Berliner Zeitung 13.11.2019

BerlinerVerlagGmbH

Exklusiv: Bundesrechnungshof rügt Scheuers Maut-Vergabe – Seite 3

Hertha/Union:

Der Weisheit

letzter Schuss

Seite 20

3°/7°

Starkbewölkt

Wetter Seite 2

„Investor mit Herz“ –

geht das, Herr Kölmel?

Berlin Seite 10

www.berliner-zeitung.de

LangeNächte: So arbeiten

Bundestagsabgeordnete

Hauptstadt Seite 5

Mittwoch, 13. November 2019 Nr.264 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Wasser könnte die

Energieprobleme lösen

Wissenschaft Seite 17

Bolivien

Gottesfürchtig

und

autoritär

VonKlaus Ehringfeld

Eswar ein Auftritt wie im Film. Luis

Fernando Camacho, bis vor drei

Wochen der Mehrheit der Bolivianer

noch unbekannt, flog aus dem fernen

Santa Cruz nach La Paz. Im Gepäck

wie immer die Bibel, den Rosenkranz

und einen Brief an Evo Morales. Camacho,40Jahre,

hemdsärmelig, kräftig

und meist mit Baseballmütze,

wollte dem da noch amtierenden

Staatschef ein

Rücktrittsschreiben

im Präsidentenpalast

übergeben.

„Ich

wollte, dass Morales

den Brief

unterschreibt

und geht.“

Luis Fernando Camacho

hat Morales’ den Brief zwar

Morales hat

Sturz mit ausgelöst. nie erhalten,

aber Camacho

sein Ziel erreicht. Morales ist weg.

Und in Teilen liegt das an dem

Druck, den Camacho und anderebis

dahin unbekannte Chefs der sogenannten

Bürger-Komitees machten.

Erstmals aufmerksam wurden die

Bolivianer auf den Unternehmersohn,

als er dem Präsidenten inmitten

der Nachwahl-Krise ein Ultimatum

von 48Stunden stellte, innerhalb

derer er zurücktreten sollte.

Plötzlich ist der Vorsitzende des

„Bürger-Komitees ProSanta Cruz“ in

aller Munde und wirdschon als Präsidentschaftskandidat

gehandelt.

Dabei ist Camacho so etwas wie die

Antithese zu Morales – laut, sehr

rechts, sehr katholisch. Sein Diskurs

ist nicht einschließend, sondern

ausgrenzend. Er stammt aus dem

Departement Santa Cruz im bolivianischen

Tiefland, wo sich die Opposition

gegen Morales konzentrierte

und wo man despektierlich auf das

Hochland und seine indigene Mehrheit

blickt.

Camacho ist es in den vergangenen

drei Wochen seit der Präsidentenwahl

vom 20. Oktober gelungen,

die Gegner der Regierung hinter sich

zu scharen. Dabei ist er gar kein Politiker

und will es nach eigenen Worten

auch gar nicht sein. Aber er war

es, der nach dem offensichtlichen

Wahlbetrug die lauteste Kritik äußerte.

Während der in der Wahl

zweitplatzierte Kandidat Carlos

Mesa noch eine Neuwahl forderte,

verlangte Camacho,Spitzname„Macho“,

schon längst den Rücktritt von

Morales. Jetzt will er, dass die Abgeordneten

der Morales-Partei ihr

Mandat niederlegen, er will die Spurender

vergangenen 14 Jahretilgen.

Camacho hat es nicht so mit der

parlamentarischen Demokratie. Ihm

schwebt, zumindest vorübergehend,

eine Art „Regierungsjunta“ vor, die

aus Militärs und Vertretern der Bürger-Komitees

gebildet wird. Camacho

selbst stellt sich als ein Vertreter

der neuen anti-systemischen Politikergarde

da. Besonders hebt er seine

Gläubigkeit hervor: Er wolle die„Bibel

wieder in den Präsidentenpalast“

bringen. Die Lage in Bolivien wird

nicht einfacher.

Schwierige Heimkehrer

Die Türkei schiebt mutmaßliche IS-Kämpfer nach Deutschland ab –wie reagiert Berlin?

VonAndreas Kopietz

Berlin richtet sich auf die

Aufnahme von Anhängern

der Terrormiliz Islamischer

Staat (IS) ein, die die

Türkei abschiebt. Doch die deutschen

Behörden wissen noch gar

nicht, wie viele es sein werden, wer

kommt –und wie die Dschihadisten

überwacht werden sollen.

In dieser Woche will die Türkei

zehn inhaftierte Deutsche ausweisen.

Laut Auswärtigem Amt sollen

sieben Deutsche am Donnerstag

und zwei am Freitag nach Deutschland

überstellt werden. Bei den Abgeschobenen

handelt es sich um drei

Männer, fünf Frauen und zwei Kinder.

Einer der Rückkehrer kam bereits

am Montag. Er habe keinen IS-

Bezug, hieß es.

Bundesinnenminister Horst Seehofer

(CSU) kündigte an, die Behörden

würden jeden Einzelfall gründlich

prüfen. Die Bundespolizei wird

die Ankommenden empfangen.

Wenn es gesicherte Erkenntnisse

über eine Mitgliedschaft im IS als

ausländischer terroristischer Vereinigung

oder etwaiger Straftaten gibt,

besteht die Chance, sie in Haft zu

nehmen und vor Gericht zu stellen.

Darüber konnte das Bundesinnenministerium

bis zum Abend keine

Auskunft geben.

Deutschland stellt sich auf eine

größere Zahl von radikalisierten

Rückkehrern aus der Türkei, Syrien

und dem Irak ein. Mehr als 100 deutsche

IS-Anhänger sind zurzeit in Syrien

und Irak inhaftiert. Vonzahlreichen

weiteren IS-Kämpfern mit

Das Luftschloss

Das Humboldt Forum soll noch einmal fast fünfzig Millionen Euro

teurer werden. Und wahrscheinlich ist das noch nicht die

Schlussrechnung. Berlin Seite 9

deutschem Pass ist der Aufenthaltsort

unbekannt. Nachdem die Türkei

die Kurdengebiete in Syrien angegriffen

hatte, waren dort viele aus

den Gefängnissen geflohen. Inhaber

der deutschen Staatsbürgerschaft

könnten auf eigene Faust versuchen,

sich nach Deutschland durchzuschlagen.

Mehr als 1000 Männer

und Frauen sind nach Angaben des

Verfassungsschutzes deutschlandweit

für den Dschihad nach Syrien

oder in den Irak gereist, etwa 130

kommen aus Berlin. Vondiesen wurden

20 vermutlich getötet. Rund die

Hälfte der ausgereisten Berliner ist

inzwischen wieder zurück.

Der Berliner Senat bereitet sich

darauf vor, eine unbekannte Zahl

weiterer Dschihadisten aufzunehmen.

„Wir haben frühzeitig Netzwerke

gespannt und Strukturen aufgebaut“,

sagt Martin Pallgen von der

Senatsinnenverwaltung. Seine Verwaltung

binde die Polizei, die Bezirksämter,

das Bundesamt für Migration

und Flüchtlinge und soziale Träger

ein. Um Rückkehrer kümmern sich

Organisationen wie das Violence Prevention

Network(VPN).„Wir sind seit

langem darauf eingestellt, dass sie

kommen“, sagt VPN-Geschäftsführer

Thomas Mücke. Seit längerem sei

man mit den verschiedenen Akteuren

wie etwa der Polizei oder den JugendämternimGespräch.

Bereits jetzt betreut das VPN bundesweit

36 Rückkehrer.Neu seiaber,

dass dieses Mal auch viele Kinder

mit dabei sind, so Mücke. Umdiese

würden sich vorrangig die Jugendämter

kümmern. „Die Kinder sind,

Gott seiDank, raus aus den Gefange-

„Sie sind ideologisch gefestigt und

entschlossen. Die bisherigen Rückkehrer

waren meist nur kurz beim IS,

viele sind desillusioniert.“

Thomas Mücke, Gründer und Geschäftsführer des Violence Prevention Network über die

Dschihadisten, die jetzt von der Türkei nach Deutschland abgeschoben werden.

nenlagern, sie haben Schreckliches

erlebt, sind traumatisiert. Sie brauchen

den Schutz dieses Staates.“

Es gibt noch eine weitere Herausforderung:

„Die IS-Kämpfer, die jetzt

kommen, sind eine Gruppe, mit der

keiner wirklich Erfahrung hat. Sie

sind ideologisch gefestigt und entschlossen.

Diebisherigen Rückkehrer

waren meist nur kurz beim IS, viele

sind desillusioniert.“ Bei den Frauen

hängt die Betreuung laut Mücke davon

ab, zu welchen juristischen Einschätzungen

die Sicherheitsbehörden

kommen. Ob sie aktiv bei den

Dschihadisten waren, ob sie in Untersuchungshaft

kommen oder nicht.

Der Verfassungsschutz sieht in

Rückkehrern ein hohes Sicherheitsrisiko.

Die Erfahrungen aus dem bewaffneten

Kampf hätten zu einer

Brutalisierung geführt, wodurch ihre

Hemmschwelle zur Anwendung von

Gewalt erheblich gesunken sein

dürfte,schreibt die Behörde in ihrem

jüngsten Bericht. Zudem besäßen

die Dschihad-Veteranen ein hohes

MaßanPrestige und Autoritätinder

Szene.Hierdurch bestehe die Gefahr,

dass sie Anhänger in Deutschland

radikalisieren oder radikalisierte

Personen zu Gewalt aufstacheln.

Vielen vonihnen konnten die Behörden

bislang nicht nachweisen,

dass sie Verbrechen begangen haben,

weshalb sie auf freiem Fußsind.

Gleichwohl stehen viele unter Beobachtung

der Polizei. Doch das ist

schon jetzt schwierig. „Es bindet erhebliche

Kräfte“, sagt Daniel Kretzschmar

vomBund Deutscher Kriminalbeamter.

Er sieht in den abgeschobenen

Rückkehrern eine zusätzliche

Herausforderung. Bereits

jetzt liege die Zahl der Gefährder,die

observiert werden müssen, im oberenzweistelligen

Bereich. NurinseltenenFällen

sei das rund um die Uhr

möglich. „Hinzu kommen ja auch

noch Personen im Rechtsextremismus

und anderen Kriminalitätsbereichen“,

so Kretzschmar.

DiePolizei hat rund 270 ausgebildete

Observationsbeamte.Umeinen

Gefährder rund um die Uhrverdeckt

zu observieren, sind nach Angaben

von Ermittlern pro Tagmindestens

40 Beamte nötig. Tagesthema Seite 2

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Entgelt bezahlt

4

Tesla baut

Giga-Fabrik

bei Berlin

Elon Musk kündigt Standort

in der Nähe vom BER an

194050

VonPeter Neumann

Der

Elektrofahrzeughersteller

Tesla will in der Umgebung von

Berlin eine Fabrik bauen. Das hat

Elon Musk, der Chef des US-Unternehmens,

amDienstagabend während

der Preisverleihung zum Goldenen

Lenkrad von Bild am Sonntag

und Auto Bild in Berlin verkündet.

Die europäische

Tesla-Gigafactory

soll in der

Nähe des Flughafens

BER südöstlich

von Berlin

errichtet werden,

sagte er.

Die Gigafactory

4 wäre der Elon Musk,

erste Produktionsstandort

von

Chef von esla.

Tesla inEuropa. Dort sollen außer

Batteriezellen auch das Model 3und

der E-SUV Model Yvon Tesla hergestellt

werden. Elon Musk hatte bereits

angekündigt, dass die europäische

Gigafactory spätestens Ende

2021 den Betrieb aufnehmen werde.

Das Unternehmen hatte sich mehrere

mögliche Standorte angesehen,

unter anderem im Emsland (Niedersachsen)

und Nordrhein-Westfalen.

DPA/ JÖRG CARSTENSEN

„Berlin hat Aussagekraft“

Ferdinand Dudenhöffer, Professor

für Automobilwirtschaft an der Universität

Duisburg-Essen, bewertete

Musks Entscheidung positiv.„Berlin

har Aussagekraft, und die passt zu einer

Premiummarke wie Tesla“,sagte

er der Berliner Zeitung. „Tesla in Polen

oder der Ukraine kann sich doch

wirklich keiner vorstellen.“ Diedeutsche

Automobilwirtschaft werde

profitieren. „Mit Tesla werden wir

stärker“, so Dudenhöffer.

„Wer Visionen hat, kommt nach

Berlin“, twitterte WirtschaftssenatorinRemona

Pop(Grüne).Wichtig für

Tesla waren große Flächen mit Erweiterungspotenzial.

Die Nähe zu

Berlin, wo es viele Fachkräfte gibt,

spielte eine wesentliche Rolle,hießm

es. Berlin hatte sich mit dem Clean

Tech Park in Marzahn beworben.

Dass die Wahl auf Deutschland

fiel, könnte daran liegen, dass es hier

Abnehmer für Luxusautos gibt, aber

auch über den Klimawandel und

neue Mobilität debattiertwird.

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2 Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019

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Tagesthema

IS-Rückkehrer

Lange hat die Bundesregierung das Problem ignoriert, nun schafft die Türkei Tatsachen: Sie schickt gefangene IS-Kämpfer

deutscher Nationalität und ihre Familien zurück. Auch ein Berliner wartet im Gefängnis auf seine Abschiebung.

Türkei

Erdogan

droht

Europa

Angesichts geplanter EU-Sanktionen

hat der türkische Präsident

Recep Tayyip Erdogan damit

gedroht, mehr Anhänger der

Terrormiliz Islamischer Staat (IS)

nach Europa zu schicken. Die

Türkei habe bereits damit begonnen,

sagte Erdogan am Dienstag

vor seinem Abflug in die USA in

Ankara. „Ihr mögt das auf die

leichte Schulter nehmen. Aber

diese Türen können sich öffnen“,

sagte Erdogan. „Dann könnt ihr

sehen, wie ihr zurechtkommt“.

DieEUsollte ihreHaltung gegenüber

einem Land überdenken,

das die Kontrolle über zahlreiche

IS-Mitglieder in der Türkei und in

Syrien habe.

Hintergrund der Äußerungen

war eine Frage nach EU-Sanktionen

wegen türkischer Erdgasbohrungen

vor Zypern. Die EU betrachtet

diese als rechtswidrig. Sie

machte am Montag den Wegfür

neue Strafmaßnahmen frei. Ankara

weist die Vorwürfe illegaler

Bohrungen zurück.

Den USA warf Erdogan vor,

dass die Vereinbarung zum Abzug

der kurdischen YPG-Miliz aus

Nordsyrien „nicht vollständig

umgesetzt wurde“. Er werde US-

Präsident Donald Trump darauf

ansprechen. Erdogan hatte am

17. Oktober mit US-Vizepräsident

Mike Pence einen Stopp der türkischen

Militäroffensive inNordsyrien

vereinbart, um der YPG den

Abzug aus dem Grenzgebiet zu ermöglichen.

Die USA hatten die

YPG im Kampf gegen den IS unterstützt,

doch hatte Trump Anfang

Oktober den Abzug der US-

Truppen aus Nordsyrien angeordnet

und damit die türkische

Offensive ermöglich. Die Türkei

startete dann mit syrischen Milizendie

Offensivegegen die YPG.

Am 22. Oktober traf Erdogan

eine Vereinbarung mit dem russischen

Präsidenten Wladimir Putin,

wonach die russische Militärpolizei

im Abstimmung mit den

syrischen Regierungstruppen den

Abzug derYPG durchsetzen sollte.

Erdogan beklagte nun aber, dass

die „Terrorgruppen“ wichtige

Städte wie Manbidsch, TalAbjad,

Tal Rifaat und Kamischli nicht

verlassen hätten. „Weder Russland

noch die USA konnten die

Terrorgruppen zu dem vereinbarten

Tag und der vereinbarten

Stunde entfernen“, sagte Erdogan.

(dpa, AFP)

Al-Rakka war2015 die Hochburg des IS in Syrien.

VonFrank Nordhausen

Wie bei vielen Prozessen

gegen mutmaßliche

Mitglieder der Terrormiliz

Islamischer Staat

(IS) in der Türkei herrschte im ersten

derartigen Gerichtsverfahren, das ab

2015 im zentralanatolischen Nigde

stattfand, eine gespenstische Atmosphäre.

Verhandelt wurde gegen den

Deutsch-Chinesen Benjamin Xu aus

Berlin und seine beiden Mittäter aus

Mazedonien und der Schweiz, die

ein Jahr zuvor drei Menschen bei einer

Schießerei getötet und 13 verletzt

hatten, einige von ihnen

schwer.Die Angeklagten wurden per

Video aus dem Gefängnis in Ankara

zugeschaltet und schwiegen. Fast

alle ZuschauerplätzeimSaal wurden

von Männern eingenommen, die

türkischen Sicherheitskräften oder

Geheimdiensten angehörten. Außer

dem Korrespondenten der Berliner

Zeitung waren keine ausländischen

Journalisten anwesend. Auch kein

Vertreter der europäischen Heimatländer

der Angeklagten ließ sich blicken,

obwohl sich absehen ließ, dass

sie irgendwann in ihreHeimatländer

zurückkehren müssen.

Kurzhaarschnitt statt Bart

Dieser Zeitpunkt ist jetzt offenbar

gekommen. Der türkische Innenminister

Süleyman Soylu kündigte an,

dass sein Land ab sofort gefangene

IS-Anhänger zurücksenden werde,

darunter auch neun Personen nach

Deutschland. Laut Soylu befanden

sich zuletzt rund 1200 ausländische

IS-Anhänger in türkischer Gefangenschaft.

Unterschiedlichen Quellen

zufolge sollen zu den „Abschieblingen“

insgesamt bis zu 20 Deutsche

zählen. Es ist anzunehmen,

Einmal Syrien

und zurück

dass der 29-jährige Benjamin Xu aus

Berlin dazugehört.

Xu und seine zwei etwas jüngeren

Mitgefangenen Cendrim Ramadani

aus der Schweiz und Muhammad Zakiri

aus Mazedonien begingen die

erste schwereGewalttat in der Türkei,

die dem IS zugeschrieben wird. Alle

drei wurden dafür 2016 zu mehrfach

lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt.

Siewaren auf dem Wegaus Syrien

nach Istanbul, als sie am 20. März

2014 in Kappadokien in eine Straßenkontrolle

der Gendarmerie gerieten

und sofort zu ihren automatischen

VonFrank Nordhausen

Die Lage in Syrien

Gebiet kontrolliert von

syrischer Regierung Kurden syrischen Rebellen Türkei

Präsenz syrischer Regierungstruppen Gefangenenlager

Mittelmeer

LIBANON

Stand Oktober 2019

Homs

TÜRKEI

Idlib

Manbidsch

Aleppo

Kobane

SYRIEN

Tall

Abjad

Ain Issa

Euphrat

dünn

besiedelte

Gebiete

Ras

al-Ain

Kamischli

Al-Hassaka

Vonder Türkei

vereinbarte

„Sicherheitszone“

Al-Hol

IRAK

50 km

BLZ/GALANTY; QUELLE: ISW, DPA

Waffen griffen. Siewurden schnell gefasst.

2018 bestätigte das oberste türkische

Berufungsgericht in Ankara die

Schuldsprüche. Beim Prozess trugen

Xu und Zakiri einen normalen Kurzhaarschnitt

und legere Kleidung, nur

Ramadani noch Bart undlange Haare

nach Artder Salafisten.

Benjamin Xu, der als Kind einer

Chinesin und eines mazedonisch-albanischen

Vaters in Berlin aufwuchs

und die deutsche Staatsangehörigkeit

besitzt, durchlief eine rasante Radikalisierung.

Nachdem er ein paar Wochen

die berüchtigte Fussilet-Mo-

IMAGO STOCK &PEOPLE

schee in Berlin-Tiergarten besucht

hatte, reiste er 2013 zusammen mit

seinem Vater, der schon länger Islamist

war, über Istanbul nach Syrien.

Laut seinem Geständnis wurden Vater

und Sohn von der islamistischen

türkischen Hilfsorganisation Miletti

Ibrahim und einem syrischen Turkmenen

mit Kontakten zum türkischen

Geheimdienst MIT über die

Grenze geschleust. In Syrien durchliefen

sie ein viermonatiges militärisches

Training bei der islamistischen

Tschetschenen-Miliz Junud al-Sham.

Waffen, Sprengstoff, Geld

Nachdem sein Vater getötet worden

war, begaben sich Xu und Zakiri ins

IS-Gebiet, wo sie den ebenfalls aus

Mazedonien gebürtigen Schweizer

Ramadani kennenlernten. Im März

2014 trennten sie sich vom ISund

wurden vonder konkurrierenden Al-

Kaida-Organisation wieder zurück

in die Türkei geschleust. Sie führten

Schusswaffen, Handgranaten, Funkgeräte,Sprengstoff

und 11 000 Dollar

mit sich, außerdem Lagepläne, aus

denen die Anklage schloss, dass sie

einen Anschlag in Istanbul planten.

Xus mögliche Rückkehr dürfte

von den deutschen Behörden mit

Spannung erwartet werden. Denn

Xu offenbarte laut der Anklageschrift,

die der Berliner Zeitung vorliegt,

Details über das geheime Netzwerk,

das gewaltbereite Europäer

über die sogenannte Terroristen-Autobahn

von der Türkei nach Syrien

zum IS brachte.ImProzess offenbarten

Zeugen zudem eine Zusammenarbeit

der Dschihadisten-Schleuser

im türkischen Reyhanli mit Mitarbeitern

oder Informanten des türkischen

Geheimdienstes MIT. Auch

die anderen ehemaligen IS-Kämpfer

könnten solches Wissen besitzen.

Cusperts

Witwebleibt

in U-Haft

Die Witwedes Berliner Gangsterrappers

und späteren IS-

Terroristen Denis Cuspert (alias

Deso Dogg) bleibt in Untersuchungshaft.

Der Bundesgerichtshof

(BGH) in Karlsruhe wies eine

Beschwerde der im September

festgenommenen Deutsch-Tunesierin

Omaima A. gegen den Haftbefehl

zurück, geht aus dem Beschluss

vom 17. Oktober hervor,

der am Dienstag veröffentlicht

wurde. Die Beschuldigte habe

sich mit hoher Wahrscheinlichkeit

strafbar gemacht. Außerdem

bestehe Fluchtgefahr. (Az. StB

26/19)

Der Generalbundesanwalt

hatte Omaima A. drei Jahre nach

ihrer Rückkehr aus dem Herrschaftsgebiet

des IS am 9. September

in Hamburg festnehmen

lassen. Die Ermittler werfen ihr

vor, Anfang

2015 ihrem

damaligen

Ehemann Nadar

H., einem

Frankfurter

Salafisten, mit

drei kleinen

Kindern nach

Syrien gefolgt

zu sein. Nach

H.’s Todhatte

Gericht

DPA

Denis Cuspert

(1975–2018)

sie dortdessen FreundDenis Cuspert

geheiratet. Laut Bundesanwaltschaft

hielt sie beiden als

Hausfrau den Rücken frei und bekam

vom ISmonatlich Geld. Ihr

Verteidiger hatte argumentiert,

Haushaltsführung und Kinderbetreuung

machten Omaima A. noch

nicht zum IS-Mitglied. Ihr Verhalten

sei der Vereinigung nicht von

Nutzen gewesen.

Festnahmen in Offenbach

Wegen des Verdachts auf Vorbereitung

eines Anschlags hat die

Polizei in Offenbach drei mutmaßliche

IS-Anhänger festgenommen.

Wie die Staatsanwaltschaft

Frankfurt am Main mitteilte,sollensie

geplant haben, im

Rhein-Main-Gebiet mit Sprengstoff

oder Schusswaffen möglichst

viele Menschen zu töten.

Der24-jährige Hauptverdächtige,

ein Deutscher mazedonischer

Abstammung, soll sich bereits Bestandteile

zur Herstellung von

Sprengstoff beschafft haben.

Festgenommen wurden auch

zwei türkische Staatsbürger im Alter

von22und 21 Jahren. (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute betragen die Höchstwerte6bis 8Grad. Dazu ist der Himmel vielerorts

stark bewölkt bis bedeckt. Der Wind weht nur schwach aus südwestlichen

Richtungen. In der Nacht ist der Himmel stark bewölkt oder bedeckt.

Dabei gehen die Temperaturen auf 2bis minus 1Grad zurück.

Biowetter: Die aktuelle Witterung

führt zuverstärktem Stoffwechsel

und erhöhtem Blutdruck. Rheumatiker

müssen mit Gelenk-, Gliederund

Narbenschmerzen rechnen. Zu-

2°/6°

Wittenberge

sätzlich plagen Kopfschmerzen.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 16 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 19 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 18 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 75%

Gefühlte Temperatur: maximal 7Grad.

Wind: leichter Wind aus Südwest.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

1°/8° 3°/7°

Luckenwalde

2°/7°

Prenzlau

3°/7°

Cottbus

2°/7°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

sonnig bedeckt stark bewölkt

1°/6° 5°/14° 4°/9°

Frankfurt

(Oder)

3°/7°

Weite Teile Europas werden von tiefem Luftdruck und wechselhaftem Wetter bestimmt.

So fällt zwischen den Britischen Inseln und Spanien sowie rund um die

Adria und Ägäis häufig Regen, inden Alpen und Skanden Schnee. VonFrankreich

bis zur Tiefebene erwarten uns dagegen trotz vieler Wolken einzelne Lichtblicke.

Köln

2°/8°

Sylt

2°/9°

Saarbrücken

0°/4°

Hannover

2°/8°

Konstanz

-1°/5°

Hamburg

1°/6°

Erfurt

1°/5°

Frankfurt/Main

3°/6°

Stuttgart

2°/6°

Rostock

1°/6°

Magdeburg

2°/7°

Nürnberg

1°/5°

München

-1°/3°

Rügen

1°/6°

Dresden

4°/7°

Deutschland: Heute fällt aus einem

bewölkten Himmel eher selten

Schneeregen. Während des Tages ist

mit 3bis 9Grad zu rechnen. In der

folgenden Nacht betragen die Werte

3bis minus 3Grad. Der Wind weht

nur schwach aus Südwest. Morgen

teilen sich etwas Sonne und viele

Wolken den Himmel, und die Höchsttemperaturen

liegen bei 5bis

8Grad. Der Wind weht nur schwach

aus Südost.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 8°-10°

Nordsee: 9°-12°

Mittelmeer: 15°-26°

Ost-Atlantik: 11°-18°

Mondphasen: 19.11. 26.11. 04.12. 12.12.

Sonnenaufgang: 07:24 Uhr Sonnenuntergang: 16:16 Uhr Mondaufgang: 17:07 Uhr Monduntergang: 07:59 Uhr

Lissabon

19°

Las Palmas

20°

Madrid

17°

Reykjavik


Dublin


London


Paris

10°

Bordeaux

11°

Palma

19°

Algier

17°

Nizza

15°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

11°

Tunis

19°

Rom

15°

Warschau

15°

Wien

5° Budapest

16°

Palermo

16°

Kiruna

-8°

Oulu


Dubrovnik

19°

Athen

20°

St. Petersburg


Wilna

14°

Kiew

13°

Odessa

16°

Varna

19°

Istanbul

24°

Iraklio

23°

Archangelsk


Moskau


Ankara

20°

Antalya

26°

Acapulco 32° Schauer

Bali 32° wolkig

Bangkok 30° Schauer

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 25° wolkig

Casablanca 21° sonnig

Chicago -4° bedeckt

Dakar 29° heiter

Dubai 29° sonnig

Hongkong 26° sonnig

Jerusalem 25° heiter

Johannesburg 29° wolkig

Kairo 32° sonnig

Kapstadt 25° sonnig

Los Angeles 22° wolkig

Manila 29° bewölkt

Miami 28° wolkig

Nairobi 28° Gewitter

Neu Delhi 30° wolkig

New York 2° wolkig

Peking 13° wolkig

Perth 35° sonnig

Phuket 32° heiter

Rio de Janeiro 25° bedeckt

San Francisco 20° wolkig

Santo Domingo 29° heiter

Seychellen 29° heiter

Singapur 33° Gewitter

Sydney 25° sonnig

Tokio 19° bewölkt

Toronto 0° bewölkt


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 3

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Seite 3

Der

Rechtsbruch

Silhouette von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer,aufgenommen im September 2019

DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Im Januar 2019 sitzt der Bundesverkehrsminister

im braunen Anzug im

Fernsehstudio von Markus Lanz.

Thema ist die Pkw-Maut – und die

Frage, warum Andreas Scheuer (CSU) nicht

warten wollte und die Verträge vergab, obwohl

Österreich noch vordem Europäischen

Gerichtshof (EuGH) dagegen klagte.Das Urteil

dürfte negativ ausfallen, befürchten zu

diesem Zeitpunkt die meisten Experten. Der

wissenschaftliche Dienst des Bundestags

schrieb schon 2017, eine „Rechtfertigung

diskriminierender Regelungen“ sei rechtlich

„ausgeschlossen“. Eine Pkw-Maut, die nur

Ausländer zahlen sollen: rechtswidrig.

Warumalso dieses unnötige Risiko?

Lanz fragt den Minister:„Wieviel müssen

Sie zahlen für den Fall, dass es schiefgeht,

wenn vor dem EuGH die österreichische

Klage durchgeht?“ Scheuer lächelt und antwortet:

„Ich bin sehr entspannt.“ Lanz fragt

erneut: „Wie viel müssen Sie zahlen?“

Scheuer:„Ichbin sehr entspannt.“

Bis heute demonstriert der Minister Gelassenheit

–trotz einer Affäre, die immer größer

wird. Bald, vielleicht noch in dieser Woche,kann

sich auch die Bundesregierung ein

Bild von den Ausmaßen machen. Post des

Bundesrechnungshofes wird erwartet. Mit

einem vernichtenden Bericht zur Pkw-Maut.

Die Frage des finalen Angebots

Verkehrsminister Andreas Scheuer gerät immer mehr unter Druck:

Während der Vertragsverhandlungen zur Pkw-Maut soll

gegen das Vergaberecht und gegen das Haushaltsrecht

verstoßen worden sein.

Ein vertraulicher Bericht des Bundesrechnungshofes kommt

zu einem drastischen Urteil, wie eine gemeinsame Recherche

der Berliner Zeitung und des ZDF-Magazins „Frontal 21“ belegt

DerBerliner Zeitung und dem ZDF-Magazin

„Frontal 21“ liegt der Zwischenbericht vor,

der an das Bundesverkehrsministerium

(BMVI) ging. Er wirft Scheuers Behörde

Rechtsbruch vor. Der passierte offenbar, als

die Verträge zur Pkw-Maut nachträglich verändert

wurden. Und dies alles wurde unternommen,

um einen einzigen Bieter zu befriedigen:

das Konsortium aus der Kapsch

AG und CTS Eventim. Dabei wurden die

Maut-Verträge nachträglich maßgeschneidert.

Für deren Stornierung müssen die

Steuerzahler nun mehrere Hundert Millionen

Euro zahlen. Der Hauptkritikpunkt der

Rechnungsprüfer besteht darin, dass noch

verhandelt wurde, nachdem ein „finales Angebot“

abgegeben worden war.

Es sieht so aus,als hätte Scheuer ein Problem

mit dem ersten Angebot gehabt. Denn

das lag mit drei Milliarden Euro eine Milliarde

über dem Budget, das vom Parlament

bewilligt worden war. Scheuer hätte also die

Verhandlungen abbrechen oder die anderen

Bieter informieren müssen. Doch das Ministerium

forderte den letzten verbliebenen

Bieter„zur Abgabe eines ,zweiten finalen Angebots‘

auf“, wie die Rechnungsprüfer jetzt

kritisieren. Mitarbeiter des Ministeriums

hielten in einem internenVermerkfest:„Aufklärungsgespräche

und Verhandlungen mit

dem im Vergabeverfahren verbliebenen Bieter

mit dem Ziel der Abgabe eines weiteren finalen

Angebots durch diesen“.

Heimlich trifft sich Scheuers Staatssekretär

GerhardSchulz mit dem Chef des verbliebenen

Bieterkonsortiums. Inhalte einzelner

Gespräche werden trotz des schwebenden

Vergabeverfahrens nicht protokolliert.

Unzulässig –und mehr noch: Das BMVI

hätte „über das finale Angebot nicht verhandeln

dürfen“, wie der Bundesrechnungshof

klarstellt. Schließlich sind „finale Angebote

grundsätzlich nicht verhandelbar“.

Das bewertet auch Michael Fehling so. Er

ist Professor für öffentliches Wirtschaftsrecht

in Deutschland und Europa an der Bucerius

Law School in Hamburg, ein ausgewiesener

Vergaberechtsexperte. „Die Verhandlungen

hätten abgebrochen werden müssen“, sagt er.

„Das Vergaberecht zielt auf chancengleichen

Wettbewerb.Dafür ist entscheidend, dass die

Spielregeln nicht zwischendurch geändert

werden.“ Schließlich hätten sich„alle anderen

Bieter aus dem Wettbewerb verabschiedet,

weil sie sagen: Zu diesen Bedingungen können

wir kein weiteres Angebot abgeben. Es ist

gesetzlich ausdrücklich verboten, nach dem

finalen Angebot weiter zu verhandeln.“

Nach Recherchen von Berliner Zeitung

und Frontal 21 schreibt auch ein Konzern im

Namen der Bietergemeinschaft ViaTix Ende

Juni 2018 einen Brief an das BMVI. Nach „intensiver

Prüfung der vorliegenden finalen

Vergabe- und Vertragsunterlagen“ teilt man

mit, dass man kein Angebot abgeben werde.

Am Schluss heißt es jedoch: „Sollten Siesignifikante

Änderungen an den Unterlagen …

vornehmen, bitten wir natürlich um Mitteilung.“

Das BMVI schreibt auf Anfrage, dieser

Bieter habe „kein finales Angebot abgegeben.

Das Schreiben …war damit erledigt.“

Und auch die Nachverhandlungen seien

„vergaberechtlich nicht zu beanstanden. Anderslautende

Stellungnahmen sind sachfremd.“

Die Rechnungsprüfer sehen das anders:

„Die früheren Bieter informierte es (das Verkehrsministerium,

Anm. d. Red.) nicht über

die nach den Verhandlungsgesprächen angepassten

Bestimmungen der Leistungen

und des Vertrages. Dadurch nahm es ihnen

die Möglichkeit zur weiteren Teilnahme.

Dies war vergaberechtswidrig.“

DieVertragsänderungen waren so fundamental,

dass sich dasVolumen um ein Drittel

reduzierte.ImBundeshaushalt waren für die

Pkw-Maut zwei Milliarden Euro vorgesehen.

Doch die Forderung des Konsortiums im „finalen

Angebot“ lagen bei rund drei Milliarden

Euro.Nach denVerhandlungen passte es

dann. Im „zweiten finalen Angebot“ geben

VonKai Schlieter und JoeSperling

sich Kapsch und Eventim plötzlich mit zwei

Milliarden Euro zufrieden.

Leistungen im Gegenwertvon rund einer

Milliarde Euro waren aus dem Vertrag verschwunden.

Wie die Berliner Zeitung und

Report Mainz enthüllten, kam hier Toll Collect

ins Spiel, jene Firma, die auch die Lkw-

Maut erhebt und die Infrastruktur betreibt.

Praktisch, dass Toll Collect dem Staat gehört

und dem BMVI untergeordnet ist. In den

Nachverhandlungen „wurde festgelegt, dass

der Bieter auf die bestehende Zahlstelleninfrastruktur

der Toll Collect“ zurückgreifen

kann, so der Bundesrechnungshof. Und

schließlich: „Toll Collect sollte dem Betreiber

„Das Vergaberecht zielt

auf chancengleichen

Wettbewerb. Dafür ist

entscheidend, dass die

Spielregeln nicht

zwischendurch geändert

werden.“

Michael Fehling, Professor für öffentliches

Wirtschaftsrecht in Deutschland und Europa

für die Mitbenutzung keine Kosten berechnen;

dieses sollte der Bund Toll Collect direkt

erstatten.“

Neuer Geschäftsführer bei Toll Collect ist

seit März 2019 Gerhard Schulz. Der hatte

kurz zuvor noch als Staatssekretär für das

Verkehrsministerium Geheimverhandlungen

zum „zweiten finalen Angebot“ geführt.

BeiToll Collect verdoppelte sich sein Gehalt.

Er blieb gleichzeitig beurlaubter Staatssekretär,wie

die Berliner Zeitung aufdeckte.

Durchdie Leistungen, die auf Toll Collect

umgelegt werden sollten, „konnte er (der

Bieter, Anm. d. Red.) sein Angebot um 360

Mio. Euro senken“, so die Rechnungsprüfer.

Undwährend die Portokosten im ersten Vertrag

noch im Preis inbegriffen waren, veränderte

sich der Posten durch die „Aufklärungsgespräche“.

Das zweite finale Angebot

„reduzierte sich hierdurch um 370 Mio.

Euro“. DiePortokosten war für die Schreiben

an alle vorgesehen, die ihre Mautschulden

noch nicht beglichen hatten.

Dennoch, so kritisieren es die Rechnungsprüfer,blieb

„ein Fehlbetrag vonfast 400 Mio.

Euro“, der nicht vom Haushalt gedeckt war.

Andreas Scheuer gab mehr Geld der Steuerzahler

aus, als ihm das Parlament gestattet

hatte.„DerVertrag hätte nicht abgeschlossen

werden dürfen“, urteilen die Prüfer.

Warum nahm Scheuer diese Rechtsbrüche

und das Risiko eines negativen Urteils

des EuGH in Kauf? In Bayern waren im Oktober2018

Landtagswahlen, und die CSU hatte

im Wahlkampf die „Ausländer-Maut“ versprochen.

Wurden Hunderte Millionen riskiert,

um die eigene Klientel zu beglücken?

Durch die Einführung einer Ausländer-

Maut? Scheuer bestreitet das.

Im Juli 2019, einen Monat nachdem der

EuGH seine Maut kassiert hat, muss

Scheuer sich einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses

stellen. Ein Untersuchungsausschuss

droht, der Minister will

jetzt Transparenz demonstrieren. Er schiebt

einen Wagen mit Aktenordnern der Maut-

Verträge an den Kameras vorbei und sagt lächelnd:

„Beim Risikomanagement wird

man sehen, dass wir sowohl interne als

auch externe Berater hatten.“ Es sei „eben

nicht eine politische Entscheidung“ gewesen,

vielmehr habe sich das Ministerium

„fundiertberaten“ lassen.

Als aber die Rechnungsprüfer für ihren Bericht

recherchieren und nachfragen, ob das

Risiko in Bezug auf ein negatives EuGH-Urteil

geprüftwurde,muss das Ministerium passen:

„Das BMVI konnte dem Bundesrechnungshof

keine Unterlagen vorlegen, aus denen

hervorgeht, ob und gegebenenfalls wie es das

Risiko eines vollständigen Scheiterns des ISA-

JoeSperling

wundertsich, wie ein Minister so agieren

kann.

Vorhabens (Pkw-Maut, Anm. d. Red.) durch

ein Urteil des EuGH bewertet hat.“ Und so

kommen die Gutachter zu dem Ergebnis:

„Der Bundesrechnungshof hat erhebliche

Zweifel, ob und wie das BMVI das Risiko eines

negativen EuGH-Urteils berücksichtigt hat.“

Keine Prüfung des Hauptrisikos? Dabei

war das drohende EuGH-Urteil der Grund

dafür, warum alle anderen Bieter ausgestiegen

waren. Die Rechnungsprüfer schreiben:

„Die Bieter äußerten in den Verhandlungsgesprächen

… erhebliche Bedenken zur

Kündigungsmöglichkeit aus ordnungspolitischen

Gründen“. Damit ist das EuGH-Urteil

gemeint. Das Ministerium musste handeln.

„Umfinale Angebote zu erhalten, übernahm

das BMVI daraufhin in den Vertragsentwurf

den Bruttounternehmenswertals Grundlage

für die Berechnung des Schadensersatzanspruches.“

Nachträglich maßgeschneidert

Was das bedeutet, erklärt Sven-Christian

Kinder, der Haushaltsexperte der Grünen.

„Der Bruttounternehmenswert ist der entgangene

Gewinn der Firmen für die gesamte

Vertragslaufzeit von zwölf Jahren. Hier geht

es um mehrere Hundert Millionen Euro“, so

Kindler. „Hier ist gezielt Recht gebrochen

worden, doch wir erwarten von jedem Bürger

auch, dass er sich an Recht und Gesetz

hält.“ Der verkehrspolitische Sprecher der

FDP, Oliver Luksic, kritisiert: „Die Mautverträge

bieten nicht nur eine exorbitant hohe

Rendite, sondern sozialisieren am Schluss

die Verluste. Nur so war es möglich, überhaupt

ein Betreiberkonsortium für diese

Maut zu gewinnen.“ Scheuer habe „in Kauf

genommen, das Parlament hinter die Fichte

zu führen, und er hat das Vergaberecht gebrochen.

Normalerweise ist ein Minister

nicht im Amt tragbar, wenn er so riesigen

Schaden verursacht.“

Berliner Zeitung und Frontal 21 haben

das Ministerium mit allen Kritikpunkten des

Bundesrechnungshofes konfrontiert. Es

handelt sich dabei um eine Behörde,die unabhängig

vonParteien und Weisungen prüft.

Pauschal heißt es: „Das Bundesverkehrsministerium

weist die Kritik des Bundesrechnungshof

in sämtlichen Punkten zurück.“

Alles falsch. Und was Rechtswissenschaftler

sagen: „sachfremd“.

Fest steht: Nach nur sechs Monaten bekam

ein Konsortium durch nachträglich

maßgeschneiderteVerträge das Rechtauf die

Gewinne aus zwölf Jahren Pkw-Mauterhebung,

obwohl die Maut nie kommen wird.

Erst nachdem diese Schadensersatzklausel

imVertragstand, gaben Kapsch und Eventim

ihr Angebot ab.Diese Klausel liefertdie Antwort

auf die Frage, die Lanz in seiner Talkshow

Scheuer stellte: „Wie viel müssen Sie

zahlen?“ Es dürften 300 bis 400 Millionen

Euro werden. Aber nicht Scheuer muss dafür

aufkommen, sonderndie Steuerzahler.

KaiSchlieter

war vonder Klarheit des Berichts des

Bundesrechnungshofes beeindruckt.


4* Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 1 3. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Mohamed Ali folgt

auf Wagenknecht

Amira

Mohamed Ali

DPA/ CARSTEN KOALL

Dieerst 2017 in den Bundestag eingezogene

Bundestagsabgeordnete

AmiraMohamed Ali ist neue Vorsitzende

der Linksfraktion. Siewurde

am Dienstag im

zweiten Wahlgang

mit 52,2

Prozent der

Stimmen gewählt

und schlug

damit ihreGegenkandidatin

CarenLay

knapp.Die 39-

jährige Mohamed

Ali folgt auf

SahraWagenknecht, die im Märzangekündigt

hatte,auf eine dritte Kandidatur

verzichten zu wollen. Beide

Frauen werden dem linken Flügel

zugerechnet. DerCo-Fraktionsvorsitzende

Dietmar Bartsch wurde im

Amt bestätigt. Er bekam 63,7 Prozent

der Stimmen; 2015 waren es noch 80

Prozent gewesen. DerParlamentarische

Geschäftsführer JanKorte

wurde ebenfalls bestätigt. (RND)

EU baut militärische

Zusammenarbeit aus

DieEU-Staaten haben eine weitere

Ausweitung der ständigen militärischen

Zusammenarbeit beschlossen.

Unter deutscher Führung soll

ein Koordinierungszentrum für Cyberabwehr

aufgebaut werden. Bei

anderen Projekten geht es unter anderem

um die Entwicklung eines unbemannten

Systems zur U-Boot-Bekämpfung

oder dieVerbesserung der

Ausbildung vonSoldaten. (dpa)

Kennzeichnungspflicht für

israelische Siedlerprodukte

Exportierte Lebensmittel aus israelischen

Siedlungen imWestjordanland

und anderen 1967 besetzten Gebieten

müssen in der Europäischen

Union besonders gekennzeichnet

werden. Dies entschied der Europäische

Gerichtshof am Dienstag in Luxemburg.

Obst, Gemüse oderWein

müssen demnach einen Hinweis auf

ihr Ursprungsgebiet tragen. Stammen

sie aus einer israelischen Siedlung,

muss dies zusätzlich vermerkt

sein, wie die Richter urteilten. (dpa)

Engelsgleich

Mit Preußens Gloria

Vordem Berliner Reichstag findet das erste öffentliche Gelöbnis der Bundeswehr seit sechs Jahren statt

DPA/DANILE KARMANN

Locken-Perücke,Krone,goldenes Gewand –das Nürnberger Christkind

hat sich am Dienstag erstmals in seinem Engelskostüm gezeigt. „Ich

fühle mich sehr gut gerade“, sagte die 17-jährige Benigna Munsi. Mit

strahlendem Lächeln posierte sie im Staatstheater für die Kameras.Theaterschneider

hatten das Kostüm extrafür die Schülerin angefertigt.„Ich

wollte immer Christkind werden, seit ich nicht mehr ans Christkind geglaubt

habe“, sagte Munsi. Eine Jury hatte sie für die nächsten zwei Jahre

als Christkind gewählt. Einen Tagspäter postete der AfD-Kreisverband

München-Land auf Facebook Benignas Bild und schrieb darüber in Anspielung

auf die Ureinwohner Amerikas:„Nürnberghat ein neues Christkind.

Eines Tages wirdesuns wie den Indianerngehen.“ Hunderte Internetnutzer

verteidigten die junge Frau daraufhin. Die AfD löschte den

Post und entschuldigte sich. Munsi ist gebürtige Nürnbergerin, ihr Vater

ist indischer Herkunft und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft, auch

ihre Mutter ist Deutsche. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

(CSU) sprach vonder„hämischen Fratzedes Rassismus“, den die AfD als

ihre Geisteshaltung immer gerne leugnen wolle. „Man könnte heulen

über so viel Menschenfeindlichkeit“, bemerkte Oberbürgermeister Ulrich

Maly (SPD). Am 29. November wirddas Christkind den Nürnberger

Christkindlesmarkt voneiner Emporeder Frauenkirche aus eröffnen.

Israel tötet

Militärchef des

Dschihad

Terrororganisation rächt

sich mit Raketenangriffen

VonAnja Reich, TelAviv

Über Baha Abu al-Ata ist nicht

viel bekannt. Der Anführer des

„Islamischen Dschihad in Palästina“

galt als pressescheu und gab keine

Interviews. Die Zeitung Haaretz

schreibt, er habe Hunderte Kämpfer

kommandiert und mehrere Raketenstützpunkte

vorallem im Norden

von Gaza kontrolliert. Das israelische

Militär sagt, viele Raketenangriffe

auf Israel der letzten Wochen

und Monate seien auf seinen Befehl

zurückzuführen, er habe Terroreinheiten

auf Anschläge in Israel vorbereitet.

Der Islamische Dschihad bezeichnet

al-Ata als „Kämpfer für die

palästinensische Sache“.

Am Dienstagmorgen gegen 4.30

Uhr wurde Baha Abu al-Ata bei einem

Luftangriff im Gazastreifen getötet.

Auch seine Frau kam dabei

ums Leben. Nach Angaben des Sprechers

der israelischen Armee handelte

es sich um eine gezielte Aktion

mit dem Inlandsgeheimdienst Schin

Bet. Fast zur gleichen Zeit wurde in

Damaskus das Haus eines anderen

Dschihad-Führers, Akram Al-Ajouri,

von der israelischen Luftwaffe angegriffen.

Dabei kamen nach Angaben

syrischer Medien zwei Menschen

ums Leben, darunter Ajouris Sohn.

Der Islamische Dschihad, eine

vonIrangesteuerte militante Terrororganisation,

die das Existenzrecht

Israels ablehnt, rächte sich mit massiven

Raketenangriffen. An den

Grenzen zum Gazastreifen, aber

auch in TelAviv, heulten Dienstagmorgen

und den gesamten Vormit-

Spaniens Sozialisten streben

Regierung mit Podemos an

Pedro Sánchez bei der Unterzeichnung

der Grundsatzvereinbarung

GETTY

Nach der Parlamentswahl in Spanien

wollen die Sozialisten vonMinisterpräsident

PedroSánchezund

die linksgerichtete Podemos eine Regierung

schmieden. Siehätten eine

Grundsatzvereinbarung zur Bildung

einer Koalition getroffen, teilten die

Parteien mit. Vorwenigen Monaten

waren beide Seiten noch damit gescheitert,

eine gemeinsame Regierung

auf die Beine zu stellen. (AFP)

Kabul lässt hochrangige

Taliban frei

Dieafghanische Regierung will drei

hochrangige Taliban-Gefangene

freilassen. Unter den Freizulassenden

sei auch Anas Hakkani, Bruder

des Anführers des Hakkani-Netzwerkes

und Vize-Chefs der Taliban, Siradschuddin

Hakkani. (dpa)

VonDaniela Vates

Das Gelöbnis der Bundeswehr

beginnt mit einer

hingebungsvollen

Schwärmerei:„Hören Sie

die liebliche Melodie“, sagt ein Bundeswehr-Offizier.

Essei ganz wunderbar,

wie die Trompeten und die

Holzbläser diese umspielten, in diesem

besinnlichen Stück, einem Präsentiermarsch,

der beruhige, sowie

sich ja im Herbst gerade auch die Natur

beruhige.

Der Offizier hat einen weißen

Taktstock in der Hand, er wendet

sich den Soldaten in grauen Mänteln

zu, die heben ihre Instrumente. Das

Musikkorps der Bundeswehr ist so

eine ArtVorprogramm, noch nesteln

zwei Arbeiter an den Blumengestecken

am Rednerpult. Alles soll passen

bei diesem Termin auf der Wiese

vor dem Reichstag. Das Gelände ist

weiträumig abgesperrt.

Kramp-Karrenbauers Wunsch

Daserste Malseit sechs Jahren sprechen

neue Bundeswehrsoldaten ihrenEid

nun wieder hier statt in ihren

Kasernen. Die neue Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer

(CDU) hat das bei ihrem

Amtsantritt als einen ihrer zentralen

Wünsche platziert, eigentlich sollte

es in allen Bundesländern stattfinden.

Sie will es als Zeichen verstanden

wissen für die Anerkennung der

Soldaten und der Bundeswehr, an

deren 64. Gründungstag.

Das mit allen Bundesländern hat

nicht ganz geklappt. Niedersachsen,

Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein,

Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-

Vorpommern ziehen mit an diesem

Tag. In Hessen hat man nicht genug

neue Soldaten zusammenbekommen,

da lohnt es sich nicht. In Bremen,

Bayern und Thüringen hat man

immerhin andereTermine gefunden.

Am 12. November 1955 hatte der erste

Verteidigungsminister der Bundesrepublik,

Theodor Blank, den ersten

101 Freiwilligen der Bundeswehr ihre

Ernennungsurkunden überreicht.

In Berlin vor dem Reichstag sind

junge Soldaten aus Berlin, Sachsen-

Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen

und Baden-Württemberg dabei,

400 insgesamt, mit Baretts in Grün,

Rot oder Blau. Als sie einmarschieren,

lange Reihen, spielt das Musikkorps

Johann Gottfried Piefkes

„Preußens Gloria“.

Dann ist Kramp-Karrenbauer an

der Reihe. Sie läuft an den Soldaten

vorbei, an der rein männlichen Ehrenformation

zunächst, die im Laufe

des Gelöbnisses mehrfach ihre Gewehre

hochnehmen und laut auf

den Boden knallen lässt. Dann geht

es vorbei an den neuen Soldaten und

Soldatinnen, die später ihren Diensteid

schreien und die Deutschlandhymne

ziemlich leise singen werden.

„Abschreiten der Front“, nennt die

Augen geradeaus! Bundeswehrgelöbnis vor dem Reichstag in Berlin

DPA

Bundeswehr den Ministergang ein

wenig martialisch und immerhin gelingt

es Kramp-Karrenbauer, im

Gleichschritt mit den zwei Soldaten

zu schreiten und zum Takt der Musik.

Aber vielleicht gelingt das ja auch

den Soldaten.

„Meine lieben Rekrutinnen und

Rekruten“, beginnt die Ministerin

dann ihre Rede mit sanfter Stimme.

„Soldatinnen und Soldaten!“, so

wird nach ihr Bundestagspräsident

Wolfgang Schäuble anfangen.

Kramp-Karrenbauer verweist auf

den Gründungstag der Bundeswehr,

der auf den Geburtstag des Militärreformers

Gerhardvon Scharnhorst gelegt

wurde. Der habe „den Militärdienst

als Ehrendienst an der Nation“

definiert, sagt die Ministerin. „Die

Bundeswehr ist unverzichtbarer Teil

unserer Gesellschaft, sie kommt aus

der Mitte der Gesellschaft, und da gehörtsie

hin.“ Undesfällt auch wieder

der Satz vonder Anerkennung.

Schäubles Blick

Schäuble betont, die neuen Soldaten

hätten einen herausfordernden Berufgewählt

und zeigten, dass sie bereit

seien, für andere einzutreten

und für ihr Land. Dies sei nicht

selbstverständlich „in Zeiten, in denen

viele sich angewöhnt haben, erst

auf den eigenen Vorteil bedacht zu

sein“. Öffentliche Gelöbnisse seien

nötig, um zu unterstreichen, dass

„die Bundeswehr einen festen Platz

in unserer freiheitlichen Gesellschaft“

habe. Der Platz vor dem

Reichstag sei dafür genau richtig.

„Schauen Sie, was im Giebel

steht“, ruft Schäuble den Rekruten zu

und verweist auf den Schriftzug hoch

über den Eingangssäulen: „Dem

deutschen Volke“. Die Soldaten drehen

dem Reichstag den Rücken zu

und verharren reglos. Auch Unionsfraktionschef

Ralph Brinkhaus hat

sich dafür ausgesprochen, Gelöbnisse

der Bundeswehr viel öfter vor

dem Reichstag abzuhalten. Damit

solle gezeigt werden, dass die Bundeswehr

„Teil unserer Gesellschaft“

und im Übrigen auch Parlamentsarmee

sei, sagte Brinkhaus in Berlin.

Eine Fabrik im israelischen Sderot steht

nach einem Raketentreffer in Flammen. AP

tag die Sirenen. Schulen blieben geschlossen,

Menschen wurden davor

gewarnt, das Haus zu verlassen und

aufgefordert, in Bunkern Schutz zu

suchen. Einige der mehr als hundert

Raketen wurden vomAbwehrsystem

„Eisenkuppel“ abgefangen, andere

schlugen ein, mehrere Menschen

wurden dabei leicht verletzt. Die

Bundesregierung verurteilte den Beschuss

„aufs Schärfste“. Es gebe

keine Rechtfertigung für Gewalt gegen

unschuldige Zivilisten, hieß es

aus dem Auswärtigen Amt. „Vermittlungsbemühungen

Ägyptens und

der Vereinten Nationen unterstützen

wir ausdrücklich.“

Noch während die Raketen niedergingen,

brach in Israel ein Streit

darüber aus, obder Zeitpunkt der

Geheimdienstaktion Zufall sei oder

möglicherweise politische Interessen

dahinter steckten. Das Land befindet

sich derzeit in einer schwierigen

Situation. Nach zwei Neuwahlen

innerhalb von sechs Monaten ist es

bisher keiner Partei gelungen, eine

Regierung zu bilden. Vor drei Wochen

hatte Premierminister und Likud-Führer

Benjamin Netanjahu

das Mandat zur Regierungsbildung

an Blau-Weiß-Führer Benny Gantz

übergeben. Gantz hat noch eine Woche

Zeit. VorzweiTagen hatte Netanjahu

Naftali Bennett vonder rechten

Partei Hejamin Hachadasch überraschend

zum Verteidigungsminister

ernannt. Kritiker warfen Netanjahu

vor, damit verhindern zu wollen,

dass Bennett eine Minderheitenregierung

mit Gantz eingeht.


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 5

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Hauptstadt

Wochen-Arbeitszeiten von Abgeordneten

nach eigener Einschätzung

2,9%

mehr als 90 Stunden

Sonstige

40 bis 50 Stunden

0,7%

50 bis 60 Stunden10,2%

80 bis 90 Stunden16,1%

Die langen

Donnerstage im

Parlament

Zwei Abgeordnete

erlitten jüngst

Schwächeanfälle im

Bundestag. Seitdem wird

über die steigende

Arbeitsbelastung

debattiert.

Und wer daran schuld ist

von Christine Dankbar (Text) und

Isabella Galanty (Grafik)

Volksvertreter haben einen Knochenjob.

Die Berliner Zeitung hat alle Bundestagsabgeordneten

per Mail angefragt, wie viele

Stunden proWoche sie nach eigener Einschätzung

arbeiten. DasErgebnis der Umfrage können

Sie der Grafik entnehmen, die diesen Text umringt.

Knapp 150 Abgeordnete haben eine Schätzung

abgegeben und sich dabei über alle Parteigrenzen

hinweg sehr einig gezeigt: Die meisten

Abgeordneten geben an, dass sie zwischen 60 und 80

Stunden proWoche arbeiten. Doch Zahlen können

nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit wiedergeben.

Das zeigen die Mails, die unsere Redaktion

erreicht haben und auch die vielen Telefonate

mit Abgeordneten, die wir in den letzten Tagen geführthaben.

Der SPD-Abgeordnete Dietmar Nietan bringt

dies mit einem Satz auf den Punkt: „Viel mehr als die

reine Arbeitsbelastung drücken die wachsende Verachtung

für‚die Politiker‘ und die Unbarmherzigkeit

des Umgangs in den sozialen Medien auf die Seele“,

schreibt er.Diese Meinung teilen fast alle,die auf unsere

Anfrage reagierten. Viele wollten dabei lieber

nicht zitiert werden. Bloß nicht beim Jammern erwischt

werden!

Mit amanstrengendsten sind die langen Nächte

im Plenum. Die Bundestagsverwaltung führt Buch

über die Sitzungszeiten; danach gibt es kaum noch

einen Donnerstag, an dem das Parlament vor Mitternacht

Schluss macht.Vielleicht war es Zufall, vielleicht

auch nicht, dass an diesem Tagvergangene

Wochegleich zwei Abgeordnete einen Schwächeanfall

erlitten. Für die Marathonsitzungen ist offenbar

auch die AfD verantwortlich. Siebesteht darauf, dass

sämtliche Reden im Parlament auch gehalten werden,

egal wie spät es ist. Früher wurden sie oft nur zu

Protokoll gegeben und waren dann online nachzulesen.

Jetzt pocht die AfD auf Präsenz. Auch um zwei

Uhrnachts.Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-

Gemmeke hat dabei vorallem die Beschäftigten des

Stenografischen Dienstes und die Plenarassistenten

im Blick: „Ich meine,diese Belastung ist zu hoch.“

60 bis 70 Stunden 27,9%

70 bis 80 Stunden 39,7%

Zahl der Plenarsitzungen

je Wahlperiode

Dauer pro Sitzung

Durchschnitt in Stunden und Minuten

243

12. WP

248

13. WP

253

14. WP

7:24 7:23

7:46

7:01

7:36

7:46

7:27

187

15. WP

233

16. WP

253

17. WP

245

18. WP

12.

WP

13.

WP

14.

WP

15.

WP

16.

WP

17.

WP

18.

WP

Gesamtsitzungszeit in Stunden und Minuten

1834:34

1863:37 1998:47 1353:40 1806:10 2009:54 1861:15

12. WP 1990 bis 1994 13. WP 1994 bis 1998 14. WP 1998 bis 2002 15. WP 2002 bis 2005 16. WP 2005 bis 2009 17. WP 2009 bis 2013 18. WP 2013 bis 2017

PLATZ DER REPUBLIK

Im

Untergrund

Christine Dankbar

lernt einen neuen Gedenkortkennen.

Manchmal finden im Bundestag

wichtige Dinge statt, ohne

dass die Abgeordneten sie bemerken.

Oder die Zeit haben, sie zur

Kenntnis zu nehmen. So war es am

vergangenen Freitag.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang

Kubicki lud zu einer kleinen

Feierstunde an einen Ort, den Abgeordnete,

Mitarbeiter und Journalisten

sonst immer nur hektisch durchqueren.

So hektisch, dass ihnen dort

ein elektrisches Rollband, wie es sie

auch auf Flughäfen gibt, dabei hilft,

schnell voranzukommen. Das Rollband

war am Freitag abgestellt und

die wenigen Abgeordneten, die sich

hier, am Verbindungstunnel zwischen

Reichstagsgebäude und Jakob-Kaiser-Haus

einfanden, hatten

ein bisschen Zeit für ein kleineres

Kapitel der deutschen Geschichte.

Die meisten Abgeordneten wurden

allerdings oben im Plenarsaal gebraucht,

um bei der Debatte zum 30.

Jahrestag der deutschen Einheit Präsenz

zu zeigen. Nicht nur deshalb

war es hier im Untergeschoss merklich

stiller.Eshatte fast ein wenig den

Anschein, als genossen die Anwesenden

die kleine Auszeit vom großen

Feiertrubel und die Hinwendung

zu einer eher unbekannten

Episode der großen Geschichte.

Hier im Untergeschoss zwischen

Reichstagsgebäude und dem früheren

Reichstagspräsidentenpalais,

das heute zum Jakob-Kaiser-Haus

gehört, gibt es einen unterirdischen

Gang. Er wurde vondem Architekten

beider Gebäude, Paul Wallot, angelegt,

um Heizungsrohren Platz zu

bieten. Da das Reichstagsgebäude

im Westen, das Reichstagspräsidentenpalais

aber im Osten lag, wurde

der Tunnel zugemauert. Anders als

sonst hatten die Ost-Berliner Verantwortlichen

keine Angst vor Flüchtlingen,

sondernvor Eindringlingen.

Kubicki verwies in seiner Rede auf

einen Artikel im Neuen Deutschland

aus dem Jahr 1957. Darinwurde über

den Versuch berichtet, die Mauer im

Tunnel von der Westseite zu durchbrechen.

„Wieder USA-Wühlmäuse

am Werk?“ lautete die argwöhnische

Schlagzeile.

Inzwischen waren wieder Wühlmäuse

am Werk, diesmal aber, um

den Tunnel teilweise zu restaurieren

und damit gleichzeitig zum Gedenkortzumachen.

Undsoist der Verlauf

der Mauernun auch unterirdisch im

Parlamentsgebäude nachzuvollziehen.

Die Baukommission und der

Kunstbeirat des Deutschen Bundestages

hatten sich für das Projekt stark

gemacht. Es zeige einmal mehr,dass

in diesem Gebäude jeder Stein Geschichte

zeigt, meinte der Präsident

des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland,

in seiner Rede. Erfreute sich

außerdem, dass er anlässlich der

Einweihung nun erstmals im Bundestag

sprechen durfte –wenn auch

nur im Untergeschoss.

Der Verbindungstunnel soll nun

Besucher, Abgeordnete und Mitarbeiter

dauerhaft an die Berliner

Mauer erinnern und später noch

durch eine Ausstellung ergänzt werden.

Es gibt im und ums Parlament

aber noch weitere Gedenkorte der

deutschen Teilung –etwa das Parlament

der Bäume, das der Künstler

Ben Wagin auf dem ehemaligen Todesstreifen

an der Spree schuf. Man

kann dort sehr schön spazieren gehen

und nachdenken. Auch ohne

Jahrestag und Feiertrubel.


6* Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 1 3. November 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

12.8.19

12.8.19

MÄRKTE

▼ 13198,37 (–0,23 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

12.8.19

Stand der Daten:11.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

11.11.19

▼ 62,19 (–0,67 %)

11.11.19

▲ 1,1041 (+0,06 %)

Quelle

11.11.19

aus DAXund MDAX vom11.11.zum Vortag

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HugoBoss NA 40,37 +2,20 WWWWWWWW

Lufthansa vNA 17,80 +2,15 WWWWWWWW

Qiagen 29,12 +1,82 WWWWWWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom11.11.zum Vortag

Siltronic NA 82,20 WWWWWWWWWW –3,07

DeliveryHero 43,00 WWWWWWWWW –2,56

K+S NA 12,94 WWWWWWW –2,01

thyssenkrupp 13,34 WWWWWWW –1,98

Infineon NA 18,51 WWWWWW –1,72

Fresenius M. C. St. 67,16 WWWWW –1,38

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 11.11. ±% z. 08.11.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,08

3709/2909 3696,82

CAC 40(FR) +0,07

5906/4556 5893,82

S&P UK(UK) – 0,40

1562/1323 1479,15

RTS (RU) – 0,50

1488/1033 1460,84

IBEX (ES) –0,06

9588/8286 9388,50

Dow Jones (US) –0,04

27775/21713 27670,24

Bovespa (BR) +0,02

109672/83892107648,30

Nikkei (JP) – 0,26

23591/18949 23331,84

Hang Seng (HK) –2,63

30280/24897 26900,75

Stx Singap. 20 (SG) –0,95

1657/1390 1632,24

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

PSA Direktbank */**

psa-direktbank.de 0,70 0,70 0,70

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,13 0,14 0,13

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Google-Niederlassung in SanFrancisco. Das Unternehmenkooperiertjetzt auch mit Krankenhäuserninden USA.

Zugang zu Millionen Krankendaten

Von Frank-Thomas Wenzel

Vom „Jackpot“ ist bereits die

Rede. Der Internetgigant

Google hat mit dem US-

Krankenhausbetreiber

Ascension eine Kooperation vereinbart,

die dem Suchmaschinenbetreiber

den Zugang zu einer riesigen

Menge vonpersonenbezogenen Gesundheitsdaten

ermöglicht. Das

Unternehmen machte seine Kooperation

erst publik, als US-Medien bereits

darüber berichtet hatten. Vergleichbare

Deals sind hierzulande

nicht vorstellbar, dennoch warnen

Experten vorden Gefahren des Missbrauchs

vonGesundheitsdaten.

Ascension ist eine der weltweit

größten Gesundheitsorganisationen

der katholischen Kirche. Sie betreibt

150 Krankenhäuser und Hunderte

Pflegezentren in den USA. Schon

spätestens im Februar 2019 wurden

Datensätze von Millionen Patienten

auf die Cloud-Server von Google

übertragen. Zugleich stellt Google in

dem Projekt mit dem Codenamen

„Nightingale“ (Nachtigall) ein digitales

Suchwerkzeug zur Verfügung, das

Informationen von Patienten zusammenstellt

und strukturiert. Es

gibt komplette Patientenakten, inklusive

Auskünften über Untersuchungen,

Medikationen und Krankheiten.

Das medizinische Personal

soll sich auf diese Weise schnell und

VW-Manager wegen Untreue angeklagt

Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, unrechtmäßig hohe Bezüge vonBetriebsräten abgenicktzuhaben

Von Jan Petermann

Google schließt Vertrag mit US-Klinikbetreiber.Experten warnen vor Missbrauch

effizient über Diagnosen und Therapien

informieren können.

150 Google-Beschäftigte haben

offenbar Zugang zu den Datensätzen.

Deren Aufbereitung wird mit

Programmen umgesetzt, die mit

künstlicher Intelligenz arbeiten. Das

Magazin „Forbes“ berichtet, weder

betroffene Patienten noch Ärzte seien

über die Datenweitergabe informiert

worden. Unter Ascension-Beschäftigten

soll es intern Protest

gegen das Nightingale-Projekt geben.

Der Krankenhausbetreiber sagte

in einem Statement, die Kooperation

mit Google entspreche den Datenschutzbestimmungen.

Google erklärte,

die Patientendaten würden

unter strengen Vorgaben im Auftrag

vonAscension verarbeitet. Siekönnten

nicht für andere Zwecke genutzt

und auch nicht mit Konsumentendaten

vonGoogle verknüpft werden.

Man habe das Projekt bislang nicht

publik gemacht, weil einige Lösungen

noch nicht im klinischen Einsatz

seien. Ascension ist der bislang größte

Cloud-Kunde für den Konzernaus

dem Gesundheitswesen.

Digitale Dienste im Bereich der

Medizin gelten in der IT-Branche als

ein Geschäft mit gigantischen Zukunftschancen.

Von einem Billionen-Dollar-Markt

ist die Rede.Einerseits

geht es darum, durch künstliche

„Die Kooperation mit Google entspricht

den Datenschutzbestimmungen.“

Ascension, Krankenhausbetreiber

reits seit2016–Volkswagen dachte,

es auch mithilfe eines Schiedsverfahrens

eigentlich schonzuden Akten

legen zu können. Doch die

Staatsanwälte sehen das offensichtlich

anders und entschlossen

sichzur Anklage.

Offiziell liest sich das so: „Den

Angeschuldigten wird vorgeworfen,

als jeweilige Personalvorstände

beziehungsweise Leiter des Personalwesens

fürdie Konzernmarke

Volkswagen zwischen Mai 2011

und Mai 2016 mehreren Betriebsratsmitgliedern

überhöhte Gehälter

und Boni gewährt zu haben.“

Hierdurch entstand dem Konzern

nach Einschätzung der Ermittler

ein hoher Schaden – durch die

„Überzahlung“ seien dem Unternehmen

etwas mehrals 5Millionen

Euro entgangen. Die „ungerechtfertigte

Vergütung“ an Betriebsratschef

Bernd Osterloh soll sich

demnach dabei allein auf 3,125

Millionen Euro belaufen haben.

VW weist eine Mitverantwortung

zurück. Man halte ander Auffassung

fest, dass bei derVergütung

einzelner Betriebsratsmitglieder

„kein strafrechtlich relevantes

Fehlverhalten“ festgestellt werden

könne, betonte ein Konzernsprecher.Die

Anklage richtesichzudem

nicht gegen Volkswagen, sondern

gegen Einzelpersonen.

Gegen Osterloh laufen gesonderte

Ermittlungen wegen des Verdachts

der Beihilfe zur Untreue. In

seinem Fall wurden die Untersuchungenaber

vomHauptverfahren

gegen die vier Manager abgetrennt

– es geht zudem nicht um einen

möglichen eigenen Vorteil. Aus

FOTO: JEFF CHIU/AP

Intelligenz Krankheiten sehr früh zu

erkennen. Die Datenanalysen sollen

auch bei der Entwicklung neuer Therapien,

insbesonderebei individualisierten

Heilungsverfahren, helfen.

Auch bei hiesigen Krankenkassen

oder großen Krankenhausbetreibern

ist der Datenhunger enormgroß.

Andererseits lassen sich mit den

personalisierten Gesundheitsdaten

extrem feine Profile von Bürgern erstellen,

die unter anderem für Versicherungen

und Banken, aber auch

für Sicherheitsbehörden extrem

wertvoll sind. Für IT-Unternehmen

bieten sie die Möglichkeit, neue Anwendungenzuentwickeln–daskann

Vorteile im Wettbewerb bringen. Inwieweit

Google davon beim Nightingale-Projekt

Gebrauch macht, ist offen.Sicheristnur,dassdasrelativlaxe

US-Datenschutzrecht viele Grauzonen

lässt.

Hierzulande gelten strengere

Restriktionen. Es gilt der Grundsatz,

dass die Weitergabe vonInformationen

an Dritte weitgehend nur mit

Einwilligung des Patienten zulässig

ist. Ferner gilt eine Verschwiegenheitspflicht

der Behandelnden. Bei

Verstößen droht die strafrechtliche

Verfolgung.

Allerdings hat Gesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) gerade das Digitale-Versorgung-Gesetz

auf den

Weggebracht, mit dem die Daten von

mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherten

pseudonymisiert ineiner

Datenbank gespeichert werden sollen.

Datenschutzexperten wie die

US-Rechtsprofessorin Stacey Torvino

weisen darauf hin, dass Konzerne

wie Google oder Facebook das Knowhow

haben, durch den Abgleich mit

anderen Daten anonymisierte und

pseudonymisierte Informationen

doch wieder konkreten Personen zuordnen

zu können.

Der Chaos Computer Club hat

überdies vorgeführt, wie einfach es

für Hacker ist, Gesundheits-Apps zu

knacken, die in Spahns Konzept eine

wichtige Rolle spielen.

Arbeitgeberseite und Betriebsratsind

bei VW traditionell eng

verbandelt –imFall der Bezahlung

hoher Belegschaftsvertreter nach

Auffassung von Strafverfolgern zu

eng. DieBraunschweiger Staatsanwaltschaft

hat am Dienstag drei

ehemalige undeinenaktuellenManager

des Autoherstellers angeklagt.

Der Vorwurf: Untreue, auch

in besonders schwerer Form, im

Zusammenhang mit der mutmaßlichenGewährung

vonüberhöhten

Gehälternund Boni.

Im Einzelnen geht es um zwei

frühere Vorstandsmitglieder sowie

eine ehemalige und eine amtierende

leitende Führungskraft. Das

Thema beschäftigt den Konzern

unddie niedersächsische Justiz bedem

Betriebsrat hieß es, es gelte

unverändertder Stand,dass Osterloh

über seinen Anwalt Akteneinsichterhalten

habe.„Er istjederzeit

bereit, gegenüber den Behörden zu

den Vorwürfen Stellung zu nehmen.Bisher

habendie Ermittler jedoch

noch nicht mit Herrn Osterloh

sprechen wollen.“

Übertarifliche Bezüge von hohen

Betriebsratsmitgliedern sind

in vielen Firmen nicht präzise festgelegt.

Grundsätzliche Regelungen

des Betriebsverfassungsgesetzes

zur Vergütung gelten auch deshalb

als reformbedürftig –sostellt sich

dieFrage,welche Gehaltskorridore

fürLeitungsaufgaben genau gelten

sollen. Es geht also um allgemeine

Rahmenbedingungen, die auch

manche Juristen und Gewerkschafter

für teils veraltet halten. (dpa)

Abschied

von den

Urlaubsplänen

Thomas Cook sagtfür 2020

schonbezahlte Reisen ab

Von Friederike Marx

Hunderttausende Thomas-Cook-

Kunden in Deutschland müssen

sich vonihren Reiseplänen fürs kommende

Jahr verabschieden. Derinsolvente

deutsche Veranstalter sagte am

Dienstag alle Reisen vom 1.Januar

2020anab,auchwennsiebereitsganz

oder teilweise bezahlt sind. Siekönnten

aus insolvenzrechtlichen Gründen

nicht angetreten werden, teilte

das Unternehmen mit. Bislang galt

der Stopp bis Ende Dezember 2019.

„Es tut uns unendlich leid, dass wir

nun auch unseren Kunden mit Abreise

im neuen Jahr endgültig diese

Nachrichtüberbringenmüssen“,sagte

Geschäftsführerin Stefanie Berk.

Abgesagt sind Pauschalreisen der

Veranstaltermarken Thomas Cook

Signature, ThomasCookSignatureFinest

Selection, Neckermann Reisen,

Öger Tours, Bucher Reisen und Air

MarinsowieüberThomasCookInternational

gebuchte Trips. Wie viele

Urlauber betroffen sind, teilte das

Unternehmennichtmit.FürdenZeitraum

seit dem Insolvenzantrag vor

rund sieben Wochen bis September

2020 gab es früheren Angaben zufolge

insgesamt etwa 660000 Buchungen.

Die Chancen für einen Erhalt des

einst zweitgrößten deutschen Reiseunternehmens

mit seinen etwa 2100

Jobs schwinden zunehmend. Esgibt

den Angaben zufolge bislang zwar Interessenten

für Teile des Konzerns,

doch kein belastbares Angebot für die

Fortführung als Ganzes oder für das

Veranstaltergeschäft der Thomas

Cook Touristik GmbH. Aus rechtlichen

Gründen wirddaher die Einstellung

des operativen Geschäftsbetriebs

der Thomas Cook Touristik

GmbH zum 1. Dezember2019 vorbereitet,

wie das Unternehmen bereits

mitgeteilt hatte. Das trifft mit den

Marken Neckermann Reisen, Air Marin

und Thomas Cook Signature den

Kern des Veranstalters. Dennoch gebendie

Geschäftsleitung und die vorläufigen

Insolvenzverwalter dieHoffnung

nicht auf: Man versuche unter

Hochdruck, bis zum Monatsende jede

sich bietende Chance für den Erhalt

des Traditionsunternehmens zu

nutzen. Konkrete Angebote gibt es

den Angaben zufolge für die Bucher

Reisen &Öger Tours GmbH, trotzdem

könne die Durchführung der gebuchten

Trips nicht gewährleistet werden.

Interesse an der Hotelmarke Sentido

und der Reisebüro-Franchisemarke

Holiday Land hat wiederum Konkurrent

DER Touristik.

Versicherungssumme reichtnicht

Dievon der Insolvenz betroffenenFeriengäste

sollen von Dezember an

entschädigt werden. Dann soll voraussichtlich

auch die genaue Höhe

derEntschädigungfeststehen,wieein

Sprecher des Versicherers Zurich

Deutschland sagte. Klar ist bereits,

dass die versicherte Summe bei weitem

nicht ausreicht, und dass Geschädigte

nur einen Teil ihrer Auslagen

zurückbekommen.

Die deutsche Thomas Cook war

nur bis 110 MillionenEuroversichert.

Nach Angaben des Versicherers sind

bis 1. November bereits etwa 150000

Schadenmeldungen eingegangenmit

einem Volumenvon mehr als 250 Millionen

Euro.Hinzukämen die Kosten

fürdieRückholungvonUrlaubern,die

zum Zeitpunkt der Insolvenz mit der

deutschen Thomas Cook unterwegs

waren.

Täglich gehen nach Angaben des

Sprechers etwa 1000 Schadenmeldungen

ein. „Mit der heute bekanntgegebenen

Entscheidung von Thomas

Cook erwarten wir nun auchdie

Meldung von Schadenersatzansprüchen

für Reisen, die im kommenden

Jahr hätten stattfinden sollen. Diese

wurden in der Regel noch nicht vollständig

bezahlt, sondern nur angezahlt.“

(dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 7 *

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

Merkel

bei den

Bossen

Kanzlerinverteidigt

die Grundrente

Von Rasmus Buchsteiner

Nanu? Plötzlich brandet Applaus

auf. Man hätte das nicht unbedingt

erwartet, jedenfalls nicht in

diesem Augenblick. Ausführlich hat

die Kanzlerin gerade beim Deutschen

Arbeitgebertag dargelegt, warum

die GroKo sich nun auf diesen

Kompromissbei derGrundrentegeeinigt

hat –ohne umfangreiche Bedürftigkeitsprüfung,

dafür aber immerhin

mit einer Prüfung des Einkommens.

Die Einigung in der Koalition –

dassei fürsie nachzweivergeblichen

Anläufen in der Vergangenheit auch

eine„Glaubwürdigkeitsfrage“ gewesen.

„Dass wir in dervierten Legislaturperiode

vordie Menschenziehen

und sagen, pass mal auf: aber beim

nächsten Mal kommt bestimmt die

Grundrente, damit machen sie sich

irgendwann auch lächerlich“, so

Merkel am Dienstag amRednerpult

im Berliner Estrel-Hotel. Und nun

derBeifall.

Die Kanzlerin bei den Bossen –

das ist Jahr für Jahr eine besondere

Begegnung:Gradmesserfür das Verhältnis

zwischen Regierung und

Arbeitgebern, Standortbestimmung

für die Lage in der deutschen Wirtschaft.

Diesmal ist die Stimmung

nach außen hin freundlich, aber

nicht völlig ohne Spannungen. Bei

der Grundrente, stellt Merkel klar,

habe in der Koalitionkeinerden anderen

erpresst. Eine Replik auf das

Interview von Arbeitgeberchef Kramer,das

sie im morgendlichen Pressespiegel

findenkonnte. Dortist der

Vorwurf nachzulesen, die SPD habe

die Union erpresst, CDU und CSU

hättenesversäumt,dasKreuzdurchzudrücken.

Knallhart rechnete Kramer

in dem Gespräch mit Kanzlerin

und Koalition ab. Wenn man sowie

bei der Grundrente mit Vereinbarungen

umgehe, könne man sich

einen Koalitionsvertrag nach der

nächsten Wahl gleich sparen.Ohnehin

geht Kramer davonaus,dass die

GroKo mit einer Wahrscheinlichkeit

von „50 Prozent oder mehr“ in den

nächstenMonaten platzt.

Zukunftspakt für Deutschland

Dagegen wirkt Kramers Auftritt am

Rednerpult, den die Kanzlerin von

der erstenReihe aus verfolgt, fastwie

auf Samtpfoten. Kritik an der GroKo

ja, doch der Tonfall ist ein völlig andererals

in demInterview. Siekönne

sich vorstellen, dass „auch beiIhnen

der Druck, mal auf dem Putz zu hauen“

nicht unerheblichsei, wirdMerkelspäter

sagen.

Der Arbeitgeberpräsident beschwörtdie

Kraftder sozialen Marktwirtschaft,

lobt den Interessensausgleich

mitden Gewerkschaften,hält

sichnicht lange mitder GroKo-Politik

der vergangenen Jahre auf. Allerdings,die

Seewerde rauer.Die Konjunktur

werde schwächer. Deutschland

müsse wetterfest gemacht werden.

„Wir reichen Ihnen heute die

ausgestreckte Hand, um die Segel

richtig zu setzen“, ruft Kramer. Notwendig

sei ein „Zukunftspakt“ für

Deutschland.

AngelaMerkelspricht auf demDeutschen

Arbeitgebertag. FOTO: WOLFGANG KUMM/DPA

Osram arrangiert sich mit Investor

Der Betriebsrat wehrt sich weiter gegen eine Übernahme durch den Sensorhersteller AMS

Von Thomas Magenheim

Seit Monaten ist der taumelnde

Lichtkonzern Osram

Spielball potenzieller Käufer.

„Wir müssen zu einem Ende

kommen“, sagte Firmenchef Olaf

Berlien bei der Vorlage einer tiefroten

Bilanz am Dienstag in München.

Folglich begrüßen Vorstand und Aufsichtsrat

nun eine erneute Übernahmeofferte

des Sensorherstellers

AMS. Ein erstes Angebot hatte Berlien

noch abgelehnt.

DenSinneswandel begründet der

Osram-Boss mit dem Ergebnis von

Nachverhandlungen: „Wir haben

fast eine Fusion unter Gleichen erreicht.“

Auf der Arbeitnehmerseite

sehen das nicht alle so.„Wirwenden

uns genauso entschieden gegen die

Übernahme durch AMS wie gegen

dieses Kaputtsparen“, kritisiert der

bei der IG Metall für Osramzuständige

Klaus Abel.

Nach Angaben der Gewerkschaft

willOsram800derverbliebenen5600

Jobs in Deutschland streichen. Im

Ausland stünden weitere der konzernweit

noch gut 23500 Stellen vor

dem Aus. Vorallem das Osram-Werk

in Berlin mit seinen 700 Beschäftigten

zittert. Kleinere Standorte in

Deutschland könnten ganzgeschlossen

werden. Das Personal ist zunehmend

verzweifelt. Allein im abgelaufenen

Geschäftsjahr wurden schon

2340 Jobs gestrichen, nachdem es in

Vorjahren bereits Abbaurunden sowie

den Verkauf großer Firmenteile

gegeben hatte.

WeitereSparrunde

Berlien stellt die bevorstehende

Sparrunde anders dar. Die Zahl von

800 Arbeitsplätzen stimme so nicht,

sagt er,ohnekonkret zu werden. Osram

müsse weitere Arbeitsplätze

auch nicht wegen der geplanten

Übernahme durch AMS abbauen,

sondern wegen schwacher Nachfrage

aus der Autoindustrie und des gravierenden

Technologiewandels in

der Lichtbranche.Ineiner Vereinbarung

mit AMS sei es gelungen, erweiterte

Schutzrechte für heimische

Stellen und Standorte zu fixieren. Bis

Ende 2022 dürfe in Deutschland

demnachkeinJobfusionsbedingtgestrichen

werden.

Das wiederum bezweifelt die

IG Metall und blickt dabei auf das

Wort„fusionsbedingt“.DieErklärungen

von AMS zu Standorten und

Arbeitsplätzen seien „nicht wirklich

rechtssicher“, warnt die Gewerkschaft.

Wenn man einen anderen

Grund als die Fusion finde, sei Stellenabbau

sehr wohl möglich. Unterstellt

wird, dass das Osram-Management

mit der neuen Sparrunde in vorauseilendem

Gehorsam die

All-Machtfantasien

Die deutsche Industrie will am künftigen GeschäftimWeltraum mitverdienen. Es gehtvor allemumRohstoffe

Von Sonja Wurtscheid

Ein Weltraumbahnhof in Rostock-

Laage oder in Nordholz bei Cuxhaven?

Das klingt mehr nach „Captain

Future“ als nach Zukunftsplan. Doch

hinter dieser Idee stecken knallharte

Wirtschaftsinteressen. Längst ist unter

den Supermächten China, USA und

Russland ein Gerangel um die Vormacht

im All entbrannt. DieEUwill da

mitmischen.

„Wir brauchen einen unabhängigen

Zugang zum All“, sagte Andreas

Hammer vom Bundesverband der

Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

jüngst bei einer Veranstaltung

in Berlin. „Ohne den Weltraum

funktioniert unser normales Leben

nicht mehr.Jeden Tag, den wir weiterleben,

werden wir abhängiger vonden

Aktivitäten im Weltraum.“

Satelliten im All füttern unsere

Smartphones mit GPS-Daten oder der

Wettervorhersage. Auch unsere Navis

Osram wird seine Selbstständigkeit wohl verlieren.

Der Käufer: Die AMS AG ist

ein Halbleiterhersteller mit

Hauptsitz im österreichischen

Premstätten. Mit rund

1,4 Milliarden Euro Umsatz

ist das 1981 gegründete

Unternehmen nicht einmal

halb so groß wie Osram.

AMS hat mit einem ersten

Kaufangebot nicht genug Aktien

eingesammelt, ist aber

Großaktionär bei Osram.

ZWEITER VERSUCH

Das Angebot: Mit einem formalen

Trick hat AMS nach

dem gescheiterten ersten

gleich ein zweites –eigentlich

nicht mögliches –Angebot

über 41 Euro je Aktie

nachgeschoben. Nur ein Teil

soll über eine Kapitalerhöhung

finanziertwerden, der

Rest durch Schulden. Auch

ein Verkauf vonOsram-Geschäftsteilen

steht im Raum.

FOTO: TOBIAS HASE/DPA

Die Strategie: Osram und

AMS sollen einen Photonik-

Champion bilden. Das beschreibt

den technologischen

Wandel der Lichtmärkte.

Die Reise geht in

Richtung halbleiterbasiertes

Licht und dessen Verbindung

mit Sensoren aller Art, wie

sie in Abnehmermärkten wie

der Autoindustrie immer

wichtiger werden.

im Auto brauchen Daten von Satelliten.

„Heutzutage hat keiner mehr den

Faltplan im Auto und streitet sich mit

seinemPartner,wennmansichverfahrenhat“,

sagte Hammer, der auch für

die Rüstungs- und Raumfahrtsparte

vonAirbus(Defense &Space) tätig ist.

Im Weltraum geht es aber nicht alleinumSmartphonesundNavis.ImAll

lagern ungenutzte Geldberge – in

Form vonRohstoffen. Bisdiese auf Asteroiden

oder Planeten gefördertwerden

könnten, sei es zwar noch etwas

hin,heißtesineinemGrundsatzpapier

des BDI. „Doch aufgrund rasanter

technologischer Innovationen rückt

dieFörderungvonRohstoffenimWeltraum

in den Bereich des Möglichen.“

„Auch wenn die Idee am Anfang

idiotischklingt–gebtihreineChance“,

mahnte der Generaldirektor der Europäischen

Weltraumorganisation ESA,

Johann-Dietrich Wörner,mit Blick auf

frühereMissionen zum Mond. Dieser

sei zunächst als „toter Stein“ verschrien

gewesen. Dank der Fahrten

dorthin wüssten wir, dass es Wasser

nicht nur auf der Erde gebe, betonte

Wörner. „Jetzt fliegen sie alle hin, Ost

wie West.“

Damit die deutsche Industrie am

künftigen Geschäft im All mitverdienen

kann, brauche es doppelt so viel

GeldvonderBundesregierungwiebisher.

Das zumindest fordert der Bundesverband

Deutscher Industrie

(BDI).Stattaktuellknapp300seien700

Millionen Euro nötig.

Geschützte Infrastruktur

schmutzige Arbeit für AMS verrichte.

Dem widerspricht Vorstandschef

Berlien jedoch.

Er legte die Bilanz eines Horrorjahrs

vor. Im Ende September abgeschlossenen

Geschäftsjahr 2018/19

ist der Osram-Umsatz um gut 13 Prozent

auf weniger als 3,5 Milliarden

Euro gesunken.Vor allem wegen hoher

Abschreibungen auf Firmenwerte

liefen 343 Millionen Euro Verlust

auf –nach 188 Millionen Euro Überschuss

im Jahr davor. Die Dividende

wirdgestrichen. Viel besser dürfte es

auch im laufenden Geschäftsjahr

nicht werden. Die Umsätze sollen

ungefähr stagnieren. Anhaltende Sanierungskosten

und vor allem der

neue Jobabbau könnten weitereVerluste

bescheren.

In dieser Situation wirkt eine

Übernahme durch AMS wie die letzte

Hoffnung für Osram. Betriebsräte

und IG Metall sehen das allerdings

weiterhin anders.Nach dem gescheiterten

ersten Anlauf haben die Österreicher

ein zweites Angebot vorgelegt,

das bis zum 5. Dezember läuft.

Komme AMS zum Zuge, bringe das

eine immense Verschuldung, die in

verfallenden Märkten wie Blei auf

beiden Unternehmen liegen würde,

heißt es bei der IG Metall. AMS bietet

41 Euro je Aktieund bewertet Osram

als Ganzes mit 4,6 Milliarden Euro.

Sollten sich die großen Wachstumshoffnungen

nicht schnell erfüllen,

drohe angesichts der Milliardenschulden

das Schlimmste, warnt die

Gewerkschaft.

Gesetzeslücke genutzt

DerBetriebsrat zieht deshalb alle Register,umdie

Übernahme doch noch

zu verhindern. Vordem Landgericht

Frankfurt wurde Beschwerde eingelegt

gegen den Beschluss der Finanzaufsicht

Bafin, die Übernahmeofferte

zu genehmigen. Eigentlich sind

zwei Kaufangebote in so kurzerFrist

nicht möglich. Die Österreicher hätten

bei ihrem zweiten Anlauf zwar

eine Gesetzeslücke ausgenutzt, aber

nicht direkt gegen Gesetze verstoßen,

sagen Juristen.

DerOsram-Betriebsrat klagt dennoch.

Gut an den Vereinbarungen

vonOsram mit AMS finden Personal

und IG Metall nur die Bestellung von

Brigitte Ederer als Monitorin und damit

eine ArtSchiedsrichterin. DieÖsterreicherin

kennt als ehemalige Siemens-Personalchefin

die Verhältnisse

in Deutschland und speziell bei

der früheren Siemens-Tochter Osram

genau. Befriedend wirkt aber

auch sie bislang nicht. Kommenden

Montag ruft die IG Metall zu einem

bundesweiten Aktionstag gegen Abbaupläne

und Übernahme auf.

Schwerpunkte der Aktion sind München

und Berlin.

Anders als der Abbau von Rohstoffen

ist das politische Gerangel um die

Macht im All bereits in vollem Gange.

Dabei geht es vorallem um den Schutz

vonkritischer Infrastruktur.„Wenn Sie

durch Berlin laufen, stehen vor jeder

Botschaft Wachmänner“, sagte Hammer.Auch

Atomkraftwerke werden geschützt.

NurimAll sei es anders: „Wir

haben im Moment im Weltraum Infrastruktur,die

vollkommen ungeschützt

ist“, betonte Hammer. Von dieser Infrastruktur

hängen wir demnach auf

der Erde ab. Und sie könne das Ziel

feindlicher Attacken werden.

DieEUhat schon ein eigenes Navigationssystem

namens „Galileo“ entwickelt.

Denn die USA etwa verfügen

über eine GPS-Version, auf der ganze

Regionen ausgeblendet werden könnten,

sagte der Koordinator der Bundesregierung

für die deutsche Luft- und

Raumfahrt, Thomas Jarzombek.

„Wenn man eine robuste Auseinandersetzung

hat, braucht man ein eigenes

System“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Zurück zum Weltraumbahnhof

Rostock und einem Missverständnis:

Dortsollenkeine „Space Shuttles“ ins

All geschossen werden, betonte eine

Sprecherin des Energieministeriums.

Es gehe um Starts vonkleinen Trägerraketen,

die ebenso kleine Satelliten

transportierten. (dpa)

NACHRICHTEN

Löhne um fast

10 Milliarden aufgestockt

Löhne vonarbeitendenHartz-IV-

Empfängernsind im vergangenen Jahr

um fast10Milliarden Euro aufgestockt

worden. Dasgeht ausneuen Zahlen

der Bundesagentur fürArbeit hervor,

die dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND) vorliegen und die

vonder Linken-Bundestagsabgeordneten

Sabine Zimmermann ausgewertet

wurden. Zwischen2007 und

2018 sinddamitmehrals 117 Milliarden

Euro für das Aufstocken niedriger

Löhne ausgegeben worden. Arbeitnehmer

haben dann Anspruch auf

Hartz-IV-Leistungen, wenn ihr Einkommen

zu niedrig ist, um ihren eigenen

Lebensunterhalt und den möglicher

weitererBedürftiger im Haushalt

zu bestreiten. (rnd)

Lufthansa und Ufo einigen

sich auf Schlichtung

Im Tarifkonflikt um die Flugbegleiter

bei der Lufthansasind weitereStreiks

vorerst vomTisch. DieKabinengewerkschaft

Ufound die Fluggesellschaft haben

sich auf eine Schlichtung geeinigt,

wiebeide Seiten am Dienstag gemeinsam

mitteilten.Die Gewerkschaft hatte

fürden Fall des Scheiterns der Gespräche

neue Streiks in verschiedenen Lufthansa-Flugbetrieben

angedroht. In

dem verfahrenen Tarifkonflikt will

neben Ufound Verdikünftig nocheine

dritte Gewerkschaftmitmischen. Man

werdesich zeitnah mit der Bitte um

Sondierungsgespräche an den Konzern

wenden, so ein Sprecher derIndustriegewerkschaft

Luftverkehr (IGL).

Am Tagzuvor sei der IGL-Fachbereich

Cabin Union gegründet worden. (dpa )

Onlinehandel lässt

die Post wachsen

Zentrale derPostinBonn

Derboomende Onlinehandel kurbelt

diePaketgeschäfte derDeutschen

Post DHL weiter an.Imdritten

Quartal verschickteder Konzern

im Inland 368 Millionen Sendungen

unddamit6,1 Prozentmehrals im

Vorjahreszeitraum. Dank Preiserhöhungenstieg

derUmsatzmit Paketensogar

um knapp10Prozent auf

1,4 MilliardenEuro. Auch andere

Geschäfte entwickelten sich nach

Darstellung vonFinanzchefin Melanie

Kreis positiv. Der Gesamtumsatzstiegum4,7

Prozent aufrund

15,6 MilliardenEuro. Deroperative

Gewinn (Ebit) kletterte noch deutlicher

von376 MillionenEuroimVorjahreszeitraum

auf 942 Millionen

Euro. (dpa)

Infineon erwartet

schwierige Monate

FOTO: .IMAGO-IMAGES

DerChiphersteller Infineon hat ein

solides Schlussquartal erreicht, stellt

sich aber auf schwierige kommende

Monate ein. Grund dafür ist die

schwache Konjunktur,vor allemin

der Autoindustrie,die Infineon mit

Mikrochips beliefert. Im abgelaufenen

Schlussquartal lag Infineon sowohl

beim Umsatz als auch beim

operativen Ergebnis leicht über der

eigenen Prognose und den Erwartungen

der Analysten. Während die

Erlöse zum Vorquartal um 2Prozent

auf 2,06 Milliarden Euro stiegen, lag

das Plus im Jahresvergleich bei

einem Prozent. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 1 3. November 2019

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Meinung

Kohleausstieg

ZITAT

Die Mühen

der Ebene

Jens Blankennagel

hofft, dass sich die Langsamkeit

beim Kohlegesetz auszahlt.

„Es ist mir zugesagt

worden, dass die

Ambulanzen

bereitstehen.“

Der Soziologe MaxWeber bezeichnete

die Politik als „ein starkes langsames

Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft

und Augenmaß zugleich.“ DasBild

vomBretterbohren wirdgernbenutzt, um

demokratische Prozesse zu beschreiben:

Anders als Entscheidungen vonabsolutistischen

Herrschernoder Diktatoren ist die

Arbeit der Demokratie mühsam, langwierig

und arbeitsaufwendig. So ist es auch

beim Kohlekompromiss in diesem Land.

Nach monatelangen Verhandlungen

einigte sich eine Regierungskommission

im Januar auf den Kohleausstieg bis 2038.

Am Dienstag gelangte nun ein Referentenentwurf

des dazugehörigen Gesetzes

aus dem Bundeswirtschaftsministerium

an die Öffentlichkeit. Nunkommt Protest

vonallen möglichen Seiten. In der Lausitz

beklagen die Handwerker, dass alles so

lange dauertund der Frust wächst.

Dasist nachvollziehbar.Aber Genauigkeit

muss vorEile gehen. Es geht um weitreichende

Klimapolitik, um Milliardensummen

und Zehntausende Jobs.

Der Vorteil der Langsamkeit kann dabei

sein, dass sich irgendwann so viele

kluge Köpfe über die Entwürfe des Gesetzes

gebeugt haben, dass es möglichst gut

ist und eine möglichst breite Zustimmung

findet. Aber das Maut-Gesetz des Noch-

Verkehrsministers zeigt, dass auch demokratische

Gesetzeeinseitig sein können.

Beim Kohleausstieg sind die widerstrebenden

Pole aber sehr weit voneinander

entfernt: Auf der einen Seite die Umweltschützer

und Fridays-for-Future-Anhänger,

die sofort aus der Kohle raus wollen,

auf der anderen Seite die Gewerkschaften,

die die Bergleute so lange wie möglich

baggern lassen wollen. Mit der Kritik von

allen Seiten wird das Ganze irgendwann

fertig und hoffentlich kein Lobby-Gesetz.

Linksfraktion

Die unbekannte

Neue

Markus Decker

über eine Fraktionsvorsitzende, die

man nur schwer einschätzen kann.

Esist erst ein paar Wochen her,dass die

grüne Bundestagsabgeordnete Kirsten

Kappert-Gonther Vorsitzende ihrer

Fraktion werden wollte.Die Frau aus Bremen

scheiterte aus verschiedenen Gründen,

ihr Newcomer-Status war einer davon.

Wasbei den Grünen nicht geht, ist in

der Linksfraktion möglich. Seit Dienstagnachmittag

heißt die neue Fraktionschefin

Amira Mohamed Ali. Sie, die ebenfalls

erst seit 2017 im Bundestag sitzt, folgt auf

Sahra Wagenknecht. Was das bedeutet,

wirdman noch sehen müssen.

Gewiss ist, dass mit Wagenknecht ein

herausragendes politisches Talent die

erste Reihe der Linken verlässt. Sieist eine

Frau mit Sachverstand vor allem in Wirtschafts-

und Finanzfragen, mit großem

rhetorischen Geschick und Ausstrahlung.

Sie sah sich aber nie in einer integrierenden,

geschweige denn dienenden Rolle,

sondernschreckte nicht davor zurück, die

Partei in schwerste Konflikte zu stürzen.

Wäre esanders, stünden beide jetzt besser

da: Wagenknecht und die Linke.

Für Mohamed Ali dürfte sich vorteilhaft

auswirken, dass die 39-Jährige nicht

in die Flügelkämpfe der letzten Jahre verstrickt

war und als umgänglich gilt. Ein

Nachteil ist ihr Mangel an Erfahrung.

Sonst weiß man wenig über ihre Positionen

oder über ihreinhaltliche Breite oder

Enge. Man weiß ebenso wenig darüber,

ob sie in der Lage ist, in einer großen Bundestagsdebatte

als Rednerin zu bestehen.

Dass man das alles nicht weiß, muss

kein Schaden sein. Mohamed Ali kann negativ

wie positiv überraschen. Nur aneiner

Aufgabe wirdsie mit Dietmar Bartsch

nicht vorbei kommen: die chronisch zerstrittene

Fraktion zu einen. Das ist eine

Herkulesaufgabe.

Gesundheit digital –alles sicher? Zweifel wollen nicht verstummen

Das jüngste Gelöbnis der Bundeswehr

war vieles,nur eines war es

sicher nicht: öffentlich. Die Rekruten

schworen ihren Eid vor

dem Reichstag, vorderVerteidigungsministerin,

vor Parlamentariern, Bischöfen, Verbandsvertretern

und Familienangehörigen

und vorder Presse.Die weitereÖffentlichkeit

–zufällige Passanten und Interessierte, Kritische

wie Neugierige –blieben außen vor: Das

Reichstagsgelände war weiträumig abgeriegelt,

die Zufahrtsstraßen blockiert. DieSoldaten

als Bürger in Uniform, die Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer in

ihrer Rede als „unverzichtbaren Teil der Gesellschaft“

hervorhob,blieben in dieser streng

choreographierten Zeremonie ausgerechnet

für diese Gesellschaft unsichtbar.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es

bei dem allenfalls semi-öffentlichen„Öffentlichen

Gelöbnis“ nicht zuletzt um eines ging

–umeindrucksvolle Bilder. Soldaten vor einer

Reichstagskulisse machen nun mal mehr

her als vorKasernenwänden oder im Hofdes

Verteidigungsministeriums. Für eine Ministerin,

die sich sichtbar machen will, ist so ein

Anlass eine praktische Sache.Wodie Kulisse

anfängt und wo sie aufhört, ist da die Frage.

Um eines ging es allerdings wohl auch: um

eine symbolische Anerkennung der Arbeit der

Soldaten durch die festliche Würdigung der

Berufsanfänger.Eine Zeremonie mit einer improvisationsfreien

Mischung aus Marschmusik,

zackig-eckigen Bewegungen, gebrüllten

Eidesformeln und langem Stehen bei kalten

Temperaturen mag wie ein seltsamer Festakt

anmuten. Dem militärischen Ästhetik-Empfinden

entspricht sie aber durchaus.

Für Irritationen sorgt so eine Veranstaltung

dennoch: Bei denen, die die Bundeswehr

grundsätzlich ablehnen, ist das nur lo-

Inden Gesichtszügen meiner Mutter war

ein leichter Anflug vonPanik zu erkennen.

Sie hatte über Atemnot geklagt: „Ich geh’

wohl bald tot“, sagte sie. Und doch glaubte

ich zu erkennen, dass es ihr darum ging, der

Situation die Dramatik zu nehmen. Werüber

den Todspricht, blickt ihm noch nicht ins

Auge,selbst wenn man 99 Jahrealt ist.

Aber die Lage war durchaus ernst. Meine

Mutter atmete hektisch und schnell, an den

Fußgelenken schienen sich Ödeme gebildet

zu haben. Ichwar damit vertraut.Wassereinlagerungen

im ganzen Körper hatten zwei

Jahrezuvor überhaupt erst den Umzug in ein

Pflegewohnheim ausgelöst. Die Pflegerinnen

versuchten, sie zu beruhigen, zugleich

aber wurde beratschlagt, ob nicht schnellstens

ein Arzt herbeizurufen sei. Das hieß in

diesem Fall aber: Ein Rettungsdienst muss

her.Die kleine,besonnene Lösung, die beruhigende

Expertise eines Arztes,ist im System

nicht vorgesehen. Es dauerte nicht lange,

und ein Feuerwehrauto mit Blaulicht fuhr

vor. In solchen Momenten, die in Berliner

Pflegeheimen an der Tagesordnung sind,

vermag man sich der Professionalität, mit

der die Rettungssanitäter ihreGerätschaften

vorbereiten und kurz angebunden die nötigen

Fragen stellen, kaum verschließen. Der

Apparat spult sein Programm ab.Inder Zwischenzeit

versuchte ich, meine Mutter,schonend

auf den nächsten Schritt vorzubereiten.

„Du kommst zur Untersuchung ins

Krankenhaus, mach dir keine Sorgen.“ Es

gehe ihr doch schon wieder besser, sagte sie

Bundeswehr

Soldaten

als Staffage

Daniela Vates

glaubt, dass die Bundeswehr Wichtigeres braucht als

halböffentliche Gelöbnisse.

gisch. Aber auch anderefühlen sich vonStiefelknallen,

Befehlston, Zurschaustellen von

Waffen, Uniformreihen nicht nur anheimelnd

berührt –auch wenn das Militär sich

in Deutschland ohnehin vergleichsweise bescheiden

präsentiert. Panzerparaden wie

etwa auf den Pariser Champs Élysées kommen

hierzulande nicht in Frage.

Es ist kein Manko und auch keine Respektlosigkeit,

sondernberuhigend, dass das

Militär in Deutschland keine Jahrmarkt-

Stimmung auslöst, sondernmit einer gewissen

Distanz und Zurückhaltung betrachtet

wird. Es bedeutet, sich einen kritischen Blick

zu behalten ohne notwendigerweise die Arbeit

der Bundeswehr,auch die einzelnen Soldaten

zu entwerten.

KOLUMNE

Wenn das System

Besonnenheit

nicht vorsieht

Harry Nutt

beinahe flehend. Und als sich die Tür des

Krankenwagens schloss, rief sie resigniert:

„Lass mich nicht allein.“

Mehr als vier Stunden später, kurz vor

Mitternacht, erreichte mich ein Anruf aus

dem Krankenhaus. Meine Mutter hatte in

der endlos langen Aufnahmeprozedur eine

Blutentnahme und weitergehende Untersuchungen

verweigert. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten

schien sie es leid zu

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

DieBundeswehr lässt sich als robustes Instrument

in internationalen Konfliktlösungen

begreifen, als Organisator, Mittler und

neutrale Kraft zwischen Streitenden, sofern

die EinsätzedefensivenCharakter habenund

ein Mandat –von der internationalen Gemeinschaft

und vomBundestag. Diedoppelten

Kontrolllinien sind zentral, auch wenn sie

zuweilen verschwimmen. Und sie müssen

auch im Mittelpunkt stehen, wenn der Fokus

nunwieder mehr auf Europa rückt.

Zentral ist dabei auch, dass sich die Soldaten

als „Bürger in Uniform“ begreifen und

auch als solche gesehen werden. Der Begriff

mag abgegriffen klingen, aber er beschreibt

eben das Wesentliche: Die Armee mag eine

eigene Welt sein, mit bestimmten Gesetzmäßigkeiten

und speziellen Umgangsformen

und einem besonderen Teamgeist, der zum

Teil ins Elitäreabgleiten kann –und mit dem

Todals Berufsrisiko. Aber sie steht nicht außerhalb

der Demokratie, sondern ist ein Teil

davon. Es schadet mit Sicherheit nicht, dies

zu betonen und zu befördern. Anerkennung

tut jeder Berufsgruppe gut, und den besonders

belasteten erst recht. Zu denen gehören

Soldaten ohne Zweifel.

Es ist wichtig, ihnen zu zeigen, dass sie

Teil eines Ganzen sind, damit nicht das Außenseitergefühl

wächst und die Truppe zum

Selbstzweck macht oder zur leichten Beute

für anti-demokratische Kräfte. Es ist auch

richtig, immer wieder das Bewusstsein zu

schärfen dafür,was da verteidigt wird:Nicht

einfach nur ein Land, sondern vor allem

auch ein Rechtsstaat und eine Demokratie.

Inszenierungen wie die vor dem Reichstag

mögen dabei helfen. Aber nicht der

Pomp ist entscheidend, sondernder tägliche

Umgang. Eine verlässliche Sicherheitspolitik

ohne Abenteuerlust ist dafür die Basis.

sein, als Objekt einer umständlichen Notfalllogistik

zu dienen. Meine Hoffnung, dass die

fortgeschrittene Demenz ihre Erinnerungen

an vorangegangene Krankenhausaufenthalte

gelöscht haben möge, erfüllte sich

nicht. Also hatte sie mit der ihr zurVerfügung

stehenden Kraft „Nein“ gesagt.

Ich verständigte mich mit dem Arzt darauf,

es nicht weiter zu versuchen. Er hielt es

für vertretbar, ihr ein Medikament zu Entwässerung

zu verschreiben, machte mich

aber darauf aufmerksam, dass dies lediglich

auf der Basis einer eingeschränkten Diagnose

erfolgen könne. Ich dankte ihm für

den Vorschlag. In vorausgegangenen Situationen

hatte ich wiederholt erlebt, dass insbesondere

junge Ärzte auf einer umfänglichen

Untersuchung bestanden.

Am nächsten Tagging es meiner Mutter

bereits wieder besser.Gemeinsam waren wir

Zeugen einer unerbittlichen Funktionstüchtigkeit

des Gesundheitssystems geworden.

Eine angemessene ärztliche Einschätzung

stand zwar vonBeginn an im Raum,war aber

aus rechtlichen Gründen weder gegenüber

dem Pflegeheim noch den Rettungssanitätern

durchzusetzen. Auf die Vagheit des gesunden

Menschenverstandes mochte sich

niemand verlassen. Manwill auf Nummer sicher

gehen.

Verläuft es in anderen gesellschaftlichen

Bereichen nicht genauso? DasNaheliegende

steht immer häufiger im Widerspruch zur

systemischen Logik. So sind halt die Vorschriften.

Erholen können wir uns später.

Peter Altmaier, Bundeswirtschaftsminister,

am Dienstag auf der Bühne beim

Arbeitgebertag in Berlin. Er war Ende Oktober

beim Digitalgipfel in Dortmund beim

Abgang von der Bühne gestürzt und verletzt

in eine Klinik gebracht worden.

AUSLESE

Bolivien nach

Evo Morales

Die politische Krise in Bolivien beschäftigt

die Zeitungen europaweit.

Die konservative norwegische Tageszeitung

Aftenposten kommentiertamDienstag

den Rücktritt des Präsidenten EvoMorales:

„Wenn Bolivien jetzt einen Präsidenten

vonden äußersten Rechten wählt

–oder das Militär übernimmt –könnten

viele Jahredes Fortschritts rückgängig gemacht

werden ... Es war richtig vonMorales,

zurückzutreten, aber es ist zu hoffen,

dass seine Nachfolger die Uhr nicht um

Jahrezurückdrehen werden.“

Auch die spanische Zeitung El Mundo

äußertBesorgnis: „Bolivien steckt in einer

sehr ernsten politischen Krise, die nicht

mit dem Amtsverzicht von Evo Morales

endet“, heißt es dort. „Bolivien braucht

nun dringend transparente Wahlen, um

die institutionelle Normalität wiederherzustellen.

Und dazu muss die internationale

Gemeinschaft, insbesondere die

Länder der Region, beitragen.“

„Eigentlich ist Evo Morales eine tragische

Figur“, kommentiert die Neue Zürcher

Zeitung.„Hätte der bolivianische Präsident

sich an die Amtszeitbeschränkung

seiner eigenen Verfassung gehalten, dann

wäreihm wohl ein ehrenvoller Platz in den

Geschichtsbüchern sicher gewesen.“ Was

nun komme, sei völlig offen. „Noch steht

die Armee Gewehr bei Fuß, doch falls sich

die Lage nicht beruhigt und die Gewalt

nicht endet, wird sie nicht umhinkönnen,

ihreRolle als letzte Ordnungsmacht auszufüllen.“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Brandenburgs

neue Regierung: Erste

Minister stehen fest.

Seite 16

Nagelneue S-Bahn: Senat beschließt Ausschreibung für 1300 Wagen Seite 11

Veruntreute Millionen: Prozess gegen früheren Top-Manager begonnen Seite 11

Stadtbild

Nachbarschaft

zur Nacht

Torsten Landsberg

kann nicht schlafen.

In einer weitgehend schlaflosen

Nacht ist vor allem eines frappierend:

die Stille. Irgendwie friedlich,

gleichzeitig aber so ungewohnt, dass

sie schnell bedrohlich wirken kann:

Dreht sich die Welt eigentlich noch?

Stille ist eine rare Ausnahme der Regel,

die sich wundersam anfühlen

kann, als sei man der einzige Mensch

auf der Welt. Kein Geräusch ist hörbar,

nicht drinnen, nicht von draußen,

selbst das städtische Grundrauschen

scheint sich für ein paar kurze

Stunden eine Pause zu gönnen. Und

das in der Stadt, die niemals schläft.

Oder war das NewYork? Na ja, Harald

Juhnke hat das schon geradegerückt:

„In dieser Stadt bringt mich die

Nacht niemals ins Nest.“

Also raus aus den Federn. DieFassade

im Hof reflektiert den Mond

gleißend hell. Ob das wohl schon

wieder Vollmond ist? In keinem

Fenster der umliegenden Wohnungen

brennt Licht, ein Teil dieser Stadt

schläft tatsächlich gleichzeitig. Das

wird jaerst klar, wenn man selbst

nicht mitmacht. Vorne zur Straße

verdecken die Häuser den Mond,

hier ist es dunkler,trotz der Straßenlaternen,

die ein trübes Licht werfen,

sie sind umgeben vonkaltem Dunst.

Von irgendwo her torkelt ein

Mensch den Bürgersteig entlang,

aber noch so fokussiert, dass die Bewegungen

wohl einem Ziel folgen

müssen. Die klassische Berliner

Nachteule sieht aber ganz bestimmt

anders aus.

DieChrysanthemen auf der Fensterbank

haben noch mal neue Blüten

bekommen, obwohl sie nach

dem ersten Verwelken nicht mal

mehr gegossen wurden. Gärtnernist

also Zufall, vielleicht braucht es die

Nachtstunden für die einfachsten

Erkenntnisse. Der Spätheimkehrer

gönnt sich ein Päuschen, lehnt inzwischen

mit einem Arm aneiner

Hauswand und krümmt den Oberkörper.

Ein Ruf aus der Ferne, ob alles

okay sei, könnte jetzt für einen

fiesen Schrecken sorgen. Mitten hinein

in die Überlegung setzt die Eule

ihren Weg aber schon fort, es war

wohl nur ein Powernap.

Jetzt müsste eigentlich die Zeit

anbrechen, in der Menschen ihren

Sperrmüll auf die Straße stellen,

weil sie sich unbeobachtet fühlen.

Es passiertaber nichts.Wahrscheinlich

ist es Menschen, die versiffte

Matratzen auf die Straße werfen, sowieso

egal, ob sie jemand dabei beobachtet.

Bald steigt auf der Hauptstraße

die Frequenz des Verkehrs.

Die Stadt erwacht. Ist eseigentlich

zu kalt für diese Jahreszeit? Es fühlt

sich so an.

Berlin bei Nacht –nicht alle können oder

wollen schlafem.

IMAGO

Das neue Berliner Schloss (Humboldt Forum) –hier im Bild die Ostfassade –sorgt immer wieder für Probleme.

Das Schloss wird 50 Millionen teurer

Technische Mängel und Sicherheitsprobleme sorgen für Verzögerung –und für weiter steigende Baukosten

VonTim Szent-Ivanyi und Ulrich Paul

Das Humboldt Forum im

Neuen Berliner Schloss

wird deutlich teurer als

geplant. Die Baukosten

steigen voraussichtlich von offiziell

595 Millionen Euro um knapp 50 Millionen

Euro auf nunmehr 644,2 Millionen

Euro,wie aus einerVorlage des

Bundesfinanzministeriums für die

abschließenden Beratungen über

den Etat 2020 im Bundestags-Haushaltsausschuss

hervorgeht. Sie liegt

der Berliner Zeitung und dem Redaktionsnetzwerk

Deutschland (RND)

vor.

Ursache für die Mehrkosten, die

der Bund tragen muss, sind zahlreiche

technische Mängel und Sicherheitsprobleme

– zum Beispiel an

Heizung und Kühlanlagen. Diese

Probleme hatten dazu geführt, dass

die für diesen November geplante

Eröffnung der Ausstellungsräume

auf den kommenden Herbst verschoben

werden musste.„DieMehrkosten

sind unabwendbar“, heißt es

in derVorlage.Die Risikovorsorge sowie

weitere Rücklagen der federführenden

Stiftung Humboldt Forum

im Berliner Schloss seien vollständig

aufgebraucht, weitere Einsparmöglichkeiten

gebe es nicht. Diezusätzlichen

Kosten ergäben sich unter anderem

„aus der Verlängerung der

Ausführungsdauer in Folge der seit

2015 anhaltend gestörten Bauabläufe

aufgrund von Mängeln der

Ausführungsplanung und Bauausführung“.

Dasalles habe die Stiftung

„schlüssig und nachvollziehbar“

dargelegt

Berlin zahlt nicht mehr

Das Berliner Schloss (Humboldt

Forum) entsteht nach

Plänen des italienischen

Architekten Franco Stella.

An der Nord-, West- und

Südseite werden die Barock-

Fassaden nach historischem

Vorbild rekonstruiert.

Die Ostfassade entsteht in

moderner Architektur.

GROSSPROJEKT IM ZENTRUM DER STADT

Bislang hieß es,der Bauwerde durch

die Verschiebung der Eröffnung etwas

teurer. „Wir reden von kleinen

Millionen-Beträgen“, die dazukommen

könnten, hatte Baumanager

Hans-Dieter Hegner noch im Juni erklärt.

Nach einer Vereinbarung zwischen

Bund und Land Berlin aus dem

Jahre 2011 müssen die Mehrkosten

allein vom Bund übernommen werden.

Der Anteil Berlins bleibt bei 32

Millionen Euro. Möglicherweise

muss der Bund aber noch mehr Geld

zuschießen. Denn ein Teil der Baukosten

in Höhe von80Millionen Euro

soll über Spenden eingeworben werden.

Dazu heißt es in der Vorlage jedoch:„Weiterhin

bleibt das Risiko bestehen,

dass das Spendenziel für die

historischen Fassaden in Höhe von80

Millionen Euro nicht vollständig erreicht

werden kann.“ Laut Vorlage

fehlen noch sieben Millionen Euro an

Spendengeldern.

Die sogenannten baulichen Optionen,

wozu die vollständige Rekonstruktion

der Kuppel und mehrerer

Innenportale gehört, sind nach Angaben

vonder Baustelle durch Spenden

in Höhe von17,5 Millionen Euro mittlerweile

aber komplett finanziert.

Dieser Betrag ist in den 644,2 Millionen

Euro nicht enthalten. Die Gesamtkosten

für das Projekt liegen deswegen

tatsächlich bei mittlerweile

mehr als 660 Millionen Euro, wobei

etwa 90 Millionen Euro durch Spenden

aufgebracht wurden. Damit nähert

sich das Vorhaben dem Betrag

von 670 Millionen Euro, der im Jahr

2002 von einer Expertenkommission

für das Vorhaben angesetzt worden

war. Der Preis war damals jedoch so

hoch, dass eine Realisierung des Projekts

über Jahreaufgeschoben wurde.

Der Bundesregierung fehlte schlicht

das Geld.

Die Planung kam erst dadurch

wieder in Gang, dass der damalige

Bauminister Wolfgang Tiefensee

(SPD)imJahr2007 Pläne für eine abgespeckte

Version des Schlosses präsentierte,

die für 480 Millionen Euro

zu haben sein sollte. Damit blieb das

Genutzt wird das Gebäude

als Zentrum für Kunst, Kultur,

Wissenschaft und Bildung.

Die Stiftung Preußischer

Kulturbesitz will auf rund

23 000 Quadratmetern

die Sammlungen des Ethnologischen

Museums und

des Museums für Asiatische

Kunst präsentieren.

Das Land Berlin möchte auf

4000 Quadratmeterneine

Ausstellung zur Stadtgeschichte

zeigen. Aufweiteren

1000 Quadratmeternpräsentiertsichdie

Humboldt-

Universität. Im Erdgeschoss

entsteht ein Museum des

Ortes, zu dem die freigelegten

Schlosskeller gehören.

Projekt unter der Grenze von500 Millionen

Euro –und war politisch mehrheitsfähig.

Dass schon kurze Zeit später

die Kosten um 72 Millionen Euro

auf552 Millionen Euro stiegen, für die

Ersteinrichtung, wie es hieß, konnte

dem Vorhaben nichts anhaben. Später

wurde das Budget nach einer Anpassung

an die gestiegenen Baukosten

auf 590 Millionen Euro angehoben,

und nach dem Beschluss für den

Bau eines Dachcafés auf 595 Millionen

Euro erhöht.

Die Opposition kritisiert die neue

Kostensteigerung. „Was ist eine festgesetzte

Kostenobergrenze wert,

wenn sie von den Regierungsfraktionen

selbst nicht eingehalten wird?“,

sagt die Berliner Bundestagsabgeordnete

Gesine Lötzsch (Linke). „Die

Schlosslüge folgt dem üblichen

Strickmuster: Umdas Schloss bewilligt

zu bekommen, wurden falsche,

unrealistische Zahlen dem Bundestag

vorgelegt. Dann wurdeSchritt für

Schritt der Kostendeckel angehoben.“

Doch von Deckel sollte nicht

gesprochen werden, so Lötzsch. „Es

ist eine unkontrollierte Kostenexplosion.

So darf man nicht mit den Steuergeldernumgehen.“

Am Zeitplan, der die Eröffnung

des neuen Schlosses ab September

2020 vorsieht, soll sich nach aktuellen

Ulrich Paul verfolgt die

Kostensteigerung beim

Schloss seit Jahren.

Angaben vonder Baustelle nichts ändern.

Sicher ist jedoch nur, dass

nichts sicher ist. So heißt es in dem

Bericht aus dem Finanzministerium:

„Termin- und Kostenrisiken bleiben

weiterhin aufgrund der anhaltend gestörten

Bauabläufe, insbesondere in

der Gebäudetechnik, und aufgrund

der stark ausgelasteten Baukonjunktur

bestehen.“ Im Klartext: Es fehlen

Bauleute.Bau-Manager Hegner hatte

im Juni gesagt, er hätte gerne 200

Bauarbeiter mehr. Daran hat sich

nichts geändert. Erschwert wird der

Bau auch durch manche Panne. So

wurde im Schloss eine Hauptleitung

der Kälteanlage zu niedrig eingebaut

–und behinderte einen Fluchtweg.

Siewurde inzwischen höher gelegt.

Schrittweise Eröffnung

IMAGO IMAGES

Das neue Schloss soll ein modernes

Kulturzentrum werden. Hauptnutzer

wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Das Ethnologische Museum

und das Museum für Asiatische Kunst

werden das zweite und dritte Geschoss

nutzen. Im ersten Obergeschoss

will das Land Berlin eine Ausstellung

über die Geschichte der Stadt

präsentieren. Ein weiterer Teil der

Flächen wird von der Humboldt-Uni

bespielt.

Im ersten Schritt ab September

2020 ist zunächst die Eröffnung des

Untergeschosses, des Erdgeschosses

sowie des ersten Obergeschosses geplant.

Dazu gehören die Ausstellungsbereiche

zur Geschichte des Ortes

mit dem archäologischen Keller,

dem Schlosskeller,das Foyer, die Passage

im Schlossforum, der Schlüterhof

sowie die Restaurants, Cafés und

Shops.Imersten Obergeschoss sollen

die Berlin-Ausstellung sowie der Bereich

der Humboldt-Uni zugänglich

sein. Im zweiten und dritten Schritt

sollen vom Jahreswechsel 2020/2021

an bis zur Jahresmitte 2021 die

Räume im zweiten unddritten Obergeschoss

folgen. Dort sind unter anderemdie

Südseeboote unddas Japanische

Teehaus zu sehen.

TimSzent-Ivanyi hat die

jüngste Kostensteigerung

des Projekts recherchiert.

NACHRICHTEN

Tesla will in der Nähe von

Berlin Elektroautos bauen

DerElektrofahrzeughersteller Tesla

will in der Umgebung vonBerlin eine

Fabrik bauen. Dashat Elon Musk,

der Chef des US-Unternehmens,am

Dienstagabend während der Preisverleihung

zum Goldenen Lenkrad

in Berlin verkündet. Dieeuropäische

Tesla-Giga-Factorysoll in der Nähe

des Flughafens BER südöstlich von

Berlin entstehen, sagte er.Tesla beschäftigt

weltweit fast 50 000 Menschen

und erzielte im Jahr 2018 einen

Umsatz in Höhe von21,5 Milliarden

Dollar.Inden vergangenen

Monaten hatte es immer wieder

Berichte gegeben, dass das Unternehmen

einen europäischen Fertigungsstandortplant.

(BLZ)

Justiz sucht weitere Opfer

in Missbrauchsfall

Nachdem ein großer Missbrauchsfall

in einem Berliner Angelverein

aufgedeckt wurde,suchen Polizei

und Staatsanwaltschaft nach weiterenOpfern.

Biszum Dienstag habe

sich aber noch niemand gemeldet,

hieß es.Bei dem Angelverein in Kladowsoll

ein ehrenamtlicher Jugendwartinden

vergangenen drei Jahren

mindestens vier Jungen im Alter von

acht bis elf Jahren sexuell missbraucht

haben. DerVerdächtige sitzt

seit seiner Festnahme am 1. November

in Untersuchungshaft. (dpa)

Kudamm ab 27. November

weihnachtlich beleuchtet

Rund 600 Bäume am Kurfürstendamm

undTauentzien werden in der

Vorweihnachtszeit und über den

Jahreswechsel wieder festlich beleuchtet

sein. Klaus-Jürgen Meier

vonAGCity,Wirtschaftssenatorin

Ramona Popund Bezirksbürgermeister

ReinhardNaumann werden

die Lampen am 27. November um

17.30 Uhreinschalten –unterstützt

vonden Sponsoren: der CG Gruppe

AG undder Wall GmbH. DieBeleuchtung

soll fast sechs Wochen in

Betrieb bleiben. (BLZ)

Pandamännchen Jiao Qing

im Computertomographen

Veterinärehaben das Pandamännchen

Jiao Qing aus dem Zooimextra

großen Computertomographen des

Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung

untersucht. Grund für

die Untersuchung unter Narkose

war der Verdacht, dass Jiao Qing eine

verkleinerte Nierehaben könnte.

Dashat sich bestätigt. Ob diese Niere

arbeitet, ließ sich jedoch nicht erkennen.

DerZoo will nun die Harnabgabe

des Bären genauer beobachten.

Jiao Qing lebt seit zwei Jahren als

Leihgabe Chinas im Zoo. (dpa)

Extragroßer Computertomograph: Jiao

Qing auf dem Wegindie Röhre.

IWZ


10 Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019

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Berlin

Dass sich Unternehmertum und bürgerschaftliches Engagement nicht ausschließen, zeigt Michael Kölmel mit dem Kauf des Hauses in Friedrichshain an der Grenze zu Mitte.

VOLKMAR OTTO

Die Nachricht war eine

Erlösung für die Mieter

des Hauses Nummer 21

am Strausberger Platz:

Nachdem ihr Haus im Sommer

zum Verkauf angeboten worden

war, suchte die Mietergemeinschaft

im Sommer in einer bundesweiten

und vielbeachteten

Kampagne einen „Vermieter mit

Herz“ –mit dem Unternehmer Michael

Kölmel scheint dieser nun

gefunden. Der 65-Jährige hat das

unter Denkmalschutz stehende

Haus gekauft und verspricht den

Mietern, die Miete nicht zu erhöhen

und einiges anderes, von dem

viele Berliner,die über kein Wohneigentum

verfügen, nur träumen

können.

Herr Kölmel, Sie haben das Haus

am Strausberger Platz gekauft. Wie

kam es dazu?

Ich habe von dem Aufruf der

Mieter in einer Zeitung gelesen

und fand die Initiative der Mieter,

die einen Investor für das Haus am

Strausberger Platz suchten, interessant.

Viele Menschen berichten

von ihren Schwierigkeiten, wenn

die Mieten erhöht werden, oder

wenn Investoren das Haus, indem

sie leben, kaufen und in Eigentum

umwandeln, oder Eigentümer auf

Eigenbedarf klagen. Ich habe den

Artikel gelesen, dort angerufen

und die Initiative der Mieter, die

einen „Investor mit Herz“suchten,

aufgenommen und auch eine

Website daraus gemacht. Es gibt ja

nur noch wenige Domains, die frei

sind, aber „Investor mit Herz“

hatte offenbar noch niemand angemeldet

(lacht).

Sie haben sich mit den Besitzern,

einer Erbengemeinschaft aus Köln,

geeinigt und das Haus gekauft. In

welchen Dimensionen bewegt sich

der Kaufpreis für eine Immobilie

dieser Art?

Das ist natürlich ein Millionenbetrag

und die Mieten sind zu gering,

um den Kaufpreis zu decken.

Deswegen klagen Investoren Mieter

raus und nutzen jede Gelegenheit,

die Mieten zu erhöhen. Das

ist eine simple Rechnung.

Mitden Mieteinnahmen kann man

solch ein Gebäude nicht refinanzieren?

Das kann man schon, aber man

hat natürlich nicht die Verzinsung,

die Investoren sonst gerne haben.

Wardas der Grund für die Erbengemeinschaft,

das Haus zu verkaufen?

Eine Immobilie an einem solchen

Standort ist doch sicherlich

sehr begehrt.

Die Erben hatten andere Vorstellungen.

Das ist eine Gruppe

von Leuten, die mit Gewerbeimmobilien

zu tun hat, diese Wohnimmobilie

war ein Sonderfall in

deren Portfolio. Man steht mit so

einem Haus ganz automatisch in

der Öffentlichkeit.

Was ist die konkrete Idee hinter Ihrer

Plattform „Investor mit Herz“?

Die Idee ist, über die Website

Investoren in anderen deutschen

Städten zu finden, denn ich kann

mir nicht vorstellen, dass ich mit

meinen Ideen von einem sozial

verträglichen Verhältnis zwischen

Vermieter und Mieter der Einzige

bin. Es gibt sicherlich Leute, die

Geld geerbt haben oder als Unternehmer

erfolgreich sind, denen es

nicht nur um die Geldmehrung

auf Kosten von Mietern geht. Das

ist doch auch ein unglaublicher

Einschnitt in das Leben, wenn

man plötzlich seine Miete nicht

mehr bezahlen kann und de facto

so seinen Wohnraum verliert.

Also seine Heimat.

Ganz genau.

Haben sich denn schon Investoren

bei Ihnen gemeldet?

Die Website wurde ja erst vor

zwei Wochen aufgesetzt. Aber es

haben sich schon viele Leute gemeldet.

Es sind Leute, die wie ich

einen bestimmten sozialen Anspruch

an eine Gesellschaft haben.

Gleichzeitig melden sich aber

auch Mieter, denen ein ähnliches

Schicksal droht wie den Mietern

am Strausberger Platz.

Und was sagen Sie denen? Sie können

ja nicht alle Häuser kaufen.

Erst einmal nehmen wir diese

Sachen auf und verfolgen diese

Fälle. Wir haben auch schon ein

paar Leute gefunden, die mitinvestieren

würden. Das sind natürlich

nicht alles solche Immobilien

wie am Strausberger Platz. Die

Häuser von Hermann Henselmann

könnten ja einmal Weltkulturerbe

werden. Ich hoffe aber

grundsätzlich darauf, dass es bei

einigen Leuten ein Umdenken

gibt. Gentrifizierung ist ja nicht

nur ein Berliner Problem.

Ist ein Gebäude dieser Art, also alt

und denkmalgeschützt, nicht immer

ein Zuschussgeschäft für einen

Vermieter?

„Das ist ein

unglaublicher

Einschnitt“

Der Unternehmer und Investor Michael Kölmel hat

ein Haus am Strausberger Platz gekauft.

Für die Mieter ist das ein Glücksfall

Die Mieter des Hauses Strausberger Platz 21 mit Michael Kölmel (hinten in der Mitte)

BIOGRAFIE

Michael Kölmel wurde 1954 in Karlsruhe geboren und ist promovierter Volkswirt. Seine Leidenschaft

für das Kino führte dazu, dass Kölmel gemeinsam mit seinem Bruder 1984 den

Filmverleih Kinowelt gründete. Ende 2001 musste die Kinowelt AG mit einer halben Milliarde

Euro Schulden Insolvenz anmelden. Im Jahr zuvor hatte Kölmel den Zuschlag für Neubau und

Betrieb des neuen Leipziger Zentralstadions bekommen. Der Unternehmer beteiligte sich mit

27 Millionen Euro an den Gesamtkosten in Höhe vonrund 90 Millionen Euro. Ende der 90er-

Jahre rettet Kölmel den 1. FC Union vordem finanziellen Ruin, zudem investierte er auch in

andere Fußballvereine. 2006 übernahm Kölmel die Frankfurter Verlags-, Musik- und Buchhandelsfirma

Zweitausendeins. Kölmel ist verheiratet und lebt in Leipzig.Erhat zwei Söhne.

PRIVAT

Das hängt vom Grad der Renovierungsbedürftigkeit

ab. Das

Haus am Strausberger Platz ist

aber sehr gut saniert. Und für die

Kacheln, die die Fassaden zieren,

gibt es eine extraRücklage.Dagibt

es natürlich Auflagen, klar. Aber

das ist ein wunderbares Haus,

hohe Decken und durch die Kacheln

auch energieeffizient. Ich

kann schon verstehen, dass die

Mieter in diesem Haus wohnen

bleiben wollen. Allein die Lage ist

fantastisch.

Sie wollen am Strausberger Platz

die Mieten nicht erhöhen und

keine Kündigungen aussprechen.

Das klingt für viele Menschen in

Berlin nach einem Traum.

Nun, ich habe den Begriff des

Investoren mit Herz ja von meinen

neuen Mietern übernommen

und mir Gedanken gemacht, wie

man diesen Begriff, diese Floskel

überzeugend definieren kann.

Das geht natürlich nur, wenn man

den Mietern entgegenkommt. Wir

haben gemeinsam einen Plan

ausgearbeitet, der vier Punkte

hat. Erstens fünf Jahre keine Erhöhung

der Nettokaltmiete, also

eine Art privater Mietdeckel.

Dann zehn Jahre keine Kündigungen

des Mietverhältnisses aus finanziellen

Gründen. Drittens

keine Kündigungen von Mietern

über 65 Jahren und viertens keine

Kaufpreisfinanzierung über

Bankkredite, wenn man am Projekt

teilhaben will. Das bedeutet,

dass die Investoren aus ihrer eigenen

Tasche zahlen müssen. Keine

Bank soll zu Mieterhöhungen

drängen können.

Wo bleibt der geschäftliche Aspekt?

Oder tun Sie das alles nur aus gesellschaftlichem

Engagement heraus?

Für mich klingt das alles –mit

Verlaub –fast zu schön, um wahr

zu sein.

Ja, aber genau das ist der Kern:

Wohnen ist ein Thema, das überaus

emotional besetzt ist und es ist

einfach falsch, Menschen zu quälen,

indem man ihnen ihr Heim

nimmt, beziehungsweise sie in

dem Gefühl belässt, dass man es

ihnen jederzeit nehmen kann, indem

man sie aus den Wohnungen

rausklagt oder die Miete erhöht.

Wohnen sollte meiner Meinung

nach nie der Rendite unterliegen.

Natürlich muss man Mieten nehmen,

um Reparaturen zu bezahlen

und natürlich darf von der Miete

auch etwas übrig bleiben für den

Besitzer. Aber das alles sollte in einem

vernünftigen für den Mieter

tragbaren Rahmen passieren.

Sie leben in Leipzig, die Stadt ist zu

einer Art kleinem Berlin geworden:

Viel Altbau, Kultur und eine überschaubare

Größe machen die Stadt

attraktiv. Hat man in Leipzig aus

den Fehlern Berlins gelernt, was

die Gentrifizierung anbelangt?

Das ist hier ein großes Thema,

vielleicht nicht so brisant wie in

Berlin, denn es gab in Leipzig einen

riesigen Bestand an renovierungsbedürftigen

Altbauten. Es

droht natürlich Ähnliches. Was in

Berlin schon abgeschlossen ist,

wirdauch Leipzig in den kommenden

Jahren erwarten und es hat ja

auch schon begonnen: Investoren,

steigende Mieten, Verdrängung

und alle anderen Aspekte der Gentrifizierung

bleiben auch dieser

Stadt wohl nicht erspart. DieWohnungen

hier gehören den Leipzigern

zugroßen Teilen nicht mehr,

es sind Spekulationsobjekte.

Wurden Sie nicht gefragt, warum

Sie nicht in Leipzig Häuser kaufen,

sagen wir: mildtätig sind, sondern

in Berlin?

Nein, aber ich würde das auch

sofort inLeipzig tun.

Berlin bekommt den Mietendeckel.

Was halten Sie als Vermieter, den

dieses Instrument einschränken

soll, davon?

Grundsätzlich ist das in Ordnung,

damit in dem Markt mal

Ruhe einkehrt, der ist ja auch vollkommen

heiß gelaufen. Aber ich

bin mir sicher, dass da noch nicht

das letzte Wort gesprochen ist. Es

wird Klagen geben gegen den Deckel

und ich habe auch schon gehört,

dass Mieter unterschreiben

müssen, dass sie Mieten nachzahlen

müssten, falls der Mietendeckel

vor Gericht gecancelt wird.

Wie haben andere Unternehmer

auf den Kauf des Hauses am

Strausberger Platz reagiert? Hat

man Ihnen abgeraten, Sie gar der

Naivität geziehen?

Ja, das gab es auch, aber wenn

man mit diesen Leuten diskutiert,

dann gehen denen schnell die Argumente

aus. Esist am Ende bestechend

einfach: Mankann mit einem

Hauskauf und den damit verbundenen

sozialen Ideen durchaus ein

Zeichen setzen. Es wirdNachahmer

geben. Da bin ich mir ganz sicher.

Das Gespräch führte

Marcus Weingärtner.


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 11 **

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Berlin

POLIZEIREPORT

Niedergestochen.

Beieinem Streit in der Lobeckstraße

in Kreuzbergsind am Montagabend

sind ein 23- und ein 33-Jähriger

mit Messernverletzt worden.

DieMänner meldeten sich selbst

in einer Rettungsstelle.Nach und

nach stürmten Angehörige der beiden

Männer in die Klinik. DiePolizei

hatte Mühe,sie abzudrängen.

DieHintergründe der Auseinandersetzung

sind noch unklar.

Mann schwer verletzt.

EinUnbekannter hat am Montagnachmittag

einen 53-Jährigen in

dessen Hausflur in der Tegeler Straße

in Wedding niedergeschlagen. Er

kam mit schweren Kopfverletzungen

in eine Klinik. Dortmusste er notoperiertwerden.

Dergenaue Tathergang

und die Hintergründe sind

noch unklar.Die 6. Mordkommission

ermittelt wegen versuchten

Totschlags.

Räuber in die Flucht geschlagen.

Drei unbekannte Täter haben am

Montagabend versucht, einen

Supermarkt in Baumschulenweg

zu überfallen. Gegen 22.40 Uhr

betraten sie das Geschäft in der

Baumschulenstraße forderten von

einem 21-jährigen Mitarbeiter lautstarkGeld.

Einer der Täter bedrohte

den Angestellten mit einem Messer.

Sein Komplizedrohte ihm mit einer

Flasche,deren Hals abgeschlagen

war.Ein 29 Jahrealter Sicherheitsmitarbeiter

wurde auf die Tataufmerksam

und stellte sich den Räubernentgegen.

Daraufhin flüchtete

das Trio ohne Beute.

Fremdenfeindlich beleidigt.

Ein41-Jähriger hat am Montagnachmittag

im U-Bahnhof Stadtmitte

fremdenfeindliche Parolen gebrüllt.

Danach verließ er den Bahnhof.

Zeugen alarmierten dennoch die

Polizei. Während sie befragt wurden,

kehrte der Mann auf den Bahnsteig

zurück und pöbelte erneut. DiePolizisten

nahmen ihn fest. Nach der

Personalienfeststellung wurde er

wieder entlassen.

Diese Bronzefigur verschwand aus einer

Musikschule in Köpenick.

POLIZEI

Flötenspielerin gestohlen.

DiePolizei bittet um Mithilfe bei der

Fahndung nach der „Flötenspielerin“.

DieBronzeskulptur stand zuletzt

in der Joseph-Schmidt-Musikschule

an der Freiheit in Köpenick.

Sieist 80 Zentimeter hoch und

wurde 1959 vonHans-Peter Goettsche

geschaffen. DerKünstler,ein

gebürtiger Hamburger,ist im vergangenen

Jahr gestorben. Er lebte

zuletzt im Märchenviertel in Köpenick.

DiePolizei bittet Zeugen, denen

die Skulptur zum Kauf oder zum

Tausch angeboten wurde,sich zu

melden. Hinweise nimmt jede

Polizeidienststelle entgegen.

Pferd gerettet.

Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr

inWartenberg-Malchowhaben

am Montagabend in Malchowein

Pferdaus einer misslichen Lage gerettet.

Eine Reiterin war mit dem Tier

in einem Moor stecken geblieben,

weil sie sich für eine Abkürzung bei

ihrem Ausritt entschlossen hatte.

Während sich die Frau selbst retten

konnte,stürzte das Pferdund kam

nicht mehr allein frei. DieFeuerwehr

befreite das Tier.Mit Trageschlaufen

zogen die Einsatzkräfte den Hengst

aus dem sumpfigen Loch. Dann

wurde er zum nahe gelegenen Hof

zurückgebracht. Eine Ärztin untersuchte

ihn. Er war unverletzt. (ls.)

Unter Zeitdruck

Regierungsbildung in Brandenburg könnte das Vergabeverfahren bei der S-Bahn deutlich verzögern

VonAnnika Leister

Der rot-rot-grüne Senat

hat am Dienstag das bisher

größte Vergabeverfahren

für die Berliner S-

Bahn beschlossen: Acht Milliarden

Euro wollen SPD,Linke und Grüne in

die Anschaffung von 1 300 neuen

Wagen, Betrieb und Instandhaltung

investieren. Dasteilte Verkehrssenatorin

Regine Günther (Grüne) am

Dienstag mit. Will der Senat im Zeitplan

bleiben, muss er noch in diesem

Jahr die Mega-Ausschreibung

starten. Doch ob das gelingen kann,

ist schon jetzt fraglich – denn es

hängt nicht alleine an Berlin.

Auch Nachbarland Brandenburg

muss die Pläne noch abnicken und

festlegen, inwiefern es sich überhaupt

an den Kosten beteiligen will.

Und das schnell. Zwar gab es zuvor

Diskussionen und einen Lenkungskreis

zwischen den beiden Landesregierungen,

laut Günther schien alles

weitestgehend geregelt. Doch Brandenburg

hat gerade gewählt –und

auf der Seite des Verhandlungspartners

ist damit plötzlich alles unklar.

Statt wie bisher SPD und Linke werden

in Zukunft SPD,CDU und Grüne

zusammen in Brandenburgregieren.

Zurzeit bildet sich noch die Regierung,

Posten und Parteien im Landtag

wechseln. Das Verkehrsministerium

soll aus der Hand der SPD zur

CDU wechseln –die oft anderePositionen

vertritt.

Regierungsbildung und neuer

Verhandlungspartner erschweren

dem rot-rot-grünen Senat den Abschluss

des lange geplanten Großprojekts.Dennoch

fordertBerlin den

Nachbarn zur Eile auf: Berlin habe

seine Hausaufgaben gemacht, sagte

Günther am Dienstag. Sie hoffe auf

eine Antwort von Brandenburg binnen

vier Wochen nach der Regierungsbildung

–also bis zum 18. Dezember.Doch

die Verkehrssenatorin

will sich nicht festlegen, ob sie den

Zeitplan wirdeinhalten können:„Ich

bin keine Hellseherin“, sagt Günther.

Wechselnde Ansprechpartner –das

sei im politischen Geschäft „nicht

ohne Risiko“.

Die Brandenburger CDU war am

Dienstag für ein Statement nicht zu

erreichen –sie diskutierte gerade die

Besetzung der neuen Regierungsämter.

Die Berliner CDU aber sieht

das vom rot-rot-grünen Senat gewählte

Vergabeverfahren äußerst

kritisch –vor allem, weil die Beschaffung

der Wagen, die Instandhaltung

und der Betrieb an unterschiedliche

Unternehmen gehen können sollen.

Auch die Ost-West-Linien (hier ein Zug in Friedrichshain) werden ausgeschrieben. IMAGO

Zwei Netze, zehn Linien: Bei

der Ausschreibung geht es

um zwei Drittel der S-Bahn.

Bisher betreibt dortdas DB-

Unternehmen S-Bahn Berlin

GmbH alle Züge. Zum Netz

Stadtbahn gehören die Linien

S3, S5, S7, S75 und

S9, zum Netz Nord-Süd außer

der S1, S2, S25, S85 die

S15 (Frohnau–Hauptbahnhof).

Sie gibt es noch nicht.

WEICHENSTELLUNG FÜR DIE REGION

Bieter gesucht: Berlin und

Brandenburg wollen nun

Unternehmen finden, die für

beide Teilnetze S-Bahnen

bereitstellen und sie betreiben.

Aufträgekönnen getrennt

vergeben werden: Eine

Firmaliefertdie Zügeund

hält sie instand, eine andere

fährtsie. Es ist aber auch

möglich, ein Angebot für alle

vier Teillose abzugeben.

Der Zeitplan: Das Vergabeverfahren,

bei dem mit Bieternverhandelt

wird, soll

Ende 2021 oder Anfang

2022 abgeschlossen werden.

Dann steht fest, werdie

Aufträgeerhält –und ob die

bundeseigene S-Bahn Berlin

GmbH Terrainverliert. Ende

2026 sollen die ersten Vorserienfahrzeugeder

neuen

S-Bahn-Generation fahren.

Top-Manager mit krimineller Karriere

Insgesamt sind neun unterschiedliche

Loskombinationen möglich –

anstatt dass wie bisher alle Angebote

aus einer Hand kommen.

DieVerkehrssenatorin will so eine

Monopolstellung und daraus erwachsende

hohe Preise vermeiden.

Die CDU aber findet das Verfahren

schon bei derVergabe zu kompliziert

und auch im Betrieb zu anfällig für

Komplikationen. Am Ende sei es zu

leicht für Unternehmen, sich bei

Schwierigkeiten „gegenseitig den

schwarzen Peter“ zuzuschieben.

Und: In Brandenburg, heißt es, sähen

es einige ähnlich.

Zweifler gibt es beim Blick auf das

Vergabeverfahren freilich auch noch

in den eigenen Reihen der rot-rotgrünen

Koalition. Vor allem in der

SPD sind die kritischen Stimmen

zahlreich, bis zuletzt haderte die Partei

damit, dass das S-Bahn-Netz potentiell

unter mehreren Unternehmen

aufgeteilt werden soll. Und bei

einigen sind nicht alle Zweifel ausgeräumt:

Er freue sich über den Kompromiss,

sagt SPD-Verkehrsexperte

Tino Schopf. Doch er bevorzuge weiterhin

ein Angebot„aus einer Hand“,

mit mehreren Unternehmen im S-

Bahn-Netz würden zu viele Schnittstellen

geschaffen. Undesseien weiterhin

viele Fragen offen, sagt Schopf

–unter anderem die, was denn bei

einer Zerschlagung des S-Bahn-Systems

eigentlich genau mit den Mitarbeiternpassieren

soll.

Die Grünen stöhnen bei so viel

Zögerlichkeit. Die SPD habe mit unnötigen

Diskussionen überhaupt

erst dafür gesorgt, dass man nun mit

der neuen Regierung in Brandenburg

verhandeln müsse –und nicht

mit dem alten Verhandlungspartner,

heißt es dort. Schopf weist den Vorwurfvon

sich.Das seiein großes Projekt,

ein wichtiges Thema, das man

nicht überhasten solle: „Wenn es um

die Beschäftigten geht, nehme ich

mir gerne ein bisschen Zeit.“

Verkehrssenatorin Günther versprach

am Dienstag, dass man alles

tun werde, um Angestellten Sicherheit

zu verschaffen. „Und noch

mehr.“ Wenige Minuten später kündigte

Günther allerdings eine Maßnahme

an, die zumindest die Zugführer

der S-Bahn kaum beruhigen

dürfte: Die Wagen, die Berlin jetzt

neu kauft, sollten auch auf „autonomes

Fahren“ausgerichtet sein.

Michael K. veruntreute Millionen. Nun steht er wegen versuchter Anstiftung zum Mord vor Gericht

VonKatrin Bischoff

Michael K. sitzt an diesem Dienstag

mit lockerer Freizeitkleidung

auf der Anklagebank. Den Anzug,

den er als angeklagter Topmanager

noch 2014 und 2015 vor Gericht

im bayerischen Hof trug, hat der 43-

Jährige gegen einen grauen Pullover

und eine beigefarbene Hose getauscht.

Michael K. wurde einst vom

Manager Magazin zum „CEO of the

Future“, zum Nachwuchsmanager

des Jahres,gewählt. Er war der Beste,

der Business-Prinz unter 19 000 Bewerbern.

Er war auf dem Wegnach

ganz oben. Nunist er ganz unten.

Michael K. ist aus dem Gefängnis

vorgeführt worden. DerVorwurf, um

den es in diesem Verfahren geht,

wiegt schwer. Staatsanwalt Michael

Glage wirft ihm versuchte Anstiftung

zum Mord in zwei Fällen vor. Nach einem

rechtlichen Hinweis des Vorsitzenden

Richters der Schwurgerichtskammer

könnten es sogar drei Fälle

werden. Michael K. bestreitet die Anklagepunkte.Erhabe

so etwas nie gemacht.

Er beschreibt seinen kriminellen

Abstieg und auch die nun erhobenen

Vorwürfe als Intrige gegen seine

Person.

Um die Anklage zu verstehen,

muss man die Vorgeschichte kennen.

Michael K. war vor seiner Inhaftierung

Geschäftsführer des Textildiscounters

NKD.Mit diesem Jobsoll er

eine halbe Million Euro im Jahr verdient

haben. Doch das reichte dem

Kaufmann offenbar nicht. Von den

NKD-Konten zweigte er 3,7 Millionen

Euro ab.DieVeruntreuung flog auf, K.

wurde in Hofder Prozessgemacht. Er

bestritt die Vorwürfe, wurde jedoch

nach über einem Jahr Verhandlungsdauer

zu sechs Jahren Freiheitsentzug

verurteilt.

Noch während des Prozesseskam

der Angeklagte auf eine krude Idee.Er

wollte mit der Entführung seines

Richters und gegebenenfalls mit dessen

Tötung seine Freilassung erpressen.

Doch die zwei Männer, die er in

der Untersuchungshaft ansprach, offenbarten

sich. Auch hier sprach er

von Lügen. Das Gericht glaubte ihm

nicht. Michael K. bekam wegen Verabredung

zu einem Verbrechen wei-

tere fünf Jahre. Aus beiden Urteilen

wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von

neun Jahren gebildet.

Michael K. ließ sich nach Berlin

verlegen. Undersoll, glaubt man der

Anklage, im Juli 2017 erneut ein

Mordkomplott geschmiedet haben.

Um eineWiederaufnahme seinesVerfahrens

wegen der geplanten Entführung

des Richters „zu seinem Gunsten

durchführen zu können“, habe

Michael K. relevante Beweismittel

manipulieren wollen, so der Staatsanwalt.

Er habe Thomas K., der ihn

wegen der vorgesehen Verschleppung

verpfiffen hatte, dazu bringen

wollen, seine Aussage zu widerrufen.

Dann sollte der Belastungszeuge sterben

–durch eine Überdosis.

Für die Ausführung des Planshabe

Michael K. seinen Mitgefangenen Roy

W. angesprochen und ihm für die Tötung

des Belastungszeugen durch

Dritteeine Beteiligung an seinen Immobilien

versprochen. RoyW.soll auf

das Angebot des einstigen Top-Managers

nur zum Schein eingegangen

sein und sich dann bei den Justizbehörden

gemeldet haben.

Annika Leister

nutzt die S-Bahn

regelmäßig

Nachdem gegen den Angeklagten

ein Ermittlungsverfahren eingeleitet

worden war, habe sich Michael K.

dazu entschlossen, nun auch RoyW.

aus dem Wegräumen zu lassen, so

die Anklage. Essollte wie ein Unfall

beim Duschen aussehen. Doch auch

der diesmal angesprochene Mithäftling

soll den Plan verraten haben.

Dieerwähnte dritte versuchte Anstiftung

zum Mord könnte sich auf

die Eltern desMannes beziehen, der

bei der NKD-Veruntreuung dabei gewesen

sein soll. Er war damals vor

seiner Verhaftung nach Brasilien geflohen,

saß dort inHaft. Michael K.

könnte, sodas Gericht, RoyW.dazu

aufgefordert haben, unbekannte

Kontaktmänner dazu zu bestimmen,

dass die Eltern des Zeugen „aus Brasilien

von einem Besuch des Sohnes

nicht mehr zurückkehren“.

Roy W.war im Prozess als Zeuge

vorgesehen. Doch er macht von seinem

Aussageverweigerungsrecht

Gebrauch. Er hat bei der Polizei seine

Aussage gegen Michael K. zurückgezogen

und erklärt, er habe bei seiner

Einlassung gelogen.

Hostel soll bei

Nordkoreanern

ausziehen

Gericht verhandelt

über Räumungsklage

VonNorbertKoch-Klaucke

Der Streit geht weiter –umdas

City Hostel, das sich in der Glinkastraße

in Mitte auf dem Gelände

der Botschaft Nordkoreas befindet.

Weil die Vereinten Nationen gegen

das asiatische Land Sanktionen verhängt

haben, dürfte es nicht mehr

weiter betrieben werden. Nordkorea

steht unter Verdacht, mit Hilfe von

Immobilien wie dem Gelände in

Mitte Devisen für das Atomprogramm

des Diktators KimJong Un zu

beschaffen. Seit 2016 setzen sich die

Bundesregierung und das Land Berlin

dafür ein, dass das City Hostel

schließt. Die Versuche scheiterten

bisher. Nun fordert ein Ehepaar aus

den USA, es endlich dichtzumachen.

Es sind Fredund CindyWarmbier,

die in der Botschaft über ihren Sohn

Otto Warmbier sprechen wollten. Er

war 2016 in Nordkorea zu 15 Jahren

Arbeitslager verurteilt worden,

nachdem er ein Propagandaplakat

gestohlen hatte. 2017 starb er –offenbar

an den Folgen der Haft. Seine

Elternwerden in der Botschaft nicht

vorgelassen –aber sie erfahren von

dem City Hostel auf dem Areal. Sie

beklagen, dass der bestehende Hotelbetrieb

gegen UN-Sanktionen

verstoße. Im Gespräch mit NDR,

WDR und der Süddeutschen Zeitung

forderten sie daher die Schließung

des Hostels. „Man muss das Regime

verantwortlich machen, wo immer

es Regeln bricht“, sagten sie.

Seit 2016 gelten die UN-Sanktionen,

die weltweit untersagen, von

Nordkorea Immobilien zu pachten

oder zu mieten. Sie gelten auch für

dasTeilgebäude der Botschaft in Berlin,

das seit 2008 voneiner GmbH als

Hostel betrieben wird. Angeblich erhielten

die Nordkoreaner jährlich

38 000 Euro als Pachtgebühr.

Das umstrittene Hostel auf dem Areal der

Botschaft Nordkoreas in Mitte.

DPA

Die Bundesregierung versucht

seit Jahren die Schließung des Hostels

zu erzwingen –etwa mit einem

Bußgeldbescheid gegen die Betreiber

wegen Verstoßes gegen die Sanktionen.

2017 wies ein Gerichtjedoch

die Forderungen zurück. DerHostel-

Betreiber hatte erklärt, die Pacht

nicht mehr an die Botschaft zu zahlen,

sondernauf einSperrkonto.

Nun soll auf Druck des Auswärtigen

Amtes die Botschaft dem Hostel-

Betreiber den Pachtvertrag gekündigt

und bereits im Februar 2018

eine Räumungsklage beim Landgericht

eingereicht haben. Ein Sprecher

will dies wederbestätigen noch

dementieren. Denn die Klage konnte

dem Betreiber nicht zugestellt werden,

da die Nordkoreaner den nötigen

Gerichtskostenvorschuss bisher

nicht zahlten. DasHostelblieb.

Jetzt könnte das Spiel auf Zeit ein

Ende haben, die Räumungsklage

doch noch vor Gericht kommen.

Nach Informationen der Berliner

Zeitung habe die Botschaft nun den

Vorschuss gezahlt. Im Januar 2020

soll bereits vorm Verwaltungsgericht

über eine Ordnungsverfügung gestritten

werden, mit der der Bezirk

Mitte 2018 den Hostel-Betrieb wegen

Verstoßes gegen die Sanktionen

beenden wollte.Der Betreiberklagte.

Er haltedie Gesetzeein, hieß es.


12 Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019

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Berlin

Zum

Wellenreiten

in die Halle

Totschlag

oder

Spätabbruch?

In Lichtenberg öffnet am

22. November Surfanlage

Plädoyers im Prozess um

getöteten Zwilling

Passionierte Wellenreiter und interessierte

Surf-Anfänger können

sich freuen. Die erste Indoor-

Surfanlage mit einer künstlichen

Welle in der Hauptstadt soll am

22. November eröffnet werden. Das

Wellenwerkbefindet sich in einer alten

Industriehalle auf dem früheren

Gelände der Wasserbetriebe an der

Landsberger Allee in Lichtenberg.

Die Welle wird in einem etwa

10 mal 18 Meter großen Wasserbecken

künstlich erzeugt. Sie befindet

sich in dem Becken immer an der

gleichen Stelle,sodass die Surfer auf

ihren Boards lange üben können.

Bekannt ist eine solche sogenannte

stehende Welle zum Beispiel aus

dem Eisbach in München, der bei

Surfernbeliebt ist.

Eine Stunde kostet 38 Euro

Nach Angaben der Berliner Veranstalter

lassen sich die Fließgeschwindigkeit

desWassers und die Höhe der

Welle einstellen, so dass die Anlage

für Anfänger und Könner gleichermaßen

geeignet ist. Angeboten werden

auch Übungseinheiten mit einer

Haltestange für Kinder oder mit

Surflehrern. Eine Stunde Wellenreiten

in einer Gruppe kostet ab 38

Euro.

DasWellenwerk wurde von mehreren

jungen Hobbysurfern gegründet.

In dem Gebäude sollen später

auch ein Restaurant, ein Surfshop

und ein Biergarten eröffnet werden.

Ähnliche Anlagen anderer Betreiber

wurden in den vergangenen Jahren

inMünchen und nahe Köln eröffnet.

(dpa)

Rutschen unter der Haube

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Im Wedding hat sich am Dienstag Berlins erste Schwimmbad-Traglufthalle

aufgerichtet. Diemit Luft gefüllte Folienkonstruktion überspannt

zwei Sommerbecken des Kombibades an der Seestraße.Esist nun das

bundesweit größte Traglufthallen-Bad. Nach dem Richtfest werden im

Inneren die technischen Anlagen installiert. Ab Anfang Dezember sollen

Schulen und Vereine das Becken nutzen. So der Plan der Berliner

Bäder Betriebe.Der 2,2 Millionen Euro teureUmbau wurde notwendig,

um Ausgleichsfläche für zwei andere Bäder zu schaffen, die geschlossen

sind und saniertwerden: das Paracelsus-Bad in Reinickendorfund

das Stadtbad Tiergarten. DasHallenbad neben der Traglufthalle ist weiter

zum Baden geöffnet, doch mit dem Schulschwimmen und den Vereinen

wäreeszuvoll geworden. Dieneue Halle wölbt sich wie eine Kuppel

über die zwei 50-Meter-Becken des Freibads.Sowerden im Winter

2000 Quadratmeter zusätzliche Wasserfläche geschaffen. Die „Badehaube“

wird von einem Seilnetz in Form gehalten und ist mit 131 Bodenankern

gesichert. Die hineingeblasene Luft erwärmt auch den Innenraum.

DieHalle wirdinden nächsten drei Jahren jeweils zum Ende

der Freibadsaison auf- und zu Beginn der nächsten Saison wieder abgebaut.

Mit 60Hallen-, Strand- und Sommerbädern sind die Berliner

Bäderbetriebe Europas größter kommunaler Betreiber dieser Art.

Im Prozess um die Tötung eines

Zwillings bei der Geburt hat die

Staatsanwaltschaft am Dienstag für

die beiden angeklagten Frauenärzte

eine Freiheitsstrafe von einem Jahr

und sechs Monaten verlangt, die zur

Bewährung ausgesetzt werden

sollte.Nach Ansicht der Ankläger haben

sich die 58-jährige Oberärztin

und der 73-jährige einstige Chefarztes

der Klinik für Geburtsmedizin eines

Totschlags in einem minderschweren

Fall schuldig gemacht. Die

Verteidiger forderten Freisprüche.

Herzstillstand nach Injektion

Im Juli 2010 hatten die Ärzte bei einer

27-Jährigen in der 32. Schwangerschaftswoche

die Geburt von Zwillingen

eingeleitet. Beieinem der Föten

war eine schwere Hirnschädigung

diagnostiziertworden, die Patientin

hatte einem selektiven Fetozid,

der Tötung eines Zwillings im Mutterleib,

zugestimmt. Laut Gesetz

hätte der Spätabbruch vor der Geburt

stattfinden müssen. Doch die

Mediziner brachten das gesunde

Mädchen per Kaiserschnitt zur Welt

und spritzten dann dem kranken

Zwilling Kaliumchlorid. Es kam zum

Herzstillstand. Die Ärzte hatten erklärt,

eine Injektion vor dem Kaiserschnitt

sei für das gesunde Kind zu

riskant gewesen, da die Zwillinge in

einer Plazenta gewachsen seien und

das Gift für beide Föten tödlich gewesen

wäre. Zudem hätten sie sich

„auf der sicheren Seite“ gewähnt, da

der kranke Zwilling noch in der Gebärmutter

gewesen sei. Das Urteil

fällt nächsten Dienstag. (kbi.)

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Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 13 *

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Berlin

Weihnachten

fehlt das

Fachpersonal

Immer weniger Freiwillige

wollen Weihnachtsmann sein

VonJuliane Görsch

Mit seinem langen, weißen Bart

und rotem Mantel ist die Ankunft

des Weihnachtsmannes fester

Bestandteil in vielen Familien in Berlin

und Brandenburg. Bis Heiligabend

sind zwar noch sechs Wochen

Zeit. Agenturen zur Vermittlung von

Weihnachtsmännern haben aber

schon seit Anfang November alle

Hände voll zu tun. Zumal es immer

weniger Freiwillige gibt.

Zwei ehemalige Weihnachtsmänner

aus dem Studentenwerk Berlin

haben im vergangenen Jahr eine

Idee gehabt, wie sie denWeihnachtsmannschwund

aufhalten könnten.

„Wir legen den Fokus auf den bestmöglichen

Service für Weihnachtsmänner“,

sagt Mitgründer Frederik

Tholey von„Weihnachtsmann2Go“.

Anders als bei Agenturen, die Anfragen

sammeln, um dann händisch

die Weihnachtsmänner auf die Familien

zu verteilen, sucht man sich

auf der Internetplattform seinen

Rauschebartselbst aus.Familien bezahlen

dafür eine Gebühr vonsieben

Euro, die Weihnachtsmänner kostet

die Vermittlung nichts. Das bedeute

viel weniger Stress für die Männer im

roten Mantel, sind sich die beiden sicher.

Einerseits erhoffen sich Frederik

Tholey und sein Mitgründer Tobias

Groß dadurch verbindlichere Zusagen

vonden Familien. Aufder anderen

Seite wollen sie es den Weihnachtsmännern

erleichtern, die

Routen an Heiligabend zu planen.

Denn ihre Plattform berechnet für

alle Anfragen automatisch den besten

Wegvon Familie zu Familie.

Diese Unmittelbarkeit habe

„Weihnachtsmann2Go“ den klassischen

Agenturen vorraus, sagt Henkert

vom Weihnachtsbüro Zeuthen.

Denn einige Familien seien besorgt,

dass sie bei den Agenturen keinen

Weihnachtsmann abbekommen.

Dafür punkte ihre Vermittlung

mit einem großen Gemeinschaftsgefühl.

Sie sei telefonisch immer ansprechbar,

führe Schulungen für die

Weihnachtsmann-Anwärter durch

und stelle Kostüme. „Wir machen

das nicht, weil wir reich werden wollen,

sondern weil es richtig und

schön ist“, sagt sie. (dpa)

Hyper,Hyper.Mit einem solchen Hightech-Gefährt, Hyperloop genannt, will die Berliner CDU die Metropolen Europas verbinden.

Kai Wegner im Hyperloop

Der CDU-Chef entwirft eine Vision für „Berlin 2040“. Gleichzeitig stärkt er seine Position in der Partei

VonElmar Schütze

DDie Berliner CDU stellt

sich neu auf –inhaltlich

und personell. Dabei ist

so manche Idee interessant.

Undder Prozess könnte die Statik

der Partei nachhaltig verändern.

Noch zwei Jahresind es bis zu den

Wahlen in Berlin und im Bund. Doch

Berlins größte Oppositionspartei

legt schon jetzt einen Weg für die

nächsten zwei Jahrzehnte fest. „Berlin

2040 –Auf dem Wegzur nachhaltigen

Metropole“ ist ein Leitantrag

des CDU-Parteivorstands überschrieben.

Er wurde während eines

Kleinen Parteitags am Dienstagabend

im Einrichtungshaus Stilwerk

an der Kantstraße in Charlottenburg

beschlossen. Es gab eine Gegenstimme

und eine Enthaltung. Eine

Rede von Parteichef Kai Wegner

wurde mit großem Beifall aufgenommen,

sagte ein Sprecher.

Als Leitbild diene eine „ökologisch-soziale

Marktwirtschaft, die

kopflosem Alarmismus zielgerichtete,

durchdachte und langfristige

Maßnahmen entgegensetzt“. Daraus

spricht einerseits das Wissen

darum, dass die ökologische Frage

für eine Partei, die Volkspartei sein

will, existenziell ist. Andererseits ist

es eine Abgrenzung von Fridays for

Future und Co sowie deren rot-rotgrünen

Sympathisanten.

Im Antrag wirdeine„Offensivefür

die Stadtnatur“ gefordert. Ginge es

nach der CDU, wären binnen eines

Jahres 10 000 hitze- und trockenheitsresistente

Bäume anzupflanzen

– auch auf dem Tempelhofer

Feld. Dort soll ein „Tempelhofer

Wald“ entstehen, begrenzt voneiner

„behutsamen Randbebauung“.

Wohl wissend, dass dies derzeit juristisch

nicht möglich ist, setzte sich

die CDU für eine Volksbefragung

zur Änderung des

Kai Wegner,

CDU-Vorsitzender

Tempelhof-Gesetzes ein:

„Aus Respekt vor dem Votum

der Wählerinnen und

Wähler gilt für uns: Erst

fragen, dann pflanzen!“

An anderer Stelle

kommt es zu einer Annäherung

an den Regierenden

Bürgermeister Michael

Müller (SPD). Im

Sommer hatte Müller die Idee eines

365-Euro-Jahrestickets für Bus und

Bahn lanciert. Dafür wurde er sogar

von eigenen Leuten kritisiert, zum

Beispiel, weil die BVG damit kaum

auskömmlich arbeiten könnte. Nun

kommt Zustimmung von der CDU:

„Wenn das Angebot des ÖPNV entsprechend

erweitert ist, wird auch

die Einführung eines 365-Euro-Tickets

für Berlin sinnvoll.“

Geradezu visionär ist eine Passage

geraten, in der die Vernetzung

deutscher und europäischer Metropolen

mit Hochgeschwindigkeitsverkehrssystemen

diskutiert wird.

Dafür solle „die sogenannte Hyperloop-Technologie

weiterentwickelt

werden“. Dabei handele es sich um

„ein Hochgeschwindigkeitsverkehrssystem,

bei dem sich Kapseln

in einer Röhre auf Luftkissen gleitend

mit nahezu Schallgeschwindigkeit

fortbewegen“. Dazu sollten Forschungseinrichtungen

„auch unter

Berliner Beteiligung zu ei-

DPA

nem Hyperloop-Zentrum

ausgebaut werden“.

Der Parteitag mit seinem

in jeder Hinsicht zukunftsweisenden

Leitantrag

ist der erste große inhaltliche

Aufschlag von

Wegner, seit er im März

Monika Grütters stürzte

und selbst CDU-Chef

wurde. Der Bundestagsabgeordnete

war mit dem Versprechen

angetreten, das Profil des Vorstands

zu schärfen, der vorher kaum durch

programmatische Arbeit aufgefallen

war.Das Kraftzentrum der Partei war

vor allem die Abgeordnetenhausfraktion

–seit Wegners Amtsantritt

sind die Verhältnisse in Bewegung.

Das gilt auch und erst recht fürs

Personal in der Partei. Für Aufsehen

sorgte zuletzt der Wechsel von Monika

Grütters aus Marzahn-Hellersdorf

nach Reinickendorf. Das böte

erstens der Kulturstaatsministerin

TUM

die Chance,endlich einmal per Erststimme

in den Bundestag einzuziehen.

Zweitens könnte auch KaiWegner

profitieren. Nach seinem Sieg im

Frühjahr hatte er Grütters Platz 1auf

der Landesliste versprochen, für sich

selbst reklamierte er Platz 2. Da Grütters“

Wahl im traditionell schwarzen

Reinickendorfals sicher gilt, wärefür

den Spandauer der Weg über die

Zweitstimme frei.

Interessant sind auch Grütters’

Einlassungen über ihren möglichen

Nachfolger als Bundestagskandidat

im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf.

Mario Czaja sei dafür hervorragend

geeignet, teilte sie mit. Der Haken

daran: Czaja, Lokalmatador im Berliner

Osten,Vize-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus

und eine Artewiger

Geheimfavorit der CDU, hat sich die

Option offengelassen, erneut fürs

Abgeordnetenhaus zu kandidieren.

WasCzaja von Grütters’Weggang

nach Reinickendorf hält, steht in einer

Mitteilung seines Kreisverbands

Wuhletal. Man „hoffe nicht, dass

diese Entscheidung ein Reflex der alten

West-Berliner CDU ist, in Krisenzeiten

weniger werdende Mandate

ausschließlich an Akteure westlich

des Brandenburger Tors zu verteilen“,

heißt es dort. Wegner müsse

klar machen, „dass er die Sorgen der

ganzen Stadt im Blick hat und nicht

nur einen dadurch sicherer gewordenen

Platz im Bundestag“.

Rückzug von

Neubau wegen

Mietendeckel

Genossenschaften wollen

nicht auf Buckower Felder

Der Mietendeckel gilt zwar nicht

für Neubauten. Trotzdem haben

sich jetzt zwei Wohnungsgenossenschaften

mit Hinweis auf die Folgen

der Neuregelung von einem

Neubauprojekt verabschiedet: von

der Bebauung der BuckowerFelder.

Der Beamtenwohnungsverein zu

Köpenick und die Gemeinnützige

Baugenossenschaft Steglitz erklärten

in einem Brief, dass sie ihreTeilnahme

an dem Konzeptverfahren

zur Bebauung der Fläche am südlichen

Stadtrand zurückziehen. Das

berichtet die Berliner Morgenpost.

Der Beamtenwohnungsverein begründete

den Rückzieher damit,

dass ihm durch den Mietendeckel

Einnahmen fehlten, die er als Eigenmittel

für den Neubau benötige.

Bisher war allerdings noch gar

nicht klar, obdie beiden Genossenschaften

überhaupt den Zuschlag

für die Teilnahme an der Bebauung

bekommen hätten. MehrereInteressenten

hatten sich darum beworben.

Rund 900 Wohnungen sollen unter

der Federführung der landeseigenen

Wohnungsbaugesellschaft Stadt und

Land auf den BuckowerFeldernentstehen.

Davon soll die Stadt und

Land 700 selbst bauen. Die übrigen

200Wohnungen sollen von„gemeinwohlorientierten

Dritten“ errichtet

werden –zum Beispiel von Genossenschaften,

Stiftungen oder Baugruppen.

Sie konkurrieren mit verschiedenen

Konzepten um eine Beteiligung

an dem Bauprojekt.

Nach Angaben der Stadt und

Land sind derzeit noch zehn Interessenten

mit insgesamt 19 Beteiligten

im Wettbewerb – darunter Genossenschaften,

Genossenschaften in

Gründung, eingetragene Vereine,gemeinnützige

Gesellschaften mit beschränkter

Haftung und andere Initiativen.

„Für die Erarbeitung der

Konzepte haben die Bewerber jetzt

Zeit bis Ende Februar 2020“, sagt

Stadt und Land-Sprecher Frank Hadamczik.

Danach werde ein Beratungsgremium

die Pläne nach festgelegten

Kriterien bewerten. Falls

sich zu wenige Dritte finden sollten,

werdedie Stadt-und-Land die Lücke

schließen, sodass die insgesamt

900 Wohnungen in jedem Fall errichtet

werden, erklärte Unternehmenssprecher

Hadamczik. (ulp.)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 1 3. November 2019

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Berlin

Den Töchtern sei Dank

NANNA KUCKUCK

hat aufregende und anstrengende

Tage hinter sich. So ist das immer vor

einer Show,bei der sie ihreneuesten

Entwürfe zeigt. Am Dienstagabend

wurde dazu ins „Steigenberger Hotel

Am Kanzleramt“ gebeten, das sich

näher am Hauptbahnhof befindet

als an Angela Merkels Arbeitsplatz.

„Bahnhofshotel“ wäreaber keine besonders

prestigeträchtige Bezeichnung.

Nanna Kuckucks Aufgabe war

es,bei der Eröffnung des neuen Veranstaltungsbereichs

des Hotels (hier

wurden Flächen umgewidmet, die

mal für Geschäfte reserviert waren)

mit ihrer Show unter dem Motto

„Orient meets Okzident“ einen farbigen

Akzent zu setzen und dem

Abend Glamour zu bescheren. Ihre

Idee: Die Kollektion wurde von den

Töchtern ihrer Kunden vorgeführt.

So liefen Isabelle Ahrens (Tochter

von Mariella Ahrens), Rachel Hermlin

(Andrej Hermlin) und Olivia Haentsch

(Marijam Agischewa) für die

Designerin über den Laufsteg.

CAROLA FERSTL

ist nach eigenem Bekunden „super

stolz“ darauf, dass ihre Tochter Julia

(die mal wieder unter ihrem Spitznamen

Lilly unterwegs war) auch dabei

ist. „Insbesondere, weil ich Nannas

Kreationen selber liebe!“, sagt die

Moderatorin, die mit der Designerin

Katrin Wrobel führte durch den Abend –

und lobte Modeschöpferin Kuckuck.

Nanna Kuckuck (r.) begrüßte Carola

Ferstl bei „Orient meets Okzident“.

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Designerin Nanna Kuckuck

zeigt mit fast schon

familiärer Hilfe

ihre neueste Kollektion

befreundet ist. DerAuftritt ihrerTochter

bei der Show –sie durfte am Ende

sogar das Brautkleid tragen, was

Mama extrarührte –ist nicht der einzige

Grund für Wallungen mütterlichen

Stolzes:„Sie lebt meinen Traum,

weil sie neben der Schule gerade ein

Startupaufbaut. Siehat wohl das Unternehmer-Gen

ihreVaters geerbt.“

KATRIN WROBEL

durfte als „aged model“ –sowird

das wirklich genannt, obwohl es

nach gut abgehangenem Fleisch im

Szenerestaurant klingt –neben dem

jungen Gemüse auf den Laufsteg.

DieMiss Germany von2002 ist wild

entschlossen, die kleine Frotzelei,

sie sehe für ihrefast 42 Jahrejanoch

ziemlich rüstig aus,als Kompliment

zu nehmen. Und schiebt die Erklärung

für ihren erfreulichen Gesamtzustand

nach: „Ich habe nie Dinge

exzessiv betrieben –weder Alkoholkonsum

noch Sport.“ Dass sie nun

neben den sehr jungen Mädchen

lief, empfand sie nicht als Zumutung:

„Im Gegenteil! Früher hätte

Lilly Ferstl präsentierte Nanna Kuckucks

Kreationen auf dem Laufsteg.

Anouschka Renzi kam mit ihrer Tochter

Chiara Moon. CHRISTIAN SCHULZ (4)

ich mir gewünscht, auch mit ’älteren’

Models zu laufen, denn sie

bringen Ruhe in das Chaos.Und ich

hätte mir vieles abgucken können.“

Aber die Zeit war eine andere.

„Heute wirddem Publikum die Realität

präsentiert. Frauen werden älter,

jeder Körper verändert sich,

Mode ist für jeden da.“ Mit Nanna

Kuckucks Kreationen kann sie viel

anfangen: „Das ist nichts für graue

Mäuse.IhreMode ist für Frauen,die

sich wohlfühlen, selbstbewusst und

feminin sind, dabei das bunte Leben

schätzen.“ Ihre Tochter Louisa

ist fast elf. Sie war als Kleinkind

schon auf dem Laufsteg unterwegs

und hätte mal wieder Lust darauf:

„Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit

–sie würde gern mal zur Fashion

Week laufen.“

ANOUSCHKA RENZI

jubelte auf ihrem Platz inder ersten

Reihe am Laufsteg bei jedem Auftritt

ihrer Tochter Chiara Moon engagiert,

hielt sich bei den anderen

Mädchen allerdings zurück.

Günther Krabbenhöft, der älteste

Hipster von Berlin, wirkte ganz aus

dem Häuschen. Wobei ihn besonders

die Auftritte seiner Freundin

Britt Kanja entzückten. Zwischendurch

tat er bei besonders üppigen

langen Kleidern kund: „Die will ich

an der Supermarktkasse sehen!“

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Diejenigen, die es im Westen

nicht geschafft haben

Meinung: „Wende an Universitäten

und Bibliotheken: Viele DDR-Wissenschaftler

verloren ihre Stelle“ von Peter-Andrè

Alt

(6. November)

Es entsteht unwillkürlich der Eindruck,

dass der Osten lediglich eine

Kolonie ist. Er dient als Karriereturbo

und zum Sammeln von Rentenpunkten

für den diejenigen aus dem

Westen, die es dort nicht geschafft

haben.

Carsten Schmieder,per E-Mail

Wo isser? Früher warder

Berliner Humor mal überall

Meinung: „Berliner Humor und die

CDU“ von Katja Berlin

(11. November)

Tja, wo isser bloß, dieser „Berliner

Humor“? Wir Berlinerinnen nennen

den ja nicht so, hier sagt man „Mutterwitz“.

Wo isser denn? Früher war

er mal überall.

Cornelia Braunsburger-Härtel, Berlin

Legte man auf die Ostberliner

als Besucher keinen Wert?

Thema: „Feiernund ein Moment der

Stille“ von Elmar Schütze

(11. November)

Beim Versuch, die Veranstaltung am

Brandenburger Tor zu besuchen,

wurden wir sehr enttäuscht. Leider

hatten wir keinen Hinweis darauf

bekommen, dass es unmöglich sein

würde, von der Ostseite dorthin zu

gelangen. Wirwaren schon des Öfteren

bei Veranstaltungen am Brandenburger

Tor. Aber die heutigen

großräumigen Absperrungen haben

in uns die Vermutung genährt, dass

man auf die Ostberliner als Besucher

keinen Wert legt.

Jörg-Rainer und Margit Pinz,

Berlin-Lichtenberg

Spieler von Hertha BSC beim Training

Die ganze Welt würde uns auslachen!

Die Zukunft der Stadt und des Geldes

Interview: „Natürlich haben wir Fehler

gemacht“ von Jochen Arntz und Elmar

Schütze

(9. November)

Im Interview wirdder SPD- Staatssekretär

zitiert, dieser wolle kein

schlechtes Wort über die Deutsche

Wohnen verlieren.Das würde ich jedoch

gern tun.Es gab einmal einen

entlarvenden Bericht über eine Jahresversammlung

der Deutsche Wohnen.

Da wurde Herr Zahn gefragt,

wie hoch sein Jahresgehalt sei. Da tat

er ein wenig unwissend, blätterte in

seinen Unterlagen und sagte dann

eine Summe, ich glaube, vier Millionen

Euro waren es. Esmusste erst

ein grosser Aufschrei kommen, dass

die Deutsche Wohnen einlenkt, zumindest

teilweise, und sich nun

reuig zeigt. Die Deutsche Wohnen

hat viele der Wohnungen des Siedlungsbaus

gekauft. Auch die Gewobag

hat Immobilien dort. Letztere

saniert und renoviert diese, und

zwar mieterverträglich. Ich kenne

solche Wohnungen aus dem Deutsche-Wohnen-Bestand

um den

Mauerpark herum. Die werden so

lange „kaputtgewohnt“, bis gar

nichts mehr geht. Anschließend

werden sie teuer angeboten.

Frau Lompschers Ansatz mag

derart erscheinen wie jene Idee des

„demokratischen Sozialismus’“. Die

Idee des Herrn Zahn ist tatsächlich

das, was ich Turbokapitalismus

nenne, mindestens einen ausgeprägten

Neoliberalismus.

Ulrich Kropp, per E-Mail

IMAGO IMAGES/METODI POPOW

Titel: „Mann, oh Mann –soll Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit

gestrichen werden? “von Elmar Schütze

(12. November)

Wo soll das hinführen? Sollen bald Hertha BSC oder dem FC Bayern der

Vereinsstatus aberkannt werden, weil in den Mannschaften keine

Frauen mitspielen? Können Sie sich eine Bundesliga vorstellen, in der

die Hälfte der Spieler weiblich wären? DieganzeWelt würde uns auslachen!

Deutschland hat offenbar keine Sorgen und keine Probleme: deswegen

kümmertsich der Finanzminister um Dinge,die niemanden interessieren!

Beschäftigungstherapie für die Wilhelmstraße! Beinahe

würde ich denken: käme doch endlich eine große Inflation wie 1923,

damit die Regierung sich endlich um die Belange des Volkes kümmere.

NorbertFicek,

Berlin-Friedenau

Kolumne: „Eine Welt ohne Schein“ von

André M. Bajorat.

(8. November)

Vorab: Ich bin für die Beibehaltung

des Bargeldes!

Dasheißt nicht, dass ich die bargeldlose

Bezahlung an der Tankstelle,im

Einzelhandel oder im Urlaub nicht

schätzen würde. Aber eine bargeldlose

Zukunft will ich nicht.

Das Beispiel Schwedens scheint erstrebenswert,

schreckt mich in der

absoluten Konsequenz aber eher ab.

Hier wird nur auf die vielfältigen

Möglichkeiten des Bezahlens verwiesen,

wie toll das ist und wie easy das

geht. Diedamit einhergehende totale

Abhängigkeit von den Banken wird

dabei nicht erwähnt. Jetzt kann ich

noch jederzeit zu meiner Bank gehen,

mir mein dort deponiertes Geld auszahlen

lassen, es in die Hand nehmen.

Ichbesitzeesalso,habe dessen

Wert buch- und zahlenmäßig vorAugen,

kann damit machen was ich will,

bin unabhängig. Wie soll das in der

bargeldlosen Zukunft sein? Was

macht dann den Wert meines Geldes

aus und wo befindet es sich?

Verschlüsselt in Bits, wird eswohl im

Nirwana einer digitalen Cloud meiner

Bank abgelegt werden. Damit ist

es aber verloren und nur noch imaginär,

also in der Vorstellung vorhanden,

für mich praktisch unerreichbar.

Undich bin der Bank ausgeliefert, alle

meine Zahlungsvorgänge sind sichtund

kontrollierbar.Vor dieser Zukunft

graut es mir!

Wolfgang Hempel, per E-Mail

Die originale Glasblume

restaurieren und aufstellen

Meinung: „Monika Grütters, Ministerin

des schönen Scheins“ von Götz Aly

(5. November)

Meine dringende Bitte an dieVerantwortlichen

ist, die originale Glasblume

des ehemaligen Palastes der

Republik der DDR zu restaurieren

und an repräsentativer Stelle im

Humboldt-Forum aufzustellen.

Diese Glasblume hat für mich einen

wesentlich höheren Symbol- und

Identifikationswert als die geplante

Einheits-Wippe. Deren Sinn erschließt

sich mir nicht. Sie erinnert

eher an eine Banane,die der Berliner

Volksmund auch sicher bald so nennen

wird.

Joachim Thiele, per E-Mail

Solche Unfälle passieren

auch mit einem Golf

Online: „Wieder SUV-Unfall: Porschefahrer

fährtinSchülergruppe, Elfjährige

schwer verletzt“

(5. November)

Man diskutiert inder Öffentlichkeit

aktuell über das Auseinanderleben

der Gesellschaft, Rücksichtslosigkeit

gegenüber den Mitmenschen, den

um sich greifenden Egoismus. Fakt

ist doch, dass solche Unfälle leider

fast täglich passieren und auch mit

einem Golf oder Mittelklassefahrzeug

die gleichen Folgen haben.

Joachim Destrée, Eltville-Hattenheim

Überall auf der Welt fahren nicht die

SUVs,sondernsie werden vonMenschen

gesteuert. Vor dem Hintergrund

ist es egal, ob jemand von einem

SUV umgefahren wirdoder von

den E-Rollern inBerlin. Bestimmte

Gruppen mögen sich zwar eine SUVfreie

Welt wünschen, die Realität

wird aber nicht von Gesinnungsterroristen

bestimmt und wenn sie

noch so laut plärren, Autos abfackeln

oder gegen alles propagandieren,

was nicht in ihr Weltbild passt.

NorbertIsenrath, per E-Mail

Es passt in das politische

Wunschkonzertdieser Zeit

Brandenburg: „Im Trauertal –Brandenburg

und Berlin gehören wieder zu den

Schlusslichternbeim bundesweiten

Glücksatlas“ von Jens Blankennagel

(6. November)

Zufriedenheit ist nicht nur eine

Frage des Bankkontos. Zufriedene

Menschen finden wir oft gerade dort,

wo der Wohlstand nicht üppig sichtbar

ist. Meist strahlen sie auch mehr

als andere Menschlichkeit aus. Ob

der Glücksatlas wirklich auch die weniger

Glücklichen getroffen hat, das

wissen wir nicht. Es passt jedenfalls

in das politischeWunschkonzertdieser

Zeit, dass wir die gesellschaftlichen

Lebensverhältnisse glücklichreden

müssen. Das kennen viele

noch aus DDR-Zeiten, als auch gern

schöngeredet wurde.

Roland Winkler,per E-Mail

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 1 3. November 2019

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Brandenburg

NACHRICHTEN

Freie Wähler wollen mehr

Entschädigungen für Bürger

Zehntausende Brandenburger sollen

nach demWillen der FreienWähler

die Beiträge für Wasser-und Kanalanschlüsse

zurückbekommen,

die nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts

rechtswidrig erhoben

wurden. Verfassungswidrige

Beiträge müssten lückenlos zurückgezahlt

werden, sagte Fraktionschef

Péter Vida. Noch offen seien Rückforderungen

für knapp 100 000

Haushalte.„Vielleicht ist das jetzt

mal ein Punkt, wo man einen

Schlussstrich ziehen kann.“ (dpa)

Mann zeigt Hitlergruß

vor Polizeiwache

Am Dienstag um 1Uhr hat die Besatzung

eines Streifenwagens in Prenzlau

(Uckermark) beobachtet, wie ein

Mann direkt vorder Tür der Polizeiwache

in aller Öffentlichkeit den Hitlergruß

zeigte.„DieBeamten griffen

sich den Mann“, sagte Polizeisprecher

Ingo Heese.„Es handelte es sich

um einen 39-jährigen Inder.“ Er

wurde wegen Verwendens vonZeichen

verfassungswidriger Organisationen

angezeigt. (bla.)

Mordverdächtiger ist der

Ehemann des Opfers

Beidem festgenommenen 37-jährigen

Mann, der im August in Eberswalde

(Barnim) eine 30-jährige Frau

getötet haben soll, handelt es sich

um den Ehemann. „Zum Tatzeitpunkt

lebten beide getrennt“, sagte

ein Sprecher der Staatsanwaltschaft

Frankfurt(Oder) am Dienstag. Gut

drei Monate nach dem gewaltsamen

Todder dreifachen Mutter hatten die

Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion

OstamMontag mitgeteilt, einen

Verdächtigen festgenommen zu haben.

EinAmtsgericht erließ einen

Haftbefehl. DieFrauwar damals leblos

vonihremVater in ihrerWohnung

gefunden worden. (dpa)

LinkefordertAbschaffung

der Schuldenbremse

DieLinksfraktion im Landtag fordert

eine Abschaffung der Schuldenbremse

im Grundgesetz. Es gehe

darum, eine „langfristige Investitionspolitik“

zu ermöglichen, sagte

Linksfraktionschef Sebastian Walter

in Potsdam. Dassei mit der Schuldenbremse

nicht möglich. DieFraktion

verlangt, dass sich die neue Landesregierung

für eine Bundesratsinitiativeeinsetzen

soll, um das Neuverschuldungsverbot

im Grundgesetz

zu ersetzen. (dpa)

Die Lausitz wartet

Der Kohlekompromiss ist zwar beschlossen, wird aber noch nicht umgesetzt. Das Handwerk leidet bereits

VonJens Blankennagel, Cottbus

Der Kohleausstieg soll ungefähr

im Jahr 2038 kommen,

doch in der Lausitz

ist er bereits da. Jedenfalls

ein wenig: Ein Tagebau wurde

geschlossen, Teile eines Kraftwerks

gingen vomNetz. Zum1.September

ließ das Verwaltungsgericht Cottbus

den Tagebau Jänschwalde (Spree-

Neiße) vorübergehend stilllegen,

weil der Betreiber Leag nicht rechtzeitig

eine Umweltverträglichkeitsprüfung

für denWeiterbetrieb vorgelegt

hatte. 700 Kohlekumpel arbeiten

seitdem in anderen Gruben.

Zwar durften sie am Dienstag

zum Schichtbeginn um 6Uhr an ihren

bisherigen Arbeitsplatz zurück.

Doch die Arbeiten sind wohl auf zwei

Monate beschränkt. „Das Ganze erfolgt

auf Anordnung des Landesamtes

für Bergbau“, sagt Leag-Sprecherin

Kathi Gerstner der Berliner Zeitung.

Es wurde angeordnet, um den

Tagebau vor nachströmendem

Grundwasser zu schützen. Die Bagger

sollen einen 50 Meter breiten

Streifen Abraum und Kohle wegbaggern.

Ob der Betrieb regulär wieder

aufgenommen wird, ist noch unklar.

Beim Kraftwerk nebenan wurden

zwei der sechs Blöcke abgeschaltet.

„Dadurch fallen 600 von8000 Stellen

weg“, sagt die Leag-Sprecherin.

„Ohne dass es die vonder Politik versprochenen

Ersatzarbeitsplätze

gibt.“ DieBlöcke sind nun in„Sicherheitsbereitschaft“

und können –

wenn nötig –innerhalb vonzehn Tagen

wieder hochgefahren werden.

Entlassen wurde niemand. Die

Mitarbeiter wurden früher in den

Ruhestand geschickt, ihre Stellen

nicht neu besetzt. Die Zahl der Azubis

wurde gesenkt. „Wir müssen unsere

Personalplanung den Plänen

der Politik anpassen“, so Gerstner.

Die Ängste der Zulieferer

Dasist eine Entwicklung, die viele in

der Region fürchten: dass gut bezahlte

Industriearbeitsplätze verloren

gehen – ohne Ersatz. Es geht

nicht nur um 8000 Leute, die im

Bergbau arbeiten, sondern auch um

doppelt so viele in Zulieferfirmen.

„Wir wissen einfach nicht, was

kommt“, sagt zum Beispiel Norman

Kabelitz (33). „Die Verunsicherung

bei den Leuten hier ist enorm.“ Der

Kfz-Mechatroniker ist Meister und

angestellt im Autohaus Cottbus, das

als größter Anbieter von Nutzfahrzeugen

in der Region vomTransporter

bis zum Lastwagen alles verkauft.

„Bei uns kaufen die Handwerker

ein und die kleinen Zulieferer für die

Leag. Etwa ein Drittel unseres Umsatzes

hängt an der Kohle.“ Da die

ersten Jobs in den Gruben wegfallen,

Die Kraftwerke in der Lausitz sollen abgeschaltet werden.

Die Lausitz: Seit 150 Jahren

wird in Südbrandenburg und

Nordsachsen Braunkohle gefördert.

Nun steht die Region

vordem nächsten Umbruch.

Der erste vollzog sich nach

1990. Damals gabesrund

70000 Arbeitsplätze in den

Gruben und Kraftwerken.

REGION IM UMBRUCH

Ende der DDR: Nach 1990

stieg die Arbeitslosigkeit

massiv an, und in den Kohlegruben

und Kraftwerken blieben

nur knapp 20000 Arbeitsplätze

übrig.Heute arbeiten

sogar nur noch 8000

Menschen beim Lausitzer

EnergiekonzernLeag.

IMAGO IMAGES/RAINER WEISFLOG

Ausstieg: Spätestens ab

2038 soll aus Braunkohle

kein Strom mehr erzeugt werden.

Dann fallen die Arbeitsplätze

im Bergbau weg. Der

Bund hat den vier bundesdeutschen

Kohlerevieren

40 Milliarden Euro für den

Strukturwandel versprochen.

haben einige kleine Firmen bereits

Personal abgebaut. Die Handwerker

befürchten, dass sie weniger Aufträge

bekommen und im schlimmsten

Fall pleite gehen.

Oft heißt es, dass das Handwerk

doch profitieren kann, wenn Gruben

rekultiviert und Industrieanlagen

abgerissen werden. „Aber nur für

eine gewisse Zeit“, sagt Kabelitz.

„Natürlich geht es dem Handwerk

viel besser, wenn die Lausitz wirtschaftlich

gut funktioniert. Wenn die

Leute Häuser bauen, wenn sie keine

Angst um ihre Jobs haben, sondern

in die Zukunft investieren.“

Als Alternative wird oft der Tourismus

an den gefluteten Tagebauseen

ins Spiel gebracht. „Das sind

Billiglohnjobs –wenig Geld und viel

Arbeit“, sagt Kabelitz. „ImTourismus

macht der Hotelier das Geld, die Angestellten

bekommen nur einen geringen

Lohn. Keiner verdient so viel

wie in der Kohle. Dawechselt doch

keiner in eine Kneipe.“

DasVertrauen schwindet

Derzeit ist der Ist-Zustand für die

Handwerker in der Lausitz noch sehr

gut. „Das Handwerk hat zum überwiegenden

Teil gut zu tun“, sagt Kurt

Deutscher, Hauptgeschäftsführer

der Handwerkskammer Cottbus.„Es

gibt mehr Aufträge,als man bewältigen

kann.“ Einige Betriebe finden

nun nicht mehr genügend neue

Fachleute, umdie Aufträge der Kunden

bewältigen zu können.

Andere haben allerdings Probleme

–weil Kunden aus der Großindustrie

wegfallen. So brach der Absatz

vonWindrädern ein. Beim Hersteller

Vestas in Lauchhammer wurden

500 Stellen gestrichen – jeder

zweite Arbeitsplatz. Die Stilllegung

des Tagebaus Jänschwalde kam

dazu. Die Zulieferer reagieren: „In

unserem Bereich gab es 3736 Anträge

auf Kurzarbeitergeld im Handwerk“,

sagte Deutscher. „Das sind

200 Prozent mehr als im Vorjahr.“

Dashat Folgen: WerinKurzarbeit

ist, gibt weniger Geld aus. Das

schmälertdie Kaufkraft, Handwerksbetrieben

werden weniger Aufträge

erteilt. „Inder Lausitz schwindet das

Vertrauen in das, was die Politik angekündigt

hat“, sagt Deutscher. Der

Kohlekompromiss wurde im Januar

beschlossen, aber das Gesetz sei

noch nicht da.

Niemand wisse, was mit den versprochenen

Förder-Milliarden wird

und wie der Strukturwandel ganz

konkret vor Ort umgesetzt werden

soll. „Zum Beispiel können unsere

Handwerksbetriebe die bisher vorhandenen

Förderinstrumente gar

nicht in Anspruch nehmen. Da

müsste die Politik schnell die Gesetzeändern“,

sagt Deutscher.

Kandidaten

für

Ministerposten

CDU hat offenbar ihre

Regierungsmannschaft

VonJens Blankennagel, Potsdam

Die Woche der Entscheidungen

ist im vollen Gange. Nun wird

sich herausstellen, ob es im Land

Brandenburg die bundesweit erste

Kenia-Koalition unter Führung der

SPD mit der CDU und den Grünen

gibt. Am Mittwoch um 18 Uhr will

die CDU bekannt geben, ob die Basis

dieser Koalition in einer Mitgliederbefragung

zugestimmt hat. Darüber

soll dann am Sonnabend noch ein

Parteitag entscheiden, da das Votum

der Basis nicht bindend ist.

Der amtierende

CDU-Chef

Michael Stübgen

will Innenminister

werden und

auch Vize-Ministerpräsident.

Der Lausitzer

soll nun nach Informationen

der

Potsdamer

Neusten Nachrichten

auch

Kandidaten für

die anderen beiden

Ministerposten

gefunden

haben, die seiner

Partei zustehen.

Für das Ministerium

für Infrastruktur

und

Landesentwicklung

soll Stübgen

angeblich jemanden

aus der

Bundespolitik

DPA

DPA

Michael Stübgen,

CDU-Chef

Guido Beermann,

Staatssekretär

gewonnen haben: Guido Beermann,

der bisher Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium

in Berlin ist. Er

ist 1965 in Westfalen geboren, Jurist

und war auch Referent im Bundeskanzleramt.

DasJustizministerium soll die Juristin

Susanne Hoffmann übernehmen,

die vonAnfang an im Gespräch

war. Sie ist 59 Jahre alt, war bereits

Abteilungsleiterin im Potsdamer Justizministerium

und übernahm kürzlich

erst ein hohes Amt. Seit Mitte

Juni ist sie Generalstaatsanwaltin

des Landes. Sie folgte damit auf

Erardo C. Rautenberg, der im Juli

2018 verstorben war.

Die SPD entscheidet am Freitag

bei einem Parteitag über die Kenia-

Koalition. Dort soll Dietmar Woidke

Ministerpräsident bleiben. Bei den

Grünen läuft noch eine Urabstimmung,

die am 18. November endet.

Dortsollen wohl Ursula Nonnenmacher

und AxelVogel Minister werden.

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Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 17 *

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Wissenschaft

Viel Plastik in

Kinderstuben

von Fischen

Müll sammelt sich in diesen

wichtigen Ozeangebieten

VonNadja Wolf

Zahlreiche Fische der Weltmeere

sind in ihren ersten Lebenstagen

besonders starkvon Plastikmüll umgeben.

Das zeigt die Studie eines internationalen

Forscherteams vorder

Westküste Hawaiis. Inden Arealen

an der Wasseroberfläche, indenen

sich Fischlarven besonders gerne

aufhalten, schwimmt demnach weit

mehr Plastikmüll als im übrigen

Wasser. Dadie Fische den Müll verschlucken,

vermuten die Forscher

Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette

bis zum Menschen.

In der Studie ging es um die sogenannten

Slicks.Dabei handelt es sich

um planktonreiche, besonders ruhige

Wasserbahnen, die sich wie

Schlieren durch die Meere ziehen.

Vonoben betrachtet sind sie als helle

Linien zu erkennen. DasWasser wird

hier durch Strömungen zusammengedrückt

und ist relativ glatt und

nährstoffreich. Nach Erkenntnissen

der Forscher leben in den Slicks besonders

viele junge Fische. Zugleich

werde dort jedoch auch besonders

viel Plastik zusammengetrieben, berichten

sie im Fachmagazin PNAS.

Das Team um Jamison Gove vom

Pacific Islands Fisheries Science Center

in Honolulu untersuchte von2016

bis 2018 die Slicks und andere Wasserregionen

vor der Westküste von

Hawaii. Es stellte fest, dass die Slicks

besonders reich an Nährstoffen sind.

Durch Strömungen sammeln sich

dort zudem pflanzliches Plankton

und kleinsteWassertiere. Slicks bieten

somit eigentlich ideale Aufwachsbedingungen

für kleine Fische.

8,6 Prozent der Larvenbetroffen

Satellitenbilder zeigten, dass diese

Wasserbahnen zwar nur einen kleinen

Teil des Meerwassers ausmachen,

dennoch lebten dort über 42

Prozent der jungen Fischlarven.

Diese Kinderstube birgt inzwischen

allerdings auch besondereGefahren.

Denn durch die Strömung sammelt

sich dort auch Plastikmüll. Der Studie

zufolge befinden sich mehr als

neunzig Prozent des Plastiks, das an

der Westküste Hawaiis im Meer

schwimmt, in den Slicks.Damit fanden

die Forscher in diesen Wasserbahnen

eine höherePlastikdichte als

im berühmten Nordpazifikwirbel,

der auch Großer Pazifischer Müllteppich

genannt wird.

Die Forscher sezierten 658

Fischlarven aus acht Fischfamilien

und fanden bei 42 Larvenaus 7Familien

Plastikteilchen im Verdauungstrakt.

Darunter war der Nachwuchs

von Schwertfischen, Goldmakrelen,

Fliegenden Fischen (einer Beute von

Thunfischen und Vögeln), aber auch

von Fischen aus Korallenriffen. Mit

8,6 Prozent hatten in den Slicks mehr

als doppelt so viele LarvenPlastik verschluckt

wie im sonstigenWasser.

Dabei enthielten die jungen Fische

vor allem blaue, durchscheinende

Teilchen, die ihrer Nahrungsgröße

vonhöchstens einem Millimeter

entsprachen. Die Forscher vermuten,

dass die Larven das Plastik

mit einer Krebsart verwechseln, die

ebenfalls blau reflektiert und zur

Nahrung der Tierezählt. (dpa/fwt)

Auch in Larven von Fliegenden Fischen

fanden sich Plastikpartikel. JONATHAN L. WHITNEY

Zwei Grundelemente einer nachhaltigen Energieproduktion: Windkraft und Wasser.

Energie aus Wasserstoff

Jules Vernes Vision soll Wirklichkeit werden. Deutschland setzt auf eine neue nationale Strategie

VonTorsten Harmsen

Das Wasser ist die Kohle

der Zukunft“, schrieb der

französische Autor Jules

Verne schon 1874 in seinem

Buch „Die geheimnisvolle Insel“.

Er erklärte: „Die Energie von

morgen ist Wasser, das durch elektrischen

Stromzerlegt worden ist. Dieso

zerlegten Elemente desWassers,Wasserstoff

und Sauerstoff, werden auf

unabsehbareZeit hinaus die Energieversorgung

der Erde sichern.“Wasvor

145 Jahren noch Utopie war,soll jetzt

in großem Stil umgesetzt werden. Die

Bundesregierung hat in der vergangenen

Woche auf einer Konferenz in

Berlin verkündet, bis Ende des Jahres

eine Nationale Wasserstoffstrategie

vorzulegen. Der Wasserstoff sei ein

„Schlüsselrohstoff einer langfristig erfolgreichen

Energiewende“, sagte

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Ziel ist es, bis Mitte des Jahrhunderts

Treibhausgasneutralität zu

erreichen. Hier Antworten auf einige

wichtige Fragen.

InwiefernliefertWasserstoff Energie?

Wasserstoff selbst ist keine Energiequelle

wie Kohle, Erdgas, Erdöl

oder Biomasse.Aber er dient als Energieträger

–und kann entscheidend

dazu beitragen, die fossilen Quellen

zu ersetzen. Denn mit ihm lässt sich

Wind- und Solarenergie speichern

und transportieren. Dasist sehr wichtig,

weil die Energieversorgung aus

natürlichen Quellen wie Wind und

Sonne stark schwankt. Die Energiewende

kann nur gelingen, wenn leistungsfähige

Speicher entwickelt werden,

damit der Stromaus den erneuerbaren

Energien ohne Verluste genutzt

werden kann. Bisher speichert

man überschüssigen Stromunter anderem

in Pumpspeicherkraftwerken,

für die aber der Platz in Deutschland

begrenzt ist, oder mittels zusammengepresster

Luft in Kavernen. Auch

modernste Batterien werden entwickelt.Wasserstoff

ist eine weitere, effiziente

Möglichkeit. Man kann ihn in

großen Mengen speichern und auch

transportieren.

Wie wird Wasserstoff zum Energieträger

umgewandelt?

Das passiert über die Elektrolyse.

Wasser (H 2 O) wird unter Einsatz von

Strom inWasserstoff (H 2 )und Sauerstoff

(O 2 )zerlegt. Elektrische wird in

chemische Energie umgewandelt.

Dies geschieht mittels sogenannter

Elektrolyseure, die zum Beispiel an

stromproduzierende Windparks angeschlossen

werden.

Urstoff.Wasserstoff (H) ist im

Universum das häufigste Element

und das mit der geringstenAtommasse.Esbildete

sich schon kurz nach dem Urknall

vor13,8 Milliarden Jahren.

Die ersten Sterne entstanden

durch Kernfusion von

WasserstoffzuHelium.

DAS HÄUFIGSTE ELEMENT DES UNIVERSUMS

Power-to-Gas-Anlage in Allendorf (Hessen). Mithilfe von Wasserstoff entsteht Methan. DPA

Wie wird Wasserstoff gespeichert?

Dies geschieht, indem Wasserstoff

unter sehr hohem Druck von bis zu

700 bar zusammengepresst oder in

flüssiger Form mit niedrigen Temperaturen

(minus 252,8 Grad Celsius)

gelagert wird. Eine besondere Form

ist die sogenannte LOHC-Technologie.Hier

wirdderWasserstoff in flüssigen

organischen Materialien gebunden.

Er lässt sich in Tanklastern wie

Diesel transportieren, ohne schwere

Drucktanks, was auch die Transportmenge

erhöht. Es gibt sogar Überlegungen,

Strom, der in Solarkraftwerken

in sonnenreichen Regionen produziert

wird, in großen Wasserstofftanks

nach Deutschland zu

transportieren.

IrdischesVorkommen. Auf

der Erde kommt Wasserstoff

alsfarbloses und geruchloses

Gas (H 2 )vor.1766 wurdeer

zumersten Mal untersucht.

Sein Entdecker,der britische

Chemiker HenryCavendish,

nannte ihn „inflammable air“

(„brennbare Luft“).

Gebundene Form. Meist tritt

Wasserstoff auf der Erde gebunden

auf –als Bestandteil

des Wassers und fast aller

organischer Verbindungen,

zum Beispiel vonErdöl und

Erdgas wie Methan. Wasserstoff

ist also nahezu unbegrenzt

verfügbar.

Wo wird Wasserstoff eingesetzt?

Wasserstoff kann als Antrieb für

Fahrzeuge, Schiffe, Kleinkraftwerke,

als Gaszusatz bei der Wärmeversorgung,

bei der Produktion von Strom

und als Basis für künstliche Kraftstoffe

genutzt werden, aber auch bei

der Verringerung des CO 2 -Ausstoßes

in der Industrie.Forscher arbeiten an

verschiedenen Technologien. In

mehreren Bundesländern entstehen

Modellprojekte. In Sachsen-Anhalt

zum Beispiel wollen Forscher testen,

wieviel Wasserstoff man ins Gasnetz

einspeisen kann, um Erdgas beim

Heizen und dem Betreiben von Gasgeräten

zu ersetzen. Die Forscher

hoffen, ein Gemisch mit 20 Prozent

Wasserstoff herstellen zu können. In

Nordfriesland entsteht eine sogenannte

E-Farm. In großem Stil will

man hier Strom aus Windparks in

Wasserstoff speichern, der zuWasserstoff-Tankstellen

gebracht und als

Treibstoff genutzt werden soll. In Hessen

sollen Busse und Züge mit Brennstoffzellen

fahren.

Wie funktionierteine Brennstoffzelle?

DasGrundprinzip der Brennstoffzelle

wurde bereits um 1838 entwickelt.

Vereinfacht gesagt: Es ist eine

galvanische Zelle,die den Prozess der

Elektrolyse wieder rückgängig macht.

Über eine schrittweise Reaktion von

Wasserstoff und Sauerstoff (Redoxreaktion)

entstehen elektrischer Strom,

Wärme undWasserdampf.

IMAGO IMAGES

Werden wir künftig mit Wasserstoffautos

fahren?

Brennstoffzellenfahrzeuge sind

eine Alternativezur Elektromobilität,

also dem forcierten Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien

in Fahrzeugen.

Bisher fahren in Deutschland lediglich

„600 Fahrzeuge mit Brennstoffzellen

auf der Straße, 86Wasserstoffbusse,

30 Züge“, wie

Bundesverkehrsminister Andreas

Scheuer bilanzierte. Bis Jahresende

soll es in Deutschland 100 Wasserstofftankstellen

geben. Dem gegenüber

stehen etwa 17 000 Ladestationen

für E-Fahrzeuge.Wie Studien zeigen,

wären Wasserstoffautos den Batterieautos

vor allem auf langen

Strecken überlegen. Die Tankzeiten

sind wesentlich kürzer als die Ladezeiten

bei E-Autos. Konzerne wie

Toyota, Hyundai und Mercedes haben

Autos entwickelt, darunter ein

Hybrid-Auto,das auf kurzenStrecken

mit Batterie fährt, auf langen Strecken

mit Wasserstoff. Brennstoffzellen

seien vor allem für Großfahrzeuge

wie Busse und Züge geeignet, sagen

Experten. Auch Schiffe könnten mit

Wasserstoff fahren statt mit umweltschädlichem

Schiffsdiesel.

Wassind „grüner“ und „blauer“ Wasserstoff?

Dass Wasserstoff für die Industrie

genutzt wird, ist nicht neu. Er dient

zum Beispiel als Ausgangselement

bei der Ammoniaksynthese zur Produktion

von Düngemitteln, bei der

Raffinierung von Mineralöl, der Synthese

von Methanol und bei der

Stahlproduktion. Der größte Teil des

Wasserstoffs wirdmit dem sogenannten

Reformierungsverfahren gewonnen.

Dabei entzieht man fossilen

Quellen, etwa Erdgas und Kohle,ineinem

schrittweisen Prozess den Wasserstoff.

Als Nebenprodukte entstehen

unter anderem CO 2 und Schwefeldioxid.

Man spricht hier von

„blauem“ Wasserstoff. Ebenso, wenn

der Wasserstoff über Stromaus fossilen

Brennstoffen hergestellt wird.

„Grüner“ Wasserstoff dagegen wird

mithilfe von erneuerbaren Energien

gewonnen. Dessen Produktion setzt

auch keine Treibhausgase frei.

Was passiert bei der Power-to-Gas-

Technologie?

Hier wirdWasserstoff zum Beispiel

dazu genutzt, künstlich Erdgas herzustellen.

Entsprechende Anlagen

gibt es bereits.Sie nutzen Stromüberschüsse

aus erneuerbaren Energien,

um per Elektrolyse Wasserstoff zu gewinnen.

Dieser kommt dann im Untergrundspeicher

mit CO 2 und bestimmten

Kleinstlebewesen in Berührung.

Daraus entsteht Methan

(CH 4 ). Als Kleinstlebewesen dienen

zum Beispiel sogenannte Archaeen.

Biomethan kann überall genutzt werden,

wo sonst Erdgas zum Einsatz

kommt: bei der Strom- und Wärmeproduktion,

als Kraftstoff und in der

chemischen Industrie.

Wo sind die Grenzen und Probleme?

Noch ist die Speicherung von

Energie in Wasserstoff und zurück

recht teuer und ineffizient, denn es

geht zu viel Energie dabei verloren.

Wasdie Brennstoffzelle für den Betrieb

des Autos liefert, ist –nach allen

Umwandlungsschritten – nur noch

ein Drittel des ursprünglich eingesetzten

Stroms. Bisher sind viele

Technologien auch erst im Entwicklungs-

und Modellstadium. Bis zum

Einsatz in der Großproduktion ist es

noch ein langer Weg. Aber um wirklich

Effekte zu bringen, braucht es

eine Wasserstoffwirtschaft im industriellen

Maßstab,zum Beispiel in Raffinerien

und der Stahlindustrie.

Neuer Subtyp

von HIV

entdeckt

Er wurde in Blutproben aus

dem Kongo gefunden

Wissenschaftler aus der Pharmaindustrie

und von der University

of Missouriinden USA haben einen

neuen Subtyp von Aidsviren

nachgewiesen. Er gehört zur Gruppe

Mder HIV-1-Viren und trägt die Bezeichnung

L. Aufdie Gruppe Mist die

globale HIV-Pandemie zurückzuführen.

Über ihre Entdeckung berichten

die Forscher der Firma Abbott im

Fachblatt Journal of Acquired Immune

Deficiency Syndromes.

Wie bei anderen Viren verändert

sich das Erbgut vonHIV im Laufe der

Zeit und es entstehen neue Subtypen.

Es ist wichtig, diese im Blick zu behalten

–umsicherzustellen, dass Tests

anschlagen und Medikamente wirken.

Für den Subtyp Lgibt Anthony

Fauci vom US-amerikanischen National

Institute of Allergy and Infectious

Diseases Entwarnung. Dieaktuellen

Arzneimittel seien dagegen

wirksam, sagte er dem Nachrichtensender

CNN. Zudem seien wenn

überhaupt nur nur wenige Menschen

mit dem neuen Subtyp infiziert.

Dass es neben den bisher identifizierten

neun Subtypen der Gruppe

Meinen weiteren gibt, wurde schon

länger angenommen. Um seine Existenz

zu belegen, müssen Forscher jedoch

drei voneinander unabhängige

Fälle nachweisen. Die ersten Funde

gab es bereits 1983 und 1990 in der

Demokratischen Republik Kongo.

Die dritte Probe, die die Abbott-Forscher

nun untersucht haben,

stammt ebenfalls aus dem Kongo.

Lange Zeit war es aufgrund der

geringen Virusmenge jedoch nicht

möglich, das Genom zu sequenzieren.

Man habe neue Techniken entwickelt,

um die Analyse vorzunehmen,

teilte Abbott mit. Die Firma

macht den Subtyp der Forschungsgemeinschaft

zugänglich, damit sein

Einfluss auf diagnostische Tests, Behandlungen

und potenzielle Impfstoffe

bewertet werden kann. (abg.)

EU lässt erstmals

Impfstoff gegen

Ebola zu

Arzneimittelbehörde hat

Vorteile und Risiken geprüft

D

ie EU-Kommission hat erstmals

einen Impfstoff gegen Ebola zugelassen.

Das Medikament wurde

seit der Epidemie in Westafrika im

Jahr 2014 entwickelt und unter anderem

bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens

schon eingesetzt.

„So schnell wie möglich einen

Impfstoff gegen dieses schreckliche

Viruszufinden, hatte für die internationale

Gemeinschaft Priorität“,

sagte Gesundheitskommissar Vytenis

Andriukaitis am Montag in Brüssel.

DieMarktzulassung sei ein wichtiger

Schritt, um Leben in Afrika und

in anderen Ländernzuretten.

Die EU-Kommission folgt damit

der Europäischen Arzneimittel-

Agentur EMA, die dieVorteile und Risiken

des Mittels Ervebo des Herstellers

Merck Sharp &Dohme B.V. untersucht

und Mitte Oktober die Zulassung

empfohlen hatte.

Der Kongo kämpft nach wie vor

gegen das Virus, mindestens 2100

Menschen kamen seit dem Frühsommer

2018 ums Leben. DieWeltgesundheitsorganisation

hatte noch

im Oktober entschieden, dass Ebola

in dem zentralafrikanischen Land

eine gesundheitliche Notlage voninternationaler

Tragweite bleibe. Bei

der verheerenden Ebola-Epidemie

in Westafrika 2014/2015 verloren

mehr als 11 000 Menschen ihr Leben.

Es war der bislang schlimmste

Ausbruch. (dpa)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 1 3. November 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Jens Keller wird Trainer

des 1. FC Nürnberg

FUSSBALL. Jens Keller soll den

Zweitligisten 1. FC Nürnbergaus der

Krise führen. Der49-Jährige wird

beim Club Nachfolger des in der vergangenen

Woche entlassenen Damir

Canadi. Keller,der zuletzt den FC Ingolstadt

und Union Berlin in der

Zweiten Liga trainierthatte,erhält

bei den Franken einen Vertragbis

2021.

Englands Nationalcoach

suspendiertSterling

FUSSBALL. Torjäger Raheem Sterling

vonManchester City gehört

nicht zum Aufgebot der englischen

Fußball-Nationalmannschaft im

1000. Länderspiel des Teams im

Londoner Wembley Stadion gegen

Montenegro. Laut einer Mitteilung

des Englischen Fußballverbandes

(FA) wurde Sterling „aufgrund einer

Störung in einem privaten Teambereich“

vonCheftrainer Gareth Southgate

aus dem Kader gestrichen. Medienberichten

zufolge hatte es im

Teamhotel am Sonntag einen Konflikt

vonManchesters Stürmer mit

Liverpools JoeGomezgegeben, Details

wurden nicht bekannt.

Lewandowski lässt sich an

der Leiste operieren

FUSSBALL. RobertLewandowski

vonRekordmeister FC Bayern München

wirdsich einer notwendigen

Leistenoperation erst in der Winterpause

im Dezember unterziehen.

Dem31-Jährigen bliebe im Winter

mehr Zeit zur Regeneration. Das

letzten Hinrundenspiel des deutschen

Meisters findet am 21. Dezember

gegen Wolfsburgstatt. Daserste

Punktspiel im neuen Jahr bestreiten

die Bayern am 19. Januar 2020 in Berlin

gegen Hertha BSC.

European Championships

finden 2022 in München statt

SPORTPOLITIK. Diezweite Auflage

der European Championships findet

im Sommer 2022 in München statt.

Vom11. bis 21. August 2022 werden

mehr als 4000 Athletinnen und Athleten

erwartet. In den Sportarten

Leichtathletik, Radsport, Golf, Turnen,

Rudernund Triathlon kämpfen

sie um mehr als 150 EM-Medaillen.

Es ist die größte Sportveranstaltung

seit Olympia 1972, die in München

stattfindet.

ZAHLEN

Fußball

2. Bundesliga

13.Spieltag

Karlsruher SC −ErzgebirgeAue 1:1 (0:1)

1Arminia Bielefeld 13 29: 14 28

2 Hamburger SV 13 30: 12 26

3 VfB Stuttgart 13 20: 18 23

4 Heidenheim 13 21: 14 20

5 ErzgebirgeAue 13 20: 19 20

6 Greuther Fürth 13 16: 18 18

7 Regensburg 13 24: 20 17

8 Sandhausen 13 14: 14 17

9 VfL Osnabrück 13 14: 12 16

10 Karlsruher SC 13 22: 24 16

11 FC St. Pauli 13 17: 17 15

12 Kiel 13 15: 18 15

13 Darmstadt 98 13 14: 18 15

14 Nürnberg 13 21: 27 14

15 Hannover96 13 14: 22 14

16 VfL Bochum 13 24: 26 13

17 Dyn. Dresden 13 14: 24 12

18 SV Wehen 13 14: 26 10

Tennis

ATP-Finals in London

1. Spieltag: Gruppe Andre Agassi: Alexander Zverev(Hamburg/Nr.7)-Rafael

Nadal (Spanien/Nr.

1) 6:2, 6:4, Stefanos Tsitsipas (Griechenland/Nr.

6) -Daniil Medwedew(Russland/Nr.4)7:6 (7:5),

6:4.

Schwarz-Rot-Schnell

Heute vor 25 Jahren: Mit seinem ersten WM-Titel verändertMichaelSchumacherden Motorsport in Deutschland

VonElmar Brümmer

Es ist der Tagvor 25 Jahren,

als ganz Deutschland blau

macht, wahlweise: blau

ist... Jedenfalls im rheinischen

Kerpen, das an diesem Sonntag

in der deutschen Sportgeschichte

so berühmt wird der Boris-

Becker-Ort Leimen elf Jahre zuvor.

Nur hell ist es noch nicht, denn das

entscheidende Ereignis findet am

anderen Ende der Welt statt, im australischen

Adelaide. Für die Millionen

von Frühaufstehern lohnt es

sich, mehr noch als früher die Boxnächte

mit Muhammad Ali: denn

erstmals hat die Autobahn-Nation

einen Weltmeister in ihren Reihen,

unterwegs mit einem blauen Benetton-Rennwagen.

Nach dem ersten

WM-Titel 1994 ist im deutschen Motorsport,

überhaupt im ganzen

Land, nichts mehr so wie es mal war.

Schumi wird zum Synonym für vieles:

Erfolg, Tugend, Geld, Rücksichtslosigkeit,

Treue, Präzision ... Und er

macht die Formel 1, vonden Öffentlich-Rechtlichen

verstoßen, zu einer

Nummer-Eins-Sportart, und damit

auch den Privatsender RTLgroß, der

seinem Paten heute Abend (20.15

Uhr) mit einem Special huldigt.

Schwer ramponiertes Auto

An dem frühen Novembermorgen

vor einem Vierteljahrhundert

herrscht das blanke Entsetzen bei allen

Frühaufstehern, alles scheint aus

in dieser 36. von 81Runden beim

Großen Preis von Australien. Michael

Schumacher ist mit einemVorsprung

von92:91 Punkten auf seinen

Verfolger Damon Hill nach Adelaide

gereist, es ist ein echter Showdown.

Deutschland gegen England, die

große Macht im Motorsport. Benetton

als italienisches Team gegen den

Dinosaurier-Rennstall-Williams.

Schumacher, der Aufsteiger, gegen

denWeltmeistersohn. Unddann das:

Der Kerpener wirft seinen Rennwagen

von der Piste, bugsiert das

schwer ramponierte Auto mit den

Reifen voller Gras noch einmal auf

die Fahrbahn, als wolle er das Glück

erzwingen, könne nicht akzeptieren,

dass der Traum so bitter endet.

Vonhinten naht der Verfolger Hill,

auch er ein Besessener. Inaller Ruhe

hätte er abwarten können, bis des

Gegners Rennwagen liegen bleibt,

doch er setzt gleich zum Überholen

an. Mitdem Instinkt des Rennfahrers

und nach der Regel, dass dem vorne

liegenden die Kurvegehört, verteidigt

Schumacher die Ideallinie. Hill will

sich innen vorbei zwingen, da kracht

Michael Schumacher holt mit dem Team Benetton den Titel.

es am Scheitelpunkt eines scharfen

Rechtsknicks.Der Benetton schlittert

in die Reifenstapel, der Rivale fährt

weiter. Schumacher ist endgültig

draußen, klettert inder Auslaufzone

aus dem Wrack, flüchtet hinter den

Zaun. Der damals 25-Jährige ist sicher:Das

war’s.Hill fährtweiter,dem

Titel entgegen. Seinem Titel. Während

er noch hadertmit sich, wendet

sich das Schicksal. DerWilliams muss

aber an die Box. Dortentscheidet ein

prüfender Blick auf die beim Crash

verbogene Vorderradaufhängung die

Weltmeisterschaft, Hill wird aus dem

Rennen genommen. Technischer K.o.

DPA/MELCHERT

Mehr als ein Anfang

Davon weiß der neue Champion

aber erst mal nichts,erwartet darauf,

dass der Rivale an ihm vorbeirauscht,

hat die Hände in den Fangzaun gekrallt,

schüttelt immer wieder den

Kopf. „Es waren unglaubliche Augenblicke,

ich war völlig aufgelöst. Ich

wusste nicht, was mit Damon passiertwar,aber

ich wusste,dass es kein

Problem für ihn sein sollte,den einen

Punkt Vorsprung, den ich hatte, jetzt

noch aufzuholen“, sagt Schumacher

später. Nur fetzenweise versteht er

den Streckensprecher, irgendwann

schnappt er etwas voneinem Reifenschaden

bei Hill auf. EinStreckenposten

flüstert ihm die frohe Botschaft

ins Ohr. Schumacher kann es kaum

begreifen.Wasfür ein Abschluss einer

dramatischen Saison, in der Hills

Teamkollege und Schumachers großer

Gegner Ayrton Senna ein halbes

Jahr zuvor ums Leben gekommen

war. Acht Siege in 16 Rennen, und

dann mit einem Ausfall Weltmeister

werden: „Ich wusste überhaupt

nichts mehr, ich wusste nicht, ob ich

mich freuen sollte, in mir waren

sämtliche Gefühle total vermischt. Es

war schrecklich da draußen, aber es

war unbeschreiblich, als es dann endlich

feststand.“

DenTitel Senna gewidmet

Sein vielleicht wichtigster der insgesamt

91 Siege polarisiert durch die

Umstände natürlich, Hill unterstellt

Absicht, die Medien schießen sich

endgültig auf Schumacher ein, er

wirdkritischer beäugt als andere, das

Bild vom hässlichen Deutschen wird

gezeichnet. Erst viel später,dasetzt er

schon mit Ferrari an, zum erfolgreichsten

Fahrer der Geschichte zu

werden, wird esmilder. Inzwischen

hat auch der Unfallgegner von Adelaide

seine Kritik teilweise zurückgenommen,

was sicher nicht nur mit

Schumachers Schicksal nach seinem

Skiunfall vorsechs Jahren zu tun hat.

Alle Champions besitzen in ihrem

sportlichen Tuneine gewisse Rücksichtslosigkeit

gegen sich selbst und

andere. Dergerade zum sechsten Mal

gekürte Mercedes-Pilot Lewis Hamilton,

der im kommenden Jahr nachTiteln

mit Schumacher gleichziehen

könnte,ist da keinen Deut anders.

Die Wirkung des ersten Titelgewinns,den

er spontan Ayrton Senna

widmet, ist in der Heimat famos.

Schumachers erster von sieben Titeln

entwickelt eine Sogwirkung. Aus

Schwarz-Rot-Gold wird Schwarz-

Rot-Schnell, die Formel 1wirdsalonfähig,

gräbt Fußball und Tennis Aufmerksamkeit

ab. Zweistellige Millionen-Einschaltquoten

sind die Regel.

Michael Schumacher verleiht einem

Sport, der bis dahin als Abenteuerspielplatz

für Adrenalin-Junkies gilt,

den nötigen Stellenwert. Viele deutsche

Firmen wollen plötzlich in der

Königsklasse mitmischen, steigen

als Sponsoren ein oder mischen

selbst mit. Ganz neue Dimensionen,

auch gesellschaftliche. Deutschland

ist plötzlich wer imMotorsport, weil

Marken wie Mercedes und BMW folgen,

dazu bis heute elf Fahrer,darunter

auch sein Bruder Ralf. Derzwölfte

könnte 2021 Mick Schumacher werden,

der Sohn des Rekordweltmeisters.

Alexander Zverevs Sieg bei den ATP-Finals über Rafael Nadal ist für den Hamburger Tennisprofi ein Befreiungsakt

VonDoris Henkel, London

Vielleicht sollte Alexander Zverev

an höherer Stelle einen Antrag

stellen, dass er nur noch auf diesem

Platz spielen darf. Im vorigen Jahr

hatte er in Londons O2 Arena innerhalb

von 24Stunden Roger Federer

und Novak Djokovic besiegt, nun

folgte an gleicher Stelle der erste

Coup seiner Karriere gegen Rafael

Nadal. In allen drei Fällen gewann er

in zwei höchst überzeugenden Sätzen.

Als er nach dem jüngsten Erfolg

gefragt wurde, obdie blaue Arena in

gewisser Weise ein magischer Ortfür

ihn sei, da ließ er die Magie außen

vor und beschrieb die Verbindung

so: „Es ist definitiv ein Ort und ein

Platz, den ich liebe.“

Beim Sieg gegen die Nummer

eins der Welt in weniger als anderthalb

Stunden schlug Zverev so gut

auf wie vielleicht noch nie in diesem

Jahr. Mehrfach rauschten seine Geschosse

mit mehr als 230 km/h übers

Netz, er gewann 88 Prozent aller ersten

Aufschläge. Inder Rubrik Doppelfehler

stand am Ende eine kleine

2. Der Aufschlag sei riesig gewesen,

fand auch Nadal. Der Spanier fasste

die Sache hinterher so zusammen:

„Sascha hat gut gespielt und ich

schlecht. Aber vor allem hatte ich

einfach nicht den richtigen Kampfgeist,

und das ist enttäuschend.“ Mit

dem zuvor gezerrten

Bauchmuskel, so Nadal,

habe er keine Probleme

mehr gehabt. Er werde es

im nächsten Gruppenspiel

an diesem Mittwoch gegen

Daniil Medwedew

wieder versuchen.

Zverev sagte, ihm klar,

dass dieses erste Gruppenspiel

nicht mehr als ein

Anfang gewesen sei, aber

es war der erste Sieg nach zuvor fünf

Niederlagen gegen Nadal. Eine solch

massive Bestätigung kann er nach

den Orientierungsläufen in diesem

Jahr mit Sicherheit gut gebrauchen.

Erste Siege nach einer Reihe von

Niederlagen öffnen Türen und reduzieren

Ballast, und so trifft es sich

jetzt nicht schlecht, dass Zverev

heute Abend dem Kollegen Stefanos

Tsitsipas begegnen wird, der mit der

gleichen Erfahrung ins Turnier startete.

Fünfmal hatte er zuvor gegen

Daniil Medwedew verloren, zuletzt

erst vor ein paar Wochen in Shanghai.

Sichtlich frustriert hatte er damals

zu Protokoll gegeben, er hasse

sich selbst dafür, dass er

sich jedes Malvom Russen

dessen Spiel aufzwingen

lasse und keinen Wegaus

dieser Misere finde. Die

weitere Beschreibung, er

finde es langweilig, gegen

AP/PEZZALI

Medwedew zu spielen,

trug weiteres zum Eindruck

StarkerAuftritt:

Alexander Zverev. bei, die beiden seien

nicht die engsten Freunde.

Doch danach versprach er

seinem Team, beim nächsten Spiel

nicht wieder zu verlieren, und dieses

Versprechen löste er in London

überzeugend.

Nach seinem Sieg in zwei Sätzen

platzte er fast vor Freude, und nun

wird man sehen, auf welcher Seite

der Befreiungsakt mehr Kräfte freisetzt.

BeiStefanos Tsitsipas,der zum

ersten Malfür die ATPFinals qualifi-

ziertist, der in diesem Jahr zwei Titel

gewann (Marseille und Estoril) und

auf Platz sechs der Weltrangliste

steht? Oder bei Alexander Zverev,der

als Titelverteidiger zum dritten Mal

in London dabei ist, der einen Titel

gewann (Genf) und in der Rangliste

hinter dem Griechen auf Platz sieben

steht? Der Gewinner hat, auch abhängig

vom Ausgang der ersten Partie

des Tages zwischen Nadal und

Medwedew, beste Aussichten, im

Halbfinale zu landen.

Auch zwischen Tsitsipas und Zverev

knirschte es nach diversen Worten

hüben wie drüben eine Weile

lang im Beziehungsgeflecht –wenn

auch nie so massiv wie mit Medwedew.

Doch die gemeinsam verbrachte

Woche Ende September

beim Laver Cup inGenf half. Zverev

sagt: „Der Laver Cup hat uns näher

gebracht. Wirsaßen oft nebeneinander

beim Essen und beim Dinner

und haben deshalb viel geredet. Ich

hab ein bisschen seine Interessen

kennen gelernt und er meine; es ist

alles gut zwischen uns,würde ich sagen.“

Privilegiert

in

Übersee

Cody Kessel trifft mit den BR

Volleys auf seinen alten Klub

VonKarin Bühler

AmWochenende, als seine Teamkollegen

3:0 in Herrsching gewannen

und damit den achten Sieg

im achten Saisonspiel feierten, ging

es Cody Kessel wie derzeit vielen in

Berlin: Der Volleyballer lag schniefend

mit einer Grippe im Bett; seine

Freundin umsorgte ihn, kochte

Suppe, damit er schnell wieder auf

die Beine kommen sollte. Das half

offenbar,denn am Montag nahm der

Außenangreifer des deutschen Meisters

BR Volleys wieder am Mannschaftstraining

teil.

Gegen seinen bisherigen Klub,

den Tabellensechsten SVG Lüneburg,

will Kessel in der Bundesligapartie

an diesem Mittwoch (19.30

Uhr, Schmelinghalle) wieder auf

dem Parkett stehen. Schon in den

Vorbereitungsspielen war Kessel, 27,

mit den BR Volleys auf die Mannschaft

von Stefan Hübner getroffen,

was sich seltsam für ihn anfühlte.

„Den Trainer und das Trikot, in dem

du drei Jahre lang aufgelaufen bist,

auf der anderen Netzseite zu sehen,

war erst einmal gewöhnungsbedürftig“,

sagt der US-Amerikaner.

Die Verabschiedung aus LüneburgAnfang

des Sommers war emotional,

Kessel dankte demVerein und

den Fans im sozialen Netzwerk für

die familiäre Atmosphäre in dem

Klub,indem der junge Mann aus Colorado

Springs ziemlich gut Deutsch

gelernt hat weil ein Fan, der

Deutsch- und Englischlehrer war,interessierten

Spielern einmal wöchentlich

Unterricht bei Kaffee und

Kuchen gab.

Seit der 1,98-Meter-Mann in Berlin

am Netz steht, hat er schon mehrfach

bewiesen, dass er dem Team mit

seiner großartigen Athletik und seiner

positiven Ausstrahlung als Ener-

Mit überdurchschnittlicher Sprungkraft

ausgestattet: Cody Kessel.

CITY-PRESS

giegeber und Punktelieferant weiterhelfen

kann. Seine Abschlaghöhe

steht der vonDiagonalangreifer Benjamin

Patch nicht allzuweit nach.„Es

ist ein Privileg in der speziellen AtmosphäreinBerlin

zu sielen, die auf

der ganzen Welt bekannt ist“, sagt

Kessel. „Der größte Unterschied zu

Lüneburgist die höhereErwartungshaltung.“

In der Meisterschaft, im

Pokal, in der Champions League,die

am 3. Dezember beginnt und ein

neuer Wettbewerb auf einer neuen

Qualitätsstufe für ihn sein wird.

Ob ihm das Druck bereitet? „Es ist

ein Privileg, Druck zu haben. Ichbin

bereit“, antwortet Kessel in der frischen,

optimistischen Art, die Volleys-Manager

Kaweh Niroomand an

seinen US-Spielern derart schätzt,

dass er in dieser Saison gleich fünf

vonihnen in seinem Kader hat. „Das

ist ein Rekord“, weiß Kessel, „so viele

Amerikaner hatten nur die Hotvolleys

Wien 2002 in ihrem Kader.“

Dazu war auch noch der Trainer ein

US-Amerikaner.

Kessel teilt bei Auswärtsfahrten

das Zimmer mit Patch, der aus Utah

stammt. Beide begegneten sich früh

bei Probetrainings in Colorado. Damals

schaute Patch zu Kessel auf.

„Heute ist es umgekehrt“, sagt Kessel,„und

heute leben wir beide unserenTraum

als Profi in Übersee.“


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 19

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Sport

Begeisterung sieht andersaus: Beim Länderspiel Anfang Oktober in Dortmund sind viele Plätze leer geblieben.

IMAGO IMAGES/MATHIAS KOCH

Warnzeichen von der Tribüne

Der DFB hat ein Problem: Die Nationalmannschaft, sein wirtschaftliches und sportliches Zugpferd, füllt nicht mehr zwangsläufig die Stadien in Deutschland

VonFrank Hellmann, Frankfurta.M.

Esist kein Zufall, dass ausgerechnet

Matthias Ginter die

Aufforderung ausspricht,

doch bitte den nächsten

Auftritt der deutschen Nationalmannschaft

zu besuchen. Als einziger

Abgesandter vom aktuellen Tabellenführer

Borussia Mönchengladbach

bewirbt der Abwehrspieler

in einem Videoclip das EM-Qualifikationsspiel

gegen Weißrussland

(Sonnabend, 20.45 Uhr/RTL) im Borussia-Park.

„Bei Heimspielen haben

wir immer gute Stimmung und sind

fast immer ausverkauft“, sagt der 25-

Jährige zu Bildern von feiernden

Fohlen-Anhängern. Dann fügt der

Weltmeister an: „So ähnlich wird es

beim Länderspiel sein. Ich hoffe,

dass viele Fans den Wegins Stadion

finden.“

Der Appell soll retten, was noch

zu retten ist: Bis Montag waren erst

28 500 Tickets für eine Begegnung

verkauft, in der die Nationalmannschaft

den Haken an die Zulassung

zur EM-Endrunde 2020 machen will.

Ähnliche Lücken zeichnen sich drei

Tage später in der Frankfurter Arena

ab: Für die letzte Qualifikationspartie

gegen Nordirland (19. November)

sind knapp 36 000 Karten verkauft.

Die Resonanz ist deshalb enttäuschend,

weil Borussia Mönchengladbach

und Eintracht Frankfurt

mit ihrem Besucherschnitt (jeweils

49 460) an Platz vier und fünf der

Bundesliga-Zuschauertabelle stehen.

Und sospricht sogar Joachim

Löw das Problem an. „Sehr freuen

würde uns,wenn die Stadien gut gefüllt

wären, gerade die jungen Spieler

brauchen die Unterstützung unserer

eigenen Fans“, teilte der Bundestrainer

mit. Unabhängig vonden Ergebnissen

wolle man alles tun, um sich

„mit Mut, Herz und Spielfreude aus

diesem nicht immer einfachen Länderspieljahr

zu verabschieden“.

Kinderunfreundliche Anstoßzeit

In Berngegendie Schweiz: Die deutsche

Nationalmannschaft will sich im Fall der erfolgreichen

EM-Qualifikation offenbar bei einem

Länderspiel Anfang Juni in Berngegen

die Schweiz den Feinschliff holen. Einzige

Einschränkung: Sollten beide Teams bei der

EM (12. Juni bis 12 Juli) in der Gruppe aufeinandertreffen,

findet das Spiel nicht statt.

FÜR DEN FEINSCHLIFF

In Sevilla gegendie Spanien: Das EM-Trainingslager

findet ab Ende Mai im österreichischen

Seefeld statt. Insgesamt sind im Vorfeld

des Turniers zwei Länderspiele geplant.

Im März wird es ebenfalls zwei Begegnungen

geben. Spanische Medien hatten zuletzt

übereinstimmend berichtet, dass die DFB-

Auswahl in Sevilla gastiert.

Doch die Kundschaft ist bei seiner

Mannschaft vermehrt misstrauisch

geworden. Schon beim Freundschaftsspiel

gegen Argentinien (2:2)

waren in Dortmund große Tribünenbereiche

gar nicht erst geöffnet worden.

Für dortige Verhältnisse enttäuschende

45 197 Zuschauer erlebten

einen durch viele Absagen entwerteten

Test. Muss der DFB seine Preispolitik

anpassen? In den Kurven kostet

es 25 Euro (für Mitglieder vom Fanclub

Nationalmannschaft 15 Euro),

auf der Gegengeraden und Haupttribüne

60 beziehungsweise 80 Euro.

Und esist ja eine nette Geste, dass

Kinder auf allen Plätzen nur zehn

Euro bezahlen, aber die Anstoßzeit

von20.45 Uhrist für viele Knirpse ein

Ausschlusskriterium. Speziell unter

der Woche.Inder Bundesliga beträgt

der durchschnittliche Eintrittspreis

knapp 26 Euro. Die Nationalmannschaft

als vermeintliches Premiumprodukt

liegt deutlich drüber,zumal –

wie bei Europapokalspielen der Klubs

–ausschließlich Sitzplätzeangeboten

werden können.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat

bislang darauf verwiesen, dass das

Interesse an der Nationalmannschaft

„noch immer sehr, sehr groß

ist und die Leute gerne ins Stadion

kommen“. Tatsächlich strömten seit

2006 insgesamt 3,87 Millionen Menschen

zu 84 Heim-Länderspielen. Im

Schnitt also rund 46 000. DieAuslastung

in Deutschland (93 Prozent) ist

besser als in England, Frankreich,

Spanien oder Italien. Doch in 2019

könnte der durchschnittliche Länderspiel-Besuch

erstmals auf einen

Negativwertaus 2009 (39 637) fallen.

Zuvor waren in diesem Jahr allen

Unkenrufen zum Trotz die ersten

drei Begegnungen gegen Serbien

(1:1) in Wolfsburg, gegen Estland

(8:0) in Mainz und gegen die Niederlande

(2:4) in Hamburg ausverkauft.

Und in2018 hatte sich der oft beschworene

Zuschauerschwund

noch als Mythos entpuppt, fanden

doch fünf von sieben Heimspielen

vor vollen Rängen statt. Sollte die

Nationalmannschaft als wirtschaftliches

und sportliches Zugpferd dauerhaft

beim Zuschauerzuspruch einbüßen

und sich geringeres Interesse

auch bei Sponsoren oder Fernsehanstalten

abbilden, bekäme der Verband

ein gewaltiges Problem.

Mönchengladbach hatte den

DFB-Zuschlag für ein EM-Qualifikationsspiel

bekommen, weil der

Spielort wie bei der WM 2006 auch

für die EM 2024 durchs Rüttelsieb

gerauscht ist. Bei Frankfurt war die

Gemengelage nicht viel anders: Eigentlich

hätte der DFB-Stammsitz

bereits das erste Freundschaftsspiel

nach der WM 2018 erleben sollen,

doch nachdem es bei einem Montagsspiel

vonEintracht Frankfurtdie

Fans auf die Barrikaden gingen,

setzte sich der damalige Präsident

Reinhard Grindel für eine Verlegung

ein. Letztlich wurde das Freundschaftsspiel

gegen Peru (2:1) dann in

Sinsheim ausgetragen.

Aktuell besteht noch das Problem,

dass sowohl Eintracht Frankfurt

als auch Borussia Mönchengladbach

durch die Europa-League-Teilnahme

eine Vielzahl von stimmungsvollen

Höhepunkten erleben.

Und weil prägende Fangruppierungen

wie die Ultras fast schon aus

Überzeugung keine Länderspiele

unterstützen, ist die Zusammensetzung

einer Länderspiel-Kulisse

gänzlich anders. Die DFB-Auswahl

muss schon Festspiele inszenieren,

um den Stimmungs- und Lärmpegel

zu heben. Dafür gaben allerdings in

jüngster Zeit die wenigsten Auftritte

wirklich durchgängig Anlass. Insofern

könnte die eine oder andere

Werbeaktion auf taube Ohren stoßen.

Die Stunde der Ellenbogen

Am 15. November 1989 verspielt die DDR-Nationalmannschaft in Wien die Qualifikation zur WM 1990. Unser Reporter erinnert sich an einen historischen Abend im Praterstadion

VonMichael Jahn

Ulf Kirsten deckt beim Eckstoß den „kurzen“ Pfosten.

IMAGO IMGES/SPORTFOTO RUDEL

Die Schlange am Fahrkartenschalter

im Bahnhof Berlin-

Lichtenbergist lang und die Bahnangestellte

total überfordert. Es ist Montag,

der 13. November 1989. DieBerliner

Mauer ist erst vier Tage zuvor

gefallen, die Stadt in einem euphorischen

Zustand. Österreich hat DDR-

Bürgernmit einer großzügigen Geste

vorübergehend einige Tage Visafreiheit

erteilt. Auch ich bekomme die

Chance,als Reporter der Berliner Zeitung

nach Wien zu reisen. Dortfindet

am 15. November im Praterstadion

das letzte und entscheidende Spiel in

der Qualifikation für die Fußball-

Weltmeisterschaft 1990 in Italien

statt. Der DDR-Nationalmannschaft

würde ein Remis reichen, um das Ticket

nach Italien zu lösen. Tausende

Fußballanhänger vonRostock bis Aue

nutzen die neue Freiheit und machen

sich auf denWegnachWien. EinBlick

zurück auf die turbulenten Ereignisse

lohnt sich.

Ich bekomme dank der flexiblen

Presseabteilung des Österreichischen

Fußball-Bundes auf den letzten Drücker

eine Akkreditierung als Fotograf,

darfalso hautnah ans Geschehen, obwohl

ich keinerlei Ahnung von Fotografie

habe. Doch das spielt keine

Rolle. Dabeisein ist alles. Und auch

noch mutmaßliche Kollegen aus dem

Westen Deutschlands, von denen

noch die Rede seine wird, tarnen sich

als Bildreporter, allerdings mit der

Absicht, den besten Spielernder DDR

nahe zu kommen, um sie in die Bundesliga

abzuwerben.

Die Mannschaft von Cheftrainer

Eduard Geyer bereitet sich schon einige

Tage vordem brisanten Duell in

Abtnaundorf bei Leipzig in aller Abgeschiedenheit

vorund ist am 9. November

vom Fall der Mauer total

überrascht worden. DieSpieler sitzen

am Abend zusammen vordem Fernsehgerät

im großen Gemeinschaftsraum

der Sportschule,starren wie gebannt

auf die Bilder.Und fragen sich:

Wohin gehen wir nach dem Länderspiel

in Wien? Waspassiert mit uns?

Dürfen wir gleich in die Bundesliga

wechseln, wenn Angebote kommen?

NurGeyer verfällt nicht in Euphorie.

Er ahnt, dass die politischen

Ereignisse die Vorbereitung auf das

Duell gegen Österreich empfindlich

stören würden. Er mahnt die Spieler

zur Konzentration. Wochen nach

dem Duell in Wien sollte Geyer Folnath

als Fotografen in Wien an und

sagt: „Den Karnath schmeißt du

vorne aus dem Zimmer raus und Sekunden

später kommt der vonhinten

wieder rein.“

Steinmann scheitertvom Punkt

Am Abend des Spiels im Praterstadion,

Anstoß 18Uhr, hole ich mein

Foto-Leibchen ab und postiere mich

hinter dem DDR-Tor. Die Atmosphäreist

großartig. Oben auf denTribünen

haben sich im mit 57 000 Zugendes

zum Besten geben:„Der Mauerfall

kam vierzehn Tage zu früh!“

In Leverkusen bereitet unterdessen

Manager Reiner Calmund einen

Coup vor. Der Mann von Bayer 04

hatte schon lange einige Ausnahmekönner

aus der DDR im Visier, nun

sollte seine Stunde schlagen. Neben

zwei Talentscouts schickt Calmund

seinen Vertrauten Wolfgang Karnath

nach Wien. Der war damals Chemielaborant

und Trainer der A-Jugend

bei Bayer 04. Calmund meldet Karschauernausverkauften

Prater neben

4000 Fans aus der DDR auch beinahe

100 Späher und Berater aus der Bundesliga

versammelt.

Ichsehe schon nach zwei Minuten

das 1:0 für Österreich durchToni Polster,

dann nach 23 Minuten einen

Strafstoß für die Gastgeber. Polster

tritt an und verwandelt eiskalt. Als

später Rico Steinmann vom FCKarl-

Marx-Stadt mit einem Elfmeter für

die DDR scheitert, ist das Spiel gelaufen.

Polster ist es, der nach 61 Minuten

auf 3:0 erhöht. Das Praterstadion

explodiert beinahe. ImTohuwabohu

hat sich Karnath nah an die Reservebank

der DDR-Elf geschlichen und

tatsächlich Telefonnummern einiger

Spieler ergattert. Auch Andreas

Thom, „DDR-Fußballer des Jahres“,

wird von Karnath angesprochen. In

diesem Moment beginnt der Ausverkauf

des DDR-Fußballs.

Ichkämpfe mich nach dem Abpfiff

Richtung Kabine der Österreicher,die

ihre WM-Teilnahme euphorisch feiern.

Toni Polster ist natürlich mein

Ziel als Reporter. Irgendwann lande

ich nach dem vollen Einsatz der Ellenbogen

zuerst in der Nähe vonPolsters

Vater und kann ein paar Fragen

loswerden. Später erhasche ich auch

einige Worte des Helden von Wien.

Meine Storysteht.

Am Tagnach dem Spiel reise ich

mit dem Zugnach Berlin zurück. Die

Abteile sind überfüllt. Fans aus der

DDR diskutieren heftig über die Niederlage,

doch die Euphorie über den

Mauerfall überwiegt und lässt den

Fußball zweitrangig erscheinen.

Die schwer geschlagene DDR-

Auswahl fliegt unterdessen vonWien-

Schwechat nach Berlin-Schönefeld.

Mit anBord: Karnath. Calmund ist

schon in Berlin. Noch am Abend

taucht Calmund in der Wohnung von

Thom, dem besten Stürmer des BFC

Dynamo, inder Nähe der Jannowitzbrücke

auf. Dort wird man sich

schnell über einen Wechsel einig.

Schon am 13. Dezember geht der

erste spektakuläre Ost-West-Transfer

über die Bühne. Thom wechselt für

eine Ablöse von rund 2,8 Millionen

D-Marknach Leverkusen.

Nach der verspielten WM-Teilnahme

absolviert die DDR-Nationalmannschaft

1990 noch sieben eher

unbedeutende Länderspiele. Der

letzte Auftritt geht am 12. September

1990 in Brüssel gegen Belgien über

die Bühne. Zwei Monate später löst

sich der DDR-Fußballverband auf.


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 – S eite 20 *

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Sport

Der

gebrochenen

Nase zum Trotz

Herthas Stark will unbedingt

sein Nationalelfdebüt geben

VonSebastian Schmitt

Herthas Innenverteidiger Niklas

Stark ist trotz eines Nasenbeinbruchs,

den er sich am Sonnabend

beim 2:4 im Ligaspiel gegen Leipzig

in einem Zweikampf mit dem Österreicher

Konrad Laimer zugezogen

hat, am Dienstag zum Treffpunkt der

DFB-Auswahl in Düsseldorf gereist.

„Wenn der Bundestrainer anruft und

sagt, er will mich dabei haben, dann

komme ich, wenn ich laufen kann.

Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht“,

erklärte der 24-Jährige, als er

im Teamhotel eincheckte.Ertrugdabei

einen Nasenschutz und hatte

Veilchen an beiden Augen.

Trotz des Handicaps will er am

Sonnabend in Mönchengladbach

beim EM-Qualifikationsspiel gegen

Weißrussland endlich sein Debüt im

Nationaltrikot feiern. Er hat es leid,

als Pechvogel wahrgenommen zu

werden. DasTestspiel gegen Argentinien

am 9. Oktober hatte er ja wegen

eines Magen-Darm-Infekts verpasst,

das EM-Qualifikationsspiel vier Tage

darauf in Estland wiederum wegen

einer Schnittwunde am Bein. Wobei

in diesem Fall ein nächtlicher Zusammenstoß

mit einem Glastisch

die Ursache war.

Grünes Licht vomTeamarzt

Dass der bislang unter Löw am

längsten auf sein Debüt wartende

Spieler nun am Sonnabend womöglich

seine Premiere feiern darf, liegt

kurioserweise daran, dass sich Stark

bereits im vergangenen Jahr beim

2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln die

Nase brach. Denn normalerweise

hätte die Anfertigung einer Spezial-

Maske zu lange gedauert. Weil Stark

den für ihn maßgeschneiderten, aus

Karbon hergestellten Gesichtsschutz

noch im Schrank hatte, erteilte ihm

Herthas Teamarzt Ulrich Schleicher

grünes Licht. „Wenn man die Vorgeschichte

kennt, weiß man, dass er alles

daran setzt sich jetzt zum Nationalspieler

zu küren. Natürlich nicht

auf Kosten der Gesundheit. Daswissen

alle Seiten und sind sensibilisiert“,

sagte Hertha-Coach Ante Covic.Das

letzte Wort hat die medizinische

Abteilung des DFB. Löw soll

Stark bereits eine Einsatzgarantie

ausgestellt haben.

Dass der Franke alles daran setzt,

endlich sein Können auch beim DFB

zu beweisen, liegt auch an der Gunst

der Stunde. Schließlich fallen mit

Bayerns Niklas Süle (Kreuzbandriss)

und Chelseas Antonio Rüdiger (erneute

Leisten-OP) zwei Spieler für

das Abwehrzentrum länger aus.Löw

stehen mit Matthias Ginter (Mönchengladbach),

Jonathan Tah (Leverkusen)

und eben Stark lediglich

drei gelernte Innenverteidiger zur

Verfügung.

Gezeichnet vom Zweikampf

Herthas Niklas Stark.

DPA/GAMBARINI

Der Weisheit letzter Schuss

Zwei Berliner Teams in der Bundesliga,

zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Michael Jahn und Andreas Baingogeben

immer mittwochs ihre Expertise ab.

Michael Jahn für Hertha BSC, seine Hertha,

die er seit mehr als zwei Jahrzehnten als

Reporter begleitet. Und Andreas Baingofür

den 1. FC Union, seine Eisernen, für die er

selbst früher am Ball war.

In der Länderspielpause erinnertsich der eine

an große Momente mit einem Taucher namens

Jürgen Klinsmann, der andere an eine

einmaligeAuferstehung aus Ruinen.

Glanz, auch

glänzende Kontakte

VonMichael Jahn

Wer erinnert sich heute

noch an den Diver?

Jürgen Klinsmann zelebrierte

seinen speziellen

Torjubel in den 90er-Jahren,

wurde damit Kult bei den Tottenham

Hotspurs im Londoner Norden. Der

Weltklassestürmer breitete dabei

seine Arme wie Adlerschwingen aus

und rutschte meterweit bäuchlings

über den Rasen. DieFans gaben ihm

den Beinamen Diver, der Taucher.

Jetzt tauchte Klinsmann, 55, wieder

in Berlin auf. Seit einigen

Tagen hat er einen

Sitz im Aufsichtsrat der

Hertha BSC GmbH &

Co. KGaA und gilt als

der Bevollmächtigte

des Großinvestors Lars

Windhorst.

Wenn ich an den

„Was soll

Klinsmann in

Berlin

bewirken?

Hertha will

von seinem

Netzwerk

profitieren.“

Profi Klinsmann

denke, den Welt- und

Europameister, der

108 Länderspiele bestritt,

habe ich einige

Bilder sofort imKopf.

1990 bei der WM in Italien

raste er durch die

Abwehr der Holländer

und besiegte diese fast

im Alleingang. 1996

nahm er als Kapitän

der Nationalelf aus den

Händen von Queen

Elizabeth II. die EM-Trophäe entgegen.

Ich war in Wembley dabei,

konnte die emotionalen Anführer

Klinsmann und Matthias Sammer

interviewen. Als Reporter erlebte ich

Klinsmann auch zuvor bei der WM

1994 in den USA. Im Februar 1995

besuchte ich ihn in London in Tottenham.

Der Diver befand sich auf

dem Höhepunkt seiner Popularität

und erwies sich als eloquenter und

charmanter Interviewpartner.

Auch den wütenden Klinsmann

sehe ich vormir.Als ihn Trainer Giovanni

Trapattoni beim FC Bayern

1997 gegen seinem Willen auswechselte,

trat der Stürmer ein Loch in

eine Werbetonne. Und noch eine

Szene hat sich bei mir eingebrannt:

eine Sequenz aus dem Dokumentarfilm

vonSönkeWortmann„Deutschland.

Ein Sommermärchen“: Klinsmann

hält als DFB-Teamchef in der

Kabine eine hochemotionale Ansprache

an seine Spieler.Doch nicht

alles ist Klinsmann gelungen. Als

Trainer des FC Bayern scheiterte er

krachend. Und als Trainer der USA

erlebte er in fünf Jahren einige Höhen,

aber zuletzt noch mehr Tiefen.

Die Aufgabe bei Hertha BSC soll

ihn emotional sehr gepackt haben.

Dennoch stelle ich mir die Frage,was

soll Klinsmann in Berlin eigentlich

bewirken? Zumal er weiter in Kalifornien

lebt. Nur ein wenig Glanz und

Glamour in denVerein

bringen, dem die

überregionale Strahlkraft

fehlt? Der Aufsichtsrat

der KGaA

von Hertha besitzt

wenig Einfluss –

schon gar nicht auf

das operative Geschäft.

MitKlinsmann

aber –das ist der eigentliche

Coup -wird

sich Windhorst künftig

in sehr vielen Fragen

beraten. Hertha

will profitieren vom

riesigen Netzwerk

Klinsmanns, der in

den USA, aber auch in

vielen europäischen

Ländern glänzende

Kontakte unterhält.

Aus seinem direkten

Umfeld heißt es, dass Klinsmann

nicht nur die Mannschaft von Hertha

voranbringen will, sondern den

gesamten Verein. Stichwort: Internationalisierung.

Er wird Begeisterung

und Elan in den Klub bringen, kündigte

mir ein Vertrauter des polyglotten

Klinsmann an. Daskann auf keinen

Fall schaden.

Auf der Mitgliederversammlung

am Sonntag habe ich mich umgehört

und Herthaner gefragt, ob sie

sich in einer sportlichen Notlage

auch den Hertha-Trainer Klinsmann

vorstellen könnten? Die Mehrheit

sagte: „Nein!“ Sollte der sehr engagierte

Ante Covic den sportlichen

Turnaround in den nächsten Wochen

nicht schaffen, hat das Grosder

Herthaner nur einen Wunschkandidaten

als Nachfolger:Niko Kovac!

Gelebte, auch

gequälte Einheit

VonAndreas Baingo

Geht es um Zahlen, heißt

es gern,dass die nicht lügen.

Das stimmt nicht

immer, oft aber doch. Im

Fall des 1. FC Union geht das so: drei

Siege in den vergangenen vier Ligaspielen,

13 Tore erzielt (Hoffenheim

hat nur drei mehr), 17 Tore kassiert

(die Bayern haben nur eines weniger!),

Platz 11 und –amwichtigsten –

mit sechs ZählernDifferenz auf Mitaufsteiger

Köln, den Vorletzten, ein

brauchbares Polster auf einen direkten

Abstiegsplatz.

Dashat was!

ZurFeier der Tage

rund um den 30. Jahrestag

desMauerfalls

bin ich angesichts

des zarten Höhenflugs

der Rot-Weißen

ein klein wenig der

„Wer schaffte

es aus der

Schmuddelecke

auf die

große Bühne?

Niemand!

Außer

Union.“

Nostalgie verfallen.

Immer wieder frage

ich mich, obwohl ich

es ja weiß: Woher

kommen die Eisernen

und wie verliefen

diese 30 Jahre?

Diese Geschichte

ist eigentlich ein

Film. Vielleicht eine

Serie, manchmal ein

Krimi (vor dem Kadi

sind Entscheidungsträger

ja gelandet),

ein regelrechtes Rührstück (wo sonst

lassen so viele Fans für ihren Verein

alles anderestehen und liegen?), Klamauk

ist auch dabei (in Vor-Dirk-

Zingler-Zeiten waren manche Bosse

nahe daran, sich die Augen auszukratzen),

selbst ein softiger Pornohat

sich angedeutet (gab es da nicht einmal

eine „Titten-Torte“, von einer

ziemlich schwergewichtigen leichten

Dame zum Auswärtsspiel in

Stendal spendiert?), derzeit jedoch

fließt alles über in gegenseitige Zuneigung.

Kein schlechter Stoff.

Na ja, als es mit dem Mauerfall

um die Wurst ging, um die Plätze in

Bundesliga und 2. Bundesliga, waren

die Eisernen nicht auf der Höhe der

Zeit. Aus der DDR-Liga als Zweiter

nicht aufgestiegen, Hoffnungsrunde

vergeigt, in Liga 3für eine gefühlte

GETTY

Ewigkeit kleben geblieben. Den Rest

mit Lizenzentzug, verweigerter Lizenz,

Absturz inLiga vier und dem

mühsamen Marsch zurück ins Rampenlicht

kennen alle, Junge, Alte,

ganz Junge, ganz Alte. Man könnte

sagen: Auferstanden aus Ruinen …

Dasist eine Story, die alles andere

ist als normal. Noch verrückter wird

sie, wenn ich sie umgekehrt, also

nach hinten, denke. Welche Mannschaften

waren vor 30Jahren oben

dabei und sind jetzt im sportlichen

Jenseits? Noch wichtiger:Wer hat es

geschafft, sich aus der Schmuddelecke

(Stichwort gefälschte

Bankbürgschaft)

rauszuziehen

und doch auf der ganz

großen Bühne zu erscheinen?

Niemand!

Außer Union.

Viele andere, einst

Sterne oder Sternchen,

sind verglüht. Die SG

Wattenscheid, zwei Tage

nach dem Mauerfall mit

dem späteren Union-

Trainer Uwe Neuhaus

als Spieler im Olympiastadion

bei Hertha BSC

und mit den Blau-Weißen

in die Bundesliga

aufgestiegen, ist jüngst

in Insolvenz gegangen.

Einige anderespielen in

der 3. Liga. Wasaber ist

mit Saarbrücken, Homburg,

den Kickers aus Stuttgart? Was

mit Aachen, Cottbus, was mit Ulm,

vor20Jahren für eine Saison dabei?

So kann es auch gehen. Aus diesen

Niederungen sind die Eisernen

gekommen, sie waren nicht nur in

den Augen vieler der sprichwörtliche

Dreck, ihnen ist es in der Tatdreckig

gegangen. Somit ist das, was in Köpenick

passiert ist, ein Traum. Vielleicht,

sogar gelebte, auch gequälte,

deutsche Einheit.

Recht jedenfalls hat einer, wahrscheinlich

aus Versehen, aber zumindest

was die Alte Försterei betrifft,

der damals blühende Landschaften

versprach. Insofernhätte es

viel besser nicht laufen können. Zumindest

für den Moment. Doch der

darf angesichts vonTabellenplatz 11

noch ein wenig andauern.

Aus der

zweiten

Reihe

Felix Kroos spielt kaum –und

will dennoch vorangehen

VonPatrick Berger

Es müsse aber schnell gehen,

„denn um halb eins gibt’s bei uns

Mittag“, sagt Felix Kroos, kurz nachdem

er im Anschluss derVormittagseinheit

in den Pressekonferenzraum

des 1. FC Union zur Medienrunde erscheint.

Der 28Jahre alte Fußballprofi,

eigentlich für seinen trockenen

Humor und seine umgängliche

Art bekannt, ist kurz angebunden.

Undbesser drauf war er auch schon

mal. „Natürlich will ich mehr spielen,

mit der Anzahl der Einsätze bin

ich nicht zufrieden“, sagt er mit ernster

Miene. Auf gerade Mal vier Kurzeinsätzekommt

Unions früherer Kapitän

in der laufenden Saison. Die

Bilanz: zehn Minuten gegen Dortmund,

13 gegen Freiburg, 60 gegen

Bayern und 14gegen Mainz. Trotz

der Reservistenrolle steht der gebürtige

Greifswalder aber voll hinter seiner

Mannschaft. „Es bringt nichts,

wenn ich hier mit schlechter Laune

rumlaufe. Ich will meinen Teil dazu

beitragen, dass wir erfolgreich sind.

Ich will in der zweiten Reihe vorangehen

und die Jungs mitziehen.“ Außerdem

lasse er nicht mehr zu, „dass

der Fußball mich unglücklich

macht“.

Test gegen Kiel alsChance

Daswar durchaus schon mal anders.

2012/2013 etwa durchlebte der Mittelfeldspieler

seine bislang schwierigeste

Karrierephase, als er bei Werder

Bremen für nahezu ein ganzes

Jahr ins Regionalliga-Team degradiert

wurde. „Das einzige Angebot,

das ich damals hatte“, blickt er zurück,

„war vomFSV Frankfurt.“ Mittlerweile

sei er erfahrener und könne

mit solchen Situationen besser umgehen.

„Ich musste aber erst lernen,

den Fußball nicht mit nach Hausezu

nehmen.“ Privat geben ihm Ehefrau

Lisa und sein Golden Retriever Barney

den nötigen Rückhalt.

Im Sommer verlängerte der Bruder

des Real-Madrid-Profis Toni

Kroos,29, seinen Vertragmit den Eisernen

um ein weiteres Jahr.Das bereut

er keineswegs. „Ich bin hier

glücklich seit Tageins. Esist etwas

Großes,mit Union in der Bundesliga

zu spielen. Daran habe ich dreieinhalb

Jahre mitgearbeitet. Jedes Spiel

mit dem Verein ist mehr für mich

wert,als in einem anderen Bundesligaverein

Stamm zu spielen.“ Er

werde seinen Vertrag deshalb „zu

99,9 Prozent erfüllen“.

Heute Abend testen die Köpenicker

An der Alten Försterei gegen

Zweitligist Holstein Kiel (17.30 Uhr) –

und Kroos darf wertvolle Spielzeit

sammeln. „Dukannst so viel trainieren,

wie du willst. Aber Spielzeit in

die Beine zu bekommen, das ist das

Wichtigste.“

Felix Kroos deutet es an: Sein Platz ist

zurzeit auf der Bank.

MATTHIAS KOCH


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Matthias Thalheim

gratuliertBarbara

Plensat zum 80.

Seite 23

„Vielleicht darf man bald von Liebe sprechen.“

Clemens Haustein über die Staatskapelle unter Daniel Barenboim Seite 22

Erinnerung

Cannes,

1939

Susanne Lenz

über ein Festival,

das nie stattgefunden hat

Erinnerung kann vielerlei Form

annehmen. Eine ist das Reenactment

historischer Ereignisse,hierzulande

kennt man es in Form des

Nachstellens bedeutender Schlachten

wie etwa der Völkerschlacht bei

Leipzig von 1813. Vorein paar Tagen

haben in den USA 400 Menschen

den Sklavenaufstand von 1811 an

der German Coast nicht weit von

New Orleans nachgestellt – Befragung

der Gegenwart mittels des

Rückgriffs auf die Geschichte.

In Orléans, Frankreich, wird seit

Montag ein Ereignis nachgestellt,

oder besser gesagt nachgeholt, das

nie stattgefunden hat: das erste

Filmfestival von Cannes im Jahr

1939. Es hätte am 1. September beginnen

sollen, an dem Tag, an dem

Nazi-Deutschland Polen überfiel.

Der Krieg verhinderte das Festival.

Dabei waren die Filme schon ausgewählt

–Hollywood schickte „Mister

Smith goes to Washington“ von

Frank Capra, „Only Angels have

Wings“ vonHowardHawks und „Pacific

Express“ von Cecil B. De Mille.

Es war die Jury besetzt, die Poster

waren gedruckt. Und Gary Cooper,

Gary Grant, Spencer Tracy hatten

längst den von Metro-Goldwin-Mayergecharterten

Dampfer bestiegen,

der sie zur Croisette bringen sollte.

Cannes sollte ein Festival der „freien

Nationen“ gegen den Faschismus

sein, ein Symbol gegen die Mostra

vonVenedig, wo seit 1934 die Coppa

Mussolini verliehen wurde.

Warum nun, 80 Jahre später,

Orléans und nicht Cannes? Orléans

ist die Geburtsstadt von Jean Zay,

Jude, seit 1936 der Minister für Bildung

und die schönen Künste in

Frankreich. Er ist der Gründer von

Cannes, 1940 wurde er von der mit

den Nazis kollaborierenden Vichy-

Regierung verhaftet, am 20. Juni

1944 aus seiner Zelle geholt und in

einem Wald hingerichtet, da waren

die Alliierten schon in der Normandie

gelandet.

Daserste Festival vonCannes hat

im Jahr 1946 stattgefunden, ohne

seinen Begründer.

Benzingetränkte Männlichkeit

James Mangolds Rekonstruktion des Rennstallduells zwischen Ford und Ferrari in den 1960er-Jahren

VonPhilipp Bühler

Sportlich betrachtet, ist das

Kino ein Langstreckenrennen.

Viele schrauben am Erfolg,

nur wenige fahren

Siege ein. Stars verbrennen auf halber

Strecke,anderegewinnen höchstens

mal nach Punkten. Ob die Leute

einen noch wollen, ist schon gar

nicht klar. Videospiele bieten so

manchem denselben Thrill, das

Spektakel findet zuhause statt, ist ja

auch ökologischer. Aber der Fahrer

kann einfach nicht anders, erfährt

weiter im Kreis, treibt die Drehzahl

nochmal ganz nach oben. Weil es so

schön röhrt. Brumm!

„Le Mans 66“ ist ein Rennfahrerfilm,

also verpflichtet zu großem

Kino, und versucht es mit glanzvollen

Namen, schraubt eifrig an Legenden.

Die Rennstallkonkurrenz zwischen

Ford und Ferrari Mitte der

1960er-Jahre ist sporthistorisch eine

kleine Nummer,aber die Geschichte

dahinter reizvoll. Kein anderer als

die jüngst verstorbene Managerlegende

Lee Iacocca gab seinem Chef

Henry Ford II. damals den Rat, die

Generation der Baby Boomer mit

rassigen Sportwagen zu versorgen.

Der Ford Mustang war das erste Resultat.

Doch das Nonplusultra blieb

Ferrari. DemAlten schwebte vor, den

Laden einfach aufzukaufen.

Eine Frage der Ehre

Der Besuch im italienischen Maranello

liefert schon die schönste

Szene. Enzo Ferrari, ein schweigsamer

Padrone mit allen Insignien der

Italianità –Anzug, Sonnenbrille und

jede Menge Espresso –, hört sich die

Vorschläge Iacoccas wortlos an. Als

ihm klar wird, dass auch sein Rennstall

und die Teilnahme am berühmten

24-Stunden-Rennen von Le

Mans auf dem Spiel steht, bricht er

ab. Die Amerikaner hätten seine

Ehre zutiefst verletzt, als Konstrukteur,als

Italiener und als Mann! Kein

Zweifel: Ford und Ferrari, das sind

zwei Unternehmenskulturen, die nie

und nimmer zusammengehören.

Tatsächlich liefert Regisseur

James Mangold („Walk the Line“)

eine interessante Mischung aus Industriegeschichte

und Sportfilm, die

sich mit der Exposition gehörig Zeit

lässt. Darin sieht man den berühmten

US-Konstrukteur Carroll Shelby

Der Ford-Konstrukteur (Matt Damon) und sein Fahrer (Ken Miles).

und den vonihm auserkorenen FahrerKen

Miles bei der Entwicklung ihres

neuen Prototyps, des Ford GT40.

Über weite Strecken ist es ein Film

für Mechaniker –den etatmäßigen

Star Christian Bale als Miles sieht

man häufiger unter seinem Wagen

als am Steuer. Drehzahl, Radstand

oder die Schweredes Motors sind die

Themen. Für den dramaturgischen

Bogen wird Miles als ungestümer

TWENTIETH CENTURY FOX

Typgezeichnet, der mit den Hierarchien

des Konzerns über Kreuz liegt.

Er sei kein Ford-Mann, sagen die arroganten

Schlipsträger. Er ist der

Beste, beharrt Shelby, mit gewohntem

Checkergrinsen verkörpert von

Matt Damon. DasRennen von„Ford

versus Ferrari“ ist da längst ein Wettkampf

„Fordversus Ford“.

Mangolds Leistung besteht darin,

in diesem nicht per se aufregenden

Vorlauf die Spannung zu halten.

Wusste doch schon Steve McQueen:

„Rennen ist das Leben. Alles davor

oder danach ist bloß Warten“. Im

Kultfilm„Le Mans“ von1971 war das,

viel mehr sagte er nicht. Lee H. Katzins

halbdokumentarische Rennfahrerelegie

hatte kaum Dialoge und

streng genommen keine Handlung.

Das legendäre Rennen durch die

Nacht, ein paar flotte Flitzer und

McQueens Starpower waren mehr

als genug. „Le Mans 66“ ist demnach

auch kein Remake. Doch vergleicht

man die beiden Filme, stellt man

fest, wie sehr das heutige Kino sich

anstrengen muss, umdieser Magie

mit viel aufwendigeren Mitteln zumindest

nahezukommen.

Zum Finale aber hat der Film

seine Pferde am Start. Miles fährt

nicht nur schnell, unterstützt voneiner

erwartbar glanzvollen Rennchoreographie.

Erfährt den Wagen, den

er selbst gebaut hat. Mensch und

Maschine sind eins.Wie es da rattert

und röhrt unter seinem Sitz, glaubt

man jede Schraube selbst zu spüren

– und betet, dass sie hält. Zuletzt

hatte man diese Intensität in Damien

Chazelles Mondfahrtepos

„First Man“. Auch da ging es um die

Konstruktion der besten Maschine,

mit der ständigen Gefahr tödlichen

Scheiterns. Die 24 Stunden von Le

Mans des Jahres 1966 sind Miles’persönliche

Mondlandung –mit einem

allerdings noch kurioseren Ausgang,

hier nicht verraten, aber historisch

verbürgt.

Abgesang auf das Autozeitalter

Mangold ist nicht blind für den höheren

Blödsinn eines lebensgefährlichen

und ökologisch kaum mehr

vertretbaren Sports. Zwischen verständlicher

Glorifizierung –esgeht

hier um Autos, die noch als Fetische

taugen –und stiller Kritik bemüht er

sich um eine gewisse Äquidistanz.

Mankann also alles darin sehen: ein

letztes Aufbäumen benzingetränkter

Männlichkeit, oder einen würdevoll

röhrenden Abgesang auf das Autozeitalter.

Injedem Fall ist es intelligente

Unterhaltung, und allemal

besser als ein Videospiel.

Le Mans66–Gegen jedeChance USA, Frankreich

2019. Regie:James Mangold, Darsteller:

Christian Bale, Matt Damon, CaitrionaBalfe u.a.;

152Min., Farbe. FSKab12.

NACHRICHTEN

Tate Modernund Museum

Ludwig planen Warhol-Schau

Im kommenden Jahr widmet das

Kölner Museum Ludwig zusammen

mit der Tate ModerninLondon Andy

Warhol eine große Retrospektive. Zu

sehen sind mehr als 100 Werke, darunter

seine berühmten Darstellungen

vonMarilyn Monroe,Coca-

Cola-Flaschen und Campbell-Suppen-Konserven,

die der amerikanischen

Kultur einen Spiegel

vorhalten. Gleichzeitig soll das Bild

des Künstlers aber auch auf der

Grundlage neuer Forschungserkenntnisse

erweitertwerden. So

wirddie Bedeutung seiner Mutter

herausgestellt, die aus der heutigen

Slowakei in die USA eingewandert

war;ihr fühlte sich Warhol innig verbunden.

Auch seine Homosexualität

soll ein wichtiges Thema der Ausstellung

sein. DieSchau läuft vom10.

Oktober 2020 bis zum 21. Februar

2021 im Museum Ludwig. (dpa)

Städel Museum zeigt

deutsche Zeichnungen

Blick in einen der Ausstellungsräume im

Städel Museum

STÄDEL MUSEUM

Einen Einblick in seinen umfangreichen

Bestand an deutschen Zeichnungen

des 20. Jahrhunderts gibt

vonMittwoch an das Städel Museum

in Frankfurt. DieAusstellung „Große

Realistik und große Abstraktion“

präsentiertrund 100 Arbeiten aus

den Jahren 1910 bis 1989/90. Die

chronologisch angeordnete Werkschau

zeigt, wie sich die Zeichnung

ihreStellung als eigenständiges Medium

erarbeitet hat. Zu sehen sind

wegweisende Blätter unter anderem

vonMax Beckmann, Ernst Ludwig

Kirchner,Emil Nolde,Paul Klee,GerhardRichter,Sigmar

Polke oder Anselm

Kiefer. (dpa)

UNTERM

Strich

Maulfeil

Kritik des

Semikolons

VonUte Cohen

Amerikanischen Serien kann man so einiges

vorwerfen: ein hohes Suchtpotenzial,

Gewaltexzesse und Volksverblödung.

Sprachkritik ist so ziemlich der letzte Begriff,

der einem bei Streaming-Kanälen in den

Sinn kommt, und doch ist es die zweite Staffel

des Netflix-Hits „13 Reasons why“, die zur

Rettung eines Satzzeichens beiträgt.

Clay,eine der Hauptfiguren, lässt sich ein

Tattoo in Form eines Semikolons stechen.

Dasmag als exzentrischer Hautschmuck-Fetisch

gewertet werden, allerdings wäredas zu

kurz gegriffen, denn der Filmcast zog nach.

Seither ziert das Satzzeichen die Körperteile

zahlreicher Seriendarsteller. DaWirklichkeit

nicht selten die Fiktion übertrifft, findet sich

im Real Life tatsächlich ein Vorbild für die

körperliche Verbreitung des Strichpunkts.

2013 erkor das sogenannte „Project Semicolon“

das Satzzeichen zu seinem Signet. Die

Non-Profit-Organisation möchte Selbstmordgefährdeten

und von Depression und

Angstzuständen heimgesuchten Menschen

Mut machen. Die Gründerin der Bewegung,

Amy Bleuel, formuliert das so: Das Semikolon

stehe„für einen Satz, den der Autor beenden

könnte,aber sich dazu entschieden hat,

es nicht zu tun. Dieser Autor bist du –und der

Satz ist dein Leben.“ Dasist ein kleines linguistisches

Wunder, denn dem Semikolon

schien das gleiche Schicksal beschieden wie

dem Jangtse-Glattschweinwal: das ewige

Nichts. Bestenfalls vegetiert es noch als

Zwinker-Smiley dahin. ;-)

Seinem noblen Charakter und der

sprachmächtigen Wirkung wirddie graphische

Umwandlung jedoch nicht gerecht.

DasSemikolon ist nämlich ein Satzzeichen

KARL BURKHARD TIMM

für den mündigen Sprachbürger; man

kann es setzen, ist aber nicht dazu gezwungen.

Es ist der Inbegriff gewählter und geformter

Flexibilität und dadurch so quicklebendig

wie das Leben. Es ist stärker als

das Komma, aber schwächer als der Punkt

und fordert dem Setzenden ein gerüttelt

Maß anÜberlegung ab, dem Leser hingegen

erleichtert esdie Lektüre ungemein.

Wer ist nicht schon an den fatalen Punkt

gelangt, nicht weitermachen zu wollen,

nicht weitermachen zu können? Und dann

taucht da am Horizont dieses Semikolon

auf, das uns bedeutet: Hey, diese Pause sei

dir vergönnt. Es muss nicht immer alles

fließen oder mit einem Paukenschlag zum

Schweigen gebracht werden.

Das Semikolon hilft uns beim Aufatmen,

durchatmen, rhythmisiert und strukturiert,

bevor es zu spät ist. Dasliegt auch an seinem

anarchischen Charakter. Es scheint weder

Fisch noch Fleisch zu sein, setzt sich aus einem

lateinischen Bestandteil (semi: „halb“)

und einem griechischen (colon: „Glied“ einer

Satzperiode) zusammen, und selbst der

Duden erlaubt ihm verschiedene Pluralbildungen.

So streift es in der Mehrzahl als Semikola

und Semikolons durch die Gegend.

Im Griechischen gar stellt es die Fragen,

während ein hochgesetzter Punkt sein Stellvertreter

ist. Demokratisch und teamfähig,

musikalisch und formbewusst –ein Satzzeichen

wahrlich zum Verlieben!

Unter die Haut geht uns der Strichpunkt

ohnehin, ob wir ihn mit blauer Tinte unter

der Epidermis verewigen wollen, ist aber

eine andere Frage. Bazon Brock, der Philosoph

und Denker, meint dazu: „Wer sich tätowiert,

ist ein Faschist.“ Unddas wollen wir

unserem geliebten „Strichpünctleyn“, wie

man imBarock zusagen pflegte, doch weiß

Gott nicht antun.


22 Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019

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Feuilleton

Jam-Session im legendären Tonstudio

Eine filmische 6-Stunden-Ode an Jazz, Blues und Afrobeat: In der Stoschek Collection ist der „Splicing Block“ des kanadischen Videokünstlers Stan Douglas zu sehen

VonIngeborg Ruthe

Äußerlich erscheint das Ambiente

beinahe echt. Die

farbigen Kirchenfenster im

Stile des Art Deco filtern

das einfallende Licht auf fast sakrale

Weise. Drinnen verraten pragmatische

Raumteilungen, zudem grün

und warnend rot leuchtende Hinweisleuchten

über den Schallschutztüren,

dass wir in ein Tonstudio

schauen. In eine Legende,besser –in

deren verblüffende Rekonstruktion.

Das New Yorker Tonstudio „The

Church“, das zwischen 1948 und

1981 in einer ehemaligen Kirche für

bahnbrechende, heute ikonische

Aufnahmen etwa von Miles Davis’

„Kind of Blue“ oder Pink Floyds „The

Wall“ diente, ließ der kanadische Videokünstler

Stan Douglas für einen

sechsstündigen Film – man sollte

also viel Zeit mitbringen, was sich

dann aber auch lohnt! –wiedererstehen.

Er drehte mit der größten Videoarbeit

– „Luanda-Kinshasa“–

eine Odeandie schwarze Musik.

Kuratorin Paola Malavassi hat für

die Berliner Ausstellung in der Stoschek-Sammlung

unter dem Titel

„Splicing Block“ drei einprägsame

Douglas-Arbeiten ausgewählt. Die

Genannte, mit den Namen der

Hauptstädte Angolas und des Kongo

überschrieben, widmet sich unüberhör-

und unübersehbar der Beziehung

zwischen schwarzer Musik

und Gesellschaft. Und auch die Videos

„Hors-Champs“ und „Disco

Angola“ thematisieren (De)Kolonialisierung,

Migration, Jazz, Underground

Disco und Afrobeat. Auf der

Großleinwand im Stoschek-Filmraum

spielt in „Luanda-Kinshasa“

Frauenpower-Szene aus „Luanda-Kinshasa“, 2013 STAN DOUGLAS /V.MIRO UND D.ZWIRNER Aus „Luanda-Kinshasa“, 2013, mit stoischem Tontechniker S. DOUGLAS/ V.MIRO U. D.ZWIRNER

ein Ensemble afroamerikanischer

und ein paar weißer Musiker –zwischen

den Männern eine junge

Drummerin. Das Sechs-Stunden-

Spiel ist eine melodische Metapher

für Leidenschaft, Sehnsüchte, Trotz.

Gedreht wurde an zwei aufeinanderfolgenden

Tagen in jeweils halber

Besetzung. Es gelang, große Namen

für die Aufnahmen zu holen: Liberty

Ellman, Antoine Roney, auch Kimberly

Thompson. Erst im Schneidestudio

vereinte Douglas dann das

ganzeKonzertzudieser langen Jam-

Session. Orientiert hat der fast 60-

Jährige Documenta- und Biennale

Venedig-Künstler sich an Jean-Luc-

Godards Dokumentation von 1968,

bekannt geworden unter dem Titel

„Sympathy for the Devil“.

Stan Douglas ist zur Eröffnung da,

er sagt vorm Eingang zum Film-Saal,

dass Miles Davis’ „On The Corner“

sein Lieblingsalbum sei, und er erklärt

„So klingt für mich Utopie!“

Darum filmte er die Musiker im Stil

und in den Klamotten der 1970er-

Jahre –und lässt sie an ihren Instrumenten

ihre Seele offenbaren, an

den Gitarren, den Saxofonen, Klarinetten,

Trompeten, den Schlagzeugen,

Keyboards und gerade auch den

Bongos. Die traktiert mit erst stolzer

Miene und sanfter Leidenschaft eine

silbergraue Trommler-Gottheit im

dekorativen afrikanischen Kaftan.

Der mitreißende Rhythmus lässt einen

als Zuhörer-Zuschauer kaum

auf der Bank im Videoraum sitzenbleiben.

Über uns ergießt sich ein

ganzes Lexikon der Rhythmen, das

bei dieser minuziös gefilmten Improvisation

aufspielt und einen in

der Dunkelheit des Filmraumes in

die Glieder fährt und eigentlich tanzenlassen

will.

Die junge Drummerin mit ihren

selbstvergessen hübschen Grimassen

schlägt auf die Toms ihres Drumsets

mit heiliger Lust. Man möchte

meinen, sie spiele um ihr Leben. Der

junge Bassgitarrist scheint zu träumen

und einer der Bläser lauscht in

sich hinein, bevor er einsetzt in diese

Session in einem Studio,das einer alten

Kirche gleicht.

Es gibt keine Hierarchien in diesem

Zusammenspiel von Solisten,

die eine zauberische Musik entfalten.

Es gibt nur Menschen schwarzer

und weißer Hautfarbe, die mit ihren

Instrumenten miteinander kommunizieren,

ohne den anderen rechthaberisch

zu übertrumpfen. Und es

gibt schlipstragende Tontechniker,

die in ihren Arbeitskitteln und Overalls

scheinbar ungerührt von der

magischen Musik, sachlich-stoisch

an der Technik schrauben, was die

Inszenierung nicht etwa ernüchtert,

sondern ihr etwas fast Slapstickhaftes

–also eine körperbezogene,wortlose,

visuelle Formen der Komik –

verleiht.

Nach zwei Stunden der „Luanda-

Kinshasa“-Session haben wir eine

typisch Douglas’sche akribische

Konstruktion vonFreiheit erlebt, wie

es sie im realen Alltag und im Zusammenleben

der Menschen, egal,

welcher Nation, welcher Ethnie oder

Schicht ja kaum gibt. DerAfro-Kanadier

Stan Douglas, der seit langem

die Parameter der Medienkunst auslotet,

mag es,die Musik und sein auf

Menschen gerichtetes filmisches

Handwerk, dazu das Schneiden und

das Neu-Zusammensetzen von analogem

Bildmaterial zu etwas so Nie-

Dagewesenem zu verbinden. Damit

unterbricht er gewohnte Erzählstrukturen

–und outet sich als Utopist:

mittels der Kunst.

Julia Stoschek CollectionBerlin Leipziger Str.

60. Bis 1. März2020, Sa+So 12–18Uhr.

www.julia-stoschek-collection.net

Ein Gefühl der Zuneigung

Davon wird man noch seinen Enkeln erzählen: Die Staatskapelle mit Daniel Barenboim

VonClemens Haustein

Zweites Abonnementkonzert der

Staatskapelle in dieser Saison

mit Daniel Barenboim, und man

darf empfehlen –dringender noch

als nach dem ersten Konzert–,möglichst

keinen der künftigen Abende

mehr zu verpassen. DieZusammenarbeit

zwischen Orchester und Dirigent

befindet sich in einer Phase derzeit,

von der man noch den Kindern

und Enkeln erzählen wird.

Das Orchester hat Barenboims

Art zuMusizieren so verinnerlicht,

äußerst exakten Wiedergabe von

Camille Saint-Saëns’ „Orgelsinfonie“.

Eine vielschichtige Dramatik

entdeckt Barenboim im ersten Satz;

der religiöse Tonimlangsamen Teil

–die Orgel (Christian Schmitt) koloriertihn

mit pastoralen Farben –hat

eine Schlichtheit, die sich ganz natürlich

aus der Abwesenheit alles

Gemachten ergibt. Der zweite Satz

bringt bei kernig aufspielenden

Streichern handfesten Humor, der

Schluss einen Jubeltrubel, der vom

Dirigenten nicht weiter angeheizt

wird und deshalb seine Würde berenboims

Arbeitsstil wohl Dinge auf

den Tisch kamen, die länger unbearbeitet

vor sich hingeschwelt hatten.

Vielleicht hat sich auch Barenboims

Umgang mit dem Orchester

verändert. Der Ton kühler Unterwürfigkeit,

der unter seinen Händen

so oft entstand, ist jedenfalls einem

gewichen, dem ein Gefühl der

Zuneigung nicht mehr fremd ist.

Vielleicht darf man bald von Liebe

sprechen.

Zu erleben war das wieder am

Montagabend in der Staatsoper in

einer anrührenden, aufwühlenden,

dass es sich ihrer schon gar nicht

mehr bewusst zu sein scheint, eine

durchaus neue Präzision im Zusammenspiel

kommt hinzu, die auf gesteigerteWachsamkeit

bei Musikern

wie beim Dirigenten schließen lässt.

Lebendiger ist der Klang geworden,

offener und wärmer, nachdem das

oft neutral instrumentenhafte Auftreten

dieses Orchesters Staunen,

aber selten echte Begeisterung geweckt

hatte. Als Außenstehender

darf man rätseln, ob sich darin eine

Erleichterung ausdrückt, nachdem

durch die Diskussion um Daniel Ba-

hält. Das alles vorgetragen in einer

Plastizität, hinter der man ein Resultat

der dreißigjährigen Zusammenarbeit

von Barenboim mit dem

Orchester vermuten darf. Wo kann

man so etwas noch erleben?

In nicht allzu günstiger Weise relativiert

diese Aufführung jene von

Camille Saint-Saëns’ 3.Violinkonzert

zuvor mit Lisa Batiashvili. Die

Schönheit, mit der sie das Stück

spielt, neigt zur narzisstischen

Selbstbetrachtung, auch im zweiten

Satz mit seiner schlicht sich

wiegenden Siciliano-Melodie hält

Lisa Batiashvili an einem süßlichen

Vibrato fest und einer Artikulation

wie mit einem Mund voller Schlagsahne

gesprochen. Eine zwingende

Wirkung ergibt sich für den Hörer

dadurch nicht, das Stück verharrt

in einer harmlosen Virtuositäts-Salon-Ecke,

indie es eigentlich nicht

gehört.

Bleibt noch, auf die Fortsetzung

des großen Barenboim-Staatskapellen-Romans

zu verweisen: am 16.

und 17. Dezember unter anderem

mit Schumanns „Rheinischer“. Da

ist dann fast schon Weihnachten.

TorstenHarmsen liest aus seinem neuenBuch

Der Mond

ist ein Berliner

Am 20. November 2019

18.30 Uhr − 22.00 Uhr

Newscafé, Berliner Verlag

Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

LESUNG

JETZT KOSTENLOS REGISTRIEREN* torstenharmsen.eventbrite.de

*wir schließen die Registrierung nach 100 Anmeldungen


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 23 *

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Feuilleton

Gib dir Mühe,

dir keine Mühe

zu geben

Mac DeMarco spielte in der

Columbiahalle

VonJohannes von Weizsäcker

Viele Endzwanziger,die aussahen,

wie Endzwanziger in unseren urbanen

Zentren eben so aussehen,

waren am Montagabend in die Columbiahalle

gekommen, als hier der

post-ironische Lo-Fi-Softrocker Mac

DeMarco mit seiner Band auftrat

und sein aktuelles Album „Here comes

the Cowboy“ bewarb,aber auch

viele seiner schönsten Erfolge aus

früheren Werken seiner nunmehr

ein gutes Jahrzent andauernden Karriereaufführte.

Während dieser zehn Jahre hat

der aus Edmonton in der kanadischen

Prärieprovinz Alberta stammende

DeMarcoein seinem Slacker-

Image diametral entgegengesetztes

Atbeitsethos unter Beweis gestellt, in

dem er unermüdlich wackelige Garagenrock-Retro-Melancholie-Platten

aufnahm sowie auf vielen hundert

Bühnen Bier verkleckerte und

allgemein viel Unfug anstellte. Gern

erinnern wir uns an sein Konzert im

kleinen Kreuzberger Privat-Club vor

etwa fünf Jahren, als er das halbe Publikum

in den winzigen Backstage-

Bereich einlud und eine richtig fetzige

Bier-Party gab!

Heutzutage tritt DeMarco vor

dem zwanzigfachen Publikum auf.

Er ist der gewinnend grinsende

Holzfällerhemd-Typ, den alle Mädchen

toll finden, der alle Jungs sein

wollen und der auf jeder Party der

Mittelpunkt ist, obwohl er sich am

wenigsten Mühe gibt, cool zu sein.

So auch in der Columbiahalle,wo

DeMarco und seine Band ein erstaunlich

leises Konzert gaben und

dabei längereunverständliche Ansagen

machten, aber dennoch die

Stimmung aufrechterhielten. Weiter

vorne wurde getanzt oder applaudiert,

unter anderem als DeMarcoeinen

Handstand machte, und weiter

hinten unterhielt man sich und war

dabei ausgelassener Stimmung.

Leider gingen in der hinteren

Hälfte die Klangdetails insbesondere

des balladesken Materials etwas unter

–wie etwa beim Retro-Synthesizer-dominierte

Eröffnungsstück „On

Macht gerne mal Unfug auf der Bühne:

Mac DeMarco

ROLAND OWSNITZKI

the level“, der aktuellen Single „Nobody“

oder dem wunderschönen

„My kind of woman“, bei dem De-

Marco aber dafür das Publikum

durch eindrücklich fingerwedelndes

Feindirigat animierte, wie er überhaupt,

durch seinen seit einiger Zeit

die Baseballkappe ersetzenden, perfekt

doofen Anglerhut unterstrichen,

nach wie vor ein formidabler Herumwedler

und Hüpfer ist.

Aber auch ein guter Zigarettenstimmen-Sänger.Ebenso

fähig seine

Band, was in all dem Herumgealber

ebenfalls etwas unterging. Dassollte

es aber auch. Nirgends wurde dies

deutlicher als im an DeMarcos

Freundin Kiera McNally gerichteten

Schlusslied „Still together“, dessen

Falsett-Refrain die Melodie von„The

Lion Sleeps Tonight“ appropriierte,

Gitarrist Andrew Charles White ein

betont unengagiertes Gitarren-Solo

aufführte,das so klang, als würde ein

Teenager im Gitarrenladen ein neues

Verzerrerpedal ausprobieren. Bloß

keine Wichtigtuerei.

Sie warnicht die erste Frau in diesem Metier,aber vielleicht die energischste und rebellischste: Barbara Plensat.

VonMatthias Thalheim

Das unter ihrem Charme

lebendige Interesse am

Gegenstand ist Barbara

Plensats entscheidende

Treibladung. Ohne die hätte sie die

300 Hörspielinszenierungen nicht in

dieWelt setzen können –nicht für den

Rundfunk der DDR und nicht bei

RBB,MDR und Deutschlandradio.

Als sie dreißigjährig Ende der

60er-Jahre ihre Laufbahn als Hörspielregisseurin

begann, war dieses

Gewerk bei ARD und DLF noch eine

ausschließliche Männerangelegenheit.

Im Funkhaus in der Ostberliner

Nalepastraße dagegen war sie damals

beileibe nicht die erste Frau in

diesem Metier, gab es mit Ingeborg

Milster, Flora Hoffmann oder Maritta

Hübner eine ganze Reihe von

inszenierenden Frauen. Barbara

Plensats Energie,ihr Ehrgeiz und ihr

rebellisches Berliner Temperament

ließen sie bald zu einer gefragten

Frau am Regiepult werden –für eine

ehemals bei der Deutschen Post angestellte

parteilose Studiotechnik-

Assistentin ein bemerkenswerter

Quantensprung.

Hörspiele vonHelmut Bez,Hans-

Jörg Dost oder Gisela Steineckert zu

inszenieren, waren Herausforderungen

auf hohem Niveau. Erst recht

Funkbearbeitungen der Werke von

Diderot, Lenz, Brecht, Heinrich

VonTorsten Wahl

Graubrot mit Gelee

Zum 80. Geburtstag der Hörspielregisseurin Barbara Plensat

Mann oder von Carson McCullers.

Mit ihrem Mentor, Günter Rücker,

zeichnete Barbara Plensat schließlich

gemeinsam für die Inszenierung

vonWolfgang Kohlhaases„Die Grünstein-Variante“

verantwortlich, für

die 1977 in Venedig zum ersten und

einzigen Mal der Prix Italia einer

Hörspielproduktion aus der DDR

zuerteilt wurde.

Mit welchen der jährlich 300 im

Bereich Funkdramatik entstehenden

Produktionen man betraut

wurde, war eine Frage von Interesse

und Temperament. Es konnten

kunstvoll drapierte Cremetorten

sein oder einfache Graubrote, die

man in den beiden, im Drei-Schicht-

Betrieb arbeitenden Hörspielstudios

in der Nalepastraße zu backen hatte.

Barbara Plensat konnte beides, und

versah die Graubrote, die das Gros

des Spielplans ausmachten, mit Rosinen

und Gelee-Einsprengseln. Das

waren Hörspielmusiken von Komponisten

wie Reiner Bredemeyer

oder Hermann Keller; waren Ausbrüche

aus den zwar genial gebauten,

aber auf die Dauer aseptisch

wirkenden Studioakustiken in die

Unwägbarkeit von Originalschau-

Barbara Plensat war frech,

verschmitzt und sperrig,

dennoch konnte sie sich darauf verlassen,

dass ihr, wenn sie ein Manuskript

ablehnte zu inszenieren, dies nicht

nachgetragen werden würde.

plätzen und waren Besetzungen mit

erlesenen Darstellern von Dagmar

Manzel bis Jürgen Holtz.

Barbara Plensat war frech, verschmitzt

und sperrig, dennoch

konnte sie sich darauf verlassen,

dass ihr,wenn sie ein Manuskript ablehnte

zu inszenieren, dies nicht

nachgetragen werden würde.Sie war

fest angestellt, neue Aufträge würden

kommen. Sie hat ins Finnische,

Polonaise mit dem Partygirl

Annett Louisan sang und tanzte im Tempodrom

Die poetischen Qualitäten des

Namens Torsten hat noch keiner

und keine ausgereizt. Annett

Louisan versucht es immerhin und

landet dann doch beim naheliegenden

Reim –den Borsten. Diese dreht

der schnarchende Torsten nachts

seiner Holden zu, die derweil voneinem

Verführer im Stil von „Fifty

Shades Of Grey“ träumt, der sie im

Helikopter zum Dinner auf der Yacht

in Saint-Tropez entführt. Das kann

kein Torsten, mit oder ohne Borsten.

Das Spiel mit den Geschlechterklischees

treibt Annett Louisan

schon seit 15 Jahren – damals erschien

ihr gefeiertes Debütalbum

„Bohème“, das über ein Jahr in den

Charts stand, und deren Hits wie

„Das Gefühl“, „Das Spiel“ oder

„Daddy“ sie auch im Tempodrom

singt. In diesem Jahr hatte sie nach

fünf Jahren Pause neue eigene Lieder

veröffentlicht. „Kleine große Liebe“

ist ein Doppelalbum, dessen zweigeteilte

Struktur auch das Konzert bestimmt.

Denn unter dem Motto

„Kleine Liebe“ singt Annett Louisan

nicht nur über „Two Shades Of Torsten“,

sondern wird akustisch begleitet

und trinkt auf der Bühne Ayurveda-Tee.

Für die zweite, poppigere

Hälfte mit der „Großen Liebe“ aber

hat sie das schwarze Kleid mit einem

Glitzer-Hosenanzug vertauscht. Die

Band um Gitarrist Hardy Kayser, ihremmusikalischen

Begleiter vonAnfang

an, greift zu elektrisch verstärkten

Instrumenten.

Ihre neuen Texte sind zwar weniger

verspielt und doppeldeutig als

früher, bleiben manchmal Frauenzeitschriftkolumnen

in Reimform –

neckisch umgesetzt, stimmlich

überraschend variabel. So lässt sie

sich bei „24 Stunden“ die Haare von

einer Windmaschine zerzausen, als

kämpfte sie vor einem ersten Date

mit einem überdimensionierten

Föhn. Dafür sind einige Lieder persönlicher

und intimer als gewohnt.

So widmet sie ihrer damals noch ungeborenen

Tochter den Song „Ein

besserer Mensch“. Die Ballade

Treibt das Spiel mit den Geschlechterklischees:

Annett Louisan.

IMAGO

„Meine Kleine“ singt sie aus der Perspektive

ihrer Mutter. Sie war bei ihrer

Geburt erst 20 Jahre alt, zog sie

ohne Mann in einem Dorf an der

Elbe groß und ging mit ihr kurznach

dem Mauerfall in den Westen nach

Hamburg. Die noch ungetrübte

Stimmung Ende 1989, Anfang 1990

feiertAnnett Louisan aus der naiven

Sicht der Zwölfjährigen, die sie damals

war, imSong „Die Straße der

GREGOR BARON

Tschechische oder Griechische

übersetzte DDR-Hörspiele in Helsinki,

Prag und Athen inszeniert. Das

waren oft sprachliche Blindflüge,die

enormes Einfühlungsvermögen verlangten.

Als für das Ost-Hörspiel im Dezember

1991 der allerletzte Vorhang

fiel, war sie 52 Jahre alt und hatte

glücklicherweise einen Namen in

der gesamtdeutschen Radioszene.

Vieles in Frankfurt, Saarbrücken

oder in der Charlottenburger Masurenallee

ähnelte dem schließlich

sterbenden Studiobetrieb in Oberschöneweide.

Nur war man jetzt gut

beraten, besser kein Regieangebot

mehr abzulehnen. Denn danach, so

musste sie bald erfahren, kam nun

kein weiteres mehr.

Hörspiele von Irina Liebmann,

Rolf Schneider, Volker Braun wie

auch von Ingomar von Kieseritzky

oder Jakob Hein waren und sind es,

die Barbara Plensat bis in die heutigen

Tage beschäftigen und die sie

mit ihrer Regiearbeit versehen ans

Publikum entsendet. Eine Frau, die

fünfzig Jahre lang erfolgreich Hörspiele

inszeniert, gibt es in der

deutschsprachigen Arena nur diese

einzige –BarbaraPlensat.

Eine Regiearbeit von BarbaraPlensat strahlt

RBB-Kultur am Freitag,13. Dezember um 22.04

Uhr aus: „Die 14.Provinz“ vonVolkerBraun, Mit

Angela Winkler,Götz Schulte, Jutta Wachowiak

Millionäre“. DerTitel erinnertandie

ominösen Postwurfsendungen, die

damals jedem Ostdeutschen einen

Millionen-Gewinn versprachen. Annett

Louisan zelebriert den Jubelsong

mit einer Polonaise quer durch

das Tempodrom, was angesichts ihrerGröße

von1,52 Meter recht mutig

ist –denn sie ist ja zwischen den Fans

gar nicht zu sehen.

Dieimmer wieder spürbareNähe

zu ihren meist weiblichen Fans,viele

sind als Mutter-Tochter-Gespann

gekommen, ist überhaupt die größte

Basis ihres Erfolgs. Annett Lousian

singt zwar Popchansons, agiert aber

nie wie eine unnahbare Diseuse,

sondern ist das Partygirl geblieben,

mit dem man um den Block ziehen

möchte. Sie hat zwar wegen der Geburt

ihrer Tochter ihre Karriere unterbrochen,

geht aber keineswegs im

streberhaften Mutterdasein auf. In

der zweiten Hälfte teilt sie sich mit

ihrem Schlagzeuger eine Zigarette

und trinkt, passend zum Hit„Dasalles

wär nie passiert“ ihren obligatorischen

Prosecco.

NACHRICHTEN

Zum Jubiläum: Beethovens

Leben wird verfilmt

Als musikalisches Wunderkind, als

junger Rebell und als gehörloser und

einsamer Mann: EinSpielfilm will

sich dreimal dem Komponisten Ludwig

vanBeethoven(1770-1827) nähern.

„Louis vanBeethoven“ soll

zum Beethovenjahr 2020 im Ersten

gezeigt werden, teilte eine PR-Agentur

am Dienstag mit. Derzeit werde

in Nordrhein-Westfalen und Tschechien

gedreht. Für die Rolle des Musikgenies,dessen

Geburtstag im

kommenden Jahr 250 Jahrezurück

liegt, stehen –jenach Lebensphase –

neben dem Jungpianisten Colin Pütz

auch Anselm Bresgott und Tobias

Moretti vorder Kamera. DasDrehbuch

für die Koproduktion vonARD

Degeto,WDR und ORF schrieb Niki

Stein, der auch Regie führt. (dpa)

Bild am Sonntag: Marion

Hornverlässt Chefredaktion

Marion Horn (53) tritt als Chefredakteurin

der Zeitung Bild am Sonntag

ab.Horn, die seit dem 1. Oktober

2013 die BamS-Redaktion leitete,

verlasse Axel Springer vordem Hintergrund

neuer,übergreifender Redaktionsstrukturen

bei Bild auf eigenen

Wunsch, teilte das Medienhaus

am Dienstag mit. Nachfolgerin wird

ab sofortAlexandraWürzbach (51),

bislang Stellvertreterin vonBild-

Chefredakteur Julian Reichelt. Horn

war 2001 zu Bild gekommen. Dort

war sie bis 2007 stellvertretende

Chefredakteurin, bevor sie in gleicher

Position für ein Jahr zur BamS

wechselte.2008 kehrte sie zu Bild zurück

und wurde 2012 Stellvertreterin

des damaligen Chefredakteurs Kai

Diekmann. DasBamS-Team werde

in der neuen Redaktionsstruktur

eine wichtige Rolle spielen, erklärte

Horn.„Eine eigenständige Redaktion

ist aber eine wichtige Basis für

meine Artdes Journalismus.“(dpa)

„Lebendes Kreuz von

Ferrara“ wird restauriert

EinKunstschatz wirdmit vereinten

Kräften restauriert. Dasknapp drei

Meter hohe Altarbild „Lebendes

Kreuz vonFerrara“ vonSebastiano

Filippi, gen. Bastianino ging als Dauerleihgabe

der Humboldt-Universität

an die Staatlichen Museen zu Berlin.

Mitfinanzieller Hilfe der Ernstvon-Siemens-Kunststiftung

wirddas

Werk in der Restaurierungswerkstatt

der Gemäldegalerie umfassend untersucht

und restauriert. Nach über

100 Jahren Lagerung kann es damit

ab Sommer 2020 der Öffentlichkeit

wieder zugänglich gemacht werden.

DerSpätmanierist Bastianino (ca.

1532–1602) hatte das BildwerkMitte

oder Ende des 16. Jahrhunderts für

die Konventskirche Santa Catarina

MartireinFerrarageschaffen. Dann,

und noch bis 1985, galt es als verschollen.

1912 schenkten die Nachfahren

des Hamburger Konsuls EduardFriedrich

Weber das Gemälde

der Friedrich-Wilhelms-Universität

(heute: HU). DieTafel aus Pappelholz

lagerte über die Kriegsjahreim

Berliner Dom, bekam Risse und

Farbschäden, die nun repariertwerden.

(BLZ)

TOP 10

Montag,11. November

1 Irgendwas bleibt ... ZDF 5,28 16 %

2 Bauer sucht Frau RTL 5,22 17 %

3 Tagesschau ARD 5,01 16 %

4 Wer weiß denn ... ? ARD 3,75 18 %

5 heute ZDF 3,53 14 %

6 SokoPotsdam ZDF 3,48 16 %

7 heute-journal ZDF 3,42 12 %

8 Extra RTL 3,34 16 %

9 RTL aktuell RTL 3,32 14 %

10 Leute heute ZDF 3,08 17 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

BÜHNE

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

19.00: No Limits: 4Legs Good (Claire Cunningham)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Die Möglichkeit einer Insel

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: Phädra

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00, 20.00: Tschick

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Die Männerfalle

HAU1(✆25 90 04 27)

19.00: No Limits: Marat/Sade (Monster Truck &

Schauspielhaus Bochum)

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

19.30 Studio: Der Morphinist

Jugendstrafanstalt Berlin

(Friedrich-Olbricht-Damm 40) 17.30 Kultursaal:

Woyzeck (aufBruch –Kunst Gefängnis Stadt)

Komödie am Kurfürstendamm im SchillerTheater

(✆ 88 59 11 88) 16.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.00: 4. Berliner Herbstsalon: Die Hamletmaschine

(Exil Ensemble)

20.30 Studio: 4. Berliner Herbstsalon: Auction of

Souls (Arsinée Khanjian)

Reinbeckhallen (✆ 20 39 31 11)

19.00: Utopia Ltd. oder die Blüten des Fortschritts

(The Metafiction Cabaret, Maja Lange(Sopran), Ingo

Volkmer (Bariton), Projektchor der Joseph-Schmidt-

Musikschule)

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Ewig Jung

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: status quo

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Scotty (Oranienstr.46)

16.00: 4. Berliner Herbstsalon –DE-Heimatize it!:

Atem (Mehtap Baydu)

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

20.00 Hochzeitssaal: FanDeEllas (Catalina Fernández,

Juliana Piquero, Alex Viteri)

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

20.00: DasLebeneines Narren (4RUDE)

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Gelacht, geweint: Fontane

Theater Thikwa (✆ 61 20 26 20)

21.00: No Limits: Ich war einmal. Nun bin ich. (Cie

BewegGrund, Danza Mobile, tanzbar_bremen)

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Ruhm

Villa Neukölln (Hermannstr.233)

21.00: Ich bin ein Berliner (Andreas Göx)

KABARETT/VARIETÉ

AHA Berlin e. V. (✆ 89 62 79 48)

20.30: Go West ComedyShowcase (Amelia Jane

Hunter,Lisa Frischemeier,Joe vonHutch, Ben

MacLean)

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die 5glorreichen Sieben (Meret Becker,

Anna Fischer,AnnaMateur, Andreja Schneider und

Katharina Thalbach)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: 8Songs (Gastspiel Gandini Juggling,London)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30: Die Ding-Show(ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Estrel Showtheater (✆ 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Kulturhaus Spandau (✆ 33 34 02 1/ 22)

19.00 Theatersaal: Magie &Comedy(Trick Pack)

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher (Fil)

KALENDER

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Vorder Ehe wollt’ ich ewig leben (Stephan

Bauer)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Ick &Berlin (Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Cosmo (Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

Stage Theater des Westens (✆ 018 05 44 44)

18.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Zauber Zauber –Nichts ist wie es scheint

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: WorldofLehrkraft –Ein Trauma geht in Erfüllung

(HerrSchröder)

KLASSIK

Kaiser-Friedrich-Gedächtnis-Kirche (✆ 391 13 01)

17.00: Tobias Tobit Hagedorn(Orgel und Elektronik),

EmporenkonzertI–Innen und Außen: Zukunft

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Kl. Saal: Julia Fischer (Violine), Aris Alexander

Blettenberg (Klavier), Mozart: Sonate für Klavier und

Violine Es-Dur;Fauré:Sonate für Violine und Klavier

A-Dur op. 13; Poulenc: Sonate für Violine und Klavier;

Schubert: Fantasie für Violine und Klavier C-Dur

20.00 Gr.Saal: StudioChor Berlin, Ltg.Alexander

Lebek, Kammerakademie Halle, Carine Tinney

(Sopran), YannickDebus (Bass), Johannes Brahms:

„Ein deutsches Requiem“ für Soli, Chor und Orchester

op. 45

Lukaskirche Steglitz (✆ 795 50 51)

19.00: Markus Epp, Orgel to go!–playorgan, play,30

MinutenOrgelmusikaus Film, Pop, Jazz

Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt

(✆ 81 70 47 26) 19.30: Gitarren-Salon –ZuGast

bei Denis Marukevich

Musikinstrumenten-Museum (✆ 25 48 11 78)

15.30: Jour fixe –Musik am Nachmittag

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00 Ausstellungsfoyer: Philharmonischer Diskurs:

30 Jahre Mauerfall, Marianne Birthler und Kevin

KühnertimGespräch mit Theo Koll; Stipendiat*innen

der Karajan-Akademieder Berliner Philharmoniker

spielen Werkevon Beethovenu.a.

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Die besten Beerdigungen der Welt

(ab 5J.)

10.30: Ben liebt Anna (ab 8J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: Piraten, Piraten (ab 4bis 10 J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.30: PippiLangstrumpf (ab 5bis 11 J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Die LückeimBauzaun (ab 6J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

9.00, 11.30: Bubble Jam, Rimini Protokoll, Cloud-Performance

mit Smartphones (ab 12 J.)

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Sag es jetzt,sag es laut! Demoplakate

10.00: Aufdem Holzweg,Ausstellung über Holz

14.00: Kerzenfärberei, Bezahlwerkstatt: 2€

Palazzo

Beim Essen

lacht

man doch

Beim Essen spricht man

nicht, sagen Menschen,

die ganz alte Regeln verinnerlicht

haben. Aber lachen darf

man schon, wenn der Restaurantunterhalter

Hans-Peter

Wodarz nun wieder Clowns

und Akrobaten zwischen die

Tische des Palazzo-Zelts jagt.

Man muss ein bisschen umdenken,

wenn man sich vorstellt,

fein essen zu gehen.

Denn die Speisen sind zwar erlesen,

aber die Atmosphäre

drumherum ist nicht eben

vornehm. Eine ungleiche und

meist uneinige Verwandtschaft

kündigt das Programm

an. Erfahrungsgemäß wird

also gerannt, gesungen und

bis unters Zeltdach gesprungen.

Da wirbeln sich Frau und

Mann berollschuht auf winzigen

Podesten herum. Kellner

laufen auf Händen, Hulahoop-

Reifen vervielfachen sich. Als

Zuschauer muss man nur aufpassen,

sich nicht zu verschlucken.

Cornelia Geißler

Palazzo ab 13.11., 19.30 Uhr,Hertzallee/Bahnhof

Zoo, Tel.:01806 388883

Auf mittelalterliche Musik spezialisiert: das Ensemble Voxnostra

Frank Michael Beyer, der

2009 gestorbene Berliner

Komponist, lieferte in seinen

letzten Lebensjahren

eine bemerkenswerte Einschätzung

der musikalischen Gegenwart: Wir

lebten in einer große Zeit der Musik,

nur manifestiere sich das nicht unbedingt

in Werken. Die Musik hat

Möglichkeiten und Freiheiten wie

noch nie, aber deren Bündelung zu

einem Werk von Beethovenscher

Schlagkraft scheint in den allermeisten

Fällen über die Kräfte eines einzelnen

zu gehen.

Indes ist der von Beyer beschriebene

Zustand in der Musikgeschichte

nicht einzigartig. In der Renaissance

standen die Komponisten

vor einer ähnlichen Situation. „Musica

prisca caput tenebris modo sustulit

altis (ungefähr:„Die altehrwürdige

Musik erhob ihr Haupt aus der

Dunkelheit“): So beginnt ein Madrigal

vonNicolaVicentino,der die mittelalterliche

Musiktheorie mit Ideen

aus der Antike zu bereichernsuchte.

Chromatik und Enharmonik waren

seine Arbeitsfelder, also Tonschritte,

die zwischen den weißen Tasten unseres

Klaviers liegen (Chromatik)

Musik jenseits des Werks

Peter Uehling

freut sich auf musikalische Anregungen

und Denkanstöße aus der Vergangenheit

wie aus der Gegenwart.

und sogar noch zwischen weißen

und schwarzen Tasten (Enharmonik).

ZurRealisierung konstruierte er

ein Cembalo,das die Oktavenicht in

zwölf, sondern in31Schritte unterteilt,

aber er mutete derlei kleinste

Intervalle auch Sängern zu. Was

seine kompositorische Produktion

angeht, muss man wohl sagen: Eher

interessant als gut, es steckt mehr

drin, als bewältigt werden kann –

exakt die Situation der Musik heute.

Dasvon Antonius Adamske geleitete

Consortium vocale, der Studiochor

der Hochschule für Musik

„Hanns Eisler“, widmet sich zusammen

mit Johannes Keller, der Vicentinos

Intonationsexperimente auf einer

Archiorgano vorführt, diesem

Komponisten, der Musik als Denkraum

erforscht hat, und kombiniert

ihn hintergründig mit Musik seines

Zeitgenossen Palestrina. Palestrina

galt dem 19. Jahrhundert als Inbegriff

kontrapunktischer alter Musik,

wurde pädagogisch ausgeschlachtet

und mit höchstem Respekt behandelt.

Heute dagegen gilt er als glattpolierter

Langweiler, weil seine Musik

ohne Chromatik und Enharmonik

restlos in Harmonie aufgeht.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (✆ 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Lara 15.00,

17.30; Parasite 20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Lara 20.00, 20.30;

Parasite 14.40, 17.30; Queerfilmnacht: Giant Little

Ones (OmU) 21.00; DasperfekteGeheimnis 13.30,

16.15, 17.15, 19.00, 21.40; Verteidiger des Glaubens

–Defender of the Faith 13.50; 2040 –Wir

retten die Welt! 16.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.10; Systemsprenger 14.00, 16.40;

Deutschstunde 15.15, 19.20; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 22.00; Marianne &Leonard –

Words of Love (OmU) 14.00; Joker (OmU) 18.00,

20.45; Das Kapital im21. Jahrhundert 14.50; Der

Glanz der Unsichtbaren 16.15; Downton Abbey

(OmU) 18.40; Joker (OF) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53)Ich warnoch niemals

in NewYork 17.15; Preview: Bamboo Stories (OmU;

m. Gast) 20.00; HappyEnding–70 ist dasneue 70

17.00; ImNiemandsland 18.45; Das Wunder von

Marseille –Fahim (OmU) 20.30

Kant Kino (✆ 319 9866) Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.45, 20.30; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.40; Joker 17.20, 20.00; Es hätte

schlimmer kommen können –Mario Adorf 17.40;

Zoros Solo 15.15, 20.00; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 15.00; Ich war noch niemals in

New York 17.15, 20.00; Nurejew –The White Crow

14.30,17.20, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 2966) Atmos: Das perfekte

Geheimnis14.30, 17.15, 20.00; Joker22.50;

Die Addams Family 15.00; Joker 17.20; Preview:

Le Mans 66: Gegen jede Chance 20.30; Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Der letzte Bulle

17.45, 20.15, 22.50; Der letzte Bulle 14.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 17.00; Preview:

Last Christmas 20.00; Das perfekte Geheimnis

22.40; Ich war noch niemals in New York 14.15;

Terminator –Dark Fate 17.10, 23.00; Joker 20.00;

Shaun das Schaf:Der Film:UFO-Alarm15.10; Joker

(OF) 17.10; Terminator –Dark Fate 19.45; Maleficent:

Mächte der Finsternis 22.40; AdAstra –Zu

den Sternen 14.45; Die Addams Family 17.30; Ich

war noch niemals inNew York 19.45; Joker (OF)

22.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 11.00, 18.00; Parasite

(OmenglU) 12.30; The Dead Don‘t Die (OmU)

14.45;Shaundas Schaf: UFO-Alarm16.30;Parasite

(OmU) 19.40; Midsommar (OmU) 21.50; Paranza

(OmU) 11.00; Unsere große kleine Farm (OmU)

12.45; Born inEvin (OmU) 14.15; Deutschstunde

15.50; ImNiemandsland (DFmenglU) 18.00; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.30; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 21.40; 3From Hel (OmU)

11.00; Gelobt sei Gott 13.00; M. C. Escher: Reise

in die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige zoeken:

Journey Into Infinity (OmU) 15.20; Der Glanz

der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 16.45; The

Report (OmU) 18.30; Joker (OmU) 20.30, 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Das Kapital im

21.Jahrhundert–Capital in theTwenty-FirstCentury

(OmU) 14.00; Systemsprenger (OmenglU) 16.00;

2040 –Wir retten die Welt! (OmU) 18.15; Joker

(OmU) 20.00; Parasite – Gisaengchung (OmU)

22.15; Über Grenzen –Der Film einer langen Reise

14.00; Und der Zukunft zugewandt 16.15; Verteidiger

des Glaubens –Defender of the Faith 18.15;

Frau Stern 20.00; Congo Calling (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Das perfekte Geheimnis

13.45, 16.30, 16.45, 19.10, 19.30,

19.45; Angry Birds 2: Der Film 13.45, 16.45;

Shaundas Schaf:Der Film: UFO-Alarm14.00; Joker

14.10, 17.10, 20.20, 20.40; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 14.20; IMAX 3D: Der König der Löwen

14.20; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.20, 17.40; Dora und die goldene Stadt 14.30;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45, 17.40;

Ballon 14.45; Gemini Man 15.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 15.00; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

15.15; Die Addams Family 15.15; Midway

–Für die Freiheit 16.15, 19.40; Das Wunder von

Marseille 16.15, 21.00; IMAX: Terminator –Dark

Fate 17.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

17.10, 20.40; 3D: Die Addams Family 17.30;

Gut gegen Nordwind 17.45; Ich war noch niemals

in New York 17.50; Spider-Man: Far From Home

18.00; Joker (OF) 19.15; Shakira In Concert: El

Dorado World Tour (OmU) 20.00; Preview, IMAX: Le

Mans 66: Gegen jede Chance 20.00; Preview: Last

Christmas 20.00; Terminator –Dark Fate 20.20;

Halloween Haunt 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Joker (OmU) 20.20, 22.40;Weitermachen

Sanssouci (OmenglU) 18.00; Der Glanz

der Unsichtbaren – Les invisibles (OmU) 19.45;

Bonnie &Bonnie (OmU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 0200) Dora und die

goldene Stadt 13.30; Angry Birds 213.40; Recep

Ivedik VI (OmU) 13.50, 17.10, 20.10; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Bayala 14.10,

17.20; Die Addams Family 14.15, 16.50; Everest

14.20; Ich war noch niemals in New York 16.30;

Joker 16.40, 19.50; Maleficent 17.15; Terminator

–Dark Fate 19.30; Preview: Last Christmas 19.45;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 20.10; Preview:

LeMans 66: Gegen jede Chance 20.15

Kino Kiste (✆ 998 7481) Deutschstunde 14.00;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 16.20; Eine

ganz heiße Nummer 2.0 18.00; Lieber Antoine als

gar keinen Ärger 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Das perfekte

Geheimnis 14.15, 16.50,19.50; Der König der Löwen

14.20; Angry Birds 214.20; Maleficent 14.30,

17.40, 20.20; Die Addams Family 14.30, 17.30;

Ichwar nochniemals in NewYork 14.40, 17.20; Der

letzte Bulle 14.50, 17.15, 20.15; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 15.00; Bayala 15.10; Midway

16.50, 20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

17.00, 20.10; Terminator –Dark Fate 17.15; Das

weiße Rauschen 17.30; Preview: LeMans 66: Gegen

jede Chance 19.45; Joker 19.45; Preview: Last

Christmas 20.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Joker (OmU) 16.45,

19.30,22.15; B Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 17.20, 20.40

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30, 21.45; Lara (OmenglU)

17.45, 19.45, 22.30; Porträt einer jungen Frau in

Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

20.00

Moviemento (✆ 692 4785) Benjamin Blümchen

13.45; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar 16.00;

Prelude 18.15; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait de la jeune filleenfeu (OmU)20.30;

Systemsprenger 23.15; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

10.30,15.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.45; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille enfeu

(OmU) 17.15; Portuguese Cinema Days: Chuva

ecantoria naaldeia dos mortos –The Dead and

the Others (OmenglU) 20.00; Midsommar (OmU)

22.45; Systemsprenger 10.30,16.15,19.00; Midsommar

(OmU) 13.15; Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 21.45

Sputnik (✆ 694 11 47) Deutschstunde 15.00; Im

Niemandsland 17.15; Systemsprenger 19.00; Scary

Stories to Tell in the Dark (OmU) 21.15; B-Movie:

Lust & Sound in West-Berlin (OmenglU) 23.00;

Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 15.00; Human

Nature: Die CRISPR Revolution (OmU) 16.45; Der

Glanz der Unsichtbaren 18.30; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 20.15; Joker (OmU) 22.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Systemsprenger 14.30; Parasite17.10,20.00;

New Lara 16.00, 18.20, 20.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Die Addams Family

14.00, 16.00, 18.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer14.00; Maleficent: Mächte derFinsternis

14.30, 17.15, 20.00; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 14.45; Das perfekte Geheimnis

14.45, 17.30, 20.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 16.00; Midway –Für die Freiheit 17.00,

20.15; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar 18.00;

Zwingli –Der Reformator 20.00; Joker 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Nurejew –

The White Crow 10.00; Der Distelfink 10.15; Im

Niemandsland 10.30; Parasite 13.00, 17.00; Ich

war noch niemals inNew York 13.30,17.45; Happy

Ending –70ist das neue 70 13.30, 15.45; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 15.40; Das perfekte

Geheimnis 18.00, 20.30; Systemsprenger 20.00;

LieberAntoine als gar keinen Ärger 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 16.45; Dem

Horizont so nah 14.00; Das perfekte Geheimnis

14.00,17.00,20.00; Everest:Ein Yeti willhochhinaus

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.30; Die

Addams Family 14.30; Bayala –Das magische Elfenabenteuer14.30;

Angry Birds2:Der Film 14.30;

Midway –Für die Freiheit 16.30, 19.45; Terminator

–Dark Fate 16.45; Ich war noch niemals in New

York 16.50; Joker 17.00, 20.00; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 17.15, 20.15; 3D: Die Addams

Family 17.15; Shakira In Concert: El Dorado World

Tour (OmU) 20.00; Scary Stories toTell in the Dark

20.00; Preview: Le Mans 66: Gegen jede Chance

20.00; Preview: Last Christmas 20.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 17.00; Preview: Smuggling

Hendrix (OmenglU; m. Gast u. Gespräch) 19.00;

Leid und Herrlichkeit 21.00; Born inEvin –Alles

über Evin (OmU) 18.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert

(OmU) 21.30

Babylon (✆ 242 59 69) Kinderwagenkino: Systemsprenger

(OmenglU) 11.00; Die Dreigroschenoper

16.45; Die Khello Brüder 17.45; Latin American

Film Festival, Eröffnung: Titixe (OmenglU; m. Kurzfilm)

18.15; Conscious Light –The Divine Life and

Revelation of Avatar Adi Da Samraj (OmU) 19.00;

IndoGerman Film: Bala (Hindi) 19.30; Latin American

Film Festival: Litigante (OmenglU) 20.00; Paranza:

Der Clan derKinder –Laparanza dei bambini

(OmU) 21.15; Im Niemandsland 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Lieber

Antoine als garkeinen Ärger –Enliberte! (OmU)

13.15; Joker (OmU) 15.30, 18.15, 21.00; Zombieland

2: Doppelthält besser–Zombieland 2: Double

Trap (OF) 10.00, 14.00, 17.45,20.00, 22.15; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 12.00; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 16.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.00; Das perfekte Geheimnis

11.00, 13.50, 16.40, 19.50, 23.15; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.10, 14.40;

Der König der Löwen 11.10; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 11.10, 14.00; Angry Birds 2:

Der Film 11.15; Maleficent: Mächte der Finsternis

11.45, 13.45, 16.45; Dora und die goldene Stadt

11.45; Die Addams Family 12.10, 13.45, 17.20;

Joker 13.30, 16.30, 20.15, 23.15; Ich war noch

niemals in NewYork 13.30,16.20; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.30; Downton Abbey 14.45;

Midway – Für die Freiheit 16.30, 19.45, 22.45;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 17.00, 20.30,

23.10; Scary Stories toTell in the Dark 17.30,

23.10; Der letzte Bulle 17.50, 19.50, 23.00; Terminator

–Dark Fate 19.30, 22.40; Preview: Last

Christmas 19.45; Preview: Le Mans 66: Gegen jede

Chance 20.15; Halloween Haunt 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 14.30; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 16.30; Preview: Was gewesen wäre

(DFmenglU) 20.00; Weitermachen Sanssouci (DFmenglU)

14.45; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille en feu (OmU) 16.45,

19.15; Easy Love 21.45; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit (OmU) 14.30; Nurejew –The White

Crow (OmU) 16.30; Parasite (OmU) 19.15, 22.00;

Deutschstunde 14.30; Joker (OmU) 17.00, 19.30,

22.00; Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles

(OmU) 15.15; Lara (DFmenglU) 17.30, 19.45,

22.00

International (✆ 24 75 60 11)Lara 14.00, 16.30,

19.00; Joker (OmU) 21.20

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Es 20.00

NEUKÖLLN

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Joker(OmU) 9.50,20.00;

Systemsprenger (DFmenglU) 12.10; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.20; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 16.10; The Report (OmU)

17.50; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 22.10

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu

(OmU) 16.20; Joker (OF) 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 21.40

Passage (✆ 68 23 70 18) Joker (OmU) 17.45,

20.30, 21.20; Systemsprenger 16.00, 18.40; Das

perfekte Geheimnis 16.40, 19.15, 21.45; Der Glanz

der Unsichtbaren 16.30, 21.00; 2040 –Wir retten

die Welt! (OmU) 18.50

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.00, 20.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.30, 20.30; Joker (OF) 18.00,

20.45; Marianne &Leonard –Words of Love (OmU)

19.00,21.15; Porträteiner jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille en feu (OmenglU) 16.20,

19.20,22.00

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Das perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.05;

Dora und die goldene Stadt 14.10; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.15; Dem Horizont so

nah 14.20; Die Addams Family 14.30; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.40, 17.30; Ich war noch

niemals in New York 16.30; Joker 16.45, 19.30;

Zombieland 2:Doppelt hält besser 16.50, 20.30;

3D: Die Addams Family 17.15; Preview: LeMans

66: Gegen jede Chance 19.50; Shakira In Concert:

El Dorado World Tour (OmU) 20.00; Preview: Last

Christmas 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Born inEvin –Alles über

Evin (OmU) 12.00, 19.00; Die Insel der hungrigen

Geister – Island of the Hungry Ghosts (OmenglU)

12.10; Djon Africa (OmU) 14.00; Easy Love

(OmenglU) 14.10; Der kleine Maulwurf (1963-

1975) 16.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen–Portraitdelajeunefille

en feu(OmU) 16.10,

21.00; Weitermachen Sanssouci (OmenglU)

17.30;Bait (OmU)19.10; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 21.10

PANKOW

Blauer SternPankow (✆ 47 61 18 98)Lara 15.15,

18.00, 20.20; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.45; Ich war noch niemals in New York 17.30;

Parasite 20.15


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

In der kommenden Woche ist manches zu hören, dessen Ansatz

mehr verspricht, als das Werk hält –und das ist uns besonders nah

Auch das ist indes eine Leistung.

Im Mittelalter ging es klanglich rauer

zu, und nicht nur deshalb sei in diesem

Zusammenhangauf das Konzert

des Ensembles Voxnostraverwiesen,

das sich auf mittelalterliche Musik

spezialisierthat und neben Gregorianischen

Chorälen frühe mehrstimmige

Kompositionen singt. Manhört

derlei selten, weil die singende und

forschendeVertiefung in diese Musik,

wiesie der Vox-nostra-Leiter Burkard

Wehner geleistet hat, wenig Ruhm

verheißt.Die ehemalige Kindl-Brauerei

inNeukölln verspricht dank passender

Kathedral-Akustik ein besonderes

Hörerlebnis. Der Saxophonist

Uli Kempendorf wird die mittelalterliche

Melodik improvisatorisch brechen

und entwickeln.

Die Vergangenheit der Chormusik

ist ruhmvoll, in der Gegenwartjedoch

gilt sie oft als Musik zweiter

Klasse, zumal wenn es um Laienoder

semiprofessionelle Chöre geht.

Dabei kann nur die lebendige,tätige

Auseinandersetzung des musikalisch

unstudierten Bürgers das Fundament

eines Musiklebens sein, das

mehr ist als trister Unterhaltungskonsum

mit lachhafter Heldenver-

KLASSIK

FBO: 14. 11., 20 Uhr,Kammermusiksaal,

Herbert-von-Karajan-Str.1

DSO: 15. &16.11., 20 Uhr,Philharmonie,

Herbert-von-Karajan-Str.1

Consortium vocale: 16. &17. 11., 19

Uhr,Bode-Museum, Am Kupfergraben

Wilmersdorfer Kammerchor: 16. 11.,

18 Uhr,Kirche am Hohenzollernplatz, 17.

11., 18 Uhr,Hörsaalruine der Charité,

Charitéplatz 1

Voxnostra, 21. 11., 20 Uhr,KINDL, Am

Sudhaus 3

HARALD MORSCH

ehrung. Der Wilmersdorfer Kammerchor

wird in seinem aktuellen

Konzert „Let us fly again“ unter anderem

Shakespeare-Vertonungen

von Ralph Vaughan Williams und

drei Uraufführungen singen, unter

anderem von seinem Leiter Christian

Bährens. Auch wenn Chöre anders

als zu Vicentinos Zeiten nicht

mehr die Treiber der musikalischen

Moderne sind, setzen sich in der

Chormusik –auch über die Texte –

geistige Traditionen fort, die andernorts

längst abgerissen sind.

Wenn man von hier aus auf das

Programm des Freiburger Barockorchesters

schaut, wirkt es deprimierend

banal: Eine Cäcilien-Ode von

Purcell, ein „Jubilate Deo“ von Händel

–Musik aus der Zeit des permanenten

Musiklieferns,nicht des Musikdenkens.

Einen Tagspäter führt

Robin Ticciati Mozarts drei letzte

Symphonien mit dem Deutschen

Symphonie-Orchester auf –und das

ist tief gedachte Musik, Allegorien

vonLeib,Seele und Geist in Form der

tanzenden und marschierenden

Symphonie in Es-Dur, der expressiv

durchpulsten in g-Moll und der

kunstvoll verrätselten in C-Dur.

Konzert

Jour Fixe

mit

Beethoven

InBerlin gibt es tagsüber einige

Gelegenheiten, exzellente

klassische Musik kostenlos

zu genießen. Allem voran

seien die Lunchkonzerte in der

Philharmonie genannt. Seit

dem Jahr 2000 veranstaltet

aber auch das Musikinstrumenten-Museum

alle zwei

Wochen jeweils am Mittwochnachmittag

den „Jour Fixe“.

DieseKonzertreihe will jungen

Musikern kurz vor ihrem Examen

ein Podium für Auftritte

und Konzerte geben. Das Museum

arbeitet zu diesem

Zweck mit Musikhochschulen

zusammen. An diesem Mittwoch

spielt der aus Südkorea

stammende Pianist Youngsuh

NohimCurt-Sachs-Saal Werke

von Ludwig van Beethoven

und anderen. Der sehbehinderte

Pianist ist in seinem Heimatland

für seine leidenschaftlichen

Interpretationen

bekannt. Susanne Lenz

Jour Fixe im Musikinstrumenten-Museum

Tiergartenstr.1,Eingang an der

Ben-Gurion-Straße,15.30 Uhr,Curt-

Sachs-Saal. Der Eintritt ist frei

Planetarium am Insulaner (✆ 790 09 30)

11.00: Mit Raketen zu Planeten

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Der Herbst, der Herbst ist da! (ab 4J.)

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00, 16.30: Kasper und Rotkäppchen

Schaubude (✆ 423 4314)

10.00: Das hässliche Entlein, Zirkusmaria, Erzähltheater

mit Flachfiguren und Live-Musik

(ab 4bis 8J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 992212)

10.30: Anders, der Rabe, Theater Vielfalt

Theater Lichterfelde (✆ 84314646)

10.00: Das Rübchen und andere Geschichten zum

Großwerden, Puppentheater Parthier (ab 3bis 8J.)

Theater Mirakulum (✆ 449 08 20)

10.00: Frosch, Igel, Hahn und Maus –das Tierhäuschen,

Thomas Mierau, Farbschemen-Puppenspiel (ab

3bis 12J.).Anm. erf.

Theater Zitadelle (✆ 335 3794)

17.00: Der kleine Angsthase (ab 4J.)

WasserturmKreuzberg (✆ 53 65 76 41)

10.30: Dunkelmunkel. Novemberlieder,mimicus, die

Kinderliedermacher,Kindertheater (ab 3bis 8J.)

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42184510)

9.30: Lars –der kleine Eisbär

LITERATUR/VORTRAG

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

19.30: Zwischen Literatur und Realität, vonder

deutsch-deutschen Grenze bis Myanmar,Lesung und

Gespräch mit Achim Koch

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

20.30: TatortSprache Vol. III, Hermann Treusch und

Regina Lemnitz

Evas Arche (✆ 282 74 35)

19.00: LesekreisFeministische Theologie: Thema

„vergessen“, Mit Anne Borucki-Voß und Gundula

Lembke

Kohlenquelle (Kopenhagener Str.16)

20.00: Schuld undBühne Berlin, Ruth Herzberg,

Jacinta Nandi, Clint Lukas, Livetalk mit Texten

Kulturhaus Karlshorst (✆ 475 94 06 10)

19.30: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg:

„Das Schaudernist der Menschheit bestes Teil“,

Edgar Allan Poe, Patricia Highsmith u. a., Lesung mit

Carmen-Maja Antoni. Anm. erf.

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Wiealles anders bleibt. Geschichten aus

Ostdeutschland, Jana Hensel. Anm. erf.

Mastul (Liebenwalder Str. 33)

20.00: Kiezpoeten Slam Show,Ortwin Bader-Iskraut,

Samson, JeskoHabert, Yo-Pa, lesebühne poetryslam

Nicolaische Buchhandlung (✆ /8 524005)

19.30: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg: „Das

tote Kind im Wind“, Connie Roters.Anm. erf.

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44673433)

20.00: Rühmchen –Die offene Lesebühne

Rosa-Luxemburg-Stiftung (✆ 44 31 00)

18.00Salon: Der Schnee vongesternist die Sintflut

vonheute, Daniela Dahn, Buchvorstellung,mit Ulrike

Hempel und UweMichel

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00Großes Haus: Nach Notat zu Bett –Die Heinz

Strunk Show, Heinz Strunk, Lesung und Musik

KONZERT

A-Trane (✆ 313 2550)

21.00: Julia Hülsmann Quartett, Not FarFrom Here

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Spielleute-Session

ArtlinersBerlin (✆ 74 77 59 10)

20.00: The other mother

ART Stalker (✆ 220529)

20.00: Session Zeit

b-flat (✆ 283 3123)

21.00: Robin’sNest Jam Session

KALENDER

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: Diamond Thug

21.00: Farafi

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 0080)

21.00: Will Jacobs Blues Band, Blue Wednesday

Show

Bar Tausend (✆ 41715469)

21.00: Joel Sarakula

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: Omni

BKA (✆ 202 2007)

20.00: Diekleine Singer-Songwriterin mit Herz: Miss

Allie

Café Lyrik (✆ 44317191)

19.30: Natascha Petz (Gesang) &KlausSchäfer

(Piano), Meen Vater machte mir zumWunderkinde

Café Olé (✆ 75503120)

20.00: Michael Gechter’sVocal-Jazz-Project, cool

wednesday

Cassiopeia (✆ 47385949)

20.00: Empath

Donau115 (Donaustr. 115)

20.30: Stereo Heart

Hangar 49 (Holzmarktstr.15-18)

19.00: Free Jam Session

Huxleys Neue Welt (✆ 301 068088)

20.00: Of Monsters and Men, Vök

Indische Botschaft (✆ 25 79 50)

18.00Saal: Irfan Khan Quartett, Eine musikalische

Reise durch Raum und Zeit

Junction Bar (✆ 694 6602)

21.00: Kaiserin, Heavy Heavy

Maze (✆ 55 51 84 54)

19.00: James Smith

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00Schwarzes Zimmer:GirlinRed, Isaac Dunbar

20.00Blaues Zimmer:The Murder Capital

Pierre Boulez Saal (✆ 47997411)

19.30: Tarek Yamani (Klavier)

Sally Bowles (✆ 92 27 77 35)

20.00: Lia@Sally’s: Lia Andes (voc, piano, comp.)

and special guests

Schlot (✆ 448 2160)

21.00: Rotwelsch

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Warmer Hut +Tania Elstermayer, Fourtrack

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.30Varieté-Salon: Jewish Monkeys

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00Roter Salon: Ned Collette &State Champion

Wild AtHeart (✆ 611 70 10)

21.00: Beach Coma, Wild Wednesday

Yorckschlösschen (✆ 215 8070)

21.00: Marcos Coll’sBlues Jarana

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Bass Station und Freunde

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: MissVergnügen presents: The best worst case

scenarios –you’ll have awhale of atime!, Coost

LardyCake, MissVergnügen &special guests

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 443150)

22.00: Ping Pong Club

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Ladies first, Size, MC Big Steve,Krs.Age

Maze (✆ 55518454)

20.00: FlauschigeMittwochsrunde mit Freunden,

Techno Jesus &Friends

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces hosted by Artik, Aemris,

Not Mass

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 9295)

21.00: Clärchen swingt,Evan&Friends

Insomnia (Alt-Tempelhof 17-19)

20.00: TangoVicioso

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Lara15.20,

17.40,20.00; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 14.40; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.20; Joker (OmU) 17.30, 20.50; Porträt einer

jungen Frau in Flammen 16.50; The Lumineers III

–Official Short Film 19.30; Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.45, 20.30; Parasite 15.10, 18.00,

20.15

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten

9.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

10.00; Yuli (OmU) 10.30; Das perfekte Geheimnis

14.00, 16.30, 20.30, 22.20; Das Wunder von

Marseille –Fahim (OmU) 14.00, 20.00; 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 14.30; Lara 15.00, 16.50,

19.45; Joker (OmU) 17.00, 20.00; Io, Leonardo

(OmU) 18.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait de la jeune fille en feu (OmU) 19.20,

22.15; Parasite – Gisaengchung (OmU) 19.30,

22.40; Preview: LeMans 66: Gegen jede Chance

20.15; Bangla (OmU) 20.30; Systemsprenger

22.30; AdAstra –Zuden Sternen (OmU) 22.40;

Joker (OF) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Victory Day: Tag des

Sieges –Den‘ Pobedy (OmU) 17.15; IWant to Be

Different: Metal Rock in Tajikistan (OmenglU; m.

Gast) 19.00; Der seltsame Klang des Glücks 21.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Preview: PJ Harvey

–ADog Called Money (OmU) 18.30; San Remo

20.00; Boy Howdy! The Story of Creem Magazine

(OF) 22.00

UCIKinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15; Der König der Löwen

14.15; Ballon 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.20, 17.10, 20.00, 23.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.25; Die Addams Family 14.30;

Dora und diegoldene Stadt 14.35; UnsereLehrerin,

die Weihnachtshexe 14.40; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.45, 17.00; Angry Birds 2: Der

Film 14.45;Midway–Für die Freiheit 16.35, 19.45;

Terminator –Dark Fate 16.40, 22.50; Ich war noch

niemals in New York 16.55; Joker 17.00, 19.55,

23.00; 3D: Die Addams Family 17.05; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.10, 19.55, 22.40; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 17.10, 20.00;

Der letzte Bulle 17.10, 19.50, 22.40;Systemsprenger

19.50; Shakira In Concert: El Dorado WorldTour

(OmU) 20.00; Preview: LeMans 66: Gegen jede

Chance 20.00; Preview: Last Christmas 20.00;

Midsommar 22.45; Halloween Haunt 22.55; 3D:

Gemini Man 22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Das perfekte

Geheimnis 13.30, 16.30, 20.25; Die Addams

Family 13.40, 17.05; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 13.50; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 16.55; Dora und die goldene Stadt 14.05;

Angry Birds 2: Der Film 14.15; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.30; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.40; Bayala – Das magische

Elfenabenteuer 14.40; Midway –Für die Freiheit

16.05, 19.30; Ich war noch niemals in New York

16.30; Zombieland 2: Doppelt hält besser 16.45,

19.40; Joker 17.00,19.50; Der letzte Bulle 17.15,

20.15; Dem Horizont so nah 17.25; Preview: Last

Christmas 19.45; Terminator –DarkFate20.05;3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 20.05; Preview:

Le Mans 66: Gegen jede Chance 20.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Lieber Antoine als gar keinen Ärger 14.45; Downton

Abbey 17.35, 20.25

Cosima (✆ 85 07 58 02) Deutschstunde 18.00;

Systemsprenger 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

15.30,20.30; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 18.15

Xenon (✆ 78 00 15 30)Porträt einer jungen Frau in

Flammen 17.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille enfeu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.10, 14.15;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00; Bayala

–Das magische Elfenabenteuer 12.10, 14.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis 12.15; Die Addams

Family12.30, 14.45; Dasperfekte Geheimnis

14.30, 17.15, 20.00; Downton Abbey 15.00; Joker

16.30; Zombieland 2: Doppelt hält besser 16.45,

20.15; Midway –Für die Freiheit 17.10, 19.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 17.20; Preview:

Le Mans 66: Gegen jede Chance 20.00; Preview:

Last Christmas 20.00

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Und der Zukunft zugewandt 13.00; Downton Abbey

15.15; Systemsprenger 17.45; Deutschstunde

20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.00, 17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.05,

14.30; Everest 10.00, 12.00; Die Addams Family

10.00, 12.05, 14.20; Maleficent 12.10, 14.30;

Angry Birds 2: Der Film 12.10; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 12.15, 14.15; Dora und die

goldene Stadt 12.15,14.50; Das perfekte Geheimnis

14.30, 17.20, 17.30, 20.00, 23.00; Downton

Abbey 15.00; Midway 16.50, 19.45, 22.50; Joker

17.00, 20.05, 22.45; 3D: Maleficent 17.15; 3D:

Die Addams Family 17.15; Zombieland 217.20,

20.00, 22.45; Shakira In Concert: ElDorado World

Tour (OmU) 19.00; Preview: LeMans 66 20.00;

Preview: Last Christmas 20.00; Halloween Haunt

22.45;Terminator 23.00; Joker (OF) 23.00

Thalia MovieMagic (✆ 7743440) Everest 15.45;

Dora und die goldene Stadt 15.45; DieAddams Family

15.45, 18.15; Das perfekte Geheimnis 15.45,

18.00, 20.30; Ich war noch niemals in New York

17.45; Zombieland 218.15; Preview: Last Christmas

20.30; Joker 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Rithy Pahn: S21: Die Todesmaschine

der Roten Khmer –S21: Lamachine

de mort Khmere rouge (OmenglU; m. Einführung)

20.00; Magical History Tour: Die goldene Karosse –

Le carrosse d‘or (EnglF) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Joker 12.50, 13.30, 16.00, 16.20, 19.10, 20.30,

22.30; Das perfekte Geheimnis 13.00, 14.00,

16.15, 17.20, 20.40,23.00; 3D: Maleficent 13.30,

16.30, 19.30, 22.30; Bayala 13.30; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 13.40; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 13.40; Everest 13.40; Maleficent

13.45, 16.30; Good Boys 13.50; Yesterday 14.00;

Playmobil14.00;Lara 14.00, 17.00, 19.40, 22.45;

Die Addams Family 14.00; Angry Birds 214.00;

Das Wunder von Marseille 14.15, 16.20, 20.00; A

Toy Story 14.15; Ich war noch niemals in New York

16.15, 19.30; 2040 –Wir retten die Welt! 16.15,

18.45; Terminator–Dark Fate 16.30,19.45,23.00;

Der letzte Bulle 16.30, 19.20, 22.20; 3D: Die Addams

Family 16.45; Der König der Löwen 16.45;

Parasite 16.50,19.10, 22.40; Dora und die goldene

Stadt 16.50; Downton Abbey17.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.10, 19.30, 22.45; Midway

17.10, 19.30, 23.00; Preview: Last Christmas

19.30; GeminiMan 19.30, 22.40; Halloween Haunt

19.40, 22.15; Shakira In Concert (OmU) 20.00;

Preview: Le Mans 66 20.30; Es II 20.30; Scary

Stories toTell in the Dark 21.15, 22.45; AdAstra

22.45; 47 Meters Down: Uncaged 22.45

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Terminator (OF) 13.30, 16.15, 19.30, 22.45; Maleficent

(OF) 13.30, 20.00; Die Addams Family

(OF) 13.30, 16.40; Midway (OF) 13.40, 16.30,

19.45, 23.10; Dora und die goldene Stadt (OF)

13.45; Shaun das Schaf: UFO-Alarm (OF) 14.30;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis –Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 16.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 16.40; Downton Abbey (OF) 17.00;

Preview: Last Christmas (OF) 19.45; Preview: Le

Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OF)

20.15; Zombieland 2: Doppelt hält besser –Zombieland

2: Double Trap (OF) 20.20, 23.00; Parasite

22.40; Scary Stories to Tell in the Dark (OF) 23.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D, IMAX:

Buckelwale: Giganten der Meere 11.45; IMAX: Terminator

–Dark Fate (OF) 13.20; IMAX: Joker (OF)

16.30; IMAX, Preview: Le Mans 66: Gegen jede

Chance –Ford vFerrari (OF) 20.15

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 20.00; Nevrland (OF) 22.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Zombieland 2: Doppelt hält

besser 10.00,12.00,18.00, 20.00, 22.45; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.00, 16.00;

Midway – Für die Freiheit 10.00, 17.00, 20.00,

22.00;Joker 10.00, 22.30; Das perfekteGeheimnis

10.00, 12.15, 14.30, 17.15, 20.00, 22.30; Ich war

nochniemals in NewYork12.15,14.30,17.15;Die

Addams Family 14.00, 16.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer14.00; 3D: Maleficent:Mächte

der Finsternis 14.30, 18.00, 20.00; Preview: Last

Christmas 20.15, 22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Ich war noch niemals

in New York 15.30; Systemsprenger 18.00; Downton

Abbey 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Recep Ivedik

VI (OmU) 14.15, 17.00, 19.45; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.20; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.30; Angry Birds 2:Der Film

14.30; Dora und die goldene Stadt 14.45; DieAddams

Family 14.45, 17.15; Midway –Für die Freiheit

16.35, 19.50; Ich war noch niemals in New

York 16.45; Joker 17.10, 20.15; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 17.15; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.30, 20.15; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.35; Terminator –Dark Fate 19.45;

Scary Stories to Tell in the Dark 20.00; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Bayala

–Das magische Elfenabenteuer 14.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.20; Das perfekte Geheimnis

14.20, 17.15, 20.10; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.30; Dora und die goldene Stadt 14.40;

Recep Ivedik VI (OmU) 14.45, 17.30, 19.50, 20.15;

Downton Abbey 15.00; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.45, 20.30; Joker 16.50; Die Addams

Family 17.10; 7. Kogustaki Mucize –Das Wunder

in Zelle Sieben (OmU) 17.20, 19.50; Preview: Le

Mans 66: Gegen jede Chance 20.00; Preview: Last

Christmas 20.00

City KinoWedding (✆ 01 77/270 19 76) Himmelbeet:

Draußen (mit Gespräch) 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Rückblick, Durchblick,Ausblick

–30Jahre Mauerfall: Striche ziehen

18.00; Im Niemandsland 20.15

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Spatzenkino –Hüben

wie drüben 10.00, 11.15; Das perfekte Geheimnis

13.15,15.45,18.15, 20.45; Invisible Sue

–Plötzlich unsichtbar 15.00; Ich war noch niemals

in NewYork 17.15,20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Systemsprenger

15.30; The Report 18.00; Der Glanz der Unsichtbaren

20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Der alte deutsche

Film: Wir bitten zum Tanz 15.45; Ich war noch niemals

inNew York 17.45; Verteidiger des Glaubens

–Defender of the Faith (OmU) 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Fisherman‘s Friends –Vom Kutter

indie Charts 18.00; Blinded bythe Light 20.30

Capitol (✆ 8316417) Lara 15.00, 20.30;Parasite

17.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Weitermachen Sanssouci 17.00; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Der Glanz

der Unsichtbaren 13.30; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.15; Das perfekte Geheimnis 15.30,

18.00, 20.45; Porträteiner jungen Frau in Flammen

16.15,20.45; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 16.30; Lara 18.00, 20.15; In Bewegung(mit

Gast) 18.45; Happy Ending –70ist das neue 70

18.45; Parasite 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70)

Maleficent 13.50, 16.40; Ich war noch niemals in

NewYork13.50,16.50;Everest 13.50, 17.10; Dem

Horizont so nah 14.00; Die Addams Family 14.10;

Das perfekte Geheimnis 14.15, 16.55, 19.55;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.20; Bayala

14.30; Midway –Für die Freiheit 16.20, 19.40;

Joker 16.50, 20.15; Zombieland 217.15, 20.15;

3D: Die Addams Family 17.20; Terminator –Dark

Fate 19.45; Shakira In Concert: El Dorado World

Tour (OmU) 20.00; Preview: Le Mans 66: Gegen

jede Chance 20.00; Preview: Last Christmas 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Downton

Abbey 15.00; Die Addams Family 15.00; Das perfekte

Geheimnis 17.15, 20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Idioten der Familie 17.15; Mein Leben mitAmanda

20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.30;Everest14.30;

Dasperfekte Geheimnis 14.30, 17.00, 20.00; Dora

und die goldene Stadt 14.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 14.50; Maleficent 14.50, 17.15; Dem

Horizontsonah 14.50; Bayala 14.50; AngryBirds 2:

Der Film 14.50; Die Addams Family 15.15, 17.40;

Terminator 17.00, 20.15; Ich war noch niemals

in New York 17.00; Joker 17.15, 20.00; Midway

17.30, 19.50; 3D: Maleficent 17.30, 20.20; Preview:

Zombieland 217.40, 20.30; Der letzte Bulle

17.45, 20.15; Preview: Last Christmas 19.45; Preview:

Le Mans 66 20.15; Halloween Haunt 20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Das perfekte

Geheimnis15.00, 17.45, 20.30; Die Addams Family

15.30; Ich war noch niemals inNew York 17.45;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.45; Preview:

Last Christmas 20.30; Terminator –Dark Fate

20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Die Addams Family 14.15; Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.45, 17.15; Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.30, 19.45; Angry Birds 2: Der Film

15.30; 3D: DieAddams Family 16.00; Joker 17.45,

20.15; Ich war noch niemals in New York 17.45;

Preview: Last Christmas 20.00; Preview: LeMans

66: Gegen jede Chance 20.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.00; Das perfekte

Geheimnis 15.30, 17.15, 20.00; Ich war noch niemals

inNew York 18.00; Joker 20.45


26 Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

NACHRICHTEN

Vodafone wächst nach

Unitymedia-Übernahme

GEKÜNDIGT (1)

Ein halbe

Stunde bis zum

Ausgang

VonKati Schmidt

Eigentlich war es ein normaler

Freitag. Mein Team präsentierte

dem Geschäftsführer den finalen

Launchplan und bekam gutes Feedback.

Ichwollte noch ein paar Dinge

wegschaffen, bevor es ins verdiente

Wochenende ging. So langsam hatte

ich das Gefühl, meinen Arbeitsrhythmus

gefunden zu haben und freute

mich auf die anstehenden Projekte.

Um kurznach drei erreichte mich

via Slack die Bitte unserer Anwältin,

in einen der Meetingräume zu kommen,

um mich mit ihr und dem CEO

zu treffen. Achja, meinen Computer

sollte ich auch mitbringen. Bei diesem

Nachsatz rutsche mir kurzmein

Herz in die Hose. Zuoft hatte ich in

amerikanischen Filmen gesehen,

wie jemand von jetzt auf gleich entlassen

wurde, einen Pappkarton mit

seinen Habseligkeiten füllte und mit

sofortiger Wirkung das Gebäude verlassen

musste.

Ich tat den Gedanken als

schwachsinnig ab. Eslief ja richtig

gut gerade,nachdem ich im Sommer

angefangen hatte.Bestimmt wollten

die beiden mir nur Zugang zu den

Unternehmensanteilen geben. Darauf

hatte ich zuletzt gedrängt. Miterhobenem

Kopf und meinem Laptop

unter dem Arm lief ich also rüber in

den kleinen Konferenzraum.

Als ich die beiden mit ausgedruckten

Verträgen dort sitzen sah,

fürchtete ich, dass mein erster Gedanke

doch der richtige war. Ein

Schockzustand setzte ein und half

mir möglichst gelassen zu reagieren.

Meinem Chef war die Situation

sichtlich unangenehm, obwohl er in

seiner vorherigen Firma schon viele

dieser Gespräche geführt hatte. Er

hielt sich streng an die Vorgaben der

Anwältin und erklärte nur knapp,

dass sich die Firma stärker in eine

technische Richtung entwickeln und

meine Unterstützung daher nicht

mehr gebraucht werde. Dies sei als

betriebsbedingte Freistellung zu verstehen

– und nicht als Kündigung

aufgrund mangelnder Leistung.

Deshalb gäbe es auch eine kleine Abfindung.

Er schüttelte mir die Hand

und verschwand aus dem Raum.

Als mein Lieblingskollege dann

den Raum betrat, musste ich doch

zwei Tränen verdrücken. Ihm ging es

ähnlich, was mich zum Lachen

brachte und mir zeigte, dass es eine

schwierige Entscheidung gewesen

sein musste. Nachdem wir zweimal

tief durchgeatmet hatten, bat er mich,

meinen Computer,die Firmenkreditkarte

und die Zugangskarte für den

Coworking-Space zurückzugeben.

Dann lief er mit mir zum Aufzug und

verabschiedete mich.

Kurz danach stand ich verdattert

in der Lobbymit einem leeren Rucksack

auf dem Rücken und dem Auflösungsvertrag

in der Hand, der auf

meine Unterschrift wartete. Ich

setzte meine Sonnenbrille noch im

Gebäude auf und lief schnurstraks

aus der Tür.Wie schnell das alles gegangen

war. Ich blickte auf die Uhr.

Seit dem Anruf war nicht mal eine

halbe Stunde vergangen.

In der nächsten Folge dieser vierteiligenSerie

beschreibtsie, wieihr Umfeldauf die Kündigung

reagierthat.

Kati Schmidt berichtet im

Podcast „Kristina, Kati, Kalifornia“

aus dem SiliconValley.

Wenn Arbeitsprozesse immer nach dem gleichen Muster ablaufen, dann besteht die Gefahr,dass Computer die Aufgaben bald übernehmen.

Mensch gegen Computer

Der Autor Gunter Dueck beklagt, dass Kinder nicht auf die Herausforderung der Zukunft vorbereitet werden

VonJörg Hunke

Gunter Dueck steht regungslos

auf der Bühne,

eine halbe Stunde hat er

ohne Punkt und Komma

geredet, jetzt scheint er die Wucht

seiner Worte zugenießen. Vor ihm

sitzen Experten aus dem Bildungsbereich.

An den bestehenden Schulungsmethoden

konnte er nichts

Gutes finden. Wenn man seine Rede

in zwei Sätzen zusammenfassen

sollte, dann wäre das die Aussage:

Das Schulsystem ist eine Katastrophe.Mit

den bisherigen Lehrmethoden

werden junge Menschen nicht

klarkommen in der Zukunft.

„Tropft noch was im Haus?“

Dem Buchautor und Mathematiker

mit Hang zur Philosophie ging es

nicht darum, ob Kinder mit einem

Tablet in der Schule lernen, ihm ging

es um eine radikale Veränderung des

Lehransatzes. Er nannte als Ziele

Kreativität, Originalität und einen

konstruktiven, freudigen Willen.

Undnicht wie früher:Betragen, Mitarbeit

und Fleiß. Warum das notwendig

sein wird? Dueck erzählte

davon, wie Maschinenlernen die

Prozesse in den Firmen und Behörden

steuern wird. Überall dort, wo

Menschen täglich die gleiche Arbeit

erledigen, wo Muster zu erkennen

sind, werden bald Algorithmen die

Aufgaben übernehmen. Für den

Menschen bleibt dann noch der Auftrag,

die Ergebnisse der Maschinen

zu kontrollieren. Mehr nicht. „Das ist

doch Mist“, sagte Dueck.

In der Nachdigitalisierungsgesellschaft

geht es seiner Meinung nach

darum, kreativ zu werden, um in den

Schnittstellen zwischen Mensch und

Maschine vermitteln zu können.

Und esgeht darum, selbstbewusst

aufzutreten, mit einer positiven Haltung

sein Arbeitsleben zu gestalten.

Als Beispiel nannte er den Auftritt eines

Installateurs, der wegen einer

undichten Toilettenspülung gerufen

wird. In der Regel komme der Handwerker

fast grußlos ins Haus, verschwinde

wieder, umErsatzteile zu

holen. Nachdem er den Schaden behoben

hat, verschwindet er wortlos.

„Das ist dann ein Mensch, der eigentlich

schon ein Computer ist“,

sagte Dueck.

Die Alternative: Ein Handwerker,

der sich per Kurznachricht ankündigt,

ein Foto angefordert hat, damit

er die passenden Ersatzteile schon

dabei hat, den Schaden behebt und

dann freundlich fragt: „Tropft noch

was im Haus?“ In Duecks Beispiel

waren noch ein paar andere Stellen

undicht und die Heizung wurde am

Ende auch noch ausgetauscht. Kosten:

20 000 Euro –„aber alle waren

glücklich“, lautete Duecks Fazit.

Ganz klar, ihm ging es um Herzlichkeit,

ums kreative Mitdenken, damit

die Menschen in der Arbeitswelt gegen

kalte Maschinen bestehen können.

Die Vermittlung dieser Eigenschaften

müsse schon in der Schule

gelehrtwerden.VonLehrern, die sich

öffnen und ihre Lehrmethoden an

die Ansprüche der nächsten Generationen

anpassen, sagte Dueck.

Der ehemalige IBM-Manager

hielt seinen Vortrag am Montagabend,

nachdem in der Berliner

Google-Zentrale Vertreter der Industrie-

und Handelskammer und der

Gewerkschaft Ver.di ihre Initiative

„Zukunftsoffensive“ vorgestellt hat-

„Das ist dann ein Mensch, der

eigentlich schon ein Computer ist.“

Gunter Dueck, Mathematiker und Buchautor über Arbeitskräfte, die ihre Aufgaben immer

nach dem gleichen Muster erledigen.

ten. Im Mittelpunkt des Bildungsplans

steht die sogenannte Basisbox,

online kostenlos unter www.basisbox.de

zu finden. Dort können rund

20 Kurse abgerufen werden, die digitale

Grundlagen in den Bereichen

Kommunikation, Kollaboration,

Technologie sowie Sicherheit und

Recht vermitteln. Wie wichtig Fortbildung

aus seiner Sicht ist, machte

Christoph Schmitz, Mitglied des

Ver.di-Bundesvorstands anhand der

Versicherungsbranche deutlich.

Dortsind die Mitarbeiter in der Regel

knapp über 45 Jahre alt und haben

eine Betriebszugehörigkeit von 17,9

Jahren. „Die machen seit Jahre dasselbe“,

sagte Schmitz. Aber wird das

in Zukunft noch so sein? „Da macht

Kontrolle der Künstlichen Intelligenz

GETTY/HENRIK SORENSEN

sich Unsicherheit breit“, antwortete

Schmitz.

Als Partner standen bisher nur die

IHK Düsseldorf und München bereit,

in Zukunft könnte auch die

Kammer aus Berlin dazukommen.

Bei der Projekt-Vorstellung war

Meike Al-Habash anwesend, die im

IHK-Innovationsoffice der Hauptstadt

arbeitet. „Wir stehen in engem

Austausch mit den bisherigen Partnern“,

sagte sie.„Unser Ziel sollte es

sein, die Menschen auf die Herausforderungen

der Zukunft vorzubereiten.“

Und wie das? Neue Kompetenzen

erwerben, aber auch das erworbene

Fachwissen in einem digitalen

Umfeld anwenden.

Mahnung des Pianisten

Als Vorbild wurde am Abend die You-

Tuberin Saliha „Sally“ Özcan vorgestellt,

die mit „Sallys Welt“ einen der

erfolgreichsten YouTube-Kanäle

Deutschlands betreibt. Sie erzählte

davon, dass sie Lehrerin werden

wollte und dannVideos übers Kochen

und Backen veröffentlicht habe. Mit

viel Eigeninitiative und Engagement

habe sie gelernt, sich in der Welt der

Bewegtbilder zu behaupten, sagte sie.

Inzwischen hat sie 50 Mitarbeiter,im

kommenden Jahr sollen es mehr als

200 sein, weil sie inzwischen auch

Produkte für die Küche entwickelt

und vertreibt.

Am Ende stand eine Mahnung

des Pianisten Joja Wendt. An seinen

Steinway-Flügel konnte ein iPad angeschlossen

werden, sodass das Instrument

ohne menschlichen Einfluss

spielen konnte. Den größten

Applaus erhielt er aber,als er virtuos

auf dem Flügel improvisierte. Immerhin,

ein Trost.

Bundesregierung will die Auswirkungen der neuen Technologie künftig gezielter beobachten

Die Bundesregierung will die

Auswirkungen des immer stärkeren

Einsatzes von Künstlicher Intelligenz

(KI) künftig systematisch

überprüfen und beobachten lassen.

Als eine Art TÜV für KI-Anwendungen

in Unternehmen wolle das Bundesministerium

für Arbeit und Soziales

noch in diesem Jahr das„deutsche

KI-Oberservatorium“ an den

Start bringen, berichtete die Süddeutsche

Zeitung.

Anfang 2020 sei die offizielle Eröffnung

durch Arbeitsminister Hubertus

Heil (SPD) geplant. „Wir

schauen uns an, wo diese Technologie

eingesetzt wird und wo das in

sensiblen Bereichen geschieht“,

sagte der Staatssekretär im BMAS,

BjörnBöhning, der Zeitung.

Wenn es sich um eine durch KI

entstandene Playlist bei einem Musik-Streamingdienst

handele, dann

sei das„kein Problem für die Politik“,

sagte er. „Wenn aber ein autonom

fahrendes Auto entscheidet, wirdein

Begrenzungspfahl umgefahren oder

die Gruppe vonMenschen daneben,

dann geht es um eine andereRisikoklasse,

für die wir dann auch politische

Gestaltung brauchen.“ Das KI-

Observatorium soll demnach zunächst

als Einheit im Arbeitsministerium

angesiedelt werden.

Mittelfristig solle ein eigenes

Bundesinstitut für KI mit deutlich

mehr Personal eingerichtet werden.

Der Fokus des Ministeriums

liegt dem Bericht zufolge auf KI-

Anwendungen im Wirtschafts- und

Arbeitsleben. Derzeit werde insbesondere

die aktuelle Entwicklung

im deutschen Einzelhandel und im

Finanz- und Bankensektor beobachtet.

Hintergrund ist angeblich,

dass klassische Berufe wie Kassiererin

und Kassierer als Folge der

vonVerkaufsplattformen wie Amazon

verstärkten Digitalisierung vor

einer ungewissen Zukunft stehen.

Zudem dürften auch das Kreditund

das Aktiengeschäft künftig immer

stärker durch KI bewertet werden,

was ebenfalls einen spürbaren

Einfluss auf die Beschäftigten haben

dürfte.

Insgesamt erwarten Fachleute

des Ministeriums dem Bericht zufolge,

dass durch den Strukturwandel

in den nächsten fünf Jahren 1,3

Millionen Arbeitsplätze inDeutschland

verloren gehen, aber auch 2,1

Millionen neue Stellen entstehen

werden. (AFP)

Nach der Übernahme des regionalen

Breitband-Anbieters Unitymedia ist

dem Telekommunikationskonzern

Vodafone in Deutschland wie erwartet

ein deutlicher Umsatzsprung gelungen.

DieErlöse kletterten im ersten

Halbjahr des Geschäftsjahres

2019/20 um 8,4 Prozent auf knapp

fünf Milliarden Euro,wie das Unternehmen

am Dienstag in Düsseldorf

mitteilte.Allerdings: Rechnet man

den Übernahme-Effekt heraus,stagnierte

der Umsatz im Service, also

ohne Geräteverkäufe.Die Mobilfunk-Erlöse

schwächelten, das Festnetzgeschäft

zogan. Vodafone hat in

Deutschland nach eigenen Angaben

rund 18,4 Millionen Kunden mit Mobilfunk-Verträgen

und 10,6 Millionen

Festnetz-Kunden. DieTochter

des britischen Vodafone-Konzerns

ist einer vondreiMobilfunk-NetzbetreiberninDeutschland

–neben der

Deutschen Telekom und Telefónica

(O2). (dpa)

Tado baut sein Geschäft mit

Service-Plattformaus

DerHeizungs-Vernetzer Tado baut

sein Geschäft mit einer Service-

Plattformfür Wartungsbetriebe aus.

EinZiel sei, die Zahl der Fahrten zu

den Kunden bei Reparaturen zu halbieren,

sagte Tados Mitgründer und

Produktchef Christian Deilmann.

Aktuell fahreein Mitarbeiter oft erst

raus,umden Schaden zu begutachten

–und dann noch einmal mit den

nötigen Ersatzteilen für die eigentliche

Reparatur.„Wenn die Daten

schon im Vorfeld zur Verfügung stehen,

kann man sich die erste Fahrt

sparen.“ DenWartungsbetrieben

stellt die Münchner Firmaein Portal

zur Verfügung, in dem sie auf die Daten

zugreifen können –und auch Benachrichtigungen

bei Problemen

bekommen. (dpa)

Roboter werden in der

Landwirtschaft wichtiger

Auch Traktoren sind inzwischen nicht selten

mit Sensoren ausgestattet.

DPA

In der Landwirtschaft werden künftig

mehr digital vernetzte Roboter

zum Einsatz kommen. Viele dieser

Systeme wie autonom fahrende

Feldroboter werden derzeit auf der

Landmaschinenmesse Agritechnica

präsentiert. „Das sind schon Anwendungen,

die praxistauglich sind“,

sagte eine Sprecherin des Niedersächsischen

Landvolks.Während

Melkroboter in den Ställen bereits

Realität seien, gebe es insbesondere

bei autonom fahrenden Feldroboternnoch

Probleme bei der Datenvernetzung.

(dpa)

SpaceX bringt

60 Satelliten ins All

Für ihr geplantes weltumspannendes

Internet-Netz hat die private

US-Raumfahrtfirma SpaceX weitere60Satelliten

ins All gebracht.

Eine „Falcon 9“-Rakete des Unternehmens

vonTech-Milliardär Elon

Musk startete am Montag von

Cape Canaveral. Ziel des milliardenschweren

Programms mit dem

Namen „Starlink“ ist es,sowohl

entlegene Gebiete als auch Ballungszentren

mit schnellem und

preiswertem Breitband-Internet zu

versorgen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Hubertohne Staller 19.45

Wissen voracht –Zukunft 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Eine Klasse für sich

Komödie, D2019. Mit Hans Löw.Der

Film erzählt davon, was Bildung neben

Selbstoptimierung und Karrierechancen

vorallem sein kann: der gemeinsame

Versuch, einen richtigen Wegzufinden.

21.45 (für HG) Plusminus

U. a.: Elektromobilität: Die chinesische

Kampfansage/Sammlerwert:

Renaissance der DDR-Mark

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) maischberger.die woche

0.00 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Die Michael-Schumacher-Story

Vor25Jahren gewannMichael

Schumacher beim Großen Preis von

Australien seinen ersten WM-Titel. RTL

nimmt den Jahrestag zum Anlass, um das

turbulente WM-Jahr ’94 aufzurollen.

21.15 Die 10 größten Michael-Schumacher-

Momente

Rankingshow

22.15 sternTV

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 (für HG) CSI: Den Tätern auf der Spur

MDR

13.58 (für HG) Aktuell 14.00 (für HG) MDR um 2

15.15 (für HG) Die gefährlichsten Schulwegeder

Welt 16.00 (für HG) MDR um 4 17.45 (für HG)

Aktuell 18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10 (für

HG) Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) Aktuell

19.50 (für HG) Tierisch tierisch 20.15 (für HG)

Exakt 20.45 (für HG) Verstrahlt –Vergiftet –Vergessen

21.15 (für HG) Echt 21.45 (für HG)

Aktuell 22.05 (für HG) Tatort: Die chinesische

Prinzessin. Krimireihe, D2013 23.33 Aktuell

23.35 Olafs Klub 0.20 (für HG) unicato

Bayern

13.30 (für HG) Verrückt nach Zug 14.15 (für HG)

Hofgeschichten 14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt

15.30 (für HG) Schnittgut 16.00 (für HG)

Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern 17.30

Regionales 18.00 (für HG) Abendschau 18.30

(für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Stationen

19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Münchner Runde

21.00 (für HG) Kontrovers 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) DokThema

22.45 (für HG)Elser –Erhätte die Welt verändert.

Drama, D2015 0.15 kinokino

Vox

5.20 CSI: NY 6.50 (für HG) CSI: Den Täternauf

der Spur 8.40 Verklag mich doch! 10.50

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 11.55 Shopping Queen 13.00

Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst du denn? 15.00 Shopping

Queen 16.00 4Hochzeiten und eine Traumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für HG) The

Good Doctor 22.10 (für HG) ChicagoMed 0.00

Nachrichten 0.20 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

8.55 PawPatrol 9.25 Die Oktonauten 9.45

Calimero 10.05 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.05 Alvinnn!!! 11.35 Go Wild!

12.05 Friends 12.25 Trolls 12.45 Polly Pocket

13.15 Tomund Jerry 13.45 Bugs Bunny&

LooneyTunes 14.15 Angelo! 14.45 Dragons

15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally

Bollywood 16.40 Die Nektons 17.10 Mighty

Mops 17.40 Angelo! 18.10 Bugs Bunny&

LooneyTunes 18.35 Woozle Goozle 19.05

Alvinnn!!! 19.45 Tomund Jerry 20.15 (für HG)

Dr.House 0.00 Comedytotal 0.30 Infomercials

Sport1

5.50 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap 17.30

Container Wars. Doku-Soap. Aufund davon

18.00 StorageWars–Die Geschäftemacher.

Doku-Soap 18.10 Drückglück.de –Glück für alle

18.25 Volleyball. BL der Frauen: SSC Palmberg

Schwerin –USC Münster,live 20.30 Darts. Grand

Slam of Darts. Gruppenspiele, 2. Runde, live

0.00 Scooore! –Internationales Fußball Magazin

0.45 Teleshopping Nacht 1.00 SportClips

ZDF

5.05 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoWismar 18.54 Lotto am

Mittwoch 19.00 (für HG) heute 19.20 (für HG)

Wetter 19.25 (für HG) Heldt. Der Mann aus Wien

20.15 (für HG) Aktenzeichen XY ... ungelöst.

Moderator Rudi Cerne sucht Zeugen für

diese realen Verbrechen: Gefährliche

Begegnung /ZweiMordopfer –ein Täter?

/Attackeauf dem Heimweg /Gefesselt,

geknebelt, beraubt

21.45 (für HG) heute journal

22.15 auslandsjournal

22.45 (für HG) ZDFzoom. Fliegen amLimit

Der Preis des Wachtstums

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 Die Müllers und das Hohe Haus

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap. Mutter Leonie

ist alarmiert, als Sohn Cosmo vonder Schulpädagogin

nach Hause gebracht wird, weil er auf dem

Schulhof mit einem Vibrator geprahlt hat. /Ein

Achtjähriger ist mit dem Roller gestürzt. 17.30

Klinik am Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 The Taste

Castingshow. Bevordie Hobbyköche im

Solokochen zeigen, was sie aus einer

Durianfrucht, einer Cedri-Zitrone und

Tamarinde kreieren können, werden sie

mit dem Ikarus-Konzept vertraut gemacht.

22.55 TopTen! Der Geschmacks-Countdown

Rankingshow. Du verrückte Nudel

23.55 The Taste

Castingshow

2.00 Auf Streife –Die Spezialisten

2.45 Auf Streife –Die Spezialisten

3.30 Auf Streife

WDR

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55 (für

HG) Lichters Schnitzeljagd 14.25 (für HG)

Tierärztin Dr.Mertens 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) Aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Markt 21.00

(für HG) Der Haushalts-Check mit Yvonne Willicks

21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Wiegeht

es besser? 22.55 (für HG) sportinside 23.25

(für HG) Berlin Rebel High School. Dokumentarfilm,

D2018 0.55 (für HG) Klima, Insta, Pillepalle

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) Wiegeht

das? 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales

20.00 Tagesschau 20.15 (für HG) Expeditionen

ins Tierreich 21.00 (für HG) Inas Reisen 21.45

NDR Info 22.00 (für HG) Großstadtrevier 22.50

extra 3 23.20 (für HG) Zapp 23.50 Schulhof der

Hoffnung 0.20 Kümo Henriette

Kabel eins

5.50 Without aTrace 6.35 (für HG) The Mentalist

7.30 Blue Bloods 9.25 (für HG) Navy CIS: L.A.

10.15 Navy CIS 11.05 Without aTrace 12.00

Numb3rs 13.00 (für HG) Castle 13.55 (für HG)

The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A.

15.50 kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15 (für HG)

Catch Me If YouCan. Gaunerkomödie, USA 2002

23.10 Die Leonardo Dicaprio Story 0.20 (für HG)

Der Mann, der niemals lebte. Thriller,USA 2008

RTLZWEI

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops Ruhrgebiet 7.00 Die Straßencops

Ruhrgebiet 8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch

12.00 Frauentausch 14.00 Station B1

15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache

Hamburg 17.00 News 17.04 Wetter 17.05 Krass

Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Die Wollnys

–Eine schrecklich große Familie! 21.15 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 22.15

Babys! Kleines Wunder –Großes Glück 23.15

Hartz und herzlich 1.10 Crime Town USA

Eurosport 1

8.30 Snooker.NorthernIreland Open in Belfast.

Tag210.10 Radsport. 74. Vuelta aEspaña

2019. Highlights 11.15 ERC All Access 11.45

Motorsport 12.45 Springreiten. FEI Weltcup

2019/20 in Verona. Springen der Westeuropaliga

13.45 Snooker.NorthernIreland Open in Belfast.

Tag3,live 19.00 Snooker.NorthernIreland Open

in Belfast. Tag319.40 Nachrichten 19.45

Snooker.NorthernIreland Open in Belfast. Tag3,

live 0.00 Nachrichten 0.05 Radsport. 103.

Flandern-Rundfahrt2019 in Belgien

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR THRILLER

Raum

Joy (BrieLarson) und ihr fünfjähriger Sohn Jack (JacobTremblay) leben

in Akron, Ohio,zwangsweise eingesperrtauf neun Quadratmetern. Das

Kind kennt nur diesen Raum und nimmt ihn für die reale Welt. Eineinziges

Oberlicht beleuchtet am Tagdas Zimmer. Jack baut zu den Gegenständen

dorteine echte Beziehung auf und nährtsich außerdem von der Liebe seiner

Mutter.Der Entführer der zwei, den Joy und Jack „Old Nick“ (Sean Bridgers)

nennen, betritt immer wieder das Zimmer, umihnen Lebensmittel zu bringen,

aber auch um Joy zu vergewaltigen. Als die junge Frau die Grenzen ihrer

Belastbarkeit erreicht, entwirft sie einen Fluchtplan ... Der Thriller ist vom

Fall Fritzl in Österreich inspiriert. Für Brie Larson war „Raum“ eine der wichtigsten

Karriereetappen. Für ihr überragendes Spiel erhielt sie den „Oscar“.

(CDN, IRL/2015)

Foto: ARTE

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SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL mittel

3 9 4 7

9 8 6

7 5

1 4

6 5

8

4 3 7 2

7 2 9

8

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

4 8

1 9

8

1

4 3 9

5 7

3 7 4

2

6

AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 12.11.2019

11. 2019

MITTEL mittel

1 9 3 6 7 5 2 8 4

5 7 6 4 8 2 1 9 3

2 4 8 9 1 3 6 7 5

9 5 2 1 6 8 3 4 7

8 3 1 7 2 4 9 5 6

7 6 4 5 3 9 8 2 1

3 2 7 8 4 6 5 1 9

4 8 9 3 5 1 7 6 2

6 1 5 2 9 7 4 3 8

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM

12.11.2019

12. 11. 2019

SCHWER schwer

6 8 4 5 3 1 9 2 7

2 9 5 6 7 4 8 3 1

3 1 7 8 2 9 5 4 6

5 3 2 1 4 6 7 9 8

9 4 6 7 8 2 3 1 5

1 7 8 9 5 3 2 6 4

8 6 1 2 9 5 4 7 3

7 2 3 4 1 8 6 5 9

4 5 9 3 6 7 1 8 2

RBB

5.10 Berliner Nächte 5.40 (für HG) Panda,

Gorilla &Co. 6.30 zibb 7.30 Knotenpunkt 8.00

(für HG) Brandenburg aktuell 8.30 (für HG)

Abendschau 9.00 (für HG) In aller Freundschaft

10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm

der Liebe 12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt

nach Fluss 14.00 (für HG) Stunde der

Entscheidung.Drama, D2006 15.30 (für HG)

Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb

UM6 18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) rbb Praxis

Das Gesundheitsmagazin bietet jeden

Mittwoch Informationen rund um Medizin,

Gesundheit und Wohlbefinden aus der

Region. Heute geht es um „Reha-Antrag:

aber richtig!“.

21.15 (für HG) Die rbb Reporter

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Wildes Japan

22.45 (für HG) Der Sambesi

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) ttt –titel thesen

temperamente

ProSieben

5.05 2BrokeGirls. Sitcom. Das Chancen-Fenster

5.25 The Middle. Comedyserie 6.05 (für HG) Two

and aHalf Men. Sitcom 7.25 (für HG) The Big

Bang Theory. Sitcom 8.50 (für HG) HowIMet

Your Mother.Sitcom 10.35 Fresh Off the Boat.

Sitcom. Der Schüler des Monats 11.05 Mike&

Molly.Sitcom. Männergespräche 11.30 2Broke

Girls. Sitcom 12.25 Mom. Sitcom 13.20 (für HG)

Twoand aHalf Men. Sitcom 14.35 The Middle.

Comedyserie 15.35 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom. Das Eiersalat-Äquivalent /Man lernt nie

aus /Willkommen in der Donnerkuppel 17.00

taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die

Simpsons. Zeichentrickserie. Coole Aussichten /

Homergeddon 19.05 Galileo

20.15 (für HG) 9-1-1 Notruf L.A.

Actionserie. Unter Verdacht. Franklin

Prentiss, der Filialleiter einer Bank, steht

kurz vordem Ruhestand. An seinem

letzten Arbeitstag kommt es zu einem

verheerenden Zwischenfall.

21.15 (für HG) 9-1-1 Notruf L.A.

Actionserie. Schuldgefühle

22.15 (für HG) Atlanta Medical

Arztserie. Herz über Kopf

23.15 (für HG) Atlanta Medical

Arztserie. Erkauftes Schweigen

0.15 (für HG) Two and aHalf Men

Arte

8.45 Stadt Land Kunst 9.50 (für HG) Da Vinci, or

not da Vinci? 11.20 Leonardo da Vinci 12.15

(für HG) Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt

Land Kunst 13.50 Eltern. Komödie, D2013

15.25 (für HG) Die sieben Leben der Sea Cloud

15.50 (für HG) Die Inseln der Queen 16.45 (für

HG) Xenius 17.10 Fotografen auf Reisen 17.40

Kanada 18.30 (für HG) Elefanten hautnah 19.20

Arte Journal 19.40 Re: 20.15 Raum. Thriller,

CDN/IRL 2015 22.10 Salman Rushdie –Den Tod

im Nacken 23.05 (für HG) Die letzte Frau. Drama,

F1976 0.50 Arte Journal

3Sat

5.20 Fernweh 6.05 3satTextVision 6.20

Kulturzeit 7.00 nano 7.30 Alpenpanorama 9.00

(für HG) ZIB 9.05 Kulturzeit 9.45 nano 10.15

(für HG) Anne Will 11.15 (für HG) Mönch auf

Probe 11.40 (für HG) Verliebt in Gott 12.30

Wunderkinder 13.00 (für HG) ZIB 13.20 (für HG)

Deutschland vonoben 16.15 Wunder der

Baukunst 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) KulenkampffsSchuhe 21.45 Der

3satThema Talk 22.15 Einer wird gewinnen 0.00

Dalli Dalli 1.30 10 vor102.00 Eco

Phoenix

9.00 phoenix vorort 9.30 Die Welt des Donald

Trump 10.00 phoenix vorort 10.30 Die

Populismus-Show 11.15 Terror vonRechts 12.00

phoenix vorort 12.45 Impeachment –Zerreißprobe

für die USA? 13.00 Bundestag 14.00 Die

Kirche und die Rechten 14.45 phoenix vorort

17.00 Unsere Kleidung 17.30 phoenix der tag

18.00 Alles Bio, alles gut? 18.30 Achtung

Polizei! 19.15 Die innere Unsicherheit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Zugvögel 21.45

(für HG) heute journal 22.15 Phoenix Runde

23.00 phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.50 Ernest &Rebecca 13.15 Die Wilden Kerle

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 Ninja Nanny 15.25 Ein

Fall für TKKG 15.50 (für HG) Mascha und der Bär

16.05 Chi Rho 16.50 (für HG) Geronimo Stilton

17.35 Der kleine Ritter Trenk 18.00 Ein Fall für

die Erdmännchen 18.15 Esme &Roy 18.35 (für

HG) Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab

18.47 Baumhaus 18.50 Unser Sandmännchen

19.00 (für HG) Sherazade 19.25 (für HG) Anna

und die wilden Tiere 19.50 (für HG) logo! 20.00

(für HG) Kika Live 20.10 Find me in Paris

Dmax

5.25 Feueralarm! 6.00 Die Aquarium-Profis

6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.20

Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15 Baggage

Battles 11.15 Die Zwangsvollstrecker 13.15

Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in der Wildnis

15.15 Naked Survival XXL 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 Combat Dealers 18.15 Steel

Buddies 19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15

Auction Hunters 20.45 Hardcore Pawn 21.15

BaggageBattles 22.15 Shark Tank 23.10 DMAX

News 23.15 Shark Tank 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Hessenschau 5.30 ARD-Morgenmagazin

9.00 Tagesschau-Nachrichten 9.15 Der lange

Wegaus dem Koma 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Die Wahrheit über ... 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15

Markt 20.00 Tagesschau 20.15 ReportMainz

20.45 Panorama 3 21.15 Tagesschau 21.17

Münchner Runde 22.00 Markt 22.45 Tagesschau

vor20Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30

Kontrovers –das Politikmagazin 0.15 defacto

1.00 Nachtmagazin 1.20 extra 3 1.50 Extra

2.00 Tagesschau 2.02 Abendschau 2.30 MDR

Sachsenspiegel 3.00 Tagesschau

ONE

7.45 Besser als Du. Komödie, D2015 9.15

Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.35 Lindenstraße

11.05 Hubertund Staller 11.55 Sturmder

Liebe 13.30 Um Himmels Willen 14.20 2

Sturköpfe im Dreivierteltakt. Komödie, D2017

15.50 Hubertund Staller 16.40 Hot in Cleveland

17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich

18.40 Sturmder Liebe 20.15 Agatha Christies

Marple: Die Schattenhand. Krimireihe, GB 2006

21.45 Bauerfeind –Die Showzur Frau 22.45

Alfred Hitchcock präsentiert: Die ganz Zarte

23.10 Agatha Christies Poirot 23.55 Hot in

Cleveland 0.35 Agatha Christies Marple: Die

Schattenhand. Krimireihe, GB 2006

ZDF NEO

5.05 (für HG) Schliemanns Erben 6.35 (für HG)

Das Mysterium vonAngkor 7.20 (für HG) Troja ist

überall –Der Siegeszug der Archäologie 8.05

Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45

(für HG) Bares für Rares 12.15 (für HG) Monk

13.35 Psych 15.00 (für HG) Monk 16.20 Psych

17.45 (für HG) Bares für Rares 20.15 (für HG)

Wilsberg: Gegen den Strom. Krimireihe, D2013

21.45 (für HG)Ein starkes Team: Eine Tote zu viel.

Krimireihe, D2012 23.10 (für HG) Aktenzeichen

XY ... ungelöst 0.40 (für HG) Wilsberg: Gegen den

Strom. Krimireihe, D2013 2.10 Gätjens großes

Kino 2.25 (für HG) Alexander der Große 3.55

Frag den Lesch 4.10 (für HG) Große Völker

ZDF INFO

5.35 Geheimes Saudi-Arabien 6.20 Kolumbien

7.05 Citizen Trump 7.50 Die Trumps –Aus der

Pfalz ins Weiße Haus 8.38 heute Xpress 8.40

Parteienkrieg am Supreme Court 9.25

Abgezockt! 10.10 Der Milliardenbetrug des

Bernie Madoff 10.55 Abgezockt! 11.40 (für HG)

Boeings Todesmaschinen 12.10 Syriens

Herrscher 14.30 Der Schattengeneral 15.15

Geheimes Saudi-Arabien 17.30 Jemen –der

Krieg,die Kinder und der Hunger 18.00

ZDF-History 18.45 Das Tagebuch der Anne Frank

20.15 Warumwir hassen 20.55 Schindlers Liste

–Eine wahre Geschichte 21.40 Die Wahrheit

über den Holocaust 3.30 Ausgewiesen!

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Opernführer Die Opéra comique. Mit Matthias

Käther,ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Festival Muzyka wraju (Musik im

Paradies) in der Peter-und-Paul-Kirche Zagan

(Polen), ca. 87 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Spezial Der „ewige“ Vater –Leopold

Mozartals Komponist und Pädagoge. Mit

Bernhard Schrammek, ca. 56 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Marcia aus Vermont (2/4) vonPeter

Stamm. Gelesen vonChristian Brückner,

ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Arlington neverdies: Der

berühmteste Soldatenfriedhof der USA.

Reportagevon Anja Steinbuch und Michael

Marek, ca. 26 Min.

20.30 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lesezeit Jan Peter Bremer liest aus seinem

Roman „Der jungeDoktorand“ (2/2), ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Hörspiel Die Logik des Schlimmsten. VonÉtienne

Lepage, ca. 57 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Feature Vor120 Jahren: Kawa und Viktoria –

Deutsche Spuren auf Samoa. VonDetlef

Michelers, ca. 56 Min.

MAGAZIN

9.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Im Gespräch Intendantin Katrin Mädler im

Gespräch mit Britta Bürger,ca. 55 Min.

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Länderzeit Wo wirtschaftlicher Gewinn nicht alles

ist: Soziale Startups als gesellschaftlicher

Innovationsmotor.Liveaus der Müslirösterei HEYO

in Lüneburg,ca. 80 Min.

15.35 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

@mediasres Thüringen /Wahlen und Währung /

Kollegengespräch mit Marcus Schuler /Erschwerte

Recherche /Zur Zukunft des Fachjournalismus,

ca. 25 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Die USA und der Ukraine-Konflikt:

Überfordertund Abwesend. VonThomas Franke,

ca. 30 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die dänische Singer/Songwriterin

Mette Juul. Mit Ortrun Schütz, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 264 · M ittwoch, 13. November 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

Lamar Odom (40) will noch einmal

den Schritt vorden Traualtar wagen.

DerEx-Basketballstar und Ex-Mann

vonKhloé Kardashian stellt uns jetzt

bei Instagram seine neue Verlobte,

die Fitnesstrainerin Sabrina Parr vor.

DieVoraussetzungen für lang anhaltendes

Eheglück könnten besser

kaum sein: Diebeiden sind bereits

seit einigen Monaten zusammen

und werden bald in einer eigenen

Realityshowzusehen sein. Sicher

hat Parr auch schon Zeit gehabt, in

Odoms Bekenntnisbuch „Darkness

to Light“ zu schmökern, in dem ihr

Verlobter erklärte,sexsüchtig zu

sein, mit über 2000 Frauen geschlafen

und Kardashian während ihrer

Ehe mehrfach betrogen zu haben.

Schlimmer geht’s nimmer!

Reiner Mommsen (56) wohnt auf der

Hallig Gröde in Nordfriesland –und

damit in Deutschlands kleinster Gemeinde.InGröde

lebten Ende 2018

gerade mal sieben Menschen, darunter

Mommsen, seine Partnerin und

seine Mutter.„DasSchöne bei uns in

Gröde ist ja, dass nicht so viele Leute

hier sind“, wirdMommsen zitiert.„Zu

sehen gibt es zwar nicht viel, aber dafür

kann man weit gucken.“ Ein

Hoch auf die Abgeschiedenheit!

Sean Spicer (48) war früher mal Sprecher

und Zuschauerzahlen-Vervielfacher

in Diensten vonUS-Präsident

Donald Trump.Nach seinem Rücktritt

versuchte Spicer,sich

bei der Show „Dancing

with the Stars“ ein neues

Tanzbein aufzubauen.

Doch so recht wollte

auch das nicht gelingen,

jedenfalls ist

Spicer in Runde sieben

rausgeflogen.

Vielleicht, aber das

ist natürlich nur

eine Vermutung,

hängt sein Ausscheiden

ja damit zusammen,

dass sein früherer

Arbeitgeber ihn auf

Twitter stets wortreich

unterstützte. (avo.)

An den Tanzoutfits kann es

jedenfalls nicht gelegen haben,

dass er rausflog. GETTY IMAGES

TIERE

Ein rosa Stoffelefant hängt an der

Leine zum Trocknen. AP/ELMER MARTINEZ

Kinder und ihre Kuscheltiere –unser

Bild zeigt einen rosa Stoffelefanten,

der einem dreijährigen Mädchen aus

der honduranischen Stadt Comayagua

gehört.Wiedie NewYorkTimes

am Dienstag berichtete,war das

Mädchen wochenlang in den Armen

seinesVaters unterwegs,als der illegal

in die USA einzureisen versuchte: Er

wurde erwischt und die Grenzbeamten

trennten ihn vonseiner Tochter;

das ist ganz im Sinne der rigorosen

Einwanderungspolitik Donald

Trumps.DerVater ging ins Gefängnis,

das Mädchen kam zu einer Pflegefamilie.Dortsoll

es über Monate hinwegmisshandelt

worden sein, ist in

der NewYorkTimes jetzt zu lesen.

Heute leben derVater und seine

schwer traumatisierte Tochter wieder

in Comayagua. DerStoffelefant erinnertaneine

andereKindheit. (schl.)

Lohnt sich all das Leiden?

Julie Delpy über schmierige Anwälte, männliche Entscheider und den „kleinen Fisch“ Harvey Weinstein

Bereits im Alter vonfünf Jahren

stand Julie Delpy erstmals

auf einer Theaterbühne,Mitte

der 80er-Jahre

gab sie unter der Regie von Jean-Luc

Godard ihren Kinoeinstand. Längst

ist die 49-jährige Schauspielerin auch

als Regisseurin tätig. Auch für ihren

neuen Film „My Zoe“ (ab Donnerstag

im Kino), in dem es um ein geschiedenes

Ehepaar und den Verlust

der gemeinsamen Tochter geht,

zeichnet Delpy wieder vor und hinter

der Kamera gleichermaßen verantwortlich.

Beim Interview im Berliner

Soho House geht es dann allerdings

kaum um ihre neue Arbeit,

sondern umviele andere Themen,

die ihr unter den Nägeln brennen.

Frau Delpy, vor zwei Jahren hielten

Siebeim Europäischen Filmpreis eine

Rede, mit der Sie umdie Finanzierung

von „My Zoe“ kämpften. Damals

klangen Sieehrlich verzweifelt.

Warich auch. Ich ging ja sogar so

weit, eine spontane Tombola zu veranstalten,

deren Hauptpreis ein

Frühstück mit mir am nächsten Morgen

war. Aber die 2000 Euro, die dabei

herumkamen, retteten den Film

erst einmal auch nicht.

Stand nicht damals schon Ihr Freund

und Kollege Daniel Brühl mit seiner

Firma als Produktionspartner fest?

Ja,Daniel war an Bord,und überhaupt

hatte ich schon den Großteil

des Budgets beisammen. Mir fehlte

ein vergleichsweise kleinerTeil, weil

ein koreanischer Investor weggebrochen

war. Der, beziehungsweise

sein schmieriger

amerikanischer Anwalt waren

dafür verantwortlich, dass das

Projekt zu platzen drohte.

Schmierige und irgendwie

unheimliche Anwälte gibt es

in den USA ja leider viele, sehen

Siesich nur an, vonwem Trump

gerade umgeben ist. Und für die

Filmbranche dort gilt das umso

mehr: Essind viel zu viele Anwälte

involviert –und viel zu viele davon

sind schmierig.

Über die Schwierigkeiten, Filmprojekte

zu realisieren, klagen mehr und

mehr Regisseure. Verdirbt das allmählich

die Freude am Beruf?

Es wird immer schwieriger, die

Leidenschaft aufrechtzuerhalten.

Zumindest ich frage mich mehr

denn je: Lohnt sich all das Leiden am

Ende überhaupt? Vielleicht sollte ich

mir irgendwann eine Alternative

zum Filmemachen überlegen, denn

so ist es mir wirklich zu anstrengend.

Gleichzeitig jubeln alle, weil durch

Netflix und Co.angeblich so viel Geld

für neue Produktionen da ist wie nie.

Das gilt für Serien. Und vielleicht

für Scorsese.Aber nicht für kleine Independent-Filme

wie meine. Als

Frau hat man es ohnehin schwerer,

denn etwa bei Amazon Prime ist das

Profil so männlich ausgerichtet, dass

„My Zoe“ dort gar nicht in Frage

käme.Guckt man sich mal an, wofür

die Streaming-Anbieter so ihr Geld

ausgeben, sieht es auch dort meistens

so aus: 90 Prozent für Arbeiten

vonMännern, 10 Prozent für Frauen.

Denn die Entscheider an der Spitze

sind ja auch größtenteils männlich.

Wie fiel die Reaktion der Kollegen

aus, als Sieins Regiefach wechselten?

Viele zögerten plötzlich, mich zu

besetzen, nachdem ich Regie geführt

hatte. Sie dachten, ich sei zu dominant

oder meinungsstark. Erst neulich

stand ich wieder für jemanden

vor der Kamera, der die ganze Zeit

erstaunt zu mir sagte,dass ich so unkompliziertund

einfach im Umgang

sei. Das fand ich irgendwann richtig

beleidigend. Er hatte wohl jemanden

erwartet, der kontrollsüchtig ist und

Workaholic, Perfektionistin, Multitalent: Julie Delpy.

ihn unterbuttern will. Dabei kann

ich mich wunderbar der Vision eines

anderen unterordnen, das ist

doch schließlich meine Aufgabe als

Schauspielerin. Aber als Frau hinter

der Kamera hast du automatisch

den Ruf weg, anstrengend zu

sein.

Über Ihre männlichen Kollegen wird

so etwas mutmaßlich nicht automatisch

gesagt.

Natürlich nicht. Dabei sind einige

von denen mit Sicherheit sehr viel

anstrengender, als ich es bin. Leider

ist das Phänomen ja altbekannt: Als

starke Frau –oder jemand, der dem

Bild einer starken Frau entspricht –

musst du immer erst einmal die

Hürde überspringen, dass die Leute

Angst vor dir haben. Wobei sich ja

nach und nach die Strukturen ein

wenig zu ändernscheinen.