchte Hoeneß dem Vernehmen

nach noch Salihamidzic zum Sportvorstand

befördern. Rummenigge,

64, wirdsein Amt an der Spitzeder AG

Ende 2021 aufgeben. VonJanuar an

soll Oliver Kahn, 50, als Nachfolger

aufgebaut werden. Der wahre Umbruch

im Verein kommt also erst

noch, und fraglich ist, ob ein Trainerwechsel

allein die Symptome der

übergeordneten Probleme lösen

wird. Zumal Rummenigge am Montag

ankündigte: „Auch in Zukunft

werden Uli, Hasan und ich in Abstimmung

mit dem Aufsichtsrat wichtige

Entscheidungen gemeinsam diskutieren

und beschließen.“

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton jagt Michael Schumachers Rekorde. Der Brite will eine neue Ära begründen

VonElmar Brümmer,Austin

Der Reporter im Mercedes-Pavillon

am Circuit of the Americas

hört einfach nicht auf zu zählen: „...

sechs,sieben, acht, neun, zehn.“ Lewis

Hamilton ist derjenige,der sagen

soll, bei wie vielen Formel-1-Weltmeisterschaften

er denn stoppen

wolle. Der Brite wirkt fast verlegen,

als er antwortet: „Hör' bitte auf. Ich

weiß es doch nicht.“ Den sechsten

jedenfalls hat der Mercedes-Pilot seit

dem Großen Preis der USA sicher,

der zweite Platz hinter ValtteriBottas

im Rennen ist der erste insgesamt.

Damit ist Hamilton in der ewigen

Wertung an Juan-Manuel Fangio

vorbeigezogen und liegt nur noch einen

Titel hinter Michael Schumacher.

Aber auch das soll nur ein Zwischenschritt

sein. Für 2020 besitzt

der 34-Jährige noch einen Vertrag

mit Mercedes, danach gilt ein neues

Reglement in der Königsklasse. Hamilton

hat in Austin erstmals bekräftigt,

dass er noch nicht an die Rente

denkt: „Ich will ein Pionier in dieser

neuen Ära sein. Und ich habe den

Gipfel noch nicht erreicht.“ Das ist

eine verklausulierte Botschaft: Er

will nicht nur Schumachers Rekord

einstellen, er möchte den Rekordweltmeister

auch übertreffen. Hamilton

behauptet, dass er sich mit

niemand vergleiche. Tatsächlich, in

der aktuellen Formel 1ist

er ein Unvergleichlicher.

Bei der Erwähnung des

Namens Schumacher bekommt

er feuchte Augen:

„Es war nie mein erklärtes

Ziel, Michaels Rekorde zu

brechen. Jetzt scheint er so

samt 83, auch in dieser Wertung

rückt er Schumachers Bestmarke

(91) näher. Diese ungeheure Konstanz

und Konsequenz zeichnet ihn

auch in dieser Saison aus, inderen

zweitem Abschnitt er nicht mehr im

überlegenen Auto saß.

Hamilton ist jetzt schon

der beste Fahrer des Jahrtausends,

erhat alle sechs

Titel in diesem Millennium

gewonnen, Schumacher

fünf. Wenn er selbst Bilanz

ziehen soll über die neuerliche

Champion-Saison,

dann bezieht sich diese auf

Erfolgshungrig: seinen persönlichen Energiehaushalt:

„In diesem

Lewis Hamilton

Jahr habe ich mehr denn je

gelacht, mehr denn je geweint, Barrieren

in mir abgebaut und Verhaltensmuster

geändert, um zu einem

besseren Ichzufinden.“

Dieser Hamilton wirdimmer eine

Reizfigur sein, darin ähnelt er Michael

Schumacher. Doch er polarisiert

völlig anders, provoziert viel

mehr,will auch viel mehr sein als nur

der weltbeste Rennfahrer. Manchmal

will er auch noch kurz die Welt

DPA/KINA

nah –und ist doch noch so

weit weg.“

Unwirklich fühle sich

dieser Titel an, aber das

war beim fünften auch schon so.

Denn das Prinzip Hamiltons, der

beim Saisonfinale in Abu Dhabi seinen

250. Grand Prix bestreiten wird,

ist seit Jahren immer gleich: „Ich beabsichtige,noch

stärker zu werden.“

Sein mentaler Trick ist es, von Rennen

zu Rennen zu denken, manchmal

vergesse er sogar, wie viel Siege

er habe. Dem kann nachgeholfen

werden: zehn in diesem Jahr, insgeretten.

„Man kann sich selbst ein Limit

setzen, oder das eigene Bewusstsein

erweitern“, sagt Lewis Hamilton.

Noch nie habe er auf einer

Rennstrecke Angst verspürt; freimütig

gesteht er ein, Adrenalin-Junkie

zu sein. Nach der Zieldurchfahrt in

Texas tönt eine Drohung aus dem

Cockpit: „Wir werden immer noch

weiter wachsen.“ Genau diese Botschaft

hat er sich auch auf den Rücken

tätowieren lassen.

Hamiltons Eltern, auch seine

Stiefmutter und der Stiefvater standen

unten in der Boxengasse,alle zusammen

beim Großen Preis der USA

zum ersten Mal überhaupt bei einem

Rennen. Vater Anthony, ein Eisenbahnarbeiter,

erinnert sich: „Es

ist kein Unterschied zu 2007, als er

zum ersten Mal die Chance hatte,

Weltmeister zu werden.“ Auch er

sieht keinen Grund, dass die Erfolgsserie

reißen sollte: „Ich sage ihm immer,dass

er 34 Jahrejung ist, nicht 34

Jahre alt. Seine Mentalität hat sich

nicht geändert, seit er acht war.

Nicht schlecht für einen Jungen aus

einer Sozialwohnung im Londoner

Norden, oder?“

NACHRICHTEN

BVB bangt um den Einsatz

von Kapitän Reus

FUSSBALL. Borussia Dortmund

bangt vordem Gruppenspiel der

Champions League am Dienstag (21

Uhr/DAZN) gegen Inter Mailand

weiter um den Einsatz vonKapitän

MarcoReus.Der Nationalspieler

Reus hatte sich beim 3:0 über WolfsburgamSonnabend

eine Kapselverletzung

am Sprunggelenk zugezogen

und bereits beim 0:2 vorzweiWochen

in Mailand gefehlt.

Al Saadi coacht die

deutschen Hockey-Männer

HOCKEY. Einen Tagnach der gelungenen

Qualifikation für die Olympischen

Spiele in Tokio hat der Deutsche

Hockey-Bund (DHB) den

neuen Bundestrainer der Männer-

Nationalmannschaft bekannt gegeben.

Der42Jahrealte Hamburger

Kais al Saadi folgt auf Interimscoach

Markus Weise,der die DHB-Auswahl

am Wochenende in Mönchengladbach

zum Tokio-Ticket führte.

Zweite Liga: Bochum

besiegt Nürnberg 3:1

FUSSBALL. Im Montagsspiel der

Zweiten Bundesliga gewann der VfL

Bochum das Duell der Ex-Erstligisten

gegen dem 1. FC Nürnberg3:1

(3:0). Danilo Soares (9.), Simon Lorenz

(40.) und Manuel Wintzheimer

(45.) trafen für die Gastgeber,Asger

Sörensen gelang das 3:1 (63.) für die

Gäste.Der VfL verbesserte sich auf

Tabellenplatz 17 auf 16, der Club ist

rutscht vonRang neun auf elf ab.

ZAHLEN

Fußball

Champions League, 4. Spieltag

Gruppe E

Lok. Moskau -Bayer Leverkusen Di., 18.55

Juventus Turin -Atlético Madrid Di., 21.00

1. SSC Neapel 3 5: 2 7

2. FC Liverpool 3 8: 6 6

3. RB Salzburg 3 11: 9 3

4. KRC Genk 3 3:10 1

Gruppe F

FC Barcelona -Slavia Prag Di., 18.55

Borussia Dortmund -Inter Mailand Di., 21.00

1. FC Barcelona 3 4:2 7

2. Inter Mailand 3 4:3 4

3. Borussia Dortmund 3 2:2 4

4. Slavia Prag 3 2:5 1

Gruppe G

Zenit St. Petersburg -RBLeipzig Di., 18.55

Olympique Lyon -Benfica Lissabon Di., 21.00

1. RB Leipzig 3 4:4 6

2. Zenit St. Petersburg 3 5:4 4

3. Olympique Lyon 3 4:3 4

4. Benfica Lissabon 3 4:6 3

Gruppe H

FC Valencia -OSC Lille Di., 21.00

FC Chelsea -Ajax Amsterdam Di., 21.00

1. Ajax Amsterdam 3 6:1 6

2. FC Chelsea 3 3:2 6

3. FC Valencia 3 2:4 4

4. OSC Lille 3 2:6 1

Gruppe A

Real Madrid -GalatasarayIstanbul Mi., 21.00

Paris Saint-Germain -FCBrügge Mi., 21.00

1. Paris Saint-Germain 3 9:0 9

2. Real Madrid 3 3:5 4

3. FC Brügge 3 2:7 2

4. Galatasaray 3 0:2 1

Gruppe B

Bayern München -Olympiakos Piräus Mi., 18.55

RS Belgrad -Tottenham Hotspur Mi., 21.00

1. Bayern München 3 13:4 9

2. Tottenham Hotspur 3 9:9 4

3. Roter SternBelgrad 3 3:9 3

4. Olympiakos Piräus 3 5:8 1

Gruppe C

Atalanta Bergamo -Manchester City Mi., 21.00

Dinamo Zagreb -Schachtjor Donezk Mi., 21.00

1. Manchester City 3 10: 1 9

2. Dinamo Zagreb 3 6: 4 4

3. Schachtjor Donezk 3 4: 6 4

4. Atalanta Bergamo 3 2:11 0

Gruppe D

LokomotiveMoskau -Juventus Turin Mi., 18.55

BayerLeverkusen -Atlético Madrid Mi., 21.00

1. Juventus Turin 3 7:3 7

2. Atlético Madrid 3 5:2 7

3. LokomotiveMoskau 3 3:5 3

4. BayerLeverkusen 3 1:6 0


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 – S eite 18 *

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Sport

Die Profis des 1. FC Union feiernmit ihren Fans auf der Waldseite das 1:0 gegen Hertha BSC.

GETTY IMAGES/HITJI

In die Harmlosigkeit gepresst

Die Spieldaten des Stadtderbys decken die Einschätzung von Union-Trainer Urs Fischer,wonach der Sieg seiner Mannschaft hochverdient war

VonSteffen Görsdorf

Nach dem 1:0 im Stadtderby

gegen Hertha BSC

sprach Union-Coach Urs

Fischer von einem

„hochverdienten Sieg“, wollte aber

in seiner Spielanalyse auch nicht das

Wettkampf-Glück seiner Mannschaft

außer Acht lassen. Immerhin

resultierte der Erfolg gegen den Ortsrivalen

ja aus einem nicht ganz unumstrittenen

Strafstoß, den der eingewechselte

Sebastian Polter mit

Wucht verwandelte. Fischers Einschätzungen

werden jedenfalls auch

durch die Spieldaten, die die Redaktion

der Berliner Zeitung in Kooperation

mit dem Institut für Spielanalyse

ausgewertet haben, gedeckt.

Doch der Reihe nach.

Keine zwei Minuten waren in der

Alten Försterei gespielt, da lag den

Anhängern der Eisernen bereits der

Torschrei auf den Lippen. Nach einer

längeren Stafette landete der Ball bei

Christopher Lenz, der diesen auch

Richtung Torbrachte. Doch statt im

Tornetz landete der Ball so unglücklich

am Innenpfosten, dass das

Spielgerät wieder heraussprang. Der

Auftakt nach Maß blieb also aus,

Die Derby-MIPs

Union

Hertha

Torbeteiligungen

1

Sebastian

Polter

kein Tor

dere der zur Pause eingewechselte

Eduard Löwen (zwei Torschuss-Beteiligungen)

und Marius Wolf (drei

Torschuss-Beteiligungen) taten sich

vonder 60. bis zur 75. Minute hervor.

Das Ergebnis: In der Viertelstunde

kam Hertha BSC zu drei und die

Unioner zu gar keinem Torschuss.

Urs Fischer blieb diese Entwicklung

nicht verborgen und brachte

daher zur Entlastung der eigenen

Abwehr mit Sebastian Polter einen

neuen Stürmerindie Partie.Das Angriffsspiel

der Unioner gewann wieder

an Fahrt und führte zur Schlüsselszene

der Partie, als Gentner im

Strafraum den Abschluss suchte und

gefoult wurde. Der eingewechselte

Polter sammelte in der Schlussphase

die meisten Torschuss-Beteiligungen

(2) seines Teams und verwandelte

–wie bereits erwähnt –den Elfmeter

zum Derby-Sieg. Beeindruckend:

Hatten im Head-to-Head-

Vergleich vor der Partie die

Herthaner knapp die Nase vorne,

gingen im Derby die Vergleiche der

positionsähnlichen Spieler klar an

die Union-Kicker. Der Derby-Sieg

war also kein Zufall, sondern die

Konsequenz einer guten Mannschaftsleistung.

Torschussbeteiligungen

Robert

Andrich

4 68

Dodi

Lukebakio

Episoden

8 70

Robert

Andrich

Lukas

Klünter

Die Derby-Bilanz von Union und Hertha

Der 1. FC Union Berlin gabimDerbydoppelt so viele Torschüsse (16) ab wie Hertha BSC (8).

Insbesondere in derersten Hälftewar Unionindieser Kategorieklar überlegen(8:2).

Torschuss

von Union

Minute

Torschuss

von Hertha

Torfür

Union

0–15 16 –30 31 –45* 46 –60 61 –75 76 –90 90+

*bis zum Ende der ersten Halbzeit

VISUALDRIVEN.BY, BLZ/HECHER; QUELLE: INSTITUT FÜR SPIELANALYSE

dennoch war es ein Signal der Hausherren.

Denn die Köpenicker sollten

weite Strecken der Partie kontrollieren,

was sich auch in den erhobenen

Leistungsdaten beider Mannschaften

widerspiegelte.

Denn in den folgenden 28 Minuten

beließen es die Eisernen nicht

bei dem einen Angriffsversuch. Bis

zur 30. Spielminute gab das Team

von Urs Fischer noch fünf weitere

Torschüsse ab.Hertha BSC hingegen

nur einen einzigen. Insgesamt kamen

die Gäste im Stadion An der Alten

Försterei bis zur 60. Minute überhaupt

nur noch zu einem weiteren

Torschuss (siehe Grafik Derby-Bilanz).

So harmlos agierte man zuletzt

gegen den SC Paderborn imersten

Durchgang. Torgefahr oder Angriffsfußball

made by Ante Covic also in

dieser Partie absolute Fehlanzeige.

Das hohe Pressing der Köpenicker

erstickte viel mehr den Spielaufbau

der Blau-Weißen bereits in den

ersten Ansätzen. Dabei kam es oftmals

zum Duell der Most Involved

Player beider Teams (siehe Grafik

Derby-MIPs): RobertAndrich aufseiten

der Unioner, Marko Grujic aufseiten

der Herthaner.Die Mittelfeldspieler

sind im bisherigen Saisonverlauf

die Spieler mit den meisten Beteiligungen

an Torschüssen in ihrem

Kader.

Insbesondere in der ersten halben

Stunde ging das Duell klar an

Andrich. DerSommerzugang vom1.

FC Heidenheim kam in dem Zeitraum

auf vier Beteiligungen an Torschüssen

und 21 Episoden. Derweil

gab es bei Grujic nur eine Beteiligung

an Torschüssen zu verzeichnen.

Denn Andrich lief ihn im Pressing

auch oftmals persönlich an und

zwang die Leihgabe vom FCLiverpool

immer wieder zum Rückpass in

dieVerteidigung. Ergebnis: Diemeisten

Beteiligungen an Episoden hatte

zum Auftakt in die Partie der Defensivverbund

der Herthaner,insbesondereTorhüter

Rune Jarstein (23). Immer

ein klares Indiz dafür, dass der

Spielaufbau einer Mannschaft nicht

funktioniert.

Auch zum Beginn der zweiten

Hälfte setzte der 1. FC Union die stärkeren

Impulse. Abermals Andrich,

der vomWiederanpfiff bis zur 60. Minute

zwei weitere seiner insgesamt

acht Beteiligungen an Torschüssen

sammelte, stach dabei heraus.

Fortan entwickelte jedoch auch Hertha

BSC mehr Torgefahr. Insbeson-

Auch die Daten sagen: Union war die bessere Mannschaft

Die Bilanz aus 90 Minuten Derby: Im datenbasierten Head-to-Head-Vergleich stellen wir die annähernd positionsgleichen Spieler gegenüber.Der Spieler mit der besseren Gesamtleistung gewinnt den Vergleich.

Torbeteiligungen

Torschussbeteiligungen

Episoden

Zweikampfquote in Prozent

Passquote in Prozent

Laufleistung in km

Torwart

Gikiewicz

0 0

3 1

38 57

0 0

71 54

3,1 2,4

Jarstein

Verteidigung

Trimmel

Schlotterbeck

Friedrich

Subotic

0 0

0 0

0 0

0 0

9 3

7 0

5 0

5 0

50 65

64 48

53 50

57 53

33 64

57 46

57 83

25 50

68 80

82 89

85 82

83 67

6,0 5,8

5,7 5,5

5,8 5,6

5,8 5,9

Klünter

Boyata

Stark

Mittelstädt

Mittelfeld

Lenz

Gentner

Andrich

0 0

0 0

0 0

5 1

6 3

10 4

65 23

39 62

67 49

33 0

33 58

55 45

73 88

56 72

79 75

6,2 5,9

6,5 6,6

6,3 6,0

Skjelbred

Grujic

Lukebakio

Angriff

Ingvartsen

Andersson

Bülter

0 0

0 0

0 0

6 5

3 1

1 1

50 45

44 27

15 30

46 60

73 50

0 57

65 61

52 59

75 77

6,1 6,4

6,1 5,7

5,1 5,5

Wolf

Ibisevic

Dilrosun

Einwechselspieler

Polter

Mees

Ryerson

1 0

0 0

0 0

2 1

2 0

0 4

12 5

18 4

0 36

40 50

22 0

0 75

67 33

73 0

0 91

2,2 1,0

0,5 1,8

0,7 0,4

Selke

Kalou

Löwen


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

Frank Junghänel

über Bob Dylan und

JohnnyCash

Seite 21

„Im Jazz herrschen inzwischen die Kollektive.“

Tobi Müller blickt auf das 56. Jazzfest zurück Seite 20

Tier des Jahres

Unter

Tage

Harry Nutt

hat noch nie einen Maulwurf

gesehen.

Untergraben ist sein Geschäft.

Undobwohl er alsbald ein inneres

Bild evoziert, in dem er listig aus

einem kleinen, vonihm selbst aufgeworfenen

Erdhügel hervorlugt, haben

ihn viele Menschen in natura

noch nie oder allenfalls selten gesehen.

Das hat den Maulwurf jenseits

des Ärgernisses,das er bei Kleingärtnern

durch seine intensiven Grabungsaktivitäten

hervorzurufen vermag,

zu einem mythischen Wesen

gemacht. DasGeheimnisvolle seiner

loriot-haften Erscheinung rührt

wohl von seinen im Verhältnis zur

Körpergröße –zwischen sechs und

22 Zentimetern–immensen Buddelleistungen

her.Der Maulwurfschafft

was weg, aber er ist dabei durchaus

wählerisch. Selbst geschädigte Gartenfreunde

wissen zu schätzen, dass

er als Insektenfresser meist nur dort

unterwegs ist, wo es etwas zu holen

gibt, die Bodenqualität also ertragreich

ist.

Weltweit reüssiert der Maulwurf

in großer Artenvielfalt, in hiesigen

Breitengraden aber gilt der Europäische

Maulwurfals einzigartig. Gegen

den beachtlichen Niedlichkeitsfaktor

spricht, dass er als typischer Einzelgänger

überaus aggressiv gegen

Artgenossen vorzugehen vermag.

Mit den possierlichen Schaufeln

kann er auch anders. Zum Tier des

Jahres 2020 ist der Maulwurfvon der

Deutschen Wildtierstiftung nicht zuletzt

deshalb auserkoren, weil er

durch die Bodenversiegelung durch

Asphalt und Beton selbst im ländlichen

Raum erheblich in Mitleidenschaft

gezogen worden ist. Der Titel

möge ihn schützen.

Der schafft wasweg: ein Europäischer

Maulwurf bei der Arbeit.

DPA

Dietrich Lehmann singt zusammen mit Nina Lorck-Schiernig bei der Geburtstagsgala des Grips-TheatersimJuni 2019.

Der Herr Lehmann vom Grips

Ein kleiner Lobgesang auf einen Schauspieler,der seit 50 Jahren am selben Theater spielt

VonCornelia Geißler

Als das Grips-Theater Anfang

Juni seinen 50. Geburtstag

feierte, ließ er bei

der Gala ganz schön lange

auf sich warten. Dietrich Lehmann

wird doch wohl nicht krank geworden

sein an solch einem Tag? Warer

nicht. Mit Lockenperücke und in

Pelz gehüllt kam er dann mit drei

Kollegen hervor, tanzend, marschierend,

einen der vielen Klassiker aus

dem Musical „Linie 1“ trällernd: „Die

Wilmersdorfer Witwen verteidigen

Berlin …“ Unddas Publikum tobte.

Dietrich Lehmann wird offenbar

sowieso nie krank oder wenn, dann

nur in den Theaterferien. Eine einzige

Vorstellung, erzählt er am Telefon,

hatte er absagen müssen, weil er

eineVerletzung an der Hand hatte.Er

war nicht nur in allen bisher 1917

„Linie 1“-Vorstellungen als Witwe

Agathe und Rentner Hermann zu sehen,

er war an 70 Produktionen des

Grips-Theaters wenigstens in der

Stückentwicklung beteiligt, in 50 davonhat

er mitgespielt, 17 Malwar er

der Regisseur. Neben dem Gründer

Volker Ludwig muss man eigentlich

auch seinen langjährigsten Beschäftigten

mit dem Grips-Theater identifizieren.

Zumal Ludwig sich 2010 von

der Künstlerischen Leitung und sieben

Jahre später auch von der Geschäftsführung

des Theaters zurückzog.

Lehmann aber, der Volker Ludwig

1960 erstmals im Berliner

Reichskabarett begegnet war und

von ihm 1969 engagiert wurde, bezieht

zwar seit 2005 Rente,ist weiterhin

aber fester Gast. In „Linie 1“ sieht

man ihn also regelmäßig. Außerdem

gehört erzum Ensemble des Kabarett-Stücks

„Eine linke Geschichte“

und von„Ab heute heißt du Sara“, im

Februar 1989 uraufgeführt. Beide

Stücke stehen im März wieder auf

dem Spielplan.

„Ab heute heißt du Sara“ ist dem

Grips-Theater sehr wichtig. Es erzählt

von Inge Deutschkron, die als

jüdische junge Frau im Berlin der

Nazizeit nur überleben konnte, weil

der Bürstenmacher Otto Weidt sie in

seiner Werkstatt beschäftigte. Dass

ihre Geschichte mit diesem Grips-

Stück einen sichtbaren Platz in Berlin

bekommen hat, bewog Inge

Deutschkron, die die Bundesrepublik

Deutschland in den 50er-Jahren

enttäuscht Richtung Israel verlassen

hatte, wieder nach Berlin zu ziehen.

DAVID BALTZER/BILDBÜHNE

Vielleicht ist es sogar ein Grund dafür,

dass der 79 Jahre alte Herr Lehmann

immer noch auf der Bühne

steht, singt und tanzt. Auf die Frage

nach seiner Gesundheit nennt er zunächst

die „guten ostpreußischen

Gene“ –erist in Königsberggeboren,

als er fünf Jahre alt war, floh die Familie

nach Sachsen-Anhalt, später

weiter nach Nordrhein-Westfalen –,

und die Tatsache,dass er im Zuge der

Proben zu „Ab heute heißt du Sara“

das Rauchen aufgab. „Das ist so ein

anspruchsvolles Stück“, sagt er,„das

hätte ich nicht durchgehalten.“

Was Dietrich Lehmann außerdem

auszeichnet, ist ein bewundernswertes

Zeitmanagement.

Nicht nur nahm er wie die meisten

Schauspieler der Theaterarbeit immer

wieder Fernsehrollen an, sondern

erleitet auch eine Schule. Und

das kam so: Zusätzlich zum Studium

von Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte

und Germanistik an der

FU absolvierte er von 1961 bis 1964

eine Schauspielausbildung in der

Schauspielschule „Der Kreis“. Diesem

Haus,das heute Fritz-Kirchhoff-

Schule heißt, blieb er zunächst als

Lehrer für Szenenarbeit, Improvisation

und Theatergeschichte erhalten,

1981 übernahm er den Chefposten.

So hängt es zusammen, dass die

Premiere von „Maximilian Pfeiferling“,

einem Stück von Carsten Krüger

und Volker Ludwig, uraufgeführt

am 5. 11. 1969 im Reichskabarett Berlin,

am 5. 11.2019 zur Ehrung für

Dietrich Lehmann zum 50-jährigen

Bühnenjubiläum wird, obwohl er gar

nicht mitspielt. Damals agierte er als

strenger Hausbesitzer. Diesmal entstand

die Inszenierung auf Lehmanns

Wunsch als Koproduktion

mit der Fritz-Kirchhoff-Schule.

Der Jugend auf diese Weise eine

Chance zu geben, ehrtihn selbst, der

andersals viele Kollegen nie eine Kinder-Rolle

gespielt hat. Er spielt nicht

nur vornehmlich für Kinder und Jugendliche,wie

am Grips üblich, er bildet

Nachwuchs aus.Als Dietrich Lehmann

zur Galavorstellung im Juni

noch mal auf die Bühne kam, sang er

den Song „Weniger ist mehr“. Er

passt in unsereGegenwart, da Schüler

ihreElterndarauf stoßen müssen,

wie schlecht es ums Klima bestellt

ist. „Noch mehr Autos um uns her/

machen uns das Atmen schwer/

Mehr Verschwendung, mehr Konsum/

bringt woanders Menschen

um“, heißt es im Lied.

NACHRICHTEN

Schlüsselübergabe der

sanierten Staatsbibliothek

Nach umfassender Sanierung und

Modernisierung ist die Berliner

Staatsbibliothek Unter den Linden

wieder bereit zur kompletten Nutzung

(Berliner Zeitung vom2.11.).

DieGeneraldirektorin der Staatsbibliothek,

BarbaraSchneider-Kempf,

übernahm am Montag symbolisch

die Schlüsselgewalt für den renovierten

Komplex vonder Präsidentin des

bei den Arbeiten federführenden

Bundesamtes für Bauwesen und

Raumordnung, PetraWesseler.Kulturstaatsministerin

Monika Grütters

(CDU) sprach während eines Festaktesvon

derStaatsbibliothek als Teil

des „Gedächtnis unseres Landes“,

das bewahrtwerden müsse.Die

Staatsbibliothek ist die größte wissenschaftliche

Universalbibliothek

im deutschsprachigen Raum. (dpa)

Schriftsteller Ernst Augustin

92-jährig gestorben

Wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag

ist der Autor Ernst Augustin

am Sonntag in München gestorben.

Dasteilte der Verlag C.H. Beck mit.

Augustin war Mitglied der Deutschen

Akademie für Sprache und Dichtung.

Sein literarisches Schaffen war eng

verbunden mit seiner Arbeit als Mediziner

und Psychiater.Augustin

wurde 1927 in HirschbergimRiesengebirge

geboren und wuchs in

Schwerin auf. Er war Assistenzarzt für

Neurologie und Psychiatrie in Ost-

Berlin, ehe er 1958 in denWesten floh.

Sein Roman„Robinsons blaues

Haus“ stand 2012 auf der Shortlist

für den Deutschen Buchpreis. (dpa)

Billie Eilish erhält MTV

Europe Music Award

Für ihren Hit„BadGuy“ ist Billie Eilish

mit dem MTVEurope Music

Awardausgezeichnet worden. Die

17-jährige US-Sängerin wurde bei

der Preisverleihung am Sonntag in

Sevilla außerdem zur besten Newcomerin

gekürt. Leer ging hingegen

Ariana Grande aus –trotz sieben Nominierungen.

DerPreis für das beste

Musikvideo ging an Taylor Swift für

ihr Video „ME!“. Als bester Künstler

wurde der kanadische Popstar

Shawn Mendes geehrt. (dpa)

UNTERM

Strich

Meine Tiere

Bilder

von Kühen

VonHilal Sezgin

Im Oktober sendeten landwirtschaftliche

Lobbyisten auf allen Kanälen. Es fing mit

dem Streit um den neuen Werbespot für Katjes

an. Für vegane Schokolade hatte Katjes

einen Cartoon gedreht, in dem eine Armee

aus grauen Kühen den Melkmaschinen entgegenstampft.

Der Text dazu: „Jedes Leben

ist wertvoll. Und Kühe sind keine Milchmaschinen,

auch nicht für Schokolade.“

Schön ausgedrückt, nicht wahr? DerBayerische

Bauernverband allerdings reichte

beim Deutschen Werberat Beschwerde ein:

„In dem Fernsehspot werden Kühe als

,Milchmaschinen’ bezeichnet ...“– (nein, gerade

nicht!) –„... und wird Tierhaltern die

Ausbeutung ihrer Kühe unterstellt. Das ist

diskriminierend und ungerechtfertigt.“ Auch

das Landvolk Diepholz hat sich an den Deutschen

Werberat gewandt: „Es muss doch

möglich sein, ein veganes Produkt zu bewerben,

ohne Lügen über die Landwirtschaft zu

verbreiten.“– Was genau ist die Lüge –ist

etwa nicht jedes Leben wertvoll? Oder sind

Kühe jetzt doch Milchmaschinen?

Ob die Cartoon-Kühe „alle“ Bauern als

„Ausbeuter“ dastehen lassen, darüber kann

man geteilter Meinung sein. Zumindest

wenn man noch nie einen Zeichentrickfilm

gesehen hat. Aber wenn Werbespots erlaubt

sind, in denen lilafarbene Kühe Milch geben

und Plüschteddys Kaffeesahne aus einem Eimer

umfüllen, müsste eine graue Cartoon-

Kuhauch okay sein, oder? Dennoch hat sich

der Deutsche Werberat so ins Bockshorn jagen

lassen, dass er eine Stellungnahme von

Katjes verlangte,denn:„Der Clip ist eine sehr

einseitige und überzogene Visualisierung

von Massentierhaltung.“ Ja, genau. Anders

HENDRIK JONAS

als andereWerbung, die unparteiisch ist und

voller Sachinformationen steckt.

Sogar Landwirtschaftsministerin Julia

Klöckner –die ebenfalls für ihre große Unparteilichkeit

und Sachlichkeit bei landwirtschaftlichen

Themen bekannt ist –hat auf

Facebook von einem „Landwirtschaftsbashing

+plumpem Abwerten aller Milchbauern“

gesprochen, das „nicht anständig“ sei.

Klöckners neues „Agrarpaket“ wird bekanntlich

von Natur- und Tierschützern für

zu wenig Reformen –und vomGrosder Bauern

für das exakte Gegenteil kritisiert. Wiederum

empfanden Landwirte das ihnen zugefügte

Leid als so stark, dass sie vehement

gegen das Agrarpaket protestierten und mit

Traktoren in diversen Städten Einzug hielten.

In allen Branchenmedien und auf dazugehörigen

Online-Foren wurden bejubelt, dass

sich Bauern endlich dagegen zur Wehr setzten,

als „Sündenböcke“, als „Tierquäler,Umweltvergifter

oder Klimaschädiger“ abgestempelt

zu werden.

Am selben Abend zeigte das ARD-Magazin

„ReportMainz“ heimlich gefilmtes Material

aus zwei großen deutschen Schweineställen.

Schweine,die verletzt waren und deren

Mast bis zur Schlachtung sich ökonomisch

nicht lohnte, wurden mit etlichen

Schlägen zu Tode geprügelt. Man sah Tiere

schwer verletzt über den Boden robben. Das

waren Bilder, die hundertmal grausamer

sind als jede Cartoon-Kuh-Armee. Und anders

als jene: ganz real.

Wieder habe ich auf allen mir bekannten

Bauernverbands-Seiten und bei Klöckner

auf Facebook vorbeigeschaut: kein Wort

dazu. Dabei könnte es so einfach sein: Wer

als Tierfreund gelten will, schlachtet, erschlägt,

verstümmelt, unterwirft und knechtet

keine Tiere. Dafür braucht man weder

Werberat noch Pressesprecher.


20 * Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Feuilleton

Der Toddes Solisten

Dass Berlin die Jazzhauptstadt Europas ist, weiß man fast überall. Das 56. Jazzfest zeigte viele Kollektive und schuf offene Räume

VonTobi Müller

Jazz ist in einer Phase der Häutung.

Er schillert zeitgenössischer

als noch vor wenigen

Jahren und zieht andere Leute

an, auch junge. Denn Jazz ist nun

„woke“, wie junge Menschen auf

Englisch sagen, wenn sie politisch

erwacht meinen. An dieser Stelle

ragt von der Seite oft ein älterer Zeigefinger

in das Gespräch und sagt

ungefragt: Schnickschnack, auf der

Seite der Marginalisierten stand Jazz

ja immer. Dass beide recht haben,

die neuen Häute aber dennoch ein

anderes Muster zeigen, war am 56.

Jazzfest schön zu sehen. Wichtig bei

Nadin Deventers zweiter Ausgabe

als künstlerische Leiterin: die Betonung

der Kollektive und die Architektur

der Immersion, wie das seit

ein paar Jahren bei den Berliner

Festspielen heißt, wenn die Bühnen

nicht mehr säuberlich von den Sitzreihen

getrennt werden.

Jenseits der Dialektik

AnthonyBraxton aus Chicago bespielte mit seinem „Sonic Genome“ den gesamten Martin-Gropius-Bau.

Zur Eröffnung beantwortete das

„Sonic Genome“ vonAnthony Braxton

im Martin-Gropius-Bau räumliche

Fragen komplex und leicht zugleich.

Der 74-jährige Musiker und

Komponist aus Chicago bespielte

das ganze Museum während sechs

Stunden mit fast 60 Leuten, davon

40 aus Berlin. Im zentralen Lichthof

begann das Konzert mit einem

Drone, einem anschwellenden

Klang auf einer Note. Dann teilte

sich das Kollektive indrei Gruppen,

die je vier Untergruppen bilden

konnten. Braxtons Musik spielt jenseits

der Jazzdialektik von Improvisation

und Komposition. Auch die

Spannung zwischen Kollektiv und

Solist ist bei ihm aufgehoben. Es

wirkte, als würden die über 300

Kompositionen zwischen Jazzklang

und Neuer Musik ständig neu überschrieben.

In der Ausstellung „Der Garten

der irdischen Freuden“ im Gropius-

Bau gibt es wunderbare Pflanzenpornos

und Videos über die Zukunft

des Menschen als organisches Wesen

unter seinesgleichen, etwa Würmernund

Bakterien. Undsokonnte

man Braxtons Musik auch hören: als

organisches Pulsieren, als eine wuselige

Erotik des Fließens und kontaktfreudigen

Flanierens.

In sechs Stunden bei Braxton:

kein einziges Solo gehört, die Zentralperspektiveauf

das Subjekt ist gebrochen.

Und nicht nur da. Der

junge Berliner Schlagzeuger Christian

Lillinger sorgte am Freitag mit

seinem Nonett „Open Form for Society“

für ein Highlight des Festivals.

Zwei Klaviere, zwei Kontrabässe,ein

Keyboarder, ein Cello, zwei Vibraphone

und mit Lillinger ein Schlagzeuger,der

wie mindestens zwei explodiert.

Aber kein Solo. Klar, Lillingers

nervöses, aber extrem kontrolliertes

Spiel könnte ein einziges Solo

sein: die scharfen Beckenklänge,die

spitzen Stiche der Snaretrommel,

das fast digitale Stottern, das er händisch

erzeugt. Und doch hört man

da immer wieder die Komposition

heraus und das Kollektiv als massigen

Klangkörper. Gehäuteter Jazz

heißt heute nicht mehr, dass man

ihn mit HipHop paartund mit Streichern.

Das Konzert des kalifornischen

Weltklassetrompeters Ambrose

Akinmusire mit dem Rapper

und Sänger Koyaki sowie dem Mivos

Quartet zeigte zwar genau in diese

etwas vergessene Richtung. Wäre

das Niveau nicht so hoch gewesen,

man hätte von Effektkalkül spre-

VOTOS/ROLAND OWSNITZKI

chen müssen. Aber ach, Sonnabend

ist Publikumstag, Radiotag. Denn

die Rundfunkanstalten sind wichtige

Partner des Jazzfestes und reden

auch viel mit. Manchmal zu viel: Die

Big-Band-Projekte waren in den

letzten Jahren von ausgesuchter

Langeweile. Doch nicht dieses Jahr!

Das Projekt „Melodic Ornette“ mit

der Big Band des Hessischen Rundfunks

plus einem Quartett war ein

weiteres Highlight.

Joachim Kühn, 75-jähriger Pianist

und deutscher Fackelträger des

Jazz, spielte in den späten Neunzigerjahren

oft mit Ornette Coleman

und hütet über 150 Stücke. Ein paar

davon haben Kühn und Jim

McNeely von der HR-Big-Band arrangiert.

Ein kleines bisschen klang

es manchmal zu notiert. Doch auch

hier lag der Reiz in der Konstellation:

Hier die BigBand, und daneben das

Quartett mit dem coolen, verspielten,

disziplinierten Kühn, dem musikalisch

noch immer verblüffenden

83-jährigen Michel Portal an den

Klarinetten und einer irren Rhythmusgruppe.

Immer wieder:Kollektive

Das waren die besten Momente des

Jazzfestes: Wenn die Musik von Begegnungen

erzählte und das Genie

sich im Sozialen entfalten musste,

nicht in der Virtuosität des Einzelnen.

Dieser Schwerpunkt auf Kollektive

kehrte mehrmals wieder. Das

KIM Kollektiv, das den oberen Stock

der Festspiele installativ bespielte,

trägt den Fokus schon im Namen.

Die zwei Late Night Labs ließen

gleich mehrere Ensembles miteinander

reagieren. Die Aufmerksamkeit

des eh schon gut zugeballerten

Publikums reichte bei KIM nicht immer,

man braucht ja mal ein Getränk.

Das zweite Lab am Sonnabend

war besser besucht und auch

dialogfähiger.

Die Einzelstimme im Jazz ist

nicht tot, aber sie beherrscht nicht

mehr. ImClub Quasimodo gab es

zwar in der Band des Saxofonisten

James Brandon Lewis Top-Solistinnen

zu hören, etwa Jaimie Branch.

Aber auch da schleichen die Soli in

die Struktur von gemeinsamen, zarten

und wütenden Klangwänden.

Die große Bühne im Festspielhaus

hat dieser musikalischen Tendenz

auch räumlich Rechnung getragen.

Zwei Tribünen rund um die ebenerdige

Hauptbühne, davor Matratzenund

erst weiter hinten die ersten

Sitzreihen: Die alten wie die neuen

Kollektive wollen niederschwelliger

gehörtwerden.

Dass dieses Jazzfest stark von

Berliner Musikern und Musikerinnen

mit vielen unterschiedlichen

Pässen durchsetzt war, muss man

schon gar nicht mehr nach außen

kehren. Denn dass Berlin die Jazzhauptstadt

Europas ist, weiß man

überall. Außer in Restdeutschland.

Mit Hubert Fichte in Salvador de Bahia

Eine Ausstellung zur kolonialen Dialektik der Empfindlichkeit im Berliner Haus der Kulturen der Welt

VonHarry Nutt

Esraucht, zirpt und rattert, und

bald nach Betreten der Ausstellung

verlocken bereitgelegte Kopfhörer

dazu, den Gehörsinn ein wenig

konzentrierter einzusetzen. Sie

lieferndie Tonspur zu einem Film in

Endlosschleife. Talking Heads,

nachdenkliche Künstler, lange Pausen,

einmal fällt der Name Pasolini.

Kontext und Verstehen, will diese

schroff ausgrenzende Einladung

zum weit verzweigten Themenfeld

Liebe und Ethnologie wohl sagen,

sind grundsätzlich flüchtiger Natur.

Also weiter zu den Bildern, denn

diese Ausstellung auf den Spuren

des Hamburger Schriftstellers Hubert

Fichte operiert natürlich auch

mit visuellem Überschuss.

Das wohl bekannteste Porträt

Fichtes zeigt den 1935 in Perleberg

geborenen, 1986 in Hamburg gestorbenen

Schriftsteller und Ethnografen

sitzend als seltsam verpupptes

Mann-Frau-Wesen. Ruht er aus?

Thront er? Hört erjemandem zu?

Die Erscheinung entführt in eine

ferne Vorstellungswelt, in die es

HubertFichte in Hamburg mit Bauchmaskeund einer Tonkopfmaske.

zu HubertFichte angesehen wurde.

Assoziationen, Querverweise, Analogien.

Während die Ausstellung

eine Leitidee verweigert, erhält man

als beflissener Leser vonHinweistader

einer Performance des chilenischen

Künstlers, Performers und

Schriftstellers und schwulen Aktivisten

Pedro Lemebel zu sehen, der

in Santiago als eine Art Parallelfigur

LEONORE MAU

Fichte bald zog, nachdem er 1968

mit seinem Roman „Die Palette“

über einen Hamburger Szene-Treffpunkt

bekannt geworden war.Intellektuelle

Rastlosigkeit war sein Programm.

1971 studierte er die afrobrasilianischen

Religionen in Salvador

da Bahia, reiste nach

Argentinien zu Jorge Luis Borges

und nach Chile zu Salvador Allende.

Es folgten Aufenthalte in Haiti, Reisen

nach Tansania, Äthiopien, Trinidad

und in die Dominikanische Republik.

Am Ende dieser Exkursionen

sollte seine gut zwei Dutzend

Bände umfassende „Geschichte der

Empfindlichkeit“ stehen, die der an

Aids erkrankte Fichte jedoch nicht

mehr abschließen konnte.

Man darf sich vom Bilderreichtum

der Ausstellung im Haus der

Kulturen nicht täuschen lassen. Es

geht um Text, sehr viel Text. Und

letztlich ist die Schau nur ein Verweis

auf andere Ausstellungen, die

in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut

zuvor in Lissabon, Salvador

de Bahia, Rio de Janeiro, Santiago

de Chile, Dakar und NewYork

erarbeitet worden sind. So sind Bil-

feln immerhin eine zweite Chance,

doch noch mit einer linearen Erzählung

nach Hause zu gehen.

Aber Ausstellungsmacher wollen

natürlich mehr. Der Auseinandersetzung

mit Fichte lag der Gedanke

eines Re-Imports zugrunde. „Lassen

sich die ethnologischen Beobachtungen

und Empfindungen

eines deutschen Schriftstellers zu

afro-diasporischen Kulturen restituieren?“,

lautet eine an aktuellen

Diskursen orientierte Frage, indenen

Worte wie „postkolonial“ und

„Dekolonisierung“ zu Schlüsselbegriffen

geworden sind. Fichte hat

sein Thema nicht nur theoretisch

erschlossen, sondern mit allen Sinnen

und nicht zuletzt auch mit sexuellem

Begehren erspürt. „Welche

Möglichkeiten“, so fragen die Kuratoren

Anselm Franke und Diedrich

Diederichsen, „eröffnet und an welche

Grenzen stößt der Einsatz von

Selbstreflexion und schwuler Sexualität

als Forschungswerkzeuge?“

Fichte sprach provokativ von einer

„Verschwulung der Welt“.

Wasesmit all dem auf sich haben

könnte,erfährtman sehr viel plausibler

als in der Ausstellung aus einem

literarischen Text. In seinem Roman

„Lookalikes“ aus dem Jahr 2003

wandelte der poptheoretisch bewanderte

Schriftsteller Thomas

Meinecke ebenfalls auf Hubert

Fichtes Pfaden. Meinecke lässt

darin Forschungsergebnisse der Literaturwissenschaftlerin

Wiebke

Kannengießer einfließen, die in Salvador

de Bahia (wo sie am Goethe-

Institut arbeitete) einen Text Fichtes

mit der sich ihr darstellenden Wirklichkeit

abgeglichen hat.

Und während die quasi-wissenschaftliche

Position Fichtes im Haus

der Kulturen der Welt heroisiertund

durch Assoziationsketten verklärt

wird, wirft Kannengießer zumindest

Fragen zur postmodernen Selbstinszenierung

einer bisexuellen Figur

desWeder-Noch auf. HubertFichtes

Exotismus habe, so legt Wiebke

Kannengießer nahe, etwas seltsam

Prahlerisches gehabt.

Liebeund Ethnologie. Die kolonialeDialektik

der Empfindlichkeit(nach HubertFichte) bis zum

6. Januar 2020 im Haus der Kulturen der Welt.

John-Foster-Dulles-Allee 10


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 21 *

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Feuilleton

Passagen

keimender

Zuversicht

„Ein deutsches Requiem“

in der Philharmonie

VonGerald Felber

Die Blätter fallen von den Bäumen

und die Zeit der Requiems

beginnt. Doch das Rundfunk-Sinfonieorchester

sowie die Chöre des

Jungen Ensembles Berlin (Einstudierung:

Vinzenz Weissenburger)

und von„Cantus Domus“ –zusammen

ein respektabler Klangblock

vonrund 250 Mitwirkenden, der das

Podium in der Philharmonie satt

ausfüllte –beließen es am Sonntagnachmittag

nicht dabei. Indem sie

Johannes Brahms’ „Deutschem Requiem“

zwei Psalm-Vertonungen

von Heinrich Schütz voranstellten,

verwiesen sie auf die Kontinuität des

Humanistischen und Emphatischen

bei diesen prägenden Gestalten der

deutschen Musikgeschichte.

Dass beide, trotz der fundamentalen

stilistischen Wandlungen in

den zwischen ihnen liegenden Jahrhunderten,

auch musikalisch viel

verbindet, wurde daran deutlich,

wie erst Dirigent Ralf Sochaczewsky

mit dem „Cantus Domus“-Ensemble

bei Schütz und dannVladimir Jurowski

im Requiem gleichermaßen

die innig trostvolle, aber in ihren

Ausdrucksformen oft herbe Rhetorikder

Werkeunterstrichen.

In den älteren Kompositionen

wurde eine zupackend direkte,

durchaus auch etwas blockige Gestaltung

zusätzlich durch den Verzicht

auf jede (mögliche und sonst

meist auch praktizierte) instrumentale

Unterstützung betont. Jurowski

nahm diese Linie insofern auf, als

auch er weniger auf lyrische Durchlichtung

denn auf kraftvolle Fülle

des Vokalklangs setzte –mit leuchtenden

Sopranspitzen und besonders

anrührend in Passagen keimender

Zuversicht wie dem „Soseid

nun geduldig“ des zweiten Abschnitts.

Auf ins drächische Kummerland: Georgina Melville als Jim Knopf und Carsten Sabrowski als Lukas.

Mit ungebremster Freude

Die Komische Oper zeigt Michael Endes „Jim Knopf“ als Kinderoper von Elena Kats-Chernin

VonClemens Haustein

Das sollte man wohl im

übertragenen Sinn verstehen:„Wir

sind Heimat

für alle, egal aus welchem

Land man stammt!“ Denn

gleichzeitig schickt König Alfons der

Viertel-vor-Zwölfte, seines Zeichens

Herrscher über den Inselstaat Lummerland,

doch einViertel seiner vierköpfigen

Untertanenschaft, den Lokomotivführer

Lukas nämlich, von

der Insel, weil der Platz eng zu werden

droht. Er tut das verdruckst und

peinlich berührt, aber Ausweisung

bleibt Ausweisung: keine allzu

schöne Sache. Etwas voll nimmt Alfons

also den Mund mit seiner Parole

vonder „Heimat für alle“, die ihm im

Kindermusical „Jim Knopf und Lukas

der Lokomotivführer“ – am

Sonntag hatte es in der Komischen

Oper Premiere –von Librettistin Susanne

Felicitas Wolf in den Mund gelegt

wird. Wohl mit politisch-pädagogischer

Absicht.

Besser also im übertragenen Sinn.

Denn die Zahl derer, denen Michal

Endes Buch und damit Lummerland

als ironische,aber gar nicht so harmlose

Kleinststaat-Erfindung zu einer

literarischen Heimat wurde, dürfte

riesig sein. Wassteckt nicht alles in

diesem Buch, das auch noch den

psychologisierenden Erwachsenen

anrührt: ein Kind, das einst im Postpaket

ankam und sich nun auf Identitätssuche

begibt, ein Riese,der nur

aus der Ferneriesig wirkt und kleiner

wird, je näher man ihm kommt, ein

Lehrer-Drache, der aus Frust über

die eigene Boshaftigkeit nur immer

boshafter wird und der von Jim und

Lukas nicht getötet wird, wie das in

früheren Mythen noch üblich war,

sondern gefangengenommen und

damit einem inneren Lernprozess

übergeben: Am Ende wird sich der

Drache Mahlzahn in den Drachen

der Weisheit verwandeln.

All das kommt auch in Susanne

Felicitas Wolfs Libretto-Fassung vor

und doch erscheint JimKnopfs Reise

von Lummerland ins drächische

Kummerland und wieder zurück

(dann mit unterwegs eingefangenem

Eiland als territorialer Erweiterung

für die Heimatinsel) seltsam

holzschnitthaft und zauberarm.

Ganz klassisch folgt man hier dem

Musical mit seiner Abfolge einzelner

Nummern. Im gesprochenen Dialog

schreitet die Handlung voran, zwischengeschobene

Songs und Tanzeinlagen

verzögern sie. Beides steht

weitgehend unverbunden nebeneinander,

recht stockend geht es dadurch

voran. Das Reisetempo von

Lokomotive Emma in allen Ehren,

ein wenig flüssiger dürfte es schon

gewesen sein.

Die Dehnung, die die Erzählung

damit erhält, versucht Elena Kats-

Chernin mit einer munter-farbigen

Musik zu gestalten. Tanzrhythmen

herrschen vor, Kats-Chernin, die für

die Komische Oper bereits die Musik

für „Schneewittchen und die 77

Zwerge“ schrieb, liefert eine poinitierte

Musical-Instrumentation,

auch Emma wird mit einem angemessen

schrillen Pfeifen bedacht,

das aus Clusterakkorden der Holzbläser

tönt. Zwei famose Zwischenspiele

komponierte Kats-Chernin:

eines, das schwung- und machtvoll

die Meerfahrt auf der seefest gemachten

Lokomotive schildert, und

eines für die Fahrt durchs „Tal der

Dämmerung“ mit seinen bis zur Katastrophe

sich verstärkenden Echos.

Einen eigenen Jim-Knopf-Ton findet

IMAGO IMAGES

sie dabei nicht.Vielleicht würde man

ihn auch nicht erwarten, hätte es

nicht das kongeniale Titellied zur

Marionetten-Fassung der Augsburger

Puppenkiste gegeben:„Eine Insel

und zwei Berge“.

Ivo Hentschel am Dirigentenpult

leitet das Orchester der Komischen

Oper mit Schwung und ungebremster

Freude an großer Lautstärke

durch das Stück, Georgina Melville

gibt den JimKnopf als unerschrockenen

Klein-Siegfried mit zeitgemäßer

Baseballkappe auf dem Kopf, mit

Carsten Sabrowskis gemütlichem

Lukas würde wohl jeder gerne auf

Reisen gehen, Julia Domkes Ping

Pong lässt Regisseur Christian von

Götz an der Grenze zum Nervenverträglichen

herumhüpfen und -quieken.

Lukas Nolls Bühnenbild

schließlich verbindet Ökonomie mit

Witz. Krabben spielen dort Karten,

Seepferdchen schnäbeln zärtlich

miteinander und auf einer Acht fährt

unermüdlich Emma.

JimKnopf undLukas der Lokomotivführer

nächste Vorstellungen:9., 14.,17. 11,jeweils

11 Uhr,Komische Oper,Behrenstr.55–57,

Karten unter 47 99 74 00

NACHRICHTEN

Zeitschriftenverleger

fordernstaatliche Förderung

Deutsche Zeitschriftenverleger fordernvom

Bund finanzielle Hilfe bei

der teurer gewordenen Postzustellung

ihrer Magazine.„Angesichts

dieser Situation fordernwir Regierung

und Gesetzgeber auf, den Fortbestand

einer wirtschaftlich verkraftbaren

Postzustellung zu ermöglichen

und dies möglichst auch

werktäglich und zwar überall, flächendeckend“,

sagte der Präsident

des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger

(VDZ), Rudolf Thiemann,

am Montag bei einem Branchentreffen

in Berlin. (dpa)

Chinesische Staatsmedien

fordernhärteres Vorgehen

Nach erneuten gewaltsamen Protesten

in Hongkong haben mehrerechinesische

Staatsmedien eine „härtere

Linie“ gegenüber der Demokratie-

Bewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone

gefordert. Die

Hongkonger Strafverfolgungsbehörden

müssten „die Meute so schnell

wie möglich zur Rechenschaft ziehen“,

schrieb die Staatszeitung Global

Times am Montag. Demonstranten

hatten am Sonnabend ein Büro

der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur

Xinhua beschädigt,

was diese als „barbarischen Akt“ bezeichnete.Eine

„härtereLinie zur

Wiederherstellung der Ordnung“

müsse die Antwortauf die „sich verstärkende

Gewalt in Hongkong“

sein, schrieb die englischsprachige

Zeitung China Daily. (AFP)

Reste der „Lindenstraße“

kommen in Museen

DieKüche vonMutter Beimer aus

der „Lindenstraße“ kommt ins Museum.

DasHaus der Geschichte in

Bonn werdedie Küche und auch die

Bushaltestelle Lindenstraße/Kastanienstraße

aus der im Märzkommenden

Jahres endenden ARD-Serie

übernehmen, teilte der Westdeutsche

Rundfunk am Montag mit.

Auch für andereObjekte der Serie

laufen demnach Gespräche mit Museen.

So wolle die Deutsche Kinemathek

in Berlin etwa die Speisekarten

des „Akropolis“ sowie die Bademäntel

vonMutter Beimer und Anna

Ziegler übernehmen. (AFP)

Der Bariton Matthias Goerne prägte das

Konzert.

MARCO BORGGREVE

Die abgestufte Farbgestaltung in

diesem bergenden, die Hörer auch

in den leiseren Abschnitten gleichsam

umhüllenden Klangstrom ging

dann eher vom Orchester aus. Dessen

körperliche Plastizität besonders

in den rahmengebenden Randregistern–tiefes

Blech und Orgel auf

der einen, die hohen Holzbläser auf

der anderen Seite –verlieh der Monumentalität

des Ganzen gleichermaßen

festen Halt wie atmosphärische

Differenzierung.

Für eine nachhaltige,höchst einprägsame

Individualisierung innerhalb

der gewaltigen Massenszenen

sorgten die Bariton-Soli Matthias

Goernes. Anders als seine Soprankollegin

Maria Bengtsson, deren seraphisch

lichtes Timbre sich weitab

von allem weltlichen Getümmel

entfaltete, hörte man bei Goerne einen

innerlich zerrissenen Menschen

im verzweifelten Zwiespalt

zwischen Nihilismus und Glaubenshoffnung,

der dann in der dunkel

leuchtenden Vision des vorletzten

Teiles quasi in seine geistliche Heimat

zurückgefunden hat: eine Sehnsucht

nach Sinn und Perspektive,

die im übertragenen Sinne auch das

ganze Konzert prägte und im komplett

gefüllten Saal deutliche Resonanz

fand.

Kreide genascht

Die 15. Folge von Bob Dylans offizieller Bootleg-Serie dokumentiert die Country-Phase des Musikers

VonFrank Junghänel

Der schönste Moment ist hier ein

Studiospaß, der es damals nie

und nimmer auf ein reguläres Album

geschafft hätte.Nachdem der Song„I

Still Miss Someone“ im Kasten war,

haben sich Bob Dylan und Johnny

Cash noch etwas Zeit genommen

und gemeinsam ein Lied gesungen,

zu dem es zwei verschiedene Texte

gibt.„Don’t Think Twice,It’sAllright“,

ein Dylan-Original, das vonCash zur

selben Melodie als„UnderstandYour

Man“ eingespielt wurde. Esist der

17. Februar 1967, als zwei Welten der

Popmusik, nein, nicht kollidieren,

sondern in einem denkwürdigen

Duett auf eine ebenso rührende wie

linkische Weise zusammenfinden.

Auf der einen Seite Johnny Cash,

der unangefochtene Countrystar

dieser Ära, der mit majestätischer Attitüde

und seinem sonoren Bariton

den Dylan-Text singt –und daneben

etwas zappelig und giggelnd der

größte Proteststar der Sechziger, der

freilich die Protestierei und das

Rockstarsein vor einer Weile schon

zugunsten eines ausbalancierten Familienlebens

in den Hügeln am

Hudson aufgegeben hatte. Wie sich

diese beiden Führungsfiguren der zu

Bob Dylan (l.) und JohnnyCash am 1. Mai 1969 bei der Aufzeichnung zu einer TV-Show

jener Zeit unversöhnlichen Kulturen

von konservativer Countrymusic

und revolutionärem Pop die Zeilen

und Akkorde zuspielen, ist mehr als

ein Spaß –esist eine Offenbarung

vonFreiheit und Selbstbestimmung.

Unddas auf beiden Seiten.

Nach einem guten Jahr Ruhe und

Rekonvaleszenz infolge eines Motorradunfalls

war ein sichtlich erholter

Dylan als Landmann mit Fusselbart

in die Öffentlichkeit zurückgekehrt.

Wieder Wolf im Märchen hatte er an

der Kreide genascht und sang nun

mit dem weichesten Timbre ever

Liebeslieder und Countrysongs wie

„I Threw It All Away“, „To BeAlone

With You“, „Lay Lady Lay“ und „One

More Night“ –versammelt auf den

LPs „John Wesley Harding“ und

„Nashville Skyline“, die in ihrer

schlichten Instrumentierung dem

psychedelischen Wahn des ausgehenden

Jahrzehnts ein Konzept von

innerer Ruhe und äußerem Frieden

entgegenzusetzen suchten.

Die Sessions zu den beiden in

Nashville aufgenommenen Alben

werden auf der ersten von drei

CDs/LPsder 15. Ausgabe vonDylans

Bootleg-Serie dokumentiert. Die

Herausgeber beschränken sich auf

das Wesentliche und bieten –anders

als bei früheren Editionen dieser im

Pop beispiellosen Archivreihe – in

diesem Fall nur je eine alternative

Version bekannter Songs an, man

muss sich nicht durch den gesamten

Schaffensprozess hindurchhhören.

Den Kern des mit insgesamt 50

Songs vergleichsweise moderat bemessenen

Triplealbums bilden die

Aufnahmen vom 18. Februar 1967,

als sich Bob Dylan und Johnny Cash

bei einer Studioprobe in Nashville an

ein gemeinsames Album herantasteten,

aus dem dann nichts wurde,

dessen Warm-up jedoch in mehr

oder minder guter Qualität seit einer

Ewigkeit unter Sammlernkursiert.

Nunendlich ist dieses tatsächlich

einmalige Material mit Traditionals

und Cash-Standards („Big River“) in

einem adäquaten Sound zu hören.

Als Zugabe gibt es die drei Songs,die

Dylan zusammen mit Cash in dessen

TV-Show vorgetragen hat, und einen

Auftritt mit dem Bluegrass-Pionier

Earl Scruggs.Danach war das Kapitel

Nashville für BobDylan geschlossen.

im Ryman Auditorium von Nashville SONY MUSIC

TOP 10

BobDylan(featuring JohnnyCash) –Travelin’

Thru, 1967–1969 (Sony)

Tucholsky-Preis für

Hongkonger Publizist

Derinhaftierte Hongkonger Buchhändler

und Publizist GuiMinhai

bekommt den diesjährigen Tucholsky-Preis

der schwedischen Sektion

des PEN-Clubs.Verliehen werdedie

mit umgerechnet rund 14 000 Euro

dotierte Auszeichnung am 15. November,teilte

der Autorenverband

am Montag mit. Einleerer Stuhl

werdeGui Minhais Abwesenheit

symbolisieren. DerinChina geborene

Publizist ist einer vonfünf

Buchhändlernaus Hongkong, die

politisch heikle Bücher über China

herausgegeben hatten, bis sie 2015

verschwanden. Alle fünf tauchten in

China auf. Bisauf GuiMinhai sind

alle wieder auf freiem Fuß. (dpa)

Sonntag,3.November

1 Tatort ARD 12,63 34 %

2 Tagesschau ARD 6,79 20 %

3 Formel 1, Berichte RTL 4,19 12 %

4 heute ZDF 4,01 14 %

5 Terra X ZDF 3,89 12 %

6 Rosamunde Pilcher ZDF 3,85 10 %

7 heute-journal ZDF 3,81 12 %

8 RTL aktuell RTL 3,75 13 %

9 Anne Will ARD 3,62 13 %

10 Berlin direkt ZDF 3,53 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 257 · 5 . b is 5. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

20.00: Theater ohne Probe:ImSinne vonBrecht

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30: Der Plan vonder Abschaffung des Dunkels

(Junges DT)

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.00: The Bassarids

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: 4. Berliner Herbstsalon: Außer sich

20.00 Container:4.Berliner Herbstsalon: Futureland

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00 Saal B: Zeppelin

20.30 Studio: März

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Scotty (Oranienstr.46)

16.00: 4. Berliner Herbstsalon –DE-Heimatize it!:

Atem (Mehtap Baydu)

TAK–Theater Aufbau Kreuzberg (✆ 50 56 70 00)

20.00: cellar andsecrets –insights (DINA13

Tanzcompany)

Tanzfabrik Wedding in den Uferstudios

(✆ 20 05 92 70) 18.00 Studio 13: Open Spaces:

The Morning Show(Celine &Renana)

19.00 Studio 14: Open Spaces: Chora (Moritz Majce

+Sandra Man)

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Der Nazi &der Friseur

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die 5glorreichen Sieben (Meret Becker,

Anna Fischer,AnnaMateur,Andreja Schneider und

Katharina Thalbach)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00 Salon: Aha? Egal (David Kebekus)

LaLuz (✆ 45 08 92 30)

19.30Theater-Restaurant: La Famiglia –Dinner-Komödie

(Claudio Maniscalco, Pascale Camele,

SantiagoZiesmer,Swinging Rossinis, Cara Ciutan

u. a.)

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Wermit wem? (TheatersportBerlin)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Emmi &Willnowksy –Tour 19

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Der sprunghafte Dienstag –Vom Feinsten (Die

Gorillas)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater Berlin (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Flieg Fisch, lies und gesunde! oder:Glück, wo

ist Dein Stachel?! (Jochen Malmsheimer)

KLASSIK

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Französische Friedrichstadtkirche

(✆ 20 64 99 22) 15.00: Gunter Kennel,30Minuten

Orgelmusik, Orgelwerkeverschiedener Jahrhunderte

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Kl.Saal: Kammerorchester aus Studierenden

der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, Ltg.

Wolfgang Redik (Violine), Musikforum Gendarmenmarkt,

Mozart: Sonate für Klavier und Violine e-Moll;

Schönberg: „Verklärte Nacht“ für Streichsextett op.

4; Schubert: Streichquartett d-Moll „Der Todund das

Mädchen“

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Cornelia Gartemann, Christophvon

der Nahmer (Violine), Julia Gartemann (Viola),

Martin Menking (Violoncello), Stefan Dohr,Sarah

Willis (Horn), Lunchkonzert, Ludwig vanBeethoven:

Streichquartett D-Durop. 18 Nr.3,Hornsextett Es-Dur

op. 81b

20.00: Berliner Oratorien-Chor,Singakademie

Potsdam, Mitglieder des Nikolaichors Potsdam,

Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Ltg.

Thomas Hennig,Anton Bruckner:Ave Maria, drei

Fassungen; Te Deum

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

19.15: Einführung (Alice Sara Ott)

20.00: Alice Sara Ott (Klavier), Debussy: Suite

bergamasque, Rêverie; Satie: Gnossienne Nr.1,

Gymnopédie Nr.1,Gnossienne Nr.3;Chopin: Nocturne

b-Moll op. 9Nr. 1, Nocturne Es-Dur op. 9Nr. 2,

Ballade Nr.1g-Moll op. 23

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

19.30: Mitglieder des RIAS Kammerchors, Sheridan

Ensemble, Ltg.RobertHollingworth (Cembalo),

Barocktage2019, Monteverdi: Sinfonia, aus „Musiche

de alcuni eccellentissimi Musici composte per la

Maddalena“, „L’Orfeo“, Auszüge, „Lamento d’Arianna“

aus „L’Arianna“; John Blow: Chöre aus „Venus and

Adonis“; Vecchi: Drei Szenen aus „L’Amfiparnaso“;

Purcell: „If love’s asweet passion“ aus „The Fairy

Queen“, „The Sparrowand the Gentle Dove“aus

„From HardyClimes and Dangerous Toils of War“

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

19.30: Angela Wingerath (Gesang), Antonis Anissegos

(Piano), Lieder und Klavierwerkevon J. Brahms,

G. Crumb,S.Barber,P.Hindemith, P. Glass sowie

Improvisationen

Villa Elisabeth (✆ 44 04 36 44)

19.00: Oratorio –Mitsingkonzertder Sing-Akademie,

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

9.45 Kinderbibliothek: Bücherbabys, Workshop (bis

3J.). Anm. erf.

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Malala (ab 10 J.)

10.30: Emil und die Detektive(ab 6bis 12 J.)

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

10.00: Socke, Mond undSterne, Materialtheater (ab

2bis 5J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: Jorinde und Joringel (ab 4bis 12 J.)

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

11.00: Der kleine König Dezember (ab 6J.)

FELD –Theater fürKinder und Erwachsene

(✆ 54 08 69 48) 11.00: Die Paten, Turbo Pascal

(ab 12 J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: 3kleine Schweinchen, Artisanen, Puppenspiel

(ab 4J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

Buchpremiere

Ai Weiweis

Plädoyer für

Menschlichkeit

Laut UN befinden sich derzeit

70,8 Millionen Menschen

auf der Flucht, die

größte Zahl aller Zeiten“,

schreibt Ai Weiwei in seinem

neuen Buch „Manifest ohne

Grenzen“ (Kursbuch Edition).

Für den 62-jährigen Konzeptkünstler

und Bildhauer ist

Flucht auch ein persönliches

Thema. Als Sohn eines chinesischen

Dissidenten wuchs er

im Exil auf und wurde, als er

schließlich nach China zog,

festgenommen und lange an

der Ausreise gehindert. In

„Manifest ohne Grenzen“ ruft

er zu mehr Menschlichkeit im

Umgang mit Fliehenden und

Geflohenen auf. „Flüchtling

sein ist eine anthropologische

Grundkonstante. Esist bewiesen,

dass es keine einzige entwickelte

Gesellschaft gibt, die

sich nie bewegen musste oder

die nicht als Resultat eines

Fortziehens und Ankommens

entstanden wäre.“ PetraKohse

Ai Weiwei:Manifestohne Grenzen

19 Uhr,Palais in der Kulturbrauerei,

Schönhauser Allee 36

Gewinnbringende

Zentralinformationen

Diese Woche beschert eine Gebrauchsanleitung

zum Pop, ein norwegisches Label, das sie verstanden hat

und Punks, die sie ignorieren

Marisha Dabice, Sängerin und Gitarristin der Neo-Punks Mannequin Pussy.

Was Sie schon immer

über Pop wissen wollten,

aber nie zu fragen

wagten, beantwortet

Rolling Stone-Redakteur Maik Brüggemeyer

in seinem neuen Buch

„Pop“ (Penguin Verlag). Es trägt den

Untertitel „Eine Gebrauchsanweisung“.

Die kann man brauchen, so

Brüggemeyer, weil Pop nicht nur

Musik ist, sondern ein Bedeutungszusammenhang,

der sich um ein

(hier vorwiegend musikalisches)

„Produkt der Unterhaltungsindustrie“

herum entfaltet:„Aus kulturellen

Zeichen und versteckten Codes,

Praktiken und Strategien, Outfits,

Haltungen und Geschichten.“ Brüggemeyer

entwirft dabei keine umfassende

Pop-Theorie, er beleuchtet

vielmehr auf leichthändige, flinke

und immer auch selbstbiografisch

erhellte Weise, wie viel und welche

verschiedenen Geschichten, kulturellen

und sozialen Entwicklungen

hinter Begriff und Praxis stehen.

Als Vorbild hat er sich lustigerweise

das kleine Vademecum „Sprechen

wir über Musik“ des 2017 verstorbenen

Musikkritikers Joachim

Kaiser genommen; wie dieser nimmt

Markus Schneider

empfiehlt Maik Brüggemeyers Popbuch

samt Lesung,dazu den Jubiläumsabend

des norwegischen Labels Hubro. Und die

Neo-Punks Mannequin Pussy sowie den

Ur-Rapper Kurtis Blow.

auch Brüggemeyer Leser-oder sonstige

Fragen zum Anlass, inknappen

Kapiteln die großen Fragen der Popmenschheit

anzugehen. Ob das

Motto Sex, Drugs, and Rock’n’Roll

denn noch zeitgemäß sei, fragt er

zum Beispiel (Antwort: Nein, eher

„Queer, Quasi & Connected“), ob

Reggae denn auch ohne Kiffen gehe

(Ja, wenn er gut ist) und: „Lebt Elvis

wirklich noch?“ (ich will nicht spoilern).

Naturgemäß geht es auch um

beste Alben der Welt, die Bedeutung

deutscher Musik, die Weltherrschaft

des HipHop und die jüngste feministische

Revolution im Pop. Sowie,

auch wichtig, den „Fluch des Robert

Wilson“, die Zukunft des Popstars

und die Sinnhaftigkeit von musikjournalistischen

Existenzen wie ihm

und mir (Ergebnis: relativ sinnhaft).

Er kommt dabei tief aus der Geschichte,

vom Rock’n’Roll, vom

Songwriter,von der Band (klar:„Beatles

oder Stones?“ wirdauch verhandelt).

Aber er zieht sehr lässig die Fäden

von den Urszenen zur digitalen

Gegenwartdes Streamings und Samplens.

ImPlauderton und anekdotisch

statt apodiktisch gibt es dabei

auch für fortgeschrittene Benutzer

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.30, 17.15; Ballett aus dem Royal

Opera House London: Concerto /Enigma-Variationen

/ Raimonda 20.15

Cinema Paris (✆ 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Parasite 14.00,

17.00; Ballett aus dem Royal Opera House London:

Concerto /Enigma-Variationen /Raimonda 20.15

Delphi LUX (✆ 322 931040) Parasite (OmU)

15.00, 18.00, 21.00; Parasite 20.00; Parasite

(OmenglU) 21.30; Das perfekte Geheimnis 14.30,

17.15, 20.00; Verteidiger des Glaubens 15.00;

Der Glanz der Unsichtbaren 17.15; Systemsprenger

13.50, 18.50; Das Kapital im 21. Jahrhundert

16.30; Deutschstunde 14.00, 16.45; Joker (OmU)

15.00, 17.45, 20.30; Joker (OF) 19.45, 21.20; M.

C. Escher: Reise in die Unendlichkeit 14.15; Lieber

Antoine als gar keinen Ärger 16.15; Downton Abbey

(OmU) 18.40

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53)Ich warnoch niemals

in New York 17.30; Deutschstunde 20.00; Born in

Evin –Alles über Evin 17.45; Ich war noch niemals

in NewYork 20.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.45,20.30; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

15.40; Zoros Solo 15.15,20.00;After the Wedding

17.20; Ich war noch niemals in New York 14.30,

17.15,20.00; Invisible Sue 15.15; Nurejew 17.20,

20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Das perfekte

Geheimnis 14.00, 16.45; Joker 20.00, 23.00; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45; Joker

17.40; Das perfekte Geheimnis 20.30, 23.15; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 17.15; Hauptrolle

Berlin: Die Architekten 20.00; Joker (OF) 22.40;

Ich war noch niemals in New York 14.30; Joker

(OF) 17.30; Terminator –Dark Fate 20.20, 23.15;

Die Addams Family 14.30; Terminator –Dark Fate

16.30; Maleficent: Mächte der Finsternis 20.10;

Gemini Man 22.50; Ich war noch niemals in New

York 15.30, 18.30; Das perfekte Geheimnis 21.30

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Nurejew

(OmU) 11.00; Datsche 13.15; The Dead Don‘t Die

(OmU) 14.45; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 16.30;

Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU)

18.00; Systemsprenger (DFmenglU) 19.45; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.50; Paranza:

Der Clan der Kinder –Laparanza dei bambini

(OmU) 11.00;

Memory Games (OmU) 12.45; Cleo (OmenglU)

14.15; Djon Africa (OmU) 15.50; Deutschstunde

17.30;BorninEvin(OmU) 19.40; Halloween Haunt

(OF) 21.20; Midsommar (OmU) 22.50; Skin (OmU)

11.00; Nurejew (OmU) 13.00; M.C.Escher: Reise

in die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige zoeken

–Journey Into Infinity (OmU) 15.20; Invisible Sue

16.45; Joker (OmU) 18.15,20.20; Joker 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Das Kapital im

21.Jahrhundert–Capital in the Twenty-FirstCentury

(OmU) 14.00; Und der Zukunft zugewandt 16.00;

Systemsprenger 18.00; Parasite (OmU) 20.15; Gelobt

sei Gott –Grace aDieu (OmU) 22.45; Congo

Calling (OmU) 14.00; Über Grenzen –Der Film einer

langen Reise 15.45; Verteidiger des Glaubens

18.00; Frau Stern 19.45; Lebe schon lange hier

21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Ich war noch niemals

inNew York 13.45, 16.15; Das perfekte Geheimnis13.45,16.30,

17.00, 19.10, 19.30, 20.00;

Angry Birds 2 13.45, 16.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 14.00; Terminator –Dark Fate 14.10,

17.10, 20.00; Joker 14.10, 16.30, 20.15, 20.30,

20.45; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.15, 17.30; Dora und die goldene Stadt 14.30,

17.00; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45;

Gemini Man 14.45, 19.30; Dem Horizont sonah

14.45, 17.45; Invisible Sue 15.00; Everest 15.00;

Die Addams Family 15.00; Maleficent: Mächte der

Finsternis (OF) 16.15; Spider-Man: Far From Home

17.30; 3D: Die Addams Family 17.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.40, 20.45; Downton

Abbey 17.45; Joker (OF) 19.15; Halloween Haunt

19.45; Ballett aus dem Royal Opera House London:

Concerto /Enigma-Variationen /Raimonda 20.15;

Scary Stories toTell in the Dark 20.45

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Joker (OmU) 20.20, 22.40; Weitermachen

Sanssouci (OmenglU) 18.00; Easy Love

(OmenglU) 19.45; Bonnie &Bonnie (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.40, 16.50; Dora und

die goldene Stadt 13.45; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 13.45; Angry Birds 213.50; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Die Addams

Family 14.10, 17.10; Everest14.20;Terminator

–Dark Fate 16.20, 19.45; Joker 16.30, 19.30;

Downton Abbey16.30; Ich warnochniemals in New

York 16.40,19.40; 7. Kogustaki Mucize –Das Wunder

in Zelle Sieben (OmU) 19.20; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 19.50; Scary Stories toTell

in the Dark 20.10

Kino Kiste (✆ 998 74 81)Eine ganz heißeNummer

2.0 14.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 16.00;

Downton Abbey 17.45; Deutschstunde 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Das perfekte

Geheimnis 14.15, 17.20, 20.10; Dora und die

goldene Stadt 14.20; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30, 17.40, 20.20; Angry Birds 214.30;

Ich war noch niemals in New York 14.40, 16.50,

19.40; Everest 14.45; Invisible Sue 14.50; Die Addams

Family 15.00, 17.30; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 15.10; Der König der Löwen 16.45;

Terminator –Dark Fate 17.00, 20.00; Scary Stories

to Tell in the Dark 17.10, 19.50; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.15, 19.30; Joker 17.15,

20.00; Gemini Man 19.45; Halloween Haunt 19.50

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Joker (OmU) 16.45,

19.30,22.15; B Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 17.20, 20.40

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 18.00,20.30;Parasite (OmU) 18.30,

21.00

Moviemento (✆ 692 4785) Invisible Sue 14.45;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 17.00; Iuventa:

Seenotrettung – Ein Akt der Menschlichkeit

19.00; Systemsprenger 21.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.00;InvisibleSue 12.00;Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 14.15;

Systemsprenger 16.30, 19.15; Pornfilmfestival:

Die traurigen Mädchen aus den Bergen (OmenglU)

22.00;BenjaminBlümchen10.00; Systemsprenger

12.15;Porträt einer jungen Frau in Flammen15.00;

Porträteiner jungen Frau in Flammen–Portrait de la

jeune fille en feu (OmU) 17.45, 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Deutschstunde 16.00;

Systemsprenger 18.15; Parasite (OmU) 20.30;

Scary Stories to Tell in the Dark (OmU) 22.45; M.

C. Escher: Reise in die Unendlichkeit – Escher:

Het oneindige zoeken –Journey Into Infinity (OmU)

16.00; Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles

(OmU) 17.30; Scary Stories to Tell in the Dark

(OmU) 19.30; Joker (OmU) 21.30; Kinobar im

Sputnik Bonnie &Bonnie (OmenglU) 18.30; Filmclub

(OmU) 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Parasite 14.20, 17.10,

20.00; New Der Glanz der Unsichtbaren 16.00,

20.50; Systemsprenger 18.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 5389590) DieAddamsFamily

14.00, 16.00, 18.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.00, 16.00; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.45, 17.45; Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.30, 20.15; Invisible Sue 15.15,

18.00; Terminator –Dark Fate 17.30, 20.30; Zwingli

–Der Reformator 20.00; Ich war noch niemals in

NewYork 20.15; Joker 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Lino: Ein voll

verkatertes Abenteuer 13.00; Lieber Antoine als gar

keinen Ärger 13.00,17.45; Immer und ewig 13.00,

20.15; Ich war noch niemals inNew York 15.00,

20.15; 3D:GeminiMan 15.15; Dora und diegoldene

Stadt 15.30; Dem Horizont sonah 17.45; Das

perfekte Geheimnis 17.45, 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00; Joker 14.00,

17.00, 20.00; Das perfekte Geheimnis 14.00,

17.00, 20.00; Everest 14.15; Invisible Sue 14.30;

Die Addams Family 14.30; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.30; Angry Birds 214.30; Terminator

–Dark Fate 16.45, 19.45; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.45, 19.40; Ich war noch

niemals inNew York 16.45; Dem Horizont so nah

16.45; 3D: Die Addams Family 17.00; Dora und

die goldene Stadt 17.15;Gemini Man19.45; Scary

Stories toTell in the Dark 20.00; Ballett aus dem

Royal Opera House London: Concerto /Enigma-Variationen

/Raimonda 20.15; Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Betongold –Wie die Finanzkrise

in mein Wohnzimmer kam (m. Gast u. Gespräch)

19.00; Zwingli –Der Reformator 21.00; DasKapital

im 21.Jahrhundert–Capital in the Twenty-First Century

(OmU) 17.45; Ein Licht zwischen den Wolken

–Streha mes reve (OmU) 19.45; Systemsprenger

(OmenglU) 21.30

Babylon (✆ 242 5969) Korea Independent: I-tami

Jun-ui Ba-da –The Sea ofItami Jun (OmenglU)

17.15; Salmas Geheimnis –Dia de muertos

(OmU) 18.00; Alpgeister –Mythen und Mysterien

der Bayerischen Alpen 18.00; Grenzgebiet (OmenglU)

19.30; Korea Independent: Uri Jigeum Manna

–Let Us Meet Now(OmenglU) 20.00;Gundermann

21.45; Downton Abbey (OmU) 21.45; Systemsprenger

(OmenglU) 22.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Kinderfilm

des Monats: Unheimlich perfekte Freunde

10.00; Joker (OmU) 12.15, 14.45, 17.15, 20.00,

22.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 13.15;

Invisible Sue 15.00; Cleo (OmenglU) 18.30; Joker

(OmU) 21.15

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 0200) Die Addams

Family 11.00, 13.20, 18.00; Das perfekte

Geheimnis 11.00, 14.00, 17.00, 20.00, 23.00;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 11.10, 15.40; Der

König der Löwen 11.10; Angry Birds 211.15; Everest

11.20, 13.50; Dora und die goldene Stadt

11.40, 14.20; Maleficent: Mächte der Finsternis

11.45, 13.45, 16.45; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

11.50, 14.00; Joker 13.30, 16.30,

19.30, 23.10; Ich war noch niemals in New York

14.10, 16.20, 19.30; Terminator–Dark Fate 14.45,

17.00, 19.45, 22.45; AdAstra –Zuden Sternen

16.20; Downton Abbey 17.20; Scary Stories toTell

in the Dark 17.45, 20.30, 23.15; Joker (OF) 19.30;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 20.10; Halloween

Haunt 20.20, 22.50; Dem Horizont so nah

20.20; EsII22.30; Once Upon aTime in... Hollywood

22.40; 7.Kogustaki Mucize –Das Wunder in

Zelle Sieben (OmU) 23.10; Rambo 5: Last Blood

23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU)14.15; Nurejew(OmU) 16.15; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.00; Joker (OmU) 21.30;

Weitermachen Sanssouci (DFmenglU) 15.00,

22.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait

de la jeune fille en feu(OmU)17.00, 19.30;M.

C. Escher: Reise in die Unendlichkeit (OmU) 15.00;

Brittany Runs aMarathon (OmU) 17.00; Parasite

(OmU) 19.15, 22.00; Deutschstunde 14.30; Joker

(OmU) 17.00, 19.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.15; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 14.00; Parasite (OmenglU)

16.15; Food Coop (OmU; m.Gästen u. Gespräch)

20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Invasion 1897

(OmenglU) 19.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Maleficent: Mächte der Finsternis 11.00, 14.20; Joker

14.05, 17.10, 19.30; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.00, 19.45; Die Addams Family 14.20;

Angry Birds 214.20; Invisible Sue 14.30; Everest

14.30; Dora und die goldene Stadt 14.30, 17.00;

Bayala –Das magische Elfenabenteuer 14.50; 7.

Kogustaki Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben

(OmU) 16.40,19.45;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 16.55,

20.10; Gemini Man 17.00; Cinayet Süsü 17.00,

19.50; Terminator –Dark Fate 17.05, 19.50; 3D:

DieAddams Family 17.10; Halloween Haunt 19.40;

Joker (OF) 20.00; Scary Stories toTell in the Dark

20.05

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Systemsprenger 10.00,

16.50; Joker(OmU) 12.15,21.30;Diego Maradona

(OmenglU) 14.30; Parasite (OmenglU) 19.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Porträt einer jungen

Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille enfeu

(OmU) 16.20; Joker (OF) 19.00; Parasite (OmenglU)

21.45

Passage (✆ 68 23 70 18) Joker (OmU) 17.15,

20.00, 21.20; Sneak Preview 22.30; Das perfekte

Geheimnis 14.30, 17.15, 20.00, 22.40; Systemsprenger

14.30, 18.40

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite (OmenglU)

17.30, 20.30; Joker (OF) 17.00, 19.45, 22.30;

Porträt einer jungen Frau in Flammen–Portraitdela

jeune fille enfeu (OmenglU) 16.40, 19.20, 22.00;

M. C. Escher: Reise indie Unendlichkeit –Escher:

Het oneindige zoeken –Journey Into Infinity (OF)

16.40; Porträt einer jungen Frau inFlammen –Portrait

de la jeune fille en feu (OmU) 18.40, 21.20;

Parasite (OmU) 16.10, 19.00, 21.50

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Dora und die goldene Stadt 14.00; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Dem Horizont so

nah 14.15; Die Addams Family 14.25; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 15.00; Terminator –Dark Fate

16.30, 19.30; Joker 16.50, 19.40; Ich war noch

niemals inNew York 17.10, 19.50; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.15, 20.15; 3D: Die Addams

Family 17.30; Ballett aus dem Royal Opera

House London: Concerto /Enigma-Variationen /

Raimonda 20.15

Wolf (✆ 921 039333) Baby Wolfgang präsentiert:

Parasite (OmU) 11.00; Die Insel der hungrigen

Geister –Island of the Hungry Ghosts (OmU)

12.10; Djon Africa (OmU) 14.00; Weitermachen

Sanssouci (OmenglU) 14.20; Der kleine Maulwurf

(1963-1975) 16.00; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en

feu (OmU) 16.10, 21.00;Tonari noTotoro –Mein

Nachbar Totoro 17.20; Campo (OmU; m. Gast u.

Gespräch) 19.00; Bait (OmU) 19.10; Parasite

(OmU) 21.30


Berliner Zeitung · N ummer 257 · 5 . b is 5. November 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

viel Zentralinformatives und gewinnbringend

Seitdiskursives bis zu

ein paar Bastian-Sick-artigen Verwerfungen

des Kritikerjargons:

„Frontmann/Frontfrau“, „Scheibe“

oder „Kult“, aber auch „wundervoll,

fabelhaft, toll, brillant“ gehen gar

nicht. Da muss ich sein Buch eben

hübsch und unterhaltsam finden.

Ziemlich brillant erscheint mir

wiederum die Arbeit des norwegischen

Hubro-Labels. Eshat in den

zehn Jahren seit Gründung ein eigenes

Profil, wenn nicht gar eine eigene

Ästhetik gefunden, die neben

jenen der norwegischen ECM-Jazzer

und der Elektrofusion des experimentellen

Rune Grammophon bestehen

kann. Wie diese lässt sie sich

nicht von Genres fassen, aber grob

handelt es sich um Verbindungen

von(norwegischen) Folktraditionen,

Jazz und elektronischer, auch rockbeeinflusster

Musik auf der Basis von

Improvisation ebenso wie Komposition.

Aberanders als in diesem freien

Bereich oft üblich, fügen die Bands

ihre ausufernden Klangmalereien

per Edit zu strukturell und melodisch

leichter zu erschließenden

Songs zusammen.

POP

Maik Brüggemeyer: Lesung am 5. 11.,

19.30 Uhr,Maschinenhaus/Kulturfabrik,

Schönhauser Allee 36

10 Jahre Hubro: 5. 11., 19 Uhr,Austerclub,Pücklerstr.34

Mannequin Pussy: 6. 11., 20 Uhr,Berghain

Kantine, Am Wriezener Bahnhof

Kurtis Blow: 10. 11., 20 Uhr,Humboldthain

Club,Hochstr.46

JOSH BRASTED/WIREIMAGE

Zum Katalog gehören auch sehr

zeitgenössische Kompositionen,

aber meist hörtman kleinereFusionkapellen

wie die Trios, die das Label

für die Jubiläumstour zusammengestellt

hat: Bushman’sRevenge kommen

eher vonProgrock, spielen aber

mit Ambient, Blues, Noise verschiedenster

Herkunft. Humor haben sie

auch, ihr aktuelles Album heißt auf

deutsch „Die Oberschicht verhöhnen“;

Erlend Apneseth hat Folkgeige

studiert, baut dies aber elegant in

zeitgenössisches Kompositionstreiben

ein; Building Instrument ist ein

Vokaltrio, das einen vagen Gothfolk-

Ansatz mit ordentlich Elektronik

ätherisiertund proggig ausdehnt.

Zwei kurze Hinweise. Einen auf

die melodisch fragilen wie ins Gesicht-springend

unübersichtlichen

Neo-Punks Mannequin Pussy (Vorsicht

beim Googlen!) um Frontfrau,

also Sängerin und Gitarristin, Marisa

Dabice.Ihr fabelhaftes drittes Album

heißt „Patience“, aber Geduld klingt

hier recht kontrafaktisch. Denanderen

auf Kurtis Blow, einen der allerersten

Rapper, der 1980 mit „The

Breaks“ einen der langlebigsten Rap-

Klassiker geschaffen hat. Toll.

Pop

Stylisch

in den

Konflikt

Popkarrieren handeln immer

auch vonAufstieg und

Fall –und in der Luxus-Edition

auch von Zerfall. Die Bandgeschichte

der Libertines hat

über einen beträchtlichen

Zeitraum vonEskapaden ihres

auf Verausgabung versessenen

Sängers Pete Doherty gezehrt.

Aber so aufreizend exzessiv er

dabei auch mit dem eigenen

Körper umzugehen schien,

verblüffte Doherty bei aller

Neigung zur Selbstzerstörung

immer wieder mit der geballten

Konzentration von Talent

und künstlerischem Ausdruckswillen.

Wenn junge

Leute – etwa in dem Stück

„Time for Heroes“– zu besingen

waren, dann fiel den Libertines,

von denen vor allem

noch Gitarrist Carl Barât hervorzuheben

ist, auf, wie stylisch

es bei den „riots“ zuging.

Nach Niedergang und Band-

Auflösung haben die Libertines

nun wieder neues Material

einstudiert. HarryNutt

TheLibertines 19.30Uhr Columbiahalle,

Columbiadamm 13–21

Figurentheater Grashüpfer (✆ 53 69 51 50)

10.00: Wundersame Wurzelwelten, Theater Rafael

Zwischenraum &Tineola Theater,Multimediales

Figurentheater (ab 3J.)

Fliegendes Theater (✆ 692 21 00)

10.30: Matti Patti Bu, Fliegendes Theater,Schattentheater

(ab 3bis 6J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

10.00, 18.00: Maximilian Pfeiferling,Gastspiel

Fritz-Kirchhoff-Schauspielschule Berlin (ab 5J.)

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: Die Eichhörnchen Story, TheaterJaro, Puppenund

Schauspiel (ab3bis 8J.)

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

9.30, 11.00: DieGeschichte vomheiligen Martin

(ab 4J.)

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00: Kasper unddas Krokodil vomNil

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

10.00: Der gestiefelte Kater,Spannendes Märchenpuppenspiel

(ab 4J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Schlaf jetzt, Willi!, Theater Vagabunt, Puppenspiel

(ab 3J.)

Theater Lichterfelde (✆ 84 31 46 46)

10.00: Das ist Anton Daumesdick, Kobalt Figurentheater

(ab 2bis 7J.)

LITERATUR/VORTRAG

Backfabrik (✆ 44 03 16 11)

20.00 Clinker Lounge: Hinfallen ist keine Schande,

nur Liegenbleiben, Muriel Baumeister,Buchpräsentation

mit Muriel Baumeister &Annabelle Mandeng

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

19.00: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg: „Ultimatum

–Der Preis des Lebens“, Bernhard Kreutner

und Christianvon Ditfurth, Polit-Thriller-Abend,

Moderiertvon Diana Ebert

Buchhandlung Braun &Hassenpflug

(✆ 802 93 04) 20.00: DreiKilometer,Nadine

Schneider,Lesung und Gespräch

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

20.30: Altenbourggesehen, mit Ilse Zilch-Döpke,

Ausstellungseröffnung und Lesung

Deutsches Spionagemuseum (✆ 398 20 04 51)

19.00: Die Wende –Ein Spionageroman zum Mauerfall,

ThedyVan Goy

Dorotheenstädtische Buchhandlung Moabit

(✆ 394 30 47) 20.00: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg:

„ImWald wirst du schweigen“, Unni

Lindell, Norwegen Special, Moderation: Bernhard

Robben. Anm. erf.

exploratorium berlin (✆ 84 72 10 52)

18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur, Lesung und

Diskussion mit Reinhard Gagel. Anm.erf.

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

19.30: Hier sein. VomAnkommen, Schreiben und

Verlegen, Widad Nabi, Madjid Mohit, Joachim von

Zepelin, Aref Hamza, SherkoFatah

Helene-Nathan-Bibliothek (✆ 902 39 43 42)

18.00: LEA Leseklub

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.30: Pop–eine Gebrauchsanweisung,Maik Brüggemeyer,

Mod: Birgit Fuß (Rolling Stone)

Kulturbrauerei/Palais (✆ 405 04 73 10)

19.00: Ai Weiwei „Manifest ohneGrenzen“, Buchvorstellung

&moderiertes Gespräch mit Ai Weiwei,

Markus Löning,Moderation: Gisela Mahlmann

.Anm. erf.

Kulturhaus Karlshorst (✆ 475 94 06 10)

19.00: Buchpremieren: „Lenin –Hitler –Ulbricht.

VonHunde-, Wander- und anderen Führern“ und

„Winterblues“, Dr.Lutz Saltner,Dr. Heidrun Fritzsche,

Lesungen, Mod.: Dr.Martin A. Völker

Landesvertretung Sachsen-Anhalt (✆ 24 34 58 -0)

19.00: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg: „Im

Schatten der Hexen“, Kathrin R. Hotowetz. Anm. erf.

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: Über die Lippen,AlbertOstermaier,Buchvorstellung,Lesung

und Gespräch mit AlbertOstermaier

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen

1945 -1955, Harald Jähner,Buchvorstellung und

Gespräch Mod.: Erhard Schütz

Paasburg’sWeinAusLeidenschaft (✆ -61 10 18 38)

19.00: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg:

„Hinterhalt“, Øistein Borge, Norwegen Special, Mod.:

Patricia Holland Moritz

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: LSD–Liebe Statt Drogen

Tucholsky-Buchhandlung (✆ 27 57 76 63)

19.30: Buchpremiere: „Das Licht vergangener Tage“,

Nicoletta Kiss

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.15: Schutzzone, Nora Bossong,Lesung und

Gespräch, Moderation: Britta Gansebohm

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: Elias Stemeseder (Solo-Piano), Aly Keita&

The Magic Balafon, JAB105 –Jazz aus Berlin

Aufsturz (✆ 28 04 74 07)

20.00: Aufsturz Jam –Freebop /NoStandards, Ltg.

Willi Kellers, Jazzkeller 69

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Reggie Moore Jazz Trio, Cookin’ with Jazz

Cafe Tasso (✆ 48 62 47 08)

20.00: Subsystem

Columbiahalle (✆ 69 81 75 86)

19.30: The Libertines, Gabi Garbutt &The Illuminates,

The DSM IV,Purest

Festsaal Kreuzberg (✆ 551 50 65 87)

20.00: P.O.D, Alien Ant Farm,special guest:Dead

Girls Academy

Gethsemanekirche (✆ 44 71 55 68)

20.00: Patti Smith &TonyShanahan

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

20.00: Alyona Alyona, support: Yetundey&Stella

Zekri

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

20.00: Songslam –Der Sängerwettstreit im Heimathafen

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Why? +World Brain

Metropol (Nollendorfpl. 5)

20.00: Blood Red Shoes, Queen Kwong

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: TheBlue Stones

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

SO36 (✆ 61 40 13 06)

20.00: Frank Carter &The Rattlesnakes, Kid Kapichi

VertiMusic Hall (✆ 20 60 70 88 11)

20.00: Celtic Women, Ancient Land

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: The Zig ZagJazzed Up Jam Session,host: Uri

Gincel

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

19.30: Alittle Soiree

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Endless Lable Night, Luca Olivotto,Akali Akali

SuicideClub (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

23.00 Roter Salon: Interfilm 35 –Festival Opening Party

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Systemsprenger

15.00; Parasite 17.40, 20.30; Everest

15.00; Ich war noch niemals in New York 17.15,

20.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Das perfekte

Geheimnis 15.30, 17.45, 20.30; Parasite

14.20, 17.10, 20.00; Parasite (OmU) 20.50; Systemsprenger

14.40, 18.10; Joker (OmU) 18.00,

20.45; Porträt einerjungen Frau in Flammen15.20,

17.20, 20.00

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.45, 17.10,

20.10; Systemsprenger 13.50, 22.00; Joker (OmU)

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Das perfekte Geheimnis

14.00, 16.50, 19.45, 22.40; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.15; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.15, 16.45; Deutschstunde

14.20, 19.15; Invisible Sue 14.45; Parasite 16.30,

19.30; Der Glanz der Unsichtbaren 16.30; Porträt

einer jungen Frau in Flammen 16.40, 19.30; Nurejew

17.15;Ich war noch niemals in NewYork19.00;

Sneak Preview (OF) 20.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 22.15; Porträt einer jungen Frau

in Flammen (OmU) 22.30; Parasite (OmU) 22.40;

Lieber Antoine als gar keinen Ärger (OmU) 22.45;

Ad Astra –Zuden Sternen (OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Der seltsame Klang des

Glücks 19.00; Vulkan –Volcano (OmU) 20.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79)Lebeschon lange

hier 17.00; Born inEvin –Alles über Evin (OmU)

18.30; Parasite (OmenglU) 20.15; Weitermachen

Sanssouci 22.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.15; Das perfekte

Geheimnis 14.15, 17.15, 20.15, 23.00;

Joker 14.20, 16.50, 19.50, 22.55; Dora und die

goldene Stadt 14.20, 16.45; Die Addams Family

14.20, 17.00; Angry Birds 214.30; Der König der

Löwen 14.35, 17.15; Everest 14.45; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 14.50; Ichwar noch niemals in NewYork

16.35,19.45; Terminator –DarkFate16.55, 19.35,

22.55; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.05, 19.55, 22.55; Dem Horizont sonah 17.20;

Systemsprenger 19.25; Downton Abbey19.55;Halloween

Haunt 20.00, 22.30; Scary Stories to Tell

in the Dark 20.05; Ballett aus dem Royal Opera

House London: Concerto /Enigma-Variationen /

Raimonda 20.15; EsII22.20; Midsommar 22.40;

3D: Gemini Man 22.45

Zeiss-Großplanetarium (✆ 42 18 45 12)Interfilm-

Kurzfilmfestival (Reality Bites) 19.30

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Deutschstunde 14.45; Lieber Antoine alsgar keinen

Ärger 17.35, 20.15

Cosima (✆ 85 07 58 02)Nurejew18.00;Deutschstunde

20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

15.00,17.45,20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Spatzenkino –Hüben wie

drüben10.00; Porträt einerjungen FrauinFlammen

17.30; Porträt einer jungen Frau inFlammen –Portrait

de la jeune fille en feu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.15; Everest

10.00; Die Addams Family 10.00, 12.00, 14.30;

Angry Birds 210.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

12.00, 14.50; Maleficent: Mächte

der Finsternis 12.10, 14.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 12.15; Das perfekte Geheimnis

14.00, 16.45, 19.50; Terminator –Dark Fate

16.45, 19.45; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.50, 20.15; Ichwar noch niemals in NewYork

17.00, 19.55; Joker 17.20, 19.30

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Und der Zukunft zugewandt 13.00; Downton Abbey

15.15; Systemsprenger 17.45; Deutschstunde

20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.00, 17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.05; Maleficent:

Mächte der Finsternis 10.00, 12.15, 14.25;

Everest 10.00, 12.00; Dora und die goldene Stadt

10.00, 12.10, 14.20; Die Addams Family 10.00,

12.05, 14.20; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

10.00, 12.35, 15.00; Angry Birds 210.00,

12.10, 14.40; Joker 14.20, 17.10, 19.50, 22.30;

Das perfekte Geheimnis 14.30, 16.35, 17.20,

19.30, 20.05, 23.00; 3D: Die Addams Family

17.00; Terminator–DarkFate17.10, 20.05, 23.00;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.15; Gemini

Man 17.20, 23.00; Downton Abbey 20.05;

Halloween Haunt 20.10, 23.00; Ballett aus dem

Royal Opera House London: Concerto /Enigma-

Variationen /Raimonda 20.15; Es II 22.40

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.30, 18.00, 20.30; Das

perfekte Geheimnis 15.30, 18.00, 20.30; Everest

15.45; Die Addams Family 15.45;Terminator–Dark

Fate 17.45, 20.30; DowntonAbbey 18.00, 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Rithy Pahn: L‘image

manquante –Das fehlendeBild:The Missing Picture

(OmenglU) 20.00; Magical History Tour: Ich denke

oft anHawaii –Ein Film für jedes Wohnzimmer

19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Das perfekte Geheimnis 12.40, 14.50, 15.50,

18.00, 19.00, 21.15, 22.10, 22.50; Terminator

– Dark Fate 13.00, 17.00, 19.45, 23.00; Joker

13.00, 13.30, 16.10, 16.40, 19.20, 19.50, 22.30;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 13.10;

Ich war noch niemals in New York 13.20, 16.10,

19.20; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 13.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.30, 16.30,

19.30, 22.30; Dora und die goldene Stadt 13.30,

17.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

13.30; Pets II 13.40; Maleficent: Mächte der Finsternis

13.40, 17.00; Die Addams Family 13.50;Angry

Birds 213.50; Playmobil 14.00; Der König der

Löwen 14.00, 16.40, 19.20; Invisible Sue 14.10;

Es II 16.00, 20.15, 22.20; Everest 16.10; Downton

Abbey 16.10, 19.15; Good Boys 16.15; Parasite

16.30, 19.20, 22.50; Gemini Man 16.40, 19.40,

23.00; 3D: Die Addams Family 16.40; Scary Stories

toTell in the Dark 17.00, 20.10, 23.00; Halloween

Haunt 17.00, 19.30, 22.10; Systemsprenger

19.00; Dem Horizont so nah 19.45; Yesterday

19.50; Gut gegen Nordwind 19.50; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.10, 22.20; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 22.15; Midsommar 22.30; Ad Astra

–Zuden Sternen 22.50; 47 Meters Down: Uncaged

23.00

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Maleficent: Mächte der Finsternis (OF) 13.30,

17.15, 22.15; Joker (OF) 13.30, 16.30, 19.30,

20.45, 22.45; Terminator –Dark Fate (OF) 13.40,

16.50,20.00, 23.10; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

(OF) 13.40; Die Addams Family (OF) 14.10, 16.30;

Der König der Löwen (OF) 14.10; Dora und die goldeneStadt

(OF)14.30; Downton Abbey(OF)16.00;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis (OF) 16.20,

19.20; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

17.00, 19.00; Parasite (OmenglU) 19.00, 22.50;

Scary Stories to Tell in the Dark (OF) 20.15,23.00;

Ad Astra –Zuden Sternen (OF) 22.20

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 0200) 3D: Galapagos:

Rätsel der verlorenen Welt 11.45; Terminator

–Dark Fate (OF) 13.00, 19.15, 22.30; Terminator

–Dark Fate 16.10

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Midsommar

(OmU) 17.30; Parasite (OmU) 20.00; Nevrland

(OF) 22.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Die Addams Family 14.00,

16.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; Dora und die goldene Stadt 14.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 15.00, 17.30,

20.30; Das perfekte Geheimnis 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Ich war noch niemals inNew York

16.00, 20.45;Terminator –Dark Fate 17.00, 20.00,

22.30; Joker 18.00, 20.00, 22.30; Halloween

Haunt 19.00,22.45

Casablanca (✆ 677 57 52) M.C.Escher: Reise

in die Unendlichkeit 16.15; Deutschstunde 18.00;

Leberkäsjunkie 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

Terminator –Dark Fate 14.00, 16.45, 20.00; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.10, 17.00; Joker

14.15, 17.15, 20.15; Dora und die goldene Stadt

14.15; Die Addams Family 14.20, 17.10; Bayala –

Das magische Elfenabenteuer 14.20; Angry Birds 2

14.30; Everest 14.40; Ad Astra –Zuden Sternen

16.40; Ich war noch niemals inNew York 16.50,

19.30; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 17.10; Scary

Stories toTell inthe Dark 17.15, 20.00; Once Upon

aTime in... Hollywood 19.30; 7. Kogustaki Mucize

–Das Wunder inZelle Sieben (OmU) 19.35; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 19.50; Halloween

Haunt 20.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Die

Addams Family 14.15; Bayala – Das magische

Elfenabenteuer 14.15; Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.20; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.20; Everest 14.30; Dora und die

goldene Stadt 14.30; Das perfekte Geheimnis

14.30, 16.35, 20.00; Cinayet Süsü 16.30, 19.30;

7. Kogustaki Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben

(OmU) 16.45,19.30; Terminator–Dark Fate 17.00,

20.00; Joker 17.10, 20.00; 3D: Die Addams Family

17.10; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.15, 19.40; Joker (OF) 19.45

City KinoWedding (✆ 01 77/270 19 76)30Jahre

Mauerfall: Good Bye, Lenin!(OmfrzU) 19.00;Sneak

Preview (OF) 21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) InEx. Filmfestival:

Aaltra (OmU) 19.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

9.30; Ich war noch niemals in

New York 12.45; Das perfekte Geheimnis 15.30,

18.00, 20.30; Das perfekte Geheimnis 10.00,

12.30; Invisible Sue 15.00; Ich war noch niemals

in NewYork 17.15,20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) M.C.Escher:

Reise in die Unendlichkeit 16.00; Systemsprenger

18.00; Der Glanz der Unsichtbaren 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Gelobt sei Gott

15.00; Nurejew 17.45; Downton Abbey 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Verteidiger des Glaubens

18.00; Zwingli –Der Reformator 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Parasite 14.50, 20.30;

Nurejew 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Lebenszeichen

(mit Vorfilm u. Einführung) 17.00; Film

und Diskussion (mit Einführung) 19.30

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Das perfekte

Geheimnis 10.30, 15.45, 18.15, 20.45;

Verteidiger des Glaubens 13.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.45; Deutschstunde 13.45;

Wenn wir erst tanzen 14.30; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 15.45; Porträt einer jungen Frau in

Flammen 16.15, 21.00; Invisible Sue 16.30; Parasite

17.45, 20.30; Der Glanz der Unsichtbaren

18.30; Der zweite Anschlag (m. Gästen) 19.00;

Systemsprenger 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Ich

war noch niemals in NewYork 13.40, 16.40, 19.50;

Everest 13.50, 17.10; Angry Birds 213.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.55, 16.45; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 14.10; Die Addams Family

14.10; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.20; Terminator –Dark Fate 16.30, 19.45; Der

König der Löwen 16.50; Joker 16.55, 20.15; 3D:

DieAddamsFamily17.15; GeminiMan 19.35; Dem

Horizont so nah 19.40; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 19.50; Ballett aus dem Royal Opera

House London: Concerto /Enigma-Variationen /

Raimonda 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis 17.15,

20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Der Glanz der Unsichtbaren 17.15; Nurejew 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.30; Gut gegen Nordwind

14.30; Everest 14.30; Dora und die goldene Stadt

14.30; Ich war noch niemals in New York 14.45,

17.00, 20.00; Die Addams Family 14.45, 17.30;

Angry Birds 214.45; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.50, 17.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

15.00, 17.20; Joker 17.00, 20.00;

Dem Horizont so nah 17.00; Terminator –Dark Fate

17.15, 20.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.30, 19.45; Scary Stories to Tell in the Dark

17.45,20.15; Es II 19.40; 3D: Gemini Man 19.45;

Halloween Haunt 20.15; Angel Has Fallen 20.15

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Das perfekte

Geheimnis 15.00, 17.45, 20.30; Die Addams Family

15.30; Downton Abbey 17.45; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.45; Der Distelfink 20.30;

Terminator –Dark Fate 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Die Addams Family 16.10; Maleficent: Mächte der

Finsternis 17.04, 19.34; Das perfekte Geheimnis

17.24, 19.54, 22.34, 0.00; Ich war noch niemals

in New York 17.39, 20.09; 3D: Die Addams Family

17.55; Joker 20.22, 0.00; Das zweite Leben des

Monsieur Alain 22.40; The Big Lebowski 22.45;Terminator

–Dark Fate 22.54, 0.00; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 0.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

0.00; Justice –Verstrickt imNetz der Macht

0.00; Everest 0.00; Dora und die goldene Stadt

0.00; Der König der Löwen 0.00; Bruce Springsteen:

Western Stars 0.00;Angry Birds 20.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Dem Horizont so nah 17.00; Joker 19.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 15.00; Everest 15.45; Ich war

noch niemals in New York 17.00; Joker 18.00,

20.00; Systemsprenger 20.30

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Downton

Abbey 16.00; Der Glanz der Unsichtbaren

18.15; Zwischen uns die Mauer 20.15

Weltspiegel Kino Finsterwalde (✆ 035 31/22 11)

Ich war noch niemals in New York 17.15, 20.00;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

17.30; Joker 20.00


24 * Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Cyber-Angriffe auf

deutsche Unternehmen

CHAT

„Mein Tag

beginnt mit

Nachrichten“

Kurze Fragen, schnelle Antworten:

Im Chat kommen Menschen

zu Wort, die sich beruflich in

der digitalen Welt bewegen: Axel

Schmiegelowist erfahrener Gründer

und Serial Entrepreneur in den Bereichen

Social Media, E-Commerce

und Touristik. Seit 2012 konzentriert

er sich im Wesentlichen auf den digitalen

Reiseveranstalter itravel.

Womit beginnt morgens Ihr Einstieg

in die digitale Welt?

Mein Tagbeginnt mit Nachrichtencheck

bei CNN und BBC-News,

dann Facebook. Ich habe über Jahre

meinen Newsfeed so trainiert, dass

ich vor allem Posts von Fachmedien

wie National Geographic, Smithsonian,

dem Economist, Phys.org und

anderen bekomme. Für das Thema

Reise checke ich Instagram und unser

firmeninternes Tool Slack. So bin

ich über das Tagesgeschehen informiert,

bevor ich überhaupt das Büro

erreicht habe.Das ist in unserem Geschäft

sehr wichtig.

Ohne welche App könnten Sie nicht

leben?

Oh,ich sollte ohne jede Appleben

können. Die meisten Anwendungen

unterliegen ja einem permanenten

Wandel, und ich will flexibel bleiben.

Was geht gar nicht in der digitalen

Welt, was verurteilen Sie?

Das Problem der propagandistischen

Verbreitung von unwahren

Nachrichten und deren Eskalation

bei bestimmten Bevölkerungsgruppen

ist noch nicht gelöst. Noch haben

wir keine echte Alternative für

die Filterfunktion gefunden, die früher

von etablierten Medienhäusern

und Journalisten übernommen

wurde. Inder Theorie sind digitale

Nutzer mündig und bilden sich nach

Abwägung frei zugänglicher Information

eine eigene, souveräne Meinung.

In der Praxis verbreiten sich

leider schädliche und verlogene Inhalte

schneller und nachhaltiger als

die sachlich-objektive Richtigstellung.

Welchen Science-Fiction-Film haben

Sienicht nur einmal gesehen?

Das war auf jeden Fall „Interstellar“

(2014) vonRegisseur Christopher

Nolan. Natürlich auch Kubricks„2001

Odyssee im Weltraum“ und die guten

„Star Wars“- und „Star Trek“-Filme.

Undsicher waren auch ein paar etwas

peinliche Filme dabei.

Es gibt Menschen, die behaupten,

Computer sind nur erfunden worden,

damit gespielt werden kann.

Spielen Sieauch?

Zum Spielen fehlt mir meist die

Zeit. Aber ich empfehle jedem, sich

damit zu beschäftigen. Es ist immer

wieder faszinierend, wie die virtuelle

Welt eigene Realitäten schafft.

Fällt es Ihnen schwer, amAbend abzuschalten?

In der Familie haben wir die Absprache

getroffen, Digitalgeräte

abends wegzulegen und uns auf die

Interaktion miteinander oder auf

Bücher zu konzentrieren. Denn

Screens haben suchtauslösende

Merkmale, deren man sich bewusst

sein muss.

Axel Schmiegelow legt bei

seinen Projekten Wert auf

Nachhaltigkeit.

Querschnitt durch ein Seekabel, wie es Tausende Kilometer lang in den Ozeanen verlegt wird.

VonAdrian Lobe

Wenn man sich das Internet

als einen Ort

vorstellen müsste,

dann stünde im Zentrum

eine mit Werbung zugekleisterte

Auskunftei (Google), ein Blockbuster-Kino

(YouTube), eine Shopping-Mall

(Amazon) sowie einige

Erotikmärkte. Die Geschäfte in der

Peripherie werden dagegen kaum

frequentiert. Laut dem Analytics-

Dienst Similar Web ist Google.com

die meistbesuchte Webseite des Internets,

gefolgt von YouTube, Facebook,

Amazon und Yahoo. Auf den

Plätzen sechs bis acht folgen die Pornoseiten

pornhub.com, xnxx.com

und xvideos.com.

Ein6600 Kilometer langes Kabel

Um die Besucherströme in der virtuellen

Stadt schnell und ohne Hindernisse

zu kanalisieren, bauen Tech-

Konzerne Internetleitungen rund

um den Globus. Google legt derzeit

in Kooperation mit dem französischen

Telekommunikationsanbieter

Orange ein Seekabel durch den Atlantik.

Die 6600 Kilometer lange

Glasfaserleitung, die den US-Bundesstaat

Virginia mit der französischen

Atlantikküste verbindet, soll

bei ihrer Fertigstellung Daten mit einer

Geschwindigkeit von250 Terabit

pro Sekunde transferieren –schnell

genug, um alle drei Sekunden den

gesamten Inhalt der Library ofCongress

über den großen Teich zu senden.

Berlin bleibt Spitzenreiter

Die Zahlen des Start-up-Bundesverbandes zeigen, dass die Hauptstadt weiterhin das Zentrum für junge Unternehmen ist

VonJörg Hunke

Die Cloud liegt im Ozean

IT-Konzerne wie Amazon, Microsoft und Facebook investieren in eigene Seekabel

SEEKABEL SIND EIN SENSIBLES THEMA

Google hat in den vergangenen

Jahren zahlreiche Seekabel in den

Weltmeeren verlegt. In diesem Jahr

wird das Curie-Kabel ans Netz gehen,

das mehr als 10 000 Kilometer

durch den Pazifik verläuft und den

Knotenpunkt Los Angeles mit dem

chilenischen Valparaíso verbindet.

In Chile betreibt Google eines seiner

größten Rechenzentren. Experten

schätzen, dass das Prestigeprojekt

im Pazifik 350 Millionen Dollar kosten

wird (offizielle Zahlen nennt

Google nicht).

Der Tech-Konzern benötigt

schnelle Datenverbindungen, um

seine Karten-, Cloud- und E-Mail-

Dienste abzuwickeln. Pro Minute

werden 400 Stunden Videomaterial

auf YouTube hochgeladen. Der Bedarf

anBandbreite steigt rapide. Bis

2021 wird das globale Datenvolumen

durch Technologien wie 5G

Berlin hat seine Spitzenposition

im Bereich der Start-ups auch im

vergangenen Jahr bestätigt. Dasgeht

aus den Zahlen hervor, die der Startup-Bundesverband

gestern in seinem

jährlichen Monitor vorgestellt

hat. Dabei konnte die Hauptstadt ihren

Anteil im Bundesvergleich um

0,3 Prozent auf 16,1 Prozent steigern.

„Der Start-up-Monitor bestätigt die

herausragende Stellung Berlins als

zentrales Start-up-Ökosystem

Deutschlands“, freute sich Berlins

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop

im einem Statement für die Berliner

Zeitung.

Wasdie Zahlen auch deutlich machen:

Keine andereder ambitionierten

Großstädte in Deutschland erreicht

auch nur ansatzweise die

Nähe von Berlin. München kommt

auf 7,4 Prozent, München auf 6,9

Prozent. Wasdie Zahlen auch belegen:

Die Start-ups fühlen sich wohl

in Berlin. 74,1 Prozent der befragten

Berliner Unternehmen bezeichneten

das sogenannte Öko-System,

also die Rahmenbedingungen, als

gut oder sehr gut. Nurbei der Förderung

durch den Senat sind die Startups

in Berlin nach wie vor nicht so

ganz zufrieden, der Wert verbesserte

sich minimal um 0,1Prozent auf 3,6,

also in Schulnoten eher ausreichend

als befriedigend.

Der Bau vonSeekabeln ist

eine ingenieurtechnische

Herausforderung.Die tonnenschweren

Kabel sind

Glasfaser-Paare, die in einem

Kupferrohr liegen, das

wiederum mit Stahl und

mehreren Kunststoffschichten

ummantelt ist. Sie werden

auf dem Meeresboden

verlegt. Große Kabelschiffe

können bis zu 6400 Kilometer

Kabelmaterial transportieren.

Entlang der Route

wird der Untergrund mit speziellen

Röntgen- und Radargeräten

auf Unebenheiten

gescannt. In Küstennähe, wo

das Schadensrisikodurch

ankernde Schiffe oder

Schleppnetze größer ist, werden

die Kabel in den Meeressand

vergraben. Die NATO

hatverstärkt Spionageangriffe

russischer U-Boote

registriert, die Daten von

Seekabeln abgreifen.

oder das Internet der Dinge auf 3,3

Zettabyte anschwellen. Dafür

braucht es robuste und vor allem sichere

Verbindungen. Seekabel sind

die Arterien der Digitalwirtschaft.

Mit beinahe Lichtgeschwindigkeit

rasen die Daten durch Glasfaserleitungen.

Unterbrechungen beim Datenverkehr

kann sich kein Unternehmen

leisten.

IT-Konzerne wie Amazon, Microsoft

und Facebook investieren daher

massiv in eigene Kabel. Facebook,

Google und Microsoft haben in einem

Joint Venture mit dem spanischen

Telekommunikationskonzern

Telxius 2017 ein 6400 Kilometer langes

Transatlantikkabel fertiggestellt.

Dasneue Kabel Marea, das zwischen

den Landungspunkten Virginia

Beach und Bilbao verläuft, soll den

Datenverkehr besser gegen Naturkatastrophen

schützen. Beim Hurrikan

ups.„Die Szene ist für Berlin ein bedeutender

Wirtschaftsfaktor, deshalb

nehme ich die Förderung sehr

ernst. Ichwürde mir vonder Bundesregierung

wünschen, dass sie ebenfalls

das Tempo im Bereich Digitalisierung

deutlich erhöht. Die nationalen

Rahmenbedingungen für

Gründerinnen und Gründer müssen

verbessertund überfällige politische

Grundsatzentscheidungen getroffen

werden.“ Sie nannte die Bereiche

Energie und Verkehr.

Wasdie junge Branche aber weiterhin

nachdenklich stimmen sollte,

sind die Zahlen zu den weiblichen

Gründern. Nach wie vor wird die

Szene von Männern geprägt. Die

Auswertung der Zahlen ergab, dass

über zwei Drittel der Unternehmen

Sandy waren 2012 Rechenzentren

überflutet worden, in zahlreichen

Serverzentren fiel der Strom aus, die

Leitungen brachen zusammen. Das

soll sich nicht wiederholen.

VW will Cloud für 122 Fabriken

DPA

Facebook hat in zahlreiche Unterseekabel

im Pazifik und Atlantik investiert,auchMicrosoft

ist Teileigentümer

mehrerer Kabel. Amazon hat

sich derweil mit Facebook und dem

japanischen Telekommunikationskonzern

Softbank zusammengetan,

um ein 14 000 Kilometer langes

Transpazifikkabel zu errichten. Der

Online-Riese verdient sein Geld vor

allem mit der Cloud-Sparte AWS

(Amazon WebServices). VorMonaten

haben die Amazon-Tochter und

VW eine Kooperation geschlossen:

Der Autobauer will seine weltweit

122 Fabriken in einer Cloud vernetzen.

Die Daten müssen möglichst

schnell geschickt werden.

Die Tech-Giganten beherrschen

die Weltmeere –zumindest was den

Datenverkehr betrifft. Nach Angaben

der Analysefirma TeleGeography

besitzen oder leasen Content-

Provider wie Microsoft, Google, Facebook

oder Amazon mittlerweile

mehr als die Hälfte der unterseeischen

Bandbreite. „Die Leute denken,

dass die Daten in der Cloud

sind“, sagte der Google-Ingenieur

Jayne Stowell der New York Times.

„Aber das stimmt nicht. Sie sind im

Ozean.“ Dass die Arterien ungeschützt

am Meeresgrund liegen, ist

ein geopolitisches Risiko.

Wirtschaftssenatorin Pop

wünschte in dem Zusammenhang

Unterstützung für die jungen Startausschließlich

von Männern gegründet

wurden (68,9 Prozent). Zwar

steigt die Zahl der Gründerinnen seit

fünf Jahren konstant an, aber auf

niedrigerem Niveau.

Wasbei der Befragung in diesem

Jahr auch deutlich geworden ist: Die

jungen Gründer sind in der Regel

Optimisten. „Während in vielen

Branchen die Sorgen voreiner Wirtschaftskrise

zunehmen, sehen

Start-ups weiterhin gute Marktchancen.

Ein Erfolgsrezept der

Gründer: Sie setzen in ihren Geschäftsmodellen

konsequent auf

Zukunftsthemen wie Digitalisierung

und Nachhaltigkeit“, kommentierte

Franziska Teubert, Geschäftsführerin

des Start-up-Bundesverbandes

die Zahlen.

Mehr als jedes zehnte Unternehmen

in Deutschland war einer Umfrage

zufolge in den vergangenen zwölf

Monaten Opfer eines Cyber-Angriffs.

Beirund zwei Prozent der Befragten

war das in dem Zeitraum sogar

mehrfach der Fall, wie aus einer am

Montag in Berlin vorgestellten Untersuchung

des TÜV-Verbands

(VdTÜV)hervorgeht. „Die Angriffslage

bei den großen Unternehmen

ist noch signifikant größer als bei

den kleinen“, sagte Verbandspräsident

MichaelFübi. Beirundeinem

Drittel der Angriffe habe es sich um

sogenannte Phishing-Attacken gehandelt,

bei denen etwa Kontonummern,

Passwörter oder anderesensible

Daten abgeschöpft werden. Jeder

fünfte Angriff kam in Form einer

Ransomware, die IT-Systeme lahmlegt

oder den Zugriff auf wichtige

Daten eines Unternehmens verhindertmit

dem Ziel, das Unternehmen

zu erpressen. (dpa)

WhatsApp jetzt auch per

Fingerabdruck sichern

WhatsApp lässt sich nun auch auf

Android-Smartphones mithilfe des

Fingerprint-Sensors zusätzlich absichern.

Wird das neue Featureaktiviert,

ist der Zugang zur Messenger-

Appnur möglich, wenn man sich mit

einem Fingerabdruck authentifiziert,

wie die Facebook-Tochter mitteilt.

So bleiben die eigenen Nachrichten

anderen selbst dann verborgen,

wenn das Smartphone an sich

entsperrtsein sollte.

Uber testet sein erstes

Land-Taxi in Bayern

Uber setzt weiter auf Expansion und

blickt aufs flache Land.

IMAGO

In sechs deutschen Großstädten ist

der Fahrdienstvermittler Uber bereits

unterwegs –jetzt wagt er sich zum

ersten Malauch aufs Land: In fünf

Kleinstädten östlich vonMünchen

bietet der US-Konzernnun Fahrten

zum Festpreis von5Euroan, auch in

den Nachbarort. Undnachts fahre

Uber für15Euronach München oder

zurück, kündigte Deutschlandchef

ChristophWeigler am Montag in

Kirchheim an. Nurein„Feigenblatt-

Test fürs Image“, wie der Bundesverband

Taxi kritisiert? Nein, sagteWeigler.Essei

vielmehr ein Test für ein

neues Geschäftsfeld außerhalb der

Metropolen:„Mitdem Pilotprojekt

wollen wir verstehen, wie ein On-Demand-Fahrservice

auch in weniger

dicht besiedelten Regionen (...) funktionieren

kann.“ (dpa)

Google macht sich fit

mit dem Kauf von Fitbit

Für zwei Milliarden kauft sich Google

mit Fitbit in den Marktmit

Smartwatches ein. Undverspricht,

Gesundheitsdaten der Fitbit-Kunden

nicht für Anzeigen zu nutzen.

Apple ist inzwischen wohl der führende

Verkäufer vonSmartwatches

weltweit. Konkurrent Google hat bisher

kein entsprechendes Produkt zu

bieten. DasUnternehmen beschränkte

sich darauf, Apps und mit

Wear OS ein Betriebssystem für sogenannte

Wearables zu entwickeln.

Daskönnte sich jetzt bald ändern.

Fitbit hat 28 Millionen aktiveNutzer

unddamit eine Menge an Bewegungs-

und Gesundheitsdaten. (kk)


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Familie Dr.Kleist 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Natur 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

Arztserie. Carpe Diem. In Dresden trifft

Susanne unerwartet Hannes Zoller

wieder.Nach einer gemeinsamen Nacht

bittet Hannes sie, ihn für das Wochenende

nach Berlin zu begleiten.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Arztserie. Vereint und entzweit

21.45 (für HG) Fakt

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) NDR Talk Show

0.45 (für HG) Nachtmagazin

1.05 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv–Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bachelor in Paradise

Dateshow. Männer braucht das Paradies:

Rafi und Daniel sorgen diese Woche für

frischen Wind und werden das Resort

ordentlich aufmischen. Diese Woche

vergeben die Frauen die Rosen.

22.15 Bachelor in Paradise –Der Talk

23.00 Adam sucht Eva –Promis im Paradies

Dateshow

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Bachelor in Paradise

2.20 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

MDR

15.15 (für HG) 1989 –Aufbruch ins Ungewisse

16.00 (für HG) MDR um 4 17.45 (für HG) MDR

aktuell 18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10 (für

HG) Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) MDR

aktuell 19.50 (für HG) Einfach genial 20.15 (für

HG) Umschau 21.00 (für HG) Miteinander

grenzenlos in Thüringen und Franken 21.45 (für

HG) MDR aktuell 22.05 Honeckers unheimlicher

Plan 22.48 MDR aktuell 22.50 (für HG) Polizeiruf

110: Das Duell. Krimireihe, D/DDR1990 0.05

(für HG) WaPo Bodensee

Bayern

13.30 (für HG) weiß blau 14.15 (für HG)

Hofgeschichten 14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt

15.30 (für HG) Schnittgut 16.00 (für HG)

Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern 17.30

Regionales 18.00 (für HG) Abendschau 18.30

(für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Gesundheit!

19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Tatort: Tempelräuber.Krimireihe,

D2009 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Capriccio

22.30 Einübung ins Paradies 23.15 nacht:sicht

23.45 KlickKlack 0.15 Thibaudet spielt Ravel

Vox

5.20 (für HG) CSI: NY 6.50 (für HG) CSI: Den

Täternauf der Spur 8.45 Verklag mich doch!

10.50 VoxNachrichten 10.55 Mein Kind, dein

Kind 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind

15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und

eine Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Die Höhle der Löwen 22.55 Goodbye

Deutschland! Viva Mallorca! 0.00 Vox

Nachrichten 0.20 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

8.55 PawPatrol 9.25 Die Oktonauten 9.45

Calimero 10.05 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.05 Alvinnn!!! 11.35 Go Wild!

12.05 Friends 12.25 Trolls 12.45 Polly Pocket

13.15 Tomund Jerry 13.45 Bugs Bunny&

LooneyTunes 14.15 Angelo! 14.45 Dragons

15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally

Bollywood 16.40 Die Nektons 17.10 Mighty

Mops 17.40 Angelo! 18.10 Bugs Bunny&

LooneyTunes 18.35 Woozle Goozle 19.05

Alvinnn!!! 19.45 Tomund Jerry 20.15 Snapped

23.55 Böse Mädchen 0.25 Infomercials

Sport1

5.50 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

Normal 16.00 Cajun Pawn Stars –Pfandhaus

Louisiana 16.30 StorageWars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap.

Griff ins Klo 17.00 Storage

Wars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap. Neue

Gesichter 17.30 3. LigaPur.14. Spieltag 18.15

Wetten? Was! Fußball &mehr! 18.25 Volleyball.

Bundesligader Männer.VfB Friedrichshafen –

United Volleys Frankfurt, live 20.30 Fantalk

23.15 Magenta Sport: Arena 0.15 Die PS Profis

–Mehr Poweraus dem Pott. Doku-Soap

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Todauf der Walz 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Hamburg.Tödliche Wende 19.00 (für HG) heute

19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG) Die

Rosenheim-Cops. Ein mysteriöser Blumenstrauß

20.15 (für HG) Preis der Freiheit (2/3)

Historienfilm, D2019. Januar 1988: Die

Stasi versucht, die Opposition zum

Schweigen zu bringen, und verhaftet unter

anderem viele Mitglieder der Umweltbibliothek,

darunter auch Lottes Freunde.

21.55 (für HG) heute journal

22.25 (für HG) Die Anstalt

23.10 Leschs Kosmos

Die Macht vonRitualen

23.40 (für HG) Markus Lanz

0.55 heute+

1.10 Neu im Kino

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Moderation:

Matthias Killing,Alina Merkau 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! 11.00

Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für

Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im

Einsatz 14.00 AufStreife 15.00 AufStreife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer.Die achtjährigeLara leidet unter

Symptomen einer Frühpubertät. Doch weder der

Kinderarzt noch die Gynäkologin können eine

körperliche Ursache dafür finden. 17.30 Klinik

am Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine.

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie.Kalte Wut. In einem

Krankenhaus findetein Amoklauf statt. Im

Eingangsbereich tötet der Schütze eine

Navy-Soldatin und ein Polizist wird schwer

verletzt. Der Attentäter kann fliehen.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Der Schuss ins Bein

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie.Die Schuldfrage

23.10 Focus TV –Reportage

AufStreife im Revier

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

11.55 (für HG) Nashorn, Zebra &Co. 12.45 (für

HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co.

13.55 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.25 (für

HG) Tierärztin Dr.Mertens 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) Aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Abenteuer

Erde 21.00 (für HG) Quarks 21.45 (für HG)

Aktuell 22.10 (für HG) Babylon Berlin 23.40 (für

HG) Freistatt. Drama, D2015 1.20 (für HG) Wer

seine Kinder liebt, der züchtigt sie

NDR

14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) NaturNah

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15

(für HG) Panorama 3 21.45 (für HG) NDR Info

22.00 (für HG) Polizeiruf 110: Das Duell.

Krimireihe, D/DDR 1990 23.20 (für HG)

Weltbilder 23.50 Usedom –Der freie Blick aufs

Meer 1.25 Norderney... mit Judith Rakers

Kabel eins

9.30 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.25 Navy CIS

11.15 Without aTrace 12.10 Numb3rs 13.05

(für HG) Castle 14.00 (für HG) The Mentalist

14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50 News

16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt

18.55 Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns

drum 20.15 (für HG) Die Chroniken vonNarnia

–Die Reise auf der Morgenröte. Fantasyfilm, USA

2010 22.30 (für HG) Die letzte Legion.

Abenteuerfilm, GB/I/F/TN 2007 0.25 (für HG)

Alarmstufe: Rot 2. Actionfilm, USA 1995

RTLZWEI

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 12.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 13.00 Die

Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben 14.00

Station B1 –Kinderärzte mit Herz 15.00 Die

Wache Hamburg 16.00 Die Wache Hamburg

17.00 News 17.05 Krass Schule –Die jungen

Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Hartz und herzlich 22.15 Armes

Deutschland –Stempeln oder abrackern? 0.15

Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

8.30 Judo 9.00 Legenden Hautnah 9.30 Camps

to Champs 10.00 PowerOfOne 10.30 Radsport

11.30 Radsport 12.30 Radsport 13.30 Ski

Freestyle 14.35 Snooker.World Open in Yushan.

Das Finale 16.00 Judo 16.30 Leichtathletik

17.30 Pferderennen 18.30 Springreiten 19.30

Horse Excellence 20.00 Nachrichten 20.05

Snooker.World Open in Yushan. Das Finale 21.55

Nachrichten 22.00 Ski Freestyle 23.00

Nachrichten 23.05 Motorsport 23.35 Test Drive

Magazin 23.50 Horse Excellence 0.20 Snooker

TV-Tipps

3SAT,22.25 UHR DOKUMENTATION

Die Tochter von ...

Als Micaela drei Jahrewar,wurde ihreMutter entführt. Micaelas Kindheit

war geprägt von der Suche nach ihr.Mit 19 Jahren lebt sie erstmals allein

–ohne Polizeischutz. In ihrer Heimat Argentinien gilt der Fall ihrer Mutter

Marita Verón als Politikum: eine junge Frau, die von Menschenhändlern verschleppt

wurde und bis heute verschwunden blieb.Micaela suchte von Kindheit

an nach der Mutter,angetrieben von ihrer kämpferischen Großmutter.

Wielebt man ein Leben, in dem man in erster Linie „die Tochter von“ ist?

Micaela muss ihren Wegerst noch finden. Dazu gehörtauch, ihreHeimatstadt

Tucumán sowie das Haus und die Einflusssphäreder übermächtigen

Verwandten zu verlassen. EinNeuanfang gelingt ihr in der Universitätsstadt

Córdoba, wo sie zum ersten Malauf sich allein gestellt ist.

(D/2019)

Foto: ZDF

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Immer und überall.

www.berliner-kurier.de/mobil

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

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MIT –SCHWER

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vom VOM4.11.2019

mittel MITTEL

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9 1 8 7 3 5 4 6 2

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5 3 9 4 2 8 6 1 7

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 4. 11. 2019

vom 4.11.2019

schwer

SCHWER

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8 5 1 2 6 7 9 4 3

6 2 3 5 9 4 1 8 7

5 8 9 1 4 3 2 7 6

2 3 6 8 7 5 4 9 1

1 4 7 9 2 6 3 5 8

RBB

5.05 rbb UM6 5.35 Berliner Nächte 5.50 (für

HG) Aktuelle Kamera 6.20 zibb 7.20 (für HG)

Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30

(für HG) Abendschau 9.00 (für HG) In aller

Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen.

Telenovela 11.20 (für HG) Sturmder Liebe 12.10

(für HG) Julia –Eine ungewöhnliche Frau 13.00

rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Meer 14.00

(für HG) Geschichten übernGartenzaun 16.00

(für HG) rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

17.00 (für HG) rbb24 17.05 (für HG) Panda,

Gorilla &Co. 17.55 (für HG) Sandmännchen

18.00 rbb wetter 18.02 rbb UM6 18.27 zibb

19.27 rbb wetter 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte

Brennpunkt Berliner Mauer.Die Bernauer

Straße fungierte als Trennlinie zwischen

Ost und West. Ihre Bewohner wurden in

das Mahlwerk des Kalten Krieges

hineingeworfen.

21.00 (für HG) Grenzenlos

Das Jahr 1989

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Nuhr im Ersten

22.45 (für HG) Ladies Night

23.30 Talk aus Berlin

0.00 Zur Person

ProSieben

5.00 2BrokeGirls. Sitcom 5.20 The Middle.

Comedyserie 6.05 (für HG) Twoand aHalf Men.

Sitcom 7.25 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom 8.45 (für HG) HowIMet Your Mother.

Sitcom 10.35 Fresh Off the Boat. Sitcom. Brave

Jungs 11.05 Mike&Molly.Sitcom. Der erste

Valentinstag 11.30 2BrokeGirls. Sitcom 12.25

Mom. Sitcom 13.20 (für HG) Twoand aHalf Men.

Sitcom 14.40 The Middle. Comedyserie. Der

besondere Tag/Der Typvon nebenan 15.35 (für

HG) The Big Bang Theory. Sitcom. Kuscheln mit

dem Gürteltier /Wochenendkrieger /Traum mit

Spock 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für

HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie. El Barto /

HowIWetYour Mother 19.05 Galileo

20.15 Das #OstWestDing –Geboren am 9.

November. FKK im Osten und Prüderie

im Westen? Die Klischeesum „Wessi“

und „Ossi“ halten sich bis heute. Um

dem auf den Grund zu gehen, begleitet

die Doku sieben jungeBerliner.

22.50 Big Countdown: Die 50 größten Idole

der 90er

2.05 ProSieben Spätnachrichten

2.10 Das #OstWestDing –Geboren am

9. November

4.00 Mom

Sitcom. Baxter in besseren Kreisen

Arte

7.15 (für HG) 360° 8.00 Afrika 8.45 Stadt Land

Kunst 9.30 Wiedererstarkte Wildnis 11.45 Wie

das Land, so der Mensch 12.15 Re: 12.50 Arte

Journal 13.00 Stadt Land Kunst 14.10 Im Juli.

Roadmovie, D2000 15.50 (für HG) Flüsse des

Lichts 16.40 (für HG) Xenius 17.10 Fotografen

auf Reisen 17.40 Südamerika 18.35 (für HG)

Kreuzfahrtindie Ostsee 19.20 Arte Journal

19.40 (für HG) Re: 20.15 Verdun. Dokumentarfilm,

F2014 21.40 Soldaten der Lüfte 23.20

1918 –Aufstand der Matrosen. Doku-Drama, D

2018 0.55 Mit offenenKarten

3Sat

5.10 SWR3 NewPop Festival2019 5.55

Erlebnisreisen-Tipp 6.20 Kulturzeit 7.00 nano

7.30 Alpenpanorama 9.00 (für HG) ZIB 9.05

Kulturzeit 9.45 nano 10.15 (für HG) Hartaber

fair 11.40 Natur im Garten 12.10 38 Erben

13.00 (für HG) ZIB 13.20 Mission Arche Noah

16.15 Die neue Wildnis 18.30 nano 19.00 (für

HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Blutadler.Thriller,D/A

2012 21.45 kinokino 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 Die Tochter von... 22.55 Dazwischen Elsa

23.25 Ich will Gerechtigkeit! 0.10 Wunderkinder

Phoenix

10.30 Unsere Welt in Zukunft –Wirtschaft 11.00

Wasserstoff und Energiewende 11.45 Wirwollen

Freiheit –2Frauen im Visier der Stasi 12.00

phoenix vorort 12.45 Heimat deutscher Wald

14.00 phoenix vorort 14.45 Terror vonRechts

16.00 Gekaufte Sterne 16.45 Klima retten

17.30 phoenix der tag 18.00 Nur die eine Welt!

18.30 (für HG) Todesstraßen 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Malaysia vonoben 21.00 Die

Wildnis Malaysias 21.45 (für HG) heute journal

22.15 Phoenix Runde 23.00 phoenix der tag

0.00 Phoenix Runde

Kika

12.50 Marcus Level 13.15 Die Wilden Kerle

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Helium 15.30

Livespiel 15.35 Ein Fall für TKKG 16.00 Miss

Moon 16.25 Die Piraten vonnebenan 16.50

Geronimo Stilton 17.35 Der kleine Ritter Trenk

18.00 Ein Fall für die Erdmännchen 18.10 (für

HG) Der kleine Drache Kokosnuss 18.35 Ernest

&Celestine 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 (für HG) Yakari 19.25 (für

HG) Pur+ 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG)

Kika Live 20.10 (für HG) Alarm

Dmax

5.35 Historyinthe Making 6.00 Die Aquarium-

Profis 6.55 Infomercial 8.55 Hardcore Pawn

9.20 Auction Hunters 9.55 Infomercial 10.15

BaggageBattles 11.15 Die Zwangsvollstrecker

13.15 Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in der

Wildnis 15.15 Naked Survival XXL 16.15 Die

Zwangsvollstrecker 17.15 Combat Dealers 18.15

Steel Buddies 19.15 A8 –Abenteuer Autobahn

20.15 SteelBuddies 21.15 Die Austausch-Cops

22.15 112: Feuerwehr im Einsatz 23.15 DMAX

News 23.18 Outback Inferno 0.15 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 AlarmimAll –wie Satellitenunser

Leben verändern 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Super.Markt 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ARD-Mittagsmagazin 14.00

Tagesschau-Nachrichten 19.15 Plastikmüll statt

Mode –ersticken wir in Billig-Altkleidern 20.00

Tagesschau 20.15 Hartaber fair 21.30

Tagesschau 21.32 Ist die Mauer wirklich weg?

22.00 Marktcheck 22.45 Tagesschau vor20

Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30 Fakt 0.00

Umschau 0.45 Die Schiffshebewerkedes Canal

du Centre 1.00 Nachtmagazin 1.20 7Tage...

ONE

6.10 Morden im Norden 6.55 Erlebnisreisen

7.05 Brisant 7.45 Die Landärztin: Der

Vaterschaftstest. Arztreihe,D/A2007 9.15

Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.15 Hot in

Cleveland 10.40 Lindenstraße 11.10 Mordenim

Norden 11.55 Sturmder Liebe 12.40 Sturmde

Liebe 13.30 Um Himmels Willen 14.20 Der

Mann an ihrer Seite. Romanze, D2008 15.50

Morden im Norden 16.40 Hot in Cleveland

17.00 Hot in Cleveland 17.20 Lindenstraße

17.50 Hartaber herzlich 18.40 Sturmder Liebe

19.25 Sturmder Liebe 20.15 Doctor Who 21.0

Doctor Who 21.45 Doctor Who 22.30 Doctor

Who 23.15 Hustle 0.10 Doctor Who

ZDF NEO

5.05 (für HG) Sternstunden der Evolution mit

Dirk Steffens 5.50 (für HG) Russland vonoben

6.35 (für HG) Faszination Erde 8.05 Topfgeldjäger

9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG)

Bares für Rares 11.30 Dinner Date 12.15 (für

HG) Monk 13.35 Psych 15.00 (für HG) Monk

16.20 Psych 17.45 (für HG) Bares für Rares

18.35 Dinner Date 19.20 (für HG) Bares für

Rares 20.15 (für HG) Kommissarin Heller:

Querschläger. Krimireihe, D2014 21.45 (für HG)

Professor T. 22.45 (für HG) heute-show 23.15

Shapira Shapira 23.45 Blockbustaz 0.50 (für

HG) Arne Dahl: Rosenrot. Krimireihe, S/D 2012

2.50 Die Nacht der Jäger.Thriller,S2011

ZDF INFO

5.05 (für HG) Sternstunden der Evolution mit

Dirk Steffens 5.50 (für HG) Russland vonoben

6.35 (für HG) Faszination Erde –mit Dirk Steffen

8.05 Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker!

9.45 (für HG) Bares für Rares 11.30 Dinner Dat

12.15 (für HG) Monk 13.35 Psych 15.00 (für

HG) Monk 16.20 Psych 17.45 (für HG) Bares fü

Rares 18.35 Dinner Date 19.20 (für HG) Bares

für Rares 20.15 (für HG) Kommissarin Heller:

Querschläger. Krimireihe,D2014 21.45 (für HG)

Professor T. 22.45 (für HG) heute-show 23.15

Shapira Shapira 23.45 Blockbustaz 0.50 (für

HG) Arne Dahl: Rosenrot. Krimireihe, S/D 2012

2.50 Die Nacht der Jäger.Thriller,S2011

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Streifzügedurch das

klassische Musikleben der Hauptstadt. Mit Kai

Luehrs-Kaiser,ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Hamburger Kammermusikfest

International. Elbphilharmonie, KleinerSaal:

Caroline Adelaide Shaw/Kalevi Aho /Antonín

Dvorák /Richard Galliano /Astor Piazzolla /Dre

finnischeTangos, ca. 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt Mendelssohn Bartholdy:

Sinfonie Nr.1.Mit Clemens Goldberg,ca. 56 Min

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Der Ursprung der Welt (12/16) von

Ulrich Tukur.Gelesenvom Autor, ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz) Das

Feature Wendeländer (2/5): Das Erbe von

Belene.Bulgariens verdrängte Vergangenheit. Von

Diana Dineva,ca. 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Masse Mensch. Nach dem gleichnamigenTheaterstück

vonErnst Toller,ca. 50 Min.

MAGAZIN

9.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz) Im

Gespräch 30 Jahre Mauerfall: Historiker

Ilko-Sascha Kowalczuk im Gespräch mit Britta

Bürger,ca. 55 Min.

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Diabetes1,2und3–Rätselhaft

Zuckerkrankheit. Gast: Prof. Dr.med. Klaus

Badenhoop, Leiter des Schwerpunktes

Endokrinologie und Diabetologie,Zentrum der

Inneren Medizin, Universitätsklinikum Frankfurt/

Am Mikrofon:Martin Winkelheide, ca. 80 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Fabrizierte Vorwürfe –Deutsche Mutter

und Tochter in Haft in der Türkei. Gespräch mit

Agit Keser, Cousin vonGönül Örs und Dogan

Akhanli, Schriftsteller,ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) Kultur

termin Vergessene Kinder? Die Nachkommen

politisch Verfolgter in der DDR, ca. 26 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Der moderne Barde Leo Sidran. Mit

Lothar Jänichen, ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente African Troubadours. Mit

Peter Rixen, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Konzert Daniel García Trio (2/2), ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 257 · D ienstag, 5. November 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Ian McKellen (80) will sich im fortgeschritten

Alter nicht länger mit Unwichtigem

beschäftigen. Undsoerklärte

der Brite,der uns vorallem als

Gandalf-Darsteller aus den„Herr der

Ringe“-Filmen bekannt sein dürfte,

seine Haltung zum Brexit: „Wenn ich

längst tot bin, werden sie noch immer

keinen Deal haben. Ichhabe

mich emotional völlig aus der Debatte

rausgenommen.“ Überdies hat

der Mann noch das schöne Bonmot

auf Lager,dass er die Diskussion um

einen Ausstieg Großbritanniens aus

der EU als Schachspiel betrachte,bei

dem die Akteurekeine Ahnung von

den Figuren haben.

Bianca „Bibi“ Claßen (26) und Julian

„Julienco“ Claßen (26) bekommen erneut

Nachwuchs.Ineinem rund elfminütigenVideo

auf ihremYouTube-

Kanal„Bibi’sBeauty Palace“ verrät

Bibi, dass sie bereits im sechsten Monat

schwanger sei und sie ihreFans in

den kommenden Monaten an„dieser

spannenden Reise“ teilhaben lassen

wolle.Kreisch:„Der Arzt meinte,esist

einVorzeigebaby. Wirhaben das erste

Bauchfoto auch heute hochgeladen

auf Instagram. So süß, dieses Foto,ihr

müsst euch das unbedingt angucken!“

DasPaar hat bereits einen einjährigen

Sohn.

Nadeschda Tolokonnikowa (29) von

der Punkband Pussy Riot zieht für

ihrekünstlerische Arbeit viel Energie

aus der Politik in Russland

und in den USA. Quasi

antagonistisch: „Wir

kämpfen hier gegen einige

der wohl einflussreichsten

Menschen

auf diesem

Planeten. Siewerden

nicht einfach

vonder Macht lassen.“

Wladimir

Putin und Donald

Trump –Chauvinismus,Autokratismus,

Rassismus und Sexismus!

Viel Feind, viel

Ehr. (schl.)

Ein wahrer Punk fürchtet

weder Putin noch

Trump. IMAGO PICTURES

TIERE

Demo in Bukarest: Im Tierkostüm

gegen die Holzmafia. AP/ALEXANDRU DOBRE

Europas grüne Lunge: Zwei Drittel

der noch verbliebenen Urwälder auf

unserem Kontinent liegen in Rumänien.

In den Karpaten soll sogar ein

Naturparkentstehen, um diesen

kostbaren Schatz zu bewahren –die

Wälder bieten ja auch Bären,Wölfen,

Bibern, Luchsen oder Hirschen in

großer Zahl eine Heimat. Echte

Wildnis,mitten in Europa! Doch ist

das Naturparadies bedroht. Seit

Jahrzehnten rodet die Holzmafia die

Wälder,Bedarfund Gewinne scheinen

groß zu sein, die Skrupel deswegen

umso geringer –vor wenigen Tagen

erst wurde wieder ein Förster ermordet.

Greenpeace schätzt, das in

den Karpaten stündlich drei Hektar

Wald verschwinden. Dagegen haben

am Sonntag in Bukarest Tausende

Menschen demonstriert. Teilweise

trugen die Protestierenden Tierkostüme.Unser

Bild des Tages. (schl.)

Der einbogige Triumphbogen gehörteigentlich zu Neu-Delhis Toptouristenattraktionen: das „All India WarMemorial“.

„Esst Karotten und hört Musik“

Apokalyptischer Smog macht das Leben der Einwohner in New-Delhi zur Hölle. Politiker reagieren hilflos

VonAgnes Tandler,New-Delhi

Jeder Atemzug erzeugt Hustenreiz,

Kopfschmerzen und

Übelkeit. Seit der vergangenen

Woche ist Indiens Hauptstadt

New-Delhi weltweit die Stadt

mit der giftigsten Luft. Doch Indiens

Gesundheitsminister Harsh

Vardan hat einen guten Tipp für die

20 Millionen Einwohner, die die lebensgefährliche

Luft einatmen müssen.

„Esst Karotten!“ Das gelbe Wintergemüse

helfe gegen die Gesundheitsrisiken

durch Abgase,meint der

Politiker.

Vergleich mit „Gaskammer“

Auch Indiens Umweltminister Prakash

Javadekar ist um einen Ratschlag

nicht verlegen und empfiehlt

den Menschen, „den Tagmit Musik

zu beginnen“. Die Luftverschmutzung

werdevon der Opposition „politisiert“,

beklagt Javadekar und zeigt

mit dem Finger auf den Ministerpräsidenten

vonNew-Delhi, Arvind Kejriwal.

Derhatte es nämlich entgegen

der Guten-Laune-Initiative seiner

Kollegen gewagt, die Metropole mit

einer „Gaskammer“ zu vergleichen,

und darüber hinaus die Apathie der

Zentralregierung kritisiert.

Der Luftqualitätsindex lag auch

am Montag mehr als zehnmal über

dem Grenzwert. Messungen für die

gesundheitsschädlichen Feinstaubpartikel

PM 2,5, die so klein sind, dass

sie in die Lunge eindringen und sich

vondortüber das Blut im ganzen Körper

verteilen, erreichten stellenweise

Spitzenwerte von über 1000 Mikrogramm

pro Kubikmeter. Dies entspricht

Forschern zufolge dem Rauchen

von50Zigaretten am Tag.

Wenn der Winter in Nord-Indien

beginnt, beginnen auch die trüben,

feuchten Tage, die dichten Nebel

bringen, der sich rasch in Smog verwandelt.

Autoabgase, Fabrik-Emissionen,

Staub von Baustellen und

Feuer von Feldern und Müllhalden

verschärfen das Luftproblem. Für

Einwohner wirddann das Leben zur

Qual. Delhis Ministerpräsident Kejriwal

erließ am Montag ein Teil-

Fahrverbot für Autos: vom 4.bis 15.

November sollen jeweils alternierend

nur noch Fahrzeuge mit geraden

oder ungeraden Kennzeichennummernunterwegs

sein.

Viele Autofahrer hielten sich aber

offenbar nicht an die Fahrverbote.

Zudem gibt es viele Ausnahmen, unter

anderem für die sieben Millionen

Motorrad- und Rollerfahrer, den öffentlichen

Nahverkehr und Autos,

die nur von Frauen genutzt werden.

DasSystem, das bereits bei früheren

Smog-Krisen zum Einsatz kam, hat

also nur eingeschränkten Erfolg.

Und ob die anderen Maßnahmen

Abhilfe schaffen, ist ebenso fraglich:

In Schulen findet schon seit Freitag

Neu Delhi im Smog

Feinstaubkonzentration (PM2,5)

in Indiens Hauptstadtinµg/m3

800

in Mikrogramm/

Kubikmeter

500

300

200

100

1. November

1Uhr

4. November

7Uhr

EU-

Grenzwert:

25 µg/m3

BLZ/HECHER;

QUELLE: US-BOTSCHAFT, WORLD AIR QUALITY REPORT, AFP

kein Unterricht statt, die Behörden

verteilten Atemschutzmasken an

Schulkinder. Baustellen wurden bis

Dienstag gesperrt und bestimmte

Industrieanlagen stillgelegt.

Auch andere Teile des Landes

sind von dem dichten Smog betroffen.

Zum Schutz des berühmten

Mausoleums TajMahal brachten die

Behörden einen Luftreiniger zu Indiens

wichtigstem touristischen Wahrzeichen,

das rund 250 Kilometer

südlich der Hauptstadt steht.Wiedie

Nachrichtenagentur PTI berichtete,

befürchten die Behörden, dass die

teilweise giftige Luft die Marmorkonstruktion

aus dem 17. Jahrhundertschädigen

könnte.

In die falsche Richtung gereist

AFP/SAJJAD HUSSAIN

14 Städte in Indien gehören nach

Angaben der Weltgesundheitsorganisation

zu den 15 am stärksten verschmutzten

Städten weltweit. Doch

die Zentral- und Landesregierungen

schieben sich gegenseitig den

SchwarzenPeter zu. Dies wurde dem

Obersten Gericht nun zu bunt. Die

obersten Juristen des Landes sparten

nicht an klaren Worten und kritisierten

die Untätigkeit der Politik. Es

stünden Menschenleben auf dem

Spiel, klagten die Richter.

DerRegengott solls richten

Eine der Ursachen des Gift-Smogs ist

auch in diesem Jahr das Abbrennen

von abgeernteten Feldern in den

umliegenden Bundesstaaten. Doch

Minister Sunil Bharala aus dem

Nachbarbundesland Uttar Pradesh

verteidigte die Praxis: „Dies ist eine

alte Methode.“ Mansolle einfach Gebete

abhalten, riet Bharala. „Lord

Indra“, der Regengott, werde „es

schon richten“.

DieObersten Richter hingegen erklärten:„Bauernkönnen

nicht andere

umbringen, nur um ihr Auskommen

zu haben.“ Am Mittwoch will das

Oberste Gericht weiter über die dicke

Luft in der Hauptstadt beraten und

hat die Regierungschefs der Nachbarstaaten

von New-Delhi einbestellt.

„Wir können es nicht zulassen, dass

Menschen sterben“, begründete die

Richterrunde ihreEntscheidung.

Greta Thunberg will die USA verlassen und lotet Reise-Optionen nach Madrid aus. Ein Flug ist ausgeschlossen

Die schwedische Klimaaktivistin

Greta Thunberg sucht weiter

nach einer Möglichkeit, aus Nordamerika

rechtzeitig zur Weltklimakonferenz

nach Madrid zu gelangen.

Die 16-Jährige erwägt derzeit verschiedene

Optionen, bestätigt ist

aber noch nichts, wie es am Montag

aus dem Umfeld der jungen Schwedin

hieß. Eine Reise per Flugzeug

schließt sie demnach aber definitiv

aus.Wegen der hohen CO 2 -Emissionen

von Flugreisen fliegt Thunberg

generell nicht.

Damit bleibt ihr im Grunde nur

eine Schiffsreise –und die Zeit drängt.

Eigentlich sollte die Weltklimakonferenz

diesmal in Santiago de Chile

stattfinden. Die Konferenz war einer

der Hauptgründe dafür gewesen,

warum Thunberg im August per

Hochsee-Segeljacht über den Atlantik

gereist war. Chile sagte die Konferenz

aber wegen der heftigen sozialen

Proteste im Land ab, Spanien sprang

daraufhin als Gastgeber ein.

Die spanische Regierung hat

Thunberg unterdessen Hilfe ange-

boten, um ihre Teilnahme an der

UN-Klimakonferenz im Dezember

in Madrid zu ermöglichen. „Liebe

Greta, es wäretoll, Dich hier in Madrid

zu haben“, schrieb die amtierende

Umweltministerin Teresa Ribera

auf Twitter. „Wir würden Dir

sehr gerne bei der Überquerung

des Atlantiks helfen“, fügte sie in

dem Tweet am Freitagabend hinzu

und lobte Thunbergs Engagement

fürs Klima. Wie die Reise-Hilfe aussehen

könnte, sagte Ribera allerdings

nicht.

Thunberg sucht auch per Twitter

nach einer Reisemöglichkeit. „Es

stellt sich heraus, dass ich um die

halbe Welt gereist bin, in die falsche

Richtung“, schrieb sie aus den USA.

Wenn jemand helfen könne,ein Verkehrsmittel

zu finden, sei sie dankbar.

Der norddeutsche Profisegler

Boris Herrmann und sein Co-Skipper

PierreCasiraghi hatten die junge

Schwedin, ihren Vater Svante sowie

einen Filmemacher im August per

Hochsee-Segeljacht über den Atlantik

gebracht. (dpa)

Palme erschlägt Frau bei

Sturmauf Mallorca

Beieinem Sturmauf der spanischen

Urlaubsinsel Mallorca ist

eine Frau voneiner umstürzenden

Palme erschlagen worden. DasUnglück

ereignete sich am Sonntag in

der Nähe der Kathedrale in der

Hauptstadt Palma, wie die örtliche

Zeitung Diario de Mallorca unter

Berufung auf die Behörden mitteilte.Die

Windböen hätten teilweise

Geschwindigkeiten von

mehr als 110 Stundenkilometern

erreicht, hieß es. (dpa)

Großreinemachen im Canal

Grande mit reicher Ausbeute

Venedigs Gondolierihaben bei einer

nächtlichen Müllsuche am Grunde

des Canal Grande reiche Ausbeute

gemacht. Unter anderem seien am

Sonntagabend ein Staubsauger,ein

Kronleuchter und sogar ein Müllkarrenaus

dem Wasser geholt worden,

teilte die Verwaltung der Lagunenstadt

am Montag mit. Dietauchenden

Gondolierihätten einen kleinen

Kran gebraucht, um den schon vor

langer Zeit im Schlamm versunkenen

Karren zu bergen. (dpa)

Kinder werfen Steine auf

Flaschensammler

Drei Kinder haben am Sonntag im

saarländischen Völklingen zwei Flaschensammler

beleidigt und mit

Steinen beworfen. Dabei wurde eine

54 Jahrealte Frau am Kopf verletzt,

wie die Polizei am Montag mitteilte.

DieFrauhabe gemeinsam mit einem

42 Jahrealten Mann auf dem Gelände

eines Supermarkts Pfandflaschen

eingesammelt. DieJungen

und das Mädchen hätten danach das

Gelände zusammen mit ihrer Mutter

verlassen. (AFP)

Transgender-Zebrastreifen

in den Niederlanden

Der Transgender-Zebrastreifen in Almere

bei Amsterdam. FACEBOOK/GEMEENTE ALMERE

In der niederländischen Stadt Almerebei

Amsterdam gibt es jetzt einen

Transgender-Zebrastreifen. Er

hat die Farben rosa, blau und weiß.

Rosa für Mädchen, blau für Jungen

und weiß für Menschen, die sich keinem

dieser beiden Geschlechter zuordnen.

Daneben gibt es auch noch

einen Regenbogen-Zebrastreifen für

die schwule Community. (dpa)

Unwetter spült Schiffswrack

näher an Niagarafälle

Nach heftigen Unwetternhat sich

ein seit mehr als hundertJahren auf

den Niagara-Fällen feststeckendes

Boot Dutzende Meter bewegt. Das

als „IronScow“ (Eiserner Lastkahn)

bekannte Boot sei rund 50 Meter in

Richtung des Wasserfall-Rands gerückt,

sagte ein Vertreter des Niagara-Parks

in Kanada. Seit einem

Bootsunglück im August 1918 steckt

der Kahn auf dem Niagara-Fluss fest

–etwa 600 Meter vomRand des Wasserfalls

entfernt. Starke Regenfälle

und heftige Winde hatten dazu geführt,

dass sich das Boot nun vonder

Stelle bewegte. (AFP)

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