Berliner Zeitung 21.10.2019

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Die unendliche Geschichte: Boris Johnson und der Brexit – Tagesthema Seite 2

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Berliner Menschenkette

gegen Antisemitismus

Berlin Seite 11

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ErwardieandereSPD:Zum

Todvon Erhard Eppler

Politik Seite 4

Montag,21. Oktober 2019 Nr.244 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Nach Ärger: Pechstein

trainiert jetzt in Polen

Sport Seite 18

Marius Bülter

Er will

doch nur

spielen

VonPatrick Berger

Ein geborener Redner ist Marius

Bülter nicht. Wenn der 26 Jahre

alte Fußballprofi des 1. FC Union

nach Spielen vor die Kamera tritt,

fühlt er sich nicht unbedingt wohl.

Sein Blick wandert dann meist am

Gesprächspartner vorbei in eine

Ecke. Seine Sätze wirken zuweilen

holprig, aber dafür erfrischend echt.

Keine künstlich-geschliffenen Phrasen,

was auch

daran liegt, dass

Bülter bis vor 16

Monaten noch

in der vierten

Liga beim SV Rödinghausen

kickte, wo das

mediale Auf-

Marius Bülter kommen dann

traf nach 56 Sekunden

für die Eisernen.

doch überschaubarer

ist als in

der Hauptstadt.

Marius Bülter spricht eben lieber

auf dem Platz. Und das ist auch gut

so.Der wuchtige Athlet brachte seine

Mannschaft mit einem strammen

Fernschuss in den rechten Winkel

auf die Siegerstraße. Nicht einmal

eine Minute war da gespielt. Das

Match gegen den SC Freiburgendete

schlussendlich 2:0. Es war der zweite

Bundesliga-Sieg für die Köpenicker.

Und wieder hatte jener Marius Bülter

einen nicht unerheblichen Anteil.

Schon beim 3:1-Sieg gegen Borussia

Dortmund vor anderthalb Monaten

traf der Blondschopf doppelt.

Wie ersich denn jetzt so fühlt als

Supertorschütze des FCU, wurde

Bülter nach dem Spiel gefragt. Er

grinste nur verlegen und sagte: „Ich

bin kein Supertorschützenkönig.“

Und überhaupt: Darüber mache er

sich keine Gedanken, er wolle einfach

nur Fußball spielen. Das merkt

man dem gebürtigen Westfalen, der

frei und unbeschwert aufdribbelt,

wirklich an. Nicht wenige der 22 012

Zuschauer an der Alten Försterei

fragten sich, wieso die Qualitäten

des offensivstarken Linksaußen so

lange unentdeckt blieben. Als studierender

(Maschinenbau) Amateurkicker

wechselte Bülter im Sommer

2018 in die 2. Liga nach Magdeburg,

wo er sich mit vier Toren und

vier Vorlagen in 32 Spielen auf den

Notizzettel von Oliver Ruhnert

spielte. Neben dem eisernen Sportdirektor

fanden auch die Macher

weiterer Bundesligisten Gefallen an

Bülter. Ironie der Geschichte: Vorallem

der SC Freiburg, den Bülter nun

abgeschossen hat, warb um die

Dienste des Regionalliga-Torschützenkönigs

von 2017/2018. Die Eisernen

überzeugten den Spieler aber

mit der Aussicht auf viele Einsätzeim

Oberhaus. „Ich fand immer, dass er

etwas hat“, sagte Trainer UrsFischer.

„Zum Glück war ich nicht der Einzige

bei uns,der das so gesehen hat.“

Undsolebt Marius Bülter,der von

Magdeburg zunächst für ein Jahr

ausgeliehen ist (Union sicherte sich

eine Kaufoption) in Köpenick seinen

Kindheitstraum von der Bundesliga.

„Es wärewunderbar“, sagt er,„wenn

es so weitergeht.“

Feuer mit Folgen

Der Brand eines Sonderzuges im Berliner Bahnhof Bellevue

führte am Wochenende zu großen Behinderungen bei

der S-Bahn und im Fernverkehr. Berlin Seite 9

Die gespaltene Stadt

Der Mietendeckel polarisiert: Opposition und Wirtschaft verurteilen den Gesetzesentwurf –die SPD keilt zurück

VonMelanie Reinsch und Elmar Schütze

Ein „Deckelkompro-Mist“

oder doch ein „Konjunkturprogramm“?

Nach der Einigung

der rot-rot-grünen Koalition

auf einen Mietendeckel geht

der Streit um den so massiven wie ungewöhnlichen

Eingriff in den Mietenmarkt

ungebremst weiter.

Am Freitagabend hatte Rot-Rot-

Grün nach wochenlanger auch öffentlich

geführter interner Auseinandersetzung

einen Gesetzesentwurf

beschlossen, in dem die Mieten in

rund 1,5 Millionen Wohnungen für

fünf Jahreeingefroren werden. Daneben

sind Obergrenzen bei Neuvermietungen

abhängig von Baujahr

und Ausstattung derWohnung vorgesehen.

Außerdem soll eine Absenkung

von Wuchermieten möglich

sein –wenn die Bestandsmiete um

mehr als 20 Prozent über den Vergleichsmieten

liegt. Als Orientierung

soll der Mietspiegel von2013 dienen.

Gerichte müssen entscheiden

Die Opposition und Wirtschaftsverbände

kritisieren das Vorhaben, das

seit Monaten debattiert wird, scharf.

Sowohl CDU als auch FDP im Abgeordnetenhaus

haben bereits angekündigt,

gegen das Gesetz, das noch

im Parlament beraten werden muss,

zu klagen. DasBundesverfassungsgericht

muss dann entscheiden, ob es

rechtlich Bestand hat.

In den Stunden und Tagen nach

Bekanntwerden des Kompromisses

ließ die parlamentarische Opposition

wie erwartet kein gutes Haar am

Entwurf. DieCDU sprach voneinem

„Deckelkompro-Mist“. Fraktionschef

BurkardDregger warfder Koalition

Populismus vor. „Sie weckt unerfüllbare

Erwartungen und wird

Enttäuschung und Politikverdrossenheit

ernten. Das angebliche Mietendeckelgesetz

wird vor dem Verfassungsgericht

keinen Bestand haben“,

sagte Dregger. FDP-Fraktionschef

Sebastian Czaja spricht von

einem Gesetz, „das unserer Stadt

nichts bringt, aber umso mehr schadet“.

Tausenden privatenVermietern

drohten drastische Verluste.

Auch die Wirtschaft läuft Sturm.

Für Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer

der Unternehmensverbände

Berlin-Brandenburg(UVB), ist

es „mehr als zweifelhaft, ob damit

wohnungspolitisch irgendetwas erreicht

wird“. Wieunter solchen „Umständen

das vorrangige Ziel, jährlich

mindestens 20 000 neue Wohnungen

zu bauen, erreicht werden soll, istvöllig

schleierhaft“.

In den Augen vonJürgen Michael

Schick, dem Präsidenten des Immobilienverbandes

IVD,kehrt derSenat

schlicht „zurück zur sozialistischen

Wohnungspolitik“. Etwas differenzierter

sieht Beatrice Kramm, Präsidentin

der Industrie- und Handelskammer

(IHK), den Kompromiss.

Immerhin habe sich die Koalition

von den schwerwiegendsten planwirtschaftlichen

Eingriffen verabschiedet.

„Das ist allerdings das einzig

Positive, was sich dazu sagen

lässt“, sagt Kramm. „Der Mietende-

„Interessant ist vor allem, wie sich

Wirtschaftssenatorin Pop zur Notarin eines

perfiden Plans zur Einführung

der Planwirtschaft macht.“

Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef und Wahlkämpfer,

über die Rolle der Grünen-Wirtschaftssenatorin

ckel ist in der jetzigen Form vielleicht

weniger schlimm, aber sicher nicht

gut.“

Völlig konträr fällt, wie erwartet,

die Einschätzung von Reiner Wild

aus.Der Geschäftsführer des Berliner

Mietervereins mit seinen knapp

180 000 Mitgliedern sieht im Deckel

„eine historisch einmalige Chance für

ein besseres Mietensystem“.

Auch SPD-Fraktionschef Raed Saleh

verteidigte den Gesetzesentwurf

am Sonntag erneut vehement. „Der

Mietendeckel schadet der Konjunktur

nicht, wie Wirtschaftsverbände

oder die Opposition behaupten, er

kurbelt sie an“, sagte Saleh der Deutschen

Presse-Agentur. „Jeder Euro,

mit dem wir die Berliner entlasten,

kommt der Stadt zugute“, argumentierte

er.„Werpro Monat 100 Euro bei

der Miete spart, hat im Jahr 1200

Euro netto mehr in der Tasche. Und

wenn Menschen mehr Geld zur Verfügung

haben, ist das gut für dieWirtschaft

und die Konjunktur.“

Ob die Einigung auf einen Kompromiss

die zuletzt in Aufruhr befindliche

rot-rot-grüne Koalition befriedet,

werden dienächstenWochen zeigen.

Erste Anzeichen dafür gibt es.

Saleh greift an

So hatte vor allem die CDU immer

wieder versucht, einen Keil in die

rot-rot-grüne Koalition zu treiben.

Vorerst vergebens.Entsprechend vehement

greift der Berliner CDU-

Bundestagsabgeordnete Jan-Marco

Luczak die SPD an.„Die Einigung hat

die Koalition in letzter Sekunde vor

dem Aus gerettet“, sagte Luczak.

„Die SPD ist auf ganzer Linie eingeknickt

und hat so den Koalitionsfrieden

gewahrt–zum Schaden unserer

Stadt.“

Die SPD keilt zurück. Fraktionschef

Saleh kritisierte namentlich

CDU-Landeschef Kai Wegner.

„Wenn Wegner von einem schwarzenTag

für den Berliner Wohnungsmarkt

spricht, dann ist das eine Verhöhnung

der Mieter in dieser Stadt.“

Auch die Ankündigung der CDU, mit

rechtlichen Mitteln gegen den Mietendeckel

vorzugehen, verurteilte

Saleh. „Sollte das eintreten, disqualifiziert

sich die CDU, langfristig eine

politische Rolle in Berlin zu spielen,

und macht sich zum Handlanger der

Immobilienwirtschaft“, sagte Saleh.

Kommentar Seite 8

ERIC RICHARD

Flugausfälle

in Tegel

wegen Streik

Ausstand der Flugbegleiter

trifft Berliner Airport

Wegen des Warnstreiks der Kabinengewerkschaft

Ufo sind

am Sonntag auch am Flughafen

Berlin-Tegel mehrere Flugzeuge am

Boden geblieben. „22 Flüge der Airline

Eurowings sind ausgefallen“,

sagte eine Sprecherin der Berliner

Flughäfen am Sonntagmittag.

Überwiegend von Berlin aus startende

Maschinen seien betroffen

gewesen, hieß es weiter. AmSonntagmorgen

hatte der angekündigte

Warnstreik der Kabinengewerkschaft

Ufobegonnen.

Gestrichen waren innerdeutsche

Flüge zum Beispiel nach München

oder Stuttgart. Auch Auslandsflüge

mit den Zielen Kos oder Palma de

Mallorca fielen aus.WeitereFlugausfälle

seien im Tagesverlauf möglich,

aber derzeit nicht absehbar, hieß es

weiter.

Ein Chaos am Flughafen Berlin-

Tegel blieb nach Angaben der Sprecherin

allerdings aus. Der Flughafen

Berlin-Schönefeld sei vondenWarnstreiks

nicht betroffen.

DieKabinengewerkschaft Ufohat

den Warnstreik der Flugbegleiter der

Lufthansa-Töchter Eurowings, Germanwings,

Lufthansa Cityline und

Sunexpress an mehreren deutschen

Flughäfen von ursprünglich 5bis 11

Uhr bis um Mitternacht verlängert.

Insgesamt kam es in Deutschland

bei den verschiedenen Gesellschaften

des Lufthansa-Konzerns zu rund

100 Flugausfällen.

Ufo kündigte an, am Montag die

Warnstreiks in ihren jeweiligen Tarifkommissionen

auszuwerten und

über weitere Maßnahmen zu beraten.

Die Gewerkschaft hat für jede

der fünf Fluggesellschaften Forderungen

aufgestellt, die vom Lufthansa-Konzernteilweise

bereits freiwillig

geleistet werden. So zahlt Lufthansa

freiwillig 2,0 Prozent mehr Gehalt,

obwohl Ufo im aktuellen

Arbeitskampf nur 1,8 Prozent geforderthat.

Zum Abschluss von förmlichen

Tarifverträgen mit der Ufo ist Lufthansa

aber weiterhin nicht bereit. Sie

erkennt den Ufo-Vorstand nach erheblichen

Führungsquerelen nicht

mehr als vertretungsberechtigt an

und will der Gewerkschaft vorGericht

die Fähigkeit absprechen lassen, Tarifverträge

rechtsgültig abzuschließen.

(dpa) Wirtschaft Seite 7

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2* Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Tagesthema

Noch vorwenigenWochen

bekräftigte der britische

Premierminister in typisch

exzentrischer

Johnson-Manier, erwürde lieber tot

im Graben liegen, als in Brüssel um

eine Verlängerung der Scheidungsfrist

zu bitten. Am gestrigen Sonntag,

so darfandieser Stelle eingefügt werden,

weilte Boris Johnson quicklebendig

in der Downing Street Nummer

zehn. Einen Aufschub des Brexit-Termins

hat er dennoch – wie

vom Gesetz verlangt – am Sonnabendabend

beantragt. Ausgerechnet,

hatte er den frustrierten Brexit-

Wählern doch stets versichert, diesen

Wegkeineswegs einschlagen zu

wollen. In dem Versuch, sich vonder

Anfrage zu distanzieren, schickte die

Regierung gleich drei Briefe an EU-

Ratspräsident Donald Tusk. Unter

dem ersten, der komplett in Anführungszeichen

gehalten ist, fehlen sowohl

die Unterschrift sowie der

Name des Premiers.Imzweiten Brief

an „Dear Donald“ bezeichnete Johnson

einen Aufschub als Fehler. Eine

weitereVerlängerung würde „die Interessen

des Königreichs und unserer

EU-Partner und die Beziehung

zwischen uns beschädigen“, so der

Regierungschef, der dieses Malauch

handschriftlich unterzeichnet hat.

Um nicht in Schwierigkeiten mit

dem Gesetz zu geraten und mögliche

Missverständnisse auszuräumen,

verfasste dann noch der britische

EU-Botschafter Tim Barrow einen

Begleitbrief, in dem klargestellt wird,

dass das erste Schreiben nur abgeschickt

worden sei, um sich an die

Gesetzesvorgaben zu halten. „Johnson

verhält sich ein bisschen wie ein

verzogener Rotzbengel“, schimpfte

der Finanzminister im Schattenkabinett

der oppositionellen Labour-

Partei, John McDonnell, über das auf

„Lettergate“ getaufte Brief-Chaos.

Die britische Regierung war zu

dem Schritt gezwungen worden,

nachdem Johnson am Sonnabend

eine Niederlage im Unterhaus einstecken

musste. Dabei sollte der sogenannte

Supersamstag eigentlich

BREXIT

Der britische Premier bittet widerwillig um Aufschub

des Brexit-Termins –die

EU-Vizepräsidentin nennt ihn kindisch.

Johnsons Brief-Feindschaft

VonKatrin Pribyl, London

In der Oktobersonne bauschen sich EU-Fahne und der britische Union Jack vor dem Parlament in London.

Die Aufschubs-Bitte, mit demonstrativer Leerstelle dort, wo

eigentlich die Unterschrift hingehörte.

10 DOWNING STREET

in die Geschichte des Königreichs

eingehen –und Johnson gleich mit

als jener Premier, der endlich den

zwischen London und Brüssel ausgehandelten

Deal durch das Parlament

und damit den EU-Austritt

über die Ziellinie bringt. Am Ende

aber entwickelte sich der als historisch

angekündigte Tagzueiner weiteren

Schleife in der endlos scheinenden

Brexit-Saga. Zur Abstimmung

über das Abkommen kam es

nie. Stattdessen vertagten die Parlamentarier

die Entscheidung, indem

sie für einen Änderungsantrag

stimmten, der besagt, dass das Parlament

JohnsonsVertragerst endgültig

grünes Licht gibt, wenn das gesamte

für den EU-Austritt nötige Gesetzespaket

verabschiedet ist. Der konservative

Abgeordnete Oliver Letwin

hatte die Initiativeeingebracht –und

wurde deshalb im Anschluss vonder

europaskeptischen Presse an den

Pranger gestellt. Es handele sich um

einen „Akt von Sabotage“, wie Letwin

die Kontrolle übernommen und

Johnson „seinen Supersamstag verweigert“

habe, kritisierte etwa die

Zeitung Telegraph. Dabei unterstützt

der Tory-Politiker das Abkommen,

will bei der wahrscheinlichen Abstimmung

am Dienstag dafür votieren.

Antrieb für seine Intervention

war die Sorge, dass das Gesetz noch

scheitern und am 31. Oktober doch

ein ungeordneter Brexit ohne Deal

drohen könnte.Umdas Vertrauenin

AFP

die Regierung, selbst in den eigenen

konservativen Reihen, steht es offenbar

nicht allzu gut dieser Tage. Der

Antrag ging 322 zu 306 durch.

Werden die übrigen 27 EU-Mitgliedstaaten

einer Verschiebung des

Austrittstermins zustimmen? Und

wenn ja, bis wann? Offenbar will man

sich auf dem Kontinent mit einer Antworterst

einmal Zeit lassen. EU-Ratspräsident

Tusk werde die übrigen 27

Mitgliedstaaten „in den nächsten Tagen“

konsultieren, sagte der Brexit-

Chefunterhändler Michel Barnier am

Sonntag nach einem Treffen mit den

EU-Botschaftern. Die Hoffnung

dürfte bestehen, dass das Unterhaus

dieser Tage doch noch den Deal billigen

könnte.Damit wäreeine Fristverlängerung

nicht notwendig. Falls das

Europaparlament den Kompromiss

ebenfalls rechtzeitig absegnet,

könnte das Königreich tatsächlich an

Halloween ausder EU scheiden.Sollten

die britischen Abgeordneten das

Abkommen jedoch ablehnen –und

bislang wagen Beobachter keine Prognosen

angesichts des zerstrittenen

Parlaments und des vermuteten

knappen Ergebnisses –müssten die

Staats- und Regierungschefs einstimmig

beschließen, ob und für wie lange

der Brexit aufgeschoben wird. Einigen

sich dieEU27 aufden 31. Januar?

Während die Europaskeptiker, sowohl

im britischen Parlament als

auch in der tief gespaltenen Bevölkerung,

das verhindern wollen, hoffen

die Pro-Europäer,dass mit mehr Zeit

ein zweites Referendum in Reichweite

rückt.

Während die Abgeordneten drinnen

im ehrwürdigen Westminster-

Palast debattierten, strömten deshalb

am Sonnabend Hunderttausende

Menschen auf die Straßen Londons.

Sie trommelten und tanzten, forderten

lautstark„Stop Brexit“ und pfiffen

in Richtung der alten Gemäuer des

Parlaments. „Wir haben das Gefühl,

dies ist die letzte Chance, unsere

Stimmen hörbar zu machen“, sagte

eine 25-Jährige, die mit ihrem spanischen

Freund gekommen war. „Es

steht so viel auf dem Spiel.“

Die Vizepräsidentin des Europäischen

Parlaments, Katarina

Barley (SPD) lehnt weitereVerhandlungen

zum Brexit zwischen Brüssel

und dem britischen Premier Boris

Johnson ab. Dessen Festhalten am

31. Oktober findet sie „kindisch“.

Frau Barley,welches Wort kommt Ihnen

in den Kopf, wenn Sie an die

letzte Volte im Brexit-Drama denken?

Tragödie. Das ist eine Tragödie.

Viele Abgeordnete im Unterhaus

sind zutiefst misstrauisch. Das geht

quer durch alle Fraktionen. Sie

trauen Boris Johnson zu, dass er nur

so tut, als wolle er einen geregelten

Austritt des Landes aus der EU, in

Wirklichkeit aber weiterhin einen

No-Deal-Brexit anstrebt.

Istder letzte Woche geschlossene Deal

gut für Großbritannien und die EU?

Beide Seiten haben noch einmal

schmerzhafte Konzessionen gemacht,

gerade bei der Frage der

Grenz- und Zollkontrollen zwischen

Nordirland und der Republik Irland.

Für die EU ist nun nicht mehr hundertprozentig

gesichert, dass es dauerhaft

bei der nun verhandelten Regelung

zur Vermeidung einer harten

Grenze auf der irischen Insel bleibt.

Schließlich darf das nordirische Parlament

alle vier Jahre darüber entscheiden.

Wir wissen auch noch

nicht im Detail, wie die Einhaltung

der Zollregelungen überwacht werden

soll. Ichhabe noch viele Fragen.

Boris Johnson hat bei der EU einen

Antrag auf Verlängerung des Austrittstermins

gestellt. Was halten Sie

davon, dass er das Schreiben nicht

unterzeichnet und sogar vor einer

Verlängerung gewarnt hat?

„Das ist doch Kinderkram“

Johnson verhält sich kindisch. Er

will offenbar den Brexit am 31. Oktober

erzwingen. Das ist doch Kinderkram

angesichts dieses historischen

Umbruchs, den sowohl Großbritannien

als auch die EU gerade

mit dem Brexit erleben.

Rückblickend betrachtet

wird esvöllig egal

sein, ob der am 31. Oktober,

am4.November oder

Ende Januar nächsten Jahres

stattfand. Es muss vor

allem vernünftig gemacht

werden. Doch Boris Johnson

hat daran offenbar

kein Interesse.Ihm geht es

nur um seinen Platz in den

Geschichtsbüchern. Er will der EU

den SchwarzenPeter für einen möglichen

No-Deal-Brexit zuschieben

und sich selbst als Brexit-Held feiern

lassen.

EU-VIZEPRÄSIDENTIN

Katarina Barley,

Vizepräsidentin

des EU-Parlaments

Sollte die EU einer Verlängerung zustimmen?

Darüber müssen die Staats- und

Regierungschefs entscheiden. Wenn

Johnson wirklich seinen Deal in dieserWoche

mit allen nötigen

Rechtsakten durchs Parlament

bringt, könnte es

theoretisch ohne Verlängerung

klappen. Allerdings

müssen auch noch wir im

DPA

Europäischen Parlament

zustimmen und es kann

sein, dass das britische Parlament

seine Zustimmung

an ein zweites Referendum

bindet. Dann wäre eine

Verlängerung denkbar.

Sollte der Deal aber im britischen Parlament

abgelehnt werden,dann habe

ich meine Zweifel, ob eine Verlängerung

einfach so sinnvoll wäre. Da

muss die britische Regierung schon

gute Gründe vorbringen, wie beispielsweise

ein Referendum oder

Neuwahlen. Denn klar ist: Es wird

nicht eine neue Verhandlungsrunde

zwischen EU und Johnson geben.

Das hieß es über Monate auch über

den Deal, den Theresa May mit der

EU geschlossen hatte. Und amEnde

wurde doch wieder verhandelt.

Das ist richtig. Aber nun hat sich

die Lage doch komplett verändert. In

Großbritannien ist das politische

Klima inzwischen derart vergiftet,

dass im Falle des Scheiterns dieses

Vorschlags eine Einigung zwischen

Parlament und Regierung nicht

mehr möglich erscheint. Johnson

dürfte also, wenn der jetzt vorliegende

Deal durchfällt, Neuwahlen

ausrufen oder besser noch ein zweites

Brexit-Referendum. Die Menschen

inGroßbritannien sollten das

Wort haben, wie mit dieser Situation

umzugehen ist.

Sollte das Unterhaus dem Deal in dieser

Woche doch zustimmen, würde

dann ein geregelter Brexit zum

31. Oktober möglich sein?

Theoretisch ist vieles denkbar.

Aber ich finde diese Termindebatte

absurd. Wenn alles klar sein sollte,

dann kommt es doch nicht auf ein

paar Tage oder Wochen an, um Formalien

im Gesetzgebungsprozesszu

erledigen.

Undwennder Deal durchfällt?

Dann haben wir ganz andereProbleme

als irgendwelche Termine und

dann muss die britische Regierung

Vorschläge machen, wie es weitergehen

kann.

DasGespräch führte DamirFras.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute ist esüberwiegend wechselnd bewölkt. Regenschauer gibt es nur

sehr selten, und das Thermometer zeigt maximal 18 bis 21Grad. Der

Wind weht nur schwach aus West. In der Nacht zieht sich der Sternenhimmel

zeitweise hinter kompakte Wolken zurück. Dabei betragen die Tiefsttemperaturen

11bis 8Grad.

Biowetter: Das allgemeine Wohlbefinden

wird auf die Probe gestellt.

Schwindelgefühle und Kopfschmerzen

sind keine Seltenheit. Auch Migräneattacken

machen des Öfteren 13°/20°

Wittenberge

zu schaffen.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 32 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 22 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 18 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 59%

Gefühlte Temperatur: maximal 20Grad.

Wind: leichter Wind aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

12°/20° 12°/20°

Luckenwalde

12°/21°

Cottbus

11°/21°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

sonnig heiter wolkig

10°/16° 7°/15° 8°/17°

Prenzlau

11°/18°

Frankfurt

(Oder)

12°/21°

Eine Zone tiefen Luftdrucks reicht von der Nordsee zur Iberischen Halbinsel. Sie

markiert den Übergangsbereich von kühler Luft westlich und milder Luft östlich.

Dies ist mit schauerartigem Regen von der Iberischen Halbinsel bis Dänemark

verbunden. Auch zwischen England und Norditalien regnet es teilweise.

Sylt

11°/17°

Hannover

11°/18°

Köln

12°/16°

Saarbrücken

10°/14°

Konstanz

12°/16°

Hamburg

11°/17°

Erfurt

11°/20°

Frankfurt/Main

12°/16°

Stuttgart

12°/16°

Rügen

11°/16°

Rostock

11°/17°

Magdeburg

12°/22°

Nürnberg

12°/19°

München

12°/18°

Dresden

11°/20°

Deutschland: Heute breiten sich vielerorts

reichlich Wolken mit einzelnen

Regenfällen aus. Tagsüber sind

14 bis 22 Grad zuerwarten. Die

Tiefsttemperaturen pendeln sich bei

12 bis 6Grad ein. Der Wind weht nur

schwach aus West. Morgen werden

Höchstwertevon 14 bis 18 Grad erzielt.

Dazu ist es gebietsweise wolkig.

Sehr vereinzelt regnet es jedoch

bei bedecktem Himmel. Der Wind

weht nur schwach aus nordwestlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 12°-14°

Nordsee: 13°-15°

Mittelmeer: 19°-28°

Ost-Atlantik: 13°-19°

Mondphasen: 21.10. 28.10. 04.11. 12.11.

Sonnenaufgang: 07:42 Uhr Sonnenuntergang: 17:59 Uhr Mondaufgang: 23:27 Uhr Monduntergang: 15:15 Uhr

Lissabon

20°

Las Palmas

22°

Madrid

17°

Reykjavik


Dublin

11°

London

13°

Paris

14°

Bordeaux

16°

Palma

21°

Algier

25°

Nizza

23°

Trondheim


Oslo


Stockholm

10°

Kopenhagen

14°

Berlin

20°

Mailand

20°

Tunis

28°

Rom

25°

Warschau

21°

Wien

20° Budapest

24°

Palermo

26°

Kiruna

-3°

Oulu


Dubrovnik

23°

Athen

27°

St. Petersburg

12°

Wilna

19°

Kiew

21°

Odessa

18°

Varna

22°

Istanbul

22°

Iraklio

25°

Archangelsk


Moskau

15°

Ankara

22°

Antalya

29°

Acapulco 33° wolkig

Bali 40° heiter

Bangkok 33° wolkig

Barbados 29° Gewitter

Buenos Aires 19° Regen

Casablanca 17° heiter

Chicago 21° Schauer

Dakar 32° heiter

Dubai 34° sonnig

Hongkong 29° heiter

Jerusalem 22° sonnig

Johannesburg 34° wolkig

Kairo 32° wolkig

Kapstadt 19° wolkig

Los Angeles 27° sonnig

Manila 32° Gewitter

Miami 33° wolkig

Nairobi 28° Schauer

Neu Delhi 33° sonnig

New York 18° heiter

Peking 18° heiter

Perth 23° wolkig

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 23° bewölkt

San Francisco 24° sonnig

Santo Domingo 31° wolkig

Seychellen 29° wolkig

Singapur 33° Gewitter

Sydney 27° sonnig

Tokio 24° bedeckt

Toronto 17° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 3 *

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Seite 3

Die Nacht ist hereingebrochen

über Thüringen. Unddie Lampe

im Fond der Ministerpräsidenten-Limousine,

auf der Fahrt

zwischen Arnstadt und Erfurt, bescheint die

zwei Flaschen Multivitaminsaft in der Konsole

–sowie den Ministerpräsidenten selbst,

der sein Jackett abgelegt hat und jetzt im weißen

Hemd mit Krawatte dasitzt.

Bodo Ramelows Mitarbeiter sind schon

sehr gefordert indieser Zeit, weil die Arbeitstage

in Wahlkampfzeiten keinen Anfang und

kein Ende kennen –und man das, wie einer

von ihnen sagt, nicht ewig durchhalten

könne.Ramelowist entspannt. Er sei „auf Betriebstemperatur“,

sagt er, während die Limousine

über die Autobahn zu fliegen scheint

–und dass ihm die Sache Spaß mache.

Als wir um kurznach 21 Uhrvor seinem Erfurter

Wohnhaus halten, fragt Ramelow nach

vorn, wann es denn am nächsten Tagweiter

gehe. Um8.10 Uhr, schallt es nach hinten.

Dann kurzerAufenthalt in der Staatskanzlei –

und später wieder auf Tour. Der Regierungschef

öffnet die Autotür.Und wegist er.

Am 5. Dezember 2014 wurde der heute

63-Jährige zum thüringischen Ministerpräsidenten

gewählt. Und das war in gleich

dreifacher Hinsicht bemerkenswert. Ramelow

ist der erste Linke auf so einem Posten.

Er ist der westdeutsche Frontmann in einer

immer noch sehr ostdeutsch geprägten Partei.

Und schließlich ist Ramelow ein Legastheniker

aus eher armen Verhältnissen,

dem man die Herkunft als Underdog zuweilen

noch anmerkt. „Ramelow ist stolz, dass

er da oben angekommen ist“, sagte damals

ein Beobachter.

In diesenWochen ist Ramelowunterwegs,

um sich mit seiner Koalition aus Linken, Sozialdemokraten

und Grünen ein neues Mandat

zu holen. Abends zwischen 19 und 21

Uhrheißt es deshalb jetzt immer:„Bodo Ramelow

vor Ort –Persönlich. Politisch. Direkt.“

Diesmal im Theater im Schlossgarten

von Arnstadt, in dem ein junges Moderatoren-Paar

wartet und ein überwiegend älteres

Publikum, das für die ostdeutsche Provinz

durchaus so kennzeichnend ist wie für die

Mitgliedschaft jener Partei, der auch Ramelowangehört.

Die Gäste können ihre Fragen auf Postkarten

schreiben, die eingesammelt und den

Moderatoren ausgehändigt werden. Als ein

Rentner unangekündigt dazwischenruft, bescheidet

ihm der Moderator: „Das ist hier

keine Diskussionsveranstaltung.“

Ramelow, das sieht man seinem Gesicht

an, hätte andereWorte gewählt. Es bleibt das

einzige Malheur des Abends.

Es gibt noch Bananen

Am Anfang hatte Ramelow, der vor fünf Jahrenerst

im zweitenWahlgang gewählt wurde,

in erster Linie darauf geachtet, nichts falsch

zu machen. Während von der CDU animierte

Bürger und ehemalige Dissidenten

gegen das Linksbündnis auf die Straße gingen,

sorgte der Regierungschef nach innen

für Augenhöhe. Sowurden bestehende Ministerien

auseinandergenommen und neu

zusammengesetzt. Eine Zeitung schrieb von

„Beutegemeinschaft“. Auch ist die SPD mit

einer eigenen Staatssekretärin in der Staatskanzlei

vertreten –und die Grünen mit einer

Stabsstelle.

Nach außen kalauerte Ramelow, dass es

in Thüringen trotz linker Machtübernahme

immer noch Bananen gebe. Überhaupt

werde „die sozialistische Mangelwirtschaft

nicht wieder eingeführt“. Er diskutierte

überdies öffentlich mit demVorstandsvorsitzenden

der Bundesstiftung zur Aufarbeitung

der SED-Diktatur,Rainer Eppelmann. Er besuchte

die Stasi-Gedenkstätte in der Erfurter

Andreasstraße und ließ den Fall des in Haft

gestorbenen einstigen Regimekritikers Matthias

Domaschk wieder aufrollen. Niemand

sollte bei Ramelow anMauer und Stacheldraht

denken. Nachdem manche Amtskollegen

den Newcomer zu Beginn buchstäblich

mit spitzen Fingern angefasst hatten,

darunter Sachsen-Anhalts Ministerpräsident

Reiner Haseloff (CDU), ist dieser heute

mit selbigem per Du. Ohnehin war das ja

der Sinn der Übung, nicht zuletzt aus Sicht

der eigenen Partei: Akzeptanz herstellen.

Undvor allem: Durchhalten!

Natürlich ging manches schief. So nutzte

der grüne Justizminister Dieter Lauinger sein

Amt, um im Bildungsministerium zugunsten

der schulischen Karriereseines Sohnes zu intervenieren.

Der Versuch ging als „Sohnemannaffäre“

in Thüringens Geschichte ein.

Später verschoben Linke, Sozialdemokraten

und Grüne die kommunale Gebietsreform.

Zu viel Sprengstoff! Im Ganzen allerdings

gingen die fünf Jahreerstaunlich reibungslos

über die Bühne –wohl auch, weil die Partner

im Falle des Scheiterns allesamt viel zu verlieren

gehabt hätten. Jetzt heißt es, einen

zweiten Anlauf zu nehmen. Im Amtbestätigt

zu werden, wärefür Ramelowgewiss die ultimative

Bestätigung. Dafür gibt er alles, auch

Hören,

was geht

IMAGO IMAGES/THOMAS KOEHLER

Bodo Ramelow will am kommenden Sonntag

in seinem Amt bestätigt werden –als Ministerpräsident von Thüringen.

Um das zu erreichen, setzt er mehr auf sich selbst

und weniger auf seine Partei, die Linke

in Arnstadt. Es beginnt mit einem kleinen

Small Talk mit den Moderatoren, der zufällig

wirken soll, es aber selbstredend nicht ist.

So geht es um die Bratwurst, genauer:die

Thüringer Rostbratwurst, auf die sie sich hier

als identitätsstiftendes Nahrungsmittel viel

zugutehalten. Immerhin existiertunweit von

Arnstadt sogar ein Bratwurst-Museum. Auch

lässt Rameloweinfließen, wie er als Gewerkschaftssekretär

über das hessische Marburg

in die thüringische Partnerstadt Eisenach

kam –und zwar noch vorderVereinigung am

3. Oktober 1990. Tatsächlich kennt er im Freistaat

jeden Stein. In Sachen Landespatriotismus

macht Ramelowniemand etwas vor.

DemSmall Talk folgt eine kurze Rede.Dabei

erinnert Ramelow an die „Gemeindeschwester

Agnes“ und die Polikliniken, die es

zu DDR-Zeiten gab, und sagt: „So hätten wir

vor30Jahren gemeinsam dieWeichen stellen

können.“ Ferner verweist der Linken-Politiker

auf die 6000 unbesetzten AusbildungsplätzeimLand

(als Ausweis des wirtschaftlichen

Erfolgs) und darauf, dass seine Landes-

VonMarkus Decker

„Die Demokratie ist

schön, und sie ist

spannend.“

Bodo Ramelow,

thüringischer

Ministerpräsident

im Wahlkampf

regierung jenen Sanierungsstau in den Schulen

zumindest zur Hälfte aufgelöst habe,den

die CDU-geführten Vorgängerregierungen

hinterlassen hätten. Fraglos gehe der Unterrichtsausfall

nicht auf das Konto von Rot-

Rot-Grün, sondern auf das jener Christdemokraten,

die nun wieder an die Macht wollten.

Am Schluss des Vortrags betont der Ministerpräsident

selbstgewiss, dass es 2014

immer geheißen habe,dass eine Dreier-Koalition

wie die in Erfurt nie funktionieren

könne und die Regierung nach 100 Tagen

wieder weg sein werde. „Und jetzt stehe ich

immer noch nie hier“, sagt er. Die Botschaft

ist unmissverständlich: Das scheinbar Unmögliche

ist möglich.

Dann beginnt der wesentliche Teil der

Veranstaltung. Die Moderatoren konfrontieren

Ramelow mit den Fragen, die das Publikum

auf die Postkarten geschrieben hat. Dabei

wird ein bunter Strauß an Themen hörbar:

Internetausbau und Rechtsextremismus,

Ost-West-Lohngefälle und

Suchtkranke, der von Ramelow gewünschte

europäische Friedensvertrag mit Russland

und die Klimakrise, angesichts derer er anmerkt:„Die

in Berlin können gut quatschen.“

In der Hauptstadt komme man ja ohne Auto

überall hin –anders als hier,inder Provinz.

Als Klassenkämpfer tritt der Kandidat

während des Frage- und Antwort-Spiels

nicht in Erscheinung. Ramelowhat in all den

Jahren Wert auf eine gewisse Distanz zur eigenen

Partei gelegt, deren Landesvorsitzender

auch nicht er ist, wie es normalweise üblich

wäre, sondern eine außerhalb Thüringens

relativ unbekannte Frau namens Susanne

Hennig. Ramelow gibt sich als

Ministerpräsident aller Thüringer –weshalb

mittlerweile sogar der einstige Bundespräsident

Joachim Gauck der Landes-CDU empfiehlt,

nach derWahl wenn nötig doch auf die

Linke zuzugehen.

Ramelowpräsentiertsich als einer,der es

eigenen Angaben zufolge hasst, zu hören,

was nicht geht. „Ich will hören, was geht.“

Dabei erklärt erfreimütig, dass das Lohngefälle

nicht allein ein Problem der Politik sei,

sondernaucheines der Beschäftigten. Wenn

die zahlreicher in Gewerkschaften einträten,

dann gäbe es mehr Tarifverträge –und eben

höhereLöhne.

In Sachen Rassismus gibt der Ministerpräsident

ebenfalls keinen Rabatt. Wer

„Deutschland, den Deutschen, Ausländer

raus!“ rufenwolle,der solle das doch vorthüringischen

Krankenhäusern tun, sagt er. Da

habe jeder vierte Arzt ausländische Wurzeln.

Ramelow, der selbst von Rechtsextremisten

bedroht wird, packt seine Zuhörer nicht

bei der Moral, sondernbei ihren eigenen Interessen.

Während die Linke in Brandenburg

und Sachsen zuletzt deutlich schrumpfte

und die AfD starkblieb,scheint das Rezept in

Thüringen zu wirken. Die Linke behauptet

dortinden Umfragen relativunangefochten

Platz eins.

Der Applaus in Arnstadt ist höflich. Und

fast wie auf Bestellung kommen abschließend

ein älterer Herr mitGehstock und eine

Frau mit Krücken und einem Blumenstrauß

auf Ramelow zu. Er sagt: „Das war spitze!“

Sie, die offenbar aus Ilmenau stammt, sagt:

„Die Ilmenauer grüßen dich.“

Nach rund 90 Minutenstrebt der Ministerpräsident

mit Büroleiter und Sicherheitsbeamten

über den hinteren Teil der Theater-

Bühne dem Ausgang entgegen, legt das Jackett

ab, steigt in eines der beiden gepanzerten

Fahrzeuge und checkt erst mal, was

während seines Auftritts so auf seinem Smartphone

los war.Danach können wir reden.

Zwar wirdamnächsten Tageine Umfrage

bekannt, die eine Wiederwahl von Rot-Rot-

Grün wieder unwahrscheinlich erscheinen

lässt, nachdem sie in den letzten Wochen

erstmals wieder möglich erschien. So oder so

jedoch ist Ramelow jetzt in jenem Optimismus-Modus,

der für Wahlkämpfer typisch

und letztlich so zwingend ist wie für einen

Sportler, der gewinnen will. Da wäre jeder –

zumal öffentlich geäußerte –Selbstzweifel

nur im Weg.

Waswäre, wenn ...

So erinnert Ramelow andie MDR-Umfrage,

derzufolge 65 Prozent der Thüringerinnen

und Thüringer mit seiner Arbeit zufrieden

sind. Die Linke vor diesem Hintergrund als

randständige Partei zu bezeichnen, wie sein

weit abgeschlagener CDU-Herausforderer

Mike Mohringdies tue,sei „schon steil“. Tatsächlich

ist Ramelow der beliebteste Ministerpräsident

Ostdeutschlands.

Außerdem erinnert erandie Landesverfassung,

die dem Regierungschef eine starke

Stellung gibt –eine stärkere als andere Landesverfassungen.

„Es gibt bei uns keine Vorschrift,

in welcher Frist der Ministerpräsident

gewählt werden muss“, sagt Ramelow

im Schein der Autolampe auf dem Wegins

heimische Erfurt. „Sondernder Ministerpräsident

wird dann gewählt, wenn eine Fraktion

den Antrag dazu stellt.“ Das kann dauern,

weil womöglich eine Vier-Parteien-Koalition

gegen die AfD gebraucht würde und

Unregierbarkeit droht. Die nach der Wahl

einstweilen weiter amtierende Landesregierung

sei darum „auch keine Minderheitsregierung

oder eine geschäftsführende Regierung“,

sondern „einfach die Landesregierung“.

DerHaushalt für 2020 sei ja bereits beschlossen.

Soll heißen: Selbst für den Fall,

dass seine Koalition bei der Wahl die Mehrheit

verlöre, wären erst mal die Konkurrenten

amZug, im Landtag eine andere Mehrheit

zustande zu bringen.

Ja, Bodo Ramelow hat nach eigener Auskunft

„noch genug Perspektiven“. „Die Demokratie“,

sagt er, „ist schön, und sie ist

spannend.“ Und Thüringens Ministerpräsident

gibtsich so gelassen, wieerkann.

Markus Decker beobachtet Bodo

Ramelownicht erst, seit dieser Ministerpräsident

vonThüringen ist.


4* Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Deutsche Waffenexporte im

Wertvon 25,3 Milliarden Euro

Deutschland hat zwischen 2000 und

2018 Waffen und Kriegsgerät im Gesamtwertvon

25,3 Milliarden Euro

ausgeführt. Dasgeht aus einer Antwortdes

Bundeswirtschaftsministeriums

auf eine Anfrage der Linken im

Bundestag hervor, die der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vorliegt. Nach Angaben

der Bundesregierung handelt es

sich um den Wert tatsächlicher Ausfuhren

vonRüstungsgüternseit Beginn

der Einführung der Rüstungsexportberichte

vor19Jahren. Für

kriegstaugliches sonstiges Gerät liegen

keine Zahlen vor, auch nicht für

das laufende Jahr 2019. Dasbisherige

Rekordjahr für deutsche Rüstungsexporte

war laut Bundeswirtschaftsministerium

2017 mit einem

Gesamtwertvon 2,65 Milliarden

Euro. (köp.)

SPD kündigt Programm für

kommunale Infrastruktur an

DieSPD-Bundestagsabgeordnete

Saskia Esken und Nordrhein-Westfalens

Finanzminister NorbertWalter-

Borjans (SPD) haben für den Fall ihrer

Wahl zu SPD-Bundesvorsitzenden

Milliarden-Investitionen in die kommunale

Infrastruktur angekündigt.

„Ineinem Jahrzehnt der öffentlichen

Investitionen wollen wir bis 2030 insgesamt

500 Milliarden Euro verfügbar

machen für Städte und Gemeinden,

die Sanierung vonSchulen, Kitas und

Verwaltungsgebäude,für Brücken

und Straßen und für den Ausbau der

digitalen Infrastruktur“, sagte Esken

der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland).

(ani.)

Proteste gegen Pegida

in Dresden

Unter dem Motto „Herz statt Hetze“ wird

in Dresden gegen Pegida demonstriert. DPA

MehrereTausend Menschen haben

am Sonntag in Dresden gegen die islam-

und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung

demonstriert. Anlass

war der Jahrestag der selbst ernannten

Patriotischen Europäer gegen die

Islamisierung des Abendlandes (Pegida),

die am 20. Oktober 2014 ihre

ersteVersammlung in Dresden abgehalten

hatten. DieVeranstalter der

Proteste gingen vonmehr als 5000

Teilnehmernaus.Zuder Kundgebung

hatte das Bündnis„Herzstatt

Hetze“ aufgerufen. Beider Kundgebung

vonPegida auf dem Neumarkt

vorder Frauenkirche versammelten

sich dagegen schätzungsweise 3000

Teilnehmer. (dpa)

Grüne legen bei Schweizer

Wahl deutlich zu

Beider Parlamentswahl in der

Schweiz haben zwei grüne Parteien

bedeutend hinzugewonnen. Nach

ersten Hochrechnungen überholten

sie mit rund 13 Prozent eine der vier

Regierungsparteien in der Wählergunst.

DieGrünen wären damit

viertstärkste Kraft.Verlierer war nach

der Hochrechnung des Umfrageinstituts

gfs.berndie rechtskonservativeSVP

mit minus 3,8 Prozentpunkten.

Siebleibt aber stärkste Kraft,

wahrscheinlich mit 25,6 Prozent.

Zusammen kämen Grüne und Grünliberale

nach der Hochrechnung sogar

auf gut 20 Prozent und würden

zweitstärkste Kraft. (dpa)

Enthemmt

Seit Beginn der Impeachment-Untersuchung zeigt sich US-Präsident Trump noch extremer als zuvor

VonKarlDoemens, Washington

Sieben Monate lang war der

Pressesaal im West Wing des

Weißen Hauses ungenutzt

gewesen – als Donald

Trumps geschäftsführender Stabschef

Mick Mulvaney am Donnerstag

kurzfristig zu einer der so selten gewordenen

Pressekonferenzen lud,

war die Spannung darum groß. Doch

Mulvaney machte in dem spartanischen

Raum zunächst nur eine Mitteilung,

die wenig später schon wieder

hinfällig sein sollte. Das G7-Gipfeltreffen

der führenden Industriestaaten

im Juni 2020 werde im

Golfhotel des US-Präsidenten in

Miami stattfinden, verkündete er.

Die Kritik, die folgte, war so massiv

–„das ist schlicht und einfach

Korruption“, empörte sich etwa die

demokratische Präsidentschaftsbewerberin

Elizabeth Warren – dass

Donald Trump am Samstagabend

twitterte,dass man das Hotel Trump

National Doral nun doch nicht mehr

in Betracht ziehe und einen neuen

Ort suche. Schuld sei die „verrückte

und irrationale Feindseligkeit der

Medien und Demokraten“. Die Entscheidung

für Trumps eigenes Hotel

als Gipfelort war allerdings auch bei

Mitgliedern seiner eigenen Partei,

den Republikanern, auf Unverständnis

gestoßen.

„Finden Siesich damit ab!“

Donald Trump vergangene Woche bei einer Wahlkampfveranstaltung in Texas. GETTY IMAGES

Der nächste G7-Gipfel wird nun doch nicht in Trumps Golfhotel in Miami stattfinden. DPA

Bemerkenswert war die Pressekonferenz

vom Donnerstag aber nicht

nur wegen der Kurzlebigkeit ihres

Anlasses. Auf Nachfragen räumte

Rick Mulvaney ein, dass Trump Militärhilfen

von400 Millionen Dollar an

die Ukraine zurückgehalten habe,

um die Regierung in Kiew zu Ermittlungen

gegen die heimische Opposition

zu drängen.„Es gibt immer politischen

Einfluss in der Außenpolitik“,

verkündete er patzig: „Finden

Siesich damit ab!“

Genau diesen Zusammenhang

hatte Trump bislang bestritten. Dennoch

soll ihm der zackige Auftritt seines

höchsten Mitarbeiters gut gefallen

haben. Er entsprach genau seinem

Reaktionsmuster in der politischen

Großkrise, die sich seit der

Eröffnung der Untersuchungen für

ein Amtsenthebungsverfahren vor

einem Monat in Washington in dramatischer

Geschwindigkeit entfaltet:

bloß keine Schwäche zeigen.

Niemals nachgeben. Stattdessen

werden die Tabubrüche durch deren

demonstrativeInflationierung bagatellisiert

und die Wirklichkeit durch

Lügen verbogen. „Sie wollen euch

eure Stimme nehmen und eure Zukunft“,

stachelt Trump seine Anhänger

auf.

Nach gut 1000 Tagen im Amt befindet

sich der Mann im Weißen

Haus im Zentrum gleich mehrerer

Orkane: Da ist die Ukraine-Affäre, in

der er offenkundig ausländische Regierungschefs

zu Schmutzkampagnen

gegen politische Kontrahenten

nötigte. Daist der Verfassungskonflikt

mit dem Kongress, dem er Auskunft

verweigert und sich damit

mutmaßlich der Amtsbehinderung

schuldig macht. Da ist der abrupte

Abzug der US-Armee aus Syrien, der

den Mittleren Osten in ein gigantisches

Chaos gestürzt und das amerikanische

Militär dem Spott seines

Erzfeindes Russland preisgegeben

hat. Unddasind die zunehmend bizarren

Auftritte und Äußerungen des

„stabilen Genies“, die der Debatte

über Trumps Geschäftsfähigkeit

neue Nahrung geben.

Seit die Demokraten das Impeachment

eingeleitet haben, wirkt

der Oberbefehlshaber der größten

Streitmacht der Welt noch wilder,

sprunghafter und extremer als zuvor.

Seine Wut-Tiraden auf Twitter sind

ebenso wie sein Selbstlob nun völlig

enthemmt. Ohne Ironie preist er

seine „großartige und unerreichte

Weisheit“, während seine Kundgebungen

zu Pöbelattacken verkommen.

Anderthalb Stunden lang wütete

er kürzlich vor 20000 Zuschauernineiner

Arena in Minneapolis gegen

die Demokraten, die Medien

und den Sozialismus.Erzog Grimassen,

erzählte nachweislich erfundene

Geschichten und beleidigte

den demokratischen Präsidentschaftskandidaten

Joe Biden als

Mann, der „Obamas Arsch geküsst“

habe.

Bizarr sind auch die Schriftsätze,

die inzwischen das Weiße Haus verlassen

und offenkundig von Trump

diktiert werden. „Sie wollen nichts

anders, als die Ergebnisse der Wahl

von 2016 verdrehen“, ließ er seinen

Justiziar dem Kongress auf offiziellem

Papier antworten und verweigerte

die Zusammenarbeit mit dem

lapidaren Hinweis,erhabe „wichtige

Arbeit“ zu leisten. „Lassen Sieuns einen

guten Deal aushandeln!“,

schrieb er dem türkischen Präsidenten

Recep Tayyip Erdogan, nachdem

dessen Truppen in Nordsyrien eingefallen

waren. Der Brief endete mit

der Aufforderung: „Seien Sie kein

harter Kerl! Seien Siekein Narr!“

Am vergangenen Mittwoch dann

kam es zu einem regelrechten Eklat.

Eigentlich waren die Spitzen der

Kongressfraktionen ins Weiße Haus

gekommen, um sich über die Lage in

Syrien informieren zu lassen. Doch

als Nancy Pelosi, die demokratische

Sprecherin des Repräsentantenhauses,

dem Präsidenten mitteilte, dass

das Parlament mit den Stimmen von

zwei Dritteln der republikanischen

Abgeordneten soeben eine Rüge seiner

abrupten Abwendung von den

kurdischen Verbündeten beschlossen

hatte, verlor Trump nach Teilnehmerangaben

die Fassung. Er beleidigte

Pelosi als „drittklassige Politikerin“

und warf den Demokraten

Sympathien für die Taliban vor, weil

diese Kommunisten seien. Nach 20

Minuten brachen die Gäste das Gespräch

ab.„Er hatte einen Nervenzusammenbuch“,

konstatierte Pelosi

kühl. Das brachte Trump endgültig

zur Explosion:„Nancy Pelosi braucht

schnell Hilfe (…) Betet für sie, denn

sie ist eine sehr kranke Person“, twitterte

er.

Offen wird in den USA inzwischen

darüber diskutiert, ob dieser

Befund nicht eher auf den Präsidenten

zutrifft. Amerikanische Medien

zitieren Stimmen aus dem Regierungsumfeld,

die Trump als zunehmend

unkontrolliertund nicht mehr

beherrschbar beschreiben. Ein viel

beachteter Artikel mit der Überschrift

„Unfit for office“ („Amtsuntauglich“)

in dem renommierten

konservativen Politikmagazin The

Atlantic attestierte dem Präsidenten

kürzlich offen einen „pathologischen

Narzissmus“, der immer weiter

voranschreite: „Man muss kein

Psychiater sein, um zu sehen, dass

ernsthaft etwas mit Trump nicht

stimmt.“ Noch bemerkenswerter als

die These ist deren Autor George

Conway. Der Anwalt ist mit Trumps

engster Beraterin Kellyanne Conway

verheiratet.

Tatsächlich rückt Trumps Egoimmer

mehr ins Zentrum seiner Urteilsfindung.

Dass er selbst das

Chaos in Nordsyrien ausgelöst hat,

als er Erdogan in einem Telefonat am

6. Oktober freie Hand für die Einrichtung

einer „Schutzzone“ gab, blendet

der Präsident komplett aus.Verantwortungsgefühl

für die einstigen

kurdischen Verbündeten ist ihm

fremd. „Das hat nichts mit uns zu

tun“, erklärte er am Mittwoch im

Weißen Haus kühl. Die nun ausgehandelte

fünftägige Feuerpause mit

der Türkei verkauft er als persönlichen

Triumph: „Das konnte nur jemand

so Unkonventionelles wie ich

erreichen.“

Fiasko in Nordsyrien

Die Fakten sprechen eine andere

Sprache: Nicht nur hat die Blitz-Invasion

der Türkei in Nordsyrien viele

Tote gekostet. Mit dem Waffenstillstand

wird die Vertreibung der Kurden

aus einem 30 Kilometer breiten

Grenzstreifen offiziell sanktioniert.

Deren Kämpfer schlagen sich nun

auf die Seite des von Russland und

Iran unterstützten syrischen Machthabers

Baschar al-Assad, während

die mithilfe der USA gefassten Terroristen

der IS-Miliz zu entfliehen drohen.

Für die Weltmacht USA ist das

ein Fiasko.

Auch in der Ukraine-Affäre läuft

es objektiv nicht gut für Trump.Täglich

bestätigen aktiveund ehemalige

Regierungsmitarbeiter zurzeit bei

Anhörungen im Kongress, dass der

Präsident unter Führung seines persönlichen

Anwalts Rudy Giuliani

eine regelrechte Parallelstruktur zur

offiziellen Ukraine-Diplomatie aufgebaut

hat, deren Ziel es war, den

frisch gewählten Präsidenten Wolodomyr

Selenskyj für innenpolitische

und wahrscheinlich auch wirtschaftliche

Zwecke gefügig zu machen.

Zwei windige Geschäftspartner von

Giuliani mit Ukraine-Verbindungen

wurden bei der versuchten Ausreise

aus den USA festgenommen. Offenbar

geht es im Hintergrund auch um

Interessen amerikanischer Geschäftsleute

an den Gas-Vorkommen

der Ukraine. Trumps Energieminister

Rick Perry, eine der Schlüsselfiguren

der Affäre, erklärte am

Donnerstag kurz vor der Vorladung

vor einen Kongress-Ausschuss seinen

Rücktritt.

Noch steht die Basis zu Trump.

Die täglich neuen Schlagzeilen über

Skandale in Washington haben sie

abgestumpft. In der Gesamtbevölkerung

ist die Zustimmung für das Impeachment-Verfahren

inzwischen

deutlich über 50 Prozent gestiegen.

Die erforderliche Zweidrittelmehrheit

im republikanisch dominierten

Senat für die endgültige Amtsenthebung

liegt zwar noch in weiter Ferne.

Doch scheint Trumps abrupte Abkehr

von den kurdischen Verbündeten

im republikanischen Lager für

deutlich mehr Unruhe zu sorgen, als

es die Ukraine-Affäretat.

Die überparteiliche Rüge des Repräsentantenhauses

vom Mittwoch

wirkt wie ein Alarmsignal. „Die Zurechtweisung

sendet eine Botschaft

des Vertrauensverlustes“, kommentiert

das konservative Wall Street

Journal: „Das könnte sich auf andere

Felder übertragen.“ Mitt Romney,

der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat,

hat bereits

öffentlich mit Trump gebrochen.

„Was wir den Kurden angetan haben“,

formuliertder heutige Senator

von Utah hart, „wird als Blutfleck in

die amerikanischen Geschichtsbücher

eingehen.“

Helmut

Schmidts

Gegenspieler

Zum Toddes SPD-Politikers

Erhard Eppler

VonHolger Schmale

Eine der letzten Symbolfiguren einer

großen westdeutschen Politikergeneration

ist tot. ErhardEppler

war anders als Helmut Schmidt, Helmut

Kohl oder Hans-Dietrich Genscher

kein Macher. Erwar ein Intellektueller,den

es irgendwie in die Politik

verschlagen hatte. Ein Analytiker,

ein Zweifler, einer, der

gesellschaftliche Trends früher als

viele anderegespürthat.

Herausragend für diese Eigenschaft

war seine Rede am 17. Juni

1989 im Bundestag, zur Feierstunde

des damals in der Bundesrepublik

begangenen Tags der Deutschen

Einheit. Als in Bonn sonst noch niemand

einen Gedanken an die Idee

verschwendete, die DDR könnte

kurz vor dem Zusammenbruch stehen,

sagte er genau dies voraus.

Dabei war er alles andere als ein

Deutschnationaler, der da seinem

Wunschdenken frönte. Eppler gehörte

zum linken Flügel der SPD und

zu den Autoren eines gemeinsamen

Dialogpapiers vonSPD und SED.Gerade

deshalb wusste er mehr über

die Stimmung und die Lage in der

DDR als viele andere, auch Dank seiner

engen Kontakte in die evangelische

Kirche Ostdeutschlands.

Doch Erhard Eppler erkannte

auch viel früher als die meisten in

der SPD die Bedeutung der Ökologie

für die Zukunft der Industriegesellschaft,

er warnte vor den Gefahren

der Atomkraft und er war einer der

prominentesten Sozialdemokraten,

die sich in der

Friedensbewegung

engagierten.

All dies

machte ihn zu

einem Gegenspieler

von Helmut

Schmidt, einer,

der zwar

keine wichtigen Erhard Eppler

Parteifunktionen

hatte, aber

(1926–2019)

eine große moralische Autorität.

DPA

Dies rührte nicht zuletzt von seinem

Rücktritt als Entwicklungshilfeminister

1974 her, kurz nach dem

Amtsantritt Schmidts als Bundeskanzler.Anders

als dessen Vorgänger

Willy Brandt hielt Schmidt Entwicklungshilfe

für eine nachrangige Aufgabe

und ließ die Mittel kürzen. Eppler

legte daraufhin sein Amt nieder.

Diebeiden Sozialdemokraten haben

sich nie mehr wirklich ausgesöhnt.

Eppler widmete sich danach vor

allem der SPD in seinem Heimatland

Baden-Württemberg, wo er als

Landesvorsitzender und Spitzenkandidat

nicht sehr erfolgreich gegen

die CDU ankämpfte. Doch das

tat seinem Ansehen in der SPD und

in der evangelischen Kirche, inder

er sich unter anderem als Kirchentagspräsident

engagierte, keinen

Abbruch. Ein Beleg für seine differenzierte

Sicht als Linker war später

seine Unterstützung des Kurses von

Bundeskanzler Gerhard Schröder

sowohl in der Sozial- als auch in der

Außenpolitik. In den letzten Jahren

wandte er sich gegen eine Verteufelung

Wladimir Putins und plädierte

für eine größere Annäherung an

Russland.

Gesine Schwan, seine Nachfolgerin

als Vorsitzender der Gundwertekommission

der SPD, beschrieb

Eppler zu seinem 90. Geburtstag

2016 als Kassandra, eine Figur der

griechischen Mythologie, die Unheil

vorhersagt, aber nicht gehört wird.

„An ihm kann man sehen, dass man

der Sache nach recht behalten kann,

auch wenn man keine Mehrheiten

bekommen hat.“

Erhard Eppler ist am Sonnabend

mit 92 Jahren in Schwäbisch Hall

gestorben. Sein Toderinnert auch

an die einst wichtige Rolle vonIntellektuellen

in der SPD,die es heute in

der Partei kaum noch gibt.


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 5 *

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Politik

Hinter dem Krawall

Nach einer knappen Woche mit nächtlichen Straßenschlachten versucht die Justiz herauszufinden, wer die Gewalt in Barcelona organisiert

VonMartin Dahms

Die Nacht zum Sonntag

war etwas ruhiger als die

Nächte davor. Erstmals

stellten sich in Katalonien

friedliche Demonstranten zwischen

gewalttätige Krawallmacher

und die Polizei, um Ausschreitungen

zu verhindern. Siehatten einigen Erfolg

damit.

Katalonien hat eine Woche der

Unruhen hinter sich, wie es sie in der

Region seit Jahrzehnten nicht gab.

Seit der Nacht zum Mittwoch brennen

in Barcelona und den anderen

katalanischen Provinzhauptstädten

Barrikaden, und gewalttätige Separatisten

legen sich mit der Polizei an.

Bis zum Sonntag registrierten die

medizinischen Dienste 565Verletzte,

darunter laut Innenministerium 288

Polizisten. 194 Demonstranten wurden

festgenommen, 18 kamen in

Untersuchungshaft.

Die Gewalt ist organisiert: Spaniens

Innenminister Fernando

Grande-Marlaska beziffert den harten

Kern auf 400 Separatisten, die

sich im Zentrum Barcelonas Kämpfe

mit den Beamten liefern. Unterstützt

werden sie von rund 1500 Jugendlichen

und jungen Erwachsenen, die

Spaß an der Randale haben. Bis zu

10 000 weiterejunge Leute sind Krawalltouristen,

die den Unruhen zuschauen,

ohne daran teilzunehmen.

Werdie Ausschreitungen organisiert,

liegt im Dunklen. Ein Richter

Brennende Barrikaden und Demonstranten in Barcelona in der Nacht zum Sonntag .

des Nationalen Gerichtshofs in Madrid

ermittelt wegen Terroverdachts

gegen den „Tsunami Democràtic“,

ein anonymes Netzwerk, das Aktionen

wie die Besetzung des Flughafens

vonBarcelona am vergangenen

Montag organisiert – allerdings

grundsätzlich gewaltfrei. Dieses

Netzwerk mit „Terrorismus“ in Verbindung

zu bringen, klingt zunächst

abwegig. Die Ermittlungen werden

zeigen, wie eng der friedliche Separatismus

möglicherweise doch mit

dem gewalttätigen verbunden ist.

Quim Torra jedenfalls, dem katalanischen

Regionalpräsidenten, fällt

es sichtlich schwer,sich vonden Gewalttätern

zu distanzieren. Wahrscheinlich

ist ihm bewusst, dass er

selbst die politische Verantwortung

für die Krawalle trägt. Er und die

große Mehrheit der separatistischen

Politiker Kataloniens. Seit Jahren reden

sie den Katalanen ein, dass ihr

„demokratischer Wille“ über dem

Gesetz stehe, weil das von der Uno

verbriefte „Selbstbestimmungsrecht

der Völker“ auch für Katalonien

gelte. Absichtsvoll missachten sie

dabei alle Erklärungen der UN-Vollversammlung,

die davor warnen,

das Selbstbestimmungsrecht als

„Ermächtigung“ zu begreifen, um

die „territoriale Unversehrtheit souveräner

Staaten“ zu zerstören. Es

gibt kein Recht auf Abspaltung von

einem Land, in dem die Regierung

„das gesamte Volk des Hoheitsgebiets

ohne jeden Unterschied repräsentiert“.

Mit anderen Worten: Das

Selbstbestimmungsrecht gilt nur

für unterdrückte Volksgruppen.

PIERRE BERTHUEL/LE PICTORIUM AGENCY

Und zudenen zählen die Katalanen

nicht.

Indem die katalanischen Separatisten

immer wieder gegen internationales

und spanisches Recht anrennen,

dürfen sie sich am Ende

doch ein wenig unterdrückt fühlen:

weil die spanische Politik und die

spanische Justiz versuchen, dieses

Recht durchzusetzen. Über die Verhältnismäßigkeit

der Antworten

lässt sich streiten. Die Haftstrafen

gegen die Verantwortlichen für das

Unabhängigkeitsreferendum am 1.

Oktober 2017, die nun für die Proteste

sorgten, sind schmerzhaft

lang, aber sie sind rechtsstaatlich

vertretbar.Die katalanische und die

spanische Polizei gehen des öfteren

mit übertriebener Härte gegen die

separatistischen Demonstranten

vor, aber das ist europäischer Alltag

im Umgang mit schwarzenBlöcken.

Nichts davon taugt dafür, Spanien

zum „faschistischen Staat“ zu erklären,

wie es etwa auf Twitter geschieht.

Angeheizt wird die Stimmung

durch spanische Fernsehsender,die

allabendlich vom Kriegsschauplatz

Katalonien berichten. Die Übertragungen

üben eine merkwürdige

Faszination aus: Man kann stundenlang

zusehen und sich ein wenig

gruseln.

Unddann gibt es Leute wie Albert

Rivera, den Chef der Rechtspartei Ciudadanos,

die die Bilder aus Barcelona

mit jenen aus Aleppo und Bagdad

vergleichen. Denn zu allem Unglück

wählen die Spanier in drei Wochen

ein neues Parlament, und die

Rechte glaubt, dass sie vonden katalanischen

Unruhen profitieren kann.

Die rechtsradikale Vox legt in den

Umfragen gerade zu. Es gibt auch ein

paarVernünftige.Die friedlichen Demonstranten

und Spaniens sozialistische

Regierung. „Wir werden nicht

überreagieren“, versprach Ministerpräsident

Pedro Sánchez vor ein

paar Tagen. „Maß zu halten ist eine

Form der Stärke.“

Maaßen-Kanzlei geht

gegen AfD-Kritiker vor

SPD-Staatsminister Michael Roth erhält Abmahnung

VonSteven Geyer

und JanSternberg

Der Kandidat um den SPD-Vorsitz

Michael Roth gehörtzuden

Sozialdemokraten, die keinen Hehl

aus ihrer Abneigung gegen die AfD

machen. Roth, der auch Staatsminister

im Auswärtigen Amt ist, hat der

Rechtspartei eine Verantwortung für

rechtsterroristische Taten zugeschoben.

Er nannte die AfD den „politischen

Arm des Rechtsterrorismus“

in Deutschland. Dafür bekam Roth

eine Abmahnung der Kölner Kanzlei

Höcker im Auftrag der AfD-Bundestagsfraktion.

Es ist jene Kanzlei, deren

Chef für die Werte-Union der

CDU spricht und bei der jüngst Ex-

Verfassungsschutzpräsident Hans-

GeorgMaaßen anheuerte.

In einem Interview mit der Welt

hatte Roth gesagt: „Im Deutschen

Bundestag und in den Landtagen

sitzt der politische Arm des Rechtsterrorismus.

Und das ist die AfD.“

Roth schränkte ein: „Das gilt sicher

nicht für alle ihre Mitglieder.“ Doch

er führte aus: „Aber die Partei muss

ihr Verhältnis klären zu denjenigen,

die durch Hass und Hetze solchen

furchtbaren Taten den Boden bereiten.“

Roth forderte eine verstärkte

Beobachtung der AfD durch denVerfassungsschutz.

Hans-Georg Maaßen, Ex-Verfassungsschützer,arbeitet

für die Kanzlei Höcker. DPA

Schnell sprangen ihm die Genossen

zur Seite. Roths Mitbewerber um

den SPD-Vorsitz, Ralf Stegner und

Karl Lauterbach, schlossen sich der

AfD-Kritik fast wortgleich an.

Aber auch CDU-Kollegen unterstützen

Roth, wie zum Beispiel der

Essener Abgeordnete Matthias

Hauer, der auf Twitter die inkriminierte

Behauptung wiederholte: „Im

Deutschen Bundestag sitzt der politische

Arm des Rechtsterrorismus –

die AfD.“ Die Frankfurter Anwältin

Seda Basay-Yildiz, selbst vonRechtsterroristen

bedroht, fragte, ob die

Kanzlei Höcker jeden abmahnen

würde, der einen Zusammenhang

zwischen AfD und Rechtsextremen

herstellt.

Roth bedankte sich, wiederum

auf Twitter, für die Solidaritätsbekundungen.

Er kündigte an, auf

keine Fall einknicken zu wollen.

Die Kanzlei Höcker, die hier die

Rechte der AfD-Bundestagsfraktion

wahrnimmt, ist aus verschiedenen

Gründen bekannt. Ihr Chef Ralf Höcker

vertritt unter anderem den türkischen

Präsidenten Recep Tayyip

Erdogan und AfD-Fraktionschefin

Alice Weidel. Er ist auch Sprecher der

Werte-Union der CDU.

Höcker betreibt einen sehr forschen

Umgang mit missliebiger

Presse. „Journalisten-Bedrohung ist

okay“, hat er voreinigen Jahren in einem

Gastbeitrag geschrieben. Nun

scheint Höcker diesen Ansatz auf Regierungsmitglieder

auszudehnen.

Die AfD antwortet nicht nur mit

Anwaltsschreiben auf Roths Angriff.

Ihr Fraktionsvorsitzender Alexander

Gauland verweigerte es im Bundestag,

auf Distanz zu gehen zu den

umstrittenen Reaktionen aus der

AfD nach dem Terroranschlag in

Halle mit zwei Toten.

„Solange ein Mitglied der Bundesregierung

sagen kann, die AfD

sei der politische Arm des Rechtsterrorismus,

entschuldige ich mich

hier für nichts“, sagte Alexander

Gauland und bezeichnete die Regierung

als „politischen Arm des islamistischen

Terrors“.

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6* Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Deutsche Banken

wollen „digitalen Euro“

Deutsche Banken wollen sich für

eine Digitalwährung im Euroraum

starkmachen. „Wir brauchen in

Europa einen digitalen Euro“, sagte

der Präsident des Bundesverbands

der Banken, Hans-Walter Peters,auf

der Herbsttagung vonInternationalem

Währungsfonds und Weltbank

in Washington. Miteiner Digitalwährung

sollen unter anderem

Überweisungen schneller funktionieren.

Siekönnte Bitcoins und der

vonFacebook geplanten Währung

LibraKonkurrenz machen. (dpa)

Autoexperte fordert mehr

Zusammenarbeit mit China

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer

hat eine engereZusammenarbeit

Deutschlands mit China gefordert.

So seidie geplante Batterieforschungsfabrik

in Nordrhein-Westfalen

„kleinkariert“: Statt „in Münster

oder Aachen das Radneu zu erfinden“,

sollten Batteriewerke mit chinesischen

Herstellernzusammen

gebaut werden, sagte Dudenhöffer

der Deutschen Presseagentur.

China sei in Teilbereichen wie etwa

beim Telekom-KonzernHuawei

Technologieführer. (dpa)

Nabu kritisiert Pläne für

Offshore-Windkraft

Gut fürdas Klima, vielleicht schlecht für

dieUmwelt: Ein Windpark FOTO: WAGNER/ DPA

Beim Ausbau der Windkraft auf

Nord-und Ostsee drohen die Risiken

für die Umwelt nach Ansicht des

Naturschutzbunds (Nabu) in den

Hintergrund zu geraten. „Ich habe

das Gefühl, die Windindustrie und

Teile der Politik möchten einen Freifahrtschein

haben“, sagte der Nabu-

Meeresschutzexperte KimDetloff.

Angesichtsneuer Ausbauziele sei die

Gefahr groß, dass Schnelligkeit vor

Qualität gehe und Windparks an der

falschen Stelle gebaut werden. (dpa)

Energie wird immer

effizienter genutzt

Energie wirdinDeutschland immer

effizienter genutzt. Um Warenund

Dienstleistungen im Wert von1000

Euro herzustellen, werden nur noch

4,5 Gigajoule (GJ) Primärenergie

eingesetzt, teilte die Arbeitsgemeinschaft

Energiebilanzen mit. Dassei

ein weltweit vorbildlicher Wert und

entspreche einer Verbesserung von

mehr als 40 Prozent seit 1990, als

noch 7,7 GJ Primärenergie je 1000

Euro Wirtschaftsleistung benötigt

wurden, hießt es seitens der Arbeitsgemeinschaft.

Allein im vergangenen

Jahr verbesserte sich die Energieeffizienz

um 3,1 Prozent. (dpa)

Blablabus hat Fahrziele

seit Start verdoppelt

Rund vier Monate nach dem Einstieg

in den deutschen Fernbusmarkt

hat der bisherige Mitfahrdienst

Blablacar die Zahl seiner

Fahrziele verdoppelt. Inzwischen

fahren die Blablabusse knapp

40 Stationen hierzulande an, sagte

der Deutschland-Chef der Blablabus

genannten Marke, Christopher

Rahn, der Deutschen Presse-Agentur.Das

Unternehmen hatte Ende

Juni mit 19 Zielen begonnen und die

Fahrten damals ab einem Euro angeboten.

(dpa)

Vorsicht, Kredit!

Ein Darlehen zu bekommen, ist heutzutage ziemlicheinfach. Doch einfach ist nicht immer gut

Von Theresa Dräbing

Ob für die Finanzierung

eines neuen Autos oder

eine kostenintensive Renovierung

amHaus: Verbraucherkredite

sind zurzeit günstig

zu haben. Für ein Darlehen von

10000 Euro bei 36-monatiger Laufzeit

sind Zinsen mit einer Drei vor

dem Komma laut Ratenkreditvergleich

der FMH-Finanzberatung keine

Seltenheit mehr. Zugleich ist es

auch einfacher geworden, einen Kredit

zu bekommen. Onlinekreditportale

machen einen persönlichen Termin

bei der Hausbank für viele überflüssig.

Schließlich geht es auch einfach

und bequem vom Laptop von

Zuhause aus.Doch das hat nicht immer

nur Vorteile. Worauf Verbraucher

vorAbschluss eines Kredits achten

sollten:

1. Sich Bedenkzeit nehmen: Bevorein

Kreditvertrag abgeschlossen wird,

sollte in einem ersten Schritt überlegt

werden, wofür der Kredit gebraucht

wird und ob Zusammensparen womöglich

die bessere Alternative ist.

Die finanzielle Situation sollte es

auch bei einer Kreditrückzahlung ermöglichen,

auf unerwartete Ereignisse

reagieren zu können. „Zahlt der

Verbraucher gerade schon andere

Raten ab oder hat sowieso schon ein

sehr knapp kalkuliertes Budget, kann

sich eine Verschuldung rasch in eine

Überschuldung wandeln“, warnt

Sally Peters,Leiterin des Instituts für

Finanzdienstleistungen (Iff)inHamburg.

2. Das günstigste Angebot ist nicht

immer das beste: VieleAngebotesind

nur auf den ersten Blick wirklich

günstig. So beziehen sich die günstigsten

Angebote auf eine sehr gute

Bonität. Bei schlechterer Bonität

steigt in der Regel auch der Kreditzins.

Wird außerdem beispielsweise

zusätzlich eine Restschuldversicherung

abgeschlossen, ist diese Zusatzbelastung

nicht im Effektivzins ausgewiesen.

So hat die Bürgerbewegung

Finanzwende Anfang dieses

Jahres in einer Untersuchung festgestellt,

dass beim zusätzlichen Abschluss

einer Restschuldversicherung,

die bei Zahlungsausfall einspringen

soll, die tatsächliche Zinsbelastung

teilweise um bis zu 25 Prozent

anstieg.

3. Nicht ohne Weiteres einer Restschuldversicherung

zustimmen: Seit

Längerem kritisieren Verbraucherschützer

Restschuldversicherungen

als überteuerte Produkte mit einem

lückenhaften Versicherungsschutz.

So bezieht sich die Todesfallleistung

nur auf Erkrankungen, die nach Vertragsabschluss

eintreten. Auch die

Absicherung von Arbeitslosigkeit

greift nicht immer. „Dennoch wird

vonBanken häufig der Eindruck vermittelt,

dass eine Restschuldversicherung

verpflichtend ist“, kritisiert

auch Julian Merzbacher vonder Bürgerbewegung

Finanzwende. Zwar

wolle er nicht pauschal von solchen

WASHINTER GESCHENKTEN KREDITEN STECKT

Ratenkredite mit negativen Zinssätzen:

Vergangenes Jahr machten Vergleichsportale

wie Smava und Check 24 mit Konditionen für

Ratenkredite auf sich aufmerksam, die am

Ende der Vertragslaufzeit noch nicht einmal

komplett zurückgezahlt werden müssen. Der

Zinssatz lag teilweise bei minus 1,5 Prozent.

Werben um Kundenadressen: Die Aktion

war vorallem dazu da, Kunden zu gewinnen

und Adressen einzusammeln, so die Einschätzung

vonMax Herbst der FMH-Finanzberatung.Für

andere, rentablere Angebote

könnten die Verbraucher dann gezielt angeworben

werden.

GRAFIK: SASCHA JAECK

Policen abraten, Verbraucher sollten

den Nutzen und die Konditionen

aber sehr gründlich prüfen.

4. Niedrige Laufzeit wählen: „Auchbei

niedrigen Zinsen sollte zum Beispiel

die Laufzeit der Raten kurz gehalten

werden, denn diese verteuern den

Kredit“, rät Peters vom Iff Hamburg.

„Soll ein Auto zum Beispiel zehn Jahre

gefahren werden, sollte die Kreditlaufzeit

nicht darüber hinausgehen.“

5. Anbieter vergleichen: Es gibt mehrere

Wege an einen Kredit zu kommen.

Neben der Hausbank vermitteln

auch mehrere Onlineportale

Kredite an Verbraucher. Welche Variante

die bessere ist, lässt sich pauschal

nicht sagen. Aber es gibt VorundNachteile.WährendderHausberater

mit einem persönlichen Beratungsgespräch

punkten kann, welchesmanindemMaßebeiOnlineanbietern

nicht findet, ist der digitale

Abschluss bequemer und via Internet

leichter ein Vergleich möglich.

Außerdem werben Onlinekreditportale

wie Smava oder Auxmoney damit,

Menschen einen Kredit zu ermöglichen,

die bei einer Bank keinen

bekommen würden –wie es zum BeispielbeiSelbstständigenoderArbeitnehmern

mit befristeten Arbeitsverhältnissen

der Fall sein kann, die

nicht genügend Sicherheiten aufweisen.

In diesen Fällen kann etwa auf

einen Privatkredit zurückgegriffen

werden. Doch das Risiko sich zu verschulden

ist ohne ausreichend Sicherheiten

dementsprechend höher.

Am besten ist in jedem Fall: Beide

Wege prüfen. Denn auch ein Gespräch

mit dem Bankberater führt

nicht immer zum optimalen Ergebnis.

„Wo es möglich ist, empfehlen

wir einen unabhängigen Rat beispielsweise

von Verbraucherzentralen

einzuholen“, sagt Merzbacher.

„Je größer die Kreditsumme, umso

wichtiger ist das natürlich.“

6. Kündigungsrechte wahrnehmen:

Die Bank ist gesetzlich verpflichtet,

die Kreditwürdigkeit des Kunden zu

prüfen. Das kann beispielsweise in

Form von Gehaltsnachweisen oder

einer Schufa-Auskunft geschehen.

Kommt die Bank dieser Pflicht nicht

nach und geht dies letzten Endes

zum Nachteil des Kreditnehmers,

weil dieser sich womöglich verschuldet,

kann er gewisse Rechte wahrnehmen.

Zwar führt eine versäumte

Prüfung der Kreditwürdigkeit nicht

zur Unwirksamkeit des Darlehensvertrags.

Jedoch besteht theoretisch

das Recht, dass sich der Sollzins auf

einen marktüblichen Referenzzinssatz

mindert. Außerdem hat der DarlehensnehmerdasRecht,denVertrag

fristlos zu kündigen. DieBank hat in

diesem Fall auch keinen Anspruch

auf Zahlung einer Vorfälligkeitsentscheidung.

Darauf macht die Bundesanstalt

für Finanzdienstleistungen

(Bafin) aufmerksam. „Allerdings

ist es schwierig, einer Bank eine unzureichende

Prüfung juristisch

nachzuweisen“, merkt Merzbacher

an.

Roland Berger lässt NS-Vergangenheit aufarbeiten

Von Roland Losch

Der Unternehmensberater Roland

Berger hat sich entschieden,

die NS-Vergangenheit seines

Vaters aufzuarbeiten. Nach einem

Bericht des „Handelsblatts“ wolle er

Klarheit,soBerger.SeinenVaterhatte

er lange als Gegner und Opfer der Nazis

dargestellt. „Heute bin ich klüger“,

sagte Berger dem „Handelsblatt“.

Die Verleihung des Roland-

Berger-Preises für Menschenwürde

hat er vorerst verschoben.

Angesichts der Recherchen des

„Handelsblatts“ habe er die Histori-

Medienbericht stellt Rolle von Bergers Vater alsNazi-Gegnerinfrage

ker Michael Wolffsohn und Sönke

Neitzel beauftragt, „reinen Tisch zu

machen und alles aufzuklären“, kündigte

Berger an. Wolffsohn sagte dem

„Handelsblatt“: „Soweitsich das bisher

feststellen lässt, war GeorgBerger

in der TatProfiteur des NS-Systems.“

Laut der Zeitung war Georg Berger

1931 in die NSDAP eingetreten und

von 1936 bis 1939 Reichskassenverwalter

der Hitler-Jugend gewesen.

Anschließend sei er Generaldirektor

einer „arisierten“ Backfabrik geworden

und habe in einer beschlagnahmten

Villa gewohnt.

Berger hatte seinen Vater in Interviews

in der Vergangenheit als moralisches

Vorbild beschrieben, der 1938

aus Protest gegen die Pogrome aus der

Partei ausgetreten sei und unter Lebensgefahr

gezeigt habe, „mit mir

nicht“. Jetzt sagte er dem „Handelsblatt“,

die Gestapo-Durchsuchungen

habe er als kleiner Buberlebt. Sein Bild

vomVaterstammeauchausErzählungen

in der Verwandtschaft. Es sei wohl

„Selbstbetrug, den ich mir da habe zuschulden

kommen lassen“.

Berger selbst hat mit 50 Millionen

Euro Privatvermögen eine Jugendstiftung

gegründet und lässt seit 2008

einen hoch dotierten Preis für Menschenwürde

verleihen. In diesem Jahr

wirddie Preisverleihung nun verschoben.

Die Berichterstattung über die

Rolle seines Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus

gefährde Würde

und Renommee des Preises,soBerger.

Der polnische Bürgerrechtler Adam

Bodnar,der den Preis am kommenden

Montag erhalten sollte, hatte angekündigt,

die Auszeichnung wegen

Zweifeln an Bergers Rolle im Nationalsozialismus

nicht entgegenzunehmen.AuchdasNetzwerk„Schuleohne

Rassismus –Schule mit Courage“ verzichtete

der Mitteilung der Stiftung

zufolge auf den Preis. (dpa)

Mehr Geld

wird weniger

wichtig

Chemie-Beschäftigte

fordern „Zukunftskonto“

Von Christoph Höland

Wenn an diesem Montag die

bundesweite Chemie-Tarifrunde

startet, stehen nicht nur Lohnprozente

auf der Agenda. Die Gewerkschaft

IG BCE fordertaußerdem

ein sogenanntes Zukunftskonto, das

den Beschäftigten flexiblere Arbeitszeiten

und mehr Freizeit bringen soll.

„Der eine möchte sich individuell

freinehmen, andere würden es für

die Rente ansparen oder irgendwann

ein Sabbatical nehmen“, sagt Sinischa

Horvat, Betriebsratschef bei

BASF. „Das kommt bei uns sehr gut

an.“

Der Arbeitgeber-Verband BAVC

warnt hingegen vor überzogenen

Forderungen, bringt sogar eine Nullrunde

ins Gespräch. Diese „würde

niemanden ins Unglück stürzen“,

sagte Verhandlungsführer Georg

Müller der „Rheinischen Post“. Die

exportabhängige Chemieindustrie

verweist auf die Handelskonflikte

und eine deutlich abgekühlte Konjunktur.Die

IG BCE hält dagegen: Ihr

gehe es um die Krisenfähigkeit der

Industrie auf längereSicht, erklärtdie

Gewerkschaft. Sie fordert unter anderem

eine Qualifizierungsoffensive

angesichts der Digitalisierung und

eine tarifliche Zusatzversicherung

für den Pflegefall. Auf eine konkrete

Prozentforderung hat die Gewerkschaft

in diesem Jahr verzichtet, will

aber eine „reale Lohnerhöhung“.

Vier bis sechsfreie Tage mehr

Auch müsse für Entlastung der alternden

Belegschaften gesorgt werden,

wofür das sogenannte Zukunftskonto

daszentraleInstrument

ist. Jeder der rund 580000 Beschäftigten

soll ein solches Konto bekommen.

1000 Euro jährlich würden die

Arbeitgeber losgelöst vom Gehalt

einzahlen. Die Beschäftigten wiederumdürften

dann wählen, ob sie die

Summe ausbezahlt bekommen oder

in vier bis sechs freie Tage jährlich

umwandeln. Sie könnten auch auf

dem Zukunftskonto sparen, um irgendwann

auf einen Schlag in den

Genuss der Vorzüge zu kommen.

Dass diese Forderung bei der

IG BCE zuletzt viel Zuspruch bekam,

hat dem Vernehmen nach aber den

einen oder anderen Gewerkschafter

überrascht. Doch der Wunsch nach

flexibleren und kürzeren Arbeitszeiten

gewinne spätestens seit den

jüngsten Abschlüssen in der Metallindustrie

allerorten an Bedeutung,

sagt die Göttinger Arbeitssoziologin

Nicole Mayer-Ahuja. Sie erklärt das

vorallem mit zunehmender Arbeitsverdichtung

und wachsendem

Stress. „Projektarbeit mit Zielvereinbarungen,

bessere Software zur Dokumentation

vonArbeitoderdas stetige

Betonen von Standortkonkurrenz

und Shareholder-Value haben

ihre Spuren bei den Beschäftigten

hinterlassen.“ Bei Erhebungen des

DGB hätten zuletzt 41 Prozent der

Beschäftigten angegeben, zu erschöpft

zu sein, um ihreFreizeit noch

auszukosten. „Das ist wirklich viel“,

meint Mayer-Ahuja.

Dass das geforderte Zukunftskonto

bei Beschäftigten gut ankommt,

überrascht sie nicht. Schließlich

wählten etwa ältere Arbeitnehmer

bislang nur individuelle Strategien

für den Umgang mit zu hoher Belastung.

„Also meist Teilzeit mit Lohnverzicht

oder Frühverrentung mit

Einkommensbußen“.

Ob die Arbeitgeber den Zukunftskonten

zustimmen, bleibt

abzuwarten. Das Konzept kommt

etwa einer Lohnerhöhung um

1,8 Prozent gleich, hat der BAVC

ausgerechnet. Dass die Beschäftigten

weniger arbeiten wollen, stößt

aberaus einem anderemGrund auf

Skepsis: Es könnte schwer werden,

Ersatz für zu Hause bleibende Beschäftigte

zu finden – wegen des

Fachkräftemangels.


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 7 *

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Wirtschaft

Warnstreiks treffen Lufthansa-Töchter

Eskalation zwischen Ufo-Gewerkschaft und Fluggesellschaft: Etwa 100 Flugzeuge blieben kurzfristig am Boden

Von Christian Ebner

Die Kabinengewerkschaft

Ufo hat ihre für Sonntag

angekündigten Warnstreiks

bei vier Lufthansa-

Töchtern kurzfristig ausgeweitet. In

der Folge fielen einige Flüge aus.

DerStreitgeht ums Prinzip.

Die kurzfristig ausgeweiteten

Warnstreiks der Flugbegleiter haben

am Sonntag bei verschiedenen Gesellschaften

des Lufthansa-Konzerns

zurund100Flugausfällengeführt.Vor

allem in Berlin, Köln, München und

Stuttgart bekamen die Fluggäste den

Arbeitskampf zwischen der Kabinengewerkschaft

Ufo und dem größten

LuftverkehrskonzernEuropas zu spüren.

DieGewerkschaft hatte den Warnstreik

am Morgen von ursprünglich

sechs auf 19 Stunden bis Mitternacht

bei den Konzerntöchtern Eurowings,

Germanwings, Lufthansa Cityline

und Sunexpress verlängert. DieKerngesellschaft

Lufthansa wurde hingegen

nicht bestreikt, sodass am

größten deutschen Flughafen in

Frankfurt nur wenige Flüge der Lufthansa

Cityline abgesagt werden

mussten.

„Die vollmundigen Ankündigungen

der Lufthansa, alle Flüge stattfinden

zu lassen, sind einfach nicht eingetreten“,

sagte der stellvertretende

Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr in

Frankfurt. Er beschuldigte das Management,

Streikbrecher mit bis zu

Lange Schlangen wegen eines kurzfristig verlängerten Streiks: Die Flugbegleitergewerkschaft Ufohat am Sonntag dieLufthansa-Töchter bestreikt.

200 Euro Extraprämien geködert zu

haben. Ein Eurowings-Sprecher erklärte,

dass nur tarifvertraglich fest

vereinbarte Zuschläge gezahlt würden.Diesewürdenimmerfällig,wenn

FlugbegleitersichanfreienTagenfreiwillig

meldeten. Allgemein hielten

sich die Auswirkungen der aus Sicht

des Konzerns rechtswidrigen Warnstreiks

in Grenzen. „Mehr als 90 Prozent

der Crews sind pünktlich zum

Dienst erschienen.“ Eine Gesamtzahl

der ausgefallenen Flüge nannten

Lufthansa und Eurowings zunächst

nicht. Für eine Bilanz müsse das

Streikende abgewartet werden.

FOTO: FRISO GENTSCH/DPA

Denöffentlich zugänglichen Flugplänen

zufolge fiel jeweils eine deutlich

zweistellige Zahl von Flügen in

Berlin-Tegel, Köln, München, Stuttgart

und Hamburg aus, zusammen

mit kleineren Flughäfen wurden rund

100 Starts abgesagt. Gestrichen wurden

meist innerdeutsche Verbindungen,

auf denen die Passagieremit der

Bahn ans Ziel gebracht werden konnten.

In Düsseldorffiel ein Überseeflug

der Eurowings zum NewYorkerFlughafen

Newark aus, allerdings wohl

aus technischen Gründen.

Von Ufo bestreikt wurden ausschließlich

Flugbetriebe mit deutschem

Tarifrecht mit Ausnahme der

Lufthansa-Kerngesellschaft. Nach

einer Flugplanauswertung des Onlineportals

Austrianaviation.net sollten

diese Gesellschaften am Sonntag

rund 500 Verbindungen mit Flugnummern

der Gesellschaften Eurowings,Lufthansa

und Sunexpress anbieten.

Dem Vernehmen nach hat

Eurowings einzelne dieser Flüge mit

nicht bestreikten Flugbetrieben

durchgeführt. Hier kommen die

LG Walter und die österreichische

Eurowings Europe in Betracht.

Ufo kündigte an, am Montag die

Warnstreiks in ihren jeweiligen Tarifkommissionen

auszuwerten und über

weitere Maßnahmen zu beraten. Die

Gewerkschaft hat für jede der fünf

Fluggesellschaften Forderungen aufgestellt,

die vom Lufthansa-Konzern

teilweise bereits freiwillig geleistetwerden.

So zahlt Lufthansa freiwillig

2,0 Prozent mehr Gehalt, obwohl Ufo

im aktuellen Arbeitskampf nur 1,8 Prozent

geforderthat.

ZumAbschluss vonförmlichen Tarifverträgen

mit der Ufo ist Lufthansa

aber weiterhin nicht bereit. Sieerkennt

den Ufo-Vorstand nach erheblichen

Führungsquerelen nicht mehr als vertretungsberechtigt

an und will der Gewerkschaft

vor Gericht die Fähigkeit

absprechen lassen, Tarifverträge

rechtsgültig abzuschließen. Im Hintergrund

schickt sich die Konkurrenzgewerkschaft

Verdian, neue Tarifverträge

für das Kabinenpersonal abzuschließen.

(dpa)

AMS bleibt hartnäckig

Die Österreicher unterbreiten neues Angebot für Osram

Von Thomas Magenheim

Nur zwei Wochen nach gescheitertem

zweiten Übernahmeversuch

wagt AMS ein drittes Mal, den

dreifach größeren Traditionskonzern

Osram zuschlucken. Eine erste Offerte

hatte die Firma schon binnen

24 Stunden wieder kassiert. Beim jetzigen

Anlauf stehen die Chancen allerdings

besser denn je.Preislich bietet

AMS zwar unverändert41Euroje

Osram-Aktie und damit insgesamt

4,6 Milliarden Euro für die ehemalige

Siemens-Tochter. Aber zum einen

wurde die Annahmeschwelle vonzuvor62,5

auf 55 Prozent gesenkt. Zum

anderen hat ein rivalisierendes Bieterduo

aufgegeben. Eindritter wichtiger

Punkt: Die Finanzinvestoren

Bain und Advent haben Osram mitgeteilt,

kein Angebot mehr vorlegen

zu wollen. Darauf können Osram-

Aktionärenicht mehr spekulieren.

Während das Osram-Management

unter Konzernchef Olaf Berlien

dem Werben seines AMS-Amtskollegen

Alexander Everke zuvor noch erkennbar

skeptisch gegenüber stand,

scheint das Eis auf oberer Managementebene

nun gebrochen. AMS

und Osram hätten in den vergangenen

Tagen konstruktive Gespräche

geführt, sagt Berlien. „Der Vorstand

begrüßt die bisher erzielten Fortschritte

und ist zuversichtlich, dass

sich beide Seiten auf ein zukunftsfähiges

strategisches Konzept verständigen

werden“, erklärte er. Bislang

Vielleicht baldTeil vonAMS:Osram

könnte übernommenwerden. FOTO: HASE/DPA

hatten Berlien und seine Vorstandskollegen

genau das bezweifelt.

Kritischerdennjeistallerdingsdie

IG Metall. Die Gewerkschaft spricht

vom erneuten Versuch einer feindlichen

Übernahme. „Es entsteht der

Eindruck, dass sich AMS total verrannt

hat und dadurch bereit ist, unkalkulierbare

Risiken einzugehen“,

kritisiert der für Osram bei der Gewerkschaft

zuständige Klaus Abel.

Mulmig ist ihm zum einen wegen der

hohen Verschuldung, die mit einer

überwiegend kreditfinanzierten

Übernahme von Osram durch AMS

einhergehen würde. Zum anderen

bezweifeln Abel und Kollegen, dass

die kleine AMS mit ihren 9000 Beschäftigten

einen großen Konzern

wie Osram mit 26000 Mitarbeitern

erfolgreich integrieren könnte. Die

Angst um Jobs ist groß, zumal AMS

bislang betriebsbedingte Kündigungen

nicht ausschließen will.

Mitder skeptischen IG Metall und

Osram-Betriebsräten hat AMS seinen

neuerlichen Vorstoß auch nicht

abgesprochen.DassätweiteresMisstrauen.

Abel kritisiert auch die Art

und Weise des Vorgehens. Denn

eigentlich verordnet das Wertpapier-

Übernahmegesetz Unternehmen

eine einjährige Sperrfrist für eine

neuerliche Offerte, wenn eine Übernahme

gescheitert ist. AMS hat aber

einfach eine neue Bietergesellschaft

gegründet, die nun proforma Osram

kaufen will, was die IG Metall als

Trickserei und Verstoß gegen den

Geist des Gesetzes wertet.

Falls die deutsche Finanzaufsicht

sich nicht der Sichtweise der IG Metall

anschließt und die neue AMS-Offerte

ablehnt, wollen die Österreicher

ihrAngebotspätestensEndeOktober

offiziell machen und Osram-Aktionären

vier Wochen zum Verkauf ihrer

Anteile geben. Kommt es dazu, stehen

die Chancen für AMS mittlerweile

nicht schlecht. Denn bei der zweiten

gescheiterten Offerte wurden

dem Unternehmen aus Premstätten

bei Graz immerhin knapp 52 Prozent

der Anteile angeboten. Fast 20 Prozent

hat AMS bereits über Finanzmärkte

zugekauft. Im dritten Anlauf

könnte die Übernahme nun also gelingen.

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8* Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Meinung

Mietendeckel

ZITAT

Die Arbeit

beginnt erst

Elmar Schütze

erwartet vonRot-Rot-Grün einen

gerichtsfesten Gesetzesentwurf.

Der Gesetzesentwurf für den Mietendeckel

ist durch. Kurz vor knapp –

wenn der Fahrplan eingehalten werden

soll, das Gesetz Anfang 2020 zu beschließen.

Es brauchte drei krisenhafte Sitzungen

des Koalitionsausschusses und förderte

erstmals seriöse Zweifel an der

Kompromissfähigkeit des Bündnisses zutage.

Selten ist unter den Partnern sogestritten

worden. Und das gerne auch öffentlich,

als etwa der Regierende Bürgermeister

im ZDF Positionen festklopfte,die

internnoch nicht entschieden waren.

Dass es am Ende doch zu einem Gesetzesentwurf

gereicht hat, hatte zwei

Gründe – einen vordergründig-politischen

und einen strategischen: Natürlich

wollten alle Koalitionäreeine„Atempause

für die Mieter“, wie sie so häufig sagten.

Ebenso wahr ist auch, dass ein Scheitern

des Deckels auch als Scheitern von Rot-

Rot-Grün gewertet worden wäre. Alle drei

hätten verloren, das zwingt zusammen.

Doch die eigentliche Arbeit im Detail

beginnt ohnehin erst. Im parlamentarischen

Verfahren wird die Koalition noch

einmal das knappe Dutzend Rechtsgutachten

durchackern, das in den vergangenen

Monaten vorgelegt wurde. Ziel muss

eine gerichtsfeste Formulierung sein.

Die ganze Republik wird genau hinsehen,

denn es handelt sich nicht nur um

ein Berliner Thema. Andere Großstädte

leiden auch unter explodierenden Angebotsmieten.

In München ist gerade ein

Volksbegehren für einen sogar sechsjährigen

Mietenstopp gestartet worden.

Interessant wirdauch sein, ob die CDU

ihren Widerstand gegen den populären

Eingriff in den Mietenmarkt durchhält.

Zwar hat die Unions-Bundestagsfraktion

Klage gegen das Berliner Gesetz angekündigt.

Malabwarten …

Brexit

Verloren hat

Johnson noch nicht

Katrin Pribyl

denkt, es ist nur eine Frageder Zeit,

bis das Abkommen durchkommt.

Essollte ein historischer „Supersamstag“

werden. Doch die britischen Abgeordneten

verschoben die Entscheidung

über den Deal. Alles wie immer in der leidigen

Brexit-Saga. Sobald das britische

Unterhaus in den vergangenen Monaten

aufgerufen war, eine endgültige Wahl zu

treffen, drehte und krümmte und wand es

sich. Folglich hat Premier Boris Johnson

am Samstagabend um eine Verlängerung

der Brexit-Frist gebeten, auch wenn das

Gesuch in Form von drei Briefen mehr

von trotziger Unreife denn von staatsmännischer

Fähigkeit zeugt.

Wie geht es weiter? Das Chaos auf der

Insel wirkt größer als je zuvor. Als wahrscheinlich

gilt, dass die Regierung diese

Woche das Gesetz zur Ratifizierung des

Abkommens einbringt. Denn der Premier

mag am Sonnabend das Votum zurückgezogen

haben, womit der große Boris-

Johnson-Jubeltag fürs Erste ausblieb.Verloren

hat der Regierungschef trotzdem

nicht. Seine Rhetorik, dass das Parlament

den Willen des Volkes untergrabe und er

allein im Auftrag der enttäuschten Brexit-

Wähler agiere, kann er weiter verschärfen.

Für baldige Neuwahlen wirdihm die Taktik

helfen. Gleichzeitig scheint es nur eine

Frage der Zeit, bis er sein Abkommen

durch das Parlament bringt. Johnson

weiß nicht nur das Momentum auf seiner

Seite nach dem EU-Gipfel letzte Woche,

von dem er triumphierend mit Deal auf

die Insel zurückkehrte. Helfen dürften

ihm vorallem die Frustration etlicher Abgeordneter,

die das Thema erledigt sehen

wollen. Hauptsache Brexit, wie auch immer

der aussehen mag. Dasist die eigentliche

Tragik der Geschichte. Sollte nicht

ein Wunder geschehen, haben die europaskeptischen

Hardliner wohl gewonnen.

Revier Nahost

Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung

ist laut Bundesverfassungsgericht

„in gewissem

Sinn die Grundlage jeder Freiheit

überhaupt“. Meinungen sind Werturteile

und lassen sich somit weder als wahr noch

als unwahr qualifizieren. Es spielt für den

verfassungsrechtlichen Schutz keine Rolle,

ob die Meinungsäußerung begründet oder

grundlos erscheint, ob sie von anderen für

nützlich oder für schädlich, für wertvoll oder

für wertlos gehalten wird.

Vonden Meinungsäußerungen sind die

Tatsachenbehauptungen abzugrenzen. Hier

geht es um Äußerungen über gegenwärtige

oder vergangene Zustände oder Ereignisse,

die dem Beweise zugänglich sind. Allerdings

sind Meinungsäußerungen oftmals nahezu

untrennbar mit Tatsachenbehauptungen

vermischt. Deshalb fallen auch Tatsachenbehauptungen

unter den Schutz der Meinungsfreiheit

des Artikel 5Absatz 1GG, wenn und

soweit sie Voraussetzung der Bildung von

Meinungen sind.

Dem Grundrecht der Meinungsfreiheit

sind allerdings von Verfassung wegen Grenzengesetzt.

Diese ergeben sich aus Art. 5Abs.

2GG, wobei die Schranke der allgemeinen

Gesetze imVordergrund steht. Unter einem

allgemeinen Gesetz versteht man gemeinhin

ein Gesetz, das dem Schutz eines schlechthin,

also ohne Rücksicht auf eine bestimmte

Meinung, zu schützenden Rechtsguts dient.

Das Bundesverfassungsgericht geht darüber

hinaus von einer Wechselwirkung zwischen

den allgemeinen Gesetzen, die der Meinungsfreiheit

Grenzen setzen, und den Rechten

aus Art. 5Abs.1GG aus.Somit setzen die

allgemeinen Gesetze zwar dem Wortlaut

nach dem Grundrecht Schranken, müssen

ihrerseits aber in ihrer das Grundrecht begrenzenden

Wirkung selbst wieder eingeschränkt

werden.

Neben der klassisch-liberalen Funktion

des Grundrechts der Meinungsfreiheit als

Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe ist

Die Koordinaten in der Gesellschaft verschieben

sich. Auch diejenigen, die das

Gefühl dafür bestimmen, was normal ist und

was nicht. Nach dem Anschlag von Halle

geht die Verschiebung weiter. Und bedauerlicherweise

nicht zum Besseren.

Es gibt diesen berühmten Satz von Golda

Meir, der legendären israelischen Politikerin.

Sie sagte: „Die Juden können sich Pessimismus

nicht leisten.“Wassie damit sagt, ist, dass

die Anlässe für Pessimismus wohl weit zahlreicher

sind als für Optimismus.Und dass Optimismus

immer eine Option bleiben muss,

weil alles andereSchicksalsergebenheit wäre.

Auch in schweren Zeiten bleibt die Möglichkeit,

bleibt die Pflicht zu handeln. „So ist es

eben“, das ist demnach kein akzeptabler Satz.

Viele Menschen hat die Tatvon Halle erschüttert.

Mir ging es so und vielen anderen

auch. Die Tat rührte an ein Trauma. Für die

jüdische Gemeinschaft, für alle,inderen Familiengeschichte

jener kollektive Wahn des

Antisemitismus zu unvorstellbaren Grausamkeiten

geführt hatte. Deshalb ist es für

die Juden in Deutschland so wichtig, dass

das Motiv des Täters wirklich beim Namen

genannt wird. Es war Antisemitismus. Jeder,

absolut jeder Rechtsextremist ist ein Antisemit.

Dieser Wahn vonder Weltverschwörung

der Juden, diese Idee,dass Juden finster,böse

und mächtig sind, dass sie kleine Kinder

schlachten, die Welt vergiften, die „Völker“

zersetzen und was weiß ich noch alles –all

das gehört zum Betriebssystem des Rechtsextremismus.Zujedem

Rechtsextremismus.

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Die Basis

der Freiheit

Hans-Jürgen Papier

warbis 2010 Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Er forderteine

effiziente Durchsetzung des Rechts, auch im Internet.

KOLUMNE

Wasist noch

normal nach der

Tatvon Halle?

Anetta Kahane

Amadeu Antonio Stiftung

Wenn Juden mit diesem Hass konfrontiert

werden, der mehr als 2000 Jahre Zeit

hatte, sich im Gedächtnis festzutackern,

dann erschüttertdas,esrührtaneiner tiefen

Angst.

Es ist wie der Geruch von Feuer im Wald,

der jedem Lebewesen signalisiert, sich sofort

in Sicherheit zu bringen. Antisemitismus ist

das Urfeuer. Wenn es eine Gesellschaft erfasst,

verbrennt es alles.

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

dieses Grundrecht auch Ausdruck einer objektiv-rechtlichen

Wertentscheidung. Es

setzt mithin Maßstäbe bei der Auslegung

und Anwendung allen Gesetzesrechts, vor

allem auch des Privatrechts. Bei der Überprüfung

von straf- oder zivilgerichtlichen

Sanktionen wegen mehrdeutiger Meinungsäußerungen

ist vondem Grundsatz auszugehen,

dass die Gerichte beider Auslegungder

Meinungsäußerung nicht für den zur Sanktion

führenden Sinn entscheiden dürfen,

ohne zuvor die Alternativen mit tragfähigen

Gründen ausgeschlossen zu haben. Andernfalls

müsste der Meinungsäußernde stets befürchten,

wegen einer Deutung, die den gemeinten

Sinn seiner Äußerung verfehlt, mit

staatlichen Sanktionen belegt zu werden.

In Zeiten der Digitalisierung und des Internets

wirddie Frage diskutiert, ob die Meinungsfreiheit

neu zu denken sei. Es ist unzweifelhaft,

dass das Internet kein rechtsfreier

Raum ist, die materiell-rechtlichenVorschriften

zum Schutz öffentlicher oder

privater Rechtsgüter gelten selbstverständlich

uneingeschränkt auch bei der Nutzung

des Internets. Was nötig ist, ist die vom

Rechtsstaatsprinzip geforderte effiziente

Durchsetzung geltenden Rechts. Hier muss

die Gesetzgebung durcheineAnpassung von

Organisation und Verfahren dafür Sorge tragen,

dass unter den veränderten technologischen

Bedingungen sowohl die Herrschaft

des Rechts wie auch die staatliche Justizgewährung

uneingeschränkte Geltung behalten

oder wiedererlangen.

Herausforderungen wie die durch den Populismus,Hassreden

und die Verbreitung von

Fake News gehören schon immer zu den Risiken,

die die Demokratien um der Freiheit willen

stets aufs Neue eingehen und bestehen

müssen. Das Grundrecht der Meinungsfreiheit

darfauf gesetzlicher Grundlage und zum

Schutz höher-oder zumindest gleichrangiger

Rechtsgüter der Allgemeinheit oder des Einzelnen

eingeschränkt werden –nicht aber zur

Durchsetzung einer„besseren Moral“.

Eine junge Frau war voreinigen Tagen bei

mir. Ihr gingen die Ereignisse von Halle sehr

nah. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen,

die wie sie und ich selbst dieses Gefühl

vonBodenlosigkeit hatten. Ob wir nicht eine

Supervision bräuchten, fragte uns jemand.

Ich fand die Frage erstaunlich, aber für die

Stimmung im Land normal.

Normal, weil als unnormal angesehen

wird, wenn Antisemitismus als Urfeuer

wahrgenommen wird. Normal, weil es als

unangemessen oder übertrieben angesehen

wird, darauf mit Tränen und Erschütterung

zu reagieren. Das Gegenteil ist aber richtig,

es ist angemessen und normal, auf den Angriff

und seine Folgen emotional und tief besorgt

zu reagieren.

Undwas,folgt man Golda Meiers Gedanken,

kann man nun tun? Wiekann man handeln?

Was wäre im besten Sinne normal?

Vielleicht doch nicht die Mittel gegen

Rechtsextremismus und Antisemitismus

streichen, wie es das Bundesfamilienministerin

Franziska Giffey gerade tut?

Ja, esist normal und angemessen, darüber

wütend und enttäuscht zu sein. Ja, es

wäre normal, das bürokratische „So ist es

eben“-Zuständigkeitsgelaber zu lassen und

die Menschen vor Ort zu unterstützen, die

kompetent sind und handeln können. Was

für ein Armutszeugnis für die Bundesregierung,

dass das hier gesagt werden muss.

Gerade jetzt daran erinnern zumüssen,

was geschehen wird, wenn erst alles in Flammen

steht, das ist nicht normal.

„Die Mutter hat eine große

Verantwortung. Und sie

trägt dazu bei, dass die

Jungen nicht selbstständig

werden, weil sie ihnen alles

abnimmt.“

AhmetToprak, Professor für Erziehungswissenschaften

an der Fachhochschule Dortmund,

über die Erziehung muslimischer Jungs

AUSLESE

Wasbringt die

Grundsteuer-Reform?

Der Bundestag hat am Freitag nach

langen Verhandlungen die Reform

der Grundsteuer beschlossen. Die Kommentatoren

sehen Vor- und Nachteile.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilt

zufrieden:„Die letztendliche Höhe der

Grundsteuer in einem Ort verbleibt in der

Hand der jeweiligen Kommune. (...) Das

stärkt die Bedeutung kommunaler Politik

und den Wettbewerb der Kommunen untereinander.Wie

teuer die Grundsteuer im

nächsten Jahrzehnt wird, obliegt entscheidend

den Gemeinden und deren Hebesätzen.

Das liegt wiederum auch in der Verantwortung

derBürgermeister.“

In der Hannoverschen Allgemeinen

Zeitung ist zu lesen:„Es wärebessergewesen,

wenn sich der Gesetzgeber auf ein

bundesweit einheitliches und einfaches

System verständigt hätte –dennoch hat

die nun beschlossene Lösung auch einen

gewissen Charme. Bei der Grundsteuer

entwickelt sich ein Wettbewerb, welches

Bundesland sich für das vernünftigste

Verfahrenentscheidet.“

Die Fuldaer Zeitung kommentiert enttäuscht:

„Eine Steuerreform, die überfällig

war und beschlossene Sache ist, von der

aber niemand weiß, ob es teurer oder billiger,

einfacher oder komplizierter wird –

das ist einWiderspruch in sich. Denn keine

Reform sollte das Alte, das ersetzt werden

soll, verkomplizieren. Doch der Beschluss

liegt in der Natur einer großen Koalition,

die zusammenbringen muss,was nicht zusammengehört.“

Bettina Cosack

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Leser fragen –Experten

antworten: Alles über

das Sparen im Alter

Seite 12

Samariterkiez: Jetzt sprechen die Poller-Befürworter Seite 12

Charité: Neue Dokumentation lässt Mitarbeiter zu Wort kommen Seite 13

Stadtbild

Aram Tram

Tram

BarbaraWeitzel

erlebt eine Ohrwurmplage.

Während die Blätter sich nun

verfärben, herrscht in den Supermärkten

schon Winter. Ich gehöre

nicht zu den Leuten, die im

September mit einem „Endlich!“ zu

Dominosteinen und Spekulatius

greifen, habe es mir aber auch abgewöhnt,

mich über die Weihnachtsberge

im Altweibersommer aufzuregen.

IchmagVorfreude,und die lasse

ich mir weder durch voreiligen Genuss

noch durch den Ärger über die

Verführung nehmen. Man kann sie

ja ignorieren.

Nicht ignorieren kann ich die Begleiterscheinungen.

Das Kind fängt

nämlich beim Anblick der Lebkuchen

und Zimtsterne verlässlich an

zu singen. Und wer einmal „In der

Weihnachtsbäckerei“ im Ohr hatte

weiß: Das geht so schnell nicht weg.

Kaum ein Wurm hält sich fester. Gemessen

an seiner Länge und Kraft

müsste er Ohr-Anakonda heißen.

Undsokommt es, dass ich mir zwar

die Dominos und auch das Lamento

über ihre Omnipräsenz verkneife,

aber mit einem gequälten „zwischen

Mehl und Milch /macht so mancher

Knilch /eine riesengroße Kleckerei“

durch den sonnigen Park stapfe.

Stapfte. Denn ich wünsche mir

den Knilch im Ohr zurück. Schreibe

„kaum ein Wurm“ und nicht „kein

Wurm“. Bin seit kurzem klüger. Da

hörte ich Gesang aus einer Kita, vielstimmig,

hell und so schief, wie man

es nur Kinderkehlen verzeiht. Der

Text ging so: „Aram Sam Sam Aram

Sam Sam Gulli Gulli Gulli Gulli Gulli

Ram Sam Sam.“ Die Melodie passte

in ihrer Schlichtheit dazu wie ein

Sternförmchen zum Mürbeteig und

genau in mein Ohr. Demütig begriff

ich, dass man sich noch viel bescheuerter

vorkommen kann, als mit

der „Weihnachtsbäckerei“ auf den

Lippen.

Nun hat man sich ja, im 3. Jahrtausend

und in einer Großstadt lebend

und folglich permanent Musiken

ausgesetzt, Kompetenzen angeeignet,

sich zur Wehr zu setzen.

Denn viele der Lieder, die in Warteschleifen

und Geschäften laufen, haben

Wurmkräfte. Hält sich einer besonders

hartnäckig oder ist besonders

hässlich, hilft am besten ein anderer

hartnäckiger, idealerweise

nicht ganz so schlimmer.

Kinderlieder, siehe „Weihnachtsbäckerei“,

eignen sich hervorragend,

etwa „Booooob the builder“. Man

kann sich aber auch „Für Elise“, „It’s

Raining Men“ oder„Ergehörtzumir“

ins Gedächtnis rufen. Wenn man sich

traut. Denn während man mit Kinderliedern

nur Eltern ansteckt, trifft

es bei letztgenannten alle.

Apropos alle. Von dem Kita-Lied

befreite mich kurzfristig die BVG.

Seit Jahren mit der BSR um den besten

Kalauer wetteifernd, hat sie einige

Straßenbahnen mit folgendem

Slogan bedruckt:„Weine nicht, wenn

der Regen kommt. Tram Tram, Tram

Tram“. Mit dem Wurm könnte ich

ein paar Stunden leben, zumal ich

für Kalauer nicht weniger empfänglich

als für Dominosteine bin. Aber

„Tram“ und „Aram“ reimt sich halt

leider. Dem wilden Wechsel beider

Lieder ausgesetzt, kommt mir die

letzte Zeile der „Weihnachtsbäckerei“

in den Sinn: „Schmeiß den Ofen

an oh ja!“ Vonmir aus.

Blick aus einem Hochhaus am S-Bahnhof Bellevue: Der Wagen des Sonderzuges stand lichterloh in Flammen.

Sonderzug in Flammen

Aus ungeklärter Ursache gerät ein Waggon mit Fans des SC Freiburg in Brand –drei Leichtverletzte

VonPatrick Berger,Mathias Bunkus

Andreas Kopietz und Eric Richard

Eshätte in einer Katastrophe

enden können. Doch die

Fußballfans hatten Glück

im Unglück. Als in der

Nacht zum Sonntag ihr Sonderzug

Feuer fing, waren Feuerwehr und Polizei

schnell zur Stelle, und auch die

Besonnenheit der Fans selbst verhinderte,dass

Panik ausbrach.

Rund 700 Anhänger des Fußball-

Bundesligisten SC Freiburg waren

am Sonnabend nach dem verlorenen

Spiel gegen Union Berlin gegen

20 Uhrmit einem Sonderzug vomS-

Bahnhof Charlottenburg aus in

Richtung Heimat gestartet. Kurz darauf

fing ein Wagen im vorderen Teil

des Zuges Feuer. Im S-Bahnhof

Bellevue kam der Zug zum Stehen.

DieFahrgäste im vorderen Teil retteten

sich auf den Bahnsteig, die im

hinteren Teil auf die Gleise.

Die Feuerwehr rückte mit einem

Großaufgebot von 200 Leuten an.

Der Zug wurde evakuiert, ebenso

zwei S-Bahnen und schließlich der

gesamte Bahnhof. Eine Panik blieb

aus, weshalb die „Supporters Crew

Mit rund 200 Leuten wardie Feuerwehr im Einsatz.

Freiburg“, die die Fahrt organisiert

hatte, dem besonnenen Verhalten

ihrer Fans dankte.„Drei Personen erlitten

Rauchgasvergiftungen und

wurden zur ambulanten Behandlung

in Krankenhäuser gebracht“,

sagte ein Feuerwehrsprecher. Der

Waggon brannte völlig aus.

DieBundespolizei leitete die Freiburger

zum Hauptbahnhof, von wo

die Weiterreise organisiert wurde.

Viele nahmen den letzten ICE kurz

IMAGO IMAGES

vor Mitternacht. Für die Rückfahrt

seiner Fans charterte der SC Freiburg

auch Busse.Erbedankte sich für das

Angebot des 1. FC Union, seine VIP-

Räume als Übernachtungsmöglichkeit

zur Verfügung zu stellen. Die

Unioner hatten kurzfristig geprüft,

inwieweit die Gäste noch verköstigt

werden könnten und Decken bereitgelegt.

„Wir haben uns sofort vorgestellt,

wie es uns ergehen würde,

wenn einer unserer Sonderzüge vom

Abgas-Check am Straßenrand

DPA

Unglück betroffen wäre“, sagt

Union-Sprecher Christian Arbeit. „In

dieser Spielzeit fahren unsere Fans

zu elf Spielen per Sonderzug.“

Der Unglückszug wurde Stunden

nach dem Brand zur Werkstatt Grunewald

geschleppt. Die Bundespolizei

übernahm die Ermittlungen zur

Brandursache. Ein technischer Defekt

kann momentan genauso wenig

ausgeschlossen werden wie fahrlässige

Brandstiftung, etwa durch einen

Bengalo. Einige Freiburg-Fans hatten

beim Spiel in der Alten Försterei

Pyrotechnik gezündet.

Der Zug gehört einem Schweizer

Unternehmen, das laut SCF eine

Übernahme der Rückreisekosten zugesagt

hat. Das Unternehmen bietet

Sonderzugfahrten an. Für Fußballfans

nutzt es meist veraltete Modelle,

da die Züge hinterher wegen Beschmierungen

oder kaputten Scheiben

oft repariert werden müssen. In

einem Statement der Firma hieß es:

„Man schließt einen technischen

Defekt an dem betroffenen Wagen

aus, dader Brand offensichtlich im

Innern eines Abteils in der Wagenmitte

ausgebrochen ist, wo es keine

Technik gibt.“

Der Senat lässt von diesem Montag an messen, welche Autos wie viele Schadstoffe während der Fahrt ausstoßen

VonGerhard Lehrke

Die Apparate, die an diesem

Montag am Straßenrand der

Neuköllner Sonnenallee und der

Straße Am Seegraben in Treptow-

Köpenick aufgestellt werden, könnten

rein optisch Radarfallen sein.

Aber die Messgeräte dienen einem

anderen Zweck. Die Senatsverwaltung

für Umwelt,Verkehr und Klimaschutz

lässt damit bis zum 1. November

die Auto-Schadstoffe messen.

Das eine, kastenförmige, Gerät

sendet unsichtbares Licht –infrarot

schriebenen Kontrollen werden. Parallel

zur Abgasmessung wirdüberVideo

das Kennzeichen erfasst, sodass

über die Zulassungsstelle bekannt

wird, was für ein Auto vorbeigefahren

ist, welche Schadstoff-Eingruppierung

es hat und ob es mit Diesel

oder Benzin fährt.

DerSenat verspricht, dass die Daten

nur für die Bestimmung des

Fahrzeugs verwendet werden. Eine

Abfrage der Halterdaten oder eine

Strafe wegen möglicherweise zu

schnellen Fahrens gebe es nicht. Die

Datenschutzbehörde habe dem Ver-

und ultraviolett – in Auspuffhöhe

über die Straße.Das andereGerät gegenüber

registriert, welche Veränderungen

das Licht durch die Abgase

erfahren hat, und wie schnell das

Auto fuhr. Daraus kann ein Computer

errechnen, wie viel Kohlendioxid

und wie viel Stickoxide der jeweilige

Wagen ausstieß.

Das System, von der spanischen

FirmaOpus entwickelt, soll der Erarbeitung

eines Informationssystems

dienen, das die aktuelle Belastung

der Luft abbildet. Es soll Teil der von

Berlins Luftreinhalteplan vorgefahren

zugestimmt. Allerdings soll

mit dem Versuch, der vomBund mit

155 000 Euro gefördert wird, auch

ausprobiertwerden, ob man defekte

oder manipulierte Autos identifizieren

kann, die zu viele Schadstoffe

ausstoßen.

Erkenntnisse erhofft sich der Senat

künftig weiterhin bei der Wirksamkeit

von Durchfahrverboten für

Dieselautos auf bestimmten Straßen.

Sie sollen ab November für Autos

mit Abgasnorm5oder schlechter

unter anderem auf Teilen der Friedrich-

und der Leipziger Straße gelten.

NACHRICHTEN

Straßenblockade: Polizisten

angegriffen

Vier Polizisten sind angegriffen und

verletzt worden, als sie eine Straßenblockade

in Friedrichshain-Kreuzbergverhinderten.

Eine Gruppe von

rund 50 Menschen wollte gleichzeitig

die Oberbaumbrücke betreten, wie

die Polizei am Sonntag mitteilte.Die

Beamten drängten die Gruppe durch

Schieben und Drücken vonder Fahrbahn

und sprachen mehrfach Platzverweise

aus, hieß es weiter.Essoll

Reizstoff in Richtung der Polizisten

gesprüht worden sein. Drei Einsatzkräfte

erlitten Augen- und Atemwegsreizungen,

sie setzten ihren Dienst

aber fort,wie eine Polizeisprecherin

sagte.Einem weiteren Polizisten sei

voneinem Unbekannten in den Rücken

getreten worden. DiePolizei

hatte vondem Blockadeversuch über

soziale Medien erfahren. Einen Zusammenhang

mit zwei Demonstrationen

gegen die türkische MilitäroffensiveinNordsyrien

am Sonnabendnachmittag

bestätigte sie

nicht.„Die Ankündigungen sind im

Zuge der Demonstrationen aufgetaucht,

die Teilnehmer ließen sich

aber nicht eindeutig zuordnen“, sagte

diePolizeisprecherin. (dpa)

Bei 71 Häftlingen wurde

Tuberkulose diagnostiziert

In Berliner Gefängnissen sind in den

vergangenen vier Jahren 71 Tuberkulose-Erkrankungen

bereits bei den

Aufnahme-Untersuchungen diagnostiziertworden.

Dasgeht aus einer

Antwortder Gesundheitsverwaltung

auf eine Anfrage der AfD an das

Abgeordnetenhaus hervor. DieZahlen

für 2015 bis 2019 wurden vom

Landesamt für Gesundheit und Soziales

ermittelt. Zuletzt war im September

eine Tuberkulose-Erkrankung

bei einem Häftling im Berliner

Gefängnis Heidering (Teltow-Fläming)

bekannt geworden. (dpa)

Trabi-Hupkonzertmit

David Hasselhoff

DerUS-Sänger David Hasselhoff ist

Trabi-Fan.„Es ist ein lustiges Auto,ich

wünschte ich hätte einen in meiner

Auffahrt“, sagte der 67-Jährige am

Sonnabend nach einemVideodreh in

Berlin. Dabei fuhren etwa zehn bunte

Trabis auf die Rathausbrücke,der

Sänger trat zu Fußauf. DieAutofahrer

gaben Hasselhoffs Hit„Looking For

Freedom“hupendzum besten.WenigeWochen

nach der Maueröffnung

1989 hatte Hasselhoff das Lied auf der

Silvesterparty am BrandenburgerTor

gesungen. Im Maiäußerte Hasselhoff

denWunsch, erneut zu Silvester in

Berlin aufzutreten. Aufdpa-Nachfrage

hieß es,das hängevon seinem

Terminplan ab.Derzeit sehe es so aus,

als würde er in Großbritannien auf

der Bühne stehen. (dpa)

Der US-Sänger David Hasselhoff am Sonnabend

beim Dreh mit Trabis. SABINE GUDATH


10 Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Alles

zulasten

der

Republik

1926 schlossen der Staat Preußen

und das ehemalige Königshaus

der Hohenzollern einen Vertrag,

der sittenwidrig genannt werden darf.

Die Bayern machten es besser

Stadtgeschichte

VonNikolaus Bernau

Im März 1926 demonstrierten in Berlin erwerbslose Frauen und Männer für die im Volksbegehren vorgeschlagene Fürstenenteignung.

BPK

Wer den Streit um die gescheiterte

Enteignung

der vormals regierenden

Fürstenfamilien

im Deutschen Reich in den 1920er-

Jahren betrachtet, der darf den großen

Rahmen nicht übersehen. Revolutionen

und politische Umstürze

produzieren nämlich immer die

Frage: Wie gehen die neuen Herrscher

mit den Anhängern des alten

Regimes um? Will man sie ausgrenzenoder

einbinden?

Teil eines solchen Entscheidungsprozesses

war, dass in Berlin das

Schloss 1926 dem Staat, das umfangreiche

Kulturgut in den Schlössern

und das staatlich finanzierte Hohenzollernmuseum

aber überwiegend

dem „vormals regierenden preußischen

Königshaus“ zugesprochen

wurden. Bis heute führt das zu Eigentumskonflikten.

Es geht immer um die Macht

Neue Regime müssen, um ihreMacht

zu etablieren, die Sicherheit der Bürger

zu garantieren und die eigenen

Anhänger zu belohnen, möglichst

schnell Steuern und Abgaben einziehen.

Beides kann, wie Lenin, Trotzki,

Stalin oder Mao Tse-tung zeigten,

durchaus auch mit Terror und Ausplünderung

der Bevölkerung erreicht

werden. Langfristig sind die Nachteile

der Methode aber groß: Sie ist teuer,

zerstörtimmense Kenntnisse,schafft

andauernde Unsicherheit und behindertden

Aufbau neuer Loyalitäten.

DerNormalfall ist deswegen, dem

alten Regime eine Brücke zu bauen in

die neue Zeit, bis die eigenen Anhänger

in der Lage sind, das Land zu regieren.

Daswar auch die Strategie der

deutschen Republikaner nach der Revolution

1918.

Spätestens die Wahl zur Nationalversammlung

1919 hatte klargemacht,

dass die Deutschen nicht den

radikal-revolutionären Weg Russlands

gehen wollten. Die Weimarer

Reichsverfassung garantierte entsprechend

einerseits das Eigentum,

machte andererseits die Enteignung

im gesamtgesellschaftlichen Interesse

möglich.

DieklareAblehnung der entschädigungslosen

Fürstenenteignung

1926 im Volksentscheid zeigte zudem,

wie starküber alle Partei-, Konfessions-

und regionalen Grenzen

hinaus die Loyalitäten an die alten

Herrscherfamilien waren: Nur in

Berlin, Hamburg und Leipzig wurde

die 50-Prozent-Marke knapp überschritten,

reichsweit stimmten lediglich

36,4 Prozent der Abstimmenden

dem Vorschlag der KPD zu.

Aber Privat- und Staatsvermögen

der einstigen Herrscherfamilien und

das für die Unterhaltung der Höfe

eingesetzte Kronvermögen waren

faktisch und rechnerisch oft kaum

trennbar: Imkleinen Mecklenburg-

Strelitz etwa wurde mehr als die

Hälfte des Staatsgebiets als Privatbesitz

der einstigen Herzogsfamilie bewertet.

In Bayern galten die heutigen

Staatlichen Kunstsammlungen insgesamt

als Privatbesitz der Wittelsbacher.

Wilhelm II. von Preußen hatte,

durchaus untypisch für seine sonst

militärisch geprägte Familie, erfolgreich

als Unternehmer agiert, etwa

mit der Gründung der Majolikafabrik

inCadinen. Wasvon diesen Vermögen

war privat, was staatlich erworben?

Wie stand es mit Bibliotheken,

Schlossausstattungen, Hoftheaternund

-orchestern, die oft vonden

Hofverwaltungen betreut worden

waren, zweifellos aber der Repräsentation

des Staats und oft dem Vergnügen

seiner Bürger dienten?

Bayern fand als eines der ersten

deutschen Länder eine Lösung. 1923

wurde vom Landtag und von der

Volksentscheid Fürstenenteignung 1926

Ja zur Enteignung der Fürstenvermögen in Prozent aller berechtigten Stimmen

Hamburg: 52,5

28,1

33,7

33,0

41,7 44,2

34,1

40,0

32,6

Koblenz-

Trier: 34,0

17,8

38,0

34,8

27,5

37,9

34,1

42,5

48,5

47,3

Wittelsbacher-Familie der Wittelsbacher

Ausgleichsfonds eingerichtet.

Als Fundament dieser ewigen

Stiftung wurden die staatlichen Domänen

zwischen Staat und Wittelsbachern

aufgeteilt und alle nach

1804 von den Wittelsbachern erworbenen

Kulturgüter etwa in die Alte

und die Neue Pinakothek, die Glyptothek,

das Bayrische Nationalmuseum

oder die Staatsbibliothek eingebracht.

Zugleich begründete der einstige

Kronprinz Ruprecht die Wittelsbacher

Landesstiftung für das vor1804

erworbene Kulturgut. Ziel der Doppelstiftung

ist, den Kunstbesitz der

Wittelsbacher in der Gesamtheit der

Gesellschaft zu erhalten. Veräußerungen

aus den Sammlungen, um

Pommern: 23,5

39,4

39,8 34,2

44,1

40,9

31,9

45,3

24,4

Leipzig: 51,7

26,6

Niederbayern: 12,5

20,6

20,2

Berlin: 62,4

Frankfurt/Oder: 28,7

>60–70 %

>50–60 %

>40–50 %

>30–40 %

>20–30 %

>10–20 %

BLZ/HECHER; QUELLE: WIKIPEDIA

die Familie zu unterhalten, sind

nicht möglich. Andererseits muss

der Staat Bayern dauerhaft diese Familie

finanzieren.

Angesichts der juristischen und

politischen Ausgangsbedingungen

war der Kompromiss geradezu brillant.

Auch deswegen ist er bis heute

unumstritten. Der Großherzog von

Sachsen-Coburg-Gotha 1928 orientierte

sich an diesem Modell. Ganz

anders die Welfen in Braunschweig.

Sieerhielten acht Millionen Mark aus

einstigem Welfenvermögen, zudem

Land und Schlösser als Ausgleich sowie

endgültigen Zugriff auf den einzigartigen

Stiftsschatz von St. Blasien

in Braunschweig. Dieser „Welfenschatz“

wurde 1930 an ein Händlerkonsortium

verkauft,der ihn nach einer

Tournee durch die USA in den

1930ernanden Staat Preußen veräußerte.

Obdieser Weiterverkauf unter

nationalsozialistischem Zwang stattfand,

ist umstritten. 1945 konnten sie

mithilfe der britischen Armee zudem

die in Ostdeutschland gelegenen

Schlösser leerräumen, deren Inventar

zusammen mit dem vonSchloss Marienburg

2005 bei Sotheby’s für 25

Millionen Euro versteigert wurde.

Kurz: Die Welfen leben seit mehr als

einem Jahrhundert von dem Vermögen,

das ihnen der Staat Braunschweig

überließ.

Ähnlich sahen die Verträge mit

den Obotriten in Mecklenburg-

Schwerin, den WettinerninSachsen,

dem Haus Baden, dem Haus Hessen,

oder thüringischen Fürstenfamilien

aus: Land und Häuser sowie Kulturgut

werden privatisiert, um auf

Dauer die Entschädigungsansprüche

abzugelten.

Auch die Hohenzollern verhandelten

unter dieser Maxime seit 1920

mit dem StaatPreußen.Eine Stiftung

für Kulturgut nach bayrischem Vorbild

stand nie ernsthaft zur Debatte.

Stattdessen wurde 1926 ein Vertrag

abgeschlossen, der nach heutigem

Verständnis sittenwidrig genannt

werden darf. Es wurden praktisch alle

finanziellen Lasten der Republik zugeschrieben,

also der Unterhalt von

73 Schlössern und Parkanlagen, die

Zahlung der Gehälter und der in Jahrzehnten

aufgebauten Pensionsverpflichtungen.

Die Familie Hohenzollern

bekam hingegen den Zugriff auf

etliche gut bewohnbareHäuser sowie

auf Zehntausende erstklassig kommerziell

zu verwertende Kunstwerke

aus dem Inventar der Schlösser.

Da es im Vertrag kein genaues

Verzeichnis der Bestände gab, auch

das Stichdatum nachträglich verändertwurde,ist

heute der Eigentumsstatus

vieler Objekte unklar.Dass die

Kronjuwelen, genuiner Bestand jeder

Staatsrepräsentation, zum Privatbesitz

erklärt wurden, grenzt ans

staatsrechtlich Absurde, ebenso die

Verfügung über ganze Aktenbestände

und Bibliotheken.

Noch erstaunlicher ist, dass Preußen

den Hohenzollern Zugriff auf

Bestände erlaubte, die eindeutig vor

1820 erworben worden sind, als mit

der Civilliste die Trennung von

Staats- und Monarchenvermögen

wenigstens formal etabliert worden

war. So kam etwa die grandiose

Sammlung von Rokoko-Gemälden,

die Friedrich II. einst eindeutig für

den Staat erworben hatte, inihren

Privatbesitz. Die Hohenzollern begannen

entsprechend, wie jüngere

Forschungen zeigen, spätestens

Ende der 1920er-Jahre und in kontinuierlicher

Reihe bis in die jüngste

Vergangenheit, das ihnen zugebilligte

Kulturgut auf Auktionen oder

durch Direktverkäufe zu verwerten.

Große Ansprüche, keine Leistung

Das Fatale an dieser Lösung war:

Viele Mitglieder der einst herrschenden

Familien Deutschlands wurden

mit dieser Vermögenslösung zu

Dauer-Rentiers mit großen Ansprüchen,

aber keinerlei eigener Leistung

mehr für die Gesellschaft. Keiner der

Söhne Wilhelms II. trat eine eigenständige

Karriere inWirtschaft, Verwaltung,

Politik, Wissenschaft oder

Kultur an –imUnterschied zu den

weit bescheidener finanzierten Wittelsbachern,

die aber als Landwirte

schon im 19. Jahrhundert reüssiert

hatten, oder den vollkommen enteigneten

österreichischen Habsburgern.

Aber auch das gehört zur Geschichte

der Fürstenentschädigungen:

die sukzessivepolitischeDemobilisierung

eines einst politisch aktivenStandes

durch Verrentung.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Fernsehturm

Knüppelbahn

Wärmewende

Um den Bau des Fernsehturms tobten während der

Hochzeit des Kalten Krieges in den 60er-Jahren harte

Konflikte,indie sogar die Supermächte Sowjetunion und

USA involviert waren. Zugleich bildete der Fernsehturm

den Auftakt für eine Neugestaltung der Ost-Berliner Innenstadt.

Diese Aspekte werden in der Ausstellung „50

JahreBerliner Fernsehturm–zwischen Alltagsleben und

Weltpolitik“ dargestellt. Gezeigt werden eindrucksvolle

Bilder vomBau des Turmes,aber auch vomAlltagsleben

in der Zeit zwischen 1969 und 1990.

„50 Jahre Berliner Fernsehturm–zwischen Alltagsleben und Weltpolitik“,

Ausstellung im Freiraum am Fernsehturmsüdlich der Marienkirche

Deutschlands erster Unterwassertunnel führte vonStralau

nach Treptowunter der Spreehindurch. Am 16. September

1899, vor 120 Jahren, rollte zum ersten Mal eine

Straßenbahn –die sogenannte Knüppelbahn –inProbefahrt

durch die 454 Meter lange (mit Rampen 582), eingleisig

ausgelegte Röhre. Startauf der Stralauer Halbinsel

war an der Tunnelstraße, auf der anderen Seite im Treptower

Park (Platz am Spreetunnel). Drei Minuten lang

rumpelte die Elektrische durch den Stollen. Im Schildvortriebverfahren

hatte man ihn in vier Jahren gebaut:

3,76 Meter breit mit Scheitelpunkt in zwölf MeternTiefe

unter der dort 195 Meter breiten Spree. 1,7 Millionen

Goldmark kostete das Experiment. Im Dezember ging

die erste öffentliche Untergrundbahn Deutschlands zwischen

dem Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof)

und TreptowinDienst. Um Zusammenstöße zu vermeiden,

standen Posten an den Tunnelenden, die dem einrollenden

Fahrer einen Stab übergaben, der bei Ausfahrt

wieder abzugeben war –daher der Name Knüppelbahn.

Als 1932 Risse in der Wand der Röhrefestgestellt wurden,

sperrte man sie für den Bahnverkehr. 30Jahre lang war

die Tunnelfahrteine Sensation. Für die Zeit der Olympischen

Spiele 1936 sicherte man die Röhreund gestattete

Fußgängerverkehr. ImZweiten Weltkrieg richtete man

einen Luftschutzbunker ein. Der Tunnel existiert noch,

ist aber geflutet, die Rampen sind zugeschüttet. (mtk.)

1956 war das KraftwerkReuter in Spandau mit 326 Megawatt

das größte Kraftwerk inWest-Berlin. Mit der Inbetriebnahme

vonReuter CimJahr 1969 lieferte das Steinkohlekraftwerk458

Megawatt fürWest-Berlin. Jetzt endet

mit dem Abriss von Block Cdiese Geschichte. Als Ersatz

nahm Vattenfall Europas größte Power-to-Heat-Anlage

in Betrieb,die Fernwärme aus Stromerzeugt –wichtiger

Baustein der Berliner Wärmewende. Zudem versucht

man am Standort Reuter, überschüssigen Grünstrom

(Wind, Sonne) in Form vonWärme in Salz zu speichern.

Blog zur Geschichte: https://group.vattenfall.com/de/newsroom/blognews-presse/blog/2019/mai/geschichte-berliner-energieversorgung


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 11

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Berlin

Hand in Hand

Mit einer Menschenkette zeigt man seine Verbundenheit. Am Sonntag demonstrierten 300 Berliner vor derNeuen SynagogeinMittegegen Antisemitismus. Reicht das?

VonJulia Haak

Es ist fast 12.30 Uhr, als am

Sonntag vor der Neuen

Synagoge in Mitte ein

Mann am Mikrofon die zusammenstehenden

Menschen bittet,

sich mit dem Rücken zur Synagoge

nebeneinander aufzustellen

und sich unterzuhaken. Ziemlich

schnell kommen etwa 300 Menschen

seiner Bitte nach. Sie sind einem

Aufruf des Bündnisses für ein

weltoffenes und tolerantes Berlin gefolgt.

Nunstehen sie zusammen und

verteidigen eine Stunde lang an dieser

Stelle symbolisch eine Synagoge,

während drinnen zum Ende des jüdischen

Laubhüttenfestes der Sukkot-Gottesdienst

gefeiertwird.

Es hat bereits einige symbolische

Akte in Berlin nach dem Anschlag

auf die Synagoge in Halle gegeben.

An einer Solidaritätskundgebung vor

der Neuen Synagoge nahm voreiner

Woche die Bundeskanzlerin teil. Am

Tag danach demonstrierten 10 000

Menschen in der Hauptstadt gegen

Antisemitismus.Auch jene Demonstration

führte zur Neuen Synagoge.

Zusammenstehen

An diesem Sonntag sind Familien

mit Kindern gekommen, ältere

Leute,der künftige Bischof der evangelischen

Landeskirche ist da, der

Diözesanratsvorsitzende des katholischen

Erzbistums, Imam Kadir

Sanci vomHouse of One, die stellvertretende

Vorsitzende des DGB-Bezirks

Berlin-Brandenburg. „Schön,

Zusammen gegen Antisemitismus und Hass: Etwa300 Menschen kamen am Sonntag zur Neuen Synagoge in Mitte.

dass Siedasind“, sagt die Rabbinerin

Gesa Ederberg, als sie nach dem Gottesdienst

aus der Synagoge zu den

Versammelten kommt. „Wir als jüdische

Gemeinschaft in Deutschland

bauen darauf, dass Siehier sind und

dass wir zusammenstehen“, sagt sie.

Öffentliche Zeichen seien wichtig.

Genauso wichtig sei es, kleine Zeichen

zu setzen. Und damit spricht

Gesa Ederberg dann alle an, auch

jene, die an diesem Sonntag nicht

gekommen sind. Aufstehen und etwas

sagen in der U-Bahn, im Supermarkt,

in der Familie, bei der Arbeit.

„Einfach Leuten nichts durchgehen

lassen –sei es Antisemitismus,sei es

Homophobie, Islamfeindschaft,

Frauenfeindlichkeit. Das kommt alles

aus dem gleichen dunklen

Sumpf“, sagt Gesa Ederberg. Womit

sie klarmacht, dass eine Menschenkette

allein noch niemandem hilft.

Es muss mehr sein. Zusammenstehen,

sich nicht auseinanderdividierenlassen.

Sich einsetzen.

Ein großes Ziel also. Wer an diesem

Sonntag vor die Neue Synagoge

gekommen ist, sieht das vermutlich

ebenso.Christian Stäblein, der kommende

evangelische Bischof zum

Beispiel. Er findet es wichtig, symbolisch

Zeichen zu setzen. Aber die

Frage ist ja, ob das reicht? Christian

Stäblein, danach gefragt, sagt Nein.

Er sieht mehr offenen Antisemitismus

in Deutschland, ein zunehmendes

Phänomen also. „Deshalb müssen

wir erst mal sehr offen Zeichen

dagegen setzen und nicht nur reden,

wie wir es in den letzten Jahren immer

wieder getan haben“, sagt er.„Es

BERND FRIEDEL

muss jetzt mehr werden.Wirmüssen

sichtbar machen, dass die Mitte der

Gesellschaft, dass wir alle angegriffen

werden, wenn Synagogen angegriffen

werden.“ Genau aus diesem

Grund steht er an diesem Tagvor der

Synagoge. Erverteidigt die freie offene

Gesellschaft.

Klingt einfach.Werzudiesem Termin

mit S- oder U-Bahn angereist ist,

hatte allerdings direkt vor Augen,

dass die meisten Menschen mit ganz

anderen Dingen beschäftigt sind.

Die Bahnen sind voll mit Sonntagsausflüglern,

die einen angenehmen

Taginder Stadt verbringen wollen.

DieGespräche drehen sich um Kinofilme

und die Ausflugsziele. Stäblein

verlangt allerdings einen Kulturwandel.

Beijedem Einzelnen.

Die Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichte

in dieser Woche anlässlich

des Anschlags in Halle einen Artikel,

in dem der Autor und Dokumentarfilmer

Richard Schneider erklärt,

dass er die Hoffnung auf die

deutsche Gesellschaft aufgegeben

habe. Er bezeichnet Mahnwachen

vor Synagogen als lächerlich. Alle

könnten sich nach Menschenketten

wohlfühlen und versprechen, es

werde nun etwas getan, aber dann

geschehe nie etwas. InDeutschland

braue sich etwas zusammen.

Nicht warten, selbst anfangen

Eine derart pessimistische Sicht auf

dieses Land hat Christian Stäblein

nicht. „Aber wenn wir nicht anfangen,

sichtbare Zeichen zu setzen,

bleibt immer das einzig sichtbare

Zeichen der Antisemitismus“, sagt

er. Andieser Stelle mischt sich eine

ältere Frau indie Diskussion ein. Sie

steht an Stäbleins Seite untergehakt.

„Es ist wichtig, dass über solche Veranstaltungen

mehr informiert wird,

damit mehr Leute kommen. Ich

glaube, dann würden auch mehr

Menschen aufstehen und nicht weggucken,

wenn ihren Nächsten in der

U-Bahn oder anderswo schlimmes

geschieht. Man kann nicht warten,

man muss selber anfangen“, sagt sie.

Siewill das jedenfalls tun.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Berlin

Mandelas Enkel

eröffnet

Ausstellung

Objekte Nelson Mandelas

im Bikini Berlin zu sehen

VonManuel Giehler

Allein die Eröffnungsrede von

Nkosi Zwelivelile Mandela war

eine emotionale Reise in die Vergangenheit.

Der Enkel von Nelson Mandela

–heute Oberhaupt der Familie

und selbst politisch tätig –hat am

Freitagabend im Bikini Berlin an der

Budapester Straße eine Ausstellung

über seinen berühmten Großvater eröffnet.

Sieheißt „Mandela –The Official

Exhibition“ und ist bis zum

15. März2020 zu sehen.

Die Ausstellung zeigt den Menschen,

Aktivisten, politischen Gefangenen

und Staatsmann Nelson Mandela

(1918–2013). Zu sehen sind viele

Objekte,die für Mandelas Lebensabschnitte

stehen. Dazu gehören ein

originales Geschirr aus seiner Zeit als

Gefangener auf Robben Island und

Briefe an seine Töchter, indenen er

schreibt, das er nicht wisse, wann er

aus dem Gefängnis entlassen werde

und dass er sich in einsamen Nächten

die Fotos seiner Kinder anschaue.

Insgesamt war Mandela 27 Jahre inhaftiert.

Eine käfigartige Konstruktion

zeigt den engen Raum der Zelle

mit der Nummer 46664.

DieGesichter der Ausstellungsbesucher

spiegeln die Erkenntnis wider,

dass dies alles gar nicht so lange her

ist. Auch viele Jugendliche gehen

durch die Räume und setzen sich mit

den Infowänden und Videoergänzungen

auseinander.Die Ausstellung

passt gut in die Zeiten des Populismus.

„Wir brauchen wieder mehr

Mandelas“ war ein Satz, der während

der Eröffnung fiel. Mandelas Enkel

setzt auf die Energie der Jugend.

Diese solle sich –wie er sagte –von

seinem Großvater, dem unermüdlichen

südafrikanischen Freiheitskämpfer,inspirieren

lassen. (mit dpa)

Nkosi Zwelivelile Mandela bei der Ausstellungseröffnung

in Berlin BLZ/WÄCHTER

Poller? Ja bitte!

Friedrichshainer reagieren auf die Kritik an den Durchfahrtssperren in ihrem Wohngebiet

VonPeter Neumann

Die heftige Kritik an den

Durchfahrtssperren im

Friedrichshainer Samariterkiez

hat Bewohner

des Viertels auf den Plan gerufen. Sie

loben die Poller –und wenden sich

gegen die Forderungen einer Bürgerinitiative,

die rot-weißen Stahlpfeiler

wieder abzubauen. „Sowohl unsere

Familie wie auch viele Nachbarnund

Gewerbetreibende befürworten die

Poller“, so Stefan Hainke, Norbert

Stein und Doreen Kniebel aus der

Bänschstraße. „Der Verkehr hat sich

deutlich verringert. Dies ist zu allen

Verkehrszeiten spürbar.“

„Poller,nein danke!“ –das war der

Tenor eines Berichts der Berliner

Zeitung in der vergangenen Woche.

Die Arbeitsgemeinschaft Verkehr

und Vernunft lehnt die Barrieren ab,

die der BezirkFriedrichshain-KreuzbergMitte

August in der Pettenkoferund

der Bänschstraße sowie auf der

Kreuzung Schreiner-/Voigtstraße

aufgebaut hat. „Der Verkehr, auch

der Durchgangsverkehr sucht sich

weiter seine Wege –die nun länger

sind“, sagt Oliver Mummer, ein Mitglied

der Gruppe.Die Umwege führten

an Kitas und Spielplätzen vorbei.

Unterm Strich, so der Eindruck der

Kritiker,sei die Belastung gestiegen.

Die Initiative kritisiert Bezirksstadtrat

Florian Schmidt (Grüne),

der für die Poller verantwortlich sei.

„Es werden Dinge gegen den Willen

der Mehrheit der Anwohner durchgedrückt,

Anfragen und Beschwerden

werden komplett ignoriert.“

Barrieren halten Notarzt nicht auf

Der CDU-Politiker Kurt Wansner sekundierte:

„Grünen-Stadtrat

Schmidts Findlings- und Pollerwahn

wird zur Gefahr für Anwohner und

Klimaschutz.“ Mit den Findlingen

sind die Steine gemeint, die frühere

Parkplätze in der Bergmannstraße

okkupieren. „Seine neuen Barrieren

im Samariterkiez führen zu erheblichen

Umwegen“, stellte Wansner

fest. Schmidt habe im Alleingang gehandelt.

DieSperren müssten weg.

Solche Kritik wollen Bewohner

des Viertels nördlich der Frankfurter

Allee jedoch nicht stehen lassen. Ihre

Devise lautet: Poller? Ja bitte! In Briefen

an die Berliner Zeitung und bei

Twitter betonen sie,dass sie die Sperren

für sinn- und wirkungsvoll halten.

Sie hätten eine „positive Wirkung“,

schreibt Chris Lopatta aus

dem Samariterkiez. Weitere Maßnahmen

zur Verkehrsberuhigung

Umstrittene Wegmarken: die Poller im Samariterkiez.

Negativrekord: Der Bezirk Friedrichshain-

Kreuzberg dürfte zu den Gebietskörperschaften

mit dem niedrigsten Motorisierungsgrad

in Deutschland gehören. Wieberichtet waren

Ende 2017 pro tausend Einwohner

284,6 Kraftfahrzeugezugelassen –Tendenz

sinkend.Angesichts dessen nähmenAutos zu

viel Raum ein, sagen Bewohner des Bezirks.

BITTE UMFAHREN!

BERND FRIEDEL

Große Belastung: Bürger und Parteien setzen

sich seit längerem dafür ein, den Verkehr

im Samariterkiez nördlich der Frankfurter Allee

zu beruhigen. Zählungen im Auftrag des

Bezirks Friedrichshain-Kreuzbergergaben

hohe Belastungen vonbis zu 450 Kraftfahrzeugen

pro Stunde. Vorallem auf den Nord-

Süd-Straßen waren Schulkinder gefährdet.

sollten folgen: „Als Vater eines zweieinhalbjährigen

Sohnes finde ich,

dass die Poller,die den Durchgangsverkehr

vonder Frankfurter Allee zur

Eldenaer Straße unterbinden, nur

ein erster Schritt sein können.“

„Es stimmt nicht, dass der Verkehr

im Kiez zugenommen hat“, betont

Christoph Kehl von der Initiative

verkehrsberuhigter Samariterkiez.

„Um das festzustellen, reicht

eine einfache Besichtigung vor Ort

zur Hauptverkehrszeit, die zeigt,

dass es kaum noch Durchgangsverkehr

gibt und die Verkehrsmenge

insgesamt signifikant abgenommen

hat. Der vorher stark präsente

Schwerlastverkehr ins Gewerbegebiet

ist fast völlig verschwunden.“

Dagegen kämen Rettungswagen

wie bisher ohne Umwege ans Ziel.

Einsatzkräfte können die Barrieren

mit einem Spezialschlüssel entfernen,

so der Sprecher der Initiative,

die sich seit Jahren für eineVerkehrsberuhigung

einsetzt. „Besonders ärgerlich

ist die Behauptung der Gegner,

dass gefährliche Falschfahrten

in Einbahnstraßen ein Ergebnis der

umgesetzten Maßnahmen seien –

ein Argument, das wir oft hören.

Doch niemand wird gezwungen,

sich verkehrswidrig zu verhalten.“

Kein Alleingang des Stadtrats

Andere Anwohner weisen darauf

hin, dass sich Bezirksgremien mit

dem Thema befasst haben. Voneinem

Alleingang des Stadtrats könne

keine Rede sein, sagen sie. Stellvertretend

schreibt Sebastian Kraus:

„Initiativen für und gegen eine Verkehrsberuhigung

wurden im Ausschuss

gehört, und anschließend

wurde sie durch die Bezirksverordnetenversammlung

beschlossen.“

Anders als die versuchsweise Umgestaltung

der Bergmannstraße

stößt die Verkehrsberuhigung im Samariterkiez

bei den Sozialdemokraten

im Bezirknicht auf Kritik. Im Gegenteil:

Die SPD habe sich aktiv dafür

eingesetzt, so die verkehrspolitische

Sprecherin Peggy Hochstädter.

„Seitdem das angrenzende Schlachthofgelände

mit Townhouses und einem

riesigen Einkaufsbereich zugebaut

wurde, diente der Kiez als Abkürzung

für Privat- und Lieferverkehr.

Für die vielen Kinder im Kiez

wurde das zunehmend gefährlich.“

Nach einem Jahr will der Bezirk

entscheiden, ob die Poller bleiben.

Sie seien „reversibel“ –könnten also

wieder abgebaut werden. Doch offenbar

gibt es im Kiez nicht nur Kritiker,sondernauch

Befürworter.

Telefonforum

Richtig

sparen

im Alter

Finanzexperten antworten

am Lesertelefon

Wer in Rente geht, hat für den

neuen Lebensabschnitt

meist etwas auf die hohe Kante gelegt:

in Form einer Versicherung,

eines Fonds,einer privaten Zusatzrente,

eines Sparplans. In jedem

Berliner Haushalt befinden sich im

Durchschnitt 11 700 Euro in einer

Lebens- oder Rentenversicherung,

wie der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe

2018 des Amtes

für Statistik zu entnehmen ist. Darüber

hinaus verfügt der Berliner

Durchschnittshaushalt über ein

Sparguthaben von 3 900 Euro sowie

Wertpapiere im Wert von

14 500 Euro.

Aber wie es Durchschnittswerte

so an sich haben: Die konkrete Situation

sieht oft anders aus. Daher

ist gut beraten, werander Schwelle

zum Ruhestand seine Finanzen einem

Gesamtcheck unterzieht.

Schließlich fallen Lohn oder Gehalt

als monatliche Einkommensquelle

künftig weg. An deren Stelle treten

Rente oder Pension, die im Allgemeinen

um einiges unter dem bisher

Gewohnten liegen. Dafür reduzieren

sich aber auch einige Ausgaben.

Es zahlt sich aus, für die neue

Lebensphase einen Plan in Finanzdingen

zu haben.

Dafür sind einige Fragen zu klären:

Entsprechen die Geldanlagen

noch den geänderten Bedingungen?

Welches Geld wird wann gebraucht?

Ist es dann flüssig? Wie

lange sollte man Geld fest anlegen?

Sind Fonds im Alter noch empfehlenswert?

Lässt man sich die Versicherung

als Sofortrente oder Einmalbetrag

auszahlen? Wofür soll

man überhaupt sparen? Sollte man

eine altersgerechte Wohnung kaufen?

Wie viel ist für den Notgroschen

einzuplanen?

Doch Geld anlegen ist in diesen

Zeiten nicht so einfach. In unserer

Lesertelefon-Reihe haben Sie am

Donnerstag Gelegenheit, sich genau

dazu bei Finanzexperten persönlich

zu erkundigen. Petra Hauschulz von

der Stiftung Warentest/Finanztest

und Frank Schöndorf vom deutschen

Fondsverband BVI stehen am

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Datum: 28.09.2019

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geborenen und am 05.05.1976 verstorbenen,

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Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 13 *

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Berlin

POLIZEIREPORT

Prügelei vor Disko.

Beieiner Prügelei voreiner Diskothek

in Rudowsind am Sonntag sieben

Personen verletzt worden. Nach

bisherigen Ermittlungen der Polizei

kam es zunächst vorder Disko in der

Neuköllner Straße gegen 4Uhr aus

unbekannten Gründen zwischen einem

22-Jährigen und einem unbekannten

Mann zum Streit, der dann

in eine Handgreiflichkeit mündete.

Bekannte des einen und des anderen

Mannes mischten sich dann ein, sodass

eine größereRangelei entstand.

Plötzlich trafen zwei Autos ein, deren

Insassen sich an der Auseinandersetzung

beteiligten. EinBeteiligter

sprühte mit Reizgas wahllos in die

Menge.Dann flüchteten mehrere

Täter.ZweiFrauen und fünf Männer

im Alter von19bis 22 Jahren erlitten

durch den Reizstoff Reizungen der

Augen und Atemwege.

Fahrgast homophob beleidigt.

In Lichtenbergist offenbar ein Mann

homophob beleidigt und bedroht

worden. Der24-Jährige gab an, dass

er am Sonntag, gegen 19.30 Uhr, am

U-Bahnhof Frankfurter Allee beim

Einsteigen in einen Zugvon einem

unbekannten Fahrgast mit homophoben

Worten zum Aussteigen aufgefordertwurde.Erdrohte

außerdem

mit dem Ziehen eines Messers.

Der24-Jährige verließ daraufhin den

Zug. DerStaatsschutz beim Landeskriminalamt

übernahm die Ermittlungen.

Schwer verletzt.

MehrereRippenbrüche und einen

Beckenbruch hat ein MotorradfahreramSonntagabend

in Treptowerlitten.

Laut Polizei bog ein 61-Jähriger

gegen 19 Uhrmit seinem VW von

der Puschkinallee nach links in die

Bouchéstraße ab.Erselbst gab an,

niemanden bemerkt zu haben und

durch einen Knall aufmerksam geworden

zu sein. In diesem Moment

habe er im Rückspiegel den stürzenden

Motorradfahrer bemerkt. Der

57 Jahrealte Motorradfahrer konnte

wegen der Verletzungen noch nicht

zu dem Unfall befragt werden. Aufgrund

der Unfallsituation geht die

Polizei jedoch davon aus,dass er auf

der Puschkinallee in entgegenkommender

Richtung unterwegs war

und vondem Autofahrer übersehen

wurde.

Zusammenstoß auf Kreuzung.

Zwei Autofahrer sind in der Nacht zu

Sonntag in Wedding schwer verletzt

worden. Nach bisherigen Erkenntnissen

der Polizei fuhr ein 22-Jähriger

mit seinem Mercedes gegen

1.20 Uhrbei Rotüber die Kreuzung

Müller-, Fennstraße und stieß mit

dem Toyota eines 51-jährigen Fahrers

zusammen. (kop.)

Hinter den Mauern der Charité

Die dritte Staffel der RBB-Dokumentationsreihe über die Universitätsklinik läuft an

VonKristin Hermann

So eine Kieferoperation ist

nichts für schwache Nerven.

In diesem Fall sollen der

Ober- und Unterkiefer des

Patienten aufgeschnitten und ein

Stück weit nach vorne gesetzt werden,

damit er besser atmen kann. Auf

dem Gesicht vonChristian Rexspielt

sich bei den Erklärungen von Max

Heiland, ärztlicher Leiter der Klinik

für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

der Charité, ungefähr das ab,

was der Betrachter dieser Szene

ebenfalls empfindet: eine Mischung

aus Unbehagen und Faszination. Rex

ist für den ungewöhnlichen Eingriff

extra aus Bremen ins Virchow-Klinikum

in Berlin gekommen. Der 48-

Jährige leidet seit vielen Jahren unter

schwerem Schnarchen – bis zu 30

Atemaussetzer pro Stunde sind es

mittlerweile, weshalb er eine Schlafmaske

benötigt.

Wie viele andere Betroffene auch,

hat der 48-Jährige dadurch stark zugenommen.

Tagsüber ist Christian

Rex sehr müde, beim Autofahren

überfällt ihn häufig ein Sekundenschlaf.

Derletzte Ausweg: eine Kieferoperation

bei Max Heiland. Doch

durch die Operation werden sich

auch seine Gesichtszüge verändern,

was ihm der Arzt mithilfe einer Computersimulation

erklärt.

Notstrom bis zu 33 Stunden

Rexist einer der Patienten, die für die

dritte RBB-Staffel „Die Charité –auf

Leben und Tod“ begleitet wurden.

Das Konzept scheint bei den Zuschauern

anzukommen. Die Dokumentationsreihe,

die ab 21. Oktober

montags um 21 Uhr ausgestrahlt

wird, zeigt Mitarbeiter und Patienten

der Charité im Krankenhausalltag

und gibt Einblicke in die historische

Entwicklung des Klinikkomplexes

und der medizinischen Ausstattung.

„Das Krankenhaus bietet einen unerschöpflichen

Fundus an Geschichten“,

sagt Ulrich Frei, ärztlicher Direktor

der Charité, bei der Vorstellung

der sechsteiligen Reihe.

Das haben in der Vergangenheit

auch andereSender so bewertet. Immer

wieder ist die Universitätsklinik

Vorbild und Drehortvon Fernsehproduktionen.

Zu den bekanntesten

zählt neben der Dokumentation derzeit

die ARD-Serie „Charité“ nach einem

Drehbuch der Grimme-Preisträgerin

Dorothee Schön, die 2017 erstmals

ausgestrahlt wurde. Während

die zweite Staffel das Ende des Zweiten

Weltkrieges thematisiert, wirddie

dritte Staffel um die Zeit des Mauerbaus

spielen. Die Produktion läuft

seit einigen Monaten.

Charité-Auszubildende Angie Richter in der Kinderüberwachungsstation. RBB/MANFRED PELZ

„Mich macht es sehr stolz, dass wir Menschen

helfen und sie aufbauen können, wenn sie

dazu selbst nicht in der Lage sind.“

Maik Häcker, Pflegedienstleiter der Kardio-Intensivstation im Virchow-Krankenhaus

Wieauch schon in den ersten beiden

Staffeln der RBB-Doku konzentriert

sich das Team um Regisseurin

Jana von Rautenberg hingegen auf

die Gegenwart und zeigt eine Mischung

aus emotionalen Patientengeschichten

und der Vorstellung der

fachlichen Arbeit des medizinischen

Personals.„Neuist, dass wir nun auch

Mitarbeiter einbezogen haben, die

die Charité im Hintergrund am Laufen

halten“, sagt Rautenberg.

Dafür ist in den vergangenen Monaten

unter anderem der technische

Leiter Thomas Flügel zu seiner Arbeit

befragt worden. Der flächendeckende

Stromausfall in Köpenick ist

vielen noch gut im Gedächtnis. Für

einen solchen Fall ist die Charité nach

eigenen Angaben gerüstet. Bis zu33

Stunden können sich alle Standorte

autarkmit Notstrom selbst versorgen,

erklärt Flügel in der ersten Folge. Ein

Aufwand, den sich sonst kaum ein

Krankenhaus in Deutschland leistet.

Mittlerweile sind das Fernsehteam

und die Mitarbeiter vonBerlins

ältester Klinik zusammengewachsen.

Viele sind seit der ersten Staffel dabei.

So auch Maik Häcker,Pflegedienstleiter

der kardiologischen Intensivstation

im Rudolf-Virchow-Krankenhaus.

Der 36-Jährige, seit fünf Jahren

in der Charité, versorgt mit sechs Kollegen

täglich bis zu 16 Patienten. In

der ersten Folge sind Häcker und das

Team für einen Mann zuständig, der

eine Erkältung verschleppt hat. Die

Folge: eine lebensbedrohende Herzschwäche.

Eine Maschine hat die

Herztätigkeit für ihn übernommen.

Bangen mit der kleinen Liselotte

Schwere Schicksale und Stress gehören

zum Alltag auf der Intensivstation.

Für Maik Häcker aber ist und

bleibt es ein Traumberuf, für den er

mithilfe der Dokumentation werben

will. „Es gibt so viele Menschen, die

aus dem Beruf rauswollen oder ihn

gar nicht mehr erlernen möchten,

obwohl es eine so wichtige Arbeit ist“,

sagt er.Der examinierte Krankenpfleger

zeigt, dass Humor dazugehört.

„Wir haben nicht nur mit Ausscheidungen

zu tun, sondern mit Menschenleben“,

sagt er.„Mich macht es

sehr stolz, dass wir ihnen helfen und

sie aufbauen können, wenn sie dazu

selbst nicht in der Lage sind, und dadurch

für einen kurzen Zeitraum Teil

ihrer Lebensgeschichte werden.“

Besonders emotional wird esfür

die Zuschauer beim Schicksal der

kleinen Liselotte, die von Christof

Dame auf der Intensivstation der

Neonatologie im Virchow-Klinikum

betreut wird. Es war ein Schock für

das Ehepaar Verena und Holger Stein

aus Caputh, als sich einige Wochen

vor der Geburt ihrer Tochter herausstellte,dass

das Kind eine Zwerchfellhernie

hat. Der trennende Muskel

zwischen den Verdauungsorganen

und dem Lungen- und Herzraum

hatte sich nicht vollständig entwickelt

und geschlossen. Als gefährliche

Folge ist das kleine Herz auf die rechte

Seite gedrückt, der linke Lungenflügel

hat sich nur zur Hälfte entwickelt.

Geschichte wie die von Liselotte

lassen Christof Dame anders auf

seine Arbeit blicken. „Durch die Dokumentation

erhalten wir noch einmal

eine ganz anderePerspektiveauf

unsere Tätigkeit und können besser

reflektieren“, sagt er.Und noch einen

positiven Effekt habe die Kooperation

mit dem Fernsehteam. Das eigene

Umfeld verstehe die Arbeit des Mediziners

nun viel besser als vorher und

bringe ihm eine vorher nicht gekannte

Wertschätzung entgegen, sagt

der stellvertretende Klinikdirektor.

„Am meisten interessiert mich allerdings

immer,was meine Kinder dazu

sagen, aber auch die waren bisher begeistert,

obwohl es ihnen manchmal

nicht ganz geheuer ist, was ihr Vater

da im Fernsehen tut.“

Momper:

Mauerabriss

war okay

Ehemaliger Regierender

Bürgermeister im Gespräch

Walter Momper (SPD) bedauert

nicht, dass nach dem Fall der

Mauer nur wenige Teile des Betonwalls

stehenblieben. „Ob richtig oder

falsch –der Maßstab war das Wollen

der Berliner –und die wollten das

Ding weghaben“, sagte der ehemalige

Regierende Bürgermeister der

Deutschen Presse-Agentur. Die

Frage,obauthentische Zeugnisse der

Teilungsgeschichte bewahrt werden

sollen, habe sich damals für ihn nicht

gestellt. Diese Diskussion sei erst viel

später aufgekommen, sagte Momper,

der im November 1989 Regierender

Bürgermeister imWestteil war.

Die DDR habe entschieden, die

Mauer abzutragen.„Das haben die ja

gemacht und hatten damit auch Arbeit

und Beschäftigung“, erinnerte

sich der 74-Jährige. DDR-Pioniertruppen

hätten relativ schnell die

Mauer abgerissen. Die wenigen erhaltenen

Mauerstücke wie das nahe

dem Abgeordnetenhaus seien hinreichend.

„Sowie es jetzt ist, find ich

das okay“, so Momper. Auch zur

Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer

Straße gehören originale Beton-Elemente.

Ein Pflasterstreifen

zeichnet den einstigen Mauerverlauf

nach. Aber gerade Berlin-Touristen

suchen nach mehr Mauer zum Anfassen.

Im Streit um die Neugestaltung

am Checkpoint Charlie, dem einstigen

Grenzkontrollpunkt in der

Friedrichstraße, sieht Momper kein

Ende.„Das unsägliche Provisorium“

werde wohl noch lange bleiben,

sagte er mit Blick auf die rot-rotgrüne

Koalition. „Ich glaube, die

kriegen das nicht mehr hin.“

„Ein Museum des Kalten Krieges

ist das mindeste, was da hin muss“,

sagte Momper. Er schätzte, dass

sich neue Verhandlungen mit dem

Investor über Jahrehinziehen könnten.

(dpa)

Mauerrest am Museum Topographie des

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Brandenburg

Kita-Nutzung

wird

beitragsfrei

Künftige Koalition beschließt

Investitionsprogramm

Die Brandenburger Koalitionsrunde

aus SPD, CDU und Grünen

Koalitionärezurrte bei ihren Beratungen

am Sonntag die Finanzierung

einiger wichtigerVorhaben fest.

Grünen-Verhandlungsführerin Ursula

Nonnemacher sprach von

„schweren Brocken“, bei denen eine

Menge Geld in die Hand genommen

werde. Ministerpräsident Dietmar

Woidke (SPD) sieht eine Zwischenetappe

erreicht. „Heute sind wichtige

Entscheidungen gefallen“, sagte

Woidke.

Insgesamt will die neue Landesregierung

für ihre geplanten Vorhaben

etwa 600 Millionen Euro mehr

an Investitionen ausgeben, als es die

mittelfristige Finanzplanung vorgesehen

hatte. Nach Aussage vonWoidke

wird es dazu für 2020 einen

Nachtragshaushalt geben.

Zu den Investitionen sollen in

den kommenden fünf Jahren eine

vollständige Beitragsfreiheit im Kitabereich

für Kinder vondreibis sechs

Jahren und eine bessere Betreuung

in Kindertagesstätten gehören. Kinder

von null bis drei Jahren sollen

künftig nach einem Beitragsschlüssel

von eins zu vier betreut werden.

Bislang haben fünf Kinder eine Betreuerin.

Kinder von drei bis sechs

Jahren sollen nach einem Schlüssel

von 1zu10betreut werden. Bislang

werden 11 Kinder von einer Kindergärtnerin

betreut. Die Finanzierung

war in den Verhandlungen bislang

unter Vorbehalt gestellt worden.

Die Zahl der Polizisten soll von

8250 auf 8500 erhöht werden. Die

künftige Landesregierung will den

Ausbau zusätzlich mit sieben Millionen

Euro unterstützen. Für Richter

und Staatsanwälte sollen 30 neue

Stellen und 40 Folgestellen geschaffen

werden.

Für den Straßeninfrastrukturausbau

nimmt die künftige Landesregierung

insgesamt 120 Millionen

Euro in die Hand, davon 20 Millionen

Euro für den Ausbau der Radwege.

Das sei in etwa eine Verdopplung

des bisherigen Ansatzes und

unter Klimaaspekten eine „richtig

relevante Hausnummer“, zeigte sich

Nonnemacher zufrieden. Für den

Klimaschutzplan sind ihren Angaben

zufolge 16 Millionen Euro pro

Jahr vorgesehen, darunter für die

Förderprogramme Ökolandbau und

Moorschutz. Auch der Brand- und

Katastrophenschutz wird mit zusätzlich

sieben Millionen Euro unterstützt.

(dpa)

Die in der UdSSR gebaute vierstrahlige Iljuschin 62 dient jetzt im FliegerparkStölln unter anderem als begehrtes Standesamt des Orts Rhinow.

Die Landung seines Lebens

Vor30Jahren brachte Hans-Dieter Kallbach ein Passagierflugzeug sicher auf einer Graspiste zur Erde

VonJeanette Bederke, Stölln

Wer die 30 Jahre alten

Filmaufnahmen betrachtet,

hält den

Atem an: Da landet

eine mächtige IL-62 der DDR-Fluggesellschaft

Interflug auf einer viel zu

kurzwirkenden, holperigen Graslandebahn

auf dem Segelflugplatz am

Gollenberg in Stölln (Havelland).

Kann sie rechtzeitig zum Stehen gebracht

werden? Als die riesige Staubwolke

verflogen ist, wird sichtbar:

Die Maschine ist heil, den Insassen

ist nichts passiert.

„Hätten wir gebremst, hätten sich

Räder und Flugzeug in den Boden

gegraben, wir uns vielleicht überschlagen.

Wir mussten mit minimaler

Geschwindigkeit aufsetzen und

deshalb schon in der Luft den Umkehrschub

aktivieren“, erzählt

Heinz-Dieter Kallbach, der damals

am Steuer saß und mit drei weiteren

Besatzungsmitgliederndas Flugzeug

punktgenau landete.

„Wir brauchten freie Sicht und etwas

Gegenwind. Das passte am 23.

Oktober“, sagt der Pilot von damals,

der heute immer noch fliegt, mit

mittlerweile 79 Jahren. „Meine Fluglizenz

gilt noch bis 2020. Dann höre

ich auf“, sagt der wohl dienstälteste

Flugkapitän Deutschlands, der

heute in einer Seniorenresidenz in

Bad Saarow (Oder-Spree) lebt. Ausbilder

an Flugsimulatoren in Strausberg

(Märkisch-Oderland) und Berlin-Schönefeld

will er aber bleiben.

Zu DDR-Zeiten konnten sich

Kommunen um ausrangierte Interflug-Maschinen

bewerben, erinnert

sich Kallbach. So tat es auch Stölln,

jener OrtimHavelland, vondem aus

Flugpionier Otto Lilienthal Ende des

19. Jahrhunderts etliche Flugversuche

gestartet hatte. Bei seinem letzten

war er dort 1896 abgestürzt und

gestorben. Um ihn zu ehren, sollte

ein Flugzeug als Museum her.

„Vorsitzender des damaligen

Otto-Lilienthal-Komitees war der

Generaldirektor der Interflug“, erinnertsich

Kallbach, der damals Chefpilot

der IL-62-Staffel bei der DDR-

Fluggesellschaft war. Erwurde mit

der Aufgabe betraut. Die Maschine

für einen Transport von Schönefeld

auseinander- und in Stölln wieder

zusammenzubauen, wurde als zu

teuer abgelehnt.

Also blieb nur der Luftweg.

Knackpunkt: Die IL-62 braucht normalerweise

eine 2500 Meter lange

Betonpiste zum Landen, in Stölln

gab es aber nur die 850 Meter Waldund-Wiesen-Landebahn.

Kallbach, früher Testpilot für diesen

Flugzeugtyp, stellte physikalische

Berechnungen an. „Das passte

zunächst hinten und vorne nicht.

Die Maschine war mit 83 Tonnen

einfach zu schwer“, sagt er. „Acht

Tonnen mussten ausgebaut werden

–unter anderem die Ballastbehälter

unter dem Cockpit.“ Er habe mit der

Aktion gegen sämtliche Luftfahrtvorschriften

verstoßen. Es gab viele

einmalige Sondergenehmigungen.

Hans-Dieter Kallbach zeigt ein Foto von

1989. Darauf wird er beglückwünscht. DPA

Während andere ihn für verrückt

erklärten, nahm der in Essen geborene

und in der Lausitz aufgewachsene

Sohn einer Arbeiterfamilie die

Herausforderung an. Nicht ohne

Vorsichtsmaßnahmen: Die Punktlandung

am 23. Oktober 1989 war

der dritte Versuch. Zuvorhatte zweimal

das Wetter nicht mitgespielt.

„Das hat Kallbach damals schon

genial gemacht. Er ist ein mutiger,

kluger Typ, aber kein Draufgänger.Er

weiß genau, was er tut“, lobt Elmar

Giemulla, Experte für Luftverkehrsrecht

an der Technischen Universität

Berlin. Die Aktion war so spektakulär,

dass Kallbach damit im Guinness-Buch

der Rekorde landete.

DPA

„Nach mir hat das ja keiner mehr

versucht“, sagt der 79-Jährige.

Kallbachs Erlebnisse als Pilot füllen

mittlerweile ein Buch. Denn die

spektakuläreLandung bei Stölln war

längst nicht seine einzige tollkühne

Aktion. „Mayday über Saragossa“

heißen die Erinnerungen an seine

Zeit als Pilot für die Fluggesellschaft

Germania. Als er im Jahr 2000 einen

Ferienflieger vonTeneriffa nach Berlin

steuerte, war ein potenzieller

Selbstmörder im Cockpit aufgetaucht.

Der würgte den Piloten, um

die Boeing 737 zum Absturzzubringen.

Trotz minutenlangen Kampfes

und mit schweren Verletzungen landete

Kallbach die Maschine sicher.

Von sich reden machte er auch

ein Jahr später,als er einen DC-3-Rosinenbomber

von Coventry nach

Berlin überführte.Echte Notlandungen

hatte Kallbach nie, abgesehen

von zweimal brennenden Triebwerken.

Oder einem Motorausfall ganz

am Anfang seiner Piloten-Laufbahn,

als er mit 18 Jahren bei der NVA das

Fliegen lernte.

Das 30-jährige Jubiläum seiner

Punktlandung wird am26. Oktober

gefeiert, an und in der „Lady Agnes“,

wie die Stöllner das Flugzeug nach Lilienthals

Frau später getauft haben.

„Wir freuen uns, die vier damaligen

Besatzungsmitglieder als Ehrengäste

begrüßen zu können“, sagt Horst

Schwenzer,Vorsitzender des Otto-Lilienthal-Vereins.

Es werde Cockpit-

Führungen geben, eine Kunstauktion

und einen Festakt. (dpa)

NACHRICHTEN

Jugendliche besetzen

Haus in Potsdam

Unbekannte haben am Sonnabend in

Potsdam ein Mehrfamilienhaus besetzt.

MehrereJugendliche seien

durch ein Kellerfenster in das Haus

eingedrungen, teilte die Polizei mit.

Maskierte hätten sich im Haus aufgehalten

und Transparente seien an der

Fassade befestigt gewesen. Beider

Räumung nahm die Polizei 16 Leute

in Gewahrsam. (dpa)

Brückenabschnitt auf

östlicher A10wieder frei

Nachdem auf der A10 eine Brücke

zwischen den Anschlussstellen Rüdersdorf(Märkisch-Oderland)

und

Erkner (Oder-Spree) wegen Bauarbeiten

voll gesperrtwar,rollt derVerkehr

wieder.Die Sperrung sei aufgehoben

worden, sagte ein Sprecher der

Polizei am Sonntagabend auf Anfrage.Inden

vergangenen Tagen hatten

viele Autofahrer nach Angaben

derVerkehrsinformationszentrale

versucht, über Erkner,Berlin Friedrichshagen

und Köpenick die Stadtautobahn

zu erreichen. Dadurch kam

es zu Staus undVerzögerungen.(dpa)

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Lokalsport

Schattenriss vor Traglufthalle: Der malaysische Hockeyspieler Hawinder Makbul Singh auf dem Wegzum Training in Berlin. Er zählt zu denjenigen, die sich schon bei den Zehlendorfer Wespen weitergebildet haben.

OSTKREUZ/SEBASTIAN WELLS

Vonden Besten lernen

WarumBerliner Hockey-Klubs mit dem malaysischen Verbandeinen Vertragschließen wollen und wie beide Seiten davon profitieren könnten

VonAnnika Schultz

Dato´Sri Megat D. Shariman

bin Dato´ Zaharudin

ist ein Mann der Taten.

Dererfolgreiche Geschäftsmann,

seit kurzem Präsident

des Hockey-Verbandes von Kuala

Lumpur, hat sich eines neuen Projekts

angenommen: Der 36-Jährige

will das malaysische Hockey auf ein

neues Level heben. „Wir könnten so

gut wie die Deutschen sein –vielleicht

irgendwann besser“, sagt er

mit einem verschmitzten Lächeln,

„wir wollen von den Besten lernen.

Wir müssen in der Lage sein zu verstehen,

wie unsereGegner spielen.“

Zaharudin ist bewusst, dass der

Abstand zu den deutschen Hockey-

Nationalteams, die 2016 bei den

Olympischen Spielen jeweils Bronze

gewannen, groß ist. Um ihn zu verkleinern,

reist er durch Europa, vor

seinem Stopp in Berlin war er in den

Niederlanden und in Belgien, danach

flog er nach Italien. Er trifft sich

mit Funktionären und Spielern. Er

verhandelt mit ihnen über eine Kooperation,

in der auch drei deutsche

Hockey-Vereine eine ganz entscheidende

Rolle spielen.

„Wir kommen nicht voran, wenn wir

uns nicht öffnen und über den Tellerrand

hinausschauen.“

Dato´Sri MegatD.Shariman bin Dato´ Zaharudin will die SportartHockey als Präsident

des malaysischen Vebandes mit europäischer Hilfe wettbewerbsfähig machen.

DasTreffen zwischen dem Malaysier

und Verantwortlichen des Berliner

HC, der Zehlendorfer Wespen

und des Bremer Hockey Clubs hat im

noblen Hotel Waldorf Astoria in der

City West stattgefunden. Zaharudin

hat sich leicht verspätet. Sofortdreht

sich das Gespräch um Hockey, um

frühere Erfahrungen, darum, wie

eine Zusammenarbeit in Zukunft

aussehen könnte. „Wir kommen

nicht voran, wenn wir uns nicht öffnen

und über den Tellerrand hinausschauen“,

sagt Zaharudin.

Obwohl die Sportartindem Land

in Südostasien zu den populärsten

gehört, hat sich die Männer-Nationalmannschaft

seit 2010 nicht mehr

für Olympische Spiele qualifiziert,

die Frauen waren noch nie bei einer

WM. Dabei genießt die Auswahl einen

hohen Stellenwert. DieTerminplanung

der nationalen Liga wirdan

den Kalender der Nationalteams angepasst,

oft ist erst kurzfristig bekannt,

wann die Saison beginnt und

endet. Derzeit stehen alle männlichen

Nationalspieler in Malaysia unter

Vertrag. „Wenn sie Länderspiele

im Ausland bestreiten, verlieren sie

wegen des Wetters, weil sie nicht an

die klimatischen Bedingungen gewöhnt

sind“, klagt Zaharudin, „auch

nicht daran, gegen große Gegenspieler

zu spielen.“

Um das zu ändern, schwebt Zaharudin

ein Austausch von Spielern

und Spielerinnen vor, beginnend in

der Altersklasse U16 bis hin zu den

Erwachsenen. Der Umfang und die

Art dieser Transfers sollen sich am

Alter und Leistungsvermögen der

Akteure orientieren. „Die Leistungssportler

sollten mindestens sechs

Monate bei einem deutschen Verein

spielen, um sich an das Spiel anpassen

zu können und es wirklich zu

verstehen, um eine Gewinnermentalität

zu entwickeln“, sagt Zaharudin.

In Belgien und den Niederlanden

hat er sich mit Topspielern wie

Weltmeister TomBoon getroffen, dabei

ging es um die Leitung von Hockeycamps

in Malaysia.

Projekte dieser Art gibt es immer

wieder, nun sollen erstmals Verträge

zum organisatorischen und finanziellen

Rahmen geschlossen werden.

Ob Zaharudins Vorstellungen umgesetzt

werden können, hängt nicht

nur von den europäischen Klubs ab.

Zaharudin bewirbt sich um den Posten

als Präsident des malaysischen

Hockey-Verbandes, den er mithilfe

der Kooperation reformieren will.

Wird er im November nicht gewählt,

könnten sich viele seiner Ideen zerschlagen,

der Umfang der Zusammenarbeit

könnte sich reduzieren.

Schon in derVergangenheit scheiterten

Transfers malaysischer Nationalspieler

am Veto des Verbandes.

Dabei wären es genau diese Spieler,die

für das deutsche Spitzen-Hockey

interessant wären. Schließlich

sollen nicht nur die Malaysier voneiner

Zusammenarbeit profitieren.

„Die Spieler aus Malaysia haben einen

anderen Stil. Sie bestechen

durch ihreSchnelligkeit und Beweglichkeit,

ihr Eins-gegen-Eins ist sehr

ausgeprägt“, sagt Kevin Lim vom

Berliner HC, der selbst sechsmal in

der malaysischen Liga spielte. Das

Niveau in der Bundesliga sei so,dass

für den BHC nur Spieler und Spielerinnen

infrage kämen, die im A-Kader

stehen. „Es gilt das Prinzip, dass

ausländische Spieler so qualitativ

gut sein müssen, dass sie unseren

Talenten nicht im Wegstehen.“

Ohnehin verfolgen die deutschen

Klubs unterschiedliche Interessen.

Bei den Zehlendorfer Wespen besteht

schon seit 2008 ein reger Austausch

von Spielern und Spielerinnen

aus Malaysia, der nun formalisiertwerden

könnte,beim BHC sieht

man vor allem bei den Frauen Bedarf,

der Bremer Hockey-Clubstrebt

eine Jugend-Kooperation an.

Bis Ende des Jahres wird wohl

kein Vertrag unterzeichnet. Bei Zaharudin

funkeln trotzdem die Augen,

wenn er von seinen Ideen

spricht. „Wir wollen mit etwas Kleinem

anfangen, das zu etwas Großem

wachsen könnte. Esgibt kein anderes

Land, das das macht. Lasst uns

die ersten sein.“

Annika Schultz

hat ihr journalistisches Debüt

im Hockey gegeben.

Eine Höhle für die Logik

Serie –Tierisch fit: WarumSchach bei Kindern in Berlin seit einigen Jahren immer beliebter wird und wie die Schachpinguine davon profitieren

VonChristian Kattner

Mit der richtigen Adresse im Gepäck

lässt sich das Ziel gar

nicht verfehlen. Nicht etwa im vierten

Hinterhof und irgendwo in der

obersten Etage gelegen, sondern so

etwas wie ein Ladenbürohaben sich

die Schachpinguine ausgesucht, um

regelmäßig zu trainieren. Große

Schachfiguren und Pokale im Schaufenster,

ein großes Schild mit der

Aufschrift „Schach Schule“ über der

Tür gibt auch dem letzten Suchenden

den entscheidenden Hinweis,

dass er sein Ziel erreicht hat. Tische

mit noch mehr Schachbrettern bestimmen

die schlichte, aber imponierende

Inneneinrichtung der Heimat

des im Jahr 2005 gegründeten

Vereins am Ende des Ku´damms.

Weiterer Platz wurde in der „Pinguinhöhle“

vom Vermieter geschaffen.

EinBüround einen kleiner Trainingsraum,

in welchem ein Sandsack

vonder Decke baumelt und ein

Laufband steht, sind entstanden.

Manchmal kommt der Sandsack

auch zum Einsatz. Kinder, die Frust

abbauen müssen,„können hintergehen,

ihn bearbeiten und dann geht

das auch wieder“, erzählt Michael

Richter, „die Kinder haben nach einem

Negativerlebnis Energie und

Spannung in sich, die raus muss.Die

Figuren können sie nicht werfen,

also muss der Boxsack herhalten.“

Richter weiß, wovon er spricht.

Der Trainer und Vorsitzende der

Schachpinguine hat selbst leistungsmäßig

Schach gespielt, kann sich in

die Gefühlslage eines Schachspielers

in Ausbildung sehr gut hineinversetzen.

Er lässt daher Freiräume, geht

auf Wünsche und Bedürfnisse ein.

Nur über den tierischen Namen ließ

er nicht mit sich reden.

Trainer werden rar

Auch nicht, als die Kinder erzählten,

dass sie auf Turnieren wegen des Namens

gehänselt werden. Nach ein

paar Diskussionen war das Problem

aus derWelt geschafft, der Name und

damit die Assoziation zu den Wesen

in den Schachfarben Schwarz und

Weiß blieb bestehen. Dafür verzichteten

Richter und sein Team auf die

Schachschule am Ku’damm: Vereinsvorsitzender Michael Richter.

Unterteilung der Klassen in Kaiseroder

Königspinguine, wie sie es eigentlich

noch vorgesehen hatten. In

kleinen Gruppen, aber eben ohne

namentliche Unterteilung, wirdseitdem

so ziemlich jeden Tagtrainiert.

Viele Jahremit einer konstanten Mitgliederzahl

von 30bis 40 Kindern.

Aber:„In den letzten vier,fünf Jahren

hat es einen Boom gegeben.“

BLZ/KATTNER

Schach hat an vielen Ganztagsschulen

einen Platz gefunden. „Eltern

suchen für Kinder nach Möglichkeiten,

um ihnen das logische

Denken, Konzentration und Entscheidungsfindung

spielerisch zu

zeigen. Und daist Schach eine Anlaufstelle“,

sagt Richter. Mittlerweile

gehen 130 Kinder bei den Pinguinen

dem Sport nach, 80 Prozent davon

zwischen fünf und neun Jahren.„Wir

haben aber auch Kinder, die einfach

nicht gehen wollen, die sind Anfang

20, das ist dann gleich unser Erwachsenenkurs“,

so Richter mit einem Lächeln,

„es ist auffällig, dass viele Eltern

mit Migrationshintergrund auf

die Ausbildung ihrer Kinder achten,

und da hat Schach einen sehr hohen

Stellenwert, insbesondere, wenn sie

aus Osteuropa, vor allem Russland,

aber auch aus China kommen.“

Dieser Boom ist nicht nur bei den

Schachpinguinen, sondern in der

gesamten Stadt zu spüren. Teilweise

gibt es nicht genug Trainer,mancher

Verein weiß sich nur noch mit Aufnahmestopps

zu helfen. Auch die

Schachpinguine stoßen in ihren

Räumlichkeiten an Kapazitätsgrenzen.

Ein Luxusproblem in Zeiten, da

mancher Verein Überalterung beklagt

und keinen Nachwuchs findet.

Nachwuchsprobleme haben die

Schachpinguine nicht. Neben einem

Erwachsenenkurs bieten sie fast ausschließlich

Kindertraining an. Die

große Kunst besteht darin, die Kinder

bei Laune zu halten. Natürlich

„kann man die Begeisterung nicht

immer voll aufrecht halten“, sagt

Richter, „der Idealfall ist, dass die

Kinder kommen, absolut heiß sind

und unbedingt Schach spielen wollen.

Diesen Moment muss man nutzen.

Wir geben ihnen Aufgaben und

sorgen dafür, dass sie Schachbretter

zu Hausehabenund lassen sie,wenn

möglich, bei Turnieren mitspielen.“

Vieles laufe über eine Eigenmotivation.

Es sei aber auch typisch, dass

Kindern ineiner Phase hochbegeistertsind

und zu einem anderen Zeitpunkt

mal wieder ein Tief haben.„Da

muss man dann eigentlich entgegenwirken“,

so Richter, „das ist das,

was der Trainer immer machen

muss.“ Bei zu großer Euphorie

bremsen, bei Enttäuschung aufbauen

–dawird Schach auch mal

hinten angestellt, im vorderen Raum

mal Fußball gespielt oder eben im

hinteren Raum der Boxsackbearbeitet.

Undfür dieganz harten Fälle hat

Michael Richter auch noch das

Schachbrett mit den Star-Wars-Figuren.

Davon hat sich bislang jedes

Kind begeisternlassen.


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 17

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Sport

Abschied von der Bay Area

Die NBA startet in eine Saison, die so offen ist lange wie nicht, doch könnte Los Angeles zu einem Epizentrum der weltweit stärksten Basketball-Liga werden

VonSebastian Moll, New York

Es war eine hübsche Idee,

mit der die Planer der NBA

in die neue Saison starten

wollten, ein veritabler dramaturgischer

Knaller. Doch manchmal

macht das Leben gerade bei den

schönsten Plänen nicht mit. Das Eröffnungsspiel

der Spielzeit 2019/20,

die von Experten und Fans so erregt

erwartet wird, wie schon lange keine

Saison mehr,findet wie üblich in der

Arena des Titelverteidigers statt. Zu

Gast in Toronto sind die NewOrleans

Pelicans und das hat seinen Grund:

Die Pelicans haben sich beim Draft,

der Verlosung der Neuprofis, den

aufregendsten Nachwuchsspieler

gesichert, seit Superstar LeBron

James 2003 in die Liga kam.

Doch das Debüt von Zion Williams,

dem ein ähnliches Potenzial

nachgesagt wird wie James, fällt

flach. Williamson hat sich in der Vorsaison

am Knie verletzt, sein erster

Auftritt auf der ganz großen Bühne

muss auf unbestimmte Zeit warten.

Moritz Wagner muss weichen

Allerdings können sich die Fans in

der Eröffnungsnacht noch auf eine

andere Partie freuen. Zwei Stunden

später am Dienstagabend laufen

jene Teams gegeneinander auf, die in

dieser Spielzeit den Titel unter sich

ausmachen könnten. In Downtown

Los Angeles,dem neuen Epizentrum

der NBA, treffen um 19 Uhr Ortszeit

die Los Angeles Lakers und die Los

Angeles Clippers aufeinander. Die

Clippers waren in der vergangenen

Saison in der ersten Playoff-Runde

gescheitert, die Lakers hatten es gar

nicht erst in die Playoffs geschafft.

Doch den Sommer über haben beide

Teams dramatisch aufgerüstet.

Nach einer Wechselrochade, wie

die Liga sie noch nie erlebt hat,

konnten sich beide Mannschaften

aus der Entertainment-Hauptstadt

der USA so drastisch verstärken, dass

Ein Dreamteam, das Maßstäbe setzen könnte: LeBron James und AnthonyDavis wollen mit den Lakersden Titel in der NBA gewinnen.

kaum jemand mehr über die dominante

Mannschaft der vergangenen

Jahre, die Golden State Warriors,

spricht. Die Ära des Teams aus der

San Francisco Bay Area scheint vorbei

zu sein, die Zukunft gehörtL.A.

Die Aufrüstungsbemührungen

der Lakers begannen schon während

der Playoffs. LeBron James, der sich

entschlossen hat, seinen letzten Karriereabschnitt

in Hollywood-Nähe

zu verbringen, saß frustriert zu

Hause und musste sich zum ersten

Mal seit 15 Jahren die Playoffs vor

dem Fernseher anschauen. Der

Druck auf die Organisation, Verstärkung

für James zu holen, war enorm.

So wurde nur zwei Tage nach den

Finals zwischen Toronto und Golden

State bekannt, dass der All Star Forward

Anthony Davis aus New Orleans

nach Los Angeles kommt. Nun

steht bei den Lakers mit Davis und

James ein Traumduo auf dem Platz,

wie es L.A. seit Kobe Bryant und Shaquille

O’Neal nicht gesehen hat. Für

den Wechsel vonDavis war eine sehr

komplizierte Rochade nötig, an der

drei Mannschaften und nicht weniger

als 18 Spieler beteiligt waren.

Dazu gehörten die deutschen

Rookies Moritz Wagner und Isaac

Bonga, die an die Washington Wizards

abgegeben wurden, um Raum

unterhalb der Gehaltsobergrenze

der Lakers zu schaffen. Für den Berliner

Wagner und seinen Braunschweiger

Kollegen Bonga war der

Trade ein Lehrstück über die Härten

des Profigeschäfts. Wagner versucht

jedoch die Erfahrung, reine Verschiebemasse

zu sein als Motivation

zu nehmen: „Manchmal muss man

einfach hinfallen, um aufzustehen

und besser zu werden“, sagt Wagner.

GETTY IMAGES/HAFFEY

DerPoker spülte den Lakers zwar

Anthony Davis in den Kader. Der

Coup, den sich James gewünscht

hätte, blieb ihnen jedoch verwehrt.

DieFrage zum Ende der vorigen Saison

war ja, wohin Kahwi Leonard

geht, der als Leihgabe praktisch im

Alleingang Toronto zur Meisterschaft

geführt hatte. Leonard, der

aus L.A. stammt, hatte offen darüber

gesprochen, dass er gern wieder

nach Kalifornien ziehen würde. Die

Lakers hatten sich die Finger geleckt.

Ein Trio James, Davis und Leonard

hätte zu einer ähnlich unbesiegbaren

Formation werden können, wie

einst die Miami Heat rund um James,

Chris Bosch und Dwayne Wade.

Doch Leonardhatte eigene Pläne.

Anstatt James in einer Nebenrolle zu

einem weiteren Titel zu verhelfen,

will Leonard, den viele derzeit als

den überragenden Mann der Liga

handeln, lieber der unangefochtene

Anführer seiner eigenen Truppe

sein. Somit hat Los Angeles nun eine

der spannendsten Lokalrivalitäten,

die es in der NBA je gegeben hat.

Doch die Musik der Saison spielt

nicht alleine in Los Angeles. Auch

andereTeams waren in diesem Sommer.Sogelang

es den HoustonRockets,

sich die Dienste von Russell

Westbrook zu sichern, der nun zusammen

mit James Harden ein Team

bildet, dass sich vorJames und Davis

nicht verstecken muss.

GrößereRolle für Deutsche

Das alles verspricht eine packende

Saison. Die Jahre sind vorbei, in denen

die einzige Frage war,wer gegen

Golden State im Finale steht. Die

Sportstatistik-Website 538 sieht die

Warrirors,die in Stephen Currynoch

immer einen Superstar haben, nur

auf dem fünften Platz der Titelkandidaten.

Davor liegen noch die Milwaukee

Bucks mit Giannis Antetokounmpo,MVP

der vorigen Saison.

Vonden deutschen Spielernsteht

keiner in den Top-Teams. Immerhin

aber dürfen sich Spieler wie Dennis

Schröder und Maxi Kleber jedoch

darüber freuen, in ihren Mannschaften

nach den Umwälzungen in ihren

Teams Oklahoma und Dallas, größereRollenzuspielen.

Undsoturbulent,

wie es heutzutage in der NBA

zugeht, weiß man nie, wosie vielleicht

am Ende der Saison stehen.

Sebastian Moll

freut sich auf einen spannenden

Saisonstart.

ZAHLEN

Fußball

Zweite Bundesliga, 10. Spieltag

SpVgg Fürth -Dynamo Dresden 2:0 (2:0)

ErzgebirgeAue -1.FCNürnberg 4:3 (0:0)

Jahn Regensburg -SVSandhausen 1:0 (0:0)

FC St. Pauli -Darmstadt 98 0:1 (0:0)

SV Wehen Wiesbaden -1.FCHeidenheim 0:0

VfB Stuttgart-Holstein Kiel 0:1 (0:0)

Hannover96-VfL Osnabrück 0:0

VfL Bochum -Karlsruher SC 3:3 (3:2)

Arminia Bielefeld -Hamburger SV Mo., 20.30

1. Hamburger SV 9 21: 7 20

2. VfB Stuttgart 10 15:10 20

3. Arminia Bielefeld 9 20:11 18

4. ErzgebirgeAue 10 18:16 18

5. Jahn Regensburg 10 18:14 14

6. SpVgg Greuther Fürth 10 11:14 14

7. 1. FC Heidenheim 10 15:13 13

8. FC St. Pauli 10 14:13 13

9. 1. FC Nürnberg 10 18:18 13

10. Karlsruher SC 10 16:18 13

11. SV Sandhausen 10 10:11 12

12. Hannover96 10 10:14 12

13. VfL Osnabrück 10 10: 9 11

14. Holstein Kiel 10 11:14 11

15. Darmstadt 98 10 10:13 11

16. VfL Bochum 10 19:22 9

17. Dynamo Dresden 10 12:20 9

18. SV Wehen Wiesbaden 10 13:24 8

Dritte Liga, 12. Spieltag

MSV Duisburg -1.FCKaiserslautern 3:1 (2:0)

1860 München -KFC Uerdingen 0:1 (0:0)

1. FC Magdeburg -Hansa Rostock 0:1 (0:1)

Waldhof Mannheim -Hallescher FC 0:4 (0:2)

Eintracht Braunschweig -SpVgg Unterhaching 0:0

Preußen Münster -SGGroßaspach 1:1 (1:0)

FC Ingolstadt -Chemnitzer FC 1:1 (1:0)

FSV Zwickau -BayernMünchen II 3:0 (1:0)

CarlZeiss Jena -Würzburger Kickers 1:1 (0:0)

SV Meppen -Viktoria Köln Mo., 19.00

1. Hallescher FC 12 25:10 24

2. SpVgg Unterhaching 12 19:14 23

3. MSV Duisburg 12 27:19 22

4. Eintracht Braunschweig 12 20:14 21

5. FC Ingolstadt 12 22:15 19

6. Hansa Rostock 12 15:13 19

7. FSV Zwickau 12 20:15 18

8. Waldhof Mannheim 12 20:16 18

9. Viktoria Köln 11 22:19 18

10. Bayern München II 12 21:23 17

11. 1. FC Magdeburg 12 17:11 16

12. KFC Uerdingen 12 13:17 16

13. Würzburger Kickers 12 20:29 16

14. SV Meppen 11 21:16 14

15. 1860 München 12 15:19 14

16. 1. FC Kaiserslautern 12 19:26 13

17. SG Großaspach 12 14:26 12

18. Preußen Münster 12 17:22 11

19. Chemnitzer FC 12 16:22 10

20. CarlZeiss Jena 12 9:26 2

Regionalliga, Nordost, 12. Spieltag

Rot-Weiß Erfurt-Bischofswerdaer FV 3:0 (2:0)

Optik Rathenow-BFC Dynamo 2:1 (2:1)

SV Lichtenberg -Viktoria 89 Berlin 1:1 (0:1)

ZFC Meuselwitz -Berliner AK 07 1:4 (0:2)

VfB Auerbach -W.Nordhausen 5:2 (3:1)

VSG Altglienicke-Germania Halberstadt 4:1 (2:1)

Energie Cottbus -Ch. Leipzig 2:1 (0:0)

Hertha BSC II -Union Fürstenwalde 4:1 (2:1)

Lok Leipzig -SVBabelsberg 03 Mo., 19.00

1. Hertha BSC II 12 42:16 28

2. VSG Altglienicke 12 34:14 28

3. Energie Cottbus 12 32:23 23

4. Lok Leipzig 11 19:13 22

5. W. Nordhausen 12 27:21 20

6. Union Fürstenwalde 12 18:15 17

7. Viktoria 89 Berlin 11 11: 7 16

8. Berliner AK 07 12 22:19 16

9. BFC Dynamo 12 13:20 15

10. Rot-Weiß Erfurt 12 15:16 14

11. VfB Auerbach 12 23:28 14

12. SV Lichtenberg 12 10:12 13

13. ZFC Meuselwitz 11 17:20 12

14. Ch. Leipzig 12 13:16 12

15. Germania Halberstadt 12 17:23 11

16. Optik Rathenow 12 10:24 11

17. SV Babelsberg 03 11 12:19 8

18. Bischofswerdaer FV 12 11:40 5

Oberliga, Nordost/Gruppe Nord,

9. Spieltag

Blau Weiss 90 -MSV Pampow 2:0 (1:0)

Ludwigsfelder FC -Hertha 03 Zehlendorf 0:3 (0:2)

TorgelowerFCGreif -Hansa Rostock II 2:4 (1:2)

TSG Neustrelitz -Tennis Borussia Berlin 1:0 (1:0)

CFC Hertha 06 -Victoria Seelow 2:1 (1:0)

1. FC Lok Stendal -Greifswalder FC abgesagt

SC Staaken -FCStrausberg 4:0 (0:0)

Brandenburger SC Süd -SVTasmania 0:4 (0:3)

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18 * Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Nationalspieler Niklas Süle

erleidet Kreuzbandriss

FUSSBALL. Nationalspieler Niklas

Süle hat im Spiel des FC Bayern

München beim FC Augsburgam

Sonnabend (2:2) einen Kreuzbandriss

im linken Knie erlitten. Der24

Jahrealte Abwehrchef wirdseinem

Klub mehrereMonate fehlen und

steht damit auch der Nationalmannschaft

vonBundestrainer Joachim

Löw bis weit ins EM-Jahr 2020 nicht

zur Verfügung. Gegen Augsburg

hatte sich Süle dem Anschein nach

ohne Gegnereinwirkung verletzt

und musste bereits in der 12. Minute

ausgewechselt werden. In der Nationalmannschaft

ist der ehemalige

Hoffenheimer,der bereits in der Saison

2014/15 einen Kreuzbandriss im

linken Knie erlitten hatte,nach Leroy

Sané vonManchester City der zweite

Stammspieler,der mit einer schwerenKnieverletzung

lange ausfällt.

DieBundesliga-Saison 2019/20 endet

am 16. Mai. DieNationalmannschaft

wirdvor der EM-Endrunde

(12. Juni bis 12. Juli) ihreVorbereitung

in Österreich absolvieren.

Volleys gewinnen erstmals

den Supercup

VOLLEYBALL. DieBerlin Volleys haben

zum ersten Malden Supercup

gewonnen. Im Duell zwischen dem

Deutschem Meister und dem Pokalsieger

feierte die Mannschaft von

Trainer Cédric Enardgegen den VfB

Friedrichshafen am Sonntag in Hannovereinen

ungefährdeten 3:0

(25:20, 25:18, 25:15)-Erfolg. In den

bisherigen drei Spielen in dem seit

2016 stattfindenden Wettbewerb

hatte das Team vomBodensee gegen

den Hauptstadtclub gewonnen.„Wir

haben drei Sätzekonstant auf gutem

Niveaus durchgespielt“, sagte Volleys-Kapitän

Moritz Reichert.

Südafrika beendet

Japans Rugby-Märchen

Tränen nach dem Viertelfinal-Aus: Japans

Rugby-Männer.

AFP/ANDERSEN

RUGBY.Südafrika hat bei der WM

die Träume vonGastgeber Japan

platzen lassen und das Halbfinale erreicht.

DieSpringboks bezwangen

den Außenseiter mit 26:3 (5:3). Als

nächstes treffen sie nun auf Wales,

das Frankreich 20:19 (10:19) niedergerungen

hatte.AmSonnabend hatten

bereits Titelverteidiger Neuseeland

und England mit eindrucksvollen

Siegen die Vorschlussrunde erreicht.

DieAll Blacks gewannen

gegen Mitfavorit Irland 46:14. England

hatte zuvor beim 40:16 über

Australien ebenfalls kaum Mühe gehabt.

Beide Halbfinal-Partien steigen

am kommenden Wochenende.

Alba siegt in Würzburg

ohne Mühe

BASKETBALL. Alba Berlin bleibt in

der Bundesliga erfolgreich. Am

Sonntag siegten die Berliner in

Würzburg110:82 (60:38) auch im

vierten Spiel. Bester Berliner Werfer

war Niels Giffey mit 21 Punkten.

Dass Alba nur drei Tage zuvor in der

Euroleague in Barcelona deutlich

verloren hatte,war den Berlinern

nicht anzumerken. Sielagen nach

dreieinhalb Minuten (13:3) vorn und

ließen durch ihreDefensivarbeit

Würzburgkaum zum Zugkommen.

Nach dem 75:44 in der zweiten

Hälfte steckten die Gäste zurück.

Das Gift des Zweifels

Mit dem 1:0 gegen Mönchengladbach kehrt bei Borussia Dortmund Ruhe ein, doch die ist sehr labil

VonDaniel Theweleit, Dortmund

Womöglich war es ein

später Anflug schlechten

Gewissens, vielleicht

aber auch einfach

nur tiefe Erschöpfung, die die

Spieler zu lähmen schien, als sie nach

einem wunderbaren Fußballspiel vor

die Südtribüne traten, um einen sehr,

sehr bedeutsamen 1:0-Erfolg gegen

Borussia Mönchengladbach zu feiern.

Matt sprangen Profis vonBorussia

Dortmund auf und ab,Trainer Lucien

Favre sprach später von einem

„Arbeitssieg“, wobei dieser Begriff

viel zu sehr nach Alltag klingt angesichts

der Extremsituation, in welcher

der BVBsich befand. Nach drei sieglosen

Bundesligapartien werden rund

um den Verein Grundsatzdebatten

geführt, über die Spieler,den Charakter,die

Einstellung, den Kapitän, den

Jungstar Jadon Sancho und den Trainer,soetwas

geht selten gut aus.

Nun sagte Torhüter Roman Bürki

zufrieden: „Wir haben den Tabellenführer

geschlagen, und die anderen

Mannschaften haben nicht unbedingt

gegen uns gespielt.“ Das Tableau

sieht wieder ganz okay aus, der

selbst ernannte Titelkandidat ist

punktgleich mit den Bayern,der erste

Platz ist in Reichweite.Und sie haben

sich mit einer beeindruckenden Willensstärke

durch ein hoch kompliziertes

Spiel geackert –auch das ist

ein wichtiges Detail, das in den vergangenen

Partien mitunter fehlte.

DasTor des Tages war dem zuletzt

nicht mehr ganz so überzeugend wie

im Vorjahr spielenden Marco Reus

gelungen (58.), trotz Grippe. „Er hat

sich durchgebissen, gut gespielt und

gezeigt, wie wichtig er für uns ist“, erklärte

Sportdirektor Michael Zorc

nach dem Erfolg, den der BVB ohne

Sancho herausgespielt hatte. Der

junge Engländer war suspendiert

worden, weil er nach den Länderspielen

zum wiederholten Malzuspät gekommen

war, der Klub habe Sancho

„Grenzen setzen“ müssen, so der

Sportdirektor. In der Champions

League in Mailand am Mittwoch ist

der Angreifer aber wieder dabei.

UndTrainer Favre hatte nach den

Ausfällen von Sancho, Mario Götze

(Grippe) und Paco Alcácer (Achillessehne)

eine Formation gefunden, die

bestens funktionierte.Überdies habe

der Schweizer „sehr lebendig“ gecoacht,

wie Zorc erklärte,auch das ist

derzeit eine Erwähnung wert, weil

Favrejaimmer wieder ein zu passives

Verhalten am Spielfeldrand vorgeworfen

wird.

Hörterdie Signale? Marco Reus dreht eine Ehrenrunde.

BÜRKIS EINSATZ GEGEN INTER GEFÄHRDET

ImZweifel: Der Einsatz vonBorussia Dortmunds

Torhüter Roman Bürki im Champions-

League-Spiel beim italienischen Topklub Inter

Mailand am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) ist

gefährdet. Der Schweizer habe eine Kapselzerrung

im linken Knie erlitten, dennoch sei

der Einsatz „nicht ausgeschlossen“, teilte der

BVB am Sonntag mit.

GETTY IMAGES/MOUHTAROPOULOS

Im Zweikampf: Bürki war am Sonnabend gegenBorussia

Mönchengladbach (1:0) in der

71. Minute durch Marwin Hitz ersetzt worden.

„Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist. Das

war im Zweikampf in der ersten Halbzeit mit

Breel (Embolo/d. R.), wir sind Knie an Knie

zusammengestoßen. Danach hatte ich richtig

Schmerzen“, sagte Bürki.

Flucht nach Polen

Es war also ein Abend der Rehabilitation

für den BVB, am dessen Ende

dennoch der diffuse Eindruck blieb,

dass Favre irgendwie Schaden genommen

hat in den vergangenen

Wochen. Dass das Gift des Zweifels an

diesem Trainer Teile des Vereins

durchsetzt. Mehr als ein standardisiertes

„wir führen keine Trainerdiskussion“,

ist derzeit nicht zu hören

von den Verantwortlichen, wenn es

um die Kontroversen zu dem Coach

geht. Als in der vorigen Saison Kritik

an der konsequent analytischen Herangehensweise

dieses Fußballlehrers

aufkam, hieß es aus dem Klub stets,

man habe genau gewusst, was für ein

Mensch Favre sei und erwarte daher

keine Blut-und-Schweiß-Rhetorik.

Solche Aussagen sind in diesem

Herbst nicht zu hören. Unddass Jürgen

Klopp im Rahmen der Veröffentlichung

rund um eine Biografie des

Geschäftsführers Hans-Joachim

Watzke zuletzt auf unterschiedlichen

Bühnen zum großen Dortmunder

Sehnsuchtstrainer erklärt wurde, ist

sicher auch nicht schön für den sensiblen

Schweizer. Wobei Zorc auf solche

Einwände verärgert reagierte.

Das sei „Kinderkram“, fauchte der

Sportdirektor im Fernsehen, „jeder

weiß, dass Jürgen Klopp hier eine

wunderbare Zeit hatte mit uns, Titel

geholt hat, der wirdhier verehrt, aber

das hat doch nichts mit der Autorität

und der Souveränität des Trainers

(Favre, d. Red) zu tun.“

Jede Menge Krisenpotenzial

Das ist einerseits korrekt, wer allerdings

weiß, dass Favre inMönchengladbach

mit viel Aufmerksamkeit

und Hingabe der Klubführung bei

Laune gehalten werden musste, um

seine immer wieder an die Oberfläche

drängenden Rücktrittsgedanken

unter Kontrolle zu halten, kann ermessen,

dass die Lage rund um diesen

Trainer kompliziert bleibt. Favre

behauptete allerdings,der ganzeWirbel

sei einzig ein Produkt des Dortmunder

Umfeldes, „Wermacht Unruhe?“,

fragte er und antwortete sich

selbst:„Nicht Dortmund!“ Aber wenn

die Verantwortlichen ernsthaft versuchen,

Harmonie und Ruhe entstehen

zu lassen, sind ihreVersuche keinesfalls

besser als die Leistungen der

Mannschaft während der nun überwundenen

Unentschiedenserie.

Undlabil ist der Frieden ohnehin,

denn die bevorstehenden Spiele bei

Inter Mailand, bei Schalke 04 am

kommenden Sonnabend und im Pokal

gegen Gladbach bergen jede

Menge neues Krisenpotenzial.

Weil sie sich mit dem Bundestrainer überworfen hat, schließt sich Claudia Pechstein einer neuen Trainingsgruppe an

Noch vor dem Start indie neue

Eisschnelllauf-Saison knallt es

im deutschen Verband hinter den

Kulissen: Claudia Pechstein trainiert

nicht mehr mit dem deutschen

Team. Diefünfmalige Olympiasiegerin

bereitet sich stattdessen mit der

polnischen Mannschaft auf den

kommenden Winter vor.

Hintergrund ist ein Streit zwischen

der Berlinerin und Bundestrainer

Erik Bouwman. Der Niederländer

gehört seit zwei Jahren der

Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft

(DESG) an, war erst verantwortlich

für den Nachwuchs, ehe er

im vergangenen Winter mehr und

mehr die Aufgaben des Chef-Bundestrainers

übernahm.

Bouwman bestätigt Probleme

„Bundestrainer Erik Bouwman hat

mir in Heerenveen persönlich mitgeteilt,

dass er keinen Bock darauf hat,

dass ich mittrainiere. Wer als Bundestrainer

so kommuniziert, hat seinen

Job verfehlt. Da war mir klar:

Hier wirst du nicht mehr glücklich“,

sagte Claudia Pechstein laut der

Bildzeitung.

Geht jetzt eigene Wege: Claudia Pechstein trainiertjetzt in Polen.

Bouwman bestätigte, dass es zu

Problemen mit Pechstein gekommen

war. „Ich habe großen Respekt

für die Sportlerin Claudia Pechstein.

Leider sorgten einige Vorfälle in den

letzten Jahren dafür, dass die Integration

in unseren langfristigen Prozess

eher negativ als zielführend

empfunden wird“, sagte der Bundestrainer.

AP/BAKER

Pechstein hat in Polen gute Bedingungen

angetroffen. „Die Stimmung

imTeam ist super.Alles ist bestens

organisiert“, sagte die Berlinerin,

die aber weiterhin für Deutschland

läuft. Ihr großes Ziel: Die

Olympischen Winterspiele 2022 in

Peking. Dann wirdsie 50 Jahrealt.

Mit anBord impolnischen Team

soll auch Pechsteins Lebensgefährte

Matthias Große sein. Der Unternehmer

unterstützt offenbar als Sponsor

die Mannschaft aus dem Nachbarland.

Pechstein fühlt sich in Polen jedenfalls

gut aufgehoben. „Was ich

hier erfahre, ist eine riesige Anerkennung,

die ich in Deutschland nur

sehr selten bekomme“, sagte sie.

Sportlich scheint es bei der Berlinerin

gut zu laufen. In einem ersten

Test über 3000 mlief sie 4:07 Minuten

und war drei Sekunden schneller

als zum gleichen Zeitpunkt 2018.

Streit mit Kolleginnen

In der Vergangenheit hatte Pechstein

imVerband immer wieder Probleme.

Mal gab es Zerwürfnisse mit dem

Bundestrainer,mal überwarfsie sich

mit andern Läuferinnen. Fast schon

legendär waren ihre Streits mit Konkurrentin

Anni Friesinger-Postma,

die unter dem StichwortZicken-Zoff

in die Annalen des deutschen Eisschnelllaufs

eingegangen sind.

Auch mit 2010-Olympiasiegerin

Stephanie Beckert hatte sich Pechstein

überworfen. DieLangstrecken-

Konkurrentin aus Erfurtbeendete in

diesem Sommer ihreKarriere. (BLZ)

Ein

deutliches

Plus

Eisbären erlegen Nürnberg

mit Offensiv-Feuerwerk

VonChristianKattner

Sie hatten sich doch verbessert.

Gerade einmal vier Strafminuten

mussten die Eisbären Berlin bis kurz

vor dem Ende des Spiels gegen

Nürnberg absitzen, hatten zudem

ein deutliches Plus bei den Torschüssen

vorzuweisen und doch

wurde es plötzlich noch einmal

spannend. Der 2:3-Anschlusstreffer

der Gäste ließ die Eisbären-Fans

noch einmal fünfeinhalb Spielminuten

um den schon sicher geglaubten

Sieg bangen. Innerhalb von 59Sekunden

beruhigten Louis-Marc Aubry,

Mark Olver und Landon Ferraro

mit ihren späten Trefferndie Nerven

und sorgten für den 6:2-Endstand.

Fehler in der Defensive

Knapp 45 Stunden nach der 0:4-Niederlage

in Düsseldorf präsentierten

sich die Eisbären am Sonntagabend

deutlich formverbessert. Nach zahlreichen

Schüssen vonBeginn an war

die 1:0-Führung eigentlich nur eine

Frage der Zeit. Nach knapp zehn Minuten

scheiterte Louis-Marc Aubry

zunächst am Gästetorwart, setzte

aber erfolgreich nach und eroberte

die Scheibe zurück. Nachdem auch

Landon Ferraronicht treffen konnte,

war es erneut Aubry, der eine gute

Schussmöglichkeit bekam und diesmal

erfolgreich war.Sogut die Offensive

der Eisbären funktionierte, so

fehlerbehaftet präsentierte sich die

Defensivabteilung. Hätte ein völlig

verkorkster Wechsel in der Anfangsphase

beinahe einen Rückstand zur

Folge gehabt, so brachten sich die

Gastgeber zudem immer wieder

durch Fehlpässe im Aufbauspiel unnötig

in Bedrängnis. 45 Sekunden

vorder Drittelpause war das Berliner

Glück allerdings aufgebraucht: Unter

dem Nürnberger Forechecking

Eisbären-Neuzugang Landon Ferraro traf

doppelt.

CITYPRESS

unterlief den Eisbären im eigenen

Drittel ein Fehlpass. Konnte Sebastian

Dahm den ersten Schuss noch

parieren, war der Eisbären-Keeper

beim Nachschuss vonKevin Schulze

machtlos.Marcel Noebels zeigte sich

im Gespräch vor der Kabine dennoch

ganz zufrieden: „Wir sind sehr

gut ins Spiel gekommen, haben sehr

gut gespielt. Wenn wir so weiterspielen,

sieht es gut aus.“

Auch im zweiten Drittel ließ die

weiterhin nicht sattelfeste Defensivabteilung

punktuell Chancen zu,

aber die Eisbären kaschierten diese

Schwäche mit zahlreichen Schüssen

auf das Nürnberger Tor, 56 nach zwei

Durchgängen. Doch für die Anerkennung

des Treffers von Landon

Ferraro brauchte es in der 23. Minuten

den Videobeweis. Erst nachdem

sich die Schiedsrichter die Szene

noch einmal angeschaut hatten,

konnten die 10 720 Zuschauer über

eine gelungene Heimpremiere des

neuen Angreifers jubeln. Und als in

der 42. Minute John Ramage in doppelter

Überzahl auf 3:1 erhöhte, verbesserte

das auch gleichzeitig die

Trefferquote. Aubry, Olver und Ferraro

sorgten mit ihren späten Trefferndafür,dass

nicht alle der 60 Torschüsse

verpufften. Der zwischenzeitliche

Anschluss störte niemanden

mehr.


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 19 *

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Sport

RB Leipzig

BUNDESLIGA

Fortuna Düsseldorf

Schon in der 18. Minute

des Spiels gegen den VfL

Wolfsburg tat Peter Gulacsi

seinem Vordermann Dayot

Upamecano sehr leid. Gulacsi

ist einer der am wenigsten

beschäftigten Torhüter

der Bundesliga,

weil die Abwehr

seines Klubs RB

Leipzig meist hervorragend

funktioniert.

Geben wir

ihm doch mal was

zu tun, dachte sich

der Verteidiger und

bolzte eine wohlgeformte

Bogenlampe

in den eigenen

Strafraum, die auf dem

besten Wegins Torwar. Was

tun, grübelte Gulacsi, als der

Ball unterwegs war. Einen

gewagten Flugkopfball ansetzen?

DieKugel elegant mit

der Brust stoppen und die

gegnerischen Stürmer lässig

ausspielen? Oder doch einen

spektakulären Fallrückzieher

probieren?

Der Ungar wäre aber

nicht einer der nüchternsten

und solidesten Keeper der

Liga, wenn er sich zu solcherlei

Firlefanz hinreißen ließ.

Bock auf

Bogenlampe

Er spielte den Ball ganz prosaisch

mit der Hand, unerlaubter

Rückpass, indirekter

Freistoß aus zehn Metern.

Die Wolfsburger debattierten

so lange, dass man

dachte, sie hätten sich etwas

ganz Raffiniertes

einfallen lassen,

aber dann bolzte

Maximilian Arnold

den Ball einfach

geradeaus aufs Tor,

genau auf Peter

Gulacsi.

In der 54. Minute

VomMitspieler gefordert:

probierte der

Gulacsi. AFP Keeper dann seinerseits

eine Bogenlampe,genau

in den Lauf

von Timo Werner, der die

Leipziger Führung erzielte.

Danach war es nicht mehr so

langweilig für Gulacsi, weil

seine Mannschaft das praktizierte,was

Cheftrainer Julian

Nagelsmann später „Stehen

im luftleeren Raum“ nannte.

Mehrfach parierte der Ungar

glänzend, dann traf Wout

Weghorst zum 1:1. Auch da

hatte Upamecano die Fußspitze

amBall, zu einer Bogenlampe

reichte es jedoch

nicht mehr. (mali.)

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 M'gladbach 8 5 1 2 15: 7 16

2 VfL Wolfsburg 8 4 4 0 11: 5 16

3 München 8 4 3 1 22: 10 15

4 Bor.Dortmund 8 4 3 1 20: 11 15

5 RB Leipzig 8 4 3 1 16: 8 15

6 SC Freiburg 8 4 2 2 15: 9 14

7 FC Schalke04 8 4 2 2 14: 9 14

8 Eintr.Frankfurt 8 4 2 2 14: 10 14

9 Leverkusen 8 4 2 2 12: 11 14

10 Hertha BSC 8 3 2 3 13: 13 11

11 Hoffenheim 8 3 2 3 8: 11 11

12 SV Werder Bremen 8 2 3 3 13: 17 9

13 Düsseldorf 8 2 1 5 10: 14 7

14 Union Berlin 8 2 1 5 8: 13 7

15 1. FC Köln 8 2 1 5 8: 16 7

16 FC Augsburg 8 1 3 4 10: 21 6

17 Mainz 05 8 2 0 6 7: 18 6

18 SC Paderborn 8 0 1 7 9: 22 1

9. Spieltag,25. bis 27.10.:

FSV Mainz 05 -1.FCKöln Fr., 20.30

FC Bayern -1.FCUnion Sa., 15.30

Hertha BSC -Hoffenheim Sa., 15.30

SC Freiburg -Leipzig Sa., 15.30

FC Schalke-Dortmund Sa., 15.30

SC Paderborn-Düsseldorf Sa., 15.30

Leverkusen -Werder Bremen Sa., 18.30

VfL Wolfsburg -FCAugsburg So., 15.30

M’gladbach -Frankfurt So., 18.00

Torjäger

12 Tore: Lewandowski (FC Bayern)

6Tore: Werner (RB Leipzig)

5Tore: Alcácer (Borussia Dortmund),

Hennings (Fortuna Düsseldorf),

Paciencia (Eintracht Frankfurt),

Reus (Borussia Dortmund),

Weghorst (VfL Wolfsburg)

Normalerweise wird es

besonders geschätzt,

wenn ein Stürmer das 1:0 für

sein Team schießt und nicht

andauernd das 4:0 oder 5:0 in

längst entschiedenen Partien.

Bei Fortuna Düsseldorf

ist das anders,abgesehen davon,

dass in der Mannschaft

von Friedhelm Funkel eher

selten jemand das 4:0 oder

5:0 schießt. Da ist das 1:0 in

dieser Saison mehr Fluch als

Segen gewesen, und niemand

hatte daran größeren

Anteil als Rouwen Hennings.

Sechsmal waren die Düsseldorfer

an den ersten sieben

Spieltagen in dieser Saison

forsch in Führung gegangen,

viermal hatte dabei

Hennings zugeschlagen.

Doch nur am ersten Spieltag

in Bremen ging die Sache gut

aus, vier der anderen so vielversprechend

begonnenen

Partien wurden gar verloren.

Wenig verwunderlich

also, dass sich manch ein

Fortuna-Fan entsetzt an den

Kopf fasste, als es Rouwen

Hennings am Sonnabend gegen

Mainz 05 schon wieder

tat und zum 1:0 traf.Wundersamerweise

blieb es bei diesem

Ergebnis, wobei sicher

hilfreich war, dass Mainz in

Erst warten,

dann wundern

Hand auflegen: Kaan Ayhan bändigt

Rouwen Hennings.

DPA

Unterzahl spielte und der

Treffer erst in der 81. Minute

fiel. Hatte Trainer Friedhelm

Funkel natürlich genauso geplant:

„Ich habe in der Halbzeit

gesagt, dass wir bis zur

80. Minute mit dem Torwarten

können.“

Hennings jedenfalls ist

erstmal rehabilitiert, und zur

Belohnung soll nun sogar der

Vertrag des 32-Jährigen verlängertwerden.

Sicher in der

Hoffnung, dass er irgendwann

vielleicht auch mal das

4:0 oder 5:0 schießt. (mali.)

Gonçalo

Paciência liest.

Das ist nicht so banal,

wie es klingt. DerFrankfurter

Stürmer liest Bücher über

Psyche, Geist und positives

Denken. Auch scheint er einen

Bestseller aus den Fünzigern

zukennen, den ein gewisser

Helmut Rahn verfasst

haben soll, Titel: „Mein

Hobby –Tore schießen“. Wie

eben jener Weltmeister von

1954 aus Essen hat der Portugiese

Paciência aus Porto

eine für seinen Berufinteressante

Leidenschaft.

Zum 3:0 seiner Eintracht

gegen Leverkusen steuerte er

Eintracht Frankfurt

Aus dem

Bilderbuch

jetzt zwei Treffer bei, insgesamt

acht hat der 25-Jährige

in Europa League und Bundesliga

erzielt, fünf davon in

dem nationalen Wettbewerb.

Er, Bas Dost und André Silva

kommen auf zwölf von 14

Frankfurter Ligatoren. „Wer

den Dingen gegenüber positiv

eingestellt ist, dem fallen

viele Sachen leichter.“ So etwas

hat Paciência aus Büchern.

Da aber die Saison

jung ist, hier ein Lesetipp,

ausnahmsweise Belletristik,

für Junggebliebene: Die drei

Fragezeichen –und die Fußball-Falle.

(cs.)

Aufschwung Dost: Gonçalo Paciência (r.) jubelt mit dem Kollegen. DPA

Wehe, wenn sie losgelassen

GETTY IMAGES

DerKölner Rafael Czichos fängt den Teamkollegen

Sebastiaan Bornauw ein, nachdem der gegen

den SC Paderborn das finale Torzum 3:0-

Sieg erzielt hat. Der1.FCKöln hat sich den Frust

der vergangenenWochen vonder Seele geschossen

und mit dem höchsten Bundesliga-Heimsieg

seit fast drei Jahren die Abstiegsränge verlassen.

VorBornauw waren Simon Terodde (9. Minute)

und Louis Schaub mit seinem ersten Treffer

in der Bundesliga (59. Minute) erfolgreich

gewesen. Von Beginn an waren die Gastgeber

das aktivere Team, bereits nach 73 Sekunden

hätten sie durch Kapitän Jonas Hector nach einem

Eckball per Kopf Führung gehen können.

Das Wort „geil“ –die Jüngeren

unter uns werden

sich wundern –war mal ein

Tabuwort. Denn früher war

„geil“ nicht einfach nur geil,

sondernvor allen Dingen der

Ausdruck für eine wollüstige

Erregung. Was freilich auch

an der ursprünglichen Bedeutung

des Wortes vorbeizielte.

Denn „geil“ geht eigentlich

auf das indoeuropäische

„ghoilos“ zurück,

was sich am Besten mit aufschäumend,

heftig, übermütig,

ausgelassen und lustig

übersetzen lässt.

Ganz ausgelassen und

lustig, man könnte auch sagen:

geil, war die Stimmung

beim FC Augsburgnach dem

2:2 gegen den FC Bayern.

Auch wenn die Zahlen mit

9:24 Torschüssen, 204:768

Pässen und einem Ballbesitzverhältnis

von 21:79 eindeutig

gegen die bayerischen

Schwaben sprachen, war der

in der Nachspielzeit erzwungene

Punktgewinn aufgrund

des Einsatzwillens durchaus

verdient.

FC Augsburg

Geil

hoch 3

U21-Nationalspieler

MarcoRichter hatte die Gastgeber

nach gerade mal 27 Sekunden

in Führung gebracht,

Robert Lewandowski

(14.) und Serge Gnabry (49.)

aber flugs zurückgeschlagen,

bevor Augsburgs Coach Martin

Schmidt in der Schlussphase

mit der Einwechslung

von Sergio Cordova und Alfred

Finnbogason aber auch

Sicht der Bayern eine leider

geile Idee hatte.Cordova umspielte

in der Schlussminute

nämlich locker und leicht

Weltmeister

Lucas

Hernández, passte quer vors

Bayern-Tor,woFinnbogason

zur Stelle war. Nicht unerwähnt

sollte an dieser Stelle

auch bleiben, dass Augsburgs

Keeper Tomas Koubek

endlich mal einen guten Tag

erwischt hatte.

Dies alles fasste Rani Khedira

in einem Satz zusammen.

Der Defensivmann

sagte: „Wir hatten einen geilen

Start, ein geiles Ende und

zwischendrin einen geilen

Torwart.“ (lot.)

ACHTER SPIELTAG

1:0 (0:0)

DORTMUND–M’GLADBACH

1:1 (0:0)

LEIPZIG–WOLFSBURG

3:0 (2:0)

FRANKFURT–LEVERKUSEN

2:0 (0:0)

HOFFENHEIM–SCHALKE

1:1 (1:0)

BREMEN–HERTHA BSC

1:0 (0:0)

DÜSSELDORF–MAINZ

2:2 (1:1)

AUGSBURG–BAYERN

2:0 (1:0)

1. FC UNION –FREIBURG

3:0 (1:0)

KÖLN–PADERBORN

Borussia Dortmund: Bürki (70.

Hitz) -Akanji, Weigl, Hummels,

N. Schulz -Delaney, Witsel -Hakimi,

T. Hazard (90.+6 Piszczek)

-Reus -Brandt (90.+2 Zagadou)

Bor.Mönchengladbach: Sommer

-Lainer,Jantschke, Elvedi,

Wendt (78. Stindl) -C.Kramer,

Zakaria -Bénes (63. Neuhaus) -

Pléa, Embolo (63. P. Herrmann),

Thuram

Schiedsrichter:Stegemann

Zuschauer:81365

Tore: 1:0 Reus (58.)

Gelbe Karten: Delaney(2) /

Jantschke(1), Neuhaus (2)

RB Leipzig: Gulacsi -Klostermann,

Upamecano, Orban, Saracchi

-Demme, Laimer (76.

Kampl) -Sabitzer,Nkunku (70.

Forsberg) -Poulsen,Werner (86.

Matheus Cunha)

VfL Wolfsburg: Pervan -Mbabu,

Bruma, Tisserand -William, Guilavogui,

Arnold, Roussillon (68.

Steffen) -Brekalo (74. Nmecha),

Victor (87. Klaus) -Weghorst

Schiedsrichter:Aytekin

Zuschauer:39182

Tore: 1:0 Werner (54.), 1:1 Weghorst

(82.)

Gelbe Karten: Saracchi (1) /

Guilavogui (2), Mbabu (1), Tisserand

(2)

Eintracht Frankfurt: Rönnow-

Touré (30. Abraham), Hasebe,

Hinteregger -G.Fernandes -da

Costa, Sow(84. Kohr), Rode,

Kostic -Paciencia, Dost (85.

Gacinovic)

BayerLeverkusen: Hradecky -

Dragovic, S. Bender,Wendell

(64. L. Bender) -Baumgartlinger,

Demirbay-Weiser (30. Bellarabi),

Havertz,Amiri, K.Volland

-Alario (82. Diaby)

Schiedsrichter:Dingert

Zuschauer:50800

Tore: 1:0 Paciencia (4.), 2:0 Paciencia

(17./Handelfmeter),

3:0 Dost (80.)

Gelbe Karten: G. Fernandes (2)

/Dragovic (2)

Hoffenheim: Baumann -Posch

(76. Bicakcic), Akpoguma, Benjamin

Hübner,Skov-Vogt -

Rudy, Geiger (46. Bebou) -Kaderabek,

Kramaric, Adamyan

(62. Rupp)

Schalke: Nübel -Kenny(86. Kabak),

Stambouli, Salif Sane, Oczipka

-Mascarell -Caligiuri (78.

Kutucu), Schöpf -Harit -Burgstaller,Matondo

(57. Uth)

Schiedsrichter:Hartmann

Zuschauer:29.477

Tore: 1:0 Kramaric (71.), 2:0

Bebou (85.)

Gelbe Karten: Geiger (2), Posch

(3) -Harit, Salif Sane (2)

Werder Bremen: Pavlenka -Gebre

Selassie, Veljkovic, Groß,

Friedl -N.Sahin (81. Bargfrede)

-M.Eggestein, Klaassen -Bittencourt-Sargent

(74. J. Eggestein),

Rashica (87. Pizarro)

Hertha BSC: Jarstein -Klünter,

Rekik, Boyata, Mittelstädt -

Skjelbred (90. Torunarigha) -

Grujic -M.Wolf, Dilrosun (56.

Lukebakio) -Darida -Ibisevic

(77. Selke)

Schiedsrichter:Brych

Zuschauer:41447

Tore: 1:0 Sargent (7.), 1:1 Lukebakio

(70.)

Gelbe Karten: Bittencourt(3) /

Klünter (2)

Fortuna Düsseldorf: Z. Steffen -

Ayhan, A. Hoffmann, Adams

Nuhu -J.Zimmer,Mat. Zimmermann,

Bodzek (86. Sobottka),

Gießelmann -Tekpetey(66.

Kownacki), Hennings, Karaman

(82. Thommy)

FSV Mainz: Zentner -Brosinski,

St. Juste, Niakhaté, Martín -Öztunali,

Fernandes, Kunde Malong

(84. Szalai), Boetius -Onisiwo(71.

Quaison), Awoniyi

(46. Latza)

SR: Zwayer-ZS: 40 660

Tore: 1:0 Hennings (82.)

GK: Ayhan (3), Tekpetey(2) /

Zentner (1), Boetius (1)

GRK: -/Fernandes

(45.+1/wiederholtes Foulspiel)

FC Augsburg: Koubek -Lichtsteiner,Jedvaj,

Uduokhai, Max -Oxford

(62. Jensen) -Moravek, R.

Khedira -M.Richter (82. Cordova),

Vargas -Niederlechner

(68. Finnbogason)

Bayern München: Neuer -Pavard,

Süle (12. Alaba), Javi Martinez,

Lucas Hernández -Kimmich,

Thiago-Gnabry(86. Goretzka),

Philippe Coutinho (80.

Müller), Coman -Lewandowski

SR: Siebert-ZS: 30 660

Tore: 1:0 M. Richter (1.), 1:1 Lewandowski

(14.), 1:2 Gnabry

(49.), 2:2 Finnbogason (90.+1)

GK: M. Richter (1), R. Khedira

(3), Koubek (2) /Kimmich (2),

Thiago(3), Javi Martinez (2)

1. FC Union Berlin: Gikiewicz -

M. Friedrich, Parensen, K.

Schlotterbeck -Trimmel, Gentner

(77. Kroos), Andrich, C. Lenz

-Ingvartsen, Bülter (89. Mees) -

Andersson (83. Ujah)

SC Freiburg: Schwolow(22.

Thiede) -Lienhart, R. Koch,

Heintz -Schmid, Abrashi (46.

Petersen), Höfler,Günter -Haberer,Höler

(58. Grifo) -L.

Waldschmidt

Schiedsrichter:Cortus

Zuschauer:22012

Tore: 1:0 Bülter (1.), 2:0 Ingvartsen

(84.)

Gelbe Karten: Gentner (1), Andrich

(3), Ingvartsen (1) /-

1. FC Köln: Horn-Ehizibue, Bornauw,Czichos,

Katterbach -

Skhiri, Hector -Schindler,

Schaub (83. Höger), Kainz (63.

Risse) -Terodde (75. Cordoba).

SC Paderborn: Zingerle -Dräger,

Kilian, Schonlau, Holtmann -

Gjasula, Vasiliadis -Pröger,Oliveira

Souza (77. Sabiri), Antwi-

Adjej (62. Zolinski) -Gueye (62.

Michel)

Schiedsrichter:Gräfe

Zuschauer:50000

Tore: 1:0 Terodde (8.), Schaub

(59.), Bornauw (85.)


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 – S eite 20

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Sport

Da, wenn er

gebraucht wird

Michael Parensen, Unions dienstältester Profi,

feiert beim 2:0 gegen den SC Freiburg sein

emotionales Debüt in der Bundesliga

VonPatrick Berger

Michael Parensen ringt um Fassung,dakann ein bisschen Zuspruch von Keeper Rafal Gikiewicz nicht schaden.

MATTHIAS KOCH

Nach dem Schlusspfiff lagen

sich die Fans im Stadion

An der Alten Försterei

freudetrunken in den

Armen. Undauf dem Feld, etwa zehn

Meter vor dem eigenen Strafraum,

sank Michael Parensen in sich zusammen.

Die Freudentränen

wischte sich der Fußballprofi des

1. FC Union nach dem 2:0-Erfolg gegen

den SC Freiburg immer wieder

mit dem roten Trikot aus dem Gesicht.

Die Mitspieler kamen und

herzten ihn. Später dann ging er mit

Sohnemann Milian Luca, 4, an seiner

Seite auf die Ehrenrunde.„So ein

bisschen haben mich die Gefühle

übermannt“, sagte Parensen hinterher.

„Mir sind irgendwie die Tränchen

gekommen.“

Für jeden Kicker geht mit dem

Debüt in der Bundesliga ein Kindheitstraum

in Erfüllung. Bei Marius

Bülter, dem Torschützen zum 1:0,

war das bereits zu Saisonbeginn am

18. August beim 0:4 gegen RB Leipzig

der Fall. BeiRobertAndrich, Grischa

Prömel oder Christopher Lenz ebenfalls.

Sie feierten allesamt ihr erstes

Spiel im deutschen Oberhaus im Alter

von 26(Bülter), 25 (Andrich und

Lenz) oder 24 (Prömel). Es kann allerdings,

wie bei Parensen, auch im

verhältnismäßig hohen Alter dazu

kommen. Mit 33 Jahren stand der

Routinier an diesem für ihn historischen

19. Oktober erstmals in einem

Erstligaspiel auf dem Rasen.

Lob vonCoach Fischer

„Ich habe mich wirklich wahnsinnig

darüber gefreut“, erzählte der Premierenmann,

„Jeder, der meinen Weg

bislang verfolgt hat, weiß, dass ich

lange auf diesen Moment hingearbeitet

habe.“ Und weiter: „Dass ich

jetzt in allen drei Profiligen ein Spiel

für diesen tollen Verein gemacht

habe, ist schon etwas Besonderes.“

Seit 2009 machte Parensen 207

Zweitligaspiele in der Zweiten Liga

für den 1. FC Union sowie 18 in der

Dritten Liga.

Am Freitag hatte der gebürtige

Westfale erfahren, „dass ich wirklich

spiele“. Deretatmäßige Innenverteidiger

Neven Subotic war aufgrund

von muskulären Problemen ausgefallen.

Und so gab Trainer Urs Fischer

dem „ewigen Micha“, wie er

von den Union-Fans ehrfürchtig genannt

wird, den Vorzug vor dem

kürzlich von einer Verletzung zurückgekehrten

Florian Hübner sowie

vor Nicolai Rapp. „Ich würde schon

sagen, dass er seinen Teil zu einem

erfolgreichen Spiel beigetragen hat“,

lobte Fischer.

In der Tatwirkte es so, als würde

Parensen, der bereits im Jahr 2004 für

die Reserve von Borussia Dortmund

spielte, aber dort und auch später

beim 1. FC Köln nicht den Durchbruch

im Profifußball schaffte, seit

eh und je in der Bundesliga auflaufen.

Unions Zweitliga-Rekordspieler

gewann gegen Freiburg elf Zweikämpfe,

lief 11,1 Kilometer und

brachte 32 Pässe punktgenau an den

Mann (Bestwertbei Union in diesem

„Ich bin ja noch jung.

Meine Bundesligakarriere ist gerade

erst losgegangen.“

Michael Parensen ist nicht nur zur fehlerlosen Defensivarbeit,

sondern auch zur Selbstironie fähig.

Spiel). Der Debütant brachte seinen

zehn Jahrejüngeren und um 87 Bundesligaspielen

erfahreneren Gegenspieler

Luca Waldschmidt, immerhin

deutscher Nationalspieler,schier

zur Verzweiflung. „Er hat das richtig

gut gemacht“, betonte auch Kapitän

Christopher Trimmel. „Wir wissen

natürlich alle, was wir an Micha haben.“

Und Keven Schlotterbeck, der

an der Seite des elf Jahre älteren Parensen

verteidigte, meinte: „Micha

hat das für sein erstes Bundesligaspiel

sehr, sehr gut gemacht. Der

Union-Legende kann man an dieser

Stelle schon mal ein Lob aussprechen.“

Parensen selbst gab durchaus zu,

vor dem Anpfiff eine gewisse Nervosität

verspürt zuhaben. „Ich hatte

mir aber vorgenommen, das Spiel zu

genießen. Dashabe ich und auch die

anderen Jungs getan. Wir haben

Fußball gespielt, haben Zweikämpfe

gewonnen, sind gelaufen und haben

vorne auch aufs Torgeschossen. Jeder

hat über 90 Minuten einen

Wahnsinnsjob gemacht.“ Als Mannschaft

habe man an diesem erfolgreichen

Tag, an dem neben Bülter

auch der Däne Marcus Ingvartsen

traf, „unheimlich gut funktioniert“.

Dass Michael Parensen, der ohne

seine schweren Knieverletzungen

wohl auf weitaus mehr als die bereits

genannten 207 Einsätze im Unterhaus

gekommen wäre, nicht zwingend

34 Spiele bestreiten würde,war

ihm selber klar.Aber mit seiner Rolle

als Backup-Profi weiß der Abwehrspielers

sensationell gut umzugehen.

„Ich wusste um die Situation“,

meinte Parensen, dessen Vertrag

nach dem Aufstieg um ein weiteres

Jahr verlängert wurde. „Vorder Saison

habe ich mir persönliche Ziele

gesetzt. Mirwar klar,dass es schwierig

wird, von Anfang an viele Spiele

zu machen. Aber das zeigt mir, dass

sich harte Arbeit und dranbleiben

auszahlt. Ich bin gerne da, wenn ich

gebraucht werde.“ Sportliche Ziele

seien es indes nicht gewesen, die

sich Parensen gesetzt hat. Vielmehr

habe er sich Gedanken darüber gemacht,

wie er sich persönlich weiterentwickeln

und sich als erfahrener

Spieler einbringen kann.

Die Chancen auf seinen zweiten

Bundesligaeinsatz in Folge stehen

gar nicht so schlecht. Am Sonnabend

könnte Parensen auf der ganz großen

Bühne, inder Münchner Arena

im Gastspiel gegen den FC Bayern

eingesetzt werden. Selbstironisch

sagt er:„Ich bin ja noch jung. Meine

Bundesligakarriere ist gerade erst

losgegangen.“

Der wahre Unterschiedsspieler

20-Millionen-Euro-Einkauf Dodi Lukebakio rettet Hertha BSC in Bremen einen Punkt, und gibt Beispiel, wie man professionell mit seiner Jokerrolle umgeht

VonWolfgang Heise

Geld schießt eben doch Tore. So

könnte man ganz oberflächlich

nach Herthas 1:1 in Bremen urteilen.

20 Millionen Euro Ablöse hatte Hertha

BSC für Stürmer Dodi Lukebakio

im Sommer bezahlt, am Sonnabend

machte der Belgier nach einem starken

Solo den Ausgleich, rettete dem

Hauptstadtklub einen Punkt an der

Weser. Lukebakio machte den Unterschied

–das war für jeden im Stadion

sichtbar. Doch auch sonst ist

der 22-Jährige ein wahrer Unterschiedsspieler.

Der Tag nach der 34-minütigen

Gala des Stürmers: Während die Profis

der Startelf in der Kabine lockeres

Regenerationstraining machen, geht

Lukebakio brav mit den anderen Ersatzspielern

zur Übungseinheit auf

den Schenckendorffplatz. Einzufriedenes

Lächeln blitzt über sein Gesicht,

als auch gerade die ersten Sonnenstrahlen

an diesem Sonntagvormittag

ihre Lücken in den Wolken

finden. Lichtgestalt? Vielleicht! Rekordeinkauf

des Vereins? Sowieso!

Abgehoben? Ganz im Gegenteil! Bevorzugter

Sonderstatus? Auf gar keinen

Fall! Nur Joker? Bald bestimmt

nicht mehr! Hertha hat sich mit Lukebakio

echte Qualität gegönnt –als

Spieler und Charaktertyp.

Technisch brillant und effizient

Der junge Mann, der vergangene

Saison noch als Leihgabe für Düsseldorf

spielte und Anfang August vom

FC Watford zu den Blau-Weißen

wechselte, hat keine Starallüren. Er

hat sein Team im Kopf. Bei Hertha

sind die Zeiten endgültig vorbei, als

Ausnahmekönner wie früher ein

Marcelinho bedingungslos gehätschelt

und bei Skandalen und Skandälchen

im Berliner Nachtleben geschützt

werden mussten, damit sie

wenigstens am Wochenende auf

Dodi Lukebakio im Kreis der Gratulanten.

In der 56. Minute für Javairo Dilrosun

eingewechselt, in der 70. Minute

ein Traumsolo, bei dem er mit drei

Haken die Bremer Abwehr alleine

ausspielte und dann wunderschön

zum 1:1 traf.

Viele fragen sich jetzt: Warum

spielt Lukebakio dann nicht vonAndem

Platz funktionieren. Lukebakio

unterscheidet sich da wesentlich.

Seine Spielweise ist ein Genuss:

leichtfüßig, Turboantritt auf den ersten

drei Metern, technisch brillant

und einfach nur enormeffizient und

zielsicher. Sein Ausgleichstreffer bei

Werder war schlichtweg weltklasse.

DPA/JASPERSEN

fang an? DieAntwortist ganz einfach

–und der Belgier gibt sie selbst seit

Wochen: „Ich habe im Sommer bei

der U21-EM gespielt, ich bin spät zu

Hertha gekommen und habe nicht

wie meine Kollegen die komplette

Saisonvorbereitung gemacht. Ich

musste in den vergangenen Wochen

körperlich einiges nachholen, um

besser zu werden.“

Zu Saisonbeginn stand der

schlaksige 1,87-Meter-Mann in der

blau-weißen Startelf. Er traf auch

gleich beim 2:2 beim FC Bayern und

wurde seinem Rufals Bayernschreck

gerecht. Denn für Düsseldorf traf er

in der vorherigen Saison viermal gegen

den Rekordmeister. Doch nach

dem ersten Spiel wirkte er müde.Gegen

Paderborn saß er fünf Wochen

später schließlich 90 Minuten auf

der Bank, weil er harte Konditionsarbeit

gemacht hatte. Danach war er

Joker, bereitete beim 4:0 gegen Köln

ein Tor vor, auch beim 3:1 gegen

Düsseldorf, aber jetzt diese Leistungsexplosion

in Bremen. Lukebakio

bleibt bescheiden: „Das Torwar

wichtig für das Team, darüber bin ich

glücklich. DerTrainer hat mir vorder

Einwechslung gesagt, dass ich alles

geben soll, was ich drauf habe. Das

hat gut geklappt.“

Lukebakio rannte nach dem

Traumtreffer sofort zu Ante Covic,

beide umarmten sich. Und der

Coach ist happy: „Die Bank bringt

uns die Punkte, nicht zum ersten

Mal. Entscheidend ist, dass wir in der

Lage sind, die Spieler, die von der

Bank kommen, so zu motivieren,

dass die Jungs sofort loslegen und

abdrücken und nicht beleidigte Leberwurst

spielen.“ Doch bleibt Dodi

weiter nur auf der Bank? Covic vielsagend:

„Er liefert relativ gute Argumente

für mehr Spielzeiten.“ Gegen

Hoffenheim am Sonnabend steht

dann wohl in der Startelf –für den

Unterschied.


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Mr.Postmoderne: Zum

Toddes Architekten

Charles Jencks

Seite 23

„Man kann es auch einfach Nummernprogramm nennen.“

Birgit Walter über „Skandal im Spreebezirk“ im Kabarett Die Distel Seite 22

Buchmesse

Aus Liebe zur

Vielfalt

Cornelia Geißler

hielt sich ein paar Tage froh

unter Büchermenschen auf.

Worte esse ich. Sie sind Leben.

Mein Leben.“ Das hat jemand

mit einer Schreibmaschine auf ein

weißes Blatt getippt. Es hängt mit

vielen anderen in einer großzügig

gestalteten Ecke von Halle 3auf der

Frankfurter Buchmesse. Hier können

sich jene treffen, die noch nicht

von einem der mehr als 7400 ausstellenden

Verlage betreut werden.

„Frankfurt Authors“ bietet ihnen

zwei Lesebühnen und Beratung.

Gegenüber schreiben zwei Autorinnen

live amStand. Die Betreiberin

einer „Romanschule“ wählte sie

aus den Teilnehmern ihres Online-

Kurses. Nun sitzen sie die fünf Messetage

lang über Eck vor ihren Laptops,

füllen das vorher besprochene

Handlungsgerüst aus – auf einem

Bildschirm Wort für Wort mitlesbar

für vorbeispazierendes Publikum.

Die Zeit drängt, denn am Sonntag

geht die Buchmesse zu Ende.

Die Bedeutung des Buches und

des Buchmarkts verändern sich

durch die digitale Revolution. Die

weltgrößte Buchmesse ist deshalb

offener geworden für die Formen der

Literatur-Leidenschaft, die über das

traditionelle Handel-Verlag-Autor-

Verhältnis hinausgehen. Deshalb

wurden am Freitag zum dritten Mal

Blogs ausgezeichnet: Literaturkritik

und Buchwerbung finden längst

nicht mehr nur in den Zeitungen

statt, sondernonline,auf Instagram,

Facebook, YouTube und in Podcasts.

Deren Betreiber eint das Bedürfnis,

auf das ihrer Meinung nach Lesenswerte

hinzuweisen, auf vieles auch,

was anderswo übersehen oder aussortiert

wird. Die Preisträgerin Nicole

Seifert zum Beispiel konzentriertsich

mit ihrem Blog„Nacht und

Tag“ auf Literatur vonFrauen.

Gestärkt durch die Ministerin

Geehrt wurde auch ein Verlagsblog,

geführtvon RedBug Books aus Potsdam.

Das stellt die eigenen Bücher

neben vielen anderen vor, gibt

Schreibtipps und kommentiert Debatten,

wie gerade die um Peter

Handke und die mögliche oder notwendige

Trennung vonWerkund Autor.

Andere Verlage, insgesamt 312,

hatten sich um den zum ersten Mal

vergebenen Deutschen Verlagspreis

beworben, initiiertvon der Staatsministerin

für Kultur. Zur Preisverleihung

am Freitagnachmittag entstanden

Gruppenfotos in Serie, denn der

Preis soll „in der Fläche wirken“. Er

unterstützt 60 kleine und mittlere

Verlage quer durch Deutschland mit

je 15 000 Euro.Schon die Aufzählung

Berliner Beispiele wie Alexander,Berenbergund

CulturBooks hier ist ungerecht,

weil so viele fehlen. Diedrei

Hauptsieger, der Hädecke-Verlag,

der Kookbooks-Verlag und Spector

Books,erhalten jeder 60 000 Euro.

Monika Grütters beschrieb am

Freitagabend den Preis als eine Liebeserklärung

an die Buchkultur in

Deutschland, als Rückendeckung für

kleine Verlage in Zeiten der Konzentration

auf dem Markt. Die Freiheit

des Wortes brauche verlegerischen

Mut„für die Kraft des besseren Arguments,

für publizistische und literarische

Vielfalt und für eine Lesekultur,

die diesen Namen auch verdient“.

Da fährt man glatt optimistisch

nach Hause.

Goldschürfer in der Serra Pelada in Brasilien

Ein neues Testament

Der Fotograf Sebastião Salgadowurde mitdem Friedenspreisdes Deutschen Buchhandels geehrt

VonChristian Thomas

Frankfurts Paulskirche zur

Sonntagmittagszeit, wenn

der Friedenspreis des Deutschen

Buchhandels verliehen

wird, war selten ein Ort für

Sonntagsreden, auch diesmal nicht,

in einem nieseligen Licht. Wurde

doch in Gegenwart eines der berühmtesten

Fotografen der Welt, des

Preisträgers Sebastião Salgado, die

Frage gestellt, ob„Photographieren“,

altmodisch mit Ph geschrieben, „ein

Akt des Friedens sein“ könne.

Der Filmkünstler Wim Wenders

wollte als Laudator seine Frage

nicht als rhetorische verstanden

wissen. Handele es sich doch bei

der „Photographie“ um eine Tätigkeit,

„die mit ,Schießen’verbunden“

sei. Auch gebe es da das unangenehme

Wort „Schnappschuss“. Und

hätten die amerikanischen Ureinwohner

nicht instinktsicher geahnt,

dass der weiße Mann ihnen damit

„die Seele stehlen“ wollte?

Die Fragilität der Welt

Diese„feindseligen Aspekte des Photographierens“,

so versicherte Wenders,

„lassen wir heute weit hinter

uns“ –umsich sodann einem Fotografen

zuzuwenden, der sein Leben

mitten unter Menschen verbracht

hat, unter Flüchtlingen und Goldsuchern,

unter Vertriebenen und Verhungernden.

Zuvor hatte bereits

Heinrich Riethmüller als Vorsteher

des Börsenvereins des Deutschen

Buchhandels die Bildersammlungen

Salgados über die „Fragilität der

Welt“ gewürdigt –auch das war keine

Sonntagsrede. So wenig wie auch

diejenige des Frankfurter Oberbürgermeisters,

Peter Feldmann, der

eine kompromisslose Linie im

Kampf gegen den Rechtspopulismus

einklagte.

In dem Filmemacher Wenders

fand der Fotograf einen wortmächtigen

Exegeten. Keinen

Schriftgelehrten, wohl aber einen

Bildgelehrten, der die „bild-erzählerischen

Epen“ Salgados als

einen Appell an einen „großen

Weltfrieden“ auslegte. InWenders

hatte Salgado gestern zudem so

etwas wie einen Geistes(-

blitz)verwandten, als dieser aus

dem Objekt der Fotografie, indiesem

Fall der Erde, ein Subjekt

machte: Nichts anderes seien

diese Bilder nämlich „als eine

großzügige Geste unserer Erde,

Sebastião Salgado und Wim Wendersinder Paulskirche.

ihren Schleier zu heben und sich

zu erkennen zu geben“.

Bei aller Emphase, die Wenders

bereits in seiner Salgado-Dokumentation,

in dem Film „Das Salz der

Erde“, sprechen ließ: In Frankfurttraf

der Geehrte auf einen hymnischen

Bewunderer, der den Fotografen einen

„Seher“ nannte,„dessen Kamera

uns prophetisch den Verlust weiterer

Friedensgrundlagen vor Augen

führt“. Erinnernd an Werke Salgados

wie „Exodus“ und „Genesis“, zwei Titel,

die nicht von ungefähr biblische

Assoziationen aufrufen, lud Wenders

seine Lesart der Bilder Salgados hier

und da durchaus religiös auf.

Fotografie als Prophetie? Bei aller

entschiedenen Parteinahme angesichts

himmelschreiender Ungerechtigkeit,

in denen der Mensch

dem Mitmenschen ebenso ein Ausbeuter

ist wie der Natur – prosaischer

sah es dann Sebastião Salgado

selbst in seiner Dankesrede. In

gleichsam kurzen Momentaufnahmen

trug der 75-Jährige ein Panorama

seines weltweiten Engagements

zusammen.

THOMAS LOHNES/GETTY IMAGES

Der historische Raum der Paulskirche

wurde genutzt als Podium,

um ein Leben als Augenzeuge Revue

passieren zu lassen, begleitet allein

von einer Kamera, auf den Spuren

von Völkerwanderungen oder der

Tiereder Arktis –diese Expeditionen

in die „Genesis“ verstanden als Appell

an die Bewahrung der Schöpfung.

Damit äußerte sich neben dem

Sozialfotografen auch der Naturfotograf,

der in seiner Dankesrede auf die

monströse Ausbeutung sowohl der

Ureinwohner als auch der Urwälder

in seiner brasilianischen Heimat zu

sprechen kam, unter dem aktuellen

Regime einem noch aggressiveren

Raubbau an Mensch und Natur als in

den Jahrzehnten zuvor.

AUS: SEBASTIÃO SALGADO. „GOLD“ (VERLAG TASCHEN)

Salgado gab Einblick in die Lebensbedingungen

der vom Hunger

Heimgesuchten in Afrika, der Verheerten

und Vertriebenen der Bürgerkriege,

der Ausgeplünderten an

Fließbändern oder Werkbänken.

Am stärksten bewegt berichtete

Salgado vom Entsetzlichen

schlechthin, dem Genozid in Ruanda.

Und als wäre esein Schlaglicht

auf die dröhnende Ignoranz

des sich weiterhin gegen die Realität

der Massaker im Jugoslawienkrieg

sperrenden Peter Handke,

kam Salgado auf seine dortigen

Missionen zu sprechen, Fotoexpeditionen,

wie immer angelegt auf

Monate. Fotografieren heiße, so

bereits Wenders, nicht von ungefähr

„aufnehmen“, Aufnahme von

Realitäten, der Schönheit der

Schöpfung oder aber ihrer Zerstörung,

gezwungenermaßen.

DesMenschenWolf

Im Licht dieser Umstände unterblieb

so etwas wie ein versöhnlicher Sonntagmittag,

zumal Salgado nicht verleugnen

wolle,dass „der Mensch immer

des Menschen Wolf ist“. Immer

–keine Illusion in dieser Sache.

Salgado führte dem Paulskirchenpublikum

seine Zweifel ebenso

vor Augen wie die Hoffnung, die

Menschheit wolle noch, in ihrem

ureigenen Interesse, Vernunft annehmen.

Angesichts seiner Auszeichnung

in Frankfurt ging sein

Blick zurück, um seine Ehrung mit

all den Entehrten zu teilen, nicht zu

vergessen mit seiner nachdrücklich

erwähnten Ehefrau Lélia.

Dank „Lélias Energie und Entschlossenheit“

gründeten sie gemeinsam

im brasilianischen

Aimorés das „Instituto Terra“ zur

Wiederaufforstung eines Urwalds.

Auch dieses Vorhaben, wie seine Fotografieserien

in aller Welt, sind ein

Langzeitprojekt. Sind ein Anliegen

und eine Anpflanzung aus einem

„tieferen Gefühl von Verantwortung“.

Nicht umsich die Welt untertan

zu machen, handelt es sich um

so etwas wie ein neues Testament.

NACHRICHTEN

Film über IS-Radikalisierung

gewinnt bei DokumentArt

DerFilm „Tracing Addai“ (Auf den

Spuren vonAddai) hat den Hauptpreis

des Europäischen Filmfestivals

DokumentArt2019 in Neubrandenburggewonnen.

Er thematisieredie

Gefühle einer Mutter,die ihren Sohn

an die Terrororganisation IS verliere,

erklärte Margit Schild als Sprecherin

der internationalen Jury.Insgesamt

bewarben sich 49 Filme um die fünf

Preise des Festivals. (dpa)

Regisseur HerbertFritsch

verlässt Schaubühne

DerRegisseur HerbertFritsch (68)

verlässt die Berliner Schaubühne.

„Amphitryon“ sei seine letzte Inszenierung

am Haus gewesen, sagte

eine Sprecherin des Theaters.Fritsch

verlasse das Haus auf eigenen

Wunsch. DieSchauspieler Axel

Wandtke,Bastian Reiber und Joachim

Meyerhoff, die mit Fritsch arbeiten,

bleiben aber auch nach Sommer

2020 noch an der Schaubühne.

Mitanderen Mitgliedernvon

Fritschs Ensemble befinde man sich

noch in Gesprächen. Fritsch hatte

zuvor lange an der Berliner Volksbühne

gearbeitet. Damals stand das

Haus noch unter Leitung vonIntendant

Frank Castorf. Mitdessen Abschied

verließ auch Fritsch dasTheater

und wechselte an die Schaubühne.Erst

am Sonntag hatte

Fritschs Inszenierung von„Amphitryon“

dortPremieregefeiert. (dpa)

Konrad-Adenauer-Preis

für Daniel Barenboim

Daniel Barenboim hat am Sonnabend

den Konrad-Adenauer-Preis

der Stadt Köln erhalten. Damit werde

der 76-Jährige für sein beispielloses

Engagement für Frieden undVölkerverständigung

geehrt, teilte die Stadt

mit. DasKuratorium würdige mit der

Auszeichnung seinen Beitrag zur kulturellen

Bildung und sein Engagement

zur internationalen Integration

sowie für das respektvolle Miteinander

vonMenschenunterschiedlicher

Herkunft. Oberbürgermeisterin Henriette

Reker (parteilos) überreichte

den Preis.Barenboim hat unter anderemdasWest-EasternDivan

Orchestramit

ins Leben gerufen, in dem

Musiker aus Israel und der arabischenWelt

zusammen spielen. Der

Dirigent und Pianist gilt als einer der

berühmtesten Klassikkünstler weltweit.

Seit 1992 steht der argentinischisraelische

Musiker als Generalmusikdirektor

an der Spitze derBerliner

Staatsoper. (dpa)

Sachsen-Anhalt zeichnet

Friede Springer aus

DieVerlegerin Friede Springer und

der Unternehmer August Oetker sind

am Sonnabend mit demVerdienstorden

des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet

worden. Ministerpräsident

Reiner Haseloff (CDU) überreichte

die Orden in der Schlosskirche

Wittenberg. Damit wurden Springers

und Oetkers herausragendes gesellschaftliches

Engagement und ihre

Verdienste um das kulturelle Erbe

Sachsen-Anhalts gewürdigt, so die

Staatskanzlei. Friede Springer habe

als Managerin desVerlages und Alleingeschäftsführerin

der Springer-

Holding dieVerlagsgruppe zum

zweitgrößten Medienkonzern

Deutschlands aufgebaut. (dpa)


22 * Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Feuilleton

Die acht jugendlichen Mitspieler in der Inszenierung „Futureland“ im Container des Gorki-Theaters

MAIFOTO/UTE LANGKAFEL

Das schwierige achtzehnte Jahr

Ausbildung oder Abschiebung? Lola Arias entwirft mit acht jugendlichen Geflüchteten ein „Futureland“ im Container des Gorki-Theaters

VonDoris Meierhenrich

Da springen sie! Acht Helden

mit Fallschirmrucksack.

Blitzeblank tut sich

der blaue Himmel um

sie herum auf und langsam steuern

sie auf eine Insel zu mit einer fantastischen

Skyline –ach, da ist ja der

Fernsehturm! Also Berlin. Vielleicht

im Jahr 2050? Dann landen sie, aber

die animierten Bilder fliegen weiter

durch aufgeräumte, sonnig-helle

Hochhausschluchten: Dort schlängelt

sich eine Schwebebahn, einige

gepflegte Parks sind auch noch da,

nur wo sind die Menschen?

Die scheinen irgendwo hinter

den Hochhausmauerninihren Zimmern

anComputern zuhocken und

PuBG zu spielen. Jenes Computerspiel,

in dem eine Schar Kämpfer auf

einer Insel landet, wo sich dann jeder

einzeln durchschießen muss

und dessen futuristische Grafik nun

auch die Lebenswelt dieses sonst

recht realen Theaterabends vonund

mit jugendlichen Geflüchteten im

Gorki-Container liefert.

DerBühnenbildner Dominic Huber,der

mit seinen verdichteten, immersiven

Räumen, wie etwa den

hochgelobten „Situation Rooms“

vonRimini Protokoll 2013, schon oft

für besondere Tiefenschärfe des

Theaters sorgte, hat auch hier ganze

Arbeit geleistet. Vorallem computertechnische.

Eine über die volle Bühnenbreite

reichende Wand dient zunächst

als Projektionsoberfläche für

das animierte Zukunftsberlin, im

Verlauf aber zoomen die fliegenden

PC-Stadtbilder immer wieder durch

Fenster in verschiedene Häuser hinein,

wo die Protagonisten des

Abends sitzen und von ihren Ankünften

hier erzählen.

EinRiesenavatar im Bamf

Dafür hebt sich die Wand dann geschmeidig

nach oben und unsere

Blicke gleiten in ein Klassenzimmer,

in den Raum eines Jugendamtes

oder des Bamf selbst, des Bundesamts

für Migration und Flüchtlinge,

wo ein Riesenavatar dann von einer

anderen Wand aus leuchtet, der die

Neuankömmlinge instruiertund befragt.

Oder wir landen im besten Fall

einfach in einer Wohnung, wo sich

dann zum Beispiel zwei Mädchen

leise darüber austauschen, was denn

nun „Haram“ sei, das nach dem Koranstrengstens

Verbotene.

Diebeiden, diedas hier tun, heißen

Sarah und Sagal, sind heute 17

und 18 Jahre alt und gehören zu

den acht Jugendlichen aus Afghanistan,

Somalia, Syrien, Guinea

und Bangladesch, die die Dokumentartheatermacherin

Lola Arias

für diesen außergewöhnlichen,

auch ungewöhnlich widersprüchlichen

Abend über den Mut und die

Zumutungen für jugendliche Migranten

ausfindig gemacht hat.

„Unbegleitete Minderjährige“ heißen

sie im Bürokratendeutsch.

Sara war 14, als sie Afghanistan

verließ, weil die Taliban ihnen nach

dem Leben trachteten. BisGriechenland

kam die Familie zusammen,

dann musste das Mädchen allein

weiter Richtung Deutschland, in der

Hoffnung, die anderen später –legal

–nachholen zu können.

Drei Jahre ist sie nun hier,

spricht fließend Deutsch, geht zur

Schule und möchte Modedesignerinwerden,

was angesichts ihrer eigenen

Mode – sie trägt auf der

Bühne Hijab und ein schlichtes

Kleid –zumindest unkonventionell

klingt. Ob ihre Familie es mittlerweile

nach Deutschland geschafft

hat, erfahren wir nicht.

Viel Zeit dafür bliebe auch nicht

mehr, denn die Zahl 18 ist für diese

Jugendlichen die magische Zahl. Für

jeden anderen, der sich danach

sehnt, endlich die Freiheiten des Erwachsenenlebens

zu genießen, ein

Freudenfest. Nicht für diese acht, deren

besondere Schutzbedürftigkeit

mit dem 18. Lebensjahr abrupt erlischt.

Plötzlich steht ihr bis dahin

gesicherter Aufenthaltsstatus wieder

infrage, sofern ihr Asylantrag noch

nicht durch ist und die Möglichkeit

eines Familiennachzugs wird fast

aussichtslos. Beieinem Land wie Afghanistan,

dessen labile Gefahrenlage

man mittlerweile immer bedenkenloser

leugnet, rückt eine Abschiebung

plötzlich bedrohlich nahe.Was

das für eine junge Frau wie Sarahbedeutete,die

gerade anfängt, sich eine

Zukunft aufzubauen, mag man sich

kaum vorstellen.

Über jedem dieser acht jungen

Menschen schwebt also die 18 wie

ein Damoklesschwert.Wieetwas,gegen

das man sich wappnen muss,

ähnlich den Kämpfern imPC-Spiel.

Und nacheinander zählen sie ihre

Strategien auf: nicht auffallen, in der

Schule besonders gut sein, um Ausbildungsstellen

zu bekommen –

auch die schützen vor Abschiebung

–und vorallem: in den gefürchteten

Interviews zum Asylverfahren richtig

antworten. Wasist richtig? Es reicht

nicht zu sagen: „in meinem Land

herrscht Krieg“, weiß Sara jetzt, du

musst sagen: „Ich war in Gefahr“.

Programmiertes Misstrauen

Wie viel Angst, auch Ungenauigkeit

durch schlichtes Unwissen bei diesen

verfänglichen Interviews

herrscht, erfährt man nur sehr indirekt

aus den lakonischen Antworten,

die einige von ihnen nun wiederholen,

während sie diese Befragungen

noch einmal nachspielen. Der Riesenavatar

„Entscheider“ kommt dabei

in seinem programmierten Misstrauen

dem Original sicher am

nächsten.Wiealt bis du?Warumhast

du deine Familie, dein Land verlassen?

Wiegenau kommst du hierher?

Dass jede dieser simpel scheinenden

Fragen für die verunsicherten

Kinder eine berghohe Hürde bedeutet,

erkennt man in der Sprachlosigkeit,

die sie auch jetzt, in der

Distanz noch haben.

Ist es ein Wunder, dass sie alle

sich, wann immer möglich, in die

fantastische Spielewelt flüchten, wo

sie jedes Hindernis fliegend überwinden?

So gesehen hat Lola Arias

die genau richtige Idee gehabt, dieses

Doku-Spiel in das PC-Setting eines

„Futureland“ zu übertragen.

Und doch liegt in diesem aseptischen

PC-Gefängnis auch die große

Schwäche des Abends. Denn es gibt

einfach kein Außen, keine atmende

Reflexion, kein spürbares Leben jenseits

der abgedichteten Projektionen

–sei es der Idealwelt der Kinder, sei

es der idealen Aktienwelt des Staatsapparats

–die aufeinander reiben.

Dass es kaum eigenes Fragen, ungehemmtes

Agieren der Jugendlichen

untereinander gibt, ist deprimierend.

Zwar darf fast jeder einmal

nach seinem Lieblingssong tanzen,

aber auch daran wirkt alles abgezirkelt,

als wären sie schon selbst halb

Avatare. DerText, den Arias aus monatelangen

Gesprächen destilliert

hat, bleibt am Ende dünn. Die Zumutungen

der Bürokratie bleiben

vage und die Geschichten der Kinder

selbst aus Schrecken und Glück nur

Stichwörter. Ihr „Futureland“ –ein

Kampfplatz auf dem Bildschirm.

Gorki-Container wieder 4.,5.11., 20 Uhr.

Tel.: 20 221-115

Ihr habt doch den Diesel erfunden! Und seine Abgaswerte

Die Distel zieht über die German Angst her,über Bahnfahren, Politiker und das Grundrecht auf Beleidigtsein: „Skandal im Spreebezirk“

VonBirgit Walter

Kommt ein Ami auf die Bühne

und will das Publikum aufmuntern.

Er erschreckt es mit Einzelheiten

über die berühmte German

Angst. Fragt nach deutschen Tugenden,

die er nur bei der AfD findet

oder im Theater.Als der Name Hitler

fällt, schüttelt er den Kopf über das

Raunen im Saal und sagt tröstend:

Dieser Hitler,nein, also der war nicht

gut für euch! Ihr seid so ein gutes

Volk, so fleißig, so strebsam –und so

geduldig. Baut seit hundert Jahren

an einem Flughafen! Habt als Nation

so große Dichter und Denker hervorgebracht

wie die Brüder Grimm, die

Brüder Humboldt, Siegfried und

Roy! Ihr habt den Diesel-Motor erfunden

–und seine Abgaswerte! Ihr

macht alles gegen den sauren Regen,

und der Wald stirbt trotzdem. Denn

nicht der Regen ist sauer,sondernihr

seid es. Schließlich ruft er den Leuten

zu: Take it easy, schaut rüber zu

uns –wir hatten einen kompletten

Idioten als Präsidenten! Er wurde abgelöst

–von Trump. Ich bin gekommen,

euch Mut zumachen. Sprecht

mir nach, ja, auch die Bayern im

Saal: Wirsind deutsch und trotzdem

gut! Spürt ihr die Energie? Die gute

Laune? Dann kauft dieses Buch! Er

hält es hoch wie eine Trophäe. Ist

doch ganz einfach.

Das war ein Ausschnitt aus der

Sternstunde des Abends. In der

schwadronierte Stefan Martin Müller

mit herrlich donnerndem Akzent

herum, ein Schauspieler mit

drei deutschen Namen, also kein

Ami, nicht mal ein in Amerika Studierter,

sondern ein im Osten Beschulter

und seit 30 Jahren bei der

Distel heimischer Schauspieler.

Über so viel beiläufige Selbstgewissheit

bricht das Publikum unentwegt

in Lachen aus.

Das aktuelle Distelprogramm

„Skandal im Spreebezirk“ –Premiere

war am Freitag –kommt ansonsten

mit weniger Witz aus,auch ohne den

Skandal im Titel. Es hat kein Thema,

keinen roten Faden und keine Geschichte,

es driftet einfach vom

Bei Anruf Distel: Stefan Martin Müller,Jana Kozewa und Frank Voigtmann.

CHRIS GONZ

spektierliches. Die Nummern fallen

mal so und mal so aus. Manchmal

fehlt ihnen alles Komische. Wenn

sich Frank Voigtmann als Parodist

vonProminenten versucht zum Beispiel,

und sich bei jedemVersuch bewusst

gleich öd’ anstellt. Mathias

Richling, den Voigtmann an anderer

Stelle vielleicht eher unbewusst imi-

Hölzchen aufs Stöckchen und immer

so weiter.Esnennt das vornehm

„Hommage an seine Wurzeln“ aus

den 20er-Jahren. Damals kamen die

Dinge als Collage auf die Bühne,

Dinge, die nicht unbedingt zusammen

passten. Mankann es auch einfach

Nummernprogramm nennen,

das gibt einem Kabarett nichts Detiert,

hätte daraus ein Kabinettstück

gemacht, aber der ist nicht zur Stelle.

Macht nichts, kann man weglassen

den Part. Allerdings offenbart der

Punkt ein Problem dieses insgesamt

doch unterhaltsamen Abends:Voigtmann

steht nicht nur zusammen mit

Stefan Martin Müller und der erstklassigen

Jana Kozewa mit ihren tollen

Schnellsprecheinlagen auf der

Bühne, er schrieb mit Robert

Schmiedel auch das ganze Programm.

Da kommt ihm vielleicht gelegentlich

die Übersicht abhanden,

der Blick auf sich selbst sowieso.

Mit welcher Sorgfalt und Akribie

der Abend vorbereitet wurde, zeigt

das Programmheft, das alle besprochenen

Themen – von Eisenbahn,

Verschuldung, SPD-Untergang, Armut,

Klima, Windräder, Rassismus

bis zu Flüchtlingen fehlt nichts –detailschön

und in „Guttenberg’scher

Zitierweise“ aufbereitet. Daspasst in

100 Minuten Programm gar nicht alles

rein. Denn es gibt auch noch neu

gedichtete Lieder vom„Am Brunnen

vor dem Tore“ bis „Wenn wir schreiten

Seit’anSeit’“ –mit Matthias Felix

Lauschus und Fred Symann an den

Instrumenten –sehr erbaulich.

Man sieht, was ein fünfköpfiges

Ensemble-Kabarett kann, auch

wenn es sich grundsätzlich jenseits

der satirisch-intellektuellen Schärfe

von Kabarett-Sendungen wie „Die

Anstalt“ bewegt. Aber hier ist eben

alles live. Manchmal spitz und genau,

wenn es um die Klimafreundlichkeit

vonFernbus und Bahn geht –

Bahnfahren ist schädlicher – oder

das Grundrecht auf Beleidigtsein.

Feministinnen fühlen sich ja sogar

durch ein Gedicht von Eugen Gomringer

sexistisch beleidigt, in dem

nur die Worte Alleen, Blumen,

Frauen und ein Bewunderer vorkommen.

Die Debatte lief zu großer

Form auf, als das Gedicht übermalt

wurde. Der Kabarettist konstatiert

nüchtern: Und für Männer ist das

nicht mal ein richtiges Gedicht. Endlich

sagt auch das mal einer.

Distel: SkandalimSpreebezirk Tägl. 20 Uhr, Sa

auch 17 Uhr.Karten:030 –204 47 04


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 23 *

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Feuilleton

Im

geigerischen

Zartgespräch

Eine Hommage an Gidon

Kremer im Konzerthaus

Ein falscher

Gerhard

Richter

Mutmaßlicher Kunstbetrug

in Berlin aufgedeckt

VonClemens Haustein

Seit längerem schon spielt sich Gidon

Kremers Wirken eher abseits

der gewöhnlichen Bahnen des Konzertbetriebes

ab.Meist tritt er mit eigenem

Ensemble auf, der „Kremerata

Balitca“. Gastiert erbei einem

der großen Traditionsorchester,

dann nutzt er die Gelegenheit für

Kompositionen, die selten gespielt

werden, für die er aber eine besondereLeidenschaft

hegt. Sofia Gubaidulina

gehört dazu und Mieczysław

Weinberg, der in diesem Dezember

hundertJahrealt geworden wäre.

Gubaidulinas erstes Violinkonzert

stand auch am Beginn der

„Hommage an Gidon Kremer“, die

das Konzerthaus in dieser Woche für

den großen Geiger ausrichtet, dabei

Kremers eigenen Programmideen

und Wünschen für mitwirkende Musiker

folgend. VonWeinberg werden

in den kommenden Tagen unter anderm

zwei Violinsonaten, zwei Sinfonien

und das Violinkonzert zuhören

sein. Mit dem Wissen um KremersVorlieben

kommt solch ein Programm

nahezu erwartungsgemäß,

Gubaidulinas Konzert, so ist am Freitagabend

bei der Eröffnung der

Hommage zu erleben, braucht aber

ein solch stetes Engagement, wie es

Kremer für das Stück zeigt. Der Beginn

mit dem wörtlich zitierten, allerdings

in ständig wechselnde

Klangfarben getauchten Thema aus

Bachs „Musikalischem Opfer“, verspricht

Zugänglichkeit, es folgt eine

strenge, streng konstruierte, dabei

gewissenhaft gearbeitete Musik, die

dem Hörer nicht selten eine harte

Dechiffrierungsaufgabe stellt. Was

genau bedeutet Gubaidulinas sentenzenhaftes,

lakonisches Vokabular?

Gelten die Grenzen, gegen die sie

hier aufbegehrt, um andereGrenzen

in der Nachfolge ihres Vorbildes Anton

Webern wiederum zu akzeptieren,

auch heute noch? Oder erzählen

sie von damals, als Europa geteilt

und Ost und West noch scharf getrennt

waren? Als Bindeglied ins

Heute und Jetzt dient an diesem

Abend vor allem Gidon Kremer, der

Der lettisch-deutsche Violonist

Gidon Kremer

ANGIE KREMER

das im Solopart soauffallend leise

und unspektakuläreKonzertwie mit

brechender Stimme spielt. Kein Ton,

hinter dem sich nicht eine weite Welt

auftun würde; Tragik und Glück sind

dort meist friedlich aufgehoben.

Auch in der Zugabe,Valentin Silvestrovs

„Serenade“, setzt Kremer das

geigerische Zartgespräch fort, das

nicht einfach nur leise ist, wie es von

vielen Musikern als sportive Übung

vorgeführt wird, sondern gehaltvoll

und zugewandt.

Das Flüstern ist David Zinmans

Sache nicht so sehr –erdirigierte das

Konzerthausorchester – aber seine

empfindsame Klangfreude kommt

doch aus ähnlicher Quelle. Sicherheit

und Freude vermittelt er den

Musikern, Franz Schuberts „große“

C-Dur-Sinfonie spielen sie im doppelten

Sinn aufgeräumt und ohne je

einer Dramatik zu verfallen, die den

Eindruck eines frohen, höchstens

melancholischen Melodienbogens

beschädigen würde. Eine Aufführung

vonbeinahe purer Schönheit.

Am Ufer finden Kommissare Zeiler (Nora Waldstätten, l.) und Oberländer (Matthias Koeberlin, r.)die Leiche einer jungen Frau (Anna Rot).

Frauen wie Fabelwesen

Montagskrimi mit Sonntagsquoten: Die ZDF-Krimireihe „Die Toten vom Bodensee“ ist immens erfolgreich

VonTorsten Wahl

Eine Wassernixe mit breiter

Schwanzflosse und güldenem

Haar dreht und rollt

sich spielerisch im Wasser

in den Tiefen des Bodensees. Dann

liegt sie tot am Ufer und Kommissar

Micha Oberländer (Matthias Koeberlin)

fragt seine Kollegin Hannah

Zeiler (Nora Waldstätten), wie alt

Meerjungfrauen eigentlich werden.

Die entgegnet ebenso knapp, die

Tote sei Mitte 30 und „Mermaiding“

ein Trendsport.

Schon die ersten Minuten locken

mit den typischen Elementen dieser

deutsch-österreichischen Krimireihe.

Immer wieder fordert der sagenumwobene

Bodensee seine Opfer

–die Mordfälle werden oft mit

mystischen Motiven verwoben. Im

ersten Fall 2014 spielten keltische

Masken eine Rolle, imvorigen Fall

wurden Tote auf mittelalterliche

VonNikolaus Bernau

Esist wohl nur wenigen, die sich

mit Architekturgeschichte oder

gar mit der Theorie des Bauens und

Entwerfens beschäftigen, zu Lebzeiten

die Gewissheit vergönnt: Ich

habe etwas erreicht. Ichhabe die Art

und Weise verändert, wie entworfen,

wie geplant und dann gebaut wird.

Zu dieser kleinen Gruppe wirkungsvollerTheoretiker

gehörte der amerikanische

Brite Charles Jencks, der,

wie jetzt erst bekannt wurde, am

13. Oktober im Alter von80Jahren in

London gestorben ist.

Kaum jemand hat den Begriff

der architektonischen Postmoderne

so sehr geprägt wie er, und

aus der Architektur bezogder Epochenbegriff

schließlich auch die

Anschauung für andere Disziplinen

wie Philosophie und Literatur.

Und die Feststellung, dass seine

Bücher zu diesem Thema so gefeiert

wie umstritten gewesen sind,

wäre–gelinde gesagt –eine Untertreibung.

An der Behauptung, dass

es eine Postmoderne überhaupt

gibt, entzündete sich ein unabgeschlossener

Glaubensstreit in den

Geisteswissenschaften ebenso wie

in der Kunst.

Weise drapiert. Ebenso prägend ist

das ungleiche Kommissarsduo.

Während Matthias Koeberlin als Lindauer

Polizist eher etwas kumpelhaft

wirkt, wirkt Nora Waldstätten als

seine Bregenzer Kollegin so entrückt

und kühl, als sei sie selbst einer Fabel

entsprungen.

VonBeginn an kamen „Die Toten

vomBodensee“ sehr gut beim Publikum

an. Das ZDF erreichte immer

mehr als 20 Prozent Marktanteil, oft

um die acht Millionen Zuschauer –

das sind Quoten am Montag, die ansonsten

nur„Tatort“ und„Polizeiruf“

am Sonntag erreichen. Zunächst lief

die Reihe jährlich, seit 2017 zweimal

im Jahr. Angesichts dieser starken

ZDF-Position ist es seltsam, dass

Sat.1 seine Thriller statt dienstags

neuerdings ebenfalls montags laufen

lässt –der Auftaktfilm der neuen

Mystik-Thriller-Reihe mit Susan Hoecke

als Ermittlerin Cora Stein dürfte

chancenlos sein.

DerFall um die Meerjungfrau, der

neunte Film der ZDF-Reihe, verbindet

zwei Milieus miteinander. Das

Opfer mit der Schwanzflosse war die

Gattin eines renommierten Winzers

(Sebastian Bezzel), dessen Familie

viel Wert auf Tradition legt. Doch die

Frau hatte den Mann und die Enge

verlassen und sich einer hippiesken

Surfergruppe angeschlossen. Ihr

junger Geliebter (Aaron Friesz)

schleppt sich von der ersten Minute

an mit einem Messer im Bauch

durchs Schilf des Bodensees, flüchtet

dann ausgerechnet mit dem

Kleinbus von Kommissar Oberländer.

Verdächtig werden sie nacheinander

fast alle –sowohl die Surfer,die

ihr cooles Leben offenbar als Piraten

finanziert haben, als auch die Winzer-Familie,

die in kriminelle Machenschaften

verwickelt scheint.

Die Story von Timo Berndt, der

seit dem dritten Bodensee-Fall alle

Bücher schreibt, ist nicht sonderlich

Mr.Postmoderne

Zum Toddes Architekten, Landschaftsgestalters und Historikers Charles Jencks

Geboren wurde Charles Jencks

1939 in Baltimore/Maryland als

Sohn des Komponisten Gardner

Platt Jencks und Ruth DeWitt Pearls.

Im Jahre 1961 machte er seinen Bachelor

in Englischer Literatur in Harvard,und

den Abschluss in Architektur

absolvierte er, ebenfalls in Harvard,vier

Jahrespäter.Bis an sein Lebensende

blieb diese Verbindung

aus historischer Vergewisserung und

künstlerischer Verarbeitung prägend.

1965 ging Jencks nach Großbritannien,

machte am Londoner

University College 1970 seinen Doktor

in Architekturgeschichte. Drei

Jahrespäter erschien dann sein Buch

„Modern Movements in Architecture“,

in dem er mit großem sprachlichem

Furor die vielen Modernen

des 20. Jahrhunderts dem Vergessen

entriss. Gerade im Bauhaus-Jahr, in

dem oft eine scheinbare Ausweglosigkeit

des Wegs zum Funktionalismus

àlaGropius konstruiert wurde,

ist es gut, sich dies Buch wieder zur

Hand zu nehmen. 1977 folgte „Die

Sprache der postmodernen Archi-

ZDF/PETRO DOMENIGG

originell, steigert seine Dramatik

aber wie gewohnt zum feurigen Finale

hin. Weiter ausgebaut werden

dafür die privaten Hintergründe der

beiden Kommissare. Nachdem die

Biografie von Hannah Zeiler im

sechsten Fall kulminierte,als ihr verschollener

Vater als Krimineller enttarnt

und vonKollege Oberländer erschossen

wurde, wird deren Geschichte

verhalten weitergeführt: Ist

ein junger Typ aus der Nachbarschaft

ein Stalker oder ein Verehrer?

Nora Waldstätten spielt die Irritation

der Hannah fast nur mit Blicken.

Dramatischer wird es dafür bei

Oberländer: Seine Ex-Frau (Inez

Björg David) verunglückt und liegt

im Koma. Hier brauchen die beiden

Kollegen, deren Dialoge mitunter so

knapp sind, dass man sie kaum versteht,

gar keine Wortemehr.

DieToten vomBodensee:Die Meerjungfrau

20.15 Uhr,ZDF

tektur“ (auf Deutsch 1978), das

schon in den 60er-Jahren entwickelten

Theorien der Literaturgeschichte

auf die Architektur übertrug. Bis

heute kann man sich über dieses

Buch und seine methodisch mit der

Konzentration auf Fassaden eher fatalen,

ästhetisch die Architektur aber

auch aus dem Raster der Glaskisten

und Betonraster befreienden Thesen

leidenschaftlich streiten.

Nach dem Tod seiner zweiten

Frau, der Gartenhistorikerin Maggie

Keswig („The Chinese Garden“) im

Jahre 1995 wurde Jencks einer der

einflussreichen Kämpfer für eine bessereVersorgung

von Krebspatienten.

Darüber geriet fast ein wenig in den

Hintergrund, dass Jencks auch zu den

bedeutenden britischen Landschaftsarchitekten

des 20. Jahrhunderts

zählte. Die Schottische Nationalgalerie

ließ sich ihren Garten von

Jencks gestalten, zu den Olympischen

Spielen 2008 legte er in Peking den

Olympia-Park an. Steinplatten wie

Menhire, lange Wellen wie das Meer –

alle diese Anlagen zeugen vomtiefen

kulturellen Wissen Jencks’, das in der

Architektur gerade in Bezug auf die

Verbindung vonGeistes- und Ingenieurwissenschaften

viel zu selten

wahrgenommen worden ist.

VonIrmgard Berner

Skandal im Kunsthandel! So hieß

es am Wochenende im Deutschlandfunk.

Kunstbetrug in Millionenhöhe!

Ein bekannter Galerist aus

Berlin sei verhaftet worden. Seinen

Namen und den seiner Galerie –mit

Dependancen im Ausland –wurden

nicht genannt.

Mit Kunstwerken wird bekanntlich

betrogen, seit es die Kunst gibt.

Seit Jahren boomt der Kunstmarkt

mit Preisen, die in astronomische Höhen

gehen, 450 Millionen Dollar für

einen nicht einmal sicheren Leonardo

da Vinci ist die bisherige Spitze

des Irrsinns. Ein Bild von Gerhard

Richter sei „eine Aktie an der Wand“,

hatte ein Berliner Galerist einmal gesagt.

Folglich boomt auch das dunkle

Geschäft mit der Kunst, der Fall Beltracchi

ist noch gut in Erinnerung.

Nun gibt es also einen neuen Fall

vonKunstbetrug, dieVorwürfe gegen

den Mann wiegen schwer. Das Landeskriminalamt

Berlin habe bei der

Durchsuchung mehrerer Wohnungen

und Geschäftsräume den 67-

Jährigen wegen Verdachts des

schweren Betrugs festgenommen,

meldete auch RBB 24. Die Staatsanwaltschaft

wirft ihm vor, in mehreren

Fällen von Kunstbetrug dringend

tatverdächtig zu sein. Es soll um Bilder

gehen, die womöglich gar nicht

im Besitz eines Käufers waren und

deren Eigentumsrechte ungeklärt

sind. So habe der Galerist unter anderem

Gemälde verkauft, dafür Zahlungen

erhalten, die Käufer jedoch

nie die versprochenen Spitzenwerke

erhalten. Dabei sei ein Schaden in

Millionenhöhe entstanden.

HochkomplexeMalkunst

Darüber hinaus wirdihm der Handel

mit einer Fälschung vorgeworfen:

EinGemälde vonGerhardRichter sei

von dem Galeristen als Pfand genommen

und an einen Sammler verkauft

worden. Dieser wollte das Gemälde

später über ein Auktionshaus

weiterverkaufen. Beider Prüfung des

Bildes habe das Archiv von Gerhard

Richter jedoch festgestellt, dass es

eine Fälschung sei.

Es ist nicht eben leicht, eine von

Richters Abstraktionen zu fälschen,

um eine solche soll es sich handeln.

Die nicht mit dem Pinsel gemalten,

sondernmit Rakel und Latten schlierigund

fleckig über die Leinwand gezogenen

Farbaufträge sind hochkomplexe

Malkunst. Weil sich die

Bilder dieser Serien oft sehr ähneln,

fallen sie nicht sofort als Fälschung

auf.„Es ist sicherlich keine Kunst, die

sie und ich zu Hause hängen haben“,

wird eine Polizeisprecherin zitiert.

Fünf Privat- und Geschäftsadressen

in Berlin und zwei in Brandenburg

wurden durchsucht und Vermögenswerte

des Verdächtigen gepfändet.

Seit August laufen Ermittlungen

gegen ihn, Haftbefehl hatte bereits

vorgelegen. Nun wurde er in seiner

Wohnung in Berlin-Charlottenburg

festgenommen. Jedoch sprach der

Haftrichter aus gesundheitlichen

Gründen Verschonung aus.

Charles Jencks (1939–2019) IMAGO IMAGES

TOP 10

Sonnabend, 19. Oktober

1 Tagesschau ARD 6,35 23 %

2 Ein starkes Team ARD 6,34 21 %

3 Klein gegenGroß ARD 5,43 19 %

4 Sportschau ARD 4,70 21 %

5 Der Staatsanwalt ZDF 4,31 15 %

6 Das Supertalent RTL 3,45 11 %

7 Tagesthemen ARD 3,02 16 %

8 heute ZDF 2,93 13 %

9 heute-journal ZDF 2,86 11 %

10 Bares für Rares ZDF 2,82 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 * Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

BallhausNaunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Everybodycan be everybodycan not be (Jao

Moon)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Die Blechtrommel

20.00 Kleines Haus:Amir

20.00:Endspiel

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00:Der Seelenbrecher

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

11.00, 19.00 Box: 30.nach.89 (Junges DT International)

HfS Ernst Busch (✆ 75 54 17 -0)

20.30 UNTEN:777: Juicy –Metamorphosis /Wie

Wasser War/Wild, wicked, &verynice

KomischeOper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Die Perlen der Cleopatra

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Die Nachtvon Lissabon

20.00 Container:Herzstück

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: status quo

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Jason undMedea oder was ist Heimat (Berliner

Schulefür Schauspiel)

KABARETT/VARIETÉ

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Filmbühne am Steinplatz (Hardenbergstr.12)

19.30: Welche Drogepasst zu mir? (Kerstin Slawek)

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

20.00: Schundund Asche (Moritz Neumeier und Till

Reiners)

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Servus Peter und Dankeschön(Gastspiel

ChristophSchobesberger,Katja Brauneis &Live-

Band)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

19.45: Die FlorianSchroeder Satireshow

KLASSIK

DeutscheOperBerlin (✆ 34 38 43 43)

20.00 Foyer: FlurinaStucki, Annika Schlicht,Thomas

Lehmann(Solisten), John Paar (Klavier), Nadja

Küchenmeister(Rezitation), Lieder und Dichter.

Schumann I, Klassisches Liedgut, Lyrik, Klavier

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00Werner-Otto-Saal: Gidon Kremer(Violine),

Yulianna Avdeeva(Klavier), Christian Jost (Moderation),

2xhören zeitgenössisch, MieczyslawWeinberg:

Sonate für Violine und Klavier Nr.6op. 136bis

Piano Salon Christophori (Uferstr. 8)

20.00: Helena Madoka Berg,Dorian Xhoxhi (Violine),

Kyoungmin Park (Viola), ArthurHornig(Cello), Das

Philharmonische Quartett,Josef Suk:Meditation

über den St.-Wenzel-Choral op.35a; Josef Suk:

Streichquartett Nr.2op. 31; Beethoven: Quartett Nr.

10 Es-Dur op. 74 „Harfenquartett“

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

20.00 Apollosaal: Internationales Opernstudio Unter

den Linden, Orchesterakademie der Staatskapelle,

Welcome-Konzert, Purcell:„Welcome, welcome,

glorious morn“, Ode für Soli, Vokalensemble und

Instrumente; Britten:„Les Illuminations“ op.18für

Stimme und Streicher,„Simple Symphony“ op. 4

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

9.30, 10.45: Wind im Gummistiefel, TheaterFusion

(ab 2J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“, Mitmachzirkusfür die

ganze Familie (ab 8J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unse

Leben traten, Videogames

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

11.00: Bubble Jam, Rimini Protokoll, Cloud-Performance

mit Smartphones (ab 12 J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

Phoenix in der KULTSchule (✆ 72 01 19 19)

16.00 MediaLab: Phoenix-Küken, Kindertheater-Wo

shop, Leitung: Oksana Loidova (ab 4bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Rapunzel, Vera Pachale (ab3J.)

SO36 (✆ 61 40 13 06)

17.00: Roller Kidz,Rollschuhdiskofür Kinder

Theater an derParkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Wirvom Reuterkiez (ab 9bis 13 J.)

LITERATUR/VORTRAG

Buchhandlung Braun &Hassenpflug

(✆ 802 93 04) 20.00: Die LiebeinGedanken –Die

Geschichtevon Boris Pasternak, Marina Zwetajewa

und Rainer Maria Rilke, Peter Michalzik, Lesung und

Gespräch

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

20.00: Lieder und Dichter:„Als flögesie nach Haus

Nadja Küchenmeister,ThomasLehmann, Annika

Schlicht, Flurina Stucki, John Parr

ItalienischesKulturinstitut (✆ 26 99 41 -0)

19.00: Die Kinder des BorgoVecchio, Giosuè Calaci

ra, Moderation: Dr.Constanze Neumann

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.30: Doppelte Buchpremiere: „Beate Uhse. Ein

Leben gegenTabus“ &„Lvstprinzip“, Katrin Röhnicke

Theresa Lachner,Moderation: Jan Feddersen

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

19.30: Buchpremiere: „Das Glück der kalten Jahre“

Martyna Bunda, Mod.: Matthias Nawrat

21.00: Wortservierungen: Meine Seeleruhe –Gelassenheit,

vonWilhelm Schmid, mit Richard Burger

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: LiteraturLive: Realitätsschock. Zehn Lehren

aus der Gegenwart, Sascha Lobo, Buchpremiere

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.00: Freihafen –offene Lesebühne

FÜHRUNG

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

Bärentouren (✆ 015 20 -5 22 67)

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain –

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bisheute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeit der Romantik –Literaturführun

vonE.T.A. Hoffmann über die Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour –Alt-Berliner Sagen und

Anekdoten:Romantiktour zwischen Hackeschem

Markt und Klosterviertel, Treff: Klosterruine –Klosterstr./Grunerstr.(Nähe

U-Bhf.Klosterstraße). Anm.erf

22.00: Nachtwächtertour –Auf denSpuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin

Treff: Eing.Nikolaikirche,Propststr.. Anm. erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –Die Ausstellung

am Potsdamer Platz,Treff: Im Museum

Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt

(✆ 81 70 47 26) 14.00:Führung zu Gräbernder

Mendelssohns und ihrer Verwandten auf dem Jüdischen

Friedhof Schönhauser Allee, Sabine Krusen,

Treff: Eingang FriedhofSchönhauser Allee

Gespräch

Er

spricht

Deutsch

Mit einem Stipendium

kam Karamba Diaby in

den Achtzigernvom Senegal in

die DDR zum Studium, das er

mit der Promotion im Fach

Umweltanalytik abschloss.

Der heute 58-Jährige lebt in

Halle an der Saale und ist seit

einiger Zeit für die SPD Mitglied

des Deutschen Bundestages.Anseinem

ersten Tagals

Abgeordneter rief ihm die Kassiererin

in der Bundestagskantine

von weitem zu: „Nein, Sie

nicht!“ Aus Karamba Diabys

Hautfarbe schloss sie wohl, er

gehöre zum Putzpersonal.

Und noch immer sprechen

Leute auf der Straße lieber

gleich mit seiner blonden Assistentin,

weil sie glauben, er

verstehe sie nicht. Hier erzählt

Karamba Diabyvom Land seiner

Geburt, vom Leben in der

DDR und im Deutschland

nach der Wende. Nicht nur en

passant formuliert er dabei

seine Vision einer offenen Gesellschaft.

Frank Junghänel

MitKaramba in den Bundestag 19 Uhr,

Afrika-Haus Berlin, Bochumer Straße 25

In dem Roman „Die Leben der Elena Silber“ geht Alexander Osang der Geschichte seiner eigenen Familie auf den Grund.

Cornelia Geißler

ist dankbar,indieser Woche auf

so viele große Erzählungen zu treffen,

die in die Geschichte führen,

aber auch viel mit unserer Gegenwart

zu tun haben.

Man könnte dies eine

russische Woche nennen,

wenn wir nicht

Oktober hätten und

damit literarische Hochsaison. Und

so ist der hier gesetzte Schwerpunkt

nur einer vonvielen in den kommenden

Tagen. Beginnen wir mit dem

Montag, wie sich das gehört, und mit

Peter Michalzik, der aus Briefen

dreier bedeutender Dichter des 20.

Jahrhunderts eine Liebesgeschichte

zusammengesetzt hat, die im Frühjahr

und Sommer 1926 spielt. Die

Russin Marina Zwetajewa lebte damals

im Exil in Paris, verheiratet, aber

dadurch im Herzen nicht gebunden.

Dasgibt ihrer vonSchwermut durchgezogenen

Lyrik manch frohen Ausbruch.

Verheiratet war auch Boris

Pasternak in Moskau, der später als

Romancier berühmt werden sollte,

dessen Dichtung aber früh von großer

Reife und Weitsicht ist, durch eigene

Übersetzungen geschult an der

Weltliteratur. Rainer Marika Rilke, 15

Jahreälter als die beiden, kämpfte zu

jener Zeit mit Krankheiten in der

Schweiz, sein Lebenswerk hatte er

bereits geschrieben. Peter Michalzik

hat die Lebensumstände der drei inmitten

der politischen Spannungen

erkundet und interpretiert ihre leidenschaftlichen

Botschaften füreinander

als poetische Ménage àtrois.

„Die Geschichte hatte sich Russland

als Spielfeld ausgesucht“,

schreibt Michalzik über die Wirren

derRevolutionsjahre. DenSatz könnten

die anderen Autoren der Woche

genauso formuliert haben. Am

Dienstag tritt Eugen Ruge mit seinem

Roman „Metropol“ in Potsdam auf.

Der ist mindestens so nah an der

Wahrheit wie die aus Briefen rekonstruierte

Liebesgeschichte. Die deutschen

Emigranten Charlotte undWilhelm

bekommen in Moskau in einem

für die Unterbringung ausländischer

Kommunisten umgewidmeten Hotel

mit, wie die Verleumdungs- und Verurteilungsmaschinerie

Stalins voranschreitet.

Sie sind von ihrer Geheimdiensttätigkeit

suspendiert und wissen

nicht, welches Schicksal sie erwartet.

Der Vorsitzende Richter der

Schauprozesse und das berüchtigte

Lubjanka-Gefängnis befinden sich in

ihrer unmittelbaren Nähe. Ruges

Großmutter Charlotte hat dies so

oder ähnlich erlebt, er konstruierte

den spannenden wie verstörenden

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Ich war noch

niemals in NewYork 14.30, 17.20, 20.15

Cinema Paris (✆ 881 3119) Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles 15.30, 20.30; Der Glanz

der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Parasite 14.00,

17.00,20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.00, 20.45, 21.20; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 15.00, 18.00, 18.10, 21.00; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 14.30, 21.40; Der

Glanz der Unsichtbaren 17.30; Systemsprenger

13.40, 16.20, 19.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert

14.00; Und der Zukunft zugewandt 16.15;

Nurejew –The White Crow (OmU) 18.40; Deutschstunde

14.30, 17.15, 20.00; M. C. Escher: Reise

in die Unendlichkeit 14.00; Skin 16.00; Downton

Abbey (OmU) 18.40; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Ich war noch niemals

in NewYork 17.30,20.00; Deutschstunde 20.15

Kant Kino (✆ 319 9866) Joker 14.50, 17.40,

20.30; Ich war noch niemals in New York 15.00,

17.45, 20.20; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 15.15; Downton Abbey 17.20; Leid und

Herrlichkeit 20.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.30; After the Wedding 17.30,20.00;

Nurejew –TheWhite Crow 14.40, 17.20, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Joker 13.45,

16.45, 19.45; Joker (OF) 22.55; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30; Joker (OF) 17.15,

23.00; Joker 20.00;AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.30; 3D: Gemini Man 17.00,20.10,

22.50; Angry Birds 2: Der Film 13.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.40, 20.20, 23.00;

3D: Gemini Man 15.00; AdAstra –Zuden Sternen

17.50; Joker (OF) 20.40; Deutschstunde 14.40;

Dem Horizont so nah 17.20, 20.10; Es: Kapitel II

22.50; Downton Abbey 14.30,17.20; Once Upon a

Time in...Hollywood 20.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Celebration

(OmU) 11.00; Unsere große kleine Farm –The Biggest

Little Farm (OmU) 12.30; Synonymes (OmU)

14.15; Dora und die goldene Stadt 16.30; Der

Glanz der Unsichtbaren – Les invisibles (OmU)

18.15; Deutschstunde 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 22.10; Paranza: Der Clan

der Kinder –Laparanza dei bambini (OmU) 11.00;

Memory Games (OmU) 12.45; Cleo (OmenglU)

14.15; Die Geldwäscherei (OmU) 15.50; Gelobt

sei Gott 17.20;The King (OmU) 19.40; Midsommar

(OmU) 22.00; Ama-San (OmU) 11.00; Skin (OmU)

13.00; Wer 4sind 15.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 16.45; Ad Astra (OmU) 18.15; Systemsprenger

(OmenglU) 20.20; The Dead Don‘t Die (OmU)

22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29)Und derZukunft

zugewandt 14.00; Systemsprenger 16.00; Das Kapital

im 21. Jahrhundert–Capital in the Twenty-First

Century (OmU) 18.15; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 20.15;Midsommar (OmU) 22.45;Über

Grenzen 14.00; Memory Games (OmU) 16.15;

CongoCalling (OmU) 18.00;Die Inselder hungrigen

Geister –Island of the Hungry Ghosts(OmU) 19.45;

Playland USA (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Ich war noch niemals

in NewYork 13.45,16.45,19.45;Angry Birds

2: Der Film 13.45, 16.50; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm14.00, 17.50; Joker14.00,17.00,

19.30, 20.45, 21.00; Dora und die goldene Stadt

14.10, 16.50; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.15, 17.15, 20.15; Lino: Ein voll verkatertes

Abenteuer 14.20; Gemini Man 14.30, 17.20,

19.30; Good Boys 14.45; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 14.45; Dem Horizont so nah 14.45,17.45,

20.45;Spider-Man:Far From Home 15.00;Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 15.15, 18.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.10; Gut gegen Nordwind

17.00; Es: Kapitel II 17.10, 20.20; Ready or Not?

–Auf die Plätze,fertig,tot 18.00; Kiss the Cook: So

schmeckt das Leben! 18.00; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.10; 3D:Terminator 2:Tag der Abrechnung

20.00; Joker (OF) 20.00; Ad Astra –Zuden

Sternen 20.10; Sneak Preview 20.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress

of Evil (OF) 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU)18.00;Deckname Jenny(DFmenglU; mit

anschl. Gespräch) 20.20; Nevrland (OmU) 23.00;

Dunkel, fast Nacht –Ciemno, prawie noc (OmU)

18.00; Berlin Bouncer (OmenglU) 20.15; Lord of

the Toys (OmenglU) 22.00

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Joker 16.30,

20.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

16.40; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.40, 19.30; Ich war noch niemals in New York

16.50, 19.50; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

17.00; Dora und die goldene Stadt 17.10; Angry

Birds2:Der Film 17.15;Es: KapitelII19.20; Gemini

Man19.30; DowntonAbbey 20.10;Dem Horizont

so nah 20.10

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Gelobt sei Gott 13.30;

3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

16.00; Downton Abbey 17.50; Bohemian Rhapsody

20.05

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Joker 14.20,

17.30, 20.20; Ich war noch niemals inNew York

14.20, 16.50, 19.50; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.30, 17.15, 20.00; Lino: Ein voll verkatertes

Abenteuer 14.30; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.40, 17.40; Dora und die goldene

Stadt 14.45,17.10; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.50, 17.20; Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00, 17.20; Angry Birds 2: Der Film 15.10,

17.00; Der König der Löwen 17.15; Es: Kapitel II

19.30; 47 Meters Down: Uncaged 19.40; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 19.45; Gemini Man 19.50;

3D: Gemini Man 20.10; Matrix 20.15

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Joker (OmU) 17.00,

19.45, 22.30; B Ad Astra –Zu den Sternen (OmU)

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.40

fsk amOranienplatz (✆ 614 24 64) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.00, 20.30; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 20.15, 22.15

Moviemento (✆ 692 47 85) Das Kapital im 21.

Jahrhundert –Capital inthe Twenty-First Century

(OmenglU) 10.45; Systemsprenger 13.00, 15.45,

18.30, 21.15; Frau Stern 10.15; Midsommar

(OmU) 12.15, 22.30; Skin (OmU) 15.15; Das

Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in the Twenty-

First Century (OmenglU) 17.45; Diamantino (OmU)

20.00; Systemsprenger 11.30; Ein Licht zwischen

denWolken 14.30; Prelude 16.30; Bruder Schwester

Herz 18.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.00

RegenbogenKino (✆ 69 57 95 17) CarmineStreet

Guitars (OmU) 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Born inEvin –Alles über

Evin (OmU) 17.00; Systemsprenger 18.45; Skin

(OmU) 21.00; Ready or Not?–Aufdie Plätze, fertig,

tot (OmU) 23.00; Mein Leben mit Amanda (OmU)

17.00; Portret pod mukhoi –„Beschwipstes“ Porträt

(OmenglU) 19.00; Nevrland (OmU) 20.30; Ad

Astra –Zuden Sternen (OmU) 22.00; Kinobar im

Sputnik Berlin Bouncer 21.15

Yorck (✆ 78 91 32 40) Parasite 14.20, 17.10,

20.00; New Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.00, 20.50;

Systemsprenger 18.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Joker 14.30,

17.45, 20.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00, 17.15, 20.15; Ich war noch niemals

in New York 15.00, 17.30, 20.15; Everest: Ein Yeti

willhoch hinaus15.15; Shaun das Schaf: DerFilm:

UFO-Alarm 15.30; Systemsprenger 17.30; Dora

und die goldene Stadt 17.45; Gemini Man 20.30;

After the Wedding 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Joker 13.00,

17.50,20.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.15; Ich war noch niemals inNew York 14.30,

17.15, 20.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.15; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.40; Deutschstunde 17.20; Der Glanz der

Unsichtbaren 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.00,

20.00; Joker 14.00, 17.00, 20.00; Ich war noch

niemals in New York 14.00, 16.30, 19.45; Dora

und die goldene Stadt 14.00, 17.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.15; Everest 14.15;

Der König der Löwen 14.20;Angry Birds 2: Der Film

14.30, 17.15; Maleficent: Mächte der Finsternis

16.30; Gemini Man 17.00, 20.00; Dem Horizont so

nah 17.15, 20.15; 3D: Terminator 2:Tag der Abrechnung

19.45; 47 Meters Down: Uncaged 19.50

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Systemsprenger (OmenglU)

18.45; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

21.00; Und der Zukunft zugewandt 17.45; Dunkel,

fast Nacht –Ciemno, prawie noc (OmU) 19.45;

Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 22.00

Babylon (✆ 242 59 69) Goodbye, GDR!: Der

Dritte (OmenglU) 17.15; Goodbye, GDR!: Fräulein

Schmetterling (OmenglU; m. Einführung) 17.30;

Die Müllers und das Hohe Haus –Demokratie in

bewegten Zeiten 18.00; Goodbye, GDR!: Sonnenallee

19.30; 36 Husbands (OmU) 20.00; Goodbye,

GDR!: Karbid und Sauerampfer 20.15; Goodbye,

GDR!: Berlin um die Ecke (OmenglU) 21.30;

Goodbye,GDR!: Jadup und Boel (OmenglU) 21.45;

Goodbye,GDR!: Die Flucht (OmenglU) 22.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 10.15; Joker

(OmU) 12.00, 14.30, 17.15, 20.00, 22.45; Yesterday

(OmU) 13.30; Midsommar (OmU) 15.45; Das

Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in the Twenty-

First Century (OmenglU) 18.45; Joker (OmU) 21.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 11.00, 14.00, 17.20,

19.40, 22.40; Ich war noch niemals inNew York

11.00, 14.10, 17.15, 19.45, 23.00; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.10, 14.20; Joker 11.15,

14.15, 17.00, 20.00, 23.00; Der König der Löwen

11.20; UglyDolls 11.30; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 11.30, 14.10, 16.10; Angry

Birds 2: Der Film 11.40,13.40; Playmobil: DerFilm

12.10; Dem Horizont so nah 13.50, 19.30; Gut gegen

Nordwind 14.10; Dora und die goldene Stadt

14.40, 16.45; Maleficent: Mächte der Finsternis

16.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.50;

Good Boys 17.10; 3D: Gemini Man 17.15, 20.20,

23.10; Downton Abbey 18.30; Es: Kapitel II19.15,

22.30; Sneak Preview 20.00; Ad Astra –Zuden

Sternen 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

21.30; Rambo 5: Last Blood 23.00; Ready orNot?

–Auf die Plätze, fertig,tot 23.15; 47 Meters Down:

Uncaged 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 14.30; Nurejew – The White Crow

(OmU) 16.30; Systemsprenger (DFmenglU) 19.15;

Joker (OmU) 21.45; Parasite (OmenglU) 14.15,

19.00; M.C.Escher: Reise in die Unendlichkeit

(EnglmdtU) 17.00; Parasite (OmU) 21.45; Der

Distelfink –The Goldfinch (OmU) 14.00; Deutschstunde

17.00; Parasite (OmU) 19.30; Parasite

(OmenglU) 22.15; Skin (OmU) 14.45; Joker (OmU)

17.15, 20.00, 22.30; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 14.15; Der Glanz der Unsichtbaren –

Les invisibles (OmU) 17.00, 19.15; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 21.30

International (✆ 24 75 60 11) Parasite 13.15,

19.00; Joker (OmU) 16.00; Siegessäule und Teddy

präs.MonGay: Preview: Last Ferry (OmU) 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Ich war noch niemals inNew York 14.10, 17.00,

20.00; Dem Horizont so nah 14.10, 17.10; Joker

14.15, 17.05, 19.30, 20.00; Der König der Löwen

14.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.20, 16.55, 19.55; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.30; Dora und die goldene Stadt 14.30,

17.10;Angry Birds 2: Der Film 14.30; Lino: Ein voll

verkatertes Abenteuer 14.50; After the Wedding

17.00, 19.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 17.05; Gemini Man 17.10; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil

(OF) 17.15; Sneak Preview 20.00; Karakomik Filmler

(OmU) 20.00; 7. KogustakiMucize –Das Wunder

in Zelle Sieben 20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19)Nurejew–The White Crow

(OmU) 10.00, 19.45; Diego Maradona (OmenglU)

12.15; Normal (OmenglU) 14.35; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.50; Systemsprenger

(DFmenglU) 17.30; Midsommar (OmU) 22.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Joker (OF) 16.45,

19.30,22.15

Passage (✆ 68 23 70 18) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30, 21.40; Deutschstunde 14.40,

17.20,20.00; Systemsprenger 16.20,19.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.45; Parasite – Gisaengchung (OmU)

17.30, 20.20, 21.50; Parasite – Gisaengchung

(OmenglU) 16.10,19.00, 21.10;Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 16.00; Synonymes

(OmenglU) 18.30; After the Wedding 16.30,19.00;

Midsommar (OmU) 21.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.20,

20.10; Dora und die goldene Stadt 14.10; Joker

14.20, 17.00, 20.00; Ich war noch niemals in New

York 14.25, 16.40, 19.50; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.35; Angry Birds 2: Der Film

14.45,17.10; Gemini Man 16.50; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 17.30; 3D: Terminator 2: Tag der

Abrechnung 19.45; Sneak Preview 20.15; Dem Horizont

so nah 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Heimat ist ein Raum aus

Zeit (OmenglU) 12.00; Die Insel der hungrigen

Geister –Island of the Hungry Ghosts(OmU) 12.00,

21.00; Ama-San (OmenglU) 14.00; Synonymes

(OmenglU) 16.00; Momo 16.20; Systemsprenger

(OmenglU) 18.50; Born inEvin –Alles über Evin

(OmU) 19.00; Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.15; Ich war noch

niemals in New York 17.15, 20.00; Deutschstunde

15.00; Parasite 17.40,20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Joker

15.15, 19.00, 21.45; Joker (OmU) 18.00, 20.45;

Sneak Preview 22.00; Parasite 14.50, 20.30; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 17.40; Deutschstunde

16.20; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.45;Systemsprenger 16.45, 19.20; Ich war noch

niemals inNew York 14.30, 17.15, 20.00


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 25 *

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Tatsachenroman aus ihrer Kaderakte,

die in Moskau unter Verschluss lag.

Als Kind war sie für ihn die„mexikanische“

Großmutter:Das Exil in Mexiko

war Gegenstand ihrer Erzählungen,

wie in seinem ausgezeichneten Roman

„In Zeiten des abnehmenden

Lichts“ zu lesen. Die demütigenden

JahreinMoskauverschwieg sie komplett.

Die Linke, der Gedanke drängt

sich auf, hat auch deshalb nur halbherzig

mit dem Stalinismus abgerechnet,

weil er ihr peinlich war.

Der Mittwoch gehört den „Leben

der Elena Silber“, die Alexander

Osang in seinem großen Roman erkundet.

Tatsächlich ist es nicht einfach

nur ein dickes,sondernwirklich

fesselndes Buch, das versucht den

Legenden einer Familie auf den

Grundzugehen.Während demVater

des Erzählers die Erinnerungen und

das Gefühl für die Gegenwart

schwinden, drängt die Mutter ihm,

dem eher glücklosen Filmemacher,

das Thema auf, in dem mehr Rätsel

und Widersprüche stecken, als er

sich ausmalen konnte.Wie Ruge,nur

weniger deutlich ausgestellt, folgt

Osang hier der Geschichte seiner eigenen

Familie. Er findet sogar ein

Russische

Mythen,

sowjetische

Politik

Eugen Ruges Großmutter,

Alexander Osangs Urgroßvater und weitere

Verwandte in dieser Lesungswoche

LESUNGEN

Peter Michalzik: Die Liebe in Gedanken.

21.10., 20 Uhr,Buchladen Braun +

Hassenpflug,Fischerhüttenstr.79

Eugen Ruge: Metropol. 22.10., 20 Uhr,

Waschhaus Potsdam, Schiffbauergasse 6

Alexander Osang: Die Leben der Elena

Silber. 23.10., 20 Uhr,Literaturforum im

Brecht-Haus, Chausseestr.125

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen.

Der Literarische Salon mit Britta Gansebohm

in der Z-Bar,Bergstraße 2

Gusel Jachina: Wolgakinder. 25.10.,

20Uhr,Buchhandlung Chaiselongue,

Dietzgenstr.68

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Denkmal und ein kleines Museum

im tiefsten Russland.

Auf Reisen stößt auch die Ich-Erzählerin

in Katerina Poladjans Roman

„Hier sind Löwen“ auf familiäre

Spuren. Sie hatte nicht danach gesucht.

Sie hatte nur das Handwerk

der Buchrestaurierung erlernen wollen

–oder sich nicht eingestanden,

dass sie sehr wohl an ihren armenischen

Verwandten interessiert war.

In Jerewan spielt dieser hervorragende

Roman, der wie „Die Leben

der Elena Silber“ auf der Longlist

zum Deutschen Buchpreis stand.

DieLesungpasst in unsererussische

Woche, weil die Erzählerin das Russische

als Brücke braucht.

Für den Freitag erwartet die Pankower

Buchhandlung Chaiselonge

Besuch aus Moskau, Gusel Jachina

nämlich, die mit ihrem zweiten Roman

„Wolgakinder“ von Deutschen

erzählt, die über Generationen unbehelligt

in Russland lebten und für

die sich mit Stalins Herrschaft auch

das Schicksal wendet. Mit der Geschichte

eines ehrbaren Schulmeisters

aus dem kleinen DorfGnadental

führt sie zu Bedrohung durch Hunger,Kälte

undMachtmissbrauch.

Schlager

Anruf

unter dieser

Nummer

Graham Bonney war ein

Mann der ersten Stunde.

In der allerersten „ZDF-Hitparade“

reüssierte er mit „Wähle

3-3-3“, als gehe es darum, eine

Weltneuheit auf der Berliner

Funkausstellung zu besingen.

„Dein Liebling hat einen Fernsprechapparat“.

Das kurze

Lied war ein Lob auf die technische

Erfüllung einer zuvor

geäußerten Wunschfantasie.

In seinem Song „Siebenmeilenstiefel“

hatte Bonney noch

über die Möglichkeiten fantasiert,

auf schnellstem Wege zu

seinem Supergirl zu kommen.

Aber warum laufen, wenn

man auch anrufen kann. In der

Welt des Schlagers war alles so

schön einfach, und wenn

heute Lena Valaitis, Ireen

Sheer, Michael Holm und Graham

Bonney gemeinsam mit

dem Orchester Otti Bauer auf

die Bühne des Admiralspalastes

kommen, geht es genau

darum, diese Einfachheit zu

beschwören. HarryNutt

Schlagerlegenden 20 Uhr,Admiralspalast,

Friedrichstraße 101

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

11.00:Von Charlottenburgs Stadttorzur Kgl. Prozellanmanufaktur,zum

Hansaviertel: Gründerzeit-Ikonen,

Weltdorfsiedlung der Architekturmoderne Bauhaus

100, Bernd S. Meyer, Treff: Straße des 17. Juni/ Ecke

Salzufer.Anm. erf.

14.00: Die Friedrich-Wilhelm-Stadt –Dastehste wie

die Kuh vorm Neuen Tor: Biedermeier,Charité und

große Bühnen,Bernd S. Meyer, Kulturwissenschaftler,

Treff: Friedrichstadtpalast, Friedrichstraße 107, Claire-

Waldoff-Stele vordem Comedy-Quatsch-Klub.

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00, 13.00, 15.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30, 13.30, 15.30: Tour durchs Olympiastadion

(in English)

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

9.00: Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin – Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.

9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Konzert

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: Andreas Schmidt (p) &Friends

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: PeggyMarch, Ireen Sheer,Lena Valaitis,

Michael Holm, Graham Bonneyund demOrchester

Otti Bauer,Schlagerlegenden 2019

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage–Singer-Songwriter +Poets

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

20.00: Finch Asozial, Dorfdisko2

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: Harry Hudson

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Cuco

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: The SlowShow

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: NubyaGarcia

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Jackie Mendoza

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Marc Schmolling

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

19.30:FredHerschTrio &Benoît Delbecq (p)

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Doug Seegers

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00:Christian vonder Goltz (p), Osian Roberts (ts),

Simon Woolf (b), AnthonyPinciotti (dr)

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: MoE +Hypnodrone Ensemble, thirsty &

miserable

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

21.00: Moon Duo

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

19.30: Das 4. Berliner Rudelsingen mit Christine Wolff

und Alexander Capistran

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

19.30: Die offene Liederbühne Pankow

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Imad b2b Triqi, 1-800-Disco

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Scandal, Krs.Age

SO36 (✆ 61 40 13 06)

19.00: Roller Skate Disko, Rollers HiFi

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 +4Bar:House of Waxx, Voices, Hadj Sameer,

C-3DE

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

MUSEEN

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

10.00: Kunst in Berlin 1880–1980

10.00: Gartenparade, Atelier le balto

10.00: 12x12

10.00: original bauhaus –Die Jubiläumsausstellungh

10.00: Bettina Pousttchi, Mi-Mo 10-18Uhr

Deutsches HistorischesMuseum (✆ 20 30 40)

10.00: Deutsche Geschichte in Bildernund Zeugnissen

10.00: Die Armbrust –Schrecken und Schönheit, tgl.

10-18 Uhr

Georg Kolbe Museum (✆ 304 21 44)

10.00: Asana Fujikawa /David Hockney: Figuren der

fließenden Welt

10.00: Emy Roeder –Das Kosmische allen Seins, tgl.

10-18 Uhr

Haus der Wannsee-Konferenz (✆ 80 50 01 -0)

10.00: Villencolonie Alsen am Großen Wannsee

10.00: Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord

an den europäischen Juden, tgl. 10-18 Uhr

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

10.00: Nah am Leben –200 Jahre Gipsformerei, tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Jüdisches Museum (✆ 25 99 33 00)

10.00: Awie Jüdisch. In 22 Buchstaben durch die

Gegenwart

10.00: This Place, WendyEwald, Martin Kollar, Josef

Koudelka, Jungjin Lee, Gilles Peress u. a., tgl. 10-20 Uh

eramik im XX. Jahrhundert, Fr-Mo 13-17 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (✆ 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Käthe Kollwitz

11.00: GeorgeGrosz –Das Huhn im Kopf,

tgl. 11-18 Uhr

Neues Museum (✆ 266 42 42 42)

10.00:ÄgyptischesMuseum und Papyrussammlung

10.00: Museum für Vor- und Frühgeschichte mit

Objekten der Antikensammlung

10.00: Zurück! Steinzeit. Bronzezeit. Eisenzeit

10.00: Schätze aus dem Rhein –Der Barbarenschatz

vonNeupotz

10.00: Die Krone vonKertsch. Schätze aus Europas

Frühzeit

10.00: Berlins größte Grabung

10.00: 10-jähriges Jubiläum: Perspektivenwechsel

10.00: 10 Jahre Neues Museum, tgl./Feiert.10-18,

Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum (✆ 266 42 42 42)

10.00: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien

–islamische Kunst?

10.00: Antikensammlung

10.00: Museumfür Islamische Kunst (Steinfassade

vonMschatta), tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

10.00: Vorderasiatisches Museum (Ischtar-Tor)

10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum und

Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle

10.00: Qazwini –Weltbilder –Bilder der Welt vor750

Jahren, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

KINO

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Maleficent:Mächteder Finsternis –Maleficent:Mistress

of Evil (OmU) 13.45, 17.10, 20.00, 23.00;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 13.45; Systemsprenger

13.50; Joker (OmU) 14.00, 17.00,

20.00, 23.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert –

Capital in the Twenty-First Century (OmU) 14.00;

Ich war noch niemals in New York 14.10, 16.30,

19.30, 22.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.15, 15.50; Angry Birds2:Der Film 14.20;

Deutschstunde 16.30, 19.20; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 16.30, 19.00;

Parasite – Gisaengchung (OmU) 16.45, 19.45,

22.50; Downton Abbey 16.45; Nurejew –TheWhite

Crow (OmU) 18.00, 22.40; Sneak Preview 20.00;

After the Wedding 20.50; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 21.40; Skin (OmU) 22.15

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Nurejew –The White

Crow(OmU) 17.45; Vulkan –Volcano (OmU) 20.00;

Dunkel, fast Nacht –Ciemno, prawie noc (OmU)

22.00

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) On the Beach at

Night Alone –Bamuihaebyun-eoseo honja (OmenglU)

18.15; Born inEvin –Alles über Evin (OmU)

20.00; Systemsprenger 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.15, 17.05,

20.00, 22.50; Joker 14.15, 17.10, 20.10, 23.00;

Der König der Löwen 14.15, 16.55; Lino: Ein voll

verkatertesAbenteuer 14.20; Ich war noch niemals

in NewYork 14.20,16.50, 19.50,22.55; Dora und

die goldene Stadt 14.20, 16.50; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.25; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.30; Angry Birds 2: Der Film

14.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.50, 17.05; Maleficent: Mächte der Finsternis

16.50; Downton Abbey 17.00, 19.50; 3D: Gemini

Man 17.10, 19.55, 22.50; Dem Horizont so nah

17.20, 20.10; Systemsprenger 19.20; Gut gegen

Nordwind 19.40; 3D: Terminator 2: Tagder Abrechnung

19.45; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

–Maleficent: Mistress of Evil (OF) 20.00; Es: Kapitel

II 22.15; Once Upon aTime in... Hollywood 22.30;

Midsommar 22.45; Rambo5:Last Blood22.55; 47

Meters Down: Uncaged 23.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.15, 17.05, 20.10;

Joker 13.30, 17.05,20.15; Ich war noch niemalsin

NewYork 13.30,16.40, 19.55; Doraund diegoldene

Stadt 14.05,17.30; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.10;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.30, 17.00;Angry

Birds 2: Der Film 14.55; Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.15; 3D: Gemini Man 16.30, 19.30;

Der König der Löwen 16.35; DowntonAbbey 16.45;

Es: Kapitel II 19.20; Ad Astra – Zu den Sternen

19.35; Dem Horizont so nah 19.45; Sneak Preview

20.00; 47 Meters Down: Uncaged 20.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Systemsprenger 14.30; Deutschstunde 17.25,

20.20

Cosima (✆ 85 07 58 02) Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Nurejew –The White Crow 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Joker (OmU) 15.00,

17.45,20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30)Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 18.00; Berlin Drifters (OmenglU)

20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Ugly-

Dolls 10.00;Shaun das Schaf:Der Film:UFO-Alarm

10.00, 12.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

10.00, 12.00, 14.55; Angry Birds 2: Der Film

10.00, 12.15, 14.20;AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando 10.00, 12.10; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 12.10, 14.10, 17.00, 20.00; Ich war

noch niemals inNew York 14.00, 16.55, 19.50;

Joker 14.20, 17.20, 20.10; Dem Horizont sonah

16.40; Gemini Man 17.10; Es: Kapitel II19.20;

Sneak Preview 20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Gloria:

Das Leben wartet nicht 13.30; Und wer nimmt

den Hund? 15.45; Systemsprenger 17.45,20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.30, 17.30, 20.30

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

UglyDolls 10.00, 12.00; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 10.00, 12.45, 15.00, 17.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 10.00, 12.15,

14.30, 17.15, 20.00, 22.45; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 10.00, 12.10, 14.35; Dora und die

goldene Stadt 10.00, 12.15, 14.10, 17.35; Angry

Birds 2:Der Film 10.00, 12.10, 15.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 10.00; Der König

der Löwen 12.15; Downton Abbey 14.45, 17.00,

20.10, 23.00; Joker 15.00, 17.15, 20.05, 22.50,

23.10; Dem Horizont so nah 16.40, 19.45; 3D:

Gemini Man 17.45, 20.30; Es: Kapitel II 19.30; After

the Wedding 19.55, 23.00; Sneak Preview (OF)

23.00; Sneak Preview 23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.30,18.00, 20.30; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.00; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 16.00; Dora und die goldene

Stadt 16.00; Und der Zukunft zugewandt 18.00;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 18.00; Joker

18.00,20.30; Gemini Man 20.30; DemHorizont so

nah 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Koreanisches Kino: Jayoubuin

–Madame Freedom (OmenglU) 20.00; MagicalHistoryTour:Die

Klageder Kaiserin (OF)19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.30,

14.10; Pets II12.30, 13.15; Joker 12.45, 15.00,

16.00,17.00, 19.00,19.45, 20.30,22.20, 22.50;

Playmobil: Der Film 12.50; Maleficent: Mächte der

Finsternis 13.00, 16.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 13.00; Good Boys 13.20, 19.40;

Gemini Man 13.30, 20.45, 22.50; Dora und die

goldene Stadt 13.30, 16.30; Dem Horizont so nah

13.30,16.40, 19.50; Ich war noch niemals in New

York 13.40,16.10,19.30, 22.50;Der Königder Löwen

13.40, 16.30; Angry Birds 2: Der Film 13.45;

Lino: Ein voll verkatertes Abenteuer 13.50; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.10,

20.20, 22.50; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.00, 17.10; Systemsprenger 15.45; Es: Kapitel

II 16.20, 20.15, 22.30; Yesterday 16.25; Parasite

16.30, 19.40; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 20.15, 22.00; After the Wedding 16.30,

19.30; Downton Abbey 16.40, 19.40; 3D: Gemini

Man 17.00; 3D: Angry Birds 2: Der Film 17.00; Gut

gegen Nordwind 18.50; AdAstra –Zuden Sternen

19.20, 22.40; Der Glanz der Unsichtbaren 19.40;

47 Meters Down: Uncaged 19.50, 22.30; Sneak

Preview20.00;Rambo 5: Last Blood20.15, 23.00;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 22.20; Midsommar

22.30

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 0200)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm –Shaun

the Sheep Movie: Farmageddon (OF) 13.30; Joker

(OF) 13.30, 17.15, 19.10, 20.15; Angry Birds 2:

Der Film –The Angry Birds Movie II(OF) 13.30; Der

König der Löwen –The Lion King (OF) 13.40; Dora

und die goldene Stadt –Dora the Explorer (OF)

13.45, 16.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

–Maleficent: Mistress of Evil (OF) 14.00, 17.00,

20.00; Downton Abbey (OF) 14.00, 16.40, 19.40;

UglyDolls (OF)14.50; Es: Kapitel II –It: Chapter Two

(OF) 16.10;

Ad Astra –Zuden Sternen (OF) 16.20, 20.00;Maleficent:

Mächte der Finsternis – Maleficent: Mistress

of Evil (OF) 16.30; 3D: Gemini Man (OF) 17.00,

20.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 19.30;

Once Upon aTime in...Hollywood (OF) 19.30

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 0200) 3D: Pandas

11.30; Joker (OF) 13.00, 19.30; Joker 16.15

Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Normal (OmU)

18.30;Akira (OmU) 20.00; Nevrland (OF) 22.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00; Lino: Ein voll verkatertes Abenteuer

14.00; Ich war noch niemals inNew York

14.30,17.15,20.00,22.00; Dora und die goldene

Stadt 14.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Joker 16.00, 17.00,

20.00, 22.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.00; Dem Horizont so nah 18.00, 20.30; Gemini

Man 19.00, 22.30

Casablanca (✆ 677 5752) Es: Kapitel II17.30;

Systemsprenger 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00,

16.55, 19.50; Joker 14.00, 17.00, 20.00; Der König

der Löwen 14.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.10, 17.10; Ich war noch niemals in

NewYork 14.15, 17.10,20.10; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.15, 16.45; 3D: Gemini Man 14.20,

20.10; Dora und die goldene Stadt 14.30, 17.10;

Angry Birds 2: Der Film 14.40; Es: Kapitel II16.30,

19.30; Gemini Man 16.50; Maleficent: Mächte der

Finsternis 17.15; Once Upon aTime in... Hollywood

19.20;Gut gegenNordwind19.35; DemHorizontso

nah 19.45; Sneak Preview 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Ich war

noch niemals inNew York 14.00, 17.00, 20.00; A

ToyStory:Alleshörtauf kein Kommando 14.15; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.20, 17.10,

20.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.20;

Dora und die goldene Stadt 14.30, 17.00; Dem

Horizont so nah 14.30,16.30; Joker 14.40,17.15,

20.10; Gemini Man17.00, 20.15; 7. KogustakiMucize–Das

Wunder in ZelleSieben 17.30;Karakomik

Filmler 19.30; SneakPreview 20.00; Sneak Preview

(OF) 20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Born in Evin –Alles

über Evin (teilw.OmU) 19.00; Don‘t Blink –Robert

Frank 21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Systemsprenger

13.00; Ich war noch niemals in New York 16.30,

19.15; Ich war noch niemals in New York 11.30,

14.15; Und der Zukunft zugewandt 17.00; Systemsprenger

19.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Frau Stern

16.00; Deutschstunde 18.00; Systemsprenger

20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Nurejew –

The White Crow 15.00; Systemsprenger 17.45;

Deutschstunde 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Systemsprenger 18.00; Cleo

20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Parasite 14.50, 20.30;

Deutschstunde 17.45

POTSDAM

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Systemsprenger

9.30, 13.30, 18.30, 20.45; Und der Zukunft

zugewandt 13.45; Lino: Ein voll verkatertes

Abenteuer 14.00; Deutschstunde 14.00; After the

Wedding (OmU) 16.00, 21.00; Bruder Schwester

Herz 16.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

16.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 16.30;

Joker (OmU) 18.15, 20.45; Nurejew –The White

Crow (OmU) 18.15; Der Glanz der Unsichtbaren –

Les invisibles (OmU) 18.30; Skin (OmU) 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Ich

war noch niemalsinNew York 13.40, 16.30, 19.40;

Gemini Man 13.40, 19.50; Joker 13.50, 17.00,

20.00; Angry Birds 2:Der Film 13.50; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 16.30, 20.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00, 17.00;

Downton Abbey 14.00, 16.45; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.10; Der König der Löwen

16.40; Dem Horizont so nah 16.50, 19.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.55; 3D: Terminator

2: Tagder Abrechnung 19.30; Es: Kapitel II 19.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.35

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 03322/2798877) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.45; Ichwar nochniemals in

NewYork 17.15,20.15

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 03375/46 97 77)

Apocalypse Now –Final Cut 19.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/7030200) Shaundas

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.25; Downton Abbey

17.05; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.15, 20.00; Ich war noch niemals in New York

17.15, 20.10; Dora und die goldene Stadt 17.15;

Der König der Löwen 17.15;Angry Birds 2: Der Film

17.15; Dem Horizont so nah 17.20, 19.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.30; Joker 17.30,

20.15; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 18.30;

Once Upon aTime in...Hollywood 19.40; Angel Has

Fallen19.50; Es: Kapitel II 20.00;AdAstra –Zuden

Sternen 20.00; HFR 3D: Gemini Man 20.15; Gut

gegen Nordwind 20.50

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 15.00, 17.45,

20.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.30;

Shaun das Schaf: DerFilm: UFO-Alarm 15.30; Joker

17.45, 20.30; Und der Zukunft zugewandt 18.00;

Gemini Man 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00; Dora und

die goldene Stadt 14.00; Ich war noch niemals in

New York 14.30, 17.15, 20.15; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00, 17.30, 20.00; Angry

Birds 2: Der Film 16.05; Joker 16.30, 20.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 18.00; Fisherman‘s

Friends –Vom Kutter indie Charts 18.45; Matrix

20.20

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Shaun das

Schaf: DerFilm: UFO-Alarm 17.00; Gutgegen Nordwind

20.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Downton

Abbey 14.00, 18.15; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

16.15; Ich war noch niemals in New York 17.15,

20.00; Rambo 5: Last Blood 21.00

UnionNeuruppin (✆ 03391/509696) 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00,17.30,20.00;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 15.00; Angry

Birds 2: Der Film 15.30; Joker 17.30, 20.00

UnionFürstenwalde (✆ 033 61/736440) Petting

statt Pershing 14.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.00;Idiotender Familie 18.00; Nurejew –The

White Crow 20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 03371/401641)

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.30; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.40; Angry Birds 2:

Der Film 15.40; Joker 17.30, 20.15; Systemsprenger

17.40, 20.00; Blinded by the Light 17.45; Gemini

Man 20.00

Weltspiegel Kino Finsterwalde (✆ 035 31/22 11)

Ich war noch niemals in New York 17.15, 20.00;

Yesterday 17.30, 20.00; Joker 20.15


26 Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019

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Spreewild

Klartext

Neues Semester,

alte Probleme

VonMoritz Tripp, 24 Jahre

Zweiter Unitag. Ich komme

pünktlich im Seminarraum an.

Mirbietet sich ein nur allzu bekanntes

Bild: Der viel zu kleine Raum

quillt bereits über vor missmutig

dreinblickenden Kommilitonen. Ich

finde noch einen Platz auf dem letzten

verbliebenen Tisch in der Ecke.

Alle,die nach mir ankommen, lassen

sich notgedrungen auf dem Boden

nieder. Der Rest

muss stehen.

Eine Diskussion

zu führen, was

Sinn und Zweck

eines Seminars

ist, ist praktisch

unmöglich.

Auch der Dozent

ist sichtlich

Moritz ist esleid, angespannt. „Erstaunlich,

wie

dass jedes Semester

chaotisch beginnt. viele Studenten

die Fakultät doch

hat“, sagt ermit einem gezwungenen

Lachen. Mir ist nicht nach Lachen

zumute. Wieder ein komplett

sinnloses Seminar, aus dem ich am

Ende des Semesters zwar meinen

unterschriebenen Leistungsschein

mitnehmen werde, jedoch inhaltlich

wenig bis gar nichts. Das ist das Ergebnis,

wenn zu einem Modul, das

jeder absolvieren muss, nur ein Seminar

proSemester angeboten wird.

Jedes Semester aufs Neue scheint

die Fachschaft vomgroßen Andrang

überrumpelt zu sein. Dabei melden

wir uns genau aus diesem Grund im

Voraus online zu unseren Seminaren

an. Und trotzdem sind die Räume

immerzuklein, das Seminarangebot

zu gering, die Dozenten überfordert.

Das hängt freilich mit schlechter

Organisation zusammen –doch

dem mickrigen Seminarangebot

liegt ein drastischeres Problem

zugrunde. An vielen Fakultäten

herrscht ein Mangel an Dozenten.

Das kann zwei Gründe haben: Entweder

es finden sich einfach keine

qualifizierten Lehrkräfte oder die

finanziellen Mittel reichen nicht

aus, umgenügend zu beschäftigen.

Damit, mit 39 anderen in einem

Seminar zu sitzt, könnte ich mich

vielleicht noch arrangieren –wenn

die Räumlichkeiten wenigstens genügend

Platz böten. Auch hier fehlt

jedoch wiederdas Geld fürein angemessenes

Raumangebot.

Letztendlich ist eine Lösung

schon lange offensichtlich: Mehr

Geld für dieBildung istnötig, sowohl

für Schulen als auch für Universitäten.

Da tut es umso mehr weh, zu

beobachten, wie Staatsgelder an anderer

Stelle für rechtswidrige Mautkonzepte

oder fehlerhafteFlughäfen

verfeuert werden …

VERENA KALUZA

IN EIGENER SACHE

„Ich bin nicht wie der Rest der Szene“

Zwei Jahre war Funkstille. Jetzt ist Rapper Silla mit „Silla Instinkt 2“ zurück –und hat noch viele Pläne

Die mittlerweile 16 Jahre

dauernde Karriere von

Matthias Schulzeaka Silla

war turbulent. Nun hat

der Südberliner sein neues Album

„Silla Instinkt 2“ veröffentlicht und in

einem anderthalbstündigen Interview

offen und ehrlich über sein Leben

gesprochen. Langversion auf

spreewild.de.

Glückwunsch zu Platz 30 in den

Chartsfür„SillaInstinkt2“.Zufrieden?

Das achte Soloalbum in Folge in

den Charts, das sehe ich als gutes

Zeichen. Der Kühlschrank ist voll.

Wie war die Resonanz zum Album?

Sehr gut. Die letzten zwei Alben

waren ein Krampf, weil ich privat

viel am Kämpfen war. Ich war mit

den Alben nie richtig zufrieden.

Dieses Mal habe ich mir nicht reinreden

lassen. Ich wusste, dass ich

am stärksten bin, wenn ich mache,

was ich fühle. „VomAlk zum Hulk“

war bis dato mein erfolgreichstes

Album, weil es mein Leben zu dem

Zeitpunkt widerspiegelte.

Seit 2015 ist Silla bei Major Movez unter Vertrag –und hat dort seine Heimat gefunden.

Was unterscheidet „Silla Instinkt 2“

vom ersten Teil?

Die Herangehensweise ist die

gleiche. Esgeht um den Underdog,

an den keiner glaubt. Damals war

es der Alkohol, der mich drei Jahre

zu einer Pause gezwungen hat. Jetzt

war es so,dass ich mich vonder Szene

abgeschrieben gefühlt habe. Die

Message der Musik ist, dass man

sich auf seine Stärken besinnen soll.

In „Tempelhof Samurai“ rappst du:

„Ich habe ein breites Kreuz wie meine

Religion“ –bist du stark religiös?

Nee, nicht stark, aber ich bin katholisch

und getauft. Meine Mama

kommt aus Bayern und wir waren

früher oft in der Kirche. Ich war

auch Messdiener und bekreuzige

mich oft, wenn mir etwas Gutes gelingt

und ich dankbar bin. Glaube

ist für mich gedachte Hoffnung.

Es gibt Lines auf der neuen Platte, die

Fler Respekt zollen –gibt es da kein

böses Blut mehr?

Als Künstler zoll ich ihm Respekt.

Das ist ja auch mit mein Ursprung,

ich vergesse so was nicht. Aber ich

muss mit ihm nicht privat abhängen.

Ich bin nicht so wie ein Großteil

der Szene, die sich eigentlich

nicht mögen und sich dann für

einen schmalen Taler vornerum zusammentun.

Von welchem Rapper konntest du

am meisten lernen?

Fler und Bushido, das war Tempelhof,

meiner Nachbarschaft. Mit

ihnen konnte ich mich am meisten

identifizieren. Bei Savas fand ich

die Energie und seine Flows krass.

Kühlschrank leer? Dann ist hoffentlich Dienstag oder Freitag. Dann findet nämlich der Markt auf dem Maybachufer statt.

Nützliche Überlebenstipps für Erstis

SELLY HÄUSSLER

Dadurch, dass ich schon so früh bei

Orgi (Anm. d. Red.: King Orgasmus

One) gesigned war, habe ich bei

ihm das Geschäftliche gelernt. Beim

Musikalischen sind es ILuv Money,

Bassboxxx und Sekte.

Sind Matthias Schulzeund der Rapper

Silla ein und dieselbe Person?

Wir sind zusammengewachsen.

Früher wollte ich jemand anderes

sein,mir Gehör verschaffen und eine

Stimme haben in dieser Welt. Dieser

Godsilla (Anm. d. Red: Sillas erster

Künstlername), der vor 15 Jahren

bei ILuv Money Records (Anm. d.

Red.: erstes Label, wo Silla gesigned

war) auf den Tapes angefangen hat

mit wüstem Battlerap, ist mit mir

verschmolzen. Ich bin jetzt sehr viel

ausgeglichener. Früher habe ich mir

da auch was vorgegaukelt, so „fake it

until youmake it“-mäßig.

Trilogie oder war das der Abschluss

der „Silla Instinkt“-Reihe?

Gute Frage. Ich sage mal so: Bevor

ich nicht 20 Solo-Eps gemacht

habe, werde ich nicht abtreten. Das

heißt, ich habe jetzt noch neun Alben

vor mir, die ich unbedingt machen

will. Vielleicht wird das letzte

Album „Silla Instinkt 3“. Daskönnte

eigentlich ein geiler Karriereabschluss

sein.

Das Interview führte Lukas Breit,

18 Jahre

Lass die Scout-Klapp-Federtasche zu Hause

PROMO

Leben

am Limit

Studenten kennen das: Das

Geld ist alle, der Monat aber

noch lang. In dieser Fotoserie

stellen wir nützliche Überlebensstrategien

vor. Nummer 2:

Verkaufsschluss auf dem Maybachufer-Markt.

Für diese Taktik

sollten noch ein paar Münzen

im Portemonnaie sein.

Denn auf dem Marktbekommt

man selten etwas ganz umsonst,

aber oft mehr, als man

tragen kann. Kleiner Tipp: Die

echten Schnäppchen gibt es

kurzvor dem Abbau. Ab 17 Uhr

schrauben die Marktschreier

ihreLautstärke noch mal hoch:

„Kiste, zwei Euro!“ „Fünf Packungen,

ein Euro!“ „Angebot,

Angebot: ein Kilo jetzt nur

noch ein Euro!“ –Also greift zu,

ihr armen Studenten!

Selly Häußler,28Jahre

Die besten

Wortpoeten

slammen

Berlin trägt 23. Poetry-

Slam-Meisterschaft aus

Von Tamina Grasme, 24 Jahre

Noah Klaus tritt für Berlin bei den diesjährigen

Meisterschaften im Poetry Slam an. MATTHIAS NAU

Die besten deutschsprachigen

Wortpoeten sind dieser Tage

nach Berlin gereist, um sich bei den

23. deutschsprachigen Meisterschaften

im Poetry Slam zu messen. Am

Mittwoch starten die ersten Vorrunden,

Donnerstag die Einzelhalbfinale.

AmSamstag wird schließlich das

große Einzelfinale im Tempodrom

ausgetragen.

Für Berlin tritt Noah Klaus an.

Am Mittwoch geht es für ihn im

Kreuzberger Ritter Butzke los. Über

den Heimvorteil, den er gegenüber

seinen Konkurrenten hat, sei er sich

bewusst: „Klar, ich weiß natürlich,

wo ich auftrete,und ich habe schon

eine längere Bindung zum Berliner

Publikum aufgebaut. Ich kenne

dieses junge, hippe Kreuzberger

Publikum“, lacht er. Allerdings

erwartet er, dass die Meisterschaften

auch ein ihm noch fremdes

Klientel anlocken werden. Insgesamt

rechnet der Veranstalter mit

bis zu 13 000 Besuchern.

Besonders vorbereiten werde er

sich nicht. „Ich kann meine Texte

und übe diese natürlich, damit die

Performance sicher ist. Aber den

Raum lesen kann ich erst, wenn ich

da bin.“ Auch in der Textauswahl sei

er relativ begrenzt: „Ich habe schon

bei vielen deutschsprachigen Meisterschaften

mitgemacht und man

darf nicht einen Text zweimal vortragen.

Das soll verhindern, dass

jemand einmal in seinem Leben einen

Brechertext schreibt und damit

mehrereMeisterschaften gewinnt.“

Erstmals stand Noah 2012 auf

einer Bühne, dawar er 19 Jahre alt.

Geschrieben habe er zwar schon

vorher, „aber das waren eher so

Teenie-Gedichte“, lacht er.„Slam ist

so intensiv, eine ganz eigene Form,

weil man im Prinzip jeden Text in

einen Resonanzraum stellen kann.

Manbekommt sofortFeedbackvom

Publikum.“

Ob Noah Klaus esins Finale schafft?

Die Meisterschaften vielleicht sogar

gewinnt? Wir halten euch auf dem

Laufenden auf spreewild.de

MELDUNG

Jugendredaktion Spreewild

sucht Praktikanten

Du bist jung, neugierig und willst

Journalist werden? Dann schreib

doch für diese Seite! Spreewild,

die Jugendredaktion der Berliner

Zeitung, sucht Praktikanten. Als

solcher wirst du in die Arbeit der

Jugendredaktion eingebunden,

pflegst die Website spreewild.de,

verfasst Artikel, entwickelst Fotokonzepte

und Social-Media-Strategien.

Für mehr Infos schreiben

Interessierte an illhardt@raufeld.de.

VonAniko Schusterius, 23 Jahre,

und Jessica Schattenberg, 20 Jahre

Egal, wie sehr man sich bemüht:

Als Ersti fällt man auf. Damit

der Unistartkeine Katastrophe wird,

hier nützliche Tipps vonInsidern.

Wasmitnehmen? Vermutlich müssen

wir nicht erklären, dass man

auf gar keinen Fall wie ein Ersti

daherkommen sollte, um Ruf und

sozialen Status nicht zu gefährden.

Wenn du dich also fragst: Was mitnehmen?

DieScout-4-Seiten-Klapp-

Federtasche schon mal nicht! Mit

Kuli und Textmarker bist du bestens

ausge-stattet, ein zweites Set kann

dir insgeheim Sicherheit geben oder

im Zweifelsfall den Weg zur ersten

Freundschaft mit einem Kommilitonen

ebnen, der diesen Ratgeber

hier nicht befolgt und leider alles zu

Hause vergessen hat.

Vertraue niemals den Snackautomaten!

Siemögen hochmodernaussehen

und aneinem langen Unitag

verlockend dazu, doch Snackautomaten

sind leider so launisch wie das

Herbstwetter im Wintersemester. Es

kann passieren, dass nach Einwerfen

desKleingeldesder Automat nur ein

beruhigtes Knacken von sich gibt.

Wildes Hämmern gegen die Scheibe

ist genauso wenig hilfreich wie

das mehrfache Drücken des „Geld

zurück“-Schalters.

Flirte! Sprich schon auf demWegzur

Vorlesung die ersten Personen an, ob

sie denselben Raum suchen. Wenn

ja, klammere dich an sie, nötige sie,

mit dir imAnschluss in die Mensa

zu gehen und werdet beste Freunde.

Lass dich nicht brechen vonder Bürokratie!

Die Bewerbung war schon

anstrengend, ja. Das wird nicht besser.

Sei es ein Antrag für eine Prüfung,

die Quittierung einer Leistung

oder das lapidare Einreichen einer

Hausarbeit –Drucker und Scanner

werden glühen und nach ein paar

Wochen kennst du sämtliche Ansprechpartner

verschiedener Büros

und alle Sekretäre deiner Profs. Bis

heute frage ich mich, warum das

bloße Abstempeln vonDokumenten

Wochen in Anspruch nimmt. Lass

dich nicht stressen!

Schülerkarrieremesse

Stuzubi in Berlin

Universitäten, Hochschulen und

Unternehmen informieren am

Sonnabend auf der Stuzubi über

ihreStudien- und Ausbildungsangebote

sowie Berufsperspektiven.

DieSchülermesse findet von

10 bis 16 UhrimHotel MOAstatt.

DerEintritt ist frei. (jill)

Alle Infos unter: www.stuzubi.de

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

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twitter.com/Spreewild


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Morden im Norden 19.45 (für

HG) Wissen voracht –Zukunft 19.50 (für HG)

Wetter /Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Die Ungewollten –

Die Irrfahrt der St. Louis

Doku-Drama, D2019. Mit Ulrich

Noethen. Der Nachlass vonKapitän

GustavSchröder erinnertandie

Ereignisse an Bord der „St. Louis“.

21.45 (für HG) Exclusiv im Ersten: Unsere

Kleidung –Grün gewaschen oder

wirklich nachhaltig?

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Rabiat: Auf der Jagd

23.30 (für HG) Geheimnisvolle Orte

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.10 Explosiv –Weekend 6.00 Guten Morgen

Deutschland 8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte

Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap

9.30 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 10.00

Der Blaulicht Report. Reality-Soap 11.00 Der

Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 15.00 Schätze aus Schrott 16.00

Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00 Herz

über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bauer sucht Frau

Pferdehofbesitzer Burkhard überrascht

seine Auserwählte zur Ankunft mit einem

riesigen Pferdeanhänger. Die Fahrtist

allerdings etwas holprig.Sostartet auch

die Hofwoche bei Bio-Bauer Jürgen.

22.15 Extra –Das RTL Magazin

23.25 SpiegelTV

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Die Alltagskämpfer –

Überleben in Deutschland

Krieg auf der Straße

MDR

11.45 (für HG) In aller Freundschaft 12.30 (für

HG) Die Wüstenärztin. Drama, D/A 2012 14.00

(für HG) MDR um 2 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) MDR um 4 17.45 (für HG)

Aktuell 18.05 (für HG) Wetter 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) Aktuell 19.50

(für HG) Mach dich ran 20.15 (für HG) Fakt ist!

Wahlarena 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG)

Mord auf Shetland –Bedrohung.Krimireihe, GB

2016 0.00 (für HG) Mord auf Shetland –Erlösung.Krimireihe,

GB 2016

Bayern

13.30 (für HG) Traumhäuser wiederbesucht

14.15 Hofgeschichten 14.45 (für HG) Gefragt –

Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut 16.00 (für HG)

Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern 17.30

Regionales 18.00 (für HG) Abendschau 18.30

(für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Unkraut

19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Landfrauenküche

21.00 (für HG) Bayern erleben 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien

22.45 (für HG) Der Kaiser vonSchexing 23.35

(für HG) Mama Bavaria 0.20 Rundschau Nacht

Vox

5.15 (für HG)CSI: NY 6.00 (für HG)CSI: NY 6.55

CSI: Vegas 7.50 CSI: Vegas 8.45 Verklag mich

doch! 9.45 Verklag mich doch! 10.50 Vox

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind 11.55

Shopping Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen

14.00 Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping

Queen 16.00 4Hochzeiten und eine Traumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Goodbye

Deutschland! Viva Mallorca! 23.15 (für HG)

Survivor 0.35 VoxNachrichten

Super RTL

11.05 Voll zu spät! 11.30 Alvinnn!!! und die

Chipmunks 12.00 Go Wild! 12.30 Spirit: wild

und frei 12.50 Trolls 13.10 Polly Pocket 13.35

Mighty Mops 14.00 Bugs Bunny&LooneyTunes

14.20 Zak Storm 14.45 Dragons 15.15 Ninjago

15.40 Alvinnn!!! und die Chipmunks 16.10

Sally Bollywood 16.40 Die Nektons 17.10 Mr.

Magoo 17.40 Zak Storm 18.10 Bugs Bunny&

LooneyTunes 18.35 Woozle Goozle und die

Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!! und die

Chipmunks 19.45 Mighty Mops 20.15 On the

Case 0.25 Infomercials

Sport1

6.00 Die Arche-Fernsehkanzel 6.30 Teleshopping

15.30 StorageWars –Die Geschäftemacher

16.00 StorageWars –Die Geschäftemacher

16.30 Flip Wars 17.30 StorageHunters 18.00

StorageHunters 18.30 StorageHunters 19.00

Sport1 News Live 19.25 Goooal! 19.55 Fußball.

Vorberichte 20.15 Fußball. RL Bayern.1.FC

Schweinfurt05–Türkgücü München, live 22.15

Sport1 News Live 22.30 Goooal! 23.00 Fußball

–Die MLS-Highlights 23.30 3. LigaPur 0.15

SportClips 0.40 SportClips 0.45 Teleshopping

ZDF

5.00 (für HG) ZDF.reportage 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne 10.30 (für HG) Notruf

Hafenkante 11.15 (für HG) SokoWismar.

Krimiserie. Bibelstunde 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Krimiserie. Mord unter Freunden

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00

(für HG) SokoPotsdam. Krimiserie. Selbstmordbaum

19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Die Toten vom Bodensee:

Die Meerjungfrau

Krimireihe,D/A 2019. Mit Matthias

Koeberlin. Micha Oberländer und Hannah

Zeiler müssen die Ereignisse um eine

erschlagene Meerjungfrau aufklären.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Jack Reacher:

Kein Weg zurück

Thriller,USA 2016. Mit TomCruise

0.05 heute+

0.20 (für HG) 100 Millionen Views

1.25 (für HG) Trapped II

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap 17.30 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer /oder Sat.1

Regional-Magazine 18.00 Die Ruhrpottwache.

Randale in einer Bäckerei: Die Täterin scheint

schnell gefunden, doch sie beschwörtihre

Unschuld und ist sich sicher,dass ihr jemand

etwas anhängen will. 19.00 Genial daneben –

das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Das vergessene Dorf –

Cora Steins erster Fall

Thriller,D2019. Mit Susan Hoecke, Luise

vonFinckh. Die rätselhaften Zustände

rund um Cora Steins ersten Fall beginnen

mit einer vertauschten Festplatte.

22.15 akte.

23.15 Dem Todauf der Spur –

Die Fälle des Prof. Tsokos

0.10 (für HG) Das vergessene Dorf –

Cora Steins erster Fall

Thriller,D2019. Mit Susan Hoecke

1.50 (für HG) Criminal Minds

WDR

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55

Erlebnisreisen 14.00 (für HG) Vonund zu lecker

14.30 (für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für

HG) Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

Aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Land und lecker 21.00 (für HG)

Ausgerechnet 21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für

HG) Unterwegs im Westen 22.40 (für HG)

Sträters Männerhaushalt 23.25 (für HG) Lach

doch! 0.10 (für HG) Comedymit Timo Wopp

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) Aktuell 16.20

(für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15

(für HG) Die Nordreportage 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die

Bewegungs-Docs 21.45 (für HG) Aktuell 22.00

(für HG) Das soll Recht sein? 22.45 (für HG)

Kulturjournal 23.15 (für HG) KommissarBeck –

Die neuen Fälle: Heißer Schnee. Krimireihe, D/S

1997 0.35 (für HG) Die Bewegungs-Docs

Kabel eins

5.15 Achtung Kontrolle! 5.55 Eureka 6.45

Eureka 7.40 Blue Bloods 8.30 Blue Bloods 9.30

(für HG) Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.15

Without aTrace 12.10 Numb3rs 13.05 (für HG)

Castle 14.00 (für HG) The Mentalist 14.55 (für

HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal 18.55 Achtung Kontrolle

aktuell 20.15 (für HG) Die Ligader außergewöhnlichen

Gentlemen. Comicadaption, USA/D/

CZ/GB 2003 22.30 (für HG) Superman Returns.

Comicadaption, USA 2006 1.25 Late News

RTL 2

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West 7.00 Die Straßencops West

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Frauentausch –Kulthäppchen

15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die

Wache Hamburg 17.00 RTLZWEI News 17.05

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Die

Geissens –Eine schrecklichglamouröse Familie!

21.15 Die Reimanns–Ein außergewöhnliches

Leben 22.15 Hartes Deutschland –Leben im

Brennpunkt 0.15 Exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

6.00 Golf. The ChallengeinTokio –Japan Skins,

live 8.30 Snooker 9.00 Radsport. 100.

EintagesfahrtMilano –Torino in Italien 10.00

Radsport 11.00 Radsport. 113. Lombardei-

Rundfahrt 12.00 Snooker 13.30 Tischtennis.

Frauen-Weltcup. Finale 15.00 Motorsport.WTCR

16.30 Motorrad. FIM SuperbikeWM18.00 Watts

Sportzapping 19.00 Spirit of Yachting 19.30

Nachrichten 19.40 Tischtennis. Frauen-Weltcup

21.00 Snooker.English Open 22.00 Nachrichten

22.05 Motorsport. WTCR 0.00 Motorrad

TV-Tipps

ARD, 20.15 UHR DOKU-DRAMA

Die Ungewollten

Voller Zuversicht verließen 937 jüdische Flüchtlinge 1939 den Hamburger

Hafen: Nazi-Deutschland hinter sich, die Freiheit vor sich. EinVisum für

Kuba versprach ein Leben ohne Angst. Doch Havanna verweigertedie Einreise.Der

mutige Kapitän Schröder (Ulrich Noethen) nahm daraufhin Kurs auf

die USA. Auch Washington verwehrte der„St. Louis“, einen sicheren Hafen

anzulaufen. Als auch Kanada die Aufnahme verweigerte,geriet die Fahrt

in die Freiheit zur Odyssee auf dem Atlantik. An Bord machten die Worte

Selbstmord und Meuterei die Runde.Knapp einen Monat nach Verlassen des

Hamburger Hafens lief die „St. Louis“ schließlich in Antwerpen ein. Fast ein

Drittel der Passagiereermordeten die Nazis in den folgenden Jahren. Einige

Überlebende berichten in dem Beitrag von der Irrfahrt.

(D/2019)

Foto: NDR

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Immer und überall.

www.berliner-kurier.de/mobil

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

3 5 1

6 8 4

2 6

8 2

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7 9 6

5 4 7

6 1

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

3 5

2 3 7 8

1 6 2

7

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4

1

Nur fürs

Smartphone:

Rätsel, Videos,

Sonderausgaben

u.v.m.

AUFLÖSUNG Auflösung

VOM vom19./20. 19.10.2019 10. MITTEL mittel

6 3 7 2 1 9 5 4 8

4 5 2 6 8 7 9 1 3

9 1 8 5 4 3 6 7 2

3 8 6 9 2 4 7 5 1

5 2 4 7 6 1 3 8 9

1 7 9 8 3 5 2 6 4

2 9 1 4 5 6 8 3 7

8 6 3 1 7 2 4 9 5

7 4 5 3 9 8 1 2 6

AUFLÖSUNG

VOM 19./20.

Auflösung

10. 2019

vom 19.10.2019

SCHWER

schwer

5 7 4 3 1 6 2 8 9

2 3 6 8 9 5 7 1 4

1 8 9 7 2 4 6 5 3

8 1 7 6 5 3 9 4 2

6 2 5 1 4 9 8 3 7

9 4 3 2 8 7 5 6 1

3 9 8 4 6 2 1 7 5

4 5 1 9 7 8 3 2 6

7 6 2 5 3 1 4 9 8

RBB

6.00 (für HG) rbb Praxis 6.45 rbb Gartenzeit

7.15 (für HG) Die Wahrheit über ... 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 9.45 (für HG)

In aller Freundschaft –die jungen Ärzte 10.30

(für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturmder

Liebe 12.10 (für HG) Julia 13.00 rbb24 13.10

(für HG) Verrückt nach Meer 14.00 (für HG) Mein

WegzuDir.Heimatfilm, D2003 15.30 (für HG)

Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt–Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb

UM6 18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Super.Markt. Janna

Falkenstein informiertdiesmal über die

Themen: Merinowolle, Geschmackstest

Gewürzgurken, Abzockeauf dem Friedhof,

Wildunfall –was tun, gefälschte

Arzneimittel und die Abschaltung von3G.

21.00 (für HG) Die Charité

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Tatort: Der Inder

Krimireihe, D2015. Mit RichyMüller

23.30 (für HG) Polizeiruf 110: Still wie die

Nacht Krimireihe,DDR 1988

0.55 (für HG) Heiter bis tödlich: Akte Ex

ProSieben

5.10 BabyDaddy. Sitcom 5.30 NewGirl. Sitcom

6.10 Eine schrecklich nette Familie. Sitcom 7.10

Last Man Standing.Comedyserie 8.00 Mr.

Griffin –Kein Bock auf Schule.Comedyserie 8.55

(für HG) HowIMet Your Mother.Sitcom 10.40

Fresh Off the Boat. Sitcom 11.05 Mike&Molly.

Sitcom 11.35 2BrokeGirls. Sitcom 12.25 Mom.

Sitcom 13.20 (für HG) Twoand aHalf Men.

Sitcom 14.40 The Middle. Das Konzert/Der

Rollentausch 15.35 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom. Die Bushose /Die neutrale Zone /Ein

Traum von Bollywood 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 (für HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie.

Moeback Mountain/Wenn der Homer mit dem

Sohne 19.05 Galileo. Magazin

20.15 (für HG) The Big Bang Theory

Sitcom. Die Nobelpreisträger-Beleidigung.

Sheldon und Amy sind außer sich vor

Wut, als sie erfahren, dass Dr.Pemberton

und Dr.Campbell durch Talkshows tingeln

und sich für ihre Theorie feiern lassen.

20.45 (für HG) Young Sheldon

Comedyserie. Das Traumergebnis, der

Probelauf und die Feuerwehr

21.15 (für HG) Die Simpsons

22.15 (für HG) The Big Bang Theory

23.10 Late Night Berlin

0.10 (für HG) The Big Bang Theory

Arte

9.40 (für HG) 360° 11.30 (für HG) Abenteuer

Armenien 12.15 Re: 12.50 Arte Journal 13.00

Stadt Land Kunst 13.55 Sonnenallee. Komödie,

D1999 15.20 Wiedas Land, so der Mensch

15.50 (für HG) Flüsse des Lichts 16.45 Xenius

17.10 Wiedas Land, so der Mensch 17.40

Japan –Wanderjahre einer Teemeisterin 18.35

(für HG) Naturwunder des Nordens 19.20 Arte

Journal 19.40 Re: 20.15 (für HG) Der Mann aus

Laramie. Western, USA 1955 21.55 (für HG)

Draußen wartet der Tod. Western, USA 1955

23.30 Die Rückkehr 0.10 Arte Journal

3Sat

5.15 Europas schönste Parks 6.05 Kenia: Kein

Platz für wilde Tiere 6.20 Kulturzeit 7.00 nano

7.30 Alpenpanorama 9.00 (für HG) ZIB 9.05

Kulturzeit 9.45 nano 10.15 (für HG) NDR Talk

Show 12.30 (für HG) sonntags 13.00 (für HG)

ZIB 13.25 (für HG) AbenteuerSibirien 14.50

Wilde Inseln 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierische Genies 21.50 (für HG)

Schneebabys –Der erste Winter 22.35 Südtirol

auf der Suche nach Identität 23.50 (für HG) Nur

die eine Welt! 0.20 10 vor10

Phoenix

9.30 Anne Will 10.30 Das Thüringen TV-Duell

12.00 phoenix vorort 12.45 Countdown Brexit

13.00 Antisemitismus in Deutschland 14.00

phoenix vorort 15.30 Terror vonRechts 16.00

Die Kirche und die Rechten 16.45 Die

Plastik-Invasion 17.30 phoenix der tag 18.00

Organbote im Einsatz 18.30 Das vergessene

Amerika 19.15 Amerikas neue Nazis 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Straße der

Achttausender 21.45 (für HG) heute journal

22.15 unter den linden. Talkshow 23.00 phoenix

der tag 0.00 unter den linden

Kika

12.50 Marcus Level 13.15 (für HG) Die Wilden

Kerle 13.40 Die Pfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Eine lausigeHexe

15.50 Miss Moon 16.15 Die Piraten von

nebenan 16.50 Geronimo Stilton 17.35 Der

kleine Ritter Trenk 18.00 Eine Möhre für Zwei

18.10 (für HG) Der kleine Drache Kokosnuss

18.35 Ernest &Celestine 18.47 Baumhaus

18.50 Unser Sandmännchen 19.00 (für HG)

Yakari 19.25 (für HG) Wissen macht Ah! 19.50

(für HG) logo! 20.00 (für HG) Kika Live 20.10

(für HG) Durch die Wildnis

Dmax

6.00 Die Aquarium-Profis 6.50 Infomercial 8.50

Hardcore Pawn 9.20 BaggageBattles 9.50

Infomercial 10.15 Shark Tank 12.15 Repair

Shop 13.15 Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in

der Wildnis 15.15 Ed Stafford 16.15 Lone Star

Law 17.15 Combat Dealers 18.15 Steel Buddies

19.15 A8 20.15 Der Geiger 21.15 Chris &Mäx

22.15 Die Gebrauchtwagen-Profis–Neuer Glanz

für alte Kisten 23.10 DMAX News 23.15 Die

Gebrauchtwagen-Profis –Neuer Glanz für alte

Kisten 0.10 DMAX News 0.15 Chris &Mäx

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Das Geschäft mit dem Plastik 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Patient Autobahn

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.20 Weltspiegel 20.00 Tagesschau

20.15 Anne Will 21.15 Tagesschau 21.17 Extra

21.30 Westpol –Politik in Nordrhein-Westfalen

22.00 Markt 22.45 Tagesschau 23.00

Tagesthemen 23.30 Fakt ist! Wahlarena 1.00

Nachtmagazin 1.20 Kowalski &Schmidt 1.50

Brandenburg aktuell 2.20 MDR Sachsenspiegel

2.50 Extra 3.00 Tagesschau

ONE

8.30 PartyofFive 9.15 kinokino 9.30

Lindenstraße 10.00 Hot in Cleveland 10.20 Hot

in Cleveland 10.40 Lindenstraße 11.10 Morden

im Norden 12.00 Sturmder Liebe 12.45 Sturm

der Liebe 13.35 Um Himmels Willen 14.25 Die

Landärztin –Diagnose Tollwut. Arztreihe,D/A

2006 15.55 Morden im Norden 16.40 Hot in

Cleveland 17.00 Hot in Cleveland 17.20

Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich 18.40

Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe 20.15

Grand Hotel 21.00 Grand Hotel 21.45 extra 3

22.30 Private Eyes 23.10 Hot in Cleveland

23.30 Hot in Cleveland 23.55 Dimitrios Schulze

Kriminalfilm, D2016 1.25 Grand Hotel

ZDF NEO

7.20 (für HG) Kerners Köche 8.05 Topfgeldjäger

9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG) Bares

für Rares 10.35 (für HG) Bares für Rares 11.30

Dinner Date 12.15 (für HG) Monk 12.55 (für HG

Monk 13.35 Psych 14.15 Psych 15.00 (für HG)

Monk 15.40 (für HG) Monk 16.20 Psych 17.00

Psych 17.45 (für HG) Bares für Rares 18.35

Dinner Date 19.20 (für HG) Bares für Rares

20.15 (für HG) Inspector Barnaby: Schreie in de

Nacht. Krimireihe,GB2009 21.45 (für HG)

Inspector Barnaby: Du musst dran glauben!

Krimireihe,GB2010 23.20 Scott &Bailey 0.05

Scott &Bailey 0.50 Scott &Bailey 1.35 (für HG

heute-show 2.05 Shapira Shapira

ZDF INFO

7.15 Reise durch die Erdgeschichte 7.58 heute

Xpress 8.00 Reise durch die Erdgeschichte 8.45

Leschs Kosmos 9.15 TerraXpress XXL 10.00 Da

errechnete Verbrechen 10.45 Ermittler! 11.15

Ermittler! 11.45 Ermittler! 12.15 Ermittler!

12.45 Hate Crime 13.30 Das Erbe der Nazis

14.15 Das Erbe der Nazis 15.00 Das Erbe der

Nazis 15.45 Das Erbe der Nazis 16.30 Feind ist

weranders denkt 17.15 Das Erbe der Nazis

18.00 Die Wahrheit über den Holocaust 18.45

ZDF-History 19.30 ZDF-History 20.15

ZDF-History 21.00 ZDF-History 21.45

ZDF-History 22.30 ZDF-History 23.15

ZDF-History 0.00 ZDF-History

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Ein Meistergeiger –Johann Georg

Pisendel, mit Bernhard Schrammek, ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

In Conzert Andreas Arnold Trio &Streichquartett

Moderation: Holger Beythien, ca. 87 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama Rendez-vouz chez Offenbach:

Kammermusik zum 200. Geburtstag des Kölner

Komponisten. U. a.: Trio für Violine, Violoncello

und Klavier Nr.5E-Dur,op. 74 /„La ballade du

Pâtre“, Chants du soir,Nr. 5für Violoncello und

Klavier,ca. 105 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Der Ursprung der Welt (1/16). VonUlrich

Tukur,gelesenvom Autor, ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kriminalhörspiel Elf Wochen und ein Tag. Von

Thomas Fritz. Regie: Beatrix Ackers. Komponist:

Michael Rodach,ca. 57 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

ARD Radio Tatort Mörder und Gespenster. Von

Franz Dobler.Komposition: Das Hobos. Regie:

Ulrich Lampen, ca. 56 Min.

MAGAZIN

9.05 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

RBB Kultur amVormittag Moderation:

Carolin Pirich, ca. 175 Min.

11.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Tonart Das Musikmagazin am Vormittag.

ca. 11.30-11.35 Musiktipps /ca. 11.45-11.50

Rubrik: Jazz. Moderation: Mathias Mauersberger,

ca. 55 Min.

11.35 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Umwelt und Verbraucher Keime in der Waschmaschine

reduzieren, ca. 25 Min.

17.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Studio 9 Kultur und Politik am Abend.

Moderation: Axel Rahmlow, ca. 85 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Andruck –Das Magazin für Politische

Literatur,ca. 45 Min.

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen. Feature Gebildet, engagiertund

heimatlos: Die New-Wave-Türken in Deutschland

VonLuise Sammann, ca. 55 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice mit Lothar Jänichen.

Im Fokus steht diesmal der Jazz-Musiker Johnny

Hartman, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 244 · M ontag, 21. Oktober 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Rafael Nadal (33) –Achtung, der

kommt flach –hat sein Perfect Match

gefunden. Mitder zwei JahrejüngerenXisca

Perello ist der spanische

Tennis-Star schon seit 14 Jahren zusammen.

Am Sonnabend läuteten

auf Nadals Heimatinsel Mallorca die

Hochzeitsglocken. Felicidades!

Jennifer Lawrence (29) hat ebenfalls

Ja gesagt. Nicht zu einem neuen„Tribute

vonPanem“-Film, aber zu ihremVerlobten

Cooke Maroney.Mit

dem 34-jährigen Kunsthändler ist

die Oscar-Preisträgerin seit einem

guten Jahr liiert. In einem Interview

bezeichnete Lawrence ihren frisch

Angetrauten als „den tollsten Menschen,

den ich jemals getroffen habe.

Er ist es wirklich, und er wirdbesser“.

150 Gäste kamen zur Hochzeitsfeier

in Newportnördlich vonNew York,

darunter Sängerin Adele und Schauspielerin

Emma Stone.Auf der Speisekarte

standen laut US-Medien

Süßkartoffelfladen und Rosenkohl

mit Eigelb.Ganz großes Tennis!

Meghan Markle (38) hat im britischen

Fernsehen offen über die Belastung

gesprochen, die sie als Mutter

unter öffentlicher Dauerbeobachtung

empfindet. Siedankte zunächst

einmal dem Reporter,als er

sie nach ihrem Befinden fragte:

Nicht viele Menschen hätten sich danach

erkundigt, wie es ihr nach ihrer

Schwangerschaft und der GeburtihresSohnes

Archie im Maiwirklich

gehe,sodie Herzogin. „Alle

Frauen sind verletzlich –

vorallem in der Schwangerschaft“,

sagte

Markle.Sie und ihr

Mann Prinz Harry

hatten britischen

Boulevardmedien

Anfang Oktober

eine„unbarmherzige

Kampagne“ gegen sie

vorgeworfen. Meghan

werdevon der

Boulevardpresse verfolgt

wie einst seine

Mutter Diana, erklärte

Harry. (avo.)

Der britische Boulevard feierte

sie anfangs, dann wandelte

sich die Berichterstattung. DPA

TIERE

So jung und schon ein Flirtprofi:

Giraffe im Zoo von Los Angeles. AFP

Es ist Montag, das ist ziemlich

schlimm, denn die Arbeitswoche

liegt noch in voller Länge voruns.

Apropos lang: Wussten Sie, dass ein

Giraffenhals es bis auf stolzezwei

Meter bringen kann, aber trotzdem

nur sieben Wirbel hat –soviele wie

beim Menschen? Tja, das ist auch bei

diesem zwei Wochen alten Süßerchen

nicht anders,ein noch namenloses

Massai-Giraffenmädchen, das

im Zoovon Los Angeles das Licht der

Welt erblickte.Schon bei seiner Geburtwar

das Kalb beachtliche 1,90

Meter groß. Da geht noch was! Kleiner

Videotipp: AufYouTube kann

man sehen, wie die junge Vertreterin

der Art Giraffa tippelskirchi durchs

Gehege stakst, mit den Ohrenwackelt

und treuherzig in die Kamera

blickt. Erbaulicher kann man nicht

in die Woche starten. (avo.)

Gedemütigt

und gequält

Mobbing an Schulen ist das große

Sorgenthema unter japanischen Eltern.

Nun kam ein Fall heraus, in dem die

Schikane von Lehrern ausging

VonFelix Lill, Tokio

Spätfolgen: Viele Mobbing-Opfer leiden noch Jahre später.

Es ist die Horrorvorstellung

für Erwachsene mit Nachwuchs:

Das eigene Kind

wird gehänselt, die Lehrer

sehen es nicht, die Elternerfahren es

nicht. Während einige Schüler im

Unterricht und den Pausen ihre

Grausamkeit ausprobieren, werden

gleichaltrige Kameraden traumatisiert

fürs Leben. „Ijime“, wie Mobbing

auf Japanisch heißt, ist ein

bekanntes Wort in dem ostasiatischen

Land. Und der Gebrauch

des Begriffs ist weitgehend klar:

Wer„Ijime“ betreibt, ist ein junger

Missetäter,der vonLehrernzurechtgewiesen

werden muss.Und wemes

widerfährt, ist ein Opfer,das die Hilfe

der Lehrer braucht.

Diese Tage aber wurde an diesem

Verständnis mächtig gerüttelt. Dabei

wackelt nicht die Vorstellung davon,

dass Opfer Unterstützung benötigen,

sondern dass pädagogisch ausgebildete

Lehrer auch notgedrungen

zur Hilfe taugen. Es geht um eine

neue Form der Schikane: Voreinigen

Tagen erklärte eine Grundschule in

der 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt

Kobe, dass vier Lehrer ihrer Positionen

enthoben worden waren, nachdem

diese mit verblüffend infantilen

Methoden einen anderen Lehrerkollegen

gedemütigt hatten. Die vier

Lehrkräfte, drei Männer und eine

Frau in ihren 30ernund 40ern, sollen

einem jüngeren Kollegen unter anderem

Suppe ins Gesicht gerieben

und diesen zum Alkoholtrinken gezwungen

haben.

Auf die Plätze, fertig, Smog!

In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi raten Ärzte von Sport im Freien ab. Trotzdem findet ein Halbmarathon statt

Beim Startdröhnt laute Musik aus

den Boxen, der Himmel ist grau,

es riecht nach Rauch. Mehr als 40 000

Menschen machen sich bereit.Voreinem

halben Jahr hat Nathalie Gminder

diese Idee selbst noch verrückt

gefunden. Aber am Sonntagmorgen

tut sie es trotzdem: Sie rennt einen

Halbmarathon in Neu-Delhi –einer

der Städte mit der höchsten Luftverschmutzung

der Welt.

Gminder sagt: „Ich möchte einfach

sehen, ob ich es schaffen kann.

Aber klar, meine Familie und

Freunde halten mich für verrückt,

Es ist eine besonders unglückliche

Zeit für so einen Vorfall. Das

Thema Mobbing hat in Japan sozusagen

Konjunktur, die Zahl bekannterVorfälle

stieg zuletzt auf einen Rekordwert.

Für das Jahr 2017 dokumentierte

das Bildungsministerium

410 000 Fälle an den Grund-, Mittelund

Oberschulen des Landes, also

90 000 mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Unklar ist, ob sich dieser Anstieg

durch gemeinereKinder erklärt

oder nur die höhere Bereitschaft

zeigt, bestehende Probleme an den

Schulen zu melden sowie seitens der

Schulen diese Probleme zu registrieren.

Allgemein anerkannt ist, dass

das Thema heute offener diskutiert

wirdals in der Vergangenheit.

Laut einer Untersuchung von

KenzoDenda, Professor für Gesundheitswissenschaften

an der Universität

Hokkaido, leidet an weiterführenden

Schulen jedes vierte Kind unter

Depressionen. Häufig sei Mobbing

ein wichtiger Grund dafür, und

bei dieser Luft zu laufen.“ Die 35-

Jährige arbeitet in der deutschen

Botschaft, das Training in Indien fiel

ihr anfangs schwer.„Ichmusste wieder

bei null anfangen“, sagte die

Hobbyläuferin. „Aber man gewöhnt

sich dran. Man kommt einfach

schneller außer Atem.“ Für die 21 Kilometer

benötigt Gminder am Sonntag

dann zwei Stunden und 32 Minuten

–etwa 20 Minuten mehr als bei

ihrem ersten Halbmarathon vergangenes

Jahr in Köln.

DieLuft in Neu-Delhi ist in dieser

Jahreszeit stets besonders schlecht.

unter depressiven Kindern sei wiederum

Suizid relativ häufig. Im September

erst sorgte ein mutmaßlicher

Suizidfall eines 15-Jährigen für Aufsehen,

der von einem Gebäude gestürzt

war und einen Tagebucheintrag

hinterlassen hatte,indem er seiner

Schule vorwarf, ihn gut drei Jahre

lang trotz seiner Hilferufe nicht ernst

genommen zu haben.

Während Mobbingopfer zu sein

überall auf der Welt unangenehm ist,

könnte so eine Erfahrung in Japan,

wo sich die Gesellschaft auffällig gern

Lehrer haben in Japan eine wichtigereStellung

als in Deutschland. Kinder verbringen fast den

ganzen Taginder Schule, sie machen dort

Sport, Musik und andereDinge,die in Deutschland

eher in Vereinen betrieben werden.

an Normwerten orientiert, besonders

schmerzen. Ob es um Leistung,

äußerliche Merkmale oder Interessen

geht, wird schnell der Vergleich zum

vermeintlich Üblichen hergestellt. In

Japan beschreibt man sein Land

gern als homogene Gesellschaft, in

der sich alle recht ähnlich sind. Ein

Sprichwortsagt: „Der Nagel, der hervorsteht,

wird wieder niedergehämmert.“

Sich vomDurchschnitt zu unterscheiden,

gilt als Makel.

Viele Bauern verbrennen Erntereste

auf ihren Feldern, hinzu kommen

Abgase der unzähligen Autos,der Industrie

und Staub von Baustellen.

Ärzte raten deshalb vor Sport im

Freien ab. Denn die mikroskopisch

kleinen Partikel dringen tief in die

Lunge ein und können das Risiko

von Atemwegskrankheiten, Krebs

oder Herzproblemen erhöhen. Beim

Laufen nimmt man generell mehr

Partikel auf.

Um dieses Problem wissen auch

die Veranstalter.Sie sprühten ein Gemisch

aus Wasser und Chemikalien

GETTY IMAGES

So kommt Lehrern eine besondere

Verantwortung zu, wenn es

darum geht, einerseits alle möglichen

Mobbingopfer in ihrer Persönlichkeit

zu stärken, andererseits aber

auch allen Schülern Tugenden vorzuleben,

damit erst gar kein Mobbing

betrieben wird. Zumal Lehrer

als Figur im Leben Heranwachsender

vermutlich eine wichtigere Stellung

einnehmen als etwa in

Deutschland. In japanischen Schulen

verbringen Kinder fast ihren ganzenTag,

sie machen dort Sport, Musik

und andere Dinge, die in

Deutschland eher inVereinen betrieben

werden.

Entsprechend deutlich ist die

Empörung über den Vorfall von der

Grundschule in Kobe. Die vier Täter

sollen ihren jüngeren Kollegen zudem

ein „Dreckstück“ genannt und

ihn auch dazu gedrängt haben, einer

anderen Lehrerin obszöne Nachrichten

zu schicken. Seitens der

Schule hieß es, die Eltern seien über

alles informiert worden. Daraufhin

wurde nicht nur die Sorge geäußert,

dass die Kinder vonihren wenig vorbildhaften

Lehrern erführen, sondern

auch, dass es nun noch deutlicher

an Lehrkräften mangele.

Schließlich hätten die vier Lehrer ihr

Verhalten gestanden und stünden

nun voreinem Disziplinarverfahren.

Nachdem sich das Mobbingopfer

schon letzten Monat krankmeldete,

sind damit nun auch die Täter als

Lehrkräfte ausgeschieden. Die fehlen

jetzt im Unterricht.

auf die Rennstrecke, das Staubpartikel

am Hochfliegen hindern sollte.

Außerdem entfernten sie nach eigenen

Angaben mit Wi-Fi-Wellen

kleine Partikel aus der Luft –die Wellen

sollten die Partikel dazu bringen,

häufiger zusammenzustoßen,

schwerer zu werden und dann herunterzufallen.

Ob dies wirklich effektiv

ist? Experten wie der Klimaforscher

Jayaraman Srinivasan vom Indian

Institute of Science und Christian

Plass-Dülmer vom Deutschen

Wetterdienst bezweifeln das. Fundierte

Studien gebe es nicht. (dpa)

Vater meldete isolierte

Familie als ausgewandertab

Im Fall der isolierten Familie in den

Niederlanden konzentrieren sich die

Ermittlungen auf die Motivedes 67-

jährigen Vaters.Erhatte voretwa

zehn Jahren bei den Behörden seine

Auswanderung gemeldet. Kurz darauf

aber war er mit sechs Kindernauf

einem Bauernhof in Ruinerwold in

der östlichen Provinz Drenthe untergetaucht.

DerMann wirdder Freiheitsberaubung

der heute erwachsenen

Kinder verdächtigt und sollte

am Montag dem Haftrichter vorgeführtwerden.

Gerrit Janvan D. habe

sich 2009 aus der niederländischen

Einwohnermeldeliste streichen lassen,

teilte die Staatsanwaltschaft in

Groningen amWochenende mit. Dabei

habe er angegeben, er sei ausgewandert.

(dpa)

Längster Nonstop-Flug

erfolgreich absolviert

Dieaustralische Fluggesellschaft

Qantas hat den weltweit längsten

Nonstop-Passagierflug auf der Strecke

NewYork–Sydney erfolgreich

getestet. In 19 Stunden und 16 Minuten

legte die Maschine,ein fabrikneuer

Boeing 787-9 Dreamliner,die

16 200 Kilometer lange Strecke zurück.

Am Sonntagmorgen (Ortszeit)

landete derTestflieger nach Angaben

der Airline in Australien. Gestartet

war das Flugzeug am Freitag von

NewYorks Flughafen John F. Kennedy.49Passagiereund

Crewmitglieder

waren an Bord. (dpa)

Todesstrafe für „Hollywood

Ripper“ gefordert

Keine Regung: Michael Gargiulo vor Gericht

in Los Angeles.

AFP/LUCY NICHOLSON

Im Fall des als „Hollywood Ripper“

bekannt gewordenen und zuvor

schuldig gesprochenen Mörders Michael

Gargiulo hat sich eine US-Geschworenenjuryfür

die Todesstrafe

ausgesprochen. Dasendgültige Urteil

soll am 28. Februar voneinem

Richter gesprochen werden. Der43-

jährige Gargiulo war im August wegen

zweifachen Mordes sowie wegen

versuchten Mordes an einer dritten

Frau schuldig gesprochen worden.

Unter den beiden getöteten Frauen

war auch eine Bekannte des Schauspielers

Ashton Kutcher,der im Prozess

alsZeuge aussagte. (AFP)

Mindestens 30 Tote bei

Busunglück im Kongo

Im zentralafrikanischen Kongo sind

bei einem Busunglück mindestens

30 Menschen getötet und zahlreiche

weitereschwer verletzt worden.

Nach Polizeiangaben ereignete sich

der Unfall am frühen Sonntagmorgen

etwa 150 Kilometer entfernt von

der Hauptstadt Kinshasa. Vermutlich

gab es ein Problem mit den

Bremsen des Fahrzeugs.Der Bus

stürzte in einen Graben und fing

Feuer.Invielen afrikanischen Ländernkommt

es immer wieder zu

derartigen Verkehrsunfällen. Im

Kongo sind nur wenige Straßen asphaltiertund

die Fahrzeugeoft

schlecht gewartet. (dpa)

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