architektur Fachmagazin Ausgabe 1 2021

architekturonline.com

Die erste Ausgabe von architektur in 2021 widmet sich als Schwerpunkt Projekten, bei denen bestehende Strukturen in neue Architekturkonzepte zu integrieren waren. Zweifelsfrei handelt es sich bei derartigen Aufgaben um eine Königsdisziplin im Architekturschaffen. Wie viel an besonderem Erfahrungsschatz und Feingefühl für das Gelingen stimmiger Gesamtkonzepte aber erforderlich ist, zeigen die unterschiedlichen Beispiele auf den folgenden Seiten.

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

01

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Februar 2021

Bauen im

Bestand


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3

Editorial

Bauen im Bestand

Die erste Ausgabe von architektur in 2021 widmet sich als

Schwerpunkt Projekten, bei denen bestehende Strukturen

in neue Architekturkonzepte zu integrieren waren. Zweifelsfrei

handelt es sich bei derartigen Aufgaben um eine

Königsdisziplin im Architekturschaffen. Wie viel an besonderem

Erfahrungsschatz und Feingefühl für das Gelingen

stimmiger Gesamtkonzepte aber erforderlich ist, zeigen die

unterschiedlichen Beispiele auf den folgenden Seiten.

In der Rubrik Architekturszene setzen wir uns mit dem Handwerk

und der Architektur im Bregenzerwald und der ganz speziellen,

regionalen Verbindung dieser Professionen auseinander.

Die daraus resultierende Architektur gilt als „anders“ und zeigt

viele recht mutige und einzigartige Kombinationen von Bestand

und Neubau.

Ein Projekt, bei dem Licht und Beton verschmelzen, ist das Gemeindezentrum

in Gaiberg. Kernstück des städtebaulichen Außenraumprojekts

ist ein offener Raum mit einer spektakulär gefalteten

Sichtbetondecke. Ein spezielles Lichtprojekt, das wir in

unserem Bericht in der Licht-Rubrik im Detail ergründen, lässt in

diesem speziellen Raum eine einmalige Atmosphäre entstehen.

In der Gastro-Architektur führt uns diese Ausgabe u. a. in das

glückliche Cafe in Paris. Als Pop-up-Cafe konzipiert ist es den

Architekten auf kleinster Fläche gelungen, einen besonderen

Ort der Begegnung und der Beschäftigung zu schaffen. Ein in

mehrfacher Hinsicht sehenswertes Projekt.

Auf den EDV-Seiten bieten wir diesmal eine Übersicht über den

IT-Bereich der BAU Online 2021. Von den insgesamt 247 Ausstellern

(2.250 waren es bei der letzten Präsenzmesse) war

der IT-Bereich mit 50 Unternehmen vertreten, was eine gute

Übersicht über dieses Segment ermöglicht. In zahlreichen Online-Präsentationen,

Webinaren und Video-Chats konnte man

sich im Jänner bequem und Corona-sicher vom Büro oder heimischen

Sofa aus über Software-Neuerungen und neueste IT-

Trends informieren. Das Wesentlichste daraus in diesem Heft.

Abgerundet wird der Heftinhalt wie gewohnt mit einem Artikel

aus der Rubrik „Bau & Recht“. Und die ausgewählten Produktvorstellungen

– allesamt möglichst anhand praktischer Beispiele

demonstriert – vervollständigen den Informationsgehalt und

werden Sie bei Ihrem Schaffen praktisch unterstützen.

Viel Vergnügen wünscht

Walter Laser

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Architekturszene 06

Das Handwerk der Moderne

Magazin 10

Bau & Recht 18

Respektvolle Annäherung 20

Burg Helfštýn /

Týn nad Bečvou, Tschechien /

atelier-r

Öffentlicher Innenraum 26

Aberdeen Art Gallery /

Aberdeen, Schottland /

Hoskins Architects

Vom Nylonstrumpf 34

zur Bürolandschaft

KB Gebäude / Arnhem /

HofmanDujardin, Schipper Bosch

Aus zwei mach eins 40

MCR2 / Belmonte /

Filipe Pina Arquitectura

Plan B für ein 46

Mehrfamilienhaus

Haus Surmann / Münster /

Architekten Spiekermann

Zart & hart 52

WOHNUNG SCH52 / Berlin /

BATEK ARCHITEKTEN

Restaurant- & Bararchitektur 58

Licht 64

Produkt News 66

edv 94

BAU Online: Software frei Haus

20 26

34 40

46

52

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at)

REDAKTION mag. arch. Peter Reischer, Alexandra Ullmann, DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner, DI Marian Behaneck, Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger, Mag. Matthias Nödl

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 94,- / Ausland: € 115,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 64,- / Ausland: € 91,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ:

Geschäftsführer: Silvia Laser Gegenstand des Unternehmens: Der Verlag und die Herausgabe von periodischen Druckschriften aller Art, insbesondere von Zeitungen und Zeitschriften;

Gesellschafter: Silvia Laser mit einer Beteiligung von 50%. Ing. Walter Laser mit einer Beteiligung von 50%; Richtung der Zeitschrift: Architektur Fachmagazin mit aktuellen Informationen über die Architekturszene

in Österreich und international, sowohl den Hochbau als auch die Innenarchitektur, das Design und die Haus- und Bautechnik betreffend.

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architektur FACHMAGAZIN

6

Architekturszene

© Florian Holzherr

Werkraumhaus

Das Handwerk

der Moderne

Die Architektur im Bregenzerwald gilt als „anders“ – ja fast schon mutig sind

die einzigartigen Kombinationen aus Alt und Neu. Viel Holz und ein auffallend

moderner Baustil prallen hier gekonnt aufeinander. Pensionen, Hotels und Bauernhöfe

existieren nebeneinander, wobei einige der Gebäude in den letzten Jahren

komplett neu gebaut oder renoviert wurden. Mit Feingefühl integrierten die Planer

Holz in die Neubauten, sodass diese trotz ihres innovativen Designs mit einem

regionalen Charakter überzeugen.

Text: Dolores Stuttner

Nicht nur in der Baukunst, sondern auch im

Handwerk fällt das gekonnte Zusammenspiel

aus Tradition und Moderne auf. Planer

schufen hier im Laufe der letzten Jahrzehnte

ein schönes, genuss- und kunstvolles

Ortsbild. Damit ist der Bregenzerwald ein

Musterbeispiel für sensible Innovation im

ländlichen Raum.

Werkraumhaus

© Ralph Feiner

Tradition als Inspiration

In der ländlich geprägten Region Vorarlbergs

leben an die 32.000 Menschen in 24

Gemeinden. Vielseitig und weitläufig ist

allein die Geografie des Bregenzerwalds,

die Wälder, weitläufige Täler und Gebirge

beinhaltet. Die Gegend ist heute also kein

reines Waldgebiet mehr – trotzdem hat

Holz in der Baukunst nach wie vor einen

hohen Stellenwert. Historische Holzbauten

© Ralph Feiner


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Architekturszene

© Marion Hirschbühl © Marion Hirschbühl

Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg

Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg,

Ausstellungsansicht „das Beste. Ein Blick in die Sammlung“

prägen das Ortsbild der Gemeinden. Doch

nicht nur die charakteristischen, traditionsbehafteten

Wohnbauten zieren die Region.

Mittlerweile säumen die Straßen der Region

auch prägnante Bauwerke, wie das bemerkenswerte

Werkraumhaus des Schweizer

Architekten Peter Zumthor. Das Gebäude

errichtete er mit der Unterstützung lokaler

Handwerker, die dieses heute auch nutzen.

Ihnen dient das Haus in Andelsbuch

als Schauraum, in dem sie Besuchern die

Handwerkskunst des Bregenzerwalds näherbringen.

Hier können sich interessierte

Personen unter anderem über die Herstellungsprozesse

von Möbelstücken aus dem

Bregenzerwald informieren. Die vielschichtige,

geschichtsträchtige Disziplin lässt

sich damit aus nächster Nähe erleben.

Der 2013 errichtete Glasbau ist minimalistisch

gehalten. Blicke zieht er unter anderem

mit seinem schwarzen, ausladenden

Holzdach auf sich. Kennzeichnend für den

Bau ist zudem die Glasfront. Sie gewährt

Einblicke in die sogenannte „Bühne fürs

Handwerk“, wobei das weitläufige und

gleichzeitig minimalistische Design zahlreiche

Nutzungsmöglichkeiten gewährleistet.

Eine Halle mit 700 Quadratmetern Fläche

ist das Herzstück des Werkraumhauses

– sie ist aufgrund ihrer großzügigen Gestaltung

flexibel bespielbar und bietet ausreichend

Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Durch diese Eigenschaften

ist die Einrichtung Versammlungsort und

Schauraum zugleich.

Eine weitere Würdigung der Bregenzerwälder

Kultur und Geschichte ist das Angelika

Kauffmann Museum in Schwarzenberg. Dieses

gewährt Einblicke in die Wohnkultur der

Region im 19. Jahrhundert, während gleichzeitig

die Werke der namensgebenden

Künstlerin präsentiert werden. Neben den

Ausstellungen ist auch das Bauwerk selbst

ein Stück Vorarlberger Geschichte. Dietrich

Untertrifaller Architekten realisierten in

einem denkmalgeschützten Bauernhof in

Holzbauweise den Umbau des Wirtschaftstraktes.

In diesem Teil des sogenannten

„Wälderhauses“ brachten sie das Kunstmuseum

unter – das Heimatmuseum befindet

sich bereits seit 1928 im ehemaligen Wohnbereich.

Als Verbindung zwischen dem alten

und dem modernen Trakt fungiert die

Tenne, die heute auch das Museumsfoyer

ist. Über eine breite Schiebewand erfolgt

der Einlass in die Ausstellungshalle. Sie

zeigt bereits aus weiter Entfernung an, ob

das Museum geöffnet ist. Bewusst wurde

das neue Element aus verwittertem Holz

gestaltet, wodurch es sich optisch in die

alte Seitenfassade einfügt. Als thermischer

Übergang in das Foyer dient eine raumbreite

Glaswand samt Holztür. Die verkleideten

Wände in den Ausstellungsbereichen sind

in einem hellen Holzton gehalten und bilden

einen starken Kontrast zu den dunklen

Wänden. Neue Träger aus Stahlprofilen

fangen die Dachlast ab – sie wurden in den

hölzernen Dachstuhl eingefügt und ersetzen

dadurch die Stütze, die sich vor dem

Umbau in der Mitte des Raumes befand.

Während der Innenbereich des ehemaligen

Bauernhofs modern und minimalistisch gehalten

ist, wurde die Außengestaltung nur

Frauenmuseum Hittisau

© Johannes Fink

minimal verändert. Damit fügt sich der Bau

nahtlos in das Schwarzenberger Ortsbild ein.

Kultur und Fortschritt

im ländlichen Raum

Tradition ist nur ein Aspekt, der den Bregenzerwald

so besonders macht. Denn diese

Region verbindet Kultur auch mit Fortschrittlichkeit.

So ist Hittisau der Standort

des ersten und einzigen Frauenmuseums in

Österreich. Im ländlichen Raum stellt dieses

sogar das einzige seiner Art dar. Im einzigartigen

Holzbau sind wechselnde Ausstellungen

zu sehen, die die Frauengeschichte

sowie das kulturelle Schaffen von Frauen

sichtbar machen.

Mit der Errichtung des Bauwerks wurden

die Architekten Andreas Cukrowicz und

Anton Nachbaur-Sturm beauftragt. Kennzeichnend

für das Gebäude ist dessen

Vielschichtigkeit, was sich auch in seinen

zahlreichen Funktionen äußert. So befindet

sich das Frauenmuseum im Obergeschoss,

während im Erdgeschoss ein Foyer, ein Musikprobelokal

und ein Seminarraum untergebracht

sind. Die weitläufigen Räume des

Untergeschosses beherbergen schließlich

die Freiwillige Feuerwehr.

u


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8

Architekturszene

BUS:STOP Krumbach, Bränden

© Ian Ehm

BUS:STOP Krumbach, Unterkrumbach Nord

© Felix Friedmann

BUS:STOP Krumbach, Glatzegg

© Felix Friedmann

Der Holzquader öffnet sich mit seiner verglasten

Fassade in Richtung Ortszentrum

und tritt mit diesem in einen visuellen Dialog.

Über eine Türe in der Glasfront können

Besucher das Museum betreten. Der

Eingangsbereich wird zusätzlich durch eine

filigrane Metallrampe erschlossen und ist

damit barrierefrei zugänglich. Charakteristisch

für den Bau ist die Verschalung aus

heimischer Weißtanne. Auch bei der Innenraumgestaltung

stützten sich die Architekten

auf Holz – Wände, Zimmerdecken und

Sitzmöbel strahlen mit ihrer Materialität

Natürlichkeit und Wärme aus. Gleichzeitig

integrierten die Planer durch eine punktuelle

Beleuchtung und klare Linien zeitgemäße

Elemente in das Projekt Innenraumdesign.

Der Freiraum als Bühne

Prägend sind für den Bregenzerwald nicht

nur die modernen Holzbauten. Auch der

Freiraum hat in den letzten Jahren eine

bemerkenswerte Entwicklung durchlebt.

So ist die Gemeinde Krumbach ein Paradebeispiel

für die Verbindung von Baukultur

und Mobilität. Als 2013 die Bushaltestellen

erneuert werden mussten, entschloss sich

die Gemeindevertretung dazu, ihre „Wartehüsle“

von Architekten aus aller Welt entwerfen

zu lassen – das Projekt BUS:STOP

war damit geboren. Mit der Unterstützung

von Dietmar Steiner, dem damaligen Direktor

des Architekturzentrum Wien, machten

sich die Gemeindevertreter Krumbachs auf

die Suche nach unkonventionellen Baumeistern.

Das Vorhaben war erfolgreich – gleich

sieben aufstrebende Planer fingen für die

Idee Feuer. Architekten wie Smiljan Radic

aus Chile, Alexander Brodsky aus Russland

und Sou Fujimoto aus Japan nahmen sich

der Gestaltung der Haltestellen an. Nun

befinden sich sieben einzigartige, bisweilen

verrückte „Buswartehüsle“ in der Gemeinde.

Die Entwürfe setzten die Jungstars unter

der Berücksichtigung der Vorarlberger

Baukultur, der lokalen Handwerkskunst und

der regionalen Kultur um. An der Realisierung

der Pläne beteiligten sich schließlich

Handwerker aus dem Bregenzerwald, wobei

ein Großteil der Arbeiten ehrenamtlich

erfolgte. Sieben skurrile Haltestellen, die

unterschiedlicher nicht sein könnten, waren

das Ergebnis der gelungenen Zusammenarbeit.

Jetzt säumen unter anderem Gebilde,

wie ein gläserner Pavillon mit schwarzer Betondecke,

eine Station aus Holzstapeln sowie

ein Wald aus weißen Stahlstangen mit

Wendeltreppe die Straßen. Mit BUS:STOP

schrieb Krumbach ein Stück Architekturgeschichte.

Nicht nur den Architekten,

sondern auch der Zusammenarbeit in der

Bevölkerung ist das Gelingen des einzigartigen

Vorhabens zu verdanken.

In Bezug auf die Baukunst und die regionale

Entwicklung sind im Bregenzerwald in den

nächsten Jahren weitere innovative Schritte

zu erwarten. Geht es um Nachhaltigkeit

in der Architektur, gehört die Region mit

ihren vielschichtigen Holzbauten immerhin

zu den Vorreitern.


BUS:STOP Krumbach, Unterkrumbach Süd

© Felix Friedmann

BUS:STOPKrumbach, Zwing

© Felix Friedmann


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9

Magazin


architektur FACHMAGAZIN

10

Magazin

Zwei Preisträger

Erstmals in der Geschichte des Aluminium-Architektur-Preises der Gemeinschaftsmarke

ALU-FENSTER kam die Jury für das Jahr 2020 überein, zwei Preisträger zu

küren. Beide Projekte sind hervorragende Bauten, bei deren Gestaltung, Konstruktion

und Ausführung Aluminiumprofilen eine bedeutende Rolle zukommt. Sie decken

unterschiedliche Aspekte ab und wurden zu gleichwertigen Siegerprojekten gekürt.

BTV Bank- und Geschäftshaus /

Dornbirn

Architekt Dipl.-Ing. Rainer Köberl

Das Projekt fügt sich städtebaulich sehr sensibel

in die Umgebung, ist gut in den Stadtbestand

integriert und kann architektonisch

eine Vorbildwirkung entfachen. Die beiden

Baukörper schaffen an einem städtebaulich

schwierigen Punkt einen verkehrsberuhigten

Raum, setzen einen urbanen Akzent

und bieten eine Bereicherung der Umgebung.

Bankfiliale und Bürohaus sind unterschiedlich

ausgeformt und nehmen subtil

aufeinander Bezug. Der Metalleinsatz ist gut

gewählt und der Bauaufgabe angemessen:

die hellen Aluminium-Lamellen und schlanken

Aluminiumprofile vermitteln zeitgleich

Leichtigkeit und Solidität.

Paracelsus Bad & Kurhaus / Salzburg

Berger+Parkkinen Architekten

© www.alufenster.at | Lukas Schaller

Das Bad mit angeschlossenem Kurhaus

befindet sich zentrumsnah in der Stadt

Salzburg und ist städtebaulich mit Bezug

zur umgebenden Bebauung sowie zur

Landschaft sehr gut positioniert. Die anspruchsvolle

Aluminiumfassade schützt

das Gebäude vor Einblicken, ermöglicht

aber auch Transparenz und Helligkeit. Der

großzügige architektonische Gestus wird

durch eine bis ins Detail durchgehaltene

sehr subtile und präzise Anwendung von

Aluminium begleitet.

AFI Aluminium-Fenster-Institut

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11

Magazin

Brick Award ’22

Der Wienerberger Brick Award, der 2004 ins Leben gerufen wurde, ist eine

internationale anerkannte Auszeichnung, mit der alle zwei Jahre die kreativsten

Beispiele moderner und innovativer Ziegelarchitektur prämiert werden.

Noch bis zum 8. April 2021 können Projekte

für den Brick Award 2022 eingereicht

werden, die zeigen, wie vielfältig

und abwechslungsreich Tonprodukte

für Wände, Fassaden, Dächer und Bodenbeläge

eingesetzt werden können.

2022 verleiht Wienerberger den Award

bereits zum 10. Mal. Die Auszeichnung

umfasst fünf Kategorien: (1) Feeling at

home, (2) Living together, (3), Working

together, (4) Sharing public spaces und

(5) Outside the box.

www.brickaward.com

World Architecture Festival

Das World Architecture Festival und das darin integrierte World Festival of

Interiors findet nun vom 1. bis 3. Dezember 2021 in Lissabon statt.

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Dampfbäder auf Maß,

auch mit Infrarot

Mit dieser Terminverschiebung (ursprünglich

war 23. bis 25. Juni 2021 geplant)

reagieren die Veranstalter auf die

schwierige und unklare Pandemiesituation

in Europa. Vom neuen Termin erwarten

sie, dass sich zu diesem Zeitpunkt

die Weltarchitektur-Community wie

gewohnt treffen kann, um zu feiern, zu

lernen, sich auszutauschen und sich inspirieren

zu lassen.

WAF ist das weltweit größte jährliche,

internationale Live-Architektur-Event. Es

umfasst neben dem thematischen Konferenzprogramm

und der Ausstellung

auch das größte internationale Architekturpreisprogramm

der Welt mit Live-Bewertung

der finalisierten Projekte. Einreichungen

zur Teilnahme am Wettbewerb

sind noch bis 7. Mai 2021 möglich.

www.worldarchitecturefestival.com

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SEIT

1963


architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

In Weiß vereint

Das Thema des Leerstehens von Gebäuden ist weltweit ein viel besprochenes. Es benötigt

kreative Konzepte und mutige Umsetzungen, um eine Vielzahl an Vorzeigebeispielen

zu schaffen, die dann wiederum zu weiteren Umsetzungen führen können. Das Acid

House in Barcelona von ARQUITECTURA-G zeigt, wie es funktionieren und mit einfachen

Mitteln große Wirkungen erzeugt werden können.

Fotos: Jose Hevia


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13

Magazin

In dem alten Fabrikgebäude sind jetzt Arbeitsräume

untergebracht, die auch einen positiven Einfluss auf

den öffentlichen Raum der näheren Umgebung haben.

Zur Straße hin sind die Cafeteria und Besprechungsräume

untergebracht, die eine räumliche Pufferzone

zu den privateren Bereichen bilden. Die offene Bürostruktur

reagiert mit ihrer sehr rationalen Anordnung

auf den Bestand. Beide Bauteile des Bestandsgebäudes

werden von der neuen Nutzung eingenommen.

Im niedrigeren, ebenerdigen Bauteil mit Satteldach

befindet sich der Hauptarbeitsraum. Zusätzliche Räume

und Nebenräume sind im angrenzenden zweigeschossigen

Bauteil untergebracht.

Geplant wurde die Umnutzung vorerst für zehn Jahre.

Das Wissen um das Temporäre der Gebäudenutzung

wurde genauso als gesamtes räumliches Konzept interpretiert.

Es gibt keine fixen Einbauten. Alle Möbel

sind mobil bis hin zur verschiebbaren Stiege. Dementsprechend

setzten die Architekten auch nur das

Notwendigste instand und schafften es, mit wenig

Aufwand große Wirkung zu erzeugen.

In die Schaffung einer einheitlichen Materialität wurde

nicht großartig investiert. Eher erzeugt die Farbe

Weiß eine Einheit im Innenraum. Wand, Boden, Decke,

Balken, Möbel, Fensterprofile, Tür und Treppe wurden

in denselben Farbton mit all seinen Schattierungen

gehüllt. Alle Elemente besitzen andere Oberflächenstrukturen

und -bearbeitungen, sodass sich verschiedenste

weiße Texturen im Raum finden lassen. Alle

Materialien sind Relikte der industriellen Vergangenheit

des Gebäudes, denen nun ein einheitlicher Ausdruck

verliehen wurde.

Licht strömt in den Raum durch Öffnungen an beiden

Fassaden und auch durch ein Oberlicht entlang

des Dachfirstes. Der gesamte Raum ist in ein weiches

Licht gehüllt, das auf dem polierten Boden reflektiert.

Die Raumstimmung erinnert an ein Gewächshaus. In

diesem hier können Ideen gedeihen und wachsen. Wie

lange das hier passieren kann, bleibt offen. Ob das

Gebäude mit dieser oder einer anderen Nutzung bestehen,

oder ob es überhaupt bestehen bleibt, gilt es

abzuwarten. Jedenfalls kann die Zeit bis dahin gut genutzt

werden. Auch um zu sehen, was der Ort braucht

und was er für Möglichkeiten bietet.


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14

Magazin


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15

Magazin

Formgebender Stahl

Wie soll mit aufgelassener Industriearchitektur umgegangen werden? Kokai Studio

zeigt einen möglichen Weg und gestaltete den Ausstellungspavillon Baoshan

Exhibition Center auf einem Areal einer weiteren Eco-City, die in einem Vorort von

Schanghai in Zukunft entstehen soll.

Text: Alexandra Ullmann Fotos: Terrence Zhang

Ehemals an den Stadtrand gedrängt, befinden sich Industrieareale

heute oft inmitten eines funktionierenden,

dichten Stadtgefüges und stellen blinde Flecken

dar. Vor allem, wenn die Industrieflächen stillgelegt

und noch keiner neuen Nutzung zugeführt wurden,

sind sie wichtige Reserveflächen für die Stadt.

Im Falle des Baoshan Exhibition Center handelt es

sich um ein stillgelegtes Stahlwerk, das in einem Vorort

nördlich der chinesischen Megacity eine Fläche

von etwa 450.000 m² eingenommen hat. Eine enorm

große Fläche mit dem Potenzial, einen gesamten

Stadtteil entstehen zu lassen. So lautet jedenfalls der

Plan. China verfolgt seit längerem den ambitionierten

Ansatz der grünen Öko-Städte. Durch die schnelle

Urbanisierung sind Stadtteile und ganze Städte in

kürzester Zeit entstanden. Die Notwendigkeit, das

städtische Lebensumfeld der Bewohnerinnen und

Bewohner zu verbessern und einen ökologischen

Beitrag zu leisten, wurde längst erkannt, ebenso das

wirtschaftliche Potenzial der Eco-Cities.

Eine derartige grüne Eco-City soll auch am Areal

des früheren Stahlwerks in Baoshan entstehen. Eine

vielfältige Nutzung innerhalb der Gebäude durch

Wohnen, Arbeiten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen

soll hier umgeben sein von einer weitläufigen Naturlandschaft.

Nicht nur Grünflächen und Parks prägen

diese, sondern auch Moorgebiete, die ein wichtiger

Kohlenstoffspeicher sind. Viele der nun versiegelten

Flächen werden der Natur zurückgegeben und sind

ein wesentlicher Aspekt, um das Areal ökologisch

nachhaltiger zu gestalten. Neben der Gestaltung

liegt ein Schwerpunkt auch auf der Waste-to-Energy-Anlage,

die in Zukunft ihren Standort auf dem

Gelände haben wird. Das Ziel sollte dabei sicherlich

auch sein, weniger Abfall zu produzieren. Der unvermeidbare

Rest kann dann der Müllverbrennungsanlage

zugeführt werden.

u


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Um über alle künftigen Entwicklungen des Areals zu

informieren, wurde dort bereits ein Projekt umgesetzt.

Im Baoshan Exhibition Center wird die Vision des

neuen Stadtteils präsentiert und es fungiert auch als

erste Anlaufstelle für zukünftige Mieter, Immobilienentwickler

und an dem Projekt und seinen ökologischen

Themen Interessierte. Um Platz für diese neuen

Entwicklungen zu schaffen, wurde der Großteil

der alten Industriegebäude abgebrochen. Nur einige

wenige Bauten wurden als Zeugen der Vergangenheit

auf dem Areal belassen. Eines dieser Relikte ist

der Standort des Baoshan Exhibition Centers, das in

den turmartigen Bauteil des früheren Hochofens des

Stahlwerkes eingeschrieben wurde. Die Architekten

von Kokai Studio verfolgten den cleveren Ansatz, die

neuen Räume komplett von der metallischen Struktur

zu trennen. Der Ausstellungspavillon ist dadurch

konstruktiv und thermisch komplett unabhängig, lediglich

sein Volumen orientiert sich an den vorhandenen

Zwischenräumen des stählernen Gebildes und

nutzt diese vollends aus. Mit seiner transluzenten

Erscheinung durch die Polycarbonatfassade kontrastiert

er mit dem industriellen Bestand. Er stellt der

Schwere der Stahlrohre Leichtigkeit und Flächigkeit

gegenüber. Beide Themen dominieren auch den Innenraum.

Er ist auf wenige Materialien reduziert und

wirkt sehr klar und zurückhaltend. Licht dringt durch

die transluzente Gebäudehülle nach innen und umhüllt

den Raum sanft. Bei Dunkelheit strahlt das Licht

umgekehrt von innen nach außen und setzt so die

Stahlstruktur in Szene.

Bei den maßgebenden gestalterischen Paradigmen

ließen sich die Architekten von der Stahlindustrie

leiten: modular, flexibel, vorgefertigt, wiederverwendbar.

Als Leichtbau konzipiert gibt es die Möglichkeit,

den Pavillon abzubauen und an anderer Stelle wieder

aufzubauen oder ihn eben auch komplett zu recyceln.

Seine Form wurde für diesem spezifischen Ort geschaffen,

vielleicht bleibt er also auch an Ort und Stelle

bestehen. Die Zukunft wird zeigen, wie sich der Pavillon

und auch das gesamte Areal entwickeln. Anhand

von Architekturdarstellungen wird die Vision des Gebietes

derzeit schon im Ausstellungspavillon vermittelt.

Er zeigt auch vorbildlich, wie mit der bestehenden

Industriearchitektur umgegangen werden kann. Die

architektonische Gestaltung durch Kokai Studio weist

auch hierfür einen möglichen Weg in die Zukunft. •


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Magazin

© AllesWirdGut Architektur Guilherme Silva Da Rosa

++

Antibakterielle Oberflächen

Antibakterielle Eigenschaften und fachgerechte Desinfektion von Flächen spielen

bei der Verwirklichung von Projekten sowohl im öffentlichen als auch im privaten

Bereich eine immer wichtigere Rolle. Multiresistente Keime und Bakterien könnten

sich überall ansiedeln, daher erfordern sensible Anwendungen ein Mehr an

antibak terieller Eigenschaft der Oberflächen.

Besonders in hochsensiblen Bereichen, wie zum Beispiel

Krankenhäuser, Labore, Betriebe im Gesundheitsbereich,

Schwimmbäder, Schulen, Großküchen oder in

der Lebensmittelindustrie müssen Oberflächen regelmäßig

und nach vorgeschriebenen Gesichtspunkten

gereinigt werden. Dann erst darf die Desinfektion erfolgen.

Das effektivste und beste Mittel der Hygiene

ist und bleibt dabei eine wirksame, regelmäßige Reinigung.

Dies erfordert von den eingesetzten Materialien

zusätzlich eine stärkere Beständigkeit gegen aggressive

oder säurehaltige Reinigungsmittel wie Kalkentferner,

Sanitärreiniger und Desinfektionsmittel.

© Fundermax/Architekt Produkcija Davor Katusic, d.i.a. and team

Die Produkte der Max Compact Interior Kollektion

wurden genau für diese Anforderungen entwickelt.

Auf den Oberflächen wurden alle gängigen und von

der WHO empfohlenen Desinfektionsmittel wie zum

Beispiel Alkohole, Aldehyde und quartäre Verbindungen

getestet. Neben der Beständigkeit gegenüber

Reinigungsmittel besitzen die Flächen ausgeprägte

hygienische, antibakterielle Eigenschaften – die getestet

und nach ISO 22196-07 zertifiziert sind. Diese

Eigenschaften basieren dabei nicht auf der Verwendung

verschiedener Additive, um Bakterien oder

multiresistente Keime an einer Vermehrung zu hindern.

HPL-Compactplatten von FunderMax werden

mit einer komplett geschlossenen, melaminharzbeschichteten

Oberfläche angeboten. Das Wachstum

der Kulturen wird so gleichermaßen verhindert und

Ionen können nicht aus der Oberfläche diffundieren.

Nach 24 Stunden sind auf diesen Oberflächen 99,9 %

der Bakterien und Keime abgestorben.

Die Einsatzgebiete der HPL-Compactplatten sind

breit und vielseitig, egal ob es sich um den öffentlichen-

oder den Privatbereich handelt. Antibakterieller

Schutz ist auch im Privatbereich sinnvoll, vor

allem im Nass- oder Wohnküchen-Bereich bei Arbeitsplatten,

Fronten oder fugenlosen Rückwänden.

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architektur FACHMAGAZIN

18

Bau & Recht

COVID-19 – Entfall der Verpflichtung

zur Bestandzinszahlung?

Die Diskussion über den Entfall oder die Minderung des Bestandzinses in Zeiten

der COVID-19-Pandemie und der damit einhergehenden „Lock-Downs“ ist derzeit

omnipräsent. Selten wurde eine rund 200 Jahre alte Gesetzesbestimmung

(§ 1104 ABGB) plötzlich zum Mittelpunkt der juristischen Auseinandersetzung.

Aktuelle Gerichtsurteile sowie ein Rechtsgutachten zu diesem Themenkreis

zeigen, wie kontrovers die juristische Meinung zu dieser Bestimmung ist.

Text: Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger und Mag. Matthias Nödl

Im Zusammenhang mit der aktuellen CO-

VID-19-Pandemie wurde am 15.03.2020 im

Bundesgesetzblatt das Bundesgesetz betreffend

vorläufige Maßnahmen zur Verhinderung

der Verbreitung von COVID-19 (CO-

VID-19-Maßnahmengesetz) kundgemacht.

Auf dessen Basis wurden mittlerweile zahlreiche

Verordnungen erlassen und kundgemacht,

die Betretungsverbote und/oder

Betriebsbeschränkungen für gewisse Betriebsstätten

des Handels, von Dienstleistungsunternehmen

sowie von Freizeit- und

Sportbetrieben normierten bzw. normieren.

Die verordneten Betretungsverbote und

Betriebsbeschränkungen führten vielerorts

zur Schließung von Betriebsstätten oder

zumindest zur teilweisen Unbrauchbarkeit

der Betriebsstätten. In der Folge hat sich

daher eine Diskussion zwischen Bestandgebern

und Bestandnehmern entwickelt,

welcher Sphäre die Unbrauchbarkeit des

Bestandobjekts zuzurechnen sei. Also, ob

der Bestandgeber den vereinbarten Bestandzins

in voller Höhe vom Bestandnehmer

verlangen kann oder der Bestandnehmer

den Bestandzins – allenfalls sogar auf

null – mindern kann.

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Beantwortung

dieser Frage von der jeweiligen

konkreten Vertragsgestaltung (Inhalt des

Bestandvertrages, Vorliegen eines Mietoder

eines Pachtvertrages, vereinbarter

Geschäftszweck, etc.) abhängt. Auch kann

für die Beurteilung der Wirksamkeit von

Vertragsbestimmungen sowie für die Geltendmachung

von allfälligen Ansprüchen

entscheidend sein, in welcher Sphäre der

jeweilige Bestandvertrag erstellt wurde.

Die zentralen gesetzlichen Bestimmungen

hinsichtlich der Diskussion über die Zahlungsverpflichtung

des Bestandnehmers

während der COVID-19-Pandemie sind die

§§ 1104 ff ABGB. Gemäß § 1104 ABGB ist

kein Miet- oder Pachtzins zu entrichten,

wenn die in Bestand genommene Sache

wegen außerordentlicher Zufälle gar nicht

gebraucht oder benutzt werden kann. Als

außerordentliche Zufälle werden im Gesetz

beispielsweise Feuer, Krieg, Seuche, große

Überschwemmungen, Wetterschläge oder

gänzlicher Misswuchs aufgezählt.

Ein außerordentlicher Zufall liegt nach der

Rechtsprechung und Literatur allgemein vor,

wenn es sich um elementare Ereignisse handelt,

die stets einen größeren Personenkreis

treffen und von Menschen nicht beherrschbar

sind, sodass für deren Folgen im Allgemeinen

von niemand Ersatz erwartet werden

kann. Zu den Fällen des außerordentlichen

Zufalls werden auch von den Vertragspartnern

nicht provozierte hoheitliche Verfügungen

gerechnet. Die überwiegende Literatur

subsumiert die derzeitige COVID-19-Pandemie

und die deswegen verordneten Betretungsverbote

und Betriebsbeschränkungen

unter den Begriff der „Seuche“.

Eine gänzliche Befreiung von der Bestandzinszahlungsverpflichtung

ist daher aufgrund

des außerordentlichen Zufalls grundsätzlich

denkbar. Die Bestandzinsbefreiung

könnte – in Anlehnung an die zu § 1096

ABGB entwickelten Grundsätze – alle Zinsbestandteile,

also auch die Betriebs- und

Nebenkosten sowie öffentlichen Abgaben

umfassen. Im Falle einer nur teilweisen Unbrauchbarkeit

des Bestandgegenstandes

ist allerdings von einem Recht auf angemessene

Bestandsminderung, nicht jedoch

von einem solchen auf gänzliche Bestandzinsbefreiung

auszugehen.

Ob und inwieweit tatsächlich ein Anspruch

gemäß § 1104 ABGB besteht, hängt wesent-

lich von dem im Bestandvertrag vereinbarten

Geschäftszweck und dem Unternehmensgegenstand

des Bestandnehmers ab.

Ist im Bestandvertrag als Geschäftszweck

beispielsweise der Betrieb eines Lebensmittelhandels

vereinbart, hat der Bestandnehmer

weiterhin den vereinbarten Bestandzins

in voller Höhe zu entrichten, weil der Lebensmittelhandel

vom verordneten Betretungsverbot

nicht betroffen war oder ist. Sollte

jedoch im Bestandvertrag ein anderer oder

ein nicht näher bestimmter Geschäftszweck

(zB „jede zulässige gewerbliche Nutzung“)

vereinbart sein, wäre je nach tatsächlicher

Nutzung des Bestandobjekts ein Anspruch

gemäß § 1104 ABGB argumentierbar.

Die Rechtsfolge des außerordentlichen

Zufalls ist zudem vom Ausmaß der Gebrauchsbeeinträchtigung

des Bestandobjekts

abhängig. Gemäß § 1105 Satz 1 ABGB

wird bloß ein verhältnismäßiger Teil des

Mietzinses erlassen, sofern der Mieter trotz

eines außergewöhnlichen Zufalls einen

beschränkten Gebrauch des Bestandgegenstandes

behält. Dies bedeutet, dass bei

Mietverträgen der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit

zur Anwendung gelangt. In

der Praxis wird das Ausmaß des Bestandzinsminderungsanspruches

daher anhand

eines prozentuellen Abschlags je nach dem

Grad der (Un-)Brauchbarkeit berechnet.

Im Zusammenhang mit Pachtverträgen

stellt sich die derzeitige Rechtslage jedoch

differenziert dar. Gemäß § 1105 Satz 2 ABGB

gebührt dem Pächter nur dann eine Minderung

des Pachtzinses, wenn die Pachtdauer

nur ein Jahr beträgt und durch den

außerordentlichen Zufall die Nutzung des

gepachteten Gutes um mehr als die Hälfte

des gewöhnlichen Ertrages fällt.


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Im Ergebnis steht dem Pächter daher bei einer Pachtdauer

von mehr als einem Jahr kein gesetzliches Minderungsrecht

zu. Diese erhebliche Unterscheidung in

den Rechtsfolgen zwischen Miet- und Pachtverträgen

erfordert daher zunächst eine fundierte Prüfung

im Einzelfall, ob ein abgeschlossener Bestandvertrag

als Miet- oder als Pachtvertrag zu werten ist.

Die gesetzlichen Bestimmungen der §§ 1104 ff ABGB

sind dispositiv, weshalb die Vertragsparteien eines

Bestandvertrages auch davon abweichende Vereinbarungen

treffen können. Die konkreten Ansprüche

des Bestandnehmers sind daher stets vom Inhalt des

jeweiligen Bestandvertrages abhängig. So finden sich

in Bestandverträgen nicht selten Klauseln, wonach der

Bestandnehmer jegliches Betriebsrisiko übernimmt.

Bei solchen Vertragsklauseln stellt sich im Zusammenhang

mit der COVID-19-Pandemie die Frage, ob auch

dieser außerordentliche Zufall dem vom Bestandnehmer

übernommenen Betriebsrisiko zuzuordnen ist.

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Die bisherige Rechtsprechung geht jedenfalls davon

aus, dass der Bestandnehmer selbst bei Übernahme

des Betriebsrisikos nicht auch für den zufälligen Untergang

der Bestandsache haften wolle. Vielmehr soll

auch in diesem Fall der Bestandgeber die Gefahr des

zufälligen Untergangs der Bestandsache tragen; dies

mit der Folge, dass die Übernahme des Betriebsrisikos

durch den Bestandnehmer einen Anspruch gemäß

§§ 1104 ff ABGB nicht ausschließt.

Das Bezirksgericht Meidling hat als bisher erstes

Gericht im Fall eines Friseursalons (9 C 368/20b)

und eines Textilhändlers (9 C 361/20y) entschieden,

dass beide Bestandnehmer wegen der derzeitigen

COVID-19-Pandemie und der deshalb verordneten

Betretungsverbote keinen Bestandzins entrichten

müssen. Die Tatsache, dass die Räumlichkeiten auch

für das Lagern von Sachen nutzbar waren, reichte für

das Gericht nicht aus, um eine Bestandzinsminderung

auszuschließen, weil die eigentliche geschäftliche Tätigkeit,

welcher die Lagerung diente, gänzlich verunmöglicht

war. Diese beiden Urteile sind jedoch grundsätzlich

nicht geeignet, bereits von einer gefestigten

Rechtsprechung zu §§ 1104 ff ABGB auszugehen.

Ein kürzlich veröffentlichtes Rechtsgutachten, welches

im Auftrag des österreichischen Kinoverbandes

erstattet wurde, geht sogar so weit, dass ein Bestandzinsminderungsanspruch

immer dann bestehen

würde, wenn die Besucherzahlen aufgrund der

COVID-19-Pandemie rückläufig seien. Dabei mache

es keinen Unterschied, ob der – auf die Auswirkungen

der COVID-19-Pandemie zurückzuführende –

Besucherzahlenrückgang seine Ursache in einem

verordneten Betretungsverbot oder in der bloßen

Sorge der Bevölkerung hat. Ob diese sehr weite Auslegung

der §§ 1104 ff ABGB tatsächlich in die Rechtsprechung

einfließen wird, bleibt abzuwarten.

Zusammengefasst kann somit festgehalten werden,

dass Bestandnehmer aufgrund der COVID-19-Pandemie

Ansprüche auf Bestandzinsbefreiung bzw.

-minderung geltend machen könnten. Jedoch sind

solche Ansprüche im Einzelfall anhand des jeweiligen

Bestandvertrages zu prüfen.

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architektur FACHMAGAZIN

22

Bauen im Bestand

Respektvolle

Annäherung

Burg Helfštýn / Týn nad Bečvou, Tschechien / atelier-r

Text: Linda Pezzei Fotos: BoysPlayNice

Mit rund 2.000 bis heute erhaltenen Burgen und

Schlössern bietet sich Tschechien als Reiseziel für

an historischen Gemäuern Interessierte geradezu

an. Dabei lohnt nicht nur die bekannte Prager Burg

einen Besuch – auch die teilrekonstruierte Ruine

der in Mähren gelegenen Burg Helfštýn (zu deutsch

Helfenstein oder Helfstein) muss – oder kann – sich

als eine der größten Festungsanlagen Europas und

zweitgrößter Burgkomplex des Landes nicht verstecken.

Ende des 13. Jahrhunderts angelegt, lädt das

nahe der Ortschaft Týn nad Bečvou und hoch über

der Mährischen Pforte gelegene Kulturdenkmal seine

Besucher heute zu einer Zeitreise und Entdeckungstour

ein.

Der für Architekturinteressierte besondere Reiz

der Anlage gründet in der gelungenen Intervention

rund um den Palas aus der Zeit der Renaissance.

Den Architekten des in Olomouc ansässigen Studios

atelier-r ist es gelungen, die alten Gemäuer mit viel

Fingerspitzengefühl wieder zu beleben. Aufgrund erheblicher

Baumängel wurde 2014 eine Renovierung

des Palas notwendig, auch ein neues Dach sollte

entstehen. Laut den Vorgaben des Denkmalschutzes

sollte der Charakter der Ruine allerdings erhalten

bleiben und auch das Dach durfte die umgebenden

Bestandsmauern nicht überragen. So lag eine Besonderheit

bei der Projektplanung bereits zu Beginn auf

der Erstellung eines 3D-Modells, das auf Tausenden

von Fotos einer Drohne basierte. Auf diese Weise

konnten die Architekten alle Arten von Putz- und

Mauerwerksmodifikationen abbilden.

u

Mit viel Feingefühl haben

die Architekten von

atelier-r den Palas im

zweitgrößten Burgkomplex

Tschechiens

renoviert. Die Ruine aus

dem 14. Jahrhundert

wurde nicht nur technisch

instandgesetzt, sondern

auch um einige ästhetisch

ansprechende Einbauten

wie Wege, Treppen und

Dächer ergänzt, sodass

ein Besuch heute historisch

wie architektonisch

zum Erlebnis wird.


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23

atelier-r


architektur FACHMAGAZIN

24

Bauen im Bestand

Dank der umfassenden Projekterfahrung der Planer

was die Rekonstruktion von historischen Gebäuden

angeht, kristallisierte sich für die Architekten bald

eine Idee heraus, wie sie mit der Renovierung der Ruine

unter den gegebenen Umständen umgehen wollten.

Abseits der notwendigen technischen Interventionen

lag es atelier-r am Herzen, das Vorhandene um

eine zeitgenössische Architektur zu ergänzen, welche

den praktischen Nutzen mit ästhetischen Aspekten

vereinen würde. Der Kern des Konzepts basiert

auf dem Implementieren neuer Besichtigungsrouten

in die bereits vorhandenen Lücken im Gemäuer, um

so die historische Entwicklung des Bauwerks für die

Besucher erlebbar zu machen. Zusätzlich zum Erdgeschoss

wurden nach der Rekonstruktion auch die

oberen Etagen zur Besichtigung erschlossen.

Neu und Alt sind im Palas der Burg Helfštýn bewusst

voneinander getrennt ablesbar gehalten. Dabei griffen

die Architekten auf nur drei verschiedene Materialien

zurück, wobei jedes für sich einer eigenen

Ebene zugeordnet wurde: Das Dach ist aus Glas auf

Stahlträgern konstruiert, Treppen und Brücken sind

in Cortenstahl und die Wege im Erdgeschoss in poliertem

Beton gestaltet. Dadurch ergibt sich ganz natürlich

eine neue, im historischen Konzept eindeutig

ablesbare, Erzählebene, die bewusst oder unbewusst

von jedem Besucher wahrgenommen werden kann.

Während man sich auf diesen modernen, fast skulpturalen

Strukturen sozusagen völlig losgelöst vom

Alten durch die Ruine bewegt, wird man gleichzeitig

Teil des historischen Kontexts. Die jahrhundertealten

Mauern sind zum Greifen nah und doch trennt den

Besucher eine physische Barriere vor den Respekt

gebietenden Gemäuern.

Das Spiel mit den

verschiedenen Materialebenen

offenbart aus

den sich verändernden

Blickwinkeln ein spannendes,

dreidimensionales

„Layering“, das Neu und

Alt gekonnt zueinander in

Beziehung setzt.


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25

atelier-r

Ausschlaggebend für die besondere Atmosphäre in

der Ruine ist auch die Beziehung zur umgebenden

Landschaft sowie die Lenkung des Lichteinfalls. Burgen

wurden schließlich nicht nur zum eigenen Schutz

zumeist an erhöhter Position errichtet, sondern auch,

um den bestmöglichen Rundblick zu gewährleisten

und nahende Angreifer frühzeitig auszuspähen.

Heute genießt man freilich eher den weiten Blick in

die idyllische Naturlandschaft. Aber auch der weite

Himmel sollte laut Konzept der Architekten greifbar

bleiben. So wurden die flachen Dächer zwischen den

Wänden der Ruinen in Glas konzipiert, um die für

das Innere des Palas perfekten Tageslichtbedingungen

zu erzeugen. Man entschied sich schließlich für

Milchglas, da dieses wartungsfreundlich ist und das

flache Streulicht die Ausstellungsobjekte am besten

in Szene setzt. Eine Ausnahme bietet das Dach der

Burgkapelle – hier symbolisiert die Klarheit des Glasdaches

den spirituellen Himmel selbst.

Während nur fünf ausgewählte Kammern auf diese

Weise überdacht wurden, dienen die Corten-Fußgängerbrücken

wiederum selbst als Überdachung der

Treppen. Die so entstehenden gen Himmel endlosen

Lufträume sollen die Besucher ermuntern, immer

wieder hinauf in den Himmel zu blicken. Der Cortenstahl

setzt zur hellen Weite einen gelungenen, erdigen

Kontrastpunkt. Das Material erscheint zeitlos, es

spiegelt den Verfall im Lauf der Zeit sichtbar wider,

ohne dabei an Funktionalität oder Ästhetik einzubüßen.

Es dient sozusagen als modernes Pendant zum

alten, verwitterten Mauerwerk der Ruine. Darüber hinaus

ist die Burg Helfštýn für ihre Handwerkstradition

in Bezug auf Metall weithin bekannt und wird auch

zur metall–künstlerischen Weiterbildung genutzt. In

den Kellergewölben des Palas befindet sich zudem

ein Museum, das zahlreiche Werke der Schmiedekunst

des ausgehenden 20. Jahrhunderts umfasst.

Die Materialwahl lag also durchaus nahe. u


architektur FACHMAGAZIN

26

Bauen im Bestand

Gerade in der Dämmerung

zeigt sich das

Burgareal – in warmes

Licht getaucht – von seiner

romantischen Seite.

Der Cortenstahl und das

historische Mauerwerk

wirken dann nicht mehr

schroff oder kühl, sondern

warm und einladend.

Die geometrischen Strukturen der Cortenstahl-Brücken

finden sich auch erdgeschossig in schlichterer

Form bei den aus Betonfertigteilen zusammengefügten

Museumsrouten wieder. Die einzelnen Elemente

wiederum sind durch streng geradlinige Cortenstahlprofile

definiert, welche für den gebührenden

Abstand zu den unebenen und unregelmäßigen

vorhandenen Wänden sorgen. Die so entstandenen

Zwischenräume sind mit Kies gefüllt, der seinerseits

beide angrenzenden Materialitäten akzentuiert.

In Summe ist es den Architekten auf diese Weise gelungen,

den authentischen Charakter der Gemäuer

zu bewahren und gleichzeitig mit viel Respekt vor

dem Bestand ein Statement der Moderne zu setzen.

Nicht nur an der Prager Burg kann man sehen,

wie sich das Ensemble im Laufe der Jahrhunderte

ergänzt, verändert und weiterentwickelt hat. Auch

die Burg Helfštýn ist heute ein leuchtendes Beispiel,

wie Besuchern die Baugeschichte unterschiedlicher

Epochen nahegebracht werden kann. Anstelle knirschender

Konkurrenz bilden Alt und Neu bei diesem

Projekt ein harmonisches Miteinander - bei dem doch

jeder Teil für sich bleiben darf. Und ohnehin schweift

der Blick bei einer Rundtour durch die Ruine dann

immer wieder in die weite Ferne, weg vom Detail und

hinauf in den blauen Himmel – der sich heute genauso

majestätisch über der Burg erstreckt wie vor hunderten

von Jahren.


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atelier-r

a

d

Dach

b

b

c c

a

d

a-a

a

d

b

Ebene 2

b

c c

a

d

b-b

c-c

a

d

b

Ebene 1

b

c c

a

d

d-d

Burg Helfštýn

Týn nad Bečvou, Tschechien

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik Bestand:

Statik Neu:

Olomoucký kraj

atelier-r

Architekt: Miroslav Pospíšil, Projektmanager: Martin Karlík

Design Team: Robert Randys, Lucie Rohelová,

Adéla Tomečková, Milena Koblihová, Daria Johanesová

Ladislav Klusáček

Jan Lukáš

Grundstücksfläche: 3.000 m 2

Bebaute Fläche: 1.370 m 2

Nutzfläche: 1.340 m 2

Planungsbeginn: 2015

Bauzeit:

3 Jahre

Fertigstellung: 2020

Baukosten: 3.4 MIO €

“Ein unkonventioneller Ort und eine unkonventionelle

Aufgabe, die der Burgbesitzer und das

National Heritage Institute gestellt hatten. Wir

wollten über die Kernvorgabe hinausgehen, nur

eine geeignete Lösung für die Überdachung zu

finden - vielmehr war es uns ein Anliegen, die

Besucher in die historische Entwicklung des Palas

miteinzubeziehen. Deshalb haben wir uns für

eine Lösung entschieden, die zeigt, dass zeitgenössische

Architektur nicht mit dem historischen

Bestand konkurrieren muss und dass Alt

und Neu Hand in Hand gehen können.”

atelier-r


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Bauen im Bestand

Öffentlicher

Innenraum

Aberdeen Art Gallery / Aberdeen, Schottland / Hoskins Architects

Text: Alexandra Ullmann Fotos: dapple photography


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29

Hoskins Architects

Öffentlichkeit, Zugänglichkeit,

Vielfalt und Respekt

vor dem Bestand waren die

Paradigmen der Umgestaltung

und Erweiterung der

Aberdeen Art Gallery durch

Hoskins Architects. Sensibel

und klar strukturiert helfen

sie dem Museum bei seiner

Neupositionierung.

Aberdeen ist die drittgrößte schottische Stadt mit reichem

architektonischen Erbe. Den zahlreichen Granitvorkommen

der näheren Umgebung ist es zu verdanken,

dass die Stadt in erhabenem Grau erscheint. Gerne

wird sie auch als „Silver City“ bezeichnet. Durch den

Glimmer anteil im Granit erscheint die Stadt bei Sonnenlicht

in silbernem Glanz.

Aus diesem Granitstein ist auch die historische Fassade

der Aberdeen Art Gallery, die sich im Herzen der Stadt

befindet. An der Union Street gelegen, gehört sie zu

dem größten denkmalgeschützten Ensemble Aberdeens.

Nicht nur die Architektur im Stil der Neo-Renaissance,

entworfen um 1885 vom damals renommiertesten Architekten

der Stadt Alexander Marshall Machenzie, zeichnet

das Gebäude der Kunstgalerie aus. Auch die Materialwahl

der Fassade liefert einen wichtigen Beitrag zum

charakteristischen Erscheinungsbild der Stadt – zum

grauen Granit gesellt sich hier auch ein rosafarbener.

Die wichtige Stellung des Gebäudes führte 1967 dazu,

dass es in die Kategorie A des Schottischen Denkmalschutzes

aufgenommen wurde. Die Einteilung erfolgt

grundsätzlich in drei Kategorien – A, B und C –, wobei A

die höchstbewertete ist. Sie schreibt dem Gebäude eine

herausragende architektonische und historische Bedeutung

als wichtiges Beispiel einer bestimmten Zeitperiode,

eines bestimmten Stils oder eines bestimmten Bautypus

zu. Der Zustand der Bausubstanz der Aberdeen Art

Gallery entsprach aber leider nicht dem, was man sich für

ein Gebäude mit einer derartigen Stellung wünschen und

auch erwarten würde. Das Dach war schwer beschädigt,

was nicht nur eine Gefährdung der Bausubstanz darstellte,

sondern auch für die ausgestellten Exponate im

Kunstmuseum. In weiterer Folge war es bei der Organisation

von Ausstellungen schwer, Wanderausstellungen

und Leihgaben in das Haus zu bekommen. Das Museum

benötigte ebenfalls mehr Fläche für Ausstellungen und

auch einen dringend notwendigen Personenaufzug, der

das obere Geschoss barrierefrei zugänglich machen sollte.

In das Gebäude, seine Erhaltung und seine Verbesserung,

musste dringend investiert werden.

u


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30

Bauen im Bestand

Vor allem für Kunstmuseen ist es heute äußerst wichtig,

sich international zu positionieren, sich durch

Leihgaben mit anderen Ausstellungshäusern zu vernetzen

und an Wanderausstellungen zu beteiligen.

Alleine eine permanente Ausstellung der Sammlung

des Museums reicht nicht mehr aus, um genügend Besucherinnen

und Besucher anzusprechen. Temporäre

Ausstellungen geben die Möglichkeit, sich immer

neuen wechselnden Themen zu widmen und so dem

Publikum ein immer neues Erlebnis zu bieten. Zu den

ursprünglichen Aufgaben des Museums – Sammeln,

Bewahren, Forschen und Dokumentieren, Ausstellen

und Vermitteln – gesellt sich heute auch das Unterhalten

dazu. Außerdem sind nicht alle Aufgaben gleich

gewichtet und mit denselben Mitteln ausgestattet.

Bis zur Neueröffnung der Aberdeen Art Gallery 2019

fehlten die Voraussetzungen, sich an diesen internationalen

Veränderungen im Museumsbetrieb zu

beteiligen. Der schlechte Zustand der Bausubstanz

und die fehlenden technischen Ausstattungen machten

es unmöglich, die erforderlichen Bedingungen für

die Präsentation der Kunstwerke herzustellen. 2009

wurde endlich der Beschluss gefasst, die Modernisierung

des Museums in Angriff zu nehmen.

Durch die Sanierung und Erweiterung sollte nicht nur

ein Anziehungspunkt für Kunstinteressierte, sondern

auch ein Treffpunkt für die gesamte Öffentlichkeit

geschaffen werden. Das Angebot an zusätzlichen

Bildungsräumen, einem Veranstaltungssaal, Museumsshop,

Cafe und einer Aussichtsterrasse mit herrlichem

Blick über die Dächer der Stadt verankern es

heute als wichtigen Stadtbaustein von Aberdeen.

Die verschiedenen Bereiche sind nun über separate

Erschließungen zugänglich. Sie können zusammen

und auch jeder Bereich für sich selbst funktionieren.

Dem ursprünglichen Kunstmuseum fehlte es an

einem zentralen einladenden Eingangsbereich. Ein

solcher wurde von den Architekten direkt beim Eingang

geschaffen, indem sie den Raum von dem ehemaligen

Hauptstiegenhaus freispielten. Stattdessen

wurden mehrere vertikale Erschließungsmöglichkeiten

an mehreren Stellen des Gebäudes verteilt, die

es erlauben, dass das Kunstmuseum, der Veranstaltungssaal

und die Anlieferung für das Museum sich

nicht mehr kreuzen und eigenständig funktionieren

können. Für die Cowdary Hall, dem Veranstaltungssaal,

wurde ein neuer Eingang über den kleinen,

kreissegmentförmigen Platz, an dem sich ein Kriegsdenkmal

befindet, geschaffen.

u


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Hoskins Architects


architektur FACHMAGAZIN

32

Bauen im Bestand

Im Zuge des Umbaus

und der Erweiterung des

Museums wurde auch

die Schausammlung neu

aufgestellt. Die chronologische

und auch thematische

Gruppierung der

Exponate – der Fokus

liegt dabei auf schottischen

Künstlerinnen und

Künstlern – gibt spannende

Einblicke und lässt

neue Zusammenhänge

herstellen. Die Themen

der Neuaufstellung wurden

zusammen mit dem

Publikum und Schulen

entwickelt.

Über diese Öffnung des Gebäudes hinaus wurden

auch einige Veränderungen in den Räumlichkeiten

selbst vorgenommen. Grundlegend war die Aufrüstung

der Haustechnik, um in den Innenräumen vor allem

die Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur und die Beleuchtungsstärke

entsprechend regulieren zu können.

Für die Besucherinnen und Besucher ist vor allem die

stark verbesserte Wegführung durch das Museum

relevant. Vom Eingangsbereich gelangt man in einen

imposanten Raum in Form eines Peristyls. Die Säulen

sind aus verschiedenfarbigen lokalen Granitsorten

hergestellt und verweisen auch hier wieder direkt auf

den mineralischen Reichtum der Stadt. Präsentiert

werden in diesem Raum eine Vielzahl an Skulpturen,

was ihm den Namen Skulpturenhof eingebracht hat.

Ringförmig um ihn herum sind die Ausstellungsräume

des Erdgeschosses und ersten Obergeschosses

angeordnet, die alle vom zentralen Skulpturenhof

bzw. von dessen Galerie aus betreten werden können.

Auch untereinander sind die Ausstellungsräume

miteinander verbunden und schaffen so eine Wahlmöglichkeit

für die Wegführung durch die Ausstellung.

Die Zugänge sind im Bestand durch Portale aus

grauem Granit gekennzeichnet. Diese wurden auch

für die neu geschaffenen Eingänge und Durchgänge

aufgegriffen, sind aber hier aus grau lackiertem

Holz interpretiert. Sie sind ein zentrales Element zur

Orientierung innerhalb der Ausstellungsräume. Auch

die neu geschaffene einläufige Treppe passt sich visuell

daran an. Sie befindet sich auf der Rückseite der

dem Eingang gegenüberliegenden Wand und führt in

die oberen Geschosse. Diese veränderte Position der

vertikalen Verbindung ist mehr in den Museumsrundgang

integriert, ursprünglich lag sie sehr abgetrennt

von diesem direkt beim Museumseingang.

Die Wegführung durch das Museum erfolgt nun auf

intuitive Art und Weise, ohne immer wieder nach dem

Weg suchen zu müssen. Durch den Einbau eines Personenlifts

wurde nun auch Barrierefreiheit im gesamten

Gebäude geschaffen.


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33

Hoskins Architects

Der Bestandsbau ist nicht nur auf Vordermann gebracht

und verbessert worden, es wurde auch mehr

Raum geschaffen. Die früheren zwei Geschosse des

Gebäudes wurden jetzt um eine dritte Ebene erweitert.

Diese erstreckt sich nicht über die gesamte

Fläche des Gebäudes, sondern nimmt hauptsächlich

den Bereich über den Museumsräumen ein. Den Ausgangspunkt

für die Erweiterung bildete der Skulpturenhof,

dessen Volumen nach oben hin erweitert

wurde. Eine ovale Öffnung in der Decke schafft eine

Sichtbeziehung zum bestehenden Raum und vergrößert

ihn gleichzeitig nach oben hin. Sensibel orientieren

sich Größe und Proportion des Ovals an der

rechteckigen Grundform des Peristyls.

u


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34

Bauen im Bestand

Das neu hinzugefügte oberste Geschoss greift die

Anordnung der Galerien des Bestandsgebäudes zwar

auf, unterteilt den Raum aber nicht in mehrere kleine,

sondern schafft – wie heutzutage üblich – einen großen

stützenfreien Raum, in dem nun Wechsel- und

Wanderausstellungen Platz finden. Diese Flexibilität

der räumlichen Struktur ermöglicht es hier verschiedene

Ausstellungsgestaltungen umzusetzen. Über

den zentralen Raum der Aufstockung gelangt man

auch auf die Aussichtsterrasse, für die alleine es sich

lohnt, die Aberdeen Art Gallery zu besichtigen.

Alles in allem sind das Museum und seine Wegführung

nun flexibel und intuitiv geworden. Die Besonderheiten

der einzelnen Räume wurden hervorgehoben

und gestärkt. Das betrifft vor allem auch

den historisch bedeutendsten Raum des gesamten

Gebäudes, die Remembrance Hall. Als Pendant im

Innenraum zum Kriegsdenkmal in der kreissegmentförmigen

Nische im Straßenraum erinnert sie an

diejenigen, die in bewaffneten Konflikten ihr Leben

verloren haben. Durch die Möglichkeit, diesen atmosphärischen

Raum nun von allen vier Seiten zu

betreten, wird ihr Charakter als Zentralbau mit der

Grundform eines Kreises betont. Auch die ringförmige

Galerie im oberen Geschoss wurde zugänglich gemacht.

Durch ihre Verbreiterung besitzt sie nun mehr

Aufenthaltsqualität.

Den Abschluss des Raumes bildet eine imposante

Kuppel, die außen mit grünem Kupfer bekleidet

ist. Sie steht in Dialog mit der neuen Aufstockung,

die in kupferfarbenes Metall gehüllt ist. Diese steht

wiederum in Bezug zum grauen und rosafarbenen

Granit der historischen Fassade, passt sich zwar an

ihre Farbgebung an, hebt sich durch die Materialwahl

aber auch stark von ihr ab.

Die Aberdeen Art Gallery positioniert sich als öffentlicher

Innenraum und Ort der Inklusion. So ist

das Museum nun barrierefrei zugänglich und bietet

im Programm auch Touren in Gebärdensprache und

demenzfreundliche Veranstaltungen an. Die Erneuerung

der Architektur ermöglicht auch eine Öffnung

der Ausstellungspraxis und verfolgt einen Weg in die

Richtung, ein Ort für alle zu sein. Sie ist und bleibt

ohne Eintrittskosten zugänglich. Als öffentlicher Innenraum

nimmt sie somit eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen

Leben der Stadt ein.


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Hoskins Architects

Hoskins Architects

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Hoskins Architects

Section C

Hoskins Architects

Aberdeen Art Gallery

Hoskins Architects

Aberdeen

Sections

Art Gallery

0 5 10 15 20 M

1:500 @ A4 (c)COPYRIGHT GARETH HOSKINS ARCHITECTS LTD. COMPANY NO. SC254352

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1:500 @ A4 (c)COPYRIGHT GARETH HOSKINS ARCHITECTS LTD. COMPANY NO. SC254352

1:500 @ A4

Aberdeen Art Gallery

Aberdeen, Schottland

Bauherr:

Architekt:

Mitarbeiter:

Statik:

Aberdeen City Council

Hoskins Architects

Alasdair Tooze, Charlotte Collignon,

Chris Coleman-Smith, Dan Lowe, Donald Simpson,

Douglas Ritchie, Emma Campbell, Gareth Hoskins,

Jemma Motaleb, Jerome Wren, Jonathan Middleton,

Kirsten Stewart, Lucy Beltran, Mark Kitson,

Nick Domminney, Nick Van Jonker, Rory McCoy,

Sophie Logan, Thomas Hamilton

Büro Happold

Grundstücksfläche: 3.152 m²

Bebaute Fläche: 3.002 m²

Nutzfläche: 6.504 m²

Planungsbeginn: 10/2009

Bauzeit: 06/2015 - 02/2019

Fertigstellung: 02/2019

„The rooftop extension establishes an elaborate dialogue

with the adjacent Remembrance Hall dome. Its angular

plan form and darting roofline are carefully calibrated

in key views from nearby streets and from across Union

Terrace Gardens, to offer a constantly shifting presence

in relation to the granite of the Gallery walls and the

green copper of the Remembrance Hall dome for those

who move through the city. It is hoped that this new, characterful

and enigmatic contribution to the city’s skyline

signals the renewal of the institution itself.“

Hoskins Architects, Team in Glasgow


architektur FACHMAGAZIN

36

Bauen im Bestand

Vom Nylonstrumpf

zur Bürolandschaft

KB Gebäude / Arnhem / HofmanDujardin, Schipper Bosch

Text: Edina Obermoser Fotos: Matthijs van Roon, Peter Tijhuis

Das Architekturbüro HofmanDujardin

verwandelte in Kooperation mit Schipper

Bosch eine ehemalige Nylonfabrik in

einen Bürobau. Unter dem Namen „Gebouw

KB“ – KB Gebäude fügt sich das

Projekt in eine Reihe von Gewerbebauten

im holländischen Industriepark Kleefse

Waard Arnhem ein. Es ist dort Teil des

neuen Cleantech-Campus und bereichert

diesen um eine großzügige Arbeitslandschaft,

deren industrielle Vergangenheit

noch immer spürbar ist.

Mit dem Industriepark Kleefse Waard Arnhem entsteht

in der niederländischen Großstadt seit einigen

Jahren ein Cleantech-Campus. Anstatt Neubauten

aus dem Boden zu stampfen, werden hier bestehende

Bauten revitalisiert und umgenutzt. Aus den einstigen

Produktionsstandorten für synthetische Textilien

entwickelt sich so sukzessive ein nachhaltiger

Gewerbepark. Er soll unterschiedliche Unternehmen

aus dem Energiesektor auf einem Areal zusammenbringen.

Das alles passiert unter der Leitung des

Planungsbüros Schipper Bosch. Um die einzelnen

Bauten auf dem Areal mit einer einheitlichen Architektursprache

zusammenzufassen, übernehmen die

Projektentwickler selbst die Gestaltung sämtlicher

Außenansichten. Auch die Energieversorgung des

Geländes ist für alle gleich – sie wird mittels lokaler

Abfallprodukte gesichert und rundet das Nutzungskonzept

stimmig ab.

u


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HofmanDujardin, Schipper Bosch


architektur FACHMAGAZIN

38

Bauen im Bestand

Das Herzstück des Bestands aus den 1940er Jahren

stellte eine offene Fabrikhalle dar. Von riesigen Betonkesseln

geprägt, bildete sie die Rahmenbedingungen

für das Projekt. In den Tanks befand sich einst das

Polyhexamethylenadipinsäureamid, das wir als Nylon

kennen. HofmanDujardin ließen die Halle im Zuge der

Sanierung komplett aushöhlen. Was übrig blieb, war

die tragende Grundstruktur und mit ihr eine Reihe an

mächtigen Betonrippen, die unter dem Dach zusammenlaufen.

Sie wurden freigelegt und in das gestalterische

Konzept des KB Gebäudes integriert. Dort

scheinen sich die Träger, damals wie heute, an die Außenwände

des rechteckigen Baus zu schmiegen und

verleihen ihm einen fast sakralen Touch.

Anstatt die ehemalige Industriehalle völlig zu entfremden,

werden deren Qualitäten in den Vordergrund

gerückt. Sämtliche baulichen Eingriffe unterstützen

den Bestand, verdecken ihn aber nicht. Die

Betonwände und -träger changieren in verschiedenen

Grautönen und fungieren als dezenter Hintergrund

für die neuen Büroräumlichkeiten. In die luftige

Halle setzen die Architekten ein leichtes Stahlgerüst,

das sie selbst als „dreidimensionale Komposition“

bezeichnen. Es besteht aus mehreren Plattformen in

unterschiedlichen Höhen. Diese lagern auf Rahmen

und Fachwerkträgern, die an die tragende Konstruktion

andocken. Die einzelnen Niveaus sind jeweils

über Treppen miteinander verbunden. Durch

die gestaffelte Anordnung ergeben sich spannende

Blickbeziehungen quer durch das ganze Gebäude.

Die Geschosse schaffen reichlich neuen Platz für

dynamische Arbeitswelten. Durch Oberlichter und

großflächige Verglasungen fällt viel natürliches Licht

in die einstige Produktionshalle und lassen sie lichtdurchflutet

und freundlich wirken.


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39

HofmanDujardin, Schipper Bosch

Auf den einzelnen

Plattformen der neuen

Stahlkonstruktion gibt es

unterschiedliche Büroflächen,

die von privaten

Kojen bis hin zu kommunikativen

Zonen reichen.

Licht, Luft und grüne Bepflanzung

sorgen für ein

angenehmes Arbeitsklima.

Der untere Teil des vormaligen Industriegebäudes

ist kompakter und geschlossener als die darüberliegende

Halle gestaltet. Diese Aufteilung behalten

die Architekten bei und schaffen mit einer Treppe

den Übergang zwischen den beiden Bereichen. Sie

wird ganz in Holz gefertigt zum Hingucker und soll

die Orientierung in dem großen Bürobau erleichtern.

Außerdem bringt das Naturmaterial Wärme in das

sonst eher funktionelle, industrielle Design des KB

Gebäudes. Ein in schwarz gekleideter Aufzug ist so

positioniert, dass er alle Etagen erschließt – selbst

die neuen Stahlplattformen.

Glastrennwände, dunkle Einbauten und vereinzelte

Holzakzente ergänzen die grauen Betonoberflächen

im Erd- und Untergeschoss. Die schweren Nylonkessel

erforderten eine massive Bodenplatte. Sie wurde

im Zuge des Umbaus geöffnet und mit breiten Sitzstufen

versehen. Dieser Bereich dient nicht nur als

kommunikativer Treffpunkt, sondern kann auch für

Veranstaltungen genutzt werden. Neben Konferenzzimmern

in unterschiedlicher Größe ist hier auch ein

Restaurant untergebracht. Sämtliche Räume reihen

sich entlang eines zentralen Korridors aneinander. Im

Eingangsbereich erwartet Angestellte und Besucher

ein langer Tresen. Dieser wird neben Empfangstheke

auch zur Bar und schafft einen ersten Anlaufpunkt

innerhalb des 3.300 m 2 großen Bürobaus. u


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40

Bauen im Bestand

Unter- und Erdgeschoss

sind deutlich geschlossener

gestaltet als die darüberliegenden

Bürolandschaften.

Glastrennwände

grenzen Besprechungsräume

ab und schaffen

Platz für ungestörte

Produktivität. Eine große

Holztreppe verbindet

beide Bereiche.

Die Anordnung der Funktionen basiert im ganzen Gebäude

auf demselben Prinzip. Ein dynamisches Konzept

sorgt dafür, dass es sowohl für gemeinschaftliche

als auch für individuelle Aktivitäten genug Raum

gibt. Lautere, kommunikative Zonen wie Teeküchen

und Aufenthaltslounges sind deshalb rund um den

Liftschacht angeordnet. Nach außen hin befinden

sich privatere Bereiche mit unterschiedlich gestalteten

Arbeitsplätzen. Im ersten Stock bringt ein sogenannter

„Konzentrationsdschungel“ ein bisschen

Farbe in die Innenräume des grauen Betonbaus. Dieses

dicht bepflanzte Areal dient als flexible Bürofläche

und bietet ein naturnahes Arbeitserlebnis. Als

ungestörte Besprechungsräume verteilten die Planer

einzelne geschlossene Kabinen in der Halle. Sie wirken

wie kleine Zellen in der großen Open-Space-Bürolandschaft

und werden zu intimen Ruheorten.

Wie HofmanDujardin dem Revitalisierungsprojekt

begegnen, hat nicht nur strukturelle, sondern auch

praktische Gründe. Anstatt Veränderungen an dem

massiven Bestand vorzunehmen, schreiben sie ihn

behutsam fort und verhelfen ihm so zu neuem Glanz.

Die eingehängte Stahlkonstruktion wirkt leicht und

unterstreicht damit den offenen, kathedralenartigen

Charakter der ehemaligen Fabrikhalle. Zudem kann

sie bei einer zukünftigen Umnutzung angepasst

oder sogar ganz rückgebaut werden. So bleibt die

Möglichkeit bestehen, den Bürobau flexibel und je

nach Anforderung zu transformieren – ein durch und

durch nachhaltiger Ansatz, der die generelle Philosophie

der Architekten widerspiegelt.


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HofmanDujardin, Schipper Bosch

EG

OG 2

Gebouw KB – KB Gebäude

Industriepark Kleefse Waard, Arnhem, NL

Bauherr:

Planung:

Technische Beratung:

Bauleitung:

Einbauten:

Nutzfläche: 3.300 m 2

Planungsbeginn: 2019

Fertigstellung: 2020

IPKW / Schipper Bosch

HofmanDujardin in Zusammenarbeit mit Schipper Bosch

Huisman & van Muijen, JBTECH

Karbouw

Dokter interieurbouw

“Architektur dreht sich nicht um Gebäude, sondern

um Menschen. Wir schaffen klare, inspirierende

und persönliche Architektur von hoher

Qualität, die menschliches, intuitives Wohlbefinden

erzeugt und auf folgenden Werten

basiert: Geräumigkeit, Bodenständigkeit, Ausdruck

und Verbindung. Im KB Gebäude ist es

uns gelungen, eine schöne neue Balance zwischen

diesen Werten innerhalb der bestehenden

Struktur zu schaffen. Das Ergebnis ist ein

dynamischer und inspirierender Arbeitsplatz.”

Barbara Dujardin, Michiel Hofman


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Bauen im Bestand

Aus zwei

mach eins

MCR2 / Belmonte / Filipe Pina Arquitectura

Text: Edina Obermoser Fotos: João Morgado


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Filipe Pina Arquitectura

Filipe Pina und Maria Inês

Costa vom gleichnamigen

Architekturstudio Filipe

Pina Arquitectura, kurz

fp-a, machen aus einem

ehemaligen Bauernhaus

in Portugal ein einzigartiges

Wohndomizil. Sie

erwecken die alten Mauern

zu neuem Leben und

erweitern den ländlichen

Bau um einen Anbau. Das

Ergebnis ist eine gelungene

Mischung aus Alt

und Neu mit dem Namen

MCR2 Haus.

Das Wohnhaus befindet sich im historischen Belmonte,

einer portugiesischen Kleinstadt. Inmitten

der Landschaft wartet es mit Panoramaausblicken

auf die Serra da Estrela, einen Gebirgszug im angrenzenden

Naturpark, auf. Das Bestandsgebäude wurde

Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und in den

50ern um einen kleinen Anbau erweitert. Nachdem

es 15 Jahre leer stand, entschlossen sich die Besitzer

dazu, es in ein Ferien- bzw. Gästehaus und zweiten

Wohnsitz zu verwandeln.

Der ältere Gebäudeteil war das erste, was einst auf

dem leicht geneigten Gelände entstand. Er befindet

sich am südlichen Grundstücksrand, der aufgrund des

kargen Bodens keine landwirtschaftliche Nutzung zuließ.

Nach Norden öffnet er sich zur N 18 hin, einer der

Hauptverkehrsadern, die quer durch das ganze Land

führen. Das einstige Bauernhaus ist zweigeschossig

und in traditioneller Bauweise errichtet. Um mehr

Platz zu schaffen, wurde es schließlich in nördlicher

Richtung um einen niedrigeren Trakt erweitert.

Zwei Parameter machten das Projekt zu einer besonderen

Herausforderung: das Budget und die Funktionen.

Während der Kostenrahmen eng gesteckt

wurde, waren die Ansprüche an das neue Haus umso

größer. Einen weiteren Stolperstein stellten bauliche

Vorgaben dar, die keinen Neubau erlaubten. Um

allen Punkten gerecht zu werden, passten die Planer

den früher lediglich flach ausgeführten Anbau

im Zuge der Revitalisierung in seiner Höhe an den

Haupttrakt an. Damit brachten sie nicht nur mehr

Ruhe und Kohärenz in die Kubatur, sondern vergrößern

außerdem den Wohnraum. Gleichzeitig wurde

die vorhandene Konstruktion genutzt und damit die

Ausgaben minimiert.

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44

Bauen im Bestand

Im Zuge der Renovierung entwickelten Filipe Pina

und Maria Inês Costa ein duales Konzept, welches

die Grundidee des Hauses beibehält. Es baut auf

den bestehenden Strukturen auf und übersetzt diese

in eine zeitgemäße Architektursprache. Das wird

bereits beim ersten Blick auf die Fassaden klar. Eine

zweiteilige Hülle macht die Geschichte des Bestands

deutlich sichtbar: auf der einen Seite rohe Steinmauern,

auf der anderen dunkles Wellblech. Während

der Stein mit seinem natürlichen Charakter und den

rechteckigen Formaten perfekt in die ländliche Gegend

passt, verleiht das kühle Blech dem Bau mit seiner

vertikalen Riffelung einen funktionellen und fast

mystischen Touch.

Die unterschiedlichen Ansichten fasst ein mit roten

Ziegeln gedecktes Giebeldach stimmig zu einem

neuen Ganzen zusammen. Sowohl Dach- als auch

Fassadenflächen scheinen fast nahtlos ineinander

überzugehen und verleihen dem Wohnhaus ohne

sichtbare Traufausbildung eine schlichte Form. Fenster

mit tiefen Laibungen und schmalen Alurahmen

sowie Türen in dunklem Grau komplettieren die Außenhülle

des MCR2 Hauses.


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Filipe Pina Arquitectura

Im Inneren des ehemaligen Bauernhauses teilen sich

die 140 Quadratmeter Wohnfläche in private und kommunikative

Bereiche auf. Drei Schlafzimmer und ein

Lager, welches später bei Bedarf zu einem weiteren

Raum umfunktioniert werden kann, befinden sich im

rückseitigen Steintrakt. Sie sind alle mit einem eigenen

Bad ausgestattet. Eines der Zimmer im oberen Stockwerk

verfügt dank der leichten Hanglage des Grundstücks

über einen separaten Eingang. Dieser befindet

sich an der hinteren Querseite des Baus. Die beiden

anderen Schlafbereiche werden über den neuen Gebäudeteil

betreten. Sie schließen an die Küche im Erdgeschoss

und an das darüberliegende Wohnzimmer

an. Der Anbau beinhaltet sämtliche Gemeinschaftsräume.

In der unteren Etage lädt eine große Küche

zum Kochen, Essen und Austauschen ein. Sie öffnet

sich mit großen Verglasungen nach draußen und wird

zum hellen, freundlichen Treffpunkt für die ganze Familie.

Ein Kamin sorgt dafür, dass die Räume auch in

kalten Winternächten angenehm warm sind. Über eine

schmale Treppe gelangt man unters Dach. Der Giebelraum

bietet Platz für eine gemütliche Auszeit.

Das Design in den Innenräumen des Wohnhauses

prägt eine schlichte Eleganz. Es ist auf das Nötigste

reduziert und strahlt in Verbindung mit Naturmaterialien

trotzdem eine angenehme Wärme aus. Im neuen

Trakt bestimmen Braun und Grau die Farbpalette.

Die Arbeitsplatte sowie die Stufen der Treppe sind in

Sichtbeton gefertigt und passen perfekt zu dem glatten

Boden. Holzeinbauten schaffen warme Akzente.

Auch das Stiegenhaus und das Dachgeschoss sind in

Holz gehüllt. Das schwarze Rohr des Kamins im Erd-

geschoss zieht sich hier wie eine Säule mitten durch

den Raum. Die übrigen Zimmer sind schlicht und mit

hellen weißen Wänden gestaltet und fungieren als

dezenter Hintergrund für die Bewohner, die sie mit

Leben füllen werden.

Filipe Pina Arquitectura gelingt mit MCR2 eine Gratwanderung.

Auf bravouröse Art und Weise vereinen

sie Geschichte und Moderne in einem dualen Entwurf,

der sämtlichen Anforderungen entspricht. Sie

schaffen ein kleines Domizil, das sich inmitten der

ländlichen Umgebung sowohl für einen kurzen Urlaubsaufenthalt

als auch zum dauerhaften Wohnen

bestens eignet. Das Haus bietet alles, was es zum

Wohlfühlen braucht – und mit den Geschichten, die

die alten Mauern erzählen, vielleicht sogar noch ein

Stückchen mehr.


Im neuen Trakt des Hauses gelangt man zuerst in

den offen und schlicht gestalteten Koch-Essbereich.

Von dort aus führt eine Sichtbetontreppe weiter ins

Dachgeschoss. Hier befindet sich neben dem Wohnraum

auch eines der Schlafzimmer.


architektur FACHMAGAZIN

46

Bauen im Bestand

Gemütlichkeit pur – der Raum unter dem Dach ist

komplett mit Holz ausgekleidet. Er lädt mit Blick in

die Natur zum Innehalten und Entspannen ein. Das

schwarze Abluftrohr des Kamins durchstößt Boden

und Decke und wirkt fast skulptural.


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Filipe Pina Arquitectura

Ansicht Nord

EG

Ansicht Ost

OG

Ansicht Süd

Ansicht West

MCR2

Belmonte, Portugal

Bauherr: Privat

Planung: Filipe Pina Arquitectura

Team:

Filipe Pina, Maria Inês Costa

Statik:

Ricardo Pereira

Ausführung: Leonido & Filhos

Innengestaltung: Maria João Correia

Mobiliar: Miljo

Grafikdesign: João Aparício

Nutzfläche: 140 m 2

Planungsbeginn: 2015

Bauzeit: 1 Jahr

Fertigstellung: 2019

“Unser Ziel ist es, an der Grenze zwischen traditionell

und modern zu arbeiten, indem wir versuchen,

lokale Gegebenheiten zu reflektieren und

das tägliche Leben der Menschen zu erleben. Die

Umsetzung dieser Erfahrungen in Projekte ist das

Ergebnis einer ständigen intellektuellen Suche und

einer engen Beziehung zu unseren Kunden. Letztendlich

ist das Hauptergebnis unserer Arbeit die

Ausführung von wirtschaftlichen und nachhaltigen

Gebäuden mit höchstem Qualitätsstandard.”

Filipe Pina Arquitectura


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Bauen im Bestand

Plan B für ein

Mehrfamilienhaus

Haus S / Münster / Architekten Spiekermann

Text: Edina Obermoser Fotos: Frank Vinken


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Architekten Spiekermann

In enger Zusammenarbeit

mit den Bauherren

fand das Architekturbüro

Spiekermann die

perfekte Lösung für einen

Sechzigerjahrebau im

deutschen Münster. Das

einstige Studentenwohnheim

sollte abgerissen

und durch einen Neubau

ersetzt werden. Aufgrund

von Änderungen war das

plötzlich nicht mehr möglich

und es musste schnell

eine Alternative gefunden

werden. Der Plan B entpuppte

sich letztendlich

als Variante mit Potenzial

und resultierte in einem

modernen Dreifamilienhaus

voller Charakter.

Für die Abtragung des Bestands war bereits alles

vorbereitet, als es auf einmal hieß, dass der Bau

doch erhalten bleiben sollte. Aus der Not machten

die Architekten in Münster eine Tugend. Sie sind

bekannt für ihren Umgang mit traditionellen Bauten.

Mit ihrem jahrelangen Know-how in dem Bereich erstellten

die Planer im Eiltempo ein Konzept für die

Sanierung und den Umbau des Wohnhauses S, das

den Namen der Auftraggeber trägt. Dafür kombinierten

sie die vorhandenen Strukturen mit modernen

Elementen und entwickelten daraus einen zeitgemäßen

Plan B.

Was in der Theorie einfach und unkompliziert klingt,

sah in der Praxis etwas anders aus. Das Mehrfamilienhaus

am Rande der geschichtsträchtigen Altstadt

von Münster unterlag einer Vielzahl an Auflagen

durch das Bauamt. Einen der Hauptpunkte stellte

die Fassade dar. Sie sollte auch nach der Erneuerung

in charakteristischem, rotem Klinker erscheinen und

sich harmonisch in die historischen Bauten der westfälischen

Metropole integrieren. Mithilfe der Klinkermanufaktur

Janinhoff konnte hier das perfekte Material

für die Ansichten gefunden werden. Ziegelsteine

aus dem Ringofen mit Kohle- und Schmelzbrandanteilen

vereinen die Wünsche der Bauherrschaft mit

denen der Stadt und verleihen dem Haus seine typisch

münsterländische Optik. Durch die verschiedenen

Rottöne des speziellen Klinkers erhalten die

Außenwände einen modernen Touch und zugleich

eine natürliche Dynamik.

Auch in statischer und energetischer Hinsicht erforderte

der Altbau einige Anpassungen an heutige

Maßstäbe. Das vormalige Wohnheim wurde deshalb

komplett entkernt. Nichttragende Zwischenwände

mussten weichen, um den bis dahin wenig attraktiven

Bestand freundlicher zu gestalten. Die Wände

wurden komplett neu gedämmt, sämtliche Leitungen

und Installationen erneuert und die Fenster an

das neue Konzept angepasst. Im Inneren ging es

vor allem darum, den kleinteiligen Grundriss und

die dunklen Räume zu öffnen, um Platz für drei neue

Wohneinheiten zu schaffen. Für mehr Tageslicht in

den Räumen sorgen größere Öffnungen und neue

Balkone. Ein zentraler Liftschacht in Sichtbeton erschließt

alle Stockwerke des Hauses. Neben den beiden,

bereits vorher genutzten Etagen wurde im Zuge

der Sanierung auch das Dachgeschoss ausgebaut.

Die Tragstruktur wurde an die neuen Anforderungen

adaptiert und mit Kalksandsteinelementen verstärkt.

Diese unterstützen nicht nur die Konstruktion, sondern

wirken sich mit ihren schallschutztechnischen

Eigenschaften auch positiv auf die Akustik aus. u


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50

Bauen im Bestand

Die Wohnung unter dem

Dach erstrahlt dank

neuer Öffnungen hell und

freundlich. Dachträger,

ein Kamin und schmale

Rahmen aus schwarzem

Stahl sorgen inmitten des

Apartments für dunkle

Akzente und bestimmen

die Gestaltung.


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51

Architekten Spiekermann

Das revitalisierte Wohnhaus umfasst nun drei Einheiten

– zwei in den unteren beiden Niveaus und eine

unter dem Dach. Einen Teil des Erdgeschosses nehmen

drei Garagenstellplätze ein. Daneben ist eine

Maisonette untergebracht. Sie teilt sich in einen offenen

Wohnbereich unten und die darüberliegenden,

privateren Bereiche auf. Im ersten Stock gibt es Platz

für ein weiteres, kleines Apartment. Dieses ist ebenfalls

mit einem großen Wohn-Essbereich ausgestattet.

Ein Schlafzimmer dient als Rückzugsmöglichkeit.

Den krönenden Abschluss bildet die Dachgeschosswohnung.

Mit einer Größe von 160 m 2 wird sie zum

neuen Domizil der Bauherren, die sich mit ihrer Designaffinität

selbst aktiv in die Gestaltung miteinbrachten.

Ihr Wunsch war ein stilvoller Mix aus Alt

und Neu. Die Architekten Spiekermann nutzten deshalb

die Konstruktion des Bestands und machten sie

zum gestalterischen Highlight. Sie setzten die originalen

Stahlträger schwarz gestrichten neu in Szene.

Durch die Freilegung des Dachstuhls erhielt die Wohnung

zusätzliche Höhe und wirkt trotz der Schrägen

nicht beengend. Die Kombination an schlicht weißen

Oberflächen und dunklen Akzenten sorgt für ein

großzügiges und doch gemütliches Raumgefühl. u


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52

Bauen im Bestand

Mit dem Aufzug gelangt man direkt in den offenen

Wohnraum mit anschließender Küche. Der Sichtbetonschacht

wird zum Herzstück dieses Bereichs, um

den sich die unterschiedlichen Funktionen anordnen.

Ein drehbarer Kamin orientiert sich in seiner Designsprache

an den schwarzen Dachbalken, er kann

beliebig untertags zum Esstisch und abends zur Sofalandschaft

hin ausgerichtet werden. Zwei mittig in

den Längsfassaden positionierte Loggien sowie neue

Gauben öffnen das Dachgeschossapartment zu beiden

Seiten hin und bringen zusätzliches Licht in die

Räume. Dunkle Details ziehen sich auch durch die

übrigen Bereiche der Wohnung. Die Giebelwand in

der Küche kleiden, passend zu den dunklen Fronten,

schwarze Fliesen – ein Andenken der Eigentümer aus

Marokko. Glastrennwände mit dezenten Stahlrahmen

und graue Wände fügen sich perfekt in das moderne

Konzept ein. Auch das Bad ist in verschiedenen

Grautönen gefliest. Raffinierte Einbauten, wie zum

Beispiel für Waschmaschine und Trockner, werden

zu funktionalen Verstecken und runden die Wohnung

unter dem Dach, zusammen mit warmen Holzböden

harmonisch ab.

Spiekermann Architekten reagierten auf die veränderten

Umstände schnell und unkompliziert. Sie sanierten

den Bestand behutsam und verhelfen den alten

Mauern zu neuem Glanz. Das Ergebnis ist ein zeitgenössischer

Wohnbau, dem man keineswegs anmerkt,

dass es sich dabei lediglich um einen Plan B handelt.

Das Dreifamilienhaus S zeigt einmal mehr, dass Gebäudesanierungen

viele Möglichkeiten bieten. Mit

geschickter Planung können bestehende Struk turen

in wahre Schmuckstücke verwandelt werden. Im Vergleich

zu Neubauten haben sie dabei einen klaren

Vorteil – sie stecken voller erlebbarer Geschichte. •

Holz, grau, weiß – die

Farbpalette im Dachgeschoss

setzt sich aus unterschiedlichen

Grau- und

Holztönen zusammen,

die von schlicht weißen

Oberflächen abgerundet

werden. Sie verleihen den

Räumen einen edlen und

doch wohnlichen Touch.


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Architekten Spiekermann

DG

OG

EG

Haus S

Münster, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Statik:

Privat

Architekten Spiekermann (Oliver Spiekermann)

Wiening Ingenieurgemeinschaft

Grundstücksfläche: 299 m 2

Bebaute Fläche: 267 m 2

Nutzfläche: 394 m 2

Planungsbeginn: Ende 2017

Bauzeit:

ca. 14 Monate

Fertigstellung: Mai 2019

„Ideal ist es, die Dinge

so einfach zu gestalten,

dass sie inhaltlich und

zeitlich Bestand haben.

Wir wollen ein Haus so

selbstverständlich wie

möglich gestalten, es zur

Hülle für die Vielfalt des menschlichen Daseins dauerhaft

ausbilden. Expressionistische Formen, die nur

der künstlerischen Willkür entspringen, ohne Bezug

zur Nutzung, Konstruktion und Gebrauchstüchtigkeit,

versuchen wir durch kritische Distanz zu aktuellen

Architekturerscheinungen zu meiden.“

Architekt Oliver Spiekermann


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Bauen im Bestand

Zart & hart

WOHNUNG SCH52 / Berlin / BATEK ARCHITEKTEN

Text: Linda Pezzei Fotos: Marcus Wend


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BATEK ARCHITEKTEN

Wohnen zwischen zart und hart im Herzen von Berlin.

BATEK ARCHITEKTEN haben mit ihrer WOHNUNG

SCH52 ein ehemaliges Industrieloft in eine individuelle

Wohnlandschaft für eine fünfköpfige Familie verwandelt.

Der Clou: durch das Implementieren freistehender

Boxen konnten die großzügige Weite der Räume und

der industrielle Charme erhalten bleiben, ohne dabei

auf Kosten privater Rückzugszonen zu gehen.


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Bauen im Bestand

Der Wohn- und Essbereich

wurde sehr hell, offen und

puristisch gestaltet. Einzelne

Designobjekte und

Möbelstücke setzen ganz

bewusst Akzente und verleihen

der Wohnung ihren

individuellen Charakter.

Großzügige Etagenwohnungen in ehemaligen Industrieetagen

gehören zu Berlin wie der Fernsehturm

oder der Alex. Wohingegen letztgenannte kaum zu

übersehen sind und sich über deren Ästhetik trefflich

streiten ließe, lassen sich die heißbegehrten und

immer charmanten Loftstudios meist versteckt und

völlig überraschend in dem einen oder anderen – von

außen völlig unscheinbaren – Altbau finden.

Das offenbart sich dem Berlinbesucher dann meist

folgendermaßen: Man betritt zuerst nichtsahnend

ein Haus wie jedes andere in der Straßenflucht der

typischen Jahrhundertwendebauten, findet sich in

einem der für Berlin ebenso typischen großzügigen

und bunt gefliesten Treppenhäuser wieder und wird

beim Gang in die oberen Etagen plötzlich stutzig -

anstelle einer einfachen Eingangstüre betritt man

die Wohnung nämlich über eine massive Stahltür.

Im Falle der WOHNUNG SCH52 der ortsansässigen

BATEK ARCHITEKTEN erfolgt das Überraschungsmoment

noch einen Schritt später - denn selbst die

Eingangstüre fügt sich noch schlicht und zurückhaltend

in das Ensemble.

Beim Betreten der 240 Quadratmeter großen Wohnetage

in der Schönleinstraße könnten die Augen

dann aber kaum größer werden. Wo Neukölln und

Kreuzberg aufeinandertreffen, haben BATEK ARCHI-

TEKTEN mit viel Fingerspitzengefühl ein gemütliches

Zuhause für eine fünfköpfige Familie geschaffen,

das die Attribute “zart und hart” absolut stimmig

miteinander vereint. Man merkt, dass die Architekten

häufig mit Bestandsgebäuden arbeiten und dass ein

großer Respekt für das Vorhandene besteht, das es

in Folge individuell auf den Nutzer abgestimmt weiterzuentwickeln

gilt. So lebt das Familienloft vom Gespür

für Materialien, Farben und Licht, das in Kombination

mit den klaren architektonischen Strukturen

eine ganz eigene Atmosphäre verströmt.


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BATEK ARCHITEKTEN

Das Konzept der Planer beruht auf dem Prinzip, den

offenen, großzügigen Eindruck des Raums nicht zu

schwächen und trotzdem genügend geschützte

Rückzugsorte für alle Familienmitglieder zu schaffen.

Die Lösung ist eine Art Haus-im-Haus-Konstruktion

aus Boxen, die frei in die Etage integriert wurden. Auf

diese Weise bleibt der Bestand in seiner Hülle unangetastet

und in seiner Höhe und seinem Charakter

sinnlich wahrnehmbar. Die Oberflächen der Bestandsarchitektur

wurden lediglich weiß gestrichen,

sodass die Textur der Backsteinwände und -decken

sichtbar und greifbar bleibt. Neben technisch anmutenden

Designelementen finden sich auch Relikte der

früheren Nutzung in Form von dekorativen Elementen

an Wänden und Decke wieder. Das “Unperfekte”

wirkt in diesem Zusammenhang so natürlich und

selbstverständlich, dass es den Eindruck vermittelt:

So und nicht anders muss es sein. Die massiven und

gleichzeitig konstruktiv ästhetischen Stahlstützen

runden den Gesamteindruck nicht nur ab, sondern

zonieren den offenen Raum gleichermaßen, ohne dabei

physisch störend zu wirken.

Insgesamt gliedert sich die Wohnung in zwei Zonen.

Auf der einen Seite gibt es einen sehr offenen Bereich,

der die Küche mit freistehendem Block, den

Essplatz und die Wohnlandschaft umfasst. Die vielen

großen Fenster sorgen in Kombination mit dem dominierenden

Weiß von Decke und Wänden für einen

weitläufigen, hellen und leichten optischen Eindruck.

So zurückhaltend die Möblierung in ihrer Quantität

daherkommt, so überzeugt doch deren Qualität. Die

treffsicher ausgewählten Möbelstücke und Leuchten

bilden eine gelungene Kombination aus bekannten

Klassikern und individuellen Einzelstücken. Der geschliffene

Industrieestrich fügt sich ebenso selbstverständlich

in das Gesamtbild wie der Küchenblock

aus Edelstahl. Die Verkleidung der Küchenzeile ist

gleich den restlichen Einbauten in Dreischichtplatte

aus Fichte ausgeführt, deren warmer, heller, fast zarter

Holzton wiederum in gelungenem Kontrast zu der

eher hart anmutenden Industriearchitektur steht. u


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Bauen im Bestand

Im Gegensatz zu der offenen Ess- und Wohnlandschaft,

die eindeutig dem eher lauten, gemeinsamen

Familienleben dient, ist der zweite Bereich deutlich

zurückhaltender gestaltet. Seitlich des Eingangs

fügen sich entlang eines diagonal verlaufenden

Flurs maßgefertigte Boxen aneinander, die privatere

Wohnbereiche wie ein Studio, Schlafzimmer, Bäder,

eine Ankleide sowie ein Gästezimmer umfassen. Die

Boxen aus Fichtenholz wurden zum großen Teil und

ganz bewusst nicht bis zur Decke gezogen, um die

massiven Unterzüge und die gusseisernen Stützen

sichtbar zu belassen sowie den Raum seiner Tiefe

nicht zu berauben. Die Deckel der Boxen bilden ihrerseits

eine eigene Dachlandschaft, die zum Teil

aus geneigten “Dachflächen” besteht und an anderer

Stelle eine Art Dachterrasse ausbildet. Mit vertikalen

Lamellen aus Fichtenholz halbprivat abgegrenzt,

dient die Fläche über der Ankleide beispielsweise als

Leseecke oder Rückzugsort zum Entspannen.

Wo Bäder raumhoch abgegrenzt werden mussten,

haben die Architekten auf matte, milchige Polycarbonat-Stegplatten

als Auskleidung der Holzkonstruktion

zurückgegriffen. Das bringt nicht nur diffuses

Licht tief in den Raum, sondern lässt auch die Grenze

zwischen Wand und Luftraum optisch verschwimmen.

Insgesamt entsteht so in Kombination mit dem

zarten Rosaton, dem einzigen Farbtupfer in der Wohnung,

ein zarter, fast romantischer Eindruck, der allerdings

so gekonnt durch sein industrielles Pendant

in Waage gehalten wird, dass die Stimmung zu keinem

Zeitpunkt ins Kitschige abzudriften droht.

Die tischlermäßigen Einbauten

aus Fichtenholz

setzen nicht nur einen

schönen Kontrastpunkt

zur übrigen Materialwahl,

sie lassen die Wohnung

trotz industrieller Optik

warm und wohnlich

wirken.


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BATEK ARCHITEKTEN

Räumlich bietet der Kunstgriff der Boxen eine Vielzahl

an spannenden Nebeneffekten. So ergeben sich

ganz natürlich immer wieder Sprünge im Höhenniveau,

die sich in unterschiedlichen Deckenhöhen

äußern, sich aber auch “topografisch” durch den

Einsatz von Treppenstufen und Podesten bemerkbar

machen – eine Wohltat für den Bewohner eines Lofts

mit einer derartigen Raumhöhe. Zum anderen bieten

die Boxen viel “versteckten” Stauraum, ermöglichen

Einbauschränke und umfassen offene Regale, sodass

auf freistehende Möbel weitgehend verzichtet werden

kann.

BATEK ARCHITEKTEN beweisen mit der Umsetzung

der WOHNUNG SCH52, dass sich Loftwohnungen

nicht nur für Stars und Exzentriker zum Residieren

eignen, sondern auch einer fünfköpfigen Familie ein

individuelles Wohnerlebnis ermöglichen können. •

WOHNUNG SCH52

Berlin, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Privat

BATEK ARCHITEKTEN

Anke Müller, Patrick Batek

Nutzfläche: 240 m 2

Planungsbeginn: Februar 2018

Bauzeit: 6 Monate

Fertigstellung: November 2019

„Das Loft hatte eine sehr schöne

Substanz und diese zu bewahren war

sehr wichtig. Die neuen Räume sind

durch tektonisch entkoppelte Elemente

gestaltet, so dass die Grundstruktur

unberührt und das großzügige

Raumgefühl bestehen bleibt.“

Patrick Batek


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Restaurant- & Bararchitektur


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Restaurant- & Bararchitektur

Glückliches Cafe

Das glückliche Cafe — Café Joyeux — auf der Pariser Prachtstraße Champs

Élysées entstand als Pop-up-Cafe. Die Idee dahinter: Einen besonderen Ort

der Begegnung und Beschäftigung zu schaffen.

Fotos: Salem Mostefaoui for PCA-STREAM

Das zentrale Gestaltungselement des vom Architekturbüro

PCA-Stream gestalteten Projekts bildet das

zweigeschosshohe Raumregal, das sich an einer Seitenwand

in die Höhe zieht. Es markiert gleichzeitig

den wichtigsten Bereich des Lokals, die Bar, an der

die Getränke und Speisen zubereitet werden. Diese

ist sehr kompakt gehalten und alle notwendigen Abläufe

lassen sich hier optimiert ausführen und alles

Notwendige befindet sich in Griffweite.

Nicht nur an der Bar, sondern auch im Regal hat alles

seinen Platz. Auf scheinbar diffuse Art und Weise ist

es in größere und kleinere Fächer unterteilt. Ebenso

wie die Bar besteht auch das Regal aus OSB-Platten

mit farblich gelben Akzenten. Das satte Sonnengelb

zieht sich als durchgehende Farbe durch die gesamte

Gestaltung des Cafes und wirkt identitätsstiftend.

Als Pop-up-Cafe geplant, also nur temporär angedacht,

erfreut sich das Café Joyeux heute großer Beliebtheit.

Nicht nur die Gestaltung und die dadurch

geschaffene Atmosphäre tragen dazu bei, auch die

Art und Weise, wie das Cafe betrieben wird. Es ist ein

Ort des Miteinander, an dem Menschen mit besonderen

Bedürfnissen arbeiten. Vor allem Menschen mit

Down-Syndrom und mit autistischen Erkrankungen

finden hier eine Beschäftigung, sollen so „sichtbar“

und in die Gesellschaft integriert werden. Das Café

Joyeux ist ein Ort der Begegnung, der Interaktion, an

dem Inklusion geschaffen wird. Die Architektur von

PCA Stream wirkt dabei unterstützend.


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Restaurant- & Bararchitektur

Von Fischen

inspiriert

Koi Karpfen des Teiches im Innenhof sind die Namensgeber für das von box arquitectos

gestaltete Koi Restaurant an der portugiesischen Ponta Delgada. Es erweitert den

Außenraum nach Innen und schafft so ein stimmiges Gesamtbild.

Fotos: Ivo Tavares Studio

Im Erdgeschoss eines Hotelgebäudes gelegen, orientiert

sich das Restaurant zu dessen Innenhof. Die

gesamte Fläche der Fassade gibt den Blick durch

eine überdimensionale Glasfläche in den grünen

Innenhof frei, keine Fensterprofile durchbrechen

diese Aussicht. So bekommt man das Gefühl vermittelt,

sich im Außenraum zu befinden. Man blickt

auf das Grün der Vegetation, das den Hof einnimmt.

Dieses dient auch als verbindendes Element zwischen

Innen und Außen.

Von der Decke im Restaurant hängt an drei Stellen

Grün, das in den Raum greift. Es bringt die Natur

nach innen, schafft aber gleichzeitig, durch die kreisförmige

und rechteckige Anordnung, etwas Künstliches.

Als prägnantes Gestaltungselement zoniert es

den Raum, ohne ihn zu trennen. Der längliche und

einheitliche Charakter des Raumes bleibt bestehen,

was auch durch den durchgehenden Bodenbelag unterstützt

wird. Seine wabenförmige Struktur nimmt

verschiedene Grautöne auf. Das in den Raum strahlende

Licht reflektiert auf diesem Boden und bringt

ihn zum Glänzen. Das erinnert an die schuppige Haut

eines Fisches, die silbern glänzt. Die an den Wänden

angebrachten Akustikpaneele erinnern ebenso

an dieses Schuppenkleid. Sie spiegeln auch das

Farbspektrum des Restaurants wider: Grautöne und

sattes Grün. Das Grau der mineralischen Oberfläche

des Bodens, der Sitzbank und der Wandverkleidung

wirkt sehr kühl und reduziert. Es kontrastiert mit den

Grüntönen, die den Raum beleben. In Kombination

wird so ein edles Gesamtbild geschaffen, das durch

stilvolle minimalistische Möblierung und Raumausstattung

komplettiert wird.


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Restaurant- & Bararchitektur


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Restaurant- & Bararchitektur

Der Geist Mexikos

Ein rundum durchgängiges Gesamtkonzept ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der

Gastronomie. Gutes Essen gibt es an vielen Orten – den entscheidenden Unterschied

macht ein stimmiges Ambiente, das Gäste schmecken, fühlen und auch

optisch erleben können.

Fotos: Nexus Design

Ein Beispiel für ein derartiges Konzept ist das Londoner

Restaurant KOL, das sich ganz dem Geist Mexikos

verschrieben hat. Dafür entwickelten das Mailänder

A-nrd Studio ein passendes Interiordesign. Als

Basis dafür unternahm Designer Alessio Nardi eine

Exkursion durch Mexiko – von Mexiko-Stadt über

Oaxaca bis zum Yucatan –, um die Nuancen der mexikanischen

Kultur zu entdecken.

Und so ist die im KOL eingesetzte Farbpalette nun

eine Ode an die Straßen Mexikos und wechselt zwischen

verschiedenen Gelb-, Rosa- und gebrannten

Orangetönen. Organisatorisch bilden die drei Kücheninseln

im Zentrum des Restaurants einen theatralischen

Mittelpunkt. Die gesamte Einrichtung

konzentriert sich auf subtile Details und natürliche

Materialien - eine Anspielung auf die modernistische

Ästhetik, die in ganz Mexiko zu finden ist. Handgehobeltes

und grob bearbeitetes Eichenholz, steinerne

Tischplatten und Holz- und Betonböden ergänzen

den Stil, der durch Kunstwerke mexikanischer Künstler

weiter verfeinern wird. Prägend sind vor allem

auch die Stuckwände in verschiedenen Farbtönen.

Eine Steigerung der mexikanischen Stimmung erfährt

man, wenn man der rohen Stahltreppe in das

Untergeschoss folgt. Hier befinden sich der „Cheftisch“

und die Mezcaleria-Bar, die lebhafte mexikanische

Küstenatmosphäre nach London bringen sollen.

Die umfangreiche Verwendung natürlicher Materialien

verleiht den Räumen Authentizität, die durch die

Kombination von mexikanischer Volkskunst und zeitgenössischen,

handgefertigten Objekten britischer

Handwerker verstärkt wird.


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Licht

Verschmelzung von

Licht & Beton

Das von den Ecker Architekten in Gaiberg/Deutschland geplante Gemeindezentrum

ist ein städtebauliches Außenraumprojekt, bei dem durch den Abriss eines Gebäudes

eine neue zentrale Ortsmitte entstand. Markantester Teil dieser Intervention ist

ein offener Raum mit einer spektakulär gefalteten Sichtbetondecke, die den Innenraum

zu einer Besonderheit werden lässt.

Text: Alexander Magyar Fotos: Brigida Gonzalez

Das Lichtkonzept für diese markante Architektur

stammt vom Lichtplaner Anselm von Held, der damit

die architektonische Idee einer Verschmelzung von Beton

und Licht unterstreicht. Die besondere Herausforderung

dabei war, durch die Kleinheit der eingesetzten

Leuchten die Struktur der Faltdecke ungestört zur Geltung

zu bringen und dabei eine einmalige Raumatmosphäre

entstehen zu lassen.

Realisiert wurde die Grundbeleuchtung mit dem System

Dot28 von Georg-Bechter-Licht – verbaut wurden

Sichtbeton-Einbaukapseln mit Kühlflächenerweiterung,

um Powerdots mit bis zu 1050 mA bestromen zu können

und damit eine Grundbeleuchtung von bis zu 300

Lux zu erreichen.

Trotz der komplexen Bewehrung der Betondecke hat

der Einbau der Betoneinbautöpfe sehr gut funktioniert

– keine einzige Betonkapsel wurde vor oder während

des Gießens der Sichtbetondecke beschädigt oder verschoben.

Die Auslässe wurden dabei so verkabelt, dass

sowohl die Downlights Dot28 (Niedervolt - stromgesteuert),

als auch das Georg-Bechter-Baldachin (230 V)

angeschlossen werden können. Das sorgt für Flexibilität

bei sich ändernder Nutzung.

Die Lichtauslässe sind jeweils auf der dem Eingang

abgewendeten Seiten der Faltung montiert und damit

quasi nicht wahrnehmbar. Der Raum ist voller Licht,

ohne dass man eine Leuchte sieht. Abgerundet wird die

Lichtinszenierung durch einen Bodeneinbaustrahler für

die Anstrahlung der Rückwand (tiefergestellte Lichtquelle

und integrierter Entblender) und die vollflächige

Beleuchtung der seitlichen Holzwand mit einem linearen

Wallwasher.


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Licht


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Produkt News

Eine eigene Leistungsklasse

Die BEGA Leistungsscheinwerfer mit ihren patentierten Reflektoren setzen

höchste Maßstäbe in nahezu allen Bereichen, die Effizienz, technisches Potenzial

und gestalterische Wirkung dieser Leuchten definieren.

Trotz der kompakten Abmessungen sind damit hohe

Lichtleistungen realisierbar und das Reflektorsystem

BEGA Vortex Optics® mit seinen neu entwickelten

und in sich verdrehten Reflektoren ermöglicht zudem

eine intensive Bündelung des Lichts und eine perfekte

Lichtlenkung. Die Rasterstruktur der nahezu verschleißfreien

Optik sorgt mit ihrer Entblendung der

Lichtquellen zudem für sehr hohen Sehkomfort.

In der RGBW-Version wird die breite Palette der Farblicht-Atmosphären

mit hervorragenden Farb- und

Lichtwirkungen erlebbar. Die Farbmischung erfolgt

bereits innerhalb der Optik und nicht erst auf der Distanz

zur Anstrahlfläche. Das Resultat ist eine wesentlich

homogenere Durchmischung der Farben. Von

höchster Wirksamkeit ist darüber hinaus das Thermomanagement,

das die sehr lange Lebensdauer der

LED-Module und der anderen Bauteile auch bei intensiver

Beanspruchung gewährleistet – selbst wenn

sehr hohe Umgebungstemperaturen herrschen.

Das Zusammenspiel der thermisch-intelligenten

Konstruktion der Leuchte, des Schutzes der

temperaturempfindlichen Leuchtenbauteile dank

BEGA Thermal Control® sowie der leistungsstarken

LED-Module aus eigener Fertigung, sorgt für eine

effektive Wärme-Ableitung. Darüber hinaus wird bei

Temperatureinflüssen, die deutlich über die definierten

Maximalwerte hinausgehen, eine automatische

und kaum wahrnehmbare Reduzierung der Nennleis-

tung vorgenommen. Der Scheinwerfer wird in diesem

hohen Temperaturbereich weiter betrieben – ohne

negative Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und

Lebensdauer der LED-Module.

Dass die Leistungsscheinwerfer mit ihrem innovativen

Verschlusssystem ohne sichtbare Schrauben

über besonders leistungsstarke und zuverlässige

Netzteile verfügen, komplettiert das Paket zahlreicher

Alleinstellungsmerkmale dieser Leuchten mit

bündelnder, streuender und asymmetrischer Lichtstärkeverteilung.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center

Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com


www.architektur-online.com

Systeme in Metall

Produkt News

fural.com

WIR SIND

DECKENSEGEL

fural.com

Wogendes Licht

In einer Verkehrsunterführung in Amsterdam hat der Künstler

Matthias Oostrik mit „Jans Licht“ eine ungewöhnliche Verbindung

zwischen den Menschen und der Umgebung geschaffen.

Seine Installation reagiert auf Besucher mit wechselndem Licht,

Video und Ton. Jans Licht wird von Fußgängern aktiviert, die

die schmalen Gehwege der Kattenburgerstraat-Unterführung

nutzen. In den dunkelsten Teilen des Tunnels lösen sie so helle

Lichtprojektionen aus, die sich zusammen mit den Fußgängern

bewegen: An den alten Fliesenwänden entlang bewegen sich

die Lichtstrahlen gemeinsam mit den Menschen während auf

dem Gehweg Lichtwellen sanft auf sie zu schwingen.

Die Projektionen, drei auf beiden Seiten der Straße, werden

durch ultrahelle Lichtquellen erzeugt, die durch eine Reihe

von maßgeschneiderten Gittern leuchten. Die Schatten dieser

einzigartigen Roste interagieren und erzeugen Moiré-Muster,

die völlig unterschiedliche Effekte auf der Wand und dem

Boden erzeugen. Im krassen Gegensatz zu den bestehenden

warmen, fast orangefarbenen Straßenlaternen verwenden die

Projektionen kaltes weißes Licht.

www.oostrik.net


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Produkt News

Flexibilität – Erfolgsfaktor der Zukunft

Die letzten Monate haben die Anpassungsstrategien von Unternehmen auf den

Prüfstand gestellt. Eine Entwicklung, die auch in der Objekteinrichtung und in

architektonischen Konzepten ihren Niederschlag findet. Unternehmen werden

Flächen mit dem Ziel vielfältiger Bespielung und effektiver Nutzung neugestalten.

Deshalb sind die Produktneuheiten 2021 bei Selmer stark vom Erfolgsfaktor

„Flexibilität“ bestimmt:

Mit ray table flex vom Designerduo jehs+laub präsentiert

Selmer eine Weiterentwicklung der erfolgreichen

Konferenztisch-Serie. Das modulare System für

besonders große Tischtiefen lässt sich im Handumdrehen

vom klassischen Konferenztisch zur Lösung

für flexible Aufgaben, etwa Kreativ-Workshops, Seminare

oder Präsentationen verwandeln. Das Handling

im Auf- und Umbau ist unkompliziert und erfolgt

gänzlich ohne Werkzeug. Die edle, hochwertige

Optik entspricht höchsten Kundenansprüchen und

verbirgt die hohe Funktionalität hinter international

prämiertem Design von jehs+laub.

Der neue crona up von Archirivolto Design ist die

Antwort auf zunehmende Agilität am Arbeitsplatz.

Mit ruhig gleitenden Rollen und flexibler Höhenverstellung

gelingt der Einsatz in unterschiedlichen Arbeitsbereichen

bei gleichzeitig höchster Ergonomie.

Mit dieser Weiterentwicklung der crona-Serie zeigen

die Designer, dass Funktionalität und ansprechendes

Design bei klassischen Office-Möbeln Hand in Hand

gehen können. Durch die vielen unterschiedlichen

Ausführungen sowie Stoff- und Gestellfarben passen

sich die flexiblen Sitzmöbel nicht nur im Arbeitsalltag

optimal an, sondern gliedern sich zudem nahtlos in

das Corporate Design von Unternehmen ein.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


www.architektur-online.com

Produkt News

SPC-CORE COLLECTION.

Zertifizierte Designbodenbeläge für eine

wohngesunde Raumgestaltung.

www.project-floors.com

Wohnlichkeit auf

den Punkt gebracht

Einen vollgepolsterten und gleichzeitig kompakten Club-Sessel

bietet Sedus mit dem vielseitigen „on spot cosy“ an. Der

sympathische Club-Sessel überzeugt durch sein wohnliches

Design, seine Ergonomie und Langlebigkeit, wobei ihn seine

zahlreichen Ausstattungsmöglichkeiten zum Verwandlungskünstler

machen.

Zudem bringt der ergonomisch ausgereifte Clubsessel noch

mehr Wohnlichkeit ins Spiel: Der vollgepolsterte und gleichzeitig

kompakte Sessel wurde speziell für den Einsatz in Besprechungs-

und Seminarräumen, in Bistros, Empfangsbereichen

und Home Offices entwickelt. Er lässt sich vielfältig

gestalten und bestens mit bestehenden Einrichtungen und

Stilen kombinieren.

Als Gestellvarianten stehen vier Ausführungen zur Wahl: ein

höhenverstellbarer Fünffuß auf Rollen, ein Kreuz-Vierfuß aus

Stahl, ein Vierfuß aus Holz und ein Kufenmodell, die alle formal

optimal zur großen Produktfamilie Sedus on spot passen. Das

bequeme, aber straff ausgelegte Polster gibt es in mehreren

Stoffqualitäten, auf Wunsch auch in Farbkombinationen aus

Rückenlehne, Außenschale und Sitzpolster.

Sedus Stoll GmbH

Herklotzgasse 26/H1

1150 Wien

T +43 (0)1 982 94 17 12

sedus.at@sedus.com

www.sedus.com


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Produkt News

Genau die richtige Wassermenge

Der elektronische WC-Druckspüler TEMPOMATIC mit dualer Steuerung von

DELABIE – ausgezeichnet als „Winner“ der ICONIC AWARDS 2021: Innovative

Interior – bietet eine automatische Spülung bei Verlassen des Nutzers, wenn

dieser den Druckknopf nicht benutzt.

Diese duale Steuerung sowie die Hygienespülung

gegen Bakterienwachstum alle 24 Stunden nach der

letzten Spülung, sorgen für permanente Hygiene des

Beckens. Als absolute Neuheit verfügt das System

über eine „intelligente“ automatische Spülfunktion:

Es ist in der Lage zu unterscheiden, ob eine kleine

oder große Spülmenge notwendig ist (3l/6l einstellbar

auf 2l/4l).

Um Missbrauch und Verschwendung zu verhindern,

ist der WC-Druckspüler zudem mit einer Antiblockiersicherheit

AB ausgestattet. Diese verhindert

das Blockieren der Armatur in geöffnetem Zustand.

Die Spülung erfolgt erst nach Loslassen des Druckknopfes.

Ebenfalls innovativ ist der patentierte, variable

Unterputzkasten, der zu 100 % wasserdicht und

für jede Installationsart geeignet ist: Die Länge des

zuschneidbaren Kastens ist an Wandstärken von 10

bis 120 mm anpassbar.

Ein Druckspülsystem, das direkt an die Wasserversorgung

angeschlossen ist und nicht nachgefüllt

werden muss, ist hygienischer als WCs mit Spülkasten.

Der Verzicht auf einen Spülkasten schützt vor

Bakterienwachstum, verhindert die Stagnation des

Wassers sowie Kalkablagerungen oder Schmutzpartikel

in den Sanitäranlagen. Zudem kann die Spülung

ohne Wartezeit ausgelöst werden und dank der sehr

kurzen Spülzeit ist das Druckspülsystem perfekt an

mehrere Nutzungen (hintereinander) angepasst.

DELABIE GmbH

T+49 231 496634-0

info@delabie.de

www.delabie.de


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Produkt News

Aus zwei mach Wohlfühlbad!

Ein Münchner Ehepaar entschied sich bei der Sanierung ihres Einfamilienhauses

aus den 60er Jahren, aus zwei kleinen Zimmern ein großzügiges Wohlfühlbad auf

12 m 2 gestalten zu lassen, das möglichst viele Funktionen einer Thermenlandschaft

abbilden soll. Mit dem Umbau wurde die Münchner Architektin Nicola von

Heldmann beauftragt, die eine ausgiebige Recherche nach individuell anpassbaren,

hochwertigen Wellness-Lösungen für das private Badezimmer durchführte.

„Am Ende meiner Marktanalyse kristallisierte sich

Repabad heraus und es erfolgte eine persönliche

Beratung gemeinsam mit den Bauherren in der Ausstellung

des Herstellers“, resümiert die Architektin

rückblickend. In der Ausstellung ging dann alles sehr

schnell und der Wunsch der Bauherren nach einer

Thermenlandschaft auf kleinem Raum konnte umgesetzt

werden. Ihr individuelles Dampfbad würde

zukünftig Funktionen wie Dusche, Dampfbad, Infrarotkabine,

Salzgrotte sowie Aroma- und Farblichttherapie

kompakt in sich vereinen. Zusätzlich könnten

sie im warmen Wasserdampf der Dampfdusche

ihrer Lieblingsmusik lauschen. „Bei Badewanne und

Waschtisch wurden sie auch gleich fündig, so hatte

sich der Besuch bei Repabad in Wendlingen durchweg

gelohnt und die Sanierung konnte voranschreiten“,

erzählt von Heldmann abschließend.

Bei der Umsetzung war die erfahrene Architektin

dann in ihrem Element. Naturbelassene Spachteltechnik

an den Wänden, oxidiertes Kupfer für die

großformatigen Bodenfliesen, warme Brauntöne und

Echtholz-Möbel stehen in Kontrast zum klaren matten

Weiß der Sanitärelemente – alles durch Licht gekonnt

in Szene gesetzt. Das Dampfbad fügt sich dabei harmonisch

ins naturnahe Farbkonzept ein. Die Glaselemente

des Dampf- und Infrarotpaneels wurden in der

Wunschfarbe (RAL 7048) gefertigt, passend dazu der

Siebdruck der Glaskabine und des Dampfbaddaches

gewählt. Und eine großzügige beheizte Sitzbank lädt

das Ehepaar zum Verweilen ein.

repaBAD GmbH

T +43 (0)800 29 35 18

info@repabad.com

www.repabad.com


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74

Produkt News

Versteckte Technik und elegantes Design

Das Badkonzept Geberit ONE hat mit seinen zahlreichen Details für eine kleine Revolution

im Bad gesorgt. Technik-Know-how und Designkompetenz sind in einem

einzigen System für das gesamte Bad clever kombiniert: Die Installationsvorwand

wird als Stauraum erschlossen und verbirgt nicht mehr nur Rohrleitungen und

Stromkabel, sondern auch Elemente, die bisher noch ihren gewohnten Platz vor der

Wand haben, etwa den Waschtisch-Siphon oder den Korpus des Spiegelschranks.

Damit bietet das Badkonzept zahlreiche Pluspunkte

in Bezug auf Planungs- und Ausführungssicherheit,

effiziente Arbeitsabläufe auf der Baustelle, und eignet

sich hervorragend für Renovierungen, wie das

folgende Beispiel zeigt. Nach einigen Jahren hatte

das Dachgeschoss eines Einfamilienhauses aus dem

Jahr 1953 mitsamt abgetrenntem, eineinhalb Quadratmeter

großen WC-Raum, als Spielparadies für die

Kinder seinen Zweck erfüllt. Im Rahmen der „Operation

Dachgeschoss“ nahm stattdessen ein Familienbad

Gestalt an: Dafür wurden gemauerte Wände

entfernt und danach die einzelnen Duofix Installationselemente

und Rohbauboxen in den Schienen der

neuen Trockenbauwand fixiert, die nach Beendigung

des Rohbaus mit Gipsplatten beplankt und anschließend

verfliest wurde.

Dabei kamen die besonderen Vorteile der Geberit

ONE Badprodukte zum Tragen, die aus der intelligenten

Verbindung mit den Installationselementen

resultieren. Die erstaunliche Schlichtheit des Waschtisches

ist zum Beispiel nur möglich, weil sich alle

technischen Komponenten – also der Überlauf, das

Ablaufventil und auch der Siphon – in einer fest verankerten

Funktionsbox hinter der Wand befinden.

Dank Wandarmaturen kann auch auf eine Hahnlochbank

verzichtet werden. Zusätzlich wartet der Unterschrank

mit erstaunlich viel Stauraum auf.

Nach der Umsetzung des Umbaus – mit den Hauptakteuren

Geberit ONE, dem Monolith Plus Aufputzspülkasten

und Geberit AquaClean Mera Comfort - kommt

dieser Bereich nun der ganzen Familie zugute.

Geberit Vertriebs

GmbH & Co KG

T +43 (0)2742 401 0

sales.at@geberit.com

www.geberit.at

www.geberit-aquaclean.at


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75

Produkt News

Vom Kreis geprägt

Das 25hours Hotel in Köln trägt den Beinamen „The Circle“, denn sowohl die

Architektur des Gebäudes als auch sein Interior Design werden von der Kreisform

geprägt. Der außergewöhnliche Bau in Form eines Dreiviertelkreises war ursprünglich

der Verwaltungssitz eines Versicherungskonzerns und zählt heute zu

den bedeutendsten Baudenkmälern Kölns.

Vom ersten bis zum siebten Stock warten dort nun

insgesamt 207 Hotelzimmer auf die Gäste. Für die

Sanierung und Neugestaltung des gesamten Gebäudes

war das renommierte Kölner Architekturbüro

O&O Baukunst verantwortlich, das Interior Design

des Hotels stammt vom Studio Aisslinger aus Berlin.

Werner Aisslinger entwarf dafür zwei Kategorien an

Zimmern: Kleinere, vom Futurismus inspirierte Inner

Circle-Zimmer, die sich zur Gebäudemitte hin orientieren.

Die an der Außenfassade gelegenen Outer

Circle-Zimmer sind größer und heller gestaltet. Das

Verhältnis von Schlafraum und Badezimmer wird bei

beiden Zimmerkategorien durch eine halbtransparente

Gestaltung definiert. Bei den Inner Circle-Zimmern

ist das Badezimmer komplett offen: Der Waschtisch

steht direkt neben dem Bett und ist durch einen

Vorhang vom übrigen Raum abtrennbar. In den Outer

Circle-Zimmern befinden sich die Bäder hinter den

Betten und sind durch Holzlamellen, die als Sichtschutz

dienen, vom übrigen Raum getrennt.

Werner Aisslinger assoziiert mit der offenen Gestaltung

der Hotelzimmer eine Collagenwelt: „Das Wohnen

wird immer hybrider. Es ist nicht mehr möglich,

getrennte Räume mit unterschiedlichen Funktionen

zu haben. Die Funktionen überlappen sich, alles verschmilzt,

sowohl im privaten Wohnen als auch in Hotelzimmern.“

Bei der Umsetzung der Bäder setzte der Designer auf

die runden Waschtischschalen von Kartell by LAU-

FEN (Design: Ludovica + Roberto Palomba), die den

Zimmern die gewünschte schlichte Eleganz und Raffinesse

verleihen. Die dünnwandigen Waschtischschalen

aus SaphirKeramik erinnern mit ihrer Leichtigkeit

eher an dekorative Schalen aus dem Wohnbereich als

an einen Waschtisch aus klassischer Sanitärkeramik.

Mit ihrem kreisrunden Design, das im Badbereich mit

runden Ablagen und Spiegeln kombiniert wurde, wird

so das grundlegende Gestaltungsprinzip des Hotels

konsequent umgesetzt.

LAUFEN Austria AG

T +43 (0)2746 6060-0

office@at.laufen.com

www.laufen.co.at


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Produkt News

Wandelbare Räume

Flexibel nutzbare Räume spielen nicht erst seit der Corona-Pandemie

eine große Rolle bei der Ausstattung von Flächen und Räumen. Aber die

aktuellen Herausforderungen haben den Bedarf daran noch einmal deutlich

erhöht, gerade im Officebereich.

Galt es auch bislang schon, vorhandene Räume permanent

an vorhandene Gruppengrößen und Nutzungen

anzupassen, so können durch die zeitweise

räumliche Trennung von Arbeitsplätzen jetzt auch

mehr Mitarbeiter sicher und geschützt ihren Aufgaben

nachgehen.

Die automatisierten Trennwandsysteme von Dorma

Hüppe bieten hierfür innovative Lösungen und

setzen gleichzeitig architektonische Highlights. So

schafft das horizontal verfahrbare Trennwandsystem

Variflex und Variflex Glas, bei dem transparente

und blickdichte Elemente miteinander kombiniert

werden können, Raumteilungen mit großer Offenheit

und hohem Schallschutz. Durchgangstüren aus

vollflächigem Glas lassen sich ebenso integrieren

wie effektive Akustikoberflächen, die es je nach individuellen

raumakustischen und optischen Anforderungen

in verschiedenen Varianten mit eleganten

Oberflächendekoren gibt.

Alle Variflex Trennwände können wahlweise mit manueller,

halb- oder vollautomatischer Bedienung ausgestattet

werden. Höchsten Bedienkomfort bietet

ComfortDrive, die vollautomatische Steuerung mit

moderner BUS-Technologie, die individuell programmierbar

ist und mit einer hohen Auf- und Abbaugeschwindigkeit

überzeugt.

Wer in Sachen Komfort und Innenarchitektur ein zusätzliches

Highlight setzen will, wählt das vertikale

Trennwandsystem Skyfold: Es öffnet sich platzsparend

in die Decke und kommt ohne Wand- und Bodenführungen

aus. Immer wieder ein großer Auftritt,

wenn sich die Elemente vollautomatisch, schnell und

zuverlässig nach oben bewegen!

DORMA Hüppe Austria GmbH

T +43 (0)732 600-451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


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Produkt News

Aluminium-Holz-Fenster

in flächenbündigem Design

Neu im Programm von Kneer-Südfenster sind Aluminium-Holz-Fenster mit

flächenbündigem Design. Fensterrahmen und Fensterflügel liegen dabei

auf einer Ebene, der einschlagende Flügel sorgt für eine moderne, kantige

Optik mit umlaufender Schattenfuge. Verdeckt liegende Beschläge unterstreichen

die reduzierte Ansicht – sichtbar ist nur noch der Fenstergriff.

Verfügbar ist das neue Designfenster in zwei verschiedenen

Ausführungen: Im System AHF 95

schließt das Fenster innen mit flächenbündiger Optik

ab, im System AHF 105 S Modern ist es sowohl außen

als auch innen in flächenbündigem Design. Für beide

Varianten bietet der Hersteller eine große Auswahl

an Holzarten an: neben Kiefer, Meranti, Fichte, Lärche

oder Eiche auch edle Holzarten wie Ahorn, Erle,

Kirsch- oder Nussbaum. Außen fügt sich die Aluminiumschale

mit hochwertiger Feinstruktur-Oberfläche

in flächenbündiger Optik nahtlos in die Fassade ein

und verbindet Witterungsschutz mit modernem De-

sign. Für ein stimmiges Fassadenbild lässt sich der

passende Farbton aus der gesamten RAL-Farbpalette

sowie zahlreichen Effektfarbtönen auswählen.

Kombinierbar sind die Fenster mit Hebe-Schiebe-Türen,

Festverglasungen und Haustüren, die für flächenbündiges

Design auf einer Linie sorgen.

Kneer GmbH

Fenster und Türen

T +49 (0)7333 83-0

info@kneer.de

www.kneer-suedfenster.de


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Produkt News

Valeries Zuhause

Seit dem Frühjahr 2020 pflegt Valerie Löhrmann ihren Instagram Account (valerieszuhause),

auf dem sie täglich tolle Bilder ihres Zuhauses – ein kernsaniertes

Haus aus den 60er Jahren – mit ihren Abonnenten teilt. Die Chance, alles neu zu

gestalten, nutze die Bloggerin und entwickelte Innenräume, die wie aus einem Guss

wirken. Oberhalb des Fußbodens dominiert die Farbe Weiß und das Einrichtungskonzept

ist geprägt von skandinavischen Einflüssen, aber auch einige Industrialund

Boho-Elemente finden sich im Haus.

Vom Anfang klar war, dass es im ganzen Haus ein

einheitlicher Bodenbelag in Holzoptik werden sollte.

„Also auch vor der Terrassentür, wo man ständig

mit Schuhen in den Garten und anschließend wieder

reinläuft“, so Valerie Löhrmann.

Gesucht war also ein robuster und dennoch schöner

Belag, den man in Form eines Designbodens von

PROJECT FLOORS fand: „Irgendwie wirkte der am

hochwertigsten und die Oberflächenstruktur ist so

täuschend echt, dass man beim Fühlen und Drüberlaufen

Holz spürt! Der Boden sieht edel aus und ist

farblich so neutral, dass man in der Raumgestaltung

frei ist und flexibel bleibt“, so die Interior Bloggerin.

Nun erdet das dunkle Dekor der PW 2005 aus der

floors@home Kollektion ihr Interior Konzept. Neben

den optischen Eigenschaften waren auch noch ein

paar sehr praktische Gründe ausschlaggebend für

die Wahl. Der Boden liegt seit zwei Jahren und sieht

aus wie am ersten Tag. Auch vor der Terrassentür in

Richtung Süd/Ost mit dem entsprechenden Lichteinfall

ist kein Verblassen der Farbe zu bemerken.

„Und in der alten Wohnung hatten wir Laminat. Aber

mit dem Designboden sind endlich diese komischen

Gehgeräusche weg und er ist auch deutlich fußwärmer.

Wir würden jeder Zeit wieder dieselbe Wahl treffen“,

schwärmt Valerie.

PROJECT FLOORS GmbH

T +49 (0)2233 9687-0

info@project-floors.com

www.project-floors.com


www.architektur-online.com

79

kneer-suedfenster.de

Produkt News

Klebstark und emissionsarm

Der österreichische Bauchemieproduzent Murexin erweitert

seine BEST4YOU Premiumproduktreihe um den Bodenbelagsklebstoff

Quattro Floor D 444. Der universelle Klebstoff

ist sehr emissionsarm, äußerst klebstark und anwendbar für

elastische und textile Bodenbeläge, für homogene und heterogene

PVC-Beläge in Bahnen, PVC-Designbeläge in Planken

und Fliesen, Linoleumbeläge, Kautschukbeläge bis 4mm,

Textilbeläge mit allen gängigen Rückenausstattungen, sowie

leichte Nadelvliesbeläge.

Geeignet auch für Fußbodenheizung und Stuhlrollenbelastung

minimiert er zudem den Schrumpf- und Resteindruck bei den

Bodenbelägen, verfügt über eine harte Klebstoffriefe mit hoher

Wärmestandfestigkeit und über ein schnelles Anzugsvermögen.

Murexin GmbH

T +43 (0)2622 27401-0

info@murexin.com

www.murexin.com/best4you

Holzfenster

• Ökologisch und nachhaltig

• Hervorragender Wärme-, Schall-und Einbruchschutz

• Schlanke, elegante Optik

• Perfekte Oberfläche in vielen Holzarten

Holz-Denkmal-Fenster

• Traditionelle Optik

• Unterschiedliche Zierprofile ermöglichen eine

originalgetreue Renovierung

SÜD-FENSTERWERK GmbH & Co. Betriebs-KG · Rothenburger Str. 39 · D-91625 Schnelldorf

Tel. +49 (0)79 50/81-0 · info@suedfenster.de


architektur FACHMAGAZIN

80

Produkt News

Kunst trifft auf Markisentuch

Unter dem Namen „smart art – the art of smart printing“ liefert markilux mit

künstlerischen Dessins frische Impulse für Markisenstoffe. Die große Freiheit in

der Kunst, mit Farben und Formen zu experimentieren, war dabei für die Designerin

Annette Busch die Grundlage für ihre Entwürfe – ausdrucksstarke, grafische

Motive, die es jeweils als Farbvariante und in einem Grauton gibt. Blatt- und Blütenmotive

spiegeln außerdem den Bezug zur Natur wider und abstrakte Streifen

greifen traditionelle Muster auf.

Ein Sonnenschutzgewebe wie „sunsilk“ mit lichtechten,

wetterbeständigen und wasserabweisenden

Latexfarben digital zu bedrucken, ist laut der Designerin

bei markilux, bislang einzigartig. Im Vorfeld

wurden dafür einige Jahre an Entwicklung in ein

spezielles Druckverfahren investiert, um für die aktuelle

Zwischenkollektion 16 künstlerische Dessins,

die natürliche, geometrische und abstrakte Formen

sowie Motive moderner Acrylmalerei umfassen, auf

das Markisentuch zu übertragen.

Dafür wird die Grundware zunächst speziell vorbehandelt

und der Auftrag einer dünnen, leicht elastischen

und somit strapazierfähigen Latexfarbschicht

gewährleistet eine lange Haltbarkeit. Es entsteht

eine glatte Oberfläche, die sich gut aufwickeln lässt

und auch länger sauber bleibt.

Die eingesetzten lichtechten Farben leuchten brillanter

als bei herkömmlichen Druckverfahren und die

Designs sind auch bei Durchlicht schön zu erkennen.

Dabei sind die so entstandenen Tücher genauso witterungsbeständig

wie solche, die im Buntwebverfahren

hergestellt werden und auch kleinere Mengen ab 25

Laufmeter lassen sich mit dieser Technik produzieren.

Der Direktdruck mit hochwertigen Latexfarben ermöglicht

es markilux nun, Kunst mit großer Vielfalt

auf das Markisentuch zu übertragen. So stellt die

Zwischenkollektion „smart art“ nicht nur ein zeitgemäßes

Update der Kollektion, sondern vielmehr einen

weiteren Technologiesprung dar.

markilux Vertriebs- und Servicezentrum

T +43 (0)662 852 206

austria@markilux.com

www.salzburg.markilux.at


www.architektur-online.com

Interior-Trendfarbe Beige

Beige steht im Zentrum der drei neuen Interior-Farbwelten

„UNIKAT #4.1 Impulse“, die das FarbDesignStudio von Caparol

Deutschland für 2021 gescoutet hat. In Österreich werden die

neuen Farbtrends von Synthesa, der Schwestergesellschaft

von Caparol, angeboten. Österreichs größter Baufarbenhersteller

bringt seit nunmehr 75 Jahren mehr Farbe ins heimische

Leben und überrascht nun mit den neuen Farbtrends:

Beige kann wunderbar farbig sein.

Bei der Ergründung stellte das Caparol FarbDesignStudio die

Verstärkung des bereits in den Vorjahren diagnostizierten

Trend zu mehr Ruhe, Geborgenheit und Eindeutigkeit in den

privaten vier Wänden fest. Diese Fortschreibung drückt sich

auch in der Bezeichnung aus: „UNIKAT #4.1 Impulse“ versteht

sich als Update mit neuen Optionen, wofür die Farbwelten

neu arrangiert und so deutlich andere Anmutungen geschaffen

wurden.

Alle Farbwelten mit all ihren Varianten, Besonderheiten, Anmutungen

und Umsetzungen werden online präsentiert. Dort

lässt sich auch das gleichnamige Buch „UNIKAT #4.1 Impulse“

als ePaper herunterladen.

Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at

81

Die Freiheit,

wirklich

gestalten

zu können.

Fassadenlösungen von

Sto setzen Maßstäbe bei

Systemsicherheit und

Individualität.

Über Proportionen und Formgebung, Materialien, Oberflächen

und Farben können Sie die Wertigkeit und Ausstrahlung

erzeugen, die Sie sich für Ihr Gebäude wünschen.

Sie wählen eines unserer ausdrucksstarken

Materialien – wie Klinker, Stein, Glas, Putz, plastische

Fassadenelemente – oder eine Kombination aus mehreren.

Wir stellen die passende Systemlösung auf Basis einer

vorgehängten, hinterlüfteten Fassade oder eines Wärmedämm-Verbundsystems

zur Verfügung – technisch sicher

und erprobt. Mehr Informationen unter:

www.zukunft-fassade.at

Produkt News

Fassaden individuell gestalten

und effektiv dämmen.

Universitätsbibliothek Graz, A | Architekt: Atelier Thomas Pucher, Graz, A | Produkte: StoVentec Glass, StoVentec R | Foto: Christian Schellander


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Gestaltungsfreiheit

und Flexibilität

Der Informatikstandort der PostFinance AG in Bern wurde bestandssaniert

und das Gebäude energetisch und architektonisch auf den neuesten Stand

gebracht. Die teils kräftigen Wandfarben wurden dabei bewusst als Kontrast

zu den weißen Kühlsegeln gewählt.

Neben Raumtemperierung und Schallabsorption übernehmen

die Metalldecken auch die Funktion der Lichtreflexion

der Stehleuchten. Dadurch ergibt sich ein

angenehmes, indirektes Licht an den Arbeitsplätzen.

Deckensegel sind durch ihre hohe Funktionalität ideal

bei Bestandssanierungen einsetzbar. Die Montage

ist auch nachträglich einfach und die Bestandsbeleuchtung

kann fallweise übernommen werden, da

sich Deckensegel optimal in bestehende Räume integrieren

lassen. Neben der hohen akustischen Wirksamkeit

lassen sie sich zudem mit einer Kühl- oder

Heizfunktion ausstatten.

Weitere Vorteile sind die optischen Vorzüge: Deckensegel

können einteilig oder mehrteilig ausgeführt

werden – je nach Raumgröße und gewünschter Ästhetik.

Neben der großen Farbauswahl bietet auch

die Kantung – 45° oder 90° sind möglich – architektonische

Freiheit. Und auch die Materialauswahl

ermöglicht Designfreiheit, da Deckensegel auch mit

Streckmetall ausführbar sind. Durch all diese gestalterischen

Möglichkeiten sind Deckensegel ebenso

als Designelemente einsetzbar.

Fural Systeme in Metall GmbH

T +43 (0)7612 74 851-0

fural@fural.at

www.fural.com


www.architektur-online.com

83

Produkt News

Schwerentflammbare

Klimamembran

Der bauliche Brandschutz gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Dies gilt nicht nur für den Neubau, sondern besonders auch für

den Bereich der Nachverdichtung wie z.B. Dachgeschossausbauten.

Vor diesem Hintergrund hat der Dämmstoffspezialist

Saint-Gobain ISOVER eine Systemlösung entwickelt, die neue

Maßstäbe im Bereich der luftdichten Gebäudehülle setzt.

Das Vario® Fire-System ist für die Innenraumanwendung zertifiziert

und besteht aus der schwer entflammbaren Klimamembran

Vario® FirePlex und dem speziell zur luftdichten Verklebung

geeigneten Vario® FireTape. Ergänzend zur Verfügung

steht die Klebe-Dichtmasse Vario® FireFit, welche für die luftdichten

Anschlüsse an die angrenzenden Bauteile eingesetzt

wird. Sowohl das Tape als auch die Klebe-Dichtmasse sind frei

von Lösungsmitteln. Trotz seiner Robustheit ist das Vario®

Fire-System wie gewohnt einfach und schnell zu verarbeiten.

Die zum Patent angemeldete Neuheit ist als schwer entflammbar

klassifiziert und erzielt mit der Euroklasse B das beste Ergebnis

für vorbeugenden Brandschutz.

Saint-Gobain ISOVER Austria GmbH

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at

Flexibelim Einsatzeinfachundleichtim

Handling

LiapormixistaufgrundseinerhervoragendenWerte

beiFestigkeit,DichteundWärmedämmungbestens

geeignetalsLeichtbeton,Thermobeton,DrainagebetonundAusgleichsbeton.

Isolationschichten,Brandschutz,leichteFül-und

Ausgleichschichten.

Schneltrocknend:

Restfeuchtigkeitgeringerals3%

Leicht:

Dichtevon600kg/m3

Belastbar:

Druckfestigkeit(2,5N/mm²)

Wärmedämmend:

W ärmeleitzahltrockenem 0.16W /mK

Feuerfest:

StofderEuroklaseA1

w w.liapor.at


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84

Produkt News

Alumnat in Dresden

© Klemens Renner

Im Einklang mit dem Bestand

Dass Keramikfassaden bei Bestanderweiterungen ein sichtbares Zeichen setzen

und für ein harmonisches Gesamtbild sorgen, zeigen zwei kürzlich fertiggestellte

Beispiele: Bei beiden entschieden sich die Architekten für individuell angefertigte

Keramikplannten von MOEDING.

Wie elegant sich eine solche hinterlüftete Keramikfassade

in eine gewachsene Baulandschaft aus umliegenden

Gründerzeitvillen integrieren lässt, zeigt

das Alumnat – ein mit der Lehranstalt verbundenes

Schülerwohnheim auf dem Campus des Evangelischen

Kreuzgymniasiums in Dresden-Striesen. Die

Architekten wählten für die Fassade cremefarbene

LONGOTON®-Platten von MOEDING: Das Besondere

an diesen Produkten ist für Architekt Benjamin Bäurle

vom Architekturbüro Meyer-Bassin und Partner

dabei die Möglichkeit, durch die Herstellung eigener

Mundstücke und durch Bemusterungen, Einfluss auf

die Gestalt nehmen zu können. Auf diese Weise entstanden

die Reliefierungen in den Bänderungen, die

wunderschön den Charakter der Sandsteinplatten

und Vertäfelungen des Bestands aufnehmen.

Bei dem kürzlich fertiggestellten Bauprojekt Arcadia

Stern in Düsseldorf-Rath handelt es sich ebenfalls

um eine Erweiterung des rund zwanzig Jahre alten

Bestandsgebäudes. Aufgrund identischer Fassadengestaltung

ist sie jedoch lückenlos und nahezu unsichtbar

mit dem bisherigen Bestand verbunden.

Einen großen Anteil übernimmt dabei die vorgehängte,

hinterlüftete Keramikfassade, die auch vor 20

Jahren von MOEDING geliefert wurde. Zum Einsatz

kamen bei der Erweiterung analog zum Bestandsgebäude

überwiegend hellgraue ALPHATON®-Platten,

die mithilfe des MOEDING Rapid Systems montiert

wurden. Für den fließenden Übergang an der Fassade

konnten so Fassadenplatten des Bestandsgebäudes

unkompliziert entnommen werden, um schließlich die

Farbe für die aktuelle Produktion 1:1 nachzuempfinden.

So lässt 20 Jahre später nur ein kleiner Versatz

das Neue von heute erkennen.

Moeding

Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de

Arcadia Parc in Düsseldorf

© Michael Meschede © Michael Meschede


www.architektur-online.com

85

Produkt News

Thermische Sanierung

von historischen Fassaden

Jedes fünfte Gebäude in Wien wurde vor 1919 erbaut. Das sind aktuell mehr als

30.000 Gebäude, von denen rund 20.000 in die Kategorie der Gründerzeit-Zinshäuser

im engeren Sinn fallen. Diese technisch-wirtschaftlich und authentisch zu sanieren

ist eine große Herausforderung. Deshalb liegt die thermische Sanierungsrate in

diesem Segment immer noch weit unter einem Prozent pro Jahr.

Austrotherm ist es nun mit der „Fassadensanierung

Premium“ gelungen, Außenhüllen

von Gründerzeitgebäuden originalgetreu

zu reproduzieren und einer

energetischen Optimierung zu unterziehen,

die hocheffizient und leistbar ist. Ein

Beispiel dafür ist ein historisches Baujuwel

in der Graf-Starhemberg-Gasse im 4. Wiener

Gemeindebezirk, das durch diese Produktentwicklung

und im Einklang mit Bauordnung

und Ensembleschutz wieder zum

Strahlen gebracht wurde.

Bei den Sanierungsarbeiten dieses Gründerzeithauses

waren die Sanierungsexperten

rund um Generalunternehmer Arch.

DI Stefan Widerhofer mit ungedämmtem

Mauerwerk konfrontiert, das aufgrund des

ermittelten Heizwärmebedarfs wenig Spielraum

ließ. Eine herkömmliche Außendämmung

von rund 10 cm hätte die baurechtlich

zulässigen Maße weit überschritten. Mit der

hocheffektiven Wärmedämmplatte Austro-

therm Resolution (Lambdawert 0,022 W/

(mK)) benötigte man hier jedoch lediglich

eine Dämmdicke von fünf Zentimetern.

Auch die historische Ansicht der Fassadenfläche

des Gründerzeithauses in der

Graf-Starhemberg-Gasse konnte wiederhergestellt

werden: Dafür wurden Austrotherm

Fassadenprofile eingesetzt, die

durch individuelle Zuschnitte auch eine

originalgetreue Rekonstruktion von fast

jeder Form ermöglichen. Im konkreten Fall

wurden die Originalmaße abgenommen und

Gesimse, Zierelemente, Fensterrahmungen

und Bossenfassade sowie weitere Fassadenprofile

im Austrotherm Werk Pinkafeld

1:1 nachgebaut.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

info@austrotherm.at

www.austrotherm.at


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Fotos: Sto Ges.m.b.H.

Ausgezeichnete Universitätsbibliothek

Ihr auskragender, geometrischer Dachaufbau mit dem Kratzputz-Kunstwerk von

Anna Artaker in der Untersicht macht die 2019 renovierte und ausgebaute Universitätsbibliothek

Graz zu einem architektonischen Highlight. Im Herzen des Grazer

Universitätscampus gelegen, bietet der Bau jetzt ein neues Auditorium für 430

Personen und weitere 650 Plätze in der Bibliothek selbst, zum Lesen und Studieren.

Ende 2020, gewann das Bauwerk den Architekturpreis „BigSEE Architecture Award“

in der Kategorie „Public and Commercial Architecture“.

Bei der Renovierung und dem Dachaufbau spielten

Technologien von Sto eine entscheidende Rolle: Ein

Teil der Fassade wurde mit den vorgehängten, hinterlüfteten

Fassadendämmsystemen StoVentec R

ausgeführt und mit dem mineralischen Modelierputz

StoMiral MP beschichtet. Auch StoVentec Glass, die

gedämmten Glasfassade von Sto, kam zum Einsatz.

Der Vorteil dieser Systeme ist die fast unbegrenzte

Möglichkeit der Gestaltung und das Plus an Feuchte-

und Schallschutz. Im Innenraum in den großen

Räumlichkeiten der Bibliothek sorgt die Sto-Akustiklösung

StoSilent Distance für exzellente Akustik,

das matt-glatte und edle Finish schafft die Beschichtung

StoSilent Top. Auch die Bodenflächen der

Universitätsbibliothek sind mit einem Sto-Produkt

beschichtet: StoPox BB OS, eine emissionsarme Epoxidharzbeschichtung,

punktet mit hoher Farbtonvielfalt

und sehr guten Verarbeitungseigenschaften.

Das Highlight des renovierten und ausgebauten

Gebäudes bildet zweifelsfrei das Kunstwerk an der

Untersicht des auskragenden Dachaufbaus in Sgraffito-Technik,

die aus der italienischen Renaissance

stammt: Über eine dunkel eingefärbte Putzschicht

wird eine hellere Deckschicht aufgetragen und in diese

wird das Motiv eingekratzt, wodurch der dunklere

Putz sichtbar wird.

Sto Ges.m.b.H.

T +43 (0)4242 33133-0

info.at@sto.com

www.sto.at


www.architektur-online.com

87

Produkt News

Natürlich hoch hinaus

EDER perfektioniert die Kunst der Ziegelherstellung seit Generationen – mit

regionalen Rohstoffen, modernster Technologie und der Expertise aus mehr als

120 Jahren Unternehmensgeschichte. Das jüngste Kind der EDER Ziegelfamilie,

der innovative Vollwertziegel der W Serie, revolutioniert nun den ein- und mehrgeschossigen

Wohnbau.

Höchste Energieeffizienz, bester Wohnkomfort und

effektiver Raumgewinn sind die heutigen Anforderungen

im anspruchsvollen, mehrgeschossigen

Wohnbau. Speziell dafür hat der Ziegelexperte sein

neuestes Produkt entwickelt. Dank der massiven

Stege verfügt die Serie W über eine hohe statische

Festigkeit und ideale bauphysikalische Eigenschaften.

Gefüllt mit reinsten Mineralwollflocken sorgen

die Vollwertziegel für eine ausgezeichnete Wärmedämmung

und bieten durch die hohe Speichermasse

in kalten und warmen Jahreszeiten ein ideales, ausgeglichenes

Raumklima.

Durch die Kombination aus dem speziellen Lochbild

und den schallabsorbierenden Mineralwollflocken

bieten sie zudem eine angenehme Innenraum-Akustik

sowie hervorragenden Schallschutz auch in

lärmbelasteter Umgebung, z. B. bei Straßen- und

Schienenverkehr.

Und da die EDER Vollwertziegel der W Serie speziell

für die Anforderungen im mehrgeschossigen Wohnbau

entwickelt wurden, ermöglichen sie auch die

Realisierung von schlanken, monolithischen Außenwänden

und so einen effektiven Gewinn an verwertbarer

Nutzfläche.

Ziegelwerk

EDER GmbH

T +43 (0)7276 2415-0

info@eder.co.at

www.eder.co.at


architektur FACHMAGAZIN

88

Produkt News

© Oberndorfer

Intelligentere Betonfertigteile

Vorgefertigte Bauteile ermöglichen ein effizientes und kostengünstiges Bauen,

können durch den Einsatz moderner Robotertechnologie noch präziser und

schneller gefertigt werden und sind zudem nun noch umweltfreundlicher: Vorgefertigte

Bauteile lassen sich etwa mit einem Barcode versehen, sind dadurch

zunehmend ‚intelligenter‘ und können so auch leichter wiederverwertet werden.

Durch die Automatisierung und die Robotertechnologie

können die österreichischen Fertigteilwerke

in der Produktion auf die steigende Nachfrage von

vorgefertigten Bauteilen schnell und effizient reagieren.

Insbesondere die innovative Produktionsweise,

wie die Indoor-Fertigung auf Palettenumlaufanlagen,

gewährleistet höhere Maßhaltigkeit, immer kürzere

Vorlaufzeiten sowie gleichbleibende Herstellungsbedingungen.

Dies ist etwa am Beispiel von Doppelwänden,

einem häufig eingesetzten vorgefertigten

Bauteil, sichtbar.

Die österreichischen Fertigteilwerke sind mittlerweile

imstande, rund zwei Millionen Quadratmeter Doppelwände

im Jahr zu produzieren. Die fortschreitende

Automatisierung unterstützt die Produktion, indem

sie mittlerweile manche Produktionsabschnitte vollautomatisch

übernimmt und dadurch hohe Präzision

oder immer kürzere Produktionszeiten ermöglicht.

Die Zukunft der Fertigteilproduktion sehen Experten

auch in der weiteren Nutzung der Digitalisierung, besonders

bei den sogenannten intelligenten Bauteilen.

Diese werden mit einem Barcode versehen, können

nachverfolgt und zielgerichtet recycelt werden. In

Zukunft sollen so auch Grundprodukte wie Zement

oder die Bewehrung nachverfolgbar sein.

Über diese und andere Themen wurde beim letzten

Expertenforum Beton diskutiert, das als Webinar vom

Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke

(VÖB) in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Österreichischer

Zementindustrie und der Peikko Austria

GmbH organisiert wurde.

Weitere Informationen:

voeb.com/webinar-serielles-bauen/downloads.asp


www.architektur-online.com

89

Produkt News

VIELSEITIGE

DACH-

ABDICHTUNG.

MAXIMALE

PLANUNGS-

SICHERHEIT.

Schaumbeton

setzt neue Maßstäbe

Mit einer innovativen Entwicklung, dem Baumit MinAir

Schaumbeton, revolutioniert der Hersteller den Estrich-Unterbau:

MinAir besteht zu 80 Prozent aus Luftporen und zu

20 Prozent aus mineralischen Bindemitteln, ist aufgrund des

hohen Luftporenanteils hoch wärmedämmend und durch die

rein mineralische Rezeptur nicht brennbar (Brandbeständigkeitsklasse

A1). Zudem ist der Schaumbeton extrem schnell

und ohne Kraftaufwand zu verarbeiten und beim Ausbringen

durch „Schwabbeln“ selbstnivellierend. Verarbeiter und Logistiker

attestierten der Produktneuheit bei einer Anwendung

auf rund 3.500 m 2 eine Zeitersparnis von bis zu acht Tagen

gegenüber üblichen Herstellungszeiten.

Auf der Baustelle ist der MinAir zudem platzsparend, da der

Silo neben der gesamten Pumptechnik bereits die fertig gemischte

Rezeptur enthält und nur noch Strom- und Wasserschluss

benötigt. Bereits nach 24 Stunden ist der Schaumbeton,

der in unterschiedlichen Dichten und Festigkeiten

lieferbar ist, begehbar.

Baumit GmbH

T +43 (0)501 888-0

www.baumit.com

Unsere Dachabdichtungssysteme

basieren auf Flüssigkunststoff.

Sie eignen sich für einfache, detailreiche oder komplizierte

Dachkonstruktionen, sind flexibel einsetzbar, dichten

die Bausubstanz dauerhaft ab und bieten vielfältige

Gestaltungsmöglichkeiten. Und sie erfüllen dabei alle

Anforderungen der Flachdachrichtlinie. Vor allem aber

lösen wir Projekte immer gemeinsam.

www.triflex.com


architektur FACHMAGAZIN

90

Produkt News

Der Kult lebt weiter

Gut 20 Jahre düste der „Hüttenflitzer“, ein einzigartiger Prototyp eines Leichtbaubetriebwagens,

tagtäglich ins Stahlwerk Salzgitter. Nach dem Verkauf ins

Ausland und vielen Jahren ohne Nutzung kehrte das Kultobjekt in seine Heimat

zurück. Im Rahmen der umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen musste auch

das undichte Dach saniert werden.

Das 120 m² große Edelstahldach des Triebwagens

wurde zwar früher bereits mit einer

Flüssigkunststoff-Abdichtung überarbeitet,

doch war diese nicht mehr vollständig funktionsfähig.

Eindringende Nässe gefährdete

den Bestand des historischen Triebwagens,

außerdem passte die cremefarbene Nuance

der Altabdichtung nicht zur Edelstahl-Optik

des Wagens. Das mit der Sanierung betraute

Unternehmen empfahl den Hersteller

Triflex, der für das Projekt die optimale Lösung

für den dauerhaften Wind und Wetterschutz

für das Fahrzeugdach konzipierte.

Diese umfasst eine Kombination aus insgesamt

vier Produkten auf Basis von PMMA:

Das vollflächig vliesarmierte Detail Abdichtungssystem

Triflex ProDetail integriert

selbst komplizierte Anschlüsse wie die

Lampeneinfassungen nahtlos. Dieses Spezialvlies

ist auch Bestandteil des Dachflächen

Abdichtungssystems Triflex ProTect,

das hoch witterungsstabilisiert, chemisch

robust u. a. gegenüber Vogelkot ist und

auch über eine Hagelschlagprüfung nach

DIN EN 13583 verfügt. Für die Viertelkugeln

vorne und hinten des Triebwagens erwies

sich Triflex ProFibre als optimal geeignet,

da das Material ohne Vliesarmierung auskommt.

Die Versieglung erfolgte dann mit

einem farblich auf die Edelstahlhülle abgestimmten

Triflex Cryl Finish 205.

Die Flüssigabdichtung schmiegt sich wie

eine zweite Haut um das Dach des Hüttenflitzers,

das nun dauerhaft dicht ist. Das historische

Unikat aus den 1950er Jahren bleibt

somit auch späteren Generationen erhalten.

Triflex GesmbH

T+43 (0)7667 21505

info@triflex.at

www.triflex.at


www.architektur-online.com

Produkt News

kunstdesdämmens#3

Fotos: ASCHL (eine Marke der 1A Edelstahl GmbH)

Eine saubere Sache

Im Baugewerbe, in städtischen Betrieben oder bei der Feuerwehr

geht es oft schmutzig zur Sache. Genau die richtige

Herausforderung für die neue Stiefelwaschanlage von Aschl:

Sie befreit Stiefel, Gummistiefel und Arbeitsschuhe schnell

und bequem von groben Verschmutzungen und sorgt dafür,

dass Keime und Krankheitserreger nicht weiter verschleppt

werden. Der Schmutz an Schuhsohlen und -seiten wird von

drei senkrecht und waagrecht montierten Bürsten mit Wasserspritzdüsen

gründlich entfernt, wobei die stufenlos verstellbare

Durchflussregulierung einen sparsamen Wasserverbrauch

gewährleistet.

Die hochwertige Anlage aus rostfreiem Edelstahl verfügt

über vier höhenverstellbare Füße und eine große Sammelwanne

für die automatische Ableitung des Schmutzwassers.

Die Kombination von Geruchsverschluss und herausnehmbarem

Schmutzfangkorb ermöglicht eine einfache Reinigung

und schützt zudem vor Geruchsbelästigung. Erhältlich ist die

Aschl-Stiefelwaschanlage in drei verschiedenen Größen mit

1-2 Reinigungsplätzen.

1A Edelstahl GmbH

T +43 (0)7247 8778-0

office@aschl-edelstahl.com

www.aschl-edelstahl.com

Hier sehen Sie unseren

flüssigen PU-Rohstoff

einmal in einem künstlerischen

Licht. Daraus

machen wir Hochleistungs-Dämmstoffe,

die

helfen, jede Menge CO 2

einzusparen. Mehr unter:

kunstdesdämmens.at

DAS

WIRD

DIE

PURE

POWER


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Verbundträger machen es möglich

Das Arsenal in Wien wurde in den 1850er Jahren als militärische Anlage erbaut.

Heute finden sich darin verschiedene Nutzungen, unter anderem Museen, Forschungseinrichtungen

und Wohnungen. Durch die Neuordnung des Areals des

ehemaligen Südbahnhofs trat auch die naheliegende Militäranlage in den Fokus

von Investoren, was sich etwa am Beispiel von Objekt Nr. 12 zeigt.

Geplant wurde der Backsteinbau als vierstöckiges

Wohnhaus, wobei die ursprünglichen Architekten

die Fassade um bis zu vier Meter über die eigentliche

Gebäudehöhe hinausragen ließen. Diese ungewöhnliche

Fassadengestaltung konnten die heutigen

Planer bei der Aufstockung des denkmalgeschützten

Gebäudes um ein Geschoß nutzen, wobei diese Maßnahme

an der Fassade nicht erkennbar sein durfte.

Da die bestehende Decke für die Lasten der Aufstockung

nicht geeignet war, sahen die Planer eine

etwa 100 Zentimeter über dem alten Flachdach liegende

neue Decke aus Ortbeton vor. Das beauftragte

Rohbauunternehmen hatte jedoch kürzlich mit einem

anderen System bessere Erfahrungen gemacht

und schlug den Einsatz des Verbundträgersystems

DELTABEAM von Peikko vor. Dieses basiert auf einem

trapezförmigen Stahlprofil mit verbreiterten Unterflanschen,

das sich ideal zur Auflagerung für jede

Art von Deckensystemen eignet.

Gegenüber der ursprünglichen Idee, wofür bei einer

Arbeitshöhe von lediglich 100 cm sowohl die erforderliche

Schalung als auch die Bewehrung für die

Ortbetondecke nur aufwendig herstellbar gewesen

wäre, musste mit DELTABEAM lediglich für ausreichend

große Auflageflächen für das tragende System

gesorgt werden. In diese tragenden Bauteile konnten

dann die Fertigteil-Deckenplatten eingehängt und

der Aufbeton vergossen werden.

Ein weiterer Vorteil, den der Einsatz dieses Systems

bei dem Projekt gebracht hat, ist das wesentlich geringere

Gewicht: Statt der ca. 400 kg pro Meter ursprünglich

geplantem Ortbetonträger weist das realisierte

System von Peikko lediglich 90 kg pro Meter auf.

Beim Projekt Arsenal 12 konnte durch DELTABEAM

– für Brandschutzklassen R30 und R90 ohne zusätzliche

Maßnahmen einsetzbar – viel Zeit im Rahmen

eines ohnehin knappen Zeitplans eingespart werden.

Peikko Austria GmbH

T +43 (0)5523 521 210

austria@peikko.com

www.peikko.at


www.architektur-online.com

93

Produkt News

Mit Bauteilaktivierung

in Richtung CO 2 -neutral

Ab sofort unterstützt der österreichische Klima- und Energiefonds im Rahmen des

Programms „Energieflexibilität durch thermische Bauteilaktivierung“ die Anwendung

der thermischen Speicherkapazität von Bauteilen und hat damit die Bauteilaktivierung

als wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele in sein

Programm aufgenommen. Kern des Programms ist die Beauftragung von Planungsdienstleistungen

für Geschosswohngebäude mit optimierter Nutzung erneuerbarer

Energie bei der Raumwärme bzw. -kühlung auf Basis der Bauteilaktivierung.

„Ein Meilenstein für Österreichs Klimaschutz“, zeigt

sich Stefan Schleicher, Professor am Wegener Zentrum

für Klima und globalen Wandel an der Universität

Graz und Berater des Österreichischen Instituts

für Wirtschaftsforschung in Wien, begeistert, „darauf

warte ich bereits seit Jahren, jetzt ist es endlich so

weit, die Bauteilaktivierung ist nicht nur ein wesentlicher

Baustein für die Energieautarkie ganzer Stadtquartiere,

sondern sorgt auch für eine wohlige Strahlungswärme

oder -kühle. Klimaanlagen im Wohnbau

werden mit dieser einfachen Technologie obsolet –

ein Mehrwert für alle.“

Das Programm des Klima- und Energiefonds versteht

sich als Impulsgeber und will die Bauteilaktivierung

nun tatkräftig forcieren. „Seit einigen Jahren ist die

Bauteilaktivierung als die günstigste und klimafreundlichste

Heiz- und Kühlmethode auch im sozialen

Wohnbau angekommen. Doch mit dem Vorstoß

des Klima- und Energiefonds wird die Verbreitung

nun rasant vorangehen“, ist Sebastian Spaun, Geschäftsführer

der Vereinigung der Österreichischen

Zementindustrie, überzeugt. Die Vorgaben in puncto

Klimaschutz sind ambitioniert, der Gebäudebestand

muss bis 2040 CO 2 -neutral werden. „Das gelingt

uns nur mit der Verringerung des Gesamtenergieverbrauchs

wie auch dem Einsatz von erneuerbaren

Energieträgern. Beton als natürlicher Baustoff bietet

sich aufgrund seiner Speicherfähigkeit perfekt an,

die Technologie ist so simpel wie eine Fußbodenheizung

und die zahlreichen Referenzen versprechen

eine starke Zukunft“, so Spaun.

Weitere Informationen:

www.zement.at/energiespeicher-beton

https://tba.klimafonds.gv.at

www.bauteilaktivierung.info


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Abstandhaltersystem

für komplexe Fassaden

Nach der Einführung des Abstandhaltersystem Super Spacer® T-Spacer SG für

die automatische Verarbeitung stellt Edgetech/Quanex nun die manuelle Version

für Structural Glazing-Elemente und XXL-Formate vor.

Mit diesem neuen Produkt können Hersteller von

freigeformten XXL-Verglasungen für komplexe Structural-Glazing-Fassaden

nun einen robusteren Randverbund

sicherstellen, unabhängig davon, ob der Abstandhalter

manuell oder automatisch aufgebracht

wird. „Bei komplexen Projekten gibt es oft eine Mischung

aus wechselnden Formaten und Formen. Nicht

alle Varianten können automatisiert gefertigt werden.

Mit dem Produkt TriSeal SG lässt sich nun auch bei

Structural Glazing Fassaden zu 100 % die durchgängige

Optik des Randverbunds mit Super Spacer Abstandhaltern

sicherstellen“, erklärt Joachim Stoß, Geschäftsführer

der Edgetech Europe GmbH und Vice

President International Sales bei Quanex.

Beide SG-Produkte weisen optimierte Flächen für die

seitlich applizierte Primärdichtung auf. Dies unterstützt

bei der automatisierten Verarbeitung die millimetergenaue,

präzise Applikation der Super Spacer®

Abstandhalter. Von klein bis groß, von rechteckig bis

rund und komplex in der Form, ob handgefertigte

Kleinserien oder automatisierte Massenproduktion,

ob gerahmt oder Structural Glazing – alle Isoliergläser

können jetzt mit einem Abstandhalter aus der Super

Spacer® Familie in allen Randverbundgeometrien sowie

Dichtstoffkombinationen gefertigt werden.

Edgetech Europe GmbH

T +49 (0)2452 96491 0

info@edgetech-europe.com

www.superspacer.com


www.architektur-online.com

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Produkt News

Gemeinsam im digitalen

Planungsprozess

Ein Gebäude schlüsselfertig vom Generalunternehmen (GU) bauen zu lassen,

bedeutet Planungs-, Kosten- und Terminsicherheit. Auftraggeber möchten mit der

Beauftragung eines GU, das Rohbau, Innenausbau und Freiflächenplanung vertraglich

und bestenfalls zum Festpreis anbietet, ihr Risiko geringhalten. Entscheidend

für das Gelingen kann dabei eine modellbasierte Planung sein, die digitale

Tools nutzt und auch das gute Zusammenspiel aller Beteiligten unterstützt.

Architekten sind im Zusammenspiel der Projektpartner

aber nicht immer versierte Prozesssteuerer.

Wenn sie als BIM-Spezialisten jedoch die Planung koordinieren

und verantworten, können sie es werden.

Das betont auch Sirri El Jundi, Partner bei JSB Architekten

Stuttgart und Leonberg. Vor gut vier Jahren

gestartet, haben die drei Partner ihr Geschäftsmodell

ab der ersten Minute auf dem Einsatz digitaler Planungsmethoden

begründet.

Die BIM-Modelle entstehen in der Software Archicad

auf Basis von 2D-CAD-Plandaten. Zum Architekturmodell

kommt die Koordinierung der Fachmodelle

und das Zusammenführen der Planungen im Gebäudemodell

hinzu. Mit diesen Leistungen wird JSB oft

direkt vom GU über einen Werkvertrag beauftragt, in

dem sowohl Modellierungsgrad, Geometrieumfang,

Bauteileigenschaften und Klassifizierungen sowie

die Lieferung von Leitdetails als Modelldaten beschrieben

sind.

Wirtschaftlichkeit und Architekturqualität sind essenziell

für JSB. Die eigenen Leistungen und damit

verbundene Aufwände werden daher ständig optimiert.

Sirri El Jundi: „Wir haben lange an unserem

Modellierungs-Standard in Archicad gearbeitet.

Dazu war es nötig, wesentliche Parameter zu definieren,

bei denen der Fokus nicht mehr auf dem

IFC-Austauschmodell liegt. Wir fokussieren uns auf

die Ausführungs- und die Detailplanung im Rahmen

der WP1 und WP2. Viel Zeit und Knowhow sind hier in

Standards, Richtlinien und interne Prozesse geflossen.

Doch das zahlt sich für uns und unsere Auftraggeber

aus: Unsere Modelle sind tip top!“

Neubau des Schwesternwohnheimes am Nonnenbuckel in Heilbronn. Das modellbasiert

geplante Wohnheim besteht aus 151 Wohneinheiten und ergänzenden Gemeinschaftsflächen

im Erdgeschoss. Die Architekten der Leistungsphasen 1 bis 4 waren

AI+P Planungs GmbH, danach führten JSB weiter. Generalunternehmer war hier die

Implenia Hochbau. © Markus Guhl, Stuttgart

GRAPHISOFT Deutschland GmbH

Vertrieb Österreich

mail@graphisoft.at

www.archicad.at

Ein Schnitt durch das Modell des Schwesternwohnheims Nonnenbuckel. Bei dem

Projekt ist das Gebäudemodell u.a. für die Vorfertigung der kompletten Nasszellen,

Decken, Balkone und Geländer genutzt worden. © JSB Architekten, Stuttgart


architektur FACHMAGAZIN

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edv

BAU Online:

Software frei Haus

Anlässlich der BAU Online 2021 konnte man neue Versionen und Programme

bequem am Büro- oder Homeoffice-Arbeitsplatz live erleben. Was

waren die Neuerungen und Trends?

Text: Marian Behaneck

247 Aussteller, davon etwa 50 aus dem

IT-Bereich, und insgesamt 38.325 registrierte

Teilnehmer mit 218.756 Online-Zugriffen

zählte die pandemiebedingt komplett ins

Internet verlegte BAU Online 2021. Gegenüber

der Präsenzmesse von 2019 mit 2.250

Ausstellern, davon etwa 200 IT-Aussteller,

und 250.000 Besuchern war das ein schwacher

Abglanz einer Weltleitmesse. Vermisst

wurden vor allem der persönliche Kontakt,

die informellen Gespräche und die Stimmung.

Eine sinnvolle Ergänzung für künftige

Präsenzmessen war das Online-Format

aber allemal. In zahlreichen Online-Präsentationen,

Webinaren und Video-Chats

konnte man sich vom 13. bis 15. Januar CO 2 -,

zeit- und kostensparend, bequem und Corona-sicher

vom Büro oder heimischen Sofa

aus über Software-Neuerungen und neueste

IT-Trends informieren. Im Fokus standen

neue Funktionen und Programme für die

digitale Transformation am Bau, das Mobile-

und Cloud-Computing oder BIM. Weitere

Infos und einige der genannten Video-Präsentationen

können hier abgerufen werden:

www.bau-muenchen.com/at

CAD für Kollaborateure

Mit der neuen Planungsmethode steigt

auch die Notwendigkeit zur intensiven digitalen

Zusammenarbeit, am besten per Internet

– nicht nur in Pandemiezeiten. CAD

mit angeschlossener BIM-Kollaborationsplattform

hat hier die Nase vorn, wie etwa

Allplan. Mit der neuen Version 2021 lassen

sich nicht nur anspruchsvolle Projekte bearbeiten.

Die integrierte Cloud-Plattform

Allplan Bimplus vereinfacht zudem die digitale

Zusammenarbeit, die Darstellung und

Zusammenführung von BIM-Fachmodellen,

die Kollisionserkennung sowie das Revisionsmanagement.

(www.allplan.com)

Anlässlich der BAU Online konnte man sich CO 2 -, zeit- und kostensparend, bequem und

Corona-sicher vom Büro oder heimischen Sofa aus informieren. © Bluebeam

Auch die BIM-Planungssoftware Archicad

wurde auf der BAU Online und im Rahmen

des neuen Kommunikationsformats

„Graphisoft X“ präsentiert. Ergänzt wurden

die dreiwöchigen Live-Präsentationen

durch Fachvorträge, etwa zur BIM-Implementierung

in der Praxis. Online-Besucher

konnten zudem Archicad direkt in ihrem

Browserfenster testen, an Experten-Talks

und Live-Webinaren teilnehmen, sich mit

Graphisoft-Spezialisten austauschen oder

individuell beraten lassen. Diese kostenlose

Auftakt-Veranstaltung wird künftig durch

weitere Events ergänzt. (www.graphisoft.at

und https://x.graphisoft.de)

EDV Software Service präsentierte mit

AX3000 die aktuelle Version der Bauphysik-

und TGA-Software für Heizung, Lüftung,

Sanitär, Elektro und Sprinkler. Der

Programmteil Energietechnik enthält unter

anderem die Module Energieausweis

für normgerechte Energieausweise für

viele europäische Länder und Gebäudesimulation

für die Analyse und Optimierung

von Heiz- und Kühllasten. Das VR-Modul

ermöglicht in Verbindung mit einer

VR-Brille virtuelle Gebäudebesichtigungen.

(www.ax3000-group.at)

Mehr BIM verspricht die neue Version 15

von ELITECAD Architektur. Neu sind neben

der IFC4-Schnittstelle für openBIM Projekte

auch über 300 vordefinierte Attribute und

die Integration aller Datensätze (sogenannte

pSets) des buildingSMART Standards.


www.architektur-online.com

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edv

Damit lassen sich Bauteile um beliebige

freie Attribute erweitern. Neu ist auch die Integration

des BCF-Managers für den Nachrichtenaustausch

zwischen BIM-Projektpartnern,

die Vernetzung mit DBD-BIM und

dem digitalen Produktkatalog parts4cad

von CADENAS. (www.xeometric.com)

Mit Online-Präsentationen zu den Themen

Datenauswertung und ‐visualisierung,

grafisches Scripten und Modellieren mit

Vectorworks informierte Computerworks

über Neuerungen, aber auch über aktuelle

Themen, wie den BIM-basierenden Bauantrag.

Ein Thema war auch das Vectorworks

Stipendium, das junge Talente der

Studiengänge Architektur, Innenarchitektur,

Landschaftsarchitektur oder Veranstaltungsplanung

in D-A-CH fördert. Die

Bewerbungsphase endet allerdings am 31.

März 2021. Als Preise winken 3.000 Euro und

7.000 US-Dollar. (www.computerworks.de,

www.vectorworks.net/scholarship)

AVA für BIM

Das AVA- und Baukostenmanagementsystem

California.pro von G&W Software ist jetzt

auch per Webbrowser auf dem PC, Notebook,

Tablet oder Smartphone verfügbar.

Voraussetzung ist ein aktueller Web-Browser,

eine Internetverbindung sowie eine California.pro-Lizenz

in der aktuellen Version.

Die zusammen mit der Cloud-Plattform

oneclick bereitgestellte Technik verfügt

über ein Trusted-Cloud-Siegel, eine Datenschutz-konforme

Umgebung, zertifizierte

Rechenzentren, ein Security-Paket, eine

Firewall und eine automatische Datensicherung.

(www.gw-software.de)

Die neue Version 2021 der AVA- und Kalkulationssoftware

Nevaris Build enthält eine

neue Dokumentenverwaltung für eine einfachere

Dokumentenablage, neue Textbibliotheken

für eine rationellere LV-Erstellung,

stets aktuelle Online-Ausschreibungstexte

sowie einen 3D-Viewer, mit dem man Bauteile

messen sowie Winkel, Umfänge und

Flächen ermitteln kann. Neue Schnittstellen

zu den Online-Textbibliotheken Sirados von

WEKA und die Hersteller-/VOB-konforme

Ausschreibungstexte von Heinze erweitern

die Auswahl von LV-Positionstexten.

(www.nevaris.com)

Für mehr Transparenz bei der IFC-Mengenübernahme

sorgt ORCA AVA 24: In

der IFC-Datei werden Verknüpfungsinformationen

zu Bauteilen und Maßen sowie

den Positionsmengen angezeigt. Das

ORCA-Helpdesk unterstützt mit einer

FAQ-Sammlung und technischen Informationen

Anwender bei der LV-Erstellung. In

der LV-Textdatenbank Ausschreiben.de

werden Anwender dank einer neuen Importroutine

Produkte und Informationen für

Ausschreibungen künftig schneller finden.

(www.orca-software.com)

„Success X ist da!“ Das war die Kernbotschaft

von Nevaris. Mit dem Nachfolgeprodukt

von AUER Success lassen sich

bestehende AUER Success-Projekte

übernehmen, inklusive Stammdaten und

Standardkalkulationen. AUER Success-Bestandskunden

erhalten Success X kostenfrei

im Rahmen eines bestehenden Wartungsvertrags.

Neben der Ausschreibung,

Vergabe und Abrechnung, der Kalkulation,

dem Controlling und der Terminplanung

unterstützt Success X auch die BIM-Planung

und die Normen ÖNORM und GAEB.

(www.success-x.at)

Neben Archicad wurde auch über die neue

Kommunikationsplattform „Graphisoft X“

präsentiert. © Graphisoft

Mit Allplan 2021 lassen sich auch große und komplexe Projekte bequem

bearbeiten. © Allplan

BIM2AVA-Modelle können mit California.pro jetzt auch per

Web-Browser bearbeitet werden. © G&W Software


architektur FACHMAGAZIN

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Der neue 3D-Viewer von NEVARIS Build 2021 kann Bauteile messen

sowie Winkel, Umfänge und Flächen ermitteln. © NEVARIS

Profundes Wissen rund um die Uhr zu AVA & Co. bietet die neue Version

24 von ORCA AVA. © ORCA Software

Büro und Baustelle im Fokus

Mit der Mängelmanagement-App 123quality

erfassen die Mitarbeiter auf der Baustelle

per Smartphone oder Tablet Mängel,

Abnahmeprotokolle, Nachträge, Gewährleistungsabnahmen,

Auswertungen zum

Arbeitsschutz und vieles mehr. Die Daten

werden sofort auf eine zentrale Online-Datenbank

übertragen und mit den Beteiligten

geteilt. Die Anwendung ist sowohl für IOSals

auch Android-Smartphones und Tablets

verfügbar. Zielgruppe sind sowohl das

Bauhaupt- und Baunebengewerbe, Architektur-

und Ingenieurbüros sowie Hausverwaltungen

und das Facility Management.

(www.123erfasst.de)

Die Baudokumentations-Software Capmo

bietet gegenüber der analogen Arbeitsweise

Vorteile: So lassen sich Informationen

und Fotos vor Ort erfassen und zuordnen

oder Berichte und Protokolle automatisch

generieren. In der neuen Version wurde die

automatische Berichtsfunktion um individuelle

Vorlagen erweitert. Nutzer können

damit Berichte sowohl VOB-konform als

auch im Firmendesign exportieren. Die neuen

Vorlagen ermöglichen individuell gestaltete

Tagesberichte oder Mängellisten und

vereinfachen Planern und Bauleitern die

Arbeit. (www.capmo.de)

Wie das 3D-Laserscanning im Holzbau,

Stahl-/Metallbau und anderen Gewerken

optimal eingesetzt wird, darüber informierten

Live-Präsentationen von Faro. Weitere

Themen waren der neue mobile Handscanner

FARO Freestyle 2 für die geometrische

und fotografische Erfassung von Objekten

und Räumen in einem Abstand von 0,4 bis

10 Metern mit einer Genauigkeit von 0,5 bis

15 Millimetern. Präzisere Ergebnisse mit ca.

1 bis 3,5 Millimetern Genauigkeit liefern die

auf einem Dreibeinstativ montierten 3D-Laserscanner

der FocusS-Serie für Messungen

bis 70, 150 und 350 Meter. (www.faro.com)

Wer im Bestand plant, braucht präzise Gebäudedaten.

Die Hard- und Softwarelösungen

von Hexagon / Leica Geosystems versprechen

einen nahtlosen „Scan-to-CAD

und BIM-Workflow“ mit allen führenden

CAD- und BIM-Softwarelösungen. Mit den

handgeführten und auf Dreibeinstativen

montierten 3D-Laserscannern Leica BLK-

2GO, Leica BLK360 und Leica ScanStation

P30/P40 lassen sich Objekte bis 50, 60

und 270 Metern mit Genauigkeiten von

1 bis 4 Millimetern erfassen. Vorgestellt

wurde auch die 2D/3D und BIM-Konstruktionssoftware

BricsCAD, die eine CAD-und

BIM-Planung auf Windows, macOS oder

Linux-PCs und optional eine Verarbeitung

von Punktwolkendaten ermöglicht. (www.

leica-geosystems.com)

Laut RIB Software steigen bauausführende

Unternehmen innerhalb der D-A-CH-Region

derzeit von einer Client-Server-Lösung

mit iTWO oder iTWO 5D auf die webbasierte

Lösung iTWO 4.0 um. Einige davon arbeiten

bereits durchgängig mit MTWO auf

der Cloud-Computing-Plattform Microsoft

Azure. Die neue, webbasierte Unternehmenslösung

iTWO 4.0 von RIB unterstützt

die gesamte Wertschöpfungskette einer

Baumaßnahme und schafft Verbindungen

zwischen allen am Bauprojekt beteiligten

Parteien. Der Zugriff auf die Plattform erfolgt

wahlweise über Desktop-Computer in

lokalen Netzwerken oder über mobile Endgeräte,

wie Smartphones oder Tablets, via

Internetbrowser. (www.rib-software.com)

Eine Vielzahl für Planer interessanter Video-Präsentationen

bot Mensch und Maschine

zu den Themen Modellprüfung mit

Mit der Mängelmanagement-App 123quality lassen sich auf

der Baustelle per Smartphone oder Tablet Mängel, Abnahmeprotokolle,

Nachträge, Gewährleistungsabnahmen

und vieles mehr erfassen. © 123erfasst

Mit Layoutvorlagen lassen sich individuell gestaltete Baustellen- und

Projektberichte generieren. © Capmo


www.architektur-online.com

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Eine weitgehend papierlose Planung und Koordination

verspricht die Cloudlösung Revu.

© Bluebeam

UntermStrich präsentierte ein MESSE@home-Ersatzprogramm mit Präsentationen, Fachvorträgen

und Diskussionen. © UntermStrich

Autodesk Revit und der ergänzenden Funktionssammlung

BIM Booster, der BIM-Kollisionsprüfung

mit Autodesk Navisworks und

Autodesk BIM 360, einer Cloud-Plattform

für gemeinsames Arbeiten in Echtzeit. Weitere

Themen waren die Durchbruchsplanung

in BIM-Projekten mit Autodesk Revit

sowie DESITE, das „Schweizer Messer“ für

die Anzeige, Analyse, Auswertung und Prüfung

von BIM-Modellen sowie die Koordinierung

von BIM-Prozessen. (www.mum.at)

Mit Projektpartnern zeitgleich und standortunabhängig

an denselben Baudokumenten

planen. Das verspricht Revu von Bluebeam.

Dazu stellt die Software Projektbeteiligten

in Echtzeit PDF-Dateien in der Cloud bereit.

In den Bauplänen lassen sich Anpassungen

vornehmen, mit Kommentaren oder Notizen

versehen und Personen zuweisen. Ausführende

Unternehmen können unmittelbar

darauf zugreifen und anhand farblicher

Markierungen alle Änderungen nachvollziehen.

Zusätzlich bietet Revu nützliche

Werkzeuge, etwa für die Berechnung von

Flächen. So kann die Planung und Koordination

weitgehend papierlos ablaufen. Eine

30-Tage-Testversion ist kostenlos erhältlich.

(www.bau-mit-bluebeam.de)

UntermStrich, Anbieter der gleichnamigen

Branchensoftware für internes Projektmanagement,

Controlling und Büroorganisation

hat im Rahmen eines eigenen

Messe-Ersatzprogramms MESSE@home

nicht nur seine browserbasierte Software

untermStrich X3 vorgestellt. Auch Experten-Fachvorträge

und Diskussionsrunden

wurden als Video gestreamt. Geboten wurden

unter anderem Praxis-Einblicke in das

Thema Büroführung, Software-Präsentationen,

Einzeltermine mit untermStrich-Experten

sowie Vorträge. Aufgrund der guten

Erfahrungen werden künftig regelmäßig

kostenlose Online-Fachvorträge, Netzwerkveranstaltungen

und Diskussionsrunden

angeboten. (www.untermstrich.com/messe-

2021home-rueckblick)

Ein nahtloser „Scan-to-CAD und BIM-Workflow“

vereinfacht das Planen und Bauen.

© Hexagon, Leica Geosystems

BAUSOFTWARE

FÜR AUFSTEIGER.

Ihr Einstieg zum Aufstieg.

Vom österreichischen Marktführer.

www.success-x.at

Hungerburgbahn – Foto: Günther Egger


www.architektur-online.com

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edv

Vollkommen ÖNORM-kompatibel

NEVARIS, der Marktführer für Bausoftware

am österreichischen Markt, hat soeben

das neueste Release von Success X, dem

Produktnachfolger von AUER Success,

veröffentlicht. Die Version 2021.1 enthält

viele neue Funktionen und wichtige Verbesserungen.

Das neue Release schließt

mit der vollumfänglichen Umsetzung der

Kalkulationsnorm ÖNORM B2061:2020 ab

und enthält den neuen Bereich „Control“,

der ab sofort als integrative Grundlage für

kaufmännische Funktionen dienen wird:

Im ersten Schritt gibt es nun den Prozess

„Ausgangsrechnung“, der allen Anwendern

des Moduls „Abrechnung“ zur Verfügung

steht. Dieser Prozess ist die Alternative zur

bisherigen Rechnungsübersicht. Nun werden

alle gestellten Rechnungen unabhängig

vom jeweiligen Status zentral verwaltet,

sowie projektübergreifend dargestellt

und ausgewertet. Weitere Neuerungen der

Version 2021.1 betreffen die Zuordnung von

Gemeinkosten, die Konvertierungsoption

für Projektkalkulationen und Betriebsmittelstämme,

oder auch die Hilfs- und Kalkulationsblätter,

die überarbeitet und gemäß

neuer Norm gestaltet wurden.

NEVARIS Bausoftware GmbH

T +43 (0)662 890 800-0

kontakt@nevaris.com

www.nevaris.com

365 Tage

NETworking!

Aus der Not eine Tugend gemacht hat untermStrich

– das Organisationstool für Architekten

und Ingenieure – mit seiner digitalen

Messe-Premiere. Was ursprünglich als

coronabedingter Ersatz für die Teilnahme

an der BAU2021 gedacht war, hat sich aufgrund

der regen Teilnahme nun zum dauerhaften

virtuellen Messestand gewandelt.

Alle Vorträge und Einzeltermine waren bis

auf den letzten Platz gefüllt. „Wie schaffe ich

es als Architekt oder Ingenieur, noch erfolgreicher

zu werden?“ war dabei das dominierende

Thema. Besonders umjubelt war die

große Podiumsdiskussion „PLAN A - Der

Talk“ mit prominenter Besetzung wie Dirk

Lange (kadawittfeldarchitektur), Mark Jenewein

(LOVE architecture+urbanism), Carlo

Chiavistrelli (Hanel Ingenieurbüro), Horst

Keller (DERPLUSARCHITEKT) sowie Moderatorin

Julia Bauer. „Wir haben ganz klar

gesehen, wie gerne unsere Kunden ein solches

Weiterbildungs- und Networking-Angebot

annehmen. Darauf reagieren wir nun

und installieren ein dauerhaftes MESSE@

home-Format, bei dem regelmäßig online

Fachvorträge, Netzwerkveranstaltungen

und Diskussionsrunden angeboten werden.

Und das Ganze kostenfrei“, so Peter Remitz

und Guido R. Strohecker von untermStrich.

Die Highlights der großen Premierenwoche

sowie eine Übersicht über die kommenden

Online-Termine sind auf der neuen

MESSE@home-Plattform zu finden.

www.untermstrich.com/messehome-2/

untermStrich software GmbH

T +43 (0)3862 58106-0

office@untermstrich.com

www.untermstrich.com


ALFRED WALTL: W2 MANUFAKTUR, LEOGANG

MIT ARCHICAD

SIND WIR IM

ENTWURF

PRÄZISER.

WIR-

STEIGEN-

UM.AT

Büros wie die W2 Manufaktur wechseln zu Archicad.

Inhaber Alfred Waltl: „Wir hatten Druck von den Kunden, aber auch

von den eigenen Mitarbeitern, unsere Planungen auf 3D umzustellen.

Den Turnaround haben wir dann von einem Tag auf den anderen

vollzogen. Seither sind wir im Entwurf präziser und sehen genau,

wo Schnittstellen und Kollisionspunkte liegen. Da haben wir unseren

Qualitätsstandard massiv angehoben.“

Mehr über den Umstieg unter wir-steigen-um.at


PADS

Spielerische

Raumgestaltung.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

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