AUTOINSIDE Ausgabe 01 – Januar 2020

autoinside

AUSGABE 1 JANUAR 2020

Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS)

AUTO

INSIDE

Das Fachmagazin für die Schweizer Garagisten

New Business & Digitalisierung

Neue Chancen und Möglichkeiten

Seiten 8 27

«Tag der Schweizer Garagisten»

So reagiert der AGVS bei

der Bildung auf die

technologische Entwicklung.

Seiten 28 29

Fokus Technik

Besuch beim Diagnoseprofi:

Mit Thermografie auf

der Suche nach Wasser.

Seiten 36 38

Auto-Salon

GIMS-Direktor Olivier Rihs

spricht über die Neuerungen

am Auto-Salon.

Seiten 46 48


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«Tag der Schweizer Garagisten»

So reagiert der AGVS bei

der Bildung auf die

technologische Entwicklung.

Seiten 28 29

Fokus Technik

Besuch beim Diagnoseprofi:

Mit Thermografie auf

der Suche nach Wasser.

Seiten 36 38

Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS)

Auto-Salon

GIMS-Direktor Olivier Rihs

spricht über die Neuerungen

am Auto-Salon.

Seiten 46 48

INHALT

Januar 2020

5 Editorial

6 Kurz notiert

New Business &

Digitalisierung

8 Tobias Nell: Garagist und

IT-Spezialist

12 Start-ups für Aftermarket und

Garagen

14 So war die Mat-Konferenz

16 Audatex: So wird die

Digitalisierung erfolgreich

18 «CitNow» stärkt das Vertrauen

19 Newsletter mit Video

20 1,5 Jahre Autosense ein Rück- und

Ausblick

21 «MeinAutogramm», das neue

Engagement von Auto-Schweiz

22 Die Achillesferse der Digitalisierung

24 Remote-Diagnose als Chance

25 Schutz vor Hackerangriffen

26 Produktepräsentationen

«Tag der Schweizer

Garagisten» 2020

28 Olivier Maeder im Gespräch

30 Mit Digitalisierung gegen Stau

32 Die Hauptsponsoren blicken voraus

Fokus Technik

36 Thermografie als

Diagnosemöglichkeit

Bildung

40 Fokussieren mit Dario Cologna

42 Betriebswirte erhalten Diplom

44 Business Academy

45 Regionale Weiterbildungskurse

Auto-Salon

46 Olivier Rihs: So wird die GIMS

49 Automessen unter Druck

Handel & Aftersales

51 SAS öffnet sich für externe

Anbieter

52 So werden die Autotechnik Days

54 Visionär Frank M. Rinderknecht

über die Mobilität von morgen

56 «Car For You» ist auf dem

Vormarsch

58 So gelingt der Service

59 Werkstatt der Zukunft:

Kommunikation ist entscheidend

Verband & Sektionen

62 Andri Zisler im Gespräch

64 Kundendienstberater Gaetano

Gentile geht in Pension

66 Grafik des Monats,

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AUSGABE 1 JANUAR 2020

AUTO

INSIDE

Das Fachmagazin für die Schweizer Garagisten

New Business & Digitalisierung

Neue Chancen und Möglichkeiten

Seiten 8 27

Titelseite: New

Business &

Digitalisierung

neue Chancen und

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AUTOINSIDE | Januar 2020

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EDITORIAL

Wir sitzen im gleichen Boot

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Autobranche steht im Gegenwind.

Die Lage ist sowohl politisch wie

wirtschaftlich angespannt. Alle Marktteilnehmer

sind nun gut beraten,

durch verstärkte Zusammenarbeit die

schwierige Zeit gemeinsam besser

meistern zu können. Denn wir sitzen

im gleichen Boot. Diese Redewendung

passt ganz gut, sich darauf zu

besinnen, dass das rettende Ufer nur

erreicht werden kann, wenn wir alle

gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten

und in die gleiche Richtung rudern.

Wir blicken zurück auf ein zufriedenstellendes

Autojahr. Die Verkaufszahlen

entsprachen den Erwartungen

und die Auslastung in den Werkstätten

war meist erfreulich. Ebenso

gelang es, genügend qualifiziertes

Fachpersonal zu engagieren. Die ungenügende

Nettorendite trübt jedoch

das positive Gesamtbild. Das vor uns

liegende Jahr darf wiederum mit Zuversicht

in Angriff genommen werden.

Die motorisierte individuelle Mobilität

erfreut sich trotz immer schwierigeren

Verkehrsverhältnissen nach wie vor

grosser Beliebtheit.

Die Hersteller stellen zunehmend

umweltfreundliche Fahrzeuge in die

Angebotspaletten. Die Kunden

können sich in einer fast unendlich

breiten Modellvielfalt das passende

Auto kaufen. Und die Prognosen sind

sowohl für den Verkauf wie die Werkstätten

praktisch auf Vorjahreshöhe.

Der Gegenwind hat seinen Ursprung

in gesellschaftspolitischen Veränderun

gen. Der Gesetzgeber will den

CO 2

-Ausstoss massiv senken, setzt auf

Strafzahlungen beim Überschreiten

der sehr tiefen Grenzwerte und ist

daran, die Bevölkerung mit Lenkungsabgaben

ökologisch «umzuerziehen».

In der Konsequenz führt dies dazu,

dass Autofahren teurer und die Freude

am Auto vergällt wird.

Stetig arbeiten breite Gesellschaftsschichten

und die Politik am negativen

Image des Autos. Es ist daher sehr

erfreulich, dass Auto-Schweiz das

Ruder in die Hand nimmt und Gegensteuer

gibt. Mit «meinAutogramm.ch»

starten die Automobilimporteure

eine Publikumskampagne, die darauf

abzielt, einer schweigenden Mehrheit

zu erklären, dass der motorisierte

Individualverkehr mehr Vor- als Nachteile

hat. Dieses Engagement für die

individuelle Mobilität in der Schweiz

verdient Unterstützung und einen

grossen Dank.

Am 14. Januar ist der «Tag der Schweizer

Garagisten». Zentrales Thema wird

das Verhältnis zwischen dem Garagisten

und seinen Kunden in der aktuellen

Umweltdiskussion sein. Auch dieser

Tag wird dazu beitragen, den Zusammenhalt

in der Autobranche zu

stärken.

Der Zentralvorstand und alle Mitarbeitenden

freuen sich über die erneut

gestiegene Teilnehmerzahl aus der

automobilen Welt. Ich freue mich,

Sie in Bern begrüssen zu dürfen, und

wünsche Ihnen ein erfolgreiches

neues Jahr und beste Gesundheit.

Herzliche Grüsse

Urs Wernli

Zentralpräsident

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KURZ NOTIERT

CG CarGarantie belegt

Spitzenplatz

In einer umfassenden Studie

hat das Marktforschungsunternehmen

Finaccord die Anbieter

von Anschlussgarantien für

Neu- und Gebrauchtwagen in

Europa im Jahr 2018 untersucht.

In der europäischen Gesamtwertung

aller Garantieanbieter

liegt CarGarantie mit Platz 2

auf einer Spitzenposition. Der

Studie zufolge verfügt nur

die VW-Gruppe über einen

grösseren Marktanteil. Ein

Grund für diesen Erfolg ist das

europaweite Engagement:

CarGarantie ist einer der

wenigen Anbieter, der in nahezu

allen untersuchten Ländern

aktiv ist. In vielen dieser

Länder gehört CarGarantie

zu den erfolgreichsten Unternehmen.

Das ergibt ein

starkes Gesamtbild auf dem

europäischen Markt.

Subaru Schweiz AG: Neuer

Leiter Verkauf und Marketing

Marco Mascis.

Am 18. November hat Marco

Mascis seine Tätigkeit als

Leiter Verkauf und Marketing

bei der Subaru Schweiz AG

in Safenwil aufgenommen. Er

übernimmt von Werner Bärtschi

das Marketing. Werner Bärtschi

tritt nach 38 Jahren bei der Emil

Frey AG in den wohlverdienten

Ruhestand. Zusätzlich wird

Marco Mascis per Ende April

2020 den Verkauf von Dominik

Hurter übernehmen, der ebenfalls

in den Ruhestand übertritt.

Marco Mascis kennt von seinen

bisherigen Tätigkeiten die Automobil-Branche

und war zuletzt

in der Uhrenindustrie tätig.

Eurotax verstärkt sich mit

Valeria Konecna

Valeria Konecna

Seit Anfang November verstärkt

Valeria Konecna (22) neu

als Campaign & Marketing

Managerin das Team von Olivier

Lourdin, Head of Marketing

& Communications CH/AT

bei Eurotax. In ihrer Funktion

wird Konecna für das digitale

Kampagnen- und Marketingmanagement

verantwortlich

sein und damit die Produkt- und

Vertriebsverantwortlichen in

der Schweiz und in Österreich

unterstützen. Als Vertreterin

der Generation Z bringt sie zudem

wertvolle Voraussetzungen

mit, die für den proklamierten

«Digital First»-Ansatz von

Eurotax wichtig sind.

Derendinger: Olivier Rey ist

neuer Markenchef

Olivier Rey.

Olivier Rey ist seit dem

1. November neuer Marketingchef

bei der Derendinger AG.

Er folgt auf Maja Kaufmann.

Der Marketingfachmann war

zuletzt Marketingleiter bei

der Metabo (Schweiz) AG und

arbeitete unter anderem als

Global Product Manager für

Multifunktionswerkzeuge bei

der Bosch-Tochter Scintilla AG.

Rey ist gelernter Maschinenzeichner

und Betriebsökonom

FH mit über 15 Jahren Erfahrung

im Marketing-, Produkt- und

Projektmanagement.

40 Jahre G. Kolly SA in

Le Mouret

Ende September feierte die G.

Kolly SA zusammen mit ihren

Mitarbeitenden ein Firmenjubiläum.

Das durch Germain

Kolly und André Mettraux

gegründete Unternehmen

durfte in diesem Jahr bereits

auf 40 Jahre Geschäftstätigkeit

zurückblicken. Seit dem

1. Mai 1979 ist die G. Kolly SA

mit Sitz im freiburgischen Le

Mouret ein anerkannter und

in der Nutzfahrzeugbranche

nicht mehr wegzudenkender

Partner rund um leichte und

schwere Nutzfahrzeuge. Heute

wird das Unternehmen von der

zweiten Generation, Dominique

Kolly, mit aktiver Unterstützung

seiner Schwester Corinne

Raboud (-Kolly), John Siffert

und einem treuen Team geführt.

Seit 1985 ist die G. Kolly SA

auch offizieller Scania Vertriebs-

und Servicepartner in

der Region Freiburg und seit der

Übernahme der Firma Longet

in Rennaz VD auch Scania

Ansprechpartner im östlichen

Gebiet des Genfersees und dem

Unterwallis.

Christian Wiegel wird neuer

VW Brand Director

Der neue Mann an der Spitze

bei Volkswagen Schweiz heisst

Christian Wiegel. Mit 25 Jahren

Berufs- und Führungserfahrung

in der Automobilbranche

übernimmt eine ausgewiesene

Führungspersönlichkeit die

Leitung der Marke VW. Er

trat per 11. Dezember 2019 die

Nachfolge von Oliver Stegmann

an, der das Amt seit Mai

interimistisch innehatte. Innerhalb

der Amag-Organisation

ist Christian Wiegel kein Un-

Gerhard Waser (links), Geschäftsführer der Scania Schweiz AG, überreicht

Dominique Kolly zum Firmenjubiläum eine Erinnerungstafel.

Unternehmerische Freiheit

... einer von vielen Vorteilen als le GARAGE-Partner!


KURZ NOTIERT

Lieblingsauto der Schweizer».

Den Hattrick komplett machte

der Tesla Model 3 in der

Wahl «Das grünste Auto der

Schweiz», bei der er ebenfalls

den Titel gewann.

MITGLIED

Christian Wiegel.

bekannter, wirkte er doch von

2014 bis Januar 2019 in der

Funktion des Leiters Region

Zürich/Ostschweiz und als Mitglied

der Geschäftsleitung bei

Amag Retail. Christian Wiegel

ist 52 Jahre alt, verheiratet und

wohnt in der Innerschweiz.

Tesla Model 3 ist «Schweizer

Auto des Jahres 2020»

Tesla räumte bei der Wahl zum Auto

des Jahres gross ab.

Die zwölfköpfige Fachjury

neben Fachjournalisten auch

der Schweizer Rennprofi Fredy

Barth sowie Ex-F1-Fahrer und

TV-Moderator Marc Surer

verleiht der Elektro-Limousine

Tesla Model 3 den begehrten

Titel «Schweizer Auto des

Jahres 2020». Gleichzeitig

sichert sich das Model 3 bei der

in allen Landesteilen durchgeführten,

repräsentativen

Publikumswahl von «Schweizer

Illustrierte» und AutoScout24

auch die Auszeichnung «Das

Bertrand Piccard schafft

Strecken-Weltrekord

Bertrand Piccard schaffte einen

neuen Weltrekord.

Bertrand Piccard, Luftfahrt-Pionier,

Abenteurer

und bekannter Ballonfahrer,

schaffte die längste Strecke, die

ein serienmässiges Wasserstoff-Fahrzeug

bis heute mit

einer Tankfüllung zurücklegte.

Bertrand Piccard startete

Ende November mit einem

Hyundai Nexo im französischen

Sarrequemines an der FaHyence

Wasserstoff-Tankstelle. Am Tag

darauf fuhr er im Musée de l’Air

et de l’Espace in Le Bourget

ein nach einer Fahrt von 778

Kilometer. Das ist Weltrekord!

Wechsel bei Mercedes-Benz

Schweiz in der Kommunikation

Mercedes-Benz Schweiz vereint

die Bereiche Marketing und

Unternehmenskommunikation

unter einem Dach und legt

damit den Grundstein für eine

integrierte und zukunftsgerichtete

Kommunikation.

Die Gesamtverantwortung hat

Patrick Bossart

Patrick Bossart per 1. Dezember

übernommen. Er übernimmt

die Nachfolge als Marketingleiter

Mercedes-Benz Cars von

Oscar Ferrer, der das Unternehmen

zum 31. Dezember

2019 verlässt und ausserhalb

des Unternehmens eine neue

Herausforderung annimmt.

Bossart stiess im September

2018 als Head of Corporate

Communications zu Mercedes-

Benz Schweiz.

Wechsel bei der

Robert Bosch AG

Sandro Francescutto wird neuer

Leiter Automotive Schweiz bei

der Robert Bosch AG. Er übernimmt

seine neue Aufgabe per

1. Februar 2020 und wird damit

Nachfolger von Oliver Juric,

der eine neue Herausforderung

annehmen wird. Francescutto ist

seit 2006 im Unternehmen und

war bisher als Leiter Garagenkonzepte

tätig.

Oliver Juric (links) und sein Nachfolger

Sandro Francescutto.

Neue AGVS-Mitglieder

Herzlich Willkommen!

Der AGVS konnte im Monat

November 2019 9 neue Mitglieder

begrüssen. Die Betriebe beschäftigen

insgesamt 36 Mitarbeitende.

Wir heissen die neuen Mitgliederbetriebe

herzlich willkommen.

Sektion Aargau

> > Sportgarage Yildirim, Niederlenz

Sektion Schwyz

> > MB Auto Center Küssnacht am

Rigi AG, Immensee

> > Classic Garage Leuholz GmbH,

Wangen

Sektion Tessin

> > Restart Garage SNC, Mesocco

Sektion Wallis

> > Garage Meizoz Sàrl, Levron

Sektion Bern

> > THO Auto AG, Bern

> > Garage Martin Rytz AG, Wohlen

bei Bern

> > Auto Nyffeler GmbH, Riggisberg

> > Garage Kräuchi, Münsingen

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NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Garagistenzmorge bei der Garage Rey in Zürich

«Wir geben dem Garagisten

den Samstag zurück»

Auf dem Trottoir stehen einige ältere Jaguarmodelle. Im denkmalgeschützten Haus dahinter wird fleissig

geschraubt. Nichts deutet darauf hin, dass Inhaber Tobias Nell von Zürich-Albisrieden aus gerade eine kleine

digitale Revolution anstösst. Sandro Compagno

8

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Es ist ein kalter Dezembermorgen, die Weihnachtsbeleuchtung

kämpft einen aussichtslosen

Kampf gegen den Hochnebel, der sich über

Zürich gelegt hat. Mit Tempo 30 quält sich der

Berufsverkehr durch das «Albisrieder-Dörfli»,

vorbei an der Garage Rey. Garagist Tobias Nell

nimmt gerade den Jaguar F-Pace einer Kundin

in Empfang und überlässt ihr einen Ersatzwagen.

Die Platzverhältnisse rund um die Garage

sind beengt, das Umstellen der Fahrzeuge

und die Einfahrt in die Werkstatt erinnern an

das Computer-Spiel «Tetris».

«Wir verlieren damit jeden Tag rund eine Stunde»,

ärgert sich Inhaber Tobias Nell über die

Umstände. Denn Zeit ist Geld. Das gilt nicht

nur für die Garage Rey mit Gründungsjahr

1953 eine der ältesten Garagen Zürichs , sondern

für jede Autowerkstatt in der Schweiz.

Und Tobias Nell ist angetreten, um die Schweizer

Garagisten auf dem Weg zu schnelleren

Prozessen und mehr Effizienz zu unterstützen.

Doch der Reihe nach. Dass sich der 49-Jährige

seit Mai 2019 Garagist nennt, ist keineswegs

ein strategischer Entscheid, sondern schlicht

dem Zufall entsprungen. Die Garage Rey mit

ihren drei Mitarbeitern stand nach dem Tod

von Besitzer Herbert Rey vor dem Aus. Nell

sprang als langjähriger Kunde und Freund des

Hauses ein, rettete den Traditionsbetrieb und

die Arbeitsplätze. Obwohl aus der IT-Branche,

hat Tobias Nell durchaus Verbindungen ins

Autogewerbe. Mit seiner früheren IT-Firma

Imis AG programmierte er während über 20

Jahren unter anderem Software-Lösungen für

Zulieferer wie ESA oder den Daimler-Konzern.

Die IT beschäftigt ihn bis heute. In seiner

Arbeit für verschiedene Garagenbetriebe kam

der Auto-Freak zu einer Erkenntnis: «Es gibt

wenig Gescheites, das sich auch kleine Garagen

leisten können.» 2017 begann er erneut

mit dem Aufbau eines IT-Unternehmens namens

Yes-Partner AG mit Sitz in Schlieren.

Yes steht für «Your E-Commerce Solution»

und ist im Bereich Digital Solutions für

internationale Industrie-Unternehmen wie

United Grinding Group oder Müller Martini

tätig. «Grosse Konzerne können für Software-

Lösungen Millionen ausgeben. Ein Garagist

kann das nicht, obschon er die gleichen Anforderungen

und Ansprüche hat», sagt Tobias

Nell. KMU brauchen einfache, kostengünstige

Lösungen.

Zwei Jahre nach der Gründung der Yes-Partner

AG ist diese einfache, kostengünstige

Lösung für den Garagisten mit dem Namen

«SimplyCarCloud» marktreif. Nell nutzte die

Garage Rey sowie einen weiteren Pilotbetrieb

für ausgiebige Tests. «Die Erfahrungen, die

wir dabei gemacht haben, sind direkt ins Produkt

eingeflossen», sagt Entwicklungschefin

Isabel Chinetti.

Dabei haben Tobias Nell und Isabel Chinetti

nicht etwa das Rad neu erfunden. «Simply-

CarCloud» basiert auf der Business-Software

Bexio. Finanzwesen, Buchhaltung, Zeiterfassung

oder Lagerverwaltung sind in dieser

Software bereits vorhanden. «Wir haben die

garagenspezifischen Funktionen als Add-on

programmiert», erklärt Nell. Das Resultat ist

eine cloudbasierte, anwenderfreundliche IT-

Lösung zum Preis von gerade mal 99 Franken

pro Monat.

Dass das System cloudbasiert ist, bringe für

die Kunden zahlreiche Vorteile mit sich, erklärt

Isabel Chinetti: «Der Garagist muss keine

Installationen und keine Datensicherung vornehmen.

Auch die Updates werden durch uns

ausgeführt ohne Aufwand für die Kunden.»

Mit «SimplyCarCloud» spare der Garagist drei

bis vier Stunden pro Woche, verspricht Tobi-

Fortsetzung Seite 10

IT-Fachmann und Garagist Tobias Nell will den Garagisten mit «SimplyCarCloud» zu schnelleren Prozessen und mehr Effizienz verhelfen.

AUTOINSIDE | Januar 20209


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

as Nell: «Wir geben ihm sozusagen den Samstag

zurück.» Den Tag in der Woche, den viele

Garagisten mit dem Nachführen der Buchhaltung

und dem Schreiben von Rechnungen

und Mahnungen verbringen.

Dafür benötige er in seinem Garagenbetrieb

ganze fünf Minuten pro Tag, erklärt Nell und

demonstriert das System gleich selbst. Auftragserfassung,

Lagerverwaltung, Bestellung

der benötigten Teile, Offerte an den Kunden,

Rechnungsstellung, Kontenabgleich mit der

Bank: Das System ist einfach, keine Eingabe

muss zweimal erfasst werden, und es schafft

Transparenz sowohl innerhalb des Betriebs

wie gegenüber der Kundschaft. Mehr als 90

Prozent aller Rechnungen versende er heute

elektronisch, sagt Tobias Nell: «Und das, obwohl

der Altersdurchschnitt meiner Kunden

bei rund 60 Jahren liegt.» Sobald der Kunde

den Auftrag bestätigt, wird dieser automatisch

in die Werkstattplanung überführt, die

Arbeitsdokumente werden erstellt und die Ersatzteile

bestellt. Das System ist mit den Zulieferern

ESA, Derendinger, Technomag und

Rhiag verbunden. Weitere sollen folgen.

Und: Auch für den Kunden wird automatisch

ein Dokument erstellt, das sämtliche Informationen

zum Fahrzeug, zu Defekten und Reparaturen

enthält. Nell: «Das ist eine Funktion,

die kein anderes System bietet.»

Weitere Funktionen sind für das laufende

Jahr geplant: So ist eine Kooperation mit dem

Daten- und Workflowanbieter Haynes Pro vereinbart,

was eine vollautomatische Offertstellung

ermöglichen wird. Gerade in Mehrmarkenbetrieben

oder in Markenvertretungen,

die viele Fremdmarken reparieren, kann dies

die Prozesse massiv beschleunigen. Auch ein

automatischer Versicherungsnachweis oder

die Integration von Garantieanbieter Quality1

sind noch für das erste Semester 2020 geplant.

Tobias Nell und Isabel Chinetti haben ambitionierte

Ziele: 1000 Garagen wollen sie mit

«SimplyCarCloud» beliefern. Das Interesse sei

riesig, weshalb sich seit einigen Wochen ein

Call-Center mit der Vermittlung von Terminen

beschäftigt. Im Dezember hätten mehr als 90

Prozent seiner Besuche und Demonstrationen

der Software zu einem Abschluss geführt, sagt

Tobias Nell. «Und das ist erst der Anfang!». <

Weitere Infos unter:

garage-rey.ch

simplycarcloud.ch

Spezialisten für Jaguar und Software: Tobias Nell mit seinem Chefmechaniker Paulo de Sousa Guimaraes sowie mit Entwicklungschefin Isabel Chinetti (oben rechts).

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Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Statt mit simplen Navigationspfeilen wie bei herkömmlichen

Head-up-Displays lotst das System des Schweizer Start-ups

Wayray den Fahrer durch Hinweise, die auf die ganze Windschutzscheibe

projiziert werden, durch den Verkehr.

Schweizer Start-ups

Den Blick in die Zukunft

gerichtet

Die Schweiz ist zu einem wichtigen Standort für Start-ups geworden auch aus der Autobranche. Vor allem für die Automobilindustrie

werden Zukunftstechnologien sowie ihre Anwendungsfälle entwickelt, doch die Digitalisierung bietet auch

spannende Optionen für Aftermarket und Garagen, wie ein Blick auf einige ausgewählte Start-ups zeigt. Jürg A. Stettler

Das Startup-Zentrum Zürich, ein Expertenteam

innerhalb des Treuhandzentrums Zürich,

verzeichnete auch 2019 ein starkes Wachstum.

Fast 85 Millionen Franken hatten die einzelnen

Start-ups für ihre Projekte noch vor zwei

Jahren gesammelt, ein Jahr später waren es bereits

440 Millionen Franken und die Gelder der

Investoren sprudeln munter weiter. Von einer

der grössten Einzelfinanzierungsrunden in der

Schweiz profitierte das Zürcher Start-up Wayray.

80 Millionen Schweizer Franken kamen

durch Investoren wie Porsche, Hyundai und

den chinesischen Onlinehändler Alibaba zusammen.

Wayray hat sich so eine solide Basis

gelegt, um seine holographischen Head-up-

Display-Technologien weiterzuentwickeln, die

Navigations- aber auch Information zum Umfeld

direkt auf die Autofrontscheibe oder andere

Scheiben projiziert. «Das Team von Wayray

hat eine einzigartige technische Expertise

mit fundierten Hintergründen aus der Raumfahrt,

Hardware- und Softwareentwicklung.

Die innovativen Ideen und Produkte haben

enormes Potential», attestiert Lutz Meschke,

stellvertretender Vorstandsvorsitzender und

Vorstand Finanzen und IT von Porsche. Wirtschaftsförderer

Philippe D. Monnier holte das

einst russische Start-up 2014 nach Lausanne,

inzwischen ist Wayray in Zürich beheimatet.

Die Schweizer dürften bald einen Gang höher

schalten und haben schon Ideen, um weitere

Geschäftsfelder zu erschliessen. So kann Wayray

sich vorstellen, dass im Ausland beispielsweise

Verkehrszeichen in Echtzeit übersetzt

werden könnten oder in autonomen Fahrzeugen

die Windschutzscheibe zum Surfen oder

TV-Schauen genutzt werden kann und die

Autoscheibe ist für Wayray nur der Anfang.

Die Digitalisierung in der Autobranche fokussiert

sich längst nicht mehr nur auf Lösungen

fürs Fahrzeug selbst, immer mehr Start-ups

entwickeln Lösungen für den Aftermarket und

Garagenbereich. Abo-Modelle von Autos, Vermarktung

von Exportfahrzeugen oder auch die

Möglichkeit, sogar Gebrauchtwagen zu Smart-

Cars zu machen, haben durchaus Potential.

AUTOINSIDE präsentiert sechs Schweizer

Start-ups und ihre Dienste, die auch für Garagisten

durchaus spannend sein könnten.

Autodrop

Export und Eintausch von Fahrzeugen sind

auch digital möglich. Auf Autodrop können

Schweizer Autohändler ihre Standfahrzeuge

bequem uploaden und per SMS zum Verkauf

anbieten. In einem beigefügten Link finden die

Interessenten zudem Fotos mit detaillierten

Beschreibungen der Fahrzeuge. Ausgewählte

Käuferpools, die man als Verkäufer nach eigenen

Kriterien (Nähe, Vertrauen, etc.) bestimmen

kann, erhalten von geprüften Händlern

danach Angebote und geben ihren besten Preis

ab. Innerhalb von 24 Stunden wird die Auktion

durchgezogen. Hat man das beste Angebot

abgegeben, wird man telefonisch oder per

E-Mail vom Autohändler kontaktiert, um die

weiteren Schritte zu besprechen. So viel Transparenz

und Effizienz verspricht dieser B2B-

Handelsplatz.

Carauktion

Die Internetplattform von Carauktion ist speziell

auf die Bedürfnisse von Anbietern und

Käufern aus dem B2B-Bereich ausrichtet. Wie

bei einer herkömmlichen Auktion kann ein

12

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Über einen OBD2-Stecker ziehen Start-ups Infos für ihre Digitallösungen rund ums Auto. Quelle: Roland Berger.

Käufer für Fahrzeuge Gebote abgeben. Die

Autos und deren Detailansicht sind für alle

ersichtlich, aber Mindestpreise und Höchstgebote

werden erst nach erfolgreicher Anmeldung

bei Carauktion ersichtlich. Carauktion

führt wöchentlich zwei Auktionen durch und

ermöglicht seinen Kunden so jeweils anfangs

und Mitte Woche, den Fahrzeugbestand anzupassen.

Carauktion ist aktuell die grösste

Schweizer B2B-Plattform im Fahrzeugmarkt.

Zudem bietet Carauktion auch den «Value-

Check» an. Mit dem Smartphone wird der

Fahrzeugausweis gescannt, der aktuelle Kilometerstand

ergänzt und dank der Daten von

Carauktion und Auto-i-dat werden so zwei

Restwertpreise berechnet. Das verschafft dem

Garagisten rasch Preissicherheit.

Ryd

Ein OBD2-Stecker namens Ryd Box verbindet

bei diesem Start-up das Fahrzeug in wenigen

Sekunden mit dem Smartphone. Dadurch

wird der Wagen auch Gebrauchte zum vernetzten

Smart-Car. Man kann den OBD2-Stecker

für 199 Franken kaufen oder aber monatlich

mieten. Innovative Features erlauben es

nun, über die App die Fahrzeugdaten zu analysieren

oder auch das Fahrverhalten zu optimieren.

Gleichzeitig sind auch Angaben

zum Live-Standort des Fahrzeugs und somit

ein Kleinflotten-Management möglich. Ryd

kann auch Alarmfunktionen erfüllen. Wird

das Auto unerwartet gestartet und bewegt es

sich, wird ein GPS-Alarm aufs Smartphone geschickt.

Das gleiche gilt, wenn sich das Auto

ohne laufenden Motor bewegt und der Wagen

womöglich abgeschleppt wird. Spannend für

Garagen vor allem die White-Label-Option der

App: Das heisst, die App ist so aufgebaut, dass

sie das Logo und den Kontakt der jeweiligen

Garage anzeigt.

Gowago

Die Autobesitzer von heute wollen mehr Flexibilität.

Deshalb bietet Gowago innovative,

flexiblere und einfachere Leasing-Möglichkeiten

an. Das Start-up Gowago wurde 2017 mit

der Vision gegründet, den Autokauf einfach,

günstig und transparent zu gestalten. Durch

die Vereinfachung und Automatisierung von

Prozessen mit zahlreichen Partnern und Leasinggesellschaften

kann Gowago Neu- und Gebrauchtwagen

zu günstigen Preisen anbieten,

unabhängig davon, ob man Privatkunde oder

Geschäftskunde ist. In einem ersten Schritt

legt der Endkunde im Auto-Finder anhand von

Fragen zu Budget und Nutzung seine Mobilitätspräferenzen

fest. Die zu den Kriterien passenden

Fahrzeuge werden angezeigt und er

kann eines der Angebote wählen.

Curioinvest

Curioinvest ist eine Plattform, um in automobile

Premium- und Sammlerobjekte zu investieren.

Durch Crowdfounding kommt man so

seinem Autotraum näher. Man kreiert über

eine E-Mail-Adresse ein Konto bei Curioinvest

und legt fest, in welche raren Sportwagen

oder Oldtimer man investieren will.

Wird der Wagen später an einer Auktion verkauft,

werden nach Abzug der Unterhalts-,

Versicherungs- und Lagerungskosten, 80 Prozent

des Verkaufsprofits an die beteiligten Investoren

ausbezahlt. Wie an der Börse erhält

man zudem laufend Updates, wie hoch die

einzelnen Modelle gerade gehandelt werden,

und kann so sein automobiles Investment

entsprechend anpassen.

Carhelper

Carhelper, die Plattform fürs Aftersales-Geschäft,

zeigt auf, wie man sein Business digitalisieren

kann. Fast 500 Garagen gehören

dem Netzwerk von Carhelper bereits an. Jede

Garage wird vor der Aufnahme ins Netzwerk

geprüft, damit der Kunde von wettbewerbsfähigen

Preisen und zuverlässiger Qualität profitieren

kann. Das Ziel: mit wenigen Klicks

zum Preisvergleich oder zum Garagentermin.

Zuerst werden das Nummernschild, Kilometerstand

und dann noch der Wohnort eingegeben.

Anhand der Daten des Bundesamtes

für Strassen Astra, wird dann das jeweilige

Fahrzeug eruiert. Nur noch Marke und Modell

bestätigen, schon lassen sich neben der

Standardempfehlung die gewünschten Services

und Arbeiten am Auto auswählen.

Gleichzeitig erhält der Kunde Offerten zur

Ausführung dieser Arbeiten in den jeweiligen

Garagen. So ist der nächste Termin beim

Garagisten im Nu gebucht.

Carvolution

Mobilität als Service steht als Idee hinter Carvolution.

Das Start-up bietet seit Oktober 2017

Autos im Abo an. Im Preis ist alles von der

Versicherung, der Zulassung, den Steuern, Service

sowie Wartung, Bereifung, sogar Vignette

und Reifenwechsel enthalten ausser Tanken,

das muss man noch selbst. Mit der Kombination

von Service und Technologie schafft Carvolution

einen neuen Zugang zur Mobilität.

Einfach auf der Website eines der Modelle auswählen,

festlegen, ob man Gelegenheits-, Alltags-

oder Vielfahrer ist, und noch mitteilen,

welche Versicherungsvariante man will, und

schon ist das Auto zum monatlichen Fixpreis

abonniert. Falls man sich nicht ganz sicher ist,

kann man über Carvolution sogar eine Probefahrt

buchen. <

SAAT: Swiss Association of

Automotive Transformation

In der Schweiz sind viele dieser Start-ups

inzwischen im SAAT, der Swiss Association

of Automotive Transformation, zusammengeschlossen.

Mitglieder in diesem Verein

können sowohl Start-ups, Importeure, Händler,

Versicherer oder auch Garagisten werden.

Mitgründer und Präsident von SAAT ist der

gelernte Automechaniker und ehemalige Digital

Manager Retail bei der Amag, Matthias Gerber.

Er ist zudem seit 2016 CEO des Schweizer

Start-ups Carhelper. Durch die Partnerschaft

mit der Zürcher Hochschule für Angewandte

Wissenschaften (ZHAW) kann der Verein

SAAT auch Innovationsthemen erforschen

und hat angekündigt, jährlich eine Studie samt

Übersicht zu den Automotive Start-ups in der

Schweiz herauszugeben.

AUTOINSIDE | Januar 202013


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Rund 110 Teilnehmende informierten sich von elf Referenten über die verschiedenen Anwendungen der vernetzten

Mobilität zu Lande, im Wasser und in der Luft.

Mat-conference.ch vernetzte Mobilität

Automatisiertes Fahren und

Schweizer Innovation

Einmal im Jahr treffen sich Tagungsteilnehmende aus Forschung/Lehre, Entwicklung und Firmen- wie auch Behördenvertreter

zur Mat-Konferenz (Mobility and Transportation). Bereits zum 19. Mal fand die Tagung statt und beleuchtete

verschiedene Aspekte der vernetzten Mobilität. Auffallend dabei: Obwohl die Hardware und grösstenteils die Software

einen hohen Entwicklungsstand aufweisen, werden automatisiert fahrende Fahrzeuge vorerst nicht auf der Strasse verkehren.

Dafür sorgt künstliche Intelligenz bei der Stadtreinigung für Furore. Andreas Senger

Tagungsleiter Peter Affolter freute sich, Anfang

November im Auditorium der Post in

Bern rund 110 Teilnehmende begrüssen zu

dürfen. Für jeden Teilnehmer war im bunten

Programm der elf Referenten etwas dabei.

AUTOINSIDE konzentriert sich auf zwei

Referate zum Thema automatisiertes/autonomes

Fahren und die Abfallbeseitigung in

Städten mit Unterstützung durch künstliche

Intelligenz.

Bei den Automobilherstellern und -zulieferern

ist das Thema etwas in den Hintergrund gerückt.

Der Elektrifizierung des Antriebes und

damit die Senkung der CO 2

-Emissionen ist im

Fokus. Am teil- oder vollständig automatisierten

Fahren wird aber fleissig entwickelt, virtuelle

Testumgebungen programmiert und

eingesetzt und die Software dank Maschinenlernen

optimiert. Der Gesetzgeber hat jetzt

eine langsamere Gangart eingeschlagen. Und

dies aus plausiblen Gründen.

Der Direktor und Professor Andre Seeck

der Bundesanstalt für Strassenwesen (Bast,

Deutschland) relativierte die Gangart der Industrie.

Für Seeck ist klar, dass sowohl die

technischen Anwendungsfälle vom automatisierten

Fahrzeug sicher ausgeführt werden,

aber auch die Mensch-Maschine-Schnittstelle

(HMI) und die Übergabe der Verantwortlichkeit

technisch und juristisch klar und in internationalen

Normen festgelegt werden müssen.

Ein Wildwuchs dient nicht der Sicherheit und

gilt es zu vermeiden.

Die aktuellen Definitionen, was ein selbstfahrendes

oder autonomes Fahrzeug ist, sind aktuell

zu wenig präzisiert. Die weltweite Automobilingenieurvereinigung

SAE (Society of

Automotive Engineers) hat fünf Level definiert.

Bis und mit Level-2-Anwendungen sind

es reine Fahrerassistenzsysteme und unterstützen

den Fahrer beispielsweise durch einen abstandsregelnden

Tempomat (ACC) oder Spurhalteassistenten.

Ab Level 3 übernimmt das

Fahrzeug teilweise Fahrfunktionen automatisiert.

Level-5-Fahrzeuge können sich vollständig

autonom bewegen.

Beim kommenden Level 3 regelt die SAE in der

Norm J3016 das automatisierte Fahren auf der

Autobahn und verlangt einen «übernahmebereiten»

Fahrer. Wenn das System also in Fahrsituationen

gerät, die es nach seiner Einschätzung

nicht mehr sicher meistern kann, muss

der Fahrer übernehmen (beispielsweise Autobahnbaustelle).

Für Seeck sind in der SAE-

Norm zwar die Anwendungen und die Verantwortlichkeiten

definiert. Diese sind aber viel zu

wenig genau beim Anwendungsfall und vor allem

werden die Anforderungen an die Technologie

nicht umschrieben.

Entsprechend erarbeiten aktuell Arbeitsgruppen

in der Wirtschaftskommission für Europa

der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf (UN-

14

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

ECE) bis im Frühling 2020 sowohl technische

Vorschriften (was müssen die Systeme können,

Redundanz), die Anwendungsfälle (wo

darf automatisiert gefahren werden) und die

Typengenehmigung/Validierung der Software

(Typengenehmigung). Erst wenn diese Normen

festgelegt sind, können Level-3-Anwendungen

wie Stau- oder Autobahnassistenten oder automatisiertes

Parken in die Realität umgesetzt

werden.

Und eine weitere Einschränkung erwähnte

Seeck, die auch für die Garagisten im Werkstattalltag

Auswirkungen hat: Die Software

der Level-3-Fahrzeuge darf nicht via Update

einfach vom Hersteller aufs Fahrzeug übertragen

werden (kabelgebunden via Diagnosetester

oder auch «Over the air» per Internet/WLAN).

Jede Softwareänderung muss zuerst von den

Behörden validiert und es dürfen nur geprüfte

Level-3-Programmcodes eingesetzt werden.

Die Schweiz ist ein grosser Forschungs- und

Entwicklungsmotor in vielen Bereichen. An-

dré Droux von der Firma Cortexia SA zeigte

auf, wie mittels KI, also künstlicher Intelligenz,

die Strassen, Trottoirs und Quartiere in Städten

mit weniger Aufwand sauber gehalten werden

können. Eine Kamera an der Front der Putzmaschine

scannt den Abfall und kategorisiert

diesen. Die mit 1920x1080 Bildpunkte aufnehmende

Kamera erzeugt mit 30 Bildern pro Sekunde

mehr als 100 Gigabyte Daten innert 24

Stunden. Ein Zigarettenstummel auf der Strasse

kann bis zu einer Geschwindigkeit von 40

km/h beim Vorbeifahren erkannt werden.

Dank Deep Learning und künstlicher Intelligenz

werden die weggeworfenen Gegenstände

kategorisiert und im 5-kg-Rechner von NVIDIA

auf der Reinigungsmaschine ausgewertet. Auch

öffentliche Abfalleimer werden erfasst. In der

Cloud werden die Daten ausgewertet und dank

dem Standort der «Fundgegenstände» Karten

erstellt, wo wie viel gereinigt werden und wo

die Periodizität erhöht werden muss. Damit

können die Städte ihre Reinigungsmitarbeiter

gezielter einsetzen. Während in den Städten

der EU durchschnittlich rund 50 Euro pro Einwohner

für die Reinigung eingesetzt werden,

sind es in der Schweiz durchschnittlich 120 bis

160 Franken pro Einwohner. Dank Vernetzung

und dem Einsatz von KI lässt sich in den Kommunen

dank Technik viel Geld einsparen. <

Mat-conference.ch Porträt

Nebst der SSM-/SAE-Tagung gehört die

Mat-Konferenz zu den viel beachteten,

öffentlichen Techniktagungen in der Schweiz.

Die Mat-Konferenz entstand aus einem Netzwerk

von Hochschulen und Zulieferern für die

Automobilindustrie. Jedes Jahr beleuchten

Experten technische Entwicklungen für die

Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft

und zeigen auf, wie vielfältig das Forschungsund

Entwicklungsland Schweiz ist. Als Träger

amtet das Bundesamt für Energie, die Berner

Fachhochschule, die Hochschule für Technik

in Rapperswil, die Zürcher Hochschule für

Angewandte Wissenschaften, die Haute

Ecole Spécialisée de Suisse occidentale und

die SAE Switzerland. Die nächste Tagung

findet am 4. November 2020 statt.

Professor Andre Seeck ist Direktor der

Bundesanstalt für Strassenwesen und ordnete

aktuelle Technik und gesetzliche Vorgaben für

automatisierte und autonom fahrende Fahrzeuge

ein.

Die Kategorisierung der Fahrerassistenzsysteme bis zum autonomen Fahren wird mit den SAE-Levels auf der

Horizontalen dargestellt (Rolle des Fahrers). In der Vertikalen wird der Anwendungsfall definiert. Diese werden

aktuell in Genf festgelegt und die Normen durch Arbeitsgruppen in der UNECE erarbeitet. (Bild Bast)

André Droux zeigte auf, wie die Firma Cortexia

dank künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen

die Städte sauberer und den Einsatz der

Ressourcen optimieren kann.

Die 4K-Kamera liefert in 24 Stunden mehr als 100 Gigabyte Daten, welche den Müll auf der Strasse oder Trottoir

zeigen. Die bordeigene Auswerteelektronik kann bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 40 km/h die Gegenstände dank

künstlicher Intelligenz erkennen. (Bild Cortexia SA)

AUTOINSIDE | Januar 202015


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Interview mit Marcel Schradt, Managing Director Audatex

So wird die Digitalisierung

erfolgreich

Marcel Schradt ist Managing Director von Audatex. Im Gespräch mit AUTOINSIDE erklärt er die Vorteile der Vernetzung

im Schadensprozess, sagt, weshalb es schwierig ist, sich vor der Digitalisierung zu verschliessen, und gibt Tipps für eine

erfolgreiche Umsetzung. Sandro Compagno

Marcel Schradt.

Herr Schradt, Audatex vernetzt verschiedene

an einem Schadenprozess beteiligte

Partner: Carrosserien, Versicherungen,

Teile lieferanten. Auf den ersten Blick geht

es hier vor allem um Carrosserieschäden.

Wo findet der Garagist seinen Platz in dieser

Wertschöpfungskette?

Marcel Schradt, Audatex: Wir sind seit über

50 Jahren erfolgreich im Bereich des Schadensmanagements

mit Carrosserie-Werkstätten,

Garagen und Versicherungen tätig. Aber nicht

nur dort, wir haben auch eine Vielzahl von

Lösungen im Bereich von Service und Unterhalt

für Garagen im Einsatz, wie zum Beispiel

Autodata oder die Service-Kalkulation. Dazu

kommt, dass in der Schweiz viele Schäden als

Erstes bei den Garagen und Händlern gemeldet

werden. Hier besteht ein Bedürfnis, diese

Schäden schnell digital zu erfassen und alle

notwendigen Schritte, wie die der Reparaturfreigabe

und die Weiterleitung an die zuständigen

Betriebe, sowie die Teilebestellung zu

automatisieren und Prozessschritte auf Papier

zu eliminieren.

Sie haben im Herbst eine Roadshow zum

Thema Digitalisierung durchgeführt. Was

war das Ziel dieser Roadshow?

Wir hatten uns zwei Ziele gesetzt. Wir wollten

lokal mit unseren Kunden in Kontakt treten.

Das persönliche Gespräch mit dem direkten

Feedback ist für uns enorm wichtig, um

unsere Produkte stetig weiterentwickeln zu

können. Wir wollten unsere neuen Produkte

mit Fokus auf die Garagen präsentieren und

live zeigen, was die Digitalisierung und Vernetzung

heute für die Benutzer an Vorteilen

bringen kann.

Eine Roadshow ist ein sehr analoges Mittel,

um mit Ihren Kunden in Kontakt zu treten.

Wie waren die Reaktionen der Carrossiers

und Garagisten?

Der analoge Ausgleich zum digitalen Zeitalter.

Das haben wir ganz bewusst so gewählt

und es wurde von allen Teilnehmern sehr geschätzt.

Wir entwickeln Software für Menschen.

Da sind der lokale Bezug und die direkte

Kundenrückmeldung enorm wichtig.

Es gibt Garagisten, für die «Digitalisierung»

fast schon ein Schimpfwort ist. Wie wollen

Sie diese Gruppe abholen? Wollen Sie das

überhaupt? Oder gibt es Nischen, in denen

diese Gruppe auch analog überleben kann?

Ich glaube, längerfristig wird es schwierig,

wenn man sich der Digitalisierung verschliesst.

Wir befinden uns alle in einem

Prozess, den man nicht stoppen kann. Ich verstehe

aber auch, dass der eine oder andere etwas

skeptischer ist, was neue Technologien

angeht und diese teilweise als Bedrohung oder

mit enormen Zusatzkosten in Verbindung

setzt. Hier ist es wichtig, dass der Nutzen, das

Digitalisieren direkt erlebbar und spürbar gemacht

wird.

Eine Fülle an digitalen Tools verschiedenster

Anbieter wird heute auf dem Markt angeboten.

Wie kann ich als Garagist sicherstellen,

dass ich auf den richtigen Anbieter setze?

Das ist eine sehr wichtige Frage und im IT-Bereich

teilweise nicht ganz einfach zu beantworten.

Wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass

Apple einmal Nokia vom Handy-Markt verdrängen

wird? Ich denke, es spielen zwei Faktoren

eine Rolle: die Beständigkeit und Innovationskraft

eines Anbieters.

Gibt es allgemeine Kriterien, anhand deren

ich meine Entscheidung treffen kann?

Wie lange gibt es den Anbieter schon und wie

innovativ ist er in dieser Zeit gewesen? Wir sehen

viele Start-ups, die zwei Jahre später wieder

vom Markt verschwinden. Wir sehen aber

auch Firmen, die mit ihren Produkten stehen

geblieben sind und nicht weiter investieren.

Auf solche würde ich eher nicht setzten. Fragen

Sie nach Referenzen und erkundigen Sie

sich, wie die Implementierung abgelaufen ist.

Oft wird viel versprochen und wenig geliefert

oder die Kosten für die Implementation

sind am Schluss viel höher als geplant. Es

braucht eine saubere Kosten-/Nutzen-Analyse.

Definieren Sie ein Pflichtenheft und Abnahmekriterien,

um am Schluss auch das zu

bekommen, was Sie erwartet und bestellt haben.

Dann wird die Digitalisierung erfolgreich

sein und zur Effizienzsteigerung beitragen. <

Weitere Infos unter:

audatex.ch

16

Januar 2020 | AUTOINSIDE


28./29.

februar 2020

messe luzern

Moderation

Cyndie Allemann //

Rennfahrerin und

GRIP-Moderatorin

Traumberuf

Rennfahrer

Marcel Fässler //

Rennfahrer dreifacher

Le Mans-Sieger

Mobilität von

morgen

Frank Rinderknecht //

Schweizer Auto-

Visionär

Informationen, Visionen

und Emotionen Branchentreff für

Schweizer Garagisten

Workshops

Thermo-Management bei Hybrid- und

Elektrofahrzeugen

Moderne Turbolader-Technik sicher austauschen

Eine Werkstatt erfolgreich führen mit Kennzahlen

Vorführungen und Demonstrationen

Diagnosetechnik und PassThru

Premiere: Reifenmontiermaschine mit Diagnose

Professioneller Getriebeservice mit MotulEvo

Über 80 Themen warten auf Sie. Das komplette und laufend

aktualisierte Programm finden Sie unter autotechnikdays.ch


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Der Name ist Programm

«CitNow» bringt die Garage zum Kunden

Die Beziehung zwischen Garagist und Kunde war und ist eine Frage des Vertrauens. Um dieses Vertrauen aufzubauen und

zu vertiefen, stehen den Garagisten heute auch zunehmend digitale Werkzeuge zur Verfügung. Sandro Compagno

Hans-Jörg Hänggi,

Generaldirektor

«CitNow» für den

DACH-Raum.

Bei «CitNow» ist der

Name Programm:

«See it now sieh es

jetzt» ist eine Video-

Präsentationslösung,

die es der Garage mit

einem überschaubaren

Zusatzaufwand

erlaubt, den Kunden

direkt in den Serviceund

Reparaturprozess

einzubeziehen. «Wir helfen den Händlern

dabei, die Werkstatt und den Showroom zu

den Kunden zu bringen», erklärt Hans-Jörg

Hänggi. Der ehemalige Geschäftsführer von

Nissan Schweiz ist heute Generaldirektor von

«CitNow» für Deutschland, Österreich und

die Schweiz.

Vorbehalten seitens der Garagisten, Video-

Tools seien mehr Zeitverschwendung als

nützliche Hilfsmittel, widerspricht Hänggi:

«Das System ist sehr einfach und unkompliziert

in der Anwendung.» Mittels Smartphone

oder Tablet dreht der Mechatroniker

ein ungeschnittenes Video von 60 bis 90

Sekunden Dauer, in dem er auf Probleme

am Wagen hinweist und Service- oder Reparaturarbeiten

vorschlägt. Der Mechatroniker

sendet das Video an den Kundenberater,

worauf dieser einen Zustandsreport inklusive

Kostenvoranschlag erstellt und an den

Kunden übermittelt. «50 Prozent aller Kostenvoranschläge

sind innert fünf Minuten

beantwortet», sagt Hans-Jörg Hänggi. «Der

Kunde spart sich den Gang in die Garage.

Der Garagist wiederum erhöht den Durchlauf

in seinem Betrieb.» Das Video wird dem

Kunden als Stream übermittelt, der weder

geteilt noch gespeichert werden kann; der

Garagist behält somit die komplette Kontrolle

über das Bildmaterial.

Zum Vorteil der Transparenz und der Beschleunigung

der Prozesse kommt hinzu,

dass der Kundenberater keine Zeit mehr mit

erfolglosen Telefonkontakten verliert, falls

der Autobesitzer auch nach mehrmaligen

Anrufen nicht erreichbar ist. Grösster Kunde

des britischen Technologieunternehmens

Transparenz in der Garage: Der Mechatroniker kann den Kunden mittels Video über nötige Service- oder Reparaturarbeiten

informieren.

ist die Ford Motor Company, die den Video-

Check seit 2017 in ganz Europa einführt.

Dass das digitale Werkzeug seinen Ursprung

in Grossbritannien hat, wo rund 65 Prozent

aller Händler mit «Citnow» arbeiten, erklärt

Hans-Jörg Hänggi mit der Rechtslage auf der

Insel, die sich von der hiesigen in einem für

Garagisten entscheidenden Punkt grundlegend

unterscheidet. Bei einem Unfall, der

durch einen technischen Defekt verursacht

wird, kann der Techniker in der Garage persönlich

haftbar gemacht werden. Lehnt der

Kunde jedoch eine vorgeschlagene Reparatur

ab oder schlägt er beispielsweise die

Empfehlung aus, neue Reifen aufziehen zu

lassen, so ist der Techniker nicht mehr haftbar.

Hänggi: «Das Video und die im Kostenvoranschlag

empfohlenen Arbeiten sind in

Grossbritannien auch eine Absicherung für

den Werkstattmitarbeiter.»

Neben Werkstattprozessen kann «CitNow»

auch im Verkauf eingesetzt werden beispielsweise

durch Einbindung auf der eigenen

Website, auf Online-Plattformen oder

zur persönlichen Beratung von Kaufinteressenten.

35 000 bis 50 000 «CitNow»-Videos werden

täglich in Europa von den Garagen an die

Autobesitzer geschickt, im März 2019 wurde

erstmals die Millionengrenze überschritten.

Neben England ist das Tool laut Hans-Jörg

Hänggi vor allem in Osteuropa ein grosser

Erfolg: «Das hat damit zu tun, dass das Vertrauen

des Kunden zu seinem Garagisten dort

gleich Null ist …» Die Schweiz hinkt noch

etwas hinterher: Von Januar bis September

2019 wurden hierzulande rund 14 000 Videos

an die Kunden gestreamt. Sicher auch ein Indiz

für das intakte Vertrauen des Autofahrers

zu seinem Garagisten. <

Weitere Infos unter:

citnow.com/de

18

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Newsletter mit Video

So werden Kunden zu Fans

Zahlreiche Unternehmen, darunter Garagenbetriebe, setzen Newsletter ein, um ihre Kunden mit Neuigkeiten zu versorgen.

Doch im Alltag wird der Inhalt der E-Mails kaum angeklickt. Bernd Mutschler vom Online-Video-Unternehmen Mailrec

AG erklärt, wie Firmen mit dem Einsatz von Videos in oder anstatt Newslettern auch lesefaule Empfänger abholen und

einen hohen Mehrwert generieren können. Carla Stampfli

Von Detailhändlern über kulturelle Institutionen

bis hin zu Garagenbetrieben: Viele setzen

heutzutage Newsletter ein. Dabei werden periodisch

Neuigkeiten via E-Mail an eine Gruppe

von Empfängern verschickt. Die Vorteile

liegen auf der Hand: Nicht nur kann so Geld

eingespart werden, da Druck- und Portokosten

wegfallen, die periodische Interaktion

stärkt auch die Beziehung zum Kunden.

Doch das digitale Rundschreiben hat auch

Schwächen: Dadurch, dass viel zu viele E-

Mails in den Postfächern der Empfänger landen,

werden Newsletter oftmals gelöscht,

ohne dass sie aufmerksam gelesen wurden.

«Wenn der Newsletter eines Unternehmens

von drei Prozent aller Empfänger geöffnet und

der Link in der E-Mail besucht wird, ist das

bereits ein guter Wert», sagt Bernd Mutschler,

Geschäftsführer des Basler Online-Video-

Unternehmens Mailrec AG. Konkret: 97 Prozent

der Empfänger bekommen die Informationen

im Newsletter kaum bis gar nicht mit.

Was tun? Um trotz täglicher E-Mail-Flut die

Aufmerksamkeit der Kundschaft gewinnen zu

können, setzen nun mehr und mehr Organisationen

auf Videomail.

«Video schlägt Newsletter um 85 bis 90 Prozent.

Im Daily Business werden bewegte Bilder

auch von den lesefaulsten Empfängern

angeschaut. Zudem: Videos transportieren

Emotionen. Und Emotionen erwecken Bedürfnisse»,

erklärt Bernd Mutschler. Ein weiterer

Pluspunkt sei, dass Kunden mit Video-Botschaften

direkt angesprochen und persönlich

an die Produkte herangeführt werden können.

Ein Beispiel: Ein Garagenbetrieb will seiner

Kundschaft sein aktuelles Neuwagen-Angebot

bekannt machen. Dazu lässt sich der Verkäufer

filmen, wie er die Empfänger begrüsst und

sie quasi «live» rund um und in das Fahrzeug

mitnimmt. Am Ende des rund 60- bis 90-sekündigen

Videos wird der Kunde direkt auf

die Seite mit den Angeboten geführt. «Für ein

solches Video braucht es weder einen professionellen

Schnitt, noch ist Hochglanzqualität

Bernd Mutschler zeigt, wie eine Videobotschaft aussehen könnte.

nötig», betont Bernd Mutschler. «Das Zauberwort

lautet Authentizität.» Auch was den Aufwand

betrifft, halte sich dieser im Rahmen.

«Mit ein wenig Übung ist ein Video in rund

30 Minuten im Kasten und per PC oder Smartphone

versendet.»

Gemäss Bernd Mutschler, der mit Mailrec für

verschiedenste Unternehmen, darunter auch

grosse Garagenbetriebe, die entsprechende

Software bereitstellt, liege die Klickrate von

Videomails deutlich im zweistelligen Prozentbereich.

Dabei verschweigt er nicht, dass der

Autoverkauf anhand bewegter Bilder nicht

einfach durch die Decke gehen wird. «Was

aber Fakt ist: Mit Video-Botschaften kann ich

mich zum einen von der Konkurrenz abheben.

Zum anderen kann ich meinen Kunden durch

tolle Inhalte einen Mehrwert bieten und sie zu

Fans machen.» Das sei letztlich entscheidend:

«Denn so wird meine Werkstatt zuoberst auf

der Liste stehen, sobald bei der Kundschaft

Bedarf besteht», fügt er an.

Neben News über aktuelle Fahrzeuge empfiehlt

Bernd Mutschler, Videos auch für andere

Gelegenheiten einzusetzen. Zum Beispiel,

wenn es um den Reifenwechsel oder den Service

geht. «Stellen Sie sich vor, Sie bekommen

eine E-Mail und werden via Video-Botschaft

persönlich daran erinnert. Oder aber sie erhalten

ein Dankesvideo für die Erteilung eines

Auftrages oder die Bezahlung ihrer Rechnung.

Das ist Kundenservice!»

Um Videos für Marketingzwecke einzusetzen,

seien keine bestimmten Voraussetzungen

nötig, so Bernd Mutschler. «Ich muss einzig

wissen, wer vor die Kamera geht und welche

Nachricht ich überbringen möchte. Das Technische

stellt kein Problem dar.» Alles, was gebraucht

werde, sei ein PC, ein Smartphone,

ein Mikrofon und Internetzugang. Vom neuen

Trend könnten somit alle profitieren von

der kleinen Werkstatt bis hin zum Grossbetrieb

mit mehreren Filialen. Selbst Betriebe,

in denen sich niemand bereit erklären würde,

vor die Kamera zu gehen, könnten dieses

Tool nutzen, erklärt Bernd Mutschler. «Sämtliche

Themen für Garagen wurden bereits mit

einer Schweizer Schauspielerin abgefilmt und

stehen kostenlos zur Verfügung.» <

Weitere Infos unter:

mailrec.info

AUTOINSIDE | Januar 202019


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Autosense

Viel Optimismus, keine Zahlen

Seit eineinhalb Jahren vernetzt Autosense Fahrzeuge mit Garagenbetrieben. Die Entwicklung sei «hervorragend», sagt der

Medienverantwortliche Nicolas Noth. Zahlen nennt Autosense keine. Sandro Compagno

«Wir werden 2020 sicher weitere Partner vorstellen können»: Autosense-Kommunikationschef Nicolas Noth blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Herr Noth, wie hat sich Autosense seit Start

des Joint-Ventures von Amag und Swisscom

im Juni 2018 entwickelt?

Nicolas Noth, CMO Autosense: Autosense

hat sich hervorragend entwickelt. Nachdem

Amag als stärkster Schweizer Automobilpartner

Ende August 2018 dazugestossen ist,

hat das Joint-Venture eine rasante Entwicklung

hingelegt. Dank den 80 Amag-Filialen

konnten wir rasch eine sehr gute Marktdurchdringung

erreichen. 2020 werden wir

Autosense auf das ganze Amag-Partnernetz

ausdehnen können.

Wie viele Automobilistinnen und Automobilisten

nutzen Autosense heute?

Wir kommunizieren im Moment keine Zahlen.

Aber wir können sagen, dass wir auf

einem steilen Weg sind und unsere Ziele stetig

erreichen konnten.

Autosense ist als offenes, markenunabhängiges

Ökosystem gedacht. Gibt es Garagen

ausserhalb der Amag, die sich angeschlossen

haben?

Das Ökosystem ist tatsächlich offen und markenunabhängig

und steht damit auch weiteren

Marken und Garagen offen. Wir sind in

Gesprächen mit weiteren Automarken und

werden in 2020 sicher weitere Partner vorstellen

können. Ab Januar folgen nun als erstes

die unabhängigen Markenpartner der Amag.

Schon heute kann aber jeder Automobilist

Autosense nutzen, auch mit Fremdmarken.

Autosense kann auch von Flottenkunden

genutzt werden. Wie ist der Stand hier?

Auch hier kommunizieren wir im Moment keine

Zahlen. Wir haben aber bereits mehr Flottenkunden

erreichen können, als ursprünglich

geplant sowohl im KMU-Segment wie

auch bei den Grosskunden. Das zeigt deutlich,

dass unsere Flotten-Lösungen auf hohen Anklang

stossen. Sie überzeugen in ihrer Modularität,

lassen sich also auf die individuellen

Kundenbedürfnisse massschneidern und sind

auch von den Konditionen sehr spannend.

Als Autosense Ende 2018 vorgestellt wurde,

gab es neben der direkten Kommunikation

mit der Garage eine spannende Tankfunktion

mittels App. Welche weiteren Services

wurden 2019 integriert?

Neben der Tankfunktion und dem Garagenservice

möchte ich das digitale Fahrtenbuch

erwähnen, das Fahrten einfach aufzeichnet,

zuordnen lässt und beispielsweise von

der schweizerischen Steuerkonferenz für die

Steuererklärung empfohlen wird, oder die Eco-

Drive-Statistik und Drive-Score, mit denen

man seine Fahrweise einfach anpassen kann

und damit letztlich CO 2

einspart. Ebenfalls

neu ist die Pay-per-Kilometer-Autoversicherung

Flexdrive von Dextra, die nur die gefahrenen

Kilometer abrechnet und mit der Wenigfahrer

viel Geld sparen können. Soeben haben

wir auch den ersten Service mit unserem neuen

Investor Zurich Versicherung gestartet, den

auch Nicht-Zurich-Kunden nutzen können und

der den Nutzern rasche und kompetente Unterstützung

in Versicherungsfragen und bei

Schadenfällen bietet.

Und welche News sind für 2020 geplant?

Im Privatkundenbereich folgen neue Versicherungsprodukte,

der Ausbau im Bereich Tankstellen,

eine Parkinglösung sowie eine überarbeitete

App, in die viele Kundenfeedbacks

und -wünsche integriert werden. Im Flottenbereich

bringen wir unter anderem eine Lösung

für Poolfahrzeuge und beschleunigen gemeinsam

mit einem Partner die Umstellung

auf elektrische Fahrzeuge. <

Weitere Infos unter:

autosense.ch

20

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Neue Website von Auto-Schweiz

Auto-Mobilität neu entdecken

Individuelle Mobilität ist ein Ur-Bedürfnis der Menschen. Diese Aussage steht im Zentrum eines breitangelegten Engagements

von Auto-Schweiz, der Vereinigung der Schweizer Automobil-Importeure.

pd. Mit «Mein Autogramm» will Auto-Schweiz

den Facettenreichtum der Auto-Mobilität in der

Schweiz aufzeigen und gleichzeitig technische

Entwicklungen im Automobilbereich wie alternative

Antriebe und autonomes Fahren einem

breiten Publikum näherbringen. Die emotionale,

transparente und faktenorientierte Aktion basiert

auf einer Kommunikationsidee, die von der Kommunikationsagentur

Farner entwickelt wurde.

Die individuelle Mobilität ist der Antrieb des

Lebens ganz gleich, ob im eigenen oder im

fremden Auto, in Kombination mit anderen

Verkehrsmitteln, ob als Fahrerin oder Mitfahrer,

ob mit Benzin, Strom, Diesel, Gas, Wasserstoff

oder einem anderen Antrieb. Autos

erfüllen ein Ur-Bedürfnis der Menschen: die

Freiheit, spontan Dinge zu tun und eigene

Wege zu gehen. Das macht das Engagement

«Mein Autogramm» bewusst.

Meinautogramm.ch wurde im Dezember mit

einem Content-Hub lanciert. Erste Blogartikel

widmen sich der Elektromobilität, der Mobilität

der Zukunft und neuen Technologien. Porträts

vermitteln, wie Fahrzeuge auf vielfältige

Weise genutzt werden. Darauf aufbauend,

beginnt im Januar der Hauptteil des Engagements

mit einer unterhaltsamen Filmserie,

in der Menschen in der Schweiz, begleitet von

bekannten Persönlichkeiten, ihre persönliche

Beziehung zum Auto erzählen. Die Serie besteht

aus acht Episoden, wird auf meinautogramm.ch

gezeigt und im TV sowie auf Onlinemedien

kommuniziert. Parallel dazu wird

eine Print- und Onlinekampagne laufen.

«Individuelle Mobilität ist ein Freiheitsbedürfnis,

das für die Schweizerinnen und Schweizer

eine hohe Relevanz hat», erklärt François

Launaz, Präsident von Auto-Schweiz. «Heute

und in Zukunft spielt der Verkehrsträger

Strasse eine zentrale Rolle in unser aller Leben,

ob direkt oder indirekt. Mit ‹Mein Autogramm›

möchten wir dies auf interessante

und auch humorvolle Weise aufzeigen. Egal ob

im Personenwagen, im Kleintransporter oder

Lastwagen: Die Auto-Mobilität ist und bleibt

in der Schweiz unverzichtbar.» <

Weitere Infos unter:

meinautogramm.ch

Clever dokumentieren

mit der Foto App

brainsnhands.ch

Maximaler Nutzen im Fokus: Mit unserer cleveren Foto App

können Sie jetzt Bilder, Videos und PDF vom Smartphone

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NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Datenqualität

Schwachpunkt der Digitalisierung

Daten sind das neue Gold: Sie müssen daher gehegt und gepflegt werden. Sonst drohen Umsatzverluste, Ineffizienz oder

falsche Schlussfolgerungen. So wird die Qualität verbessert. André Bissegger

«Schlechte, falsche und unvollständige Daten

haben das Potenzial, grossen Schaden anzurichten»,

sagt Michael Imhof. Er ist Managing

Director der Senergy Services AG, die im Bereich

Kundendienst (CRM) mit dem AGVS zusammenarbeitet.

«Im schlimmsten Fall kosten

schlechte Daten sehr viel Geld, wenn sie zu

falschen oder zu keinen Entscheidungen führen.»

Zudem können sie Umsatzverluste, einen

schlechten Ruf, Zeitverschwendung und Ineffizienz

verursachen. Oder es wird eine Chance

für eine Kundenkontaktaufnahme verpasst.

Die Datenqualität wird damit zur Achillesferse

der Digitalisierung. Das fängt bereits im Kleinen

an und ist nicht zu unterschätzen beispielsweise

bei der Erfassung der Kundenadresse:

Nichts ist ärgerlicher, als wenn der Garagist

seine Kunden an die Frühlingsausstellung einladen

will und die Anschriften falsch dargestellt

werden oder Anreden nicht korrekt sind.

Nun ist ein Garagenbetrieb kein internationaler

Grosskonzern und die Zahl der Personen,

die Daten erfassen, ist überschaubar. Trotzdem

herrscht vielfach Chaos. Der Grund: «Die

Datenerfassung gehört oft nicht zu den Lieblingstätigkeiten

der Mitarbeiter», sagt Imhof.

«Entsprechend wird zu wenig Augenmerk auf

die Qualität der Erfassung gelegt man möchte

die Arbeit möglichst schnell erledigt haben.»

Oft bestehen keine Standards, wie die

Daten eingegeben werden sollen. Und so werden

viele Kundenkontakte doppelt erfasst, da

die Schreibweise unterschiedlich ist. Oder der

Lagerbestand wird falsch ausgewiesen, da das

System nicht alle Daten erkennt. Oder die Kundenrechnung

wird falsch ausgestellt, weil die

falschen Stundenansätze hinterlegt sind. Die

Liste lässt sich endlos erweitern.

Der Datenspezialist plädiert daher dafür, die

Daten sicherlich jährlich oder noch besser halbjährlich

gründlich zu bereinigen. Halten sich

alle an die vereinbarten Abläufe und Vorgaben

bezüglich Datenaktualität (siehe Tipps), werden

die Bereinigungsarbeiten in Zukunft viel

einfacher und zeitsparender. <

Weitere Infos unter:

senergy.ch

Darauf müssen Garagisten bei

der Datenerfassung achten:

• An Vorgaben und Abläufe halten: Dazu

müssen Standards existieren, wie zum Beispiel

eine neue Kundenadresse angelegt wird.

• Kontrolle: Bei der Schulung und Einweisung

der Mitarbeiter müssen die wichtigsten

Daten besonders erwähnt und auch immer

wieder auf Korrektheit und Einheitlichkeit

kontrolliert werden.

• Aktualität: In jedem System ist sichtbar,

wenn Daten schon lange nicht mehr bearbeitet

wurden. Geregelte Abläufe helfen.

So sollte beispielsweise bei jedem Kundenbesuch

nachgefragt werden, ob die Daten

noch aktuell sind.

Über folgende Merkmale und

Kriterien können die Garagisten

ihre Datenqualität messen:

• Vollständigkeit: Fehlen relevante Daten?

• Eindeutigkeit: Gibt es Schreibfehler oder

falsche Angaben? Die Daten müssen vom

System validiert werden können.

• Konsistenz/Einheitlichkeit: Es muss ein

Standard existieren, wie die Daten eingegeben

werden sollen.

• Verständlichkeit: Werden die Daten von

anderen Personen verstanden oder können

sie interpretiert werden?

• Aktualität: Die Daten müssen periodisch auf

Aktualität geprüft werden.

So geht der Garagist bei der

Bereinigung am besten vor:

• Daten auf Vollständigkeit überprüfen und

mit korrekten Daten ergänzen.

• Dubletten (doppelte identische Datensätze)

auflösen, damit die Kerndatensätze (zum

Beispiel die Adresse) nur einmal vorkommen.

• Daten vereinheitlichen. Abweichende Daten

müssen korrigiert werden.

• Aktualität: Daten, die schon lange nicht

mehr aktualisiert wurden (können per Suche

gefunden werden), kontrollieren und verifizieren.

Das Ziel einer Bereinigung ist, dass danach

die Kriterien der Datenqualität erfüllt werden.

22

Januar 2020 | AUTOINSIDE


SPONSORED CONTENT

JobCloud

Digitalisierung: Das sind

die aktuellen HR-Trends

Die Digitalisierung ist in allen beruflichen und privaten Bereichen auf dem Vormarsch, so natürlich auch in der Personalbeschaffung.

Wiederkehrende Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert, um Personalverantwortlichen mehr Zeit für

andere Dinge einzuräumen. Hier die wichtigsten digitalen Trends, die Sie kennen sollten.

1. Künstliche Intelligenz

pd. Künstliche Intelligenz ist nicht wirklich

ein eigener Trend als vielmehr die Technologie,

die den meisten Innovationen im HR-

Bereich zugrunde liegt. Intelligente Systeme

sind vor allem bei der Personalsuche gefragt.

«Viele Unternehmen hoffen, durch den Einsatz

technologischer Lösungen lange unbesetzte

Stellen doch noch mit geeigneten

Kandidaten besetzen zu können und die

Besetzungszeiten generell deutlich zu verkürzen»,

weiss Wolfgang Gastager vom österreichischen

Unternehmen JoinVision, das

auf digitale HR-Lösungen spezialisiert ist.

2. Active Sourcing mit Big Data

Big Data ist hier eine Antwort. Die aktive

Suche nach passenden Kandidaten durch die

Arbeitgeber findet nicht mehr ausschliesslich

auf Events oder Job-Speed-Datings statt,

sondern verlagert sich in die Tiefen des Internets.

So sucht man auf Online-Plattformen

nach Profilen, die zum Unternehmen oder

zu ausgeschriebenen Stellen passen können

und vereinfacht so den Recruiting-Prozess.

3. Robot Recruiting

Was gruselig klingt, ist ziemlich praktisch.

Künstliche Intelligenz erleichtert nicht nur

die Personalbeschaffung, sondern beschleunigt

auch Bewerbungsprozesse. Chat Bots vereinbaren

Vorstellungstermine und sollen in

Zukunft sogar Erstgespräche führen können.

4. Apps und Tools

Laut einer Onboarding-Umfrage in Deutschland

aus dem Jahr 2017 sind 59% der befragten

HR-Verantwortlichen der Meinung,

dass durch geeignete Onboarding und somit

durch Einschulungs-Massnahmen die Mitarbeiterfluktuation

im ersten Jahr reduziert

werden kann. Es gibt bereits viele digitale

Instrumente, die es Mitarbeitenden ermöglichen,

flexibel von überall auf der Welt

an Einschulungen teilzunehmen. Trotzdem

nutzen nur 12% der befragten Unternehmen

Software-Programme zum Eingliedern neuer

Mitarbeitender. Hier besteht in den nächsten

Jahren grosses Verbesserungspotential.

Wo über Digitalisierung gesprochen wird,

schwingt häufig die Angst mit, ersetzbar zu

werden. Die Entwicklung in anderen Industriezweigen

hat gezeigt, dass durch Digitalisierung

durchaus bestimmte Jobs ersetzt, aber

dafür neue geschaffen werden. Eine ähnliche

Zukunft prophezeit man auch im Recruiting.

«Der Recruiting-Prozess wird weiter beschleunigt

und dem Recruiter werden viele seiner

Arbeitsschritte zumindest erleichtert werden»,

sagt Wolfang Gastager. «Dadurch kann

dieser sich wieder auf die wesentlicheren Dinge

der Personalbeschaffung konzentrieren.»

JobCloud ist das führende Unternehmen im

digitalen Stellenmarkt der Schweiz mit mehr

als 20 Jahren Erfahrung und betreibt unter anderem

jobs.ch sowie jobup.ch, die beliebtesten

Jobportale der Deutsch- beziehungsweise

der Westschweiz. Weitere Informationen auf

www.jobcloud.ch/blog, wo regelmässig Ratgeber,

Checklisten und Beiträge zum Thema

Rekrutierung und Personalpolitik erscheinen.

Unsere Tipps: die kostenlosen Whitepaper Recruiting

Talent Management und Talent Acquisition

und Knackpunkte im Arbeitsrecht

rechtliche Grundlagen und nützliche Tipps für

Arbeitgeber. <

Weitere Infos unter:

jobcloud.ch/blog

AUTOINSIDE | Januar 202023


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Remote-Diagnose

Daten mit hoher Relevanz für

die Garagisten

Remote-Diagnose, also die Ferndiagnose via Internet, ist auf dem Vormarsch, bringt aber auch Fragen mit sich.

AUTOINSIDE hat bei Continental nachgefragt, wie der aktuelle Stand beim deutschen Automobilzulieferer ist. André Bissegger

Herr Mack, ist für

Sie als Anbieter von

Diagnosegeräten

die Remote-Diagnose

ein Thema?

Rolf Mack, Head of

Diagnostics & Services

im Geschäfts-

Rolf Mack, Continental.

segment Independent Aftermarket bei

Continental: Im Aftermarket halten digitale

Prozesse immer stärker Einzug in den Alltag.

Die Daten, die für diese digitalen Prozesse

benötigt werden, sind daher von hoher Relevanz.

Garagisten, die über Daten verfügen und

sie zu nutzen wissen, werden längerfristig die

Nase im Wettbewerb um Kunden vorne haben.

Remote-Diagnose ist für uns eine entscheidende

Zukunftstechnologie. Deshalb haben

wir die Fahrzeugdaten-Plattform Remote

Vehicle Data (RVD) entwickelt.

Was kann die RVD? Und inwiefern werden

die Datenschutzbestimmungen eingehalten?

Sie ermöglicht den standardisierten Zugang

zu herstellerspezifischen Fahrzeugdaten. Die

Werkstatt ist jederzeit über den Zustand eines

Fahrzeugs informiert und verbessert ihren individuellen

Kundenservice. Ausserdem kann

sie ihre Auslastung und Personalplanung optimieren.

Ersatzteile lassen sich vorbestellen,

bevor der Kunde mit seinem Fahrzeug in die

Werkstatt fährt. Das verbessert die Logistik

und Lagerhaltung. Bei ersten Kunden ist unsere

Lösung bereits im Einsatz. Dabei legen wir

höchsten Wert auf die Sicherheit der Fahrzeuge,

Nutzer und deren Daten. Die Nutzer haben

jederzeit die Kontrolle darüber, wer ihre Daten

nutzen kann und darf. <

Weitere Infos unter:

continental.com

WIR WÜNSCHEN IHNEN EIN

UNFALLFREIES 2020

IHRE BAZ GESCHÄFTSSTELLE

Geschäftsleiter

Karl Baumann

Geschäftsstelle

Manuela Jost

Geschäftsstelle

Arjeta Sulejmani

Branchenlösung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

des Auto- und Zweiradgewerbes (BAZ)

Geschäftsstelle, Wölflistrasse 5, Postfach 64, 3000 Bern 22

Gratisnummer 0800 229 229

E-mail info@safetyweb.ch, www.safteyweb.ch

24

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Hacker als Gefahr für KMU

Sicherheit ist kein Zustand

Gleich hinter Deutschland liegt die Schweiz auf Platz zwei der Hitparade der Hackerangriffe in Europa. Längst werden

nicht nur Grossunternehmer wie Swisscom oder Ruag angegriffen, sondern auch kleinere KMU. Der Ex-Hacker und

heutige Sicherheitsexperte Gunnar Porada kennt die Details. Jürg A. Stettler

Viele Schweizer KMU und Garagisten wiegen

sich in Sicherheit. Dabei werden nicht mehr

nur Banken, Versicherungen und Grossfirmen

von Hackern angegriffen. Die Angreifer nehmen

längst auch kleinere Unternehmen ins Visier.

Pro Tag werden weltweit etwa 8 Millionen

Computer attackiert, das kostet die Wirtschaft

jährlich Hunderte Milliarden Franken. Je mehr

Dienstleistungen im Internet genutzt werden,

desto wichtiger wird der Schutz vor Zugriffen

und Manipulationen. Die Digitalisierung

schafft zwar viele Vereinfachungen, öffnet aber

gleichzeitig auch Tür und Tor für Angriffsmöglichkeiten.

«Nach Deutschland mit 42 Prozent

der Ransomware-Angriffe mit Netzwerk-Infektion

von Januar bis Juni 2019 folgt in Europa

gleich die Schweiz mit 26 Prozent, noch vor

England mit 18 Prozent», wie Gunnar Porada,

einer der weltweit führenden Experten im

Bereich Cyber Security und CEO der innoSec

GmbH, an einem Anlass des Schweizerischen

Gewerbeverbands Anfang Oktober erläutert.

Seit über 25 Jahren ist Ex-Hacker Porada in der

IT-Security-Branche aktiv. Er wird jedoch oft

gerufen, wenn es schon zu spät ist. «Für mich

als Unternehmer ist das natürlich ideal, da kriege

ich von jedem CEO das OK für meine Offerten.

Dabei wäre gute IT-Sicherheit im Vorfeld

viel günstiger und einfacher», verrät der

Chef der innoSec GmbH aus Weggis. Und um

zu demonstrieren, wie leicht sich selbst scheinbar

sichere E-Bankinglösungen überlisten lassen,

loggt sich Porada innert weniger Minuten

kurz «live» in ein fremdes Bankkonto ein.

Er zeigt, mit welcher Leichtigkeit man trotz

Photo-TAN-Verfahren Transaktionen in Millionenhöhe

auslösen könnte für den Sicherheitsfachmann

alles ein Kinderspiel, wenn gewisse

Sicherheitsmassnahmen nicht getroffen

wurden.

Der Ex-Hacker Gunnar Porada ist heute einer der weltweit

führenden IT-Sicherheitsexperten.

Porada warnt seit Jahren vor Gefahren, hat Sicherheitslücken

bei der Erfassung von Fingerabdrücken

für Reisepässe aufgedeckt und sich

im Auftrag von Unternehmen in deren Datenbanken

und Cloudsysteme gehackt. Für diverse

Schweizer Banken führte er sogenannte

Pentests durch, ein Fachausdruck für einen

umfassenden Sicherheitstest einzelner Rechner,

Server oder ganzer Netzwerke. «Oft werde

ich abgewimmelt, wenn ich auf Schwachstellen

aufmerksam machen will», erläutert der Ex-

Hacker, «das Sicherheitsbewusstsein ist leider

oft mit Trägheit oder Unwissenheit gepaart.» Er

sieht viel Nachholbedarf in der Schweiz, auch bei

KMU. Wobei Gunnar Porada diesen Begriff gar

nicht passend findet, da es KMU mit nur einer

Handvoll Computer gebe, die aber mit Milliardenbeträgen

arbeiten.

Dabei investieren andere Nationen bereits seit

Jahren in die digitale Sicherheit; nicht so die

Schweiz und Europa. «Wir geraten zunehmend

ins Hintertreffen, und zwar ohne ersichtlichen

Grund. Schliesslich haben wir ja gute IT-Leute.»

Für den Experten darf Sicherheit nie hinderlich

sein für die eigenen Geschäftsbeziehungen.

Gleichzeitig hinterfragt er die Tatsache, ob

beispielsweise wirklich alle Computer mit dem

Internet verbunden sein müssen oder alle Daten

in die Cloud müssten. «Ein Virus beziehungsweise

ein Hacker braucht nur eine Lücke. Und er geht

immer den einfachsten Weg», mahnt Porada. Aktuelle

Malware sei inzwischen so klein, dass sie

kaum noch bemerkt werde. Sie könne praktisch

an jedes Dokument und an jede Internetseite angehängt

werden. Die Malware verschlüsselt innert

Minuten unbemerkt vom Nutzer die Daten,

überschreibt zudem gleich noch den Master Boot

Record, wodurch Betroffene ihren Rechner nicht

mehr booten können und zeigt dann schlicht

einen Hinweis, an wen «Lösegeld» (Englisch:

Ransome) für die Daten bezahlt werden soll.

Während Ransomware in der Regel nur Dateien

verschlüsselt, gehen Viren einen Schritt weiter

und setzen das gesamte System ausser Betrieb.

Der Schaden ist in beiden Fällen enorm!

«Man sollte, wenn immer möglich, sparsam mit

seinen Daten umgehen. Und man kann durchaus

für die Buchhaltung oder heikle Daten auch mal

einen Rechner nutzen, der mit Linux als Betriebssystem

läuft. Dafür gibt es weniger Viren», erklärt

Porada. Für ihn ist Sicherheit kein Zustand, sondern

ein Prozess. Daher sollte man unbedingt

auch immer mit Updates arbeiten. <

Die wichtigsten Grundregeln für KMU betreffend Datensicherheit

1. Datensicherheit ist Chefsache: Er kann

dies nicht einfach seinem CTO (Chief

Technology Officer) überlassen, wenn das

Unternehmen überhaupt so gross ist, dass

es diese Position gibt. Chefs versuchen, oft

zu delegieren oder die Sache auszulagern.

Dabei vergessen viele, dass im Schadensfall

dieser dann am heftigsten in der Chefetage

aufschlägt.

2. Man sollte immer datensparsam agieren

und nicht zu freigiebig mit seinen

Informationen sein. Die Cloud muss nicht

unbedingt für alle und alles die richtige

Lösung sein. Und wenn doch die Cloud

genutzt wird, erfordert sie spezielle

Sicherheitsvorkehrungen.

3. Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein

Prozess. Die meisten Angriffe erfolgen

über uralte Trojaner und Ransomware, die

aber neue Hintertürchen finden. Davor

kann man sich schützen. Nur schon regelmässige

Updates der Software und zwar

nicht nur der Antivirensoftware sind

entscheidend. Darüber hinaus gibt es

eine Vielzahl von weiteren Möglichkeiten,

die man nutzen kann und sollte, abhängig

von den individuellen Anforderungen der

Unternehmen.

AUTOINSIDE | Januar 202025


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Motiondata Vector Gruppe

motiondata-vector.ch

> Mit der Motiondata Vector Gruppe auf Erfolgskurs im neuen Jahr

Erfolgreich mit der Motiondata

Vector Gruppe:

pd. Wer in diesem Jahr auf

Erfolg setzt, der setzt auf die

Motiondata Vector Gruppe als

verlässlichen IT-Komplettlösungsanbieter.

Die IT-Softwarelösungen

sind speziell auf die

Anforderungen und Bedürfnisse

der Garagen-Branche konzipiert

und dank laufender System- und

Sicherheitsupdates sind die Produkte

immer auf dem neuesten

Stand.

• Sie liefert ein modular aufgebautes

DMS mit zahlreichen

Markenschnittstellen, Apps,

Web und IT-Services.

• Sie sorgt mit zahlreichen

Modulen und Schnittstellen für

eine massgeschneiderte Lösung

für die Unternehmensgrösse.

Jetzt über die beiden DMS-Lösungen

der Motiondata Vector

Schweiz GmbH informieren

und mit dem richtigen Partner

in ein erfolgreiches neues Jahr

starten! <

Bereits eine Vielzahl renommierter

Garagisten in der Schweiz

vertrauen auf die Qualität und

Vorteile der beiden Dealer-

Management-Systeme «Motiondata»

und dem «Car Dealer

Package CDP». Beide DMS-

Lösungen sind in drei unterschiedlichen

Editions erhältlich

je nach Bedarf und Wunsch

des jeweiligen Garagenbetriebs.

• Sie bietet individuell abgestimmte

Software-, Hardwareund

Infrastruktur-Lösungen

mit den höchsten Security-

Standards und das alles aus

einer Hand.

• Sie optimiert die täglichen

Abläufe und Prozesse der

Kunden und steigert dadurch

deren Effizienz, Auslastung

und Umsatz.

Motiondata erleichtert den Arbeitsalltag seiner Kunden.

Autef GmbH

autef.ch

> Dank Passthru fit für die Digitalisierung

pd. Im September führte die

Autef GmbH, Kurszentrum für

Autotechnik, aus Reiden LU eine

Bildungsreise noch Montreal

durch. Diese diente zum einen als

Weiterbildung in Sachen Hochvolt.

Zum anderen erhielten die

Teilnehmenden einen vertieften

Einblick ins Thema Passthru. Diese

Technik gehört in Kanada zum

Alltag und hilft mit, den Arbeitsprozess

schlank zu halten.

Auch in der Schweiz setzen

immer mehr markenfreie Betriebe

erfolgreich auf Passthru.

Mit Blick auf diese Entwicklung

baut Autef die Schulung für die

Hostettler Autotechnik AG auf

und beginnt mit der Marke Volkswagen,

die in der Schweiz am

weitesten verbreitet ist.

Der Kurs enthält sämtliche wichtigen

Arbeitsschritte: von der Anmeldung

über die Inbetriebnahme

bis zum Einsatz der spezifischen

Software. Die Teilnehmenden

lernen alle nötigen Schritte, um

ihre Werkstatt fit zu machen für

die Digitalisierung.

Unter anderem zeigen die Experten

von Autef, welche Geräte

ein Betrieb einsetzen kann oder

muss. Praxisgerecht eignen sich

Kursteilnehmende den Umgang

mit der Hard- und Software direkt

am Fahrzeug an damit sie das

Gelernte später im Alltag effizient

und effektiv umsetzen können.

Das Ziel von Autef ist klar: Eine

Werkstatt soll Fachkompetenz für

Marken aufbauen und sämtliche

Arbeiten selber erledigen. So

steigert sie die Zufriedenheit der

Kunden und erhöht ihre betriebliche

Produktivität. <

Autof bietet einen Kurs zum Thema Passthru an.

26

Januar 2020 | AUTOINSIDE


NEW BUSINESS & DIGITALISIERUNG

Hella Gutmann Solutions

hella-gutmann.com

> Security Gateway Neue Herausforderung für die Multimarken-Werkstatt

pd. Die Verunsicherung war

gross, als im Jahr 2015 zwei

Hacker die Kontrolle über

etliche Systeme eines Jeep

Cherokee übernahmen und in

einem Youtube-Video öffentlich

aufzeigten, dass ein Fahrzeug

ferngesteuert werden kann.

Fiat Chrysler Automobiles (FCA)

reagierte auf diesen Hackerangriff

und führte bei ihren

Modellen ab 2017 ein sogenanntes

Security Gateway (SGW)

ein. Es ist vergleichbar mit einer

Firewall und sperrt Zugriffe

über die OBD-Schnittstelle auf

die Fahrzeugsysteme. Konkret

bedeutet dies, dass mit Multimarken-Diagnosegeräten

über

die OBD-Schnittstelle nur noch

Leserechte bestehen und keine

Befehle wie Fehlerlöschung,

Service-Reset, Rückstellung

elektrischer Parkbremsen,

Stellgliedtest oder Grundeinstellung

mehr ausgeführt

werden können. Alle schreibenden

Funktionen ausserhalb der

OBDII-Gesetzgebung sind somit

gesperrt.

Mit Einführung der neuen EU-

Typengenehmigungsverordnung

EU858/2018 im September 2020

schreibt die Gesetzgebung

für alle Fahrzeughersteller vor,

ihre Fahrzeugelektronik gegen

unerlaubten Zugriff zu schützen

(EUP, 2018). Dies bedeutet,

dass zukünftig alle Fahrzeughersteller

entsprechende SGWs

in ihren Fahrzeugen verbauen

müssen.

Jedoch sichert die neue Typengenehmigungsverordnung

den markenunabhängigen

Werkstätten weiterhin uneingeschränkten

Zugang zu Fahrzeug-Informationen

über die

OBD-Schnittstelle. Die entsprechenden

Registrierungen bei

den Fahrzeugherstellern bilden

den Schlüssel zur uneingeschränkten

Fahrzeugdiagnose.

Die technischen Fahrzeugexperten

von TechPool unterstützen

bei der Wahl kompatibler

Multimarken-Diagnose geräten,

technischem Support und

Schulungen. <

Zukünftig müssen alle Fahrzeughersteller SGWs in ihren Fahrzeugen verbauen.

Stieger Software AG

stieger.ch

> Mit der neuen Foto-App komfortabel dokumentieren

pd. Bilder und Videos auf dem

Smartphone sind schnell erstellt.

Genauso schnell kann man

diese jetzt mit der Foto-App von

Stieger im DMS dokumentieren.

Garagisten und Carrossiers nutzen

gerne beim Erledigen ihrer

Aufträge das Smartphone: Damit

lassen sich schnell und einfach

vor und nach der Reparatur

Belegfotos oder Videos von allen

Stellen des Kundenautos erstellen.

Oder man hat wichtige

Fahrzeug- oder Kundendaten in

PDF-Form auf dem Handy, die

zu einem Auftrag gehören. Der

Transfer dieser Dateien ins Stieger

DMS und die punktgenaue

Ablage dieser Informationen

gelingen jetzt dank der neuen

Foto-App spielend einfach.

Mit wenigen Klicks lassen

sich die Dateien per WLAN

oder mobiler Datenverbindung

von überall her direkt an die

Dokumentenverwaltung des

Werkstatt- und/oder Planer-Auftrags

senden. Zusätzlich können

im gleichen Schritt die Daten

sowohl im jeweiligen Kundenals

auch im Fahrzeugstamm

abgelegt werden. Dank der

leicht bedienbaren Benutzeroberfläche

der Foto-App und

dem integrierten Barcode-Leser

zum Scannen von Auftragsnummern

erfolgt die Dokumentation

sicher und komfortabel.

Die Foto-App ist für iOS und

Android verfügbar und im Handumdrehen

auf dem Smartphone

installiert. Nach der Lizenzierung

und Aktivierung durch

Stieger kann man sofort damit

loslegen. <

Speicherorte im DMS lassen sich ganz

nach Wunsch zielgenau definieren.

Mit der Foto-App lassen sich

Bild-, Video- und PDF-Dateien an die

Dokumentenverwaltung des Stieger

DMS senden.

AUTOINSIDE | Januar 202027


TAG DER SCHWEIZER GARAGISTEN

Interview mit Olivier Maeder, AGVS-Bildungsverantwortlicher

Die Trends erkennen

Olivier Maeder ist Bildungsverantwortlicher und Geschäftsleitungsmitglied des AGVS. Im Gespräch mit AUTOINSIDE erklärt

der ausgebildete Automobilingenieur, wie der Verband in der Aus- und Weiterbildung auf die technologische Entwicklung in

der Automobilindustrie reagiert und wieso die Klimastreiks keine Auswirkungen auf die Rekrutierung haben. André Bissegger

Herr Maeder, die technologische Entwicklung

in der Automobilindustrie schreitet

rasch voran. Welche Auswirkungen hat das

auf die Aus- und Weiterbildungsangebote

des AGVS?

Olivier Maeder: Wir müssen die Inhalte der

Grund- und Weiterbildung regelmässig überprüfen

und bei Bedarf aktualisieren. Das ist

für uns aber nicht neu: Das Automobil hat

sich in den vergangenen 100 Jahren stetig weiterentwickelt

einfach noch nie so schnell

wie heute. Das zeigt sich beispielsweise bei

den Fahrerassistenzsystemen, die in neuen

Fahrzeugen stark verbreitet sind. Vor wenigen

Jahren waren sie noch eine Exklusivität in

der Automobildiagnostiker-Ausbildung, heute

sind sie Bestandteil der Grundbildung zum

Automobil-Mechatroniker. Das zeigt die Geschwindigkeit

der Entwicklung.

Wie schafft es der AGVS, mit der Entwicklung

Schritt zu halten?

Wir versuchen, so gut wie möglich vorausschauend

zu handeln und Trends und Entwicklungen

zu erkennen. Dabei helfen uns

unser Netzwerk und der Austausch mit Importeuren

und Herstellern. Zudem stehen wir

in Kontakt mit unseren deutschen Kollegen

vom Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe

ZDK. Ihr System bezüglich Grundbildung ist

mit unserem vergleichbar sie sind ein guter

Sparringpartner für uns. Zudem ist der neue

Bildungsplan eher offen und nicht mehr so detailliert

formuliert. Die Details sind im Ausbildungsprogramm

geregelt. Dadurch erhalten

wir mehr Spielraum, denn wir können selbstständig

und zusammen mit Berufsfachschulen

und den ÜK-Zentren Anpassungen vornehmen,

ohne gleich eine Revision anstossen

zu müssen. Dadurch sind wir viel schneller.

AGVS-Geschäftsleitungsmitglied Olivier Maeder.

Und der AGVS schafft neue Grundbildungen.

Genau. Mit neuen Grundbildungen können wir

die Entwicklung ebenfalls abdecken. Ein Beispiel

ist die neue Branche mit dem Arbeitstitel

«Mobilitätsberatung im Verkauf», die wir angestossen

haben und deren Chancen für eine

Umsetzung gut stehen. Bislang konnten wir in

der Branche den Verkauf und die Beratung von

Fahrzeugen in der Grundbildung nicht selber

ausbilden. Das Bedürfnis nach einer Grundbildung

im Bereich Automobilverkauf und den

dazugehörenden Mobilitätsdienstleistungen

nimmt jedoch stetig zu, um dem Wandel in der

Branche zu begegnen. Ausserdem engagieren

wir uns im Rahmen der Berufsbildung 2030 im

Projekt «Flexibilisierung der Berufsbildung aus

Sicht der Arbeitswelt», um den Herausforderungen

der Zukunft gerecht zu werden.

Kann der AGVS mit dem aktuellen Aus- und

Weiterbildungsangebot den Fachkräftemangel

ausgleichen? Wo sehen Sie noch

Potenzial?

Potenzial sehe ich vor allem im Bereich Weiterbildung

in der Zusammenarbeit mit Importeuren.

Beide Seiten bieten heute Lehrgänge an,

die sich inhaltlich teilweise überschneiden.

Diese Lehrgänge wollen wir aufeinander abstimmen

und erreichen, dass unsere Ausbildung

von den Importeuren anerkannt wird

ABARTH - ALFA ROMEO - BANNER - BRIDGESTONE - CASTROL - CHRYSLER - CONTINENTAL - DAIHATSU - DODGE - DUNLOP - FALKEN - FIAT - FIAT PROFESSIONAL - FORD - GOODYEA

Sie haben die Autos, wir die Ersatzteile dazu.

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TAG DER SCHWEIZER GARAGISTEN

um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Und im

Gegenzug soll mit einem vernünftigen Zusatzaufwand

auch der Teilnehmer eines Importeur-Lehrgangs

eine eidgenössische Prüfung

absolvieren können. Wir erhoffen uns so noch

mehr Fachkräfte mit einem eidgenössischen

Abschluss und sehen eine Win-Win-Situation.

Bei der Überarbeitung der Berufsprüfung für

Kundendienstberater sind deshalb auch mehrere

Importeure im Projektteam integriert. Zudem

muss das Ziel sein, dass die Lernenden

nach der Grundbildung im Betrieb oder zumindest

im Beruf respektive Autogewerbe arbeiten.

Da sind aber auch die Garagisten gefordert,

ein attraktives Arbeitsumfeld anzubieten.

Aktuell bildet der AGVS in den Grundbildungen

in den Fachrichtungen «Personenwagen»

und «Nutzfahrzeuge» aus. Wie

realistisch ist eine Erweiterung um zusätzliche

Spezialisierungen wie beispielsweise

«Elektromobilität»?

Kurz- bis mittelfristig sind weitere Fachrichtungen

in der Grundbildung kaum realistisch.

Wichtiger ist, dass wir die entsprechenden

Kompetenzen wie beispielsweise die Hochvolt-Technik

in die Grund- und Weiterbildung

einfliessen lassen wie das beim Automobil-Mechatroniker

bereits geschehen ist und

bei den Automobil-Fachmännern und -frauen

vielleicht in fünf Jahren ein Thema sein

wird. In der Weiterbildung stellen wir uns

bei den Automobildiagnostikern aktuell die

Frage, wie und in welchem Umfang wir diese

Hochvolt-Kompetenzen einbauen können.

Unser Wunsch ist, dass wir in den drei Richtungen

«Personenwagen», «Nutzfahrzeuge»

und «Automobil-Werkstattkoordinator» weiterfahren

können. Auch die Garagenbetriebe

profitieren davon, wenn sie Generalisten haben,

die alle Antriebe reparieren können.

Macht die technologische Entwicklung und

damit auch die Anforderungen und Erwartungen

an die Auszubildenden das Rekrutieren

von Nachwuchs eher schwieriger oder

einfacher?

Unser Vorteil ist, dass wir mit einem emotionalen

Produkt arbeiten und unsere Berufe

sehr vielseitig sind. Beispielsweise die Automobil-Mechatroniker

befassen sich mit Mechanik,

Elektrik und Elektronik, Diagnostik

und Informatik. Die zusätzlichen Antriebsformen

steigern die Attraktivität weiter. Aber es

ist anspruchsvoll, die richtigen Lernenden zu

finden und wird auch in Zukunft so bleiben.

Umso wichtiger ist, dass wir Plattformen wie

die SwissSkills nutzen und unsere Berufe präsentieren

und unser Netzwerk mit den AGVS-

Sektionen optimal einsetzen. Auch möchten

wir unsere Lernenden verstärkt als Botschafter

bei den Schülern einsetzen. Und wir müssen

das Image der Autoberufe und des Autogewerbes

weiter steigern.

In der Schweiz verfügen immer mehr Personen

über einen Tertiärabschluss, also einen

Abschluss von Universitäten, Fachhochschulen

oder der Höheren Berufsbildung.

Was bedeutet das für die Autoberufe?

Für uns bedeutet dies, dass wir jederzeit ein attraktives

Weiterbildungsangebot im Tertiärbereich

haben müssen und über das verfügen

wir. Gerade bezüglich Höhere Berufsbildung

ist der AGVS breit aufgestellt. Schüler und Eltern

machen sich immer mehr bereits bei der

Lehrstellenwahl Gedanken darüber, welche

Weiterbildungen es nach der Grundbildung

gibt, um einen Tertiärabschluss zu machen.

Daher überprüfen wir unser Angebot laufend.

Wir denken beispielsweise auch über Kooperationen

mit Hochschulen nach, damit wir beispielsweise

CAS-Lehrgänge anbieten können.

Für uns ist klar: Die Weiterbildung im Tertiärbereich

ist ein Wachstumsmarkt.

Wie wirkt sich die CO 2

-Diskussion auf

die Rekrutierung aus? Ist es heute bei den

Schulabgängern, die freitags fürs Klima

demonstrieren, verpönt, einen Autoberuf

zu erlernen?

Nein, das denke ich nicht und wäre ja auch

falsch. Denn die Fachkräfte in der Garage stellen

sicher, dass die Fahrzeuge technisch einwandfrei

funktionieren und die Umwelt nicht

unnötig belasten. Garagisten tun sehr wohl

etwas fürs Klima gerade auch mit dem AutoEnergieCheck

AEC! Auch sind die Diskussionen

rund ums Thema «Mobilitätswandel»

für uns eine Chance: Wir erhalten vermehrt

Tag der Schweizer

Garagisten 2020

Kunden, Umwelt,

Kompetenzen

Anfragen von Journalisten zur Zukunft unserer

Berufe und können dazu Stellung nehmen.

Die klassischen Mechaniker von einst

müssen heute schon beinahe Informatiker

sein. Geht dadurch gerade auch für Sie

als ausgebildeter Automobilingenieur die

Faszination an den Berufen im Autogewerbe

etwas verloren?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe meine Ausbildung

vor über 30 Jahren abgeschlossen und

schon damals war der Elektrik-/Elektronik-Anteil

hoch. Heute ist zwar der Mechanik-Anteil

gesunken, aber gerade die Vielseitigkeit und die

Weiterentwicklung machen die Berufe so spannend.

Ich denke da auch an die alternativen Antriebe.

Ich würde die Ausbildung heute genauso

gerne wieder machen und beneide die heutige

Generation fast ein wenig: Sie erleben noch viel

mehr neue Technologien als wir damals. Ich bin

unserer Branche treu geblieben, weil sie so viele

Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung

bietet vom Mechatroniker über den

Verkauf bis zum Geschäftsführer.

Sie diskutieren am «Tag der Schweizer

Garagisten» auf dem Podium, auf dem

auch Swiss Skills- und WorldSkills-Teilnehmer

stehen werden. Was erhoffen Sie

sich vom Anlass?

Ich erhoffe mir vor allem Inputs, die die Garagisten

für ihre tägliche Arbeit inspirieren.

Wenn sie unsere guten Nachwuchskräfte sehen,

die sich für die Branche engagieren, motiviert

sie das hoffentlich zusätzlich. Und der

Anlass ist natürlich eine gute Plattform, um

das Netzwerk zu pflegen. <

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TAG DER SCHWEIZER GARAGISTEN

Interview mit Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen (Astra)

Mit Digitalisierung gegen Stau

Jürg Röthlisberger ist Direktor des Astra und übernimmt 2020 den Vorsitz der Vereinigung der europäischen Strassen direktoren.

Mit AUTOINSIDE spricht er unter anderem über veraltete Autobahnen, erklärt, weshalb temporäre Tempo- Reduktionen

funktionieren und sagt, um was ihn die europäischen Kollegen beneiden. André Bissegger

Herr Röthlisberger, Sie übernehmen 2020 den Vorsitz der

Vereinigung der europäischen Strassendirektoren. Welche Ziele

verfolgt die Vereinigung?

Jürg Röthlisberger, Astra-Direktor: Die Vereinigung der Europäischen

Strassendirektoren CEDR ist der Zusammenschluss der Vorsitzenden

der meisten Strassenämter in Europa. Sie fördert die internationale

Zusammenarbeit, die Verbesserung der Strassensysteme und

den Wissenstransfer im Sinne der «Best Practice». Im Zentrum stehen

dabei die Strasseninfrastrukturen als integraler Bestandteil eines nachhaltigen

europäischen Transportsystems sowie die Regelungen im Bereich

der Fahrzeuge und der Ausbildung von Motorfahrzeugführern.

Die CEDR unterstützt die Direktorinnen und Direktoren der Strassenämter

beispielsweise dabei, frühzeitig Fragestellungen zu erkennen und

wo nötig länderübergreifende Standards festzulegen.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

Es gilt, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Entsprechend

werden wir in den verschiedenen Organen der CEDR die Schwerpunkte

bei der besseren Ausnutzung der bestehenden Infrastruktur, bei alternativen

Antrieben für PW und LKW sowie in den Bereichen automatisiertes

Fahren und Vernetzung setzen. Wir haben einen Aktionsplan für

2020 erstellt, der unter anderem Diskussionen über aktuelle Fragestellungen

der Verkehrssicherheit, des Unterhalts und Betriebs der Strasseninfrastruktur,

der Umwelt, der Innovation und Digitalisierung vorsieht.

Wie unterscheiden sich die Lösungsansätze?

Die Politik gibt in den einzelnen Ländern die Stossrichtung vor und definiert

die Rahmenbedingungen. Je nach politischen Kräfteverhältnissen

unterscheidet sich die Gewichtung in der Verkehrspolitik. Eine Rolle

spielt auch, ob ein Land über eine eigene Autoindustrie verfügt oder

nicht. So wollen beispielsweise Autohersteller in Deutschland auf den

Autobahnen das automatisierte Fahren testen und so Erfahrungen sammeln,

während unsere Bereitschaft für solche Versuche kein Echo auf

Herstellerseite findet. Ähnliches gilt bei Zulassungsfragen und Signalisationskonzepten

bis hin zu Fragen rund um angemessene Höchstgeschwindigkeiten.

Stichwort «Höchstgeschwindigkeiten»: Sie drosseln heute stellenweise

das Tempo temporär und abhängig vom Verkehr schrittweise

bis auf 80 km/h teilweise zum Unverständnis der Automobilisten.

Was bringt die Temporeduktion?

Die dynamische Geschwindigkeitsregelung kommt auf stark belasteten

Abschnitten wie beispielsweise der A6 zwischen Muri und Thun

oder auf der A14 zwischen den Verzweigungen Buchrain und Rütihof

zum Einsatz. Dies wirkt: Seit die Anlagen in Betrieb sind, konn-

Sie stehen durch die Vereinigung in Kontakt mit Ihren Amtskollegen

aus anderen Ländern. Wie unterscheiden sich die

Herausforderungen der Schweiz beispielsweise mit denjenigen

von unseren Nachbarländern?

In der Schweiz nimmt das Astra sowohl Aufsichtsaufgaben wie auch

operative Aufgaben wahr. Das führt teilweise zu anderen Fragestellungen

als in jenen Ländern, in denen die Autobahnen durch privatrechtliche

Organisationen betrieben werden wie beispielsweise

in Österreich oder Italien. Zudem haben wir in der Schweiz auch in

Strassenfragen einen starken Föderalismus, der seine Vorteile hat und

manchmal auch hinderlich sein kann. Auf der anderen Seite ist jedoch

die Strassenfinanzierung in der Schweiz dank des Nationalstrassenund

Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) für den Moment gesichert.

Wo gibt es Gemeinsamkeiten?

Gesellschaftliche Megatrends, die Digitalisierung und technische Fragen

kennen keine Landesgrenzen. Die Herausforderungen im Zusammenhang

mit der Mobilität der Zukunft müssen wir gemeinsam angehen.

Auch bei den Infrastrukturen stehen wir in allen Ländern vor

ähnlichen Fragen. Die meisten Autobahnen kommen in die Jahre und

müssen für die Zukunft ertüchtigt werden. Gerade im Erhaltungsmanagement

ist das Interesse anderer Länder an den Erfahrungen und an

der Praxis der Schweiz besonders hoch.

Jürg Röthlisberger disktutiert am «Tag der Schweizer Garagisten» auf dem Podium mit.

30

Januar 2020 | AUTOINSIDE


TAG DER SCHWEIZER GARAGISTEN

ten die Fahrzeiten auf diesen Abschnitten

verkürzt, die Unfallzahl massiv gesenkt und

die Anzahl Staus und Stockungen reduziert

werden. Wichtig ist, dass die Verkehrsteilnehmenden

die markierten Geschwindigkeiten

einhalten. Die Losung heisst «langsamer

schneller zum Ziel».

Ein Problem der Schweiz sind teilweise

chronisch überlastete Autobahnabschnitte.

Der Bund verfolgt zwei Stossrichtungen, um

die Probleme zu lösen: Mehr Fläche und die

bestehende Fläche besser nutzen. Können

Sie das näher erläutern?

Im Jahr 2018 hatten wir erstmals leicht weniger

Stau auf den Nationalstrassen als in den

Vorjahren. Jedoch bleibt die Verkehrsüberlastung

die mit Abstand häufigste Ursache für

Stau. Das zeigt, wie stark unsere Verkehrsinfrastrukturen

belastet sind. Mit zusätzlichen

Verkehrsmanagementmassnahmen kann das

Nationalstrassennetz noch besser genutzt werden.

Ich denke hierbei an die dynamische Geschwindigkeitsregulierung

oder die temporäre

Umnutzung von Pannenstreifen. Daneben

braucht es bauliche Massnahmen. Im Rahmen

des Ausbauschritts 2019 des Strategischen Entwicklungsprogramms

STEP Nationalstrassen

hat das Parlament einen Kredit von rund 3,3

Milliarden Franken für den Bypass Luzern mit

der Ergänzung Süd Kriens-Hergiswil und der

Erweiterung Rotsee-Buchrain, die Erweiterung

in Crissier sowie für die Umfahrungen Le Locle,

La Chaux-de-Fonds und Näfels beschlossen.

Diese Projekte sollten wir raschmöglichst umsetzen.

Sie wollen vor allem auch die Digitalisierung

nutzen und die Potenziale der Vernetzung

ausschöpfen. Wie funktioniert das?

Die Digitalisierung bringt viele Chancen in der

Mobilität. Beispielsweise kann sie mithelfen,

den Auslastungsgrad der Fahrzeuge von heute

1,1 Personen in den Spitzenstunden zu erhöhen.

Carsharing, Carpooling, Mitfahrzentralen

und ähnliches sind auf digitaler Basis

einfach zu realisieren. Dank künstlicher In-

telligenz bei Fahrzeugen und/oder Infrastrukturen

werden die Systeme immer «gescheiter»

und lernen, sich an neue Gegebenheiten anzupassen.

Nicht deterministische, selbstlernende

Algorithmen, die fähig sind, beispielsweise

komplexe Kreuzungen mit verschiedenen

Verkehrsteilnehmern zu queren, leisten einen

Beitrag zur Verkehrssicherheit.

Wo liegen da die Herausforderungen?

Grosse Beachtung muss dem Datenschutz und

der Datensicherheit zukommen. Die Cybersecurity

von intelligenten Fahrzeugen und Infrastrukturen

muss höher sein als zum Beispiel

bei den heutigen Smartphones. Einfach rebooten

reicht nicht. Zudem können Fahrzeughersteller

während des gesamten Lebenszyklus

Updates an die Autos senden eine neue Herausforderung

für die Zulassungsbehörden.

Weiter kann ich mir vorstellen, dass wir den

Fahrzeugherstellern in absehbarer Zukunft

zum Beispiel einen halbjährlichen «Slot» geben,

um «over the air» oder in den Werkstätten

Softwareupdates hochzuladen. Sicherheitsrelevante

«Software-Rückruf-Aktionen»

bleiben dabei jederzeit möglich, analog den

heutigen Regelungen für Rückrufaktionen.

Tag der Schweizer

Garagisten 2020

Kunden, Umwelt,

Kompetenzen

Der Verkehr staut sich nicht täglich

24 Stunden. Muss sich die Bevölkerung

eventuell auch damit abfinden, ab und zu

still zu stehen? Oder widerspricht dies

Ihrem Anspruch von einem funktionierenden,

sicheren und zuverlässigen Nationalund

Hauptstrassennetz mit berechenbaren

Reisezeiten?

Wir werden in absehbarer Zukunft nie alle Staus

vermeiden können. Letztlich ist es auch eine gesellschaftliche

Frage, auf welche Spitzenbelastungen

die Verkehrsinfrastrukturen auszulegen

sind. Hier erfahren wir mit unseren Projekten

zur Engpassbeseitigung doch sehr deutlich und

im Massstab 1:1, dass die Akzeptanz schon nur

für punktuelle Erweiterungen stetig abnimmt.

Deshalb setzen wir sehr viel Energie ein, um

die vorhandenen Verkehrsflächen mit den vorher

dargelegten Massnahmen und mit der Erschliessung

der Potenziale der Digitalisierung

besser zu nutzen. Denn ich bin klar der Meinung,

dass die Reisezeit auf den Nationalstrassen

wieder verlässlicher werden muss.

Weshalb?

Dies vorab zum Wohle der Städte und Regionen,

weil die heutige Situation zu Ausweichverkehr

auf den nachgelagerten Strassen

führt. Dort haben wir den Langsamverkehr,

die Schulwege und den öffentlichen Verkehr

«auf dem Pneu». Es ist also absolut zentral, dass

die Schweizer Autobahnen weiterhin den Verkehr

übernehmen und so die Regionen entlasten

können. Ein flüssiger Verkehr ist deshalb

volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvoller

als Stau und zudem wesentlich sicherer als

ständig stockender Verkehr.

Sie werden am «Tag der Schweizer Garagisten»

an einer Podiumsdiskussion teilnehmen.

Was erhoffen Sie sich vom Anlass?

Ich erhoffe mir interessante Gespräche und

Diskussionen. Die Garagisten, wie das ganze

Autogewerbe in der Schweiz, sind für uns

wichtige Partner. Sie sind ein sehr wesentliches

Glied in der Kette der individuellen Mobilität,

sie halten die Schweiz mobil und die

Schweiz zusammen. Deshalb sind wir dankbar,

periodisch den Kontakt zu ihnen pflegen

zu dürfen. <

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AUTOINSIDE | Januar 202031


TAG DER SCHWEIZER GARAGISTEN

Quality1 und Auto-i-dat

«Wir schaffen einen Rahmen, der

alles andere als alltäglich ist»

Als Hauptsponsorin begleitet Quality1 den «Tag der Schweizer Garagisten» seit vielen Jahren. Die Auto-i-dat AG ist

Hauptsponsorin des inzwischen traditionellen «Dîner des garagistes». Quality1-CEO Marc Kessler und Auto-i-dat-

Geschäftsführer Wolfgang Schinagl im Gespräch über ihre Motivation, treue Sponsoren der grössten und bedeutendsten

Fachtagung in der Autobranche zu sein. Reinhard Kronenberg

Marc Kessler, Quality1

ist Hauptsponsorin

des «Tag der

Schweizer Garagisten».

Warum?

Marc Kessler, CEO

Marc Kessler, CEO Quality1 Quality1: Als langjährige

Partnerin des

AGVS und der gesamten Branche ist das Autogewerbe

unsere wirtschaftliche Heimat, mit

der wir sehr verbunden sind. Wir haben lange

nach einer Möglichkeit gesucht, einen Beitrag

zu leisten, damit man sich auch einmal

ausserhalb eines geschäftlichen Rahmens begegnen

und sich austauschen kann.

Das Ziel ist, den Gästen einen tollen Tag

zu bieten. Worin liegt der Reiz der Veranstaltung

für Sie beziehungsweise für

Quality1 als Hauptsponsorin?

In der Kombination zwischen diesem Austausch

ausserhalb des Geschäfts und der

Möglichkeit, sich durch klug gewählte Themen

und ausgesuchte Referenten und Diskussionsteilnehmer

inspirieren zu lassen. Wir als

Sponsor können einen Beitrag leisten, einen

Rahmen zu schaffen, der alles andere als alltäglich

ist. Dabei ist eine Begegnung mit unseren

Kunden auch einmal ausserhalb des Garagenbetriebs

möglich und es entstehen sehr

gute Gespräche.

Und wo sehen Sie diesen Reiz für den

Garagisten?

Auch er kann sich für einen Tag vom Tagesgeschäft

lösen, kann etwas andere Luft schnappen

und erhält Impulse, wie er sich als Unternehmer

weiterentwickeln kann. Ein weiterer

toller Aspekt der Tagung ist, dass hier alle mit

allen sprechen. Man begegnet sich auf Augenhöhe

und geniesst das Bewusstsein, dass alle

im selben Boot sitzen.

Der «Tag der Schweizer Garagisten» ist

von Jahr zu Jahr grösser geworden. Wo

sehen Sie als Partner die Gründe dafür?

Je digitaler die Welt wird, desto stärker wird

auch das Bedürfnis nach physischer Teilnahme

an Events mit einem Mehrwert. Viele von

uns verfolgen täglich verschiedene Informationsquellen

über die Branche und deren Zukunft.

Aber am «Tag der Schweizer Garagisten»

bekommt man innerhalb von ein paar

Stunden sehr viel Wissenswertes in komprimierter

Form.

Was sind von Ihnen aus gesehen die

Erfolgsfaktoren der Tagung heute und

morgen?

Es ist schliesslich das Gesamtpaket, das darüber

entscheidet. Neben dem eigentlichen

Programm scheint mir, dass der Anlass auch

ungezwungener geworden ist. Man fühlt sich

einfach wohl. In Zukunft und im Hinblick auf

die nächste Generation wird der Aspekt der

Interaktivität wohl an Bedeutung gewinnen.

Haben Sie als Hauptsponsor des Tages

einen Wunsch?

Ja, dass sich möglichst viele Branchenkollegen

die Zeit nehmen, um von diesem Tag

zu profitieren.

Wolfgang Schinagl,

Geschäftsführer

Auto-i-dat AG

Wolfgang Schinagl,

Auto-i-dat ist Hauptsponsorin

des «Dîner

des garagistes».

Warum?

Wolfang Schinagl,

G e s c h ä f t s f ü h r e r

Auto-i-dat: Wir möchten

das Zusammentreffen

und Networking der Branche fördern.

Dieser Anlass hat sich über die vergangenen

Jahre zum bedeutendsten Branchentreffen

entwickelt. Und das Tagungsprogramm

ist auch in diesem Jahr ausgesprochen spannend.

Man kann sich sehr gut inspirieren lassen

von den Themen und Rednern. Wobei

man festhalten muss: Es sind nicht immer

«leichte» Themen. Es geht ja nicht um Unterhaltung,

sondern darum, zum Denken angeregt

zu werden. Denn die Herausforderungen,

vor denen die Branche steht, sind sehr gross.

Aber am Abend des «Tag der Schweizer Garagisten»

sehen ich dann jeweils nur zufriedene

Gesichter.

Das Ziel ist, den Gästen einen tollen

Abend zu bieten. Worin liegt der Reiz

des Abends für Sie beziehungsweise für

Auto-i-dat als Hauptsponsorin?

Liebe geht bekanntlich durch den Magen,

und was gibt es Schöneres, als ein «Dîner»

sponsoren zu dürfen. Es stellt den Schlusspunkt

eines tollen Anlasses dar und lässt ihn

in einer festlichen Atmosphäre ausklingen.

Für uns ist es Ehre und Freude zugleich, das

Sponsoring zu übernehmen. Für uns hat der

«Tag der Schweizer Garagisten» zusätzlich den

Reiz, dass wir dazu ausgesuchte Gäste quer

durch die Branche einladen können. Das hat

Stil und setzt dem Ganzen die Krone auf.

Und wo sehen Sie diesen Reiz für den

Garagisten?

Es ist für ihn oder für sie eine seltene Gelegenheit,

zusammen mit vielen Branchenkollegen

einen spannenden Tag in einer ausgesprochen

angenehmen Atmosphäre zu verbringen.

Ausserdem ist das «Dîner» auch Ausdruck

einer Wertschätzung des AGVS gegenüber seinen

Mitgliedern und Branchenpartnern.

Der «Tag der Schweizer Garagisten» ist von

Jahr zu Jahr grösser geworden. Wo sehen

Sie als Partner die Gründe dafür?

Zentral für diesen Erfolg war und ist, dass Programm

und Redner immer gut ausgewählt

32

Januar 2020 | AUTOINSIDE


TAG DER SCHWEIZER GARAGISTEN

sind. Dazu kommt eine professionelle Organisation

kombiniert mit einer tollen Lokalität

so wie sie der Kursaal darstellt. Diesen Anlass

noch besser aufzuziehen, ist schwierig.

Und das spricht sich herum.

Was sind von Ihnen aus gesehen die Erfolgsfaktoren

der Tagung heute und morgen?

Das sind dieselben wie heute: Themen und Inhalte,

die die Branche heute und morgen interessieren,

verbunden mit Referenten und Diskussionsteilnehmern,

die wirklich etwas zu

sagen haben und zum Denken anregen.

Haben Sie als Hauptsponsor des Abends

einen Wunsch?

Ja. Ich wünsche allen offene und kreative Gespräche

und einen Abend, an dem der positive

Spirit der Branche gepflegt wird. <

«Live-Berichterstattung» auf

AGVS-Online

Teilnahmerekord am «Tag der Schweizer

Garagisten»: Noch nie haben sich so viele

Personen für die Veranstaltung im Berner

Kursaal angemeldet. Wer nicht persönlich

vor Ort sein kann, hat am 14. Januar

2020 die Möglichkeit, die grösste und

bedeutendste Fachtagung der Schweizer

Autobranche auf agvs-upsa.ch zu verfolgen.

Das Redaktionsteam der AGVS-

Medien begleitet den Anlass vor Ort und

berichtet laufend über die Referate und

Diskussionen.

Das Programm und die Berichterstattung

am 14. Januar 2020 finden Interessierte auf

der Landingpage zur Tagung. Dort gibt

es auch die letzte Anmeldemöglichkeit für

Kurzentschlossene!

Tag der Schweizer

Garagisten 2020

Kunden, Umwelt,

Kompetenzen

Weitere Infos unter:

agvs-upsa.ch/de/Tagung2020

Der «Tag der Schweizer Garagisten» wird unterstützt von

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Shuttle Partner

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Sicher unterwegs in die Zukunft

Das «Dîner des garagistes» wird unterstützt von

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FOKUS TECHNIK

Thermografie als Diagnosemöglichkeit einsetzen

Mit Wärmeabstrahlung

Wassereintritte detektieren

Moderne Fahrzeuge werden technisch immer komplexer. Über 120 Steuergeräte, eine Vielzahl von Kabelbäumen, aber

auch neue Werkstoffpaarungen können im Werkstattalltag für Ärger sorgen: Schläft ein Steuergerät bei abgeschlossenem

Fahrzeug nicht ein, entlädt sich die Starterbatterie, oder tritt irgendwo Wasser ein, wird der Innenraum feucht. Für beide

Fälle und weitere Anwendungen gibt es eine neue Diagnosemöglichkeit: Thermografie. Wie auch beim Oszilloskop will der

Umgang mit einer Wärmebildkamera instruiert und geübt sein. Beat Weingartner hat sich auf diesem Gebiet spezialisiert.

AUTOINSIDE war zu Besuch beim Diagnoseprofi. Andreas Senger

Die Thermografie kommt in vielen Anwendungen

zum Zuge: Von der Wärmeisolation

von Gebäuden bis zur Lackdickenmessung

an Fahrzeugen kann die Messung der Wärmeabstrahlung

genutzt werden. Für Beat

Weingartner, Inhaber und Instruktor der

Firma Lehrstellen Coaching, ist die Thermografie

eine neue Diagnosemöglichkeit, deren

Anwendung in der Garage bisher zu wenig

bekannt und eingesetzt wurde. «Im Werkstatteinsatz

ist es aber gar nicht so einfach,

die Wärmeenergieabstrahlung von Bauteilen

zu visualisieren und zu deuten», sagt der Experte

und ergänzt: «Eine Wärmebildkamera

anzuschaffen ohne das Verständnis für das

Messprinzip, macht keinen Sinn.»

Um die Diagnosemöglichkeit durch Wärmeabstrahlung

im Werkstattalltag einsetzen

zu können, ist also zuerst Fachwissen nötig,

um den Wärmetransport und optische Sichtbarkeitsmachung

von Wärmeenergie zu verstehen.

Daraus leiten sich automatisch Einschränkungen,

Fehlinterpretationen aber

auch sinnvolle Anwendungen ab. Wer bei

Weingartner einen Kurs bucht, wird zuerst

in einer kurzen Theorie, gespickt mit Laborversuchen,

in die Geheimnisse des Messverfahrens

eingeweiht, um danach in einem

Praxisblock den Einsatz von Wärmebildkameras

in Werkstattsituationen zu trainieren.

Im Gegensatz zur Temperaturmessung mittels

Fühler ist die Sichtbarmachung von Wärmeenergie

in vielen Fällen besser. Bei der

Kontaktmessung muss der Wärmetransport

zum Fühlersensor abgewartet werden. Ähnlich

wie beim Fiebermessen mittels Temperatursensor

dauert es eine gewisse Zeit,

bis der Sensor den effektiven Wert angibt.

Die kontaktlose Temperaturmessung mittels

Die Diagnose im Fahrzeug mittels Thermografie ist für Beat Weingartner, Inhaber und Instruktor bei der Firma Lehrstellen

Coaching, eine smarte Möglichkeit, vielen Kundenreklamationen auf die Spur zu kommen. Seine Kurse leben

von Theorie gepaart mit hoher Praxisanbindung.

Thermografie ist blitzschnell, gefahrlos und

selbst bewegte Teile sind messbar.

Dabei unterscheiden sich berührungslose

Temperaturmessgeräte von Wärmebildkameras

einzig durch die Anzahl der Pixel. Eine

einfache Temperaturmesspistole hat einen

einzigen Wärmebildpunkt. Je mehr Pixel vorhanden

sind, desto höher aufgelöste Wärmebilder

mit optischer Lokalisierung der Teile

sind möglich. Konsequenterweise steigt

dann auch der Preis der Wärmebildkamera.

Die Messung mit Wärmebildkamera hat Einschränkungen,

die der Werkstattmitarbeiter

vor dem Einsatz kennen muss. Ansonsten

läuft er Gefahr, Fehldiagnosen zu stellen

und dem Fehler nicht zielgerichtet auf die

Spur zu kommen. Im Fokus steht bei der

Thermografie eine Herausforderung: Eine

Wärmebildkamera kann nicht nur Temperaturunterschiede

sichtbar machen, sie zeigt

auch reflektierte Wärmeenergie an.

Um dies zu verstehen und an Praxisbeispielen

zu erörtern, nutzt Pädagoge Weingartner

einfache Versuche. Wird ein Aluminiumblech

mit einer dahinter versteckten Kerze

erwärmt, ist diese Wärme mit der Wärmebildkamera

fast nicht zu sehen. Das Aluminium

spiegelt vor allem die Wärme der

Umgebung. Die Messung hat so keine Aussagekraft.

Wird die Oberfläche allerdings mit

einem Kreidespray besprüht oder mit Tex-

36

Januar 2020 | AUTOINSIDE


FOKUS TECHNIK

tilaufklebern mit rauer Oberfläche beklebt,

wird die Wärmeabstrahlung messbar und

das Resultat nicht mehr von der Umgebung

zu stark beeinflusst. Weingartner spricht

in diesem Zusammenhang vom Emissionsgrad.

Je kleiner dieser ist, desto weniger gut

können Temperaturunterschiede visualisiert

werden.

Praxisbezug: Aluminiumleitungen der Klimaanlage

lassen sich nicht mittels Wärmebildkamera

diagnostizieren. Zuerst müssen

die Leitungen mit dem abwaschbaren Kreidelack

versehen werden, um Temperaturdifferenzen

und Messungen durchführen zu

können. Wird allerdings ein Stromkabel ins

Visier genommen, so hat der Kunststoff doch

einen höheren Emissionsgrad und die Kabelerwärmung

durch Stromfluss kann sichtbar

gemacht werden. «Der umweltfreundliche

und abwaschbare Kreidespray erfüllt genau

die Bedingungen, um im Werkstattalltag als

Diagnoseunterstützer eingesetzt zu werden»,

sagt Weingartner.

Die grösste Herausforderung stellen diese

Wärmereflexionen dar. Am Beispiel einer

warmen Bremsscheibe konnte Weingartner

beweisen, dass nicht die Scheibentemperatur

gemessen wird, sondern die Abkühlung

oder Erwärmung durch den Himmel (Weltall,

Sonneneinstrahlung). Wärmereflexionen

lassen sich herausfinden, in dem wie beim

Licht der Einfallswinkel gleich dem Ausfallswinkel

entspricht. Konkret: Wird ein

Wärmepunkt entdeckt, reicht das Schwenken

der Wärmebildkamera radial ums Objekt.

Wandert der Punkt, so handelt es sich

um eine hinter der Wärmebildkamera angeordnete

Wärmequelle, welche die Energie

am Messobjekt zurückstrahlt. Bleibt der

Messpunkt trotz Bewegung an Ort, so wird

die Wärme an diesem Punkt abgestrahlt.

Verblüffend: Wasser lässt sich aufgrund seines

hohen Emissionsgrades sehr gut messen.

Befindet sich Wasser in einer dunkel

eingefärbten PET-Flasche, so kann der Füllgrad

bestimmt werden. Entsprechend können

in Treibstoffbehältern der Benzin- oder

Unter dem gelben Lappen hat Weingartner vor der

Messung ein paar Tropfen Wasser «versteckt». Das

aufgesogene Wasser lässt die Temperaturabstrahlung

ändern. Die Wärmebildkamera macht diese sichtbar.

Dieselfüllgrad bestimmt werden, um die Information

der Tankanzeige zu prüfen. Je heller

und glatter eine Messoberfläche ist, desto

grösser ist die Gefahr, die Wärmereflektion

der Umgebung zu messen als die eigentliche

Wärmeabstrahlung.

Eine weitere, verblüffende Tatsache: Eine russende

Kerze ist mit einer Wärmebildkamera

messbar. Russt sie nicht, kann die Wärmeabstrahlung

in der Luft nicht festgestellt werden.

Diese Tatsache stellt auch Feuerwehren

vor grosse Herausforderungen. Diese nutzen

Wärmebildkameras, um Glutnester nach

dem Löschen zu detektieren und ein Wiederaufflammen

des Brandes zu unterbinden.

Nebst dem theoretischen Wissen, was gemessen

werden kann und was nicht, ist die

Handhabung der Wärmebildkamera wichtig.

Für Weingartner sind für Diagnosearbeiten

die Kameras des amerikanischen Herstellers

Flir von Vorteil. Hier lassen sich die Bildgebung,

aber auch weitere Einstellungen

komfortabel vornehmen. Wichtig: Mit Wärmebildkameras

nie gegen das Sonnenlicht

messen (Zerstörung der Infrarotsensoren/-

pixel) und die Kameraöffnung nicht mit den

Fingern berühren.

Anhand von praxisbezogenen Beispielen

wie Wassereintritt können die Kursteilnehmenden

live erfahren, wie vorzugehen ist.

Schon kleinste Mengen Wasser sorgen für

eine geänderte Wärmeabstrahlung (auch

Glatte Metalloberflächen haben einen kleinen

Emissionsgrad und reflektieren mehr Wärmeenergie,

als dass sie diese ausstrahlen. Textilpunkte mit rauer

Oberfläche sorgen für reine Abstrahlungsenergie.

von Innenraumteppichen) und somit wird

die Suche nach der Stelle des Wassereintritts

deutlich vereinfacht. Auch Firmen

sind unterdessen begeistert von Weingartners

Know-how und Wissenstransfer: Eine

Linienbusfirma musste bin anhin bei thermischen

Problemen die Ladeluftkühler

ausbauen, um die Kühler zu prüfen. Jetzt

scannt ein Werkstattmitarbeiter den Ladeluftkühler

und kann über die Abstrahlung

der dahinter verbauten Kühler blitzschnell

diagnostizieren, ob und welche Kühlkanäle

verstopft sind. Die Investition in Hardware

und Ausbildung haben sich dort schon

mehrfach gelohnt. <

Fortsetzung Seite 38

Weitere Infos unter:

lehrstellen-coaching.ch

Funktioniert die Heckscheibenheizung vollflächig?

Mittels Thermografie lässt sich die Heizleistung oder

der Strom durch die Heizdrähte visualisieren.

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FOKUS TECHNIK

Fortsetzung von Seite 37

Möglichkeiten der Diagnose mittels Thermografie

Sitzheizung

Beim Totalausfall der Sitzheizung ist die Diagnose

rasch erledigt. Sind allerdings partiell

parallel geschaltete Heizdrähte nicht aktiv, reklamiert

der Kunde eine ungenügende Heizleistung.

Mittels Wärmebildkamera kann

kurz nach dem Einschalten die Temperaturdifferenz

zwischen Sitz und Heizdrähten

sichtbar gemacht und können Partien erkannt

werden, wo die Heizmatte allenfalls defekt

ist. Bei Stoffsitzen funktioniert die Diagnose

hervorragend. Bei Ledersitzen ist die Temperaturdifferenz

etwas diffuser, aber ebenfalls

deutlich sichtbar.

Magnetventil Windungsschluss

Moderne Fahrzeugsysteme werden oft elektrisch

angesteuert. Ein Relais steuert einen

Laststrom, ein Magnetventil lässt ein anderes

Medium wie Öl, Benzin, Diesel oder Ansaugluft

passieren oder nicht. Mittels Thermografie

kann der Windungsschluss optisch

sichtbar gemacht werden. Durch die fehlende

Isolation der Kupferdrähte einer Spule wird

der Widerstand verkleinert, es fliesst deutlich

mehr Strom und das Magnetventil wird

heiss. Das Ventil kann durch das verringerte

Magnetfeld sporadisch seinen Dienst quittieren

oder ausfallen.

Zellendefekt in einem Akku

Starterbatterien werden in modernen Fahrzeugen

immer mehr gefordert (Start-Stopp-

Systeme) und in Hybrid-, Plug-in-Hybridfahrzeugen

und batterieelektrischen Fahrzeugen

BEV kommen Hochvoltakkus mit vielen Zellen

zum Einsatz. Mittels Thermografie kann

beim Laden oder Entladen ein Zellenschluss

visualisiert werden. Durch den höheren Widerstand

der Platten werden Partien wärmer

als andere. Im Bild ist ein erwärmtes Akkupaket

durch die Bodenabdeckung hindurch

gut erkennbar.

Wassereintritt

Wassereintritte gehören zum Aufwändigsten

im Diagnosebereich. Oft sammelt sich das

Wasser im Fussraum. Die undichte Stelle befindet

sich aber irgendwo. Das eingetretene

Wasser (zum Beispiel Frontscheibe) kann an

Blechen innerhalb des Fahrzeuges weitergeleitet

werden und sammelt sich an einer anderen

Ecke. Mit der Wärmebildkamera kann

durch die Abkühlung der Umgebung auch hinter

einem Blech das Wasser sichtbar gemacht

werden. Auch mit warmem Wasser im Waschraum

wird die Eintrittsstelle rasch lokalisiert.

Teilverstopfter Kühler

Schon bei einem Linienbusunternehmen erfolgreich

in der Werkstattpraxis eingesetzt. Immer

wieder verstopfen Kühler über die Betriebsdauer,

insbesondere im Sommer droht eine Überhitzung

des Verbrennungsmotors. Mittels Thermografie

kann ohne Ausbau des Kühlers dessen

Kühlleistung visualisiert werden. Im dunklen

Bereich ist der Kühler verstopft. Die heisse Flüssigkeit

kann nicht zirkulieren und die Wärme

des Motors an die Umgebung abgeben. Im rot

eingefärbten Bereich ist die Kühlung intakt. Diese

Diagnose spart viel Arbeitszeit.

Riemenschlupf am Alternator

Viele Nebenaggregate werden nach wie vor

via Keilrippenriemen von der Kurbelwelle

angetrieben. Nach dem Riemenwechsel ist

es schwierig, dessen optimale Vorspannung

genau zu bestimmen. Wird er zu stark vorgespannt,

können Lager von Nebenaggregaten

ihren Dienst quittieren. Wird der Riemen

zu lose verbaut, droht ein zu grosser Schlupf.

Mittels Thermografie kann die Vorspannung

durch Belastung des Alternators überprüft

werden. Ist der Schlupf zu gross, erwärmt sich

das Alternatorpouli übermässig.

38

Januar 2020 | AUTOINSIDE


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ESA

Sich bei der ESA zu Hause

fühlen: an der GIMS 2020

Vom 5. bis 15. März 2020 wird die ESA an der GIMS (Geneva International Motor Show) teilnehmen. Neu wird die Einkaufsorganisation

mit ihrem Stand in der Halle 1 zu finden sein. Dazu lanciert die ESA ein neues Standkonzept in einem

neuen Kleid. Der ESA-Stand gilt seit Jahren als der Branchentreffpunkt und idealer Ort für gute Gespräche, interessante

Begegnungen und gute Stimmung.

ESA an der GIMS 2020 in Genf

pd. Die ESA, die bereits seit rund 90 Jahren

an der GIMS in Genf präsent ist, wird als

Einkaufsorganisation der schweizerischen

Automobilbranche auch an der GIMS 2020,

an der unzählige Branchenbeteiligte und Interessierte

zusammenkommen, teilnehmen.

Branchentreffpunkt: ESA

Mehrere tausend Gäste Mitinhaber, Kunden,

Partner, Lieferanten und Lernende mit

den Berufsschulen besuchten in den letzten

Jahren jeweils den ESA-Stand. Daran knüpft

die ESA im Jahr 2020 mit ihrem neuen Standkonzept

an. «Allzu viel wollen wir natürlich

noch nicht verraten. Nur so viel: Wir setzen

alles daran, dass sich unsere Gäste bei uns

willkommen und zu Hause fühlen», sagt Matthias

Krummen, Leiter Management Services

und Kommunikation bei der ESA, und ergänzt:

«Klar, dass wir als Genossenschaft und Branchentreffpunkt

das Wohlbefinden unserer

Gäste in den Fokus stellen.» Die Gäste dürfen

also auf den neuen ESA-Stand gespannt sein.

Prominenter Standort

Der ESA-Stand, der sich in einem komplett

neuen Kleid präsentiert, befindet sich neu in

Halle 1, Stand 1220. Vom Haupteingang nur

eine Rolltreppe entfernt, ist der ESA-Stand

nebst Branchentreff- auch idealer Ausgangspunkt

für den Besuch der GIMS.

Knapp drei Monate vor der GIMS: Die

Vorfreude ist enorm

Die Rückmeldungen von Mitinhaberinnen

und Mitinhabern, Partnern und Lieferanten

zur erneuten Teilnahme der ESA an der GIMS

2020 sind sehr positiv. Als Genossenschaft

freut sich die ESA auf den persönlichen Austausch

mit ihren Mitinhaberinnen und Mitinhabern,

Kunden, Partnern, Lernenden und

Gästen in Genf. Reservieren Sie sich bereits

heute den Termin der GIMS 2020 und besuchen

Sie Ihre ESA in der Halle 1, Stand 1220.

Ihre ESA freut sich auf Sie! <

Weitere Infos unter:

esa.ch

AUTOINSIDE | Januar 202039


BILDUNG

«Talent haben alle

der Unterschied ist

die Effizienz»

40

Januar 2020 | AUTOINSIDE


BILDUNG

Dario Cologna ist vierfacher Olympiasieger, Weltmeister, viermaliger Sieger des Gesamtweltcups und einer der besten

Langläufer aller Zeiten. Für den AGVS amtet der 33-jährige Bündner als «Botschafter für Effizienz und Spitzenleistungen».

In einer vierteiligen Serie erklärt Cologna, was es braucht, um ganz an die Spitze zu kommen, und wie

er es schafft, sein Niveau während eines Sportlerlebens zu wahren. Heute: Zeitmanagement und Organisation.

«Ich stehe im Ruf, meine Zeit sehr gut einzuteilen. Diesen Ruf habe

ich nicht ohne Grund. Ich mag es nicht, wenn ich Auftritte an Anlässen

habe, pünktlich vor Ort bin und dann eine halbe Stunde mit

Warten vertrödle. Ich bin mit Zusagen für Einladungen an Veranstaltungen

sehr wählerisch. Es mag für Aussenstehende seltsam klingen:

Aber schon ein verpasster Trainingstag im Juni kann Auswirkungen

auf meine Leistung im Dezember haben. Planung und Disziplin sind

enorm wichtig in meinem Sport.

Im Sport kann man immer wieder beobachten, wie junge Athleten

nach einer starken Saison wieder verschwunden sind: Nach der Wettkampfsaison

nahmen sie viele Einladungen an, waren hier an einem

Event, dort an einer Gala… Ich muss viele schöne Einladungen ausschlagen,

weil sie schlicht nicht in meinen Trainingsablauf passen.

Ein Beispiel sind auch die Ferien: Ich mache im April Ferien, nicht

im Juli. Das braucht auch viel Verständnis meines Umfelds inklusive

Freundin. Solche Prinzipien durchzuziehen, erfordert einiges an

Durchhaltewillen.

Am Ende des Tages geht es um Eigenverantwortung. Man muss seine

Ziele kennen und konsequent darauf hinarbeiten. Wenn ich mich an

einem Weltcup-Rennen kurz umschaue, dann sehe ich ausschliesslich

hochtalentierte Langläufer. Auf diesem Niveau machen Details den

Unterschied zum Beispiel eine Trainingseinheit in der Loipe anstelle

eines Cüpli-Anlasses auf dem roten Teppich. Und die Organisation

gehört zu diesen entscheidenden Details, die für einen Profisportler

so wichtig sind wie für Berufsleute im Autogewerbe. Erst recht während

der Aus- und Weiterbildung.

Ich erstelle jeweils einen Plan für das Jahr, den Monat und jede Woche

und fixiere Eckdaten wie Trainingslager. Diese Pläne halte ich

ein, ohne aber total unflexibel zu sein. Wenn es am Donnerstag ‹Katzen

hagelt› und eine Einheit auf den Rollski ansteht und am Freitag

bei schönem Wetter der Kraftraum geplant ist, dann erlaube ich mir

schon, hier die Einheiten zu tauschen.

Gut organisiert war ich eigentlich schon immer. Heutzutage nutze ich

Outlook für meine Termine. Die wichtigen Dinge habe ich im Kopf,

aber der Kalender im Handy gibt mir Sicherheit. Das Leben als Profisportler

ist stark von Plänen geprägt dazu gehört auch die Freizeit.

Es ist wichtig, dass ich mich nach den harten Einheiten auch erholen

kann. Ich nehme an, dass auch hier Parallelen zwischen meinem Leben

als Sportler und dem Leben eines Berufsmanns im Autogewerbe

bestehen. Jedenfalls braucht es neben der Schule und der Arbeit Ruhephasen

damit sich Körper und Geist regenerieren können.»

AUTOINSIDE | Januar 2020 41


BILDUNG

Diplomfeier

Sie sind das Rückgrat

des Automobilgewerbes

Nach vier Semestern, in denen Fleiss und Durchhaltewillen abverlangt wurden, gab es die verdiente Auszeichnung:

Der AGVS freut sich über 12 neue diplomierte Betriebswirte im Automobilgewerbe. In einer würdigen Feier am Hallwilersee

wurden die Diplome überreicht. Carla Stampfli

Sie haben hunderte Lektionen besucht, tausende

Stunden gelernt und viel in Schulmaterial investiert:

die Absolventen der höheren Fachprüfung

diplomierter Betriebswirt im Automobilgewerbe.

Nach zwei Jahren intensiver Arbeit durften sie ihr

begehrtes Diplom in Empfang nehmen. Von 18

Kandidaten, die im September 2019 zur Prüfung

angetreten waren, haben 12 bestanden, 11 davon

fanden den Weg in den Aargau.

Mit dem Seerose Resort & Spa in Meisterschwanden

war die Location für die würdige Feier ideal

gewählt. Obwohl bereits die Nacht über dem

Hallwilersee lag, bot das Resort den Diplomanden

und deren Begleitpersonen einen stimmungsvollen

Rahmen für einen unvergesslichen

Abend. Angefangen beim Apéro, der mit Tatar-

Canapés, Fruchtspiessen und klassischen Häppchen

für Gaumenfreuden sorgte.

«Es gibt zwei Möglichkeiten, Karriere zu machen:

Entweder man leistet etwas oder man behauptet,

etwas zu leisten», sagte Thomas Jäggi, beim

AGVS zuständig für Grundbildung & Höhere Berufsbildung,

und sorgte für Schmunzeln unter

den Absolventen. «Mit Ihrer Weiterbildung haben

Sie ganz klar die erste gewählt», fügte er mit

einem Augenzwinkern an. Der AGVS, die Prüfungsexperten

und die Lehrgangsanbieter seien

stolz, hier und heute den Erfolg gemeinsam mit

ihnen feiern zu können. «Zufriedene und gut ausgebildete

Berufsleute sind die besten Botschafter

für unser Gewerbe.»

Nach dem Apéro und einem Salat mit Papaya-Dressing

als Vorspeise folgte der eigentliche

Fröhliche Stimmung beim Apéro. Ein grosser Moment: die Diplomübergabe. Peter Baschnagel (l.) und Urs Wernli.

42

Januar 2020 | AUTOINSIDE


BILDUNG

Hauptteil des Abends: die Diplomübergabe. Doch

bevor Peter Baschnagel, Präsident der Prüfungskommission

des AGVS und selbst erfolgreicher

Garagist, die Auszeichnungen überreichte, sprach

er zu den Diplomanden. «Es ist schön zu sehen,

dass es noch viele Berufsleute gibt, die sich nicht

davor scheuen, Zeit und Fleiss in die höhere Berufsbildung

zu investieren.» Mit grossem Effort

hätten sich die Absolventen Wissen und fundierte

Kenntnisse angeeignet. «Sie haben bewiesen,

dass Sie den Willen haben, neue Chancen

zu nutzen und neue Wege zu gehen. Ich möchte

Ihnen Mut machen, Ihr Know-how einzusetzen.

Das Autogewerbe ist auf Sie angewiesen.»

Peter Baschnagel motivierte die neuen diplomierten

Betriebswirte, sich nicht vor Veränderungen

zu scheuen: «Dank Ihrer Weiterbildung sind Sie

für die Zukunft gut gerüstet und jederzeit in der

Lage, Neuland zu betreten.»

Anspornende Worte fand auch Charles-Albert

Hediger, Mitglied des AGVS-Zentralvorstands

und dort für den Bereich Berufsbildung verantwortlich:

«Das Automobilgewerbe braucht Sie,

Ihre Kompetenzen und Ihren Einsatz in wichtigen

Kaderpositionen! Ich hoffe, dass Sie im Automobilgewerbe

berufliche Erfüllung und Zufriedenheit

finden und diesem auch treu bleiben.»

Charles-Albert Hediger, der für die Diplomfeier

eigens aus dem Wallis angereist war, legte den

Absolventen zudem ans Herz, nicht nur für die

Dienstleistungen und Arbeiten des Verbands Interesse

zu zeigen, sondern auch für die regionalen

Sektionen, die in den nächsten Jahren auf neue

Kräfte im Vorstand angewiesen sind.

Das Schlusswort sprach Urs Wernli, Zentralpräsident

des AGVS. «Alle, die sich im AGVS ausund

weiterbilden, tragen zusammen mit den

Ausbildnern, Experten und Mitgliederbetrieben

dazu bei, dass die breit abgestützte und professionell

strukturierte Grund- und Weiterbildung

auch in Zukunft das Rückgrat des Autogewerbes

bleibt», sagte er. Urs Wernli motivierte die Diplomanden,

sich den Herausforderungen zu stellen,

mit denen das Autogewerbe konfrontiert ist. Das

Auto sei beliebt wie eh und je und eigentlich

durch nichts zu ersetzen. «Aber wir wissen: Uns

weht seit den eidgenössischen Wahlen eine frostige

Brise entgegen.» Das Autogewerbe stehe in

der Pflicht, einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion

der Treibhausgase zu leisten. Der AGVS

fördere zusammen mit seinen Mitgliedern den

Trend hin zu alternativen Antrieben, betonte

Urs Wernli. «Jetzt sind Sie gefordert. Ich bin überzeugt,

dass wir eine vielversprechende Zukunft

vor uns haben werden, wenn wir uns alle darum

bemühen, unsere Kompetenz als verantwortungsbewusste

und vertrauensvolle Mobilitätsdienstleister

einzusetzen.»

Danach war es soweit: Die elf anwesenden diplomierten

Betriebswirte im Automobilgewerbe erhielten

von Peter Baschnagel ihre verdiente Urkunde

und beste Wünsche für die Zukunft. Im

Anschluss folgte der Hauptgang, Roastbeef mit

Gratin und Gemüse, sowie ein reichhaltiges Dessertbüffet.

Unter musikalischer Begleitung von

Musiker Beat Bill liessen die Absolventen, der

AGVS, die Bildungsvertreter und die Gäste die

Diplomfeier am Hallwilersee ausklingen. <

Diplomierte Betriebswirte im Automobilgewerbe

Mario Jorge Fernandes Gomes, Glattbrugg ZH

Philipp Frommelt, Vaduz FL

Fabio Funk, Bächli (Hemberg) SG

Lukas Kalteis, Hindelbank BE

Sepp Kälin, Einsiedeln SZ

Reto Kuriger, Einsiedeln SZ

Patrick Ramisberger, Gebenstorf AG

Norman Schick, Adlikon ZH

Roger Schönenberger, Berneck SG

Jan Schweizer, Kaltbrunn SG

Marcel Schwendimann, Aadorf TG

Severin Siegrist, Menziken AG

Amag, Kloten

Amag, Cham

Hürlimann Bau AG, Bütschwil

LBA Armeelogistikcenter, Thun

Hüsser & Paloska AG, Baar

Ronner Nutzfahrzeuge AG, Tuggen

PSA Retail (Suisse) SA, Schlieren

Garage Schick, Winterthur

Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs, Buchs

Thomann Nutzfahrzeuge AG, Schmerikon

Garage Schwendimann, Gunterhausen

VRA AG, Buchs bei Aarau

Die Freude ist bei allen gross. Charles-Albert Hediger hielt eine anspornende Rede. Die Tische waren feierlich dekoriert.

AUTOINSIDE | Januar 202043


BILDUNG

AGVS Business Academy

AGVS DIDAKTIKMODULE

Der Besuch dieser Weiterbildung ist für

alle Berufsbildner der technischen Grundbildungen

in den Betrieben, die über keinen

tertiären Abschluss verfügen, bis Ende 2020

obligatorisch.

«Lernende selektieren»

> > 9. Januar 2020, Goldau

> > 15. Januar 2020, Horw

> > 21. Januar 2020, Winterthur

> > 29. Januar 2020, Bern

«Junge Erwachsene führen und

Krisen überwinden»

> > 11. Februar 2020, Goldau

«Instrumente der neuen BiVo2018 einsetzen»

> > 21. April 2020, Horw

Weitere Daten und Orte werden laufend

online ergänzt.

JANUAR

Lehrgang DAB+

In Zusammenarbeit mit der Schweizer-

Radiobranche, DAB+-Experten der SRG

sowie Fahrzeug-Spezialisten wurde ein

DAB+-Lehrgang mit AGVS-Kompetenzausweis

entwickelt.

> > 15. Januar 2020, St. Gallen

> > 30. Januar 2020, Horw

> > 16. April 2020, Bern

Elektro-Instruktion für Hochvolt-Systeme

in Elektro- und Hybridfahrzeugen

> > 11. und 12. März 2020, Bern

> > 21. und 22. April 2020, St. Gallen

Weitere Ausbildungspartner unter:

agvs-upsa.ch/de/berufsbildung/hochvoltzertifizierung

Meine Wirkung als

Führungsverantwortliche/r

Von den Grundregeln der Kommunikation

über Ihre Rolle als Führungsperson. Aktuelle

Führungssituationen werden im Seminar besprochen

und Sie erhalten so die Gelegenheit,

gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

> > 9. Januar 2020, Bern

Facebook, Xing, Twitter und WhatsApp

im Autoverkauf

Der Workshop zeigt neuartige Möglichkeiten

auf, wie Sie die verschiedenen Plattformen

für sich selber einsetzen können, um noch

erfolgreicher zu verkaufen. Dieser Workshop

ist speziell für die Automobilbranche

konzipiert.

> > 28. Januar 2020, Bern

> > 6. April 2020, St. Gallen

Grundlagen Flottenverkauf

Fahrzeugflotten in Unternehmen zu

bewirt schaften, erfordert von den Verantwortlichen

umfassende Kenntnisse und

Fähigkeiten. Lernen Sie in diesem Kurs den

Flottenmarkt und dessen Bewirtschaftungsformen

kennen!

> > 28. Januar 2020

Occasionsmanagement

Die Teilnehmer lernen, wie sie ihre

Occasionsfahrzeuge richtig bewirtschaften.

Dazu gehören unter anderem die

Präsentation, der Eintauschprozess und die

dynamische Preisstrategie.

> > 29. Januar 2020, Bern

> > 3. Juni 2020, St. Gallen

Dialog das neue Mitarbeitergespräch

Praxisorientierter Kurs für langjährige und

neue Führungsverantwortliche, die ihre

Mitarbeitergespräche effizienter und erfolgreicher

gestalten wollen und bereit sind,

sich intensiv mit der wirksamen Mitarbeiterentwicklung

auseinanderzusetzen.

> > 29. Januar 2020, St. Gallen

> > 4. Februar 2020, Horw

FEBRUAR

Séminaire de gestion des occasions

Les participants apprennent comment

bien gérer leurs véhicules d’occasion. La

présentation, le processus de reprise et la

stratégie dynamique de prix en font partie.

> > 5 février 2020, Paudex

Die Kurse sind in der Kurssprache ausgeschrieben.

Les cours sont proposés dans la langue

correspondante. D’autres cours seront proposés

ultérieurement. Mise à jour sur agvs-upsa.ch.

Das Google Basics Training

für den Autohandel

Sie lernen, wie Sie Ihr Unternehmen

dort optimal präsentieren und mögliche

Marketingangebote wie Google Adwords

selbst steuern können.

> > 10. Februar 2020, St. Gallen

> > 27. April 2020, Horw

Cours DAB+

La FM sera prochainement remplacée par le

DAB+. À l’avenir, il ne sera plus possible de

recevoir la radio que par le biais du DAB+.

Tous les véhicules ne disposant pas encore

d’une radio DAB+ doivent changer leur

équipement pour passer à cette nouvelle

technologie. En collaboration avec la

branche suisse de la radio, des experts en

DAB+ de SRG SSR et des experts automobiles

en DAB+, un cursus DAB+ a été

développé.

> > 11 février 2020

> > 7 avril 2020

JULI

Facebook, Xing, Twitter et WhatsApp

dans la vente automobile

L’atelier montre de nouvelles possibilités

pour utiliser ces différentes plateformes afin

de vendre encore plus efficacement.

> > 6 juillet 2020, Yverdon

Diese und weitere interessante Themen

finden Sie online in der Business Academy.

Retrouvez ces thèmes, et bien d’autres,

dans la Business Academy en ligne.

agvs-upsa.ch, Rubrik :

Berufsbildung/AGVS Business Academy

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Januar 2020 | AUTOINSIDE


BILDUNG

Aktuelle regionale Veranstaltungen zur Ausund

Weiterbildung im Automobilgewerbe

AARGAU

Automobildiagnostiker/in

Informationsabende:

Dienstag, 21. Januar 2020, 18 Uhr

Donnerstag, 5. März 2020, 18 Uhr

Start Lehrgang: 9. September 2020

Ort : Weiterbildungszentrum, Lenzburg

> > wbzlenzburg.ch

BERN

Automobil-Verkaufsberater/in

Ort: Mobilcity, Bern

> > agvs-upsa.ch

Automobildiagnostiker/in BP

Nächster Studienbeginn: 12. August 2020

Ort: GIBB

> > gibb.ch

Betriebswirt/in im Automobilgewerbe HFP

Nächster Studienbeginn: Im August 2021

Ort: GIBB

> > gibb.ch

Werkstattkoordinator/in im

Automobilgewerbe

Nächster Studienbeginn: 14. August 2020

Ort: GIBB

> > gibb.ch

Kundendienstberater/in

im Automobilgewerbe

Nächster Studienbeginn: 3. Februar 2021

Ort: GIBB

> > gibb.ch

Höhere Berufsbildung im Automobilgewerbe

HFP, BP und Zertifikat

Informationsanlässe mit Dozierenden und

Vertretern des AGVS

Daten:

Dienstag, 3. März 2020, 19 bis 20.30 Uhr

Ort: AGVS Berner Oberland,

Stationsstrasse 6, Mülenen

Dienstag, 10. März 2020, 19 bis 20.30 Uhr

Ort: GIBB

Anmeldung: regula.saegesser@gibb.ch

CHUR / ZIEGELBRÜCKE

Automobildiagnostiker/in

Start Lehrgang: August 2020

ibW Höhere Fachschule Südostschweiz, Chur

> > ibw.ch

ST. GALLEN

Automobildiagnostiker/in

Neu mit Einführungstagen

Informationsabend: 22. Januar 2020, 19 Uhr

Start Lehrgang: August 2020

Ort: AGVS Ausbildungszentrum, St. Gallen

> > agvs-abz.ch

WINTERTHUR

Kundendienstberater/in

im Automobilgewerbe

Informationsabend: 14. April 2020, 19 Uhr

Start Lehrgang: Januar 2021

Ort: STFW

> > stfw.ch/akb

Automobil-Verkaufsberater/in

Informationsabend: 18. Februar 2020, 19 Uhr

Start Lehrgang: 18. August 2020

Ort: STFW

> > stfw.ch/aavb

Betriebswirt/in im Automobilgewerbe

Start Lehrgang: 25. August 2021

Ort: STFW

> > stfw.ch/abwa

Automobildiagnostiker/in

Automobil-Werkstattkoordinator/in

Informationsabend: 18. Februar 2020, 19 Uhr

Start Lehrgang: 2./3. September 2020

Ort: STFW

> > stfw.ch/ad und stfw.ch/adwo

ZÜRICH

Weiterbildung im Automobilgewerbe

Informationsabend:

Mittwoch, 15. Januar 2020, 18 Uhr

Mittwoch, 25. März 2020, 18 Uhr

Ort: TBZ Zürich

> > tbz.ch

Betriebswirt/in im Automobilgewerbe

berufsbegleitend, jeweils freitags

Ort: TBZ

> > tbz.ch

Automobil-Werkstattkoordinator/in BP

und mit Zertifikat AGVS

berufsbegleitend,

jeweils am Donnerstagabend

Ort: TBZ, Zürich

> > tbz.ch

PAUDEX

Diplôme fédéral de gestionnaire

d’entreprise de la branche automobile

Séance d'information: 22 janvier 2020

Lieu : Centre Patronal de Paudex

> > romandieformation.ch

Coordinateur d’atelier automobile

Lieu : Centre Patronal de Paudex

> > romandieformation.ch

YVERDON

Diagnosticien d’automobiles

Prochaine session : janvier 2021

Cours du soir, les mardi, jeudi et samedi matin

Lieu : Centre de formation UPSA-VAUD,

Yverdon-les-Bains

> > formation.upsa-vd.ch

Aus den Sektionen

Für eine Publikation im AUTOINSIDE melden

Sie uns bitte Ihre Daten zu den aktuellen Infoveranstaltungen

und Lehrgängen im Automobilgewerbe

an myfuture@agvs-upsa.ch.

Informationen zu allen Weiterbildungen

erhalten Sie unter

agvs-upsa.ch/de/berufsbildung/

hoehereberufs bildung.

AUTOINSIDE | Januar 202045


AUTO-SALON

Interview mit Olivier Rihs, Direktor der Geneva International Motor Show GIMS

Weg für Zukunft geebnet

GIMS-Direktor Olivier Rihs hat die Digitalisierung am Auto-Salon vorangetrieben. Im Gespräch erklärt er, wo er noch

Potenzial sieht, was die Besucher von «GIMS Tech», «GIMS Discovery» und «GIMS VIP Day» erwarten können und

weshalb die GIMS eine Zukunft hat. André Bissegger und Jürg A. Stettler

Herr Rihs, Ihr erster Auto-Salon als Direktor

wird auch gleichzeitig Ihr letzter sein. Was

überwiegt aktuell, die Vorfreude auf den

Salon oder Trauer, weil es gleichzeitig der

letzte ist?

Olivier Rihs: Mein Rücktritt war ein rein persönlicher

Entscheid, der mir nicht leicht gefallen

ist. Ich fühle mich wohl in Genf und mache

meine Arbeit wirklich sehr gerne. Daher habe

ich mich für eine neue Herausforderung entschieden

und nicht gegen die GIMS. Denn ich

freue mich wirklich sehr auf den kommenden

Salon. Wir haben neue Projekte aufgegleist

und ich bin gespannt, wie diese ankommen.

Es gibt nur Vorfreude. Die Projekte

der GIMS sind zum Glück nicht von meiner

Person abhängig. Vielmehr ist es ein Prozess,

den wir zusammen mit dem GIMS-Stiftungsrat

und den Verantwortlichen der Palexpo

erarbeitet haben. Von ihnen wird er weitergeführt

auch ohne mich.

Was entgegnen Sie den Personen,

die Ihnen vorwerfen, das sinkende Schiff

verlassen zu haben?

Alle die mich kennen, wissen, dass ich Herausforderungen

mag. Sonst wird es mir

langweilig. Die Situation für die GIMS für

Automessen in Europa generell ist sicherlich

nicht einfach: Wir haben drei Transformationen

zu bewältigen: die digitale Transformation,

die Transformation der Automobilbranche

und diejenige der Konsumenten. Wir

haben deshalb den Auto-Salon neu als Event

konzipiert, um neue Aussteller, Medien und

Besucher zu gewinnen. «GIMS Discovery»,

«GIMS Tech» und «GIMS VIP Day» wurden

erarbeitet, um diese drei Transformationen zu

bewältigen. Sie sind unser Fundament für die

Zukunft, auf dem meine Nachfolge aufbauen

kann.

«GIMS Discovery» anmelden können. Wir

rechnen mit 600 000 Besucherinnen und Besuchern,

können aber lediglich 15 000 Testfahrten

mit Fahrzeugen mit alternativen Antrieben

anbieten. Daher läuft der gesamte Anmeldeprozess

über die App. Ausserdem können wir

so die Besucher begleiten, damit sie sich bereits

im Vorfeld über das GIMS-Programm informieren

und Highlights heraussuchen können.

Das Programm wird täglich aktualisiert.

Was kann die App sonst noch?

Eine Karte zeigt beispielsweise, wo welche Aussteller

zu finden sind. Die App ist aber nicht nur

für den Salon gedacht, sondern informiert während

des ganzen Jahres über Neuigkeiten aus

der Branche. Es ist heute wichtig, dass wir unsere

Community während 365 Tagen im Jahr auf

dem Laufenden halten können. Immerhin

folgen rund 300 000 Personen unseren

Social-Media-Kanälen und sind auf

unserer Website angemeldet. Wir haben

extra einen Redaktor angestellt,

der die GIMS-Kanäle pflegt.

Dann löst die App den gedruckten

Salon-Führer ab?

Genau. Wir werden kein Magazin mehr herausgeben,

denn es gab wenig Nachfrage. Der grosse

Vorteil der App gegenüber dem Magazin: Sie

ermöglicht eine Interaktion. Die Besucher können

Fragen stellen, die Händler antworten und

informieren. Die Community muss und will

heute interagieren können und das ist keine

Einbahnstrasse, sondern ein Dialog.

So stellt sich

Olivier Rihs die

Testfahrten

in der «GIMS

Discovery» vor.

Sie wurden unter anderem geholt, um

die Digitalisierung voranzutreiben.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir haben Mitte Dezember eine

neue App lanciert, mit der die Besucher

unter anderem Tickets kaufen und sich für die

46

Januar 2020 | AUTOINSIDE


AUTO-SALON

Bekommt der Garagist, der bisher die

Zuliefermesse in Halle 7 besucht hat, nun

alle Infos nur noch über die App?

Nein, wir sprechen hier von einem ganzen infopaket

inklusive Website. Die Garagisten erhalten

so aktuell alle Neuigkeiten und wichtigen

Informationen aus der Automobilbranche

und -industrie. Wir sprechen auch nicht mehr

von Accessoires und Zubehör, sondern von der

Automobilbranche und Mobilität.

Wo sehen Sie bezüglich Digitalisierung

noch Potenzial für die GIMS?

Das Kundenerlebnis findet heute nicht mehr

nur vor Ort statt. Es beginnt bereits zuhause

bei der Planung. Wenn jemand beispielsweise

aus St. Gallen kommt, dann muss er sich überlegen,

ob er mit dem Auto oder dem ÖV nach

Genf reisen und ob er den Besuch am Auto-Salon

gleich mit etwas anderem in Genf verbinden

soll. Heute müssen wir die Kunden diesbezüglich

einfach und gut informieren können.

Dank der Digitalisierung bewegen wir uns

noch näher auf die Kunden zu und können ihnen

einen möglichst angenehmen und informativen

Aufenthalt verschaffen.

Die Fachmesse in Halle 7 findet nicht

mehr statt. Ihre Gedanken dazu?

Ich bin traurig. Wir haben ein Konzept erarbeitet

und uns Ziele für die Fachmesse gesetzt.

Ich habe mit allen Verbänden und den wichtigsten

Akteuren versucht, eine Lösung zu finden.

Das war meine erste Priorität und ist mir

leider nicht gelungen. Die Gründe dafür sind

vielfältig. Einer ist sicher, dass das Format mit

einem 13-tägigen Auto-Salon für eine B2B-Messe

nicht mehr geeignet ist. Klar, wir hätten die

Fachmesse auch in diesem Jahr in einem kleineren

Rahmen mit rund 40 Ausstellern durchführen

können. Aber irgendwann braucht es

einen klaren Entscheid. Wir haben aufgrund

von Fakten entschieden, die Fachmesse aufzugeben

und die Halle 7 in eine Teststrecke umzuwandeln.

Ein gut gelaunter GIMS-Direktor Olivier Rihs im Gespräch über die kommende Ausgabe.

Weshalb soll der Garagist auch ohne

Fachmesse noch nach Genf kommen?

Heute geht es um die gesamte Mobilität und

nicht mehr um einzelne Produkte. Will man

heute als Garagist seinen Betrieb richtig führen,

dann muss man die Neuigkeiten, Entwicklungen

und Trends aus der Branche kennen.

Genau das können wir ihnen einerseits mit

der «GIMS Tech» bieten, bei der die neusten

Technologien präsentiert werden. Andererseits

werden wir in der «GIMS Discovery» die neusten

Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zeigen

und zur Entdeckungsfahrt anbieten. Am

«GIMS VIP Day» widmen wir uns in Panels

und Referaten den aktuellen und zukünftigen

Herausforderungen in der Automobilbranche.

Die wichtigsten Gründe für einen Besuch an

die GIMS bleiben aber die Emotionen, die Freude

am Automobil und die Möglichkeit, seine

Kollegen zu treffen.

Was erwartet die Besucher an der

«GIMS Discovery»?

Die «GIMS Discovery» besteht aus einer 456

Meter langen Teststrecke, die vom TCS operativ

geleitet wird, und 48 Fahrzeugen mit alternativen

Antrieben hauptsächlich Elektro.

Innert zehn Minuten werden die Besucher

eingecheckt, erhalten eine Erklärung über das

Auto und die Lademöglichkeiten und absolvie-

Experten begleitet und bekommen auch die

Möglichkeit, die Beschleunigung zu erleben.

Das muss einfach sein.

Zehn Minuten ist eher knapp, nicht?

Wir verstehen die «GIMS Discovery» als Degustation

und weniger als Test. Denn Verkaufsgespräche

oder längere Erklärungen gibt es hier

keine. Diese werden bei den Anbietern in den

Hallen 1 bis 6 geführt. Es war eine Bedingung,

dass nur Hersteller teilnehmen können, die

auch einen Stand in Genf haben. Die Hersteller

sind mit unserem Konzept sehr zufrieden,

wir mussten nicht argumentieren. Ausserdem

schätzen sie, dass die Journalisten so die Möglichkeit

erhalten, Bilder von fahrenden Autos

zu schiessen.

Wieso haben Sie sich für dieses Konzept

entschieden?

Wir wissen, dass 97 Prozent der GIMS-Besucher

aus dem Jahr 2019 noch nie in einem E-

Auto sassen. Wir wissen aber auch, dass 70

Prozent von ihnen bereit sind, diesen Schritt

zu wagen, wenn sie über genügend Informationen

verfügen. Wir wollen diese Barriere durchbrechen

und die Akzeptanz von alternativen

Antrieben fördern.

Wie fielen die Reaktionen auf diese

Entscheidung aus?

Das Verständnis war im Grossen und Ganzen

da. Viele haben gesehen, dass wir alles probiert

haben. Natürlich gibt es auch Personen, die enttäuscht

waren. Einige warfen sich selbst vor,

vielleicht ganz generell zu wenig Engagement

für Fachmessen gezeigt zu haben. Nun sind wir

gespannt, wie unsere neuen Projekte funktionieren

werden. Die ersten Feedbacks sind zumindest

sehr positiv. ren drei Runden. Dabei werden sie von einem

Fortsetzung Seite 48

AUTOINSIDE | Januar 202047


AUTO-SALON

Die zweite Neuerung ist die «GIMS Tech».

Was passiert da?

Wir wollen zeigen, dass Mobilität ein Ökosystem

und multimodal ist. Die letzte Meile kann

man beispielsweise auch gut mit einem E-Trottinett

absolvieren. Wir werden unter anderem

die Alternativen für Kurzstrecken zeigen sowie

verschiedene Mobilitäts-Plattformen und

-Dienstleistungen präsentieren. Unsere Partner

sind Hersteller, die Stadt Genf zusammen

mit dem Kanton, digitale Plattformen, Anbieter

von Micromobility, Erdgas und weitere. Wir

zeigen an der «GIMS Tech» die vernetzte Mobilität

von heute und in welche Richtung sie sich

bewegen wird.

Was ist das Ziel des «GIMS VIP Day»?

Im Jahr 2019 hatten wir am ersten Pressetag

84 Pressekonferenzen, am zweiten nur noch 6

also kaum Inhalt. Das geht nicht. Der erste

Pressetag nennt sich nun «MediaDay» mit

über 80 Pressekonferenzen und den Premierenpräsentationen.

Den zweiten Tag, den «VIP

Day» wollen wir mit Themen füllen und damit

auch ein interessiertes Publikum ansprechen.

Dazu organisieren wir zusammen mit Marken

an verschiedenen Standorten vier bis sechs Panels.

Es soll nicht über Produkte, sondern über

Themen wie das Fahren der Zukunft oder das

Engagement von Marken gesprochen werden.

Verschiedene Botschafter bringen Internationalität

und locken vielleicht nicht nur Auto-

Journalisten, sondern Journalisten aus anderen

Ressorts wie Politik oder People nach Genf. Ein

Ziel ist auch, dass die CEOs bis am Mittwoch in

der Stadt bleiben.

An der vergangenen IAA in Frankfurt

kam es zu Demonstrationen von Klima-

Aktivisten. Trifft man in Genf deswegen

spezielle Vorkehrungen?

Wir analysieren natürlich die Situation. Die

Bedenken der Klima-Aktivisten nehmen wir

ernst. Grundsätzlich ist unsere Kommunikation

klar: Die Branche wandelt sich, bestimmt

auch aufgrund neuer gesetzlicher Normen.

Unsere Aussteller zeigen an der GIMS ihre

Autos der Zukunft und stellen neue Technologien

vor. Wir unterstützen sie dabei, diese

Neuerungen dem Besucher zu kommunizieren

und erlebbar zu machen. Das Umdenken

in der Branche ist kein «Greenwashing»,

sondern eine Tatsache. Hersteller investieren

grosse Summen in Zukunftstechnologien. Die

Bevölkerung und die Besucher müssen verstehen,

dass die Entwicklung in der Branche in

Richtung Nachhaltigkeit geht, sei dies zum

Beispiel in Richtung Elektromobilität oder

Mobilität als Service.

Die GIMS eröffnet am 5. März ihre 90. Ausgabe.

Wie muss sich der Salon entwickeln,

damit er weitere 90 Ausgaben besteht?

Wichtig ist, dass wir die drei bereits genannten

Transformationen gut meistern. Zudem brauchen

wir einen starken Brand, der weltweit bekannt

ist und digital das ganze Jahr lebt. Er soll

die Community zusammenbringen, also Hersteller,

Besucher und Medien. Dazu gehört auch

ein funktionierendes Medienhaus, damit die

Community das ganze Jahr über bedient und

ausgebaut werden kann. Die Plattform muss als

DIE Plattform in Europa funktionieren. Auch

braucht es stetig neue Konzepte und Ideen. Wir

müssen mit Innovationen unsere Besucher und

Aussteller begeistern und überraschen. Bezüglich

Community ist auch wichtig, dass sie wie

ein Club funktioniert mit Mitgliedervorteilen,

Angeboten und Unterhaltung. Einfach nur

Autos anschauen, reicht heute nicht mehr.

Hand aufs Herz:

Hat die GIMS überhaupt eine Zukunft?

Die Schweiz hat für eine Messe alle Vorteile auf

ihrer Seite: Wir sind neutral, kompakt und in

Europa zentral gelegen. Jede Marke und jeder

Hersteller sagt: «Wenn überhaupt noch eine

Messe, dann Genf». Jeder liebt Genf. Nun liegt

es an uns. Wenn wir in der Schweiz eine Plattform

für Automobile und Mobilität haben wollen,

dann müssen wir Genf unterstützen. Und

wir haben nur diese eine Chance: Wenn wir

in den nächsten zwei oder drei Jahren nicht

beweisen können, dass unsere Branche diese

Plattform will, dann verlagert sich das Interesse

nach Asien oder Amerika. Und damit würden

wir alle verlieren das muss uns bewusst

sein. Wir versuchen deshalb mit unseren neuen

Projekten, den Salon für jeden Garagisten,

Unternehmer und Manager als Pflichttermin

im Terminkalender zu verankern. Wir kreieren

einen Event, der für alle da ist für Hersteller,

Besucher sowie Anbieter der Mobilität von heute

und morgen. Ein Beispiel: Die Bevölkerung

ist beim Kaufentscheid bezüglich Antriebe verunsichert.

Wir wollen darum zeigen, was es alles

gibt, damit Leute Wechsel wagen können.

In welchem Zustand übergeben Sie die GIMS

an Ihre Nachfolgerin oder Ihren Nachfolger?

Das werden wir nach dem Ende der GIMS anhand

der Resultate sehen. Wichtig ist: Wir haben

die Transformation angestossen und den

Weg in die Zukunft mit neuen Projekten geebnet.

Wir dürfen keine Angst haben, etwas zu

versuchen. Das hat der Stiftungsrat gemacht,

indem er den Mut hatte, in neue Projekte zu investieren.

Die Ausgabe 2020 wird aufgrund der

Investition in die digitale Plattform sicher defizitär

sein. Aber der Wille und die Unterstützung

sind da, um eine Evolution voranzutreiben.

Ich bin überzeugt, dass es so weitergeht,

wir Erfolg haben werden und eine tolle Basis

für die nächsten 90 Ausgaben gelegt haben. <

Weitere Infos unter:

gims.swiss

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Wir freuen uns auf Sie!

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15. Januar ´20

18.00h

48

Januar 2020 | AUTOINSIDE


AUTO-SALON

Automessen im Dilemma

Sind Messen dem Tod geweiht?

Ob die IAA in Frankfurt oder die Auto Shows in Tokio und Los Angeles: Internationale Automessen bekunden Mühe, das

nötige Publikums- und Herstellerinteresse zu generieren. Wie die Autokonzerne, die sich zu Mobilitätsunternehmen entwickeln,

sind auch Messen einer Transformation unterworfen und müssen sich selbst neu erfinden. Jürg A. Stettler

Die gesamte Palette an einer Automesse zu zeigen, ist nicht mehr so entscheidend für die Hersteller. Wichtiger werden das Erlebnis und der emotionale Kundenkontakt.

Die 68. Ausgabe der IAA in Frankfurt, einer

der weltweit bedeutendsten Leitmessen im

Mobilitätsbereich, konnte im September 2019

noch 560 000 Besucher und 838 Aussteller anlocken

beides langjährige Tiefstände. Auch

andere Automessen wie etwa die Detroit Motor

Show, der Pariser Autosalon oder die Tokyo

Motor Show stecken seit längerem in der Krise.

Genau wie die Autoindustrie selbst müssen

sich die Messen wandeln, zu umfassenden

Mobilitätsplattformen werden oder einen stärkeren

Eventcharakter erhalten, um für die Zukunft

gerüstet zu sein. Denn neben einer klassischen

Messe mit Kongressangeboten verlangt

die internationale Autoindustrie immer öfters

nach grosszügigeren Flächen inklusive Teststrecken

und Parcours für ihre Produkte. So

sollen die Besucherinnen und Besucher die

Möglichkeit erhalten, beispielsweise automatisiert

fahrende Autos mit alternativen Antrieben

oder neue Mobilitätsangebote während

der Messe gleich selbst und hautnah zu erleben.

Die 90. Auflage der GIMS macht es vom

5. bis 15. März 2020 mit der «GIMS Discovery»

vor. Dort haben die Besucherinnen und Besucher

auf einem 456 Meter langen Rundkurs

die Möglichkeit einer zehnminütigen Probefahrt

am Steuer eines Fahrzeugs mit alternati-

vem Antrieb (Elektro, Hybrid, Erdgas und Wasserstoff).

Ähnliches wünscht sich die deutsche

Autoindustrie auch von der IAA in zwei Jahren.

Mit einem komplett neuen Konzept wollen

die Hersteller wieder näher an die Käuferinnen

und Käufer ihrer Fahrzeuge und Dienstleistungen

heranrücken. Daher ist längst nicht sicher,

ob die Traditionsmesse auch 2021 wieder in

Frankfurt stattfindet. Der Verband der deutschen

Automobilindustrie (VDA) hat eine Ausschreibung

für mögliche neue Austragungsorte

gestartet. Die Städte Berlin, München, Köln,

Hamburg, Hannover und Stuttgart interessieren

sich genauso dafür wie der bisherige Veranstaltungsort

Frankfurt.

«Wir wollen, dass sich die IAA von einer Autoshow

auf einem abgeschlossenen Messegelände

zu einem Ort entwickelt, an welchem die

Mobilität der Zukunft für alle erlebbar und anfassbar

wird», verlangte etwa ein VW-Sprecher.

«In welcher Stadt das am besten möglich sein

wird, wird jetzt im Zuge einer transparenten

Ausschreibung geprüft.» Und Opel-Chef Michael

Lohscheller hielt nach der IAA 2019 fest,

dass ihm der Messestand seiner Marke eigentlich

zu teuer sei, für ein paar Gespräche mit

Journalisten und er die Messe wieder mehr zur

Direktvermarktung nutzen wolle. Branchenexperte

Stefan Bratzel vom Center of Automotive

Management glaubt, dass es den heutigen Kunden

an den Messen nicht mehr nur um schönes

Blech geht, das sie unbedingt besitzen wollen.

«Der Fokus hat sich verschoben. Das Auto

ist nur eine Mobilitätsmöglichkeit unter vielen.

Es geht nicht mehr um die klassischen Werte

wie Leistung, PS oder Grösse. Es geht eher

ums Thema: Wie vernetzt sind die Fahrzeuge?»,

erklärte der Referent am «Tag der Schweizer

Garagisten» 2019 gegenüber dem Hessischen

Rundfunk. Und beim Thema Vernetzung und

technische Innovationen hätten traditionelle

Automessen eine geringere Bedeutung als andere

Events. «Da überlegt sich der eine oder andere

Hersteller, ob es sich für ihn noch lohnt,

die enormen Ausgaben für beispielsweise eine

IAA in Kauf zu nehmen», analysiert Stefan

Bratzel nüchtern. Der Experte prophezeit zudem,

dass der Platz, um Autos auszustellen,

grundsätzlich schrumpfen werde: «Es ist nicht

mehr notwendig, jedes einzelne Modell zu präsentieren.»

Es werde wichtiger, neuen Themen

wie Mobilitätsdienstleistungen oder autonomem

Fahren mehr Raum zu geben. Die Neuerfindung

der Mobilität müsse sich auch in einer

Automesse widerspiegeln.

Fortsetzung Seite 50

AUTOINSIDE | Januar 202049


AUTO-SALON

Automessen oder auch Fachmessen, wie etwa

Swiss Automotive Show oder die Transport-

CH, sind noch lange nicht dem Tod geweiht.

Der neue Besucherrekord an der Schweizer

Nutzfahrzeugmesse Transport-CH im November

2019 oder die fast 7000 Besucherinnen

und Besucher sowie 148 Austeller ebenfalls

neue Rekordwerte an der SAS 2019 zeigen

dies deutlich. Denn Messen bieten auch diverse

Vorteile. Etwa nur schon eine hervorragende

Möglichkeit für den Austausch innerhalb

der Branche, aber auch mit Fachpublikum, mit

Garagisten sowie mit Journalisten. Und diese

Medien aus aller Welt produzieren noch immer

lesenswerte Artikel, emotionale Bilder und

spannende TV-Beiträge zu den neusten Produkten

der Hersteller.

Immer mehr Hersteller versuchen sich auch

über andere, exklusivere Plattformen zu profilieren

und so aus der Masse der Automobilneuheiten

an den klassischen Autoshows herauszustechen.

Besondern beliebt sind dabei

inzwischen Auftritte an Messen zu Unterhaltungselektronik,

denn die Fahrzeuge selbst

verkommen ja immer mehr zu Smartphones

auf Rädern. Die in wenigen Tagen startende

Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas,

eigentlich eine Fachmesse für Unterhaltungselektronik,

ist daher längst auch ein

wichtiger Fixpunkt in der Agenda von vielen

Autoherstellern geworden. Automessen der Zukunft

werden nie mehr so aussehen wie noch

vor fünf Jahren. Marken nehmen nur noch an

Messen teil, wenn sie auch Neuheiten präsentieren

können. Die gesamte Palette zu zeigen,

ist ein Ding der Vergangenheit, dazu eignen

sich Online-Medien oder ein digitaler Konfigurator

viel besser. Der Nebeneffekt: Die Aussteller

benötigen an der Messe selbst weniger

Quadratmeter. Was im Umkehrschluss für die

Messeveranstalter heisst, dass sie neue Aussteller

finden müssen, wenn sie ihre Halle voll besetzen

wollen. <

Diese Marken verzichten

auf die GIMS 2020

Auch wenn sich die 90. Auflage der GIMS

bereits bemüht, die für traditionelle Messen

wichtige Transformation voranzutreiben

mehr dazu auch im grossen Interview

mit GIMS-Direktor Olivier Rhis ab Seite 46

werden diesen Frühling einige bekannte

Automarken fehlen. Bereits heute ist bekannt,

dass vom 5. bis 15. März 2020 die folgenden

Hersteller nicht in den Genfer Palexpo-Hallen

vertreten sein werden: Citroën, Ford, Jaguar,

Jeep, Maserati, Mitsubishi, Nissan, Opel,

Peugeot, Subaru und Tesla.

Dominik Leonhardt, lic. oec. HSG, ist Live-Communications-Experte und Head of MICExperts.

3 Fragen an Live-Communications-

Experte Dominik Leonhardt

Warum sind Messen und Events, sogenannte

«Live Communication», in der immer

digitaleren Welt immer noch so wichtig?

Dominik Leonhardt: Die Menschen suchen

schon seit Urzeiten, als sie noch in Höhlen

lebten und gemeinsam Mammuts jagten,

nach Zugehörigkeit und Sicherheit. Messen

und Events bieten heute diese Möglichkeit,

diesen menschlichen Urinstinkt zu befriedigen,

sich zu treffen und sich dabei auch soziale

Anerkennung und Bestätigung zu sichern.

Zudem sind Live-Communication-Events auch

Orte mit einzigartiger und emotionaler Atmosphäre,

die ein 360°-Erlebnis bieten und

es erlauben, die eigenen Akkus wieder aufzuladen.

Ganz wichtig zudem: Wir vertrauen

hauptsächlich «unserer» Community und

Gleichgesinnten, und genau diese treffen wir

an solchen Events. Das bestärkt uns in unseren

eigenen Einstellungen.

Welche Vorteile bringt Live Communication

Marken und Unternehmen?

Marken und Unternehmen bewegen sich heute

in homogenen und gesättigten Märkten,

sehen sich einer kritischen und nach Vielfalt

strebenden Kundschaft gegenüber. Sie benötigen

für den Produkt- und Verkaufserfolg emotionale

Markenwerte. Die können an Messen

und Events direkt vermittelt werden. Die Live

Communication ist ein einmaliges Erlebnis,

dessen Erfolg jedoch immer noch von der subjektiven

Wahrnehmung der einzelnen Besucherinnen

und Besucher abhängig bleibt.

Was ist denn das wichtigste Erfolgsrezept

für die Live Communication?

Nicht jede Live Communication wirkt auf jeden

Teilnehmer gleich. Daher sind vertiefte

Zielgruppenkenntnisse und die Anpassung

der Briefings/Konzepte auf diese Zielgruppen

entscheidend für den Erfolg und somit ein absolutes

Muss bei der Vorbereitung und Organisation

des Events. Ganz entscheidend: Ein

Event nur des reinen Events wegen macht keinen

Sinn. Der Einsatz eines Events muss für

ein Unternehmen oder eine Marke auch kommunikationsstrategisch

Sinn machen. <

50

Januar 2020 | AUTOINSIDE


HANDEL & AFTERSALES

Fachmesse

SAS 2020 öffnet sich für

externe Aussteller

Die Swiss Automotive Show in Freiburg erweitert ihr Angebot. Die Veranstalter haben entschieden, die Fachmesse für

externe Aussteller zu öffnen. Damit sollen der Nutzen und die Attraktivität der SAS erhöht werden. André Bissegger

«Wir erhalten momentan viele Anfragen von

Marktplayern, die gerne an der SAS ausstellen

möchten», sagt Sébastien Moix, SAG-Marketingdirektor

und SAS-Messechef. Der Grund:

Nach dem Aus der Zuliefermesse in Halle 7 am

Auto-Salon in Genf würden die Anbieter aus

dem Automotive Aftermarket nach Alternativen

suchen und seien deshalb daran interessiert,

an der SAS auszustellen, erklärt Moix.

Die Verantwortlichen haben sich deshalb entschieden,

die Fachmesse für weitere und vor

allem externe Aussteller zu öffnen. Einzige

Auflage: Sie dürfen die SAG-Lieferanten nicht

zu stark konkurrenzieren und müssen einen

Mehrwert bieten.

Bereits haben fünf SAG-fremde Aussteller zugesagt,

das Ziel sind 20. «Wir wollen neue Bereiche

abdecken, in denen wir selbst nicht tätig

sind», sagt der Messechef. Er denkt dabei

beispielsweise an alternative Antriebssysteme,

DMS oder Waschtechnik. «Damit können

wir die Attraktivität der Messe noch weiter

erhöhen und alle Bereiche des Automotive

Aftermarket abdecken.»

Auch sonst laufen die Vorbereitungen für die

nächste SAS, die am 28. und 29. August 2020

wieder im Forum Fribourg stattfinden wird,

auf Hochtouren. «Es sieht aktuell sehr gut aus.

Wir haben im Vergleich zur Messe 2019 zum

jetzigen Zeitpunkt deutlich mehr Anmeldungen.»

Konkret sind bereits über 60 Anmeldungen

eingegangen. Dazu kommen zahlreiche

mündliche Zusagen. «Wir sind sehr zufrieden»,

sagt Moix. «Das zeigt, dass die SAS in

Freiburg nicht nur bei den Besuchern, sondern

auch bei den Ausstellern sehr gut angekommen

ist.»


HANDEL & AFTERSALES

«Autotechnik Days»

Fachveranstaltung mit

vielen Höhepunkten

Die «Autotechnik Days» der Hostettler Autotechnik AG ist keine klassische Hausmesse, sondern eine Fachveranstaltung.

Podiumsgespräche, Vorführungen und Workshops schaffen einen Mehrwert für die Besucher.

André Bissegger

52

Januar 2020 | AUTOINSIDE


HANDEL & AFTERSALES

Wenn am 28. und 29. Februar die Tore

der Messe Luzern öffnen, tauchen

die Besucherinnen und Besucher der

«Autotechnik Days» in eine Welt aus

Wissensaustausch und Inspiration.

Anders als andere Messen setzt die

Hostettler Autotechnik AG nicht auf

Firmen-Präsentationen und reine Verkaufsveranstaltungen,

sondern hat eigens ein neues Konzept erarbeitet.

Dieses fusst auf den Pfeilern Podiumsgespräche, Vorführungen und

Workshops. «Wir wollen den Besuchern aktuelle Themen praxisbezogen

näher bringen», sagt Marcel Stocker, Leiter Automotive bei der

Hostettler Autotechnik AG und Verantwortlicher für die «Autotechnik

Days». «Sie sollen die Produkte in Aktion erleben, ausprobieren

und erfahren können.»

Noch ist die Messe in Luzern leer. Am 28. und 29. Februar füllt sie sich mit den «Autotechnik

Days».

Das Programm verspricht einige Höhepunkte. Namhafte Referenten

aus Industrie und Gewerbe werden an Podiumsgesprächen ein

zentraler Programmteil der «Autotechnik Days», der von der ehemaligen

Rennfahrerin Cyndie Allemann moderiert wird Einblicke

in die Gegenwart und die Zukunft des motorisierten Individualverkehrs

vermitteln. Dazu zählt beispielsweise der Schweizer Auto-Visionär

Frank M. Rinderknecht (siehe Interview Seite 54). Der Automobil-Designer

und Gründer von Rinspeed spricht unter anderem

über die Mobilität von morgen.

Ein Star zum Anfassen ist der Schwyzer Rennfahrer Marcel Fässler

und das trotz seiner drei Siege beim 24-Stunden-Rennen von

Le Mans. Er gehört damit zu den erfolgreichsten Rennfahrern der

Schweiz und nimmt aktuell mit dem US-Team Corvette Racing an

Langstreckenrennen teil. Er wird im Gespräch auf seine Karriere zurückblicken,

einen Rennwagen präsentieren und über den Traumberuf

Rennfahrer sprechen.

Flavio Helfenstein, der Berufsweltmeister in «Automobil Technology»,

nimmt den Faden von Fässler auf und beleuchtet das Rennfahrergeschäft

aus einer anderen Perspektive: Er baut in Eigenregie Rennwagen

und führt damit die grosse Tradition der Konstruktion von Boliden

von Excelsior, Hispano-Suisa, Monteverdi, Sauber und Rinspeed fort.

Ein weiterer Höhepunkt wird das Podium zum Thema «Die Automobilbranche

denkt um» sein. Fabian Kallen vom Industriedienstleister

Spie analysiert unter anderem das Zusammenspiel zwischen Energiewirtschaft

und Autoindustrie. Auch nimmt er Stellung zu drängenden

Fragen im Umbau des Energiesystems von fossil auf erneuerbar.

Dies hat dann ebenfalls Auswirkungen auf «die Werkstatt der

Zukunft», ein weiteres Thema an den «Autotechnik Days». Bert

Lembens von Continental Aftermarket spricht über künftige Geschäftsmodelle

und zeigt, wo Garagisten ihren Platz in der Wertschöpfungskette

finden.

Neben dieser Inspiration erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

in den Workshops theoretisches Wissen und erleben die Umsetzung

hautnah in praxisnahen Beispielen. Die Themen reichen von Hybrid-Antriebskonzepten

über Thermomanagement, Hochvolt-Systeme,

den Austausch von Turboladertechnik bis hin zum richtigen Online-

Auftritt für Garagen. Vertreter von namhaften Unternehmen aus den

Bereichen Zulieferer, Technologie, Bildung, Multimedia, Vertrieb und

Hersteller werden die Workshops moderieren und dafür sorgen, dass

alle profitieren.

Der dritte Schwerpunkt der «Autotechnik Days» befasst sich mit der

zunehmenden Komplexität der Aufgaben in den Autowerkstätten. Damit

sie diese Herausforderungen nicht nur beherrschen, sondern auch

rentabel machen, benötigen die Garagisten zuverlässige Partner wie

Abt, Safia, Hazet oder Texa. Sie werden ihre Produkte und Lösungen

präsentieren und die aktuellen Entwicklungen und Trends aus den Bereichen

Werkstatteinrichtungen und Werkzeuge aufzeigen.

Eine Begegnungszone bietet ausserdem Gelegenheit für den persönlichen

Austausch mit Branchenvertretern sowie Mitarbeitern der Hostettler

Autotechnik AG. Das komplette Programm gibt es online. <

Weitere Infos unter:

agvs-upsa.ch/de/hostettler-autotechnikdays-2020

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1964

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AUTOINSIDE | Januar 202053


HANDEL & AFTERSALES

Frank M. Rinderknecht an den «Autotechnik Days»

«Die Welt und die Aufgaben des

Garagisten werden komplexer»

Der Autovisionär Frank M. Rinderknecht, Gründer von Rinspeed, überrascht seit über 40 Jahren mit immer neuen

Mobilitäts ideen. Aktuell zeigt er in Las Vegas mit dem autonomen Metrosnap seinen neusten Wurf. Der findige Zürcher,

der einst selbst als Garagist tätig war, wird Ende Februar auch einer der Referenten an den «Autotechnik Days» sein.

Jürg A. Stettler

Der Metrosnap ist dank seines modularen

Aufbaus extrem vielseitig einsetzbar

von der mobilen Poststation bis zum

autonomen Taxi.

Frank M. Rinderknecht zeigt in Las Vegas

an der internationalen Consumer Electronics

Show (CES) gerade sein neustes Mobilitätskonzept

als Weltpremiere. Beim Metrosnap sind

Fahrwerk und Aufbauten getrennt und können

daher eigene Wege gehen. Dank des modularen

Systems kann das Rinspeed-Konzept

die sich immer weiter öffnende Schere der Lebenszyklen

von Soft- und Hardware durchbrechen.

AUTOINSIDE sprach mit dem Schweizer

Autovisionär.

Frank M. Rinderknecht,

Gründer von Rinspeed

Herr Rinderknecht,

mit dem Metrosnap

zeigen Sie an der

CES in Las Vegas

die dritte Variante

eines Fahrzeuges,

bei dem Fahrwerk

und Aufbauten

unterschiedliche

Wege gehen. Was sind die wichtigsten

Neurungen daran?

Frank M. Rinderknecht: Mit dem Snap 2018

haben wir der modularen Fahrzeug-Idee viel Auf-

Ihr Konzept hat einen Elektroantrieb.

Wieso und wäre auch ein anderer Antrieb,

beispielsweise Wasserstoff, denkbar?

Ja. Es ist unbestritten, dass wir in der Mobilität

die Abzweigung hin zur Nachhaltigkeit jetzt

schaffen müssen. Daher ist es müssig zu diskutierten,

wie viel graue Energie in einem Stromer

steckt. Auch beim Wasserstoff handelt es

sich ja um einen E-Antrieb, nur wird der Strom

an Bord produziert. Entscheidend ist bei jedem

Antrieb, dass die Energieherstellung nachhaltig

erfolgt. Da ist in der Schweiz ein Umdenken getrieb

gegeben, wie ähnliche Ideen von Scania, Kia

oder Mercedes zeigten. Das Kernproblem liegt jedoch

im einfachen, schnellen und kostengünstigen

Wechsel der Module. Da waren wir bei

Rinspeed anfangs ebenfalls auf dem falschen

Weg. Das haben wir beim Metrosnap geändert

und uns dabei von den weltweit und unter allen

Wetterbedingungen erprobten ULD-Container-Wechselsystemen

für Flugzeuggepäck und

Frachtgut an den Flughäfen inspirieren lassen.

Wieso haben Sie in den letzten Jahren auf

modulare Fahrzeuge-Konzepte gesetzt?

Durch die flexible Nutzung verschiedener Aufbauten

lässt sich die Anzahl der teuren und

systembedingt kurzlebigen automatisierten

Fahrzeuge reduzieren. Gleichzeitig lassen sich

auch unterschiedliche Transportanforderungen

für Mensch und Waren bedienen. Bei der automatisierten

Zustellung ist nicht die letzte Meile,

sondern der letzte Meter das Problem. Eine

Heerschar von Drohnen, die uns Pakete liefern,

wollen wir genauswenig wie die Karawanen

der Zustelldienste, die täglich in die Städte

fahren. Oder «Robo-Dogs», die am Schluss

an verschlossenen Türen oder einem fehlenden

Lift für die Zustellung in einen oberen Stock

scheitern. Mit dem Metrosnap kommt der Service

trotzdem zum Kunden. Das flexible Aufbaumodul

wird dorthin transportiert und abgestellt,

wo und wann es der Kunde wünscht

zuhause oder im Büro , die letzten 50 Meter

geht man selbst. Und weil die Industrie insgesamt

bezüglich autonomem Fahren realistisch

geworden ist und eher von zehn als fünf Jahren

bis zur Realisierung ausgeht, kann ich mir den

Metrosnap auch mit Fahrer vorstellen.

54

Januar 2020 | AUTOINSIDE


HANDEL & AFTERSALES

Riesige Displays statt eines Lenkrads im Aufsatz des MetroSnap, das für den Personentransport gedacht ist.

Die Geschichte von Rinspeed

Der Zürcher Frank M. Rinderknecht gründete

1977 die Rinspeed Garage, um Sonnendächer

aus den USA zu importieren und Behindertenfahrzeuge

herzustellen. Schon 1979 folgte

sein erster Auftritt am Auto-Salon in Genf.

Der Maschinenbau-Ingenieur zeigte einen VW

Golf Turbo auf Basis eines GTI und den ersten

auf dem Markt erhältlichen Rechteckscheinwerfer-Bausatz.

1982 übernahm der Autovisionär

die AMG-Exklusiv-Vertretung und

1988 die AC Schnitzer-Exklusiv-Vertretung für

die Schweiz. In den 1990er-Jahren folgte der

Wechsel von der Veredelung hin zur Kreation

von Zukunftsvisionen. Zum 20-Jahre-Jubiläum

1997 beschenkte sich der Visionär mit dem

Rinspeed Mono Ego gleich selbst. Der einsitzige

V8-Sportwagen mit 410 PS erinnert optisch an

einen Rennboliden der 1930er-Jahre. Es folgten

der sich auf Knopfdruck verlängernde Presto

(2002), das Amphibienfahrzeug Splash (2004)

und mit dem Squba (2008) sogar ein Tauchmobil.

Genau wie sich die Mobilität wandelte,

wandelten sich auch die Rinspeed-Konzepte

weg von reinen Fahrzeugen hin zu neuen Formen

des automobilen Denkens. Was auch sein

neuster Wurf, der Metrosnap (2020), beweist.

kommt eher morgen als übermorgen. Die Gretchenfrage

ist nur, in welche Richtung es geht.

Die Welt und die Aufgaben des Garagisten werden

immer komplexer. Gutes Beispiel ist hier

etwa der Wechsel einer Windschutzscheibe.

Das ging früher problemlos. Durch die ganzen

Sensoren und Kameras sind dazu heute komplexe

Kalibrierungen nötig. Und im Hinblick

aufs autonome Fahren wird die Komplexität

der Fahrzeuge und somit der Aufwand für die

Garagisten weiter zunehmen.

Welchen Herausforderungen muss sich

die Autoindustrie in den nächsten Jahren

stellen?

Die Hersteller sind in einer sehr schlechten

Position. Ihr Geschäftsmodell der letzten 120

Jahre beginnt wegzubrechen. Gleichzeitig müssen

sie Geld für Entwicklungen in innovative

Antriebe und autonomes Fahren ausgeben, das

sie gar nicht mehr verdienen. Auch die bisherige

Segmentierung von Hersteller, Händler und

Garagist sowie Besitzer wird sich komplett ändern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es künftig

Mobilitätskonzepte und -service ohne konkrete

heutige Markenzuordnung zugibt und

dazu eine Betreibergesellschaft wie beispielsweise

Uber bei den Fahrdiensten. Dort sitze

ich heute schon in einem Mercedes und beim

nächsten Mal in einem Tesla, um von A nach B

zu kommen. Auch wenn Hersteller nun Mobilitätsservices

aufbauen, bin ich nicht sicher, ob

der Kunde bereit ist, extra länger auf ein Fahrzeug

seiner Marke zu warten. Derjenige mit

dem dichtesten Angebot wird sich hier durchsetzen.

Daher könnten auch andere Anbieter

wie Amazon oder Zalando mit ihrer Erfahrung

aus dem Service- und Zustellbereich im Mobilitätsbereich

Fuss fassen.

Sie treten bei den «Autotechnik Days» auf.

Was sind Ihre wichtigsten Botschaften?

In der Schweiz tut man sich mit Veränderungen

schwer, hält lieber an Bewährtem fest. Ich

möchte aufzeigen, dass man die Zukunft umarmen

statt abweisen soll: proaktiv, nicht reaktiv

handeln! Man sollte als Garagist nicht über E-

Autos fluchen, die das jetzige Geschäft in Frage

stellen sie werden ohne Zweifel Fuss fassen

, sondern nach Nischen und neuen Geschäftsfeldern

mit E-Autos suchen. Zudem wird natürlich

auch die virtuelle Vorpremiere des Metrosnap,

der kurz danach an der GIMS seine

Schweizer Premiere feiert, ein Thema sein. <

Weitere Infos unter:

www.rinspeed.eu und

www.agvs-upsa.ch/de/hostettler-autotechnikdays-2020

fragt, wir wollen keinen Atomstrom mehr, keine

Windräder, keine Stauseen, aber doch Öko-

Strom…

Sie haben Ihre Karriere 1977 selbst als Garagist

gestartet. Was sind die grössten Herausforderungen

für einen Garagisten von heute?

Die Frage nach der Zukunft stellt sich ein Garagist

zurecht. Die technische Basis und das Vertriebskonzept

verändern sich. Durch den Online-Handel

wird er zudem eines Teils seiner

Marge beraubt alles ist im Umbruch. Garagisten

werden sich verändern müssen. Wir alle

wissen, dass sich in den urbanen Zentren die

Mobilität massiv ändern wird. Dieser Wandel

AUTOINSIDE | Januar 202055


HANDEL & AFTERSALES

Online-Plattform

«Das Ziel der Garagisten

ist auch unser Ziel»

Die Online-Plattform «Car For You» ist auf dem Vormarsch: Rund ein Jahr nach der Lancierung hat sie die Hälfte der

Schweizer Garagenbetriebe erreicht. Jan Schenker, Head of Sales, spricht über die Vorteile des digitalen Showrooms,

über gelungene Inserate und darüber, welche Dienstleistungen im nächsten Jahr neu geplant sind. Carla Stampfli

Was vor rund einem Jahr mit dem Eintippen

des ersten Programmiercodes begann, mischt

heute den Schweizer Online-Fahrzeugmarkt

auf: «Car For You». Im Gegensatz zur Konkurrenz

zielt die neue Plattform darauf ab, den

potenziellen Käufer bereits bei der Entscheidung

für Modell und Marke zu unterstützen.

Dafür kommen innovative Tools zum Einsatz,

die auch dem Garagisten in die Hände spielen.

Jan Schenker,

Head of Sales bei «Car For You»

Doch von vorn: Seit der offiziellen Lancierung

im April 2019 hat «Car For You» ein Joint

Venture von Tamedia und Axa bereits rund

die Hälfte aller Schweizer Garagenbetriebe erreichen

können. Eine Zahl, die Verkaufsleiter

Jan Schenker zuversichtlich stimmt: «Wir

sind auf sehr gutem Weg.» Während es im ersten

halben Jahr darum ging, die Plattform im

Sinne der Bedürfnisse der Endkonsumenten

weiterzuentwickeln, lag der Fokus im zweiten

Halbjahr darauf, die Prozesse und Algorithmen

so zu optimieren, dass die Garagisten

ihre Autos möglichst schnell und unkompliziert

inserieren und im eigenen Login-Bereich

verwalten können.

«Die Rückmeldungen, die wir von den Händlern

erhalten, fallen grundsätzlich positiv aus.

Viele Garagisten sind proaktiv und bringen

Verbesserungsvorschläge an», so Jan Schenker.

Die Inputs wiederum helfen, die Online-

Plattform zu verbessern. «Das Ziel der Garagisten

ist auch unser Ziel: Autos zu verkaufen.»

Dafür wolle man «Car For You» zu einem digitalen

Showroom entwickeln, der sich durch

verschiedene Tools auszeichne und den Händlern

möglichst viele qualifizierte Anfragen generiere.

Da wäre zum Beispiel die 360°-Aussen- und

Innenansicht, die dem potenziellen Käufer

ein neues Sucherlebnis verspricht. So, als

würde er das Fahrzeug vor Ort besichtigen.

«Der Vorteil: Der Nutzer bekommt auf An-

56

Januar 2020 | AUTOINSIDE


HANDEL & AFTERSALES

hieb eine reale Vorstellung vom Auto und ist

dadurch einem möglichen Kaufentscheid bereits

einen Schritt näher», sagt Jan Schenker.

Die 360°-Ansicht sei für Garagisten einfach zu

erstellen. «Keine fünf Minuten und die Fotos

sind gemacht. Das spart dem Garagisten Zeit

und Geld.»

Ein weiteres Merkmal, auf das Jan Schenker

hinweist, ist der Preischeck. Dieser zeigt an,

inwiefern das angebotene Auto dem Marktwert

entspricht. Dabei greift der Algorithmus

auf einen zehnjährigen Datensatz des Schweizer

Automarkts zurück. Heizt das den Preiskampf

nicht an? Jan Schenker verneint und

sagt: «Klar, der Preischeck kann für Garagisten

auch eine Hemmschwelle sein.» Doch viele

Händler würden das Tool befürworten, da

es für Transparenz sorge. «Der Preischeck

zeigt nichts anderes, als was der Nutzer auch

im Internet finden kann», betont er. Auch weise

«Car For You» darauf hin, dass der Preischeck

nichts über die Qualität oder die detaillierte

Ausstattung eines Fahrzeugs aussage

und damit nicht die persönliche Begutachtung

vor dem Kauf ersetze.

Nicht zuletzt gibt es auf «Car For you» eine

Geld-zurück-Garantie. Hierfür müssen sich

die Nutzer kostenlos für das entsprechende

Fahrzeug registrieren. «Wir glauben an die

Qualität der Autos auf ‹Car For You›. Sollte

ein Fahrzeug trotzdem in den ersten 30 Tagen

einen Defekt aufweisen, erhält der Kunde

dank der Geld-Zurück-Garantie den vollen

Kaufpreis von der Axa zurück», erklärt Jan

Schenker.

Auf «Car For You» inserieren kann jeder Garagist:

vom Einmann- bis zum Grossbetrieb.

Damit die angebotenen Fahrzeuge bestmöglich

gesehen werden, rät Jan Schenker den

Betrieben, qualitativ gute Fotos hochzuladen

am besten mit 360°-Ansicht. Denn: «Wir

haben festgestellt, dass solche Inserate zweimal

mehr aufgerufen werden als Inserate mit

klassischen 2D-Fotos.» Auch ruft er dazu auf,

möglichst viele Fahrzeugdaten bekanntzugeben.

«Je besser die Autos präsentiert werden

und je mehr Informationen verfügbar sind,

desto höher sind die Chancen für die Händler,

dass ihre Inserate aufgerufen werden», erklärt

der Head of Sales.

Zu mehr Visibilität sollen auch die neuen

Dienstleistungen verhelfen, die «Car For You»

im nächsten Jahr auf Händlerseite einführen

will. Geplant sind beispielsweise Werbe-Banner

und Top-Listings. «Darüber hinaus arbeiten

unsere Softwareentwickler weiterhin daran,

es den Garagisten so einfach wie möglich

zu machen, ihre Autos wieder in den Aftersales-Markt

zu bringen», sagt Jan Schenker.

Zudem ist vorgesehen, dass auch Private ihre

Fahrzeuge auf der Autoplattform inserieren

können. Künftig will sich «Car For You»als

Nummer eins unter den Schweizer Online-

Fahrzeugmärkten positionieren. Ob dabei

auch neue Mobilitätsangebote hinzukommen

werden, lässt Jan Schenker noch offen: «Sicher

ist aber, die nächsten fünf Jahre werden

super spannend.» <

Weitere Infos unter:

carforyou.ch

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HANDEL & AFTERSALES

Kundenbindung

Guter Service lässt Onlinehandel

im Schatten stehen

In seinem neusten Werk erläutert Falk Hecker, Mitbegründer der Autoplus AG und Referent am «Tag der Schweizer

Garagisten» 2019, wie sich Handels- und Dienstleistungsbetriebe durch exzellenten Service von Onlineshops und von

Mitbewerbern abheben können. Die Tipps sind auch für Garagisten wertvoll. Carla Stampfli

Trotz Onlinehandel Kunden dauerhaft für sich

gewinnen? Für Falk Hecker, Autor und Mitbegründer

der Autoplus AG in Wolfsburg, kein

Problem sofern beim Kundenkontakt auch auf

psychologische, soziologische und philosophische

Aspekte geachtet wird. In seinem neusten

Buch «Crashkurs Service-Exzellenz. So heben

Sie sich durch herausragenden Service vom Onlinehandel

ab» geht Falk Hecker der Erkenntnis

auf die Spur, wonach die zwischenmenschlichen

Beziehungen an Bedeutung gewinnen, je

anonymer sich das Wirtschaftsgeschehen durch

virtuelle Service-Konzepte entwickelt.

«Wenn wir dann nämlich auf einen Menschen

treffen, besteht die grosse Chance, sich über

den persönlichen Service von Onlineanbietern

positiv abzugrenzen, oder, noch weitergehend

formuliert, sich über Service zu positionieren»,

schreibt Falk Hecker, der am letztjährigen «Tag

der Schweizer Garagisten» über Aftersales-Service

im Zeitalter der digitalen Transformation

referierte. Ware sei austauschbar Menschen,

die aussergewöhnlichen Service bieten, dagegen

nicht.

Das Buch, das knapp über 200 Seiten beinhaltet,

enthält eine Vielzahl an Tipps und praktischen

Werkzeugen, mit denen sich Mitarbeitende

in der Dienstleistungsbranche und im

Verkauf somit auch Garagisten positiv von

Mitbewerbern abheben können. Falk Hecker

bedient sich unter anderem Beispielen aus der

Autobranche und erzählt von seinen eigenen

Erfahrungen.

Der Autor hat sein Werk in sechs Abschnitte

gegliedert: Wertschätzung, Kommunikation,

Motivation, Persönlichkeit, Organisation und

Transformation. Falk Hecker zeigt den Leserinnen

und Leser beispielsweise auf, dass guter

Service auf Augenhöhe stattfindet und aus

Liebe zum Detail entsteht. Er legt ihnen ans

Herz, Kundinnen und Kunden mit Namen anzusprechen

und sie regelmässig zu informieren,

wie lange sie noch auf ihre Leistung warten

müssen. «Zeigen, bieten, erzählen, machen

Sie irgendwas, womit der Kunde nicht rechnet»,

schreibt Falk Hecker weiter. Er erklärt nicht nur,

was eine gute Begrüssung ausmacht, sondern

führt vor Augen, dass Kundenbeschwerden

die beste Unternehmensberatung sind und ein

Preisnachlass ohne Gegenleistung langfristig zu

nachhaltigen Ertragseinbussen führt. Nicht zuletzt

gibt er Tipps, wie Mitarbeitende ihr Auftreten

verbessern und sie bei neuen Kontakten

rasch die Sympathien potenzieller Kunden für

sich gewinnen können.

Das Buch «Crashkurs Service-Exzellenz. So

heben Sie sich durch herausragenden Service

vom Onlinehandel ab» ist unter anderem beim

Springer-Gabler-Fachverlag und bei Orell Füssli

erhältlich. Neben seinem Mandat als Vorsitzender

des Aufsichtsrates der Autoplus AG

ist Falk Hecker als Berater, Referent und Mitglied

in weiteren Ausschüssen und Beiräten tätig.

Darüber hinaus ist er Lehrbeauftragter und

Honorarprofessor an der Ostfalia Hochschule

für angewandte Wissenschaften am Campus

Wolfsburg mit den Schwerpunkten Unternehmensführung

in der Automobilwirtschaft sowie

Wirtschafts- und Unternehmensethik. <

Falk Hecker war Referent am «Tag der Schweizer

Garagisten» 2019.

Zehn wichtige Erkenntnisse

aus «Crashkurs Service-

Exzellenz. So heben Sie sich

durch herausragenden Service

vom Onlinehandel ab»

1. «Anonymität schafft Distanz, nicht nur

in Nachbarschaft und in Gesellschaft,

sondern vor allem auch durch das Internet.

Sorgen Sie daher für eine persönliche

Atmosphäre. Sprechen Sie Ihre Kunden mit

Namen an.»

2. «Zeigen, bieten, erzählen, machen Sie

irgendwas, womit der Kunde nicht rechnet.»

3. «Der Kunde soll mindestens doppelt so viel

reden wie Sie. Ihre Aufgabe ist es, mithilfe

von Fragen das Gespräch zu steuern.» (...)

«Durch gutes Zuhören finden wir heraus,

was unser Gegenüber wirklich will. Je

länger der Redeanteil des Kunden ist, desto

netter und klüger wird der Serviceberater

eingeschätzt.»

4. «Geben Sie jedem Kunden nach seiner

Kaufentscheidung ein gutes Gefühl. Bestätigen

Sie ihm ausdrücklich, eine gute

Wahl getroffen zu haben.»

5. «Denken Sie in Momenten der Konfrontation

durch den Kunden daran, dass es Ihr Job

ist und Ihr Gegenüber Sie gerade dafür

bezahlt, dass Sie ihm Gehör schenken!»

6. «Mit Empathie bekommen Sie den Zugang

zum Kunden, selbst wenn Sie in der

Sache anders denken sollten.»

7. «Service-Exzellenz ist nicht der grosse

Wurf, bei dem es einen Master-Plan für den

Erfolg gibt, sondern entsteht aus Liebe zum

Detail. Es sind die vermeintlichen Kleinigkeiten,

die am Ende ein stimmiges Ganzes

ergeben.»

8. «Respektieren Sie die Zeit Ihrer Kunden

ganz besonders und halten Sie vereinbarte

Termine unbedingt ein!»

9. «Engagieren Sie sich, seien Sie vor allem

offen für technologische Innovationen

und beschäftigen Sie sich aktiv mit neuen

Geschäftsfeldern. Binden Sie die neuen

digitalen Instrumente sukzessive in ihren

Serviceprozess mit ein und nutzen Sie

die Digitalisierung, um die Beziehung zu

Ihren Kunden zu intensivieren.»

10. «Service-Exzellenz im digitalen Zeitalter

bedeutet im Wesentlichen, die Bedürfnisse

des Kunden durch sein bisheriges Verhalten

vorauszuberechnen (zu antizipieren).»

58

Januar 2020 | AUTOINSIDE


HANDEL & AFTERSALES

Serie Werkstatt der Zukunft, Teil 6 (Ende)

Die Kommunikation

ist entscheidend

Der Abschluss der Serie über die Projektarbeit der Universität St. Gallen (HSG) ist gleichzeitig auch der chronologische

Abschluss des Werkstattprozesses. Auch im Bereich Zusatzleistungen und Auftragsabschluss wurden die vier

Studierenden fündig. Sandro Compagno

Natürlich leisten auch beim Auftragsabschluss

die ganzheitlichen Software-Systeme

ihre Dienste, die den gesamten Werkstattprozess

abbilden. Hier verweist die Projektgruppe

der HSG beispielhaft auf Stieger Software,

die eine innovative, kompakte Softwarelösung

inklusive individueller Konfiguration für jegliche

Betriebsgrössen anbietet. Die Leistungen

reichen von A wie Annahme-App bis Z wie

Zeiterfassung. Auf Microsoft-Standard ausgerichtet,

verspricht Stieger Software eine «maximale

Zukunftssicherheit und eine mühelose

Bedienung».

Eine Vereinfachung der Kommunikation zwischen

Werkstatt, Kunden-Support und Kunde

bringt «AudaWatch» von Solera Audatex.

Das Modul bietet dem Reparateur die Möglichkeit,

die einzelnen Reparaturprozesse

eines Fahrzeugs mit Fotos zu dokumentieren

und die Länge des Prozessschritts anzugeben.

Dem Autobesitzer können diese Informationen

ganz einfach über automatisierte Services

zur Verfügung gestellt werden (via E-Mail oder

SMS). Der Kunde kann die Reparatur seines

Autos sehr detailliert online mitverfolgen

und wird laufend über den Stand informiert

sofern er dies wünscht. Änderungen im

Fertigstellungstermin werden ihm automatisch

mitgeteilt.

Auch Fahrzeugscanner und Videocheck sind

Werkzeuge, die im Auftragsabschluss wie in

verschiedenen weiteren Werkstattprozessen

zum Einsatz kommen.

Ist der Auftrag abgeschlossen, muss er auch

fakturiert werden. Hier stehen insbesondere

kleineren und mittleren Unternehmen lizenzfreie

Open-Source-Lösungen zur Verfügung.

Als Beispiel nennt die Projektgruppe

den «SQL-Ledger». Die Buchhaltungslösung

benötigt lediglich einen Webbrowser. Alle wesentlichen

Vorgänge einer Buchführungssoftware

wie das Erstellen von Kontoauszügen,

Quittungen, Rechnungen oder Berichten werden

durch die Open-Source-Software zur Verfügung

gestellt. <

Serie: Autowerkstatt

der Zukunft

Von der Terminvereinbarung über die Reparatur

des Fahrzeugs bis zum Versand der Rechnung:

Werkstattprozesse laufen überall in etwa

gleich ab. Doch neue Technologien haben das

Potenzial, diese Prozesse zu vereinfachen und

zu beschleunigen. Fabienne Rudolf, Michèle

Odermatt, Pascal Inauen und Sophie Stopp

haben sich im Rahmen einer Projektarbeit der

Uni St. Gallen mit den Prozessen in einer Autowerkstatt

und mit digitalen Technologien beschäftigt

und konkrete Ideen für eine Autowerkstatt

der Zukunft entworfen. Federführend beim

AGVS war der Bereich Branchenvertretung,

die Leitung seitens HSG hatte Professor Andrea

Back vom Institut für Wirtschaftsinformatik.

AUTOINSIDE berichtete in einer sechsteiligen

Serie über die Resultate der Arbeit. Die Serie

ist online zu finden auf: agvs-upsa.ch/dienstleistungen/werkstatt-der-zukunft.

Ende der Serie

AUTOINSIDE | Januar 202059


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Bezugsquellen für das Autogewerbe

Im AVGS-Bezugsquellenverzeichnis empfehlen sich führende Zulieferbetriebe des Schweizer Autogewerbes und

präsentieren ihre Dienstleistungen und Produkte. Crossmedial und übersichtlich nach Produktkategorien gegliedert.

Elfmal im Jahr im AUTOINSIDE sowie parallel während des ganzen Jahres auf agvs-upsa.ch finden Garagen und

betriebsinterne Fahrzeugwerkstätten in der Schweiz hier vieles, was sie in ihrem betrieblichen Alltag benötigen.

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Januar 2020 | AUTOINSIDE


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AUTOINSIDE | Januar 202061


VERBAND & SEKTIONEN

Interview mit Andri Zisler, AGVS-Zentralvorstand

«Ich kann meine Meinung

sagen, ohne politisch

korrekt sein zu müssen»

20 Jahre lang war Andri Zisler selbstständiger Garagist in Chur. Seit eineinhalb Jahren ist der Präsident der AGVS-Sektion

Graubünden im Zentralvorstand. Ein Gespräch über Garagenatmosphäre, die Zukunft der kleinen und mittleren Garagenbetriebe

und den Luxus, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Sandro Compagno

Herr Zisler, Sie führten 20 Jahre lang mit

grossem Erfolg eine BMW-Garage in Chur.

Wieso hatten Sie sich damals entschieden,

dem AGVS beizutreten?

Andri Zisler, AGVS-Zentralvorstand: Als

ich den BMW-Betrieb übernahm, war dieser

bereits Mitglied des AGVS. Ganz ehrlich: Zu

dieser Zeit hatte ich noch keine Ahnung, was

der AGVS überhaupt für ein Verband ist und

was er für die Schweizer Garagisten tut. Erst

allmählich habe ich dann erfahren, weshalb

wir diesen Verband dringend brauchen.

stellt: Probefahrtformulare oder Haftungsausschluss

beispielsweise. Diese Dokumente

stehen jedem Mitglied auf der AGVS-Website

zum Download bereit.

Und wie erleben sie den Verband heute

als Mitglied im Zentralvorstand?

Die Zeit als Vorstand im Kanton Graubünden

wie heute als Präsident dieser Sektion

waren schon sehr aufschlussreich. An unserer,

für mich ersten Klausurtagung im letzten

Jahr wurde mir aber erst recht bewusst, wie

umfangreich die Arbeit des AGVS überhaupt

ist. Auch wenn die Ausbildung und Weiterbildung

noch immer sehr zentrale Punkte sind,

so sind sie doch nur zwei Zahnräder der gesamten

Tätigkeit. In der Zwischenzeit kenne

ich nun alle Dienstleistungen und kann mich

Wie nahmen Sie den AGVS in diesen

20 Jahren als Mitglied wahr?

Ich wusste, dass er für die Ausbildung verantwortlich

ist und unseren jungen Berufsleuten

das Rüstzeug für die Zukunft mitgibt.

2006 kam der damalige Präsident der Bündner

AGVS-Sektion auf mich zu, um mich für den

Vorstand zu gewinnen. Erst ab diesem Zeitpunkt

habe ich mich intensiv mit den Tätigkeiten

des Verbands auseinandergesetzt.

Hat sich dieses Bild in dieser Zeit gewandelt?

Ja klar, ganz wesentlich sogar. Mit jedem Monat

und Jahr als Mitglied des Vorstandes erhielt

ich weiteren Einblick in die Tätigkeit.

Erst damals wurde mir bewusst, wieviel dieser

Verband für seine Mitglieder eigentlich

unternimmt und bereithält. Hätte ich dies in

den ersten Jahren als Garagist schon gewusst,

hätte ich viel mehr auf das Sammelsurium an

Dienstleistungen zurückgegriffen, vieles wäre

mir dadurch erspart geblieben.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich denke da vor allem an rechtliche Fragen:

Wir haben viele Formulare selbst kreiert, die

der AGVS seinen Mitgliedern zur Verfügung

Andri Zisler ist seit eineinhalb Jahren im Zentralvorstand des AGVS.

62

Januar 2020 | AUTOINSIDE


VERBAND & SEKTIONEN

auch entsprechend einbringen. Aber wie erwähnt:

Es hat über ein Jahr gebraucht, bis es

soweit war.

Welche Ziele verfolgen Sie als Unternehmer

im Zentralvorstand?

Da ich keine eigene Garage mehr besitze, kann

ich frei von der Leber sprechen. Ich muss keine

Konsequenzen eines Herstellers oder Importeurs

befürchten. Ich stamme aus einer

Randregion. Daher ist es für mich wichtig,

dass wir uns für alle Garagen einsetzen und

da gehören kleine und mittelgrosse Betriebe

ganz klar dazu. In unserem Kanton ist die

Mehrzahl der Garagen ohne Markenvertretung

und bedient die Kunden in den Talschaften,

ihnen gilt es besonders Sorge zu tragen.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten

dieser kleineren Betriebe angesichts der

Dynamik in der gesamten Autoindustrie?

In unserem Kanton mit 150 Tälern sind sie

enorm wichtig. Das Auto wird hier noch lange

das wichtigste Transportmittel sein, denn

nur damit können diese Talschaften richtig

bedient werden. Und genauso wichtig ist für

die Kunden, dass sie in ihrem Tal auch einen

eigenen Garagisten haben. Die Arbeit wird

für diese sicherlich nicht weniger, was jedoch

nicht bedeuten soll, dass sich diese nicht verändert.

Auch auf diese Garagen kommen Veränderungen

zu, die sie aber mit Bestimmtheit

meistern werden.

Welche Perspektiven sehen Sie für das

Schweizer Autogewerbe als Ganzes?

Es wird spannend und herausfordernd zugleich.

Mit den neuen CO 2

-Richtwerten sind

alle Hersteller und Importeure gefordert. Es

wird weitere Konsolidierungen geben. Diese

sind sicher auch nötig angesichts der anstehenden

Investitionen, allein schon durch die

Elektromobilität. Die Technologie wird sich

verändern und auch das Mobilitätsverhalten.

Vielleicht muss man das Fahrzeug nicht mehr

zwingend selbst besitzen, sondern teilt sich

ein solches. Für den Garagisten heisst dies,

sich ebenfalls zu wandeln. Aber auch diese

Fahrzeuge müssen, gewartet, repariert und gereinigt

werden. Ich bin überzeugt, dass in Zukunft

nicht weniger, sondern mehr Kilometer

mit dem Auto zurückgelegt werden.

Wie kann sich der Garagist von heute auf

eine Zukunft vorbereiten, die derzeit wie

eine Gleichung mit vielen Unbekannten

aussieht?

Wichtig scheint mir, dass er sich Neuem nicht

verschliesst. Er muss offen sein, für das was

auf ihn zukommt. Er muss neue Geschäftsfelder

erkennen und seine Dienstleistung dahingehend

anpassen. Hier gibt es bereits einige

sehr gute Beispiele, die dies für ihren Betrieb

bereits sehr erfolgreich umgesetzt haben.

Konkret?

Wir hatten kürzlich eine Sitzung mit der

Untersektion Engadin. Ein Garagist aus der

Region hat seinen Betrieb verkleinert und in

einem Teil der Werkstatt eine coole Event-Location

eingerichtet. Ich kenne auch Beispiele

von Garagisten, die sich dem Segment der

Wohnmobile widmen, Auf- sowie Umbauarbeiten

durchführen. Daneben bieten sie weiterhin

klassische Dienstleistungen für PW an.

Wenn man von neuen Märkten spricht, muss

nicht immer die Elektromobilität gemeint

sein auch der Bereich Camping und Wohnmobile

ist ein neuer und vor allem wachsender

Markt.

Sie hatten eine erfolgreiche Garage mit rund

30 Mitarbeitenden. Warum haben Sie Ihren

Betrieb verkauft?

Nach über 30 Jahren bei derselben Marke

habe ich erkannt, dass es Zeit wird, den Betrieb

für die Zukunft richtig aufzustellen. Für

die nächsten paar Jahre wäre es, wie in der

Vergangenheit auch, bestimmt noch weiter gegangen.

Die Investitionen für die Zukunft

und da meine ich nicht nur eine Zukunft von

drei bis fünf Jahren wären aber so hoch gewesen,

dass es immer schwieriger geworden

wäre. Daher war es für mich naheliegend, den

Betrieb in eine Gruppe zu führen, sodass möglichst

viele Synergien ausgenutzt werden können.

Damit wird es künftig möglich sein, das

grosse Investitionsvolumen auf die einzelnen

Betriebe zu verteilen.

Vermissen Sie die Garagen-Atmosphäre

heute?

Natürlich vermisse ich diese. Durch den Verband

und die vielen guten Kollegen aus der

Vergangenheit bleibe ich aber immer noch verbunden

und spüre so bei meinen Besuchen

immer noch dieselbe Atmosphäre.

Was hat Ihnen als Garagist am meisten

Freude bereitet?

Natürlich die Mitarbeiter. Klar gibt es auch

hier nicht immer nur «eitel Sonnenschein»,

aber die Mitarbeiter sind es, die einem Betrieb

erst Leben einhauchen. Nur durch sie kann

auch der Rest spielen. Mit guten Mitarbeitern

hat man es überall leichter. Dann macht

einem alles mehr Freude als Garagist, und als

Folge stellt sich auch der Erfolg beinahe von

allein ein.

Die deutschen Hersteller starten gerade

eine E-Offensive. Auch BMW führt Elektrofahrzeuge

im Sortiment. Werden die Deutschen

den Rückstand auf Tesla, Renault

und Nissan wettmachen können?

Das Automobil ist in Deutschland der wichtigste

Industriezweig überhaupt. Die Deutschen

werden alles daransetzen, hier nicht in

Rückstand zu geraten. Die neue Offensive, die

sie nun fahren, zeigt, wie weit sie schon sind.

Daher bin ich überzeugt: Sollte noch ein kleiner

Rückstand bestehen, wird dieser zeitnah

geschlossen. Die deutsche Autoindustrie wird

auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen.

Was fahren Sie?

Ich bin natürlich meiner Marke treu geblieben

und fahre wie in Vergangenheit auch einen

BMW X5.

Als Sie vor anderthalb Jahren in den ZV

gewählt wurde, sagten Sie in AUTOINSIDE,

Sie müssten «niemandem mehr gefallen».

Wie äussert sich diese neue Freiheit?

Ich muss keinen Importeur mehr «fürchten».

Es ist natürlicher viel einfacher, ehrlich

die Meinung zu sagen, ohne immer politisch

hoch korrekt sein zu müssen. Aber natürlich

gilt dies auch als Verbandspräsident im Kanton.

Es kann mir niemand vorwerfen, dass ich

nur auf mich oder meinen Betrieb achte. Ich

bin unabhängig und kann mir so frei von jeglichen

Verpflichtungen meine Meinung bilden

und diese auch vertreten. <

AUTOINSIDE | Januar 202063


VERBAND & SEKTIONEN

Porträt Gaetano Gentile, AGVS-Kundenberater

Mit Enthusiasmus im

Dienste der Garagisten

Über 30 Jahre lang war AGVS-Kundenberater Gaetano Gentile im Autogewerbe tätig. Nun geht er in Pension. Im Gespräch

mit AUTOINSIDE erzählt der Tessiner über die Freuden und Sorgen der Garagisten und weshalb das Autogewerbe ihn so

schnell nicht loslassen wird. Carla Stampfli

Gaetano Gentile mit seinem Dienstwagen am Hafen von Lugano.

Bis zu 55 000 Kilometer pro Jahr legte er damit zurück.

64

Januar 2020 | AUTOINSIDE


VERBAND & SEKTIONEN

«Der Kontakt zu den Garagisten wird mir fehlen»: Über 30 Jahre lang war Gaetano Gentile im Automobilgewerbe tätig. Nun setzt er sich zur Ruhe.

Wenn Gaetano Gentile nach seinem schönsten

Erlebnis gefragt wird, dann antwortet er:

«Jeder Arbeitstag gibt mir etwas, an das ich

mich gerne erinnere.» Der 64-Jährige sitzt an

einem Tisch im Restaurant «Capo San Martino»

in Lugano und geniesst die Aussicht über

den Luganersee. Für Gaetano Gentile ein seltener

Moment, verbringt er doch sonst viel Zeit

im Auto. Bis zu 55 000 Kilometer pro Jahr legt

er als AGVS-Kundenberater im Aussendienst

für die Regionen Tessin, Graubünden, Uri und

Oberwallis zurück.

In Kürze wird Gaetano Gentile aber nicht

mehr mit seinem Dienstwagen, einem Ford

Mondeo Kombi, unterwegs sein: Im Februar

setzt er sich zur Ruhe. Mit der Pension geht

für ihn eine über 30-jährige Berufskarriere im

Automobilgewerbe zu Ende. Gaetano Gentile

blickt mit Freude auf die Zeit zurück, insbesondere

auf die letzten drei Jahre als Kundenberater

beim AGVS.

«Der Kontakt zu den Garagisten wird mir

fehlen», sagt er und lächelt. Sich nach ihren

Freuden und Sorgen erkundigen, ihre Bedürfnisse

herausfühlen, Anregungen und Fragen

entgegennehmen, sie über die Dienstleistungen

des AGVS und seiner Partner informieren:

Die Beratungs- und Coaching-Funktion mochte

und lag Gaetano Gentile sehr. Rund 490

Garagenbetriebe gehören zu seinem Einzugsgebiet.

Ein Gebiet, das von der Anzahl Werkstätten

zwar das kleinste, von der Fläche aber

das weitläufigste der insgesamt fünf AGVS-

Kundenberater ist. «Die langen Distanzen setzen

mir nicht zu», erzählt Gaetano Gentile. Im

Gegenteil: Die Autofahrten nutzt er nicht nur,

um sich mental auf die Besuche vorzubereiten,

sondern auch, um im Anschluss die Gespräche

zu verarbeiten. «Dabei überlege ich

mir immer, wie wir die Garagisten noch besser

unterstützen können.»

Ein Thema, das bei seinen Besuchen häufig

angesprochen werde, sei der Mangel an

Fachkräften. «Damit haben viele Betriebe zu

kämpfen. Entweder, weil Werkstätten ihre

Stellen nicht besetzen können oder weil ihre

Mitarbeiter in andere, besser bezahlte Branchen

abwandern», erklärt Gaetano Gentile.

Positiv an dieser Situation sei, dass zahlreiche

Betriebe in die Aus- und Weiterbildung

investieren. Ein weiterer Aspekt, der die Garagisten

beschäftigt, sei die Administration.

«Der Aufwand ist enorm gewachsen. Das bekommen

insbesondere die kleinen Betriebe

zu spüren, von denen es in meinem Zuständigkeitsgebiet

viele gibt», sagt er. Ein Garantiefall

beispielsweise könne Stunden in Anspruch

nehmen Stunden, die gleichzeitig

auch in der Werkstatt selber benötigt würden.

«In solchen Fällen ist es unsere Aufgabe,

die Mitglieder mit den benötigten Informationen

zu versorgen und sie bei spezifischen Anliegen

an die richtigen Partner zu verweisen.»

Das könne zum Beispiel der Händlerverband

sein oder die Figas Autogewerbe-Treuhand

der Schweiz AG. Trotz aller Herausforderungen:

Die Stimmung unter den Garagisten sei

gut, betont Gaetano Gentile. «Sie blicken zuversichtlich

in die Zukunft!»

Ursprünglich hatte er Maschinenzeichner gelernt,

doch zog es Gaetano Gentile schon kurze

Zeit später ins Autogewerbe. Vom Kanton

Zürich, wo er seine Jugend und seine ersten

Berufsjahre verbracht hatte, ging er Mitte 20

ins Tessin, wo eine Niederlassung für Wirtschaftsauskünfte

aufbaute. Dabei kam er mit

dem Leasinggeschäft in Berührung. Davon

fasziniert, kümmerte er sich fortan um die

Finanzierung von Fahrzeugen. In den frühen

1990er-Jahren wechselte er zu Emil Frey, wo

er für verschiedenste Bereiche zuständig war,

vom Occasions- über den Flottenverkauf bis

hin zum Markenchef. Schliesslich zwangen

ihn Rückenprobleme im Jahr 2014, beruflich

kürzer zu treten und eine langwierige Physiotherapie

zu besuchen. Obwohl es ihm danach

viel besser ging, studierte er bereits an einer

Frühpensionierung herum. «Eines Tages erhielt

ich einen Anruf von einem ehemaligen

Arbeitskollegen, der mich auf die freie Stelle

als AGVS-Kundenberater hinwies», erinnert

sich Gaetano Gentile. Er zögerte nicht lange,

bewarb sich und war schon bald im Dienst

der Garagisten unterwegs.

Nun ist der Moment der «offiziellen» Pensionierung

gekommen. Gaetano Gentile freut sich

darauf, dass er bald mehr Zeit für sich und

seine Frau haben wird. Gemeinsam möchten

sie die Schweiz und das nahe Ausland bereisen

und mehr Zeit auf ihrem Boot verbringen.

Dem Autogewerbe wird Gaetano Gentile

so schnell aber nicht den Rücken kehren, zu

stark ist die Bindung. «Ich habe viele schöne

Momente erlebt, Trends kommen und gehen

sehen, Veränderungen miterlebt», sagt Gaetano

Gentile. Zu denen zählt er beispielsweise

die Ansprüche und Bedürfnisse der Kunden,

die gewachsen sind, der Margendruck, der

zugenommen hat, die Vorgaben der Hersteller

und Importeure, die gestiegen sind, oder

die Technologien, die sich stetig weiterentwickeln.

«Das Autogewerbe ist im stetigen

Wandel und gerade deshalb so spannend», betont

er.

Seinen Enthusiasmus möchte er auch in Zukunft

weitergeben. Er kann sich vorstellen, in

einem Teilmandat weiterhin für den Schweizer

Garagistenverband unterwegs zu sein. <

AUTOINSIDE | Januar 202065


UMFRAGE DES MONATS

WELCHEN EINFLUSS

WERDEN DIE

CO 2

-BUSSEN AUF IHR

GESCHÄFT HABEN?

Schweizer Autoimporteure müssen nach

ersten Schätzungen für das Jahr 2019

zwischen 50 und 80 Millionen Franken

CO 2

-Bussen bezahlen. Gefragt nach dem

Einfluss der Bussen für die Garagisten, sind

Umfrageteilnehmer wenig zuversichtlich.

66 Prozent geben an, dass sie künftig eine

kleinere Marge erwarten. Und 21 Prozent

glauben, dass sie in Zukunft weniger Autos

verkaufen werden. Lediglich 13 Prozent

erwarten keine negativen Einflüsse.

(Stand: 13. Dezember 2019)

13 %

Ich erwarte

keine negativen

Einflüsse

66 %

Unsere Marge wird kleiner.

21 %

Wir werden weniger

Autos kaufen.

VORSCHAU AUTOINSIDE-AUSGABE 2 FEBRUAR 2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Februar 2020 mit folgenden Schwerpunktthemen:

So war der «Tag der Schweizer

Garagisten»

Referate, Köpfe, Impressionen: Der «Tag der

Schweizer Garagisten» vom 14. Januar soll die

Teilnehmer inspirieren. AUTOINSIDE blickt auf

die Tagung zurück.

So präsentiert sich die ESA

an der GIMS

Ein neuer Standort und ein neues Konzept:

Die ESA zügelt am Auto-Salon in die Halle 1.

ESA-CEO Giorgio Feitknecht erklärt das neue

Konzept.

Den Occasionenbestand

erfolgreich managen

Im Schwerpunktthema «Occasionen» beleuchtet

AUTOINSIDE unter anderem Online-

Plattformen, die sich für das Management des

Occasionenbestands eignen.

Das auflagenstärkste Fachmagazin für die Schweizer Garagisten

93. Jahrgang. 11 Ausgaben in deutscher und französischer Sprache.

WEMF-beglaubigte Auflage per September 2019: 12760 Exemplare, davon 9664 in Deutsch, 3096 in Französisch.

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Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS)

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Carla Stampfli (cst, Redaktorin Mobilität)

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Januar 2020 | AUTOINSIDE


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