Berliner Zeitung 05.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

Soziologe Heinz Bude über die alten Stärken der SPD –und deren Zukunft – Feuilleton Seite 22

Neil Young

in der

Waldbühne

Seite 21

16°/21°

Starkbewölkt

Wetter Seite 2

Der späte Wahlkampf der

Ursula von der Leyen

Tagesthema Seite 2, Leitartikel Seite 8

www.berliner-zeitung.de

Die Macher der neuen Revue

im Friedrichstadt-Palast

Berlin Seite 10

Freitag,5.Juli 2019 Nr.153 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Wolf Biermann singt in der

Stasiopfer-Gedenkstätte

Berlin Seite 15

Frankreich

Der

Hahnenstreit

vor Gericht

VonBirgit Holzer

Hahn Maurice von der französischen

Atlantikinsel Île d‘Oléron

hat einen angenehmen Sommer vor

sich. Er darfkrähen, ohne dass ihn irgendjemand

davon abhält –weder

seine Besitzer noch die Nachbarn,

die Klage eingereicht haben, und

vorerst auch kein Gericht. Ob das

aber so bleibt, wird ein Gericht entscheiden.

Am Donnerstag

fand ein Prozess

um Frankreichs

berühmtesten

Hahn und

sein morgendliches

Gekrähe

statt. Das Urteil

Maurice wird am5.September

fallen.

kräht sehr laut.

Darf er das? Eine Posse?

Nein, es geht um

große grundsätzliche Fragen. Welchen

Raum dürfen ländliche Traditionen

einnehmen? Was wiegt

schwerer:Das Recht auf Ruhe –oder

das Recht, sich ein Prachttier zu halten,

das den Tagmit einem kraftvollen

Kikeriki –auf Französisch „Cocorico“

–beginnt? Und wenn ja, wie

früh darf erdas tun? Große Fragen

eben.

Bei der Verhandlung fehlten die

Kläger, ein Rentnerehepaar aus dem

Limousin. „Meine Mandanten sind

ruhige und bescheidene Leute, die

das Krähen dieses Hahns um fünf

Uhr morgens stört“, sagte ihr Anwalt

Vincent Huberdeau. Seit Jahren

komme das Ehepaar Biron regelmäßig

auf die beliebte Erholungsinsel,

wo sie seit 2004 eine eigene Urlaubsresidenz

in einerWohnsiedlung besitzen.

Seit 2017 aber fühlten sie sich gestört

von Maurices frühmorgendlichem

Geschrei in seinem Stall, der

sich neben ihrem Schlafzimmer befindet.

Huberdeau zufolge versuchten

sie es erst im Guten, sprachen mit

den Hahnbesitzern, schrieben dem

Bürgermeister, der nicht antwortete,

bis sie Klage einreichten.

Maurices Besitzerin Corinne Fesseau,

die seit ihrer Geburtindem kleinen

Ortlebt, sagt, keiner der anderen

Nachbarn fühle sich gestört. Sie verdunkelte

Stall, dichtete ihn mit Kartons

ab und öffne ihn erst um 8.30

Uhr: „Mehr kann ich nicht tun, alles

anderewäreMisshandlung.“ Fesseau

gründete inzwischen einen Verein,

um „natürlich in erster Linie meinen

Hahn zu beschützen, aber auch das

Landleben allgemein“, erklärt sie.

„Heute ist es der Hahn, morgen werden

es der Esel oder die Frösche sein!“

Es geht eben um Grundsätzliches.

Brand in Berliner

Einkaufscenter

In Lichtenberg gehen zwei Lagerhallen des bekannten

Dong-Xuan-Centers in Flammen auf. Die Feuerwehr ist stundenlang

beschäftigt. Die Ursache ist noch unklar. Berlin Seite 11

Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer?

NacheinerUmfrage sind zwei Drittelder Deutschen für die Vorgabe. Unfallversicherer fordernFahrprüfung

VonRasmus Buchsteiner und

Peter Neumann

Sie sind klein, flink –und sie

können gefährlich sein.

Elektrische Tretroller, kurz

E-Scooter, sind seit Mitte

Juni in Deutschland legal. Auch in

Berlin sind sie unterwegs.Weil es immer

wieder Unfälle gibt, wird über

eine Helmpflicht für die Fahrer diskutiert.

Doch der Deutsche Städteund

Gemeindebund ist dagegen. „E-

Scooter sind im Straßenverkehr den

E-Bikes weitgehend gleichgestellt.

Daher sollte auch bei den Scootern

auf eine Helmpflicht verzichtet werden“,

sagte Hauptgeschäftsführer

Gerd Landsbergder Berliner Zeitung

(RedaktionsnetzwerkDeutschland).

„Es kommt vielmehr darauf an,

die Benutzer für mögliche Gefahren

zu sensibilisieren und an die Eigenverantwortung

zu appellieren“,

sagte er.„Wersich schützen möchte,

sollte sowohl auf einem E-Scooter

als auch auf einem E-Bike einen

Helm tragen. Grundsätzliche Verbote

sind allerdings nicht zielführend,

zumal die Einhaltung nur mit

großem Aufwand zu kontrollieren

wäre.“ Landsberg spricht an, was

auch bei der Polizei immer wieder

ins Feld geführt wird: Die E-Scooter,

von denen es mittlerweile in Berlin

mehrere Tausend gibt, sind schwer

unter Kontrolle zu halten.

Am Donnerstag veröffentlichte

die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung,

Spitzenverband der Berufsgenossenschaften

und Unfallkassen,

dazu einige Hinweise.Für E-Scooter-

Fahrer gelten dieselben Alkoholgrenzwerte

wie für Kraftfahrer (0,5 Promille).

Zudem dürften die Kleinstfahrzeuge

nur allein genutzt wird –

eine Regel, die häufig ignoriert wird.

„E-Scooter werden nur dann eine

sinnvolle Ergänzung unserer Mobilität

sein, wenn sie möglichst sicher im

Straßenverkehr genutzt werden können.

Wir hätten deshalb eine obligatorische

Prüfung für die Fahrerinnen

und Fahrer begrüßt“, sagte Stefan

Hussy,Hauptgeschäftsführer desVerbands.„Jeder

und jede sollte prüfen,

ob sie das Gerät beherrschen, bevor

sie am Straßenverkehr teilnehmen.

Zureigenen Sicherheit empfehlen wir

„E-Scooter sind den E-Bikes weitgehend

gleichgestellt. Daher sollte auch bei E-Scootern

auf Helmpflicht verzichtet werden.“

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes

auch einen Helm. DerVerkehrsraum

wirdimmer enger.“ Nach einer ersten

Bilanz der Berliner Polizei gab es in

den vergangenen beiden Wochen,

seit es die E-Scooter in Berlin gibt,

fünf Unfälle mit Rollern, die vonFahrern

verursacht wurden. Viermal gab

esVerletzte.

Zwei Drittel der Deutschen befürworten

eine Helmpflicht für die

Elektrotretroller,ergab eine Umfrage

des Meinungsforschungsinstituts

Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen.

49,2 Prozent der Befragten

sprachen sich dafür aus,eine solche

Pflicht „auf jeden Fall“ umzusetzen,

16,9 Prozent beantworteten die

Frage mit „eher ja“. Rund jeder

Fünfte lehnte eine Helmpflicht ab.

„Viele Kunden, die sich so einen

E-Tretroller mieten, haben keine

Fahrpraxis“, sagte etwa Stefan Drescher,

Leiter der Verkehrsunfallprävention

der Berliner Polizei, dem Tagesspiegel.

„Sie sollten den Umgang

mit den Geräten an einer ruhigen

Stelle üben und sich mit dem Fahrzeug

vertraut machen, bevor sie sich

in den fließenden Verkehr einreihen“,

so Drescher: „Fahrer sollten

auf jeden Fall einen Helm tragen.“

Nach langem Streit insbesondere

mit der Fußgängerlobbyhat das Verkehrsministerium

die Nutzung von

elektrischen Tretrollern (Höchsttempo

20) erlaubt. Anders als zuvor

vorgesehen, sind die Gehwege für sie

tabu –was aber ebenso wenig beachtet

wirdwie dasVerbot, mit ihnen

in Grünanlagen zu fahren. Offiziell

gilt, dass E-Scooter Radwege benutzen

müssen –oder, woessie nicht

gibt, die Fahrbahnen.

DPA/PAUL ZINKEN

Umwelthilfe

darf weiter

abmahnen

Bundesgerichtshof erlaubt

bisheriges Vorgehen

Die vorallem vonder Autoindustrie

kritisierte Deutsche Umwelthilfe

(DUH) kann weiterhin ungehindert

abmahnen und klagen,

wenn Unternehmen gegen Verbraucherschutz-Vorschriften

verstoßen.

In einem Urteil vom Donnerstag

sprach der Bundesgerichtshof

(BGH) in Karlsruhe die Organisation

vomVorwurfdes Rechtsmissbrauchs

frei. Dafür gebe es keinerlei Anhaltspunkte,hieß

es zur Begründung. (Az.

IZR149/18)

Einvom Kfz-Gewerbe unterstützter

Autohändler hatte versucht, der

DUH vor den höchsten Zivilrichtern

Profitabsichten und unzulässige

Querfinanzierungen nachzuweisen.

Dabei ging es allenfalls indirekt um

die aufsehenerregenden Diesel-

Fahrverbote, die die Umwelthilfe

derzeit in etlichen Städten durchzusetzen

versucht. Diese Prozesse vor

den Verwaltungsgerichten führt sie

in ihrer zentralen Rolle als Umweltschutzorganisation.

Wie Verbraucherzentralen

Als sogenannte qualifizierte Einrichtung

darf die DUH aber auch darüber

hinaus Unternehmen abmahnen

und verklagen, die Schadstoff-

Grenzwerte nicht einhalten oder den

Stromverbrauch von Waschmaschinen

oder Kühlschränken falsch angeben.

In diesem Bereich genießt sie

denselben Status wie beispielsweise

die Verbraucherzentralen. Die Unklarheit

hat nun das Urteil beseitigt.

Nach eigenen Angaben mahnt die

Umwelthilfe jede Wocheetwa30Verstöße

ab und führtrund400 Gerichtsverfahren

im Jahr. Für die Organisation

eine wichtige Einnahme: Zuletzt

stammte gut einViertel der Jahreseinnahmen

aus der Marktüberwachung

–2017 waren das knapp 2,2 Millionen

Euro. Politik Seite 4

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2* Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Tagesthema

Ein Küsschen auf die linke

Wange,eines auf die rechte

Wange, eine Umarmung,

ein paar Klopfer auf den

Rücken: Die designierte EU-Kommissionspräsidentin

Ursula von der

Leyen (CDU) bekam am Donnerstag

in Brüssel das komplette Begrüßungsritual

von Amtsinhaber Jean-

Claude Juncker verabreicht. Fragen

der anwesenden Journalisten beantwortete

die CDU-Politikerin jedoch

nicht. Taktisch war das wahrscheinlich

richtig. Denn auf Fragen nach

dem Widerstand gegen ihre Nominierung

hätte vonder Leyen nur ausweichend

antworten können.

Im EU-Parlament rumortes. Viele

Abgeordnete sind wütend. Sie beklagten

am Donnerstag in Straßburg,

dass die EU-Staats- und Regierungschefs

das Parlament überfahren und

dessen Rechte missachtet hätten.

Weil sie keinen der Spitzenkandidaten

zur Europawahl als Juncker-

Nachfolger vorgeschlagen haben,

sonderndem Parlament die deutsche

Verteidigungsministerin vorgeschlagen

haben.

Die Hürde sind 376 Stimmen

EU-Ratspräsident Donald Tusk verteidigte

am Donnerstag im Straßburger

Parlament das Vorgehen der

Staats- und Regierungschefs. Diese

seien genauso demokratisch legitimiert

wie das Europaparlament,

sagte Tusk und forderte dazu auf, Ursula

von der Leyen zu unterstützen.

Ob das ausreichen wird, ist unklar.

Vonder Leyen, die eine Charmeoffensive

bei den europäischen Konservativen

in Straßburg begonnen

hat, kann sich einer Mehrheit im Parlament

bei der Wahl in der übernächsten

Woche noch nicht sicher

sein. Sie braucht 376 Stimmen, um

als erste Frau an die Spitzeder mächtigen

Brüsseler Behörde gewählt zu

werden.

Die Mehrheit der 182 konservativen

Europa-Abgeordneten wird sie

wohl wählen. Auch die Liberalen

(108 Mandate) dürften mehrheitlich

Ursula von der Leyen muss einen verspäteten Wahlkampf für sich führen

Ursula von der Leyen wird von ihrem möglichen Vorgänger,EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker,herzlich bergrüßt.

für von der Leyen stimmen. Sie bekommen

mit dem Belgier Charles

Michel den neuen EU-Ratspräsidenten.

Die liberale Margrethe Vestager

soll Stellvertreterin von der Leyens

mit einer herausgehobenen Funktion

in der EU-Kommission werden.

Wie die europäischen Sozialdemokraten

(154 Abgeordnete) ab-

Europäische Union

Auf Bewerbungstour

VonDamir Fras, Brüssel

AP/VIRGINIA MAYO

stimmen werden, war noch unklar.

Ein Treffen mit von der Leyen war

erst für übernächste Woche kurz vor

der Abstimmung geplant. Die 16

deutschen Europa-Abgeordneten

von der SPD schienen entschlossen,

nicht für die CDU-Politikerin zu

stimmen. Ob das auch für den Rest

gilt, blieb unklar. Aus Fraktionskreisen

hieß es allerdings, die Mehrheit

der Abgeordneten sei erbost über die

Artund Weise,wie die Spitzenkandidaten

abserviertworden seien.

Möglicherweise wirdsich aber am

Ende doch eine Mehrheit finden.

Schließlich ist der Sozialdemokrat

David Sassoli aus Italien neuer EU-

Parlamentspräsident, und der Sozialdemokrat

Frans Timmermans aus

den Niederlanden soll eine ArtSuper-

Kommissar werden. DerSozialdemokrat

Josep Borrell aus Spanien ist für

den Posten des Hohen Beauftragten

für die EU-Außenpolitik vorgesehen.

Auch das Wahlverhalten der Grünen

(75 Abgeordnete) ist ungewiss.

Beider Grünen-Spitzewirddie designierte

Kommissionspräsidentin am

Montag erwartet. Viele Abgeordnete

sind extrem verärgert über das Vorgehen

der Staats- und Regierungschefs.

Allerdings wies Grünen-Fraktionschef

Philippe Lamberts darauf

hin, dass auch das Parlament einen

Teil der Verantwortung trage.

Schließlich sei es weder dem konservativen

Spitzenkandidaten Manfred

Weber (CSU) noch seinem sozialdemokratischen

Mitbewerber Frans

Timmermans gelungen, eine Mehrheit

zu finden.

Am Ende könnte es auf die Stimmen

der Grünen ankommen, damit

vermieden wird, dass von der Leyen

womöglich auf Stimmen der Europa-Kritiker

und Populisten im Parlament

angewiesen ist. EU-Ratspräsident

Donald Tusk schien das im

Sinn gehabt zu haben, als er am

Donnerstag im Straßburger Parlament

an von der Leyen appellierte,

die Grünen einzubinden. Das werde

er der designierten Kommissionspräsidentin

auch persönlich sagen,

so Tusk. Für den Nachmittag war ein

Treffen in Brüssel geplant.

Die Grünen wollen erst Inhalte

sehen, bevor sie sich entscheiden. Es

gebe noch keinen Beschluss der

Fraktion dazu, sagte der Europa-Abgeordnete

Reinhard Bütikofer der

Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). Persönlich fordere

erjedoch, dass das Europaparlament

ein Initiativrecht für Gesetze

bekomme.„DasParlament muss bei

außenpolitischen Entscheidungen

genauso eingebunden werden, wie

das bei den Brexit-Verhandlungen

der Fall war“, sagte Bütikofer weiter.

Die EU-Seenotrettungsmission im

Mittelmeer müsse wiederbelebt

werden. Zudem müsse eine CO 2 -

Steuer in der EU eingeführt werden.

„Wir brauchen auch einen neuen

Rechtsstaatsmechanismus in der

EU, um den Rechtsstaat auch dortzu

verteidigen, wo nationale Regierungen

gegen ihn verstoßen“, so Bütikofer,

der Vorsitzender der europäischen

Grünen-Partei ist.

Große Koalition

Grummeln in der SPD

VonTobias Peter

Lässt die SPD die große Koalition

daran platzen, dass Bundesverteidigungsministerin

Ursula von der

Leyen (CDU) EU-Kommissionspräsidentin

werden soll? „Ich gehe nicht

so weit“, sagte die kommissarische

SPD-Vorsitzende Malu Dreyer im

ZDF. „Denn ich kann Frau Merkel

nicht vorhalten, dass sie sich nicht

entsprechend des Koalitionsvertrages

verhalten hätte“, fügte Dreyer

hinzu. Schließlich habe sich die Bundeskanzlerin

im Europäischen Rat

enthalten, sagte die rheinland-pfälzische

Ministerpräsidentin.

Worum geht es? Die Staats- und

Regierungschefs der EU haben sich

auf Ursula vonder Leyen als künftige

Kommissionspräsidentin verständigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

(CDU) ist die Einzige, die im Europäischen

Rat nicht zustimmen

konnte, sondern sich enthalten

musste.Denn die SPD als Koalitionspartner

in der Bundesregierung hat

der Personalie nicht zugestimmt.

Die SPD-Spitze betont, es gehe

nicht um die Person von der Leyens,

sondern ums Prinzip –ums Spitzenkandidaten-Prinzip.

„Mit Frans Timmermans,

Manfred Weber und Margrethe

Vestager sind drei veritable

Kandidaten bei der Europawahl angetreten,

um die EU-Kommission künftig

zu führen“, hatten die kommissarischen

SPD-Chefs Malu Dreyer,Thorsten

Schäfer-Gümbel und Manuela

Schwesig in ihrer Begründung zur Ablehnung

des Personalvorschlags mitgeteilt.

Dasnun keiner dieser drei zum

Zuge kommen solle, könne nicht

überzeugen, fuhren sie fort.

Der frühere SPD-Chef Martin

Schulz sagte: „Frauvon der Leyen ist

das erfolgloseste Mitglied der Bundesregierung.“

Der ehemalige Au-

Der SPD-Abgeordnete Sigmar Gabriel sieht in der Nominierung von der Leyens einen

Verstoß gegen die Regeln der Bundesregierung.

DPA

ßenminister Sigmar Gabriel, wie

Schulz heute ohne wichtiges Amt in

der SPD,sagte dem Nachrichtenmagazin

DerSpiegel: „Wenn Merkel von

der Leyen ohne Kabinettsbeschluss

benennt, ist das ein klarer Verstoß

gegen die Regeln der Bundesregierung

–und ein Grund, diese Regierung

zu verlassen.“

Gabriels Argumentation: Vonder

Leyen könne nur zur Kommissionspräsidentin

ernannt werden, wenn

zuerst die Bundesregierung sie als

Kommissarin benennen würde. Die

Bundesregierung sieht das anders.

Es sei Sache des EU-Rates, dem Europaparlament

eine Kandidatin oder

einen Kandidaten für das Amt des

Kommissionspräsidenten vorzuschlagen,

sagte Regierungssprecher

Steffen Seibert. So sieht es auch die

SPD-Spitze.

Doch was bedeutet das langfristig

für die große Koalition? Für die CDU

dürfte alles in Ordnung sein, solange

vonder Leyen im Europäischen Parlament

bestätigt wird –ob mit oder

ohne deutsche SPD-Stimmen. Sich

dortumeine Mehrheit zu bemühen,

ist jetzt von der Leyens Aufgabe. Abgestimmt

wirdamEnde geheim –die

deutschen Sozialdemokraten stellen

16 voninsgesamt 751 Abgeordneten.

Und was ist mit der CSU, deren

Chef Markus Söder von einer „echten

Belastung“ für die Koalition gesprochen

hat? Söder kritisierte, die

SPD habe dafür gesorgt, „dass

Deutschland als einziges Land im

Rat nicht für Deutschland sein

kann“. Das ist harte Kritik –aber die

gehört in dieser großen Koalition

durchaus zum Regierungsalltag.

Schwerwiegender klingt, was

Juso-Chef Kevin Kühnert gesagt hat.

Er steht für die in der SPD, die das

Bündnis mit der Union von Anfang

an abgelehnt haben. Die Personalie

trage nicht dazu bei, „dass es die

große Koalition am Ende des Jahres

noch gibt“, sagte Kühnert, bei dem

viele in der SPD gespannt darauf

warten, ob er für den Parteivorsitz

kandidiert, dem SWR.

Kühnert stellte klar, erwerbe damit

ausdrücklich nicht für einen sofortigen

Ausstieg aus der großen Koalition.

Er verwies aber auf die Halbzeitbilanz,

um die es auf dem Parteitag

der SPD im Dezember gehen soll.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute lassen Wolken mitunter teils Regenfälle zurück. Dabei steigen die

Höchsttemperaturen auf 20 bis 23Grad, und der Wind weht mäßig aus

westlichen Richtungen. Inder Nacht werden 13 bis 11 Grad erwartet.

Dazu ziehen gebietsweise Wolken vorüber, dazwischen zeigen sich die

Sterne.

Biowetter: Die Witterung regt die

Durchblutung und den Stoffwechsel

an. Sie sorgt für ein relativ gutes

Wohlbefinden und bringt erhöhte Arbeitsleistung

sowie verbessertes 15°/22°

Wittenberge

Konzentrationsvermögen mit sich.

Pollenflug: Der Flug von Linden-,

Sauerampfer-, Brennnessel-, Spitzwegerich-

und Gräserpollen ist

mäßig bis stark. Gänsefußpollen

fliegen schwach bis mäßig.

Gefühlte Temperatur: maximal 21Grad.

Wind: mäßig aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

15°/21° 16°/21°

Luckenwalde

14°/23°

Prenzlau

13°/20°

Cottbus

14°/21°

Sonnabend

Sonntag

Montag

Regen stark bewölkt Regenschauer

14°/18° 11°/17° 10°/19°

Frankfurt

(Oder)

15°/22°

Zwischen dem schwächelnden Hoch Winnie westlich der Britischen Inseln und

einem ausgeprägten Tiefdrucksystem über Skandinavien und dem nördlichen

Baltikum wird weiterhin kühle Luft ins nördliche Mitteleuropa geführt. Sommerliches

Wetter wird dagegen von Süden her bis nach Westeuropa transportiert. Einige

Gewitter treten in Südosteuropa auf.

Sylt

13°/19°

Hannover

13°/21°

Köln

14°/26°

Saarbrücken

14°/28°

Konstanz

15°/31°

Hamburg

14°/18°

Erfurt

13°/23°

Frankfurt/Main

17°/29°

Stuttgart

15°/27°

Rügen

13°/19°

Rostock

14°/18°

Magdeburg

16°/21°

Nürnberg

14°/25°

München

15°/27°

Dresden

14°/23°

Deutschland: Heute gibt es Sonne,

Wolken und stellenweise auch etwas

Regen, und die Temperaturen klettern

amTage auf 18 bis 31 Grad.

Nachts gehen die Wertedann auf

16 bis 11Grad zurück. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus westlichen

Richtungen. Morgen scheint

zeitweise die Sonne. Vereinzelt fällt

Regen aus dichten Wolken. Die Temperaturen

erreichen Wertevon

16 bis 33Grad, und der Wind weht

schwach bis mäßig aus West.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-18°

Nordsee: 16°-18°

Mittelmeer: 24°-31°

Ost-Atlantik: 16°-20°

Mondphasen: 09.07. 16.07. 25.07. 01.08.

Sonnenaufgang: 04:50 Uhr Sonnenuntergang: 21:31 Uhr Mondaufgang: 07:50 Uhr Monduntergang: 23:36 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

23°

Madrid

34°

Reykjavik

16°

Dublin

20°

London

27°

Paris

28°

Bordeaux

35°

Palma

33°

Algier

37°

Nizza

30°

Trondheim

10°

Oslo

22°

Stockholm

19°

Kopenhagen

19°

Berlin

21°

Mailand

31°

Tunis

36°

Rom

33°

Warschau

18°

Wien

29° Budapest

29°

Palermo

34°

Kiruna

15°

Oulu

15°

Dubrovnik

30°

Athen

35°

St. Petersburg

18°

Wilna

17°

Kiew

23°

Odessa

25°

Varna

27°

Istanbul

32°

Iraklio

31°

Archangelsk

15°

Moskau

20°

Ankara

28°

Antalya

37°

Acapulco 36° heiter

Bali 31° Schauer

Bangkok 31° bedeckt

Barbados 29° wolkig

Buenos Aires 10° wolkig

Casablanca 23° heiter

Chicago 34° wolkig

Dakar 26° sonnig

Dubai 39° heiter

Hongkong 34° Gewitter

Jerusalem 34° sonnig

Johannesburg 18° sonnig

Kairo 36° sonnig

Kapstadt 18° heiter

Los Angeles 21° sonnig

Manila 32° heiter

Miami 34° wolkig

Nairobi 27° wolkig

Neu Delhi 44° heiter

New York 30° heiter

Peking 34° Schauer

Perth 15° Regen

Phuket 33° wolkig

Rio de Janeiro 19° Schauer

San Francisco 22° wolkig

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 27° Gewitter

Singapur 34° Gewitter

Sydney 18° Schauer

Tokio 29° bewölkt

Toronto 32° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 3 *

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Seite 3

Bericht der Sklavin

Voll verschleierte Frauen auf einer Kundgebung in Deutschland, bei der ein radikaler Prediger auftrat

DPA/BORIS ROESSLER

Wann sie denn geboren sei, will

der Vorsitzende Richter Reinhold

Baier vonder Zeugin wissen.

Nora T. schweigt, dann

sagt sie ein paar kurze Worte auf Kurmandschi,

das ist eine nordkurdische Sprache.„Sie

kann sich nicht erinnern“, übersetzt die Dolmetscherin.

„Hm“, sagt Richter Baier und

schaut ein wenig ratlos,was er noch häufiger

an diesem Tagtun wird. „In Ihrem Ausweis

steht das Geburtsdatum 13. 2. 1972“, hakt er

nach. Wieder sagt Nora T. etwas,was die Dolmetscherin

auf Deutsch wiedergibt: Das

könne stimmen, aber sie habe keine Erinnerung.

Es ist eine heikle Konstellation, die der 8.

Strafsenat des Münchner Oberlandesgerichts

an diesem und den folgenden Verhandlungstagen

bewältigen muss. Dasitzt

auf der Anklagebank eine 28-jährige Deutsche,

adrett gekleidet im dunklen Hosenanzug

und weißer Bluse, die Haare hochgesteckt.

Diese Jennifer W. aus Niedersachsen

war 2014 nach Syrien ausgereist und hatte

sich dort der Terrortruppe des sogenannten

Islamischen Staates,kurz: IS, angeschlossen.

Drei Meter entfernt von ihr, direkt vor ihrenAugen,

hat Nora T. Platz genommen. Die

kleingewachsene jesidische Kurdin ist jahrelang

in Gefangenschaft gewesen, sie wurde

von IS-Kämpfern als Sklavin gehalten,

musste deren Haushalt besorgen und ihnen

auch sexuell zu Diensten sein. Auch für Jennifer

W. und deren Ehemann, ein IS-Kämpfer,

soll sie Sklavenarbeit verrichtet haben.

Und noch schlimmer: An einem heißen

Sommertag im Jahre 2015 musste Nora T.

nach ihren Angaben hilflos mit ansehen, wie

das IS-Ehepaar seine fünfjährige Tochter im

Hofdes Grundstücks ankettete und verdursten

ließ.

MehrerePersonenschützer

Nun, vier Jahre später, sitzen sie also an diesem

Donnerstag im Oberlandesgericht so

nah beieinander und versuchen doch, jeden

Blickkontakt zwanghaft zu vermeiden: Jennifer

W.,der die Anklage Mord durch Unterlassen,

Sklaverei, Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

und Mitgliedschaft in

einer ausländischen terroristischen Vereinigung

vorwirft. UndNoraT., eine schwer traumatisierte

Frau, von deren Aussage ein späteres

Urteil wesentlich abhängen wird. Überzeugt

die Augenzeugin das Gericht, droht der

Angeklagten Jennifer W. eine lebenslange

Haft. Deshalb muss Nora T. vom Gericht einer

genauen Prüfung unterzogen werden,

was ihre Glaubwürdigkeit und ihr Erinnerungsvermögen

anbelangt.

Vier Verhandlungstage lang nimmt sich

das Gericht Zeit dafür.Und wenn man länger

brauchen sollte, umdie Aussage der Zeugin

auf Schlüssigkeit und Widersprüche zu prüfen,

dann würden eben noch weitere Tage

rangehängt, stellt Richter Baier am Donnerstag

gleich zu Beginn der Verhandlung klar.

VorGericht erscheint Nora T.,eine kleingewachsene,

etwas untersetzte Frau, in einem

schweren dunklen Stoffkleid. Um den

Kopf hat sie ein violettes Tuch geschwungen.

Jennifer W.,die erste deutsche IS-Rückkehrerin,

steht in München vor Gericht. Sie habe in Falludscha ein fünfjähriges

Mädchen verdursten lassen, heißt es in der Anklage.

Nora T. istdie Mutter dieses Kindes, sie sah die Tochter sterben. Und ist

nun als Zeugin geladen. Sie selbst wurde vom IS gefangen gehalten,

gekauft und verkauft, gequält. Und musste auch Jennifer W. dienen

VonAndreas Förster,München

Wenn sie den Raum betritt oder ihn zur

Pause verlässt, wickelt sie sich das lange Tuch

vordas Gesicht, sodass nur die Augen zu sehen

sind. Aber einen Blick auf die Jesidin erhascht

man ohnehin kaum, weil gleich mehrere

zivile Personenschützer um sie kreisen,

kaum dass sie sich vomZeugenstuhl erhebt,

um sie vor den Zuhörerbänken abzuschirmen.

Nora T. ist eine gefährdete Person, weshalb

auch die Medien übereingekommen

sind, nicht ihren vollständigen Namen zu

veröffentlichen. Der ISund wohl auch seine

Gefolgsleute hierzulande würde einiges dafür

geben, die Zeugin zum Schweigen zu

bringen.

Denn Nora T. hat viel zu erzählen aus eigener

Anschauung über die Menschenverachtung

und Gräuel der Terrororganisation.

Mehrere Jahre lang war sie in Gefangenschaft,

sie kennt die Namen ihrer Peiniger,

die Orte von Folter und Verbrechen. Ihre

Tochter –„Sie war ein hübsches Mädchen“,

sagt sie einmal kurz andiesem Tag–ist tot,

ihr älterer Sohn, heute zwölf Jahrealt, ist seit

vier Jahren von ihr getrennt. Der IShält ihn

vermutlich als Kindersoldaten in Syrien gefangen.

Vonihrem Mann hat sie seit Jahren

nichts gehört, er ist wahrscheinlich tot. Nur

ihrem mittleren Kind, ein Junge, ist mithilfe

anderer die Flucht nach Deutschland gelungen.

Er ist ihr als Einziger geblieben, sagt sie.

Nora T. stammt aus Kodscho, einem Dorf

im Nordirak. Sechs Geschwister hatte sie. In

Kodscho ging sie auch zur Schule, vier Jahre

lang. Auf die Frage des Richters sagt sie, sie

könne weder schreiben noch rechnen. Daheim

habe sie im Haushalt arbeiten und auf

dem Bauernhof der Familie aushelfen müssen.

Das Dorf Kodscho hatte einmal 2000

Einwohner,überwiegend Bauern und Schafzüchter

mit ihren Familien. „Heute lebt dort

niemand mehr“, sagt Nora T. vorGericht.

Tatsächlich hat der IS den Ort am15. August

2014 ausradiert: Rund 600 jesidische

Männer wurden bestialisch ermordet, über

1000 Kinder und Frauen aus Kodscho entführt.

DieJungen wurden zu Kindersoldaten

ausgebildet, die Frauen und Mädchen als

Sklavinnen gehalten und sexuell missbraucht.

Nora T. war noch vor dem Überfall des IS

die Flucht mit ihren Kindern aus dem Heimatdorf

gelungen. Auch mehrere Angehörige

der Familie ihres Ehemannes waren dabei.

Ihr eigener Mann jedoch wollte nicht

mit, er blieb im Dorf, wohl um den Bauernhof

der Familie zu beschützen.Vermutlich ist

er dem IS-Massaker im August 2014 zum Opfer

gefallen.

Doch auch Nora T. und ihre Familie entkamen

dem IS nicht. Schon kurz nach ihrer

Flucht gerieten sie in die Gefangenschaft der

Islamisten. Sie wurden durch mehrere Gefängnisse

gereicht, bis sie in Mossul ankamen.

Einen Monat lang seien sie dortgewesen,

erzählt die Jesidin vor Gericht. Sie seien untergebracht

gewesen in einem großen Saal

im Erdgeschoss eines Hauses. Man habe sie

gezwungen, zum Islam zu konvertieren und

mit den IS-Kämpfernzubeten. Wersich weigerte,dem

drohte der Tod.

„Wir haben gesessen, wir

haben geweint,

wir haben darüber geredet,

was aus uns wird.

Und ich habe immer

wieder gefragt, wo mein

Mann ist.“

NoraT., Jesidin aus dem Nordirak, berichtet vor

einem Münchner Gericht über ihren

Leidensweg.

Washabe sie denn in Mossul den ganzen

Taggemacht, will der Richter vonNoraT.wissen.

„Wir haben gesessen, wir haben geweint,

wir haben darüber geredet, was aus

uns wird. Und ich habe immer wieder gefragt,

wo mein Mann ist“, sagt sie. Wen sie

denn gefragt habe, hakt der Richter nach –

den IS? Sie schüttelt den Kopf. „Nein, mich

und meine Familie habe ich gefragt.“

Immer wieder bohrt der Richter nach,

wiederholt Fragen zu Unterbringung, Zeiträumen

und den Familienangehörigen, die

in ihrer Begleitung waren. Als wolle er die

Zeugin dazu verleiten, sich in Widersprüche

zu verwickeln. Aber es steckt keine finstere

Absicht dahinter, das Gericht muss eben

ganz sicher sein, wie zuverlässig die wichtige

Zeugin ist. Woransie sich wirklich erinnert.

Man merkt dem häufig zögerlich fragenden

Richter Baier an diesem Tag an, wie

schwer ihm die Nachfragen fallen. Wie unwohl

er sich fühlt, die Erinnerung der Jesidin

an ihre Leiden und Qualen heraufzubeschwören.

Vielleicht befällt auch ihn wie so manchen

Zuhörer im Saal in manchen Momenten

eine bedrückende Assoziation. Denn so

wie Nora T. die Willkür der IS-Kader beschreibt,

die Trostlosigkeit in den Gefangenenlagern,

die Brutalität ihrermit Kalaschnikow

bewaffneten Bewacher, das ohnmächtige

Gefühl des Ausgeliefertseins an eine

Macht, die über ihre wahren Absichten die

Gefangenen im Dunkeln lässt, entstehen

beim Zuhörer im Kopf unwillkürlich Bilder,

die man aus den Filmen über die Verfolgung

unschuldiger Menschen in der NS-Zeit

kennt.

Ein solcher Moment entsteht zum Beispiel,

als Richter Baier nach den Männern

aus der Familie fragt, die mit Nora T. auf der

Flucht waren und lange Zeit mit ihnen gemeinsam

gefangen gehalten wurden.

In Mossul sei ihr Schwiegervater von einem

Tagauf den anderen weg gewesen, erzählt

sie.Abgeholt vomIS. Undwosei er hingebracht

worden? Das weiß ich nicht, ich

habe ihn nie wieder gesehen, sagt Nora T.

Hätten die Zurückgebliebenen denn darüber

geredet oder hätten sie die IS-Leute gefragt,

wo der Schwiegervater abgeblieben ist,

will der Richter wissen. Nein, antwortet die

Zeugin. Der Richter wundert sich: Da verschwindet

der Mann und die Familie redet

nicht darüber? Ja,sowar es,beharrtdie Zeugin

und schweigt. Baier schaut ungläubig,

aber dann wechselt er das Thema.

In Mossul sei sie vonihren beiden Söhnen

und dem Rest der Familie getrennt worden,

sagt Nora T. danach. Mit ihrer Tochter habe

man sie in einen Busgesetzt und nach Rakka

in Syrien gefahren. Dort sei sie dann von

wechselnden IS-Kämpfern gekauft und verkauft

worden. Sie musste den Haushalt führen,

kochen, putzen. Mehrfach sei sie verge-

waltigt worden, sagt die Zeugin aus. ImJuni

2015 sei sie dann nach Falludscha gebracht

worden, nachdem sie ein IS-Kämpfer mit

Kampfnamen AbuMaawa gekauft hatte.Der

Iraker war zu dieser Zeit Chef im IS-Bürofür

Geisteraustreibungen in Rakka. Nach ihrem

Eindruck habe der Mann aber nicht viel gearbeitet,

sagt Nora T. vor Gericht. Er sei

höchstens mal zum Beten in die Moschee gegangen,

sonst habe er sich viel daheim aufgehalten.

In dem Haus in Falludscha lernte sie die

Frau kennen, die nun auf der Anklagebank

sitzt –Jennifer W. AbuMaawa habe ihr,Nora

T.,erzählt, dass er die Frau einen Monat vorher

geheiratet hatte, sagt die Zeugin. Laut

Anklage war W. nach ihrer Hochzeit mit Abu

Maawa vom Ministerium für religiöse Angelegenheiten

in Dienst gestellt worden, das sie

der Hisbazuteilte,der Religions- und Sittenpolizei

des IS. Mindestens drei Monate lang

patrouillierte die Deutsche mit dem Kampfnamen

Sahida Al Gariba –was auf Deutsch

„Märtyrerin aus der fremden Familie“ heißt –

nun bewaffnet durch die Parks von Falludscha

und schüchterte Frauen ein „zur Einhaltung

der Verhaltens- und Bekleidungsvorschriften“,

wie es in der Anklageschrift

heißt.

Angekettet bei 45 Grad

Die Zeugin Nora T. kann diesen Anklagevorwurfvor

Gerichtaus eigener Anschauung jedoch

nicht bestätigen. Nach ihren Worten

habe die Frau nichts gemacht und das Haus

kaum einmal verlassen. Sie selbst habe in

dem Haus geputzt und Geschirr gespült. Damit

habe sie Abu Maawi beauftragt, weil er

sagte,dass sich seine Frau ausruhen soll. Der

Hausherr habe sie auch häufig geschlagen

und als Ungläubige beschimpft, sagt sie.

Auch die Tochter sei geschlagen worden.

Letzteres sei vor allem dann geschehen,

wenn das Kind zu laut gewesen ist und die

Ruhe der Frau gestörthabe,sagt Nora T. Abu

Maawi habe ihr eingeschärft, dass die Tochter

nicht in das Zimmer kommen dürfe,

wenn seine Frau schläft.

Noch nicht zur Sprachekommt an diesem

Verhandlungstag der Todder kleinen Tochter

von NoraT.Der Anklage zufolge soll sie Abu

Maawi an einem heißen Sommertag im August

2015 im Hof angekettet haben, wo das

Mädchen qualvoll verdurstete, nachdem es

den ganzen Tagder Sonne und Temperaturen

von 45 Grad ausgesetzt war. Jennifer W.,

die imHaus war an diesem Tag, griff nicht

ein, um dem Kind zu helfen, wirft die Staatsanwaltschaft

ihr vor.

Nora T. wird nun vor Gericht schildern

müssen, wie sie das Geschehen an jenem Augusttag

erlebte und dem Sterben ihrer Tochter

tatenlos zusehen musste – weil Abu

Maawi ihr verboten hatte, das Haus zu verlassen.

Andreas Förster war zum zweiten Mal

im Münchner Prozess. Und erschüttert

vonderAussageNoraT.s.


4* Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Antisemitismus ist für junge

Juden wachsendes Problem

Acht vonzehn jungen Juden in der EU

(81 Prozent) halten Antisemitismus

für ein Problem in ihrem Land. Laut

einem am Donnerstag veröffentlichten

Bericht der EU-Agentur für

Grundrechte sagen 83 Prozent der 16

bis 34 Jahrealten Juden, dass Antisemitismus

in den vergangenen fünf

Jahren zugenommen habe.Als besonders

problematisch werden dabei

Äußerungen im Internet angesehen:

89 Prozent der Befragten sagten, dass

Antisemitismus im Internet und in

sozialen Medien ein Problem darstelle.Auch

Rassismus wirdvon vier

vonfünf Befragten als Problem in ihremLand

angesehen. (dpa)

Bovenschulte soll Bremer

Regierungschef werden

Neuer Regierungschef in Bremen soll

SPD-Fraktionschef Andreas Bovenschulte

werden. Eine entsprechende

Empfehlung gab der SPD-Landesvorstand

am Donnerstag ab.Der Jurist

und langjährige Bürgermeister der

niedersächsischen GemeindeWeyhe

soll am Sonnabend bei einem außerordentlichen

Parteitag als Kandidat

für die Nachfolge des scheidenden

Bürgermeisters Carsten Sieling

(ebenfalls SPD) nominiertwerden.

Bovenschulte (53) war erst am 26. Mai

in die Bürgerschaft gewählt und am

24. Juni mit großer Mehrheit zumVorsitzenden

der SPD-Fraktion bestimmt

worden. (dpa)

Journalisten nach Bericht

über rechte Szene bedroht

Zwei Journalisten, die über die

rechtsextreme Szene in Dortmund

berichten, haben Briefe mit weißem

Pulver erhalten, das sich allerdings

als Backpulver herausstellte.Dem

waren Drohungen vorausgegangen.

Da die Polizei einen politischen

Hintergrund vermutet, hat die Soko

„Rechts“ die Ermittlungen übernommen.

(dpa)

Kalifornien: Frisur darf nicht

zu Diskriminerung führen

Dreadlocks und Zöpfe sind für viele Afroamerikaner

Ausdruck ihrer Identität. AP

Als erster US-Bundesstaat verbietet

Kalifornien jedwede Diskriminierung

aufgrund vonFrisuren: Einam

Donnerstag in beiden Parlamentskammerneinstimmig

verabschiedetes

Gesetz schützt das Tragen von

Afro-Frisuren und Dreadlocks in

Schulen und am Arbeitsplatz. Die

Maßnahme zielt vorallem gegen die

Diskriminierung vonAfroamerikanernwegen

ihrer Frisur. (AFP)

UN: Venezuela verletzt

Menschenrechte

UN-Menschenrechtskommissarin

Michelle Bachelet hat Venezuela

schwereMenschenrechtsverletzungen

vorgeworfen. Siegehe davon

aus,dass es in Venezuela in den vergangenen

Jahren Tausende außergerichtliche

Hinrichtungen gegeben

habe,erklärte Bachelet am

Donnerstag. In einem neuen Bericht

über die Menschenrechtslage

in Venezuela macht sie die Sonderpolizei

Faes für die Exekutionen verantwortlich

und fordertdie Regierung

in Caracas zur Auflösung der

Truppe auf. (dpa)

Zufriedener Sieger:Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, nach der Urteilsverkündung.

Die Umwelthilfe darf weiter klagen

Bundesgerichtshof: Überschüsse aus Abmahnungen sind kein Indiz für Missbrauch

VonChristian Rath, Karlsruhe

Die Deutsche Umwelthilfe

(DUH) verfolgt kein

rechtsmissbräuchliches

Geschäftsmodell. Das

stellte jetzt der Bundesgerichtshof

(BGH) in Karlsruhe fest. Damit unterlag

in letzter Instanz der Fellbacher

Autohändler Felix Kloz, der von

der Kfz-Innung Stuttgart unterstützt

wurde.

Eines der Tätigkeitsfelder der

DUH ist die ökologische Marktüberwachung.

In rund zwanzig

Branchen kontrolliert die DUH dabei

die Einhaltung umweltbezogener

Verbraucherschutzvorschriften.

So achtet die DUH etwa darauf,

dass in der Werbung für Autos,

Immobilien und Kühlschränke der

Energieverbrauch korrekt angegeben

wird. Die DUH steht auf der

Liste anerkannter Verbraucherschutzverbände

und darf deshalb

Unternehmen abmahnen und verklagen,

wenn diese gegen Verbraucherschutz-Regeln

verstoßen.

Im Sinne des Verbraucherschutzes

Erleichterung: Die Deutsche

Umwelthilfe (DHU) hat

die Entscheidung des Gerichts

mit Erleichterung aufgenommen.

Eine andere

Entscheidung „hätte bedeutet,

dass wir ein ganz wichtigesInstrument

zur Durchsetzung

des ökologischen Verbraucherschutzes

verloren

hätten“, sagte Bundesgeschäftsführer

Jürgen Resch.

Das Autohaus Kloz hatte auf seiner

Webseite 2016 für einen Mercedes

geworben, ohne Spritverbrauch und

CO 2 -Emissionen anzugeben. Daraufhin

mahnte die DUH das Autohaus

ab. Händler Kloz wollte aber

keine Unterlassungserklärung abgeben

und ließ sich verklagen. Im Verfahren

erhob Kloz ganz grundsätzliche

Einwände gegen das Geschäftsmodell

der DUH, das er für „rechtsmissbräuchlich“

hielt. Für den

behaupteten Missbrauch gebe es

aber „keinerlei Anhaltspunkt“, erklärte

nun der Vorsitzende BGH-

Richter Thomas Koch. Das Interesse

am umweltbezogenen Verbraucherschutz

sei nicht vorgeschoben. Die

Abmahnungen und Vertragsstrafen

REAKTIONEN AUF DAS URTEIL

Verantwortung: Das Urteil

des Bundesgerichtshofes sei

auch „eine deutliche Ohrfeigefür

den Staat“ ,sagte

Resch. „Schwerwiegende

Verstöße gegenUmwelt- und

Klimaschutz müssen unmittelbar

vomStaat geahndet

werden.“ Dann würde die

Umwelthilfe sich auch mit

Freuden aus diesem Bereich

zurückziehen.

Ärger: Der Zentralverband

Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe

(ZDK) reagierte mit

Unmut auf das Urteil. Angriffsziel

der DUH seien überwiegend

kleine und mittelständische

Autohäuser.Außerdem

würden typischerweise

banale Verstöße

abgemahnt, vorallem gegen

die Pkw-Energieverbrauchs-

Kennzeichnungsverordnung.

Debatte über das Sterbehilfe-Urteil

dienten nicht der Einnahmeerzielung

für sachfremde Zwecke, so

Koch. Es gehe auch nicht darum, nur

ein Honorar des Geschäftsführers zu

erwirtschaften. Denn das Honorar

von DUH-Geschäftsführer Jürgen

Resch mache nur einen kleinen

Bruchteil des DUH-Budgets aus,betonte

Richter Koch.

Auch die Erzielung von Überschüssen

bei der Marktüberwachung

sei kein Indiz für Missbrauch,

so der BGH. Sonst müssten Verbraucherschützer

immer dann mit Abmahnungen

aufhören, wenn die laufenden

Kosten gedeckt sind. Wofür

die DUH das Geld konkret ausgibt,

spielte beim BGH keine Rolle. Die

Umwelthilfe betonte, dass sie damit

Verbraucher-Aufklärung finanziere,

etwa dieWarnung vormanipulierten

Dieselmotoren.

Kfz-Verband erwägt Beschwerde

DieDUH kann nun weiter rund 1500

Betriebe proJahr wegenVerbraucherschutzverstößen

abmahnen und notfalls

verklagen. DUH-Geschäftsführer

Jürgen Resch begrüßte das Urteil.

„Damit ist der Versuch endgültig gescheitert“,

der DUH die Klagebefugnis

zu entziehen.

Die Kfz-Innung gibt aber noch

nicht auf und denkt über eine (wohl

aussichtslose) Verfassungsbeschwerde

nach. Außerdem forderte

Innungs-Geschäftsführer Christian

Neher seine rund 700 Mitgliedsbetriebe

auf, „jede Aktivität der DUH in

ihren Häusern unverzüglich zu melden“

–umweitereKlagen zu prüfen.

Der Rechtsstreit hatte mit den

Versuchen der Umwelthilfe, die EU-

Luft-Grenzwerte gerichtlich durchzusetzen,

nichts zu tun. Dortwerden

nicht die Händler abgemahnt, vielmehr

verlangt die DUH von den Behörden

verschärfte Luftreinhaltepläne

bis hin zu Dieselfahrverboten.

Marburger Bund kritisiert die Entscheidung: Mitwirkung an Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe

VonMarkus Decker und Hanna Gerwig

Die Vorsitzende des Europäischen

Ethikrates, die Kölner

Medizin-Ethikerin Christiane Woopen,

hat das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofes

(BGH) zur Sterbehilfe

positiv aufgenommen. „Ich

halte das für ein sehr wichtiges Urteil,

weil es Patienten und Ärzte

stärkt“, sagte sie der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland).

„Es macht deutlich, dass Ärzte ihre

Patienten bei einer selbstbestimmten

Selbsttötung nicht alleine lassen

müssen, sondern sie begleiten dürfen.“

Eine Selbsttötung solle niemals

eine gleichsam normale Option sein,

sagteWoopen mit Blick auf den Richterspruch

vom Mittwoch. Es gehe

immer um individuelle,existenzielle

Ausnahmesituationen. Und die Gesellschaft

solle alles dafür tun, um

Menschen, die über einen Suizid

nachdenken, Perspektiven für das

Weiterleben zu eröffnen.„Wenn aber

ein Mensch nach Beratungen und

gründlichem Überlegen sowie nach

längerer Bedenkzeit in Ausübung

seiner Selbstbestimmung sich selbst

töten möchte, umschweres Leiden

zu beenden, das anders nicht beendet

werden kann, dann sollte er dies

unter würdigen Umständen und in

Begleitung tun können“, so die Medizin-Ethikerin.

Entscheidung in Karlsruhe

Wichtig sei jetzt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts

über den Paragrafen

217 zum Verbot der geschäftsmäßig

organisierten Beihilfe

zur Selbsttötung, sagte Woopen.

Denn wenn sie es richtig sehe, dann

wäre einer der beiden Fälle, umdie

es jetzt beim Bundesgerichtshof gegangen

sei, daruntergefallen. Das

Urteil des Bundesverfassungsgerichts

solle im Herbst ergehen.

Auch SPD-Gesundheitsexperte

Karl Lauterbach begrüßte das Urteil.

„Bei unheilbar Kranken mit starken

Schmerzen ist die ärztliche Sterbehilfe

ethisch nicht zu verbieten.“

DerBundesgerichtshof hatte zwei

Ärzte freigesprochen. Einer hatte in

Berlin eine Sterbewillige begleitet,

der andere, ähnliche Fall spielte im

Hamburg. Die Patienten hatten die

tödlichen Medikamte eingenommen.

Weil die Ärzte nicht versuchten,

sie zu retten, standen sie wegen

Unterstützung von Selbsttötung vor

Gericht.

Dem Urteil des Bundesgerichtshofs

zufolge machen sich Ärzte, die

Selbsttötungen begleiten, lediglich

dann strafbar, wenn ihre Patienten

nicht in der Lage sind, sich einen

„frei verantwortlichen Selbsttötungswillen“

zu bilden. Zudem

müssten Ärzte keine Rettungsmaßnahmen

ergreifen, wenn sie damit

gegen das Selbstbestimmungsrecht

der Sterbewilligen verstießen, urteilte

der fünfte Strafsenat des BGH.

Kritik an der Entscheidung kam

vom Marburger Bund. „Das Urteil

des Bundesgerichtshofs zum ärztlich

unterstützten Suizid löst keine

Probleme, sondern schafft neue“,

steht in einer Presseerklärung. Es bestehe

ein Widerspruch zu den Pflichten

von Ärzten nach der Berufsordnung.

„Unsere ärztliche Aufgabe ist

es, Leben zu erhalten und Leiden zu

DPA/MARIJAN MURAT

lindern. Die Mitwirkung an der

Selbsttötung ist keine solche ärztliche

Aufgabe“, hieß es. Auch der Vorstand

der Deutschen Stiftung für Patientenschutz,

Eugen Brysch, lehnt die

Entscheidung ab. „Weder der Suizid

noch die Beihilfe dazu sind strafbar.

Das ist gut so“, sagte er. Das Urteil

habe aber nicht das Recht auf selbstbestimmtes

Sterben gestärkt, sondern

vielmehr das Torzur „organisierten

Suizidbeihilfe“ geöffnet.

Der Präsident der Hamburger

Ärztekammer,Pedram Emami, hatte

sich ebenfalls enttäuscht gezeigt. „Es

war zwar zu erwarten, dass der BGH

den Wunsch des Sterbewilligen an

erster Stelle sieht, aber ich hatte auf

ein anderes Ergebnis gehofft“, sagte

er.Für Emami ist der Hamburger Fall

ein Beleg dafür, dass das seit 2015

geltende Verbot der „geschäftsmäßigen

Förderung der Sterbehilfe“ richtig

ist. „Das Strafrecht ist die eine Sache,

das Berufsrecht eine andere“,

betonte der Ärztekammer-Präsident.

Für Hamburger Ärzte gelte die

Berufsordnung, die in Paragraf 16 die

Hilfe zur Selbsttötung verbietet.

Panzer,

Soldaten,

Feuerwerk

Große Militärshow zum

US-Unabhängigkeitstag

Panzer, Soldaten, Feuerwerk: Die

US-Hauptstadt Washington hat

sich für die umstrittene Feier vonPräsident

Donald Trump zum Unabhängigkeitstag

gewappnet. Vordem Lincoln

Memorial, wo Trump am Donnerstagabend

(Ortszeit) sprechen

wollte,wurden Panzer aufgestellt und

riesige Bildschirme installiert. Trump

wollte die Veranstaltung mit dem

Motto „Salute to America“ nutzen,

um das Militär zu ehren. Kritiker warfen

ihm vor, die Feierlichkeiten zu politisieren

und dem Steuerzahler die

Rechnung dafür aufzudrücken.

Trump pries das Spektakel schon

im Vorfeld in den höchsten Tönen.

Die Menschen kämen von nah und

fern, um an einer der größten Feierlichkeiten

in der Geschichte des

Landes teilzunehmen, schrieb er am

Donnerstagmorgen auf Twitter. Es

werde Überflüge der „modernsten

und fortschrittlichsten Flugzeuge

der Welt“ geben. Möglicherweise

werde sogar die „Air Force One“ einen

niedrigen und lauten Flug über

die Menge machen, fügte er hinzu.

Es gibt zwei Boeing 747, die zur „Air

Force One“ werden, wenn der Präsident

darin reist.

Die Demokraten hatten in den

vergangenen Tagen scharfe Kritik an

dem Konzept der Feierlichkeiten geübt.

Trumps Ego sei so groß, dass er

in einem verzweifelten Schrei nach

Aufmerksamkeit eine Wahlkampfveranstaltung

zum 4. Juli abhalte,

und jeder wisse das, schrieb der demokratische

Fraktionschef im Senat,

Chuck Schumer,auf Twitter.

An der Zurschaustellung von Panzernhatte

es im Vorfeld Kritik gegeben. IMAGO IMAGES

Trump hatte Kritik an den Kosten

der Schau zuvor zurückgewiesen.

Diese seien sehr gering im Vergleich

zu dem, was es wert sei, schrieb er am

Mittwoch auf Twitter. Die Gesamtkosten

sind bislang nicht bekannt.

An der Schau sollten etliche Soldaten

teilnehmen. Aus dem Pentagon

wollten unter anderen der kommissarische

Verteidigungsminister

Mark Esper sowie der Generalstabschef

Joseph Dunforddabei sein.

Der Sender CNN hatte unter Berufung

auf eine nicht näher benannte

Quelle berichtet, auch in der

militärischen Führung gebe es Sorge

über eine Politisierung der Veranstaltung.

Im Pentagon habe es auch

Bedenken gegeben, gepanzerte

Fahrzeuge zur Schau zu stellen.

Trump hatte dagegen am Dienstag

auf Twitter geschrieben, das Pentagon

und die militärische Führung

seien„begeistert“ davon, den Amerikanern„das

stärkste und fortschrittlichste

Militär derWelt“ vorzuführen.

Nachdem Trump im Jahr 2017 als

Ehrengast beim französischen Nationalfeiertag

in Pariseine Militärparade

beobachtet hatte, wünschte er sich

eine solche auch in der US-Hauptstadt.

DieWashington Post berichtete,

die Kosten dafür seien auf rund 92 Millionen

Dollar geschätzt worden. Die

Pläne seien gestoppt worden, als die

Kosten bekannt geworden seien. Es ist

ungewöhnlich, dass der Präsident sich

bei den Feierlichkeiten auf der National

Mall inWashington am Unabhängigkeitstag

an die Bevölkerung wendet.

Die Veranstaltung ist eigentlich

unpolitisch. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 5 *

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Politik

Griechenland vor dem Machtwechsel

Für dieWahl am Sonntag zeichnet sich ein Erfolg der konservativ-liberalen ND ab. Neben den linken Parteien könntendie Rechtspopulisten die großen Verlierer sein

VonFrank Nordhausen

Gerade noch verausgabte

er sich im Europawahlkampf

in Berlin, jetzt tritt

er wieder in seiner Heimat

Griechenland an. Yanis Varoufakis,

der linke ehemalige Finanzminister

und Exzentriker der Athener

Politik, möchte bei den griechischen

Parlamentswahlen am Sonntag vor

allem seinem früheren Freund und

jetzigen Erzfeind Alexis Tsipras möglichst

viele Stimmen abjagen. Ministerpräsident

Tsipras hatte die für Oktober

geplanten Wahlen auf Juli vorgezogen,

nachdem sich sein Linksbündnis

Syriza bei den

Europawahlen im Mai eine blutige

Nase geholt und mit 24 Prozent fast

zehn Punkte hinter der oppositionellen

konservativ-liberalen Neuen Demokratie

(Nea Dimokratia, ND) gelandet

war.Doch alle Umfragen sprechen

dafür, dass weder Tsipras noch

Varoufakis etwas mit der nächsten

Regierung zu tun haben werden.

Denn auch bei den nationalen Wahlen

liegt die ND unter Parteichef Kyriakos

Mitsotakis laut Umfragen seit

Wochen klar mit rund 35 Prozent bis

zu zwölf Punkte in Führung. Ein

Machtwechsel scheint sicher.

Der linke Hoffnungsträger und

Charismatiker Tsipras,der eigentlich

„das neoliberale Spardiktat stoppen“

wollte, musste sechs Monate nach

seinem Wahlsieg 2015 ein schmerzhaftes

Spar- und Reformpaket mit

den internationalen Geldgebernunterzeichnen,

nachdem er das Land

gemeinsam mit Varoufakis an den

Rand des Staatsboykotts geführt

hatte. Varoufakis verließ die Regierung,

wurde zu ihrem schärfsten Kritiker

und gründete im Herbst letzten

Jahres seine gesamteuropäische

Mera25-Partei, mit der er in

Deutschland kläglich, in Griechenland

aber nur sehr knapp an der

Dreiprozenthürde scheiterte.Für die

Parlamentswahl sehen ihn die Meinungsforscher

jetzt deutlich über

der Sperrklausel.

Verlust der Mittelschicht

Tatsächlich hat die Popularität des

44-jährigen Regierungschefs stark

gelitten. 2015 hatte seine Syriza das

politische Establishment in ganz Europa

erschüttert, als sie die Parlamentswahlen

mit einer strikten

Anti-Austeritäts-Agenda und 35,5

Prozent gewann. Doch bei der Europawahl

verlor Syriza vieleWähler aus

der Mittelschicht, die in den vier Jahren

ihrer Regierung mit hohen Steuern

belastet wurden. Sie büßte auch

Arbeiter-Wähler ein, weil sie die Auswirkungen

der Arbeitsmarkt-Deregulierung

nicht ausreichend abfedern

konnte. Zwar wurde der Mindestlohn

auf 650 Euro angehoben,

ein soziales Solidaritätseinkommen

für Arme eingeführtund auch die Arbeitslosigkeit

ist etwas zurückgegangen.

Doch wurden die Renten stark

gekürzt, das Wirtschaftswachstum

Noch-Ministerpräsident Alexis Tsipras geht einer Wahlschlappe entgegen.

AP

ist gering, gut ausgebildete junge

Leute wandern weiterhin aus. Auch

Tsipras’ international hochgelobtes

Abkommen mit Nordmazedonien

zur Beilegung des historischen Namensstreits

schadete ihm zu Hause

und führte im Januar dazu, dass sein

extrem rechter Koalitionspartner

Unabhängige Griechen (Anel) die

Regierung verließ. Anfang Mai überstand

er eineVertrauensfrage im Parlament

nur sehr knapp.

Verzweiflungswahlkampf

Der Ministerpräsident führt nun einen

Verzweiflungswahlkampf, um

das Blatt noch in letzter Minute zu

wenden. „Am 7. Juli wählen wir zwischen

denen, die Griechenland zum

Bankrott geführt haben, und denjenigen,

die uns aus den Sparprogrammen

rausgeholt haben“, heißt es im

Syriza-Wahlspot. Tsipras bittet seine

Stammwähler darum, der linken Regierung

eine zweite Chance zu geben,

da sie jetzt unabhängiger von

der EU handeln könne, verspricht

neue Arbeitsplätze und niedrigere

Steuern. Ganz ähnliche Wohltaten

plus mehr Polizei verheißt der als

Technokrat geltende ND-Chef Kyriakos

Mitsotakis, 51. Mitsotakis nutzt

die Unzufriedenheit mit Syriza aus

und wendet sich vor allem an die

Mittelschicht. „Starkes Wachstum

für alle Griechen“, lautet sein Slogan.

Der ND-Chef hat gute Chancen, für

seine Regierungsbildung keinen Koalitionspartner

zu benötigen.

Während die NeaDimokratia derzeit

eine Wiedergeburt auf alter

Höhe erlebt, hat die Wirtschaftskrise

die Karten im linken Spektrum neu

gemischt. Die frühere mächtige

Mitte-Links-Partei Pasokkonnte unter

ihrem neuen Namen Bewegung

des Wandels (Kinal) bisher von der

Syriza-Ernüchterung nicht profitierenund

landete bei den Europawahlen

mit 7,5 Prozent abgeschlagen auf

dem dritten Platz.

Die rechtspopulistischen Kräfte

zerlegen sich gerade. Die Stimmen

für die berüchtigte Neonazi-Partei

Goldene Morgenröte halbierten sich

bei der Europawahl auf knapp fünf

Prozent. In die Lücke sprang eine

neue einwanderungsfeindliche, russophile

Partei namens Griechische

Lösung, die mit 4,1 Prozent der Stimmen

einen Abgeordneten ins Europaparlament

entsenden konnte.Viel

mehr Stimmen werden ihr auch am

Sonntag nicht prognostiziert.

Die griechischen Wähler schwenken

offenbar wieder zur politischen

Mitte.AuchwennAlexis Tsipras keine

weitereAmtszeit vergönnt sein sollte,

so hat er das Land doch in halbwegs

stabile politische Verhältnisse zurückgeführt.

Davon wird jede neue

Regierung profitieren.

Frank Nordhausen

erwartet keine Überraschung

bei der Wahl.

Tragödie vor den

Toren Europas

UN: Angriff auf libysche Flüchtlinge war Kriegsverbrechen

VonManuel Behrens

Der Raketeneinschlag in das Internierungslager

Tadschura

nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis

ist auf Satellitenbildern deutlich

zu sehen: EinTeil des Hangars,in

dem 126 Menschen eingepfercht waren,

wurde am Mittwochmorgen

ausradiert. 44 Menschen starben,

130 wurden verletzt. Mit 600 Insassen

soll das Lager völlig überfüllt gewesen

sein.

Die Vereinten Nationen sprechen

nach der Attacke auf das Camp von

einem Kriegsverbrechen. Die international

anerkannte Regierung unter

Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch

beschuldigte die Milizen des abtrünnigen

Generals Chalifa Haftar.Der 75-

jährige Warlord beschuldigt die Gegenseite.

Dass der Angriff ein Versehen

war, ist unwahrscheinlich. In einer

Dringlichkeitssitzung konnte sich

der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen

nicht auf eine klarePosition einigen.

Die USA blockierten eine gemeinsamen

Erklärung, in der ein

Ende der Kämpfe gefordertwird.

Es ist bereits der zweite Angriff auf

das Lager in Tadschura. Seit Haftar

seine Offensive gegen Tripolis im

Aprilbegonnen hat, geraten Migranten

aus Afrika immer häufiger ins

Kreuzfeuer. Nach Angaben des UN-

Flüchtlingshilfswerks UNHCR fehlt

es 1,3 Millionen Menschen im Land

an medizinischer Versorgung, Nahrung

oder sauberem Wasser.

„Libyenist komplett überfordert“,

sagt Thomas Hüsken, Ethnologe und

Libyen-Experte von der Universität

Freiburg. Zum Bürgerkrieg, der erodierende

Staatlichkeit, dem Einbruch

der Wirtschaft, der hohen Arbeitslosigkeit

kommen die Migrantenströme

aus anderen Ländern hinzu.

Mitdiesen Problemen muss das viertgrößte

Land Afrikas alleine zurechtkommen:

„Die EU hat die Grenzen

dichtgemacht. Manversucht, die Probleme

loszuwerden und an Länder

wie Libyenzudelegieren“, so Hüsken.

Die Migranten kommen aus Somalia,

dem Sudan, Eritrea, aber auch

westafrikanischen Staaten. Aus ihren

Heimatländern reisen sie wochenlang

durch die Sahara. Viele sterben

schon auf dem Wegzur Mittelmeerküste.Wer

es an Bord eines der Schiffe

schafft, dem steht die gefährliche

Überfahrt bevor. 600 Menschen sind

dieses Jahr nach offiziellen Angaben

bereits ertrunken, die Dunkelziffer

dürfte weitaus höher sein. Und die

Zustände in den libyschen Lagern, in

denen die Geflüchteten willkürlicher

Gewalt ausgeliefert sind, sind inzwischen

selbst zur Fluchtursache geworden.

Nach UN-Schätzungen

werden in den Lagern rund um Tripolis

etwa 3800 Migranten gegen ihrenWillen

festgehalten.

Die libysche Einheitsregierung in

Tripolis erwägt inzwischen die

Schließung der umstrittenen Flüchtlingslager.

Die Regierung prüfe derzeit,

die Lager aus Sicherheitsgründen

zu schließen und die Migranten

freizulassen, teilte Innenminister Fathi

Baschagha am Donnerstag mit.

Längst ein Stellvertreterkrieg

DerUN-Sondergesandte für das Mittelmeer

warfder Europäischen Union

vor, die Augen vorder Notlage der Migranten

in Libyenzuverschließen. Im

Mittelmeer aufgegriffene Flüchtlinge

dürften nicht mehr in das Bürgerkriegsland

gebracht werden, sagte

Vincent Cochetel. Allerdings tritt die

EU im Libyen-Konflikt alles andere

als einheitlich auf.

Der Bürgerkrieg zwischen der

Übergangsregierung von al-Sarradsch

und Warlord Haftar ist längst

ein Stellvertreterkrieg: DieVereinten

Arabischen Emirate unterstützen

Haftar. Ebenso Russland, die USA,

Saudi-Arabien, Frankreich, die Türkei

und Katar. Auf der anderen Seite

steht etwa Italien, das sich hinter die

international anerkannte Regierung

in Tripolis stellt.

Libyen-Experte Hüsken warnt vor

einer Eskalation wie im Syrien-Konflikt.

Bei Verhandlungen über eine

Waffenruhe und eine mögliche Lösung

des Konflikts müsse auch

Haftar einbezogen werden.

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6* Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Finnischer

Sommer

an der Havel

VonJörg Niendorf

Nennen wir die Farben hier einfach

mal Sonnenblumengelb,

Schwedenrot und Birkenweiß: So sehen

die Holzfassaden mancher Häuser

aus, typisch skandinavisch. Und

deshalb passen diese ganz fiktiven

Farbnamen auch sehr gut zu der

Siedlung, die im äußersten Berliner

Westen, in Kladow, ganz nahe der

Havel, liegt. Es gibt sie seit Ende der

1950er-Jahre, und sie ist wirklich ein

kleines Stück Helsinki. 378 Reihenhäuser

wurden seinerzeit in vorgefertigten

Bauteilen aus der finnischen

Hauptstadt herangeschafft.

Ihre Fassaden waren bunt –damals

sprachen viele in West-Berlin

von einer neuen „Papageiensiedlung“.

In der Ausstattung waren sie

günstig, modern und bis ins Detail

durchdacht. Einige der Häuser haben

heute,nach 60 Jahren, noch die originale

Verkleidung mit den farbigen

Holzlatten. Andere Fassaden wurden

von ihren Bewohnern stark verändert,

sollen nach Klinkerstein aussehen.

Aber im Kern ist alles aus Holz.

Daswar vorsechzig Jahren neu.

Die „Finnenhaussiedlung“, sie

heißt bis heute so,war eines der ersten

Beispiele für das serielle Bauen in

Deutschland. In Skandinavien war

man schon sehr weit darin, alle Bauelemente

fabrikmäßig herzustellen:

Wände, Böden, Treppen und andere

Einbauten, außerdem die Dachrahmen.

Heute wird jedes Eigenheim

vonder Stange so gebaut.

30 000 D-Markpro Haus

Damals markierte es den Startineine

neue technologische Ära –und treibende

Kraft war in diesem Fall unter

anderem eine energische Amerikanerin.

Die Volkswirtin und Diplomatin

Eleanor L. Dulles, Berlin-Beauftragte

der US-Regierung, holte die Siedlung

mit Mitteln des Marshall-Plans in die

Stadt. Ein vertracktes Stück Weltpolitik

stand dahinter.Der Staat Finnland

musste nach dem Zweiten Weltkrieg

Reparationen an die USA zahlen.

Manwählte Sachgüter:Das waren die

Bauteile aus der Fabrik in Helsinki im

Wert von insgesamt 7,2 Millionen

Mark.Auf Drängen vonDulles kamen

die Fertighäuser nachWest-Berlin. Sie

waren für Vertriebene aus dem Osten

gedacht. Nur 30000 D-Mark kostete

ein hoch subventioniertes Haus,Käufer

mussten zunächst nur zehn Prozent

Eigenkapital aufbringen. Neben

den Häusern inKladow entstanden

noch 67 Stück in Lichterfelde.

Aus Ziegeln gemauert wurden

nur die Keller und die Brandwände.

Sie begrenzen die Häuschen jeweils

rechts und links,das ist gut zu erkennen.

Zwischen die Mauern kamen

die Holzrahmen. Wegweisend waren

offeneWohnzimmer.„Wiralle haben

hier 80 bis 85 Quadratmeter Wohnfläche“,

sagt Martin Protze, Vorsitzender

des Vereins Finnenhaussiedlung,

„die Grundrisse unterscheiden

sich nur minimal“. Den Verein der

Bewohner gibt es in Kladowauch seit

60 Jahren, er feiertimAugust das Jubiläum.

Er hilft in den Fragen, die

alle Eigentümer gemeinschaftlich

angehen, zum Beispiel wenn es um

Versorgungsanschlüsse, Straßenpflege,

Müllabfuhr geht. „So ist das

vom ersten Tag an geregelt“, sagt

Protze.

Bio-Bau: Nur die Brandwände sind gemauert.

Dazwischen ist alles aus Holz. NIENDORF

Die größten Brauereien

Deutschlands

Absatz in Deutschland in

Millionen Hektoliter,

2017

10,8

Radeberger-

Gruppe

(Berliner

Pilsner,Jever)

6,3

Bitburger-Gruppe

(Köstritzer,

Wernesgrüner)

4,5

Paulaner-Gruppe

3,3

Warsteiner-Gruppe

2,4

Carlsberg-Gruppe

(Lübzer,Astra, Holsten)

83%

des Bieres werden

in Mehrweg-Gebinden

verkauft

Der Beweis ist eine dunkelgrüne

Plastikkiste von 30

mal 40 mal 30 Zentimetern,

voll mit 20 Halbliter-

Flaschen Berliner Pilsner.Sie ist Beleg

dafür,dass in Berlin noch immer eine

Großbrauerei existiert und arbeitet.

Mehr als 200 000 Liter „Berliner“ verlassen

täglich die Brauerei an der Indira-Ghandi-Straße

in Weißensee.

Hinzu kommen Biere der Marken

Schultheiss und Kindl. Insgesamt

werden in der „Hauptstadt-Brauerei“

des Radeberger-Konzerns jährlich

rund 1,5 Millionen Hektoliter Bier gebraut.

Es ist die letzte Großbrauerei

Berlins.

Das war einmal ganz anders. Dass

Bier in dieser Stadt nicht nur für die

einst zahllosen Eckkneipen von Bedeutung

war, sondern auch ein wichtiger

Wirtschaftsfaktor, davon zeugen

bis heute etliche backsteinerne Hinterlassenschaften.

Über 360 große

und kleine Brauerei-Betriebe entstanden

im 19. Jahrhundert ander Spree

und machten die Stadt um 1900 zur

Brauer-Hauptstadt Europas.

Bierabsatz

in MillionenHektolitern 2018

Deutschland

94,0

Apps statt Pils

Davonist kaum noch etwas geblieben.

Dieehemaligen Brauereien sind heute

Veranstaltungsorte, Kulturbetriebe

oder wurden in teure Büro-Lofts parzelliert,

für die junge Tech-Unternehmen

einen Großteil der Investoren-

Millionen an Immobilienfirmen verfüttern.

Apps statt Pils.

Berlin/Brandenburg

3,9

6,6

Anheuser-

Busch (Becks,

Hasseröder)

6,0

Oettinger-Gruppe

5,8

Krombacher-

Gruppe

4,1

TCB

(Feldschlösschen,

Gilde)

2,7 Veltins

Jeder 15.

in Deutschland

gebraute Liter Bier

ist alkoholfrei

Molle

läuft

wieder

Berlin war einst die

Brauer-Hauptstadt

Europas. Craft Beer

verhilft dieser Tradition

nun zur Renaissance

VonJochen Knoblach und

Isabella Galanty (Grafik)

Tatsächlich wirdinDeutschland seit Jahren immer weniger

Bier getrunken. Genehmigte sich der Durchschnittsdeutsche

2008 noch die Jahresmenge von 107 Litern, so waren es zehn

Jahrespäter nur noch 94 Liter Bier proJahr und Kopf. Binnen

eines Jahrzehnts ging der Absatz für die Brauereien somit um

mehr als eine Milliarde Liter zurück. Dennoch entstanden im

gleichen Zeitraum in Deutschland rund 100 neue Brauereien.

Mittlerweile sind es über 1500.

DieNeugründungen sind fast ausschließlich kleine Brauerei-Manufakturen,

deren Jahresausstoß oft nicht größer ist

als das, was in Großbrauereien in wenigen Stunden in Flaschen

gefüllt wird. Anfang dieses Jahrzehnts war die Craft-

Beer-Welle aus den USA nach Europa und Deutschland geschwappt

und traf auch in Berlin auf einen Zeitgeist, der gerade

Globalisierungskritik, Regionalisierung und den Wert

des Handgemachten entdeckt hatte. Eswaren entdeckungsfreudige

Brauhandwerker, die mit ideenreich kreierten Bierender

Brauerstadt zur Renaissance verhalfen. Gabes1995 in

Berlin gerade 22 große und kleine Brauereibetriebe,sosind es

heute schon wieder 70. „Berlin ist der Motor für die deutsche

Craft-Beer-Bewegung“, sagt Holger Eichele, Chef des Deutschen

Brauer Bundes.Berlin-Comeback mit Designer-Molle.

Katja Kurz ist Chefin eine dieser jungen Brauereien, die sich

mit Geschmacksvielfalt und Mutzum Experiment im blassen

Massenmarkt von Becks und Jever behaupten wollen. 2014

gründete die 36-jährige Betriebswirtin mit einem Freund und

einem Braumeister das Unternehmen Brlo.Zunächst tingelten

sie als sogenannteWanderbrauer vonBrauerei zu Brauerei, um

dort als Untermieter eigene Rezepte auszuprobieren. Immer

öfter trafen sie den Geschmack vonimmer mehr Kunden. 2017

stellte Brlo dann im Park am Gleisdreieck 38 Schiffscontainer

auf, um darin Bier zu brauen und anzubieten. Mittlerweile

liegt die Jahresproduktion bei knapp 9000 Hektolitern, womit

Brlo zu den Großen unter den Kleinen gehört. Neben dem

Biergarten im Schatten der Container hat das Label inzwischen

auch einen eigenen Ausschank in der sechsten Etage des

KaDeWe.„Es läuft“, sagt die Chefin.

Allerdings ging es in der Berliner Szene nicht nur aufwärts.

Die kalifornische Brauerei Stone Brewing war 2016 mit einer

25-Millionen-Euro-Investition in Berlin angetreten, um den

Hauptstädter zum besonderen Manufaktur-Bier zu bekehren.

Absatz

von alkoholfreiem

Bier in Deutschland

in Millionen

Hektoliter

22

3,2

2007

Es gibt mehr als

400

alkoholfreie

Biere in Deutschland

Zahl der Braustätten

in Berlin/Brandenburg

Beliebteste Biersorten

Marktanteile in Deutschland

Pils

53,5%

6,2

2017

37

Weizen

7,3%

70

1995 2011 2018

Wie viele Kalorien stecken drin?

Angaben in Kilokalorien je 100 ml

Milch

(1,5% Fett)

48 kcal

Wasser

0kcal

Likör

248 kcal

Rotwein

68 kcal

Bier (Pils)

42 kcal

Export

6,9%

Limo

42 kcal

Im April verkündete man jedoch den Abbruch

der Mission. „Wir haben uns vonunserem

Berliner Projekt zu früh zu viel versprochen“,

bekannte Stone-Brewing-Chef

Greg Koch seinerzeit in einem Interview.In

der Craft-Szene gibt man jedoch eher dem

Unternehmen als dem Markt die Schuld.

Tatsächlich kam für die Kalifornier bereits

Ersatz. Dasschottische Unternehmen Brew

Dog hat die Räume in Mariendorfbezogen.

Immerhin die größte Craft-Beer-Brauerei

Europas.

WeitereBrauereien werden entstehen

Auch Katja Kurz vonBrlo wertet das Scheitern

von Stone Brewing in Berlin nicht als

Rückschlag für die Alternative zum Massenbier.

Essei schade, weil die Leute hier

etwas mit angeschoben haben, sagt sie.

Aber Craft Beer sei nicht nur eine Mode,

sondern ein Trend von Dauer. „Das geht

hier nicht mehr weg.“ Die Unternehmerin

glaubt an die Marktlücke, die die Großbrauereien

mit immer weniger Sorten

selbst geschaffen haben. Craft Beer sei für

Genussmenschen, die Neues entdecken

wollen.

Allerdings müssen sie dafür auch zu zahlen

bereit sein. Schließlich kostet ein Craft

Beer drei- bis viermal so viel wie ein Bier aus

der Getränkeecke im Supermarkt.„Handarbeit

in kleinen Mengen geht nun mal nicht

effizient“, sagt die Betriebswirtin.

Brauer-Bund-Chef Holger Eichele teilt

den Optimismus der Unternehmerin. In

den vergangenen Jahren seien in Berlin

jährlich etwa zwei Brauereien gegründet

worden. „Ich wüsste nicht, weshalb diese

Entwicklung aufhören sollte“, sagt Eichele.

Hell

5,7%

Kölsch

1,6%

Dunkel

1,4%

Alt

0,8%

Sonstige

22,8%

QUELLE: STATISTISCHES BUNDESAMT, LEBENSMITTEL ZEITUNG, BRAUER-BUND.DE

NEU IN DER STADT

Strom-BMW

mit

Boxer-Akku

VonJochen Knoblach

Wenn BMW-Biker an diesemWochenende

im bayerischen Garmisch

zu den traditionellen BMW

Motorrad Days zusammenkommen,

dann werden sie erfahren, dass Öl

und Benzin bald auch in der von ihnen

geliebten Art der motorisierten

Fortbewegung vergänglich sein werden.

Denn BMW wird der Fangemeinde

ein Motorrad vorstellen, das

weder Tank noch Zylinder hat, dafür

Akkublock und Elektromotor. „Wir

wollen zeigen, das Motorradfahren

zukunftsfähig ist“, sagt ein Firmensprecher

in München. Für das Motorrad-Werk

inSpandau ist es nicht weniger

als die Ankündigung eines Sortimentswechsels

–auch wenn die DC

Roadster nur eine Studie ist.

Leichter Roller geplant

In jedem Fall zeigt das Zweirad schon

mal, wie die elektrifizierte Version eines

Motorrades aussehen könnte,

dessen Identität über Jahrzehnte von

einem Zweizylinder-Boxermotor geprägt

wurde. Statt eines solchen Aggregats

liegt nun ein mächtiges Akkupaket

unter dem Fahrer. Zudessen

Kühlung ragen seitlich zwei Elemente

mit Kühlrippen mit integrierten Ventilatoren

heraus und stellen sich in

den Fahrtwind. Der Elektromotor

selbst ist darunter platziert. Die Verbindung

zum Hinterrad gewährleistet

selbstverständlich eine Kardanwelle.„Eine

clevereAntriebsarchitektur,die

optisch die Historie vonBMW

Motorrad aufnimmt und weiterführt“,

schwärmt man bei BMW.

In der Konzernzentrale in München,

wo die Entwicklungsabteilung

der Motorradsparte ihren Sitz hat,

bleibt man vage,wenn nach Starttermin

des ersten elektrischen Motorrades

von BMW gefragt wird. „Frühestens

2023, spätestens 2025“, heißt

es. Wenngleich etwa KTM, Zero und

sogar Harley-Davidson bereits

Strom-Maschinen anbieten, wird es

also noch etwas dauern, bis die Produktionsanlagen

in Spandau auf das

Elektro-Bike umgestellt werden.

Bis dahin will BMW allerdings an

Produkten für den emissionsfreien

Stadtverkehr arbeiten. Der 2015 eingeführte

Elektroroller C Evolution,

der intern zwar nach wie vor als sehr

innovativ, aber auch nur als „sehr selektiv

verkaufbares Produkt“ eingeschätzt

wird, soll kein Einzelstück

bleiben. Im vergangenen Jahr verkaufte

sich der bis zu 120 km/h

schnelle und knapp 15 000 Euro teure

E-Scooter weltweit knapp 1800-mal

und beanspruchte damit einen Anteil

von etwa einem Prozent an BMWs

Motorradabsatz.

In etwa zwei Jahren soll der Roller

ergänzt werden. In der Entwicklung

befindet sich ein leichteres Modell

mit weniger Leistung und einem geringeren

Preis. Auch dieser neue

Scooter soll in Spandau gebaut werden.

Weitere Modelle seien in Planung.

Ob wirklich Innovatives dabei

sein wird, bleibt abzuwarten. Einen

Allwetter-Roller mit Dach hatte BMW

mit dem C1 schon einmal im Programm.

Von2000 bis 2003 wurde dieser

gebaut. Dessen Comeback überlässt

BMW aber offenbar anderen.

Ende vorigen Jahres hatte der Münchener

Elektroroller-Spezialist Govecs,

der auch die Elektro-Schwalbe

baut, mit BMW eine Lizenzvereinbarung

getroffen, die die Nutzung der

für den Roller C1 entwickelten Sicherheitszelle

umfasst. Govecs Ziel: ein E-

Roller mit Dach ohne Helmpflicht.

BMW


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 7 *

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

5.4.19

5.4.19

▲ 12629,90 (+0,11 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

5.4.19

Stand der Daten: 04.07.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

4.7.19

▼ 63,18 (–1,06 %)

4.7.19

▼ 1,1288 (–0,04 %)

Quelle

4.7.19

Deutlich weniger

CO 2 -Ausstoß

DerAusstoß klimaschädlicher Treibhausgase

ist bei der Stromerzeugung

im ersten Halbjahr deutlich

zurückgegangen. VonJanuar bis Ende

Juni wurden rund 15 Prozent weniger

CO 2 emittiertals im Vorjahreszeitraum,

wie der Energieverband

BDEWmitteilte.Demnach sanken

nach ersten Berechnungen die CO 2 -

Emissionen von136 Millionen Tonnen

auf voraussichtlich 116 Millionen

Tonnen. DerVerband führte

diese Entwicklung auf verschiedene

Faktoren zurück: Aufdie milde Witterung,

den gestiegenen Kohlendioxid-Preis

im Emissionshandel sowie

einen Rekordbeim Ökostromanteil.

Vorallem das windige Wetter

führte dazu, dass die erneuerbaren

Energien im ersten Halbjahr 44 Prozent

des Stromverbrauchs deckten.

Im Vorjahreszeitraum waren es

39 Prozent gewesen. (dpa)

Gewinner

aus DAX und MDAX vom 04.07. zum Vortag

Hella 43,28 +2,71 WWWWWWWWWWW

Norma Group NA 35,70 +2,59 WWWWWWWWWWW

1&1 Drillisch 30,24 +2,58 WWWWWWWWWWW

Aurubis 43,46 +2,14 WWWWWWWWW

Alstria Office 14,87 +2,06 WWWWWWWWW

Siltronic NA 63,66 +1,86 WWWWWWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 04.07. zumVortag

thyssenkrupp 12,36 WWWWWWWWW –2,14

Qiagen 35,46 WWWWWWWW –1,94

Evotec 25,46 WWWWWW –1,39

HeidelbergCement 70,54 WWWWWW –1,29

Rocket Internet 24,76 WWWWWW –1,28

Nemetschek 56,60 WWWWWW –1,22

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 04.07. ±% z. 03.07.

Euro Stoxx 50(EU) +0,10

3549/2909 3544,15

CAC 40 (FR) + 0,03

5630/4556 5620,73

S&P UK (UK) – 0,09

1569/1323 1537,43

RTS (RU) +0,71

1412/1033 1411,53

IBEX (ES) +0,07

9972/8286 9401,00

Dow Jones (US) +0,67

26966/21713 26966,00*

Bovespa (BR) +2,63

103917/74048103725,12

Nikkei (JP) +0,30

24448/18949 21702,45

Hang Seng (HK) +0,05

30280/24541 28817,39

Stx Singap. 20 (SG) +0,19

1641/1350 1637,29

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,81 0,91 1,01

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,56 0,57 0,75

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,60

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,65

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank

deutsche-bank.de - 0,05 0,05

Santander

santander.de - 0,01 0,20

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,03

Commerzbank

commerzbank.de - - 0,01

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,02 0,03 0,05

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,23 0,28 0,45

*6Monate Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch),Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen (Samstag).

Quelle:FMH-Finanzberatung

Der Wegzuden eigentlichgeplanten Zinserhöhungen istfür dieEZB vorerst versperrt.

Von Frank-Thomas Wenzel

Von Thomas Magenheim

Verkehrte Welt

Die lang erwartete Wende bleibt aus: Die Zinsen fallen auf Tiefststände

Zins: Seit der Finanz- und

Schuldenkrise sind die Zinsen

weltweit extrem niedrig,

vorallem in Europa. Das gilt

für alle Laufzeiten. Im kurzfristigen

Bereich spüren

Sparer das beim Tagesgeld,

für das die Banken selbst in

Werbeaktionen nur einige

Zehntelprozent zahlen. Im

langfristigen Bereich können

Bauherren profitieren: Hypotheken

sind so billig wie nie.

Osram steht vor Verkauf

Der in Schwierigkeiten gerateneBeleuchtungskonzernsuchtZufluchtbei Finanzinvestoren

che im Raum. Parallel dazu ist allerdings

auch der Aktienkurs immer

weiter gefallen, sodass der Kauf für

das Investorenduo nun deutlich billiger

wirdals zu Beginn der Gespräche.

Ihr Angebot bewertet den Konzern

mit 3,4 Milliarden Euro.Das bedeutet

einen Aufschlag von einem Fünftel

auf die Osram-Kurse der vergangenen

Wochen. Mit Bekanntwerden

des Angebots sprang der Kurs über

32 Euro.

Bain und Carlyle haben nach Angaben

von Insidern zugesichert, das

Unternehmen nicht zu zerschlagen.

Diese Befürchtung hatten Aktionäre

bei der Hauptversammlung im Februar

geäußert. Es wirdallerdings spekuliert,

dass die Käufer die Kleinaktionäre

hinausdrängen und Osram

vonder Börse nehmen wollen.

ZINSPOLITIK

Ursache: KurzfristigeZinsen

beeinflusst die Notenbank

über den Leitzins. Langfristige

Zinsen orientieren sich an

der Rendite börsennotierter

Anleihen. Je größer die Unsicherheit

ist, desto stärker

werden diese Papiere nachgefragt

–und umso niedrigere

Zinsen müssen sie bieten,

um gekauft zu werden. Die

Notenbanken können auch

diesen Markt beeinflussen.

Wirkung: NiedrigeZinsen

sollen dafür sorgen, dass

Unternehmen Kredite aufnehmen

und mit Investitionen

die Konjunktur ankurbeln.

Nebenbei machen die

niedrigen Anleiherenditen

die Staatsverschuldung billiger.

So muss selbst das

hoch verschuldete Italien nur

knapp 2Prozent Zinsen zahlen,

um sich Geld für zehn

Jahre zu leihen.

Jetzt haben wir die Zinswende,

doch ganz anders als noch vor

wenigen Monaten gedacht. Alles

deutet auf eine Senkung der

Sätze hin. Das bedeutet:

schwereZeitenfür viele Banken und

für Sparer. Auch bei der privaten Altersvorsorge

tun sich immer größere

Lücken auf.

Es ist nur eine merkwürdige abstrakte

Zahl: DieRendite der Bundesanleihe

mit zehnjähriger Laufzeit notierteamDonnerstagnahederMarke

von minus 0,4 Prozent. Das bedeutet:

Investoren sind bereit, quasi eine Gebühr

dafür zu zahlen, dass sie dem

Staat Geld leihen. Eigentlich müsste

es umgekehrtsein. Aber die BundesrepublikgiltalseinerderverlässlichstenSchuldnerweltweit.Aufabsehbare

Zeit dürfte es bei der verkehrten

Welt bleiben. Die Experten der US-

Investmentbank Goldman Sachs

rechnen damit, dass die Rendite bis

zum Jahresende sogar minus

0,55 Prozent fallen könnte.

Die kuriose Situation ist das Ergebnis

der seit Jahren extrem lockerenGeldpolitik

in derEuro-Zone.Seit

2014 liegt der für die Finanzbranche

maßgebliche Leitzins der Europäischen

Zentralbank (EZB) bei null

Prozent. Kürzlich hat der scheidende

EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt,

dass es dabei bis mindestens

Mitte nächsten Jahres bleiben

soll. Geschäftsbanken, die Geld bei

der Notenbank parken wollen, müssen

dafür sogar einen Strafzins zahlen.

Mehr noch: Draghi führtimSeptember

ein Sonderprogramm ein,

das Banken zusätzlich billiges Geld

zur Verfügung stellt. Es gibt Prämien

für Institute, wenn sie eifrig Kredite

vergeben. Und Draghi hat angedeutet,

dass er die Geldpolitik noch weiter

lockernwill.

Die Kehrtwende hat viel mit der

eingetrübten Konjunktur zu tun. Die

Fährnisse des bevorstehenden Brexit

und die Unsicherheiten durch die

von US-Präsident Trump losgetretenen

Handelskriege werden von den

Experten als Hauptursachen genannt.

Selbst die optimistisch gestimmten

Volkswirte des gewerkschaftsnahen

IMK-Wirtschaftsforschungsinstituts

erwarten nur noch

ein Prozent Wirtschaftswachstum in

Deutschland in diesem Jahr.Fragilere

Ökonomien wie die italienische

könnten in eine Rezession rutschen.

Wie ein geldpolitischer Turbo

wirkt nun noch die Nominierung von

Christine Lagarde zur Nachfolgerin

vonDraghi. DieVolkswirte der Deutsche-Bank-Fondstochter

DWS erwarten,

dass die Neue nicht nur Anleihekaufprogramme

forcieren wird,

sondern auch auf eine „Fiskalpolitik

zur Unterstützung der europäischen

Wirtschaft“ pochen wird. Gemeint

sind damit staatliche Investitionsprogramme,dieSilkeTobervomIMK

Die Investoren planen dem Vernehmen

nach weiter mit Olaf Berlien

als Vorstandschef, obwohl dieser in

den vergangenen Jahren mehrmals

Prognosen nach unten revidieren

musste,weilerdie Märkte falsch eingeschätzt

hatte. Die Käufer stünden

auch hinter Berliens Strategie, sagt

eine mit den Vorgängen vertraute

Person. Die Strategie ist andernorts

durchaus umstritten. Branchenkenner

kritisieren eine Milliardeninvestition

in eine Fabrik in Malaysia, mit

der Osram indirekte Konkurrenz zu

asiatischen Massenherstellerntritt.

Belegschaft und Gewerkschaft

fürchten vorallem um Standorte wie

das Osram-Hauptstadtwerk inBerlin,

aber auch Herbrechtingen bei

Ulm. Dem Vernehmen nach sichern

Bain und Carlyle aber zu, dass zu-

FOTO: BORIS ROESSLER/DPA

befürwortet. Sie schlägt unter anderem

einen Ausbau des öffentlichen

Nahverkehrs vor.

Der „Lagarde-Effekt“ hat schon

gewirkt und Aktien nicht nur in Europa

nach oben getrieben. In den USA

kletterte der Dow-Jones-Index auf

einen Höchstwert, weil auch dort

Zinssenkungen erwartet werden.

Trump erhöht den Druck auf die Notenbank

Fed, die Leitzinsen (derzeit

2,25 bis 2,5 Prozent) zu senken, um

vor allem die US-Exportwirtschaft

anzukurbeln mit Ausfuhren.

DerMinizins-Trend provoziertindes

Anleger dazu, ihr Kapital in Aktien

zu investieren. Denn das klassische

Sparen ist längst ein Verlustgeschäft

geworden, da die Zinserträge

weit unter der Inflationsrate liegen.

Auch Pensionskassen und Lebensversicherer

haben schwer zu kämpfen.

BeivielenSparplänen für die Altersvorsorge

müssen massiveAbstriche

gemacht werden. Ein wichtiger

Grund: In der Regel muss ein erheblicher

Teil des Geldes in bombensichere

Anlageninvestiertwerden –womit

wir wieder bei den Negativzinsen für

Bundesanleihen wären. Hinzu

kommt, dass viele hiesige Banken

immer stärker unter der geringen

Zinsmarge leiden –also der geringen

Differenz zwischen den Zinseinnahmen

aus Krediten und Kosten für

Guthabenzinsen. Branchenkenner

gehen davon aus, dass diese Einbußen

nun zunehmend durch höhere

Gebühren für die Kunden ausgeglichen

werden sollen.

Der angeschlagene Münchner

Lichtkonzern Osram steht vor

der Übernahme durch die beiden

US-Investoren Bain und Carlyle. Sie

wollten 35 Euro proAktie zahlen, teilte

die frühere Siemens-Tochter am

Donnerstag mit. Dem Vernehmen

nach gibt es bereits eine Investorenvereinbarung

zwischen dem Management

und den beiden Interessenten.

Insidern zufolge enthält sie

zwarZugeständnisse,aberkeineausdrücklichen

Garantien für Standorte,

Jobs,Patente undManagement.

Der Konzern verhandelt bereits

seit fünf Monaten mit Bain und Carlyle.

Daesmit Osram indieser Zeit

immer weiter bergab ging, stand zeitweise

auch ein Scheiternder Gesprämindest

vorerst keine Pläne bestünden,

weitere Stellen zu streichen,

Standorte zu schließen oder Konzernteile

zu verkaufen.

Große Teile des Unternehmens

wurden bereits vom aktuellen Osram-Management

verkauft. Glühlampen,

Stromsparlampen früherer

Generationen und das Leuchtengeschäft

gelten als Alttechnik und wurdenabgestoßen.EinjüngsterStellenabbau,

der 300 Jobs gekostet hat, ist

mittlerweile vollzogen. Osram beschäftigt

nun noch 26200 Menschen

und macht 3,8 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Das Unternehmen konzentriertsich

inzwischen auf halbleiterbasierte

Produkte für Smartphones

über vernetzte Beleuchtungslösungen

bis zu Virtual Reality

und autonomem Fahren.

Jeder Zweite erhält

Urlaubsgeld

Nurknapp jeder zweite Tarifbeschäftigte

in Deutschland (47 Prozent)

erhält Urlaubsgeld. Im Durchschnitt

gibt es in diesem Jahr 1281

Euro bruttofür die Urlaubskasse,

wie das Statistische Bundesamt mitteilte.Das

sind 3,6 Prozent mehr als

im Vorjahr.Allerdingsgibt es deutliche

Unterschiede zwischen einzelnen

Branchen sowie zwischen Ost

und West. Tarifbeschäftigte im früheren

Bundesgebiet bekommen im

Schnitt 1317 Euro,inden neuen

Ländernsind es 927 Euro.Überdurchschnittlich

viel wirdimMaschinenbau

(2358Euro) und in der

Automobilwirtschaft (2113 Euro)gezahlt.

(dpa)

Deutsche seltener

Schnäppchenjäger

Sonderangebote sindweniger gefragt.

FOTO: GOLLNOW/DPA

DieVerbraucher in Deutschland

achten weniger auf Sonderangebote

als früher.Das geht aus einer Marktstudie

derGesellschaft fürKonsumforschung

(GfK) hervor. DieKunden

seien zwar nach wie voreinem

Schnäppchen nicht abgeneigt. Doch

die Mühe,danach aktiv zu suchen,

machen sich weniger Konsumenten

als noch vorein paar Jahren. Zwischen

2011 und 2019 sank die Zahl

derjenigen, die vordem Einkaufen

regelmäßig Prospekte oder Anzeigen

überprüfen, von73Prozent auf 65

Prozent. DerAnteil der Kunden, die

bereit sind, für ein günstiges Angebot

ihrem Lieblingsgeschäft untreu

zu werden, verringerte sich von57

auf 50 Prozent, so die GfK. (dpa)

Abnahmemenge

in Liter

HEIZÖLPREISE

Durchschnittspreis

je 100 LiterinEuro

(in Klammern Vorwoche)

1000 73,03 (74,64)

3000 68,49 (70,16)

5000 66,83 (68,56)

10 000 65,31 (67,01)

15 000 64,78 (66,51)

incl. MWSt., frei Haus an Abladestelle,

Quelle: www.dieter-maeder.de

Preisermittlung 4.7.2019


8* Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Meinung

AfD in Berlin

ZITAT

Jammern und

austeilen

Annika Leister

plädiertfür eine genaue Beobachtung

des neuen AfD-Portals.

„Berlin hat meinen

Musikgeschmack

verbessert, meinen

Horizont erweitert.“

Die Berliner AfD fühlt sich ungerecht

behandelt. Malwieder.Und startet –

mal wieder –ein Meldeportal, auf dem sie

sich einerseits einopfernund andererseits

gegen alle austeilen wird, die sich gegen

rechts engagieren. Das Portal versucht,

durch martialische Bebilderung und fragwürdige

Zahlenspiele zu beeindrucken.

Kevin Kühnertist hier Marxist, seine Thesen

zur Enteignung zeigen „bundesdeutsche

Tendenzen bezüglich Linksradikalismus“.

Kritiker wirkten am Donnerstag

unentschieden: Soll man darüber jetzt lachen?

Oder sich fürchten?

Weder noch. Man sollte das Portal

ernst nehmen und genau beobachten –

wie die AfD. Denn so dümmlich der Auftritt

auf den ersten Blick auf manche wirken

mag: Die AfD setzt hier die Onlinestrategie

fort, die sie schon auf ihren

Homepages und vorallem in den sozialen

Medien fährt: Verallgemeinerung, Provokation,

Angstmache.Damit ist die AfD im

Netz extrem erfolgreich –erfolgreicher als

die Onlineauftritte anderer Parteien. Kraft

und Einfluss des neuen Kanals werden

davon abhängen, wie stark die AfD ihn

pflegt.

Der Launch des Portals zu genau diesem

Zeitpunkt ist ein durchsichtiges Manöver,

um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit

abzulenken. Weg vom Mord

am CDU-PolitikerWalter Lübcke.Weg von

der endlich ernsthaft geführten Diskussion

über rechtsextremistische Netzwerke

in Deutschland. Wegaber vor allem von

der AfD selbst, deren aggressive Onlinestrategie

von einigen als Nährboden für

Hassverbrechen gewertet wird.

Wir dürfen der AfD diesen Gefallen

nicht tun, dürfen uns nicht ablenken lassen.

Sondern müssen genau hinsehen –

jetzt auch auf das neue Meldeportal.

USA

Wo die Truppen

tanzen

Matthias Koch

urteilt: US-Präsident Trump missbraucht

den Unabhängigkeitstag.

Panzer sollen rasseln, die Truppen sollen

tanzen, alles zum Vergnügen des

Herrschers.Solche ins Metallische gehenden

Machtdemonstrationen hat es bislang

am amerikanischen Unabhängigkeitstag

nie gegeben. Den4.Juli haben die

Amerikaner bislang entspannt mit einem

Picknick im Kreis von Freunden begangen,

gefolgt vonprivatem Feuerwerk.

Nie applaudierten die Amerikaner am

4. Juli irgendeiner Obrigkeit, nicht mal der

eigenen. Es hätte auch zur Geschichte

dieses Datums nicht gepasst. Am 4. Juli

1776 wagten es die Gründer der USA, sich

abzuwenden vonder britischen Kolonialmacht.

Sietrauten sich, Pläne vorzulegen

für eine neue Republik: mit einer Regierung,

die sich auf den „Konsens der Regierten“

stützen sollte, einem Staat, der

erstmals komplett von unten nach oben

entworfen wurde. Und sie haben es riskiert,

dafür gehängt zu werden. Ihre Unabhängigkeitserklärung

beginnt mit der

Feststellung, alle Menschen hätten das

gleiche unveräußerliche Recht auf „Leben,

Freiheit und das Streben nach

Glück“. Erst 13 Jahre später, 1789, trieben

dieselben revolutionären Gedanken die

Franzosen auf die Barrikaden.

Ausgutem Grund also haben die Amerikaner

am 4. Juli stets auf sich selbst angestoßen

–und auf die Idee der Freiheit, eine

der besten Erfindungen in der Geschichte

der Menschheit. Nie haben sie an diesem

Tag den gerade amtierenden Mann im

Weißen Haus gefeiert. Genau darum aber

geht esTrump.Erwill eine für ihn nützliche

Mega-Show, mit sich selbst im Mittelpunkt.

Mehr noch als die Fülle seiner politischen

Fehlentscheidungen zeigt dieser

Fehltritt die ganze Jämmerlichkeit –und

die Gefährlichkeit –des US-Präsidenten.

Wer will der SPD ihren Frust

verdenken. So nah war Europa

an einem Kommissionspräsidenten

aus ihren Reihen,

der Niederländer Frans Timmermans

hatte schon Frankreich und die Bundeskanzlerin

hinter sich gebracht. Die Entscheidung

für ihn schien Formsache zu

sein. Dann platzte der Traum. DieOsteuropäer

blockierten, alles musste von vorne

losgehen. Das Prinzip der Spitzenkandidaten

war damit für diese Legislaturperiode

gescheitert. Die SPD hat recht, wenn sie

diesen Prozess nun kritisiert.

Dieeuropäische Demokratie hat Schaden

genommen, weil nun keine(r) der beiden

Spitzenkandidaten an die Spitze aufrücken

soll, sondernals Kompromiss CDU-Verteidigungsministerin

Ursula vonder Leyen Präsidentin

der EU-Kommission werden soll.

Dass dies so kommt, liegt zum Teil an dem

schwachen EVP-Frontmann Manfred Weber.

Es liegt an einem ungestüm agierenden französischen

Präsidenten Emmanuel Macron,

der sich mit einer schnellen Festlegung gegen

Weber verspekulierthat.

Es liegt aber auch an einem amateurhaft

agierenden Europäischen Parlament, das

Weber erst einmal blockiert hat und dann

mit Verzögerung bemerkt hat, wie sehr es

sich damit selbst schwächt. Undesliegt, zuletzt,

an einer Kanzlerin, die den Kompromisskandidaten

Frans Timmermans weder

in Europa noch in der eigenen Partei durchsetzen

konnte. Aber wenn die deutsche SPD

das alles kritisiert, dann muss sie auch eine

Alternative aufbieten. Und das kann sie

nicht. Sieist einfach nur dagegen.

Es ist die Corbynisierung der SPD,die Abgabe

der Verantwortlichkeit, um im Gegenzug

das sozialdemokratische Profil zu schär-

Letzte Woche fand in Berlin der nationale

MINT-Gipfel statt. MINT, das steht für

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

und Technik. Lange Zeit war diese Fächergruppe

ein Sorgenkind im deutschen

Bildungssystem. Denn die Zahl derjenigen,

die diese Fächer studieren wollten, sank

jährlich. Inzwischen hat sich der Trend

glücklicherweise umgekehrt. Dank großer

Anstrengungen der Hochschulen und Ministerien

konnte das Interesse an Natur- und

Technikfächernneu geweckt werden. Dasist

wichtig für Deutschlands Zukunft und daher

eine gute Nachricht.

Doch sind längst nicht alle Probleme

überwunden. Wer ein MINT-Fach studiert,

muss eine starke Motivation mitbringen. Die

Lern- und Arbeitsbelastung bleibt erheblich,

das Stoffpensum stellt große Anforderungen.

Die Zahl der Studienwechsler ist daher im

MINT-Bereich überdurchschnittlich hoch.

Hier müssen die Vorabinformationen für die

Schulen weiter verbessert werden, will man

persönliche Enttäuschung und Frustration

verhindern.

Die Zahl der weiblichen Studierenden in

den MINT-Fächern stieg in den letzten 25

Jahren kontinuierlich, aber langsam. Im

Bauingenieurwesen liegt ihr Anteil mittlerweile

bei 29 Prozent, in der Informatik bei 22

Prozent, in der Elektrotechnik bei 17 Prozent.

Das sind noch immer keine wirklich befriedigenden

Werte. Seit geraumer Zeit bieten

die Hochschulen Orientierungstage für

Schülerinnen an, die für die Natur- und

Europa

Der kleinste

Nenner

Gordon Repinski

warnt die Sozialdemokraten voreiner Totalblockade in Brüssel.

Er hält das für verantwortungslos.

KOLUMNE

Natur,Technik

und Deutschlands

Zukunft

Peter-André Alt

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

Technikwissenschaften gewonnen werden

sollen. In der konkreten Studienfachwahl

schlagen sich solche Initiativen aber kaum

nieder,wie die Zahlen belegen.Wirbrauchen

künftig mehr Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen,

weil Diversität für jede

Disziplin förderlich ist.

Profitieren können die MINT-Fächer vom

starken Engagement der jungen Generation

für Zukunftsthemen wie Klimaschutz und

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

fen, wie es so schön im Politjargon heißt. Es

ist verwirrend, denn innenpolitisch bleiben

die Sozialdemokraten ein verlässlicher, verantwortlicher

Partner in der großen Koalition.

Dabei ist die kommissarische Parteispitze

mit Malu Dreyer, Manuela Schwesig und

Thorsten Schäfer-Gümbel nicht einmal

Taktgeber dieses Kurses. Essind die Altvorsitzenden

Sigmar Gabriel und Martin Schulz,

die in übertriebener Lautstärke als Erste die

Richtung vorgeben. Und ist dies einmal geschehen,

ist die Kakophonie schon bald vollendet.

Sehr schnell werden die Genossen in

derartigen Debatten grundsätzlich, alles gerät

außer Rand und Band. Mal ist die eigene

Parteichefin im Visier, mal der Koalitionspartner.

Die einzige Konstante ist der Kontrollverlust

und der Kater danach.

Sehr oft geht es um die Koalition, um die

Halbzeitbilanz, um die Regierungsarbeit allgemein.

Es ist die Konsequenz einer Parteikommunikation,

in der seit Beginn der Zusammenarbeit

mit dem Ausstieg aus der großen

Koalition geliebäugelt wird. Diese Art

der Rhetorik gibt dem einzelnen Abgeordneten

die Freiheit, zu jeder Zeit alles kritisieren

zu können. Am Ende schadet dieses Vorgehen

allen, am meisten der SPD selbst.

Die Chaotisierung der vergangenen Tage

zeigt, wie wichtig es ist, dass den tapferen Interimsvorsitzenden

der Übergang zu einer

neuen Spitzegelingt. Aber es gibt auch Hoffnung.

Mit Rolf Mützenich steht ein ruhiger

und überlegter Politiker an der Spitze der

Fraktion. Mit Michael Roth und Christina

Kampmann haben sich zwei erste,neue Gesichterfür

die Spitzeder SPD beworben.

Europa braucht eine SPD,die ihr Versprechen

vieler Plakate für den Kontinent ernst

nimmt. Europa steht nach zähen, schädlichen

Wochen nämlich nicht mehr vor der

Frage, obsich ein Spitzenkandidatenmodell

durchsetzen lässt oder nicht. Die Frage ist

mittlerweile, obinunruhigen Zeiten die Institutionen

überhaupt eine Führung erhalten.

Diese Frage ist existenziell.

Wer wie die Genossen glaubt, dass Europa

bereits beschädigt ist, hat recht. Wer

aber ignoriert, dass der Kontinent durch

eine vollständige Blockade nicht noch ein

Vielfaches an Schaden nehmen könnte, hat

nicht verstanden, wie fragil die Dinge mittlerweile

sind.

Es ist Zeit, ein Wort zu umarmen, das einen

viel zu schlechten Ruf hat: der kleinste

gemeinsame Nenner.Esist Zeit für eine Lösung

in Europa. Es geht um viel.

Nachhaltigkeit. Schüler, die sich nicht mit

der berechtigten Kritik am Politikversagen

begnügen möchten, sollten ihre Studienwahl

entsprechend planen. Denn in den

MINT-Fächern werden die Weichen für unser

Klima, unsere Energiequellen und die

Welternährung gestellt. Die gesellschaftlichen

Erwartungen an die Natur- und Technikdisziplinen

sind entsprechend hoch.

Damit verbindet sich das Thema der ethischen,

im engeren Sinne sozialenVerantwortung.

Nahezu jedes der MINT-Fächer zeigt,

dass aus ihnen hervorgehende neue Entwicklungen

eine Gesellschaft positiv und negativ

beeinflussen können. Die Richtung

hängt vonder spezifischen Anwendung und

dem Zweck ab, der verfolgt wird. Die Forschung

an Krankheitserregern kann der Beherrschung

von Epidemien, aber auch der

Erzeugung vonBiowaffen dienen. Industrieroboter

vermögen Produktionsprozesse zu

vereinfachen, jedoch zugleich den Bau von

Kriegsdrohnen zu befördern. Unddie Werkzeuge,

die Schwachpunkte in einer Software

beseitigen helfen, dürften in der Hand von

HackerndestruktiveFolgenhaben.

Die vielbeschworene Dialektik unseres

wissenschaftlich-technischen Fortschritts ist

nichts Abstraktes, sie lässt sich an Beispielen

aus jeder einzelnen Disziplin mit Händen

greifen. Sie sollte ein Grund dafür sein, die

junge Generation in den MINT-Fächernnicht

nur exzellent zu qualifizieren, sondern sie

auch auf einen gesellschaftlich verantwortbarenEinsatz

ihrer Kenntnisse vorzubereiten.

Peggy Gou, 29, im aktuellen Zeit-Magazin.

Sie ist Südkoreanerin und lebt seit 2014 in der Stadt.

Sie zählt zu den einflussreichsten DJs der Welt.

Ihre Disziplin: elektronische Tanzmusik.

AUSLESE

Brüsseler Kompromiss

oder Kungelei?

Die europäischen Personalentscheidungen

beschäftigen die Kommentatoren.

Im Mittelpunkt steht dabei die

Nominierung von Ursula von der Leyen,

die neue Kommissionschefin werden soll.

Hinterzimmer-Kungelei oder nicht?

Die Süddeutsche Zeitung findet: Hinterzimmer.

Und ruft die Parlamentarier

zum Widerstand auf: „Sie sollten von der

Leyen durchfallen lassen. ... Nur eine

wirklich demokratische Union, in der die

Bürger das entscheidende Wort sprechen

und das Parlament das Machtzentrum ist,

kann aus künftig 27 Staaten mit egoistischen

Regierungen eine Einheit formen

und so die genannten Herausforderungen

bestehen.“

In den Badischen Neuesten Nachrichten

ist hingegen zu lesen: „Das Europa, das wir

heute kennen, ist ein Europa des Kompromisses,ein

Europa des Ausgleichs.Und jeder,

der ab und zu verhandelt, weiß, wie

mühsam es ist, auszutarieren und Kompromisse

zu finden. In diesem Sinne hat

der Personalpoker auch etwas vonEhrlichkeit:

So ist Europa. Es ringt und es kämpft

miteinander – und am Ende steht der

Kompromiss.“ Bettina Cosack

KORREKTUR

Aufder Doppelseite 2/3 vomDonnerstag,4.Juli

2019, ist ein Interviewmit der Schriftstellerin Jagoda

Marinic zu lesen. Durch einen technischen Fehler ist

das kleine Cinihrem Nachnamen konsequent verloren

gegangen. Wirbitten um Entschuldigung.

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

Mitglied der Chefredaktion: Elmar Jehn.

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Seite 3/Report: Bettina Cosack.

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Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Immer wieder der

Rücken –eineneue

Therapie verspricht Hilfe

Seite 17

Wasdie kleinen Palast-Knirpse aus dem Friedrichstadt-Palast so treiben Seite 10

Wasdie AfD mit ihrem Internetportal blicknachlinks.org bezweckt Seite 16

Stadtbild

Nach Leid

kommt Freud

Lutz Schnedelbach

ist froh über jeden Hauch

vonFreundlichkeit.

Esgibt sie noch die Freundlichkeit

in der Stadt. Ja,esstimmt. Mirist

es selbst passiert. Und ich war so

überrascht, dass ich es vielen Mitmenschen

erzählt habe. Ob sie es

hören wollten oder nicht. Ob sie es

mir geglaubt haben, kann ich nicht

sagen.

Es war an einem Tag, mitten in

der Woche. Nachdem mich früh am

Morgen ein Müllmann angeschnauzt

hatte, dass die Mieter in

unserem Haus,die Tonnen immer zu

voll stopfen, und der Lieferant von

Edeka sich darüber erregte, dass ich

die Rechnung nicht passend zahlen

konnte, fuhr ich mit einem Bus der

BVG zum Alexanderplatz. Im Bus

war alles in Ordnung. Der Fahrer

störte sich nicht an seinen Fahrgästen.

Er fuhr einfach. Auch beim Aussteigen

ging alles gut, keine Drängelei,

wie sonst. Keine Koffer versperrten

den Weg. Das sonnige Wetter

schien viele Leute zu beruhigen.

In einem der beiden großen Elektronik-Märkte

auf dem Alexanderplatz

wollte ich dann eine neue Speicherkarte

für den Fotoapparat erwerben.

Fachkundige Beratung

hatte ich nicht mehr erwartet, nach

dem ich vorkurzemeinen Verstärker

für das Internet in meiner Wohnung

kaufen wollte. Kein Verkäufer war in

der Nähe. Nur ein Lehrling. Den

sprach ich freundlich an und sagte

ihm, was ich suche. Zugegeben,

meine Frage war nicht ganz fachkundig.

Egal. Er motzte mich an,

dass es Repeater hieße, nicht Verstärker

und fragte, obich keine Ahnung

hätte. Ich erwiderte, dass man

das doch merke und ich ihn deshalb

um Hilfe bitte. Sonst wäre mir nicht

eingefallen, ihn anzusprechen.

„Steht doch allet druff“, so der Auszubildende.Fehlte

nur noch der Satz

„Du Dödel.“ Gesagt hat er es nicht.

Er ließ mich aber stehen, der Bengel.

Mein Internet funktioniert immer

noch nicht reibungslos. Eine neue

Speicherkarte habe ich aber. Dafür

brauchte ich keine Hilfe. Ich hatte

die alte Karteextramitgenommen.

Doch dann passierte es, was ich

nicht zu glauben erhoffte und was

den Tagnoch rettete.

Um dem Andrang in der Straßenbahn

zu entgehen, setzte ich auf den

Transport in einem Taxi. Ich entdeckte

auch eins. Am Alex stehen

meistens welche und warten auf

Kunden. Ich kannte den Fahrer von

vorherigen Fahrten. Er freute sich

tatsächlich, mich zu sehen. Ich

wollte zur Sparkassenfiliale an der

Danziger Straße, um eine Stromrechnung

zu begleichen. Auf der

Fahrt dorthin fragte der Chauffeur,

wie ich nach dem Bankgeschäft von

dort nach Hause kommen wolle. In

einem Fahrzeug der BVG, antwortete

ich. Egal ob Bus oder Straßenbahn.

Laufen müsse ich das letzte Stück sowieso.

Dann machte er mir einen

Vorschlag, der es in sich hatte. Er

würde warten, bis ich das Geld überwiesen

habe. Indieser Zeit könne er

eine Zigarette rauchen und einen

Becher Kaffee trinken. Auch die Uhr

würde er abschalten, sodass mir

keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Ich wusste nicht, wie mir geschah.

Schwuppdiwupp war ich zu

Hause. Ein sehr freundlicher Mann.

Er war halt kein Lehrling.

Wollen weiter in ihrem Haus wohnen: Paule Harzer,Nadja Müller,Maik Lischke(von links). CHRISTIAN SCHULZ (2)

Angst im Milieuschutzgebiet

Mieter eines Hauses in Friedrichshain fürchten, dass sie verdrängt werden –und hoffen auf Hilfe der Politik

VonUlrich Paul

Es ist ein kleines idyllisches

Plätzchen in Friedrichshain.

Holteistraße 19/19a,

ein Gründerzeit-Altbau mit

pastellfarbener Fassade.ImInnenhof

unter einer Kastanie sitzen mehrere

Mieter. Sie haben ein Problem, vor

dem gerade viele Berliner stehen:Was

wirdaus ihrem Haus? Werden sie hier

weiterhin wohnen können?

„Wir sind durch ein Schreiben des

Bezirksamts darüber informiert worden,

dass unser Haus verkauft wird“,

sagt Paule Harzer, 33, einer der Mieter.„Daswar

ein Schock.“ DasHaus in

der Holteistraße liegt im Milieuschutzgebiet.

Das heißt, hier besteht

aus Sicht des Bezirks die Gefahr,dass

Mieter verdrängt werden. Der Bezirk

hat deswegen bei Verkäufen ein gesetzliches

Vorkaufsrecht. „Wir sind

dann ins Rathaus geladen worden,

wo wir erfahren haben, dass es eine

Frist von zwei Monaten für die Ausübung

des Vorkaufsrechts gibt“, sagt

Harzer.„Zu dem Zeitpunkt waren es

leider nur noch fünfWochen.“ Dassei

der nächste große Schock gewesen.

„Wir haben dann sofort begonnen,

uns zu organisieren, haben einen E-

Mail-Verteiler aufgebaut und Kontakt

zu allen Mietern aufgenommen“,

sagt Harzer. „Keiner konnte uns zunächst

sagen, wer der Käufer ist. Das

haben wir erst später herausgefunden.“

Erwerben will das Haus mit

mehr als 20 Wohnungen ein Unternehmen,

das zur Fortis Group gehört.

„Schlimmer kann es eigentlich nicht

kommen“, sagt Nadja Müller,32.

Noch erträgliche Mieten

DieFortis wurde bekannt durch Fälle

wie in der Lenbachstraße 7oder Samariterstraße

8/Ecke Rigaer Straße 35

in Friedrichshain, wo die Mieter noch

kurzvor dem Jahreswechsel eine Modernisierungsankündigung

erhielten,

nach der sich die Miete verdoppeln

bis verdreifachen könnte. „Jetzt

merken wir erst, in welcher Idylle wir

bisher gewohnt haben“, sagt Paule

Harzer. „Wir zahlen für unsere rund

65 Quadratmeter große Wohnung

eine Kaltmiete von 460 Euro, warm

sind es 628 Euro.Wenn wir hier raus

müssten, würden wir zu dem Preis

keine neue Wohnung mehr finden.“

Das Vorkaufsrecht:

Verkauft ein Hausbesitzer in

einem Milieuschutzgebiet

seine Immobilie, hat der Bezirk

zwei Monate Zeit, um in

den Kaufvertrag einzutreten,

wenn zu befürchten ist, dass

die Ziele des Milieuschutzes

durch den neuen Eigentümer

ausgehebelt werden.

Anderen gehe es genauso. „Es gibt

Mieter, die schon mehr als 20 Jahre

hier wohnen“, sagt Harzer, der

Sound-Desinger ist.„Ich finde es total

schade,wie die Stadt kaputt gemacht

wird“, so der 33-Jährige. „Jahrelang

wurde bei uns in der Umgebung gebaut.

Jetzt haben wir gerade Ruhe –

und müssen nun befürchten, unsere

Wohnung zu verlieren.“

Die Mieter haben in den letzten

Tagen überlegt, welche Kosten auf sie

zukämen, wenn eine Genossenschaft

ihr Haus erwirbt. Beider DieseeG, einer

neugegründeten Genossenschaft

genau für diese Zwecke, kämen immense

Kosten auf sie zu. „Für unsere

Wohnung müssten wir rund 33 000

Euro aufbringen“, sagt Harzer. Es

gebe zwar auch Zuschüsse, doch

könnte das kaum jemand aus dem

VORKAUFSRECHT

Die Abwendung:

Nicht zum Zugekommt das

Vorkaufsrecht, wenn sich der

Käufer schriftlich verpflichtet,

die Ziele des Milieuschutzes

einzuhalten. Eine

solche Verpflichtung wird Abwendungserklärung

genannt

–weil das Vorkaufsrecht abgewendet

wird.

Mitten in Friedrichshain: Wohnhaus Holteistraße 19/19 a.

Der jüngste Vorkauf:

Der Bezirk Friedrichshain-

Kreuzberg hat gerade für das

Ensemble Urbanstraße 67 in

Kreuzberg das Vorkaufsrecht

ausgeübt –zugunsten der

landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft

Gewobag

und der Nutzer-Genossenschaft

Eine für Alle.

Haus innerhalb vonvier Wochen aufbringen.

„Wir hoffen deswegen, dass

eine landeseigene Gesellschaft unser

Haus über das Vorkaufsrecht erwirbt“,

sagt Harzer. „Schließlich war

unser Haus früher mal im Landesbesitz,

bis es privatisiertwurde.“

DasHauswar einst im Besitz einer

Tochter der Wohnungsbaugesellschaft

Mitte (WBM). Doch diese

winkt ab. Der Erwerb des Hauses in

der Holteistraße sei leider nicht möglich,

sagt WBM-Sprecher Christoph

Lang. Der Kaufpreis sei „nicht wirtschaftlich

darstellbar“. Die Entscheidung

gegen einen Ankauf sei nach

gründlicher Abwägung getroffen

worden. Viele Aspekte spielten dabei

eine Rolle: Neben dem reinen Kaufpreis

gehöre dazu die durchschnittliche

Miethöhe, ein eventuell vorhandener

Sanierungsbedarf und auch

eineventueller Zuschuss des Finanzsenators.Dies

alles werdefür 30 Jahre

berechnet. Am Ende gelte, dass die

Geschäftsführung auch einer kommunalen

Gesellschaft kein Geschäft

eingehen dürfe,„bei dem von vorneherein

klar ist, dass es Verluste einbringen

wird“.

Das Gebäude in der Holteistraße

soll für rund sechs Millionen Euro

verkauft werden. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

prüft die Ausübung

des gesetzlichen Vorkaufsrechts,

sagt Baustadtrat Florian

Schmidt (Grüne). Nach der WBM ist

jetzt eine anderelandeseigene Gesellschaft

als Erwerber im Gespräch.

Frist endet noch im Juli

Am 25. Juli endet die Frist für die Ausübung

des Vorkaufsrechts.„DerStaat

ist mit seinen Gesetzen verantwortlich

für die hohen Preise“, sagt

Schmidt. „Wenn er die nicht zahlt,

gibt er die Stadt und die Menschen

auf.“ Das bedeute nicht, dass immer

alles gekauft werden soll. Doch müsse

sich Berlin die Option offenhalten.

Die Mieter in der Holteistraße rücken

durch den drohenden Verkauf

zusammen. „Früher haben alle mehr

oder weniger ihr eigenes Ding gemacht“,

sagt Mieter Maik Lischke,52.

Aber seitdem klar ist, dass das Haus

verkauft werden soll, versuche man

„gemeinsam einen Ausweg zu finden“.

Aus Sicht der Mieter steht das

Vertrauen in die Politik auf dem Spiel.

„Wir leben zwar in einem Milieuschutzgebiet“,

sagt Harzer. „Es fühlt

sich aber leider im Moment nicht so

an, als wenn wir geschützt wären.“

Die Linke-Abgeordnete Gaby

Gottwald kritisiertdie Geschäftspraktiken

von Fortis seit langem –und

setzt sich dafür ein, den Mietern der

Holteistraße zu helfen. „Wenn jetzt

nicht das Vorkaufsrecht ausgeübt

wird, um solchen Geschäftemachern

das Handwerk zulegen, dann weiß

ichnicht, worauf man wartet, um wirkungsvoll

Mieterschutz zu praktizieren“,

sagt sie.

Ulrich Paul hat viele

Mieter getroffen, die Angst

um ihre Wohnung haben.

NACHRICHTEN

Flughäfen erwarten

starkenRückreiseverkehr

DieBerliner Flughäfen Tegel und

Schönefeld rechnen an diesem Freitag

mit besonders vielen Reisenden.

„Es wirdwahrscheinlich der verkehrsreichste

Tagder Sommerferien.

Dererste Schwung Urlauber kommt

zurück, während andereerst in den

Urlaub starten“, sagte Hannes Stefan

Hönemann, Sprecher der Flughafengesellschaft

FBB.AmFlughafen

Tegel werden demnach am Freitag

bis zu 85 000 Passagiere erwartet,

verteilt auf rund 650 Flüge. DerFlughafen

Schönefeld stellt sich auf

35 000 Reisende und bis zu 350 Flüge

ein. Fluggästesollten an beiden

Flughäfen mindestens zwei Stunden

vorAbflug im Terminal sein, hieß es.

(dpa)

Abschleppfirma

soll BVGunterstützen

DieBerliner Verkehrsbetriebe (BVG)

suchen ein Abschleppunternehmen,

das sie beim Freiräumen vonBusspuren,

Haltestellen und Straßenbahngleisen

unterstützt. Einentsprechender

Rahmenvertrag wurde

jetzt im EU-Amtsblatt ausgeschrieben.

DieFirma soll die BVGunterstützen,

etwa wenn deren eigene Abschleppwagen

nicht in der Nähe

sind, so Sprecherin PetraNelken.

Laut Mobilitätsgesetz darfdas Verkehrsunternehmen

nun selbst Autos

abschleppen. Doch weil die erforderliche

Verwaltungsvorschrift und

die Gebührenordnung weiterhin

fehlen, kann es wohl erst 2020 damit

beginnen. (pn.)

Sieben Verletzte bei

Busunfall in Adlershof

EinBus der BVGist in Adlershof gegen

einen Lastwagen gekracht. Beidem

Unfall am Donnerstagmittag wurden

nach ersten Erkenntnissen sieben

Fahrgäste leicht verletzt, wie die Polizeimitteilte.Einer

derVerletzten habe

sich einen Armgebrochen.Zur Unfallursache

konnte die Polizei zunächst

keine Angaben machen. Zuvorhatte

der Rundfunk Berlin-Brandenburg(RBB)

berichtet. (dpa)

Spätere Eröffnung kostet

sechs Millionen Euro

DieVerzögerung bei der Eröffnung

des Humbold-Forums in Berlin kostet

allein die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

rund sechs Millionen Euro

zusätzlich. Bisher waren für den aufwendigen

Umzug in den rekonstruierten

Schlossbau gegenüber der Museumsinsel

etwa 32 Millionen Euro

veranschlagt. Ursprünglich sollte das

riesige Kultur-und Ausstellungszentrumvon

Novemberaninmehreren

Etappengeöffnetwerden. (dpa)

Das Humboldt-Forum –kommt später und

wird teurer.

SABINE GUDATH


10 * Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Berlin

Die neue Kinder-Show „Im Labyrinth der Bücher“ soll eine wilde, bunte Reise ... ... durch die Welt der Märchen und Erzählungen werden. Rund 280 Kinder ... ... des jungen Ensembles stehen auf der Bühne, zeigen ihr Können. FRIEDRICHSTADT-PALAST (3)

Hinter

den

Kulissen

Joseph Jung kümmertsich um die Abläufe auf der Bühne.

Der Bühnenmeister

Sicherheit ist sein Job

Rund 2850 Quadratmeter ist sie

groß, die Bühne des Friedrichstadt-Palastes.

Sie ist damit die

größte Theaterbühne der Welt. Und

dieser Mann kennt jeden Winkel: Joseph

Jung (30) ist einer der Bühnenmeister

des Revue-Hauses – und

auch dafür verantwortlich, dass die

Bühne für jede neue Show eingerichtet

wird. „Ich bin für alle technischen

Abläufe zuständig –und auch für die

Sicherheit der Darsteller während

der Show “, sagt er.Auch bei den Proben

ist er deshalb immer dabei. „Ich

muss darauf achten, dass keine der

Szenen für die Tänzer gefährlich

werden könnte.Wenn der Regisseur

möchte,dass jemand auf einem fünf

Meter hohen Turm einbeinig balanciert,

bin ich dafür zuständig, dass

SABINE GUDATH

alles so inszeniert wird, dass keine

Gefahr besteht. Wir können alles

möglich machen, aber alles muss sicher

sein.“ Auch während der Shows

selbst muss er alle Abläufe überwachen:

„Das Programm kann erst beginnen,

wenn ein Bühnenmeister

anwesend ist.“ Die Arbeit am Theater

interessierte ihn schon immer,

sodass er beschloss, Theatertechnik

zu studieren. Nach dem Studium an

der Beuth-Hochschule für Technik

arbeitete er als freier Techniker, kam

2010 zum ersten Mal für eine Produktion

in dem Palast, arbeitete aber

auch an anderen Häusern.„Seit 2010

bin ich fest angestellt – und freue

mich, dass ich hier bin. Ich mag die

Atmosphäre und die Zusammenarbeit

mit den Kollegen sehr.“

Im Friedrichstadt-Palast laufen die

Vorbereitungen für die neue Kinder-Show

VonFlorian Thalmann

Rund 280 Kinder und Jugendliche aus Berlin fiebern

derzeit dem 17. November entgegen, denn dann feiert

imFriedrichstadt-Palast, Berlins riesiger Revue-

Institution, die neue Kinder-Show„Im Labyrinth der

Bücher“ Premiere. Während bei den „Grand Shows“ auf der

größten Bühne der Welt erwachsene Tänzer ihr Können zeigen,

dürfen bei den Nachwuchs-Shows die kleinsten ran. Ausschließlich

Nachwuchs-Künstler zwischen sechs und sechzehn

Jahren stehen auf den Brettern –und bringen nicht nur

die Zuschauer, sondern auch die Palast-Mitarbeiter zum Jubeln.

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie die Kleinen das rüberbringen

können. Und mit welchem Einsatz und welcher

Professionalität sie hier bei der Sache sind“, sagt Berndt

Schmidt, der Intendant des Hauses.„Im Labyrinth der Bücher“

wirdeine knallbunte Reise durch dieWelt der Märchen und Erzählungen:

DieKids tanzen sich durch „Robin Hood“, „Robinson

Crusoe“ und„Die drei Musketiere“. Auch wenn es noch etwas

dauert, bis sich der Vorhang hebt, wird schon jetzt fleißig

an der neuen Revue gearbeitet –die Berliner Zeitung riskierte

einen Blick in die Werkstätten des riesigen Revuetheaters.

Orkide Tetik schneidertdie Outfits für die Bühnen-Stars.

Kostüme wie am Fließband

Wenn die kleinen Tänzerinnen

undTänzer auf der Bühne in ihrenKostümen

um die Wette strahlen,

hat sie ihren Joberfüllt: Orkide Tetik,

30, ist die Gewandmeisterin des Palastes

–und dafür zuständig, die Kostüm-Ideen

Wirklichkeit werden zu

lassen. DieVorbereitungen dafür beginnen

früh. „Seit März sind wir mit

den Kostümen für die neue Kindershow

beschäftigt“, sagt sie. „Wir setzen

uns mit dem Kostümbildner zusammen,

diskutieren über Materialien

und Schnittführung.“ Stehen die

Darsteller fest, gehen die Mitarbeiter

der Schneiderei an die Entwürfe.

Wichtig: „Wir müssen darauf achten,

dass die Kleidung tanzbar ist, dass

sich die Tänzer damit gut bewegen

können.“ Nach und nach entstehen

Die Gewandmeisterin

SABINE GUDATH

mehr als 200 Kostüme, jedes besteht

aus mehreren Teilen, die in Handarbeit

angefertigt werden. Beimanchen

Exemplaren ist Fließbandarbeit angesagt.

„Es gibt in der Show ein Bild,

bei dem 36 Kinder als Moskitos auf

die Bühne kommen –wir benötigen

also 36 Moskito-Outfits.“ Während

die Show läuft, kümmert sich das

Team um Reparaturen an den Kostümen.

Langweilig werde es deshalb

nie,für Tetik das BesondereamBeruf.

„Dass ich Schneiderin werden wollte,

wusste ich sehr früh.Weil ich aber immer

kreativ war, brachte mich mein

Berufsschullehrer auf den Beruf der

Gewandmeisterin.“ Nach der Lehre

absolvierte sie ein Praktikum im Palast,

kam nach mehreren Stationen

im April2018 zurück.

Wolfgang Johannes arbeitete früher beim DDR-Fernsehen.

SABINE GUDATH

Jolin Chong tanzt gern, möchte später aber Lehrerin werden. ANDREAS KLUG Julie Speck schafft besondere Dekorations-Elemente. SABINE GUDATH

Bunter als „Ein Kessel Buntes“

Inder Werkstatt von Wolfgang Johannes

fällt eines sofort auf: der

angenehme Geruch von Holz. Es ist

sein wichtigstes Arbeitsmittel. Der

61-Jährige arbeitet seit 35 Jahren in

der Palast-Tischlerei, baut tagtäglich

Dekorationsteile für die Revue-

Shows. „Ich habe beim Fernsehen

der DDR den Beruf Dekorationstischler

gelernt“, sagt er. Er wurde

Tischlermeister, leitete die Werkstatt

beim Fernsehen. Unter seinen Händen

entstanden Teile für rund 400

Produktionen proJahr –für Fernsehfilme,

Nachrichten-, Sport- und Jugendsendungen,

aber auch Formate

wie „Ein Kessel Buntes“. „Aber dort

wurde viel Druck ausgeübt. Ichsollte

in die Partei, in die Kampfgruppe

eintreten, das gefiel mir nicht. Also

Der Tischler

wollte ich den Job nicht mehr machen.“

Als er erfuhr, dass der Friedrichstadt-Palast

einen Tischlermeister

suchte,bewarb er sich –und landete

in der Show-Werkstatt. Besonders

toll für ihn: „Jede Show ist ein

neues Abenteuer –man weiß nie,wo

es endet.“ Denn die Konzepte der

Shows lassen die Tischlerei-Mitarbeiter

in ihren Händen zur Wirklichkeit

werden, ein langer Prozess.„Immer

wieder werden Dinge verändert

und umgebaut.“ Das Gefühl, die eigenen

Werkezum ersten Malauf der

Bühne zu sehen, sei besonders, gerade

bei den Kindershows.„Die großen

Revuen setzen mehr auf Technik

–aber ein ganzes Piratenschiff oder

ein Hexenhaus zu bauen, ist schon

etwas Besonderes.“

Einmal eine Elfe sein

Was wäreeine Kindershowohne

Kinder? Gut, dass die Macher

der Revuen aus dem Vollen schöpfen

können: Der Palast unterhält das

größte Kinder- und Jugendensemble,

das es in Deutschland gibt.

Rund 250 Kinder und Jugendliche im

Alter vonsechs bis 16 Jahren und aus

20 Nationen erhalten im Haus eine

Tanz- und Schauspielausbildung.

Eine von ihnen ist Jolin Chong. Die

14-Jährige aus Charlottenburgist bereits

seit 2013 Mitglied des Kinderensembles.

„Ich tanze, seit ich drei

Jahrealt bin und kam über Bekannte

zum Palast“, sagt sie. Der Auftritt im

„Labyrinth der Bücher“ ist nicht ihr

erster:Jolin spielte unter anderem in

der Show „Die Schneekönigin“ mit.

In der neuesten Kinder-Show

Die jungeTänzerin

schlüpft die Nachwuchs-Tänzerin

gleich in mehrereRollen. „Ich bin ein

Räuber, eine Fischverkäuferin auf

dem Marktplatz und eine Regenbogenelfe

–auf die freue ich mich besonders“,

sagt sie.„DieSzene wirdsicherlich

sehr bunt. Auf die Kostüme

freue ich mich sowieso immer sehr.

Diesmal ist die Geschichte der Show

auch wieder so interessant: es wird

eine Fantasiereise durch die Welt der

Bücher.“ Ob sie später auch beruflich

Tänzerin werden will, weiß sie allerdings

noch nicht. „Da bin ich mir

noch unschlüssig. Aber eher nicht, es

wird wohl ein Hobby bleiben“, sagt

sie. „Bald steht das Berufspraktikum

an –mal sehen, was ich da mache.“

Nurmit Menschen würde sie gernarbeiten.

IhrTraumberuf: Lehrerin.

Basteln war schon immer ihr

Hobby – gut, dass sie es nun

auch zum Berufmachen konnte: Julie

Speck arbeitet in der Theaterplastik-Werkstatt

des Revue-Palastes,

lässt aus Bastelmaterial große und

kleine Dekorationsteile entstehen.

„Gerade arbeite ich an einem großen,

rollbaren Bett, das wie ein Bücherstapel

gestaltet sein soll“, sagt

sie, zeigt auf ein Metallgerüst, das

ringsherum mit unterschiedlich großen

Styroporstücken verkleidet wird.

Noch kann man das Endprodukt

kaum erkennen –weil die Verkleidungen

und Verzierungen fehlen.

Andere Gegenstände sind bereits

fertig, beispielsweise ein großer Sessel

in Form eines angebissenen Apfels.

„Am Anfang setzen wir uns mit

Die Bühnenplastikerin

Basteln als Beruf

Bühnenbildnern und Werkstattleitern

zusammen, besprechen die

Entwürfe“, sagt sie. Auf ihrer Werkbank

landen letztendlich Zeichnungen

–Speck entscheidet selbst, mit

welchen Materialien sie arbeitet.

Beim Palast ist sie seit vier Jahren angestellt.

Sie landete hier, weil sie

nach dem Abitur Praktika in Theaterwerkstätten

absolvierte und dabei

den Beruffür sich entdeckte.„Ichbin

sehr froh, ich wusste nicht, dass man

mit Basteln im Keller sein Geld verdienen

kann.“ Ihre Ausbildung

machte sie an der Volksbühne, dann

kam sie zum Friedrichstadt-Palast.

„Es ist toll, solche besonderen Stücke

zu schaffen –esgab in vier Jahren

keinen Tag, an dem mich die Arbeit

nicht glücklich gemacht hat.“


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 11 **

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Berlin

Großbrand im Lichtenberger Dong-Xuan-Center

Container und Lagerhalle mit Nagellack, Polyester-Kleidung und Einweg-Feuerzeugen in Flammen. Polizei ermittelt zur Ursache für das Feuer

VonEric Richard und

Philippe Debionne

Auf dem Gelände eines Einkaufszentrums

in Lichtenberg

ist am Donnerstagmittag

ein verheerendes

Feuer ausgebrochen. Nach Angaben

der Berliner Feuerwehr handelt es

sich um das Dong-Xuan-Center, das

aus mehreren Markt- und Lagerhallen

besteht. „Wir bitten die Anlieger

des benachbarten Wohngebiets sich

aus dem Bereich zu entfernen oder

zumindest Fenster und Türen zu

schließen“, sagte ein Feuerwehrsprecher

am Donnerstag kurz nach

Ausbruch des Feuers. Eine „tiefschwarze

Rauchsäule“ steige hinter

dem Alexanderplatz in den Himmel.

Am Abend war der auf rund 5000

Quadratmetern wütende Brand

zwar unter Kontrolle, dennoch

werdeder Einsatz mit rund 70 Mann

„noch mehrere Stunden dauern“, so

der Sprecher weiter.

200 Kräfte im Einsatz

Wie die Feuerwehr am Donnerstag

mitteilte, geriet zunächst ein Container

in der Herzbergstraße in Brand.

DasFeuer habe dann auf eine Lagerhalle

übergegriffen. „Die Halle steht

in Vollbrand. Inzwischen ist auch ein

weiteres Gebäude in Brand geraten,

vermutlich eine weitere Lagerhalle“,

hieß es.Menschen seien nicht in Gefahr.

Dennoch stellte das Feuer die

insgesamt 200 Rettungskräfte vor

Die Rauchwolke, die am Donnerstag bei dem Brand im Dong-Xuan-Center entstand, waramNachmittag über der gesamten Stadt zu sehen.

eine große Herausforderung. „Wir

können nicht in das brennende Gebäude

und löschen nur von außen“,

so ein Sprecher am Nachmittag.

Der Grund dafür soll nach Informationen

der Berliner Zeitung die

Beschaffenheit der brennenden Güter

sein. Dabei soll es sich um hoch

entzündliche und teils explosiveWaren

wie Nagellack, diverse Kleidungsstücke

aus Polyester sowie

Tausende Einweg-Feuerzeuge handeln.

VorOrt und Stelle hieß es, die

Gefahr für Leib und Leben der eingesetzten

Kräfte sei bei einem Betreten

der Hallen zu groß. Daher habe man

sich entschieden, den von dem

Feuer betroffenen Container sowie

die Lagerhallen kontrolliert abbrennen

zu lassen.

Gegen 18 Uhrwar das Feuer dann

unter Kontrolle,allerdings werdeder

Einsatz „noch mehrere Stunden“

dauern. Es gehe nun darum, einWiederaufflammen

des Brandes und ein

mögliches Übergreifen des Feuers

auf andere Gebäude etwa durch

Funkenflug zu verhindern.

Erschwerend kam während des

gesamten Einsatzes hinzu, dass die

Wasserversorgung für die Löschmannschaften

aufgrund der Lage

AFP

der Hydranten „problematisch“ gewesen

sei, so die Feuerwehr.

Bereits im Jahr 2016 war im Dong-

Xuan-Center ein Großbrand ausgebrochen.

Damals hatte die Feuerwehr

mehrere Tage gebraucht, um

die Flammen endgültig zu löschen.

Und schon damals hatte die Feuerwehr

große Probleme mit der Wasserversorgung.

DieMänner mussten

Schläuche mit einer Länge von 250

Metern verlegen, weil drei Hydranten

auf dem Areal nicht benutzbar

waren. Die Staatsanwaltschaft hatte

später Ermittlungen wegen Baugefährdung

aufgenommen, hieß es

2016. Am Donnerstag war unklar,ob

diese Ermittlungen bislang überhaupt

abgeschlossen wurden.

Kistenweise Aktenordner

Auch in Zusammenhang mit Menschenhandel

und dem Einschleusen

illegaler Einwanderer aus Asien war

das Dong-Xuan-Center in den letzten

Wochen in die Schlagzeilen geraten.

Der RBB hatte berichtet, dass

das Center Anlaufstelle für Schleuser

und Geschleuste sein soll. Bei einer

in diesem Zusammenhang im Jahr

2018 durchgeführten Razzia wurden

aus den Markthallen kistenweise Aktenordner

und Datenträger als Beweismittel

beschlagnahmt.

Ob der jetzige Brand möglicherweise

mit den Ermittlungen wegen

Menschenhandels steht, war am

Donnerstag zunächst unklar.Die Polizei

ermittelt.

Wo bitte liegt

„Berlin-Mahrzahn“?

Neue Schilder an der A10: Der Fehlerteufel war unterwegs

VonMikeWilms

„Berlin-Mahrzahn“ steht auf dem Schild

am Berliner Ring. CAMCOP MEDIA/ANDREAS KLUG

Als Verkehrsstadträtin hat Nadja

Zivkovic (CDU) eine Entscheidung

getroffen. Sie wird sich nicht

darüber aufregen, dass seit einigen

Tagen Verkehrsschilder mit einem

Rechtschreibfehler auf ihren Bezirk

Marzahn-Hellersdorf hinweisen.

„Berlin-Mahrzahn“ mit einem zusätzlichen

„h“ steht auf mehreren

neu angebrachten Tafeln an der AutobahnabfahrtMarzahn

des Berliner

Rings. Zuständig für die Beschilderung

dieses Abschnitts der Bundesautobahn

10 ist das Land Brandenburg.

Aber, so sagt die Marzahner

Stadträtin versöhnlich, „wem ist es

noch nicht passiert, dass er einen

Nachbarnfalsch anspricht?“.

Weniger diplomatisch sind die

Reaktionen in der Facebook-Gruppe

„Wir Hellersdorfer und Marzahner“.

Dort hat eine Nutzerin zwei Fotos

der falsch beschrifteten Schilder gepostet

und damit eine Diskussion

ausgelöst. Peinlich und beschämend

finden manche den Beschriftungsfehler,

andere spekulieren über die

Einführung einer neuen Rechtschreibung

oder amüsieren sich darüber,

dass der Ort „Mahrzahn“ von

ihrem Navi nicht gefunden werde.

Aufgefallen ist das Missgeschick

auch bereits in der zuständigen Behörde,

dem Verkehrsministerium

des Landes Brandenburg. Man habe

den Fehler zum Glück vonalleine bemerkt,

sagte Sprecher Steffen Streu

am Donnerstag auf Anfrage.Eine Lösung

des Problems sei ebenfalls

schon in Auftrag gegeben worden.

„Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit

innerhalb von drei Tagen

geregelt ist“, sagte er. Die falsch beschrifteten

Schilder seien im Rahmen

einer Erneuerung vonHinweistafeln

an der A10ohnehin nur als

Provisorium angebracht worden.

Nun würden sie durch korrekt beschriftete

Marzahn-Schilder ersetzt.

Keine offiziellen Angaben gab es am

Donnerstag zu der Frage, wie viele

Tafeln vondem Missgeschick betroffen

sind. Allem Anschein nach wurden

insgesamt vier Schilder mit der

falschen Aufschrift an der Abfahrt

Marzahn des Berliner Rings aufgestellt.

Drei stehen an der Fahrbahn in

Richtung Süden, die zum Dreieck

Spreeau führt, mindestens ein weiteres

inder nördlichen Fahrtrichtung

zum Dreieck Barnim.

Wie hoch die Kosten sind, die

durch das Missgeschick verursacht

werden, konnte der Ministeriumssprecher

am Donnerstag ebenfalls

nicht sagen. Grundsätzlich gebe es

aber die Möglichkeit, fehlerhafte Beschriftungen

preisgünstig zu überkleben,

statt gleich die ganze Hinweistafel

auszutauschen.

Aus der Berliner Verkehrsverwaltung

war zu erfahren, dass Rechtschreibfehler

auf Straßenschildern

ziemlich selten vorkommen. Er erinneresich

aus dem Kopf nur an einen

25 Jahre alten Fall und dieser habe

sich nicht einmal in Berlin zugetragen,

sagte der Verwaltungsmitarbeiter

Derk Ehlertauf Anfrage.

Viele Beispiele für falsch beschriftete

Verkehrsschilder aus dem ganzen

Bundesgebiet findet man dagegen

im Internet. „Stuttgard“ mit „d“,

„Verkehrsfürung“ ohne „h“ und ein

Kuh-Piktogramm mit dem Hinweis

„Schafherde“ –darüber lachen die

Nutzer vonsozialen Netzwerken wie

Facebook und Twitter.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Berlin

Günter Mekas blickt am

liebsten in den Himmel.

Besonders das Sternbild

Orion hat es ihm angetan.

ImWinter gelingt es ihm manchmal,

den Orionnebel mit bloßem

Auge zu erkennen. Solche Momente

machen den 65-jährigen Hobbyastronomen

glücklich. Er beobachtet

ferne Galaxien durch das riesige

Spiegelteleskop der Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte,

deren Vereinschef

Günter Mekas ist. Der neue künstliche

Hahneberg mit der Kuppel ist

sein liebster Ortinder Stadt. DerHügel

ist 87 Meter hoch und gehörtzum

Naherholungsgebiet im westlichen

Berlin, gleich an der GrenzezuBrandenburg.

Doch die eigentliche Arbeit der

Sternengucker findet an einem anderen

Ortstatt, der einst so gar nichts

mit seiner heutigen Funktion zu tun

hatte. Nur wenige Hundert Meter

von der kleinen Sternwarte entfernt

befindet sich an der Heerstraße 531

das Quartier desVereins.Dass es hier

um Astronomie geht, sieht man sofort:

Graffiti zeigen Jupiter, Saturn

und angedeutete Sternbilder. Die

Fensterscheiben sind mit schwarzem

Lack bemalt, damit es bei Vorträgen

dunkel ist.

Es handelt sich um das alte Zollgebäude

an der Grenzkontrollstelle

Heerstraße, eine ehemalige Grenze

für den Transitverkehr auf West-Berliner

Territorium. Während es dort

verglichen mit anderen Grenzkontrollpunkten

nachts verhältnismäßig

ruhig zuging, passierten tagsüber

häufig Müllfahrzeuge.„Diemachten

sicherlich 20 bis 30 Prozent aus“,

schätzt Karl-Heinz Bannasch, Vorsitzender

der Heimatkundlichen Vereinigung

Spandau. „Viele West-Berliner

wissen gar nicht, dass ihr Abfall

mitten in der DDR landete, nämlich

auf der Deponie in Ketzin.“

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Mobile Welten

Führerschein mit 16? Für kleine

Motorräder kein Problem

Unterm Blech reichlich Power:

Der Hyundai i30 Fastback N

Wo früher die Lkw kontrolliert wurden

sind heute Parkbuchten. Etwas

weiter,ander Heerstraße/Ecke Bergstraße,

haben Bannasch und seine

Mitstreiter einen kleinen Gedenkort

für die Mauer-Toten errichtet.

Für Günter Mekas spielte der

Kontrollpunkt vor der Wende kaum

eine Rolle. Erst am Abend des Mauerfalls

am 9. November 1989 wurde

das alte Zoll-Gebäude für ihn interessant.

Kurz nachdem die innerstädtischen

Berliner Grenzübergänge geöffnet

worden waren, gab man in der

selben Nacht auch die DDR-Grenzübergangsstelle

Heerstraße frei. Im

Rahmen der Wiedervereinigung

wurden wenig später die getrennten

Ortsteile wieder im Berliner Bezirk

Spandau zusammengeführt, West-

Staaken zählte zum Beitrittsgebiet.

In der Nacht selbst feierte Mekas in

der Nähe vom Reichstagsgebäude.

Er stand wie viele andere Menschen

auf der Mauer und jubelte über die

neue Freiheit. Mit einem mitgebrachten

Hammer habe er sich ein

Stück Mauer abgeschlagen und es

als Erinnerungsstück mit nach

Hause genommen, erzählt er.

Als er vondem freiwerdenden Gebäude

des Zolls hörte, sah Günter

Mekas für seinen Verein eine

Chance. Bereits seit 1982 trafen sich

die Mitglieder des Sternwarte-Vereins

provisorisch in einem evangeli-

Dem Himmel

ein Stück näher

Günter Mekas ist Chef der Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte.

Der gemeinnützige Verein residiertheute in dem ehemaligen

Zollgebäude an der Grenzkontrollstelle Heerstraße

Günter Mekas in der Sternwarte seines Vereins auf dem Hahneberg.

Job, Familie, Alltag: 30 Jahre nach

dem Fall der Mauer prägt die einstigeTeilung

der Stadt noch das Leben vieler Berliner.

Wirstellen bis zum bis 9. November Menschen

und ihre Geschichte vor. Heute:

Günter Mekas, Jahrgang 1954,

aufgewachsen in Wilmersdorf.

VonKristin Hermann

DIE SERIE

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Im Internet: Die bisher erschienenen Teile

unserer Serie zum Mauerfall finden Sie

im Internet unter folgender Adresse:

www.berliner-zeitung.de/mauerfall oder auf

der neuen App der Berliner Zeitung (kostenlos

zu finden im Apple Store oder Google

Play).

schen Gemeindezentrum,

suchten

aber nach passenden

Räumlichkeiten

in der Nähe der

Beobachtungskuppel auf dem Hahneberg.

„Ich habe damals den Chef

vom Zoll angerufen“, erzählt Mekas.

„In der Satzung stand nämlich, sobald

Grenzkontrollpunkte wegfallen,

sind sie ausschließlich für gemeinnützige

Zwecke zu verwenden.

Deshalbdurften wir einziehen.“

Vondem ehemaligen Grenzkontrollpunkt

ist nicht viel übrig geblieben.

„Als einziges Überbleibsel aus

der Vorwendezeit gibt es noch an der

Wand unter dem Fensterbrett Kabelschächte

mit der umfangreichen

Verkabelung des überdachten Kontrollpunktes“,

sagt er. Indem ehemaligen

Raum mit dem einstigen

Abfertigungsschalter befindet sich

heute der Vortragsraum des Vereins.

Es entstanden eine Bibliothek, eine

astronomische Galerie, eine kleine

Ausstellung im Foyerund eine Werkstatt

zum Bau von Teleskopen. „Vorher

musste aber erst mal der 50 000-

Liter Heizöltank raus“, sagt Mekas.

Seit der Gründung des Vereins ist

Mekas dessen Vorsitzender. Für die

Astronomie begeisterte er sich aber

schon viel länger.ImAlter vonsechs

Jahren habe er in seinem Elternhaus

in Wilmersdorf sein erstes Fernrohr

gebaut: aus einem Brillenglas,einem

Plastikrohr, einer Fahrradluftpumpe

und einem Mikroskopokular.„Damit

habe ich die bunten Lichter auf der

anderen Straßenseite angeguckt“,

sagt er.Über das Interesse an der Astronomie

sei er auch zu seinem Studienfach

Vermessung gekommen.

In der Wendezeit arbeitete Mekas

als Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes

Spandau. Er betreute unter

anderem die Planung für die Staakener

Felder,auf denen 2500Wohnungen

entstanden. „Nach der Wende

wollten jede Menge Menschen nach

Berlin, da wurden viele Wohnungen

gebraucht“, sagt er.

Freude am Dunkel

Mekas selbst zogzuseiner damaligen

Lebensgefährtin nach West-Staaken,

das 1951 bis 1990 DDR-Gebiet war

und jetzt wieder zu Spandau gehört.

Mekas berichtet von Startschwierigkeiten:

Grundstückseigentümer bekamen

mit dem Einigungsvertrag ihr

Alteigentum wieder und versuchten

mit allen Mitteln, die damaligen Bewohner

zu vertreiben. Er habe versucht

zu schlichten, sagt Mekas.

Inzwischen ist Mekas Rentner

und kümmert sich beinahe täglich

um den Verein, werkelt an Okularen

und Teleskopen oder bereitet Vorträge

vor. 60 Mitglieder hat derVerein

heute. Nach der Wende kamen auch

einige Ostdeutsche hinzu.

Die Stadt sei heller geworden seit

der Wende, sagt Mekas – was die

Sternengucker aus astrologischer

Sicht nicht freut, weil sie dadurch

weniger am Himmel erkennen können.

Aber durch den Mauerfall haben

sich für die Hobbyastronomen

neue Möglichkeiten eröffnet. „Wir

sind gleich ins Umland ausgeschwärmt.

Es war toll, mal hinter den

Horizont zu sehen, jenseits der

Stelle, wofrüher für uns die Welt zu

Ende war.“ Immer wieder macht er

„Astrourlaub“ im SternenparkWesthavelland

oder im brandenburgischen

Perleberg. „Das gehört zuden

dunkelsten Stellen in Nordeuropa.

So dunkel ist es erst wieder südlich

des Alpen-Hauptkammes in Kärnten

oder in Polen“, schwärmt Mekas.

Kristin Hermann

wandelt auf den Spuren der

Sternengucker.

VonKristin Hermann

Wie sollte es anders sein: Das Fundstück,

das Amateurastronom Günter

Mekas zu dem Gespräch mitbringt, hat etwas

mit seinem Hobby zutun. Es ist ein

Okularrevolver, und der Vorsitzende der

Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte hat einiges

auf sich genommen, um an dieses spezielle

Modell zu kommen. Mekas schätzt, dass es

Mitte der 1980er-Jahre gewesen sein muss.

Immer mal wieder besuchte er zu dieser

Zeit seine Verwandten in Ost-Berlin. Doch

neben seiner Familie besuchter er noch einen

Ort: den Industrieladen von Carl Zeiss

Jena am Alexanderplatz. Dort gab es einen

Amateur-Okularrevolver, der den Wechsel

Schmuggel für Jupiter und Saturn

von Vergrößerungen binnen Sekunden ermöglicht.

Außerdem verfügt er über ein

Prisma, das den Betrachter den Mond so

sehen lässt, wie er wirklich ist –nur eben

größer. Doch es gab ein Problem: „Die Beschäftigten

im Laden waren angewiesen,

diese Warennur gegen Vorlage des Ausweises

zu verkaufen“, sagt Mekas.„AlsWestler

musste man dann nachweisen, dass man

die DDR-Mark 1:1 umgetauscht hat. Das

wärefür mich natürlich viel zu teuer gewesen.

Die Ausfuhr von Zeiss-Produkten war

außerdem verboten.“

Mekas wagte deshalb eine riskante Aktion.

Einhalbes Jahr vorher bestellte er das

gewünschte Objekt mit dem Ausweis eines

Verwandten und bezahlte es Monate später

Das besondere Ding

Schmuggelware: „Multiokular“ für Teleskope,

auch Okularrevolver genannt. BLZ/MARKUS WÄCHTER

mit DDR-Mark. In seinem Mitsubishi Colt

habe es links und rechts am Kofferraum ein

Geheimfach gegeben, fast einen Meter tief,

erzählt er. Der perfekte Ort zum Schmuggeln.

Mekas war sich sicher: Die Grenzbeamten

würden diesesVersteck nicht finden.

Beiden Fahrten zuvor wurde Mekas immer

mal wieder kontrolliert. Wie viele seiner

Altersgenossen trug er zu dieser Zeit

lange Haare, Schlaghosen und hohe Absätze.

„Das kam nicht gut an, und die Beamten

versuchten manchmal, mich zu provozieren“,

sagt er.Gelegentlich sei vonden

Grenzern die Rückbank angehoben worden,

doch nicht bei der Schmuggelfahrtmit

seinem Okularrevolver.GünterMekas hatte

Glück. Noch heute kann er sich an jenen

Moment erinnern, als er das Gerät zum ersten

Mal benutzte. „Ich besaß damals ein

amerikanisches Spiegelteleskop,das bei einem

Kollegen in Spandau stand. Ich beobachtete

Jupiter und Saturn und es war

fantastisch. Der Okularwechsel war viel

praktischer.“

Mehr als30Jahre lang hatte Mekas seine

Schmuggelware benutzt und aufbewahrt.

Inzwischen hat der Sternenfreak so viele

Objekte zusammengesammelt, dass er

kaum noch Platz hat. Er sagt,die Zeit sei gekommen,

sich von dem Okularrevolver zu

trennen. Erst vor wenigen Tagen hat er ihn

frisch aufpoliert. Er will er ihn im Internet

zum Kauf anbieten. Damit, sagt er,ende für

ihn auch eine Ära.


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 13 *

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Berlin

CDU: Senat

treibt Mieten

in die Höhe

Berlin soll für Kosten des

Mietendeckels haften

Die CDU will Berliner entlasten,

denen angesichts des geplanten

Mietendeckels noch eine Mieterhöhung

ins Haus geflattert ist: Nach

denVorstellungen der CDU-Fraktion

im Abgeordnetenhaus soll der Senat

diesen Betrag den Mieternerstatten.

„Es gibt sehr viele gute Vermieter,

die in großem Maße verunsichert

sind und angesichts der Senatspläne

noch schnell die Miete erhöht haben“,

sagte der Sprecher für Bauen

und Wohnen der Fraktion, Christian

Gräff. „Viele haben das getan, obwohl

sie das eigentlich zu diesem

Zeitpunkt nicht geplant hatten.“ Vor

diesem Hintergrund sei es nur fair

und legitim, wenn der Senat diese

Erhöhungen der vergangenen Wochen

nach dem Verursacherprinzip

auch übernehme und den Mietern

zurückzahle.Sie seien schließlich allein

auf das „dilettantische Vorgehen“

des Senats zurückzuführen.

Der rot-rot-grüne Berliner Senat

hatte sich am 18. Juni auf Eckpunkte

für einen bundesweit einmaligen,

rechtlich hochumstrittenen Mietendeckel

geeinigt. DieMieten sollen für

fünf Jahre eingefroren werden, um

die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt

zu beruhigen.

Bis Herbst soll ein Gesetzentwurf

vorliegen. In Kraft treten soll die Regelung

spätestens Anfang 2020 –und

dann rückwirkend ab dem 18. Juni

gelten. Vorder fraglichen Senatssitzung

hatten etliche Vermieter noch

rasch Mieterhöhungen ausgesprochen,

wie etwa der Berliner Mieterverein

beobachtete.

Die CDU schlägt nun vor, einen

Stichtag zum Beispiel vier Wochen

vor dem Termin der Sitzung festzulegen,

bei der der Senat die Eckpunkte

für den Deckel beschloss.

Die danach vorgenommenen oder

angekündigten Mieterhöhungen

soll der Senat Mieternauf deren Antrag

erstatten. Vorteil für die Mieter

aus CDU-Sicht: Sie hätten die Mieterhöhung

unterm Strich nicht zu

tragen und auch keine Probleme

mit möglichen Rückerstattungsforderungen

an ihreVermieter für den

Fall, dass der Mietpreisdeckel von

einem Gericht für unzulässig erklärt

wird.

DieCDU geht davon aus,dass das

Ganzeüber dieWohnungsämter laufen

könnte.Die Höhe möglicher Kosten

für das Land ist unklar. (dpa)

Nach oben ist Berlin offen

Das geplante Hochhausleitbild sieht keine Höhenbegrenzung vor,formuliert aber spezielle Ansprüche an Türme

VonUlrich Paul

Wenn in Berlin neue

Hochhäuser entstehen,

dann sollen künftig

auch die Berliner

davon profitieren. Das oberste Geschoss

soll öffentlich zugänglich

sein, zum Beispiel als Aussichtspunkt.

Und auch das Erdgeschoss

muss für die Öffentlichkeit zurVerfügung

stehen. Das sieht der Entwurf

für ein Hochhausleitbild vor, den Senatsbaudirektorin

Regula Lüscher

am Donnerstag präsentierte.

„Wir wachsen und wir haben den

Auftrag, die Stadt zu verdichten“,

sagte Lüscher. Die wachsende Zahl

der geplanten Projekte zeige, dass

der Bau von Hochhäusern offensichtlich

wirtschaftlich interessant

sei. Mit dem Hochhausleitbild solle

die Entwicklung gesteuertwerden.

Bestimmte Gebiete für den Hochhausbau

werden in dem Leitbild

nicht festgelegt. Zum einen wolle

man sich nicht auf bestimmte Flächen

beschränken, weil die Stadt

einfach zu groß sei, sagte Lüscher.

Zumanderen wolle die Stadt die Bodenspekulation

nicht anheizen. Klar

sei aber, dass Hochhäuser zum Umfeld

passen müssen. So könnten

Hochhäuser nicht in einem Gebiet

entstehen, dass zum Unesco-Weltkulturerbe

gehört. Auch im Einfamilienhausgebiet

sei der Bau von

Hochhäusern ausgeschlossen. Zugleich

sollten Hochhäuser immer an

Standorten entstehen, die gut an den

öffentlichen Nahverkehr angeschlossen

sind. Eine Höhenbegrenzung

sehe das Leitbild nicht vor.

Häuser ab 35 Meter Höhe betroffen

Normalerweise gelten alle Häuser

über einer Traufhöhe von 22Metern

in Berlin als Hochhäuser, sagte Lüscher.Von

dem neuen Leitbild sollen

aber nur solche Türme erfasst werden,

die die Höhe der Umgebungsbebauung

um 50 Prozent überschreiten.

In der Regel sei dies bei einer

Höhe ab 35 Metern der Fall.

Grundsätzlich werde für den Bau eines

Hochhauses ein Bebauungsplan

erforderlich, sagte Lüscher. Damit

kann das Land sehr viel präzisere

Vorgaben zur Art der Nutzung und

zur Höhe machen.

Investoren müssen ihre Pläne für

Hochhäuser mehrmals dem Baukollegium

vorlegen, also dem Gremium,

das Senatsbaudirektorin Regula

Lüscher in wichtigen Fragen der

Stadtgestaltung berät. Vonder Projektidee

bis zur Realisierung eines

Schon fertig: Das Zoofenster und das Upper-West (v.l.).

„Hochhäuser müssen

gegenüber der Öffentlichkeit

und der Gesellschaft

einen Mehrwert erzielen.

Das ist oberstes Ziel.“

Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin

IMAGO IMAGES

über 60 Meter hohen Hochhauses

kalkuliertLüscher inklusiveder Erarbeitung

des Bebauungsplans mit

vier bis fünf Jahren.

„Hochhäuser müssen gegenüber

der Öffentlichkeit und der Gesellschaft

einen Mehrwert erzielen. Das

ist oberstes Ziel“, stellte Lüscher klar.

Dazu gehöre neben dem Öffnen der

Dachgeschosse, dass die Häuser klimatisch

nachhaltig seien. Verlangt

wird außerdem ein Nutzungsmix.

Bis zu einer Höhe von 60 Metern

dürften Hochhäuser monofunktional

errichtet werden. Ab einer Höhe

von mehr als 60 Metern müssten

Türme aber künftig eine gemischte

Nutzung aufweisen, so Lüscher. Die

Hauptnutzung dürfe dann nur noch

70 Prozent der Fläche ausmachen,

die übrigen 30 Prozent müssen anders

genutzt werden. Gemixt werden

dürfen jedoch nur Nutzungen aus

zwei verschiedenen Kategorien.

DerMix macht’s

Die Kategorie 1(Gewerbe) sieht unter

anderem Flächen für Büros,Handel,

Hotel, Gastronomie und Praxen

vor. Zur Kategorie 2gehören Wohnen,

kulturelle Einrichtungen, soziale

Infrastruktur und weitere nicht

gewerbliche oder nicht kommerzielle

Nutzungen. Denkbar ist also,

dass in einem 100 Meter hohen Turm

70 Prozent der Flächen durch Büros

genutzt werden und auf den übrigen

30 Prozent der Flächen Wohnungen

entstehen. Ein Mix aus Hotel und

Büros ist aber nicht möglich.

Beider zurzeit laufenden Überarbeitung

des Masterplans für die City-

West sei das Hochhausleitbild getestet

worden, sagte Lüscher. Und: „Es

funktioniert sehr gut.“ Während der

Erarbeitung des Leitbildes seien die

Bezirke bereits per Rundschreiben

informiert worden, was geplant sei.

Diese hätten sich darauf eingestellt.

„Informell“ sei das Leitbild also

schon „in Anwendung“, so Lüscher.

Nach Abschluss verschiedener Beteiligungen

soll das Abgeordnetenhaus

das Leitbild offiziell beschließen.

Dassoll Ende 2019 sein.

Für Hochhäuser, die schon genehmigt

sind, kommt das Leitbild zu

spät. Dazu gehört ein 150 Meter hoher

Turm,den der russische Investor

Monarch am Alexanderplatz errichten

will. Die Baugenehmigung liegt

seit 21. Februar 2018 vor. Bisher hat

Monarch den Baunoch nicht gestartet.

Dies muss der Investor jedoch

bald tun. Die Tiefbauarbeiten müssen

spätestens am 1. August beginnen.

Sonst droht eine Vertragsstrafe.

Mörder darf

abgeschoben

werden

Er hatte seine schwangere

Freundin verbrannt

VonPhilippe Debionne

Sie musste sterben, weil sie

schwanger war. Maria (damals

19), wurde 2015 vom Kindsvater

Eren T. (damals 21) und dessen Komplizen

in einen Wald gelockt, niedergestochen,

mit Benzin übergossen

und angezündet. Maria verbrannte,

das ungeborene Mädchen erstickte

im Bauch der Mutter.Jetzt entschied

ein Gericht: T. darf abgeschoben

werden.

Die Ausweisung des verurteilten

Mörders aus Deutschland ist nach

einem aktuellen Urteil des Berliner

Verwaltungsgerichts rechtens, teilte

ein Sprecher am Donnerstag mit.

Dertürkische Staatsbürger,der seine

schwangere Ex-Freundin bei lebendigem

Leib verbrannte, gefährde

„bei einem weiteren Aufenthalt die

öffentliche Sicherheit und Ordnung“,

so die Entscheidung des Gerichts.

Das Landgericht hatte den 1995

in Deutschland Geborenen im Februar

2016 wegen Mordes zu einer

Jugendstrafe von vierzehn Jahren

verurteilt. Seitdem sitzt T. im Tegeler

Knast. Im Januar 2029 würde die Haft

enden und der Mann in die Freiheit

entlassen. Um dem vorzubeugen,

hatte das Landesamt für Bürger-und

Ordnungsangelegenheiten bereits

im Juni 2018 einen Ausweisungsbescheid

erlassen. Damit hätte T. bereits

vor einem Jahr in seine Heimat

abgeschoben werden können.

Doch der Mörder hatte gegen

seine Ausweisung geklagt und laut

einem Gerichtssprecher angeführt,

er sei in Deutschland sozialisiertund

spreche Türkisch nur unvollkommen.

Soziale Kontakte in das Land

habe er nicht. Zudem gebe es laut

seinem Anwalt keine Wiederholungsgefahr.

Dassah das Gericht anders: Zwar

könne sich der Kläger als hier geborener

Ausländer auf einen besonderen

Ausweisungsschutz berufen. Er

könne dennoch „ausgewiesen werden,

da vonihm auch künftig Gefahr

ausgehe“. Zudem verfüge er über

„hinreichende Kenntnisse der türkischen

Sprache“ und habe über seine

Eltern auch die sozialen und kulturellen

Werte seines Heimatlandes

vermittelt bekommen.

Gegen das Urteil kann Berufung

eingelegt werden.

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Berlin

Bundeskanzler

in Sneaker?

Warum nicht

Designer Michalsky zur

Modewoche über Lässigkeit

VonBurkhard Fraune

Lässig, sportlich und ein bisschen

unangepasst: Wer Sneaker anzieht,

zeigt wer erist. Oder wer er

gern wäre. Ob in Leder, Baumwolle

oder Synthetik, klassisch weiß oder

farbenfroh –straßentaugliche Turnschuhe

sind angesagt. Seit Jahren geben

die Deutschen Millionen dafür

aus, selbst Rentner und Manager

steigen in Sneaker.Bei der Modewoche

in Berlin beschwören Designer

den Boom: „Dieser Trend wird nie

verglühen“, meint etwa Michael Michalsky.„Vielleicht

haben wir ja bald

auch einen Bundeskanzler in Sneakers

–you never know.“Die Mode-

Experten meinen aber auch: Nicht

jeder sollte alles tragen.

Einen Turnschuh zu förmlichen

Anlässen anzuziehen, ist nichts Revolutionäres

mehr.Als 1985 der Grünen-Politiker

Joschka Fischer in

schneeweißen Nikes kam, um als

hessischer Umweltminister vereidigt

zu werden, da war das ein echter Tabubruch.

Wenn der TV-Moderator

Cherno Jobatey in den 90ernmit Anzug

und Sportschuhen auftrat,

sprach man darüber.

Doch die Welt hat sich gedreht.

„Die Zeit ist sneakerreif“, sagt der

Designer Guido Maria Kretschmer –

auch wenn der Hersteller Puma wissen

ließ, der Boom flache etwas ab.

„Die Leute wollen schnell, sie wollen

bequem“, sagt Kretschmer.

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Karriere

Souverän: Vorstellungsgespräch

mit gutem Eindruck meistern

Spritzig: Fachangestellte für

Bäderbetriebe arbeiten vielseitig

Schlabberlook breitet sich aus.

Werschon mit Kapuzenpulli im Hörsaal

saß, muss ihn nach dem Examen

nicht wegwerfen. Immer häufiger

ist der Hoodie auch im Büro

okay. Auch Kollegen in Jogginghose

gibt es öfter,meist mit Sneaker.

Daszeige nur,wie sich das Leben

veränderthabe,auch das berufliche,

sagt Michalsky. „Heute gibt es unheimlich

viele Jobs,die es vor30Jahren

nicht gab, App-Entwickler etwa.

Berufe, für die man eine gewisse

Uniform anziehen muss, sind fast

verschwunden.“ Anzug und Krawatte,

das werde vielleicht noch von

Rechtsanwälten oder im Vorstand

vonDax-Konzernen erwartet.

„Wenn es eine schicke Jogginghose

und schicke Sneaker sind, hat

man in vielen Unternehmen heute

wahrscheinlich größereChancen als

wenn man irgendeinen Anzug

trägt“, mutmaßt Michalsky,der auch

mal Chefdesigner bei Adidas war.

Schließlich wirke sportliche Kleidung

agil, jung und flexibel.

Doch laufen alternde Männer in

Turnschuhen Gefahr, sich lächerlich

zu machen? Kretschmer winkt ab.

„Ich glaube, dass das ganz gut geht.

Männer sind irgendwie auch Jungs.“

Turnschuhe könne man auch mit 99

Jahren noch tragen. Frauen trügen

kleine Sneaker inzwischen als Hausschuhe,

statt „Pantöffelchen“.

„Wenn es feucht ist und sie noch

schnell mal in den Garten wollen.“

Älteren Frauen und Männern rät

Kretschmer: „Vielleicht nicht so

übertriebene Modelle, die nur den

Look auf den Turnschuh legen. Auch

nicht diese Riesen-Plateaus, diese

Riesen-Biester, mit denen man

schnell umknicken kann und sich

womöglich den Oberschenkelhals

bricht.“ Michalskys Tipp: „Mit 75 ist

ein neonfarbener Sneaker vielleicht

nicht mehr für jeden was. Aber das

Alter hat heute nichts mehr mit einer

Zahl zu tun.“ (dpa)

Die James-Simon-Galerie des Architekten David Chipperfield ist ein Höhepunkt des Architektur-Stadtrundganges.

Crash-Kurs Baukultur

Stadtführung mit Architekt: Ein Blick auf neue Highlights in Mitte, darunter die James-Simon-Galerie

VonMechthild Henneke

Erst vor wenigen Tagen hat

die James-Simon-Galerie

auf der Museumsinsel

Schlagzeilen gemacht: Das

zentrale Empfangsgebäude zu den

wichtigsten Museen der Stadt wurde

Journalisten vorgeführt. Am 12. Juli

feiert das Haus offiziell Eröffnung.

Für den Architekten Thomas M. Krüger

ist dieser Tagein Meilenstein in

der jüngeren Berliner Architekturgeschichte.„Es

ist ein Gebäude voninternationaler

Bedeutung“, sagt Krüger,

der selbst eine Publikation zur

James-Simon-Galerie verfasst hat.

Das Gebäude wird einer der Höhepunkte

auf der Stadtführung „Crash-

Kurs Baukultur“ sein, die am Sonnabend

erneut stattfindet.

Die gebaute Umwelt erkennen

Der sogenannte Baukulturspaziergang

ist ein Angebot der Bundesstiftung

Baukultur, die Berliner Zeitung

ist Medienpartner. „Wir möchten

Menschen einladen, sich mit ihrer

gebauten Umwelt auseinanderzusetzen“,

sagt Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender

der Bundesstiftung

Baukultur.„Gemäß dem Motto

„Man sieht nur, was man weiß“ sollen

die Führungen Einblicke in die

Ideen und Konzepte vermitteln, die

hinter Gebäuden, Plätzen und Anlagen

stehen –und damit zu einem tieferenVerständnis

führen, was unsere

Städte ausmacht, und wofür sich unser

Engagement lohnt.“

Architekten vom internationalen

Netzwerk Guiding Architects leiten

die Führungen, die auch in München,

Hamburgund Köln angeboten

werden. Am ersten Sonnabend des

2,5-Stunden-Tour: Die Bundesstiftung

Baukultur bietet

einmal pro Monat kostenfreie

Führungen in Berlin,

Hamburg,Köln und München

an. Die Touren mit dem

Titel „Crash-Kurs Baukultur“

finden in Berlin am ersten

Sonnabend im Monat statt,

beginnen um 11 Uhr.

EIN SCHNITT DURCH DIE MITTE

Stadt erkennen: Der diesjährigeTitel

der Führung lautet:

„Ein Schnitt durch die

Mitte“. OrtsansässigeArchitekten

erläuternHistorisches,

Klassiker und Zukunftsprojekte,

machen auf

bauliche Besonderheiten

und Zusammenhängeaufmerksam.

Anmeldung erbeten: Interessenten

müssen sich vorab

für die Führungen anmelden:

baukultur@ticket-b.de. Sie

erhalten anschließend nähere

Informationen zu Treffpunkt

etc. Weitere Informationen

erhältlich unter:

www.bundesstiftung-baukultur.de

Monats im Juli, September und Oktober

gibt es die Tour „Ein Schnitt

durch die Mitte“. Sieführtindiesem

Jahr ins Herz von Berlin: in die Gegend

ums Märkische Museum, die

Fischerinsel, den Spittelmarkt und in

die Straßen rund um das entstehende

Humboldt-Forum.

Ausgangspunkt ist das Hauptstadtmodell

in der Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Am Köllnischen Park. Anders

als andere Architekturmodelle wird

dieses ständig verändert. „Es ist ein

wichtiges Planungsinstrument und

wird ständig aktualisiert: Werden

zum Beispiel Hochhäuser am Alexanderplatz

geplant, werden diese im

Modell eingebaut“, sagt Krüger.

Von dort geht die Gruppe am

Märkischen Museum und am Neubau

der niederländischen Botschaft

vorbei. Auch das Gewerkschaftshaus

von Max Taut, die Fischerinsel und

der U-Bahnhof Spittelmarkt liegen

an der Strecke.Ein Blick auf die Baustelle

des Axel-Springer-Campus’,

der von dem niederländischen Stararchitekten

Rem Koolhaas realisiert

wird, ist Teil des Rundgangs.

Es folgt einer der Höhepunkte:

die Freifläche, auf der ab nächstem

Jahr das House of One gebaut wird.

Dort bereiten schon die Bagger den

Baugrund vor. In dem Gebäude sollen

die drei großen Religionen unter

einem Dach praktiziertwerden können.

„Die Idee von Frieden und Völkerverständigung

ist das Besondere“,

sagt Krüger.

Der Entwurf für das Gebäude

stammt vom auf Kulturbauten spezialisierte

Architekturbüro Kuehn-

Malvezzi. Es gestaltete auch das Innere

des einstigen Prinzessinnenpalais’amBoulevardUnter

den Linden

neu, das heute als Palais Populaire

Kunstausstellungen der Deutschen

Bank beherbergt.

An der Kreuzung zwischen Leipziger

und Breiter Straße wird sich in

den nächsten Jahren viel tun. „Eine

Straßenbahn soll hier fahren, die

Brücke soll schmaler werden, und es

wird kommunaler Wohnungsbau

entstehen“, sagt Krüger. Anders als

bei vielen anderen Neubauprojekten

sollen hier auch Durchschnittsverdiener

die Chance bekommen, mitten

in der Stadt eineWohnung zu finden.

Krüger findet es faszinierend,

dass diese Projekte ausgerechnet im

archäologischen Zentrum Berlins

realisiertwerden.

Über die Brüderstraße,vorbei am

Nikolaihaus, führt der Wegder Baukulturführung

zum nächsten großen

Projekt, dem Flussbad Berlin. Die

beiden Kölner Brüder Tim und Jan

Edler verfolgen den früher oft belächelten

Plan, in der Innenstadt ein

Flussbad zu errichten. Der ungenutzte

Spreearmsoll dazu umgestaltet

werden. DasWasser würde durch

einen natürlichen Pflanzenfilter gereinigt,

sodass die Besucher rund einen

Kilometer weit in Richtung der

Museumsinsel schwimmen können.

Noch ist es nicht sicher, dass der

Traum Wirklichkeit wird, doch

scheint dies längst nicht mehr unmöglich.

Genialer Chipperfield-Entwurf

Nach einem Halt an der geplanten

U-Bahnlinie U55 führt der Wegzum

letzten Stopp der Tour an der James-

Simon-Galerie. „Das ist seit langer

Zeit das erste neue Museumsgebäude,

das im Berliner Zentrum eröffnet

wird. Es ist ein genialer Entwurf

von David Chipperfield“, sagt

Krüger. „Es führt den Gedanken einer

Akropolis in der Stadt fort, historisiert

dabei aber nicht, sondern

schafft einen neuen Zusammenhang.“

Seit 100 Jahren forschen Berliner zum Thema Sex

Am 6. Juli 1919 wurde an der Spree das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft gegründet

InBerlin wirdandie Gründung des

weltweit ersten Instituts für Sexualwissenschaft

vor100 Jahren erinnert.

Zu einem Gedenken am Freitag werden

Politiker und Vertreter der queeren

Community erwartet, wie die

Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

ankündigte. Deren Namensgeber

hatte das Institut am 6. Juli 1919 eröffnet.

Am einstigen StandortamSpreeufer

in Tiergarten (heute steht dort

das Haus der Kulturen der Welt),

spricht unter anderem die Senatorin

für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung,

Dilek Kalayci (SPD).

Das Institut widmete sich laut

Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

etwa der Forschung, Sexualberatung,

Aufklärung der Bevölkerung und der

Behandlung von Geschlechtskrankheiten.

1933 plünderten und zerstörten

die Nazis die Einrichtung samt Bibliothek

und Archiv.Als homosexueller,

jüdischer und sozialdemokratischer

Arzt emigrierte Hirschfeld

(*1868) nach Frankreich. 1935 starb er

in Nizza.

Auch der Pionierarbeit Hirschfelds

sei es zu verdanken, dass das Land

Berlin heute fünf überregionale Zentren

für sexuelle Gesundheit und Familienplanung

betreibe, erklärte Kalayci.

Sie würdigte außerdem seinen

Einsatz „für bessere und gewaltfreie

Lebensbedingungen vonFrauen“: So

habe er etwa über Verhütung aufgeklärtund

jegliche Form sexualisierter

Gewalt gegen Frauen klar abgelehnt.

Magnus Hirschfeld, ein Pionier auf dem Gebiet

der Sexualwissenschaften MH-STIFTUNG

IMAGO IMAGES

„Die #MeToo-Bewegung hat eindrücklich

gezeigt, dass dieses Thema

einschließlich des Aspekts sexueller

Belästigung am Arbeitsplatz heute

immer noch erschreckend aktuell ist

und weiterhin eine klare Haltung

dazu notwendig ist: Null Toleranz gegenüber

sexualisierter Gewalt und

Belästigung“, betonte die SPD-Politikerin.

Neben seiner wissenschaftlichen

Tätigkeit machte sich Hirschfeld einen

Namen als Vorkämpfer für die

Rechte vonHomosexuellen. Seine Lebensgeschichte

wurde unter dem Titel

„Der Einstein des Sex“ verfilmt.

Heute erinnertein nach ihm benannter

Uferabschnitt gegenüber vomdamaligen

Institut an Hirschfeld. (dpa)

POLIZEIREPORT

VonRadler überfahren.

In Westend ist eine 50 Jahrealte Fußgängerin

voneinem Rennradfahrer

angefahren und schwer verletzt worden.

DieFrauwollte am Mittwochabend

eine Nebenfahrbahn der

Heerstraße überqueren, als sie von

einem vonlinks kommenden Rennradfahrer

erfasst wurde,wie eine Polizeisprecherin

am Donnerstag

sagte.Beide stürzten. DerRadfahrer

stand anschließend wieder auf, beleidigte

die Frau und entfernte sich

vonder Unfallstelle.Die Fußgängerinerlitt

einen Unterarmbruch und

musste zur stationären Behandlung

in ein Krankenhaus. (dpa)

Auto abgebrannt.

In Tempelhof hat ein abgestelltes

Auto am frühen Donnerstagmorgen

Feuer gefangen. Laut Feuerwehrsprecher

stand der Wagen in der

Rohrbeckstraße Ecke Bacharacher

Straße.Alarmierte Rettungskräfte

löschten den Brand und verhinderten

ein Übergreifen der Flammen

auf andereFahrzeuge.Verletzt

wurde niemand. DiePolizei vermutet

Brandstiftung als Ursache.NähereEinzelheiten

waren noch nicht

bekannt. Bereits in der vergangenen

Nacht standen in Berlin-Tiergarten

vier Autos und ein Baucontainer

in Flammen. Anfang der Woche

brannten dortbereits sechs Fahrzeuge

aus. (dpa)

Angefahren und verletzt.

Ein27Jahrealter Radfahrer ist in

Kreuzbergvon einem Auto angefahrenund

schwer verletzt worden. Wie

eine Polizeisprecherin am Donnerstag

sagte,wollte der Radler am Mittwochabend

die Fahrbahn der Wiener

Straße überqueren. Dabei wurde

er voneinem 33 Jahrealten Autofahrerangefahren.

Dieser parkte nach

dem Unfall zunächst den Wagen ein

und entfernte sich dann vomUnfallort.

Erst eine halbe Stunde später

kam er in Begleitung seiner Mutter

zurück und stellte sich. Er war ohne

Führerschein unterwegs gewesen.

DerRadfahrer erlitt mehrereVerletzungen

unter anderem im Gesicht

und am Bein. (dpa)

In Club niedergestochen.

In den frühen Morgenstunden stach

am Donnerstag ein Mann in einem

Club in Charlottenburgauf einen 28-

Jährigen ein. DerSchwerverletzte

kam in eine Klinik und musste notoperiertwerden.

Lebensgefahr besteht

dem Vernehmen nach derzeit

nicht. Polizisten nahmen kurznach

der Tateinen 22 Jahrealten Mann

fest. (BLZ)

Schmierfinken festgenommen.

In der Nacht zu Donnerstag nahmen

Bundespolizisten nach einem Zeugenhinweis

zwei Männer in einer S-

Bahn der Linie S7vorläufig fest. Gegen

0.50 Uhrbeobachtete eine 56-

Jährige die beiden Männer auf der

Fahrtzwischen den Bahnhöfen Grunewald

und Nikolassee beim Beschmieren

des Inventars der S-Bahn.

Diebeiden deutschen Staatsangehörigen

im Alter von38Jahren beschmierten

mehrereScheiben, diverse

Sitzpolster sowie die Innenverkleidung

des Zuges mit einem Permanentmarker

auf einer

Gesamtfläche vonfünf Quadratmetern.

DieZeugin alarmierte schließlich

die Polizei, woraufhin Einsatzkräfte

der Bundespolizei das Duoam

Potsdamer Hauptbahnhof festnehmen

konnte. (BLZ)

VonS-Bahn überfahren.

Am frühen Donnerstagmorgen

wurde ein Mann (37) voneinem S-

Bahn-Zug der Linie S46mehrere

Meter mitgeschleift. DerMann erlitt

dabei so schwereVerletzungen, dass

er noch vorOrt verstarb.Nach ersten

Angaben war der 37-Jährige ins

Gleisbett geklettert. Als er hinaussteigen

wollte,wurde er vondem

Zugerfasst. EinFahrgast und der

Triebfahrzeugführer kamen mit einem

Schock in ein Krankenhaus.Der

S-Bahn-Verkehr war für mehrere

Stunden unterbrochen. DiePolizei

ermittelt nun, wie es zu dem tragischen

Unfall kam. (tc.)


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 15 *

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Berlin

Wolf Biermann singt in Stasiopfer-Gedenkstätte

Nach dem Open-Air-Konzert wird der 82-Jährige mit Marianne Birthler über seine Erfahrungen in der DDR sprechen

VonJutta Schütz

Er war einer der stärkster

Kritiker der DDR-Oberen.

Dann durfte er nicht mehr

öffentlich auftreten und

wurde ausgebürgert. Wolf Biermann

gibt nun ein Konzert aneinem Ort,

wo an das SED-Unrecht erinnert

wird. DerLiedermacher singt an diesem

Sonntag ab 14 Uhr inder Berliner

Stasiopfer-Gedenkstätte.

Nach dem Open-Air-Konzert

wirdder 82-Jährige mit der einstigen

Oppositionellen Marianne Birthler

über seine Erfahrungen in der DDR

sprechen, teilte die Gedenkstätte

Hohenschönhausen mit. Der Live-

Auftritt des Liedermachers soll Höhepunkt

eines Tages der offenen Tür

im früheren Untersuchungsgefängnis

der DDR-Staatssicherheit sein.

Biermann sei einer der radikalsten

Kritiker der SED-Diktatur gewesen,

hieß es.Schon seit 1965 mit Auftritts-

und Publikationsverbot belegt,

wurde der Sänger 1976 während

eines Gastspiels in Köln ausgebürgert.

Das Konzert werde von der Gedenkstätte

gemeinsam mit der Stiftung

Berliner Mauer und der Bundesstiftung

zur Aufarbeitung der

SED-Diktatur präsentiert, hieß es.

An dem authentischen OrtinHohenschönhausen

wird anpolitische

Willkür und Unrecht erinnert. Besucher

werden von früheren Häftlingen

durch original erhaltene Zellen

und Verhörräume geführt. In dem

Gefängnis waren von 1951 bis 1989

mehr als 11 000 Menschen einge-

Wolf Biermann wareiner der radikalsten Kritiker der SED-Diktatur.1976 wurde er während eines Gastspiels in Köln ausgebürgert.

sperrt, darunter Oppositionelle wie

Bärbel Bohley oder Jürgen Fuchs.Im

Vorjahr kamen laut Kulturverwaltung

etwa 470 000 Interessierte.

Monatelang war die geschichtliche

Aufarbeitung von Sexismusvorwürfen

überschattet. Mitte Juni

wurde ein Nachfolger für den geschassten

Gedenkstätten-Direktor

Hubertus Knabe bestimmt. Die Leitung

übernimmt im Herbst der Historiker

und Politikwissenschaftler

„Was für ein

Glück hatten

wir, dass wir ohne Krieg

aus der DDR

rausgekommen sind.“

Wolf Biermann, während einer Veranstaltung im Jahr 2014

DPA

Helge Heidemeyer.Mit ihm solle ein

dringender Kulturwandel in der Gedenkstätte

gelingen, hatte Kultursenator

Klaus Lederer (Linke) gesagt.

Birthler war vorübergehend externe

Ansprechpartnerin für Gedenkstätten-Mitarbeiter.

Knabe war im Vorjahr nach Vorwürfen

abberufen worden, nicht

konsequent genug gegen sexuelle

Belästigungen vonFrauen in der Gedenkstätte

vorgegangen zu sein. Der

juristische Streit um seinen Rauswurf

war mit einem Vergleich beendet

worden.

Die heute 71-jährige Birthler und

Biermann kennen sich aus Oppositionszeiten.

Als die frühereBundesbeauftragte

2014 ihre Autobiografie

vorstellte, kam auch der ergraute

Barde und griff zur Gitarre. „Was für

ein Glück hatten wir, dass wir ohne

Krieg aus der DDR rausgekommen

sind“, hatte er damals gesagt.

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Reise

Urig und futuristisch: Groningen

bietet viel Sehenswertes

Uralt und aufmüpfig: Auf der Insel

Ikaria dauert das Leben länger

Einerder Fans vonBiermann ist

der Mann von Kanzlerin Angela

Merkel (CDU). Joachim Sauer

hatte 2016 in einer Laudatio zum

80. Geburtstag des deutsch-deutschen

Liedermachers dessen Lebensweg

vom überzeugten Kommunistenkind

zum aufmüpfigen

DDR-Widerständler gewürdigt

und daran erinnert, dass der Protest

gegen die Ausbürgerung den

Anfang vom Ende der DDR einläutete.

Erst im Frühjahr hatte Biermann

einen Novellenband mit dem Titel

„Barbara“ veröffentlicht. (dpa)

Berlin im Herzen.

Und auf dem Handy

SO SCHREIBT MAN BERLIN.

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

CDU will sich im Wahlkampf

mit „Ingo Song“ motivieren

Miteiner selbst komponierten

Hymne auf ihren Spitzenkandidaten

Ingo Senftleben will sich die Brandenburger

CDU im Landtagswahlkampf

motivieren. DenCountry-

Song habe Landesgeschäftsführer

Gordon Hoffmann gemeinsam mit

dem Chef derWerbeagentur für die

CDU-Kampagne ausgeheckt, sagte

CDU-Sprecher Martin Burmeister

am Donnerstag.„Darin werden unsereThemen

in lockerer und witziger

Weise verpackt, das ist alles nicht so

bierernst.“ Eigentlich sei der Song

eher internfür das Team gedacht gewesen,

das derzeit mit Senftleben auf

Wahlkampftour in Brandenburgunterwegs

ist. Inzwischen machte sich

auch Spott in sozialen Netzwerken

breit. Insbesonderedie Zeile„Wer

macht auch die Bauernfroh? Ingo!

Ingo! (...) HautVerbrechernauf den

Po?Ingo! Ingo“, sorgte für Häme.Der

Sender Radio Eins verbreitete das

Lied aus Gründen parteipolitischer

Neutralität zusammen mit einem von

der Redaktion produzierten Lied auf

Ministerpräsident DietmarWoidke

(SPD). (dpa)

Linkewill als „Stimme

des Ostens“ punkten

Miteiner Plakatkampagne im Design

der 50er-Jahrewill die Brandenburger

Linke im Landtagswahlkampf das

Thema„Osten“ in den Mittelpunkt

rücken. Es gehe um gleichwertige Lebensbedingungen

und gleichwertige

Löhne in OstundWest, sagte Spitzenkandidat

SebastianWalter bei der

Vorstellung der Kampagne.„Die

Menschen im Osten verdienen immer

noch rund 7000 Euro brutto im

Jahr weniger als imWesten“, so der

29-Jährige.Dies sei 30 Jahrenach der

Wende ein Skandal. (dpa)

„Die Zauberflöte“ kommt

ins Kloster Neuzelle

In dem Zisterzienserkloster Neuzelle

(Oder-Spree) werden seit über zwei

Jahrzehnten auch Musikstücke aufgeführt.

Am Donnerstag hat im Rahmen

des Musikfestivals„Oper Oder

Spree“„Die Zauberflöte“ vonWolfgang

Amadeus MozartPremiere. Inszeniertwurde

die Oper vonStudenten

aus Australien, Zypern, China,

Nordamerika, Südkorea und

Deutschland. DasFestival leiste damit

einen wichtigen Beitrag zur Integration

und internationalenVerständigung,

sagte der Leiter Marketing

und Kultur der Stiftung Stift Neuzelle,

Tilman Schladebach. (dpa)

Digitaler Feldzug gegen Linke

AfD startet Internet-Portal, auf dem Berichte über linksextreme Straftaten gesammelt werden sollen

VonAnnika Leister

Der Berliner AfD-Landesverband

hat am Donnerstag

das Onlineportal

„Blick nach Links“ gestartet.

Es soll laut der stellvertretenden

AfD-Landesvorsitzenden Beatrix

von Storch dem „Kampf gegen

links“ dienen. Auf der Homepage

sollen ganz unterschiedliche Informationen

veröffentlicht werden,

darunter: Medienberichte über vermeintliche

oder tatsächliche linksextremistische

Straftaten und Antworten

auf AfD-Anfragen aus Bundestag

sowie Landtagen. Auch Nutzer

sollen Meldungen einstellen

können. VonStorch hat das Projekt

maßgeblich erarbeitet, gemeinsam

mit AfD-Fraktionschef Georg Pazderski

und dem Berliner Abgeordneten

Ronald Gläser stellte sie es am

Donnerstag der Presse vor.

Die Öffentlichkeitsofferte fällt in

eine Zeit, in der AfD-Abgeordnete

und Landesverbände heftig kritisiert

werden –wegen der massiven Stimmungsmache

gegen den Kasseler

Regierungspräsidenten Walter Lübcke,

der Anfang Juni mutmaßlich

von einem Rechtsextremisten erschossen

wurde.

DieAfD will den Fokus auf Linksextremismus

und Linke lenken: „In

Berlin wird massiv Stimmung und

Hass gegen die AfD gepredigt“, so

AfD-Fraktionschef Georg Pazderski.

Politiker anderer Parteien reagierten

darauf kaum. Manwolle die „ganzen

linken Übergriffe und Verfehlungen“

in Berlin wie bundesweit nun„statistisch“

erfassen, so Pazderski.

Ein„Redakteur“ für alles

Die von Nutzern erstellten Meldungen

sollen nicht sofortonline gehen,

sondern laut Pazderski „sorgfältig

geprüft“ werden – zum Beispiel

durch Nachfrage bei Behörden und

Kreisverbänden. Ein hoher Rechercheaufwand.

Bisher sei dafür ein

einziger „Redakteur“ abgestellt, der

auch den Rest der Seite verantworten

soll, so Pazderski.

Ein weiterer Fokus der Seite soll

darauf liegen, die Finanzierung von

linken und aus Sicht der AfD angeblich

linksextremen Organisationen

offenzulegen. Hierzu sollen die

AfD-Anfragen aus allen Parlamenten

gebündelt werden. Bund und

Länder finanzierten linke Organisationen,

die wiederum linksextreme

Organisationen förderten, behauptete

von Storch. „Der linke Gesinnungsterror

wird nicht nur geduldet,

sondern subventioniert.“ Ziel

sei es, durch die Berichterstattung

Aufmerksamkeit zu erreichen und

So sieht er aus, der „Blick nach Links“, das AfD-Kampfportal.

Extremismus im Bund:

Laut Verfassungsschutzbericht

verübten Rechtsextremisten

2018 in Deutschland

19 409 Straftaten, darunter

1088 Gewaltdelikte und

sechs versuchte Tötungsdelikte.

Dem standen 4622 Tatenmit

linksextremistischem

Hintergrund gegenüber, darunter1010

Gewalttaten und

drei versuchteTötungsdelikte.

HÖCHSTSTAND BEI RECHTSEXTREMISTEN

Extremismus im Land:

In Berlin weist die Polizeistatistik

für das Vorjahr 1766

Straftaten vonRechtsextremisten

aus, darunter 125

Gewaltdelikte. Bei den Gewaltdelikten

stiegen die

Zahlen im Vergleich zu 2017

an. Zudem registrierte die

Polizei 1223 linksextreme

Straftaten, darunter 288 Gewalttaten.

SABETH STICKFORTH

Der Verfassungsschutz:

In seinemBerichtlistet er

32 000 Linksextremisten,

mehr als 26 000 Islamisten

und 24 100Rechtsextremistenauf.Die

Zahlder Islamistenwird

als hoch bewertet,

ihre Zahl ist gestiegen.Das

gilt auch für Linksextremisten.

Einen Höchststand verzeichnendie

Verfassungsschützer

beiRechtsextremisten.

letztendlich eine Streichung der Finanzierung

zu erreichen. Welche

Berliner Organisationen fallen aus

Sicht der AfD in die Sparte„linksextrem,

Finanzierung streichen“? Auf

Nachfrage wurde zum Beispiel die

Amadeu-Antonio-Stiftung genannt,

ebenso wie das Landesprogramm

Demokratie und das Antifaschistische

Pressearchiv und Bildungszentrum.

Alle Organisationen setzen

sich gegen Rechtsextremismus

und Rassismus ein.

RobertLüdecke vonder Amadeu-

Antonio-Stiftung ist nicht überrascht.

Die öffentliche Debatte konzentriere

sich nach dem Lübcke-Mord zu

Recht stark auf den Rechtsextremismus

und die Rolle der AfD, sagte er

der Berliner Zeitung. Die versuche

nun, den Fokus zu verschieben. Auf

Bundes- wie Landesebene versuche

die AfD seit langem, Demokratieprojekte

mit dem Label „linksextrem“ zu

diskreditieren. Dabei gehe es um Rufschädigung

zweifelsfreier Projekte:

„Es wirdsolange mit Dreck geworfen,

bis etwas hängen bleibt“, so Lüdecke.

Aufihrer Homepage verdrehe die AfD

Fakten und arbeite mit „kruden Zahlen“

–wie zum Beispiel jener, dass

500 000 Deutsche Linksextremisten

seien.„Damit macht sich die AfD einfach

nur lächerlich.“

Organisierte Denunziation

Als „billiges Ablenkungsmanöver“

wertet auch Niklas Schrader, innenpolitischer

Sprecher der Linken-

Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus,

das neue Portal der AfD. Gerade

jetzt, wo alle über Rechtsterrorismus

und den Hass der AfD

redeten, starte die Partei eine „neue

Denunziationsplattform gegen alles

Linke“, sagte Schrader dieser Zeitung.

Manmüsse gelassen reagieren,

dürfe die Gefahr aber auch nicht unterschätzen:

„Die AfD organisiertdie

Denunziation der Zivilgesellschaft,

die man vonihr bereits kennt, damit

neu und kann den Hass so in gezielte

Bahnen lenken.“ Hochgefährlich

könne werden, wenn auf der Plattform

gezielt gegen einzelne Personen

Stimmung gemacht werde.

Schraders Parteikollegin Anne Helm,

die sich gegen Faschismus engagiert,

hat jüngst immer wieder Morddrohungen

erhalten.

Benedikt Lux, innenpolitischer

Sprecher der Grünen, sagte dieser

Zeitung: „Berlin hat ein Problem mit

linksextremistischen Straftaten und

Gewalt. Dieses Problem wird aber

von der Polizei bekämpft. Die AfD

leistet dazu keinen Beitrag. Im Gegenteil:

Sie unterstützt rechtsextreme

Hassparolen und heizt das

Problem nur an.“

Ringbahn wird

bis August

unterbrochen

Bauarbeiten an der Strecke

für den Flughafen-Express

Vor einigenWochen war der nördliche

Ring unterbrochen, nun

kommt ein Abschnitt im Osten Berlins

an die Reihe.Von diesem Freitag

um 22 Uhr anwird der S-Bahn-Verkehr

zwischen Ostkreuz und Frankfurter

Allee gesperrt–bis 4. August.

Ein Schienenersatzverkehr (SEV)

mit Bussen wirdeingerichtet. Im Süden

beginnt und endet er am Ostkreuz,

im Norden am S-Bahnhof

Storkower Straße. Am S-Bahnhof

Frankfurter Allee gibt es keinen Platz

für Busse.Der SEVhält rund 300 Meter

entfernt in der Gürtelstraße.

DieS85 fährtwährend der Bauarbeiten

nur zwischen Schöneweide

und Pankow. Die S47 fällt zwischen

Hermannstraße und Schöneweide

komplett aus, der Abschnitt nach

Spindlersfeld wird weiter bedient.

Die S8wird geteilt. Sie verkehrt im

Süden als S46 von Zeuthen/Grünau

über Baumschulenweg bis Hermannstraße.

Im Norden verkehren

die S-Bahnen als S8 zwischen Birkenwerder

und Greifswalder Straße.

Bei den Bauarbeiten geht es um

die neue Bahnbrücke über den Wiesenweg,

die das baufällige Vorgängerbauwerk

von 1918 ersetzt. Die

derzeitige Hilfsbrücke muss nun

ausgebaut, der neue Überbau eingebaut

werden. In diesem Bereich

musste die Bahn wegen neuer Regularien

auch den Bahndamm um 1,65

Meter verbreitern und zwei Gleise

für Fern- und Regionalzüge neu

bauen. Dortwirdunter anderem zunächst

der Flughafenexpress vom

Hauptbahnhof zum BER fahren.

Fahrzeit: 33 Minuten. (pn./mit dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 17

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Gesundheit

Volkskrankheit Rücken

Wirbelkanal-Verengung: Neue Therapien besiegen den Schmerz, ohne dass Knochen versteift werden müssen. Gute Resultate bereits kurz nach dem Eingriff

VonMichael Timm

Selbst kürzeste Wege erledigte

Benno R. (65) bis vor wenigen

Wochen nur noch mit

dem Fahrrad. Egal, wie das

Wetter war. Denn nur auf dem Sattel

seines Drahtesels war der Rentner aus

Pankow einigermaßen schmerzfrei,

wenn er mal kurz Schrippen holen,

zur Post oder in die Kneipe um die

Ecke wollte. Zu Fuß war das nicht

mehr möglich. Da schaffte er gerade

mal hundertMeter.Dann plagten ihn

beim Laufen schlimme Rückenschmerzen,

die erst ins Gesäß und

dann tief bis ins rechte Bein zogen.

Schon nach wenigen Meternwurden

sein Fuß taub und sein Gang immer

unsicherer.

Die Folge: Wenn Benno R. zu Fuß

unterwegs war,musste er immer wieder

stehen bleiben, sich ausruhen

und mit dem Oberkörper weit nach

vorn beugen. Nur dann ließen die

Schmerzen nach. Allerdings nur vorübergehend.

Beim Weitergehen traten

sie schon nach wenigen Minuten

erneut auf.

DerGrund: Benno R. litt an einem

verengten Wirbelkanal. Eine der häufigsten

Ursachen für Rückenschmerzen

bei älteren Menschen. Oft empfehlen

die Ärzte bei dieser Diagnose

ihren Patienten eine Operation, bei

der die Wirbelsäule versteift wird.

Doch das ist nicht nur ein großer und

belastender Eingriff. „Invielen Fällen

ist er auch gar nicht nötig“, warnt der

Münchner Orthopäde Reinhard

Schneiderhan, Präsident der Deutschen

Wirbelsäulenliga. Der Experte

schätzt, dass mindestens jede zweite

Versteifungsoperation durch moderne

minimal-invasive Therapien

vermieden werden könnte.

So war es auch bei Benno R., der

Neuralgische Punkte im Rücken –die kennt fast jeder.

sich mittlerweile wieder mühelos zu

Fuß fortbewegen kann. Der Rentner

hat keine Schmerzen mehr und

strahlt vor Glück: „Ein besonders

schonender Mini-Eingriff befreite

meinen verengten Wirbelkanal. Bei

dem mikrochirurgischen Eingriff

musste meine Wirbelsäule nicht versteift

werden. Heute geht es mir wieder

blendend.“

Brennpunkt Wirbelkanal: Etwa jeder

dritte Mensch über 60 Jahreist davon

betroffen. Mediziner sprechen

bereits von einer Volkskrankheit. Jeder

zweite Betroffene erleidet durch

dieWirbelkanalverengung erhebliche

Schmerzen und klagt über Taubheit

in den Beinen.

Rückenspezialist Reinhard

Schneiderhan erklärt, warum sich ein

Wirbelkanal verengen kann: „Dieser

Kanal ist eine Art Tunnel, der hinter

den Wirbelkörpern von oben nach

unten verläuft. Er ist seitlich von den

Wirbelgelenken und Wirbelbögen

und hinten von den Dornfortsätzen

der einzelnen Wirbel sowie von Bändernumgeben,

die ihn schützen. Dieser

knöcherne Schutz ist wichtig, weil

in diesem Kanal das empfindliche

Rückenmark und die von ihm abzweigenden

Nervenstränge verlaufen.

Durchjahrzehntelange Belastung

nutzt sich die knöcherne Umhüllung

jedoch ab.Der Körper versucht nun,

diese Schwächung durch ein verstärktes

Knochenwachstum auszugleichen.

Er bildet also neues, zusätzliches

Knochengewebe.Wenn es

in den Kanal wächst, engt es ihn ein

und drückt auf die Nerven. Das verursacht

die Schmerzen. Gleichzeitig

kann auch eine vorgefallene Bandscheibe

die Einengung verstärken.

Oft verdicken sich auch noch die

Bänder,die den Wirbelkanal umhüllen.

Dann haben die Nerven noch

weniger Platz.“

Ob ein Patient davon betroffen

ist, erfährt der Arzt oft schon bei der

Schilderung der Beschwerden: „Sobald

jemand beschreibt, dass die

Schmerzen in Rücken und Bein

beim Nachvornebeugen nachlassen,

IMGAO IMAGES

ist das ein deutlicher Hinweis auf das

Krankheitsbild“, sagt Schneiderhan.

„Denn bei einer Beugung nach vorne

wirdder Wirbelkanal durch das Auseinanderweichen

der Wirbelgelenke

erweitert. Das verschafft ihm wieder

mehr Platz. Deshalb lassen die

Schmerzen nach. Leider nur für

kurze Zeit. Beim Weitergehen treten

die typischen Symptome erneut

auf.“

Bevor Benno R. in das Wirbelsäulenzentrum

vonReinhardSchneiderhan

kam, war er bei mehreren Ärzten

in Behandlung. Sie verschrieben

Schmerzmittel, Injektionen und

Krankengymnastik. Doch das half

immer nur kurzzeitig. Als die Schmerzenwieder

zunahmen, rieten ihm die

Mediziner zurVersteifung.

Orthopäde Schneiderhan kennt

das Problem: „Das früher gültige Patentrezept

der Versteifung, wenn

nichts anderes mehr hilft, ist längst

überholt. Denn heute haben wir Gott

sei Dank eine ganze Reihe mehrerer

sehr moderner und schonender Verfahren,

mit denen wir den Patienten

effektiv helfen können.“

Benno R. suchte den Spezialisten

auf, um sich eine zweite Meinung einzuholen.

In Schneiderhans Praxisklinik

wurde er gleich von mehreren

Fachärzten eingehend untersucht.

Dann stand fest, dass ein mikrochirurgischer

Entlastungs-Eingriff die

größten Erfolgsaussichten bieten

würde. Der Patient musste nicht

lange überlegen und war sofort einverstanden.

„Bei dem mikrochirurgischen Eingriff

erweitert ein Neurochirurg den

verengten Wirbelkanal, ohne wie bei

der klassischen Operation große Knochenanteile

entnehmen zu müssen“,

erklärt Schneiderhan. Durch einen

nur drei bis vier Zentimeter kleinen

Schnitt führt der Operateur eine

dünne Titan-Hülse bis zur Wirbelsäule

ein. Durch diese Hülse kann er

unter Sicht durch ein Operationsmikroskop

mit Spezialinstrumenten die

störenden Knochenanteile, vorgefallene

Bandscheibenteile oder verdicktes

Bandgewebe mit feinsten Instrumenten

vorsichtig abtragen und entfernen.

So bleibt die Stabilität der

Wirbelsäule voll erhalten. Das Operieren

durch die dünne Titanhülse

hat den Vorteil, dass der Chirurg die

Rückenmuskulatur nicht wie bei den

großen offenen Eingriffen ablösen

oder durchtrennen muss, sondern

einfach zur Seite schieben kann. Dadurch

haben die Patienten nach dem

Eingriff wesentlich weniger Schmerzenund

sind viel schneller wieder gesund

und fit.

So war es auch bei Rentner Benno:

„Das hätte ich nicht erwartet. Nurwenige

Stunden nach der OP konnte ich

bereits wieder aufstehen und

schmerzfrei gehen. Zum ersten Mal

seit vielen Jahren. Jetzt kann ich mein

Leben ohne Schmerzen wieder richtig

genießen, bin körperlich belastbar

und kann sogar lange Wanderungen

machen.“

Oft ist jedoch ein operativer Eingriff

überhaupt nicht nötig. Wenn der

Wirbelkanal sowohl durch Knochenanlagerungen,

als auch durch eine

vorgewölbte Bandscheibe eingeengt

ist, reicht es oft, nur eine der beiden

Bedrängungen zu entfernen. An den

Bandscheiben ist das besonders gut

möglich. Wenn man das vorgewölbte

Bandscheibengewebe dazu bringt,

sich wieder zurückzuziehen, hat der

Nerv trotz einer knöchernen Einengung

wieder Platz. Er löst dann keine

Schmerzenmehr aus.

Diesen Effekt erreicht Schneiderhan

mit einer modernen Video-Katheter-Therapie:

„Mit einem nur 1,4

Millimeter dünnen Spezial-Katheter

können wir die Bandscheibe unterVideokontrolle

gezielt ansteuern und

Medikamente millimetergenau injizieren,

die das vorgewölbten Bandscheibengewebe

schrumpfen lassen

und so denWirbelkanal erweitern.“

Zugreisen im goldenen Herbst

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©Eric Schulze


18 * Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Lokalsport

NACHRICHTEN

Der Ortswechsel

der Woche

AKTIVESABSEITS

Nicht ohne

meinen

Trainer

Johanna Schikora ist gerade auf

dem Flughafen in Wien gelandet.

Gleich geht es für sie und ihren

Teamkameraden Luis Büttner weiter

nach Berlin. Noch auf dem Rückweg

von den Europameisterschaften der

Flossenschwimmer in Ioannina,

Griechenland, gelten die Gedanken

der beiden schon dem nächsten Saisonhöhepunkt:

den Junioren-Weltmeisterschaften

in Scharm El-

Scheich, Ägypten. Die beginnen am

28. Juli. Und dorthin würden die

Flossenschwimmer des TC fez, dem

Tauchclub aus Berlin-Friedrichsfelde,

gern ihren Heimtrainer Volko

Kucher und einen Physiotherapeuten

mitnehmen. Die müssten allerdings

auf eigene Kosten anreisen.

Um sie dennoch als Betreuer um sich

zu wissen, haben Schikoraund Büttner

eine Crowdfunding-Aktion auf

fairplaid.orggestartet.

Wie wichtig es für sie ist, den

Heimtrainer an ihrer Seite zu haben,

hat Schikoragerade in Griechenland

gemerkt, erzählt sie am Telefon. Da

war sie als Jugendweltrekordlerin

über 1500 Meter Finswimming (FS)

mit der schnellsten Zeit gemeldet.

Die Berlinerin, die gerade am Biesdorfer

Otto-Nagel-Gymnasium Abitur

gemacht hat, war Favoritin. „Das

hat mir so viel Druck gemacht. Ohne

meinen Trainer hätte ich gar nichts

hingekriegt. Nur erweiß, was er sagen

muss,damit ich mich beruhige“,

meint Schikora. Die Nacht vor dem

Wettkampf schlief sie kaum.

Volko Kucher, der früher DDR-

Meister im Flossenschwimmen war,

kennt seine Athleten vonklein auf. Er

redete auf seine Vorzeige-Athletin

ein, beruhigte sie. Lange Zeit lag sie

im Finale der besten Acht auf Rang

sechs,Rang sieben. Kurz vorSchluss

erhöhte sie die Frequenz der delfinartigen

Beinbewegungen im Wasser,

lieferte einen famosen Endspurt ab,

und schlug schließlich als Dritte am

Beckenrand an: EM-Bronze, „9 Sekunden

über meiner Bestzeit –auf

1500 Meter ist das okay“, findet die

Sportlerin aus Kaulsdorf.

Sammeln für den Coach: Luis Büttner und

Johanna Schikora vom TC fez.

PRIVAT

Okay, aber nicht perfekt und weil

nach dem Rennen gleich wieder vor

dem Rennen ist, dachte sie: „Ich

habe ja noch Ägypten.“ Dort will

Schikora, die außerdem eine Silbermedaille

über 400 Meter FS und eine

weitere Bronzemedaille über 800

Meter FS von der EM der Erwachsenen

mitgebracht hat, bei ihrem ersten

großen Wettkampf unter freiem

Himmel unter optimalen Bedingungen

antreten. Genauso wie Luis Büttner,

der in Griechenland mit der

deutschen 4x200-Meter-Staffel den

zweiten Platz erreichte. Bei zehn

Starts in vier Tagen ist die Hilfe des

Physiotherapeuten unverzichtbar,

um neue Bestzeiten zu schwimmen.

Im Gegenzug für eine Spende bieten

die beiden Athleten des TC fez etwa

eine Postkarte aus Scharm El-

Scheich, ein Probetraining, 50 Wiederholungen

am Beinstrecker an –

und vielleicht auch den ein oder anderen

RekordimBecken. (kah.)

Duell am Netz auf Courtvier:Der ist in BeachMitte für das Training der Hauptstadt-Beacher geblockt. BERND FRIEDEL (2)

Einfach einmalig

Berlin gilt als Welthauptstadt des Beachvolleyballs. Dieses Potenzial will Dirk Westphals Verein nutzen

VonKarin Bühler

Zuerst die Sonnencreme.

Dirk Westphal ist zwar gebräunt,

aber UV-Schutz

muss sein, egal ob jemand

Anfänger, Amateur oder Profi-Beacher

ist. Deshalb schmiert sich der

Volleyballer im Schatten der Umkleidekabinen

vor Court vier in Beach-

Mitte Gesicht, Schultern, Arme ein.

Es ist ziemlich heiß an diesem Vormittag.

Westphals Ölung kommentiertsein

Beachvolleyballpartner Lucas

Mäurer grinsend: „37 Grad, und

es wirdnoch heißer …“

„Baam“, der erste Angriffsball

prallt aus dem Sand nach oben und

scheppertauf dasWellblechdach des

Umkleidetrakts der Beachvolleyball-

Anlage am Nordbahnhof. Westphal

hat sich das Trikot der Hauptstadt-

Beacher übergezogen, schwarz mit

einem gelben Bären auf der Brust,

dessen Tatze zum Schmettern ausholt.

Ein Logo, das er und seine

Freunde entwickelt haben. Auch das

gehört zur Etablierung ihres Vereins

als Marke, „unser Hauptstadt-Beacher-Bär“,

sagt der 33-Jährige.

Westphal ist sowas wie der

Hauptstadt-Beacher-Chefbär, als

früherer Volleyball-Nationalspieler

und WM-Dritter von 2014 der bekannteste

Athlet des jungen Vereins,

einer seiner Gründer.„Voretwa zwei

Jahren haben wir überlegt, wie man

Beachvolleyball effektiver gestalten

kann“, sagt Westphal.

Ausdruck eines Lebensgefühls

Ihm war aufgefallen, dass Beachvolleyball

mehr als Einzel- denn als

Mannschaftssport wahrgenommen

wird. „Es gibt viel Konkurrenzdenken,

Neid, es wirdgegeneinander gearbeitet.“

Westphal wollte das ändern,

den Sportvom großen Ganzen

her denken. „Dasind wir auf die Idee

gekommen, einen eigenen Verein zu

gründen und die einmalige Beachvolleyballkultur,die

es in Berlin gibt,

zu erhalten, weiterzuentwickeln.“

Auch wenn die Beachvolleyball-

Welt gerade ihreAufmerksamkeit auf

Hamburg richtet, wo 1500 Tonnen

Sand ins Tennisstadion am Rothenbaum

gekippt worden sind, weil dort

noch bis Sonntag dieWM stattfindet,

auch wenn die besten deutschen

Teams am Olympiastützpunkt in

Hamburg-Dulsberg zusammengezogen,

trainiert und gefördert werden,

gilt doch Berlin als Welthauptstadt

des Beachvolleyballs.

Die Sportart passt hier zum Lebensgefühl:

jeder, wie er kann, easy

Leute treffen, draußen auf Strandsofas

oder Bierbänken sitzen, nach

Im Winter drin, im Sommer draußen: DirkWestphal sagt, er sei ein Hybridvolleyballer.

Überall: Beachvolleyball

kann beinahe in jedem Berliner

Bezirk gespielt werden.

Die größten und bekanntesten

Anlagen sind BeachMitte

am Nordbahnhof −dort

kann unter Flutlicht bis 22

Uhr gespielt werden −sowie

Beach61 in Kreuzberger Teil

des Gleisdreieickparks.

dem Sport bei Bayerisch Hell und

Grillwurst quatschen. „ImBeachvolleyball

ist es kein Problem, wenn du

mit Leuten auf schlechterem Niveau

spielst. Danach wird halt ein Kaltgetränk

genommen und die Sonne genossen.

Undjeder ist irgendwie motiviert“,

sagt Westphal. „Das macht

den Beachvolleyball so einzigartig.“

BeachMitte mit 52 und Beach61

zwischen Potsdamer Platz und

Kreuzbergmit 40 Feldernwarten mit

den größten innerstädtischen Anlagen

der Welt auf, dazu kommen 14

Felder am Fennpfuhl in Lichtenberg,

Courts am Eastside Beach in Marzahn

oder im Volkspark Friedrichshain.

Insgesamt sind es im Sommer

rund 120 Felder, auf denen in Berlin

gebaggert, gepritscht, gepoked wird.

Dazu gibt es fünf Beachvolleyball-

Hallen für den Winter und etliche

Sandplätze imUmland wie etwa am

Bernsteinsee in Ruhlsdorf. „Derzeit

SAND & NETZE IN DEN BEZIRKEN

Üben: Am Marzahner East

Side Beach stehen Beachvolleyball-Felder

zur Verfügung,außerdem

gibt es ein

großes Areal am Spok, dem

Sport- und Kulturzentrum in

Pankow sowie am See Fennpfuhl

der Beach Zone in Lichtenberg,woauch

unter Flutlicht

gespielt werden kann.

Übrigens: Drinnen und draußen

kann am South Beach in

Steglitz geschmettertwerden,

ebenso im Indoor

BeachCenter in Reinickendorf

oder bei East61 in

Schöneberg.Außerdem sind

in Berliner Strandbädernwie

Tegel, Lübars, Wannsee oder

Köpenick Netze aufgestellt.

gibt es ab 17 Uhr inBerlin keinen

einzigen freien Beachplatz mehr.

Das ganze Potenzial, das da drin

steckt, wollen wir zusammenführen,

ein bisschen Struktur reinbringen“,

sagt Westphal. Geschätzt spielen

etwa 10 000 Menschen in Berlin regelmäßig

Beachvolleyball.

Auf Court vier in BeachMitte, der

für seinen Verein geblockt ist, sagt

Westphal jetzt Sideout-Training an.

Die Gegner schlagen auf, er und

Mäurer nehmen an. Das Duo aus

Berlin hat vorige Saison zwei dritte

Plätze auf der Techniker Beach Tour,

der größten nationalen Beachvolleyball-Serie

Europas, gewonnen. Bei

den Deutschen Meisterschaften in

Timmendorfer Strand landeten sie

auf Rang fünf, ein Riesenerfolg, der

Interesse bei Sponsoren weckte.

Westphal und Mäurer klatschen sich

ab. Die Sonne brennt. Ihre Angriffsbälle

kullern durch den Sand. Am

letzten Juliwochenende geht die

Tour in St.Peter-Ording weiter.

Von Oktober bis April ist Westphal,

der beim Berliner TSC anfing,

beim VC Olympia und SCC spielte,

noch immer Hallenprofi. Einer, der

in Italien, Belgien, Polen, Frankreich

und im Iran spielte. Kommende Saison

schlägt er im zweiten Jahr für die

Netzhoppers aus Königs Wusterhausen

auf. Aber eigentlich ist er immer

ein Hybridspieler gewesen.

Die Hauptstadt-Beacher waren

zunächst für Profis wie ihn gedacht,

um bei Training, Turnieren, Vermarktung

Synergien zu nutzen und

vielen Wettkämpfen präsent zu sein.

So wie Julia Laggner,die kürzlich bei

den African Games auf den KapVerden

im Trikot der Hauptstadt-Beacher

die Silbermedaille gewann.

Sogwirkung der WM

Aber dann merkte Westphal, der es

von zu Hause in Prenzlauer Berg

nicht weit zu BeachMitte hat, dass zu

einem Verein auch der Amateurbereich

gehört, um zu wachsen: aus

sieben Profispielern wurden zwölf,

58 Amateure sind Mitglieder. Kommenden

Sommer soll es Kindertraining

geben. „Am Ende ist es wichtig,

dass wir ein bunter Verein werden,

dass sich viele Leute mit uns identifizieren,

dass wir die Beachvolleyballkultur,die

es ja schon gibt, in einVereinsleben

überführen, wo vonalt bis

jung und von groß bis klein alles

möglich ist“, sagt Westphal.

Derzeit bieten die Profis Workshops

für die Amateurean. „Sie können

sehen, wie wir trainieren, was

dazugehört, Profi zu sein“, meint

Westphal. Psychologie oder Ernährung,

etwa: „Wie bekomme ich nicht

das Flattern? Wiegehe ich mit Rückständen

um? Wie, wann und was

esse ich, wenn ich zwei, drei Spiele

an einem Tag habe? Es gibt viele

Amateursportler, die viel Geld dafür

investieren, Beachvolleyball richtig

zu lernen – aber halt nur auf der

technisch-spielerischen Ebene.Aber

es gehörtnochsoviel mehr dazu.“

Westphal glaubt, dass ein Sport

nicht nur über Erfolge größer wird,

sondern auch über die Menge an

Menschen, die ihn betreiben, verstehen

und die wertschätzen, was die

Weltbesten gerade bei der WM in

Hamburgleisten.„Über eine Sogwirkung

dieser WM würden wir uns natürlich

freuen“, sagt er.

Karin Bühler

findet Beachvolleyball

aktiv und passiv prima.

BOGENSPORT. Im Laufe dieser Woche

findet innerhalb Berlins ein großer

Umzug statt. Noch bis Freitag

schießen die Bogenschützen beim

Weltcup auf die Zielscheiben, die im

Maifeld neben dem Olympiastadion

aufgebaut sind. Wenn es dann aber

ab Sonnabend um die Medaillen im

Einzel, Team und Mixed geht, wechselt

der Tross auf den Lilli-Henoch-

Sportplatz am Anhalter Bahnhof.

Von9.30 Uhrmorgens bis nachmittags

geht es dann sowohl mit dem

Recurve- als auch dem Compoundbogen

um wichtige Zähler für das

Weltcupfinale in Moskau (6./7. September).

Werden Weltcup in Berlin

gewinnt, qualifiziertsich direkt dafür.Die

restlichen Startplätzewerden

über die Weltcup-Rangliste vergeben.

Einzweiter Platz zum Beispiel

bringt 21 Punkte,Rang drei 18.

MaximalzweiAthleten dürfen pro

Nation und DisziplinamFinale teilnehmen,

GastgeberRussland hat einen

Starter für die vier Einzel-Wettbewerbe

sicher.

Der Aufschlag

der Woche

ROLLSTUHLTENNIS. Spitzentennis

wirdindiesen Tagen nicht nur in

Wimbledon gezeigt. BisSonntag

spielen auf der Anlage der Zehlendorfer

Wespen, Lloyd-G.-Wells-

Straße 55, Spieler aus aller Welt im

Rollstuhltennis den Sieger der German

Open aus.Spannend aus Berliner

Sicht ist vorallem die Frage,ob

Lokalmatadorin und Rekordsiegerin

Katharina Krüger es schafft, zum insgesamt

sechsten Malden Titel in ihrerHeimatstadt

zu gewinnen. Lange

waren die German Open die einzige

größerePlattformfür das Rollstuhltennis

in Deutschland. Nunbildet

das Turnier gemeinsam mit den

Deutschen Meisterschaften in Leverkusen

eine ArtDoppel, das es den

Sportlernermöglicht, sich und ihren

Sportder Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das Preisgeld

der Woche

TRABERSPORT. JosVerbeeck genießt

in der Traberszene dank seiner Fähigkeiten

den Spitznamen „Hexer“.

Beim Super Trot Cupauf der Trabrennbahn

in Mariendorfamkommenden

Sonntag, wo es um 18:12

Uhrumein Preisgeld von20000

Euro geht, ist er mit Apache Jeloca allerdings

nur Außenseiter.Hoffnungen

auf den Sieg dürfen sich vorallem

der derzeit starke Conrad Lugauer

(Breidabliks Cognac) und der

Deutsche Meister MichaelNimczyk

mit Emilion machen.

ZAHL DER WOCHE

202

Entscheidungen fallen am Wochenende

des 3. und 4. August bei The Finals,

bei zehn Deutschen Meisterschaften

in Berlin. Grund genug, sich

diese beiden Daten schon mal vorab

im Kalender anzustreichen. Denn an

diesem Mega-Sport-Wochenende

kämpfen nicht nur Leichtathleten,

Schwimmer, Kanuten oder Turner

um Titel. Auch alle anderen kommen

beim beim Familiensportfest im

Olympiapark auf ihre Kosten, wenn

sich Sportvereine und -verbände mit

mehr als 100 kostenlosen Mitmach-

Angeboten von Klettern über Streetball,

BMX oder Hockey bis zu Radsportoder

Fechten vonjeweils 10 bis

17 Uhrpräsentieren. Eintritt ist frei.


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 19 *

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Sport

NACHRICHTEN

Lampard wird neuer Trainer

beim FC Chelsea

FUSSBALL. DieRückkehr von

Frank Lampard zum englischen

Spitzenklub FC Chelsea ist perfekt.

Am Donnerstag verkündete

der Europa-League-Sieger die Verpflichtung

des 41-Jährigen als

Teammanager. Der ehemalige

englische Nationalspieler erhält

einen Dreijahresvertrag. Der einstige

Starspieler der Blues, der 13

Jahre für die Mannschaft von der

Stamford Bridge aktiv war, tritt die

Nachfolge von Maurizio Sarri an,

der zu Italiens Rekordmeister Juventus

Turin gewechselt war. Zuletzt

stand Lampard beim Zweitligisten

Derby County

unter Vertrag.

Peru trifft im Finale der Copa

América auf Brasilien

FUSSBALL. Peru hat den Titelverteidiger

Chile bei der Südamerikameisterschaft

geschlagen und zieht in das

Finale der Copa América gegen Gastgeber

Brasilien ein. Dieperuanische

Auswahl gewann am Mittwoch in

PortoAlegremit 3:0 (2:0) gegen die

Chilenen. Damit steht Peru zum ersten

Malseit 1975 wieder im Finale

der Südamerikameisterschaft.

Èdison Flores (21.), Yoshimar Yotún

(38.) und der ehemalige Bundesligaprofi

Paulo Guerrero(90.) schossen

die Tore.

Manchester City verpflichtet

Rodrigo für 69 Millionen Euro

Ist Manchester City eine gewaltige Ablösesumme

wert:Rodrigo

AFP/BOUYS

FUSSBALL. Derenglische Meister

und Pokalsieger Manchester City hat

den spanischen Mittelfeldspieler

Rodrigo vonAtlético Madrid verpflichtet.

Der23-Jährige,der mit vollem

Namen Rodrigo HernándezCascante

heißt, erhält einen Fünfjahresvertrag.

DieAblöse soll Medienberichten

zufolge 62 Millionen Pfund

(rund 69 Millionen Euro)betragen.

Daswäredie höchste Ablösesumme,

die der Verein vonTrainer PepGuardiola

jemals bezahlt hat.

Buffon kehrtzuJuventus

Turin zurück

FUSSBALL. DieRückkehr vonTorwart-Ikone

Gianluigi Buffon zu Juventus

Turinist perfekt. Wieder italienische

Fußball-Rekordmeister am

Donnerstag verkündete,erhält der

41-Jährige einen Einjahresvertrag.

MitJuvehatte Buffon in der Zeit von

2001 bis 2018 bereits neun italienische

Meisterschaften und vier Pokalsiege

errungen. Im Sommer 2018

wechselte der Weltmeister von2006

dann für ein Jahr zu ParisSt. Germain

und absolvierte unter der Leitung

vonTrainer Thomas Tuchel 25

Partien

Kerber scheitertin

Wimbledon in Runde zwei

TENNIS. Titelverteidigerin Angelique

Kerber ist in Wimbledon völlig

überraschend bereits in der zweiten

Runde ausgeschieden. Die31-Jährige

aus Kiel verlor gegen die US-

Amerikanerin Lauren Davis 6:2, 2:6,

1:6. So früh war sie bei ihrem Lieblings-Grand-Slam

in London zuletzt

vorsechs Jahren gescheitert. Letzte

Deutsche im Turnier ist damit Julia

Görges,die zeitgleich die russische

Qualifikantin WarwaraFlink 6:1, 6:4

besiegte.

Berüchtigter Zug

Trotz des Ausfalls von Christopher Froome dürfte der Sieger der Tour de France aus Team Ineos hervorgehen

VonStephan Klemm, Brüssel

Von Christopher Froome

war zuletzt am Mittwoch

eine Botschaft bei Twitter

zu lesen. Er liegt immer

noch in einem Krankenhaus, auf einem

Foto hält er einen der Stofflöwen

imrechten Arm, den der Träger

des Gelben Trikots bei der Siegerehrung

überreicht bekommt. Dazu

kommentierte er:„So habe ich nicht

gerade geplant, einen von diesen

Tierchen in diesem Jahr zu bekommen.“

Zuvorschon hatte er gepostet:

„Arbeite an meiner Geduld.“

Gelassenheit zu leben dürfte dem

britischen Radprofi gerade jetzt besonders

schwerfallen, so kurz vor

dem Startder Tour de France,zuder

er am Sonnabend als Top-Favorit angetreten

wäre. Doch ein Radunfall

kam dem viermaligen Tour-Sieger

Mitte Juni bei der Besichtigung eines

Zeitfahrkurses bei der Dauphiné-

Rundfahrt dazwischen: Aufprall auf

eine Wand, offener Bruch des Oberschenkels,dazu

Frakturen der Hüfte,

des Beckens und mehrerer Rippen.

Dieses Jahr wird Froome, 34, keine

Wettkämpfe mehr bestreiten. Sein

Ineos-Team verliert eine wichtige

Option –und das Rennen scheint dadurch

offener als zuvor zu werden.

Zumal neben Froome,dem Tour-

Dritten 2018, auch der Zweite des

letztjährigen Klassements fehlen

wird: Der Niederländer Tom Dumoulin,

28, musste wegen einer

Knieverletzung absagen –die Folge

Bei der Tour de Suisse fuhr Egan Bernal schon im Gelben Trikot.

eines Sturzes beim Giro d’Italia. Die

Indizien für einen variableren Rennverlauf

stiegen zuletzt an, weil auch

Vorjahres-Sieger Geraint Thomas,

33, in seinem finalen Tour-Vorbereitungsrennen,

der Tour de Suisse,

stürzte und das Rennen aufgeben

musste. Der Waliser erlitt jedoch

keine Brüche und wirdbei der ersten

Etappe der 106. Frankreich-Rundfahrt

inBrüssel am Start stehen. Allerdings

ist nicht klar, in welchem

Zustand er sich präsentieren wird.

Auch wenn sich die Schar der

Herausforderer insbesondereumdie

beiden französischen Hoffnungen

Romain Bardet (ag2r/28) und Thibaut

Pinot (Groupama/29) erweitert,

bedeutet das nicht, dass sie das

Zweifelhafte Loyalität

Novak Djokovic polarisiert abseits des Tennisplatzes

VonDoris Henkel, London

Der Spieltag in Wimbledon näherte

sich dem Ende, doch NovakDjokovic

hatte noch reichlich zu

tun. Nicht auf dem Centre Court;

diesen Teil der Arbeit hatte er mit einem

Sieg in drei Sätzen souverän erledigt.

Im Nachspiel in der Pressekonferenz

ging es zunächst nur um

ein paar harmlose bis schmeichelhafte

Themen, dann aber wurde er

mit seiner Unterstützung für den

ehemaligen amerikanischen Spieler

und das Vorstandsmitglied der

Männertennis-Organisation ATP,

Justin Gimmelstob,konfrontiert.

Der Amerikaner gehörte über

zehn Jahre als Repräsentant der

Spieler aus Nord- und Südamerika

zum Vorstand der ATP, und er gab

diese Funktion auch nicht auf, als er

im Dezember 2018 in den USA wegen

schwerer Körperverletzung angeklagt

wurde. Ihm wurde vorgeworfen,

einen Bekannten seiner früheren

Frau auf offener Straße angegriffen,

zu Boden gerissen, mehr als

50-mal heftig geschlagen und mit

dem Tod bedroht zu haben. Im

Frühjahr 2019 wurde er von einem

Gericht in Los Angeles zu einer

Strafe von drei Jahren auf Bewährung,

60 Tagen gemeinnütziger Arbeit

und zu einem Anti-Aggressions-

Training verurteilt. Daraufhin

trat er von seinem Posten als Spielervertreter

zurück. Zu spät angesichts

der Ereignisse,wie viele Spieler

fanden. Diewenigsten allerdings

kritisierten derart entschlossen wie

der Schweizer StanWawrinka, der in

einem offenen Brief in der Londoner

Times einen „besorgniserregenden

Niedergang moralischer Werte“

beklagte.

Djokovic steht deshalb im Zentrum

der unseligen Geschichte,weil

bekannt ist, dass er als Präsident des

Spielerrates maßgeblich an der Ablösung

des Chefs der ATP, Chris Kermode,

beteiligt war und die Ambitionen

des guten Bekannten Justin

Gimelstob als Nachfolger des Briten

nach Kräften unterstützt hatte. Es

geht seit Wochen drunter und drüber,

erst am vergangenen Wochenende

traten vier Mitglieder des Spielerrates

zurück. Nachdem Djokovic

Anfang der Woche erwähnt hatte,

sich dieser Tage mit dem Amerikaner

getroffen zu haben und er sich

dessen Rückkehr in die Gremien

vorstellen könne, wurde er nun in

der Pressekonferenz gefragt, wie er

den Amerikaner als Kandidat für

eine Rückkehr sehen könne.

„Ist es erwiesen, dass er schuldig

ist“, fragte er zurück. Gimelstob habe

erklärt, dass das Verfahren noch

nicht erledigt sei. „Ich kenne nur

seine Seite der Geschichte,und sollte

am Ende bewiesen sein, dass er wirklich

schuldig ist, dann werde ich es

natürlich nicht unterstützen, dass es

für ihn weiter einen Platz in unserem

Sport geben kann.“ In der äußeren

Form höflich und geduldig, in der

Sache aber eher ignorant, behauptete

er,die seitWochen zugänglichen

Aussagen der Zeugen des Angriffs

vom vergangenen Jahr noch nicht

gelesen zu haben. Wenn er das getan

habe,soDjokovic, dann sei er bereit,

die Diskussion fortzusetzen.

Fehlende Antworten

Es sieht so aus,als seien die Auftritte

auf dem Centre Court nicht nur dieser

Tage der erbaulichereTeil des Geschäftes

der Nummer eins sind.

Nachdem er neulich von einer sieben

Stunden langen Sitzung der

Spieler berichtet hatte, wurde er

gefragt, ob er darüber nachgedacht

habe, den Posten als Präsident

abzugeben. „Natürlich habe

ich über mehrere Möglichkeiten

nachgedacht“, teilte der Serbe mit,

„und mein Team ist ganz sicher

dafür, dass ich zurücktrete. Aber

ich habe das Gefühl, dass ich bleiben

muss, weil wir mitten in einer

Phase großer Veränderungen sind.

Ich habe zusammen mit anderen

Spielern, unabhängigen Beratern

und Managern versucht, Wege zu

finden, wie wir unsere Strukturen

verbessernund solche speziellen Situationen

wie zuletzt in Zukunft reduzieren

können.“ Die Pressekonferenz

endete nach knapp 18 Minuten.

Eine Menge Antworten stehen noch

aus.

KEYSTONE/EHRENZELLER

Rennen an sich reißen können.

Beide verfügen nicht über die Unterstützung,

auf die sich Thomas bei

Ineos verlassen kann. Thomas’ Co-

Kapitän Egan Bernal ist in Top-Form.

Der 22Jahre alte Kolumbianer gewann

zuletzt die Tour de Suisse.

Ausgeglichenheit ist Trumpf

Zudem zeigte sich das Ineos-Team

nach Froomes Ausstieg bei der

Dauphiné-Rundfahrt sehr aktiv. Die

wichtigen Helfer Wout Poels und Dylan

van Barle, beides Niederländer

und starke Rundfahrer, gewannen

jeweils eine Etappe. Poels beendete

das Rennen sogar auf Rang fünf,

knapp hinter dem dänischen Gesamtsieger

Jakob Fuglsang, 34.

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Ausall dem ergibt sich eine Situation,

die den Rennverlauf doch nicht

bedeutend anders aussehen lassen

dürfte als in den Vorjahren. Ineos als

Nachfolger des Sky-Teams wird mit

seinen rot-schwarzen Trikots schon

beim Team-Zeitfahren am Sonntag

ein Zeichen setzen wollen. Unddann

am Ende der erstenWoche in denVogesen

das Tempo bestimmen, bis zur

ersten Bergankunft auf der Planche

de Belles Filles am Ende der sechsten

Etappe am 11. Juli. Fuglsangs Astana-Equipe

gilt ebenfalls als starke

Berg-Einheit, doch im Zweifel sind

die niederländischen Lokomotiven

kaum abzuhängen.

Bardet, Pinot, Fuglsang und andere

Herausforderer wie der Kolumbianer

NairoQuintana (Movistar/29)

und womöglich auch der Ravensburger

Emanuel Buchmann (Borahansgrohe/26)

können sich dem

Tempo anschließen. Es zu forcieren,

ist gegen Ende des Rennens kaum

möglich. Ineos größte Stärke ist die

Ausgeglichenheit. Für jedes Terrain

sind Fahrer dabei, die eine Etappe

von der Spitze weg bestreiten können.

Was gerade bei hoher Geschwindigkeit

in den Bergen an den

berüchtigten, weil gedopten blauen

Zugvon Lance Armstrong erinnert.

Es wurde viel diskutiert über die

Lauterkeit der Methoden, mit denen

Sky, Ineos’ Vorgänger, arbeitet. Fakt

ist auch, dass das Team über den

größten Etat verfügt. Und den nutzt

es, um viele herausragende Rundfahrer

im Kader zu versammeln.

ZAHLEN

Fußball

Frauen-WM, Halbfinale

Niederlande -Schweden 1:0 n. V. (0:0)

England -USA 1:2 (1:2)

Das Finale findet am Sonntag,17Uhr statt.

Tennis

Grand-Slam-Turnier in Wimbledon

Frauen, 2. Runde:

Julia Görges (Bad Oldesloe/18) -Warwara Flink

(Russland) 6:1, 6:4; Lauren Davis (USA) -Angelique

Kerber (Kiel/Nr.5)2:6, 6:2, 6:1,

Barbora Strycova (Tschechien) -Laura Siegemund

(Metzingen) 6:3, 7:5; Ashleigh Barty (Australien/1)

-Alison vanUytvanck (Belgien) 6:1, 6:3;

Petra Kvitova (Tschechien/6) -Kristina Mladenovic

(Frankreich) 7:5, 6:2; Sloane Stephens (USA/9) -

Wang Yafan (China) 6:0, 6:2; Wang Qiang

(China/15) -Tamara Zidansek (Slowenien) 6:1,

6:2; Johanna Konta (Großbritannien/19) -Katerina

Siniakova(Tschechien) 6:3, 6:4; Elise Mertens

(Belgien/21) -Monica Niculescu (Rumänien)

7:5, 6:0; Carla Suarez Navarro(Spanien/30) -

Pauline Parmentier (Frankreich) 7:6 (7:2), 7:6

(7:4); Harriet Dart(Großbritannien) -Beatriz Haddad

Maia (Brasilien) 7:6 (7:4), 3:6, 6:1; Alison

Riske(USA) -Ivana Jorovic (Serbien) 6:2, 6:7

(3:7), 9:7

Männer,2.Runde:

Jan-Lennard Struff (Warstein/33) -Taylor Harry

Fritz (USA) 6:4, 6:3, 5:7, 7:6 (7:2); Kei Nishikori

(Japan/8) -Cameron Norrie (Großbritannien) 6:4,

6:4, 6:0; Michail Kukuschkin (Kasachstan) -John

Isner (USA/9) 6:4, 6:7 (3:7), 4:6, 6:1, 6:4; Joao

Sousa (Portugal) -Marin Cilic (Kroatien/13) 6:4,

6:4, 6:4; Daniel Evans (Großbritannien) -Nikolos

Bassilaschwili (Georgien/18) 6:3, 6:2, 7:6 (7:2);

Steve Johnson (USA) -Alex de Minaur (Australien/25)

3:6, 7:6 (7:4), 6:3, 3:6, 6:3; John Millman

(Australien) -Laslo Djere (Serbien/31) 6:3,

6:2, 6:1; Sam Querrey(USA) -Andrej Rublew

(Russland) 6:3, 6:2, 6:3; Jo-Wilfried Tsonga

(Frankreich) -Ricardas Berankis (Litauen) 7:6

(7:4), 6:3, 6:3

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Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 – S eite 20 *

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Sport

Auf dem Nebenplatz

Weil er verletzt von Celtic Glasgow zu Hertha BSC wechselte, muss sich Dedryck Boyata beim Trainingslager in Neuruppin vor allem in Geduld üben

VonSebastian Schmitt, Neuruppin

Sehnsüchtig schweifte sein

Blick über den Trainingsplatz,

auf dem sich die Kollegen

tummelten. Während

die neuen Kameraden unter Anleitung

von Ante Covic am zweiten Tag

des Trainingslagers in Neuruppin

das vom Trainer anvisierte Gegenpressing

übten, schuftete Dedryck

Boyata auf einem Nebenplatz fast

anderthalb Stunden mit Fitness-

Coach Hendrik Vieth, um schon bald

Teil der Gruppe zu sein. Ausgepumpt

verfolgte Herthas neuer Verteidiger

die letzten Minuten der Vormittagseinheit

vonder Seitenlinie.

Covic weiß als ehemaliger Profi

um das Seelenleben eines verletzten

Mannschaftssportlers. „Wichtig ist,

dass er sich hier im Kreis der Mannschaft

bewegt und die Nähe des

Teams spürt.“ Auf einen genauen

Zeitplan, wann der Belgier mittendrin

statt nur dabei ist, will sich der

Kroate allerdings nicht festlegen.

Nach so einer langen Verletzung

müsse man sehen, wie der Köper

reagiert. „Ich lasse ihn lieber einen

Taglänger draußen, als ihn zu früh

reinzuschmeißen, nur weil sein Herz

blutet“, erklärtCovic.

IntensiveBemühungen

Um Aufnahmeprobleme muss sich

der neue blau-weiße Cheftrainer allerdings

keine Sorgen machen –obwohl

Boyata im am Ruppiner Seegelegenen

Teamhotel keinen Zimmergenossen

hat. Wohl fühle er sich bereits,„auch

wenn ich noch nicht alle

Namen kenne“, sagt er zum Einstand.

Dennoch scheint der 28-Jährige bereits

bestens integriert zusein, als er

flachsend und mit breiten Grinsen

zusammen mit Karim Rekik, Salomon

Kalou, Per Skjelbred und Vedad

Ibisevic vomMittagessen kommt.

Lange und intensiv hatten sich

die Berliner um Boyata bemüht. Bereits

vorder vergangenen Saison soll

Hertha Celtic Glasgow fünf Millionen

Euro für den Nationalspieler des

WM-Dritten geboten haben. Dass er

nun ein Jahr später ablösefrei aus

Schottland an die Spree kommt, lag

an der Überzeugungsarbeit vonManager

Michael Preetz. „Ich hatte

mehrereOptionen. Aber die Gespräche

mit ihm waren gut. Er hat die

richtigen Wortegefunden und es mir

Dedryck Boyata trainiertzwarschon im Hertha-Trikot, aber noch ohne die Mannschaft.

nicht schwer gemacht“, erzählt

Boyata. Ähnlich hartnäckig wie

Preetz verhält sich zu seinem Leidwesen

auch die Oberschenkelverletzung,

die er sich bereits Ende März

im sogenannten Old Firm, dem berüchtigten

Glasgower Derby, gegen

die Rangers zugezogen hatte.

Auf die Insel ging es für den im

Brüsseler Vorort Molenbeek aufgewachsene

Boyata bereits mit 16 Jahren.

Allerdings zunächst nach Eng-

„Wenn

ich Playstation

spiele, killt mich

meine Frau.“

Dedryck Boyata

muss sich neben dem Fußball noch Hobbies suchen,

um seine Ehe nicht zu gefährden.

JUERGEN ENGLER

land in die Akademie von Manchester

City. Mit 19 debütierte er in der

Premier League.Aber mit dem Großinvestor

aus AbuDhabi kamen auch

die großen Stars zu den Citizens.

„Dann wurde es schwierig für mich

als damaliges Talent“, berichtet

Boyata, dessen Vater aus dem Kongo

stammt. Es folgten Leihen zu den

Bolton Wanderers und Twente Enschede,

bevor er vor vier Jahren zu

Celtic wechselte.

Auch wegen seines Werdegangs

macht sich Covic keine Sorgen. „Er

ist ein erfahrener Spieler, keiner, der

1999 oder 2000 geboren ist und aus

der Akademie kommt. Er hat schon

vieles in seiner Karriereerlebt und ist

sehr professionell.“ Boyata selbst beschreibt

sich als sehr vielseitigen

Spieler. Mit zwölf Jahren habe er

noch im offensiven Mittelfeld gespielt

und Thierry Henry als Vorbild

gehabt.

VonJahr zu Jahr rückte er dann

eine Position nach hinten. Undfühlt

sich jetzt in der Innenverteidigung

am wohlsten. Sein Spiel lebe vonseiner

Physis.„Ichbin aber auch schnell

und habe ein gutes Kopfballspiel“,

erklärt der 1,88 Meter große Boyata

selbstbewusst.

Lücke in der Abwehr

Qualitäten, die Herthas Abwehr

durchaus gebrauchen kann. Schließlich

herrscht nach den Abgängen

von Fabian Lustenberger (Young

Boys Bern) und Leihspieler Derrick

Luckassen Bedarf inder Defensive.

Ansprüche, das Stammpersonal in

Abwehrzentrum Karim Rekik und

Niklas Starkzuverdrängen, verkneift

sich der Zugang noch. „Ich habe Respekt

vor den Jungs. Hertha ist ein

großes Team mit vielen guten Spielern.“

Sorgen, dass er wegen seiner

Verletzung einen Nachteil habe,

macht er sich nicht. Schließlich sei

die Vorbereitung noch lange. „Es ist

kein gutes Gefühl nicht mit den

Jungs zu trainieren. Aber es wirdvon

TagzuTag besser.“

Neben der Genesung arbeitet

Boyata an seinen Deutschkenntnissen.

Dabei hilft ihm eine App auf

seinem Smartphone. Dass sieht

auch seine Frau Manon, die er vor

zwei Jahren heiratete und nach

dem Trainingslager nach Berlin

ziehen wird, lieber.„Wenn ich Playstation

spiele, killt sie mich. Das

mag sie nicht“, sagt er und lacht

los. Ein anderes Hobby sei das

Schlagzeug spielen gewesen. „Aber

das lag mir nicht so und mittlerweile

steht das Ding bei uns zu

Hause nur rum“, erzählt er. Das

Wichtige ist für ihn derzeit sowieso,

schnell in den blau-weißen Rhythmus

zu finden und mit den neuen

Kollegen auf dem Platz zu stehen.

Dann dürften auch schon bald alle

Namen sitzen.

Brisanter Umzug

Julius Kades Karriere kam bei Hertha BSC ins Stocken. Auf der anderen Seite der Stadt zeigt er sich im Training übereifrig, um künftig eine wichtige Rolle beim 1. FC Union zu spielen

VonMax Ohlert

Julius Kades Augen funkeln. Der

20 Jahre alte Neuzugang des 1.

FC Union blickt bei seinem ersten

offiziellen Pressetermin an der Alten

Försterei so selbstbewusst in

die Runde, als sei ihm gerade der

Preis für Europas Nachwuchsspieler

des Jahres verliehen worden.

Dabei erlebte der offensive Mittelfeldspieler

eine Saison zum Vergessen.

Der Wechsel zum Aufsteiger

ist sein Neustart.

Seitdem er acht Jahre alt war,

spielte Kade für den Nachwuchs von

Hertha BSC, den Verein, zu dem ihn

sein Vater als Kind immer mitnahm.

Oft frierend saßen sie dann im zugigen

Olympiastadion und sahen die

Hertha-Profis kicken, in deren Fußstapfen

Kade später treten wollte:

Marco Pantelic, Gojko Kacar, Raffael

und auch Pal Dardai, der dem jungen

Offensivspieler als sein Trainer

eine „Gier“ attestierte, die ihn für jeden

zum „unangenehmen Gegenspieler“

machen könne.

Und doch sitzt Kade nur im Stadion

An der Alten Försterei in Köpenick

und muss sich fragen lassen,

was ein einstiges Hertha-Juwel, aufgewachsen

im Stadtteil Kladow, wo

man ohnehin nur Hertha-Fan werden

kann, plötzlich hierher getrieben

hat.

Die Rivalität der beiden Berliner

Klubs bringt Kade so gar nicht aus

der Fassung. Es seien die Gespräche

mit Unions Sportchef Oliver Ruhnert

und Trainer UrsFischer gewesen, die

ihn nach Köpenick geführt haben,

erklärt er. Und die Fans. Und er betont:

„Union hat sich in jeglicher

Hinsicht in den vergangenen Jahren

extrem weiterentwickelt. Für einen

jungen Spieler ist der Verein mittlerweile

eine wirklich gute Adresse, um

den Durchbruch bei den Profis zu

schaffen.“ Das bewiesen zuletzt

Spieler wie Marvin Friedrich und

Grischa Prömel in der Zweiten Bundesliga.

Undeigentlich war der Plan,

dass auch Kade den vermeintlichen

Rückschritt über das deutsche Unterhaus

nimmt.

Julius Kade fühlt sich schon wie ein echter Unioner.

Präsentieren: Der 1. FC

Union arbeitet weiter intensiv

an seinem Kader für die

erste Saison in der Bundesliga.

Mit Marius Bülter und

NevenSubotic präsentierten

die Eisernen nun Zugänge

neun und zehn.

NEUZUGÄNGE NEUN UND ZEHN

Absolvieren: Bülter,26,

kommt per Leihe vomZweitligaabsteiger

1. FC Magdeburg.Dortabsolvierte

der

Rechtsfuß in der vergangenen

Saison 32 Pflichtspiele,

bereitete vier Tore vorund erzielte

vier weitere selbst.

CITY-PRESS/JAN-PHILIPP BURMANN

Triumphieren: Subotic, 30,

hatte zuletzt bei AS Saint-

Étienne gespielt und erhält

einen Vertrag bis zum 30.

Juni 2021. Der Innenverteidiger

hatte mit Borussia

Dortmund 2011 und 2012

die Meisterschaft gewonnen.

Wobei man beinahe sagen könnte:

nehmen muss.ImOktober 2018, nur

wenigeWochen nach dem beeindruckenden

Lob von Herthas altem

Chefcoach Dardai, brach sich Kade

in einem Regionalligaspiel mit Herthas

U23 gegen Germania Halberstadt

den Knöchel und das Sprunggelenk,

riss sich dabei zudem das

Syndesmoseband. Der Youngster

kämpfte sich in nur einem halben

Jahr zurück auf den Fußballplatz, jedoch

nicht zurück in den Fokus von

Herthas Bundesligamannschaft, die

zu diesem Zeitpunkt eigentlich jede

Verstärkung notwendig gehabt

hätte.Viel schlimmer noch: Auch in

der U23, die zu diesem Zeitpunkt

noch um den Aufstieg in die Dritte

Liga kickte, spielte Kade plötzlich

keine Rolle mehr. Keine leichte Situation

für einen jungen Kreativkicker,

der sich gerade erst von einer

schweren Verletzung erholt hatte. Es

wuchs der Wunsch nach einer ganz

neuen Herausforderung. Es

brauchte den Neuanfang nach beinahe

zwölf Jahren bei Hertha.

Da schlug Union zu. Oliver Ruhnert

konnte ob des „immensen Potenzials“

des Mittelfeldspielers

kaum an sich halten vorFreude über

den Transfercoup. Auf Charlottenburger

Seite waren die Reaktionen

verhaltener.„Ich wusste schon, dass

das wahrscheinlich einige bei Hertha

scheiße finden“, formulierte es

Kade unverblümt, den die Reaktionen

erst Ende Maitrafen, obwohl der

Wechsel bereits im Frühjahr festgezurrt

wurde. Damals spielte Union

um den Aufstieg, schwächelte allerdings

im Endspurt, sodass Kade zunächst

für Liga zwei plante.„Ichwäre

auch in der Zweiten Liga zu Union

gegangen, das stand fest. Dass es

aber nun die Bundesliga ist, ist natürlich

richtig geil.“

Mitseiner Torgefahr und Kreativität

will Kade helfen, den Klassenerhalt

zu sichern. Und die Derbys gegen

Hertha zu gewinnen. „Da werde

ich 300 Prozent reinwerfen, damit

wir gegen Hertha gewinnen“, sagt er

kämpferisch. Und wieder funkeln

die Augen.


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Corinna Harfouch

und andere beim

Filmfest München

Seite 23

„Solidarität ist das Mittel gegen die Angst.“

Der Soziologe Heinz Bude über den Weg, dendie Sozialdemokratie jetzt einschlagen muss. Seite 22

Buchwerbung

Der richtige

Moment

Cornelia Geißler

liest nicht neben der

Waschmaschine.

Wie berichtet, beunruhigt das

schwindende Interesse der

Menschen an Büchern die Verlage

und Buchhändler in Deutschland.

Bei Befragungen gaben zahlreiche

Nicht-mehr-Leser an, dass sie ja eigentlich

Bücher mögen, sie aber

keine Ruhe mehr dafür fänden. Es

gebe der Ablenkungen zu viele, sagten

sie, vor allem die Pflichten, die

Internet und soziale Medien mit sich

brächten, hielten sie vomLesen ab.

Eine Werbekampagne soll helfen,

sie zurückzuholen. Vonseinem langjährigen

Slogan „Vorsicht Buch!“ hat

sich der Börsenverein des deutschen

Buchhandels glücklicherweise verabschiedet.

Der war zwar „augenzwinkernd“

gemeint, aber Ironie

klappt ja nicht immer. Inzwischen

heißt es: „Jetzt ein Buch!“ DerAusruf

soll anregen, die möglichen Lese-Lücken

im Tagesablauf zu finden.

Dazu gesellt sich nun der„#Buchmoment“.

Für die modernen Zeiten

steht das Hashtag –das #-Kreuzchen

als Finde-Symbol für Instagram, Facebook

und Twitter. Das Buch soll

„als selbstverständlicher Teil des täglichen

Lebens“ gezeigt werden und

zwar „auf emotionale Art und

Weise“. Zur Weiterverbreitung stehen

denVerlagen und Buchhandlungen

zwei Bilder zur Verfügung, als

Anhängsel vonE-Mails oder Webseiten

nutzbar: Einen Vater mit Kind

beimVorlesen sowie eine Frau voreiner

Reihe vonWaschmaschinen mit

Buch in der Hand, neben sich einen

vollen Korb mit Textilien stehend.

Beide Fotos sind von Text begleitet:

„Sonntagsfrühstück. Aufmittags verschoben“,

heißt es neben dem einen,

„Kurzwäsche. Drei Mal in Folge“

beim anderen.

Sich mit dem Kind in Geschichten

zu verlieren und die Zeit zu vergegessen,

sieht verlockend aus.Aber

sich vor rumpelnden Waschmaschinen

einen Roman reinzuziehen,

wirkt äußerst unattraktiv. Da wird

das Lesen zur Aschenputtelbeschäftigung,

von der Hausfrau heimlich

dazwischengeschoben. Nein danke,

ich lese lieber auf dem Sofa.

VonFrank Junghänel

Man ist ja mittlerweile

daran gewöhnt, dass

Rockkonzerte der gehobenen

Preisklasse

pünktlich auf die Minute anfangen.

In unserem durchgetakteten Alltag

geht das gar nicht anders. Alles just

in time,jede Sekunde ist kostbar.Als

am Mittwochabend zehn nach halb

acht, also zwanzig Minuten vor dem

annoncierten Konzertbeginn, ein

paar Musiker auf das Podium der

Waldbühne schlurfen und einfach

schon mal zu spielen beginnen,

wirkt das Ordnungspersonal einen

Moment lang irritiert. Daswirdnoch

nicht Neil Young sein, der Steward

mit der Nummer 0858 schüttelt den

Kopf. „Doch das ist er!“, brüllt ihm

seine Kollegin ins Ohr. Mankann die

Worteauf ihren Lippen ablesen.

Die Frau kennt sich aus, erist es

wirklich. DasStück „CountryHome“

vom drei Jahrzehnte alten Album

„Ragged Glory“, mit dem Neil Young

sein zweistündiges Programm fast

ein wenig zu beiläufig eröffnet, sollte

symptomatisch für diesen Abend

sein. Es sind einige Songs aus der

zweiten Reihe seines Repertoires zu

hören, selten gespielt, was die einen

glücklich macht und andere etwas

ratlos zurücklässt. Aber ein paar Hits

(„Helpless“, „Old Man“, „Heart Of

Gold“) gibt es natürlich auch, sodass

am Ende alle gut bedient sind.

Im Grunde genommen kann man

von Neil Young gar nicht enttäuscht

werden, seine Auftritte,ganz egal mit

welcher Band er spielt, wirken über

all die Jahre wie ein unheimlicher

Mahlstrom, der einen immer wieder

hineinzieht in seine bipolare Welt

aus pastoraler Empfindsamkeit und

brachialem Gitarrenrock, der sich

phasenweise auch einer gewissen

Stupidität nicht zu schade ist. In den

genialischen Phasen erwächst aus

der Simplizität der musikalischen

Motive etwas Tranceartiges, hier bei

dem cirka zwanzigminütigen „Love

AndOnly Love“, das nach einer sehr

langen Einstimmungszeit mit einer

Kollektivimprovisation über einem

Groove endet, bei der zum Schluss

die drei mitteljungen Gitarristen der

Begleitband auf der Stelle hüpfen

und der alte Mann ihnen gegenüber,

rein rechnerisch 73, mit gebeugtem

Rücken im Feedback versinkt.

Rost schläft nicht

Aus Erfahrung gut –NeilYoung gastierte in der Berliner Waldbühne

Ganz bei sich: Neil Young in der Berliner Waldbühne

„It’s all one song“ hat Neil Young

einmal sein Werk charakterisiert.

Wenn es vonBob Dylan heißt, er befinde

sich auf einer Never Ending

Tour, dann ist es bei Neil Young ein

Never Ending Song. In der nächsten

Wochewerdenbeide gemeinsam im

Londoner Hyde Park gastieren. Ohne

den Sponsor Barclay Bank. Weil das

Unternehmen in fossile Energien investiert

und das umweltschädliche

DAVIDS/CHRISTINA KRATSCH

Fracking finanziert, hatte Young sich

als Naturschutzaktivist geweigert,

unter dem schmutzigen Logo aufzutreten.

DerVeranstalter gab nach. Es

ist alles eine Frage der Sturheit.

Im Vergleich zum Vorabend auf

den Dresdener Elbwiesen hat Neil

Young seine Titelauswahl gleich im

Dutzend verändert. Statt „Cortezthe

Killer“ spielt er „Danger Bird“, statt

„Powderfinger“ ist„Hey Hey, My My“

zu hören, das die Leute erstmals von

den Sitzbänken hebt. Es hat ein bisschen

gedauert, aber jetzt sind alle

unter der Losung „Rock and roll can

never die“ versammelt. Ob der

Rock’n’Roll tatsächlich unsterblich

ist, kann keiner wissen, aber heute

und hier wollen wir dran glauben.

Dasdazugehörige Album heißt„Rust

NeverSleeps“, Rost schläft nicht und

er frisst sich an jedem Tagweiter ins

Leben hinein. Umso wichtiger ist es,

ab und zu mal mit der Drahtbürste

drüberzugehen. Young schmirgelt

seit einem halben Jahrhundert. Sein

erstes Soloalbum erschien 1968. Er

gehört zuden vielen, die immer da

waren und zu den wenigen, die noch

da sind. In den sechs Monaten seit

Jahresbeginn war er in drei verschiedenen

Formationen auf Tournee,

erst mit seiner alten Band Crazy

Horse,dann mit den jungen Promise

Of The Real, die ihn auch in Berlin

begleiten, und in ein paar Wochen

solo. Zwischendurch hat er dann

noch ein neues Album aufgenommen,

das im Herbst erscheinen soll.

DieGedanken können schon mal

abschweifen, wenn ein Stückimstoisch

pulsierenden Sound zerbröselt.

Nichtalle seine Gitarrenausflüge finden

den Wegnach Hause.Aber dann

ist es ausgerechnet ein Gassenhauer

wie „Rockin’ inthe Free World“, der

die Stimmung wieder hochreißt. Das

ist nicht die originellste Komposition

aus seinem Kanon, doch in der Darbietung

dieses Abends kann und will

man sich ihrem hymnischen Furor

nicht entziehen. Viermal steuert das

Stück auf ein Ende zu, um immer

von Neuem aufzutrumpfen. Beim

großen Finale sind alle Saiten von

Youngs Gitarre gerissen, die er dann

zur Gehhilfe umwidmet.

Besser kann es nicht werden, der

gebatikte Synthesizer wirdnicht vom

Bühnenhimmel abgeseilt. Diesmal

kein „Like aHurricane“, was nicht so

schlimm ist. Stattdessen gibt es das

rumpelige„Roll Another Number“ als

Zugabe und als Rausschmeißer

„Piece of Crap“. Als das Konzertnach

zwei Stunden vorbei ist, scheint am

Horizont noch die Sonne.

FrankJunghänel

kommtzum Glück immer

überpünktlich.

NACHRICHTEN

Dahlemer Museen sollen

Forschungscampus werden

DerMuseumskomplex in Berlin-

Dahlem soll in den kommenden Jahrenzueinem

Forschungscampus

ausgebaut werden (siehe Berliner

Zeitung vom2.Juli). DieStiftung

Preußischer Kulturbesitz und die

Staatlichen Museen zu Berlin haben

deshalb eine Potenzialanalyse angestrengt.

Diese schlägt die Verteilung

der verschiedenen Nutzungszonen –

Ausstellungsflächen, Bibliothek, Archiv,Verwaltungsräume,Restaurierungswerkstätten,

Depots entlang

einer sogenannten Campusachse

vor, die wie ein Rückgrat die beiden

Foyers in der Arnimallee und Lansstraße

verbinden soll. (BLZ)

Anklage wegen illegalen

E-Book-Handels

DieZentralstelle Cybercrime Bayern

hat gegen drei Männer wegen der illegalenVerbreitung

vonE-Books Anklage

beim Landgericht München I

erhoben. Siesollen nach Angaben der

Ermittler auf einem inzwischen abgeschalteten

Internetportal mehr als

200 000 Titel, überwiegend elektronische

Bücher und Hörbücher,gegen

geringe Beträge zum Herunterladen

angeboten haben. Es wirdauch geprüft,

ob die Kunden nach dem illegalen

Download vonTiteln mit Strafverfahren

rechnen müssen. Denbeiden

Hauptangeschuldigten werden fast

36000 Fälle des gewerbs- und bandenmäßigen

Computerbetrugs vorgeworfen,

außerdem nahezu 145000

Fälle der unerlaubtenVerwertung urheberrechtlich

geschützterWerke.

Derdritte Mann soll die Zahlungsströme

der illegalen Geschäfte verschleierthaben.

Alle drei haben gestanden.

(dpa)

Dresden: „Glanzlichter“ der

Alten Meister ausgestellt

Vorihrer Neueinrichtung zeigt die

Gemäldegalerie Alte Meister im

Dresdner Zwinger das „Who is who“

der Malerei aus ihrem Bestand. Unter

dem Titel „Glanzlichter“ (2. August

bis 3. November) sind Werke

vonKünstlernvon der Frührenaissance

bis zur Aufklärung vereint, teilten

die Staatlichen Kunstsammlungen

Dresden mit. (dpa)

UNTERM

Strich


22 Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Feuilleton

Eine Zukunft, an die man glauben kann

Die SPD war einmal eine Schutzmacht der kleinen Leute und Zugpferd einer historischen Tendenz. Es ist an der Zeit für ein neues Verständnis von Solidarität

VonHeinz Bude

Eine Rückkehr in die Solidaritätsschablonen der 70er-Jahre ist für den Soziologen Heinz Bude keine Option.

Die SPD war in der Bundesrepublik

immer dann

groß und gut, wenn sie

Schutzmacht der kleinen

Leute und zugleich Zugpferdder

historischen Tendenz war. Also sich

zu den Unterdrückten, Ausgebeuteten

und Beleidigten bekannt, aber

darüber die Stolzen, Vorankommenden

und Aufbrechenden nicht vergessen

hat. In ihren besten Zeiten

wusste die Partei, für wen sie Politik

macht und was im Ganzen auf dem

Spiel steht.

Das war bei dem legendären

Wahlsieg vonWilly Brandt so, als die

SPD sich als die selbstbewusste Partei

der Arbeitnehmergesellschaft

und als die führende Partei der Ostpolitik

darstellen konnte.Die Sozialdemokraten

standen wie eine glückliche

Lebensgemeinschaft hinter ihrem

Vorsitzenden und Kanzler, der

den Mutzur Wahrheit hatte,als er in

Warschau plötzlich auf die Knie fiel,

und der den entleerten und ausgebrannten

Konservativen unbeschwert

entgegenrief: „Wir wollen

mehr Demokratie wagen!“ Aber es

war genauso bei dem von der Partei

heute so gerne unterschlagenen

Wahlsieg von Gerhard Schröder der

Fall, als die SPD als Partei einer

neuen Mitte sowie als Partei einer

gesamtgesellschaftlichen Ermutigung

in einer Zeit neuer Konkurrenten

auf dem Weltmarkt und anderer

Partner in der Weltpolitik auftrat. Die

Partei atmete wieder tief durch, als

das Projekt Rot-Grün frische Luft

und neue Freude in die Politik

brachte.Verpflichtungen fürs Ganze

sollten durch Anreize zukooperativemVerhalten

unterlegt werden, Sozialpolitik

sollte nicht länger der

Stillstellung von Arbeitsvermögen

durch großzügige Frühverrentungsregelungen

dienen, sondern die Erweiterung

von Beschäftigungsmöglichkeiten

und der Vervielfältigung

von Erwerbsbiografien möglich machen

und die Aufwendungen für Infrastruktur

sollten nicht mehr nur als

Kostenfaktor,sonderninerster Linie

als Mittel der Produktivitätssteigerung

begriffen werden.

Dererste Hauptsatz des sozialdemokratischen

Erfolgs lautet daher,

dass eine siegende SPD nie nur klassische

sozialdemokratische Politik

für die abhängig Beschäftigten, sondern

immer auch eine postklassische

Politik fürs gesellschaftliche

Ganzeangeboten hat. Wenn die SPD

anfing, sich darüber zu zerstreiten,

für wensie eigentlich Politik machen

sollte, war das immer ein Zeichen

der Schwäche des sozialdemokratischen

Politikangebots. Dem Publikum

erschien die SPD als Partei der

Zurückgelassenen und Zukurzgekommenen,

die nicht verstehen

wollte, dass das Schlimmste für die

Ausgegliederten und Entbehrlichen

ist, wenn sie mit herablassendem

Mitleid bedacht werden. Wirklich

arm fühlt sich, so lautet die für die

Sache wichtigste Einsicht des Soziologen

Georg Simmel, wer auf Unterstützung

angewiesen ist.

Aber die SPD verliert auch dann

ihre Seele, wenn sie zur Partei der

Besserwisser und Durchblicker wird,

die auf Umfragewerte schielt und auf

Abwanderungstendenzen reagiert

und nie verstanden hat, dass man

eine Partei nicht wegen einer bestimmten

Maßnahme und eines gewissen

Bildes in den Medien wählt,

sondern vor allem, weil sie das Modell

einer Alltagsmoral verkörpert, in

der man sich mit seinen Nöten,

Sehnsüchten und Ängsten wiederfindet.

Die SPD war immer dann

starkund mächtig, wenn sie die Aufrechten

mit den Wegknickenden, die

Erschöpften mit den Lebenslustigen,

die erschrockenen Seelen mit

den agilen Vitalwesen auf der

Grundlage einer„ganz normalen Anständigkeit“

versöhnen konnte.

Was folgt daraus für heute? Die

SPD muss ihre Erfolge wie ihre Niederlagen

verstehen. Natürlich funktioniert

eine Schröder-SPD jetzt

nicht mehr. Und zwar nicht weil der

phallische Charme des seinerzeitigen

Frontmanns wie aus dem Kodak-Zeitalter

wirkt. Die gesamte

neuere Sozialdemokratie, die man

mit Namen wie Bill Clinton, Tony

DER AUTOR

Heinz Bude (65) ist Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Er ist Autor zahlreicher

Bücher,darunter wichtigeArbeiten über die Flakhelfer-Generation („Deutsche Karrieren“)

und die Generation der 68er („Das Alterneiner Generation“), beide im Suhrkamp-Verlag.Heinz

Bude gehörte zu den Initiatoren der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen

Union, die Ende November 2016 veröffentlicht wurde.

Aktuelle Veröffentlichungen: „Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee.“, Hanser,176 S.,

19 Euro und: „Adorno für Ruinenkinder.Eine Geschichte von1968“, Hanser,128 S.,17Euro

Blair und eben auch Gerhard Schröder

verbindet, hat eine folgenschwere

Veränderung des sozialdemokratischen

Denkens vollzogen,

indem sie die Solidarität durch die

Gerechtigkeit als sozialdemokratischen

Leitbegriff ersetzt hat.

Daswar in den „roaring nineties“

die Entscheidung für eine Idee subjektiver

Rechte und gegen eine Idee

GETTY IMAGES, DPA/UWE ZUCCHI

kollektiver Verpflichtungen. Es war

ein gewaltiger Sprung nach vorn,

dass Sozialdemokraten die unendliche

Bedeutung des Individuums,die

ungeheure Kraft des Einzelnen, den

Kreativgeist und den Wagemut des

Pioniers für sich entdeckten. Gegen

die bleiernen Kollektivformeln wie

„Neue Heimat“ oder „Bank für Gemeinwirtschaft“

oder „co op

Märkte“, die sich allesamt als Verkleidungen

korrupter und defizitärer

Apparate entpuppten, setzte die

neue Sozialdemokratie das Leitbild

eines selbstverantwortlichen und eigeninitiativen

Individuums, das

seine subjektiven Rechte als kollektive

Errungenschaft begreift. Sozialdemokratische

Politik sollte die

Rechte der einzelnen Person auf ihre

eigenen Möglichkeiten zur Führung

eines selbstbestimmten Lebens stärken.

Eine gute Gesellschaft ist eine

Gesellschaft starker Einzelner.

Dieser Weg der Loslösung vom

Kollektiv und der Hinwendung zum

Individuum wird heute als Pakt der

Sozialdemokratie mit dem Teufel des

Neoliberalismus angeprangert. Die

Ideologie des starken Einzelnen hat

zum Verfall der Gesellschaft und

zum Ausverkauf der Politik an die

Wirtschaft geführt. Die Bilanz des

Perspektivwechsels von Clinton,

Blair und Schröder liegt nicht nur für

viele eingefleischte Sozialdemokraten

auf der Hand: Die Reichen sind

reicher geworden, die soziale Spaltung

zieht sich durch die Mitte der

Gesellschaft und die Schulden von

Haushalten und Staaten sind ins Unermessliche

gewachsen.

So gesehen steckte im damaligen

Erfolg der Sozialdemokratie der

Grund für ihr heutiges Scheitern.

Wie aber kann sie zu sich selbst zurückfinden,

ohne sich selbst zu denunzieren?

DieAntwortliegt in einem neuen

Denken der Solidarität. Es geht nicht

darum, etwas rückgängig zu machen

und schon gar nicht darum, zu den

Solidaritätsschablonen der 70er-

Jahre zurückzukehren. Ein heutiges

Denken von Solidarität kann nicht

anders,als an die Entdeckung des Individuums

anzuschließen. Niemand

kann ernstlich infrage stellen, dass

wir alle als Bürger und Bürgerinnen

einer liberalen Gesellschaft und als

Wesen in einem multiplen Universum

das Recht auf ein eigenes Leben

haben. Aber dieses eigene Leben gewinnen

wir nicht, wenn wir uns als

einzigartige Ichlinge gegen andere

stellen und unser phobisches Selbst

gegen die Zumutungen und Ansprüche

von Staat und Gesellschaft behaupten.

Dann enden wir nur in der

Angst, etwas zu verpassen, nicht zu

genügen oder unser Leben zu verwirken.

Solidarität ist das Mittel gegen die

Angst, die mit der neoliberalen Ideologie

des starken Ichs in uns eingerieselt

ist. Für diese Solidarität sprechen

keine rationalen Gründe und

keine seelischen Mechanismen.

Man muss schon den Mut haben,

sich von anderen abhängig zu machen

und dieVerwandtschaft mit anderen

Lebewesen zu suchen. Es gibt

keine Verrechnungen für Solidarität

und keine Anrechte auf Solidarität.

Eine Sozialdemokratie, die die Kraft

hätte, sich zu einer solchermaßen

grundlosen Solidarität zu bekennen,

würde mit einem Mal wieder etwas

zu sagen und zu verkörpern haben.

Die transzendentale Obdachlosigkeit

in einer Welt ohne Zukunft, die

eine junge Generation heute zum

Ausdruck bringt, müsste gerade eine

Sozialdemokratie, die sich um ein

neues Denken der Solidarität nach

dem Neoliberalismus bemüht, nicht

schrecken. DieIdee der Solidarität ist

kein alter Hut, sie enthält vielmehr

die Aufforderung, im Gefühl, auf der

einen Erde, die wir haben, auf Gedeih

und Verderb aufeinander angewiesen

zu sein, eine Zukunft auszuprobieren,

an die man glauben kann.

Immer

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überall.

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Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 23 *

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Feuilleton

Noch

achthundert

Mal

Anne Cathrine Bomanns

kleiner Roman „Agathe“

VonJudith von Sternburg

Wer Therapiesituationen misstraut,

in denen man selbst auf

einem Sofa liegt, wird die Skepsis

durch diesen schmalen, aber nicht

kargen Roman kaum verlieren. Jedoch

ist der Gesamtverlauf positiv

und es gelingt der dänischen Autorin

Anne Cathrine Bomann, uns unter

der Hand fast eine friedfertige Liebesgeschichte

zu erzählen. Das war

nicht zu erwarten, während der psychoanalytisch

arbeitende Psychiater

die Sitzungen bis zu seinem Ruhestand

herunterzählt. Noch achthundert

Mal, sechshundertachtundachtzig

Mal, vierhundertachtundvierzig

Mal „musste ich mit diesen

Menschen sprechen, die ich inzwischen

nicht einmal mehr versuchte

zu verstehen“.

Der Psychiater hat sich eine Methode

angeeignet, Laute von sich zu

geben, die so klingen, als würde er

zuhören. Dazu malt er Vögelchen in

seinen Notizblock. Einstarkes Stück,

aber darüber denkt er nicht mehr

nach. Er ist knapp über siebzig, das

Alter packt ihn mit Schärfe, und Bomann,

Jahrgang 1983, findet harte,

aber ausgesuchte Worte dafür.

„Wieso ... sagt einem keiner,was mit

dem Körper geschieht, wenn man alt

wird?“, denkt sich der Mann. In einer

winzigen Sequenz, einer Notiz bloß,

erfährt man, wie motiviert erJahrzehnte

zuvor zu Werkegegangen ist.

AufLücke erzählt

Bomanns lapidares Erzählen geht

auf, ein Auf-Lücke-Erzählen, eine

unaufdringliche Antupftechnik: Sie

erfasst die Sekretärin, die ewig schon

für den Psychiater tätig ist, sie erfasst

den sterbenden Mann der Sekretärin,

den tauben Nachbarndes Psychiaters,

die unerträglich quengeligen

Patientinnen, das eingefahrene Leben

in einer netten Pariser Vorstadt,

die Zeit des Geschehens.

„Agathe“ spielt kurz nach dem

Zweiten Weltkrieg, im Grunde

merkt man das nur an einigen datierten

Briefen, und dann erst

daran, dass die Figuren so unheutig

wirken, die Beziehungen so förmlich.

Der Erzähler selbst scheint in

seiner eigenen Zeit kaum beheimatet.

„Ich hatte das letzte Mal mit einem

Kind gesprochen, als ich

selbst eines gewesen war, und das

zählte wohl kaum.“

Die Irritation hat ihren Reiz und

mehrere Ebenen. Gerade wundert

sich die Leserin noch still für sich, da

stupsen schon Psychiater und Sekretärin

versehentlich aneinander, obwohl

sie seit Jahrzehnten jeden Weg

in der kleinen Praxis eingeübt haben.

Dieser leichte, genaue und seinerseits

völlig aus der Zeit gefallene

Roman gehört zum Eröffnungsprogramm

eines neuen Verlagsteils von

Hanser.Erheißt Hanserblau, hat seinen

Sitz in Berlin und gibt einerseits

Rätsel auf. Wenn man sich in Ruhe

erklären lässt, worum es hier geht,

weiß man es hinterher nämlich

gleich wieder nicht mehr.

Andererseits zeigt sich das wachsende

Bestreben der Verlage, den

übergroßen Berg der Neuerscheinungen

für Publikum und Handel

ermutigend zu sortieren und zu portionieren,

Titel durch Fünf- oder

Sechs-Bücher-Programme auf ein

wenigstens kleines Podest zu stellen

– wobei Hanserblau rätselhafter

wirkt als etwa „Ullstein fünf“, das

stärker auf eine Gegenwartsliteratur

blicken will. Dann wieder:

Wollen wir das nicht

alle? Aber schon hat

man etwas davon

und liest „Agathe“.

Anne Cathrine Bomann:

Agathe Roman.A.d.Dän.

v. FranziskaHüther.Hanser

(Hanserblau), Berlin 2019.

157 S.,16Euro.

„Lara“: Lara (Corinna Harfouch) und ihr Sohn Viktor (Tom Schilling) in dem lang erwarteten neuen Film von Jan-Ole Gerster („Oh Boy“)

Irgendwas bewegt sich irgendwie

VonAlexandraSeitz

ImFilm vergeht die Zeit. Mitder

Zeit vergeht das Leben. Und

dann dämmertmit einem Male

die Erkenntnis, dass so viel

noch ungetan ist, oder anders hätte

getan werden sollen, oder besser unterlassen

geblieben wäre. Da entsteht

ein Handlungsbedarf, dessen

im Leben nicht immer fotogene Folgen

sich im Film so schön verdichten

und präsentieren lassen. Während

also draußen am Isarstrand die Partyzone

der Stadt München weiter eskaliert,

spielt sich drinnen in den Kinos

einmal mehr das wahre Leben

ab, mit all seinen Widrigkeiten und

Hindernissen und Problemzonen.

Ganze 18Produktionen feierten

in der Reihe Neues Deutsches Kino

im Rahmen des Münchner Filmfestes

ihre Weltpremieren und das formale

Spektrum zwischen essayistisch-experimentell

und konventionell-narrativ

reichte vom Enfant terrible

des Impro-Films über die

berüchtigt-hirnverwirrende Fake-

Doku bis zum wertschöpfenden

Highend-Produkt; mal mit Mini-

Budget quasi aus dem Boden gestampft,

mal mit richtig viel Geld

großgestisch in Szene gesetzt, mal

auch nur der schön-schlichte Beweis

dafür, dass da welche ihr Handwerk

verstehen oder einfach mal was wagen.

Wie Katharina Mihm in dem

verträumten Filmgespinst „Mär“,

das vonder Wiederkehr des Wolfs erzählt

und vonall den Metaphernräumen,

die das so mit sich bringt. Leider

verläuft sich das Ganze dann

konsequent im eigenen, solcherart

entworfenen Wald.

EinGefühl leiser Melancholie

Oder auch Elisa Mishtos in ihrer

Anti-Coming-of-Age-Geschichte

„Stillstehen“, die das Movens der

verkrachten Hauptfigur –dieVerweigerung

gesellschaftlicher Teilnahme

–auf sich selbst anwendet und Ideen

zwar hat, aber nicht entwickelt. Auch

nicht weiter kommt Mittzwanzigerin

Ava, die zwar gerne gewisse Schritte

unternehmen würde, aber nicht

weiß, in welche Richtung, sind Entscheidungen

in diesem Alter doch so

furchteinflößend endgültig – und

Sophie Kluge löst die resultierende

Schockstarre in„Golden Twenties“

in ein Gefühl leiser Melancholie auf.

Das sich mit Ilker Çataks angenehm

nüchternem Melodram „Es

gilt das gesprochene Wort“ gleich

wieder vertreiben lässt, nähert der

18 Weltpremieren –das Neue Deutsche Kino auf dem Münchner Filmfest

„Golden Twenties“: Ava(Henriette Confurius) und Jonas (Max Krause)

„Mein Ende. Dein Anfang“: Nora (Saskia Rosendahl) und Aron (Julius Feldmeier) TRIMAFILM

„Bruder Schwester Herz“: Franz (Sebastian Fräsdorf) und Sophie (JennySchily) KINOSTAR

sich doch dem Thema Migration zur

Abwechslung einmal nicht im Duktus

hyperventilierender Verzweiflung,

sondern konfrontiert zwei

pragmatisch kalkulierende Menschen

mit dem wie immer unwägbaren

emotionalen Faktor. Und dann

ist, auch wie immer,guter Ratteuer.

Doch egal ob am Ende alles beim

Alten geblieben ist, sich das ganze

Leben auf dramatische Weise neu

sortiert, oder zumindest irgendwas

sich irgendwie bewegt hat –einen

kathartische Moment, einen Impulsgeber,

braucht es immer. Das kann

FOX

eine Schwangerschaft sein wie in Sabine

Koders Beziehungsimprovisation

„Zu Zweit Allein“, die vielleicht

ein wenig zu nahe dran ist am alltäglich

verpfuschten Leben der beiden

unspektakulären Loser, von denen

sie erzählt. Oder,anderes Extrem, ein

Banküberfall mit Todesfolge in dem

geschickt mit der narrativen Linearität

experimentierenden Liebes- und

Vergeltungsdrama „Mein Ende.Dein

Anfang.“ vonMariko Minoguchi.

Oder es ist Gründonnerstag, das

geltende Tanzverbot droht das geplante

Konzert zu verhindern und

Kneipenwirtin Lene muss entscheiden,

ob sie sich darüber hinweg setzen

und bei der Gelegenheit auch

gleich die Weichen in ihrem Leben

neu stellen will. Luise Heyer spielt

diese Lene in „Leif in Concert“, einer

Ode an die Stammkneipe, mit

Wärme und Energie und ihrem ganzen

Talent für die Darstellung nicht

leicht zu durchschauender Gemütslagen.

Und esist ein Vergnügen, ihr

dabei zuzusehen, wie sie den von

Kristian Klandt mit Dialog und

Handlung bis zum Bersten angeräumten

Laden, äh, Film, zusammen

hält. In dem auch Godehard

Giese in der Rolle eines Weinhändlers

vorbeischaut und seinen gefährlichen

Charme spielen lässt. Bevorer

sich ins deutsche Hinterland begibt

und als Singer-Songwriter auf Volksfesttour

in TomSommerlattes unbekümmert

zwischen Problem-Overload

und emotionalem Tohuwabohu

manövrierendem Provinzwestern

„Bruder Schwester Herz“ die eingefahrenen

familiären Verhältnisse auf

einer Rinderfarmaufmischt.

Höchste Erwartungen

STUDIOCANAL

Insofern in München jene deutschen

Filme präsentiert werden, die

in den kommenden Monaten den

Wegindie Kinos finden sollen, wird

der alljährlichen Auswahl immer mit

einer gewissen Spannung entgegengesehen;

und die höchsten Erwartungen

richteten sich in diesem Jahr

wohl auf Jan-Ole Gersters neuen

Film „Lara“. 2012 hatte Gerster mit

seinem Debüt „Oh Boy“ auch gleich

einen der besten deutschen Filme

des Jahrzehnts in München vorgestellt,

sieben lange Jahre später beweist

„Lara“, dass „Oh Boy“ kein

One-Hit-Wonder war.

Wieder streift eine in ihrem Leben

nicht ganz gefestigte Figur durch einen

nicht ganz planmäßig verlaufenden

Tag, der zum Ausgleich Gelegenheit

genug bietet, die Verhältnisse

und die Beziehungen aufzufächern.

In der Titelrolle spielt Corinna

Harfouch, begleitet von einem hervorragenden

Ensemble, zu dem

auch wieder Tom Schilling gehört,

ein großes Solo. Peinliche Momente

reihen sich an unangenehme Situationen,

treffen ins Herz und rühren

zu Tränen, bis am Ende das Porträt

einer Mutter-Sohn-Bindung steht,

welche zugleich die Auseinandersetzung

zweier höchst anspruchsvoller

Musiker mit ihrer Kunst und miteinander

umfasst. Maximal komplex,

minimal aufgeregt, sozusagen ideal.

NACHRICHTEN

Ermittlungen gegen

Dieter Wedel dauernlänger

DieErmittlungen gegen Dieter Wedel

wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung

gehen weiter und dauern

länger als vonder Staatsanwaltschaft

München Izunächst gedacht. Es

seien noch Zeugenaussagen unter

anderem im Ausland geplant, sagte

Sprecherin Anne Leiding am Donnerstag.

Danach habe der beschuldigte

Regisseur Zeit, sich zu den Vorwürfen

zu äußern. Eine ehemalige

Schauspielerin wirft dem heute 76

Jahrealten Wedel („Der große Bellheim“)

vor, er habe sie im Sommer

1996 in einem Münchner Hotel zum

Sexgezwungen. Damals sei sie 27

Jahrealt gewesen und habe für eine

Rolle vorsprechen wollen. DieVorwürfe

waren Anfang 2018 bekannt

geworden. Kurz darauf war Wedel als

Theater-Intendant der BadHersfelder

Festspiele zurückgetreten. (dpa)

Welterbe-Antrag zu

Donaulimes vormScheitern

Derursprünglich aussichtsreiche

Antrag, den Donaulimes in Deutschland,

Österreich, Slowakei und Ungarnzum

Weltkulturerbe zu erklären,

ist unmittelbar vorder Entscheidung

vomScheiternbedroht. Ungarnwolle

den gemeinsamen Antrag

der vier Länder zum besondernStatus

der Überreste der einstigen römischen

Militärgrenzeinletzter Minute

abändern, teilte die Unesco-

Kommission Österreich am Donnerstag

mit. Dieungarische

Regierung wolle einen Teil des Limes

in Budapest vomWelterbe-Status

ausgenommen wissen, hieß es.(dpa)

Sängerin Halle Bailey

wird zur Film-Meerjungfrau

DieR&B-Sängerin Halle Bailey

spielt nach eigenen Angaben die

Hauptrolle in der geplanten Realverfilmung

vonDisneys Zeichentrick-Klassiker

„Arielle,die kleine

Meerjungfrau“. AufTwitter veröffentlichte

sie eine Comicfigur der

Meerjungfrau –mit dunkler Haut

und schwarzenHaaren. Laut Regisseur

RobMarshall fiel die Entscheidung

für Bailey nach langer Suche.

DieSängerin ist Teil des Duos Chloe

xHalle,das im vergangenen Jahr für

einen Grammy in der Kategorie

„Bester neuer Künstler“ nominiert

wurde. (AFP)

Feine Sahne Fischfilet sagen

KonzertinDresden ab

DiePunkband Feine Sahne Fischfilet

haben ihr für diesen Sonnabend bei

den Filmnächten am Elbufer in Dresden

geplantes Konzertabgesagt.„Unser

Gitarrist Christoph hat sich gesternbei

einem Fahrradunfall heftig

verletzt und den linken ArminGips

gelegt bekommen“, teilten die Musiker

am Donnerstag mit.„Wir können

es irgendwie noch gar nicht fassen“,

hieß es.Nach einem Arzttermin am

Freitag will die Gruppe bekannt geben,

ob das Konzertzeitnah nachgeholt

werden kann. DieKonzertkarten

behalten ihreGültigkeit. (dpa)

TOP 10

Mittwoch, 3. Juli

1 Fußball-WM ARD 4,42 19 %

2 Tagesthemen ARD 4,22 16 %

3 Tagesschau ARD 3,85 16 %

4 heute-journal ZDF 3,72 14 %

5 Das Traumschiff ZDF 3,59 13 %

6 heute ZDF 3,27 17 %

7 SOKOWismar ARD 2,70 18 %

8 Fußball-WM, Studio ARD 2,70 11 %

9 RTL aktuell RTL 2,57 15 %

10 GZSZ RTL 2,49 11 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acud (✆ 44 35 94 97)

20.00: Meditations

bat-Studiotheater (✆ 755 41 77 77)

20.00: LeibBeiMir /BodyByMe (Katrina E. Bastin)

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Todauf dem Nil

English Theatre Berlin (✆ 691 12 11)

20.00: Electra (Harvard CollegeStudents)

ETI (✆ 278 53 01)

20.00 Saal: EinigeNachrichten an das All (Absolventenklasse

der ETI Schauspielschule Berlin)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Ehekracher

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Julia (Globe

Ensemble Berlin)

HZT Berlin in den Uferstudios (Uferstr.23)

18.00 Studio 8: MA SODA301 Research Presentations:

Spirited Dancing(JorgedeHoyos).Anm. erf.

21.00 Studio 8: MA SODA301 Research Presentations:

Impossible Forest Collaboration (Kuba

Borkowicz). Anm. erf.

Komödie am Kurfürstendamm im SchillerTheater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Spatz und Engel –Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Die Zähmung der Widerspenstigen!

Theater an der Museumsinsel (✆ 47 01 89 49)

18.00: Die Vögel

20.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

20.30 Studio 1: Gone

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Shakespeares sämtliche Werke(in 90

Minuten!)

Vierte Welt (✆ 01 57 88 44 09)

20.00: Cracks (Malte Scholz)

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

20.30: Im Freien Falle –ohne Netz und doppelten

Boden

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

19.30: Chicago–The Musical

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: 5. Frauensommer:North-Lichter (Astrid North

&Gäste: Lisa Bassenge, Katharina Franck, SAFI, Katja

Aujesky,Mia Diekow,Lizzy Scharnofske, Magdalena

Ganter u. a.)

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: Ick bin blond und dit is

jut so (Velia Vanessa Krause)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: The Golden Gmilfs (Jurassica Parka, Destiny

Drescher,Margot Schlönzke, Ryan Stecken, PanAm

Drag Airlines u. TomBola)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Bitter and Sweet Symphony–Tonarten einer

Beziehung (Nika Weckler &Dominik Wirth)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Weltretten für Anfänger

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.30: Simply The Best –Das Tina Turner Musical

(Dorothea „Coco“ Fletcher)

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Drachenherz

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Andreas Weber,HerrSchröder,

Philipp Schlüter,RobertLouis Griesbach)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Das große 7(Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Lina Lärche (Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Stachelschweinerei

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Ich find’ ja die Alten geil. Der heiße Scheiß

aus den Jahren 1999-2010 (Eure Mütter)

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.45: Best of Chipsund Kaviar (Daniel Wolfson und

Kawus Kalantar)

Zille-Destille (✆ 01 76 64 86 36)

19.00: MitZille in der Destille (Albrecht Hoffmann).

Anm. erf.

KLASSIK

Berliner Dom (✆ 20 26 91 36)

20.00: Andreas Sieling,Französischer Bach! –14.

Internationaler Orgelsommer 2019, Werkevon Johann

Sebastian Bach

Gendarmenmarkt

19.30: Anhaltische Philharmonie Dessau, ErnstSenff

Chor,Solist*innen: Katarzyna Dondalska, Hagen

Matzeit, Sebastian Reinthaller u. a., Ltg.Markus L.

Frank, Classic Open Air:Highlights der Klassik in Licht

und Feuer,Tänzer:EnergyDancers, Moderation: Joja

Wendt

Heilig-Kreuz-Kirche Kreuzberg (✆ 69 40 12 41)

20.00: Eest meets West: Open ChamberBerlin,

Improvisationen zwischen europäischer Musik des

17./18. Jahrhunderts und traditioneller chinesischer

Musik, Alteund Neue Musik

Nikolaikirche (✆ 24 00 21 74)

17.00: Nikolai-Musik am Freitag–Orgelmusik zum

Wochenausklang

Paul-Gerhardt-Kirche Schöneberg (✆ 781 71 96)

20.19: Rainer Killius (Bariton), Thomas Noll (Klavier

&Orgel), Frank Schreiber (Orgel), Organovino III –In

bester Verfassung,Orgelmusik und Begleitprogramm

unter dem Motto „70 Jahre Grundgesetz“

St. Marien-Kirche Mitte (✆ 242 44 67)

13.30: Orgel am Alex –Musik und Orgelführung

Stephanus-Kirche Wedding (Prinzenallee 40)

19.00: Hyelin Hur und Annette Diening,Orgel mit

Biss, Transkriptionen vonWagner und Ravel, vierhändig

–30Minuten Musik, anschl. Kulinarisches

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: The 12 Tenors, Millennium, Hommageandie

Welthits des letzten Jahrtausends –klassische Arien,

Pop-Hymnen, Rock-Klassiker

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

15.00 Jugendbibliothek: Gaming-Friday, Mitmach-Workshop

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

14.00: Ferienprogramm: Ritter,Burgen und Turniere,

Treff: Zeughaus

Deutsches Technikmuseum (✆ 90 25 40)

11.00, 13.00 Ladestraße, Eingangshalle: Sommerferienprogramm:

GPS –Geocaching aufdem

Museumsgelände, Workshop (ab 9J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

10.00: FEZitty –Die Hauptstadt der Kinder (ab 6bis

14 J.)

galerie weisser elefant (✆ 28 88 44 54)

10.00: Sich Farb-Räume erobernund darin gestalten,

Workshop. Hantieren im Raum mit Objekten vor

Farbe. Anm. erf.

Musical

All

That

Jazz!

Man kann den Erfolg in

Zahlen wiedergeben:

Mehr als 31 Millionen Besucher

haben in 36 Ländern bisher„Chicago“

gesehen, ein beachtlicher

Teil davon auch in

Berlin. Hier gastierte das 1975

uraufgeführte Musical von

Bob Fosse und John Kander

mehrfach, war zuletzt in einer

deutschen Fassung im Theater

des Westens zu erleben. Die

Neuinszenierung von1996 am

New Yorker Broadway wurde

30 000-mal gespielt. Und die

Verfilmung brachte im Jahr

2003 sechs Oscars ein. Man

kann aber auch einfach nur

eine Zeile summen: „All That

Jazz!“ Der ruppige, drängende

Eröffnungssong des Musicals

hat so viel Feuer, dass er, einmal

in den Gehörgängen angekommen,

nicht so schnell

wieder herausgelangt. Gestern

feierte die Tourneefassung aus

New York Premiere imAdmiralspalast.

Sie bleibt dort bis

zum 13. Juli. Cornelia Geißler

Chicago 19.30Uhr,Admiralspalast,

Friedrichstraße 101

Der Saturnmit seinen Ringen auf einem rieisgen, wie bleiernwirkenden Gummivorhang vor der Studiotür

Tarkowski lässt grüßen

„Saturnine“ heißt die Rauminstallation

des jungen Künstlers Martin Maeller,

eine dystopische Weltsicht im Studio Picknick

ner Atomanalage oder einem Bunker,wie

sie auch in dystopischen Filmen

zu sehen sind. Solche,wie einst

Andrej Tarkowski sie drehte, der

große Endzeit-Melancholiker mit

der russischen Seele.

„Saturnine“ nennt der Konzept-

Künstler Martin Maeller, erstammt

aus der Oberpfalz, studierte an der

Kunsthochschule Weißensee, seine

karge Rauminstallation. Aus dem

Englischen übersetzt bedeutet saturnine

„finster“. Auf dem düsteren

Türvorhang prangt, ganz winzig, das

Zeichen des Saturns.Benannt ist der

Gas-Planet, zu dessen Satelliten

auch der Titan gehört, von unseren

dem Mystischen anhängenden Urahnen

seit dem antiken Griechenland.

Er galt als Planet des Gottes

Kronos und auch im alten Rom als

Gott des Reichtums und der Ernte.

Vonder Sonne aus gesehen wäre

Saturn der sechste Planet des Sonnensystems,

mit einem Äquatordurchmesser

von etwa 120 500 Kilometern.

Undwegen seiner schon im

kleinen Fernrohr sichtbaren Ringe

wirderoft auch der „Ringplanet“ genannt.

Im Mittelalter behaupteten

Alchemisten, Planeten hätten Ein-

Ingeborg Ruthe

folgt der melancholischen

Gedanken- und Formenwelt des

Künstlers –und landet in Erinnerungen

an Filmedes russischen Filmemachers

Andrej Tarkowski, aber auch an die

1960er-Jahre-Latex-Skulpturen

der deutsch-amerikanischen

Minimalistin EvaHesse.

Nein, springen soll ich

nicht durch diesen Riesenreifen

aus Metall. Der

ist überzogen mit einer

silbrigen Bleischicht, wie sie die

skurrilen Formungen beim silvesterlichen

Bleigießen, diesem uralten

Brauch der Hoffnung auf Glück, entstehen.

Ich soll nur schauen, nachdenken,

etwas ahnen. Und möglichst

erkennen, dass dies hier, trotz

der weißen Hallenwände, ein Blick

auf etwas Finsteres, Düsteres ist, zu

dem ich mich verhalten muss.

Melancholisch baumeln Gummi-

Schrumpfschläuche von einer

Stange.Sie lassen an herabhängende

Äste denken, durch Wassernot oder

schlechte Luft völlig erschlafft, instabil,

tot. Die Skulpturen wirken leer,

verbraucht, benutzt: Fragmente und

Ausdruck einer melancholischen

Gedankenwelt.

Vorder Hallentür des Studios an

der Potsdamer Straße hängt ein

schwerer schwarzer Vorhang. Der

scheint die Außenwelt abzuwehren,

den Raum vor ihr abzudichten. Wie

eine große Bleischürze für die Strahlenabwehr,

imRöntgenraum, in einer

Uranerz-Wäsche.Oder wie in ei-

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) DancingQueens

15.00; Rocketman 17.30, 20.15

Cinema Paris (✆ 881 3119) Ein Becken voller

Männer 15.30, 20.30; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 18.00

DelphiFilmpalast (✆ 312 10 26)Geheimnis eines

Lebens 15.30, 18.00, 20.30

Delphi LUX (✆ 322 931040) Rocketman (OmU)

15.00,17.45, 20.30; TelAviv On Fire 15.40, 18.00,

20.20; Geheimnis eines Lebens (OmU) 14.00,

21.00;Tel Aviv On Fire (OmU) 16.20, 18.40; Ramen

Shop (OmU) 14.00; The Dead Don‘tDie (OF) 16.00,

18.30,21.00; Der Klavierspieler vom Gare duNord

14.30; Burning 16.50, 20.00; They Shall Not Grow

Old (OmU) 15.45, 18.00, 20.15; Yoga: Die Kraft

des Lebens 14.00; Sunset 16.00; Zwischen den

Zeilen 19.00; OBeautiful Night 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 1753) Traumfabrik 17.30,

20.00;The Dead Don‘t Die (OmU) 22.15; Britt-Marie

war hier 18.00; Eine moralische Entscheidung

20.15; Kamikaze 1989 (OmenglU) 22.30

Kant Kino (✆ 319 9866) Pets II 14.00, 16.00,

18.20, 20.50; Kroos 14.45, 18.00, 20.40; Jussi

Adler-Olsen:Verachtung15.30, 18.00, 20.40; Britt-

Marie war hier 16.15; Roads 18.30; Rocketman

17.20,20.00; Nur eine Frau 16.10, 20.20

Zoo Palast (✆ 018 05/22 2966) 3D: Spider-

Man: Far From Home 11.15, 14.00, 17.00, 20.00,

23.00; Pets II 11.00, 13.00, 15.00; Traumfabrik

17.15, 20.10; John Wick III 23.05; Aladdin 12.15;

Traumfabrik 15.00; Annabelle III 18.00, 20.40,

23.15; Spider-Man: Far From Home 12.30, 15.20;

3D: Pets II 18.15, 20.30; 3D: Spider-Man: Far

From Home (OF) 22.45; TKKG 12.15; 3D: Pets II

14.30; 3D: Aladdin 16.45, 19.45, 22.40; Men in

Black: 12.00, 23.00; Drei Schritte zu Dir 14.50,

20.15; Ein Becken voller Männer 17.35; Glam Girls

11.30;Kroos14.00;Long Shot 20.20;X-Men:Dark

Phoenix 23.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) La casa

lobo –Das Wolfshaus (OmU) 11.00; Das schönste

Paar 12.15; Birds Of Passage: Das grüne Gold der

Wayuu –Pajaros deverano (OmU) 13.45; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer –Missing Link

(OF) 16.00; Yoga: Die Kraft des Lebens –Debout

(OmU) 17.45; Free Solo (OmU) 19.15; Tolkien

(OmU)21.00; Der Goldene Handschuh(DFmenglU)

22.50; Ein Gauner &Gentleman –The Old Man &

the Gun (OmU) 11.00; Ramen Shop (OmU) 12.45;

Blown Away –Music,Miles and Magic (OmU) 14.15;

Edie –FürTräume ist es nie zuspät(OmU) 16.15;

Eine moralische Entscheidung 18.00; Rocketman

(OmU) 19.45; Nur eine Frau 21.45; Border –Gräns

(OmU) 23.15; Macht das alles einen Sinn? –Und

wenn ja –warum dauert es so lange? (DFmenglU)

11.00; Sunset – Napszallta (OmU) 12.45; Fuck

Fame –Die Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie

(OmU) 15.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

16.30;Van Gogh:Ander Schwelle zur Ewigkeit –At

Eternity‘s Gate (OmU) 18.15; The Dead Don‘t Die

(OmU) 20.15; Burning –Beoning (OmU) 22.00

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Roads (OmU)

16.00; Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU)

18.00; Rocketman (OmU) 20.00; Burning –Beoning

(OmU) 22.15; Esta todo bien –Alles ist gut

(OmU) 16.15; Push –Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmU) 17.45; Erde (OmU) 19.30; The Artist &

The Pervert (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Rocketman 13.45,

16.50; Monsieur Claude II 13.45; Bailey: Ein Hund

kehrt zurück 13.45; Traumfabrik 14.00, 17.00,

20.00, 23.00; IMAX 3D: Spider-Man: Far From

Home 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Men in Black:

14.00, 16.45; Pets II–The Secret Life of Pets 2

(OF) 14.10; Drei Schritte zu Dir 14.10, 17.30,

20.15; Spider-Man: Far From Home 14.20, 17.20,

19.20; Aladdin 14.20, 16.15; 3D: Pets II 14.30,

16.50, 19.45, 22.15; Godzilla 2 – King of the

Monsters 14.30; Don‘t Give aFox 14.30; Pets II

15.00, 17.20; Avengers: Endgame 16.20; Brightburn:

Son of Darkness 16.30, 22.20; Kroos 16.40;

Annabelle III 17.00, 20.30, 23.10; X-Men: Dark

Phoenix 17.30; John Wick III 19.15, 22.15; Long

Shot 19.30; 3D: Aladdin19.30, 22.30; 3D: Spider-

Man:Far FromHome(OF)19.40;3D: MeninBlack:

19.40, 22.20; Ein Becken voller Männer 19.40;

3D: X-Men: Dark Phoenix 20.10,22.50; Geheimnis

eines Lebens 20.15; Sneak Preview 22.30; Kaviar

22.30; Lloronas Fluch 22.45; Midnight Movie: The

Trench –Das Grauen inBunker 1123.00; Jussi

Adler-Olsen:Verachtung 23.00

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) The Dead Don‘t

Die (OmU) 20.00, 23.55; Der Goldene Handschuh

22.00; Berlin Bouncer (OmU) 18.00,23.30; Kaviar

19.45; Liebesfilm (OmenglU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Traumfabrik 13.45,

16.40, 19.40; Long Shot 13.50; Aladdin 13.50,

16.45, 19.45; Spider-Man: Far From Home 14.00;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.00; Pets II

14.20, 16.50; 3D: Pets II 14.50, 17.20, 20.00;

Annabelle III 16.50, 20.10, 23.00; Drei Schritte zu

Dir 17.00, 20.15;

3D: Spider-Man: Far From Home 17.10, 19.30,

22.30; John Wick III 19.50,22.50; Friedhof der Kuscheltiere

22.30; Godzilla 2–King ofthe Monsters

22.40;3D: Men in Black:22.45;Brightburn: Son of

Darkness 23.00

Kino Kiste (✆ 998 7481) Unheimlich perfekte

Freunde 13.00; Yuli 14.35; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 16.40; Kaviar 18.25; Rocketman

20.05

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Alfons Zitterbacke

–Das Chaos ist zurück 11.50; Aladdin

11.50, 14.20, 17.00, 19.50; 3D: Pets II 12.00,

14.10, 17.10, 19.40; 3D: Aladdin 12.00; TKKG

12.10; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.15;

Willkommen im WunderPark 12.20; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.30, 14.50; Pets II 12.40,

15.00, 16.00, 18.10; Dancing Queens 14.00; 3D:

Spider-Man: Far From Home 14.15, 17.20, 20.10,

22.15; Long Shot 14.20; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 14.40; Traumfabrik 14.45, 17.10, 20.00;

Spider-Man: FarFrom Home 16.40, 19.45; Godzilla

2–King of theMonsters 17.00; Annabelle III17.15,

20.20, 22.50; Drei Schritte zu Dir 17.30, 20.15;

Avengers: Endgame 19.30; John Wick III 20.00,

22.40; Men in Black: 22.40; Rocketman 22.45;

X-Men: Dark Phoenix 22.50; Ma –Sie sieht alles

23.00; Brightburn: Son ofDarkness 23.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A The Dead Don‘t Die

(OmU) 17.30, 20.00, 22.20; B Tel Aviv OnFire

(OmU) 17.15,19.30,21.45

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Erde (OmU)

18.00; Das melancholische Mädchen (DFmenglU)

18.15, 20.15, 22.00; Nuestro tiempo –Our Time

(OmU) 20.00

Moviemento (✆ 692 4785) Ramen Shop (OmU)

13.30; Preview: Tel Aviv On Fire (OmU) 15.30,

17.45, 20.00, 22.15; TKKG 11.00; Checker Tobi

und das Geheimnis unseres Planeten 13.15; Rocketman

(OmU) 15.15; Eine moralische Entscheidung

– Bedoone tarikh, bedoone emza (OmU)

18.00; High Life (OmU) 20.15; Roads (OmenglU)

22.45; Die Winzlinge: Abenteuer in der Karibik

10.00; Preview: Tel Aviv On Fire (OmU) 12.15;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.30;

TKKG 16.45; Prachtige Films: TBS –Nothing To Lose

(OmU) 19.00; Border –Gräns (OmU) 21.30

RegenbogenKino (✆ 69 57 95 17)Die rote Linie–

Widerstand im Hambacher Forst 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 16.00; Kim hat einen Penis

(OmenglU) 17.45; Don‘t Give aFox (OmU) 19.15;

Burning –Beoning (OmU) 21.00; Mirai: Das Mädchen

aus der Zukunft 16.00; Roads (OmU) 17.45;

Kaviar (OmU) 19.30; Rocketman (OmU) 21.30;

Kinobar im Sputnik The Artist &The Pervert (OmU)

21.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Geheimnis eines Lebens

15.20, 17.40, 20.00; New TelAviv OnFire 16.45,

19.00, 21.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Pets II 12.45,

14.00, 16.00, 18.00; Spider-Man: Far From Home

14.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.45;

Aladdin 14.45, 19.45; 3D: Pets II 15.00, 20.15;

3D: Spider-Man: Far From Home 17.00, 20.00;

Kroos 17.00; Traumfabrik17.15, 20.00; Drei Schritte

zu Dir 17.30; Ein Becken voller Männer 20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Geheimnis

eines Lebens 13.00, 15.45; 3D: Aladdin 13.00;

Men in Black: 13.15; Tolkien 15.30; Pets II 15.40,

18.00; Robert Zimmermann wundert sich über die

Liebe 18.00; Kaviar 18.00; Ein Becken voller Männer

20.15; 3D: Pets II 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Glam Girls

11.30; Willkommen imWunder Park 11.45; TKKG

11.45; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.45;

Pets II 12.00,14.15, 17.00; Aladdin 12.00, 14.00,

17.00; 3D: Pets II12.30, 15.00, 17.30, 20.15,

22.30; Traumfabrik 14.00, 16.45, 19.50; Spider-

Man: Far From Home 14.00; Men inBlack: 14.00;

Drei Schritte zu Dir 14.00, 17.00, 19.45; Avengers:

Endgame 15.15; 3D: Spider-Man: Far From Home

16.30, 19.45, 23.00; Annabelle III 17.05, 20.15,

23.00; 3D: Men inBlack: 19.50,22.45; John Wick

III 19.50; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.00, 23.00;

Brightburn: Son of Darkness 22.45; Midnight Movie:

The Trench –Das Grauen in Bunker 11 23.00;

Long Shot 23.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Urfin: Der Zauberer von Oz

17.00;All My Loving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

18.45; Under theTree 21.00; Der illegale

Film (OmU) 18.00;Wenn Fliegen träumen19.45;

Eine moralische Entscheidung 21.45

Babylon (✆ 2425969) NewYork –New York: Hinter

dem Rampenlicht –All that Jazz (OF) 17.15; New

York –New York: King Kong und die weiße Frau

(OmU) 17.30; New York –New York: Do The Right

Thing (OmU) 17.45; New York –New York: Rosemaries

Baby (OmU) 19.30; Impuros –The Impure

(OmenglU) 20.00; New York –New York: So wie wir

waren –The Way We Were (OF) 20.00; New York –

NewYork: EyesWide Shut (OmU) 21.45; NewYork –

NewYork: Taxi Driver (OmU) 22.00; NewYork –New

York: Cruising (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Rocketman (OmU) 12.15, 14.45, 17.15, 20.00,

22.45; Der Klavierspieler vom Gare du Nord (OmU)

10.15, 19.00; Greta (OmU) 12.30; Alfons Zitterbacke

14.30; Monsieur Claude II(OmU) 16.45; Border

–Gräns (OmU) 21.30

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) TKKG

11.00; Spider-Man: Far From Home 11.10, 14.20;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.10; Drei

Schritte zu Dir 11.20, 17.15, 20.00; Dancing

Queens 11.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

11.30; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 11.40; 3D:

Pets II 12.00, 14.30, 17.00, 19.30; Pets II 12.30,

15.00, 17.30, 22.30; Avengers: Endgame 13.15;

X-Men: Dark Phoenix 13.30; Aladdin 13.45, 16.45;

Long Shot 14.00; Glam Girls 14.10; Traumfabrik

14.15, 17.15, 20.15; Men in Black: 16.30; 3D:

Spider-Man: Far From Home 16.40, 19.45, 23.00;

Kroos 17.00; Annabelle III 17.45, 20.30, 23.15;

3D: Aladdin 19.20; 3D: Men in Black: 19.40,

22.40;John Wick III19.50, 23.10; 3D:X-Men:Dark

Phoenix 20.10, 23.15; 3D: Avengers: Endgame

22.00;3D: Godzilla 2–Kingofthe Monsters 22.50;

Brightburn: Son of Darkness 23.10

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Britt-Marie war

hier – Britt-Marie var här (OmU) 14.30; Nonna

Mia! – Metti la nonna in freezer (OmU) 16.45,

19.00; 25km/h (OmenglU) 21.15; Berlin Babylon

(Omdt+englU) 14.30; Ein Becken voller Männer –

Le grand bain (OmU) 16.30, 19.00; Nuestro tiempo

–Our Time (OmU) 21.30; Sunset –Napszallta

(OmU) 14.30; Inna de Yard –The Soul of Jamaica

(OmU) 17.30; The Dead Don‘t Die (OmU) 19.45,

22.00; Tel Aviv On Fire (OmU) 14.45, 19.00; Das

melancholischeMädchen (OmenglU)17.00,21.15,

23.15; Burning –Beoning (OmU) 14.00, 21.00; O

Beautiful Night (OmenglU) 17.00, 19.00

International (✆ 24 75 60 11) Geheimnis eines

Lebens 16.30, 19.00; The Dead Don‘t Die (OmU)

21.20

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Der Juxbaron

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Willkommen im Wunder Park 12.00; Spider-Man:

Far From Home 12.00, 14.10, 17.10, 20.00; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 12.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.00, 14.40; Pets II

12.00, 14.30, 17.00, 23.00; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 12.00;Aladdin 12.00, 14.15,

17.10, 20.00, 22.30; 3D: Pets II 12.30, 15.00,

17.30, 20.00; Traumfabrik 14.00, 17.10, 20.10;

Drei Schritte zu Dir 14.00, 16.45; TKKG 14.30; Pets

II –The Secret Life of Pets 2(OF) 14.50; Spider-

Man: Far From Home (OF) 17.00, 20.15; Annabelle

III 17.00, 20.10, 22.55; Men in Black: 17.10;

3D: Spider-Man: Far From Home 19.30, 22.35;

Hollywoodtürke 19.45; Kroos 20.00; John Wick III

22.00; Long Shot (OF) 22.45; X-Men: Dark Phoenix

(OF) 22.50; Annabelle III (OF) 22.55; Brightburn:

Son of Darkness 23.15

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Mirai: Das Mädchen aus

der Zukunft 12.00;Aladdin (OmU) 13.45; Zwischen

den Zeilen –Doubles vies (OmU) 16.00; Mamacita

(OmU) 18.00; Ein Becken voller Männer –Legrand

bain(OmU) 19.30; Burning –Beoning(OmU)21.50

Neues Off (✆ 62 70 95 50) The Dead Don‘t Die

(OF) 17.00,19.30,22.00

Passage (✆ 68 23 70 18) The Dead Don‘t Die

(OmU) 18.15, 20.45; Rocketman (OmU) 18.15,

20.45;Nur eine Frau 19.00; Ein Beckenvoller Männer

–Legrand bain (OmU) 21.10

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Spider-Man: Far From

Home (OF) 17.40, 20.30, 22.20; Geheimnis eines

Lebens (OmU) 15.20, 17.40, 20.00; They Shall Not

Grow Old (OmU) 16.45, 19.00; Burning (OmenglU)

21.15;Tolkien (OmU) 16.15; TelAviv On Fire (OmU)

18.40, 20.50; Burning –Beoning (OmU) 16.30,

19.30; OBeautiful Night (OmenglU) 22.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Aladdin13.50,16.45, 19.45; MeninBlack: 14.05;

Long Shot 14.10; Pets II 14.15, 17.30; Spider-

Man: Far From Home 14.20; 3D: Pets II 15.00,

17.10, 20.00, 22.15; 3D: Spider-Man: Far From

Home 16.30, 19.45, 23.00; Traumfabrik 17.20,

20.15; Annabelle III 17.30,20.10,23.00; 3D: Men

in Black: 19.30; John Wick III 22.30; Brightburn:

Son of Darkness 22.50

Wolf (✆ 921 03 93 33) Erde (OF) 12.00, 21.10;

Das melancholische Mädchen (OmenglU) 14.20,

23.00; Mo &Friese unterwegs 16.00; Mirai: Das

Mädchen aus der Zukunft 16.00; OBeautiful Night

(OmenglU) 17.00, 23.30;Burning –Beoning (OmU)

18.10; High Life (OmU) 18.50;White Star (OmenglU)

21.00


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Durch den Reifen muss keiner springen, er dient als Fenster blick auf dystopische Zustände. M.MAELLER/STUDIO PCKNICK (2)

KUNSTWERK DER WOCHE

Der Künstler: Martin Maeller,geboren

1990 in Neustadt an der Waldnaab in

der Oberpfalz, studierte an der Kunsthochschule

Berlin-Weißensee Freie

Kunst/Malerei. Er lebt und arbeitet in

Berlin. Form, Wissenschaft, Esoterik interessieren

ihn, er thematisiertVergänglichkeit

und die realen wie irrationalen

Ängste der Menschen.

Die Ausstellung „Saturnine“

ist bis zum 27. Juli im Studio Picknick

in der Potsdamer Straße 118 (Hof) zu

sehen, immer sonnabends 12 bis

18 Uhr oder gern nach Absprache.

Kontakt über:www.studiopicknick.com

fluss auf die menschliche Physiologie

und Psyche,insbesondereauf das

Temperament von ohnehin schon

trübsinnig veranlagten Menschen.

Mit dem Gedanken spielt auch

Maeller. Gummi, Blei, Carbonfasernetze

–seine Materialien lassen auf

tiefereBedeutung schließen, denn es

sind herbe, ruppige poetische Formulierungen

über die grundlegenden

Fragen: Woher kommen wir?

Wohin gehen wir? Weroder was sind

wir Menschen im Universum?

Hier wirft ein noch so junger

Künstler einen düsteren Blick auf

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Undnichts erscheint wahllos,

alles ist mit Bedacht zusammengefügt

und in ein scheinbar stellvertretendes

Sinnbild gerückt. Man

könnteMaellersSkulpturen auch als

spirituelle Konversationsstücke sehen,

für die einem aber die Worte

fehlen. Durch das Fetischisieren der

Materialien und das tiefe Schwarz

gelingt es ihm, eine Klammer zwischen

Materialismus und quasireligiösen

Objekten zu schaffen.

Dabei wird die Reduktion von

sinnlicher Materialität und Körperhaftigkeit

bestimmt, sodass man unweigerlich

auch an die Latexskulpturender

deutsch-amerikanischen Minimalistin

der 60er-Jahre, EvaHesse,

denken muss. Denn auch der junge

Martin Maeller verbindet komplexe

und zum Teil konträre Aspekte: Der

spielerische Einsatz von Rhythmus,

die Konfrontation von gegensätzlichen

Strukturen wie Ordnung und

Chaos,Kontrolle und Dynamik, Präzision

und Zufall spielen auch bei

ihm die Hauptrolle. Den studierten

Maler und Objektkünstler interessiert

unübersehbar die Dreieicksbeziehung

von Kunst, Naturwissenschaft

undEsoterik.

Er thematisiert Vergänglichkeit

und die realen wie irrationalen

Ängste derMenschen. Dies aber keineswegs

verbissen oder bierernst.

Denn man entdeckt beim näheren

Herangehen an den wie bleiernen

Tür-Vorhang, dass die kleine Planetenkugel

des Saturnein Gesichthat –

wie ineinem Comic-Strip –drei minimale

Striche nur markieren den

Trauerkloß, diesen planetaren Miesepeter

mit den schrägen Augen

und pessimistisch verkniffenem

Mund. Und befreit lachend verlässt

man das Studio.

Soul

Erinnerung

an

Astrid North

Die Plakate, die für die 5.

Ausgabe des Festivals

Frauensommer werben, zeigen

Astrid Northoben links als

„Headliner“, wie es in der

Branche heißt. Es wäre wohl

ein stimmungsvolles, einfühlsames

Konzert geworden, Astrid

Norths Beitrag zu einem

Festival, an dem sie auch hinter

den Kulissen mitgewirkt

hat. Am 25. Juni ist Astrid

North, die frühere Sängerin

der Berliner Band Cultured

Pearls,imAlter vonnur 46 Jahrenanden

Folgen einer Krebserkrankung

gestorben. Unter

demTitel„North-Lichter“ wird

nun im Rahmen des Frauensommer-Festivals

an zwei

Abenden hintereinander an

die musikalisch vielseitige Astrid

North erinnert. Den Anfang

machen heute Flinte,

Charlotte Brandi, Nicola Rost,

Ivy Quainoo, Lisa Bassenge,

SAFI und Adelle Nqeto. Astrid

North hatte sich die Konzerte

gewünscht. HarryNutt

North-Lichter 20 Uhr,Bar jederVernunft,

Schaperstraße24

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

17.00: Clowns Ratatui (ab4J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in derGemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00:1,2,3,Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

10.00: Ahoi, Papieraten!, KreativeSommerferien im

Labyrinth Kindermuseum

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: AufBiegen ohne Brechen-Eisstiele fürs

Handgelenk, Wochenwerkstatt

14.00: Schultüten für alle Einschulkinder,Bezahlwerkstatt

(9 Euro)

me Collectors Room Berlin (Auguststr.68)

12.00: Art&Kids, Offenes Kinderprogramm

Museumsdorf Düppel (✆ 8026671)

17.00: Kleine Summer School: Wasser und

Globalisierung –Campen im Museumsdorf Düppel,

Sommer-Camp für 12- &13-Jährige(ab 12 bis 13

J.). Anm. erf.

Theater an der Museumsinsel (✆ 47 01 89 49)

16.00, 17.00: Puppenspieldes Dr.Faustus, Ein Faust

für Kinder

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

16.00: Hans im Glück, Varia Vineta Ensemble, Traditionelle

Märcheninszenierung (ab 2J.). Anm. erf.

W. M. Blumenthal Akademie (Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz

1)

10.00: Arche Noah Artlab –Neue Lebensorte aus

Recyclingmaterialien kreieren, Leitung: Barbara Antal

(ab 9bis 12 J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

19.00: CreativeWriting Group,

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: Trio untermPfirsichbaum, Sandra Burckhardt,

Alexander Graeff,Felix Schiller

KONZERT

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

19.00: La Dispute, Milk Teeth, Petrol Girls

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Susanna Bartilla, Summer Songs

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Jan vonKlewitz (sax) &the Reggie Moore Trio

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

19.00: Gorgasm, Cenotaph, Unbirth, In Demise,

Krylithsic

Fluxbau (Pfuelstr.5)

20.00: PISH

Freilichtbühne an der Zitadelle (✆ 333 40 22)

19.00: Larry Schuba &WesternUnion, Larry Schuba

&WesternUnion

Friedenskirche Charlottenburg (✆ 304 49 96)

15.00: Daniel Knabe (voc, sax), Christoph Reiß (b),

Alexander Reiß (p), Philipp Schwartz(dr), Sommercafé

Frieden –Summertime

Haus der Kulturen derWelt (✆ 39 78 71 75)

19.00 Dachterrasse, bei Regen im Foyer: Wassermusik

–Black Atlantic Revisited: Milton Nascimento

präsentiertClube da Esquina, Luedji Luna

Lido (✆ 69 56 68 40)

21.00: Radio Moscow

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30: Whores

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

21.30: Orania.Jazz: Declan Forde(p), James Banner

(b), UgoAlunni (dr)

Orwohaus (✆ 32 53 34 14)

17.30 drinnen und draußen: 13. ORWO-Festival: Pero

Pero, ValSinestra, Street Fighter,Lausch, Lowland, Der

Unerbittliche Vogelmann

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Ulli &Die Grauen Zellen

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Uni Bigband Berlin, Ltg.Nicolai Thärichen

SO36 (✆ 61 40 13 06)

20.00: Me First and the Gimme Gimmes, PartyFears

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Theatersaal: Schalala –Das Mitsingding mit

Stefanie Bonse (Gitarre) und Marie-Elsa Drelon

(Klavier)

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: GBH +Radiocrimen

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Chat Noir

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.15: Uri Gincel’s„Head Hunters“ Tribute

CLUB

Anita Berber (Gerichtstr.23)

23.00: Foursome: Summer Edition, BämBäm,

Philippe Autuori, Mad Shivers b2b Sellostone, Kim

Ava (Warschauer Pl. 18)

23.00: Hainmat, TripAdvisor,Schabernack, Peter

Wiseguy,Kloe

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

23.00: EmployeeOfThe Month, KazOnDaBeat, Kabel

K, Nali, Moacyr,Ty.Rell,MCCheek, Prof. X, Point5ive,

Jaynu Vega

Begine (✆ 215 14 14)

20.00: Party–Die Pop-Perlen der Tangoschlampe,

Andrea

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

23.59 Panorama Bar:FinestFriday,Egyptian Lover

(live), Cinnaman, DaM-FunK, San Soda

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: UY Zone

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Hit the Road Jack, Pepe Vargas, Barbecue

Bob,2maniac, Balou

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Schwoof, Clärchen &Freunde

Duncker (✆ 445 95 09)

22.00: Independent Tanzmusik, Alusie

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

23.30: Afrohaus, MarSoul, Haizel, DJ Premps, Afro

Haus Soundsystem

Insomnia (Alt-Tempelhof 17-19)

22.00: Young Love

Junction Bar (✆ 694 66 02)

22.00: DJane B.B.

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

22.00: Rebel Yell –Lovethe 80s!, Hey, my Commander

Kulturbrauerei/Soda (✆ 44 31 51 55)

23.00: Ladies Night, Guess, Bat, Abuze, MixMasta

Pumi, Zissa, Miss IRiE, C-Roc, R’n’P, Jordan, Marcel db,

Daora, DJ Lewii

Lido (✆ 69 56 68 40)

23.30: Let’S Dance to JoyDivision –The Early Days

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: 007, Anarchic Handsyndrome u. a.

23.00: Atomic, DJ trust.the.girl, Marco Ward u. a.

23.59: LooneyTunez KaraokeBand (live)

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Circus (Revaler Str.99)

23.59: Cancl Tmrw,Daniel Stefanik, Luca Donzelli, Iris

Menza, Monello, Dilivius Lenni, Shuray&Walle

WaterGate (✆ 61 28 03 94)

23.55: Rauschen, BartSkils, Layton Giordani, Atlantik

(live), Shlomsen, Dennis Kuhl, Koljah

Yaam (✆ 615 13 54)

22.00: Latin-Arab,Ghetto Kumbe (live), RizanSaid

Music, Nuri, Uji

BALLROOM

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Swing,E

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Pets II

14.00, 16.00, 18.40, 20.45; Geheimnis eines Lebens

16.20, 18.00, 20.30; TKKG 14.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Geheimnis

eines Lebens 15.40, 20.20; Geheimnis eines Lebens

(OmU) 18.00; TelAviv OnFire 14.15, 16.30,

18.45,21.00; Pets II 14.00, 16.00, 18.00, 20.00;

TKKG 14.20; Rocketman (OmU) 16.30, 22.00; The

Dead Don‘t Die (OmU) 19.00; The Dead Don‘t Die

21.15; Der Klavierspieler vom Gare duNord 15.15;

Ein Becken voller Männer 17.30; Burning 20.00

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Spider-Man: Far From Home 13.45, 16.45, 19.45,

22.30; Traumfabrik 14.00, 17.00, 20.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.00; Pets II 14.15,

16.40; Der Fall Collini 14.15; Zwischen den Zeilen

14.20; 3D: Pets II 14.30, 16.30, 19.30; TKKG

14.45;Ein Beckenvoller Männer 16.40,19.30;Der

Klavierspieler vomGare du Nord 17.00;SpiderMurphy

Gang –Glory Days of Rock ‚n‘ Roll 17.10; Geheimnis

eines Lebens 17.15, 19.00; Tolkien 19.00;

Aladdin (OmU) 19.40, 22.40; Kaviar (OmU) 20.30,

2.00; Avengers: Endgame (OmU) 21.30; Burning –

Beoning (OmU) 21.40; Rocketman (OmU) 21.45;

The Dead Don‘t Die (OmU) 22.50; Pets II –The Secret

Life ofPets 2(OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Kurische Nehrung

(OmU)18.00; Kaviar (OmU; m. Gästen)19.30; „Mir

ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte

eingehen“ –„Imi este indiferent daca inistorie vom

intra ca barbari“ (OmU) 21.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Traumfabrik

14.10, 17.00, 19.50; Aladdin 14.10, 17.05,

19.50; Spider-Man: Far From Home 14.15; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.15; Men in Black:

14.15, 17.00; Godzilla 2–King ofthe Monsters

14.20; Ein Becken voller Männer 14.20, 17.10,

20.05; Pets II 14.30, 17.00; Drei Schritte zuDir

14.30, 17.15; 3D: Pets II 15.00, 17.30, 20.00,

22.45; 3D: Spider-Man: Far From Home 16.45,

20.00, 22.45; Annabelle III 17.15, 20.15, 22.45;

Jussi Adler-Olsen: Verachtung 17.20; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 19.45; Long Shot 19.50; 3D: Men

in Black: 20.00; 25 km/h 20.00; Midnight Movie:

The Trench –Das Grauen in Bunker 11 22.45; The

Dead Don‘t Die 22.45;SneakPreview22.45; Kaviar

22.45; Brightburn: Son of Darkness 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Ein Becken voller Männer14.45;Rocketman 17.40,

20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Der Fall Collini 18.00;

Nur eine Frau 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Geheimnis eines Lebens

(OmU) 16.10, 18.30; The Dead Don‘t Die (OmU)

20.50

Xenon (✆ 78 00 15 30) Freak Show (OmU) 18.00;

Ein Becken voller Männer –Legrand bain (OmU)

20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) TKKG

10.00, 12.15; Spider-Man: Far From Home 10.00,

14.10, 17.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

10.00, 11.55, 14.15; Pets II 10.00, 12.15,

14.30, 17.00, 23.15; 3D: Pets II 10.00, 12.40,

14.45, 19.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

12.10; Drei Schritte zu Dir 14.40, 16.50, 20.15;

Kroos 16.55; Traumfabrik 17.20, 19.40; Annabelle

III 19.30, 22.40; 3D: Spider-Man: Far From Home

20.15, 22.30;John Wick III22.15; Long Shot 23.00

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) MonsieurClaude

II 16.15; Edie –Für Träume ist es nie zu

spät 18.15; Rocketman 20.15; Green Book –Eine

besondere Freundschaft 21.30

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Traumfabrik 14.30,

17.30,20.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 13.00; TKKG 13.30; Pets

II 13.30, 15.30, 16.30, 18.30; Drei Schritte zu Dir

14.00, 18.00, 20.30; Spider-Man: Far From Home

15.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.45;

3D: Spider-Man: Far From Home 17.30, 20.30;

Traumfabrik 17.45, 20.30; Sneak Preview 20.15

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Lord Jim (70mm) 20.00;

AtteyatAlAbnoudy: Amal Donqol –The Talk of Room

8(u.a.; m. Einführung) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Pets II 12.30, 14.00, 16.40; Dancing Queens

12.30; Traumfabrik 12.40, 16.00, 19.15, 22.00;

Aladdin 12.50, 13.30; Spider-Man: Far From Home

13.00, 16.00, 19.30; 3D: Pets II 13.00, 15.00,

17.35, 20.15, 23.00; Nur eine Frau 13.15; Der

Junge muss an die frische Luft 13.30; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 13.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 13.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

13.45; TKKG 13.50, 15.00;

After Passion 13.50; 3D: Spider-Man: Far From

Home 14.00, 17.00, 20.30, 23.00; Drei Schritte zu

Dir14.10, 16.50, 20.10, 22.50; MonsieurClaude II

14.20; X-Men: Dark Phoenix 15.00, 17.40, 23.00;

Avengers: Endgame 16.00, 20.20; Ein Becken voller

Männer 16.10, 19.20; Geheimnis eines Lebens

16.20, 19.10; Men in Black: 16.30, 20.00; Godzilla

2–King of the Monsters 16.30; 3D: Aladdin

16.30, 19.30, 22.50; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 16.50;Annabelle III 16.50, 19.50, 23.00;

Tolkien 17.10; Van Gogh:Ander Schwelle zur Ewigkeit

17.15; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

17.30; Glam Girls 18.00, 20.00; Der Fall Collini

19.30;Rocketman19.40;3D: X-Men: Dark Phoenix

19.50; Kroos 20.15, 22.30; John Wick III 20.20,

23.00; Long Shot 20.40, 22.40; Brightburn: Son

of Darkness 20.45; Greta (2019 USA) 22.40; 3D:

Godzilla 222.40; Ma –Sie sieht alles 23.10

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Aladdin (OF) 13.20, 16.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu –Pokemon Detective Pikachu (OF)

13.30; Men in Black: (OF) 13.30; Tolkien (OF)

13.45; Avengers: Endgame (OF) 13.50; Spider-

Man: Far From Home (OF) 14.00; Pets II –The Secret

Life of Pets 2(OF) 14.30, 17.50; 3D: Pets II –

The Secret Life of Pets 2(OF) 15.00,17.10,19.30,

23.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix (OF) 16.20; Annabelle

III (OF) 16.40, 20.20, 23.10; Long Shot

(OF) 16.50; 3D: Spider-Man: Far From Home (OF)

17.00, 20.10, 22.40; Brightburn (OF) 17.30; 3D:

Men in Black: (OF) 19.20; Rocketman (OF) 19.30;

3D: Aladdin (OF) 19.40, 22.50; Geheimnis eines

Lebens (OF) 19.50; John Wick III (OF) 20.00,

22.30; X-Men: Dark Phoenix (OF) 22.00; 3D: Godzilla

2(OF) 22.15; The Dead Don‘t Die (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00)3D: Galapagos:

Rätsel der verlorenen Welt 11.30; 3D: Spider-

Man: Far From Home (OF) 12.45, 19.15, 22.30;

3D: Spider-Man: Far From Home 16.00

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Spider-Man: Far

From Home (OF) 19.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) TKKG 10.00, 12.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 12.15,15.00;

Pets II 10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 10.00; Spider-Man:

Far From Home 12.30, 14.00, 17.00; 3D: Pets II

12.30, 15.00, 17.30, 20.15, 22.30; Traumfabrik

14.30, 17.00, 20.00, 22.30; Drei Schritte zu Dir

17.30, 20.00; Annabelle III 18.00, 20.15, 22.30;

3D: Spider-Man: Far From Home 20.00, 22.30;

John Wick III 22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Das fliegende Klassenzimmer

14.00; Edie –Für Träume ist esnie zu

spät 16.00; AllMyLoving–Eine Geschichte vondrei

Geschwistern 18.15; Britt-Marie war hier 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Spider-Man: Far From Home 11.30, 14.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Pets II 11.30,

14.00, 16.30; Drachenzähmen leicht gemacht

3: Die geheime Welt 11.30; Avengers: Endgame

11.30, 15.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 11.35; Ostwind 4–Aris Ankunft 11.45; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 11.50; 3D:

Pets II 12.10, 14.40,17.10,19.30, 22.00; Aladdin

14.00; Traumfabrik 14.05, 17.05, 19.40; Men in

Black: 14.15; TKKG 14.30; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück14.45; 3D: Men in Black: 17.00; 3D: Spider-

Man: Far From Home 17.05, 20.10, 22.45; Annabelle

III 17.15, 20.10, 23.00; Glam Girls 17.30;

3D: X-Men: Dark Phoenix 19.20; 3D: Aladdin

19.30; 3D: Godzilla 2–King of the Monsters 19.40,

22.45; John Wick III 19.55, 22.50; Drei Schritte zu

Dir 19.55; 3D:Avengers: Endgame 22.00; Ma–Sie

sieht alles 22.30; Long Shot 22.55; Brightburn:

Son of Darkness 23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) TKKG

12.00; Spider-Man: Far From Home 12.00, 14.30,

17.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 12.00,

14.30; Kroos 12.00; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

12.00; Pets II 12.15, 14.35, 17.00, 23.00; 3D:

Pets II 12.30, 15.00,17.30, 20.00; Aladdin 14.10,

17.00, 19.45; Drei Schritte zu Dir 14.20, 17.00,

19.50; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.45;

Traumfabrik 16.40, 19.40; Annabelle III 17.00,

20.10, 22.50; 3D: Spider-Man: Far From Home

19.30, 22.40; Spider-Man: Far From Home (OF)

20.00; Brightburn: Son of Darkness 22.30; John

Wick III 22.35; Men in Black: 22.40; Annabelle III

(OF) 22.40

Kino im Silent Green Kulturquartier (✆

46 06 73 24) MARS Garten: ContemporaryVinegar

Syndrome: Skidoo (OF) 21.30

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Das melancholische

Mädchen 19.00; Erde (OmU) 20.30; Five Fingers

for Marseilles (OmU) 22.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Pets II 10.15,

12.15, 14.15, 16.15, 18.15, 20.15; Rocketman

12.30, 20.00; TKKG 15.15; Der Klavierspieler vom

Gare du Nord 17.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Erde 15.30;

Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU) 18.00;

Der Klavierspieler vom Gare du Nord –Aubout des

doigts (OmU) 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Aladdin 13.00,

20.15; Dancing Queens 15.45; Ein Becken voller

Männer 17.45

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Der kleine Nick macht Ferien

16.00; Monsieur Claude II18.00; Bildbuch 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Geheimnis eines Lebens

15.30, 18.00, 20.30

FREILUFTKINOS

Freilichtbühne Weißensee (✆ 24 72 78 01) The

Favourite –Intrigen und Irrsinn (OmU) 21.45

Freiluftkino Friedrichshagen (✆ 65 01 31 41)

Das Pubertier –Der Film 21.15

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 4603) 25 km/h

(OmenglU) 21.45

Freiluftkino Kreuzberg The Mule (OmU) 21.45

Freiluftkino Rehberge Yuli 21.45

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (✆ 9987481)

Rocketman 21.30

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Green Book –Eine besondere Freundschaft (OmU)

21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain The Favourite

–Intrigen und Irrsinn 21.45

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz (✆

89 37 14 31) Ein Gauner &Gentleman 21.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Ray

&Liz (OmU) 17.00; Lasset die Kindlein ... (m. Gast)

19.00; Atlas 21.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) TKKG

14.00; Pets II 14.00, 16.15, 18.30, 20.45; Traumfabrik

15.45, 18.15, 20.30; They Shall Not Grow

Old (OmU) 16.15; Ein Becken voller Männer 18.15,

20.45; Geheimnis eines Lebens 18.30, 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 7233)

Spider-Man: Far From Home 13.40; Aladdin 13.40,

16.45; Traumfabrik 13.50, 16.50, 19.55; Pets II

14.00, 17.00; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.00;

Men in Black: 14.10, 16.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.15; 3D: Pets II 14.30, 17.20,

20.15, 23.00; 3D: Spider-Man: Far From Home

16.30, 19.45, 23.00; Rocketman17.00;Annabelle

III 17.00, 20.15, 23.00;

John Wick III 19.35, 23.00; 3D: Aladdin 19.50;

Long Shot 19.55; Avengers: Endgame 20.00; X-

Men: Dark Phoenix 23.00; The Dead Don‘t Die

23.00; 3D: Men in Black: 23.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Pets II

15.00, 17.15; 3D: Pets II19.30

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Spider-

Man: Far From Home 11.45, 14.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.45, 14.15; Aladdin

11.45, 14.40; Willkommen im Wunder Park 11.50;

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime

Welt 11.50; TKKG 12.00; 3D: Pets II 12.00, 14.30,

17.00,19.30, 22.30; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 12.00; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 12.20; Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.00;

Traumfabrik 14.10, 17.10,20.05; Bailey: Ein Hund

kehrt zurück 14.15; Dancing Queens 14.25; Glam

Girls 14.30; Men in Black: 14.40; Rocketman

16.45; 3D: Aladdin 16.45, 19.40; Drei Schritte zu

Dir16.50, 20.10, 23.05; 3D: Spider-Man: FarFrom

Home 17.00, 20.00, 22.50; Long Shot 17.20; Annabelle

III 17.30, 20.20, 23.00; 3D: Men in Black:

17.35,20.30; 3D: Avengers: Endgame 19.30; John

Wick III 19.50, 22.50; Avengers: Endgame 22.00;

3D: Godzilla 2–King of the Monsters 22.45; 3D: X-

Men: Dark Phoenix 23.00;Friedhof der Kuscheltiere

23.15; Brightburn: Son of Darkness 23.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 13.00; TKKG 13.00;

Pets II 13.30, 16.00; Spider-Man: Far From Home

14.45; Aladdin 15.00; 3D: Spider-Man: Far From

Home 17.30, 20.30; Drei Schritte zu Dir 17.45,

20.30; 3D: Pets II 18.15, 20.30; Sneak Preview

20.15

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.00; PokemonMeisterdetektiv

Pikachu 12.15;Aladdin 12.30,

15.05; Pets II 13.00, 15.00, 17.00; 3D: Pets II

14.00,16.00, 18.00, 19.45; Spider-Man: Far From

Home 14.30, 22.45; 3D: Spider-Man: Far From

Home 17.15, 20.15; Traumfabrik 17.45, 20.00;

Drei SchrittezuDir 20.20; John Wick III 22.00; Men

in Black: 23.00; Long Shot 23.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Pets II 17.00; 3D: Pets II 19.00; Men in Black:

20.45

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Pets II

15.30, 19.45; Willkommen im Wunder Park 16.00;

3D: Pets II 17.30; Rocketman 18.00; Jussi Adler-

Olsen: Verachtung 20.30


26 * Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019

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Netzwerk

STREAMING

Abenteuer

und Sorgen

der Teenager

VonMarcus Posimski

Der heiße Sommer scheint uns

eine kleine Pause zu gönnen,

man hält es also auch wieder in der

Wohnung aus.Warum also nicht mit

den Kindern imTeenager-Alter zusammen

eine Serieanschauen? Hier

sind ein paar Tipps für Teen-Serien-

Klassiker.

„Veronica Mars“: DieSerie um die junge

Detektivin (gespielt vonKristen Bell)

hat sich Anfang der 2000er-Jahre

schnell zum Kultklassiker entwickelt.

In den ersten drei Staffeln der

Serie besucht die junge Veronica die

Highschool des fiktiven Ortes Neptune.Sie

versucht ihremVater,einem

Ex-Cop und Privatdetektiv, zu helfen.

In der Elite-Schule war ein Mord

passiert, der ihren Vater den Job gekostet

hat. Veronica versucht, den

Fall aufzuklären. Leider wurde die

Serie damals nach nur drei Staffeln

abgesetzt, aber diesen Monat

kommt (in den USA auf Hulu) die

vierte Staffel mit der Originalbesetzung

heraus, die hoffentlich auch

bald bei uns zu sehen sein wird.

Zu sehen bei Maxdome, Amazon, iTunes und

GooglePlay

„Skins“: Die Serie hat nach ihrem Erscheinen

im Jahr 2007 aus mehrerlei

Gründen für viel Aufregung gesorgt.

Einerseits hat sie sehr freizügig gezeigt,

was bei Teenagernlos ist, wenn

kein Erwachsener dabei ist, andererseits

wurde die Serie von Teenagern

geschrieben, denen man erfahrene

Autoren nur zur Seite gestellt hatte.

Es geht um eine Gruppe von Freunden

in Bristol. Jede Episode folgt einer

der Figuren, sodass der Zuschauer

die Ereignisse aus verschiedenen

Perspektiven erlebt. Es geht

um Sex, Drogenmissbrauch, Gewalt,

Schwangerschaft und kleinereTeenager-Probleme.

Zu sehen bei Netflix, Amazon, iTunes und

GooglePlay

„Freaks and Geeks“: Eine Serie über die anstrengenden

Highschool-Jahre. IMAGO IMAGES

„Freaks and Geeks“: Diese Serie gehört

zu den besten Coming-of-Age-Geschichten,

die es in den vergangenen

20 Jahren gab. Esgeht um Freunde,

diesmal in den 1980er-Jahren, die allesamt

als Außenseiter versuchen,

die oft sehr stressigen Highschool-

Jahre zuüberleben. Erdacht wurde

die Geschichte vom Comedy-Meister

Paul Feig und produziert wurde

sie von Judd Apatow. James Franco,

Seth Rogen und Jason Segel haben

mit „Freaks and Geeks“ ihren Durchbruch

geschafft.

Zu sehen bei Amazon

Marcus Posimski hat

amerikanische Kultur

mit Schwerpunkt Film studiert.

Auf Computern wird gespielt,

das war schon immer

so.1951 wurde Ludwig

Erhard fotografiert, wie er

eine Partie des Streichholzspiels

„Nim“ gegen den Computer Nimrod

verlor.1962 entwickelte der Informatiker

Steve Russell am MIT das Ur-

Ballerspiel„Spacewar!“. Er tat das,um

die Rechenleistung des neu gelieferten

Computers PDP-1 zu demonstrieren.

Die Tradition hat sich gehalten;

wann immer heute ein neues Gerät

mit einem Bildschirm und einem

Prozessor auftaucht, findet sich jemand,

der „Tetris“ dafür programmiert.

DieGeschichte von„Tetris“ ist oft

erzählt worden. Der russische Informatiker

Alexei Paschitnow entwickelte

„Tetris“ 1984 in Moskau. Die

Idee war zu gut, um voneinem Eisernen

Vorhang gestoppt zu werden.

Nach einem komplexen Rechtepoker

zwischen den USA, Japan und

Russland eroberte das Spiel die Welt.

Weresspielte,geriet unweigerlich in

einen Sog. „Tetris“ nutzt das

menschliche Grundbedürfnis nach

Ordnung aus; die unförmigen Tetrominos,

Gebilde aus je vier Quadraten,

fallen herab und müssen zu lückenlosen

Reihen zusammengefügt

werden. Komplette Reihen verschwinden

augenblicklich vomBildschirm.

Einerseits ist das eine Erleichterung,

andererseits lenkt es

den Blick der Spieler auf das Übrige,

Unvollendete. Laufend wird Unordnung

beseitigt, immer schneller entsteht

neue.

Spiel für Schüler und Präsidenten

„Tetris“ ist seit seiner Erfindung allgegenwärtig.

Es gibt Menschen, die

spielen nur dieses Spiel. Und auch

selbst erklärte Gamer, die möglichst

komplexe und fordernde Titel suchen,

spielen hartnäckig weiter „Tetris“.

Sie spielen sogar die Versionen

von damals. 1989 erschien Nintendos

klassische Version für die Spielkonsole

NES, und sie gilt bis heute

als zeitloser Hit. Revolutionär war

aber die Version für den Gameboy:

Nintendos mobile Spielkonsole erschien

im Paket mit „Tetris“. Der

Gameboykonnte zwar verschiedene

Spiele auf dem trübgrünen LCD-

Bildschirm darstellen, aber bei vielen

Menschen blieb „Tetris“ wie festgeschweißt

im Modulschacht stecken.

Es war das perfekte Spiel für

unterwegs. Es war schier endlos,

aber nicht geistlos. Eswar auch für

Erwachsene geeignet. Unter anderem

wurden George H. W. Bush und

Hillary Clinton mit dem Gameboy

erwischt.

„Tetris“ für den Gameboy etablierte

mobiles Spielen, wie es heute

in U-Bahnen und auf Schulhöfen alltäglich

ist. Nebenbei widerlegte es

Klischees vom Spielen als asozialer,

isolierter Beschäftigung. Mit dem

unbeleuchteten Bildschirm des

Gameboy konnte man besser draußen

in der Sonne spielen, als daheim

unter der Bettdecke. Und mit dem

Link-Kabel ließen sich zwei Gameboys

für ein „Tetris“-Duell verbinden

–diesem frühen Glückserlebnis des

gemeinsamen Spielens jagen Multiplayerspiele

bis heute hinterher.

Das Internet ersetzt heute das

Link-Kabel, und nur in Ausnahmefällen

begegnen sich Spieler heute

persönlich. Meistens verabreden sie

sich im Chat, um dann gemeinsam

zu zocken.„Fortnite“ gilt inzwischen

als das wichtigste Spiel der Jugend.

Viele Elterntreibt die Sorgeum, dass

ihre Kinder das Gefühl für die Zeit

und die Familie verlieren. Es ist dieser

Cocktail aus unendlicher Unterhaltung

und der Anerkennung in einem

Online-Freundeskreis, nach

dem junge Menschen heute süchtig

werden, und der dazu beigetragen

hat, dass Computerspielsucht von

der Weltgesundheitsorganisation im

Mai als Krankheitsbild katalogisiert

wurde. Aber Studien zeigen auch,

dass die Gefahr computersüchtig zu

werden, doch viel geringer ist, als

viele besorgte Eltern befürchten. In

Deutschland liegt die Zahl seit Jahren

fast unverändert bei rund

450 000 Jugendlichen, die suchtgefährdet

sind.

Was in den vergangenen Jahrzehnten

in der Spielebranche passiert

ist, das hat „Tetris“ entweder

vor- oder mitgemacht. Besonders

Eckiges Denken

Computerspiele sind die beliebteste

Ablenkung für Internet-Nutzer.Unschlagbar

dabei der Klassiker „Tetris“

VonJan Bojaryn

Manche Gamer dachten nur noch an fallende Klötze, auch beim Lesen.

SERIE

IMAGO IMAGES

50Jahre Internet

Snowden, YouTube, Rezo, Apple, Hacker,Google, Zuckerberg,Datenschutz, Hackerangriffe –

die Auflistung der Schlagworte, die mit der Entstehung und Nutzung des Internets verbunden

sind, ließe sich langefortsetzen. In der Serie „50 Jahre Internet“ greifen sich unsere Autoren in

den kommenden Wochen jeweils einen Aspekt der Digitalisierung heraus. Eine der schönsten

Formen derAblenkung können Computerspiele wie „Tetris“ sein –wenn es dem Spieler gelingt,

aus dem Vergnügen keine Abhängigkeit werden zu lassen.

schön an „Tetris“ zu beobachten:

Jede erfolgreiche Spielidee wird dermaßen

oft kopiert, dass Menschen

innerhalb von Jahren glauben, hier

handle es sich um keinen Abklatsch

mehr, sondern das Ganze sei eben

ein Genre. Auch Nintendo hat sich

hemmungslos selbst kopiert –

„Dr. Mario“ wirft bunte Pillen auf

farblich passende Viren. Seitdem

sind Hüte, Gesichter und Müllberge

auf Bildschirmen herabgeregnet.

Aber kein Spiel ist an die schlichte

Größe der Grundidee herangekommen.

Aus der Geometrie wächst genug

Charakter.Wer länger spielt, der

freundet sich irgendwann mit den

türkisen I-Stücken an und verflucht

die großen, gelben Quadrate.

Auch den eSport hat „Tetris“

vorweggenommen. 1990 war es

eine Disziplin in den „Nintendo

World Championships“, die durch

Städte der USA tingelte. Heute füllen

eSport-Ereignisse rund um andere

Action- und Strategiespiele

Arenen, aber „Tetris“ bleibt als

Wettbewerb populär. Über sieben

Millionen Menschen schauten sich

2018 das Online-Video an, in dem

das 16-jährige „Tetris“-Wunderkind

Joseph Saelee den siebenmaligen

Weltmeister Jonas Neubauer

entthronte. Zuerst verblüffte Saeleemit

seiner immensen Fingerfertigkeit

beim Spiel, dann heulte sich

der fassungslose Gewinner in die

Herzen des gerührten Publikums.

VonBlöckenträumen

Der anhaltende, konzentrierte Blick

auf Blöcke hat die Wahrnehmung

von Menschen verändert. Der „Tetris“-Effekt

tritt ein, wenn Menschen

vom Bildschirm wegschauen und

immer noch fallende Blöcke auf der

Netzhaut wahrnehmen, wenn sie

von den Blöcken träumen, wenn sie

Tetrominos in der Realität wiedererkennen.

2003 entpuppte Homer

Simpson sich als „Tetris“-Veteran

und puzzelte in einer berühmt gewordenen

Szene Frau, Kinder und

einen Berg Gepäck in seinen Kombi.

„Tetris“-Effect ist inzwischen auch

der Name eines „Tetris“-Spiels, das

Spieler zur Meditation und auf geistig

höhere „Tetris“-Ebenen führen

möchte. Für die volle Immersion in

die „Tetris“-Welt lässt es sich in der

virtuellen Realität spielen.

Über Jahrzehnte veränderte sich

das Spiel noch, aber langsam. Nur

gelegentlich gelingt es einembrillanten

Designer, dem perfekten Spiel

neue Details hinzuzufügen. Und

Spieler entdecken neue Wege, in

dem alten Titel besser zu werden.

Wichtig ist heutzutage auch die

Funktionsweise und taktische Bedeutung

des „T-Spins“, bei dem ein

T-Stück imletzten Moment in eine

Lücke hineingedreht wird. Großmeister

wie Saelee beherrschen gar

die sagenumwobene Technik des

„Hypertapping“, bei der blitzschnelles

Tastentippen die Blöcke mobiler

macht.

Wann immer esscheint, als sei

„Tetris“ endgültig aus der Mode gefallen,

dann erfindet es sich neu. Das

passiert alle paar Jahre. 2016 tauchte

mit „Superhypercube“ eine Art

Proto-„Tetris“ auf,bei derein immer

klobigeres Gebilde durchein passgenaues

Loch in der Wand bugsiert

werden muss, ohne hängen zubleiben.

Das Virtual-Reality-Spiel löst

nach einer gewissen Weile ähnliche

Trance-Zustände aus, wie das Original.

Zuletzt hat Nintendo sein Spiel

mit einem einfachen Kniff neu erfunden.„Tetris-

99“ist ein„Tetris“ im

Battle-Royale-Modus, wie etwa in

„Fortnite“ –99Spielertreten zu einer

Mehrspielerschlacht gegeneinander

an. Das ist nicht nur eine zündende

neue Versionvon „Tetris“,esist auch

eine der besten Umsetzungen der

Battle-Royale-Idee.

Zu denbekennendenFans gehört

auch der inzwischen in die USA ausgewanderte

Alexei Paschitnow. Bisher

habe eresnur auf Platz drei geschafft,

klagte er kürzlich in einem

Interview. Erhabe noch nicht genug

üben können; sein Sohn blockiere

die Spielkonsole.

JanBojaryn beherrscht bei

Tetris den T-Spin, aber kein

Hypertapping.

Störung

im

System

Auf Facebook konnten keine

Fotos hochgeladen werden

Die massiven technischen Störungen

bei Facebook, Instagram

und WhatsApp sind weitestgehend

behoben worden. „Wir haben

die Ursache identifiziert und eine

Lösung gefunden“, teilte Facebook

am frühen Donnerstagmorgen über

sein Plattformstatus-Portal mit.

Auch bei der Website allestörungen.de

wurden keine großflächigen

Ausfälle mehr gemeldet. Facebook,

Instagram und WhatsApp gehören

zum Facebook-Konzern.

Die Probleme tauchten vor allem

beim Hochladen von Fotos und anderen

Dateien in den Apps des Unternehmens

auf. Laut allestörungen.de

waren besonders Nutzer in

Deutschland, Großbritannien,

Frankreich und den Benelux-Staaten

betroffen. Außerdem wurden Störungen

an der Ostküste der USA sowie

in Teilen Südeuropas und Südamerikas

gemeldet.

Mittlerweile konnte Facebook die Panne

beheben.

IMAGO IMAGES

DieStörung zeigte vielen Anwendern,

wie verschränkt inzwischen

die technische Infrastruktur von Facebook,

Instagram und WhatsApp

ist. Facebook-Chef Mark Zuckerberg

hatte Anfang des Jahres angekündigt,

die Messaging-Dienste des sozialen

Netzwerks technisch zu integrieren.

Die Dienste würden weiterhin

als eigenständige Apps betrieben

werden, doch die technische Infrastruktur

solle vereinheitlicht werden.

Bei Facebook und Instagram

sorgt der Ausfall zudem für einen

Einblick in die Gesichtserkennung

auf Bildern. Statt der Bilder selbst

waren dort für viele Anwender die

Beschreibungstexte („ALT-Attribut“)

zu sehen. In einem solchen Text

steht, welche Dinge oder Personen

der Algorithmus in dem Bild erkannt

hat, beispielsweise ob die Leute auf

dem Foto eine Brille tragen oder einen

Bart haben. Suchmaschinen benutzen

dieses Attribut, um den Bildinhalt

zu erkennen, da Bilddateien in

der Regel nicht direkt ausgelesen

werden können. Die ALT-Texte helfen

außerdem sehbehinderten Anwendern

beim Surfen. Die Facebook-Dienste

generieren diese ALT-

Attribute mithilfe von Algorithmen

automatisiert.

Twitter hilft

Beider Kommunikation über die Störung

musste Facebook auf den Wettbewerber

Twitter ausweichen. Allerdings

erlebte der Kurznachrichtendienst

dann selbst auch eine kleine

Störung, insbesonderebei der Zustellung

von Direktnachrichten und Benachrichtigungen.

„Wir sind fast wieder

bei 100 Prozent“, teilte Twitter auf

seiner eigenen Seite mit. Es könne

zwar noch „Restwirkungen“ bei einigen

wenigen Nutzern geben, doch

dürfte der Dienst generell wieder „ordentlich

funktionieren“.

Auf die Frage nach den Ursachen

der Störung im Facebook-Konzern

gab es zunächst nur vage Antworten.

DieAusfälle seien „auf Routinearbeiten“

zurückzuführen. Bereits im

März dieses Jahres war es zu mehrstündigen

Störungen der weltweit

genutzten Plattformen gekommen.

Damals waren Facebook, der Chatdienst

Messenger sowie das Netzwerk

Instagram betroffen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun

9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG)

Meister des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG)ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für

HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau

15.10 (für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer.

Sturm vor Kuba 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –

Gejagt 18.50 (für HG) Gefragt –Gejagt 19.45

(für HG) Wissen vor acht –Werkstatt 19.55 (für

HG) Börse vor acht 20.00 (für HG)Tagesschau

20.15 (für HG) Eine Hochzeit platzt selten

allein TV-Komödie,D2019

Mit Inka Friedrich, Ella Lee, Oliver

Wnuk, Herbert Knaup u.a.

Regie: Lancelot von Naso

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort Am Ende geht man nackt

TV-Kriminalfilm, D2017

Mit Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs,

Eli Wasserscheid u.a.

23.30 (für HG) Begierde –Mord im Zeichen

des Zen TV-Kriminalfilm, D2015

Mit Melika Foroutan, Anian Zollner u.a.

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Meine Geschichte –

Mein Leben 17.00 Meine Geschichte –Mein

Leben 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00

Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin. Moderation: Frauke Ludowig

18.45 aktuell 19.05 (für HG) Alles was zählt.

Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte

Zeiten. Daily Soap

20.15 Die ultimative Chart-Show

Die erfolgreichsten Sommer-Hits aller

Zeiten!

Moderation: Oliver Geissen

Mit Sonya Kraus, Janine Kunze, Pietro

Lombardi

0.00 Nachtjournal

0.30 Die ultimative Chart-Show Die erfolgreichsten

Sommer-Hits aller Zeiten!

3.50 Der Blaulicht-Report

Aufregende Geschichten aus dem

Berufsalltag von Polizisten,Sanitätern

und Notärzten

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Filmreihe,die Marienbad, im Jahr Franzensbad, 2009 mit „Ein Karlsbad Schnitzel Arte

12.30 (für HG) Die Prinzessin von St. Wolfgang.

Heimatfilm, D1957 14.00 (für HG) MDR

um zwei 15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas?

16.00 (für HG) MDR um vier 17.45 (für HG)

Aktuell 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG)

Sandmann 19.00 (für HG) Regional 19.30 (für

HG) Aktuell 19.50 (für HG) Elefant,Tiger &Co.

20.15 (für HG) Die Schlager des Monats

21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für HG) Riverboat

0.10 MDR Kultur –Filmmagazin 0.25 (für

HG) Kommissar Wallander. Die falsche Fährte.

TV-Kriminalfilm, GB/S/USA/D 2008

Bayern

14.40 (für HG) Wer weiß denn sowas? 15.30

(für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 (für HG) Abendschau 18.30

(für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Unser

Land 19.30 (für HG) Einfach. Gut. Bachmeier

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Hubert und Staller 21.00 (für HG) Die Bergpolizei

–Ganz nah amHimmel 21.55 (für HG)

Rundschau Magazin 22.10 (für HG) Mittermeier!

22.55 Die Comancheros. Western, USA

1961 0.40 (für HG) Einfach.Gut. Bachmeier

Vox

13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein

Kind, dein Kind –Wie erziehst du denn? 15.00

Shopping Queen 16.00 Makel? Los! 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –

Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner

20.00 Prominent! 20.15 (für HG) Bones –Die

Knochenjägerin 21.15 (für HG) Bones –Die

Knochenjägerin 22.10 (für HG) Bones –Die

Knochenjägerin 23.05 (für HG) Bones –Die

Knochenjägerin 0.00 nachrichten 0.20 (für

HG) Medical Detectives –Geheimnisse der

Gerichtsmedizin. Todesschützen

Super RTL

14.40 ALVINNN!!! und die Chipmunks 15.00

Dragons –Die Wächter von Berk 15.25 Bugs

Bunny &LooneyTunes 15.50 Hotel Transsilvanien

–Die Serie 16.15 Zak Storm –Super Pirat

16.45 King Julien 17.15 What's New Scooby-Doo?

17.40 Inspector Gadget 18.10 AL-

VINNN!!! und die Chipmunks 18.40 Woozle

Goozle und dieWeltentdecker 19.10 Bugs

Bunny &LooneyTunes 19.40 Angelo! 20.15

Alvin und die Chipmunks 3–Chipbruch. Animationsfilm,

USA 2011 21.55 Columbo.

Schleichendes Gift. TV-Kriminalfilm, USA 1990

Sport1

14.30 Yukon Gold. Es wird ernst! 15.30 Alone.

The Freeze 16.30 Lost &Sold. Schweres Gepäck

17.00 Lost &Sold. Schmucklos 17.30

Container Wars. Glück auf Rädern 18.00 Beachvolleyball:

Weltmeisterschaften. Achtelfinale

Herren und Halbfinale Damen. Moderation: Laura

Papendick.Kommentar: Katharina Hosser,

Dirk Berscheidt 21.30 Beachvolleyball:Weltmeisterschaften.

8. Tag, KO-Phase 22.30 Die

PS-Profis Schule 23.00 Die PS-Profis –ImEinsatz.

3er Tuning 0.00 Sport-Clips

5.15 hallo deutschland 5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin

9.00 heute Xpress 9.05 Volle Kanne

–Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Good Cop, Bad Cop 11.15 (für HG)

SOKO Stuttgart. Blutsauger 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Teufel in Weiß 17.00 (für HG) heute

17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45 (für

HG) Leute heute 18.00 (für HG) SOKO Wien.

Der falsche Mann 19.00 (für HG)heute 19.25

(für HG) Bettys Diagnose. Nur ein Spiel

20.15 (für HG) Die Chefin

Geiselnahme. Krimiserie

Mit Katharina Böhm, Stefan Rudolf,

Jürgen Tonkel u.a.

21.15 (für HG) Letzte Spur Berlin

Gefrierpunkt. Krimiserie

22.00 (für HG) heute-journal

22.30 (für HG) Eichwald, MdB

Schatten imBlick. Comedyserie

23.00 (für HG) Morgen hör ich auf

Zahltag.Krimiserie

0.00 (für HG) Morgen hör ich auf

Heute hör ich auf. Krimiserie

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Alina

Merkau, Jochen Schropp 10.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte imEinsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! Moderation:

Daniel Boschmann, Karen Heinrichs 19.00

Genial daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Was für ein Jahr!

Gast: Ingrid Steeger

Kandidaten: Judith Williams, Sonja

Zietlow, Pierre Littbarski, Wigald Boning

Moderation: Hugo Egon Balder

21.45 Genial daneben

22.45 Knallerfrauen

23.15 Knallerfrauen

23.45 Knallerfrauen

0.15 Switch Reloaded

0.45 Switch Reloaded

1.15 Sechserpack Sex &Erotik

1.40 Sechserpack Schönheit

12.40 Erlebnisreisen 13.05 (für HG) Wilder

Wilder Westen 13.50 (für HG) Zoo-Babies

14.15 (für HG) In aller Freundschaft 15.00 (für

HG) In aller Freundschaft 15.45 Heimathäppchen

16.00 (für HG) Aktuell 16.15 Hier und

heute 18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15

(für HG) Ausgerechnet 18.45 (für HG) Aktuelle

Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Abenteuer Sauerland –

Eine Region erfindet sich neu 21.00 (für HG)

Unser Westen 21.45 (für HG)Aktuell 22.00 (für

HG) Kölner Treff 23.30 (für HG) FrauTV

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft 14.00

(für HG) aktuell 14.15 (für HG) die nordstory

15.15 (für HG) Polen entdecken! 16.00 (für

HG) aktuell 16.20 (für HG) Wer weiß denn sowas?

17.10 (für HG) Seehund, Puma &Co.

18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG) Hofgeschichten

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) die nordstory 21.15 (für HG) Stadt,

Land, Hof 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für

HG) NDR Talk Show 0.00 (für HG) NDR Comedy

Spezial 1.00 (für HG) NDRTalk Show

Kabel eins

11.15 Without aTrace 12.10 Numb3rs 13.05

Castle 14.00 The Mentalist 14.55 Navy CIS:

L.A. 15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!

Wir kümmern uns drum 20.15 Elementary.

Versteckspiel 21.10 Navy CIS. Tote Rosen

22.10 Navy CIS. Marine Dex 23.05 Navy CIS:

L.A. Der allerletzte Trumpf 23.55 Navy CIS: L.A.

Kurssturz 0.50 Late News 0.55 Navy CIS. Tote

Rosen 1.35 Navy CIS. Marine Dex 2.15 Late

News 2.20 Navy CIS: L.A. Kurssturz

RTL 2

12.00 Die Geissens –Eine schrecklich glamouröse

Familie! 13.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 14.00 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 15.00

Hilf mir! Jung, pleite, verzweifelt ... 16.05 Krass

Abschlussklasse 17.00 News 17.10 Krass

Schule –Die jungen Lehrer –Wie alles begann

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Olympus Has Fallen –Die Welt in Gefahr.

Actionthriller,USA 2013 22.25 Precious Cargo.

Actionfilm, CDN 2016 0.25 Unsichtbarer Feind.

Actionfilm, GB/RUM/USA 2007

Eurosport 1

8.30 Radsport: Paris-Roubaix 9.00 Radsport:

Lüttich-Bastogne-Lüttich 10.00 WATTS. Die

Radsport-Spezial-Ausgabe der Eurosport-Clipshow

11.00 Radsport:Tour de France 19.45

Radsport: Tour de France 20.15 Eurosport

News 20.20 Radsport: Tour de France 22.20

Radsport:Tour de France 22.50 Radsport: Tour

de France 23.25 Eurosport News 23.30

WATTS. Die Radsport-Spezial-Ausgabe der Eurosport-Clipshow

0.05 Radsport: Tour de

France 1.00 Radsport: Giro d'Italia

RTL 2, 20.15 UHR ACTIONTHRILLER

Olympus Has Fallen –Die Welt in Gefahr

Der engagierte Secret-Service-AgentMikeBanning(Gerard Butler,l.)fällt bei

seinen VorgesetzteninUngnade,als beieinem Autounfall die FirstLady

ums Lebenkommt. Banninggelangeslediglich, den US-Präsidenten (Aaron

Eckhart,r.) zu schützen. ZumSchreibtischdienstverdammt, bekommtder Agent

jedoch bald seine Chance,sichzurehabilitieren, als während eines Treffens,zu

dem der Präsidentdie wichtigsten Staatsmänner Südkoreas insOval Office geladen

hat,nordkoreanische Terroristendas Weiße Haus stürmen. Nunliegt es in

den Händen Bannings,den US-Präsidenten zu schützen unddie Angreifer in die

Fluchtzuschlagen. Im Jahr 2013 schlüpfte Gerard Butler in „London HasFallen“

erneut in die Rolle des Secret-Service-Agenten und legte London in Schutt und

Asche.Teil drei, „Angel HasFallen“ läuft diesen Sommer in den Kinos an.

(USA/2013)

Foto: RTL2

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ONE, 21.00 UHR COMEDYSERIE

Kurreisen

Ohne Schnitzel geht es nicht

mit Haustürabholung

Günther (Armin Rohde,r.) und Wolfgang

(LudgerPistor,l.) www.berliner-zeitung.de/leserreisen

schlagen sich noch

immer mehr schlechtals RechtdurchsLeben.

Während Wolfgangeinen Computerkurs

Erholung pur von Anfang an:

absolvieren muss,wirdGüntervom Jobcenter

zur Arbeitauf

Kurreisen

dm

mit

Recyclinghof

Taxiservice

verdonnert.

nach

Nach demErfolgder Bad Kissingen, vierteiligen„Schnitzel“-

Bad Wildungen,

für drei“ und unter neu der dabei:

Regie Joachimsthal. vonManfredStelzer

(„Monarch“, In die „Superstau“)begann, Reisen integriert sindtrotzen

die beiden Halb-Antihelden oder Vollpension nunimSerienformat

den Tückendes sowie diverse Alltags.One Kuranwendungen.

zeigtalle sechs

Folgen der Mini-Serieindirekter Reihenfolge.Fansder

Reihe dürfen sich alsoauf einen

Jetzt online entdecken: www.berliner-zeitung.de/leserreisen langenSerien-Abend freuen.

(Dtl./2019)

Foto:One

NORMALVARIANTE -mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

9

1 7 4

6 7 2

9 6

8 4 2 7

4 1

3 5

2 1

9 8 3

9

7

©Dmitry Ersler –Fotolia.com

SUDOKU

MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

2 4 6

3 7

4 9

6 5

3 8

4 2

LESERREISEN

INFORMATION UNTER:

030 –23276633

1

AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 4.7.2019

MITTEL mittel

9 5 2 4 1 7 3 6 8

4 8 1 6 2 3 5 7 9

6 7 3 5 8 9 4 1 2

1 6 5 9 7 8 2 4 3

7 2 9 1 3 4 8 5 6

3 4 8 2 5 6 7 9 1

2 9 4 3 6 5 1 8 7

5 1 7 8 9 2 6 3 4

8 3 6 7 4 1 9 2 5

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM 4.

4.7.2019

7. 2019

SCHWER schwer

3 2 8 5 1 6 7 9 4

5 4 7 8 9 3 6 1 2

1 6 9 2 4 7 8 5 3

4 8 5 6 7 9 2 3 1

9 7 3 4 2 1 5 8 6

6 1 2 3 8 5 9 4 7

8 9 6 7 3 4 1 2 5

2 5 4 1 6 8 3 7 9

7 3 1 9 5 2 4 6 8

5.30 Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb. zuhause

in berlin &brandenburg 7.20 Brisant 8.00

Brandenburg aktuell /Abendschau 8.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft 10.30

Rote Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin

Dr.Mertens 13.00 rbb24 13.10 Verrückt

nach Meer 14.00 Lecker aufs Land 14.45 Unser

Dorf hat Wochenende 15.15 Hessen von

oben 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &Co.

17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Die 30 schönsten Berliner

Zoogeschichten

Dokumentarfilm, D2019

Am 1. August feiert der Zoo Berlin

seinen 175. Geburtstag.

21.45 rbb24

22.00 NDR Talk Show

Gäste: Johann Lafer,Ben Zucker,Emilia

Schüle, Erkan und Stefan, Mathieu

Carrière, Elena Carrière, Yvonne

Willicks, Ulrich Schröder

0.00 Talking Science

Der rbbWissenschaftssalon

ProSieben

5.40 Twoand aHalf Men 6.55 The Big Bang

Theory 8.35 The Middle 9.25 Fresh off the Boat

10.20 Mike &Molly 10.45 How IMet Your Mother

11.35 2Broke Girls. Schuldenkrise/Das

Schrankbett. Comedyserie 12.30 Mom. Der Zeh

im Lady-Pool. Comedyserie 12.55 Twoand a

Half Men. Alles einsteigen/Pinocchios Mund/

Mali-Buh. Comedyserie 14.15 The Middle. Die

Weihnachtsblockade/Der ganz normale Wahnsinn.

Comedyserie 15.10 The Big Bang Theory.

Drei Monate im Eis/Der Nordpol-Plan/Die Grillenwette/Sex

oder Pralinen. Comedyserie 17.00

taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons.

Luca$/Vorwärts in die Zukunft.Zeichentrickserie

19.05 Galileo

20.15 Kampf der Titanen

Actionfilm, GB/AUS/USA 2010

Mit SamWorthington, Gemma Arterton,

Mads Mikkelsen, Ralph Fiennes, Liam

Neeson, Jason Flemyng u.a.

Regie: Louis Leterrier

22.15 Predators

Sci-Fi-Horror,USA 2010

0.10 Kampf der Titanen

Actionfilm, GB/AUS/USA 2010

2.05 Watch Me –das Kinomagazin

2.20 The Fighters: Beatdown

Actionfilm, USA 2011

15.20 Magische Orte in aller Welt 15.45 (für

HG) Extreme der Tiefsee: EisigeAbgründe

16.40 (für HG) Xenius 17.10 Magische Orte in

aller Welt 17.35 China –Mit Feuereifer Axi sein

18.30 Der unsichtbare Puma 19.20 Arte Journal

19.40 Re: 20.10 Anderswo in Europa

20.15 (für HG) DasWunder vonWörgl. Drama,

A/D 2018 21.45 (für HG) John und Yoko. Dokumentarfilm,

GB 2018 23.15 The Rolling

Stones: Havana Moon 0.20 Arte Journal 0.45

Die Wunde. Drama, SA/D/NL/F 2017 2.10

(für HG) Der UN-Sex-Skandal 3.50 28 Minutes

3Sat

13.20 Neuseeland entdecken 14.05 Der

Rhythmus des Eises 14.50 Island –Weltspitze

15.35 Europas Urwälder 16.15 WinzigeWunder.Die

Wiese des Schreckens /Gottes Lieblinge

/Wenn derWinter kommt 18.30 nano

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Kritisch

reisen 21.00 makro 21.30 auslandsjournal

extra 22.00 (für HG) ZIB 222.25 (für HG) Thirteen

Days. Politthriller, USA 2000 0.40

10vor10 1.10 Schlachthof 1.55 (für HG) Spätschicht

–Die SWR Comedy-Bühne

Phoenix

13.30 phoenix plus. Naturkatastrophen 14.00

phoenix vorort 14.45 phoenix plus. Zoll im Einsatz

15.30 phoenix plus. Fridays for Future

16.00 maybrit illner 17.05 augstein und blome

17.15 Aktuelle Reportage 17.30 phoenix der

tag 18.00 phoenix persönlich 18.30 Chicago–

Überleben auf der Schattenseite 19.15 24

Stunden Shanghai: Am Pulsder Megacity 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 Deutschlands große

Clans 22.30 Kühe für Katar 23.00 phoenix der

tag 0.00 phoenix persönlich 0.30 augstein und

blome 0.45 Deutschlands große Clans

Kika

12.30 The Garfield Show 12.55 (für HG) Das

Green Team 13.20 (für HG) Lassie 13.40 (für

HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein

15.00 H2O –Plötzlich Meerjungfrau 15.45

Sherlock Yack –Der Zoodetektiv 16.25 Mirette

ermittelt 16.50 (für HG) Hexe Lilli 17.35 Die

Abenteuer des jungen Marco Polo –Reise nach

Madagaskar 18.05 Bobby &Bill 18.20 Sam

18.40 Jim Hensons: Doozers 18.50 Sandmann

19.00 Das Dschungelbuch 19.30 Allein

unter Schwestern –Ein turbulenter Sommer im

Hotel Big L. Familienfilm, NL 2017

Dmax

13.15 YukonMen –Überleben in Alaska 14.15

Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel 15.15

Lone Star Law–Die Gesetzeshüter vonTexas

16.15 HighwayPatrol 16.45 HighwayPatrol

17.15 Fast 'N' Loud 18.15 Fast 'N' Loud 19.15

A8 –Abenteuer Autobahn 20.15 Dark Waters mit

Jeremy Wade 21.15 Fish or Die –Angeltrip ins

Ungewisse 22.15 Monsterfische am Haken

23.15 Moonshiners –Die Schwarzbrennervon

Virginia 0.15 Die Monster-Jäger –Bestien auf der

Spur 1.10 Die Schatzsucher vonSnakeIsland

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Donya –Unterwegs

im Westen 9.45 Shift 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 quer 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Hessen-Reporter 20.00 Tagesschau

20.15 Kontraste 20.45 Hessen-Reporter 21.17

Das Schicksalinunseren Genen 22.00 Tagesthemen

22.15 mehr/wert 22.45 Extra 23.00 Tagesthemen

23.15 Euroblick 23.45 Die Tagesschau vor

20 Jahren 0.00 Tagesthemen 0.15 Keine Fahrscheine,

bitte! 0.45 Fakt ist! 1.45 Schätzeder

Welt 2.00 Tagesschau 2.10 Schätzeder Welt 2.25

Thüringen Journal 2.55 Extra

ONE

12.00 Bauerfeind–Die Show zur Frau 12.45 Hustle

–Unehrlich währtamlängsten 13.35 Um HimmelsWillen

14.25 PartyofFive 15.10 PartyofFive

15.55 Dawson's Creek 16.35 Dawson's Creek

17.20 Lindenstraße 17.50 Die Kanzlei 18.40

Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe 20.15

CarolinKebekus: PussyTerror TV 21.00 Ohne

Schnitzel geht esnicht 21.45 Ohne Schnitzel geht

es nicht 22.30 Ohne Schnitzel gehtesnicht 23.15

Ohne Schnitzelgehtesnicht 0.00 Ohne Schnitzel

gehtesnicht 0.45 Ohne Schnitzelgehtesnicht

1.30 BornholmerStraße –Die unglaubliche,aber

wahre Geschichte vonHaraldSchäfer. TV-Drama,

D2014 3.00 ComedyCuisine 3.45 Die Kanzlei

ZDF NEO

5.30 Dicte. Böses Spiel.TV-Kriminalfilm, DK 2014

6.50 DieRettungsflieger 7.35 Topfgeldjäger 8.30

Lafer! Lichter! Lecker! 9.15 Bares fürRares 10.05

Bares fürRares 11.00 kaputt und ... zugenäht!

11.45 Die Rettungsflieger 12.30 Die Rettungsflieger

13.15 Monk 13.55 Monk 14.35 Kommissar

Stolberg 15.35 DieRettungsflieger 16.20 Die Rettungsflieger

17.10 Monk 17.45 Monk 18.30 Bares

fürRares 19.20 Bares für Rares 20.15 Death in

Paradise 21.05 Death in Paradise 22.00 Death in

Paradise 22.50 Silent Witness 23.45 SilentWitness

0.35 Death in Paradise 1.30 Death in Paradise

2.20 Death in Paradise 3.10 Death in Paradise

4.05 NeuimKino 4.10 DeathinParadise

ZDF INFO

12.30 Machtkampf um Venezuela –Ein Land am

Abgrund 13.00 VenedigamLimit –Zwischen

Schönheitund Tourismus 13.30 Das unsichtbare

Venedig–Hinter denFassaden 14.15 Das unsichtbare

Rom–GeheimnisvolleUnterwelt 15.00 Geheimnisvolle

Unterwelt 15.45 ZDF-History 16.30

Berlin, Berlin 17.15 (für HG) DeutschlandsSupergrabungen

18.45 SchicknachPlan 19.30 Leben

im geteiltenDeutschland 20.15 ZDF-History 21.45

Fernsehen in derDDR 22.30 Die siebenGeheimnisse

derNVA 23.15 (für HG) Leben im geteilten

Deutschland 0.00 Reklame fürs Volk 0.45 (für HG)

heute-journal 1.15 Kampfumdie Wahrheit –Der

mysteriöse Toddes Jeremiah Duggan

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Der Musikchef des Sonnenkönigs –

Jean-Baptiste Lully.InVersailles haben die

Musiker vor ihm gezittert: Jean-Baptiste Lully,

der „Surintendant de la musique royale” und

engste Vertraute König Ludwigs XIV., war bekannt

für seinen autoritären Umgang,seine

Rücksichtslosigkeit und seine kompromisslose

Probenarbeit., ca. 46 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kissinger Sommer 2019 Mit Werken von

W.A. Mozart,, ca. 117 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (33/34). Es

liest Iris Berben, ca. 30 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (33/34),

ca. 31 Minuten

0.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Verbrecher aus verlorener Ehre –eine

wahre Geschichte” Mit Peter Lieck. Regie:

Friedrich Schiller, ca. 55 Minuten

MAGAZIN

18.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Wortwechsel Fast Fashion um jeden Preis? –

Die Ökobilanz der Textilindustrie., ca. 55 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Die schießendenTanten vom

Schwarzen Meer.Ein Portrait der türkischen

Schwestern Egü und Ere., ca. 50 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Musikfeuilleton Im hermetischen Raum.Überlegungen

zu Boulez und Mallarmé., ca. 57 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Lange Nacht „Ein kleines Ja und ein großes

Nein”. Eine Lange Nacht über George Grosz.

Von Berit Hempel, ca. 175 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Jamie Cullum., ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

On stage „Archivo Pittoresco”. Die portugiesische

Sängerin und Gitarristin Lula Pena., ca. 55 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

„Woodstock-Dosse” UdK Studentenprojekt.

Minser,ca. 56 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lied- und Folk-Geschichte(n) Mediterrane

Rebellen.Das zyprische Trio Monsieur Doumani.

Von Grit Friedrich, ca.45Minuten

1.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Deutschlandfunk Radionacht Lied &Chanson.

Zu Gast: Götz Rausch, ca.235 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 153 · F reitag, 5. Juli 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Wolfgang Bosbach vonder CDU lebt

qua seiner Parteizugehörigkeit ganz

konservativeWerte.Damuss auch

die Brut dann durch. Wenn eine der

Töchter mit einer neuen Liebe nach

Hause kommt, so schaut der Herr

Papa (67) durchaus auch aufs Parteibuch

des eventuellen Schwiegersohns.„Generell

hat es ein Mann

zwar nicht schwer bei ihm –wenn er

aber Sozialdemokrat ist, hat er die

ein oder andereHürde zu überwinden“,

so Tochter Caroline Bosbach

(29) im Magazin für Eheangelegenheiten,

Gala. Seit einem Jahr ist sie

mit einem SPD-Politiker zusammen,

den Papa Bosbach beim ersten Besuch

anwies,imGarten zu bleiben.

Humor hat er ja, der Mann vonder

CDU.

Alek Sigley hat wohl allen Grund zur

Freude.Der in Nordkorea inhaftierte

Student aus Australien ist wieder frei.

Der29-Jährige sei „sicher und wohlauf“,

sagte Australiens Regierungschef

Scott Morrison am Donnerstag.

Sigley ist einer vonwenigen westlichen

Studenten in Pjöngjang. Sein

Verschwinden war voreiner Woche

bekannt geworden. In der Vergangenheit

gab es bereits ähnliche Fälle

vonFestnahmen westlicher Studenten:

2016 wurde etwa der US-Student

Otto Warmbier festgenommen.

In nordkoreanischer Haft fiel er unter

ungeklärten Umständen ins

Koma und starb im Juni 2017 kurz

nach seiner Heimkehr in die USA.

JoeyKelly stimmt uns froh mit seinen

Roadtrip-Plänen: Weit wegsoll

es gehen, nämlich ins Reich der

Mitte.Der Musiker und Extremsportler

will mit seinem Sohn von

Berlin nach Peking reisen und zwar

in einem 50 Jahrealten VW-Bus.„Wir

starten ohne Geld und ohne Essen.

Dasheißt, dass wir uns alles erarbeiten

oder erbetteln müssen“, so der

offenbar voneinem Leben im Wohlstand

gelangweilte Mann. Unter anderem

soll das Geld mit

dem Verkauf alter Fanartikel

seiner Band The

Kelly Family verdient

werden.

Nun, ein Mittagessen

wirdwohl

rausspringen

aus dem Erlös der

Kelly-Family-Devotionalien.

(mpw./dpa/AFP)

Will armsein und auf

Reisen gehen: JoeyKelly

wird ohne Kohle nach

China fahren. IMAGO

TIERE

Das ist Mariam und die kleine Tierkastenredaktion

ist verliebt! AFP

Das ist ein Dugong,eine Seekuh namens

Mariam. Dasseltene Tier

strandete in Thailand und wurde

vomMeeresbiologiezentrum in Phuket

aufgenommen. Mariam ermutige

die Menschen zum Umweltschutz,

sagte ein Mitarbeiter des

Zentrums.Aufgrund des regen Interesses

kündigte die Abteilung für

Meeres- und Küstenressourcen einen

Livestream an, auf dem die Fans

das Dugongbabyrund um die Uhr

verfolgen können. (mpw.)

Der Central Park,New Yorksgrüne Lunge. Im Hintergrund die sogenannten Supertalls, eine neue Generation von Wolkenkratzern.

Im frostigen Schattender Macht

Die New Yorker sind erzürnt: In der Stadt am Hudson etabliert sich eine neue Form des Superreichtums

VonSebastian Moll, New York

Die Sheep Meadow, die

große Liegewiese im Süden

des Central Park, ist

in den ersten warmen

Sommertagen des Jahres stets ein

beliebtes Ziel der nach langen Wintermonaten

nach Licht dürstenden

NewYorker. Nirgendwo lässt es sich

angenehmer ein paar Kleidungsstücke

abwerfen, alle vierevon sich strecken

und lebensspende Strahlen in

das Gemüt dringen lassen.

Lange Nadeln

Seit ein paar Jahren wirdder Genuss

jedoch von einer neuen Phalanx an

HochhäusernamSüdrand des Parks

getrübt. Dort, entlang

der 57th Street, ist eine

ganzeReihe vonSuperwolkenkratzern

indie Höhe geschossen,

deren lange Schatten am Nachmittag

beinahe die Hälfte des Parks mit

frostigen Streifen überziehen.

Regelmäßige Parkbesucher, wie

der JournalistWarren St.John, haben

gegen die Türme, die so hoch sind,

dass sie aus der Midtown Skyline herausstechen

wie lange Stricknadeln,

Protest eingelegt. Hier würden, so

die Klage, die Interessen von Millionen

von Parkbenutzern dem

Wunsch einer Handvoll Superreicher

untergeordnet, sich für viel

Geld die besten Aussichten der Stadt

zu sichern.

DieKlage ist durchaus gerechtfertigt.

Das Penthouse des Central Park

Tower, der mit 472 Metern das nunmehr

höchste Wohnhaus der westlichen

Hemisphäre darstellt, wurde

noch vorder Fertigstellung des Baus

für 238 Millionen Dollar verkauft.

Die oberste Wohnung der benachbarten

Nummer 432 Park Avenue auf

396 Metern ging für 95 Millionen

über den Tisch.

Derartige Preise gehen selbst als

reine Kapitalanlage über das Sinnvolle

weit hinaus. Der Londoner

Guardian spricht deshalb von sogenannten

Trophäen-Immobilien.

Beim Erwerb solcher Behausungen

geht es nur um eines –das nackte

Prestige.

Das gilt bis zu einem gewissen

Grad auch für die Domizile, die etwas

weiter unten in den neuen „Supertalls“

liegen. Sich dort einzukaufen

ist zu einem Sport der globalen

Klasse der Vermögenden geworden.

DerGuardian spricht von250 000 Individuen,

die im Besitz von mindestens

30 Millionen Dollar sind und

New York ist nach wie vor einer der

bevorzugten Orte der Welt für diese

Menschen, um ihren Besitz zu parken.

Die Stadt am Hudson zieht die

Anlegerklasse als Ort für Immobilieninvestitionen

freilich nicht erst

seit der Ära der „Supertalls“ an. Die

Mischung aus einem scheinbar ewig

wachsenden Markt und einem gesetzlichen

Rahmen, der ein Maximum

an Diskretion garantiert, ist

1km

NEW

JERSEY

Hudson

River

57th street

NEW YORK

MANHATTAN

seit Jahrzehnten ein Magnet für all

jene, die größere Beträge werthaltig

aufbewahren wollen, ohne dabei

viele Fragen beantworten zu müssen.

Die fortgesetzte Volatilität der

Finanzmärkte seit der Krise von2008

hat diese Hausse für Manhattaner

Wohnraum nur noch verstärkt.

Dabei waren die „Supertalls“ eine

willkommene Erfindung, um noch

mehr Profit aus den bodenlosen Taschen

dieser Klientel zu extrahieren.

Ausblicke, die es so bislang noch nie

gegeben hat, würden sich auf einem

derart grenzenlosen Markt zweifelsohne

satt kapitalisieren lassen. Die

neue Technik der superschlanken

Türme, inNah- und Fernost in den

vergangenen Jahren hinreichend erprobt,

spielte den Entwicklerndabei

in die Hände: Die Verwandlung der

New Yorker Skyline in einen Nadelwald

aus Wolkenkratzern erschien

plötzlich sowohl mach-, als auch finanzierbar.

„Wir sehen einen Zusammenfluss

von Ingenieurskunst,

juristischen Schlupflöchern und einer

noch die dagewesenen Konzentration

von Reichtum“, schreibt der

Londoner Guardian.

Das alles stößt den New Yorkern

nicht nur wegen der Schatten über

dem Central Park sauer auf. Die

Türme verändernsowohl die Skyline

als auch die Stadtviertel, in denen sie

stehen. Sie schaffen hermetisch abgeschirmte

Burgen für eine globale

High Society, die ihre Trophäen-

Central

Park

Sheep Meadow

BROOKLYN

USA

BLZ/HECHER

Penthouses vielleicht ein paar Wochen

pro Jahr besuchen und sie ansonsten

leer stehen lassen.

Nach Auskunft der New York

Times gehören zu den Käufern

Hedge-Fonds-Manager aus dem Inund

Ausland, russische Oligarchen,

chinesische Bekleidungs- und Fluglinien-Unternehmer

und immer häufiger

auch anonyme Käufer, die sich

hinter Scheinfirmen verstecken.

Die57th Street,die nun „Billionaires

Row“ genannt wird, hat sich seit

der Bauder neuen Hochhäuser komplett

verändert. Der jahrzehntealte

Showroom des Klavierherstellers

Steinway ist ebenso verschwunden

wie die weltberühmte Kunstbuchhandlung

Rizzoli. Das einzige Kino

der Stadt, in dem Filme auf Hindi gezeigt

wurden, musste genauso weichen

wie ein eklektischer Mix aus

Restaurants,Läden undGalerien.

Am meisten ärgern sich die New

Yorker jedoch darüber,dasssie bei all

diesen Veränderungen nicht gefragt

wurden. „Das erste Mal, dass die

meisten von uns von diesen Türmen

gehörthaben“, sagt Tara Kelly vonder

Municipal Arts Society, einer unabhängigen

Stiftung, die sich um Städteplanung

und Konservierung kümmert,

„war, als sie sich schon im Bau

befanden.“

Luftrechte übertragen

IMAGO IMAGES

Das empört die Bürger vor allem

auch, weil die Entwickler hinter den

Kulissen bereits seit Jahren ihre Projekte

vorbereitet hatten. So begann

etwa die Firma Extell, Bauherrn des

gerade fertiggestellten „One 57“-

Turmsander Seventh Avenue,schon

2005 Grundstücke in der Nachbarschaft

aufzukaufen sowie sich von

niedrig bauenden Nachbarndie Luftrechte

übertragen zu lassen. Nur so

konnte die Genehmigung für den 306

Meter hohen, „Streichholz“ genannten,

Baugesichertworden.

Das war jedoch nicht der einzige

Trick, mit dem die Bauherrn sichdas

Recht sicherten, ihre Penthouses in

die Wolken zu setzen. Um zusätzliche

Etagen zu schinden, bauten viele der

Architekten unbewohnte „technische“

Etagen ein, die wegen einer Gesetzeslücke

nicht zur Gesamthöhe

angerechnet werden. Zum Teil sind

diese Stockwerke bis zu zehn Meter

hoch –dreimal so hoch wie dieWohngeschosse.Alle

diese Manöver waren

freilich teuer.Und so ist der Verkaufsdruck

auf die Entwickler enorm. Um

profitabel zu sein muss „One 57“ geschätzte

vier Milliarden einspielen.

Bislang sind die Verkäufe angesichts

der entsprechend hohen

Preise zwischen zwei und 95 Millionen

Dollar eher schleppend. Die

Penthouses gehen als Trophäen zwar

schnell vom Markt, der Rest von

„One 57“ steht bislang jedoch laut

der New York Post noch zu rund 40

Prozent leer.Dazu trägt nicht zuletzt

das plötzliche Überangebot an Super-Luxus-Wohnungen

in der Gegend

bei. So droht den „Supertalls“

im schlimmsten Fall ein trauriges

Schicksal. Statt als Monumente eines

goldenen Zeitalters über der Skyline

vonManhattan zu thronen, könnten

sie zu Ruinen einer einmaligen Hybrisverkommen.

Sebastian Moll

betrachtet die Entwicklung

Manhattans mit Argwohn.

Lügde:

Weiterer

Verdächtiger

57-Jähriger im Visier

der Polizei

ImFall des massenhaften und jahrelangen

Missbrauchs von Kindern

inLügde gibt es einen neuen

Beschuldigten. Der 57 Jahre alte

Mann aus Steinheim bei Höxter sei

durch eine Vernehmung eines minderjährigen

Opfers in den Fokus der

Ermittlungskommission „Eichwald“

geraten, teilten Polizei Bielefeld und

Staatsanwaltschaft Detmold am

Donnerstag mit. Gegen ihn sei ein

Verfahren wegen schweren sexuellen

Missbrauchs eingeleitet worden.

Er sei nicht festgenommen worden

und befinde sich auf freiem Fuß, berichtete

die Polizei weiter. Ein Haftbefehl

sei nicht beantragt worden.

Die Ermittler hatten am Mittwoch

die Parzelle des Mannes auf dem Campingplatz

in Lügde an der Grenzevon

Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen

durchsucht, um Beweismittel zu

finden. Ermittler setzten die Durchsuchung

am Donnerstag fort. Zu sehen

war, wie Gegenstände von dem Gelände

getragen wurden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister

Herbert Reul (CDU) sagte,

dass auch die Wohnung des Verdächtigen

in Steinheim durchsucht

wurde. Das minderjährige Opfer,

durch das die Ermittler auf den 57-

Jährigen gekommen waren, gehöre

zu den Kindern, die bisher noch

nicht befragt worden seien, sagte

Reul.Das Kind sei erstmals am Mittwoch

befragt worden. Dabei habe es

einen Hinweis auf den 57-Jährigen

gegeben. Unmittelbar darauf hätten

Kriminaltechniker auf dem Campingplatz

in Lügde am Donnerstag DPA/GUIDO KIRCHNER

die Durchsuchungen der Parzelle

und der Wohnung begonnen.

Nach Informationen von NDR,

WDR und Süddeutscher Zeitung soll

der neue Beschuldigte gut mit Mario

S. befreundet gewesen sein, einem

der beiden Angeklagten im Missbrauchsprozess.

Demnach teilten

sich die beiden Männer von2010 bis

2015 fünf Jahrelang dieselbe Parzelle

auf dem Campingplatz. Auch sollen

beide bis heute unter der gleichen

Adresse inSteinheim gemeldet sein.

Die Polizei Bielefeld wollte sich zu

dem Berichtnicht äußern. Auch Reul

konnte diese Informationen zunächst

nicht bestätigen. Er wies jedoch

darauf hin, dass der 57-Jährige

im Verlauf der Ermittlungen wie andere

Parzellenbesitzer auch schon

einmal befragt worden sei. Damals

hätten sich keine Hinweise ergeben,

die eine Durchsuchung der Parzelle

notwendig gemacht hätten.

Wieweiter berichtet wurde,hatte

es gegen den nun neu Beschuldigten

bereits im Sommer 2018 eine Anzeige

gegeben. Eine damals 15-Jährige

soll ihn beschuldigt haben, sie

nach einer Feier auf dem Campingplatz

vergewaltigt zu haben. Die

Staatsanwaltschaft Detmold hatte

die Ermittlungen dem Bericht zufolge

allerdings aus Mangel an Beweisen

eingestellt. Der Strafprozess

um den hundertfachen sexuellen

Missbrauch von Kindern auf dem

Campingplatz ging unterdessen am

Donnerstag vor dem Landgericht

Detmold weiter. (BLZ/dpa)

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