Berliner Zeitung 22.01.2020

BerlinerVerlagGmbH

Ein Unternehmer und die Brandanschläge in Bautzen – Seite 3

Union und

Hertha: Die

Kolumnen

Seite 20

2°/7°

Starkbewölkt

Wetter Seite 2

Innenstadt ohne Autos:

Der Plan der Senatorin

Berlin Seite 13

www.berliner-zeitung.de

Corona-Virus: Wiesich

Deutschland wappnet

Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8

Mittwoch, 22. Januar 2020 Nr.18HA-76. Jahrgang

Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Neue Software: Niemand

bleibt unerkannt

Netzwerk Seite 26

Mexiko

Trumps

strengster

Grenzschützer

VonTobias Käufer

Als Andrés Manuel LópezObrador

vorgut anderthalb Jahren seinen

Siegeszug im mexikanischen Präsidentschaftswahlkampf

begann,

wollte der 66-Jährige alles anders

machen. Mitihm als Regierungschef

werde Mexiko eine humanitäre

Flüchtlingspolitik verfolgen, versprach

„AMLO“ wie ihn seine Anhänger

rufen. Die katholische Kirche,

Hilfswerke

und Menschenrechtsorganisationen

sahen in

ihm einen Gegenpartzum

US-

Präsidenten Donald

Trump und

dessen bisweilen

Andrés Manuel López

Obrador, schen und la-

offen rassisti-

Mexikos Präsident tino-feindlichen

Attacken gegen

Migranten und Einwanderer aus Lateinamerika.

Seit über einem Jahr ist López

Obrador nun im Amt. Undgeblieben

ist vonseiner menschlichen Variante

der Flüchtlingspolitik nicht viel. Von

Januar bis August 2019 schob Mexiko

102 314 Mittelamerikaner in ihre

Heimat ab. Laut guatemaltekischem

Institut für Migration war das eine

Steigerung von 63Prozent –und damit

ein neuer Rekord.

In diesen Tagen, in denen sich

wieder einmal eine Karawane von

Migranten aus Honduras auf den

WeginRichtung USA gemacht hat,

spüren die Asylsuchenden die neue

harte Hand aus Mexiko-Stadt. Sie ist

eine direkte Folge der Verhandlungen

von Washington mit López

Obrador.Trump drohte vor ein paar

Monaten mit Sonderzöllen von 25

Prozent auf in Mexiko hergestellte

Produkte, wenn Mexiko die Migranten

nicht stoppe. Das hätte für die

mexikanische Wirtschaft verheerende

Folgen gehabt.

Am Montag ließ López Obrador

einen unkontrollierten Übertritt von

rund 500 Migranten aus Honduras

über den Fluss Suchiate an der Südgrenze

Mexikos stoppen. Sicherheitskräfte

bildeten eine menschliche

Mauer, jagten jenen Migranten

hinterher, die es über den Fluss auf

mexikanisches Gebiet geschafft hatten

und brachten sie wieder zurück.

Und sie setzten Tränengas ein. Die

Bilder werden ihre Wirkungen nicht

verfehlen: Nicht nur in Mittelamerika,

wo sich die bettelarmen Migranten

ob der Vorgehensweise der

Sicherheitskräfte von den „mexikanischen

Brüdern“ verraten fühlen.

Mehr Wissenschaft für Berlin

Der Star im Naturkundemuseum: Tyrannosaurus rex Tristan. Er geht jetzt auf Reisen und kehrterstineinem Jahr zurück. Am Wochenende gibt es eine Abschiedsparty.

VonTorsten Harmsen

Der Startschuss für eines

der größten Projekte der

Berliner Wissenschaftspolitik

ist gefallen. Am

Museum für Naturkunde (MfN) Berlin

entsteht in den nächsten zehn

Jahren ein neuer Wissenschaftscampus

für Natur und Gesellschaft, der

überregionale Strahlkraft erlangen

soll. Das Land Berlin und die Bundesregierung

geben dafür insgesamt

660 Millionen Euro aus.Der Berliner

Zeitung liegt exklusiv der Zukunftsplan

für die Sanierung und Erweiterung

des Museums vor, das zugleich

ein Leibniz-Institut ist. In der Mitte

der Stadt entstehe ein „Erprobungsraum

für neue Formen der Interaktion

von Wissenschaft und Gesellschaft“,

heißt es in einer Erklärung

des MfN und der Humboldt-Universität

(HU) Berlin, deren gemeinsames

Projekt der Campus ist. Geplant ist,

dass Wissenschaftler beider Institutionen

zu Themen wie Artenschutz,

Klimawandel und Biodiversität forschen.

DerCampus soll Zentrum der

Interaktion mit der Gesellschaft und

Bürgern werden. Dafür entsteht eine

„Berlin School of Public Engagement

and Open Science“. Die detaillierten

Pläne für den Campus lesen Sie auf

Seite 9dieser Ausgabe.

Berliner Zeitung exklusiv: Wieaus dem Museum für Naturkunde ein

Campus für die Forschung werden soll –jetzt liegen die Pläne vor

DieIdee für den Campus stammt

vonJohannes Vogel, dem Generaldirektor

des MfN. Dieser hatte vorJahren

gemeinsam mit der bundesweiten

InitiativeWissenschaft im Dialog

eine zentrale Plattform „Bürger

schaffen Wissen“ ins Leben gerufen.

Sie sei „ein ganz wichtiges Instrument

in dem Zeitalter,wodas Smartphone

und das Internet die Welt beherrschen“,

erklärte Vogel. Bürger

und Wissenschaftler könnten gemeinsam

wichtige Fragen beantworten.

Denn Forschung brauche „viele

Augen, viele Ohren, viele Hände“,

etwa um Daten zu Lichtverschmutzung

über Städten, zu Plastikmüll in

Flüssen, zur Verbreitung von Insekten,

Fledermäusen undWildtieren in

der Stadt zu sammeln und auszuwerten.

„Vorhaben wie der Wissenschaftscampus von

Naturkundemuseum und Humboldt-Universität

sind nicht nur für Berlin wichtig, sie entfalten

auch eine bundesweite Strahlkraft.“

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und

Senator für Wissenschaft und Forschung

Johannes Vogel schaffte es, den

Regierenden Bürgermeister und

Wissenschaftssenator Michael Müller

(SPD) und dessen Staatssekretär

Steffen Krach vonder Idee zu begeistern,

das MfN zu einem neuartigen

Wissenschaftscampus für Natur und

Gesellschaft auszubauen. Berlin gelang

es,eine Sonderfinanzierung des

Bundes in Höhe von 330 Millionen

Euro zu erhalten.

Vom Land kommen 330 Millionen

Euro dazu. Wie der Zukunftsplan

zeigt, sollen in einer ersten Projektphase

bis 2028 voraussichtlich

299 Millionen Euro für die Sanierung

von Nordflügel und Nordbau des

Museums sowie die Errichtung eines

Ergänzungsbaus fließen.

Für die Berliner Wissenschaftspolitik

ist der neue Campus ein weiterer

DPA

Meilenstein. „Das Engagement des

Bundes unterstreicht, welches Potenzial

in unserer Stadt steckt und wie

stark wir uns zu einer führenden Innovationsmetropole

entwickeln“,

sagte Michael Müller der Berliner Zeitung.

Vorhaben wie der Campus von

MfN und HU seien„nicht nur für Berlin

wichtig, sie entfalten auch eine

bundesweite Strahlkraft“.

Zu den Erfolgen der jüngeren Zeit

gehören unter anderem die Einwerbung

von Bundesmitteln in Höhe

von 100 Millionen Euro für das geplante

Universitäre Herzzentrum

Berlin, die Etablierung einer dauerhaft

funktionierenden Struktur für

das Berliner Institut für Gesundheitsforschung

(BIG) unter dem

Dach der Charité sowie die Entscheidung

von Siemens, 600 Millionen

Euro in einen Innovationscampus in

Berlin zu investieren.

Noch einen Höhepunkt gibt es: In

dieser Woche verabschiedet das Naturkundemuseum

den Tyrannosaurus

rex Tristan Otto, der seit Ende

2015 Publikumsmagnet und Forschungsobjekt

des Museums war.

DasSkelett reist für ein Jahr nach Kopenhagen,

danach kehrt eszurück.

Am Wochenende wird es im Museum

eine große Abschiedsparty für

Tristan Otto geben –mit freiem Eintritt

für die Besucher. Berlin Seite 9

Fliegerbombe

am Roten

Rathaus

Häuser in Mitte evakuiert und

Fernsehturm geschlossen

Inder Nähe des Roten Rathauses in

Berlin-Mitte ist in der Nacht zum

Mittwoch eine 250 Kilogramm

schwere Fliegerbombe aus dem

Zweiten Weltkrieg entschärft worden.

Auf dem Areal an der Gruner-,

Ecke Jüdenstraße finden derzeit Ausgrabungen

und Bauarbeiten statt.

Dort hatte eine private Munitionsbergungsfirma

die Bombe am Mittwoch

gefunden.

Die Polizei richtete dafür einen

Sperrkreis mit einem Radius von300

Metern ein. In diesem Bereich

räumte sie die Häuser. Etwa 2000

Menschen mussten ihreWohnungen

verlassen. Viele, meist ältere Menschen,

wurden im Rathaus Mitte betreut.

Weil der Platz dort nicht ausreichte,

musste das Bezirksamt weitereRäume

zurVerfügung stellen. Im

engen Sperrkreis lagen unter anderemdas

Nikolaiviertel, das Rote Rathaus,die

Senatsverwaltung für Inneres

und ein Kino. Die Brasilianische

und die Niederländische Botschaft

mussten ebenfalls geräumt werden.

Zudem gab es einen erweiterten

Sperrkreis, in dem die Menschen

ihre Wohnungen nicht verlassen

durften.

Gesperrt wurde auch die vielbefahrene

Grunerstraße sowie der Autotunnel,

wodurch es zu massiven

Verkehrsbehinderungen kam. Während

der Entschärfung war auch der

Zugverkehr der S-und Regionalbahn

unterbrochen.

Die Bombe mit einem mechanischen

Zünder war deutscher Bauart.

DieAlliierten hatten sie erbeutet und

dann über Berlin abgeworfen.

Zuletzt war im Juni vergangenen

Jahres in der Nähe des Alexanderplatzeseine

Bombe entdeckt worden. Die

Entschärfung zog sich bis Mitternacht

hin. (kop.)

Berlin Seite 9

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14. &15. Februar 2020, 9–16Uhr

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BERLIN

MESSEN


2 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Tagesthema

Neue Lungenkrankheit

Das in Asien grassierende

Corona-Virus beschäftigt auch die

Bundesregierung.

Sollten bereits Vorkehrungen

getroffen werden?

Alarmstufe C

VonRasmus Buchsteiner

Schutzmaßnahme: Ein Mitarbeiter des Flughafens Wuhan Tianhe International misst bei einem Reisenden die Temperatur.

AP/DAKE KANG

Das derzeit in Asien, insbesondere

in China,

grassierende Corona-Viruskönnte

sich nach Experteneinschätzung

bis nach

Deutschland ausbreiten. Trotz erster

Fälle, in denen eine Übertragung

von Mensch zu Mensch bereits

nachgewiesen wurde, stuft das für

Infektionskrankheiten zuständige

Robert-Koch-Institut (RKI) das Risiko

für die Bevölkerung noch als

„gering“ ein.„Die Nachricht über begrenzte

Mensch-zu-Mensch-Übertragungen

in China war zu erwarten,

da sich eine Reihe vonErkrankungsfällen

nicht anders erklären ließ“,

sagte RKI-Präsident Lothar H. Wieler

der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland).

Eine Variante des Sars-Erregers

Die Lungenkrankheit Sars

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom ist eine durch Coronaviren ausgelöste

Infektionskrankheit. Sie breitete sich in den Jahren 2002 und 2003 weltweit aus.

Coronavirus

Hülle

Proteine

Ansteckung

Tröpfcheninfektion

durch niesende/

hustende Infizierte

wurde vermutlich

vonTieren auf den

Menschen übertragen

Inkubationszeit:

2bis 10 Tage

Gegenwärtig gebe es aber keine Hinweise

für eine fortgesetzte Menschzu-Mensch-Übertragung.

Der Import

einzelner Fälle nach Deutschland

könne nicht ausgeschlossen

werden: „Damit die Ärzte und Gesundheitsbehörden

auf einen solchen

Fall gut vorbereitet sind, haben

wir Empfehlungen für den Umgang

mit Verdachtsfällen veröffentlicht.“

An diesem Mittwoch wollen sich

Experten der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) mit der Lage beschäftigen.

Der aktuelle Virus ist offenbar

eine Variante des Sars-Erregers,

der 2003 ausgehend von China

eine Pandemie mit Hunderten Todesfällen

ausgelöst hatte.Die Mortalitätsrate

wirdjedoch als deutlich geringer

eingeschätzt. Die Symptome

ähneln der bei einer Grippe.

Bundesgesundheitsminister Jens

Spahn (CDU) zeigte sich am Dienstag

zurückhaltend, was die Berichte

Erbgut

ein RNA-Strang

Für die aktuellen Fälle in

Asien, die von einer neuen

Variante des Coronavirus

verursacht werden, liegen

noch keine gesicherten

Erkenntnisse vor. Ansteckung

und Krankheitsverlauf

können sich unterscheiden.

Krankeitsverlauf

1. Woche:

grippeähnliche Symptome

(Fieber,Unwohlsein, Kopfschmerz,

Schüttelfrost)

2. Woche:

Husten, Atemnot,

Lungenentzündung,

Durchfall

Sterblichkeitsrate:

durchschnittlich 11%

aus Asien angeht. Natürlich beobachte

man die Situation in China

aufmerksam und stehe in ständigem

Austausch mit unseren internationalen

Partnern. „Koordiniert wird

die Lagebeobachtung durch das Robert-Koch-Institut.

Wie in solchen

Fällen üblich, werden alle relevanten

Stellen über den aktuellen Sachstand

fortlaufend informiert“, sagte

Spahns Sprecher.

Lungenkrankheit in Asien

x Erkrankungen durch

neues Corona-Virus

STAND 21.1., 14.30 UHR MEZ

CHINA

6bestätigte Todesfälle

THAILAND

2

Bangkok

Unmittelbaren Handlungsbedarf

sieht die SPD-Bundestagsfraktion.

„In Europa wurden bisher zwar

keine von Reisenden eingeschleppten

Fälle bekannt. Durch die Reisewelle

zu den chinesischen Neujahrsfesten

kann sich das aber schnell ändern“,

sagte Bärbel Bas, stellvertretende

Fraktionsvorsitzende. „Daher

ist die Bundesregierung aufgerufen,

hier Vorkehrungen zu treffen. Es ist

Peking

5

258

Wuhan

14

Provinz

Guangdong

5

2

SÜDKOREA

Seoul

Shanghai

Provinz Zhejiang

1

TAIWAN

JAPAN

Tokio

200 km

BLZ/GALANTY (2); QUELLE: RKI, WHO, CHINESISCHE GESUNDHEITSBEHÖRDE, DPA, AFP

1

1

zum Beispiel zu prüfen, ob an Flughäfen,

wie in anderen Ländernweltweit

auch, wegen der neuen Lungenkrankheit

Fieberkontrollen bei der

Einreise aus Wuhan eingeführt werden

sollten.“

Für den Umgang mit Verdachtsfällen

gibt es konkrete Vorbereitungen

und Verfahrenswege.„Die deutschen

Flughäfen sind für den Umgang

mit Verdachtsfällen gut vorbereitet

und stehen mit den

zuständigen Behörden in engem

Kontakt“, sagte eine Sprecherin des

Flughafenverbandes ADV. DieWHO-

Vorschriften würden für Deutschland

fünf Flughäfen vorsehen, die

zum Schutz der öffentlichen Gesundheit

sogenannte Kernkapazitäten

vorhalten müssten: „ImFalle der

Ankunft eines Passagierflugzeuges,

das einen Verdachtsfall an Bord hat,

würde die betreffende Maschine zu

einem dieser Flughäfen umgeleitet.

In Deutschland zählen dazu Hamburg,

Düsseldorf, Frankfurt, München

und Berlin.“

Bisher keine Reisebeschränkungen

Grundsätzlich seien die Gesundheitsbehörden

der Bundesländer zuständig

für die Umsetzung der Maßnahmen.

„Notfallpläne für den Umgang

mit gefährlichen Infektionen

auf deutschen Flughäfen existieren

seit Jahren und haben sich in derVergangenheit

bewährt“, so die Sprecherin

des Flughafenverbandes unterVerweis

auf Erfahrungen etwa mit

Sars,Lassafieber oder der Schweinegrippe.

Bisher gebe es keine angeordneten

Reisebeschränkungen.

Fieberkontrollen an Airports wären

angesichts voneiner Inkubationszeit

vonbis zu zwei Wochen ohnehin nur

vonbegrenzter Wirkung.

Erst waren es nur Einzelfälle, inzwischen

steigt die Zahl gemeldeter

Nachweise von Tag zu Tag

deutlich: Ein neuartiges Virus greift

in Asien um sich. EinÜberblick.

Wie viele Fälle gibt es bisher? Die

Zahl bestätigter Infektionen stieg am

Dienstag auf rund 300. Anfangs war

nur die Metropole Wuhan betroffen,

inzwischen werden vonden chinesischen

Behörden auch Fälle an anderen

Orten gemeldet. Experten des

Imperial College London gehen davon

aus, dass die neue Krankheit

weiter verbreitet ist als bekannt.

Nach ihrer Hochrechnung könnte es

mehr als 1700 Infizierte geben.

Wo liegt der Ursprung des Erregers?

Die ersten Infektionen werden mit

einem inzwischen geschlossenen

Tiermarkt in Wuhan in Verbindung

gebracht. Auch der Sars-Erreger von

2002/2003 war höchstwahrscheinlich

voneinemWildtier auf den Menschen

übergesprungen, angenommene

Quelle sind Schleichkatzen.

Den Behörden sollen bereits eine

Hypothese haben, vonwelcher Tier-

Was weiß man über das neue Virus?

Es gibt keine schützende Impfung

art der neue Erreger auf den Menschen

übergesprungen sein könnte.

Sind andere Länder betroffen? Bestätigte

Infektionen wurden bis Dienstag

aus Taiwan, Thailand, Japan und

Südkorea gemeldet. Alle Erkrankten

waren zuvor in Wuhan. Zudem gibt

es in mehreren Ländern Verdachtsfälle,etwa

auf den Philippinen.

Wasist über die Symptome bekannt?

Nach derzeitigem Wissen sorge das

Virus für Fieber und Symptome einer

Lungenentzündung, erklärte der

Berliner Virusforscher Christian

Drosten.„Die oberen Atemwege sind

kaum betroffen, es gibt beispielsweise

keinen Schnupfen.“ Von

Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger

schwerer als etwa mit den Tröpfchen

beim Niesen. Eine Impfung oder

eine spezielle Therapie zur Behandlung

der Infektion gibt es nicht, lediglich

die Symptome können mit

Medikamenten abgemildertwerden.

Wie viele Todesfälle sind bekannt?

Bis zum Dienstag waren es sechs.

Beim ersten Opfer handelte es sich

um einen 61-Jährigen, der nach Angaben

chinesischer Behörden auch

an Krebs und einer Lebererkrankung

litt. Daszweite Opfer war ein 69-Jähriger

mit einer Herzerkrankung. Zum

dritten Todesopfer gibt es keine Angaben.

Das vierte Todesopfer ist ein

89-Jähriger, der Diabetes und eine

Herzerkrankung gehabt haben soll.

Zu den zwei zuletzt bestätigten Todesfällen

lagen keine Details vor.

Wie ungewöhnlich ist der Erreger?

Dass ein Virus wie das jetzige Ausbrüche

beim Menschen verursacht,

kommt nach Drostens Einschätzung

alle zehn Jahre vor. Tollwut, HIV,

Mers,Ebola: Diemeisten Infektionskrankheiten

des Menschen stammen

aus dem Tierreich. Als Quelle

neuer Coronaviren gelten unter anderem

Fledermäuse und Flughunde.

Auch Nutztierehaben in der Vergangenheit

Coronaviren auf den Menschen

übertragen. Bei spontanen

Wirtswechseln eines Erregers ist die

Gefahr einer gefährlichen Epidemie

oft größer als bei lange kursierenden,

weil der Mensch keine Antikörper

gegen den neuen Erreger hat. (dpa)

Biowetter:

Belastung

Bluthochdruck schwach

Kopfschmerzen schwach

Schlafstörungen schwach

Rheumaschmerzen schwach

Atemwegsbeschwerden schwach

Pollenflug:

Hasel

Erle

Pappel

Weide

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint die Sonne bei stark bewölktem bis bedecktem Himmel selten.

Die Höchsttemperaturen belaufen sich auf 6bis 8Grad, und der

Wind weht schwach bis mäßig aus Nordwest. In der Nacht sorgt Nebel für

eingeschränkte Sichtverhältnisse. Örtlich schimmern die Sterne durch.

Dabei fallen die Tiefsttemperaturen auf 1bis minus 1Grad.

schwach

schwach

keine

keine

Gefühlte Temperatur: maximal 7Grad.

Wind: schwach aus Nordwest.

Wittenberge

3°/8°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

1°/7° 2°/7°

Luckenwalde

0°/6°

Cottbus

0°/6°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

wolkig sonnig bedeckt

1°/5° -2°/5° 0°/4°

Prenzlau

2°/8°

Frankfurt

(Oder)

2°/6°

Hoch Ekart reicht weiterhin vom Seegebiet westlich von Irland bis zum Balkan.

Sein Gegenspieler ist Tief Joyce über Nordwestrussland. Mit nordwestlichen

Winden dominiert bei uns mäßig kühle Meeresluft. Über Nordwesteuropa dringt

hingegen bereits wieder sehr milde Luft ostwärts vor.

Köln

-1°/4°

Sylt

3°/8°

Saarbrücken

-2°/5°

Hannover

0°/7°

Konstanz

-3°/4°

Hamburg

2°/7°

Erfurt

-2°/3°

Frankfurt/Main

-1°/5°

Stuttgart

-3°/5°

Rostock

3°/8°

Magdeburg

-1°/5°

Nürnberg

-5°/4°

München

-2°/6°

Rügen

2°/7°

Dresden

0°/5°

Deutschland: Heute gibt es sonnige

Phasen, zeitweise aber auch Wolken,

und die Temperaturen klettern am

Tage auf 3bis 8Grad. Nachts sinken

die Wertedann auf 2bis minus

3Grad. Der Wind weht nur schwach

aus nordwestlichen Richtungen. Morgen

gibt es zeitweise Sonnenschein,

ab und zu aber auch Wolken, und es

sind Höchstwerte von 3bis 6Grad

zu erwarten. Der Wind weht schwach

aus Südost.

Schneehöhen:

Thüringer Wald bis 40 cm

Harz bis 5cm

Erzgebirge bis 20 cm

Bayerische Alpen bis 190 cm

Mondphasen: 24.01. 02.02. 09.02. 15.02.

Sonnenaufgang: 08:03 Uhr Sonnenuntergang: 16:32 Uhr Mondaufgang: 06:15 Uhr Monduntergang: 14:04 Uhr

Lissabon

13°

Las Palmas

18°

Madrid

11°

Reykjavik


Dublin

10°

London


Paris


Bordeaux

13°

Palma

17°

Algier

21°

Nizza

15°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand


Tunis

16°

Rom

14°

Warschau


Wien

7° Budapest


Palermo

16°

Kiruna

-11°

Oulu

-2°

Dubrovnik

12°

Athen

14°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa


Varna


Istanbul


Iraklio

15°

Archangelsk

-2°

Moskau


Ankara


Antalya

17°

Acapulco 33° heiter

Bali 25° Schauer

Bangkok 33° heiter

Barbados 26° heiter

Buenos Aires 29° heiter

Casablanca 16° Schauer

Chicago 1° bewölkt

Dakar 27° wolkig

Dubai 25° sonnig

Hongkong 22° bewölkt

Jerusalem 7° heiter

Johannesburg 31° wolkig

Kairo 15° wolkig

Kapstadt 25° wolkig

Los Angeles 16° heiter

Manila 30° heiter

Miami 21° heiter

Nairobi 28° wolkig

Neu Delhi 21° sonnig

New York 3° sonnig

Peking 3° heiter

Perth 25° heiter

Phuket 34° heiter

Rio de Janeiro 25° bewölkt

San Francisco 14° wolkig

Santo Domingo 28° Gewitter

Seychellen 29° heiter

Singapur 35° heiter

Sydney 33° sonnig

Tokio 10° bewölkt

Toronto 1° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 3 *

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Seite 3

Der 60-jährige Jörg Drews ist ein

großer Mann mit festem Händedruck

und misstrauischem Blick.

In Bautzen nennen sie den Baulöwen,

der nach der Wende eine beeindruckende

Unternehmerkarriere hingelegt hat,

den heimlichen König der Stadt. Sein Unternehmen

gehörtzuden drei größten Arbeitgebern

inder Region und sponsert Sozialeinrichtungen,

Kinder- und Kulturunternehmungen

sowie den örtlichen Fußballverein.

Doch Drews polarisiert auch, manche sind

sogar der Meinung, er spalte die Stadt: Dieeinen

halten ihn für mutig und aufrecht, weil er

unbequeme Meinungen vertritt; andere sehen

in ihm einen gefährlichen Rechtspopulisten,

der angeblich das politische Klima in der

Stadt vergiftet.

Seit vergangenem Sommer ist Drews’ Unternehmen

Hentschke Bau wiederholt Ziel

von Brandanschlägen vermutlich linksextremer

Täter gewesen. Erst vergangene Woche,

in der Nacht zum Donnerstag, wurden auf einer

Baustelle in Leipzig zwei Brandsätze an

Baggernder Firmaentdeckt. ZumGlück hatten

sie nicht gezündet. An der betroffenen

Baustelle erneuertHentschke Bauderzeit sieben

Eisenbahnbrücken. Mit steigenden Mieten

und Gentrifizierung –zwei Themen, die

die Messestadt gerade aufwühlen –hat das

wenig zu tun. Es scheint also um die Firmazu

gehen. Undumderen Chef JörgDrews: In Bekennerschreiben

zu früheren Anschlägen warendie

Angriffe unter anderem damit begründet

worden, dass Drews ein Großspender der

AfD war und damit, in der kruden Logik mancher

Ideologen, ein Faschist sei.

Es gebe somit einiges zu bereden mit dem

Bautzener. Das aber ist nicht so einfach,

Drews meidet Journalisten. Er wirft den Medien

eine undifferenzierte Berichterstattung

vor, die ihn in eine rechte Ecke stelle, woer

sich selbst nicht sieht. Schließlich, nach wochenlangen

Vorgesprächen, erklärt er sich

doch bereit zu einem Gespräch in der Bautzener

Firmenzentrale.Esgibt belegte Brötchen,

Kaffee und Wasser. Der Betriebsratsvorsitzende

Mirko Wappler ist dabei, Thomas Alscher,

Teilhaber und Mitgeschäftsführer bei

Hentschke Bau, und ein Pressesprecher. Das

Aufgebot soll offenbar Zusammenhalt und

Solidarität im Unternehmen demonstrieren.

Besuch vomMinisterpräsidenten

„Inden Medien wirdoft der Eindruck verbreitet,

den linken Gruppen geht es nur um

mich“, sagt Drews.„Aber vonden Anschlägen

ist doch die ganze Firma betroffen. Wenn da

ein Fahrzeug ausbrennt, dann trifft es direkt

den Mitarbeiter,der es tagtäglich bewegt und

pflegt.“ Sein Geschäftspartner Alscher pflichtet

ihm bei: Vergangene Woche erst habe

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

Hentschke Baubesucht, der CDU-Politiker

habe just auf dem gleichen Stuhl gesessen,

wo jetzt der Reporter sitze. „Der Ministerpräsident

hat gesagt, dass er hinter der Firma

stehe,auch wenn er nicht jede politische Ansicht

ihres Chefs teile“, sagt Alscher.„Unddass

es nicht sein kann, wenn Menschen, die ihre

Meinung sagen, angefeindet werden.“

In dem Gespräch geht Drews sofortinVerteidigungsposition.

Er sei bestimmt kein Faschist,

erklärtDrews.„Ichbin zum Beispiel gegen

Manöver wie das gerade bevorstehende,

bei dem große US-Verbände nach Osteuropa

verlegt werden und dabei Sachsen durchqueren.

Ichmöchte eine lebenswerte Welt hinterlassen

für unsereNachkommen, weshalb wir

in unserer Firmaauch großen Wert auf Nachhaltigkeit

legen. Ichbin auch Nebenerwerbslandwirt,

gehe sehr sorgsam mit meinen Tieren

um. Und ich habe wahrscheinlich mehr

Bäume gepflanzt in meinem Leben als die,die

mich angreifen.“ Drews hat sich ein wenig in

Rage geredet. Er möchte gelassen wirken,

doch unter der Oberfläche, das spürt man,

brodelt es. „Ich komme mit denen nicht ins

Gespräch, die über mich reden. Egal, ob ich

historische Persönlichkeiten mit ihren Aussagen

zitiere oder ob ich grüne Positionen vertrete

–meine Kritiker bilden sich ein Urteil

und stempeln mich ab,immer in deren Sinne

und entsprechend undifferenziert. Das ist

doch kein demokratischer Diskurs. Eskann

doch nicht sein, dass mir und meinen Mitarbeitern

und damit der Gesellschaft wirtschaftliche

Nachteile entstehen und dass

Menschen gefährdet werden, weil ich meine

Meinung sage.“

Drews,der zu DDR-Zeiten Taktstraßenleiter

im DDR-Wohnungsbaukombinat war,

hatte 1992 die traditionsreiche, gleichwohl

damals finanziell marode Firma Hentschke

Bau übernommen und sie Stück für Stück

zum bundesweit wichtigsten ostdeutschen

Bauunternehmen mit eigenem Betonfertigteilwerkaufgebaut.

Heute setzt die Firmamit

ihren 700 Beschäftigten jährlich um die 150

Millionen Euro um. Im vergangenen Jahr registrierte

das Unternehmen mit 230 Millionen

Euro ein so hohes Auftragsvolumen wie noch

nie. Derzeit arbeiten Mitarbeiter der Firma

Hentschke auf 60 Baustellen im gesamten

Im November 2019 wurden auf dem Betriebsgelände von HentschkeBau mehrere Fahrzeuge angezündet.

Auf das Unternehmen Hentschke Bau aus Bautzen wurden mehrere

Anschläge verübt. In Bekennerschreiben begründen mutmaßlich

linksextreme Täter die Attacken mit der Nähe des Firmenchefs zur AfD –

der sieht sich verleumdet und seine Mitarbeiter in Gefahr

Bundesgebiet. Hentschke Bauist spezialisiert

auf Brücken, aber auch der schlüsselfertige

Bau von Wohn- und Gesellschaftsbauten sowie

der Fassadenbau gehören zum Portfolio

des Unternehmens. InBerlin hat die Firma

unter anderem exklusive Wohnhäuser in

Prenzlauer Berg errichtet und die Fassade eines

Bürohauses am Humboldthafen gestaltet.

Hinzu kommt das politische Engagement

von Jörg Drews: Bei der Kommunalwahl im

Sommer holte er die meisten Stimmen in

Bautzen und sitzt seitdem für die Sammlungsbewegung

Bürgerbündnis Bautzen im

Stadtrat. „Herr Drews ist ein fleißiger Mann,

der mit innovativen Ideen und ansteckendem

Elan sich und seine Firma nach oben

gearbeitet hat“, lobt ihn sein Co-Geschäftsführer

Alscher.„Und der seine eigene, nicht

immer bequeme Meinung vertritt. Aber Herr

Drews ist definitiv niemand, der Hass oder

Hetzeverbreitet.“

Es gibt einige Bautzener, die das nicht so

sehen. Claus Gruhl etwa, Stadtrat von den

Grünen, wirft dem Firmenchef in Zeitungsinterviews

vor, wiederholt gegen Migranten,

die EU, das politische System und die „Lügenpresse“

gehetzt zu haben. Und auch der

Oberbürgermeister Alexander Ahrens von

der SPD räumt ein, dass Drews mit seinen

politischen Äußerungen in der Stadt nicht

unumstritten sei.

In der linksradikalen Szene ist das Urteil

über den Bauunternehmer eindeutig. In den

Auf

Angriff

VonAndreas Förster,Bautzen

Firmenchef Jörg Drews.

auf der linkenWebseite indymedia veröffentlichten

Bekennerschreiben zu den Anschlägen

auf das Unternehmen wird Drews nicht

nur als Profiteur eines Gefängnisneubaus

beschimpft, sondern auch als AfD-Förderer,

der sich zudem auf rechten Veranstaltungen

herumtreibe.„Es verwundert nicht, dass gerade

Faschisten wie Drews den Bau von

Knästen unterstützen und sich dabei noch

einiges in die Taschen stecken können“,

heißt es in der Erklärung.

Dererste Angriff hatte der Baustelle für einen

Gefängnisneubau in Zwickau-Marienthal

gegolten. Hentschke Bau liefert dorthin

Betonteile für die sechs Meter hohe und

mehr als einen Kilometer lange Mauer,während

ein Partnerunternehmen aus Rodewisch

die Tiefbauarbeiten ausführt. In der

Nacht zum 19. August setzten Unbekannte

auf der Baustelle fünf Bagger und einen Rad-

PA/OBS HENTSCHKE BAU GMBH

IMAGO IMAGES

lader in Brand. Die Fahrzeuge gehörten jedoch

alle der Rodewischer Firma, dabei sollten

mit dem Attentat eigentlich –das belegt

das Bekennerschreiben –beide Unternehmen

getroffen werden.

Zweieinhalb Monate später gingen die

unbekannten Täter auf Nummer sicher: In

der Nacht zum 5. November, kurz nach 1

Uhr, schlichen sie sich auf das Betriebsgelände

von Hentschke Bau inder Bautzener

Zeppelinstraße und steckten mehrere Fahrzeuge

in Brand. „Das hätte ein Inferno geben

können, wenn der Brand nicht so schnell bemerkt

worden wäreund die Feuerwehr nicht

so umsichtig gehandelt hätte“, sagt Alscher.

Er hat mehrerePapiereauf dem Tischausgebreitet

und erklärt auf einem Lageplan, wie

dramatisch die Situation war.„DieTäter hatten

unter anderem an einer Zugmaschine

Feuergelegt, die unweit vonzweiTankstellen

und einer Reparaturhalle stand. Wenn das

Feuerdorthin übergegriffen hätte,wäreeszu

einer Katastrophe gekommen“, ist er sicher.

Trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr

seien mehrere Fahrzeuge schwer beschädigt

worden. Der Schaden, soAlscher,

liege bei knapp einer halben Million Euro.

Zehn Tage später brannte wieder ein

Fahrzeug von Hentschke Bau. Am frühen

Morgen des 15. November hatten Unbekannte

einen Caddy der Firma inBrand gesetzt,

der wertvolle Vermessungstechnik an

Bord hatte. Das Auto mit dem Firmenlogo

stand mitten in einem Wohngebiet in der

Dresdner Neustadt. Der Schaden: rund

60 000 Euro.

„Wir wissen nicht, wer die Täter waren,

ein Bekennerschreiben gibt es hierzu –im

Gegensatz zu den anderen Fällen –nicht“,

sagt Alscher. Ein Trittbrettfahrer könne es

sein, mutmaßt er, denn in linken Kreisen

gelte Hentschke Bau als rechte Firma. „Wir

hatten schon den Fall, dass an einem unseren

Autos unter dem Scheibenwischer ein

Zettel klemmte mit der Aufschrift ‚Diese

Firmagehörteinem Fascho‘.“ Auch Betriebsratschef

Wappler hört von seinen Kollegen

ähnliche Vorfälle. „Es kommt vor, dass unsereKollegen

auf Baustellen beschimpft und

angepöbelt werden“, sagt er.„In Dresden haben

wir erleben müssen, dass Steine über

Bauzäune auf Fahrzeugegeworfen und Baucontainer

beschmiertwurden.“

Drews sagt, es enttäusche ihn, dass Politik

und Öffentlichkeit nicht entschiedener und

lautstärker auf die Attacken gegen seine

Firma reagieren. „Wir haben viele Mails und

Anrufe von Bautzener Bürgern erhalten, die

uns beistehen wollten“, erzählt er. Manche

hätten sogar angeboten, nachts um das Firmengelände

zu patrouillieren. „Von der Politik

hätte ich mir mehr Zuspruch gewünscht.“

Dass dies nicht geschieht, habe aus Sichtvon

Co-Geschäftsführer Alscher auch mit den

Medien und politischen Widersachern im

Bautzener Stadtrat zu tun. Diese würden

Drews auf seine mitunter unbequemen Ansichten

reduzieren.

2017 hatte Drews der sächsischen AfD

19 500 Euro gespendet. DiePartei sei damals

noch in sehr weiten Teilen von den wirtschaftsliberalen

und gesellschaftskonservativen

Überlegungen von Bernd Lucke und

Frauke Petry geprägt gewesen, begründet

Drews das heute.„Da wurden Ansichten vertreten,

die ich teile.Und außerdem gibt es in

einer bürgerlichen Gesellschaft keine Verbote,

eine demokratische Partei zu unterstützen.“

Auch wenn er sich den wertkonservativen

Kreisen in der CDU näher fühle, ist

fürihn dieAfD-Spende aus dem Jahr 2017 in

der Retrospektivekein Fehler gewesen.

Undwie ist es mit seinem finanziellen Engagement

bei der in Bautzen publizierten

Zeitschrift Denkste mit, deren Machern er

vor zwei Jahren eine „einmalige Anschubfinanzierung“

gewährt habe? Er stehe für ein

breites Medien- und Meinungsangebot ein,

sagt Drews dazu. „Ich habe was gegen Denkverbote

und mediale Bevormundung. Ein

breites Meinungsbild muss doch möglich

sein in einer demokratischen Gesellschaft,

um den Menschen auch andere Perspektiven

zuöffnen.“ Und: „Ich nehme keinerlei

Einfluss auf das,was da geschrieben wird.“

Verschwörungstheorien

DiePerspektiven jedoch, die das halbjährlich

erscheinende Magazin seinen Lesern öffnet,

unterscheiden sich kaum von den populistischen

und rassistischen Tönen der Neuen

Rechten. Es wird gegen die Flüchtlingspolitik

der Bundesregierung gehetzt, vor der angeblich

massenhaften Verseuchung der Bevölkerung

durch die von Flugzeugen versprühten

Chemtrails gewarnt und die antisemitische

Verschwörungstheorie verbreitet, wonach

der jüdische US-Milliardär George Soros Europa

in einen Bürgerkrieg treiben will. Als„Informationsquellen

für eine individuelle Meinungsbildung“

empfiehlt das Heft auf seiner

letzten Seite zudem rechte Medien wie Compact,

Junge Freiheit und die Publikationen des

KoppVerlags.

Washält er von diesen Artikeln in der von

ihm unterstützten Zeitschrift? „Herr Drews ist

nicht verantwortlich für die Inhalte der Zeitschrift“,

ruft der Pressesprecher dazwischen.

Es wäredaher besser,wenn Herr Drews dazu

nichts sagt. Der Firmenchef wiegt seinen

Kopf, sagt dann, er wolle sich nicht aufs Glatteis

führen lassen. Aber da habe es ja vor ein

paar Jahren auch mal einenWelt-Artikel gegeben

über Chemikalien, die von Flugzeugen

versprüht werden… Dann bricht Drews ab,

mehr will er doch nicht sagen.

Der Weg hinaus aus der Firmenzentrale

führtdurch den Wartebereich mitroten Sesseln.

Aufeinem Tisch liegen Broschüren und

Zeitschriften über Bauen und Architektur.

Daneben finden sich zusammengeheftete

Kopien von Zeitungsartikeln, in denen der

Klimawandel geleugnet wird. Auch ein Bestellkatalog

des rechten Kopp Verlages liegt

aus, der Bücher über die „Klima-Diktatur“

und die angeblich schleichende Islamisierung

Deutschlands offeriert. Interviewbände

mit Thüringens AfD-Chef Björn Höcke und

Italiens rechtspopulistischem Ex-Innenminister

Matteo Salvini kann man dort ebenfalls

bestellen.

Andreas Förster brauchte einen langenAtem,

um mit dem Bauunternehmer

Drews sprechen zu können.


4* Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

Thüringer Linkehält

an Wahl Ramelows fest

DieLinke in Thüringen hält an der

Anfang Februar geplanten Wahl von

Bodo Ramelowzum Ministerpräsidenten

im Landtag fest. „Wir werden

die Wahl nicht verschieben. Wenn

die CDU stabile Verhältnisse will,

dann muss sie sich im dritten Wahlgang

enthalten“, sagte Parteichefin

Susanne Hennig-WellsowamDienstag

der Deutschen Presse-Agentur.

CDU-Partei- und Fraktionschef

Mike Mohring hatte eine Verschiebung

der Wahl verlangt, um Rechtssicherheit

angesichts der fehlenden

Mehrheit vonRot-Rot-Grün zu

schaffen. DemDreierbündnis fehlen

vier Stimmen im Parlament. Nach

bisherigen Plänen soll Ramelowam

5. oder 6. Februar gewählt werden.

Türkeibelegt 74 Deutsche

mit Ausreisesperre

DieAnzahl der deutschen Staatsbürger,die

aufgrund vonAusreisesperreninder

Türkei festsitzen, ist gestiegen.

DerBundesregierung seien zurzeit

74 solcher Fälle bekannt, teilte

das Auswärtige Amt auf Anfrage mit.

Ende August war noch von38deutschen

Staatsbürgerndie Rede gewesen,

die die Türkei aufgrund von

Ausreisesperren nicht verlassen dürfen.

Im November waren 55 Bundesbürger

betroffen. Nicht bekannt sind

die Hintergründe der verhängten

Ausreisesperren. (dpa)

Kritik an Lambrechts

Kinderrechtsplänen

Justizministerin Lambrecht will Kinderrechte

ins Grundgesetz aufnehmen. DPA

DiePläne vonBundesjustizministerinChristine

Lambrecht (SPD) zur

Aufnahme vonKinderrechten ins

Grundgesetz erfüllen nach Einschätzung

vonBundestagsexperten nicht

die internationalenVorgaben zur

Besserstellung vonKindern. DerVorschlag

bleibe bezüglich der Beteiligungs-

und Mitspracherechte der

Kinder hinter den völkerrechtlichen

Staatenverpflichtungen aus Artikel 12

der UN-Kinderrechtskonvention zurück,

heißt es in einem Gutachten des

Wissenschaftlichen Dienstes des

Bundestags,das der Deutschen

Presse-Agentur vorliegt. Grüne und

Linke sehen sich durch das Gutachten

in ihrer Kritik bestätigt und forderten

am Dienstag deutlich weitreichendereFormulierungen

zugunsten

der Kinder im Gesetzentwurf. (dpa)

Ex-Interpol-Chef Meng muss

mehr als 13 Jahre in Haft

Derehemalige Chef der internationalen

Polizeiorganisation Interpol

Meng Hongwei ist in China wegen

Korruption zu 13 Jahren und sechs

Monaten Haft verurteilt worden. Das

teilte ein Gericht in der ostchinesischen

Stadt Tianjin am Dienstag mit.

Zudem muss der Verurteilte eine

Geldstrafe in Höhe vonzweiMillionenYuan

(etwa 260 000 Euro)zahlen.

Meng Hongwei wurde im Herbst

2018 in China festgenommen. Damals

war er vomInterpol-Sitz in

Frankreich in seine Heimat gereist

und dort„unter Aufsicht“ genommen

worden. DieArt und Weise,wie

der chinesische Interpol-Chef ohne

vorherige Ankündigung aus dem

Verkehr gezogen wurde,hatte internationale

Kritik ausgelöst. (dpa)

Das Rededuell

US-Präsident Trump eröffnet Weltwirtschaftsforum. Greta Thunberg verschärft Toninder Klimadebatte

VonBenedikt von Imhoff und Jürgen Bätz

US-Präsident Donald

Trump und Klimaaktivistin

Greta Thunberg

haben sich in Davos ein

Fernduell um den Klimaschutz geliefert.

„Wir müssen die ewigen Propheten

des Untergangs und die Vorhersagen

einer Apokalypse ablehnen“,

sagte Trump am Dienstag bei

der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums

(WEF). „Dies ist keine

Zeit für Pessimismus, dies ist eine

Zeit für Optimismus“, sagte er. Man

dürfe sich nicht vonden Schwarzsehern

beeinflussen lassen. Thunberg

und andere Aktivisten mahnten dagegen

sofortiges Handeln an.

„Unser Haus brennt noch immer.

Eure Untätigkeit heizt die Flammen

stündlich an“, rief Thunberg den

Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft

und Gesellschaft zu.„Wir sagen euch

immer noch, dass ihr in Panik geraten

und so handeln sollt, als ob ihr

eure Kinder über alles liebt.“ Sie kritisierte,

„leere Worte und Versprechen“

sollten den Eindruck erwecken,

dass etwas für das Klima getan

werde, sie brächten aber nichts gegen

die Klimakrise.

Merkel kommt am Donnerstag

Trump und Thunbergsprachen kurz

nacheinander in unterschiedlichen

Räumen. Die 17-jährige Schwedin

hatte sich vorihrer Rede den Auftritt

des US-Präsidenten im Publikum

angehört. EinTreffen der beiden galt

aber als ausgeschlossen.

Trump nahm weder das Wort Klimawandel

noch den Namen Thunberg

inden Mund. Die USA hätten

Wachstum, Kreativität und die Bereitschaft,

jeder Herausforderung zu begegnen,

betonte er.Trump hatte früher

den Klimawandel einen „Scherz“

genannt. Davonist er mittlerweile abgerückt.

Aber er bezweifelt immer

noch, dass die Klimaveränderungen

menschengemacht sind. Auch Prognosen

zu drastischen Auswirkungen

des Klimawandels stellt er infrage.

Grünen-Chef Robert Habeck

nannte Trumps Rede ein Desaster

für die Konferenz. Nach dem Auftritt

des US-Präsidenten sei„noch klarer“

zu sehen, dass die Richtung gewechselt

werden müsse: „Wir müssen den

Kampf mit Donald Trump aufnehmen,

er steht auf der anderen Seite.“

Die Hilfsorganisation Oxfam betonte:

Es sei beschämend, dass der

Präsident eine Verkaufsrede für die

amerikanische Öl- und Gasindustrie

halte, statt Bedrohungen des Klimanotstands

zu begegnen.

Greta Thunberg hörte US-Präsident Donald Trump in Davos.

„Es ist das erste Mal,

dass die Wirtschaft

den Tonangibt und die Regierungen

hinterherhinken.“

Oliver Bäte, Allianz-Vorstandschef,

kritisiertdie seiner Meinung nach lahmen Bemühungen der Politik gegenden Klimawandel.

Eile und Blockade

Trump traf sich auch mit EU-

Kommissionspräsidentin Ursula von

der Leyen. Danach teilte das Weiße

Haus mit, beide Seiten seien sich einig,

globalen Herausforderungen wie

„Chinas unfairen Handelspraktiken“

gemeinsam zu begegnen. DieUS-Regierung

erwarte „in naher Zukunft

messbare Fortschritte“ beim Abschluss

eines Handelsabkommens.

Vonder Leyen zeigte sich einer Mitteilung

zufolge „überzeugt, dass wir

uns auf eine positive US-EU-Agenda

für Handel, Technologie,Energie und

vieles mehr einlassen können“. Angela

Merkel wirdTrump nicht begegnen:Wenn

er am Mittwoch abreist, ist

die Kanzlerin noch nicht da.

Trump lobte in seiner Rede die

gute Wirtschaftsentwicklung und

niedrige Arbeitslosigkeit in den USA,

die er auf seine Politik zurückführte.

„Amerika wächst und gedeiht, und

ja: Amerika gewinnt wieder wie niemals

zuvor“, sagte Trump. ImVergleich

zu derVorgängerregierung mit

geringem Wachstum und stagnierenden

oder fallenden Löhnen sei

die Entwicklung nun „spektakulär“.

Für die Zukunft prognostizierte er

„gewaltige“ Chancen für die US-

Wirtschaft. Er pries auch die Beziehungen

zu China nach Abschluss eines

ersten Handelsdeals. „Unsere

Beziehungen zu China sind besser

als je zuvor“, sagte Trump. VergangeneWoche

hatten die USA ein lange

verhandeltes erstes Abkommen mit

Peking für neue Bedingungen im bilateralen

Handel geschlossen.

China will offene Märkte

Chinas Vizeministerpräsident Han

Zheng machte sich in Davosfür Globalisierung

und offene Märkte stark.

„Unilaterale und protektionistische

Praktiken, die gegen den weltweiten

Trend laufen, führen nirgendwo

hin“, sagte er,ohne die konfrontative

Handelspolitik von Trump direkt zu

nennen. Er versprach mehr Marktzugang

für ausländische Unternehmen:

„China wird sich der Welt weiter

öffnen.“ Er begrüßte das Teilabkommen

über die erste Phase im

Handelskonflikt mit den USA als„gut

für China, gut für die USA und gut für

die Welt“. Die zugesagten zusätzlichen

Einfuhren von US-Waren nach

China würden nicht zu Lasten andererHandelspartner

gehen.

Im Mittelpunkt des viertägigen

Treffens in den Schweizer Alpen mit

rund 3000 Teilnehmern aus Wirtschaft,

Politik und Gesellschaft stehen

der Kampf gegen den Klimawandel

sowie Krisen etwa im Nahen

Osten und in Libyen. (dpa)

Die Impeachment-Verhandlung im US-Senat beginnt mit einem Eklat. Demokraten sprechen von nationaler Schande

VonKarlDoemens, Washington

Es ist das dritte Impeachment-

Verfahren seit der Gründung der

USA. Doch wenn es nach demWillen

der Republikaner geht, wird esder

kürzeste derartige Prozess in der

amerikanischen Geschichte sein

und möglicherweise schon nächste

Woche mit einem Freispruch von

Donald Trump enden. Entsprechend

massiv ist der Protest der Demokraten.

„Das ist kein Prozess, sondern

eine Vertuschungsaktion und eine

nationale Schande“, wetterte deren

Senats-Anführer Chuck Schumer am

Dienstag. Den republikanischen

Mehrheitsführer in der Kammer,

Mitch McConnell, bezichtigte er, die

Demokratie zu untergraben.

Erbitterte Wortgefechte

Wenige Stunden vor der für den

Dienstagnachmittag (US-Zeit) angesetzten

ersten Verhandlung des Senats

hatte McConnell eine extrem rigide

Geschäftsordnung vorgelegt.

Dem Papier zufolge sollen Anklage

und Verteidigung des Präsidenten

nur jeweils 24 Stunden an zwei aufeinanderfolgenden

Tagen für den Vortrag

ihrer Argumente bekommen.

Dann können 16 Stunden Fragen gestellt

werden. Da die Sitzungen wegen

anderweitiger Verpflichtungen

des Vorsitzenden Richters John Roberts

grundsätzlich erst mittags beginnen,

würden damit große Teile

der Verhandlungen in die Nacht und

den frühen Morgen verschoben.

Noch dramatischer sind die vorgesehenen

Beschränkungen bei der

Beweiserhebung und der Zeugenbefragung.

So sollen die Erkenntnisse

der Anhörungen durch das

Repräsentantenhaus nicht automatisch

in den Prozess einfließen. Vielmehr

muss der Senat die Zulassung

von Dokumenten ausdrücklich beschließen.

Da die Republikaner

über eine Mehrheit von 53 zu 47

Stimmen verfügen, könnten sie das

blockieren. Auch der Wunsch der

Demokraten nach der Anhörung

von Zeugen, die bei den Anhörungen

des Repräsentantenhauses

noch nicht bekannt waren oder

durch einen Maulkorb des Weißen

Hauses an der Aussage gehindert

wurden, wird vorerst abgeblockt:

McConnell will darüber erst zu einem

späteren Zeitpunkt abstimmen

lassen.

Die erste Sitzung des Senats am

Dienstag begann daher mit erbitterten

Wortgefechten. Die Demokraten

wollten gleich zum Auftakt diverse

Änderungsanträge an McConnells

vierseitigem Regelwerk einbringen

und auf deren namentlichen Einzelabstimmung

bestehen. Dabei hofft

die Opposition auf die Unterstützung

einzelner Republikaner. Ob

dieses Kalkül aufgeht, war bei Redaktionsschluss

dieser Ausgabe unklar.

Rigide Zugangsbeschränkungen

Diedreimoderaten Senatoren Susan

Collins, Lisa Murkowski und Mitt

Romney hatten grundsätzlich die

Anhörung von Zeugen befürwortet.

Nach einer aktuellen CNN-Umfrage

forderndas auch 69 Prozent der US-

Bürger. Doch wären für eine Änderung

der Geschäftsordnung mindestens

vier republikanische Stimmen

erforderlich.

AFP

Ober-Republikaner McConnell

(Spitzname: „Moskau-Mitch“) hat

keinen Zweifel daran gelassen, dass

er den Prozess in Trumps Sinn abwürgen

will. DieAnwälte des Weißen

Hauses erklärten am Montag erneut,

Trump habe sich in der Affäreumdie

Nötigung des ukrainischen Präsidenten

Wolodymyr Selenskyj zu einer

Intrige gegen den demokratischen

Präsidentschaftsbewerber Joe

Biden nichts zuschulden kommen

lassen. Der Präsident möchte seine

für den 4. Februar terminierte jährliche

„State of the Union“-Ansprache

ohne das Damoklesschwert der

Amtsenthebung halten. Zudem setzt

McConnell alles daran, die Berichterstattung

über den Prozess kleinzuhalten.

So gibt es ungewöhnlich rigide

Zugangsbeschränkungen für

Journalisten. Interviews mit den Senatoren

in den Fluren des Kongresses

werden nicht möglich sein. Weder

Laptops noch Handys dürfen mit

in den Saal genommen werden, und

die Fernsehbilder stammen alleine

von vier stationären offiziellen Kameras.

Zu teuer und

viel zu

kompliziert

Expertenkritik an Heils

Grundrentenentwurf

VonRasmusBuchsteiner und Tobias Peter

Beschäftigte im Reinigungsgewerbe könnten

von der Grundrente profitieren. ISTOCK

Eigentlich ist die Deutsche Rentenversicherung

Bund dafür bekannt,

dass sie sich nur vorsichtig

und zurückhaltend zu politischen

Entscheidungen äußert. Doch jetzt

hat die Körperschaft des öffentlichen

Rechts eine harsche Stellungnahme

zu den Grundrentenplänen

von Bundesarbeitsminister Hubertus

Heil (SPD) abgegeben.

Das Urteil in der 16-seitigen Stellungnahme,die

der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland)

vorliegt, ist eindeutig: Die Grundrente

sei nicht zielgenau, teuer und

schwierig umzusetzen, befinden die

Fachleute der Rentenversicherung.

Wörtlich schreiben sie: „Hinsichtlich

der Umsetzbarkeit ist anzumerken,

dass das Gesetzesvorhaben eine

noch nie dagewesene Zäsur darstellt,

die die Deutsche Rentenversicherung

außerordentlich stark belasten

wird.“

Allein im ersten Jahr werde die

Grundrente voraussichtlich Verwaltungskosten

von mehreren Hundert

Millionen Euro verursachen, so die

Aussage der Rentenversicherung.

Das seien „mehr als 25 Prozent der

Leistungsausgaben für die Grundrente“.

Dauerhaft seien für Beratung

und Bearbeitung allein der Grundrente

etwa 560 Vollzeitstellen notwendig.

Die entsprechenden Kosten

würden sich jedes Jahr auf etwa 65

Millionen belaufen.

Der Bundesarbeitsminister hat

seinen Gesetzentwurfindie Ressortabstimmung

gegeben und Stellungnahmen

vonVerbänden erbeten. Die

große Koalition hatte sich nach monatelangem

Gezerre im November

auf Eckpunkte für eine Grundrente

verständigt, die deutlich mehr Empfängern

zugutekommen soll als im

Koalitionsvertrag von CDU, CSU

und SPD vereinbartworden war.

DieIdee der Grundrente ist, diejenigen

besserzustellen, die ein Leben

lang gearbeitet und in das Rentensystem

eingezahlt haben, die aber dennoch

nur über sehr geringe Rentenansprüche

verfügen. Wer über die

Jahrezwischen 30 und 80 Prozent des

Durchschnittseinkommens verdient

hat, soll nach einer komplizierten

Formel eine Aufwertung seiner Rentenansprüche

erhalten. Den vollen

Anspruch sollen nur die bekommen,

die auf mindestens 35 Beitragsjahre

kommen. Ab 33 Beitragsjahren ist ein

Teilanspruch auf Grundrente geplant.

Vorgesehen ist eine Einkommensprüfung,

um den Empfängerkreis

nicht zu groß werden zu lassen.

Die Begründung des Gesetzentwurfs

beziehe sich unter anderem

auf den Wandel der Erwerbsbiografien,

schreiben die Fachleute der

Rentenversicherung in ihrer Stellungnahme.Wegen

der Bindung der

Grundrente an eine lange Pflichtversicherungszeit

würden mit der geplanten

Grundrente aber tendenziell

gerade nicht diejenigen erreicht, die

–als Folge des Wandels der Erwerbswelt

–häufiger zwischen versicherungspflichtiger

Beschäftigung und

nicht versicherungspflichtiger

Selbstständigkeit gewechselt seien.


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 5

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Politik

Wladimir Putin am Dienstag im Kreml. Nach seinen heutigen Maßstäben hätte er im Jahr 2000 nicht Präsident werden dürfen.

AP/POOL SPUTNIK KREMLIN

Der Nachlassverwalter

Russlands Präsident Wladimir Putin treibt die Verfassungsreformen im Sprint voran. Es geht um sein politisches Erbe

VonStefan Scholl, Moskau

Änderungen in der Verfassung

wollteWladimir Putin

nicht ausschließen. „Das

kann man erst nach guter

Vorbereitung und gründlicher Diskussion

in der Öffentlichkeit tun“,

sagte der russische Präsident und

machte ein betont gleichgültiges Gesicht.

Beiseiner großen Pressekonferenz

Ende vergangenen Jahres klang

er nicht, als ob er es sehr eilig hätte,

die Spielregeln der russischen Politik

umzuschreiben.

Das neue politische Jahr aber eröffnete

Putin mit mehreren Paukenschlägen.

Bei seiner Rede zur Lage

der Nation am vergangenen Mittwoch

kündigte er eine ganze Reihe

vonVerfassungsänderungen an, entließ

am selben Tag die Regierung,

stellte mit Michail Mischustin, dem

bisherigen Chef der Steuerbehörde,

einen neuen Ministerpräsidenten

vorund gründete eine 75-köpfige Arbeitsgruppe,

die Vorschläge zu den

Verfassungsänderungen ausarbeiten

sollte. Am Montag brachte er

dann selbst Änderungsvorschläge

für 22 Grundrechtsartikel in der

Staatsduma ein. Seine Arbeitsgruppe

ist damit schon wieder überflüssig

geworden.

Putin scheint die Verfassung im

Sprint reformieren zu wollen. Am

Dienstag hat das zuständige Komitee

der Staatsduma seine Vorschläge

bereits gebilligt, die Verabschiedung

der Änderungen in erster

Lesung ist für Donnerstag vorgesehen.

Putins Pressesprecher Dmitri

Peskow erklärt die Hast mit der erhofften

Wirkung seines Chefs: „Jede

Initiative, die das Staatsoberhaupt

verlautbart, findet große Aufmerksamkeit,

ihre Realisierung und Diskussion

besitzt immer außerordentliche

Priorität.“

Die Zustimmung ist gestiegen

Moskaus Medien feiern Wladimir

Putin, 67, seit Jahren als souveränen

Strategen, außenpolitisch eilt er von

Erfolg zu Erfolg. Undlaut dem staatlichen

Meinungsforschungsinstitut

WZIOM stieg in Russland die Zustimmungsrate

für seine Politik nach

der Rede zur Lage der Nation von64

auf 67 Prozent. Allerdings hätten vor

der Rede laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums

nur 38 Prozent für

Putin gestimmt.

Das muss ihn vier Jahre vor dem

Ende seiner Amtszeit nicht besonders

beunruhigen. Zumal er dann,

laut seiner eigenen Verfassungsreform,

nicht mehr kandidieren wird.

Aber vielleicht ist gerade das der

Grund für die Hektik und Unklarheit,

die Putin, der Mann mit dem Pokergesicht,

plötzlich verbreitet. „Er versteht

selbst nicht bis zu Ende,was er

da tut“, bloggt Oppositionspolitiker

Alexei Nawalny höhnisch.

Putin will in der Verfassung die

Hebung des Mindestlohns auf das

Existenzminimum und die automatische

Anpassung der Renten an die

Inflation festschreiben. Das ist populistisch,

also politisch logisch.

„Ein und dieselbe Person kann

das Amt des Präsidenten der

Russischen Föderation nicht mehr als zwei

Amtszeiten ausführen.“

Wladimir Putin, in seiner vierten Amtszeit Präsident Russlands, übermittelte diesen

Vorschlag an das russische Parlament.

Andere Vorschläge Putins sind als

vage Rohentwürfe in der Staatsduma

angekommen. Vorallem der Absatz

über den sogenannten Staatsrat, der

künftig das „Zusammenwirken der

staatlichen Machtorgane“ gewährleisten

und die„Hauptrichtungen der

Innen- und Außenpolitik“ bestimmen

soll. Es gilt als wahrscheinlich,

dass Putin nach 2024 den Vorsitz des

Staatsrates übernimmt, aber dessen

Vollmachten und Zusammensetzung

bleiben im Dunkeln. „Völlig unklar,

wie die Änderungen in derVerfassung

mit Putins konkretem Machterhalt

verknüpft werden sollen“, sagt der

Oppositionelle Sergei Dawidis.„Putin

hat offenbar wieder einmal das Format

einer Geheimdienstoperation

gewählt, die alle in Unkenntnis hält.

Hinterher können sie nur noch entsetzt

staunen.“

Der Politologe Juri Korgonjuk

glaubt, Putinbefürchte,die unpopuläre

Staatspartei „Einiges Russland“

könne bei den Duma-Wahlen 2021

ihre Zweidrittelmehrheit verlieren.

„Er will die Verfassungsänderungen

vorher nicht nur durchbringen, sondern

auch testen, wie etwa der neue

Staatsrat funktioniert.“ Putin habe

noch keinen endgültigen Plan. Bisher

sei das politische System extrem

auf ihn zugeschnitten gewesen, autoritär

und zentralistisch. Jetzt stehe

er vor dem Problem, es zu dezentralisieren,

um seinen Nachfolger in

Schach halten zu können. „Aber dabei

muss es autoritär bleiben.“

Einige Neuerungen Putins wirken

sehr persönlich. Der Staatschef, der

vier Amtszeiten regierte, gönnt seinem

Nachfolger lediglich zwei. Und

er kann erst dann Präsident werden,

wenn er vorher 25 Jahrelangnicht im

Ausland gelebt hat. Das ist ein Gesetz,

das sich gegen politische Emigranten,

aber auch junge Russen

richtet, die im Ausland lernen oder

arbeiten wollen.

„In der Psychotherapie nennt

man das Symptom“,spottet der Politologe

Gleb Pawlowski im TV-Kanal

Doschd. Putinprojiziereein Weltbild

in die Verfassung, wonach jenseits

der Grenzen Russlands nur Perverse

und Feinde wohnten.

Putin selbst arbeitete bis Anfang

1990 als KGB-Agent in der DDR. Er

hätte also laut seiner eigenen Verfassungsänderung

erst 2015, 15 Jahre

nach seinem Amtsantritt, Präsident

werden dürfen.

Stefan Scholl kann auch

nach 22 Jahren in Russland

nicht Präsident werden.

Keine Akzeptanz

Nach der Libyen-Konferenz in Berlin warnt der UN-Sonderbeauftragte vor einer Stationierung ausländischer Soldaten zur Befriedung des Landes

Nach der Libyen-Konferenz in

Berlin hat sich der UN-Sondergesandte

Ghassan Salamé gegen den

Einsatz einer internationalen Friedenstruppe

in dem Bürgerkriegsland

ausgesprochen. „Es gibt in Libyen

keine Akzeptanz für ausländische

Truppen. Ich sehe in der internationalen

Gemeinschaft auch nicht

die Bereitschaft, Truppen zu entsenden“,

sagte er der Zeitung Welt. Der

UN-Sonderbeauftragte für Libyen

fügte hinzu: „Ich strebe darum keine

solche militärische Operation an.“

Wichtiger sei es, die derzeitige Waffenruhe

in einen dauerhaften Waffenstillstand

zu überführen. Dafür

seien aber keine Blauhelme nötig,

sondernnur eine kleine Zahl vonMilitärbeobachtern.

Salamé sagte, besonders wichtig

sei es,dass sich die kämpfenden Parteien

in Libyen auf einen gemeinsamen

Militärausschuss geeinigt hätten,

der über einen Waffenstillstand

verhandeln solle. Der neu geschaffene

Internationale Ausschuss für

Folgemaßnahmen, der den in Berlin

begonnenen Prozess weiter koordinieren

solle, werde sich Mitte Februar

zum ersten Mal treffen, und

zwar ebenfalls in der Bundeshauptstadt.

Möglicherweise werde

Deutschland dabei gemeinsam mit

der UN-Libyen-Mission den Vorsitz

führen, sagte Salamé.

Salamé bezeichnete die Libyen-

Konferenz in Berlin als Erfolg. „Mein

Ziel war es, die anderen beteiligten

Staaten an einen Tisch zu bekommen.

Da haben wir trotz großer

Schwierigkeiten viel geschafft“,

sagte Salamé.

Überwachung vonWaffenembargo

16 Staaten und Organisationen hatten

sich am Sonntag in Berlin darauf

geeinigt, internationale Anstrengungen

zur Überwachung des bereits

seit 2011 bestehenden UN-Waffenembargos

zu verstärken. Gefordert

wird eine umfassende Demobilisierung

und Entwaffnung der Milizen

im dem Bürgerkriegsland. Verletzungen

eines Waffenstillstandes sollen

sanktioniert werden. Nach der

Konferenz war auch eine Debatte

aufgekommen, ob die Bundeswehr

EU-Marineoperation

„Sophia“

Einsatz derzeit ausgesetzt

Mittelmeer

ALGERIEN

200 km

Tunis

TUNESIEN

Rom

Tripolis

Sizilien

ITALIEN

helfen sollte, einen Waffenstillstand

zu überwachen. Ein solcher kann

nach Einschätzung von Experten

nur dauerhaft sein, wenn er von einer

Friedenstruppe überwacht und

durchgesetzt wird.

Der verteidigungspolitische

Sprecher der Unionsfraktion im

MALTA

LIBYEN

Ungefähres

Einsatzgebiet

GRIECHENLAND

Athen

Kreta

TÜRKEI

ÄGYPTEN

BLZ/GALANTY; QUELLE: AFP

Bundestag, Henning Otte, sprach

sich für die Prüfung eines möglichen

Bundeswehreinsatzes erst

nach einem Waffenstillstand aus.

„Das Waffenembargo muss gestärkt

und ein tragfähiger Waffenstillstand

erreicht werden. In einem nächsten

Schritt können wir prüfen, wie auch

die Bundeswehr hierzu beitragen

kann“, sagte der CDU-Politiker der

Rheinischen Post. Dabei gehe es um

einen gemeinsamen Beitrag mit

den europäischen Partnernund unter

dem Dach der Vereinten Nationen,

sagte Otte.„Deutschland steht

weiter zu seiner Verantwortung für

Stabilität in unserer Nachbarschaft.“

Verteidigungsministerin Annegret

Kramp-Karrenbauer hatte

schon vor der Konferenz gesagt,

wenn ein nachhaltiger Waffenstillstand

vereinbart sei und international

abgesichertwerden müsse,„wird

natürlich auch die Frage kommen,

wie soll das geschehen“. Dass sich

dann Deutschland „mit der Frage

auseinandersetzen muss, was können

wir dazu einbringen, das ist vollkommen

normal“.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen

Bundestags, Hans-Peter Bartels,

hält eine Libyen-Mission trotz

knapper Ressourcen bei der Bundeswehr

für leistbar.„Am Ende ist es immer

eine Frage, woman Prioritäten

setzt. Wenn es eine neue wichtige

Aufgabe gäbe,würde man das sicher

hinbekommen“, sagte Bartels der

Passauer Neuen Presse. Allerdings

stehe diese Entscheidung noch nicht

an.„Man sollte jetzt nicht den dritten

Schritt vordem zweiten machen. Ob

eine Militärmission in Libyen unter

Führung der UN oder der EU sinnvoll

ist, hängt davon ab, dass es das,

was man überwachen will, in der

Praxis tatsächlich gibt: nämlich einenWaffenstillstand

und einen Plan,

zum Frieden überzugehen.“

Folgen des Sturzesvon Gaddafi

In Libyen war nach Sturz und Tötung

des langjährigen Machthabers

Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg

ausgebrochen. Die Regierung

von Ministerpräsident Al-Sarradsch

ist international anerkannt,

hält aber nur kleine Gebiete rund

um die Hauptstadt Tripolis im Westen

des Landes.Gegen Al-Sarradsch

kämpft der General Chalifa Haftar

mit seinen Verbündeten, die weite

Teile des ölreichen Landes beherrschen

und ebenfalls aus dem Ausland

unterstützt werden. (AFP)


6 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Hauptstadt

Arbeit und Soziales

Inneres, Bau und Heimat

Justiz und Verbraucherschutz

Gesundheit

Auswärtiges Amt

Finanzen

Petitionen nach

Ressort 2018

2087

Verkehr und digitale

Infrastruktur

Wirtschaft

und Energie

1925

Umwelt,

Naturschutz,

nukleare

Sicherheit

Deutscher

Bundestag

356

271

1119

1485 Verteidigung Bildung,

Forschung

Bundespräsidialamt

Bundesrat

1694

Familie,

Ernährung

Bundeskanzleramschaft

Frauen, 198 185 Wirtschaftliche

Landwirt-

Senioren,

Jugend

Zusammenarbeit

232

und Entwicklung

256

1005

34 15 2

718

538

500

Petitionen in Deutschland

auf eine Million der Bevölkerung des jeweilien Bundeslandes, 2018

bis 120

121 -140

141 -160

161 -180

über 180

Zahl der Petitionen im zeitlichen Verlauf

25 000

20 000

Bremen

113

Niedersachsen 171

Nordrhein-

Westfalen 129

Hessen

Rheinland-

Pfalz

Saarland 173

117

Baden-Württemberg 119

Schleswig-

Holstein 171

Hamburg

151

128

Sachsen-Anhalt 144

128

133

Mecklenburg-

152 Vorpommern

280

Bayern

199

Thüringen

Brandenburg

194

Berlin

Sachsen

23 960

Direkter Draht

Über den Petitionsausschuss kann sich jeder ohne Umwege an den

Bundestag wenden. Und bekommt auch eine Antwort

VonTanja Brandes, Eric Beltermann und Isabella Galanty

Wann hat man als Bürger mit dem Deutschen Bundestag

schon ganz konkret zu tun? „Bei den Wahlen alle

vier Jahre oder wenn man vielleicht mal von einem

Abgeordneten eingeladen wird“, sagt Marian Wendt.

„Und eben über das Petitionsrecht. Durch die Petitionen, die bei

uns eingehen, sehe ich, was die Menschen bewegt und wo im Alltag

Probleme liegen.“

Seit fast zwei Jahren ist Wendt Vorsitzender des Petitionsausschuss

im Bundestag. In dieser Zeit hat der CDU-Politiker einen

ziemlich guten Einblick in die Probleme der Menschen bekommen,

die sich an den Ausschuss wenden. Es gibt Ärger mit einer

Behörde.Die Sanierung einer Schule ist überfällig. DieÄnderung

des Waffenrechts wird gefordert oder mehr Engagement fürs

Klima. Undhin und wieder erlebt der 34-Jährige auch, dass nicht

nur alltägliche Dinge die Bürger umtreiben. Vorwenigen Wochen

forderte ein Petent,die Oblast Kaliningrad solle das 17. deutsche

Bundesland werden: Neu-Ostpreußen. Und regelmäßig landet

auf Wendts Schreibtisch eine Petition, deren Verfasser darauf

drängt, Deutschland möge die Besiedelung eines anderen Planeten

vorbereiten –umgewappnet zu sein, wenn der Todessterndie

Erde zerstört. Absurdoder nicht –auch bei diesen Petitionen gibt

es ein reguläres Verfahren. „Staats- und völkerrechtlich wäreesja

theoretisch möglich, dass Russland sagt: ‚Ihr könnt Kaliningrad

haben, wir haben daran kein Interesse mehr, nennt es, wie ihr

wollt.‘ Politisch ist das natürlich völlig abwegig.“ Trotzdem bekommt

auch dieser Petent ein Schreiben mit der Erklärung,

warum seine Forderungnicht umsetzbar ist. Solange es keine Bedrohung

oder Beleidigung sei, werde jede Petition ernstgenommen,

sagt Wendt. „Egal wie absurd.“

Mehr als 13 000 Petitionen erreichen den Bundestagsausschuss

jedes Jahr. Die meisten davon sind Einzelpetitionen. Undobnun

eine Schule saniertoder ein fremder Planet besiedelt werden soll –

jede bekommt Aufmerksamkeit. „Das Petitionsrecht ist ein Jedermannsrecht“,

sagt Marian Wendt. „Jeder kann eine Petition einreichen,

unabhängig vom Alter oder der Staatsangehörigkeit –und

22 144

für alle gelten die gleichen Kriterien. Wirunterscheiden da nicht.“

Die Petition muss allerdings auf Deutsch abgefasst, verständlich

und unterschrieben sein –und mit einer Adresse versehen. BeiÄrger

mit Behörden reiche oft eine Stellungnahme des zuständigen

Bundesministeriums,damit ein Sachverhalt erneut geprüft werde.

Außerdem wird die Petition vom Ausschuss bewertet und geht

dann an mindestens zwei zuständige Abgeordnete –jeweils einen

vonder Koalition und der Opposition. Es ist eine aufwendige Prozedur,

die auch Wendt oft zu lange dauert. Etwa, wenn die Abstimmung

im Parlament ansteht, bevor die vierwöchige Mitzeichnungsfrist

einer Petition abgelaufen ist. Manarbeite daran,

die Abläufe zu beschleunigen, sagt Wendt.

Fast alle der rund 800 Petitionen, die zurVeröffentlichung beantragt

werden, würden übrigens freigeschaltet. „Nur in manchen

Fällen muss manabwägen:Wann geht es einfach darum, inhaltlich

unterschiedliche Positionen zu diskutieren und wann ist die Diskussion

an sich schon schädlich?“ Eine Petition, in der gefordert

wurde,die Verwendung vonHakenkreuzen nicht mehr strafrechtlich

zu verfolgen, war so ein Fall. „Mit der Veröffentlichung einer

solchen Petition auf der Seite des Bundestages würde man eine

Grenze überschreiten, die wir ziehen müssen –gerade aufgrund

unserer Geschichte.“ Diemeisten Anliegen sind weit weniger heikel.

Etwa 15 Prozent der Petitionen fallen in den Bereich Arbeit und

Soziales,bei fast ebensovielen geht es um Innenpolitik.

Zu Petitionen, die innerhalb von vier Wochen mindestens

50 000 Unterstützern finden, gibt es öffentliche Sitzungen des

Ausschusses. Die Petenten können dort ihr Anliegen vor der

Presse und Zuschauern vortragen. Das garantiert einer Petition

mehr Aufmerksamkeit –was nicht heißt, dass sie auch mehr Aussicht

auf Erfolg hat. „Für uns als Ausschuss spielt es keine Rolle,

ob ein Verein eine Petition einreicht oder Herr Müller,obsie von

einer Person unterzeichnet wurde oder von50000. DerAufwand

ist der gleiche.“ Es wird eben jede Petition ernstgenommen.

Selbst, wenn das angesichts der Forderungen hier und da sicher

auch mal schwerfällt.

15 000

10 735

10 992

10 000

1980 ’85 ’90 ’92

’95 ’00

’05 ’10 ’15 2018

13 832

11 236

13 189

QUELLE: BUNDESTAG

PLATZ DER REPUBLIK

Abgeordnete

und Abstinenz

Christine Dankbar

freut sich auf die Fastenzeit.

Esgibt ein Thema, über das sich

alle Parteien einig sind. Das

kommt im politischen Berlin sehr

selten vor. Es ist noch dazu eine politische

Fragestellung, die ein gewisses

selbstkritisches Element enthält: Nahezu

alle Bundestagsabgeordneten

(MdB) sind der Meinung, dass es zu

viele vonihnen gibt.

Das klingt jetzt ein bisschen so,

als hätte der politikerfeindliche Populismus

schon bei den Protagonisten

selbst Einzug gehalten. Natürlich

ist das nicht der Fall, jedenfalls nicht

bei dieser Angelegenheit. An die 709

Abgeordneten, die derzeit im Bundestag

sitzen, hat man sich ja schon

gewöhnt. Nach außen fällt das auch

nicht so auf, weil ja selten alle im Plenum

sitzen. Doch die Politiker aller

Parteien fürchten sich vor den

nächsten Bundestagswahlen –und

wir reden hier jetzt mal nicht über

die Umfragewerte der Parteien.

Die sind zumindest für die ehemaligen

Volksparteien CDU und

SPD ernüchternd bis verheerend.

Nach der jüngsten Umfrage mit der

so genannten Sonntagsfrage (Wen

würden Sie wählen, wenn am Sonntag

Wahltag wäre?) läge die Union

mit 27,5 Prozent zwar noch an der

Spitze der Wählergunst. Die SPD

kommt gerade mal auf 13 Prozent

und liegt damit hinter den Grünen

liegt (21 Prozent) und auch hinter

der AfD (15 Prozent). Die Linke und

die FDP finden sich bei 9,5 Prozent

bzw.8,5 Prozent. Damit kann man sicher

sagen, dass es auch im nächsten

Bundestag wieder sechs Fraktionen

geben wird. Wie viele Abgeordnete

zur konstituierenden Sitzung auf

den leuchtend blauen Stühlen Platz

nehmen werden, kann man aus diesem

Ergebnis nicht ablesen. DieTendenz

ist allerdings klar:Stimmen die

Deutschen wirklich so ab werde es

mehr als 709 Abgeordnete werden.

Damit würde der Bundestag seine eigene

Rekordzahl weiter steigern.

Vorden denWählernsieht man so

natürlich ganz schlecht aus,weshalb

jetzt, gewissermaßen auf den letzten

Drücker, eine gewisse Betriebsamkeit

hinter den Kulissen eingesetzt

hat. Auch wenn die große Koalition

halten sollte, wonach es bisher ja

wieder aussieht, wird im nächsten

Jahr gewählt. Für ein neues Wahlgesetz

ist es jetzt also höchste Zeit.

An dieser Stelle kann man sich

den Bundestag ein bisschen vorstellen,

wie einen Basar, aufdem lebhaft

gefeilscht und geschimpft wird. Da

das allen aber auch ein bisschen

peinlich ist, versucht man die Debatte

möglichst internzuführen.

Das liegt aber auch an den Argumenten,

die zum Teil leicht zu

durchschauen sind. Die Union etwa

möchte gerne jene Abgeordnetensitze

einsparen, die an die Opposition

gehen würden. So machte

jüngst ein Vorschlag die Runde, der

der Fraktion mit einem der schlechtesten

Wahlergebnisse der Nachkriegszeit

dennoch die absolute

Mehrheit der Mandate einbringen

würde. Selbstverständlich unannehmbar

für die Opposition, die ihrerseits

die Zahl der Direktmandate

reduzieren möchte.Sie ahnen sicher,

welche Seite besonders viele Direktmandate

gewinnt.

Doch bald ist ja Fastenzeit, da

lässt sich ein gemeinsamer Verzicht

vielleicht eher durchsetzen. Andernfalls

müssen mehr leuchtend blaue

Stühle bestellt werden.


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 7

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

22.10.19

22.10.19

▼ 13542,10 (–0,05 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

22.10.19

Stand der Daten: 21.01.2020 (16:45 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

21.1.20

▼ 64,98 (–0,37 %)

21.1.20

▲ 1,1115 (+0,27 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom21.01.zum Vortag

21.1.20

Hugo Boss NA 46,39 +6,18 WWWWWWWWWWW

Cancom 54,00 +2,96 WWWWWW

Fresenius 49,27 +1,65 WWWW

Fresenius M. C. St. 69,74

+1,28 WWW

Covestro 41,28 +1,10 WWW

Zalando 46,76 +1,08 WWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 21.01. zumVortag

Fuchs Petrolub Vz. 41,94 WWWWWWWW –4,16

Siltronic NA 88,78 WWWWWWW –3,73

Lufthansa vNA 14,42 WWWWWWW –3,51

Kion Group 60,42 WWWWWW –3,11

Varta 90,00 WWWWW –2,49

Uniper NA 29,01 WWWW –2,03

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 21.01. ±% z. 20.01.

Euro Stoxx 50(EU) –0,41

3814/3094 3783,63

CAC 40(FR) – 0,65

6110/4820 6039,10

S&P UK(UK) –0,56

1562/1363 1534,24

RTS (RU) – 0,79

1652/1152 1633,53

IBEX (ES) –0,62

9710/8409 9598,50

Dow Jones (US) –0,29

29374/24307 29264,29

Bovespa (BR) +0,13

118861/89409118513,00

Nikkei (JP) – 0,91

24116/20111 23864,56

Hang Seng (HK) –2,71

30280/24900 28019,85

Stx Singap. 20 (SG) –1,35

1674/1464 1651,16

Ratenkredite 10.000 Euro

Kreditzinsen, bonitätsunabhängig bzw.2/3 Zins

Kundenkontakt 36 Mon. 48 Mon. 60 Mon.

Deutsche Skatbank

skatbank.de 2,89 2,89 2,89

EthikBank

ethikbank.de 2,95 2,95 2,95

DKB Deutsche Kreditbank

dkb.de 3,49 3,49 3,49

SWK Bank

couchkredit.de 3,49 3,49 3,49

netbank

netbank.de 3,59 3,59 3,59

Commerzbank

commerzbank.de 3,25 3,25 3,25

ING

ing.de 3,99 3,99 3,99

Targobank

targobank.de 3,75 3,75 3,75

Postbank

postbank.de 3,79 3,79 3,79

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 3,89 3,89 3,89

BBBank

030 202480 1,98 1,98 1,98

PSD Berlin-Brandenburg

psd-bb.de 3,49 3,49 3,69

Pax-Bank

pax-bank.de 3,99 3,99 3,99

ABK Allgemeine Beamten Bank *

030/28535200 4,29 4,29 3,19

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 8,99 8,99 8,99

Mittelwert von 70 Banken 3,80 3,89 3,97

*Konditionen gelten für Beamte/Angestellte im öffentlichen Dienst.

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Edel- &NE-Metalle (Freitag),

Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Logistikzentrum von AmazoninLeipzig.

Von Alexander Krenn

Deutschland will raus aus der

Kohle.Der Fahrplan dafür steht.

Bis 2038 soll Kohlestrom im deutschen

Netz keinen Platz mehr finden.

Die entsprechenden Kraftwerke sollen

in zwei Wellen abgeschaltet werden.

DieVereinbarungzwischen der

Bundesregierung und den Kohleländernbirgt

allerdings Widersprüche.

Noch 2020 soll ein neues Steinkohlekraftwerk

in Betrieb genommen

werden: Datteln 4inNordrhein-

Westfalen. Weniger Kohlestrom

durch neue Kohlekraftwerke? Genau

an diesem Punkt schlägt der Bundesregierung

Entsetzen von Klimaschützern

und Teilen der früheren

Kohlekommission entgegen, die die

Vorarbeit für den Kohlekompromiss

Wildes Wachstum

Während der Internethandel kräftig zulegt, kommen immer weniger Kunden in die Läden

Von Frank-Thomas Wenzel

Dagibt es wohl kein Halten

mehr:„Einzel- und Großhandel

werden digital

oder verschwunden

sein“, sagt Christoph Wenk-Fischer,

Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes

E-Commerce und Versandhandel

(BEVH). Als Bestätigung

dieser These führt erdas Rekordjahr

2019 an. Das hat für seine Branche

wiederzweistelligeZuwachsratengebracht.

Undinden letzten drei Monaten

des vergangenen Jahres hat derE-

Commerce in einem Quartal erstmals

mehr als 20 Milliarden Euro umgesetzt.

Derweil warnt der Handelsdachverband

HDE vor einer beschleunigten

Verödung der Innenstädte.

2019 haben die Online-Händler

fast 73 Milliarden Euro eingenommen,

was nach BEVH-Berechnungen

einemPlusvon11,6ProzentzumVorjahr

entspricht. Getrieben wird der

Boom von einer höheren Frequenz.

JederdritteKundeordertmittlerweile

mehrmalspro Woche –Bestellen per

Internet wird immer stärker ins alltägliche

Verhalten integriert. Das

wird noch durch moderne Smartphones

erleichtert, die die Käufer immer

bei sich tragen und deren große

Touchscreens das Ordern immereinfacher

machen. Schon fast die Hälfte

allerBestellungen wirdmit schlauen

Handys vollführt.

Wenk-Fischer geht davon aus,

dass sich der Trend in diesem Jahr

Raumplanung: Der Handelsverband

HDE hat einen

Forderungskatalog mit elf

Punkten vorgelegt. Verlangt

wird etwa, dass Kommunen

ihre veraltete Raumplanung

aktualisieren, die häufig

noch nicht „die Umsatzabflüsse

des stationären Handels

zugunsten des Online-

Handels berücksichtigen“.

FORDERUNGEN DES HANDELSVERBANDS

weiterverstärkenwird.Ererwarteterneut

ein zweistelliges Umsatzplus,

aber nur gerade so. Nämlich von

10 Prozent wegen der „gedämpften

Konjunkturaussichten“. Gleichwohl

würde damit die Umsatz-Schwelle

von80Milliarden Euro geknackt.

Einer der Träger des Wachstums

wirdmutmaßlich der Internethandel

mit dem sein, was der VerbandWaren

des „täglichen Bedarfs“ nennt. Gemeint

sind Drogerieartikel, Tiernahrung

und vor allem Lebensmittel.

Letztere erzielten im abgelaufenen

Jahr miteinem Plus von17,3Prozent

die höchste Zuwachsrate aller Warengruppen.

Lebensmittel hinkten

lange im Onlinehandel hinterher.

Marktforscher behaupteten sogar,

die Dinge,die es im Supermarkt gibt,

„Völlig falsches Signal“

Streit überKraftwerk Datteln 4eskaliert.Knapp 5Milliarden Euro Hilfe fürKumpel geplant

Deregulierung: Auch soll es

weitere Deregulierungen geben

–wie mehr verkaufsoffene

Sonntageund eine Lockerung

der Regeln für die

nächtliche Anlieferung von

Geschäften. Auch müssten

Handel und Immobilieneigentümer

wieder zu einer

„Mietpartnerschaft“ zusammenfinden.

Immobilienboom: Dahinter

steckt ein Mechanismus, der

vorallem mit dem Immobilienboom

zu tun hat. Gerade

Fachgeschäfte können sich

in Innenstädten wegenteils

massiv steigender Mieten

nicht mehr halten. Wo früher

Haushaltswaren verkauft

wurden, machen sich nun

Fast-Food-Ketten breit.

der Regierung geleistet hat. Acht der

28 Mitglieder der Kohlekommission

haben ihren Ärger nun öffentlich gemacht.

DerPlander Regierung sei ein

„völlig falsches Signal“, sagte die Co-

Vorsitzende der Kommission, Barbara

Praetorius.Die Einigung zwischen

Wirtschaft, Politik und Umweltorganisationen

sei „an entscheidenden

Stellen aufgekündigt“. Für Datteln 4

hatte die Kommission eine klare

Empfehlung: keine neuen Kraftwerke

in Betrieb nehmen.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier

(CDU) kontert: Es sei besser,

alte Kraftwerke mit hohem CO 2 -Ausstoß

stillzulegen und dafür das effizientereneue

Werk Datteln4ans Netz

zu nehmen. Allerdings wirddas umstrittene

neue Werk nach Berechnungen

desUmweltministeriums jedoch

über seine Laufzeit rund zehn

Millionen Tonnen CO 2 mehr ausstoßen

als ältereKraftwerke mit der gleichen

Leistung. Datteln wird voraussichtlichmehrausgelastet

sein als ältere

Blöcke, die weit unterhalb ihrer

vollen Leistungsfähigkeit betrieben

werden. Für Datteln wird 2024 das

Braunkohlekraftwerk Schkopau in

Sachsen-Anhalt stillgelegt.

Laut Altmaier und Nordrhein-

Westfalens Ministerpräsident Armin

Laschet (CDU), in dessen Bundesland

Datteln liegt, geht es aber auch

um Geld. Uniper habe einen Rechtsanspruch

darauf, das Kraftwerk in

Betrieb zu nehmen, hießtesimWirtschaftsministerium.

Andernfalls wären

milliardenschwere Entschädigungen

zu zahlen.

Unterdessen soll Arbeitnehmern

FOTO: IMAGO STOCK&PEOPLE

könnten niemals einen merklichen

Marktanteil im E-Commerce erreichen.

Inzwischen ist klar, dass sich so

gut wie alles über das Internet verkaufen

lässt. Allerdings ist die Lebensmittelsparte

mit einem Umsatz

von 1,6 Milliarden Euro noch immer

etwas unterbelichtet. Es dominieren

die klassischen Kategorien Bekleidung

(14,3 Milliarden Euro) und

Elektronik (13,2 Milliarden Euro). Bemerkenswert

an diesen Zahlen ist,

dass trotz des großen Volumens das

Plus über dem Durchschnitt lag. Das

gilt auch für Artikel, die mit der Einrichtung

zu Hause zu tun haben.Die

Zuwachsrate kletterte bei Möbeln,

Lampen, Heimtextilien und Haushaltsgeräten

auf 13,5 Prozent.

Für Wenk-Fischer ist klar,dass geradeGrundsätzlichesgeschieht:„Das

digitale Geschäft ist der Motor des

Handels, und Plattformen werden

mehrund mehr zum Betriebssystem

der gesamten Wertschöpfungskette.“

Der BEVH legte am Dienstag ein

Weißbuch vor, das die Transformationzum

„neuen Handel“ beschreibt.

Ein von Branchenkennern vielfach

gelobtesExempel ist dieWebsite des

Sportartiklers Adidas. Dort wird eine

VielfaltanProdukten präsentiert,die

in keinem stationären Laden mehr

erreicht werden kann – etwa mit

mehreren hundert Lifestyle-Sportschuh-Modellen.

An vielen traditionellen

stationärer Händlern ist diese

Entwicklung offenbar vorbei gegangen:

Die Umsätzevon derenOnlineshops

legten mit 8,2Prozent deutlich

unter dem Marktniveau zu.

Als Schattenseite des Onlinebooms

sieht der Handelsdachverband

HDE Innenstädte als bedrohte

Lebensräume. Vor allem mittelständische

Unternehmen beklagten, dass

immer weniger Kunden den Wegin

ihre Läden finden. Die Folgeprobleme

zeigten Zahlen des Handelsforschungsinstituts

IFH: In den vergangenen

fünf Jahren ist die Zahl der

Standorte im deutschen Einzelhandel

um rund 29000 geschrumpft.

„Die Probleme der Händler bringen

ganze Innenstädte ins Wanken. Wo

der Handelstirbt,sterben Stadtzentren

und Dorfgemeinschaften“, so

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan

Genth ineinem Brief an Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU).

in Kohleregionen beim Kohleausstieg

mit bis zu 4,8 Milliarden Euro

der Übergang in die Rente erleichtert

werden. Das geht aus dem Entwurf

des Bundeswirtschaftsministeriums

für das Kohleausstiegsgesetz hervor.

Zwei Drittel soll der Bund zahlen, ein

Drittel betroffene Bundesländer.

Das Anpassungsgeld können

Arbeitnehmer bekommen, die in

Braunkohlekraftwerken und -tagebauen

sowie in Steinkohlekraftwerken

arbeiten, mindestens 58 Jahrealt

sind und wegen des Kohleausstiegs

bis zum Jahr 2038 den Job verlieren.

Es kann einen Zeitraum von höchstensfünfJahrebiszumRenteneintritt

überbrücken. Wenn sie wegen eines

früheren Renteneintritts dann weniger

Rente bekommen, kann das

ebenfalls ausgeglichen werden.

Mehrfachbeschäftigung

nimmt zu

ArbeitsministerHubertus Heil (SPD)

hat sich besorgt über den Anstieg

vonMehrfachbeschäftigung in

Deutschland gezeigt. „Nicht jede

Form vonNebenbeschäftigung ist

schon ein sozialer Skandal, aber es

gibt Bereiche,damuss uns das mit

Sorgeumtreiben“, sagte Heil. Es gebe

Fälle,bei denen ein Arbeitsplatz

nicht mehr zum Leben reiche.„Tatsacheist:

Wirhaben nach wie vorin

Deutschland einen sehr festen Sockel

vonNiedriglöhnen, und darüber

müssen wir reden“, sagte Heil.

Es gebe aber auch Situationen, in

denen Menschen gerneinen Nebenjob

machen. DieZahl derMenschen

mit Nebenjob ist weiter angestiegen.

Ende Juni 2019 waren rund 3538 000

Mehrfachbeschäftigte registriert, so

die Bundesagentur für Arbeit. (dpa)

Frankreich und USA wollen

sich im Steuerstreit einigen

Frankreichwill sich laut Finanzminister

Bruno Le Maireandiesem

Mittwoch mitden USAauf einen

gemeinsamenPlan zur Besteuerung

großer Digitalkonzerne einigen.

Dasgemeinsame Ziel sei„eine

gerechteBesteuerungdigitalerAktivitätenineineminternationalen

Rahmen“.Die VereinigtenStaaten

hatten Frankreich mit Strafzöllen

gedroht,weil ParisimJahr 2019eine

Digitalsteuer eingeführthatte,die

hauptsächlich große US-Konzerne

wie Googleoder Facebooktrifft. Der

französischePräsidentEmmanuel

Macron habe in einem Telefonat

mit US-Präsident DonaldTrump

vereinbart,jedeEskalationzuvermeiden.

(dpa)

Höhere Ticketpreise

bei Easyjet

Easyjet-Maschineauf demFlughafen

Schönefeld. FOTO: STEFFEN KUTTNER/IMAGO IMAGES

HöhereTicketpreise im Weihnachtsquartal

haben den Ausblick beim

britischen Billigflieger Easyjet verbessert.

Im gesamtenWinterhalbjahr

vonOktober bisMärzdürfteder

saisontypische Verlust vorSteuern

geringer ausfallen als ein Jahr zuvor,

teilte Easyjet mit. Firmenchef Johan

Lundgren führte die Entwicklung

auch auf den allgemein gebremsten

Ausbau des Flugangebots europäischer

Airlines zurück. Fluggesellschaften

schreiben im reiseschwachen

Winterhalbjahr in der Regel rote

Zahlen, ihreGewinne fliegen sie

vorallem im Sommer ein. (dpa)

Spielbanken ziehen mehr

Besucher an

Diestaatlich konzessionierten Spielbanken

in Deutschland haben im

vergangenen Jahr deutlich mehr Besucher

angezogen und Geld eingenommen.

6,4 Millionen Spieler sorgten

2019 an Automaten und Tischen

für ein Plus beim Bruttospielertrag

(BSE) von25,6 Prozent auf mehr als

860 Millionen Euro,teilteder Vorstandschef

des Deutschen Spielbankenverbandes,OttoWulferding,

in

Baden-Baden mit. DerBSE gibt die

Differenz zwischen den Einsätzen

und den Gewinnen der Spieler an

und entspricht dem Umsatz. 2018

waren rund 5,7 Millionen Besucher

in die Casinos gekommen. (dpa)


8 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Meinung

Fahrverbote

ZITAT

Eine Frage

des Stils

Julia Haak

begrüßt die klimaneutrale Stadt

und zweifelt trotzdem am Erfolg.

Verbot und Verbannung –schön klingt

das nicht. Berlins Verkehrs- und Umweltsenatorin

Regine Günther geht gerade

mit Plänen an die Öffentlichkeit, die

viele Berliner als Zumutungen empfinden

werden. In zehn Jahren sollen innerhalb

des S-Bahnrings keine Autos mit Verbrennungsmotoren

mehr fahren. Und die Senatorin

hat noch mehr vor. Noch ein paar

Einschränkungen und finanzielle Strafen

für jedes Verhalten, das mit Emissionen

verbunden ist: Citymaut, Nahverkehrsabgabe,

mehr Parkraumbewirtschaftung,

Solarpflicht, Verbot vonÖlheizungen. Der

ADAC spricht bereits in Bezug auf den

Rausschmiss der Verbrenner aus dem Innenstadtgebiet

von einem Klima der

Angst, das Günther schüre.

Bevormundung, auf diesen Vorwurf

wird sich die Diskussion nun verkürzen.

Wasdahinter steht, wirdvorerst niemand

sehen. Schade.Denn es könnte doch sein,

dass die Umweltsenatorin recht hat.

Erst im Dezember hatte sich der Senat

auf einen Klimaplan geeinigt. Die Klimanotlage

wurde ausgerufen. So schnell, wie

es eben geht, soll Berlin nun klimaneutral

werden. Bis 2050 soll der CO 2 -Ausstoß

drastisch reduziert werden: im Vergleich

zu den Werten Anfang der 90er-Jahre um

85 Prozent. Alles, jedes Vorhaben des

Landes soll darauf hin überprüft werden,

ob es die Klimabilanz verschlechtertoder

verbessert. Dass wir im Rahmen eines solchen

Plans auch die Formen der Fortbewegung

in der Stadt drastisch verändern

müssen, sollte eigentlich jedem klar sein.

Es ist allerdings etwas anderes,obman

pauschal über Klimaneutralität spricht

oder das eigene Auto abschaffen muss.

Notwendig ist es. Erreicht werden kann

die Verkehrswende allerdings nur, wenn

die Berliner sie auch akzeptieren.

Corona-Virus

Der Erreger und

die Erregung

Rasmus Buchsteiner

glaubt, dass zur Beunruhigung hierzulande

kein Anlass besteht.

Ein bislang unbekannter Virus aus

Asien, der nun nach Europa eingeschleppt

werden könnte. Eine mysteriöser

Lungenkrankheit, die bei der Weltgesundheitsorganisation

zu Krisensitzungen

führt. Dassind Nachrichten mit Gruselfaktor.

Schon erklingt der Ruf nach

Fieberkontrollen an Flughäfen. Doch aus

deutscher oder europäischer Sicht wäre

das zumindest jetzt noch eine übertriebene

Maßnahme.

Es handelt sich um einen Erreger ähnlich

jenem, der 2003 ausgehend von

China zu einer Pandemie mit hunderten

Toten geführt hatte. Man kann nicht sagen,

dass die Volksrepublik beim damaligen

Ausbruch vonSars ein Musterbeispiel

von Transparenz und Kooperation mit

den internationalen Gesundheitsbehörden

war. Man sollte also über nationale

und europäische Vorsorgemaßnahmen

nachgedenken.

Doch dabei gilt es, auf alles, was Pandemie-Panik

unnötig befördern könnte,

zu verzichten. Folgt man nämlich den

Einschätzungen der Experten hierzulande,ist

das Corona-Virus deutlich weniger

gefährlich als der Sars-Erreger, der

2003 Angst und Schrecken verbreitete.

ZurErinnerung: Damals gab es laut Weltgesundheitsorganisation

weltweit 8096

Infektionen, in 774 Fällen waren sie tödlich.

Auch wenn es zynisch anmuten mag,

muss man die Zahlen ins Verhältnis setzen:

Bei der Grippewelle 2017/18 starben

nach offizieller Schätzung mehr als 25 000

Menschen. Diese Zahl hat einen hohen

Gruselfaktor, dasie sich wohlgemerkt allein

auf Deutschland bezieht. Allzu große

Erregung über den neuen Erreger aus

dem fernen China ist daher zumindest bis

jetzt nicht angebracht.

Davos wird grün.

Theaterregisseure dürften beim

Blick auf den Schweizer Alpenort

Davos vor Neid erblassen. Dort ist

es den Organisatoren des Weltwirtschaftsforums

gelungen, das Drama der Gegenwart

auf die Bühne zu bringen. In den

Hauptrollen: Donald Trump und Greta

Thunberg. DerUS-Präsident und die Schülerin

lieferten sich– wenn auch nicht von Angesicht

zu Angesicht –ein ideologisches Duell:

Älterer, selbstgerechter Mann gegen

junge, anklagende Frau. Nationalist gegen

Mahnerin zur internationalen Zusammenarbeit.

Kohlefan gegen Klimaschützerin. Was

sie als existenzielle Gefahr für die Menschheit

ausmacht, verbrämt er als apokalyptisches

Geraune.

Trump und Thunberg verkörpern zwei

Extreme.Daher vermag keiner vonihnen für

den Umgang mit dem Klimawandel jene Orientierung

zu geben, die nicht zuletzt die in

Davos versammelte Wirtschaftselite bitter

nötig hat. Die Erderwärmung ist ein Problem,

ein großes sogar. Doch weder Ignoranz

noch Panik tragen zu dessen Lösung bei.

Trumps Rede verfehlte klar das Thema der

Veranstaltung. Da mochten Einladungskarten,

Einspielfilme und Redner noch so oft vor

Artensterben, Meeresmüll und Konflikten um

Wasser und Ackerland warnen –den US-Präsidenten

ficht das nicht an. Klimaschutz ist für

Trump kein Thema. Und wenn doch, dann

bloß, um seine umweltbewegten Kritiker als

„radikale Sozialisten“ und Untergangsapologeten

zu beschimpfen, wie er es in Davostat.

Sein eigentliches Publikum saß nicht im

Saal. Trump sprach zu den US-Wählern. Die

irrwitzige Aneinanderreihung seiner vermeintlichen

Rekordleistungen auf dem US-

Arbeitsmarkt, derWirtschaft und im internationalen

Handel war der leicht durchschau-

Erst mal einen Tee. Das Wasser ist aufgesetzt,

die Blätter im Netz, draußen zwitscherndie

Vögel, gleich kann es losgehen. Es

wird ein Kräutertee, ist besser für die Gesundheit,

allerdings haben Kräutertees in

letzter Zeit dieTendenz zum bekloppten Produktnamen.

Früher hießen sie nach ihrer

Herkunft oder Zusammensetzung „Wildblumentee“

oder „Kräutermischung“, dann

wurde daraus „duftende Blumenwiese“ oder

„sonniges Alpenglühen“, heute läuft es nicht

mehr unter „Fühl-dich-wohl-Tee“ oder

„Hab-dich-lieb-Tee“ oder „Sei-gut-zu-dir-

Tee“, eins so dämlich wie das andere.

Das Wasser kocht und ich wünsche mir

auch mal etwas kernigere Namen wie

„Siehst-du-diesen-Stinkefinger“ oder „Halteinfach-mal-die-Klappe“.

Jede Bewegung

braucht schließlich ihre Gegenbewegung.

Genauso wie es ja nicht nur die Veganer-

Welle gerade gibt, sondernauch die Blutige-

Steak-Welle oder die Ich-mach-jetzt-malden-Jagdschein-Welle.

Neulich sah ich auf

dem Titelblatt der Edeka-Kundenzeitschrift

zwei Vollbartmänner in Flanellhemden hinter

einem Grill stehen unter der Überschrift

„Im Glutrausch“, was ja schon mal in die

richtige Richtung geht. Das Heft handelte

vonder Zubereitung toter Tiere–grillen, räuchernoder

einfach mal rohprobieren.

Mansollte bei Produktnamen nicht immer

nur aufWellness setzen, sondernsich auch Illness

zutrauen. Dann könnte Porsche dazu

übergehen, seinen Autos nicht mehr Namen

wie „Panterra“ zu geben, die nach griechi-

Weltwirtschaftsforum in Davos

Klima und

Rendite

Marina Kormbaki

ist der Meinung,dass weder Donald Trump noch

Greta Thunberg recht haben.

KOLUMNE

Ein Schluck

vom

Stinkefinger-Tee

Volker Heise

Filmemacher und Autor

scher Göttin klingen, sondern „Riech

Gummi“, was eher der Wahrheit entspricht.

SUV wie „Defender“ oder „Explorer“ haben ja

schon den Hang zum scharfen Geruch von

Testosteron, aber der Pick-up „Mordbrenner“

von Toyota mit optionalem MG-Aufsatz für

den kleinen Bürgerkrieg wäre eine feine Sache.

Ich bin da für brutale Ehrlichkeit, auch

bei Kohlekraftwerken. „Datteln 4“ muss nicht

sein,„Wüste 3000“ klingt schärfer.

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

bareVersuch, den für ihn ungünstigen Nachrichten

daheim etwas entgegenzusetzen. Am

Dienstag begann das Amtsenthebungsverfahren

gegen Trump: Neue Erkenntnisse

zum Treiben seiner Leute in der Ukraine lassen

den Präsidenten in keinem guten Licht

dastehen. Davos kam ihm gelegen, um die

Kritik in Washington mit einem Übermaß an

Selbstlob zu kontern.

In den USA hat Trump eine Vielzahl von

Umweltschutzmaßnahmen seines Vorgängers

Barack Obama rückgängig gemacht. Naturschutzgebiete

dürfen ausgebeutet werden,

Auflagen zur Förderung vonErdöl und Erdgas

werden gelockert. Trump glaubt, dass er damit

der Wirtschaft nützt. Doch womöglich

liest er die Zeichen der Zeit falsch. DerKlimawandel

gilt plötzlich als Bedrohung für die

Rendite.Versicherer sehensich immer größeren

Kostenrisiken ausgesetzt. Immer mehr

Kapitalgeber forderndaher ein Umlenken der

Finanzströme wegvon der Förderung fossiler

Brennstoffe. Der weltgrößte Vermögensverwalter

Blackrock will vorangehen und rät

auch sämtlichen Weltkonzernen zu mehr

Nachhaltigkeit in den Bilanzen.

Undnun wirbt auch das Weltwirtschaftsforum

in Davosfür grüne Geschäfte.Daraus

spricht die Einsicht in die Notwendigkeit einer

klimapolitischen Sensibilisierung der

Wirtschaft. Mit dem Pflanzen von Bäumen,

wozu sich die Konzernchefs verpflichten

wollen, ist es aber gewiss nicht getan. Aufforstung

in fernen Ländern bringt kein Umdenken

daheim, ist schlecht zu kontrollieren

und zeugt vonneokolonialem Denken.

Dass nicht zuletzt dank ihres Protests das

Klima ins Zentrum der wirtschaftspolitischen

Debatte gerückt ist, darf Greta Thunberg

freuen. Es ist nicht so, dass „praktisch

nichts“ passiert, wie die Schwedin kritisiert.

Thunbergs Ungeduld ist berechtigt –sie verstellt

jedoch den Blick auf politische Weichen,

die jetzt gestellt und hoffentlich bald

zur CO 2 -Reduktion führen werden. Die EU

will den Beweis erbringen, dass klimafreundliche

Technologien Wohlstand und

soziale Sicherheit mehren können. Mächtige

US-Bundesstaaten wie das progressive Kalifornien,

aber auch das konservative Texas

haben das ökonomische Potenzial Erneuerbarer

längst erkannt – Trump zum Trotz.

China treibt den Wettbewerb um grüne

Technologien massiv voran.

Zu grünen Geschäften ist es gewiss noch

ein weiter Weg. Gut, dass dieWirtschaft jetzt

drüber spricht. Besser, wenn sie schon bald

danach handelt.

So. Netz aus der Kanne, Stövchen angezündet,

Tasse geholt, die Vorfreude ist groß.

Draußen singen die Vögel immer noch, sind

aber weniger geworden in letzter Zeit. Vor

zwei Jahren konnte man bei uns an der Elbe,

während der großen Trockenheit, ganzeVogelscharen

sich an den letzten Tümpeln versammeln

sehen in der Hoffnung auf einen

mageren Frosch. Überhaupt gibt es immer

weniger Tiere, bald sind wir Menschen allein

auf der Welt oder nahezu allein, es wird immer

noch die Nutztiere geben, die in Fleischfabriken

als Rohstoff gelten. Geht es so weiter,

habe ich neulich gelesen, erzielen wir

bald die Wirkung des Riesenmeteoriten, der

vor 66Millionen Jahren nicht nur den Dinosaurier,

sondern 75Prozent aller Tierarten

ausgerottet hat.

Auf der anderen Seite heißt es ja immer,

dass die Rettung nahe ist, wenn die Not am

größten, und so auch in diesem Fall. Forschern

soll es gelungen sein, neue Lebewesen

zu erzeugen, also kleine Tierchen.Sie haben

Froschzellen isoliert und mit Hilfe von

Computerprogrammen neu zusammengesetzt.

Mal wurden kleine runde Dinger daraus,mal

hatten sie ein Loch in der Mitte, mal

keines. Noch sind sie nur unter dem Mikroskop

zu erkennen, aber auch die Tierwelt hat

ja mal klein angefangen, als hilfloser Einzeller.Einen

Namen haben diese neuen Entitäten

noch nicht, aber ich hätte einen Vorschlag.

Wie wäre esmit „Ich-hab-dich-lieb“?

Vielleicht, in Millionen Jahren, wirdauch ein

Mensch draus.Oder eine Teesorte.

„In der DDR konnte man

selten Sport ineiner Sportstätte

machen, wenn man

nicht olympiaverdächtig

war. Bei mir war das schon

sehr früh sehr klar.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin, bei der Verleihung

der Auszeichnung „Sterne des Sports“ über ihre

fehlenden sportliche Talente

AUSLESE

Die Türkei und der

Libyen-Gipfel

Über den Libyen-Gipfel wurde auch in

der türkischen Presse viel geschrieben.

In einem sind sich die dortigen Kommentatoren

einig: DieTürkei und ihr Präsident

Erdogan haben dabei eine bedeutsame

Rolle gespielt. In der englischsprachigen

Ausgabe der regierungsnahen

türkischen Zeitung Yeni Safak vergleicht

Selcuk Türkyilmaz das Treffenmit derBerliner

Kongo-Konferenz von 1884–85 zur

kolonialen Aufteilung Afrikas und der damals

schwachen Machtposition des Osmanischen

Reiches: „Heute gibt es wieder

eine Berliner Konferenz, und dasThema ist

Nordafrika. Aber diesmal kann man nicht

sagen, dass unser StandinBerlin schwach

ist. […] DieTürkei ist zurück in der Region

als‚Schwertder Gerechtigkeit.‘“

DieErgebnissebewertendie türkischen

Blätter quer durch die politischen Lager

skeptisch und melden massiveVerletzungen

des Waffenstillstands durch die Truppen

des aufständischen Generals Chalifa

Haftar. Das moderat-islamische Blatt Karar

bezeichnet Haftar sogar als„Gewinner“

des Berliner Treffens. Mit drei Karikaturen

fasst dienationalistisch-oppositionelle Yenicag

das politische Geschehen in Libyen

zusammen. Ein kleiner Steinzeit-Erdogan

versucht verzweifelt und vergeblich, zwei

gewaltige Riesen namens „Ökonomie“

und „Krise“ in Bewegung zu setzen, um

dann im dritten Anlauf einen kleinen Soldaten

vor sich her zu schieben. „Polierte

Steinzeit“ betitelt der Zeichner Emre Ulas

dies. Frank Nordhausen

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 – S eite 9 *

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Berlin

Und wasmeinen Sie?

Die Briefe

unserer Leser

Seite 15

Ein Anfang: Wiedie Hauptstadt klimaneutral werden könnte Seite 13

Ein Abschied: Die Trauerfeier für Manfred Stolpe Seite 16

Stadtbild

Feierabend

1.0

Torsten Landsberg

registriertneue Lokalregeln

Die Bar liegt längst im Dimmerlicht

und weit entfernt von jedweder

Arbeitsatmosphäre. Zur Sicherheit

hängt an einer Wand trotzdem

eine Tafel, handschriftlich ist

dort mit Kreide die dringende Bitte

notiert, ab 21 Uhr Laptops von den

Tischen zu räumen: „Don't kill the

vibe“, schließt die Notiz und macht

die Bitte zu einer deutlichen Ansage.

In Cafés und Bars treffen häufig zwei

Interessen aufeinander: Arbeiten in

angenehmer Umgebung statt am

heimischen Schreibtisch versus Freizeit.

Selbst wenn sich Gäste voneinem

Laptop am Nebentisch gar nicht persönlich

gestört fühlen, stellt sich die

Frage nach Ruheräumen, nach dem

Wert der Pause. Auch ein für private

Zwecke genutztes Notebook bleibt

ein Symbol für den Stress der Arbeitswelt

und die mit mobilen Geräten

in den späten Feierabend eingezogene

Empfangsbereitschaft.

Ohne Schranken droht ein

Schicksal wie dem St. Oberholz in

Mitte, das einst den Ruf als Hort der

digitalen Boheme genoss. Zum Start

der Nullerjahre war Freelance der

neue „heiße Scheiß“ und noch verstand

niemand, dass es bald ein

raumgreifendes Synonym für

(Selbst-)Ausbeutung sein würde.

Leute,die „freelance“ an „Projekten“

arbeiteten, wirkten extrem cool, hielten

sich im Oberholz aber trotzdem

den ganzen Arbeitstag lang an einer

Saftschorle fest. Weil sich damit kein

Umsatz machen ließ, ist das Oberholz

heute ein Co-Working Space.

So einer Entwicklung will der Wirt

einer anderen Stammkneipe vorbeugen.

Er hat keine Hinweistafel

aufgehängt, reagiertaber mit höchst

reservierter Miene, sobald ein Gast

nach dem WLAN-Passwort fragt.

Mitunter handhabt er die Anfrage rigoros

und behauptet, er habe kein

Internet. Entgegnet der Gast darauf,

dass der Name der Lokalität in den

Netzwerken auftaucht, antwortet

der Wirt:„Ist kaputt.“ Wenn ein einzelner

Besucher an einem Vierertisch

seinen Laptop ausbreitet und

dann nur einen Kaffee bestellt, erreicht

die Gastfreundschaft einfach

sehr schnell ihr Ende.

Als er einem weiblichen Gast neulich

sogar erklärte, warum er seinen

Laden nicht als Arbeitsstätte versteht

und möchte, dass sich seine Gäste

hier entspannen können, zeigte sie

sich etwas überrascht, schien die Regeln

aber stillschweigend zu akzeptieren.

Bis sie ein paar Minuten später

ihre eigenen machte, unauffällig

zusammenpackte und die Zeche

prellte.

Stundenlang tippen bei einem Käffchen –

so bitte nicht!

IMAGO IMAGES

Explosiver Fund in der Stadtmitte

Unter den Augen der Saurier

Zukunftsplan in drei Phasen: Naturkundemuseumwird für 660 Millionen Euro saniert und erweitert

VonTorsten Harmsen

Das Museum für Naturkunde

(MfN) ist nicht

nur äußerst beliebt bei

den Berlinern und ihren

Gästen. Genau 737 254 Besucher kamen

im Jahre 2019 in das Haus mit

dem großen Sauriersaal, wie das

MfN gerade mitteilte. Zugleich ist

der Gebäudekomplex in der Invalidenstraße

42/43 in Mitte dabei, sich

zu einem herausragenden Wissenschaftscampus

zu entwickeln. Der

Berliner Zeitung liegt nun exklusiv

der Zukunftsplan vor, der zeigt, wie

das Museum in den kommenden

zehn Jahren saniert, erweitert und

weiterentwickelt werden soll.

Objekte vonHumboldt

Insgesamt fließt in den neuen Campus

für Natur und Gesellschaft des

MfN gemeinsam mit der Humboldt-

Universität (HU) die beachtliche

Summe von 660 Millionen Euro –jeweils

zur Hälfte von Bund und Land.

Es soll drei Bauphasen geben. Die

erste beginnt jetzt und dauertvoraussichtlich

bis 2028. Für geschätzte 299

Millionen Euro werden der Museums-Nordflügel

und der sogenannte

Nordbau saniert. Auch ein Neubau

entsteht. Insgesamt 18 100 Quadratmeter

Nutzungsfläche werden erneuert

und neu geschaffen. In einer späteren

zweiten Bauphase wird der angrenzende

Thaer-Bau der HU mit

einbezogen. In der dritten geht es unter

anderem um ein neues Magazinund

Sammlungsgebäude.

DasMfN besitzt eine der weltweit

umfassendsten naturhistorischen

Sammlungen mit über 30 Millionen

Objekten. Sie lagern unter anderem

in Kellern und Räumen unter

Schwarzer Weg

Haupteingang

schlechten klimatischen Bedingungen.

Dringende Aufgabe ist, sie

„lichtgeschützt, klimaadäquat und

hygienisch“ unterzubringen. Die

Sammlungen wurden seit dem frühen

18. Jahrhundert zusammengetragen,

unter anderem auf Expeditionen

vonAlexander vonHumboldt

und Charles Darwin. Dazu gehören

Chausseestr.

Erste Bauphase

Invalidenstr.

MITTE

Naturkundemuseum

20 km

BLZ/GALANTY

DPA/PAUL ZINKEN

Diese alte Fliegerbombe wurde am Dienstag in der Nähe des Roten Rathauses

entdeckt. Die Polizei evakuierte daraufhin alle Gebäude, die

sich im Umkreis von300 Meternbefanden. DieEntschärfung sollte erst

am späten Abend beginnen. Nach den Schätzungen der Innenverwaltung

liegen noch 4600 Bombenblindgänger im Berliner Boden. In den

vergangenen zwei Jahren waren in der Hauptstadt zwölf Bomben entdeckt

und entschärft worden, die schwerer als 50 Kilogramm waren.

Auf dem Gelände, wo am Dienstag die 250-Kilo-Bombe gefunden

wurde,finden derzeit Ausgrabungen statt. Hier soll später gebaut werden.

Wegen der Blindgänger im Berliner Boden hatten die Bauherren

vorsorglich einen privaten Kampfmittelräumdienst engagiert, der den

Boden untersuchte und die Bombe entdeckte. (kop.)

Insekten, Skelette, Vogelpräparate,

Felle, Geweihe, Pflanzen, fossile

Tiere, Gewebeproben, Gesteine und

Meteorite, teilweise aus der Entstehungszeit

des Sonnensystems vor

gut 4,5 Milliarden Jahren. Um die

Objekte weltweit zugänglich zu machen,

soll alles digital erschlossen

werden –„vonder Fliege bis zum Dinosaurier“.

Mit einem neuen 3D-

Scanner können unter anderem Insekten

gründlich und bis aufs

kleinste Haar erfasst werden.

In der ersten Projektphase bis

2028 geht es vor allem um die Infrastruktur

des geplanten Campus für

Natur und Gesellschaft. Dafür werden

die größtenteils maroden

Räume des MfN saniert, das als Leibniz-Institut

für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

zugleich eine

wissenschaftliche Einrichtung ist. Es

entstehen neue Labore, Arbeitsplätze,

Kommunikations- und Veranstaltungsräume

für Forscher des

MfN und der HU. Auf dem neuen

Campus sollen Botaniker,Ökologen,

Genetiker, Molekularbiologen, Vergleichende

Zoologen, Entwicklungsund

Evolutionsforscher, Morphologen,

Bioakustiker und Bioinformatiker

miteinander arbeiten –inmodernsten

Einrichtungen. Von 2021

bis 2028 soll dann ein neuer, mehrgeschossiger

„Ergänzungsbau Nord“

mit Tiefenmagazin entstehen – als

Ersatz für das bestehende Tierhaus

für kalt- und warmlebende Tiere.

Das Dachgeschoss soll unter anderemals

Gewächshaus dienen.

Für Besucher sind neue Ausstellungsräume

geplant, „die die Vielfalt

der Natur und gleichzeitig die Forschung

für Natur zeigen“, wie es aus

dem MfN heißt. Auch Räumefür Tagungen,

Wissenschaftskommunikation

und Bürgerforschung sollen

entstehen. Über „Fenster zur Öffentlichkeit“

und „Testaufbauten“ wolle

man Besucher an den Entwicklungen

teilhaben lassen.

Verfünffachung der Fläche

Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs

soll dann bis 2021 das neue

Gesicht „eines authentischen Museumsfür

Naturkunde“ gefunden werden.

Der 1889 eröffnete Museumsbau

an der Invalidenstraße soll umgestaltet

werden, mit einem offeneren

Eingangsbereich, besserer

Gastronomie und einer besseren

Präsentation der Objekte. Die Ausstellungsfläche

werde verfünffacht,

heißt es in einer Mitteilung. Für die

Bauarbeiten am Museumsgebäude

selbst –voraussichtlich ab 2024 –sei

mit einer zeitweiligen Schließung

der Ausstellung zu rechnen. Der

Zeitraum stehe noch nicht fest, solle

aber so kurzwie möglich sein.

Torsten Harmsen

freut sich auf ein umgestaltetes

Naturkundemuseum.

Ein Angebot,

auch an die

Kritiker

Karstadt-Neubau: Investoren

stellen neue Pläne vor

VonNikolaus Bernau

Vor der Tür des Neuköllner Rathauses

demonstrierten am

Dienstagabend etwa 140 Bewegte

gegen jedes Projekt, das die Firma

Signa an Stelle des Karstadts am Hermannplatz

plant oder planen könnte

– Motto: Der Kapitalismus muss

auch hier gestoppt werden. Drinnen

tagte der bezirkliche Ausschuss für

Stadtentwicklung zu dem Projekt,

ließ sich den aktuellen Planungsstand

vortragen. Zwar ist Neukölln

administrativ nicht unmittelbar von

dem angekündigten Ersatz- oder

Umbau des Kaufhauses betroffen –

es steht direkt jenseits der Bezirksgrenze.

Doch ist bereits, wie gleich

mehrmals betont wurde, die enge

Zusammenarbeit mit Friedrichshain-Kreuzberg

und der Senatsbauverwaltung

verabredet.

DieInvestoren hatten vordreiJahrenAufsehen

und auch breite Begeisterung

erregt mit der Idee,die 33 Meter

hohe und von Pfeilern geprägte

Original-Fassade des Kaufhauses mit

den zwei 71 Meter hohen Türmen

nachzubauen. In den angrenzenden

Wohnvierteln und der kleinteiligen

Geschäftswelt kamen allerdings auch

Verdrängungsängste auf. Die versuchen

nun die Investoren mit dem

Hinweis zu beruhigen, dass sie eine

enge Abstimmung mit der Bürgergesellschaft

wünschen. Sie verweisen

darauf, dass in dem geplanten Neubau

auch „preisgebundene Wohnungen“

entstehen sollen und das Projekt

in seiner Energiebilanz innerhalb von

zehn Jahren ausgeglichen sein soll.

WeitereVersprechen:CO 2 -Neutralität

innerhalb dieser Zeit, die Mitplanung

der Tram-Verbindung, die Neunutzung

des Parkhausgeländes, die Vermietung

der Flächen weiter auch an

die Post und den Buchhandel. Alles

ist noch sehr vage,aber eben ein Angebot

auch an die Kritiker.

Eines ist für Signa allerdings offenbar

nicht verhandelbar:Der Nachbau

der Fassaden von1929. Erst er mache

das ganzeProjekt zu einem besonderen

Ort. Deswegen brauche man

auch dieAusweitungder Nutzflächen

auf die etwa 71 000 Quadratmeter

von 1929, die etwa ein Viertel mehr

sind als die aktuelle Nutzungsfläche.

Wasallerdings fast zwingend mit sich

bringt, dass ein radikaler Umbau des

in der Nachkriegszeit entstandenen

Gebäudes entstehen muss. Das bestehende

Gebäude sei schlichtweg zu

tief und zu breit, um die Flächen wirtschaftlich

aufteilen und auch Wohnungen

einbauen zu können. Genau

von einer solchen Mischkalkulation

aber hinge der Weiterbetrieb des

Kaufhauses Karstadt ab, den alle im

Saal wünschten.

Karstadt am Hermannplatz, kurz nach der

Eröffnung im Jahr 1929

IMAGO


10 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Berlin

Polizisten untersuchen nach dem zweiten tödlichen Radfahrerunfall dieses Jahres in Berlin das Rad der Frau, die von BVG-Bus 1085 getötet wurde. Der Busfahrer erlitt einen Schock und ist weiterhin in ärztlicher Behandlung.

BERLINER ZEITUNG/ NORRIS PUDWELL

„Ich vermisse einen Aufschrei“

Der Todeiner Radfahrerin in Johannisthal hätte verhindert werden können, sagt ein Unfallforscher.Wie können Berlins Straßen endlich sicherer werden?

VonPeter Neumann

An dem Ort, wo am Sonntagmittag

eine Radfahrerin

starb, liegen viele Dutzend

Blumen. Menschen haben

Kerzen aufgestellt und Briefe abgelegt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub

(ADFC) hinterließ ein weiß

gestrichenes Fahrrad, ein „Geisterrad“,

zum Gedenken an die Frau –

wie jedes Mal, wenn eine Radfahrerinoder

ein Radfahrer getötet wird.

Die Gegenstände am Groß-Berliner

Damm, Ecke Pilotenstraße, zeugen

von der Mahnwache, die Montagabend

dort abgehalten wurde.

Rund 150 Menschen kamen nach

dem Aufruf des ADFC und des Vereins

Changing Cities nach Johannisthal.

Siegedachten nicht nur der 35-

Jährigen, die überrollt wurde,als ein

BVG-Bus der Linie 265 nach rechts

abbog. Sieforderten auch erneut die

Politiker auf, endlich mehr für die

Verkehrssicherheit zu unternehmen.

„Es macht fassungslos und wütend,

was in Berlin geschieht“, sagte

Sophie Lattke von Changing Cities

nach dem zweiten tödlichen Radfahrunfall

in diesem Jahr in Berlin.

„Letzte Woche wurde eine Radfahrerin

am Kottbusser Tor von einem

rechtsabbiegenden Lkw getötet, nun

eine weiterevon einem rechtsabbiegenden

Bus. Wir fordern Sicherheit

auf den Straßen für die 70 Prozent

der Berlinerinnen und Berliner, die

nicht mit dem Auto unterwegs sind.“

Getrennte Ampelphasen

Doch wie könnte der Straßenverkehr

sicherer werden? Welche Mittel eignen

sich, welche weniger? Welche

sind sogar gefährlich? Warder Unfall

von Johannisthal, bei dem der BVG-

Bus 1085 mit einer geradeaus fahrenden

Radlerin zusammenstieß,

unabwendbar? Das sind Fragen, die

für Siegfried Brockmann zur täglichen

Arbeit gehören. Der Politikwissenschaftler

leitet seit 2006 die Unfallforschung

der Versicherer im Gesamtverband

der Deutschen Versicherungswirtschaft

in Berlin. Der

61-Jährige ist ein Fachmann, der

Freude daran hat, mit klaren, exponierten

Einschätzungen Stellung zu

beziehen. Dasist hier nicht anders.

„Hätte der BVG-Bus einen richtigen

Abbiegeassistenten gehabt,

hätte der Unfall mit der Radfahrerin

wahrscheinlich verhindert werden

können, oder die Frau hätte ihn

überlebt“ –davon zeigte sich Siegfried

Brockmann am Dienstag überzeugt.

Der Mercedes-Bus hatte eine

Technik, die er nicht als Abbiegeassistent

bezeichnen würde: „Eine Kamerafilmt

den Bereich rechts neben

dem Bus, ein Monitor zeigt das Bild

am Fahrerpult. Bei Gefahr wird der

Fahrer aber nicht gewarnt, er bekommt

keinen Hinweis, weder optisch

noch per Vibration. Dieses System

entlastet das Fahrpersonal also

nicht, es überfordert esmit einem

weiteren Bildschirm, auf den es

schauen soll –wofür aber nicht immer

Zeit ist“, berichtete Brockmann.

Der Unfallforscher fragt sich,

warum ein Landesunternehmen wie

die BVG eine „vermeintliche Sicherheitstechnik

anschafft, die ihre Aufgabe,

Leben zu retten, nicht erfüllen

kann. Da vermisse ich einen Aufschrei

der Landespolitik“, sagte er.

Dabei könnte ein Abbiegeassistent,

der den Namen verdient, Unfälle

wirksam verhindern. „Wichtig

ist aus meiner Sicht, dass er den Fahreroptisch

und zusätzlich auf andere

Weise warnt, wenn jemand dem

Fahrzeug zu nahe kommt“, so Brockmann.

„Beim Sideguard Assist von

Mercedes-Benz leuchtet ein Dreieck

am Holm rechts neben der Windschutzscheibe

erst orange, dann rot,

und kurz darauf spürt der Fahrer

eine Vibration im Sitz. Es gibt auch

Kamera-Monitor-Systeme, die den

Fahrer aktiv warnen, wenn eine Gefahrensituation

entsteht.“ Die Technik

werde auch in Berlin bereits von

einigen Spediteuren eingesetzt. Freiwillig,

denn noch ist die Warneinrichtung

in Europa nicht Pflicht.

Hat die BVG die falsche Technik

angeschafft? Das wies Petra Nelken,

die Sprecherin, mit Nachdruck zurück.

In der Tatverfüge der CitaroC2

EN19, der zu einer im November und

Dezember 2019 gelieferten Tranche

gehört und auf dem Lichtenberger

Busbetriebshof stationiert ist, über

ein Kamera-Monitor-System ohne

Warneinrichtung. „Es wurde auf unseren

Wunsch eingebaut“, so Nelken.

Mehr als 1100 Busse der BVG

verfügen über diese Technik, die es

so nur dort gebe. Derzeit würden

Doppeldecker damit ausgerüstet.

„Wenn ein Bus rechts abbiegt,

schaltet es sich automatisch ein, und

auf dem Monitor erscheint das Kamerabild,

das den Bereich rechts

vom Bus zeigt“, erklärte Nelken.

Dass das System Busfahrernicht mit

Leuchten oder gar Vibrationen

warnt, habe seinen Grund: Im dichten

Berliner Verkehr, indem häufig

etwas nebenan auftaucht, würde „es

ständig blinken und vibrieren“, so

die BVG-Sprecherin. Das könnte zur

6

Radfahrer wurden

im vergangenen Jahr

bei Verkehrsunfällen

in Berlin getötet.

Folge haben, dass manche Fahrer die

Technik nicht mehr ernst nehmen

und nicht mehr auf den Monitor

schauen. Darum bleibe es stumm –

zeige aber klar Gefahrensituationen.

Forderungen, dass Abbiegeassistenten

notfalls eine Sofortbremsung

veranlassen müssten, sieht man bei

der BVG ebenfalls skeptisch. „In einem

Linienbus dürfen Fahrgäste im

Stehen mitfahren. Wenn es immer

wieder plötzliche Notstopps gäbe,

könnte das im Bus zuStürzen führen“,

so Nelken. Dass diese Gefahr

nicht zu unterschätze sei, habe sich

im August 2019 gezeigt, als bei einer

DIE BILANZ FÜR BERLIN

7971

Unfälle, an denen Radfahrer

beteiligt waren, wurden

2018 vonder Berliner

Polizei registriert.

Siegfried Brockmann bei einem Crashtest mit zwei Autos.

49

Prozent der Radfahrerunfälle

2018 wurden vonRadfahrernverursacht,

45 Prozent

vonAuto- und Lkw-Fahrern.

HARALD ALMONAT/GDV

„Wer eine problematische Situation erkennt,

sollte nicht auf seinem Recht bestehen. Ich

stelle fest, dass sich viele Radfahrer sehenden

Auges in gefährliche Situationen begeben.“

Siergfried Brockmann,

Leiter der Unfallforschung der Versicherer

Gefahrenbremsung ein Busfahrgast

ums Leben kam. Die Sprecherin bekräftigte

aber, dass tödliche Unfälle

mit Linienbussen sehr selten seien.

Abbiegeassistent mit Notstopp –

besser nicht! Das ist eine Einschätzung,

die Unfallforscher Brockmann

teilt. Situationen an Straßenecken

seien immer kompliziert, sie könnten

manche Technik überfordern,

warnte er. „Es besteht also die Gefahr,

dass es ständig Gefahrenbremsungen

gäbe – was die Akzeptanz

verringern würde und auch gefährlich

wäre. Deshalb gibt es keinen Abbiegeassistenten

mit Notbremsung.“

An der Johannisthaler Kreuzung,

an der die Radfahrerin Sonntagmittag

getötet wurde, gibt es keine Ampel.

Doch wo es sie gibt, gäbe es ein

wirkungsvolles Mittel, um Unfällen

vorzubeugen, sagte Brockmann: Mit

Hilfe von Ampelschaltungen müssten

Verkehrsströme entzerrtwerden.

„Das würde bedeuten, dass entweder

nur geradeaus gefahren oder

nur abgebogen werden dürfte –aber

nicht beides zur gleichen Zeit“, so

der Unfallforscher. Verkehrsplaner

wenden ein, dass dies die Leistungsfähigkeit

vonKreuzungen verringert.

„Das sehe ich nicht so,denn heute ist

es oft so, dass pro Ampelphase nur

wenige Autos es schaffen abzubiegen,

weil ihnen immer wieder Geradeausfahrer

und Fußgänger in die

Quere kommen. Eine Separierung

der Verkehrsströme würde das Abbiegen

beschleunigen“, sagte er.

Flash und Trixi-Spiegel sind Unsinn

Auf jeden Fall wäre es für Ampelkreuzungen

ein Gewinn für die Verkehrssicherheit.

„Ich unterstützealle

Bemühungen, sie entsprechend umzugestalten

und wunderemich, dass

der Senat bisher nicht darauf eingeht.

Es wäre ander Zeit, in Berlin

ein großes Programm aufzulegen.“

Es ist ein Gedanke, der längst in

der Berliner Politik angekommen ist.

Seit Jahren fordertder SPD-Abgeordnete

Tino Schopf „zum Schutz des

Rad- und Fußverkehrs vorabbiegenden

Kraftfahrzeugen an allen dafür

geeigneten lichtsignalgeregelten

Kreuzungen“, wie er es formulierte.

Bei den Grünen, die lange skeptisch

waren, gibt es inzwischen

ebenfalls Befürworter. „Technische

Aufrüstung“ mit Abbiegeassistenten

könne das Problem wederkurzfristig

und noch endgültig lösen, sagte

Matthias Dittmer von der Landesarbeitsgemeinschaft

Mobilität. „Das

wirksamste Mittel, Verkehrstote und

Schwerverletzte beim Rechtsabbiegen

zu verhindern, ist es, den Geradeausverkehr

von den Rechtsabbiegern

mit einer einfachen Ampelschaltung

zu trennen“, forderte er.

„Nach dem Unfall in Johannisthal

sollte der eingeschlagene Weg auf

den Prüfstand. Es darf nicht länger

das Gebot des flüssigen Verkehrs

über der Verkehrssicherheit stehen.“

Andere Vorschläge stoßen bei

Siegfried Brockmannauf vehemente

Ablehnung. So setzen sich Berliner

CDU-Politiker dafür in, Kreuzungen

mit einem „Bike Flash“ auszurüsten:

Wenn sich ein Radfahrer nähert,

blinkenWarnlampen. In Garbsen bei

Hannover wird die Technik, die dort

34 000 Euro gekostet hat, erprobt –

allerdings an einem im Vergleich zu

Berlin nicht sehr stark befahrenen

Knotenpunkt, wie Brockmannsagte.

Ein„Bike Flash“ wäre„nichts,was

uns weiterhelfen würde“, so der Forscher.

„Die in solchen Säulen verbaute

Technik ist ’dumm’,sie würde

auch in vielen Situationen anschlagen,

die objektiv nicht gefährlich

sind. An belebten Kreuzungen, wie

wir sie in Berlin in großer Zahl haben,

hätte das die Folge, dass die

Säulen fast ständig Fehlalarmgeben.

Das würde die Kraftfahrer nicht nur

gefährlich ablenken, sondern auf

Dauerauch abstumpfen“, warnte er.

Nach Abbiegeunfällen wird auch

immer wieder diskutiert, ob Trixi-

Spiegel das Risiko senken könnten.

1996 und 1997 wurden an mehreren

Berliner Kreuzungen Trixi-Spiegel

montiert–runde Parabolspiegel, die

den rechten Straßenrand ins Blickfeld

rückten. Trixi ist der Kosename

von Beatrix Willburger, die 1994 in

Bayern von einem rechts abbiegenden

Betonmischer schwer verletzt

wurde. Ihr Vater Ulrich Willburger

entwickelte daraufhin den Spiegel.

Doch Siegfried Brockmannzeigte

sich auch hier skeptisch. „Trixi-Spiegel

helfen nicht, die Verkehrssicherheit

zu steigern. Sie werden an Ampelmasten

montiert, doch die gefährlichen

Abbiegesituationen entstehen

dahinter“, sagte er. „Die

wirklich wichtigen Bereiche werden

von den Trixi-Spiegeln nicht erfasst.

Wirbrauchen solche Spiegel nicht.“

Nichtjedes Mittel, das propagiert

wird, macht den Verkehr sicherer.

Doch um eine Erkenntnis käme man

nicht herum, sagte Brockmann. Es

habe nichts damit zu tun, Opfer verantwortlich

zu machen, „wenn man

sagt, dass sich Radfahrer ihrer Verletzlichkeit

jederzeit bewusst sein

sollten. Wereine problematische Situation

erkennt, sollte nicht auf seinem

Recht bestehen. Auf der Straße

und bei vielen unserer Forschungen

stelle ich fest, dass sich viele Radfahrersehenden

Auges in gefährliche Situationen

begeben. Gerade erst

habe ich auf einem unserer Videos

einen Radfahrer gesehen, der einen

abbiegenden Lastwagen haarscharf

vorn umrundete –obwohl der Lkw

schoninFahrt war.“ (mitkop.)

Peter Neumann

wundertsich, dass es nicht

noch mehr Unfälle gibt.


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 11

· ·

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Berlin

AfD schließt

Nerstheimer

aus

Parteitag am Wochenende

weiter unsicher

VonMelanie Reinsch

Der AfD-Politiker Kay Nerstheimer

ist von seiner Partei ausgeschlossen

worden. Das bestätigte

Ronald Gläser, Sprecher der AfD in

Berlin, am Dienstag der Berliner Zeitung.

„Aus unserer Sicht ist die Sache

damit erledigt“, sagte Gläser. Die

Gründe für den Ausschluss seien

vielfältig, so der Sprecher weiter.

Nerstheimer sitzt als fraktionsloser

Parlamentarier im Berliner Abgeordnetenhaus.

Erist wegen gefährlicher

Körperverletzung, Betrugs,

Fahrerflucht, Fahrens ohne Fahrerlaubnis

und Verletzung der Unterhaltspflicht

sechsfach vorbestraft.

Mehrfach erregte er durch rassistische,rechtsextreme

und islamfeindliche

Äußerungen Aufsehen. Er war

zudem Mitglied der German Defence

League, einer rechtsextremen,

islamfeindlichen Organisation, die

seit 2013 vomVerfassungsschutz beobachtet

wird.

Nerstheimer hatte im September

2016 in Lichtenbergdas erste Direktmandat

für die AfD in Berlin gewonnen.

Nach seiner Wahl hatte er jedoch

auf einen Sitz in der AfD-Fraktion

im Abgeordnetenhaus verzichtet.

2017 hatte der Rechtsausschuss

des Abgeordnetenhauses die Immunität

des Abgeordneten aufgehoben.

DieStaatsanwaltschaft ermittelte gegen

den fraktionslosen Parlamentarier

wegen des Verdachts der Volks-

Bärentest: Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. CHRISTIAN SCHULZ Fährtdemnächst vorbildlich vor:Sir Sebastian Woods CHRISTIAN SCHULZ

Charlottenburg bleibt Bärenlieferant

MARIETTE RISSENBEEK und

CARLO CHATRIAN

machen an der Spitze der Berlinale

vieles neu, wie man so offiziell und

inoffiziell hört. Aber nicht alles. Am

Dienstag absolvierten sie einen Termin

in der Straße Am Spreebord in

Charlottenburg, den auch ihr Vorgänger

Dieter Kosslick jedes Jahr in

seiner Amtszeit mit Wonne zelebrierte.

In der Bildgießerei Hermann Noack

schauten sie nach dem Rechten

und waren dabei als einer der Bären

für die Preisträger der diesjährigen

Berlinale gegossen wurde. Hermann

Noack Jr.begrüßte die beiden neuen

Vertreter des alten Kunden Berlinale:

„Wir machen das jetzt schon seit 70

Jahren und es ist immer wieder eine

Herausforderung, am Tagder Bärenverleihung

die Bären mit der Handgravur

der Gewinnernamen zu versehen,

zu vergolden oder zu versilbernund

dann zu montieren.“

Auch wenn Mariette Rissenbeek

als kaufmännische Chefin des Festivals

umsichtig mit dem Geld umgehen

muss,ist sie weit davon entfernt,

eine Großbestellung billig gedengelter

Bärenkopien für die kommenden

Jahre inChina zu ordern: „Es geht

Die neuen Berlinale-Bosse

besuchen in der Bildgießerei

Hermann Noack die fast fertigen

Festival-Trophäen

nicht immer nur um die Kosten. Wir

fühlen uns auch der Nachhaltigkeit

verpflichtet. Und unterstützen gern

die örtliche Kunstgießerei.“

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

SIR SEBASTIAN WOOD

hat einen Befehl aus London erhalten.

Er sagt selbst „Befehl“ dazu, das

ist keine vondiesen üblen Journalisten-Zuspitzungen.

Sir Sebastian erklärtalso

freimütig, dass die Idee,die

er für gut hält, nicht seine eigene

war: „Voreinigen Monaten kam ein

Befehl aus London, dass wir das machen

müssen.“

Die automobile Flotte der Botschaft

soll nun Schritt für Schritt

komplett auf moderne, emissionsarme

Fahrzeuge umgestellt werden.

DerJaguar,vor dem er sich ablichten

lässt, soll künftig der Wagen sein, mit

dem der oberste Vertreter Großbritanniens

in Berlin elektrisch durch

die Stadt gefahren wird. Einen Hinweis,

dass es sich bei der Neuanschaffung

nicht um des Botschafters

einziges und Hauptfahrzeug handelt,

liefertdas Nummernschild.

Die „2“ als laufende Nummer

der Botschaftsfahrzeuge irritiert,

denn Botschafter fahren mit einer

„1“ am Ende durch die Gegend.

Die Erklärung dafür liefert der Diplomat:

„Es kommt auch noch ein

großer Hybrid Range Rover.“ Weil

Sir Sebastians Fahrer schließlich

nicht nach 300 Kilometern auf

dem Weg zu einem entfernteren

Termin in Deutschland sagen

kann: „Und jetzt suchen wir uns

erst mal eine Ladesäule…“ Von

seinen britischen Botschafterkollegen

in Europa ist Sir Sebastian

der dritte, der elektrifiziert wurde.

Im Diplomatischen Corps von

Berlin soll er der erste Botschafter

mit E-Fahrzeug sein. Selbst am

Steuer hat er schon länger nicht

mehr gesessen: „Das ist ein Problem

der Versicherung. Und außerdem

fahre ich hier sehr gern S-

Bahn.“

Beschimpfung:

Gericht ändert

Beschluss

Renate Künast

erreicht Teilerfolg

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete

Renate Künast hat mit einer

Beschwerde gegen einen Gerichtsbeschluss

zu Beschimpfungen

auf Facebook einen Teilerfolg erreicht.

Das Berliner Landgericht

teilte mit, dass die Kommentare zu

einem Post der Politikerin im Lichte

höchstrichterlicher und verfassungsrechtlicher

Rechtsprechung

zur Meinungsfreiheit nochmals geprüft

worden seien. In sechs von 22

Fällen sei anders als in einem Beschluss

vom September 2019 nun

eine Beleidigung gesehen worden.

Damit bekam die Politikerin in diesen

Fällen Recht. Derneue „Abhilfebeschluss“

ist noch nicht rechtskräftig.

Künast will, dass die personenbezogenen

Daten der 22 Nutzer herausgeben

werden dürfen, um gegen sie

zivilrechtlich vorgehen zu können. In

sechs Fällen hat sie dies nun erreicht.

Nach dem damaligen Gerichtsbeschluss

waren alle Kommentarekeine

Diffamierung der Person und damit

keine Beleidigung. Unbekannte hatten

Künast unter anderem als „Stück

Scheiße“ und „Geisteskranke“ bezeichnet

und noch drastischere und

auch sexistische Beiträgen geschrieben.

Die Entscheidung war auf Unverständnis

gestoßen.

Die sechs Nutzer-Äußerungen,

die jetzt als Beleidigung gesehen

werden,hätten einen„ehrherabsetzenden

Inhalt“, der nicht mit der Meinungsfreiheit

zu rechtfertigen sei,

hieß es vom Gericht weiter. Bei den

anderen 16 Kommentaren sah das

Gericht noch keine Straftat der Beleidigung.

Da Künast eine umfassende

Beschwerde eingelegt hatte, werden

diese Fälle nun der nächsten Instanz,

dem Kammergericht, zur Prüfung

vorgelegt. (dpa)

POLIZEIREPORT

Fraktionslos und von der Partei ausgeschlossen:

KayNerstheimer IMAGO IMAGES

verhetzung. Ihm wurde vorgeworfen,

in Facebook-Posts Homosexuelle

diskriminiert zu haben. 2018

wurde der 56-Jährige vom Amtsgericht

Tiergarten wegen seiner Äußerungen

zu einer Geldstrafe von 70

Tagessätzen zu 100 Euro verurteilt.

Ein Jahr später wurde er erneut zu

5000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil

er Homosexuelle als degeneriert bezeichnet

hatte.

Schon seit längerem lief das Parteiordnungsverfahren

gegen Nerstheimer.

Seit 2016 hatte die Berliner

AfD versucht, den Abgeordneten aus

der Partei auszuschließen. Der Parteiausschluss

ist die schärfste Sanktionsmaßnahme,

die einer Partei zur

Verfügung steht, wenn ein Mitglied

parteischädigend agiert. Das Parteiordnungsverfahren

wird nur bei

schwerwiegenden Verstößen eingeleitet.

Am Ende des Verfahrens steht

nicht zwingend der Ausschluss des

Mitglieds.

Auf dem Parteitag der AfD, der

laut Sprecher Gläser am kommenden

Wochenende im Ballhaus Pankow

stattfinden soll, will die AfD eigentlich

einen neuen Vorstand und

ein neues Schiedsgericht wählen.

Doch ob dieser tatsächlich stattfinden

wird, ist weiter unklar. Seit Monaten

sucht die AfD Räumlichkeiten

für ihren Parteitag. DerWirtdes Ballhauses

Pankowhatte der AfD Räume

angeboten, die Verträge aber wieder

gekündigt. Die AfD hatte daraufhin

rechtliche Schritte angekündigt.

Nun soll der Fall am Mittwoch am

Landgericht in Berlin verhandelt

werden. Nach Aussage desWirtswird

„der Parteitag der AfD nicht im Ballhaus

stattfinden“.

Einbrecher erwischt.

Polizisten haben am Montagabend

in der Barfusstraße drei Einbrecher

festgenommen. DieMänner im Alter

von19, 21 und 25 Jahren waren von

zwei Zeugen beobachtet worden,

wie sie zwischen Balkonen im Hochparterrehin

und herliefen. Kurz darauf

hörten die Zeugen Klirren, woraufhin

sie die Polizei alarmierten. Als

zwei Diebe flüchten wollten, folgten

ihnen die Beamten und nahmen sie

fest. Derdritte Tatverdächtige stand

noch auf dem Balkon und wurde

dortfestgenommen. DieEinbrecher

wurden anschließend in Gewahrsam

genommen.

Zeitungsladen überfallen.

EinUnbekannter hat am Montag einen

Zeitungsladen in Lichtenrade

überfallen. Er betrat das Geschäft in

der Straße Alt-Lichtenrade gegen

17.50 Uhrund bedrohte den 40 Jahre

alten Angestellten mit einer Pistole.

DerMitarbeiter übergab das Geld

aus der Kasse.Der Täter griff sich die

Beute,verließ das Geschäft und

flüchtete in einem Auto.

Wildschwein erschossen.

In Hakenfelde mussten Polizisten in

der Nacht zum Montag ein verletztes

Wildschwein töten. DasWildschwein

war bei einem Verkehrsunfall

in der Niederneuendorfer Allee

schwer verletzt worden.

Verkäuferin bedroht.

EinMann hat am Montagmittag bei

einem Überfall auf einen Supermarkt

in der Sonnenallee in Neukölln

zwei Angestellte mit einem

Messer bedroht. Eine der Frauen

konnte flüchten. Ihre Kollegin

musste das Geld aus der Kasse übergeben.

DerTäter flüchtete.

BVG-Mitarbeiter angegriffen.

EinMitarbeiter der BVGist voneinem

Mann mit einem Teleskopschlagstock

auf dem U-Bahnhof Rosenthaler

Platz in Mitte angegriffen

und verletzt worden. Dem40Jahre

alten Opfer gelang es,den alkoholisierten

33-Jährigen zu überwältigen.

Polizisten nahmen den Schläger fest.

Auto angesteckt.

In Staaken brannte am Dienstagmorgen

auf einem Parkplatz ein

Auto aus.Ein Fußgänger bemerkte

die Flammen in der Obstallee.Er

alarmierte die Feuerwehr,die die

Flammen löschte.Der Opel brannte

fast vollständig aus.Durch die Hitzeeinwirkung

wurden drei weiteredort

geparkte Wagen beschädigt. DiePolizei

geht vorvorsätzlicher Brandstiftung

aus.Hinweise auf ein politisches

Motiv haben die Ermittler

nicht.

Gestohlenes Bikesichergestellt.

Polizisten haben am Dienstagmorgen

eine gestohlene Harley Davidson

sichergestellt. DasBike war zuvorinFriedenau

gestohlen worden.

DerBesitzer informierte die Polizei.

Daraufhin verfolgten sechs Srteifen

sowie den Citröen Berlingo,indem

das Bike nach Polen gebracht werden

sollte.Aneiner Tankstelle nahe

der Anschlussstelle Fürstenwalde/West

konnte der 30 Jahrealte

Dieb gefasst werden.

Sprayer festgenommen.

In Tegel sind am Dienstagmorgen

zwei Männer im Alter von26und 31

Jahren festgenommen worden. Sie

waren beim Besprühen einer Schallschutzwand

der BAB 111 beobachtet

worden. Siewurden am Hermsdorfer

Damm gestellt. (ls.)

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Berlin

Kaum ein Thema treibt die Berliner seit Jahren so um wie Mieten und Vermieten. WESTEND 61

Klappt der Mietendeckel jetzt?

Das umstrittene Gesetzesvorhaben der rot-rot-grünen Koalition soll am Mittwoch die vorletzte parlamentarische Hürde nehmen

VonElmar Schütze

Der Mietendeckel, eines

der wichtigsten und umstrittensten

Gesetzesvorhaben

der rot-rotgrünen

Koalition, steht nach fast anderthalb

Jahren heftiger Diskussionen

und Kontroversen kurz vor dem

Abschluss.Gleichzeitig stellt sich die

Frage,was die Arbeit der vielen politisch

Beteiligten in Berlin eigentlich

wert ist. Am Ende werden wohl Gerichte

entscheiden müssen.

Am Mittwoch befasst sich der

Ausschuss für Stadtentwicklung mit

den Änderungsanträgen der Fraktionen.

Am Ende soll eine „Empfehlung

zur Beschlussfassung“ stehen. Diese

soll bei der nächsten Plenarsitzung

des Parlaments am 30. Januar beschlossen

und damit Gesetz werden

–rückwirkend zum 18. Juni vorigen

Jahres,als sich der Senat auf die Eckpunkte

einigte.

Und wenn es doch schiefgehen

sollte? Wenn die eigentlich satte rotrot-grüne

92:68-Mehrheit wackeln

sollte? Die Berliner Verfassung sieht

nur zwei Lesungen für ein Gesetz

vor. Jedoch könnte der Senat eine

weitere, dritte Lesung beantragen.

Wie schwer sich die Koalitionäre

bis zum allerletzten Tagmit dem Formulieren

von Kompromissen taten,

zeigte sich bei der SPD. Bis zum

Dienstagabend brüteten die Sozialdemokraten

über dem Papier. Zu

kompliziertwar die Konsensfindung

vorigen Herbst, als sich Teile der SPD

und der Grünen damit zufrieden geben

wollten, die Mieten fürWohnungen,

die vor 2014 errichtet wurden,

für fünf Jahreeinzufrieren. Am Ende

setzten sich doch die radikaleren

Vorstellungen der Linken und Teile

der anderen beiden Koalitionspartner

durch, die besonders hohe Mieten

sogar reduzieren wollen.

Tatsächlich stehen in der Debatte

ganz grundsätzliche Themen auf

dem Spiel. Eine der zentralen Fragen

betrifft dieVerlässlichkeit vonPolitik.

Ist esrichtig, dass der Gesetzgeber

Regeln beschließt, die Gefahr laufen,

vonGerichten zerpflückt zu werden?

Kritik an Parlamenten

Nun gehört eszum Wesen der Demokratie,

dass staatliches Handeln

vor unabhängigen Gerichten überprüft

werden kann. Aber Verfassungsrechtler

erkennen einen unguten

Trend. Sie kritisieren, dass das

Bundesverfassungsgericht zuletzt

fast schon zu einer gesetzgebenden

Institution geworden ist, einer Art

Nebenparlament. Immer wieder gibt

2014

ist der Stichtag der 1.Januar.

Alle älteren Wohnungen

sind vomMietendeckel

betroffen

es deswegen Appelle an Abgeordnete

im Bund und in den Ländern,

sorgfältiger und konsensorientierter

zu arbeiten und möglichst rechtssichereGesetzezubeschließen.

Dabei geht es jedoch nicht immer

um Schlampigkeit. Viel öfter

mangelt es am Willen zum Kompromiss.

Beim Mietendeckel zum Beispiel

sieht Rot-Rot-Grün einen Mieten-Notstand.

Dieser müsse behoben

werden, gegen alle Widerstände.

So könnte auch der Mietendeckel

am Ende in Karlsruhe landen –und

jeder in der Berliner Politik weiß das.

Nicht umsonst wiederholen Vertreter

der Koalition immer und überall,

MIETE ZU HOCH

340 000

Berliner Haushalte zahlen

eine so hohe Miete, dass sie

durch den Mietendeckel gekürzt

werden könnte

2,5

Milliarden Euro

soll die

Entlastung der Mieter

insgesamt betragen

dass man „Neuland“ betrete. Soll

heißen: DerDeckel wackelt.

Bei der ersten Deckel-Lesung im

Abgeordnetenhaus, einer Experten-

Anhörung in der zweiten Dezember-

Woche, waren die rechtlichen

Knackpunkte noch einmal deutlich

zu Tage getreten. Zwei Fragen standen

im Mittelpunkt: Darf das Land

Berlin überhaupt mit einem eigenen

Gesetz die Mieten für fünf Jahreeinfrieren?

Oder steht die Kompetenz

dafür dem Land nicht zu, weil Mietengesetzgebung

Bundessache ist?

Vonsechs eingeladenen Juristen

erklärten drei, dass sie das Land Berlin

für zuständig halten, den Anstieg

der Mieten mit einem eigenen Gesetz

weiter zu beschränken, drei widersprachen

dieser Auffassung.

Nun ging es aber nicht um einen

akademischen Streit von Gutachter,

sondern umknallharte Politik. Natürlich

fühlten sich beide Lager –Opposition

hier, Koalition dort –durch

die Anhörung in ihrer Haltung bestätigt.

CDU-FraktionsvizeStefan Evers

sah den Senat in Erklärungsnot. Dieser

könne sich keineswegs sicher

sein, dass er in diesem Fall tatsächlich

Gesetzgebungskompetenz hat.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja

verwies darauf, dass der Eingriff in

Eigentumsrechte von Juristen problematisch

gesehen werde. AfD-

Mann Harald Laatsch sah den Senat

in eine „peinliche Niederlage“ vor

dem Bundesverfassungsgericht stolpern.

Es drohe schwerer Schaden.

SPD, Linke und Grüne dagegen

verteidigten den Deckel ganz

grundsätzlich. SPD-Abgeordnete

Iris Spranger erinnerte daran, dass

es darum gehe, den „Mietenwahnsinn“

zu stoppen. DieLinken-Abgeordnete

Gaby Gottwald verwies auf

die steigende Mietbelastung der

Berliner, das sei schlecht für die

Stadt. „Höher, schneller, weiter –so

geht es nicht mehr“, sagte die Grünen-Abgeordnete

Katrin Schmidberger.

Deutschlands oberster Mieter-

Lobbyist Lukas Siebenkotten sieht

den Senat dabei auf dem richtigen

Weg. Die Debatte über den Mietendeckel

sei doch „eine Reaktion auf

die Untätigkeit des Bundes“, sagte

der Präsident des Deutschen Mieterbundes

(DMB) am Dienstag in Berlin.

Der DMB ist ein bundesweiter

Dachverband für zahlreiche Verbände

und Vereine. Auch der Berliner

Mieterverein mit seinen 170 000

Mitgliederngehörtdem DMB an.

„Viel Glück“ vomLobbyisten

Nach Siebenkottens Worten stimme

die Aussage immer noch, dass die

Wohnungsfrage die soziale Frage unserer

Zeit sei. Das zwinge zum Handeln

–und genau dies habe der Bund

trotz seiner mietengesetzgeberischen

Kompetenz seit den 90er-Jahren

fahrlässigerweise unterlassen.

Vorallem habe sich der Bund nicht

ausreichend um die Begrenzung der

Bestandsmieten gekümmert. Ergo:

„Wir wünschen dem Mietendeckel

viel Glück!“

Elmar Schütze

ärgert, dass so viele Gesetze

in Karlsruhe landen.

Die grüne Wagenburg

Der umstrittene Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt erhält Rückendeckung von Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann und dem Landeschef der Grünen, Werner Graf

VonAnnika Leister

Lückenlose Aufklärung –das fordernzurzeit

alle in der Causa Florian

Schmidt (Grüne). Dabei, so sehen

es der Regierende Bürgermeister

und die Opposition, stünden zuerst

das grünregierte Bezirksamt und

Schmidts Chefin, Bürgermeisterin

Monika Hermann, in der Pflicht, in

zweiter Instanz auch der Landesverband

der Grünen selbst. Am Dienstag

sagte Hermann der Berliner Zeitung,

Baustadtrat Schmidt habe

nach jetziger Überprüfung keine Akten

manipuliert: „Das Rechtsamt hat

mir heute noch einmal bestätigt,

dass er nicht eigenhändig in Akten

rumgewühlt, Seiten rausgenommen

oder reingelegt hat“, so Hermann.

Schmidt wirdvon der Opposition

und dem eigenen Koalitionspartner

auf Bezirksebene, der SPD, vorgeworfen,

Akten vor der Opposition

bewusst zurückgehalten zu haben.

Unter Umständen, so ein weiterer

Vorwurf, soll Schmidt die Akten sogar

manipuliert haben. Schmidt hat

bei der Aktenausgabe bereits zwei

„formale Fehler“ eingestanden. Er

habe die Akten aber nicht aus politischer

Motivation zurückgehalten,

teilte er am Montag mit, sondern lediglich

in einer internen Sitzung gesagt,

dass das seine Motivation sei.

Im Bezirksamt Friedrichshain-

Kreuzberg herrscht seit Tagen Ausnahmezustand.

Man habe die Vorgänge

in den vergangenen Tagen untersucht

und mit den für die Bereitstellung

der Akten zuständigen

Mitarbeitern gesprochen, sagt Monika

Hermann. DieVorstellung, dass

Schmidt als politisch Verantwortlicher

die Akten selbst bereitstelle, sei

„naiv“, so Hermann. In der Regel sei

das nicht der Fall, sondern viele Akteure

in eine Akteneinsicht eingebunden

–auch Justiziare.

Um „formale Fehler“ wie jene,die

Schmidt angeblich unterliefen, in

Zukunft zu vermeiden, arbeite das

Bezirksamt gerade an einer Checkliste,sagt

Hermann: Siesolle klarstellen,

was von der Verwaltung bei der

Akteneinsicht zu beachten sei. Der

Die Opposition fordertseinen Rücktritt: Florian Schmidt

GETTY/GALLUP

waltung in Finanzfragen hatte am

Montag angekündigt, dass es die

Vorkäufe durch Florian Schmidt im

Namen der umstrittenen Genossenschaft

Diese EG noch in dieser

Woche prüfen wolle und dabei auch

darauf achte, dass die Akten vollständig

seien. Hermann sagte, sie

sehe das Problem, dass sie für Op-

Leiter des Rechtsamts arbeite diese

Liste aus.

Damit sieht Hermann ihre eigenen

Möglichkeiten zur Aufklärung

ausgeschöpft. „Ich begrüße aber

sehr, dass mit dem Landesrechnungshof

eine neutrale Instanz den

Vorgang überprüfen wird“, sagte

sie. Das Kontrollgremium der Verposition

und Öffentlichkeit als

Grüne wenig glaubwürdig erscheine,

den ebenfalls Grünen

Schmidt zu entlasten. „Der Rechnungshof

ist eine unbestechliche

Instanz. Er wird sich den gesamten

Vorgang vorlegen lassen. Mehr als er

prüfen kann, können wir auch

nicht“, sagte sie.

Werner Graf, Vorsitzender des

Berliner Landesverbands, sagt, er

glaube Schmidt, dass er die Akten

nicht aus politischer Motivation zurückgehalten

habe.Ineiner internen

Sitzung aber hat Schmidt davon gesprochen,

durch das Zurückhalten

eine politische Instrumentalisierung

durch die Opposition und Berichterstattung

durch den Tagesspiegel verhindern

zuwollen. Der Landesvorsitzende

folgt dabei Schmidts Argumentation,

wie auch die Grünen im

Bezirk und in der Fraktion: Schmidt

habe seines Wissens nach lediglich

behauptet, die Akten aus politischen

Gründen zurückzuhalten –erhabe

das aber nicht tatsächlich getan.

Dennoch: „Diesen Satz überhaupt

zu sagen, ist nicht akzeptabel“, so

Graf. DasAkteneinsichtsrecht sei für

die Grünen ein sehr hohes Gut. Dennoch

stehe man hinter Schmidt, der

„sehr,sehr gute Arbeit“ leiste.

Ähnlich sieht es Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop(Grüne):Transparenz

sei den Grünen wichtig. DasBezirksverwaltungsgesetz

regele das

Vorgehen bei Akteneinsicht. „Dieses

gilt für alle Parteien“, sagte Pop der

Berliner Zeitung am Montag.

Mehr Klarheit –oder aber neue

Fragen –wird vermutlich schon dieser

Mittwoch bringen: Die FDP hat

beantragt, Schmidt im für Finanzen

zuständigen Hauptausschuss des

Abgeordnetenhauses zu befragen.

Schmidt sagte der Berliner Zeitung

am Montag, er werde erscheinen.

Hermann wie Graf erwarten das

auch von ihrem Parteikollegen: „Er

sagt, er habe sich nichts vorzuwerfen

–also sollte er zu denVorwürfen Stellung

beziehen“, so Graf. Gremien

wie der Hauptausschuss seien dafür

da, aufzuklären. „Und wir wollen

Aufklärung, keine Verschleppung.“


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 13

· ·

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Berlin

Grüne wollen

Verhandlungen

stoppen

Berlin dürfe nicht geheim

mit Hohenzollern sprechen

VonAnnika Leister

Die Berliner Grünen fordern, dass

sich das Land sofort aus den

Verhandlungen mit den Hohenzollernzurückzieht.

Es gehe dabei nicht

nur um „ein paar historische Vasen

oder Bilder“, sondern„indirekt auch

immer um das deutsche Geschichtsbild

und die historische Verantwortung

der Hohenzollern“, sagte Daniel

Wesener,parlamentarischer Geschäftsführer

der Grünen. „Darüber

kann nicht wie bisher hinter geschlossenen

Türen verhandelt werden.“

Bund, Berlin und Brandenburg

führen mit den Nachfahren der letzten

Monarchie zurzeit Gespräche

über Entschädigungen und mögliche

Rückgaben von Tausenden von

Kunstgegenständen. Nach der Novemberrevolution

1918 waren die

Hohenzollern, wie andere Fürsten

auch, politisch entmachtet und zum

Teil enteignet worden. Rund 100

Jahrespäter dringen die Nachfahren

auf Widergutmachung – ihre Ansprüche

sind aber hoch umstritten.

Dasgilt gerade für die Linken, die

mit Klaus Lederer den Kultursenator

stellen. Im Bundestag forderte die

Linksfraktion in einem Antrag vom

November, dass für den Bundestag

„Rückgaben oder Entschädigungen

der Familie Hohenzollern nicht diskutabel“

sein sollten. Die Hohenzollernseien

bereits mehrfach entschädigt

worden, hätten außerdem „dem

nationalsozialistischen System in erheblicher

Weise Vorschub geleistet

und davon profitiert“, heißt es dort.

Wesener hält Berlins Rechtsposition

für starkund Lederers Verhandlungen

mit dem Adelsgeschlecht für

nachteilig: „Mit vertraulichen Verhandlungen

unterminiert man nur

die eigene Rechtsposition.“

In die City nur noch mit dem E-Mobil

Die Hauptstadt soll rasch klimaneutral werden, so die Umweltsenatorin. Das wird Folgen haben

VonPeter Neumann

Mit dem Benziner oder

Dieselauto in die Innenstadt,

kostenlos

parken, mehrmals

jährlich für wenig Geld mit dem

Flugzeug verreisen: Das ist für viele

Berliner ganz normal. Doch in einigen

Jahren werden sie ihren Lebensstil

ändern müssen –wenn es nach

der Senatorin für Umwelt, Verkehr

und Klimaschutz geht. Autos mit

Verbrennungsmotoren sollen verbannt,

Flughafenentgelte erhöht

und Parkzonen ausgedehnt werden.

Dasgeht aus einer Senatsvorlage von

Regine Günther hervor. DieGrünen-

Politikerin „schürt ein Klima der

Angst“, hieß es beim Allgemeinen

Deutschen Automobil-Club (ADAC).

Im Dezember hat der Senat anerkannt,

dass sich Berlin in einer Klimanotlage

befindet. Damit die Stadt

klimaneutral wird, müsse der Kohlendioxidausstoß

weiter sinken, und

zwar stärker als bisher. Bis Mitte Januar

2020 sollte Senatorin Günther

einen Zeit- und Maßnahmenplan

vorlegen –das ist jetzt geschehen.

HöhereParkgebühren

„Ein ,Weiter so’ inder Klima- und

Energiepolitik ist keine Option

mehr“, steht in der Besprechungsunterlage,

die der Berliner Zeitung

vorliegt. Zwar seien die Kohlendioxidemissionen

in Berlin um mehr als

ein Drittel gesunken. Doch je nach

Bereich fällt die Bilanz unterschiedlich

aus.Sogehe die Modernisierung

von Gebäuden nicht zügig genug

voran. Der Kohlendioxidausstoß des

Berliner Verkehrs seien sogar gestiegen:

um elf Prozent. Immer mehr

Kraftstoff wirdverbraucht, und auch

der Luftverkehr nimmt zu, hieß es.

Darauf müsse reagiert werden –

zum Beispiel, in dem der Bereich innerhalb

des S-Bahn-Rings zur „Zero

Emission Zone“ erklärt wird. „Ab

dem Jahr 2030 sollen Pkw mit Verbrennungsmotoren

auf fossiler Basis

Sieht in der Dämmerung schön aus, macht aber viel Dreck: der Stadtverkehr.

DPA

in der Umweltzone möglichst ausgeschlossen

werden, 2035 soll die Ausweitung

auf das Gebiet der Gesamtstadt

erfolgen“, so die Senatsvorlage.

Die Umstellung auf emissionsfreie

Antriebe im Wirtschaftsverkehr

sollte gefördert werden. Bei diesem

Thema sollten die Senatsmitglieder

mit gutem Beispiel vorangehen: Ihre

Dienstwagenflotte müsse am Ende

der Legislaturperiode emissionsfrei

sein. Die Bereiche, indenen Parken

Geld kostet, sollten ausgedehnt, die

Gebühren für das Anwohnerparken

(derzeit 20,40 Euro für zwei Jahre)

müssten erhöht werden, hieß es.

Um den Ausbau des Nahverkehrs

zu finanzieren, müssten neue Modelle

erarbeitet werden – denkbar

wäre eine City-Maut oder eine Nahverkehrsabgabe.

Auch den Flugverkehr

nehmen die Planer insVisier:Es

sei nötig, die Start- und Landegebühren

auf dem BER stärker an den

Kohlendioxidemissionen zu orientieren,

so die Umweltsenatorin.

Autofahrer verunsichert

Was die Berliner Gebäude anbelangt,

so sieht das Konzept unter anderem

ein „landesrechtliches Verbot

des Einbaus neuer Ölheizungen“

vor. Neubauten müssten künftig mit

Solaranlagen versehen werden, alle

14 geplanten neuen Stadtquartiere

wären klimaneutral zu planen.

Fahrverbote für Verbrenner: „Mit

dieser überzogenen Forderung verunsichert

Regine Günther Berliner

Autofahrer als auch hunderttausende

Pendler aus dem Umland“,

sagte Volker Krane vomADAC. Karsten

Schulze, ein weiteres Vorstandsmitglied

des ADAC, stellte fest: „Der

Vorschlag kommt einer Enteignung

gleich.“ DieIdeen der Verkehrssenatorin

werden immer radikaler und

drastischer“, so FDP-Fraktionschef

Sebastian Czaja. DenGrünen gehe es

„nicht mehr um einen optimalen,

modernen Verkehrsmix, sondern

nur noch um einen einseitigen

Kampf gegen das Auto“, sagte er.

Bethaus

aus

Backstein

House of One stellt

Musterfassade auf

Das House of One, das geplante

Bethaus für Christen, Muslime

und Juden in Berlin, nimmt Form an:

Eine Musterfassade aus Backstein

gibt jetzt einen sinnlichen Einblick

in das Projekt am Petriplatz in Berlin-Mitte,

woeine Kirche, eine Synagoge

und eine Moschee unter einem

Dach entstehen sollen. Mitdem

Bauausschnitt aus gebranntem Ziegel

würden nun Ästhetik und Beständigkeit

des Baumaterials geprüft,

sagte der Verwaltungsdirektor

der Stiftung House of One, Roland

Stolte,amDienstag bei der Präsentation

der Fassade.

Mit dem Ziegelbau greift das

House of Oneeine alte Tradition auf.

Bereits im 13. Jahrhundert wurde in

Berlin und Brandenburg mit Backstein

gebaut. Angesichts der Diskussionen

um Nachhaltigkeit sei der

Ziegelstein ein Baustoff, der wie die

vor Hunderten von Jahren gebauten

Kirchen auch „mehr als 50 Jahre“

halten werde, sagte der federführende

Architekt Johannes Kuehn

vomBerliner BüroKuehn Malvezzi.

Bei den knapp ein Meter starken

Mauern sei keine Wärmedämmung

notwendig, die Haustechnik, etwa

die Kühlung, könne auf ein Minimum

begrenzt werden. Die vier mal

zwei Meter große Ecke soll als Muster

bis Ende 2022 stehen bleiben. Für

das 46 Meter hohe Gebäude sollen

2,3 Millionen Ziegel verbaut werden.

DasGebets- und Lehrhaus ist Teil

der Neugestaltung des Areals am historischen

Gründungsort Berlins. Ein

„archäologisches Fenster“ im Boden

des Neubaus soll einen Blick in die

750 Jahre alten Fundamente der im

Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten

und 1964 abgetragenen Petrikirche

geben. DerGrundstein für das

Mehrreligionen-Haus soll am 14.

Aprilgelegt werden. (dpa)

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14 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Berlin

FU soll

Türkischlehrer

ausbilden

Senat will mehr von Ankara

unabhängige Lehrkräfte

Die Freie Universität richtet einen

neuen Lehramtsstudiengang

für Türkisch ein. In einem

Schreiben hatte Wissenschaftsstaatssekretär

Steffen Krach (SPD) die

Universität um die Einrichtung eines

solchen Studiengangs gebeten. Losgehen

könnte es schon im Wintersemester

2020/2021.

DasLand bemüht sich seit einigen

Jahren, staatliche Alternativen zum

muttersprachlichen Ergänzungsunterricht

Türkisch zu etablieren. Diesen

„Konsulatsunterricht“ leiten

nämlich Lehrkräfte, die von der Türkei

fortgebildet, entsandt und bezahlt

werden. Nachdem im Rahmenlehrplan

aus Ankaranationalistische und

religiöse Inhalte entdeckt worden waren,

richtete die Bildungsverwaltung

2018 an Grundschulen eigene Lerngruppen

für Kinder mit türkischer

Herkunftssprache ein. Während vor

zwei Jahren an 87 Grundschulen Konsulatsunterricht

stattgefunden hatte,

sind es im laufenden Schuljahr nur

noch 62. Dagegen bieten 67 Grundschulen

aktuell vonder Türkei unabhängigen

„Herkunftssprachenunterricht“

an.

Entgegen dieser Entwicklung

könnten bald wieder mehr von der

Türkei entsandte Lehrer unterrichten:

Berlin ist als einer vondreideutschen

Standorten für eine türkische

Schule im Gespräch. (mrg.)

Polizei findet Leiche in Keller

Zuvor hatte ein Imbissbesitzer die Einsatzkräfte alarmiert. Er sagt, er habe in Notwehr getötet

VonPhilippe Debionne

und Morris Pudwell

Es kommt nicht oft vor, dass

ein Mensch einen anderen

Menschen tötet und dann

die Polizei anruft. Am Montag

meldete sich ein 59-jähriger Imbissbesitzer

in Blankenfelde bei der

örtlichen Polizei und sagte dem Vernehmen

nach, dass er in Notwehr einen

Mann erschossen habe. Dessen

Leiche liege nun in seinem Keller.

Die Beamten sollten bitte zu ihm

kommen.

„Der Sachverhalt wurde umgehend

durch Polizeibeamte untersucht,

die in einem Objekt in Blankenfelde

eine leblose Person auffanden“,

so ein Sprecher der zuständigen

Polizeidirektion West. Und

weiter:„Ein als tatverdächtig geltender

59-jähriger Mann stellte sich

kurznach Bekanntwerden des Sachverhalts

bei der Polizei“. Er wurde

wegen des Verdachts des Totschlags

festgenommen.

Beidem Mann handelt es sich um

einen Imbissbesitzer, bei dem 44-

jährigen Opfer um einen ebenfalls

aus dem Ort stammenden Gebrauchtwagenhändler,

der bosnische

Wurzeln hat. Im Gespräch mit

der Berliner Zeitung redeten Angehörige

am Montag davon, dass er

und der Imbissbesitzer ein Geschäft

hätten abschliessen wollen, bei dem

es um ein Auto im Wert von 40000

Euro gegangen sei. Dazu hätten sich

die beiden am Nachmittag des 18. Januar,

also vergangenen Sonnabend,

Ein Ermittler der kriminaltechnischen Untersuchung am TatortinBlankenfelde. PUDWELL

in einem Lokal getroffen. Videoaufnahmen

einer Überwachungskamera,

die der Berliner Zeitung vorliegen,

zeigen dieses Treffen. Nichts

deutet auf einen Streit hin, die beiden

Männer verlassen die Lokalität

gegen 16 Uhrgemeinsam.

Weil anschließend jedes Lebenszeichen

des Autohändlers fehlte,

gingen Verwandte am Sonntag zum

Wohnhaus des Imbissbesitzers und

wollten ihn zur Rede stellten. Dieser

rief daraufhin die Polizei und gab an,

dass er von mehreren Männern bedroht

werde. In der Folge rückten

Einsatzkräfte an und erteilten den

Angehörigen Platzverweise.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand

soll der Leichnam des erschossenen

Autohändlers zu diesem Zeitpunkt

bereits im Keller des Wohnhauses

gelegen haben. Doch niemand

schöpfte Verdacht. Erst als der

Imbissbesitzer am nächsten Tagerneut

die Polizei rief und die Tateinräumte,wurden

die Beamten fündig.

Während des Leichenabtransports

stritten Angehörige mit einem

Kripo-Mann. Sieäußerten ihren Unmut

darüber, dass die Polizei nicht

schon am Vortag das Haus durchsucht

hätte, obwohl die Verwandten

des Opfers den Verdacht geäußert

hatten, der Mann könnte tot im Haus

liegen.

Am Dienstag sollte der Imbissbesitzer

einem Haftrichter vorgeführt

werden. Weshalb es zu der Bluttat

kam und ob es sich tatsächlich um

Notwehr handelte, wird nun ermittelt.

Ein Stern

für

Pfeffersport

Preis für Berliner Kinderund

Inklusionsverein

Der Berliner Verein Pfeffersport

e.V. ist als Sieger der 16. Auszeichnung

„Sterne des Sports“ hervorgegangen.

„Es ist einfach großartig“,

sagte Pfeffersport-Geschäftsführer

JörgZwirnamDienstag

nach der Ehrung des mit 10 000

Euro dotierten Preises durch Bundeskanzlerin

Angela Merkel in der

DZ Bank am Brandenburger Torin

Berlin.

Pfeffersport ist Berlins größter

Kinder-und Inklusionsverein ist vornehmlich

in den Sportstätten in

Prenzlauer Berg,Pankowund Kreuzberg

beheimatet. Bei dem Preis

„Sterne des Sports“ werden Sportvereine

für ihr herausragendes Engagement

in Sportund Gesellschaft geehrt.

Pfeffersport setzte sich gegen

die 16 Sieger der anderen Bundesländer

durch.

Zwirn bezeichnete die Vereinsarbeit,

bei der Inklusion und Integration

von benachteiligten Kindern

und Jugendlichen in berlinweiten

Projekten und Initiativen im Vordergrund

stehen, als „lokale Raumfahrt“.

Seit 25 Jahren bietet Pfeffersport

den über 4600 Mitgliedern

über 50 Sport- und Bewegungsarten

an. Etwa 80 Prozent der Mitglieder

sind Kinder- und Jugendliche. Zu

den Aufgaben gehört auch, behinderte

Mitglieder zu Übungsleitern

auszubilden. (dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 15

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Chaos, Dreck, Bauschutt

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Berlin: „Müller:U-Bahn-Netz wird

wachsen“

(21. Januar)

DieAnkündigung, dass das U-Bahn-

Netz wachsen soll, ist blanker Hohn.

Manist nicht einmal in der Lage,das

bestehende Netz zu sanieren. Sehen

Siesich nur die Bahnhöfe der U9 an,

z. B. zwischen Bundesplatz und Rathaus

Steglitz: Die ganze Strecke ist

eine Baustelle! Chaos, Dreck, Bauschutt

und Behinderungen sind das

Resultat der katastrophalen Misswirtschaft

bei der BVG. Wie hat man

es vormehr als 100 Jahren geschafft,

ohne die Technologien, worüber wir

heute verfügen, innerhalb kürzester

Zeit ganz Berlin zu vernetzen? Offenbar

waren die Ingenieureder Kaiserzeit

weitaus klüger und gescheiter,

sie haben zumindest geliefert, und

nicht gerade schlecht.

NorbertFicek, per Mail

Tischreinigung in einer Schule

Früher hatten alle Schulen einen Hausmeister

Facebook: „Schwarze Ecken, dickeWollmäuse: Darum sind viele Berliner

Schulen so verdreckt“ von Margarete Gallersdörfer

(20. Januar)

Wenn man den Reinigungskräften vorschreibt proRaum fünf Minuten

zu putzen, was soll dabei rauskommen? Sieht man ja, geht wieder nur

ums Geld. Denke,Kinder sind die Zukunft?! Anja Schaab

Früher hatten alle Schulen einen Hausmeister,der ausgebildeter Handwerker

sein musste.Der würde für je 10 Euro neue Klobrillen kaufen, an

einem Nachmittag alle montieren und fertig.

Elmar Schweer

IMAGO/MOMENTPHOTO/KILLIG

Wenn Schüler ihreToiletten so nutzen, wäreein Dauerauftrag nötig.

Torsten Franke

DasProblem ist doch, dass nicht richtig saubergemacht wird, weil man

hirnrissige Entscheidungen bei der Auswahl der Reinigungsfirma trifft.

Oliver Schlottke

Das ist ein kluger Beitrag zur

Versöhnung der Generationen

Report: „Das Glück der letzten Minute“

von Jens Blankennagel und Markus

Wanzeck

(11. Januar)

Einselten schöner Beitrag, der so aktuell

und positiv in die gegenwärtige

Debatten-(Un)kultur zum Umweltschutz

eingreift und einen klugen

Beitrag zur Versöhnung der Generationen

leisten kann. Wasder fast 80-

jährige Michael Succow in seinem

Leben für den Erhalt der Natur geleistet

hat, ist wirklich unglaublich.

Schon das Lesen dieses Berichts

treibt einem die Tränen in die Augen.

Wenn es doch nur mehr Menschen

wie diesen Succowgeben würde.

Harald Liepert, Nienhagen

Jeder wäre Spender,jeder

kann dem widersprechen

Politik: „Wem gehörtder Mensch?“

von Tobias Peter

(17. Januar)

Da ich selbst vor einem knappen

Jahr ein neues Herz bekommen habe

und dem Todinder Zeit davor einige

Male von der Schippe gesprungen

bin, macht mich dieser Beschluss

nicht nur wütend, sondern auch

traurig. Bei mir drohten die Organe

zu versagen. Da kein passendes Herz

für mich da war,wurden zwei Kunstherzen

eingesetzt. Es folgten Komplikationen

und dann hatte ich doch

ein riesengroßes Glück. Ich war bereits

vor meiner Krankheit Organspender.

Ich verstehe das Problem

nicht, dass es in Deutschland dazu

gibt. Jeder wäre Spender, jeder kann

dem widersprechen. Ich kann nur

hoffen, dass diejenigen oder deren

geliebte Familienmitglieder, die so

etwas beschließen, selbst nicht

krank werden. Ich hätte auch niemals

damit gerechnet, in so eine Situation

zu kommen. Es kam ganz

akut bei mir.

Simone Nommensen-Müller,Nehms

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Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


16 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Brandenburg

Erfasst

und

gespeichert

Kenia-Koalition einigt sich

zu Kennzeichenfahndung

Die rot-schwarz-grüne Koalition

in Brandenburg hat sich auf

erste Vorgaben zur umstrittenen

massenhaften Erfassung von Autokennzeichen

verständigt.

„Ermittler sagen uns, das ist ein

extrem wichtiges Mittel der Strafverfolgung“,

sagte SPD-Fraktionschef

Erik Stohn am Dienstag in Potsdam.

Es müsse aber„datenschutzkonform

ausgestaltet werden“. Nach einem

Entschließungsantrag von SPD,

CDU und Grünen im Landtag soll

bei der Praxis die Beanstandung der

Landesdatenschutzbeauftragten berücksichtigt

werden. Die oppositionelle

Linke fordert, das System vorerst

auszusetzen. Eine sofortige Abschaltung

lehnen SPD, CDU und

Grüne jedoch ab.

Als unzulässig eingestuft

Die Grünen im Landtag halten die

Rechtsgrundlage –die Strafprozessordnung

– für verfassungswidrig.

„Unsere Wunschvorstellung wäre

(...), dass der Aufzeichnungsmodus

dieses Systems abgeschaltet wird“,

sagte die Innenpolitikerin Marie

Schäffer. Sie verwies aber darauf,

dass zunächst eine Lösung gefunden

werden soll, die von der Landesdatenschutzbeauftragten

Dagmar

Hartge akzeptiert wird. Hartge hatte

die Sammlung in der praktizierten

Form als unzulässig eingestuft.

Auf Brandenburgs Autobahnen

werden seit 2010 wegen laufender

Ermittlungsverfahren und auf Anordnung

der Staatsanwaltschaften

Kennzeichen erfasst und gespeichert.

BisAnfang Februar will das Innenministerium

dazu Stellung nehmen.

Eine Entscheidung des Verfassungsgerichts

Brandenburg aufgrund

einer Beschwerde eines

Mitglieds der Piratenpartei steht aus.

Linke-Innenpolitiker Andreas

Büttner betonte: „Wartet bitte, bis

wir eine rechtssichereGrundlage haben

–entschieden vom Landesverfassungsgericht!“

AfD-Fraktionschef

Andreas Kalbitz sagte, freiheitliche

Bürgerrechte und die Datensammlung

des Staates müssten abgewogen

werden. Die Polizei hatte angekündigt,

eine große Menge an Daten

zu löschen, nachdem die Staatsanwaltschaft

Frankfurt (Oder) die Vernichtung

angeordnet hatte. (dpa)

Abschied vom „Brückenbauer“

Die Trauerfeier für Manfred Stolpe fand mit politischer Prominenz in der Potsdamer Nikolaikirche statt

VonJens Blankennagel, Potsdam

Die Sonne strahlt über

Potsdam, doch die Stadt

trägt Trauer. Wie überall

im Land Brandenburg

sind an diesem Dienstag alle Flaggen

an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast

gesetzt – zum Gedenken an

Manfred Stolpe. Auch die drei Fahnen

im Hof des Landtags stehen auf

Halbmast. Gleich gegenüber, inder

prunkvollen Nikolaikirche am Alten

Markt, findet an diesem Nachmittag

die zentrale Trauerfeier für Manfred

Stolpe statt: den ersten Ministerpräsidenten

des Landes Brandenburg,

den Mann, für den in diesem Land

der Begriff Landesvater geprägt

wurde –für den bekanntesten SPD-

Politiker in ganz Ostdeutschland.

Es gab eigentlich nur zwei Politiker,

die in Brandenburg das erste

Jahrzehnt nach dem Ende der DDR

in der breiten Öffentlichkeit geprägt

haben: Manfred Stolpe sowie seine

geradezu legendäreSozialministerin

Regine Hildebrandt, die als „Mutter

Courage des Ostens“ bezeichnet

wurde und die das Land Brandenburg

zusammen mit Stolpe über

Jahre hinweg zu einer SPD-Hochburg

machten. Für beide fand die

Trauerfeier in dieser zentralen Kirche

im Herzen von Potsdam statt.

Beide erkrankten an Krebs, Hildebrandt

starb auf dem Höhepunkt ihrer

Popularität mit nur 60 Jahren.

Stolpe wurde immerhin 83 Jahre alt

und starb am 29. Dezember 2019.

600 Gäste bei Trauerfeier

Die Gedenkfeier am Dienstag in Potsdam.

Herkunft: Geboren am 16.

Mai 1936 in Stettin, gestorben

am 29. Dezember in

Potsdam. Er war studierter

Jurist und arbeitete in der

DDR für die Evangelischen

Kirchenleitungen und setzte

sich für Oppositionelle ein.

MANFRED STOLPE

Politik: Stolpe war exakt

4255 Tage Ministerpräsident.

Das waren mehr als elf

Jahren vom1.November

1990 bis zum 26. Juni

2002. Danach war er auch

noch Bundesverkehrsminister

unter Gerhard Schröder.

DPA/SOEREN STACHE

Krankheit: 2003 wurde bei

ihm Darmkrebs diagnostiziert.

Die Ärzte gaben ihm nur

noch drei Jahre Lebenszeit.

Auch seine Frau, eine Ärztin,

erkrankte an Krebs. Stolpe

überlebte die Prognosen der

Ärzte gleich mehrmals.

Vorder Kirche fahren ab 14 Uhr die

schwarzenLimousinen vor. Mehr als

600 Gäste sind gekommen, Ex-Kanzler

Gerhard Schröder ist auch da.

Brandenburgs Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) trifft auf Bundesfamilienministerin

Franziska Giffey

und auf Schlagersängerin Dagmar

Frederic. Der frühere Berliner

Regierende Bürgermeister Eberhard

Diepgen (CDU) sagt: „Ich habe Manfred

Stolpe schon vor der ostdeutschen

Revolution kennengelernt. Er

war ein sachkundiger, sehr an den

Menschen orientierter Politiker.“

Immer wieder fällt das Wort vom

„Brückenbauer“, der sehr geholfen

habe bei der Deutschen Einheit, bei

der Verständigung zwischen West

und Ost. Stolpe gilt als großer Versöhner,als

einer,der Brandenburgin

die Demokratie und in ein neues

System führte, der die Neu-Bundesbürger

aber gleichzeitig sehr früh ermahnte,

nicht ihre ostdeutschen

Wurzeln zu vergessen und stolz zu

sein auf das,was sie im Leben geleistet

haben. Dafür nahm er in Kauf,

dass einige Brandenburgals „Stolpes

kleine DDR“ verspotteten.

DieTrauerfeier beginnt mit Gebeten,

Musik und Erinnerungen an

Stolpes Kindheit und seine Vertreibung

nach dem Zweiten Weltkrieg

aus Stettin, aber auch von seinem

späterenWirken. Er wirdals differenzierter

und abwägender Stratege beschrieben,

gelobt wirdsein Geist der

Vermittlung und Versöhnung.

„Notfallhelfer und Schutzpatron“

Der evangelische Landesbischof

Christian Stäblein erzählt, wie klaglos

und geduldig Stolpe den Krebs ertrug.

„Krankheit als Teil des Lebens –

ja. Aber nicht als Macht oder gar

Übermacht.“ Stäblein erinnert vor

allem an Stolpes Kampf in der DDR

für die Ausweitung von „Freiheitsräumen

in einem System der Unfreiheit“.

Er schließt seine Predigt mit einem

Dank. „,Danke’ steht heute auf

unserem Zettel an Gott: Danke Gott

für Manfred Stolpe.“

Nach dem Gottesdienst folgt der

weltliche Teil der Gedenkfeier. Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier

spricht davon, dass Stolpe viele

geprägt und tief beeindruckt habe.

Auch ihn selbst. Wortreich dankt er

der Familie,die dem Kranken half. Er

lobt die „Kraft der Familie, einen

kraftlos Gewordenen zu halten“. Er

erinnert daran, dass viele, die in der

DDR zur Opposition gehörten, Stolpes

Telefonnummer für den Notfall

besaßen. Er erinnert daran, dass

Stolpe seine Stasi-Kontakte vorgeworfen

wurden. Steinmeier ordnet

dies so ein: „Für die menschliche

Hilfe, die Manfred Stolpe geben

konnte,reichte das Zwiegespräch mit

Gott nicht aus.“ Er musste auch mit

dem Unrechtsstaat reden.

Ministerpräsident Dietmar Woidke

erinnert daran, dass Stolpe zu

DDR-Zeiten für viele ein „Notfallhelfer,Schutzpatron

und eine Hoffnung“

war. Nach der friedlichen Revolution

habe er den Aufbau des neuen

Landes mit der Identitätsfindung der

Brandenburger verknüpft. „Manfred

Stolpe wirduns fehlen“, sagteWoidke.

„Ihn zu ehren, heißt: Unser friedliches

und tolerantes Brandenburg zu

erhalten und weiterzuentwickeln.

Das ist sein Vermächtnis. Das ist unsereAufgabe.“

H5N8: Nach

zwei Jahren

wieder da

Erster Fall von

Vogelgrippe bundesweit

VonJens Blankennagel, Potsdam

Nach dem Nachweis des bundesweit

ersten Falls von Vogelgrippe

seit zwei Jahren sind die Geflügelhalter

in Brandenburg zubesonderer

Vorsicht aufgerufen. Am

Montag hatte das Potsdamer Gesundheitsministerium

bekannt gegeben,

dass der Geflügelpest-Erreger

H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen

wurde.Dabei handelt es sich

um eine Blessgans, die in Südbrandenburg

inder Nähe von Forst an

der polnischen Grenze gefunden

wurde. Dakein Geflügelstall betroffen

ist, wurde auch keine Stallpflicht

für Geflügelhalter verhängt.

Aber die Geflügelhalter überall im

Land wurden aufgefordert, alle gültigen

Sicherheitsvorkehrungen an

Ställen besonders zu beachten. „Zur

Verhinderung der indirekten Einschleppung

des hoch ansteckenden

Erregers sind alle Geflügelhalter aufgefordert,

die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen

in den Betrieben

zu überprüfen und zu verstärken“,

sagte Verbraucherschutzministerin

Ursula Nonnemacher

(Grüne). Das Seuchengeschehen in

Osteuropa werde sehr aufmerksam

beobachtet. „Das fortlaufende Geflügelpest-Monitoring

bei Hausgeflügel

und Wildvögeln in Brandenburgwirdjetzt

deutlich intensiviert.“

Das bedeutet, dass Vogelexperten,

die regelmäßig in freier Wildbahn

nach Vögeln schauen, ihre Bestände

zählen und überwachen, nun

verstärkt ausschwärmen und auf

tote Vögel achten. Sobald eine verstärkte

Kontrolle beginnt, ist auch

mit weiteren Fällen zu rechnen.

Es wird davon ausgegangen, dass

die Vogelgrippe durch einen Zugvogel

eingeschleppt wurde. Seit Jahren

läuft in Brandenburg ein Geflügelmonitoring

bei Hausgeflügel und

Wildtieren. Dabei werden Stichproben

von tot gefundenen oder geschossenen

Wildvögeln im Landeslabor

auf Vogelgrippe überprüft. „Es

werden aber nicht nur Kadaver von

Wildtieren untersucht, sondern

auch Proben bei Geflügelhaltern genommen“,

sagte Ministeriumssprecher

Gabriel Hesse.„Im vergangenen

Jahr wurden etwa 230 Proben untersucht.

Alle waren negativ.“

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Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 17

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Wissenschaft

Seltsame

Objekte in der

Milchstraße

Himmelskörper kreisen um

zentrales Schwarzes Loch

VonTill Mundzeck

Astronomen aus den USA haben

eine neue Klasse ungewöhnlicher

Himmelsobjekte im Zentrum

unserer Milchstraße identifiziert.

„Diese Objekte sehen aus wie Gas,

verhalten sich aber wie Sterne“, berichtet

Teamleiterin Andrea Ghez von

der University of California in Los Angeles.

Ihr Team stellt die Entdeckung

vonvier bislang unbekannten Objekten

dieser Artimbritischen Fachblatt

Nature vor. Damit erhöht sich ihre

Zahl auf sechs,und die Forscher sprechen

von einer eigenen Klasse astronomischer

Objekte. Die genaue Natur

dieser Himmelskörper ist unklar.

Eine Gruppe um Ghez hatte 2005

das erste derartige Objekt aufgespürt

und es G1 getauft. Es kreist um das

gigantische Schwarze Loch im Zentrum

unserer Galaxie und kommt

diesem dabei gelegentlich sehr nahe.

2012 hatten Forscher um Stefan Gillessen

vom Max-Planck-Institut für

extraterrestrische Physik in Garching

ein zweites derartiges Objekt entdeckt,

G2, das 2014 eng am zentralen

SchwarzenLoch vorbeiflog.

„Zur Zeit seiner nächsten Annäherung

besaß G2 eine wirklich seltsame

Signatur“, sagt Ghez.„Wirhatten

es zuvor gesehen, aber es sah

nicht allzu merkwürdig aus, bis es

sich dem Schwarzen Loch näherte

und in die Länge gezogen wurde.“

Eingroßer Teil seines Gases sei dabei

weggerissen worden. Das Team hat

nun vier weiterederartige Objekte in

der Umgebung des supermassereichen

Schwarzen Lochs im Zentrum

der Milchstraße gefunden, G3 bis G6.

Damit gebe es eine Population von

G-Objekten.

Andrea Ghez nimmt an, dass es

sich bei den sechs Objekten um miteinander

verschmolzene oder noch

verschmelzende Doppelsterne handelt.

Bei der Annäherung an das

Schwarze Loch verlor G2 zwar seine

Gashülle, aber nicht den dichten

Staubmantel innerhalb des Gases.

Verschmelzende Doppelsterne?

„Irgendetwas muss es kompakt gehalten

und ihm ermöglicht haben,

die Begegnung mit dem Schwarzen

Loch zu überleben“, erläutertCiurlo.

„Das ist ein Hinweis für ein sternartiges

Objekt im Inneren von G2.“ Die

enorme Schwerkraft des Schwarzen

Lochs könne eine Verschmelzung

der Doppelsterne in den G-Objekten

anstoßen, argumentiertGhez.

Zugleich habe diese Population

vermutlich Einfluss auf die Aktivität

des zentralen Schwarzen Lochs, indem

die G-Objekte es bei jedem Vorbeiflug

mit abgesaugtem Gas fütterten.

„Das Material, das durch die Gezeitenkräfte

aus ihnen herausgerissen

wird, wenn sie am zentralen

Schwarzen Loch vorbeirauschen,

muss unausweichlich in das

Schwarze Loch fallen“, erläuterte

Gehz' Kollege und Ko-Autor Mark

Morris.

„Wenn das passiert, könnte es in

der Lage sein, eine eindrucksvolle

Feuerwerksshow zuproduzieren, da

das Material, das vom Schwarzen

Loch verschluckt wird, sich starkaufheizt

und reichlich Strahlung aussendet,

bevor es hinter dem Ereignishorizont

verschwindet.“ (dpa/fwt)

Illustration der G-Objekte: Sie verhalten

sich wie Sterne.

JACK CIURLO

Silberrücken Coriander (links) mit zwei Weibchen aus seiner Gruppe samt Nachwuchs. Die Gruppe zu wechseln, kommt für sie zurzeit nicht infrage.

Senile Silberrücken

Wenn ihr Männchen altert, müssen Gorilla-Weibchen entscheiden, ob sie gehen oder bei ihm bleiben

VonKerstin Viering

Coriander ist schon ein attraktiver

Typ, das muss

man ihm lassen. Kräftig,

eindrucksvoll, 22 Jahrealt.

Undauf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Bessies eigener Partner dagegen

–nun ja: Mit36hat George seine

besten Tage hinter sich. Andere

Männer in seinem Alter sind schon

längst wieder Singles. Und auch bei

ihm hat die Anziehungskraft aufs andere

Geschlecht merklich nachgelassen.

Während er früher problemlos

einen ganzen Harem um sich

scharen konnte, ist Bessie nun die

einzige, die ihm noch die Treue hält.

Mitder Betonung auf „noch“.

Zwar ist auch sie schon eine reifere

Dame, etwa in Georges Alter.

Und zugegeben: Sohn Franklin ist

erst vier und damit noch ziemlich

klein, um ihn im Stich zu lassen. Aber

soll sie sich davon aufhalten lassen?

Wäre esnicht doch eine gute Idee,

nochmal ein neues Leben anzufangen,

an der Seite eines Jüngeren?

EinNeustartist riskant

Solche Fragen sind für Bessie und

andere Westliche Flachlandgorillas

wohl nicht wesentlich leichter zu beantworten

als für Menschen. Entsprechend

unterschiedlich fallen die

Entscheidungen aus.„Wirhaben beobachtet,

dass manche Weibchen jedes

Mal in eine andere Gruppe

wechseln, wenn sie ihren Nachwuchs

entwöhnt haben“, berichtet

Marie Manguette vom Max-Planck-

Institut für evolutionäreAnthropologie

in Leipzig. „Anderebleiben dagegen

bis zu zwanzig Jahre lang bei

demselben Männchen.“

Warumaber wählen die Tieremal

die eine Lösung und mal die andere?

Um das herauszufinden, haben MarieManguette

und ihreKollegen Daten

aus einer Langzeitstudie in der

Forschungsstation Mbeli BaiimNorden

der Republik Kongo ausgewertet.

Über zwanzig Jahre hinweg ließen

sich so die Lebens- und Beziehungsgeschichten

von hundert

Weibchen und 229 Säuglingen aus 36

Gorilla-Gruppen rekonstruieren.

Die Forscher wollten wissen, ob die

Weibchen ihre Entscheidung für

oder gegen einen alternden Gefährten

vielleicht ganz nüchternvon den

Überlebenschancen ihres Nachwuchses

abhängig machen.

Naheliegend wäre das. Denn der

Schutz der nächsten Generation gehört

für den männlichen Anführer

einer Gorilla-Gruppe zu den wichtigsten

Aufgaben. Dieser sogenannte

Silberrücken ist etwa doppelt so groß

Verwandtschaft: Wissenschaftler unterscheiden

zwei verschiedene Gorilla-Arten,

den Östlichen Gorilla (Gorilla beringei)und

den Westlichen Gorilla (Gorilla gorilla). Zur

östlichen Artgehören die beiden Unterarten

Berggorilla und Grauergorilla, zur westlichen

der Cross-River-Gorilla und der Westliche

Flachlandgorilla.

Aussehen: Während ihre östlichen Verwandten

ein schwarzes Fell haben, sind Westliche

Flachlandgorillas eher grau-braun. Sie sind

zwar etwas kleiner als Östliche Gorillas,

die Männchen erreichen aufrecht stehend

aber immer noch eine Größe vonknapp

1,70 Meternund bringen 140 bis 160 Kilo

auf die Waage. Weibchen sind etwa halb so

schwer.

wie die Weibchen in seinem Harem.

Da wirdvon ihm erwartet, dass er sowohl

Raubtiere als auch Artgenossen,

die finstereAbsichten haben, in

die Flucht schlagen kann. DieWeibchen

suchen sich gezielt einen besonders

kräftigen Beschützer aus.

Und wenn der die Ansprüche nicht

erfüllt, muss er damit rechnen, verlassen

zu werden.

Allerdings hat so ein Neustart

auch für die Weibchen seinen Preis.

Denn zum einen kann es sein, dass

ihr bisheriger Gefährte sie zum Bleiben

nötigen will. Da riskieren sie

Bisse,Schläge und andereAggressionen,

wenn sie sich aus dem Staub zu

machen versuchen. Zum anderen

wartet auch in der Fremde zunächst

kein entspanntes Leben. Sie kennen

sich dort nicht aus, können ihren

neuen Silberrücken noch nicht gut

einschätzen.

Und auch die weibliche Konkurrenz

kann durchaus aggressiv werden

und die Neuankömmlinge sogar

aktiv an der Paarung hindern. Dasalles

kostet eine Menge Zeit. Und so

brauchen Weibchen nach einem

Gruppenwechsel im Schnitt fünf

Monate länger, bis sie wieder trächtig

werden. Dadurch aber können sie

im Laufe ihres Lebens deutlich weniger

Nachwuchs in die Welt setzen.

Häufige Wechsel können die Zahl

der überlebenden Söhne und Töchter

auf die Hälfte reduzieren, zeigen

die Analysen der Forscher.Die Weibchen

sollten das also nur riskieren,

wenn die Alternativen noch düsterer

sind. Und das ist gar nicht so selten

der Fall.

WESTLICHE FLACHLANDGORILLAS

Leben: Im Freiland werden weibliche Gorillas

meist mit etwa zehn Jahren geschlechtsreif,

Männchen im Zoo haben auch schon mit sieben

Jahren Nachwuchs gezeugt. Ab etwa 35

Jahren zeigen Gorillas deutliche Alterserscheinungen.

Der älteste bekannte Westliche

Flachlandgorilla ist das Weibchen Fatou im

Zoo Berlin. Es wurde vermutlich 1957 in

Westafrika geboren.

Vorkommen undBestand: DerWestliche

Flachlandgorillahat ein relativ großes Verbreitungsgebiet

–von Kamerun und der Zentralafrikanischen

Republik überÄquatorialguinea,

die Republik Kongound Gabun bisnach

Angola.Mit etwa 320 000Tieren ist er der

häufigste Gorilla.Aber aucherist vomAussterben

bedroht,die Bestände schrumpfen.

Denn in den letzten fünf Jahren

einer Silberrücken-Karriere steigt

die Säuglingssterblichkeit in seiner

Gruppe deutlich an. Besonders gefährlich

wird es für die Kleinen,

wenn der Vater stirbt, bevor sie entwöhnt

sind. Denn dann müssen sie

mit ihrer Mutter in eine neue Gruppe

wechseln –und werden häufig von

deren Chef getötet. Der kann dann

nämlich schneller eigenen Nachwuchs

mit den neuenWeibchen zeugen.

Doch selbst wenn der alte Silberrücken

am Leben bleibt, kann er

die Jungtiere nicht mehr so gut beschützen

wie in seinen besten Tagen.

Manchmal geht er der stärkeren

Konkurrenz dann auch lieber aus

dem Wegund verliert dadurch den

Zugang zu guten Nahrungsquellen.

Das alles schmälert die Überlebenschancen

der jungen Generationen.

„Gorillaweibchen, die in der

Gruppe eines älteren Silberrückens

sind, stehen also vor einem Dilemma“,

erklärt Marie Manguette.

Gehen oder bleiben? Beide Optionen

sind mit Nachteilen und Risiken

verbunden. Und für die Entscheidung

haben sie nicht ewig Zeit. Sie

muss in den etwa vier Monaten zwischen

dem Entwöhnen des Nachwuchses

und der nächsten Trächtigkeit

fallen. Denn nur dann können

Weibchen ohne abhängigen Nachwuchs

wechseln, der dadurch in Gefahr

geraten könnte.

Woher aber wissen sie, wann es

Zeit ist, zu gehen? „Viele Weibchen

verlassen ihr Männchen lange vor

dessen Tod“, sagt Marie Manguette.

Offenbar können die Tiere recht gut

MARIE MANGUETTE/WCS-CONGO

einschätzen, wie es um den Gesundheitszustand

und die Konkurrenzfähigkeit

ihres Beschützers bestellt ist.

Möglicherweise erkennen sie das

daran, wie er in Konflikten mit anderenMännchen

auftritt.

„Solche spannenden Zusammenhänge

kann man nur durch langfristige

Beobachtungen aufdecken“, sagt

Angela Meder vonder deutschen Gorilla-Schutzorganisation

„Berggorilla

&Regenwald Direkthilfe“. Diese zeitraubende

Arbeit aber komme auch

dem Schutz der Westlichen Flachlandgorillas

zugute. Denn je besser

man das Verhalten und die Ökologie

der Tiere verstehe, umso mehr erfahre

man auch über ihre Probleme

und umso effektivere Rettungsmaßnahmen

könne man planen. „Gorillaschutz

und Gorillaforschung gehen

Hand in Hand“, betont die Expertin.

Deshalb hat ihre Organisation schon

einige Projekte der Max-Planck-Wissenschaftler

gefördert.

Interessant sind die neuen Erkenntnisse

aber auch im Hinblick auf

unsereeigene Art. „DaGorillas so eng

mit uns verwandt sind, verstehen wir

ihr Verhalten natürlich viel eher als

das anderer Tiere“, sagt Angela Meder.

Tatsächlich geht es dem Max-

Planck-Team auch darum, die Wurzeln

des menschlichen Sozialverhaltens

zu beleuchten. Eine Parallele

zwischen Mensch und Gorilla sieht

Marie Manguette beispielsweise

darin, dass Männer körperlich meist

stärker sind als Frauen. Unddas spielt

durchaus auch bei der menschlichen

Partnerwahl eine Rolle.

George verschwand eines Tages

In vielen Jäger-und Sammler-Kulturen

wie bei den BaYaka in der Republik

Kongo entscheiden sich Frauen

zum Beispiel am liebsten für einen

guten Jäger oder Kletterer. Denn der

bringt mehr Fleisch oder Honig nach

Hause und verbessert sodie Versorgungslage

und die Überlebenschancen

der Kinder.Inwestlichen Gesellschaften

mögen die weiblichen Ansprüche

andere sein. Doch an der

grundsätzlichen Frage „Gehen oder

bleiben?“ haben Frauen auch dort

oft genug zu knabbern.

Bessie scheint in dieser Sache übrigens

die richtige Entscheidung getroffen

zu haben. Trotz ihres offensichtlichen

Interesses an Coriander

ist sie bei George geblieben und hat

von ihm ein weiteres Kind bekommen.

Als der alte Silberrücken eines

Tages spurlos verschwand, war

Tochter Obama etwas mehr als vier

Jahre alt –und damit nicht mehr in

Gefahr,von einem neuen Beschützer

ihrer Mutter umgebracht zu werden.

Aufprall vor

2,23 Milliarden

Jahren

Forscher datieren ältesten

Meteoriten-Einschlagkrater

InAustralien haben Forscher den

bislang ältesten bekannten Einschlagkrater

eines Asteroiden datiert:

Der Yarrabubba-Krater, der einen

Durchmesser von etwa 70 Kilometern

hatte, inzwischen aber vollständig

erodiert ist, entstand durch

den Aufprall eines Himmelskörpers

im heutigen Bundesstaat Western

Australia vor mehr als 2,229 Milliarden

Jahren. Das berichten Forscher

um Timmons Erickson vom Nasa

Johnson Space Center in Houston im

Fachblatt NatureCommunications.

In ihrer Frühzeit wurde die junge

Erde ständig von Himmelskörpern

getroffen. Doch Tektonik und Erosion

haben im Lauf der Jahrmilliarden

die Spuren solcher Einschläge

weitgehend verwischt. Bislang waren

die ältesten bekannten Strukturen

der zwei Milliarden Jahre alte

Vredefort-Krater im nördlichen Südafrika

und das nur wenig jüngere

Sudbury-Becken im Süden der kanadischen

Provinz Ontario –beide haben

einen Durchmesser von mehr

als 200 Kilometern.

VomYarrabubba-Aufprall in der

Region Mid West zeugt kein Krater,

aber eine magnetische Anomalie in

einem elliptischen Bereich von 11

auf 20 KilometernDurchmesser.Die

Zeit des Einschlags datierten die Forscher

anhand von Isotop-Analysen

der Minerale Zirkon und Monazit.

Möglicherweise habe der Aufprall

in Australien das globale Klima beeinflusst,

spekulieren die Forscher. Damals

waren große Teile der Erde bis in

niedrige Breiten vonEis bedeckt. Später

habe sich das Eis für einen Zeitraum

von mindestens 400 Millionen

Jahren zurückgezogen, schreiben

Erickson und sein Team. Sie sehen

eineVerbindung zum Einschlag.

„MehrereFaktoren, die durch den

Yarrabubba-Einschlag ausgelöst

wurden, könnten das regionale oder

globale Klima verändert haben“,

schreibt das Team. So könnte der

Einschlag gewaltige Mengen von

Kohlendioxid, Wasserdampf und anderen

Treibhausgasen in die damals

noch sauerstoffarme Atmosphäre

katapultierthaben. (dpa/fwt)

Neuer Manager

am Deutschen

Herzzentrum

Rolf Zettl wird

Kaufmännischer Direktor

Das Deutsche Herzzentrum Berlin

(DHZB) bekommt einen erfahrenen

Wissenschaftsmanager:

Der promovierte Biologe Rolf Zettl

wird Kaufmännischer Direktor der

Einrichtung. Dashabe der Stiftungsrat

in einer außerordentlichen Sitzung

Dienstag beschlossen, teilte

das DHZB mit. Zettl wechselt aus

Stuttgart nach Berlin. Ein Jahr lang

war er in der Neckarstadt Kaufmännischer

Geschäftsführer am Robert-

Bosch-Krankenhaus und der Robert-Bosch-Gesellschaft

für medizinische

Forschung.

Zuvorwar Zettl lange in Berlin tätig

–zuletzt als administrativer Vorstand

des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung

(BIH). Er verfüge

über mehr als 25 Jahre Erfahrung

an den Schnittstellen von

Klinik, Wissenschaft und Administration,

betont das DHZB. ZuZettls

großen Aufgaben wird die Begleitung

eines einmaligen Prozesses gehören.

Denn ab 2021 soll in Wedding

das UniversitäreHerzzentrum Berlin

entstehen. Dafür werden die herzchirurgischen

und kardiologischen

Stationen der Charité und das DHZB

fusionieren. (BLZ)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Sport

NACHRICHTEN

Fuchs Zachrisson fehlt die

ganze Saison

HANDBALL. DieFüchse Berlin müssen

für den Rest dieser Saison nach

einer zweiten Schulteroperation auf

den schwedischen Nationalspieler

Mattias Zachrisson, 29, verzichten.

„Die Operation ist gut verlaufen und

wir sind guter Dinge,dass der angestrebte

Heilungsprozess reibungslos

stattfinden kann. Leider werden wir

in dieser Saison nicht mehr auf Zacke

zurückgreifen können“, sagte

Geschäftsführer BobHanning nach

der Arthroskopie.

Bayernleiht Verteidiger

Odriozola von Real aus

FUSSBALL. DerFCBayernsteht kurz

vorder Verpflichtung des Spaniers

AlvaroOdriozola, 24. DerRechtsverteidiger

soll bereits in München sein,

dorteinen Medizincheck absolvierenund

soll dann bis zum Saisonende

vonReal Madrid ohne Kaufoption

ausgeliehen werden.

Union-TorwartMoser

wechselt nach Brügge

FUSSBALL. Der1.FCUnion leiht

Nachwuchstorhüter LennartMoser,

20, bis zum Saisonende an den belgischen

Erstligisten Cercle Brügge aus.

Wiedie Köpenicker mitteilten, einigten

sich die Klubs auf ein Leihgeschäft

mit Kaufoption.

Kitzbühel-Favorit Paris reißt

sich das Kreuzband

SKI ALPN. DerItaliener Dominik Paris,

30, zogsich bei einem Trainingssturzeinen

Kreuzbandriss zu, auch

der Wadenbeinkopf soll in Mitleidenschaft

gezogen worden sein. Der

Favoritfür den Weltcup-Abfahrtsklassiker

am Sonnabend in Kitzbühel

sagte:„Meine Saison ist zu Ende.“

Gruppe I

Handball

EM, Hauptrunde

Kroatien -Spanien Mi., 16.00

Weißrussland -Österreich Mi., 18.15

Tschechien -Deutschland Mi., 20.30

1. Spanien 4 131:105 8

2. Kroatien 4 105: 91 8

3. Deutschland 4 115:103 4

4. Österreich 4 103:120 2

5. Weißrussland 4 102:124 2

6. Tschechien 4 100:113 0

Gruppe II

ZAHLEN

Portugal -Slowenien 24:29

Norwegen -Island 31:28

Ungarn-Schweden 18:24

1. Norwegen 4 124:105 8

2. Slowenien 4 108: 99 6

3. Ungarn 4 100:106 4

4. Portugal 4 112:116 2

5. Island 4 101:110 2

6. Schweden 4 88: 97 0

Tennis

Australian Open

Männer,1.Runde: u. a. Alexander Zverev(Hamburg/7)

-Marco Cecchinato (Italien) 6:4, 7:6

(7:4), 6:3; Benoit Paire (Frankreich/21) -Cedrik-

Marcel Stebe (Vaihingen) 6:4, 3:6, 6:3, 6:7 (2:7),

6:0; Peter Gojowczyk (München) -Christopher Eubanks

(USA) 7:6 (7:1), 6:3, 4:6, 6:0; Pedro Martinez

Portero (Spanien) -Dominik Koepfer (Donaueschingen)

6:3, 6:4, 7:5; Rafael Nadal (Spanien/1)

-HugoDellien (Bolivien) 6:2, 6:3, 6:0;

Daniil Medwedew(Russland/4) -Frances Tiafoe

(USA) 6:3, 4:6, 6:4, 6:2; Dominic Thiem (Österreich/5)

-Adrian Mannarino (Frankreich) 6:3, 7:5,

6:2

Frauen, 1. Runde: u. a. Angelique Kerber

(Kiel/17) -Elisabetta Cocciaretto (Italien) 6:2,

6:2; Laura Siegemund (Metzingen) -Coco Vandeweghe

(USA) 6:1, 6:4; Camila Giorgi (Italien) -Antonia

Lottner (Stuttgart) 6:3, 6:3; Catherine Bellis

(USA) -Tatjana Maria (Bad Saulgau) 6:0, 6:2

Dominic Thiem (l.) will von Thomas Muster lernen, noch erfolgreicher zu werden.

Schokolade mit Chili

Dass Tennisprofi Dominic Thiem mit Landsmann Thomas Muster zusammenarbeitet, birgt gewisse Risiken

VonDoris Henkel, Melbourne

Schmecken reizvolle Gegensätzenicht

viel besser als gezuckerte

Harmonie? Erdbeeren

mit Pfeffer oder

Schokolade mit Chili? Ungefähr in

diese Abteilung jedenfalls passt die

kürzlich verkündete Zusammenarbeit

der Österreicher Dominic

Thiem und Thomas Muster. 20Wochen

im Jahr wird der ehemalige

Profi Muster das Team Thiem begleiten,

als Ergänzung zum Chilenen Nicolas

Massu, der weiter an Bord bleiben

wird. „Thomas ist mit Abstand

der beste Spieler, den Österreich je

hatte“, sagte Thiem bei dem Termin

in Sydney, auf dem die Kooperation

verkündet wurde,„er ist der Einzige,

der die Ziele erreicht hat, die ich

noch habe.Eskann mir nichts Besseres

passieren, als einen wie ihn an

meiner Seite zu haben.“ Muster revanchierte

sich mit dem Geständnis,

diesen Job hätte er für keinen anderen

übernommen, obwohl es genügend

Angebote gegeben habe.Wenn

er Thiem helfen könne, Nummer

eins zu werden, dann müsse er das

einfach tun.

Das ist auf vielen Ebenen eine

reizvolle Geschichte mit einer

Menge Potenzial. Thomas Muster,

52, einer der besten Sandplatzspieler,die

es je im Tennis gab,Sieger der

French Open 1995 und im Frühjahr

1996 insgesamt sechs Wochen lang

die Nummer eins der Weltrangliste,

ist einTypmit Ecken und Kanten. Ein

Freund klarer Worte, jederzeit bereit

zu drastischen Maßnahmen aus der

Abteilung Alles oder Nichts. Erlebte

nach dem Ende seiner Karrierelange

in Australien, ging danach zurück

nach Österreich und hat jetzt einen

hübschen Besitz in der Bay Of Islands

auf der Nordinsel Neuseelands

mit einem nicht immer ganz unkomplizierten

Verhältnis zu seinem

Heimatland. Als Österreich 1990 das

Davis-Cup-Halbfinale erreichte, lag

er mit seinem Teampartner Horst

Skoff über Kreuz.

Unglücklich in Wimbledon

Wenn er sagt, er werde alles geben,

um Dominic Thiem zu einem besseren

Spieler zu machen, als er es

selbst je gewesen sei, dann kann

man sich darauf verlassen, dass er

nichts anderes im Sinn haben wird.

Dieser Tage in Melbourne sieht die

Sache so aus, dass er nicht nur den

Sparringspartner für Thiem gibt und

mit der gleichen, fast wütend anmutenden

Entschlossenheit Bälle übers

Netz prügelt wie früher. Er wärmt

sich mit ihm auf, geht hinterher mit

ihm in den Kraftraum, tüftelt, vergleicht

Daten, denkt und ist Tennis,

Tennis, Tennis. Aber auch bei den

Dingen, die er nicht tun will, ist er

konsequent; die 20 Wochen, in denen

er sich um Thiem kümmern

wird, erstrecken sich auf Einsätzebei

„Er ist der Einzige, der die Ziele erreicht hat,

die ich noch habe.Eskann mir nichts Besseres

passieren, als einen wie ihn an meiner Seite

zu haben.“

Dominic Thiem schwärmt von seinem neuen Trainer Thomas Muster.

drei Grand-Slam- und allen Masters-

1000-Turnieren, bloß Wimbledon

lässt er aus. Muster gewann seinerzeit

bei vier Versuchen kein einziges

Spiel im ehrwürdigen All England

Club; das Spiel auf Rasen war ihm so

sympathisch wie Schmeicheleien.

Und wenn er findet, er habe da

nichts verloren, dann bleibt er lieber

weg.

Muster sagt, er habe keinen

Freund gehabt damals auf der Tour,

das sei ja nicht der Sinn der Sache.

Dominic Thiem dagegen, der zweimal

im Finale der French Open

spielte und in seiner besten Phase

Gelöste Sorgenkinder

IMAGO IMAGES/MATTHIAS HAUER

auf platz vier der Weltrangliste landete,

ist im Kreise seiner Mitspieler

ausgesprochen beliebt. Er ist einer,

der ungern Nein sagt und niemandem

freiwillig auf die Füße tritt,

freundlich bis in die Spitzen seiner

dieser Tage blond gesträhnten

Haare. Muster wirdkein Problem damit

haben, in Zukunft gelegentlich

für seinen Partner Nein zu sagen,

und vielleicht ist es genau ein Schuss

dieser anderen, kompromisslosen

Mentalität, die Thiem weiterbringen

kann.

Aber spannend ist die Geschichte

auch wegen des dritten Mannes. Nicolas

Massu ist ein extrem entspannter

Typ, dessen Anwesenheit Thiem

im vergangenen Jahr sichtlich gut

getan hatte. Der sagt: „Thomas

bringt sehr viel Energie mit, hauptsächlich

positiv. Der Nico ist so ein

bisschen ein Gegenpol, eher gechillter,

deshalb ergänzt sich das perfekt.“

Wo er sich selbst zwischen diesen

Polen sieht? Eher in Massus

Ecke, gibt er amüsiert zu, allerdings

mit der Idee, ein wenig von Musters

Wesen könne vielleicht ganz hilfreich

sein. Während des Spiels, das

Dominic Thiem am Dienstag in der

ersten Runde der Australian Open

gewann, saßen die beiden Trainer

auf der Tribüne nebeneinander,und

es gab kaum einen Ball, den Muster

nicht lautstark kommentierte. Es

sieht ganz so aus,als stünden Thiem

aufregende Zeiten bevor; vielleicht

schmecken sie tatsächlich wie Chilli

und dunkle Schokolade.

Alexander Zverev und Angelique Kerber erreichen nach ihren Fehlstarts ins Jahr die zweite Runde der Australian Open

Gelöst zeigte Alexander Zverev

ein großes Herz.Unter dem Applaus

der Zuschauer in der Margaret-Court-Arena

kündigte der 22-

jährige Hamburger nach seinem

Zweitrunden-Einzug bei den Australian

Open Spenden für die Betroffenen

der Buschbrände an. Mit 10000

Dollar für jeden Sieg beim ersten

Grand-Slam-Turnier des Jahres

wolle er helfen − und sagte am

Dienstag in Melbourne auch: „Ich

weiß, ich bin nicht der große Favorit

für dieses Event. Aber wenn ich gewinne,

werde ich jeden einzelnen

Cent spenden.“

Dass derWeltranglisten-Siebte einen

solchen Coup schafft und mit

dem Titelgewinn 4,12 Millionen australische

Dollar (rund 2,5 Millionen

Euro) verdient, scheint allerdings

ausgeschlossen. Die Chancen auf

weitere Erfolge und zumindest erst

einmal den Drittrunden-Einzug am

Donnerstag sind bei ihm nach dem

6:4, 7:6 (7:4), 6:3 gegen den Italiener

Marcos Cecchinato aber realistisch.

„Australien ist jedes Jahr für über

einen Monat unsereHeimat, und wir

haben mitbekommen, was mit den

Ein seltenes Motiv in diesem Jahr:Alexander Zverevjubelt.

Buschbränden, mit den Menschen,

die ihr Zuhause verlieren, mit den

Tieren passiert“, sagte Zverev.

Am Donnerstag sollte für ihn die

nächste Aufgabe gegen den Weißrussen

Jegor Gerassimow oder Casper

Ruud aus Norwegen machbar

sein. Angelique Kerber ist dann klare

Favoritin gegen die australische

Wildcard-Inhaberin Priscilla Hon.

Insgesamt stehen sechs vonanfangs

AFP/WILLIAM WEST

elf deutschen Tennisspielern inder

zweiten Runde,amzweiten Turniertag

gelangen auch LauraSiegemund

und Peter Gojowczyk Auftaktsiege.

Kerber hatte beim 6:2, 6:2 gegen

die italienische Qualifikantin und

Grand-Slam-Debütantin Elisabetta

Cocciaretto noch weniger Probleme.

„Es ist großartig, in der nächsten

Runde zu sein“, sagte Kerber, deren

Oberschenkelproblemen in den Ta-

gen von Melbourne Fragen nach ihrerFitness

aufgeworfen hatten.

Bei Zverev waren die Schwächen

beim Aufschlag ein zentrales Thema

der vergangenen Wochen gewesen.

Gegen Cecchinato waren vier Doppelfehler

bei acht Assen eine ordentliche

Quote. Allerdings leistete sich

der Weltranglisten-Siebte in allen

Sätzen Schwächephasen und Aufschlagverluste,

kam aber nach den

Rückständen immer direkt wieder

zurück. Unter dem dunklen Abendhimmel

durfte er endlich seinen ersten

Sieg in der neuen Saison feiern.

Kerber quälte sich mit einer Blessur

am hinteren linken Oberschenkel,

die in Adelaide vor einer knappen

Woche zur Aufgabe geführt

hatte. Anders als die Weltranglisten-

175. Cocciaretto, die mit einem Verband

am rechten Oberschenkel

spielte, kam Kerber ohne Auszeit

aus. Gegen diese „sehr selbstbewusste

junge Dame“, wie Frauen-

Chefin Barbara Rittner die Gegnerin

vorgestellt hatte, von der die Webseite

der Spielerinnenorganisation

WTA nicht einmal ein Foto anbietet,

half Kerber auch ihreRoutine. (dpa)

Aus dem

Leben

gerissen

Eishockeyspielerin Kratzer

stirbt mit nur 30 Jahren

Dem Präsidenten des Deutschen

Eishockey Bundes, Franz

Reindl, verschlug es vor Bestürzung

die Sprache. „Wir sind schockiert

über den Verlust unserer außerordentlich

verdienten Nationalspielerin

und sympathischen Mitarbeiterin

Sophie, den man nicht in Worte

fassen kann.“ Viel zu früh wurde die

ehemalige deutsche Nationalspielerin

Sophie Kratzer aus dem Leben

gerissen. Eine Frau, die viel mehr war

als nur eine Sportlerin unter vielen.

Mitgerade einmal 30 Jahren erlag die

Olympia-Teilnehmerin von2014 Anfang

der vergangenen Woche einer

Krebserkrankung.

Kampf für mehr Akzeptanz

149 Länderspiele absolvierte Kratzer,

erlebte nicht nur die Spiele in Sotschi,

sondernwar auch Teil der DEB-

Auswahl, die 2017 in den USA mit

Rang vier den größten deutschen

WM-Erfolg bei den Frauen feierte.

Außerdem holte die gebürtige

Landshuterin mit dem ESC Planegg

sieben deutsche Meistertitel.

Kratzer setzte sich für eine größere

Akzeptanz des Frauen-Eishockeys

ein, das ein Nischendasein

fristet. „Ich denke, das fängt bei einem

ganz elementaren

Gefühl

an. Nämlich

den Sport, den

Frauen betreiben,

ernst zu

nehmen“, sagte

Sophie Kratzer erlag

dem Krebs.

sie dem

Deutschlandfunk.

Profis gebe

es nicht, Training

und Beruf müssten

immer miteinander

einhergehen, und auch das

Image sei wandlungsbedürftig.

Kratzer bereiste die Welt, beobachtete,

reflektierte und berichtete

über ihre Erlebnisse. Noch vor

einem Jahr, ihre Eishockey-Karriere

hatte sie wegen ihres Leidens beenden

müssen, recherchierte die angehende

Journalistin in Nordostindien.

Die letzten Wochen ihres Lebens

verbrachte Kratzer im Krankenhaus.

Über ihr Schicksal habe Kratzer laut

Münchner Merkur gesagt:„Ich bin in

Behandlung, die Ärzte nennen das

lebensverlängernde Maßnahmen.

Aber das sehe ich ein bisschen anders.Ich

nehme das sportlich.“ (sid)

TWITTER

Die

letzte

Chance

Biathlet Lesser kämpft um

WM-Nominierung

E

ine Chance auf die Qualifikation

für die Biathlon-WM bekommt

Erik Lesser noch, doch der ehemaligeWeltmeister

hält sich mit Kampfansagen

zurück. „Natürlich will ich

nach Antholz. Aber realistisch gesehen

sind die Chancen doch eher gering“,

sagte der 31 Jahrealte Thüringer.Nach

einer bislang enttäuschenden

Saison kehrtLesser nach mehreren

Wochen Pause ins deutsche

Team zurück und kann sich für die

Titelkämpfe vom 13. bis 23. Februar

empfehlen.

Formschwach wurde der Verfolgungsweltmeister

von 2015 in den

zweitklassigen IBU-Cup versetzt und

konnte diesen Schritt „absolut nachvollziehen“,

wie Lesser sagt, der in

diesem Winter im Weltcup kein einziges

Mal unter die besten 30 kam:

„Wenn man der schlechtplatzierteste

Deutsche ist, dann müssen die

Trainer agieren.“ Ganz egal, wie der

Sportler heißt. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 19

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Sport

Etwas fehlt

Die Bilanz von Handball-Bundestrainer Christian Prokop ist bescheiden, dennoch stehen Spieler und Verband öffentlich hinter ihm

VonCarolin Paul, Wien

Vor zwei Jahren gehörte

Hendrik Pekeler noch zu

den schärfsten Kritikern

von Handball-Bundestrainer

Christian Prokop.Vor der aktuellen

Europameisterschaft standen die

Zeichen indes schon etwas anders.

Man habe sich ausgesprochen und

Probleme behoben, hieß es. Nach

dem 34:22-Erfolg am Montagabend

gegen Österreich stellte sich der

Kieler Kreisläufer nun gänzlich hinter

seinen Coach: „Auf der Trainerposition

brauchen wir keine Veränderung.“

Damit sprach Pekeler aus,

was viele seiner Mannschaftskollegen

bekräftigten. Eine Debatte über

Prokop würde teamintern nicht geführtwerden.

Turniereohne Medaillen

Ein paar Kritikpunkte muss sich der

41-Jährige Köthener indes gefallen

lassen. Seit seinem Amtsantritt im

Juli 2017 konnte die deutsche Nationalmannschaft

in keinem Turnier etwas

Handfestes mitnehmen. Auf die

desaströse EM in Kroatien, welche

die DHB-Auswahl nur als Neunter

beschloss,folgten der vierte Platz bei

der Weltmeisterschaft im eigenen

Land und nun das vorzeitigeWettbewerbs-Aus

in der Europameisterschaft,

bei der das bestmögliche Auskommen

im Rahmen eines fünften

Ranges liegt. Anspruch und Wirklichkeit

liegen auseinander.

Christian Prokop wirkt bei der EM häufig frustriert.

Möchte man den Bundestrainer

verteidigen, wirdverständlicherweise

gerne auf die WM im letzten Jahr verwiesen,

bei der in Deutschland zumindest

kurzfristig ein Handball-

Hype ausgelöst wurde und Pekeler

und Co. mit ihrer leidenschaftlichen

SpielweiseWerbung für den Sportbetrieben

haben. Dennoch bleibt auch

dieser Sport ergebnisorientiert, und

wieder reichte es nicht für eine Medaille.Bei

der aktuellen Drei-Länder-

EM stehen vier Siege zu Buche: gegen

die EM-Debütanten Holland und

Lettland sowie gegen Österreich und

Weißrussland. Alles keine Gegner,die

zum engeren Favoritenkreis gezählt

werden können. Gegen den amtierenden

Europameister Spanien ging

Prokops Team in der Vorrunde hingegen

mit einer 26:33-Niederlage regelrecht

unter.Und der beherzte Auftritt

gegen die starken Kroaten endete mit

einem schmerzhaften 24:25-Misserfolg.

Gegen Ende der Partie zeigte sich

dabei deutlich, dass eine führende

Hand fehlt –sowohl auf dem Feld als

auch an der Seitenlinie.

DieFormsteigerung in der Hauptrunde

täuscht jedenfalls nicht darüber

hinweg, dass Prokop das Potenzial

seiner Mannschaft anscheinend

nicht richtig ausschöpfen kann. Natürlich

ist der Einwand, dass der Bundestrainer

auf sieben Stammkräfte

verzichten muss,gerechtfertigt. Aller-

GETTY IMAGES/ROSE

dings gelang es Dagur Sigurdsson

2016, seine „Bad Boys“ in einer ähnlichen

Situation zum Titel zu führen.

Die von DHB-Vizepräsident Bob

Hanning für die Olympischen Spiele

in Tokio ausgegebene Erwartung einer

Goldmedaille scheint in weite

Fernegerückt. Bisher ist die deutsche

Mannschaft nicht einmal qualifiziert.

Um sich einen Startplatz zu sichern,

gilt es, sich bei dem Turnier vom 17.

bis 19. AprilinBerlin gegen eine afrikanische

und zwei europäische Nationen

durchzusetzen. Als Kontrahenten

um die zwei Olympia-Tickets

könnten mit Kroatien, Schweden und

Spanien zwei Gegner auf Deutschland

warten, gegen die man bei der

EM unterlag. Vorteilhaft ist –und das

haben Prokop und seine Schützlinge

just wieder gezeigt –der Heimvorteil.

Mit der Unterstützung der eigenen

Fans steigen die Emotionen.

Damit diese Souveränität auch

ohne die Zuschauerunterstützung,

die in Tokio höchstwahrscheinlich

geringer ausfallen wird, ausgestrahlt

werden kann, ist es umso wichtiger,

die letzten beiden EM-Spiele siegreich

zu gestalten und das Turnier mit

einem positiven Gefühl abzuschließen.

Das Duell am Mittwoch gegen

Tschechien (20.30 Uhr, ZDF) ist sportlich

nur insofernvon Bedeutung, um

Erfahrungswerte zu sammeln und

spieltechnische Abstimmungsprobleme

zu beheben –ein Testspiel mit

Wettkampf-Charakter.

Immerhin: Am Dienstag erhielt

Prokop Rückendeckung von Axel

Kromer. Der DHB-Sportvorstand erklärte:

„Wir als Verbandsführung wollen

klarstellen, dass es internnie eine

Diskussion darüber gab, mit welchem

Trainer wir künftig die Nationalmannschaft

prägen wollen. Wir

werden natürlich mit Christian in

Richtung Olympia gehen und die

Sommerspiele anpeilen.“ Aber was

passiertmit Prokop,wenn dieses Ziel

verfehlt wird?

Rom hat einen

neuen König

Angreifer Ciro Immobile ist in der Serie Ader Mann der Stunde

„Mit deinem Nachnamen

wirst du in

meinem Team nie

Mittelstürmer.“

Trainerlegende Zeman erlaubte sich

ein vorschnelles Urteil.

Ciro Immobile verschwendet an

sein „verlorenes Jahr“ bei Borussia

Dortmund inzwischen kaum

noch einen Gedanken. Vielmehr ist

der italienische Nationalstürmer der

Torjäger der Stunde in der SerieA,er

hat mit 23 Treffern sogar den fünfmaligen

Weltfußballer Cristiano Ronaldo

(Juventus Turin/16) abgehängt.

Am vergangenen Sonnabend

erzielte Immobile, der 2014/15 eine

Saison für den BVBkickte und mickrige

drei Tore in 24 Partien für die

Schwarz-Gelben erzielte, einen

Dreierpack beim 5:1 gegen Sampdoria

Genua. Der Corriere dello Sport

feierte den 29-Jährigen als „König

vonRom“. DieLazio-Tifosi rasten regelmäßig

aus,wenn ihr Ciromal wieder

trifft und die gegnerischen Abwehrreihen

aus den Angeln hebt.

„Ciro veni, vidi, vici“ (Ciro kam, sah

und siegte), lobte der Corriere dello

Sport.

Dabei stimmt bei ihm die Redewendung

„nomen est omen“ nicht,

denn sein Familienname bedeutet

übersetzt „unbeweglich“. „Mit deinem

Nachnamen wirst du in meinem

Team nie Mittelstürmer“, soll

die Trainerlegende Zdenek Zeman

2011 gesagt haben. Inzwischen werden

keine Witze mehr über seinen

Namen gemacht.

Immobile begann seine Profikarriere

bei Juventus Turin, im März

2009 lief er das erste Mal für die Alte

Dame auf. Doch im Kader vonJuventus

war selten Platz für den jungen

Angreifer, sodass er zu den Zweitligisten

AC Siena, Grosseto und Pescarawechselte,bevor

er zum FC Genua

und dann zum FC Turin kam.

2014 wechselte er als Torschützenkönig

in die Bundesliga. Aber beim

BVBkam Immobile nicht wie erhofft

zurecht. Auch Trainer Jürgen Klopp

konnte Immobile nicht zum gleichwertigen

Ersatz für den nach München

abgewanderten RobertLewandowski

aufbauen.

Später monierte Immobile, der

inzwischen zum FC Sevilla gewechselt

war, dass Klopp zwar „ein guter

Coach“ sei und mit seiner motivierenden

Art das Maximum aus Spielern

heraushole. Aber: „Im taktischen

Bereich haben wir nicht viel

gearbeitet“, betonte er damals im Interview

mit El Pais. Inzwischen ist

Klopp Champions-League-Sieger

mit dem FC Liverpool und zumWelttrainer

gewählt worden.

Knapp eine Millionen Follower

Als Glücksfall erwies sich für Immobile

der Wechsel 2016 zu Lazio. Seinen

Vertrag verdankte er Lazios

Sportdirektor, dem früheren Bundesligaprofi

Igli Tare, der mit der Verpflichtung

des Stürmers ein gutes

Näschen bewies. Inder Serie Aerzielte

Immobile bisher 122 Tore. Der

wendige Stürmer ist beidfüßig, dribbelstark,

robust im Zweikampf, kann

im Zentrum oder auf dem Flügel eingesetzt

werden.

Der Profi, der sich auf Instagram

gern mit seiner Frau Jessica und seinen

drei Kindern den knapp eine

Million Followern zeigt, tritt bescheiden

auf. „Ich bin stolz auf die Leistungen

meiner Mannschaft und

meiner Teamkollegen, die mich immer

in die Lage versetzen, mein Bestes

zu geben“, sagt er. Die Ziele in

dieser Saison sind klar: Immobile

und Lazio wollen sich für die Champions

League qualifizieren, im Augenblick

ist das Team Dritter mit sieben

Punkten Vorsprung auf den Lokalrivalen

AS Rom auf Position vier.

„Dieses Jahr können wir es schaffen“,

betonte Immobile. (sid)

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Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 – S eite 20

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Sport

Videobeweis

Nehmt Euch

ein Beispiel!

Markus Lotter

sieht feine Unterschiede zwischen

Fußball und Football.

Sich ein Beispiel am American

Football zu nehmen, ist auf den

ersten Blick tatsächlich keine

schlechte Idee.Denn wie sich in diesen

Tagen bei den faszinierenden

Duellen in den Play-offs der Nordamerikanischen

Football League

(NFL) wieder einmal zeigt, ist der Videobeweis

und der Umgang der Referees

mit diesem Instrument bei der

Wahrheitsfindung in dieser Sportart

kein störendes Element. Im Gegenteil:

Das sportliche Geschehen gewinnt

durch Überprüfung strittiger

Szenen mitunter sogar an Spannung.

Hier ist der Videobeweis teil

der prächtigen Unterhaltung und

keineswegs ein Ärgernis, das einem

die Unterhaltung verdirbt. Stellt sich

bloß die Frage, obdergleichen sich

bei entsprechender Anwendung auf

den Fußball übertragen lässt.

Lutz Michael Fröhlich, der für das

Schiedsrichterwesen verantwortliche

Mann beim Deutschen Fußball-

Bund (DFB), ist jedenfalls zu dem

Schluss gekommen, dass es für den

Fußball genau in diese Richtung gehen

muss. Von einer „Headset- und

Leinwand-Lösung“ sprach der gebürtige

Berliner am Dienstag bei einem

Termin im Deutschen Fußballmuseum

in Dortmund, die Schiedsrichter

sollen „Entscheidungen irgendwann

einmal selbst erklären

und den Prozess erläutern“ können

und „nicht nur intern kommunizieren,

sondern auch in die Rolle eines

Moderators schlüpfen“. Wenn nicht

nur der Fernsehzuschauer, sondern

auch der Stadionbesucher flugs eine

von Bildern getragene Erläuterung

durch den Unparteiischen bekäme,

würde das „sehr viel Druck rausnehmen“,

glaubt Fröhlich.

Nun ist es aber so, dass sich Fußball

mit Football nur schwerlich vergleichen

lässt. Während beim Fußball

die Übergänge zwischen Abwehr-

und Angriffsaktion fließend

sind, ist beim Football die Angriffsund

Abwehraktion klar getrennt und

eben aus welcher Sicht auch immer

nach einem Spielzug auch erst mal

beendet. Das erleichtert den Einsatz

desVideobeweises,aber auch die Arbeit

des Referees, weil der bei der

Überprüfung der Fernsehbilder erst

mal nicht unter Zeitdruck steht.

Noch komplizierter wird die Sache

für den Fußball allerdings bei einem

Vergleich der Sittenkultur. Im

Football gibt es nur in Ausnahmefällen

wild lamentierende Fans,Spieler

und Trainer zu beobachten, die mit

ihrem Gezeter Einfluss auf die Entscheidung

nehmen wollen. Hier

wird dem Schiedsrichter noch Respekt

entgegengebracht, während er

im Fußball grundsätzlich mit Zweifel

an seiner Kompetenz konfrontiert

wird. Ohne Verabredung auf ein respektvolleres

Miteinander macht der

technische Fortschritt im Fußball

erst mal keinen Sinn.

Schiedsrichter Felix Brych sucht Rat am

Bildschirm.

IMAGO IMAGES/HORSTMÜLLER

Das Bauchgefühl

des Jubilars

VonMichael Jahn

Keine Blumen, keine Urkunde

und ganz sicher

keine Prämie. Am Sonnabend

erwartet Helmut

Friberg nur ein „kleines Essen“ mit

seiner Lebensgefährtin Daniela und

ein paar Freunden. Mit dem Auto

geht es zuvor nachWolfsburg. Der63-

Jährige wirdseine Hertha im Duell gegen

den VfL Wolfsburg unterstützen.

Er wird imengen Gästeblock stehen,

über vergebene Torchancen schimpfen

und vielleicht auch ausgelassen

über Berliner Tore jubeln.

So wie immer seit

Anfang der Siebzigerjahre!

Fribergfeiertein

seltenes Jubiläum: Es

wird sein 700. Auswärtsspiel

sein, zu dem

er Hertha begleitet.

Ganz ehrlich: Ich

bewundere solche

Fußballfans,die alle 14

Tage auf Tour gehen.

Sie drängeln sich in

überfüllte Zügen. Sie

liefern sich Wortgefechte

mit betrunkenen

Anhängern andererVereine

und ab und

an gibt es Rangeleien

mit der örtlichen Polizei.

Sie feiern heftig

nach Siegen und ärgernsich

tagelang nach Niederlagen.

Sieleben für ihrenVerein.

Fribergsagt nun, er fährtmit dem

gleichen Bauchgefühl wie immer

nach Wolfsburg: „Mit Hoffnung auf

einen Erfolg. Aber ich weiß auch, dass

dies als Hertha-Fan in den zurückliegenden

Jahren oft ein eher seltenes

Erlebnis war.“ Isterstolz auf sein 700.

Spiel in einem fremden Stadion?

„Naja, ich freue mich auf das Jubiläum,

hätte mir das aber nicht unbedingt

in der Provinz gewünscht.“ Da

kommt die Berliner Schnauze zum

Vorschein.„Meine Daniela konnte ihr

200. Auswärtsspiel mit Hertha mit mir

gemeinsam bei einem Europa-

League-Spiel in Bilbao feiern. Daswar

schon ein toller Rahmen.“

Seine Liebe zu Hertha begann

1971. Friberg, der damals in der Nähe

vonViersen lebte,sah die Berliner live

„Ich

bewundere

solche Fußballfans,

die alle 14

Tage auf

Tour

gehen.“

bei einer 0:4-Niederlage auf dem Bökelberg

bei Borussia Mönchengladbach.

„Ich fand Hertha sympathisch,

warum auch immer.“ Hatte er etwa

Mitleid mit den Verlierern? Seit 1979

besitzt er eine Dauerkarte im Olympiastadion

und 1984 gehörte der kräftige

Mann zu den Mitbegründerndes

„Anhängerclubs Oberring“.

Ichhabe Donato Melillo,den Chef

der Fanbetreuung, zu Fribergbefragt.

Melillo sagt: „700 Auswärtsspiele –

das ist der Hammer!“ Man brauche

solch treue Fans unbedingt, so Melillo.

ImMoment gibt es 358 offizielle

Fanclubs bei Hertha

(OFC) mit 9400 Mitgliedern.

„Diese Szene

wächst ständig, aber

langsam“, sagt der

oberste Fanbeauftragte.

Knapp über

2000 Fans begleiten

das Team im Schnitt zu

den Auftritten in der

Fremde. Helmut Fribergist

beinahe immer

dabei. Es gibt wohl ein,

zwei Fans, die noch

mehr Auswärtsspiele

erlebten, aber Friberg

ist der Einzige, der alle

Duelle akribisch aufgelistet

hat. Wastreibt einen

Mann wie Friberg

an, sich dem Stress dieser

Auswärtstouren anzutun?„Das

ist vorallem das Gemeinschaftsgefühl“,

kommt als Antwort,

„sich auswärts gegen die Übermacht

der heimischen Fans zu behaupten,

bringt Adrenalin.“

Es fällt Friberg schwer, aus beinahe

50 Jahren Fan-Dasein einen Höhepunkt

im fremden Stadion herauszupicken.

Doch es gibt ihn: das 2:2 in

der Champions League 1999 bei Galatasaray

Istanbul. Ersagt: „Ich war

voller Stolz, das war ein Hochgefühl.“

Er würde die Königsklasse liebend

gernnoch einmal erleben. Dazu passen

immerhin die Visionen vonTrainer

Jürgen Klinsmann sehr gut. Ob

das vielleicht in seinem 750. Auswärtsspiel

tatsächlich Realität werden

kann? „Mir wäre eslieb, wenn

Klinsmann als Trainer noch ein Jahr

anhängen würde“, sagt Friberg. Er hat

da so ein Bauchgefühl.

Der Weisheit letzter Schuss

VonAndreas Baingo

Jeder hat den Spruch schon mal

gehört und er sagt sich auch

ganz leicht hin:WerWeltmeister

werden will, muss jeden Gegner

schlagen. Kleine Einschränkung: zumindest

in den Spielen, in denen es

um etwas geht. Um das zu verdeutlichen,

krame ich ganz tief in der

Schatzkiste der Fußball-Psychologie

und lege mich sozusagen bei Sepp

Herberger, dem Weltmeistermacher

von1954, auf die Couch.

Nicht alles hat „der Chef“, wie ihn

selbst sein Lieblingsspieler

Fritz Walter,der

Kapitän beim „Wunder

von Bern“, genannt

hat, richtig gemacht.

Für manche Ansagen

würden sie ihm heute

schlichtweg einen Vogel

zeigen. Zum Beispiel

für die, möglichst

wenig Wasser zu trinken,

weil Flüssigkeit

den Kreislauf und damit

das Herz sinnloserweise

belaste.

Doch es geht ja

nicht um Wasser, sondern

um Psychologie.

Die hat der alte Herr

viel besser verstanden

und die anderen damit

aufs Glatteis geführt.

Die Ungarn nämlich, die seinerzeit

unschlagbaren Magyaren um ihren

Superstar Ferenc Puskas. Weil esder

Modus so wollte und Deutschland

bereits im Gruppenspiel auf den

WM-Topfavoriten traf, warf Herberger

dem Gegner eine B-Elf regelrecht

zum Fraß vor. Das3:8 ist eines von31

Spielen in Folge,indenen die Puszta-

Zauberer vor dem WM-Finale vier

Jahre ungeschlagen geblieben waren

–und nach dem legendären 3:2-Triumph

der deutschen „Helden von

Bern“nochmals zwei Jahreblieben.

Was nur hat das mit dem 1.FC

Unionzutun unddem strengenPlan,

als Bundesliganeuling die Klasse zu

halten? Denn Weltmeister, soviel ist

sicher, wollen und können die Eisernennicht

werden.Den Gegner mit einer

B-Elf überraschen, wäre zudem

ziemlich bescheuert.Trotzdem könn-

Zwei Berliner Teams in der Bundesliga,

zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Michael Jahn und Andreas Baingogeben

immer mittwochs ihre Expertise ab.

Michael Jahn für Hertha BSC, seine Hertha,

die er seit mehr als zwei Jahrzehnten als

Reporter begleitet. Und Andreas Baingofür

den 1. FC Union, seine Eisernen, für die er

selbst früher am Ball war. Vordem

neunzehnten Spieltag erweist der eine einem

der treuesten Fans der Blau-Weißen die Ehre,

der andere kramt ganz tief in der Schatzkiste

der Fußball-Psychologie.

Macht’sdoch mal

wie Herberger!

„Es muss

ja nicht wie

in Bern

unbedingt

nach

einem 0:2-

Rückstand

gelingen.“

GETTY IMAGES

ten sich die Männer aus der Wuhlheide

an den alten Herberger Sepp erinnern

und an seine Sicht der Dinge.

Für den war zwar auch wichtig auf

dem Platz, enormwichtig, manchmal

aber noch wichtiger,gegen wenesda

ging und zu welchem Zeitpunkt.

Logischerweise ist eine Punkterunde

kein WM-Turnier. Also zählen,

ob im Rennen um den Titel oder im

Kampf gegen den Abstieg, jeder Sieg

und jedes Unentschieden. Erst einmal

auch gegen jeden Gegner. Und

doch gibt es da den nicht ganz so winzigen

Unterschied, der mit einem

Sechs-Punkte-Spiel

beschrieben wird. Mathematisch

ist das keineswegs

exakt, wenigstens

vom Gefühl her

aber wird das der Sache

doch irgendwie gerecht.

Die einfache

Überlegung: Wenn ich

einen Gegner, der sich

mitmir auf Augenhöhe

wähnt, bezwinge,kann

derzumindest im Spiel

gegen mich nichts holen,

fertig!

Damit wäre ich bei

Augsburg. Das wird alles

andereals eine Puppenkiste,

dabei ist gerade

das ein Spiel, das

sich sozusagen von

selbst erklärt. Ein

Sechs-Punkte-Spiel halt. Gewinnen

heißt, den Gegner bei Punktgleichheit

zu überholen. Derhat in derTordifferenz

zwar derzeitein Plus voneinem

Treffer, die würde sich aber mit

jedem mehr erzielten Torzweifach zu

Gunsten der Eisernen verschieben.

Die Tore insolch einem Spiel zählen

in der Tatdoppelt, klar, weil sie hier

auf der Plus-und dortgleichzeitig auf

der Minusseite fallen. Also würde bereits

ein 1:0 genügen, um die bayerischen

Schwaben zu überflügeln.

Das wäre sicherlich ganz nach

dem Geschmack von Herberger.

Nach dem von Trainer Urs Fischer

auch und erst rechtnach dem vonKapitän

Christopher Trimmel und seinen

Mitspielern. Ein3:2 wie damals in

Bern würde es auch machen. Es muss

ja nicht wie dort unbedingt nach einem

0:2-Rückstand gelingen.

Jede

Sekunde

Genuss

Yunus Malli will Unions

Offensivspiel bereichern

VonMathias Bunkus

Als der Wechsel feststand, gab es

Glückwünsche. Aus Augsburg

übrigens. Von niemand geringerem

als vonFCA-Trainer Martin Schmidt.

„Erwar ja mein Trainer in Mainz und

wir haben den Kontakt nie verloren.

Er hat mit einer SMS Glück gewünscht“,

verriet Yunus Malli, 27,

Unions Leihgabe aus Wolfsburg, vor

seiner ersten richtigen Trainingseinheit

mit den neuen Kollegen. Ob sich

der Schweizer in schwäbischen

Diensten das so genau überlegt hat?

Schließlich muss er ja am Sonnabend

mit den Fuggerstädterngleich

in der Alten Försterei ran. „Wahrscheinlich

meinte er erst ab Sonntag“,

erklärte Malli am Dienstag mit

einem leichten Lächeln.

Es ging etwas hektisch zu für den

türkischen Nationalspieler in den

letzten Tagen.„Ich bin froh, dass jetzt

erst einmal eine normale Arbeitswoche

vor mir liegt“, meinte der 25-fache

Nationalspieler. AmFreitagvormittag

der Medizincheck, dann ab in

den Bus nach Leipzig. Dort dann

zwanzig Minuten Einsatz und am

Sonntag gleich noch eine Stunde im

Test gegen den FC St. Gallen aus der

Schweiz. „Jede Minute auf dem Platz

tut mir gut derzeit. Ich habe ja in

Wolfsburg zuletzt nicht so viel gespielt“,

sagte der aus Kassel stammendeMittelfeldspieler.

DerGrund dafür ist ihm nicht offensichtlich.

„Manchmal ist es eben

so,dass ein Trainer auf andereTypen

steht. Es gibt im Leben halt mal Momente,

woesnicht passt. Da muss

man keinem böse sein“, sagte der

198-fache Bundesligaspieler (Mainz

und Wolfsburg). Fest stand für Malli

nur, dass er eine Luftveränderung

braucht. Darüber hat er sich in den

letztenWochen auch mit seinem Nationaltrainer

Senol Günter gesprochen.

Denn bei den letzten beiden

Länderspielblöcken vor der Winterpause

ist er im Kader nicht mehr berücksichtig

worden.

DerWeg in die Türkei war für ihn

keine Option. „Ich hatte das Gefühl,

dass ich mit der Bundesliga noch

nicht fertig bin. Ich weiß, was ich

kann. Unddas möchte ich auch wieder

zeigen“, erklärte der 1,79 m

große Offensivgeist, dessen Fähigkeiten

mit den Füßen nicht zum Auftreten

auf dem Platz passen. Thomas

Tuchel, sein einstiger Trainer in

Mainz, hätte sich oft einen Malli gewünscht,

der noch mehr aus sich herausgeht.

„Ich bin halt eher der zurückhaltende

Typ. Unddas wirdsich

auch nicht mehr groß ändern“,

meinte Malli.

Dass er mit seinen Fähigkeiten

das Spiel der Eisernen bereichern

kann, davon ist er überzeugt. Auch

wenn die eher einen robusten Spielstil

mit Umschalten und Eroberung

von zweiten Bällen pflegen, weniger

das filigrane Einschnüren der Gegner,für

das er steht.

Will seine Technik ins robuste Spiel der Eisernen

einbringen: Yunus Malli. MATTHIAS KOCH


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 – S eite 21

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Feuilleton

Peter Uehling schaut

auf eine reiche

Klassik-Woche

Seiten 24 und 25

„Burials Musik erzählt vom Nachhall der Nacht.“

Markus Schneider in seiner Kritik des Albums „Tunes 2011–19“ des britischen Clubproduzenten Seite 22

Umwelt

Seien wir

unhöflich!

Susanne Lenz

denkt über das Versenden

vonE-Mails nach.

Halt! Drücken Sie nicht auf den

Senden-Knopf. Fragen Sie sich

bitte erst, ob Sie diese Mail wirklich

beantworten müssen. Wollten Sie

sich womöglich nur bedanken, weil

Ihnen jemand zum Beispiel eine

Frage beantwortet hat. Das zeugte

zwar von gutem Benehmen, ist aber

leider auch umweltschädlich. Jede

E-Mail kostet Energie, selbst wenn

der Computer keinen Rauch ausstößt.

Denn es stehen auf der ganzen

Welt riesige Rechner herum, die

Stromverbrauchen und gekühlt werden

müssen, um die Online-Welt am

Laufen zu halten.

Eine –ohweh –ebenfalls umweltschädliche

Online-Recherche erbrachte

zwar nur eine Studie aus

Großbritannien zutage, aber sie ist

ganz frisch und auf Deutschland, ja

die ganzeWelt übertragbar:Wenn jeder

Engländer eine Mail weniger am

Tag schicken würde, könnte das

Land seinen Kohlendioxidausstoß

um mehr als 16 000 Tonnen senken.

Das entspricht 81 000 Flügen von

London nach Madrid. Ob die höflichen

Engländer, die sich sogar beim

Aussteigen aus dem Busbeim Fahrer

bedanken, ausgerechnet auf Thankyou-Mails

verzichten, ist fraglich.

Bedenkenswert sind die Zahlen

trotzdem.

Das Umdenken findet bereits

statt: Der Kollege zu meiner Linken

schlug vor, schon aufs Fragen zu verzichten,

damit man erst gar keine

Antworten bekomme, für die man

sich dann bedanken zu müssen

meint. DerKollege schräg gegenüber

beantwortet nur absolut wichtige E-

Mails.Sein Umfeld solle aber wissen,

dass er auch den Inhalt der übrigen

zur Kenntnis nehme. Essei hiermit

darüber informiert.

Informiert seien auch meine

sämtlichen Korrespondenzkontakte.

Ichmöchte mich bei Ihnen an dieser

Stelle für alle aktuellen und künftigen

Mails mit Antworten, Hinweisen,

Nachrichten und so weiter aufs

Herzlichste und Höflichste bedanken.

Ansonsten gilt: Lassen Sie uns

unhöflich sein und schweigen.

Nina Hoss spielt eine Lehrerin am Musikgymnasium. Wie in Jan-Ole GerstersFilm „Lara“ gibt eine Frau die Ansprüche an sich nun an andere weiter.

Vertuschen lässt sich nichts

Ina Weisse zeichnet in ihrem Film „Das Vorspiel“ mit Nina Hoss als Violinistin ein Familien-Psychogramm

VonChristina Bylow

Ehrgeizige Frauen haben im

Kino ein doppeltes Empathieproblem.

Einerseits

sind sie den meisten Zuschauern

einfach unsympathisch,

andererseits werden sie als Figur in

der Interaktion mit anderen selbst

meist als frostige Gefühlsanalphabetinnen

gezeigt. Das sind dann diese

Frauen, die am Ende aufgefordert

werden, ihren „knochigen Hintern“

wegzubewegen. Dies ist zugegeben

ein altes Beispiel –Sigourney Weaver

in„Working Girl“ –aber doch ein ikonographisches.

Das Kino, auch das

jüngste, europäische, (zuletzt „Little

Joe“ mit einer skrupellosen Genetikerin)

ist voll von solchen „knochigen“

Frauen, die,von ihren Ambitionen

besessen, jenseits ihres Perfektionismus’nichts

wahrnehmen.

Die Regisseurin Ina Weisse geht

diesen Klischees nicht in die Falle.

Das hat weniger damit zu tun, dass

sie selbst eine versierte Schauspielerin

ist und Schablonen auch in ihrer

Rollenwahl nicht in Erwägung zieht

–sie interessiert sich schlicht nicht

dafür. Ihre Hauptfigur Anna (Nina

Hoss) ist zwar eine Geigerin mit hohen

Ansprüchen an sich selbst, der

Film „Das Vorspiel“ aber kein klassisches

Musikerdrama. Vielmehr fächert

ersubtil und präzise das Psychogramm

einer Familie auf.

Diese hier ist, wie so oft im bildungsbürgerlichen

Milieu, der Ort

größter Verletzungen und größter

Geborgenheit. Dieintime Nähe lässt

Grenzen verschwimmen oder verhindert

sie ganz. Entfremdungen

und Brüchen gehen fast immer heftige

Grenzüberschreitungen voran.

So war es in Ina Weisses furiosem

Spielfilmdebüt „Der Architekt“ von

2008, und so ist es auch hier.

Und noch etwas findet sich wieder:Die

Wortlosigkeit bei gleichzeitiger

Ungeniertheit in körperlicher

Hinsicht. Einmal hilft Anna ihrem

Vater (Thomas Thieme) vonder Toilette,

kurz zuvor hatte er ihren Sohn

misshandelt, was Anna deutlich untersagt.

Das ist ihr Dilemma: Sie

weiß, was los ist mit ihr und mit der

Familie, aus der sie kommt, schafft

aber den Absprung nicht. Nicht mit

ihrem ebenso sanften wie selbstbewussten

Ehemann (Simon Abkarian),

nicht mit dem enigmatischen

Liebhaber (Jens Albinus), nicht mit

ihrem pubertierenden Sohn und am

allerwenigsten mit der Musik.

Denn die klassische Musik verlangt

nach Perfektion, vertuschen

lässt sich nichts. Daran ist Anna

schon längst gescheitert, als die

Filmhandlung einsetzt. Sie lehrt an

einem Berliner Musikgymnasium,

aus der Orchesterlaufbahn, die sie

ursprünglich einschlagen wollte, ist

nichts geworden. Lampenfieber,Zittern

im Handgelenk, nicht einmal

Betablocker halfen.

Das sind alltägliche LebenskurvenimUmfeld

der Klassik. Geiger,die

Physiotherapeuten werden, Fagottisten,

die hinschmeißen und Medizin

studieren, ganz zu schweigen von

den Pianisten, die in ihrer Isolation

noch gefährdeter sind, sich selbst zu

zerstören. Anna spielt nicht mehr

wirklich, sie lässt spielen: Als Lehrerinist

sie eine Koryphäe,unerbittlich

und kompetent. Wiesie ihrem Schüler

erklärt, dass es auf die Tonvorstellung

ankommt, zeigt, dass InaWeisse

sich das Wissen über diese Dinge

nicht angeklebt hat, ihreDarstellung

der Streicher beruht offensichtlich

auf eigenen Kenntnissen.

Berliner Tempo

Anna wird mit einer Szene eingeführt,

in der sich von ihren Kollegen

deutlich abhebt. Anders als diese,die

in ihrer Routine verächtlich geworden

sind, erkennt sie eine Begabung

bei einem Jugendlichen intuitiv auch

hinter Fehlhaltungen und Schwächen.

DerJunge (Ilja Monti, tatsächlich

ein exzellenter Geigenschüler)

wird jedoch zunehmend zu ihrem

Objekt –das ist die Grenzverletzung,

der sie erliegt, obwohl sie darum

weiß. Nina Hoss kann diese Zerrissenheit

allein durch ihren Blick, das

Zucken einer Lippe,eine abrupte Bewegung

sichtbar machen, ihr Spiel

PETER HARTWIG

zeichnet das Porträt einer zutiefst

gespaltenen Frau. Natürlich drängt

sich der Vergleich mit Jan-Ole Gersters

jüngstem Werk „Lara“ auf, jener

ebenfalls von stellvertretender Ambition

gemarterten Mutter, in diesem

Fall ist es der erwachsene Sohn.

Den unterschwelligen Sadismus der

von Corinna Harfouch gespielten

Lara-Figur findet man jedoch in

Anna nicht, und auch nicht jenes

MaßanSelbstabtötung.

Die einstige Klavierstudentin

Laraspielt nicht mehr,Anna wagt es

sogar, öffentlich in einem Konzert

mit einem bekannten Streichquartett

zu versagen. DerMitwirkung des

Kuss-Quartetts verdankt der Film

viel vonseiner Aura,ganz zu schweigen

von der sinnlichen Bildgestaltung

durch die Kamerafrau Judith

Kaufmann. Charlottenburg – nicht

zusammengestückelt, sondern geografisch

genau –hat sie in eine Art

leuchtendes Dunkel getaucht. Anna

kann durch die Fülle und Schönheit

der Orte nur hetzen. Bachs Presto,

das sie ihren Schüler rhythmisch

klatschen lässt, ist ihr Lebenstempo

geworden. Am Ende trägt es damit

genau denjenigen aus der Kurve, den

sie eigentlich beschützen wollte.

DasVorspiel Dt.2019.Regie: Ina Weisse; Drehbuch:

Daphne Charizani,Ina Weisse; Kamera:Judith

Kaufmann;Darsteller:Nina Hoss, Simon Abkarian,

ThomasThieme,u.a.99Min. FSK ab 12

NACHRICHTEN

HerbertFritsch inszeniert

Grönemeyer-Songs

Für eine Zusammenarbeit mit dem

Regisseur HerbertFritsch kehrtder

Sänger HerbertGrönemeyer ans Bochumer

Schauspielhaus zurück. Unter

dem Titel „Herbert“ will Fritsch

aus den Texten und der Musik von

Grönemeyer neue Klang- und Gesangserlebnisse

formen, wie das

Schauspielhaus am Dienstag mitteilte.Das

Stück soll am 21. MärzPremierefeiern.

Grönemeyer selbst

werdenicht auf der Bühne stehen,

aber die Entwicklung des Stücks eng

begleiten. DieKooperation beruhe

dabei auf einer langjährigen Bewunderung

füreinander.Grönemeyer

teilte dazu mit: „Fritsch darfalles.Er

darfmich zerlegen, zerfleddern,

ohne Ehrfurcht, mit Witz. Wenn er

mich dabei braucht, bin ich zur

Stelle.“Grönemeyer arbeitete in den

70er Jahren als Theatermusiker und

Schauspieler am Bochumer Schauspielhaus,bevor

ihm 1984 mit dem

Album „4630 Bochum“ der Durchbruch

als Solokünstler gelang. (dpa)

Großspende für Staatliche

Museen Schwerin

Mitfünf Millionen Euro unterstützt

die Dorit &Alexander Otto Stiftung

(Hamburg) die Modernisierung des

Staatlichen Museums Schwerin ab

Mai2021. Alexander Otto erklärte

am Dienstag in Schwerin, er habe

das Museum häufig besucht, „weil

ich ein großer Verehrer der holländischen

Meister bin und ihnen hier

sehr viel Raum gewidmet wird“. Das

Land Mecklenburg-Vorpommern

gibt 1,25 Millionen Euro dazu, wie

Ministerpräsidentin Manuela

Schwesig (SPD) bei der Vertragsunterzeichnung

sagte. (dpa)

Frank Plasberg muss bei

„Hartaber fair“ pausieren

Der„Hart aber fair“-Moderator

Frank Plasbergfällt nach ARD-Angaben

aus gesundheitlichen Gründen

für „einige wenige Wochen“ aus.

Plasbergleide an einem temporären

Ausfall des rechten Gleichgewichtsorgans,teilte

die ARD am Dienstag in

München mit. Vertreten werdeer

vonSusan Link, bekannt durch das

ARD-Morgenmagazin. (AFP)

UNTERM

Strich

Genau genommen

Vomrechtzeitigen

Bleibenlassen

VonMartin Z. Schröder

Haben Siefür das neue Jahr gute Vorsätze

gefasst? Mehr von dem einen tun, das

andere unterlassen? Und dann wird eswieder

nichts? Ihr Gewissen beißt Sie? Ich

schlage Ihnen etwas anderes vor.

Ob man selbst teilnahm oder nicht, die

Erfolge des Sozialismus sollten in Erinnerung

sein. Man kann auch einen Blick in die

gegenwärtigen sozialistischen Länder werfen.

Dort ist jederzeit alles bestens, Superlativewerden

überholt.Wirhatten das hier früher

auch und erfüllten die Pläne nicht nur,

sondern schossen Jahr für Jahr weit übers

Ziel hinaus. 120 Prozent Planerfüllung mindestens.Wir

waren stolz auf einen aus heutiger

Sicht schlichten Lebensstandard, den wir

als Errungenschaften bezeichneten. Errungen

wurde im Plural.

Ich hatte in meinem damaligen Beruf in

einem Buchverlag so furchtbar wenig zu arbeiten,

dass es zwei Holzwürmer vor dem

Frühstück hätten erledigen können, und so

schüttelte ich meine Planübererfüllung gelassen

und gelangweilt aus dem Ärmel. Den

besseren Teil der sogenannten Arbeitszeit

verbrachte ich cocktailschlürfend mit Kolleginnen

in ähnlicher Lage im Haus der sowjetischen

Kultur in der Friedrichstraße.Wir waren

dort mittags die einzigen Gäste, nippten

an Martinis, gabelten die Errungenschaften

eines Imbisses und fanden die Sowjetunion

als Gastronomin dufte und knorke zugleich.

Irgendwann wurde uns Werktätigen

durch gemessen euphorische Artikel in der

Zeitung mitgeteilt, dass wir alle den Plan

übererfüllt hatten, also auch ich. Der Überfluss

war amtlich. So leicht ging uns das damals

vonder Hand.

MARTIN Z. SCHRÖDER

Und nun wollte ich das fortführen und

jahrplante, ein wenig mit dem teuren

Strome zu geizeln nach dem kärglichen

DDR-Motto:„Energie,ich sparesie!“ Es wird

nichts daraus. Bei mir gastiert häufig ein

Herr,der sich in der kühlen Jahreszeit einen

warmen Holundersaft wünscht. Sobald das

Getränk zubereitet ist, lässt der Herr zwei

Eiswürfel hineinplumpsen. Ich erläutere

ihm also den tiefen ökologischen Hufabdruck

seines Getränkes im Sand meines Gewissens

und meinen Sparplan an seinem

Gesöff. Er aber strahlt mich an und spricht

begütigend: „Wozu bin ich da? Bin ich als

Einsparung in deine Welt gekommen? Ich

bin nicht nur das Glück, ich bin auch die

Verschwendung, und dringlichst für mein

Vergnügen ist mir das Krachen der Eisbrocken

in meinem Heißgetränk. Ich wäre dir

verbunden, schüttetest du deine düsterlichen

Erwägungen, die du für Wissen halten

magst, nicht als moralische Grundsätze

über mir und meiner kleinen Freude aus.“

Auch wenn dieser Herr erst fünf Jahrealt ist:

Er nimmt sich nicht vergeblich vor, sein Dasein

zu verbessern, er handelt. Wie herrlich

in der Tatdie Eisbrocken krachen!

Ziehen wir eine Lehre daraus: Pläne taugen

nichts, für jeden ersichtlich endete die

vielfache Übererfüllung unserer Fünfjahrespläne

in diversen Pleiten. Am besten ist es,

sich nichts vorzunehmen, sondernentweder

sofort mit dem zu beginnen, was man erreichen

möchte.Oder es bleibenzulassen.

Dashätte man aber schon mal eher in die

Zeitung schreiben sollen, kritisieren Sie?

Jetzt, so spät im Januar,haben Siesich an Ihren

guten Vorsätzen schon die ersten Zähne

ausgebissen? Nein, wir geben rechtzeitig unseren

Teil, also diesen Neujahrstip zur Weltverbesserung,

nämlich über elf Monate vorfristig.

Er gilt für 2021. Plan übererfüllt!


22 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Feuilleton

UweKowski: „Wald“, 2015, Öl auf Leinwand (l.) und „Selbst mit Himmel“, 2018, Öl auf Leinwand VG BILDKUNST BONN 2020/ UWE WALTER BERLIN/ COURTESY GAL. EIGEN+ART LEIPZIG/BERLIN (2)

Explodierendes Vokabular

Das Malerische selbst ist die Botschaft: Die Bilder des Wahlberliners Uwe Kowski in der Kunsthalle Rostock

VonIngeborg Ruthe

Sehen“. Das Schlichte des

Ausstellungstitels täuscht.

Mit der simplen Aufforderung

„Sehen“ verbindet dieser

Maler seinen Anspruch an den

kostbaren Augen-Sinn, der in einer

Welt der digitalen Bilderflut- und

Verwurstung dauerstrapaziert wird.

So sehr, dass viele Leute eigentlich

gar nichts mehr sehen. Der Titel

steht für den Anspruch des Malers

UweKowski an sich selbst und an die

Betrachter –der Landschaften, der

Ein- und Ausdrucksmotive für Geschautes,Gelesenens,Empfundenes

–und für die Selbstporträts.Die hängen

an der Wand hinter eine Gruppe

von Bronzebüsten aus der Sammlung

der Kunsthalle Rostock.

Die stehen jetzt im neugebauten

großzügigen Schaudepot des Moderne-Museums

und lassen sich

nicht lange bitten. Kowski, dieser in

Berlin lebende Leipziger – einst

lernte er an der Kunsthochschule

seiner Geburtsstadt das Handwerk

bei Malern wie Dietrich Burger und

Bernhard Heisig –hat die Bilder des

letzten Jahrzehnts ausgebreitet:

kleine und große Hoch- und auch etliche

Querformate,die nichts mit der

neoromantischen oder surrealen

Bildsprache der damaligen Leipziger

Mal-Gefährten zu tun haben. Auch

versagen bei diesen Arbeiten Attribute

wie „abstrakt“ oder „gegenständlich“.

Diese einst – ideologischen

– Schubladen der Kunstgeschichte

des Jahrhunderts der Moderne

sind für Kowski seit gut 30

Jahren obsolet.

Willkür und Form

Er hat sich stattdessen beizeiten

Maßstäbe und Zuspruch bei Altvorderen

geholt. Unübersehbar etwa

bei Delacroix und dessen Ratschlag,

das Vokabular der Natur und der

Umwelt unbeirrtineine eigene Sprache

zu „übersetzen“. Undwohl auch

bei Matisse, der sagte, man müsse

vonAnfang an eine klareVorstellung

vom Ganzen haben. In der Weise:

„... ich schreite fort, angespornt von

einer Idee, die ich erst kennenlerne

dadurch, dass sie nach und nach in

meinem Bild Gestalt annimmt“.

Also malt Kowski nach dem Prinzip,

Anschauung und Willkür in eine

Form zu bringen. Sanft zwingt er uns

Betrachter, die Augen zwischen

Oberfläche und Tiefenstrukturen

des Bildes hin- und herwandern zu

lassen, die weichen und die harten

Formungen, das heftig Gestrichelte,

das Splitternde, das Schwellende,

sich Ineinanderschiebende,die bunten

Konfettis,die sich zu einem Kopf,

einer vagen Form ballen. Nurandeutungsweise

nimmt man Gebilde in

den Schichten wahr. Sind es Farbtöne

für Stimmungen, heitere, melancholische,

angstvolle, ungeduldige,

elegische? Für Einnerungen?

DIE AUSSTELLUNG „SEHEN“

Der Maler Uwe Kowski, geboren 1963 in Leipzig,gelernter Schriftmaler,studierte an der

Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, zählte mit seinem eigenwilligen nichtfigurativenund

nicht erzählenden Stil zu den jungen Protagonisten der um 2000 Furore machenden

„NewLeipzig School“. Er zog um nach Berlin und setzte sich vondem Label ab,umdie unerschöpfliche

Vielseitigkeit des Malens zu ergründen und auszuloten.

Kunsthalle Rostock: „Sehen“, Hamburger Str.40, kuratiertvon Leonie Pfennig,bis 15. März,

Di–So 11–18 Uhr.Katalog (MMKoehn), 28 Euro. Infos: www.kunsthallerostock.de

Für Tagund Nacht, für die Jahreszeiten

und den gnadenlosen Fluss der

Zeit? Nach dem ersten Rundgang in

der weitläufigen Halle weiß ich: Ich

muss diese Bilder komplex sehen:

Schicht für Schicht, Struktur für

Struktur.Ich muss darin mit den Augen

herumwandern, während vom

Maler eigentlich nichts erzählt,

nichts erklärtwird.

Die Deutungen liegen bei mir als

Betrachtende selbst. Titel wie

„Wald“, „Vor einer Mauer“, „Holz“

„Die Dinge“, „Regennasse Scheibe“,

„Im Gras“ oder „Freischwimmer“

helfen ein bisschen, treiben die Assoziationen

aber viel weiter,weil das,

was man sieht, auch etwas ganz anderes

sein kann. Solche Bild-Wahrnehmung

ist anstrengend. Und sie

ist befreiend. Anfangs,meint Kowski,

seien da die einzelnen Sujets, die

würden genährtdurch seine alltägliche

Weltanschauung. „Aber es geht

ja nicht um das Was, sonder ums

Wie.“Ermalt nicht nach dem klassischen

Vorbild mit Vorder- und Hintergrund,

mit „Goldendem Schnitt“,

Tiefenperspektiveoder Fluchtpunkt.

Wie Wald nach einem Sturm

Manche Motive scheinen aus Farboder

Filmschnipseln zu bestehen,

lassen entfernt an Monets Seerosen

denken, andere an einen Wäscheplatz

oder eine Sommerwiese, ein

nächstes Bild hat etwas von einem

Eissee, über den der Wind fegt oder

einem Wald nach einem Wirbelsturm.

Alles sind farbige Erinnerungsfetzen,

vielleicht auch Ausschnitte

aus einem größeren oder

auch ganz banalem (Welt-)Geschehen.

Ereignisse, die sich unscharf

über die Leinwände ziehen: ein azurblauer

Bildgrund, darauf ein rotgelbbraunlilaweißer

Kopf, aber ohne

Physiognomie. Das wie aus dem

Blau auftauchende Porträt „Selbst

mit Himmel“, ein offenkundig gutgelauntes

Konterfei des Malers an einem

Sommertag. Kowskis Bilderfindungen

haben immer auch mit Licht

zu tun, da ist er den Impressionisten,

ihrer atmosphärischen Kunst nahe.

Dann wieder haben das Stakkato der

heftigen Pinselstriche,die Wuchtder

Farbmassen etwas Expressives.

Die Stil-Schublade aber ist Kowski

sounwichtig wie die Unterscheidung

abstrakt oder gegenständlich.

Er sagt entschieden: „Ich bin kein

abstrakter Maler!“ Er will ungebändigte

Lebensdynamik erfassen, dramatisch

oder verspielt und poetisch,

Farbe scheint zu explodieren, als

wolle sie aus dem Bildraum hinaus,

aber sie fügt sich und gerinnt dann

doch zu etwas, dem Vokabular, das

zum Großen und Ganzen gehört.

Ingeborg Ruthe erlebte

die Rostocker Schau als

Schule des Sehens.

Eine Ruinenlandschaft, in der fetzenhafte Stimmen wehen

Burial alias William Bevan, der prominenteste Vertreter der britischen Clubmusik, legt ein erstaunliches Album vor

VonMarkus Schneider

Komm doch runter zu uns“ –

Come Down to Us –heißt einer

der erstaunlichsten Tracks auf dieser

Sammlung des britischen Clubproduzenten

Burial. Über 13 Minuten

schleppt er sich in einem schleichenden

Downbeat-Trabdurch Gewölbekeller.„Excuse

me,I’m lost“ hörtman

eine Stimme im Vorbeigehen, während

aus labyrinthischen Seitengängen

verschlungene, kaum entzifferbare

Gesänge wehen und sich wieder

verlieren. In der Fernespielt eine

gläserne, anschmiegsame Melodie,

vielleicht voneiner einsamen hohen

Orgelpfeife. Dann setzt die Musik

aus, es knirscht, brummt und

knackt, falsch abgebogen.

Eine Ansage krackelt: „Don’t be

afraid to step in the unknown!“ Und

wirklich: Die Melodie wird wieder

lauter, dichter, bis wir durch einen

Raum gehen, dessen Weite nur zu

ahnen ist, weil die Sounds zu einem

hallenden jubilierenden Lied anschwellen.„You

arenot alone“. In die

Auslaufstille spricht eine Stimme:

„Diese Welt, die wir uns hier vorstellen,

die öffnet uns Türen in andere

Räume, andere Welten, von denen

wir bisher nie geahnt haben.“

Erstaunlich ist das Stück nicht nur

wegen der emotionalen Wärme, die

Burial mit seinen Samples und Maschinen

hier konstruiert; oder der

wunderbaren Architektur der Klänge.

Sondern auch, weil William Bevan,

der Künstler hinter dem Künstlernamen,

seiner Musik explizit einen politischen

Boden einzieht: Wir hören

Auszüge einer Preisrede,die die„Matrix“-Regisseurin

Lana Wachowski

2014 für die LGBTQ-Human-Rights-

Kampagne über den schmerzvollen

Wegzur Transition als Frau hielt. Bevan

ist seit seinen ersten beiden Alben

„Burial“ (2006) und „Untrue“

(2007) einerseits der prominenteste

Vertreter der britischen Clubmusik.

Dennoch ist es ihm gelungen, sich

als Person bis heute der Prominenz

so zu entziehen wie er seine Beats

unter Layern aus Vinylkratzen, Industrierauschen

und Regen vernebelt

– praktisch keine Interviews,

keine Auftritte,keine Promotion.

Burial: Ein Star,der hinter seiner Musik verschwindet.

BURIAL/PROMO

trale der Dubstep-Szene in den Nullerjahren.

In Burials frühen Tracks

wurden die kathedralischen Katakomben

dieser durch Hall und Subbässe

verräumlichten Musik zu einer

düsteren Ruinenlandschaft, in der

nur mehr fetzenhafte, zweifelhaft

humanoide Stimmen wehten.

Wiedas Label hat sich auch Burial

in der letzten Dekade stilistisch

gründlich erweitert. Durch die hier

fast komplett versammelten Hyper-

Daher ist auch „Tunes 2011–19“

kein herkömmliches Best-of geworden:

Burial hat seit den beiden Alben

seine Tracks nur noch einzeln oder

auf EP-Maxis veröffentlicht, auch

wenn diese, wie im Falle von „Rival

Dealer“, von dem das eingangs vorgestellte

Stück stammt, gern mal

eine halbe Stunde dauern. Einen Anlass

für „Tunes“ gab der 15. Geburtstag

von Steve Goodmans wegweisendem

Hyperdub-Label, der Zendub-Stücke

(es fehlen ein paar Gemeinschaftsarbeiten

und anderswo

verstreute Tracks) geistern all die jeweils

aufgeregt ausgerufenen Subgenres,die

sich aus den hinkend vertrackten

Rhythmen von Jungle, UK

Garage, Two Step verzweigt haben.

Umso mehr erkennt man nun im

Fluss dieser 150 Minuten das ästhetische

Programm und die Perspektive

des Künstlers: Er schaut wesentlich

vondraußen, als lägen die Stimmen,

Körper, Beats schon als futurisische

Entwürfe in der Vergangenheit.

Durchaus sinnvoll ordnet er die

Stücke grob absteigend chronologisch.

Er beginnt mit beinah ambient-artigen

Stücken der letzten beiden

Jahre, mulmenden, geräuschbelegten

Synthieschwaden, durch die

nur mühsam ein paar Nebelhornsigale

dringen. Vondortbewegt er sich

durch immer dichter rhythmisierte

und melodisierte Tracks, bis er am

Ende mit einer sanft entkörperlichten

Heliumstimme in der industrialisierten

Landschaft von„NYC“ landet.

Dazwischen streift er melancholisch

durch die ständig sich verändernden

Szenen, wobei auch ein

später Track wie „Claustro“ von2019

in die mittlere Clubbanger-Phase

sortiert wird. Allerdings verliert er

sich auch in solchen eher gradlinig

orientierten Stücken nicht in der Unmittelbarkeit

und zeitverlustigen Euphorie

des Raves. Noch Stimmen,

die aus munterem Europop oder

seelenvollem R&B zu stammen

scheinen, verformt er unter den aufgeregt

knirschenden, zischenden

und buckelnden Beats und düster

warmen Harmonien zu verwischten,

schmerzlichen Seufzern der Erinnerung

an Extase und Lust.

Burials Musik erzählt vom Nachhall

der Nacht und der Flüchtigkeit

des gemeinschaftlichen Grooves.

Seine Tunes halten die Echos des

Bewusstseins im Beginn des Morgens

fest, Momente des Glücks und

der Hoffnung, die sonst, um es mit

den Worten eines berühmten Philosophen

der Erinnerung zu sagen, in

der Zeit verloren wären wie Tränen

im Regen.

Burial: Tunes2011–19, Hyperclub/Cargo


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 23

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Feuilleton

Quadratur

des

Kreises

Herzstück der Alten Münze

wird ein Zentrum für Jazz

Wenn der

Mensch wieder

weg ist

Heinrich-Mann-Preis

für Eva Horn

VonPetraKohse

Imvergangenen Jahr war die Alte

Münzevor allem Projektionsfläche

und Kulisse.Für den Traum der freien

Szene vomeigenen Ort(legitim). Für

das Ausprobieren partizipativer Prozesse

in der Kulturpolitik (sportlich).

Für das Gegeneinanderausspielen

kreativer Genres: freie Kunst gegen

Kunsthandwerk und Design (unnötig).

Undfür das immer neue Skizziereneiner

Quadratur des Kreises: Dass

ein Ort, an dem die Inhalte in die

Breite gehen, dennoch von der Bedeutung

her in die Höhe wachsen

kann (wirdzubeweisen sein).

Nach einem intensiven Beteiligungsverfahren

und mehreren Gesprächen

dazu im Abgeordnetenhaus

ist nun, durchaus etwas überraschend,

zunächst nur über einen Teil

des Areals entschieden worden:

Herzstück des ehemaligen Gewerbeareals

an der Spreesoll –wie die Kulturverwaltung

am Montag verkündete,

noch während der Kulturausschuss

tagte –ein Zentrum für Jazz

und improvisierte Musik werden.

Ausdreivorliegenden Konzepten für

die Bespielung des zentralen Hauses

Nummer 4als Ort der Musik wählte

Kultursenator Klaus Lederer eines,

das auf der Idee eines„House of Jazz“

des Musikers Till Brönner aus dem

Jahr 2016 aufbaut. In Kooperation

mit der Deutschen Jazzunion und

der IG Jazz sieht es ein intendantengeführtes

Haus mit dynamischem

Ensemble, kuratiertem Konzertprogramm,

Residenzen, Raum für Produktion

und Forschung sowie einem

Vermittlungsprogramm vor.

Dem Bund hatte die Jazzhaus-

Idee von Anfang an gefallen, er wird

die damals angekündigten 12,5 Millionen

Euro auch in das entwickelte

Projekt investieren und sich wohl

ebenfalls am Unterhalt beteiligen.

Damit wäre Haus 4samt geplantem

Erweiterungsbau eine selbstständige

Einheit –innerhalb eines Gefüges,

über das ansonsten noch nicht

entschieden wurde. Die weiteren

Die Harfenistin Kathrin Pechlof ist als Geschäftsführerin

der IG Jazz am neuen Projekt

beteiligt.

LENA SEMMELROGGEN

Flächen, die momentan teilweise

zwischengenutzt werden und

ebenso Gegenstand des partizipativenProzesses

waren wie Haus 4, harrennoch

ihrer Bestimmung.

Dass nach dem aufwendigen Diskussionsprozess,bei

dem sich dieVision

eines Ortes für die gesamte freie

Szene und mit kollektiver Leitungsstruktur

herauskristallisierthat, jetzt

über die Autonomie eines Teils der

Münze schon entschieden wurde,

stößt nicht nur bei der Initiative

Neue Musik auf Kritik, die sich ausgebootet

und vorden Kopf gestoßen

fühlt, wie sie am Dienstag mitteilte.

Auch Wibke Behrens von der AG

Münzeder Koalition der freien Szene

hofft, dass nun wenigstens über den

Rest der Alten Münzeauf der Grundlage

der gemeinsam erarbeiteten

und sorgfältig dokumentierten Ergebnisse

entschieden wird. Einen

Zeitplan gibt es hierfür noch nicht.

Klar ist nur, dass die Sanierung des

Geländes,für die das Land 35 Millionen

Euro zur Verfügung stellt, alsbald

in die Planung gehen und bis

2023 abgeschlossen sein soll.

Auf und hinter den Bildschirmen: die Theaterwissenschaftlerin Nina Tecklenburg und der Autor Till Müller-Klug von Interrobang

Soziale Spiele

Interrobang erfindet das interaktive Theater neu und bringt „Die Philosophiermaschine“ in die Sophiensaele

VonDoris Meierhenrich

Könnte Papier sprechen,

würde man hier eine vielstimmige

Begrüßung hören:

„Guten Taach –gutten

Tak. Willkommen in der −Philosophiiier-Maschine!“

Die zusammengeschnipselten

Worte stammen aus

drei verschiedenen Mündern. Siegehören

drei Philosophen des 20. Jahrhunderts,

aus deren frei zugänglichen

Originalton-Archiven die findigen

Performer von Interrobang einen

einzigen fantastischen

Sprechkörper montiert haben, ihre

„Philosopiermaschine“. Ab Donnerstag

wird diese „künstliche Intelligenz“

in Gestalt altertümlicher Kabeltelefone

mit digitaler Binnentechnik

die Besucher der Sophiensaele

auf Denkreisen schicken, die

man so imTheater selten erlebt. Man

könnte es auch ein vampirisch-futuristisches

Schnittstellen-Theater

nennen, das Interrobang hier zwischen

den Zeiten, Materialien und

Ästhetiken schwirren lässt. Denn die

Stimmen der toten Philosophen

greifen durch diese Hörmaschine so

vital ins Jetzt, wie sie umgekehrt

auch jeden ermuntern, in dieses

montierte Denken direkt mit einzugreifen.

Das jedenfalls wünscht sich

Till Müller-Klug, der bei unserem Besuch

wenige Tage vor der Premiere

freundlich entspannt vor seinen Apparaten

sitzt.

Das weich und hell dahin fließende

„Guten Taach“ stammt von

dem Existenzphilosophen Karl Jaspers,

das Hannah Arendts robuste

Raucherstimme sogleich mit ihrer

entschiedenen Wiederholung erdet

und von Adornos leisem „Willkommen“

zurück in reservierte Sachlichkeit

gehoben wird. Etwas später rollt

noch der bayrisch kernige Vollklang

des Hoffnungsphilosophen Ernst

Bloch dazu, aber das hängt davon ab,

wie sich der Besucher über die Tasten

seines Telefons durch die Fragen

und Antworten des verzweigten Gesprächskanälesystems

manövriert.

Aufden ersten Blick ist die „Philosopiermachine“

kein Theater mehr,

sondern eine interaktive Installation.

Kein Performer agiert darin vor oder

mit Publikum irgendetwas aus. Und

dennoch wirdauch in dieser großen,

offenen Spiel-Maschine ein Kollektiv

auf Zeit hergestellt, das man theatralisch

nennen muss, nur dass es die

Besucher selbst sind, die dieses spielerische

Miteinander herstellen. Alle

30 Minuten werden 15 Zuschauer

eingelassen, die an einem großen

Tisch Platz nehmen und ihrePhilosophen-Telefonate

führen. Nehmen sie

ihre Gesprächspartner dabei ernst,

folgen sie Jaspers oder Arendt, die

Denken erst frei nennen, wenn es sich

auch dem„Wagnis der Öffentlichkeit“

aussetzt, dann wirdjeder irgendwann

bestimmt auch Kontakt aufnehmen

mit anderen oder zumindest mit dem

präparierten Raum drum herum.

So viele und verschiedene Handlungsangebote

wie möglich an die

Zuschauer zu machen, um sie aus ihrerReserve,vielleicht

auch Angst, sicher

aber aus ihren festen Verhaltensmusternzulocken,

sie zu öffnen

für neue Situationen, das ist zweifellos

das Wichtigste und Schwierigste

an dem partizipativen Theater, wie

Interrobang es sucht. Seit fast zehn

Jahren experimentiert die Gruppe

um den Autor Till Müller-Klug, die

Theaterwissenschaftlerin Nina Tecklenburgund

den Performer Lajos Talamonti

an genau diesen Prozessen,

die sie selbst lieber „Spiel mit theatraler

Gemeinschaft“ nennen.

Handeln und Reflektieren, diese beiden

Bewegungen, die einander gern schnell

ausschließen, sollen in den Partizipationsprojekten

von Interrobang zusammenfinden.

Hinter jedem Projekt stehen

lange Entwicklungsprozesse, sagt

Müller-Klug, in denen sie so viele

Spielwege wie möglich zu antizipieren

versuchen, dabei das Tableau

aber doch so offen halten wollen wie

nötig. Denn nicht um die sportive

Anpassungsfitness der Zuschauer

geht es ihnen, nicht darum, wie flink

sich Leute in fremde Settings einfinden

−das wäre vielleicht der bloße

Aktionismus des oft belächelten

„Mitmachtheaters“. Nein, Handeln

und Reflektieren, diese beiden Bewegungen,

die einander gernschnell

ausschließen, so Till Müller-Klug,

sollen in ihren theatralen Spielen,

die er auch einfach „Plattformen“

nennen möchte,gerade zusammenfinden.

Undzwar in den Zuschauern

„Er wird wieder da raus gehen“

Der britischeRockmusiker Ozzy Osbourne spricht über Parkinson-Erkrankung

Der britische Musiker Ozzy Osbourne

ist nach eigenen Angaben

an Parkinson erkrankt. Das gab

der 71-Jährige gemeinsam mit seiner

Frau und Managerin Sharon in einem

Interview der US-Fernsehsendung

„Good Morning America“ bekannt.

„Ich kann Geheimnisse

schlecht für mich behalten“, sagte

der frühere Black-Sabbath-Sänger

mit sichtbarer Anstrengung. „Ich

kann nicht mehr damit herumlaufen,

weil mir die Ausreden ausgehen.“

Bereits zweimal hatte Osbourne

seine Abschiedstournee wegen

gesundheitlicher Probleme verschoben

und als Grund dafür die

Folgen eines Unfalls angegeben.

„Es ist eine Form der Parkinson-

Krankheit“, stellte Sharon Osbourne,

die seit 1982 mit dem Heavy-Metal-

Musiker verheiratet ist, nun klar.„Es

ist in keiner Weise ein Todesurteil“,

betonte sie in der Sendung vom

Dienstag, „aber es beeinträchtigt die

Nerven. Man hat einen guten Tag,

noch einen guten Tagund dann einen

richtig schlechten Tag.“

Osbourne sagte, erkönne kaum

zwischen den Folgen des Unfalls –er

war in seinem Haus in Los Angeles

gestürzt –und der Krankheit unterscheiden.

„Ich hab eine Taubheit im

Armvon der Operation, meine Beine

werden immer wieder kalt“, erzählte

er.„Ichweiß nicht, ob das Parkinson

ist oder was, aber das ist das Problem.

Denn die haben bei der Operation

Nerven getrennt.“

Trotz seiner Beschwerden sieht

sich der als „Prince Of Darkness“ bekannte

Musiker auf dem Weg der

MICHAEL BENNETT; RENATA CHUEIRE

selbst, nicht nur als einzelne, sondern

inihrem konkreten Miteinander

während des Abends.

Interrobangs soziale Spiele wollen

nicht pädagogisch sein – das

Wort mag Müller-Klug gar nicht. Das

Ausprobieren ist ihm wichtiger, sie

wollen die Zuschauer dazu bringen

über sich und das Alltägliche hinauszugehen.

Gerade dafür, so Müller-

Klug, sei bei aller digitalen und performativen

Raffinesse ihrer multioptionalen

Anordnungen das gute alte

Theater immer noch der beste Ort:

ein Kunstraum, der durch die direkte

menschlich Konfrontation die reale

Verantwortung für alles immer bewusst

macht.

Kaum eine Truppe forscht so intensiv

selbstkritisch an diesem realen-theatralen

Bewusstwerden wie

Interrobang. Wenn auch bei ihnen

nicht jedes Projekt immer so gut

zündete,wie etwa das Kafka-Theater

„Prozess 2.0“ vor knapp drei Jahren,

für das ein veritables Behörden-Labyrinth

in den Sophiensaelen entstand

und jeder Eintretende gleich

seine eigene Lebensakte unter den

Arm geklemmt bekam. Mithilfe seltsamer

Wandzettelchen und unerwarteter

Aufgabenstellungen war die

Akte im Lauf des Spiels zu füllen oder

zu leeren −jenach eigenem Ermessen,

wobei ein kollektiver Schauprozess

am Ende vor Augen hielt, wie

willig man sich aufblättern ließ oder

nicht. Trotzdem: Bloße Reisen zu

sich selbst sind die Partizipationsspiele

der Interrobangs nicht. Vielmehr

wird man an die Oberflächenrisse

der Wirklichkeit gelockt, die

man sehen lernt durch das Spiel.

Die Philosophiermaschine 23.−26. 1., gestaffelter

Einlass ab 19 Uhr,Sophiensaele,T: 2835266

Besserung. Am 21. Februar wird er

sein neues Album „Ordinary Man“

veröffentlichen, auf dem unter anderem

Elton John und Guns n’Roses-

Gitarrist Slash zu hören sind. Sharon

Osbourne äußerte überzeugt, dass

Ozzy auch seine Tournee wie geplant

nachholen wird. „Er wird wieder da

raus gehen“, sagte die 67-Jährige.

„Und er wird das machen, was er

liebt. Das weiß ich.“ In Deutschland

sind Konzerte in Dortmund, München,

Mannheim, Berlin und Hamburggeplant.

(dpa)

VonHarry Nutt

Nach der kurzen Phase des gesellschaftspolitischen

Aufbruchs

nach 1989 hat uns das apokalyptische

Denken wieder fest im

Griff. Keine Diskussion über die Folgen

des Klimawandels, inder nicht

darauf hingewiesen wird, dass nur

noch wenig Zeit zum Handeln bleibt,

ehe der sogenannte Kipppunkt erreicht

ist, vondem an CO 2 -Reduktion

und die Einhaltung ambitionierter

Klimaziele nichts mehr bewirken.

Der amerikanische Schriftsteller

Jonathan Franzen hatte zuletzt in

mehreren Essays ketzerisch darauf

aufmerksam gemacht, dass das

Quantum der verrinnenden Zeit erstaunlicherweise

konstant ist. Es ist

fünf vor zwölf –

und das schon

sehr lange.

Kaum jemand

hat sich so

intensiv mit den

Katastrophenerzählungen

auseinandergesetzt

wie die in Wien Sie wird ausgezeichnet:

Eva Horn

lehrende Literaturwissenschaftlerin

Eva Horn, die für ihre immer

wieder erhellenden Essays nun mit

dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie

der Künste ausgezeichnet

wird. Die1965 in FrankfurtamMain

geborene Eva Horn verbinde Wissenschaftsgeschichte

mit Literatur

und Kunst, lobt die Jury des Heinrich-Mann-Preises.Wie

nur wenigen

Autorinnen und Autoren gelinge es

ihr, eine Sprache zu finden, die für

ein breites Publikum zugänglich ist,

ohne dabei an wissenschaftlicher

Präzision zu verlieren.

In ihrem 2014 erschienenem Essay

„Zukunft als Apokalypse“ hat sie

sich auf die Spuren des modernen

Katastrophenbewusstseins in Literatur

und Film begeben. Über die

Überlegungen zur Lust am Untergang

hinaus ist Eva Horn der Frage

nachgegangen, welche Fiktionen in

den gesellschaftspolitisch immer

wieder artikulierten Bedürfnissen

nach Prävention und Sicherheit

wirksam sind. So gesehen ist das

apokalyptische Denken selbst ein

Versuch, das Schlimmste vorwegzunehmen,

um wenigstens mental auf

der sicheren Seite zu sein. In dem

Film „I Am Legend“ (mit Will Smith)

erscheint das menschleere und von

Ranken überwucherte New York

nicht als Schreckensbild, sondernals

unterschwelliger Wunsch. Es sei ein

Bild post-apokalyptischer Ruhe, so

Horn,die nur einkehren kann, wenn

der Mensch endlich verschwunden

sein wird. Eva Horn ist sich in ihrem

Denken für keinen Umweg und

keine Abschweifung zu schade, um

etwas über das Bild hinter dem Bild

zu erfahren.

Der Heinrich-Mann-Preis für Essayistik

wirdam27. Märzinder Akademie

der Künste verliehen. Diebeiden

vorherigen Preisträger waren

Christian Bommarius (2018) und

Danilo Scholz (2019).

MATHIAS SWOBODA

TOP 10

Montag,20. Januar

1 Neben der Spur ZDF 6,03 19 %

2 Tagesschau ARD 5,44 18 %

3 Handball-EM ARD 4,80 15 %

4 Ich bin ein Star ... RTL 4,57 24 %

5 Wer weiß denn ...? ARD 4,05 19 %

6 Sportschau ARD 3,99 13 %

7 heute-journal ZDF 3,81 13 %

8 SokoMünchen ZDF 3,77 17 %

9 heute ZDF 3,76 14 %

10 RTL aktuell RTL 3,67 15 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Cyclops (Nasheeka Nedsreal)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Endstation Sehnsucht

20.00 Kleines Haus: Aufder Straße

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00 Box: Tropfen auf heiße Steine

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Männerschlussverkauf

Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch (✆

75 54 17 -0)

19.00 UNTEN: Drum links! Zwei, drei?

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Drei Männer im Schnee

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Hass-Triptychon –Wegeaus der Krise

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00 Studio: Die Weise vonLiebe und Tod

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

19.00 Glaspalast: Knüppel aus’m Sack /Ali Baba

(Hexenberg Ensemble)

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Extrawurst

Schaubühne (✆ 89 00 23)

19.30 Saal A: Hamlet

20.00 Globe: Love hurts in Tinder Times

20.30 Studio: März

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ichbin nicht Mercury

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

19.30 Alter Orchesterprobensaal: Linden 21: Usher

Studio 1 (Mariannenpl. 2)

19.00 Studio 1: abandonedpositions

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Affäre Spittelmarkt

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.30: Howl

20.00 3. Stock: Final Fantasy

KABARETT/VARIETÉ

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: The Golden Gmilfs

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die Ding-Show(ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Gnadenlos 2(JohnnyArmstrong)

Palazzo (✆ 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Das große 7(Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Katharina Hoffmann

(Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

18.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Zauber Zauber –Nichts ist, wie es scheint

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Aufder Suche nach dem verlorenen Witz

(Timo Wopp)

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

12.00 Gr.Saal: Öffentliche Probemit dem Konzerthausorchester

Berlin, Ltg.Iván Fischer,Richard

Strauss: „Also sprach Zarathustra“, Sinfonische

Dichtung nachFriedrich Nietzsche op.30

14.00: Espresso-Konzert

Lukaskirche Steglitz (✆ 795 50 51)

18.00: MarkusEpp (Orgel), Orgel to go!–klangbaden,

Stamm: Romanze, Rêverie, Gartan Mother’s

Lullaby; Bach: Choralvorspiel über Schmückedich, o

liebe Seele

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

10.30: Denis Kozhukhin (Klavier), Elternzeit-KonzertIII

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

16.30 Kinderbibliothek: Die Schluckaufprinzessin,

Buchvostellung.LeseZeichen –Bilderbücher in

Gebärdensprache erzählt

(bis 9J.). Anm. erf.

17.00 Kinderbibliothek: Wortschätze für die Kleinsten,

mit Erzählzeit e.V.(ab 3J.)

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.)

10.30: Zahlen, bitte!, RobertMetcalf (ab5bis 10 J.)

Berlin mit Kindern (✆ 33 02 98 70)

11.00: Familienführung: Am Brandenburger Torist viel

passiert–Berlingeschichte von1700 bis heute (ab 8

bis 16 J.). Anm. erf.

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00, 10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele

in unser Leben traten, Videogames

Dorfkirche Staaken (Hauptstr.12)

10.00: Der kleine Angsthase, Artisanen (ab 4J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: Als der Igel sagte: „Ich bin schon hier!“, Puppenbühne

allerHand, Mitmachtheater (ab 4J.)

Fuchsbau Reinickendorf (✆ 41 92 63 75)

10.30: Winterparadies, mimicus, die Kinderliedermacher,Kindertheater

(ab 3bis 8J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Die LückeimBauzaun (ab 6J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

18.00: Ankommen is WLAN, musikalische Ensembleproduktion

(ab 12 J.)

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: HerrKlugeund ein Dinosaurier in der Schule

(ab3bis9J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902776163)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00: Natürlich heute!, Umweltausstellung für Kinder

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Aufdem Holzweg,Ausstellung über Holz

10.00: AufBiegen ohne Brechen –Eisstiele für’s

Handgelenk

14.00: Brenn das Jo-Jo, Bezahlwerkstatt: 3€

Planetarium am Insulaner (✆ 790 09 30)

9.30: Das kleine 1x1der Sterne

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Die Zwölf Monate (ab 5J.)

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00: Kasperund Rotkäppchen

16.30: Kasperund Rumpelstilzchen

Schaubude (✆ 423 43 14)

10.00: Peterchens Mondfahrt, Figurentheater Marie

Bretschneider (ab 4bis 8J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Fli-Fla-Flockenzauber,Zuckertraumtheater (ab

2bis 8J.)

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Unterscheidet euch!, Turbo Pascal, Ein

Gesellschaftsspiel –interaktiveInszenierung (ab 10

bis 14 J.)

Theater Mirakulum (✆ 449 08 20)

10.00: Kasperrettet den kleinen Eisbär,Thomas

Mierau, Puppentheater (ab 4bis 13 J.). Anm. erf.

theater strahl (✆ 69 59 92 22)

11.00: Can touch this, Tanzstück (ab 12 J.)

Popdiskurs I

Musik und

Malerei

und Politik

Vor 120 Jahren wurde Ernst

Busch geboren, der Mann,

der in der ersten Verfilmung

der „Dreigroschenoper“ den

Mackie-Messer-Song sang, der

den Arbeiter Fritz in „Kuhle

Wampe“ spielte und das Solidaritätslied

anstimmte: „Vorwärts

und nicht vergessen,

worin unsere Stärke besteht

...“ Straßen tragen seinen

Namen, ein Chor auch –und

die berühmte Berliner Hochschule

für Schauspielkunst.

Dort wird heute auf ungewöhnliche

Weise gefeiert, mit

einer Collage aus Texten und

Musik, die ergründen will, wer

Ernst Busch war: Schauspieler

oder Entertainer? Volkssänger

oder Stalinist? Exilant oder

Querulant? Der Maler Ronald

Paris, dessen Ernst-Busch-Porträt

vomEnde der 60er-Jahrein

der DDR auf rätselhafte Weise

verschwand, kommt zum Gespräch.

Cornelia Geißler

Drum links! zwei, drei? EineCollage zum

120. Geburtstag vonErnst Busch.

19Uhr, Hochschulefür Schauspielkunst

ErnstBusch, Zinnowitzer Str. 11

Reisende Tschechen und Br

Der Chor des Trinity College Cambridge füllt beim NoonSong die Kirche am Hohenzollernplatz.

Dass Berlin eine Musikstadt ist, erkennt man auch a

Peter Uehling

macht immer wieder Werbung für den

NoonSong,weilMusik hier durch Tradition

und Liturgie lebenspraktischen Anschluss

gewinnt, statt immer nur einer oft

genug schimärischen „künstlerischen

Freiheit“ hinterherzulaufen.

anderen Traditionen als der deuts

Wer vorknapp zwei Wochen

bei den Philharmonikern

von Josef

Suks Zweiter Symphonie

begeistert war, darf sich freuen

auf das Konzertdes Rundfunk-Sinfonieorchesters

am Sonntagnachmittag:

Nach dem mittelprächtigen Violinkonzert

seines Schwiegervaters

Antonìn Dvorák erklingt Suks „Ein

Sommermärchen“. Darunter stelle

man sich kein Idyll vor! Diese mit

knapp 50 Minuten und fünf Sätzen

ebenfalls sehr raumgreifende symphonische

Dichtung umfasst wie die

unmittelbar zuvor komponierte

Zweite Symphonie eine gewaltige

emotionale Spanne, beginnt düster

und steigert sich zu wilder Dämonie

und findet erst im abschließenden

Adagio nach sanften, post-tristanischen

Ekstasen zu einer ruhigen,

pantheistischen Hymnik. Am Pult

steht Jakub Hruša; wie man am Namen

unschwer erkennt, wird zur

Vermittlung des tschechischen Tons

ans deutsche Orchester wieder einmal

auf die Kompetenz der Landsmannschaftlichkeit

gesetzt.

Gleich nach dem RSB spielt das

Deutsche Symphonie-Orchester unter

Robin Ticciati ebenfalls Tschechisches:

Dvorák und den Zeitgenossen

Ondrej Adámek –allerdings präsentiert

esbeide als Reisende. Dvorák

wurde in die USA eingeladen, weil er

aus folkloristischem Material symphonische

Musik europäischen Formats

komponieren konnte, und das

erstrebte man hier auch: So versorgte

man ihn mit allerlei Material,

vondem einiges in seine Symphonie

„Aus der neuen Welt“ einging; Duke

Ellington versuchte in seiner „Harlem“-Suite

etwas ähnliches.

Adámek, in Prag und Paris ausgebildet,

begeisterter Bali-Besucher und

Wahl-Berliner, hat in „Kameny“ für

Chor und Instrumente ein isländisches

Gedicht als große klangliche

Entwicklung vertont: DerRias-Kammerchor

wird zunächst auf Steinen

klopfen, bevor er mit der Stimme

schlagzeughafte Impulse vor die

Wörter setzt. Zusammen mit der

Premiere „Frühlingsstürme“ von Jaromir

Weinberger an der Komischen

Oper wirddas ein tschechisches Wochenende!

Oder eher ein britisches? Die

Deutsche Oper setzt ihren Britten-

Zyklus mit „Midsummer Night’s

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51)Crescendo #makemusicnotwar

14.45; Lindenberg! Mach dein Ding

17.15,20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Knives Out–Mordist

Familiensache 14.30,17.30,20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 1026) 1917 –Der Film

(OmU) 20.00; Judy 14.00, 17.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Knives Out –Mord

ist Familiensache (OmU) 17.10; Knives Out –Mord

ist Familiensache (OF) 14.00, 20.00; 1917 –Der

Film 13.30, 16.15, 19.00, 21.40; Freies Land

14.30, 17.15; A Rainy Day In New York (OmU)

18.40; Albrecht Schnider –Was bleibt 13.30; Judy

(OmU) 16.00, 20.50; The Peanut Butter Falcon

(OmU) 19.00, 21.15; Vom Gießen des Zitronenbaums

13.40,16.40; Miles Davis: Birth of the Cool

(OmU) 15.30, 21.30; Parasite 18.00; Queen &

Slim (OmU) 20.50; Aretha Franklin: Amazing Grace

(OmU) 14.00; Einsam zweisam 19.00; Die Sehnsucht

der Schwestern Gusmao 16.00

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Crescendo #makemusicnotwar

20.00; Motherless Brooklyn 17.15;

Pavarotti (OmU) 17.30; The Peanut Butter Falcon

20.15

Kant Kino (✆ 319 9866) Lindenberg! Mach dein

Ding 14.30, 17.30, 20.30; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.30, 17.15,20.00;ARainy Day In

New York 14.00, 18.30; Das perfekte Geheimnis

16.00; Die schönste Zeit unseres Lebens 20.45;

The Farewell 17.50, 20.10; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.30;Der geheime Roman

des Monsieur Pick 16.15, 18.30, 20.45

Zoo Palast (✆ 01805/22 29 66) Atmos: Bad Boys

for Life 20.00, 23.00; Die Eiskönigin II14.00; 3D,

Atmos: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.40;

Lindenberg! Mach dein Ding 16.45, 19.45, 22.50;

Vier zauberhafte Schwestern 14.15; Preview: Jojo

Rabbit (OF) 19.45; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.40; Star Wars: DerAufstieg Skywalkers

13.30, 22.30; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

17.00; Preview: Die Hochzeit 20.15; Jumanji –The

Next Level 14.15; Knives Out –Mord ist Familiensache

23.00; Bad Boys for Life 14.00, 16.50; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.45, 23.00;

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.15, 20.15;

Bad Boys for Life (OF) 23.00; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 17.00; Joker 23.05; Knives Out

–Mord ist Familiensache 20.00; Das perfekte Geheimnis

14.30, 17.15

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 12.45; A Rainy Day In

New York (OmU) 17.45; Einsam zweisam –Deux

moi (OmU) 14.15; Der geheime Roman des Monsieur

Pick –Lemystere Henri Pick (OmU) 11.00;

Latte Igel und der magische Wasserstein 16.15;

Der Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 20.45;

Milchkrieg in Dalsmynni 19.15; Why Don‘t You Just

Die! –Papa, sdokhni (OmenglU) 22.40; Bunuel im

Labyrinth der Schildkröten 16.00; Freies Land (DFmenglU)

19.30;Gottexistiert,ihr Name ist Petrunya

–Gospod postoi, imeto i‘ePetrunija (OmU) 11.00;

Jeannette: Die Kindheit der Jeanne d‘Arc (OmenglU)

14.15; Lara (DFmenglU) 12.45; Midsommar

(OmU) 21.40; Systemsprenger (DFmenglU) 17.30;

But Beautiful –Nichts existiert unabhängig (OmU)

11.00; The Farewell (OmenglU) 17.00; Der geheime

Roman des Monsieur Pick –Lemystere Henri

Pick (OmU) 18.50; Jam (OmU) 12.50; Joker (OmU)

22.45; Motherless Brooklyn (OmU) 14.30; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 20.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 14.00, 18.15; Freies Land

20.30; Joker (OmU) 23.00; Lara 16.15; Aretha

Franklin: Amazing Grace (OmU) 22.00;Der geheime

Roman des Monsieur Pick –Le mystere Henri Pick

(OmU) 20.00; Der marktgerechte Mensch 18.00;

Schönheit &Vergänglichkeit 14.00; Systemsprenger

15.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1917 –Der Film

14.20, 17.10, 20.10; 3Engel für Charlie 13.45,

16.20; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 19.20;

Bad Boys for Life 17.30, 19.10, 19.40; Bad Boys

for Life (OF) 20.20; IMAX: Bad Boys for Life 14.10,

17.00; Cats 17.15; Die Eiskönigin II14.20,16.50;

TheGrudge20.10; Preview:Die Hochzeit 20.00;Jumanji

–The Next Level 14.00, 16.50, 19.45; Knives

Out –Mord ist Familiensache 15.00, 16.40, 19.50;

Latte Igel und der magische Wasserstein 15.00;

Lindenberg! Mach dein Ding 14.10, 17.15, 20.30;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 17.15; The Peanut

Butter Falcon 14.20; Queen &Slim 20.40; 3D:

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 18.00;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 14.45;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 13.45,

17.00, 20.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.30, 20.40; Thomas und seine Freunde: Große

Welt! Große Abenteuer! 14.00; Vier zauberhafte

Schwestern 15.00, 17.45; Viva the Underdogs –A

Parkway Drive Film 21.00;Wonder Boy, Olivier Rousteing,nesous

X (OmU) 15.10

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Der Leuchtturm

–The Lighthouse (OmU) 20.20; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 22.30; Systemsprenger (OmenglU)

18.00; Milchkrieg in Dalsmynni –Heradid (OmU)

18.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portraitdelajeune

filleenfeu (OmU) 19.50; WhyDon‘t

You Just Die! –Papa,sdokhni (OmU) 22.10

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –Der Film

13.40, 16.40, 19.40; Bad Boys for Life 13.30,

17.00, 20.00; Die Eiskönigin II 13.50, 16.30; Preview:

Die Hochzeit 19.45; Jumanji –The Next Level

16.40,19.50; Knives Out –Mord ist Familiensache

19.20; Lindenberg! Mach dein Ding 13.50, 16.30,

19.50; Das perfekte Geheimnis 17.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.10; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.20, 19.30; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 13.40; Vier zauberhafte

Schwestern 14.00

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Morgen sind wir frei

14.00;Neo Rauch–Gefährten undBegleiter 18.00;

Rotschühchen und die sieben Zwerge 16.00; Die

schönste Zeit unseres Lebens 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) 1917 –Der

Film 14.20, 17.10, 20.00; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 20.10; Bad Boys for Life 14.20,

17.30, 20.20; 3D: Die Eiskönigin II 14.15; Die Eiskönigin

II17.20; The Grudge 17.30; Seniorenkino:

Gundermann 15.00; Preview: Die Hochzeit 20.00;

Jumanji –The Next Level 17.20, 19.50; Knives Out

–Mord ist Familiensache 17.15, 19.45; Latte Igel

und der magische Wasserstein 15.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 16.30, 19.30; Miniblockbuster –6

Kurzfilme 14.00; Das perfekte Geheimnis 19.40;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.50;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.40,

19.50; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.10;

Vier zauberhafte Schwestern 14.40, 17.10

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Knives Out –Mord

ist Familiensache (OmU) 17.30, 20.30; B Aretha

Franklin: Amazing Grace (OmU) 16.40; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 18.40,21.30

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Little Joe –

Glück ist ein Geschäft (OmU) 17.45,20.00; Milchkrieg

in Dalsmynni –Heradid (OmU) 19.00, 22.15;

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –Avida

invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 21.00

Moviemento (✆ 692 47 85) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 22.00; Vom Gießen des Zitronenbaums

(OmU) 13.00, 15.15, 17.30, 19.45; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 11.00, 16.00, 18.30;

Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 13.30,

21.00; 68 hat an meinem Institut richtig zugeschlagen

19.00; Der kleine Rabe Socke 314.30; Der

Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 21.30; Systemsprenger

16.15;Thomas und seine Freunde: Große

Welt! Große Abenteuer! 12.30; Vom Gießen des

Zitronenbaums (OmU) 10.15

Sputnik (✆ 6941147) The Farewell (OmU) 19.30;

Der marktgerechte Mensch 17.45; Milchkrieg

in Dalsmynni – Heradid (OmU) 16.00; Parasite

(OmenglU) 21.15; Aretha Franklin: Amazing Grace

(OmU) 17.45; Joker (OmU) 21.30; Lara (OmenglU)

16.00; Little Joe(OmU)19.30; KinobarimSputnik

Swans –Where DoesABody End? (OmU) 20.15

Yorck (✆ 78 91 32 40) Lindenberg! Mach dein

Ding 14.30,17.30,20.30; New Knives Out –Mord

ist Familiensache 18.50; Parasite 16.00, 21.40;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 13.50

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Bad Boys for Life

17.30, 20.30; Die Eiskönigin II 15.00, 17.45; Preview:

Die Hochzeit 20.00; Knives Out –Mord ist Familiensache

17.15, 20.15; Latte Igel und der magische

Wasserstein 14.00; Lindenberg! Mach dein

Ding 15.00, 17.00, 20.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.45; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 17.15, 20.15; Vier zauberhafte

Schwestern 15.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 10.00, 13.00, 17.45; Judy

13.00, 18.00, 20.30; Jumanji –The Next Level

15.30; Lara 10.30; Lindenberg! Mach dein Ding

13.30, 16.30, 19.30; Vom Gießen des Zitronenbaums

10.15, 15.30, 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) 1917

–Der Film 14.00, 17.00, 20.00; 3Engel für Charlie

14.00; Bad Boys for Life 14.00, 17.00, 20.00; Die

Eiskönigin II14.00,17.00; The Grudge 20.15; Preview:

Die Hochzeit 20.00; Jumanji –The Next Level

14.00, 17.00; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.30, 19.45; Lindenberg! Mach dein Ding 16.30,

19.40; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.10; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

19.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.10,

16.30; Vier zauberhafte Schwestern 14.00, 17.30;

Viva the Underdogs –AParkway Drive Film (OmU)

20.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Bunuel im Labyrinth der

Schildkröten 21.15; Der kleine Rabe Socke 3

17.00; Der marktgerechte Mensch (OmU; m. Gespräch)

19.00; Gundermann Revier (OmenglU)

18.00; Milchkrieg inDalsmynni 20.00; Die Wache

–Auposte! (OmU) 21.45

Babylon (✆ 242 5969) Fellini 100: Boccaccio 70

(OmenglU) 22.30; Fellini 100: Fellinis Amarcord

(OmenglU) 22.30; Fellini100: Fellinis Dassüße Leben

–Ladolce vita (OmenglU) 19.15; Fellini 100:

Fellinis Die Nächte der Cabiria –Lenotti di Cabiria

(OmenglU) 22.00; Fellini 100: Fellinis Ivitelloni –

Die Müßiggänger (OmenglU) 18.00; Fellini 100:

Fellinis Julia und die Geister –Giulietta degli spiriti

(OmenglU) 17.15; Fellini 100: Fellinis La Strada –

Das Lied der Straße (OmenglU) 20.00; Fellini 100:

Fellinis Roma (OmenglU) 16.45; Kill MeToday, Tomorrow

I‘m Sick! 20.00; KinderWagenKino: Porträt

einer jungen Frau in Flammen 11.10; KinderWagen-

Kino: Porträt einerjungen Frau in Flammen –Portrait

de la jeune fille en feu (OmU) 11.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Joker

(OmU) 21.15; Der Leuchtturm –The Lighthouse

(OmU) 16.30; Vom Gießen des Zitronenbaums –It

Must Be Heaven (OmU) 14.30, 19.00; Queen &

Slim (OmU) 12.15, 14.45, 17.15, 20.00; Thomas

und seine Freunde: Große Welt! Große Abenteuer!

10.30; Wohne lieber ungewöhnlich – C‘est quoi

cette famille?! (OmU) 8.30; Yung (OmenglU) 22.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 0200) 1917 –

Der Film 11.50, 14.00, 16.20, 20.20, 23.10;

1917 –Der Film (OF) 17.20, 19.50; 3Engel für

Charlie 11.40, 22.30; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 11.20, 14.20; Bad Boys for Life 11.00,

13.45,17.00, 20.10, 23.15; Bad Boys forLife (OF)

22.45;Cats11.45;Cats(OF)13.40; Die Eiskönigin

II 11.15, 17.20; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF)

14.50; Preview: Die Hochzeit 19.45; Joker 22.50;

3D: Jumanji –The Next Level 23.15; Jumanji –The

Next Level 14.30, 17.10; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.30, 20.10; Knives Out –Mord ist

Familiensache (OF) 23.15; Latte Igel und der magische

Wasserstein 11.30; Lindenberg! Mach dein

Ding 16.45, 20.00; Das perfekte Geheimnis 17.30;

3D: Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

11.10; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

13.40; 3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers

14.10, 19.30, 22.50; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

–Star Wars: The Rise ofSkywalker (OF) 20.30; Vier

zauberhafte Schwestern 11.30, 13.50; Viva the Underdogs

–AParkway Drive Film (OmU) 20.00

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) 1917 –Der Film

(OmU) 16.30, 19.00, 21.30; ARainy Day InNew

York (OmU) 14.30; Lindenberg! Mach dein Ding

14.00, 19.30, 22.15; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao (OmU) 16.45; The Farewell (OmU)

19.00; Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU)

14.15, 21.15; Miles Davis (OmU) 16.30; Als Hitler

dasrosaKaninchen stahl14.15,16.45,19.15;Einsam

zweisam –Deux moi (OmU) 21.45; Aquarela

(OmU) 15.15; Der geheime Roman des Monsieur

Pick –Le mystere Henri Pick (OmU) 17.15; Jeanne

d‘Arc (OmU) 22.00; Judy (OmU) 19.30

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

1917 –Der Film 14.50, 17.10, 20.15; 1917 –Der

Film (OF) 19.50; Baba Parasi (OmU) 20.30; Bad

Boys forLife 14.20,17.00, 20.10; BadBoysfor Life

(OF) 19.55; Bernadette 15.00; Cep Herkülü: Naim

Süleymanoglu – Pocket Hercules (OmU) 14.15;

Die Eiskönigin II 14.15, 17.15; Jumanji –The Next

Level 14.00, 17.20, 20.10; Knives Out –Mord ist

Familiensache 20.10; Latte Igel und der magische

Wasserstein 14.00; Lindenberg! Mach dein Ding

17.10, 19.55; Mucize Ask (OmU) 17.35; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.30, 17.15;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00, 16.10,

19.35;Vier zauberhafte Schwestern 17.20

IL KINO (✆ 91 70 29 19) The Farewell (OmenglU)

16.20; Land des Honigs – Medena Zemja:

Honeyland (OmU) 18.10; Milchkrieg inDalsmynni

–Heradid (OmU) 12.30; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 22.00; Porträt einer jungen Frau in

Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

19.50; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 10.00;

Systemsprenger (DFmenglU) 14.10

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Queen &Slim (OmU)

16.30,19.30, 22.30

Passage (✆ 68 23 70 18) 1917 –Der Film (OmU)

15.00, 17.45, 20.30; Joker (OmU) 17.45, 20.30,

21.30; Judy (OmU) 16.00, 19.00; Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 15.00, 16.30; Miles Davis:

Birth of the Cool (OmU) 18.30; Motherless Brooklyn

(OmU) 21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45)1917–Der Film –1917

(OF) 16.45,19.30,22.15; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.00, 20.00; Knives Out –Mord ist

Familiensache (OF) 16.00, 19.00; Der Leuchtturm

–The Lighthouse (OF) 21.50; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers –StarWars:The Rise of Skywalker

(OF) 17.20, 20.30;The Farewell (OmenglU) 19.10;

Queen &Slim (OF) 16.20, 21.30


Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 22. Januar 2020 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

iten von ihrer besten Seite

n der Begeisterung, mit der die Ensembles sich

ch-österreichischen widmen.

Dream“ fort, wiederum das DSO

spielt Brittens „Rape of Lucretia“ mit

Studenten der Hochschule für Musik,

und der „NoonSong“ bereitet

sich auf sein 500. Veranstaltung vor

und lädt zum Auftakt seiner Festtage

den Choir of Trinity College in Cambridge

und seinen berühmten Leiter

Stephen Layton ein.

Bei einem Besuch im Trinity College

nämlich war der Berliner Chordirigent

Stefan Schuck vonderTradition

des „Evensong“, des täglichen

Abendgottesdienstes so begeistert,

dass er ähnliches in Berlin ausprobieren

wollte.Trotz der vielen Chöre

in dieser Stadt gibt es keinen, der vergleichbares

leistet wie die semiprofessionellen

College-Chöreder britischen

Universitäten, nämlich täglich

ein wechselndes Repertoire auf hohem

Niveau zu singen. Schuck rief

mit Mitgliedern der Berliner Berufschöre

und freien Sängern das Ensemble

Sirventes ins Leben, das seit

2009 an jedem Samstag um12Uhr

einen halbstündigen Gottesdienst

mit Liturgie, Lesung und viel Musik

bestreitet, darunter zwei Psalm-Motetten

und meistens ein Magnificat.

Das klingt nach Gottesdienst, zieht

KLASSIK

NoonSong: 25. 1., 12 Uhr,Kirche am

Hohenzollernplatz

Choir of Trinity College: 25. 1., 16 Uhr,

Kirche am Hohenzollernplatz

„Frühlingsstürme“: 25. 1., 19 Uhr,

29. 1., 19.30 Uhr,Komische Oper,Behrenstr.55-57

Dvorák und Suk: 26. 1., 16 Uhr,Philharmonie,

Herbert-von-Karajan-Str.1

„Midsummer Night’sDream“: 26. 1.,

18 Uhr,29. 1., 19.30 Uhr,Deutsche

Oper,Bismarckstr.35

Dvorák und Adámek: 26. 1., 20 Uhr,

Philharmonie

„Rape of Lucretia“: 28. 1., 20 Uhr,Kühlhaus

Berlin, Luckenwalder Str.3

BENJAMIN EALOVEGA

aber auch Menschen an, die nicht

viel nach Konfession und Theologie

fragen, denn der NoonSong präsentiert

eine Musik, die man sonst nirgends

hört und schafft ihr den liturgischen

Rahmen, mit dem sie ursprünglich

gerechnet hat und ohne

den sie oft ein wenig verloren wirkt.

Der regelmäßige Besucher –und

davon gibt es viele,sonst gäbe es den

öffentlich nicht geförderten Noon-

Song nicht mehr –bewegt sich geführt

von der liturgischen Leseordnung

durch das Jahr,erwirdgeistlich

begleitet und kann diese Begleitung

annehmen, ohne dass er fromm sein

müsste.Dem 497. NoonSong an diesem

Samstag mit Musik vonWilliam

Byrd und Orlando Gibbons folgt um

16 Uhrnoch ein Konzertdes Choir of

Trinity College mit britischer Musik,

darunter wunderbare Hits wie Thomas

Tallis’ „O nata lux“, Byrds „Ave

verum“ und„Sing joyfully“ oder Robert

Parsons „Ave Maria“. Werkevon

Charles Villiers Stanford, Gustav

Holst oder John Tavener bezeugen

die Ungebrochenheit dieser Tradition

durch die Jahrhunderte: England

zeigt sich hier vonseiner besten

Seite.

Popdiskurs II &III

Der

Sound

der Worte

Was wäre Musik ohne die

Möglichkeit, darüber zu

reden? Ausdem Bedürfnis,das

Gehörte zu kontextualisieren

und neu zu fassen, ist irgendwann

der Popdiskurs entstanden

und hat im Verlauf der

Jahrzehnte ganz eigene Verwertungsketten

hervorgebracht.

Darin befinden sich so

schöne und bewehrte Formate

wie der Popsalon in den Kammerspielen

des Deutschen

Theaters, indem Jens Balzer

und Tobi Müller, oft mit Gästen,

die Phänomene der Popwelt

befragen, erklären und

kommentieren. Ganz genau so

hält es der Schriftsteller und

Musiker Thomas Meinecke in

seinem Plattenspieler-Projekt

im HAU 1,zudem er diesmal

den Musiker und CTM-Mitkurator

Born inFlamez eingeladen

hat. Interessierte müssen

sich aber entscheiden. Plattenspieler

und Popsalon spielen

zeitgleich. HarryNutt

Popsalon,21Uhr,DT-Kammer,

Schumannstraße 8, Plattenspieler,20

Uhr, HAU1,Stresemannstraße 29

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

10.00 Studio 14:Purple – Internationales Tanzfestival

für junges Publikum: drunter und drüber,Canan Erek,

Tanzstück

(ab 6J.)

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

11.00: Mit Raketen zu Planeten

LITERATUR/VORTRAG

daadgalerie (✆ 261 36 40)

19.00: PoetryinDark Times, Ellen Hinsey&Maria

Stepanova,Lesung und Gespräch, Mod.: Marie Luise

Knott

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

19.30: Resumé mit Seepapagei–Adolf Endler,Die

Gedichte, Sonja vomBrocke, Nancy Hünger,Katja

Lange-Müller,Peter Wawerzinek, Thorsten Ahrend

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: Drei Romane –drei Welten, Marius Hulpe,

Esther de Soomer und Valeria Gordeev

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Angewandte Verhältnisse, Kristin Schulz, Lyrik

mit Zwiegespräch zwischen Kristin Schulz und Kerstin

Hensel

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Sabine Rennefanz liest

Kolumnen

Tschechisches Zentrum (✆ 31 01 13 40)

19.00: Tschechien erlesen: Die große Neuigkeit vom

schrecklichen Mord an Šimon Abeles, Marek Toman,

Lesung und Gespräch

FÜHRUNG

Akademie der Künste am Pariser Platz (✆ 200 57

10 00)

18.00: Bilderkeller

Botanischer Garten Berlin (✆ 83 85 01 00)

14.00: Teufelszunge, Wassersalat und Schweigrohr –

Vielfalt der Aronstabgewächse, Dipl. Biologin Beate

Senska, Treff: Eingang Königin-Luise-Straße

Bärentouren (✆ 015 20 -5 22 67)

14.00: Das Berliner Schlossund seine Peripherie:

Schlossführung über Geschichte, Ausgrabung und

Wiederaufbau, Treff: Granitschale, Lustgarten. Anm. erf.

16.00: Architektursprache und Geomantie: Historische

Bauten als Brückeindie Vergangenheit und ihre

Wirkung aufuns, Treff: Reiterstandbild „Friedrich der

Große“, Unter d. Linden. Anm. erf.

20.00: „Ghostwalk“ Berlin auf dem Geisterpfad:

Mystikführung zu Parapsychologie, Gespensternund

Spukerscheinungen, Treff: Kl. Springbrunnen, Oranienburger

/EckeMonbijoustr.. Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf denSpuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm. erf.

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11)

12.00, 16.00: Kunst und Politik, Treff: Foyer

Museum für Naturkunde (✆ 889140-8591)

18.00: Abends im Museum: Die Dinosaurierfunde der

Tendaguru-Expedition. Anm. erf.

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

Secret Tours Berlin (✆ /82 09 67 51)

10.00: Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen (ab

Potsdamer Platz), Treff: Potsdamer Pl. 3(vordem

Hotel „Ritz-Carlton“) .Anm. erf.

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: Ulf Wakenius/Paul Morello Brazilian Experience

Quartet

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Der Herrder Ringe&Der Hobbit –Konzert

mit „Pippin“ Billy Boyd, Sky du Mont (Sprecher),

Orchester,Chor und dem Tolkien-Ensemble

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: SpielleuteSession –Mittelalter-Musik

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Robin’sNest

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

18.00: Shearer +Ladehemmung

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Roland Satterwhite’sTolyqyn, Blue Wednesday

Show

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Florian Paul &die Kapelle der letzten Hoffnung,Dazwischen

Bar Tausend (✆ 41 71 54 69)

21.00: Global Groovers

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: The Chap

Café Lyrik (✆ 44 31 71 91)

19.30: Anka (Gesang) &Nora Bulat (Klavier), Love

me or leaveme–Durch Höhen undTiefen der Liebe

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: Mark Pringle Trio

Festsaal Kreuzberg (✆ 403 65 56 30)

19.45: Gloryhammer+Nekrogoblikon +WindRose

Kaffeehaus Mila (✆ 88 92 38 89)

20.00: Carmelo Leotta Trio

Kulturbrauerei/Kesselhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: The Hu

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79)

19.30: hallo, wie geht es dir –Celebrating Daniel

Johnston feat. Klaus Beyer, Paranoia Godard, Alvise

Bittente, Marco Brosolo

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Sunset Sons

Panda (✆ 44 31 95 57)

20.00: Wahnschaffe /Westergard /Schmolling /

Baumgärtner

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Keir

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Jovi’sMainstream Session–Rock &Pop

Schlot (✆ 448 21 60)

20.30: Studienvorbereitung SVAMusical &Musiktheaterder

MusikschulePaul Hindemith in Neukölln,

Stardust 2020!

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: OatmealBoy,little league shows

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

21.00: Square Go, Wild Wednesday

Yaam (✆ 615 13 54)

20.00: PJ Morton &Band

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Lars VegasBlues Connection

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: Super Funky Soul Wednesdaywith Keith Tynes

(voc)

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Bass Station, Bass Station Berlin, Selekta Mik

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Slowlove mit Finster,Tvísker,Molto

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Weird Tunes for Winter,JRI &MissVergnügen

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Ping Pong Club

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: Sing on Stagewith King

Josephine

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces w/ Dinamite,Asec (live),

Temudo

BALLROOM

Insomnia (Alt-Tempelhof 17-19)

20.00: TangoVicioso

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

19.00: El Ocaso –TangoArgentino

KINO

UCILuxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

1917 –Der Film 14.25, 16.45, 20.10; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 14.00; Bad Boys for

Life 14.00, 16.50, 20.00; Die Eiskönigin II 14.40,

17.25; Preview: Die Hochzeit 20.00; 3D: Jumanji

–The Next Level 19.30; Jumanji –The Next Level

16.40; Lindenberg! Mach dein Ding 17.10, 19.40;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 17.10,

20.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.10;

Vier zauberhafte Schwestern 14.30

Wolf (✆ 921 039333) The Farewell (OmenglU)

18.50; Der Leuchtturm – The Lighthouse (OmU)

16.30; Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU)

21.10; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao(OmU)18.10;Die

Tigerentenbande –Der Film 16.40; VomGießen des

Zitronenbaums –It Must Be Heaven (OmU) 21.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Lindenberg!

Mach dein Ding 17.30, 20.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.15; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 14.40, 17.15; Knives Out

–Mord ist Familiensache 20.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) 1917 –Der

Film 15.15, 18.00; 1917 –Der Film (OmU) 20.45;

Lindenberg! Mach dein Ding 14.40, 17.30, 20.30;

Judy 17.15; Parasite 20.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.00; Knives Out –Mord

ist Familiensache 14.50, 20.30; Knives Out –Mord

ist Familiensache(OmU) 17.40;FreiesLand 14.40,

17.20,20.00

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

1917 – Der Film (OmU) 14.00, 17.10, 20.00,

22.50; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.30,

16.45; Die Eiskönigin II 14.20;The Farewell (OmU)

23.00; Freies Land 21.30; Judy (OmU) 16.15; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 14.15; Knives Out –Mord ist Familiensache

(OmU) 16.20, 20.00, 22.50; Lindenberg! Mach

dein Ding 13.30, 16.40, 19.45; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 21.30; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 22.50; The Peanut Butter Falcon

(OmU) 19.00; Das perfekte Geheimnis 16.20;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 13.50;

StarWars: DerAufstieg Skywalkers –StarWars: The

RiseofSkywalker(OF) 13.45, 16.50, 19.30,22.30;

Vier zauberhafte Schwestern15.00,17.30; Viva the

Underdogs –AParkway Drive Film (OmU) 20.00;

VomGießen desZitronenbaums –ItMustBeHeaven

(OmU) 19.00; Preview: Das Vorspiel 20.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Gundermann Revier

19.30; Land des Honigs –Medena Zemja: Honeyland

(OmU) 18.00; Schönheit &Vergänglichkeit

21.15

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Celebrating Daniel

Johnston: Daniel Johnston Live inBerlin 1999

(OF) /The Devil and Daniel Johnston (OV; m. Musikprogramm)

19.30; Schönheit &Vergänglichkeit

(OmenglU) 18.00

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) 1917

–Der Film 14.15, 17.05,19.40, 22.30; 3Engel für

Charlie 17.20; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

19.55; Bad Boys for Life 14.25, 17.00, 20.00,

22.45; Cats 14.30; Die Eiskönigin II14.20,17.15;

The Grudge 22.35; Preview: Die Hochzeit 20.00;

Joker 22.35; 3D: Jumanji –The Next Level 19.55;

Jumanji–TheNextLevel 14.15, 17.00; KnivesOut –

Mord ist Familiensache 16.50, 19.45,22.45; Latte

Igel und der magische Wasserstein 14.25; Lindenberg!

Mach dein Ding 14.20,16.40,19.40, 22.40;

Das perfekte Geheimnis 19.50; Queen & Slim

22.45; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.20; 3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers

16.45, 22.40; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.35, 19.40; Underwater –Esist erwacht 19.55,

22.30; Vier zauberhafte Schwestern 14.30, 17.05

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –

Der Film 13.50, 16.50, 19.50; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 17.20; Bad Boys for Life 14.15,

17.00, 20.05; Die Eiskönigin II 14.10, 16.50; The

Grudge 20.20; Preview: Die Hochzeit 19.45; Jumanji

–The Next Level 13.50, 16.45; Knives Out –

Mord ist Familiensache 16.15, 19.45; Lindenberg!

Mach dein Ding 13.50, 16.25, 19.35; Das perfekte

Geheimnis 13.15, 20.15; Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 13.45; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.10, 16.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 19.20; Vier zauberhafte Schwestern

13.30,17.30; Viva the Underdogs –AParkway

Drive Film (OmU) 20.00

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Freies Land 17.00; Das perfekte Geheimnis 14.00,

20.00

Cosima (✆ 85 07 58 02) Alles außer gewöhnlich

20.15; Die zwei Päpste 18.00

Odeon (✆ 78 70 40 19) Knives Out –Mord ist Familiensache

(OmU) 14.40, 20.30; Queen &Slim

(OmU) 17.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Crescendo #makemusicnotwar

(OmU) 18.00; Judy (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) 1917

–Der Film 13.30, 16.30, 20.10; Bad Boys for Life

17.00, 20.00; Bernadette 15.00; Die Eiskönigin II

10.00,12.20, 15.05; Preview: Die Hochzeit 20.00;

Jumanji – The Next Level 10.30, 14.00, 17.20,

20.15; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem

verlorenen Schatz 10.00; Lindenberg! Mach dein

Ding19.30;Das perfekte Geheimnis 17.30;Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 10.00, 12.15,

14.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 12.10,

16.55;Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 11.50

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Alles

außer gewöhnlich 18.00; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 15.30, 20.15; Ich war noch niemals in

NewYork 13.00

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.00, 17.00,20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

1917 – Der Film 13.15, 17.20, 20.00, 22.55;

1917 –Der Film (OF) 22.50; Bad Boys for Life

17.00, 20.00, 23.00; Bernadette 15.00; Die Eiskönigin

II 10.00, 12.15, 14.25, 17.20; Preview: Die

Hochzeit 20.00; Jumanji –The Next Level 11.00,

14.05, 17.00, 19.55; Der kleine Rabe Socke 3–

Suche nach dem verlorenen Schatz 10.00, 12.15;

Knives Out –Mord ist Familiensache 14.00, 17.00,

19.40, 23.00, 23.05; Latte Igel und der magische

Wasserstein 10.00, 12.00; Lindenberg! Mach dein

Ding 16.55, 20.00, 22.50; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 10.00, 12.00, 14.20; Star

Wars:Der Aufstieg Skywalkers 10.00, 16.10, 19.30,

23.00; Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 12.10,

14.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 18.00; Bad Boys for Life

17.45, 20.30; Die Eiskönigin II15.30, 18.00; Preview:

Die Hochzeit 20.30; Jumanji –The Next Level

15.15; Knives Out –Mord ist Familiensache 20.30;

Lindenberg! Mach dein Ding 17.45, 20.30; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 15.30; Vier

zauberhafte Schwestern 15.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Kenji Mizoguchi: Straße

der Schande –Akasen chitai (OmenglU) 20.00;

Magical HistoryTour: Frühling für Hitler –The Producers:

Springtime for Hitler (OF) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

1917 –Der Film 13.30, 16.40, 19.45, 23.00; 3

Engel für Charlie 22.40, 22.50; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.20, 17.20, 19.45; BadBoysfor

Life 13.45, 16.40, 16.50, 19.30, 20.05, 22.50;

Cats 16.40; Die Eiskönigin II 13.50, 16.50; The

Grudge 17.00, 20.30, 22.45; Preview: Die Hochzeit19.30;Judy16.10;3D:

Jumanji 23.00;Jumanji

12.30, 13.40, 16.00, 16.40, 19.50; Knives Out

13.30, 16.20, 19.40, 19.50, 22.20; Lindenberg!

Mach dein Ding 13.20, 16.30, 19.40, 22.45; Parasite

19.15; Das perfekte Geheimnis 16.30, 19.45;

Queen &Slim 19.45, 23.00; Spione Undercover

13.45, 17.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

13.40, 17.00, 20.30, 22.50; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 13.00, 16.00, 19.00,

19.30, 22.40; Underwater 22.35; Vier zauberhafte

Schwestern 14.00, 16.15; Viva the Underdogs

(OmU) 20.00; Zombieland 222.55

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Jam (OmU)

22.00; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 19.30;

Why Don‘t You Just Die! –Papa, sdokhni (OmU)

17.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50)Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 10.00, 19.00; BadBoysfor Life10.00, 17.00,

20.00, 22.30; Die Eiskönigin II 10.00, 12.15,

14.30,16.45; Preview: Die Hochzeit 20.00,22.30;

Lindenberg! Mach dein Ding 10.00, 14.00, 17.00,

20.15, 22.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.30; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

20.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.00, 17.00; Vier zauberhafte Schwestern 10.00,

12.00, 14.00, 16.00

Casablanca (✆ 677 57 52) Der geheime Roman

des Monsieur Pick 16.00; Das perfekte Geheimnis

20.30; Die schönste Zeit unseres Lebens 18.00

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

1917 –Der Film 14.05, 17.00, 20.15; 3Engel für

Charlie 14.10; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

17.00; Bad Boys for Life 14.15, 17.15, 20.15; Die

Eiskönigin II14.00, 16.50; The Grudge 20.00; Preview:

Die Hochzeit 19.45; Jumanji –The Next Level

14.15,17.15; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.50, 20.15; Lindenberg! Mach dein Ding 14.00,

16.35,19.45; Das perfekte Geheimnis 19.45; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.20;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.55; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00, 19.30; Vier

zauberhafte Schwestern 14.15, 17.15; Viva the Underdogs

–AParkway Drive Film (OmU) 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) 1917

–Der Film 14.00, 17.15, 19.40; Bad Boys for Life

14.00,17.00,20.00; BadBoysfor Life(OF)20.10;

Bernadette 15.00; Die Eiskönigin II15.00, 17.20;

Preview: Die Hochzeit 20.00; Jumanji –The Next Level

14.10, 16.40, 20.15; Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 14.15, 17.00; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 17.20,19.30

WEISSENSEE

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Joker 21.00; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 10.30; Lindenberg! Mach dein Ding

12.15, 15.00; Filmwoche zum Gedenken an den

Holocaust: Shine –Der Weg ins Licht 18.00; Die

Eiskönigin II 13.15, 15.30; Lindenberg! Mach dein

Ding 17.45, 20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) M.C.Escher:

Reise in die Unendlichkeit 16.00; Miles Davis: Birth

of the Cool (OmU) 20.30; Porträt einer jungen Frau

in Flammen 18.00

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 13.00; The Peanut Butter

Falcon 17.45; Der alte deutsche Film: Der Strom

15.45; VomGießen desZitronenbaums–It Must Be

Heaven (OmU) 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Idioten der Familie 20.30; Die

schönste Zeit unseres Lebens 18.00

Capitol (✆ 831 6417) Judy 17.45; Lindenberg!

Mach dein Ding 14.45, 20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Nie

wieder schlafen –nie mehr zurück 17.00; Parasite

19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 15.30, 19.00; Freies

Land 20.45; Der geheimeRoman desMonsieur Pick

16.30; Film trifft Leben: IAm Not Your Negro (OmU)

18.45; Judy 13.45, 16.00; Lindenberg! Mach dein

Ding 16.15, 21.15; Little Joe –Glück ist ein Geschäft

20.45; The Peanut Butter Falcon 14.15; Seniorenkino:

Vom Gießen des Zitronenbaums 14.00;

Vom Gießen des Zitronenbaums 18.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70)

1917 –Der Film 14.00, 17.00, 20.10; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 13.50, 20.15; Bad Boys

for Life 13.45, 16.45, 20.00; Cats 14.00; Die Eiskönigin

II 13.45, 14.00, 17.00;

Preview:Die Hochzeit 20.00; 3D: Jumanji –The Next

Level 16.50; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.45, 20.00; Lindenberg! Mach dein Ding 16.40,

19.50; Das perfekte Geheimnis 20.00; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.15, 20.00; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.20; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15, 17.40

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Bernadette

15.00; Preview: Die Hochzeit 20.15; Knives Out 17.20

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Der geheime Roman des Monsieur Pick 17.00; Die

schönste Zeit unseres Lebens 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –

Der Film 14.10, 17.00, 20.20; 3Engel für Charlie

16.50; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.50;

Bad Boys for Life 14.15, 17.15, 19.45; Die Eiskönigin

II14.20, 17.00; The Grudge 20.30; Preview:

Die Hochzeit 19.45; 3D: Jumanji 20.15; Jumanji

14.00, 17.10; Knives Out 17.15, 19.50; Latte Igel

und der magische Wasserstein 15.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 14.00, 17.00, 20.00; Das perfekte

Geheimnis 14.10; Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 14.20; 3D: Star Wars IX 17.00,

20.15; StarWars IX14.30,19.40; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15, 17.30; Viva the Underdogs –A

Parkway Drive Film (OmU) 20.00

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 5454) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 17.45; Bad Boys for

Life 17.45,20.30; Die Eiskönigin II15.15; Preview:

Die Hochzeit 20.30; Jumanji 15.00; Spione Undercover15.00;

3D:StarWars:Der Aufstieg Skywalkers

20.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 17.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Bad Boys for Life 17.15, 19.45; Die Eiskönigin II

14.45; Preview: Die Hochzeit 20.00; Jumanji –The

Next Level 18.00; Lindenberg! Mach dein Ding

17.30, 20.15; Miniblockbuster–6Kurzfilme 14.15;

3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers 17.00; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.30, 20.30; Vier

zauberhafte Schwestern 15.15,16.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 18.00, 20.10;

Jumanji –The Next Level 16.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68)Bad Boys for

Life 17.30, 20.00; Die Eiskönigin II 15.00; Jumanji

–The Next Level 18.00; Der kleine Rabe Socke 3–

Suche nach dem verlorenen Schatz 16.15; Knives

Out 20.45

Kammerspiele Kleinmachnow (✆ 03 32 03/84 75 84)

Einsam zweisam 18.00; The Farewell 20.15; Latte

Igel und der magische Wasserstein 16.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 18 · M ittwoch, 2 2. Januar 2020

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Digitales Grill-Vergnügen:

Steak aus dem Drucker

WERKSTATT

WhatsApp:

Einfach mal

diktieren

Aufgrund einer technischen Störung

war es zahlreichen WhatsApp-Nutzern

am vergangenen

Sonntag nicht möglich, Fotos und

Videos zu versenden oder zu empfangen.

Auch Sprachnachrichten

konnte der Messenger-Diensts nicht

weiterleiten. Redselige User, die

nicht gerne auf ihrem Smartphone

tippen, hatten also ein Problem –für

das es aber eine Ausweichlösung

gibt. Denn über das Eingabefeld ist

es möglich, WhatsApp eine Nachricht

zu diktieren.

Dazu muss der Nutzer lediglich

das Feld für die Texteingabe berühren,

um die virtuelle Tastatur zu öffnen.

Sobald sie die Diktierfunktion

in den allgemeinen Einstellungen

aktivierthaben, sehen Besitzer eines

iPhones dann am unteren Rand ein

kleines Mikrofon-Symbol. Ein Fingertipp

darauf und WhatsApp wartet

auf Input.

Auf Android-Smartphones, auf

denen eine Keyboard-App mit

Spracherkennung installiert ist, lassen

sich Mitteilung ebenfalls einsprechen.

Werzum Beispiel die beliebte

Gboard-Tastatur verwendet,

findet im Eingabebereich rechts

oben ein schwarzesoder weißes Mikrofon-Icon.

Bitte nicht verwechseln:

Die grün unterlegte Mikrofon-

Grafik zur Aufzeichnung vonSprachnachrichten

befindet sich direkt

über dem stilisierten Mikrofon der

Gboard-App. Satzzeichen wie Kommata

oder Punkt müssen übrigens

mitdiktiert werden! Der komplette

Text wird erst nach Anwählen des

„Senden“-Buttons abgeschickt. Vor

dem Versand kann der User die Mitteilung

also durchgehen und falls

nötig editieren.

Übrigens lässt sich eine Sprachoder

Textnachricht auch noch unmittelbar

nach dem Versand löschen.

Wenn der Verfasser seine

Nachricht zurücknehmen will, hält

er die entsprechende Sprechblase

gedrückt, bis das Kontextmenü erscheint.

Auf Android-Systemen

wählt er dann „Löschen“, auf iPhones

„Mehr“ und „Löschen“ aus. Der

Vorgang wird dann mit dem Antippen

der Option „Für alle löschen“

abgeschlossen. Statt des zurückgenommenen

Texts bekommt der

Empfänger nur die Hinweis „Diese

Nachricht wurde gelöscht“ zu lesen.

Das klappt allerdings nur, wenn sowohl

der Ersteller als auch der Adressat

die neuesteWhatApp-Version auf

ihren Smartphones haben.

Und noch ein kleiner Tipp: Empfänger

von Sprachnachrichten können

sich die Botschaften in Textform

ausgeben lassen. Sitzen sie im Theater,

einer Vorlesungen oder einem

Meeting, leiten die Anwender die

Mitteilung über das Kontextmenü an

Apps wie Transcriber for WhatsApp

(Android) oder Audio to Text for

WhatsApp (iOS) weiter. Die kleinen

Programme wandeln gesprochene

in geschrieben Worteum. BeiBedarf

kann der User die generierte Textnachricht

wieder in WhatsApp kopieren.

Wenn die Nachricht in einer

ruhigeren Umgebung aufgezeichnet

wurde, funktioniert die automatische

Transkription erstaunlich gut.

Weitere acht Whatsapp-Tricks finden Interessierte

auf der Webseiteder BerlinerZeitung.

Daniel Dangelmaier

schreibt seit mehr als

18 Jahren über Digitales.

Die App ClearviewAInutzt das komplette Foto- und Videomaterial von Facebook und YouTube. Jedes Gesicht weltweit kann verglichen werden.

Googel mal die Frau da drüben!

Wielange kann man in Europa noch unerkannt auf die Straße gehen? Clearview kennt fast jeden

VonMatthias Koch und Damir Fras

Sundar Pichai, geboren in Indien

und berufstätig in den

USA, hat eine neue, sehr

wichtige Schlüsselregion für

sich und sein Unternehmen entdeckt:

Europa.

In Brüssel fand er sich am Montag

vor einem Lunchbüfett wieder. Pichai

war der Star der Veranstaltung.

Der 47-Jährige ist einer der mächtigsten

Manager auf dem gesamten

Globus. Erführt nicht nur Google,

sondern auch den Dachkonzern Alphabet.

Dessen Börsenwert stieg zu

Jahresbeginn erstmals auf mehr als

1000 Milliarden US-Dollar. In solchen

Flughöhen beginnt ein neues

Denken.

In Brüssel ließ er etwas erkennen,

das man bei Managernvon US-Konzernen

nur sehr selten sieht: Mutzur

Langsamkeit. Gesichtserkennungsprogramme

zum Beispiel, sagte Pichai,

werde Google weiterhin nicht

anbieten –obwohl die Technologie

längst zur Verfügung steht. „Diese

Programme sind beladen mit lauter

Problemen.“ Ausdrücklich äußerte

Pichai Verständnis für ein Moratorium

in der EU: „Es ist Sache der Regierungen,

den Kurs vorzugeben.“

Google sucht Führung: Dasist neu

Doch Pichai ist mit seiner fragenden,

fast demütigen Grundhaltung nicht

allein. Immer mehr amerikanische

Konzernchefs verbeugen sich derzeit

höflich vor den Europäern. Dabei

mischen sich echte Diskussionsbereitschaft

und schlichtem Eigennutz.

Denn die EU ist aus Sicht globaler

High-Tech-Giganten doppelt

interessant. Erstens reguliert sie die

Zugänge zu einem hoch entwickelten

Markt mit 500 Millionen Menschen.

Zweitens beweisen die Brüsseler

immer wieder einen weltweit

einzigartigen politischen Mut, bloße

Marktregelungen gleich auch mit

Regelungen zum Schutz der Menschenwürde

und der Freiheitsrechte

zu verbinden.

Auch bei allen Regeln zur künstlichen

Intelligenz (KI), ließ die neue

EU-Kommissionspräsidentin Ursula

von der Leyen frühzeitig wissen,

könnten sich die Konzerne schon

mal auf „ein koordiniertes Vorgehen

der EU“ einstellen. Mehr denn je

werde esdabei auch um „ethische

Fragestellungen“ gehen. Alle Beteiligten

in Brüssel wissen: Die wahrhaft

spannenden ethischen Grundsatzfragen

sind in der Vergangenheit

noch gar nicht berührtworden.

Bei den von Vestager verhängten

Milliardenstrafen gegen Google etwa

ging es lediglich um Wettbewerbsverzerrungen;

der Konzern hatte

zum Beispiel Produkte, andenen er

selbst beteiligt ist, in seinen Suchmaschinen

begünstigt.

Das Thema Gesichtserkennung

indessen führt einen großen, einen

ungeheuren Schritt weiter -ineine

ganz neue Richtung. Bislang wurde

Datenschutz nur für denjenigen

zum Thema, der selbst in der digitalen

Welt aktiv wurde, etwa indem er

in eine Suchmaschine einen Begriff

eingab oder bei einem Onlinedienst

etwas bestellte.

Künftig aber könnte es schon reichen,

aus der Tür zu treten und mal

eben über die Straße zu gehen, um

im weltweiten Netz eine Datenspur

zu hinterlassen –bis in alle Ewigkeit

und rund um die Welt verfolgbar.

Auf Knopfdruck könnten Facial-

Recognition-Apps auch im freien

Westen Datenberge aufhäufen wie

im streng kontrollierten Polizeistaat

China. Bestimmte Pixelkonfigurationen

von Augen, Mund und Nase ergeben,

erstens, die Identität der Person.

Über GPS-Daten kommt zweitens

der genaue Orthinzu. Als drittes

wirddie Uhrzeit abgespeichert–fertig

ist das Überwachungsdokument.

Wasist das am Ende für eine Gesellschaft,

die Millionen oder gar

Milliarden solcher Pakete zusammenschiebt?

Fühlt man sich darin

am Ende angenehm sicher? Oder

eher wie eine Laborratte?

DieEU-Kommission sieht die Gefahren

–und drückt erstmal auf die

Bremse.Ein Moratorium vondreibis

fünf Jahren wird ineinem Papier erwogen,

das Vestager im Februar vorstellen

will. Kernpunkte daraus wurden

schon vorabbekannt,

Die Technologie zur Gesichtserkennung

ist längst da. Milliarden

Menschen nutzen sie schon, etwa im

Programm fürs private Fotoarchiv.

Ordnet man einem Gesicht einen

Namen zu, kann das Programm

schnell alle weiteren auf dem Handy

oder in der Cloud gespeicherten Fotos

finden, auf denen diese Person zu

sehen ist.

Aus dem Spiel wird allerdings

Ernst, wenn eine Appüber privat angelegte

Bilddateien hinausgreift,

sämtliche öffentlich verfügbaren Fotoszusammenkratzt.

Genau dies soll

die App Clearview AI schaffen –wobei

AI für Artificial Intelligence steht,

künstliche Intelligenz.

Die App nutzt laut „New York

Times „unter anderem das komplette

Foto- und Videomaterial der

Internet-Giganten Facebook und

YouTube. Jedes Gesicht könne auf

dieseWeise mit drei Milliarden andererGesichternverglichen

werden.

Im Fall einer Übereinstimmung

meldet die App, wo und in welchem

inhaltlichen Kontext die fragliche

Person bereits aufgetaucht ist.

Clearview versorgt nach eigenen

Angaben bereits „600 Behörden“ aus

dem Bereich Strafverfolgung mit ihrenProgrammen.

Wegen der Berichterstattung in

der “New York Times„ häufen sich

zwar die Suchen nach Clearview im

App-Store von Apple - doch eine

Nutzung durch einzelne Privatleute

ist bislang ausgeschlossen.

Eine kleine Zahl privater Firmen

soll ausnahmsweise bereits Zugang

„Gesichtserkennungsprogramme wird

Google nicht anbieten –obwohl die

Technologie längst zur Verfügung steht.

Diese Programme sind beladen

mit lauter Problemen.“

Sundar Pichai CEO von Google LLC sowie dessen Holding Alphabet Inc.

zu Clearview bekommen haben, „zu

Sicherheitszwecken“.

Einstweilen bleibt Clearview umweht

vom Odium des Obskuren.

Gründer Hoan Ton-That, Australier

mit asiatischen Wurzeln, arbeitete

schon mal als Model, betont in seinem

Internetauftritt, man könne ihn

mit „er“ und „ihn“ ansprechen und

fing seine digitale Laufbahn mit

Spielchen an, bei denen man Donald

Trumps gelbe Haare sich selbst oder

anderen auf den Kopf zaubern

konnte.

Zwei weitere Namen allerdings

ließen die No-Nonsense-Abteilung

der Internetszene aufmerken. Zu

den Clearview-Gründern gehört

auch RichardSchwartz, der lange für

den republikanischen Politiker Rudolph

Giuliani gearbeitet hat. Und

als sehr früher Investor bei Clearview

trat der Deutsche Peter Thiel auf, ein

Internetmilliardär, der auch in den

Anfängen von Facebook eine Rolle

spielte und zu den Gründern von

Paypal gehörte.

EinSprecher vonThiel sagte,Thiel

habe Clearview im Jahr 2017 mit nur

ISTOCKPHOTO/GUVENDEMIR

200000 Dollar unterstützt „und dafür

einen Anteil bekommen“.

Der Bericht der „New York

Times“-Reporterin Kashmir Hill

schlug mittlerweile weltweit Wellen.

Als gruselig wird nicht nur ihr Ausblick

auf „eine Welt ohne Privatsphäre,

wie wir sie kennen“, empfunden.

Hinzu kommt eine bedrückende

Begebenheit während der

Recherche: In einem Gespräch mit

Polizisten, die Clearview nutzten,

bat Hill, doch auch einmal ein Foto

von ihr hochzuladen – kurze Zeit

später rief die Firma bei der Polizeibehörde

an und fragte nach, ob sie

gerade Besuch vonder Presse habe.

DasUnternehmen Clearview gibt

sich zugeknöpft, eine Liste vonKunden

will es nicht vorlegen. Aufseiner

Webseite betont Clearview, esgehe

einzig und allein um die Bekämpfung

vonVerbrechen. Zitiertwirdauf

der Clearview-Seite ein namentlich

nicht genannter „Detective“ aus einer

„kanadischen Behörde zur Verfolgung

vonSexualdelikten“ mit den

Worten, Clearview sei „das Beste,

was in Sachen Identifizierung seit

langem passiertist“.

In Kalifornien wächst Widerstand

Politiker in den USA ziehen unterdessen

die Stirn kraus. US-Senator

Ron Wyden aus Oregon etwa, Mitglied

der Demokratischen Partei,

zeigte sich besorgt: „Amerikaner

müssten wissen, ob ihreFotos heimlich

in einer privaten Datenbank landen.“

Nach vielen Jahren schlichter

Technikbegeisterung hat an vielen

Stellen in den USA inzwischen ein

Umdenken eingesetzt. Besonders

die Aussicht auf eine massenhafte

Gesichtserkennung ist den Amerikanernnicht

ganz geheuer.

Ausgerechnet in den High-Tech-

Regionen Kaliforniens wuchs zuletzt

der Widerstand. So erklärte sich San

Francisco als erste Großstadt in den

USA zur gesichtserkennungsfreien

Zone. Ausgenommen wurden nur

Flughafen und Hafen. Mehrere

kleine Städte und diverse Universitäten

folgten. Derliberale Aktivist Matt

Cagle vonder Bürgerrechtsorganisation

American Civil Liberties Union

applaudierte: „Gesichtsüberwachung

passt einfach nicht zu einer

gesunden Demokratie.“

Jüngst musste San Francisco seinen

Bann allerdings ein bisschen

modifizieren. In einer Zusatzklausel

wurde die Entsperrung von Smartphones

per Gesichtserkennung vom

generellen Facial-Recognition-Verbot

ausgenommen. Ohne diese Veränderung

wäre die Regelung in San

Francisco auf ein Verbot der neuesten

Generation von iPhones hinausgelaufen.

Rund jeder achte Bundesbürger (13

Prozent) kann sich vorstellen, künftig

auch Fleisch aus dem 3D-Drucker

zu essen. Beidiesem Verfahren wird

mithilfe eines Lebensmitteldruckers

etwa aus Rinder-Zellen ein Stück

Fleisch produziert–massenmarkttauglich

ist diese Methode jedoch

noch nicht. Für 21 Prozent ist Fleisch

aus dem 3D-Drucker jedoch eher

nichts,62Prozent schließen es kategorisch

aus,Fleisch aus dem 3D-

Druckerzuprobieren. Dasist das Ergebnis

einer repräsentativen Umfrage

im Auftrag des Digitalverbands

Bitkom unter 1003 Bundesbürgern

ab 16 Jahren. (kk)

Datenklau durch Apps

zur Fotobearbeitung

Viele Apps,mit denen man seine Fotos

„verschönern“ kann, sind offenbar

nur auf die Daten ihrer Nutzer

aus.Und diese könnten direkt in

China landen, wie eine aktuelle Untersuchung

zeigt. Experten von„Cybernews.com“,

einer auf Datenschutz

spezialisierten Internetseite

aus Litauen, haben die 30 beliebtesten

Beauty-Kamera-Apps im Play

Storevon Google analysiert. Dabei

stellten sie fest, dass mehr als die

Hälfte der Apps ihren Ursprung in

China oder Hongkong haben. Die

Apps verlangen auf den Smartphones

oft umfangreichen Zugriff auf

Daten und Funktionen. DieApp

„Beauty Camera“ des Anbieters

Phila AppStore, mit mehr als einer

halben Million Downloads,greift sogar

ohne Zustimmung auf die Kamerazu.

(kk)

Roboterauto-Pionier

setzt auf Flugtaxis

Solche autonom fliegenden Flug-Taxis

will Thrun mit Kitty Hawk bauen. KITTY HAWK

Roboterauto-Pionier Sebastian

Thrun will nun mit Lufttaxis denVerkehr

in Großstädten revolutionieren.

„Die Vision sind Taxis,mit denen

man zur Arbeit fliegen wird, statt zur

Arbeit zu fahren“, sagte Thrun auf

der Innovationskonferenz DLD in

München. Deraus Deutschland

stammende Thrun stand vorüber

zehn Jahren an den Anfängen von

Googles Roboterwagen-Programm.

Aktuell ist er Chef der FirmaKitty

Hawk, die elektrische Flugmaschinen

entwickelt. Biszum Betrieb dieser

Lufttaxis würden weniger als 10

oder 15 Jahrevergehen, sagte Thrun.

ZurVision gehört, dass die Maschinen

autonom fliegen. „Das ist in der

Luft leichter umzusetzen als auf der

Straße,soThrun. Kitty Hawk wolle

zumindest am Anfang auch einen eigenen

Flugtaxi-Service haben. (dpa)

In Zukunft zahlen wir

durch Handauflegen

Handelsriese Amazon spricht laut

„Wall Street Jo