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mailing.150_Jubiläumsausgabe - Gruner AG

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<strong>mailing.150</strong><br />

Hansruedi Berchtold, dipl. Bauing. ETH<br />

Flavio Casanova, dipl. Bauing. ETH/SIA<br />

David Geng, Dipl. Bauing. FH, Schweissfaching. EWE<br />

Peter Imbach, dipl. Bauing. ETH<br />

Adrian Keller, lic. iur. Advokat<br />

Johannes Kretzschmar, Dipl.-Ing. (TH) Architekt<br />

Patrick Martin, Dr. rer. nat., Dipl.-Geologe<br />

Jörg Meier, Dr.-Ing.<br />

Jon Mengiardi, dipl. Bauing. ETH, MSc Environmental Engineering DTU<br />

Sebastian Müller, Dipl.-Ing. FH<br />

Stefan Mützenberg, Dr. sc. nat., dipl. Geologe ETH<br />

Stefan Nievergelt, dipl. Bauing. ETH/SIA, EMBA<br />

Laurent Pitteloud, dipl. Bauing. ETH/SIA<br />

Marco Richner, Dipl.-Ing. (Univ.), MAS Business Eng. Mgmt.<br />

Markus Ringger, Dr. phil., Physiker SIA<br />

Karl-Heinz Schädle, Dipl.-Ing. (FH) Maschinenbau<br />

Erwin G. Schnell, Dipl.-Ing. (TU) aer., Luft- und Raumfahrttechnik<br />

Markus Weber, dipl. Elektroing. FH/SIA, Betriebsing. ISZ/SIB<br />

Patrick Winzer, Dipl.-Ing.<br />

Thomas Winzer, Dr.-Ing. (TH)


Inspirierend für<br />

herausragende<br />

Leistungen.


Inhaltsverzeichnis<br />

> Städtebau<br />

10 Basel gewinnt den World City Award<br />

14 Bauzonen in der dritten Dimension<br />

18 Das digitale Gebäudemodell<br />

20 Leipziger Visionen zwischen Realität und Utopie<br />

> Energie<br />

26 Die Lösungen der Zukunft sind Bio-Logisch<br />

30 Nachhaltiges Bauen – in Zukunft Standard<br />

32 Die Energiewende – ein Rückblick aus dem Jahr 2062<br />

34 Energie aus der Erde<br />

> Verkehr<br />

42 Verkehr der Zukunft: Pulkfahren mit E-Fahrzeugen<br />

45 Alternative Seilzug<br />

46 Individuell im fremdgesteuerten Konvoi<br />

> Technik<br />

50 Die Symbiose namens Biogrout<br />

54 Quo vadis, Geotechnik?<br />

56 Digitale Prototypen und virtuelles Engineering in der Bauindustrie<br />

62 Schall liegt in der Luft<br />

64 Ein Tag im Leben<br />

66 Zeitreise


Innovativ für<br />

die Welt<br />

von morgen. morgen.


Editorial<br />

Visionäre Ideen für die Welt von morgen<br />

Die Geschichte der <strong>Gruner</strong>-Gruppe ist geprägt von Visionen und deren Umsetzung.<br />

Das wohl bekannteste Beispiel ist der Gotthard-Basistunnel. Der Visionär und Planer<br />

Eduard <strong>Gruner</strong> (1905–1984) hatte die Idee des Gotthard-Basistunnels schon vor über<br />

65 Jahren skizziert und 1947 in seinem Aufsatz mit dem Titel «Reise durch den Gotthard-Basistunnel<br />

im Jahr 2000» publiziert. Heute, 65 Jahre später, wird die Umsetzung<br />

der Vision als Jahrtausendereignis gefeiert.<br />

Wie Eduard <strong>Gruner</strong> einst mit seinem Traum des Gotthard-Basistunnels zur Zukunft<br />

beigetragen hat, haben viele kluge Köpfe mit ihren Visionen die Welt von morgen<br />

geprägt. Einer der grössten war Leonardo da Vinci. Seine Vision vom Fliegen wurde<br />

erst 400 Jahre später Wirklichkeit.<br />

Als Ingenieure, Planer und Naturwissenschaftler liegt es in unserem Naturell, dass<br />

wir neugierig und kritisch zugleich die Umwelt und die Gesellschaft beobachten.<br />

Dies erlaubt uns stets, frühzeitig neue Entwicklungen aufzuspüren und in die Realität<br />

umzusetzen. Das wollen wir auch künftig tun, um so die Zukunft unseres Unternehmens<br />

zu sichern und gleichzeitig einen Beitrag für die Welt von morgen zu<br />

leisten.<br />

Im Rahmen des Jubiläumsjahres haben wir unsere Mitarbeitenden gebeten, ihre Vorstellung<br />

der Zukunft zu skizzieren und einen Weitblick in das Jahr 2062 zu wagen.<br />

Mit dem Jubiläumsband teilen wir diese Ideen mit Ihnen. Das <strong>mailing.150</strong> setzt sich<br />

mit visionären Themen aus den Bereichen Städtebau, Energie, Verkehr und Technik<br />

auseinander. Dabei werden gedankliche Fesseln gesprengt.<br />

Wir können heute nur erahnen, wie sich die Welt bis ins Jahr 2062 entwickeln wird.<br />

Wir wissen aber, dass es auch in der Zukunft herausragende Leistungen von kreativen<br />

und leidenschaftlichen Menschen benötigen wird, welche in einer fruchtbaren Umgebung<br />

mit Hingabe das Feld für eine erfolgreiche Zukunft bestellen. Menschen stehen<br />

im Zentrum der <strong>Gruner</strong>-Gruppe. Als attraktiver Arbeitgeber bieten wir unseren<br />

motivierten Mitarbeitenden heute und in der Zukunft ein Arbeitsumfeld, welches<br />

visionäre Ideen zulässt.<br />

Wir wünschen Ihnen bei der Lektüre inspirierende Momente.<br />

Flavio Casanova<br />

Vorsitzender der Gruppenleitung<br />

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8 <strong>mailing.150</strong>


Städtebau<br />

In 50 Jahren sind die Städte weitgehend autofrei. Sämtliche Gebäude werden,<br />

nachdem sie virtuell getestet wurden, in Niedrigenergiebauweise erstellt. Nach<br />

Möglichkeit wird der Raum unter der Erde genutzt. Utopistische Träumereien<br />

oder bald Realität? Visionen kennen keine Grenzen. Fakt ist, die Zukunft hat bereits<br />

begonnen.<br />

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10 <strong>mailing.150</strong><br />

Basel gewinnt den World City Award<br />

Als sei es zum 200-Jahre-Jubiläum der <strong>Gruner</strong>-Gruppe bestellt worden, gewinnt Basel den<br />

World City Award. Massgebende Kriterien bei der Jurybewertung waren Wohnattraktivität,<br />

wirtschaftliche Prosperität, infrastrukturelle Rahmenbedingungen, Versorgung, politische und<br />

soziale Stabilität sowie Energieeffizienz. Basel ist es gelungen, mit einer langfristig orientierten<br />

und konsequent umgesetzten Stadtentwicklung namhafte Wettbewerber hinter sich zu lassen.<br />

<strong>Gruner</strong> stand der Stadt dabei beratend und in der Umsetzung als zuverlässiger Partner zur Seite.<br />

Flavio Casanova, Adrian Keller, Marco Richner, Johannes Kretzschmar, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel<br />

> Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

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und Arbeiten Woh<br />

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und d Arbeiten<br />

Die Stadt mit Zentrumsfunktion<br />

Basel hat eine bevorzugte Lage am Rheinknie im Dreiländereck.<br />

In diesem Raum hat sich die Stadt als Zentrum<br />

etabliert. Sie verbindet mit ihrer kulturellen Offenheit<br />

und ihren ausgezeichneten Infrastrukturen die Schweiz<br />

mit Europa und der ganzen Welt. Die umliegenden<br />

Regionen einigten sich auf eine gemeinsame politische<br />

Agenda und richteten ihre raumplanerischen Massnahmen<br />

und Investitionen auf das Zentrum Basel aus. Attraktive<br />

Rahmenbedingungen und der Zugang zu ausgezeichnet<br />

ausgebildeten Fachkräften führen dazu, dass Basel seine<br />

weltweit herausragende Position im Bereich Life Sciences<br />

gefestigt hat. Die ETH ist in Basel als Ausbildungs-<br />

stätte von hoch qualifizierten Fachkräften fest etabliert.<br />

Menschen aus unterschiedlichen Kulturen leben und<br />

arbeiten in Basel. Die Stadt hat dies flankierend mit<br />

raumplanerischen Massnahmen wie der Durchmischung<br />

verschiedenster Wohnformen und der geschickten<br />

Anordnung von Wohn- und Arbeitszonen unterstützt.<br />

4.6.<br />

<strong>mailing.150</strong> 11


Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

Quelle: Bundesamt für Landestopografie<br />

EuroAirport<br />

062<br />

12 <strong>mailing.150</strong><br />

Hauptbahnhof<br />

unterirdisch<br />

Legenden Bahnlinien<br />

Heute (oberirdisch, bestehend)<br />

Heute (unterirdisch, bestehend)<br />

2062 (oberirdisch, neu)<br />

2062 (unterirdisch, neu)<br />

Grenze<br />

Z/Q-Güter<br />

Katzenbergtunnel<br />

Transit-Güterverkehrsstrecke<br />

S-Bahnhof Bad. Bhf.<br />

unterirdisch<br />

Z/Q-Güter<br />

Die Stadt der kurzen Wege<br />

Die Jury unterstreicht die Leistung im Bereich einer<br />

nachhaltigen und ausgewogenen Abstimmung von Verkehrsnachfrage<br />

und -angebot im Umfeld einer zunehmenden<br />

Mobilität. Basel ist es gelungen, durch eine<br />

konsequente Verdichtung in der Horizontalen und der<br />

Vertikalen einen städtischen Raum mit hohem Lebenswert<br />

zu schaffen und gleichzeitig die nachgefragten Wohnbedürfnisse<br />

in einem urbanen Raum zu befriedigen.<br />

Die in der Fachwelt seit langem proklamierte Stadt der<br />

kurzen Wege wurde zur Realität. Es ist möglich, weitgehend<br />

auf die Nutzung des motorisierten Individualverkehrs<br />

zu verzichten, da eine Durchmischung der<br />

Nutzungen bei gleichzeitig hoher Dichte die Anzahl der<br />

räumlichen Gelegenheiten maximiert und den Langsamverkehr<br />

prädestiniert. Innerhalb des Stadtzentrums<br />

wird auf die Ausscheidung von neuen Grünflächen verzichtet,<br />

um konsequent die Verdichtung nach innen zu<br />

fördern. Beispielhaft in Basel ist die Entflechtung von<br />

Verkehrsinfrastruktur und Wohnraum. Mit einem konsequenten<br />

Ansatz ist es der Stadt gelungen, der Verkehrsinfrastruktur<br />

zunehmend eine dienende und nicht mehr<br />

eine prägende Rolle zuzuordnen. Damit wurden erstklassige<br />

Wohnlagen geschaffen, ohne dabei die Versorgungsqualität<br />

von Bevölkerung und Wirtschaft einzuschränken.<br />

Basel wirkt in sich homogen.


Ein Blick zurück<br />

Visionäre Ansätze aus dem traditionsreichen und<br />

weltweit tätigen Planungsunternehmen <strong>Gruner</strong> trugen<br />

massgebend zu dieser Entwicklung bei.<br />

Transit-Güterschienenverkehr<br />

Es ist in den letzten Jahrzehnten gelungen, den Transit-<br />

Güterschienenverkehr weitläufig um den städtischen<br />

Raum zu führen, indem er nördlich von Weil am Rhein<br />

abgezweigt und unterirdisch in den Raum Fricktal<br />

geführt wird. Die regionale Versorgung des Ziel- und<br />

Quellverkehrsaufkommens (Z/Q-Güter) führt schienenseitig<br />

über den Containerterminal Basel Nord und die<br />

Rangierbahn höfe Weil und Muttenz. Der Rangierbahnhof<br />

Muttenz wurde in der Vergangenheit erheblich redimensioniert<br />

und lässt verschiedene Umschlagsformen<br />

zu. Im Gellertdreieck wird die Autobahn über die Osttangente<br />

unterirdisch geführt. Dort und im Bereich<br />

Heuwaage haben sich attraktive Wohn- und Arbeitslagen<br />

ergeben. Mit dem durch die Massnahmen entstandenen<br />

Gestaltungsraum für städtische Wohn- und Arbeitsräume<br />

konnten die hohen Investitionen für diese verkehrstechnischen<br />

Massnahmen beinahe kompensiert werden.<br />

Zusätzlich wurde im Gebiet des ehemaligen Rangierbahnhofes<br />

Muttenz Raum für den neuen, grosszügig angelegten<br />

Zoologischen Garten geschaffen.<br />

Unterirdische Bahnhöfe<br />

Ein weiteres Kernstück der städtebaulichen Entwicklung<br />

ist der unterirdische Hauptbahnhof SBB, welcher als<br />

Durchgangsbahnhof konzipiert ist. Der internationale<br />

Fernverkehr nach Deutschland und Frankreich führt<br />

direkt zum EuroAirport. Er wird über die neu erstellte<br />

Rheinquerung Richtung Karlsruhe geführt. Der Badische<br />

Bahnhof ist ein zentrales Element im leistungsfähigen<br />

S-Bahn-Netz, welches mit einer durch das Herz von<br />

Basel führenden Linie mit dem südlichen S-Bahn-Netz<br />

verbunden ist. Ab dem unterirdischen Badischen Bahnhof<br />

gelangt man mit S-Bahn-Linien in den Schwarzwald.<br />

Er verknüpft die Linien des rechten Rheinufers mit<br />

jenen aus dem Wiesental. Diese Konzeption ermöglichte<br />

es, die Bahnlinie entlang der Osttangente einschliesslich<br />

der Rheinquerung aufzuheben. Die konsequente<br />

Tieferlegung der Bahninfrastruktur ermöglichte es, Raum<br />

zu schaffen für neue Entwicklungsgebiete mit prägenden<br />

Hochbauten. Die Lebensqualität hat sich damit massiv<br />

erhöht.<br />

Überdeckte Nationalstrasse<br />

Mit der Aufhebung der Bahnlinie im Gellertdreieck bot<br />

sich die Gelegenheit, die vorhandene Nationalstrasse<br />

zu überdecken. Völlig unbehelligt vom Anblick der<br />

Autobahn gelangt man nun vom Gellertquartier in das<br />

Naherholungsgebiet an der Birs. Die neu gestaltete<br />

doppelstöckige Rheinbrücke und der neue, vor dem<br />

Kaufhaus der S-Bahn-Station Badischer Bahnhof entlang-<br />

führende Schwarzwaldtunnel lassen vergessen, dass<br />

vor Jahren die Nationalstrasse zwischen dem Hirzbrunnen-<br />

und dem Wettsteinquartier eine solche Entwicklung<br />

verhinderte.<br />

Hafen Kleinhüningen<br />

Der ehemalige Hafen Kleinhüningen lädt mit seinen<br />

mediterran anmutenden Wasserwegen und Wohnbauten<br />

zum Schlendern ein und verleiht der Stadt zusätzliche<br />

Dynamik. Die Umschlagsaktivitäten werden im ausgebauten<br />

Auhafen konzentriert. Die Rheinschifffahrt wird<br />

durch diese Konzentration gestärkt.<br />

Trotz der immensen baulichen Entwicklung ist Basel eine<br />

grüne Stadt geblieben. Die bestehenden Parkan lagen<br />

lockern das Stadtbild auf und laden zum Verweilen ein.<br />

Das intakte Umland bietet in kurzer Entfernung attraktive<br />

Naherholungsgebiete, welche mit dem öffentlichen<br />

Nahverkehr und dem Fahrrad gut zu erreichen sind.<br />

<strong>mailing.150</strong> 13


Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

Bauzonen in der dritten Dimension<br />

Im Zeitalter von Facebook, Twitter, Foursquare & Co. versuchen wir unsere sozialen Netzwerke<br />

zu vergrössern und zu verdichten, gleichzeitig streben wir in unserem bebauten Lebensraum<br />

nach Weite und Abgeschiedenheit. Dies, obwohl uns die daraus resultierenden Konsequenzen<br />

bekannt sind. Mit der Anpassung der heutigen Bau- und Zonenordnung wird diesem Trend nun<br />

ein Ende bereitet. Stefan Nievergelt, <strong>Gruner</strong> + Wepf Ingenieure <strong>AG</strong>, Zürich<br />

14 <strong>mailing.150</strong>


In der Schweiz wird jede Sekunde ein Quadratmeter<br />

Boden verbaut. Experten für Siedlungsentwicklung und<br />

Städtebau warnen schon seit geraumer Zeit vor den<br />

Gefahren des unkontrollierten Wachstums der Wohnfläche.<br />

Dies, obwohl im Zuge des verdichtenden Bauens<br />

die Zonenordnung auf die heutige Nachfrage abgestimmt<br />

und angepasst wird. Der erhoffte Erfolg bleibt<br />

bis heute jedoch aus. Die Zersiedelung in der Schweiz<br />

schreitet weiter voran.<br />

«Dicht», das ist Enge, wenig Platz, kein Durchkommen.<br />

Zwängt sich der Mensch von heute gerne in volle öffentliche<br />

Verkehrsmittel? Lebt und arbeitet er gerne in<br />

dicht besiedelten Städten? Denken wir beim verdichtenden<br />

Bauen an «zubetonieren» und den Verlust von<br />

Lebensqualität?<br />

Die Vorteile lägen auf der Hand. Belebte Stadtteile<br />

mit einer guten Durchmischung von Arbeit, Wohnen und<br />

Freizeit. Kurze Wege und damit geringe Emissionen.<br />

Optimale und effiziente Ausnutzung der Infrastruktur.<br />

Das Wohnen in der dicht besiedelten Stadt hat, zu<br />

Unrecht, ein schlechtes Image.<br />

<strong>mailing.150</strong> 15


Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

Bauzonen in der dritten Dimension_Obwohl wir im Zeitalter von Facebook,<br />

Twitter, Foursquare & Co. versuchen unsere sozialen Netzwerke zu vergrš ssern<br />

und zu verdichten, streben wir in unserem bebauten Lebensraum nach Weite<br />

und Abgeschiedenheit. Dies obwohl uns die daraus resultierenden<br />

Konsequenzen bekannt sind. Mit der Anpassung der heutigen Bau- und<br />

Zonenordnung wird diesem Trend nun ein Ende bereitet.<br />

16 <strong>mailing.150</strong><br />

Vision heute,<br />

Stadt von morgen<br />

PARKEN<br />

PARKEN PARKEN<br />

PARKEN<br />

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Eine Zonenordnung für die dritte Dimension<br />

Mit den heutigen Gesetzen und Richtlinien für die<br />

bebaute Umwelt soll der fortschreitenden Zersiedelung<br />

Einhalt geboten werden. Dabei werden jedoch zu viele<br />

Kompromisse eingegangen. Es muss ein Paradigmenwechsel<br />

stattfinden.<br />

In der Bauzonenordnung wird nur die Nutzung der<br />

bebaubaren Fläche vorgeschrieben. Die Höhe ist alleine<br />

durch die Anzahl Geschosse begrenzt. Die Nutzung<br />

bleibt über das gesamte Bauwerk dieselbe. Gerade in<br />

der Begrenzung der Höhe besteht der Widerspruch zum<br />

verdichtenden Bauen. Nicht die Höhe sollte reguliert<br />

werden, sondern die Nutzung in den verschiedenen<br />

Ebenen. Der Lebensraum wird nicht nur in der Ebene<br />

erschlossen, sondern auch in der Höhe bzw. Tiefe.<br />

Es soll eine Zonenordnung entwickelt werden, die vom<br />

Untergeschoss bis zu den obersten Geschossen deren<br />

Nutzung beschreibt.<br />

Der umgebaute Lebensraum<br />

auf verschiedenen Ebenen<br />

Die bestehende öffentliche Verkehrsinfrastruktur wird<br />

in das neue Städtekonzept eingegliedert und ermöglicht<br />

die Erschliessung über mittlere und längere Distanzen.<br />

Zugunsten von mehr Freiflächen zwischen den<br />

Gebäuden wird der Individual- und der Zulieferverkehr<br />

in den Untergrund verschoben. Die bestehenden Tiefgaragen<br />

werden über Verbindungstunnels miteinander<br />

verknüpft. Über unterirdische Ringstrassen mit vereinzelten<br />

Einfallachsen wird ein schnelles und über die<br />

gesamte Untergrundebene erreichbares Netz erschaffen.<br />

Road-Pricing und platzsparende, vollautomatische<br />

Parkhäuser an den Einfahrtsachsen sollen einerseits<br />

Anreize zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs schaffen<br />

und andererseits die dafür erstellte und zu unterhaltende<br />

Infrastruktur finanzieren.<br />

Eine dritte Verkehrsebene wird in luftiger Höhe eingerichtet.<br />

Ob nun mittels Verbindungsbrücken, über<br />

Windströme stabilisierte Kanäle oder neuartige Seilkonstruktionen:<br />

Diese Erschliessungszone dient ausschliesslich<br />

dem sogenannten Langsamverkehr für kurze<br />

bis mittlere Distanzen; Fussgänger, Velos, Rollerblades,<br />

elektrisch betriebene Kleinstfahrzeuge oder Rollbahnen<br />

in der Art, wie man sie heute schon in Flughäfen<br />

kennt, aber auch Seilbahnen, die lautlos und schnell<br />

durch die Luft gleiten.<br />

Die vorhandene Bausubstanz wird, wo sinnvoll, nicht<br />

abgebrochen, sondern von Hochhäusern umbaut und die<br />

Nutzung entsprechend angepasst. Das Arbeiten findet<br />

in den bodennahen Geschossen statt. Ab dem 10. Obergeschoss<br />

beginnt die sogenannte Mischzone. Hier finden<br />

das Freizeit- bzw. Kulturangebot und das Einkaufs-<br />

bzw. Gastgewerbe ihren Platz. Die dritte Verkehrsebene<br />

befindet sich auf demselben Niveau. Darüber, in sonniger<br />

Lage, beginnt die Wohnzone. Die Dächer werden für<br />

einen nachhaltigen Betrieb der Infrastruktur und als<br />

Erholungsfläche der Einwohner der vertikalen Stadt zu<br />

Grünflächen ausgebaut.<br />

Vision heute, Stadt von morgen<br />

Mit der Bildung verschiedener Verkehrsebenen wird<br />

ein Netz zwischen den integralen Wohn-, Misch- und<br />

Arbeitstürmen gespannt. Diese interagieren und<br />

pulsieren wie Cluster mit unaufhaltsamer Innovationskraft.<br />

Die heute noch virtuellen Netzwerke von Freunden<br />

und Geschäftspartnern im World Wide Web finden<br />

sich in den Städten von morgen wieder.<br />

<strong>mailing.150</strong> 17


Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

Das digitale Gebäudemodell<br />

Die Vorteile des digitalen Engineerings: virtuelles Probewohnen, vernetzte Bauinformationen,<br />

tiefere Kosten. Markus Weber, Kiwi Systemingenieure und Berater <strong>AG</strong>, Dübendorf<br />

Das Gebäude im Jahr 2050<br />

Die Gebäude des Jahres 2050 werden so intelligent<br />

gebaut sein, dass sie kaum noch Bedarf an zusätzlicher<br />

Wärme haben. In ihrem Innern gibt es Lichthimmel und<br />

transparente Lichtwände aus leuchtenden Kunststoffen<br />

sowie wandfüllende Displays, die auf Sprach- oder<br />

Bewegungsbefehle hin die dreidimensionale Welt des<br />

neuen Internets eröffnen. 3-D-Spielfilme sind eine<br />

Selbstverständlichkeit, ebenso wie virtuelle Kaufhausbummel,<br />

Museumsbesuche oder Fantasy-Spielwelten –<br />

so real, als wäre man vor Ort. Universitäten bieten<br />

weltweites Lernen an: am Vormittag eine Vorlesung in<br />

Tokio, am Abend ein Seminar in Harvard – mit dem Internet<br />

von morgen kein Problem. So wird die Zukunft in<br />

«Pictures of the Future» prophezeit, der Zeitschrift für<br />

Forschung und Innovation von Siemens.<br />

Aber wie werden diese Gebäude geplant und realisiert?<br />

Welche Innovationen werden die heute bekannten<br />

Prozesse verändern? Zieht man Analogien zu anderen<br />

Wirtschaftszweigen, wird auch im Planen, Bauen und<br />

18 <strong>mailing.150</strong><br />

Bewirtschaften von Gebäuden eine weitergehende<br />

Automatisierung Einzug erhalten, demgegenüber aber<br />

neue Jobs im Bereich Software und Dienstleistungen<br />

geschaffen. Digitales Engineering, d.h. die digitale<br />

Vernetzung aller Stufen der Wertschöpfungskette, heisst<br />

die Herausforderung.<br />

Virtuell entwickelt<br />

Das Gebäude im Jahr 2050 wird virtuell entwickelt, mit<br />

virtuellen Simulatoren getestet, durch die Nutzer virtuell<br />

bewohnt und mit diesen «virtuellen Ergebnissen»<br />

laufend optimiert, bevor es in der realen Welt gebaut<br />

wird. Dabei werden die Erfahrungen von anderen gebauten<br />

Gebäuden, eingesetzten Produkten und Technologien<br />

online mitberücksichtigt. Virtuelle Modelle<br />

werden das Planen wesentlich vereinfachen und damit<br />

nicht nur Kosten sparen, sondern auch Fehlerquellen<br />

minimieren.<br />

Im Zentrum jedes Gebäudes wird eine einzige gemeinsame<br />

Datenbasis stehen, auf die nicht nur die Planer,


sondern auch die Lieferanten und Entwickler von Produkten<br />

und Technologie Zugriff haben. Diese in den Phasen<br />

Konzeption, Planung, Realisierung bis hin zur Inbetriebsetzung<br />

laufend wachsende Datenbasis wird auch<br />

danach laufend mit Daten aus der Betriebsphase aktuell<br />

gehalten und steht während des gesamten Lebenszyklus<br />

des Gebäudes zur Verfügung.<br />

Die Datendurchgängigkeit über alle Disziplinen und<br />

über den gesamten Lebenszyklus bringt enorme Vorteile:<br />

So lässt sich die Zeit für die Planung, die spätere Umnutzung<br />

oder die Erneuerung eines Gebäudes deutlich<br />

reduzieren, was Kosten, Energie und Ressourcen spart.<br />

Das Gebäude kann dadurch zu jedem Zeitpunkt nach<br />

ökologi schen und ökonomischen Fragestellungen untersucht<br />

und Alternativen können in Sekundenschnelle<br />

überprüft werden. Alternativen, die vielleicht erst im<br />

Laufe der Nutzung des Gebäudes entwickelt wurden.<br />

Alles immer unter einer ganzheitlichen Sicht mit<br />

gleichwertiger Berücksichtigung von Form/Gestaltung,<br />

Konstruktion, Gebäudetechnik und Kosten.<br />

Industriell gefertigt<br />

Das Gebäude der Zukunft wird systematisch in Module<br />

zerlegt und umfassend integriert. Der überwiegende<br />

Teil des Gebäudes lässt sich dadurch mit einer überschaubaren<br />

Anzahl von kopierbaren Einzelkonstruktionen<br />

und Ausrüstungsmodulen darstellen, ohne die<br />

architektonische Vielfalt einzuschränken. Standardisierung<br />

ist nur dort angebracht, wo ein individueller<br />

Charakter nicht erforderlich ist. Gebäude werden dadurch<br />

zu «gebauten Wiederholungen», ähnlich wie das<br />

heute bereits aus dem Fahrzeug- oder Maschinen bau<br />

bekannt ist. Dabei werden Planungen<br />

weniger gezeichnet und mehr in Datenbanken erfasst.<br />

Gleichzeitig entstehen grosse Potenziale für die<br />

Beschleunigung der Ausführung und die Senkung der<br />

Baukosten. Anstelle der aufwendigen Fertigung auf der<br />

Baustelle tritt die industrielle Vorfertigung in der<br />

Werkstatt.<br />

Agieren wie in einem Computerspiel<br />

Da alle an der Gebäudeentwicklung beteiligten Mitarbeitenden<br />

– auch firmen- und standortübergreifend –<br />

auf dieselbe, stets aktuelle Datenbasis zugreifen, lassen<br />

sie sich noch effektiver in die Entwicklung und<br />

Planung einbinden. Mit dem Einsatz von Virtual Reality<br />

lassen sich zudem Entwicklungsmodelle in einer vom<br />

Rechner erzeugten räumlichen Umgebung massstabsgetreu<br />

betrachten und besprechen.<br />

Ganz neue Dimensionen erreichen wir mit dem Einsatz<br />

von Technologien, wie sie von Videospielen genutzt<br />

werden, um komplexe physikalische Prozesse nachzuahmen<br />

und damit eine realistische Umgebung zu vermitteln.<br />

Dadurch lassen sich komplexe Geometrien und<br />

realistische Bewegungen, aber auch alle möglichen<br />

Umgebungsbedingungen zusammen mit dem Nutzerverhalten<br />

simulieren und so real darstellen, als wäre<br />

man vor Ort.<br />

Entsprechend lassen sich in Zukunft Gebäude in einer<br />

äusserst realistisch anmutenden Umgebung regelrecht<br />

spielerisch entwickeln. Das Programm simuliert das<br />

Gebäudeverhalten in Echtzeit und 3-D, und wie in einem<br />

Computerspiel kann der Planer oder zukünftige Nutzer<br />

in eine laufende Simulation eingreifen.<br />

<strong>mailing.150</strong> 19


Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

Leipziger Visionen<br />

zwischen Realität und Utopie<br />

Um Grossveranstaltungen sportlicher und kultureller Art in unmittelbarer Nähe urbaner Zentren<br />

durchführen zu können, bedarf es einer gut funktionierenden Infrastruktur, welche es erlaubt,<br />

hohen Mobilitätsansprüchen gerecht zu werden, ohne dass das öffentliche Leben Einbussen<br />

erleidet oder gar zum Erliegen kommt. Sebastian Müller, <strong>Gruner</strong> + Partner GmbH, Leipzig<br />

Für die Stadt Leipzig und ihre etwas mehr als 500 000<br />

Einwohner stellte sich mit ihrer visionären Olympiabewerbung<br />

2012 die spannende Frage, wie das nur<br />

ca. 3.5 km vom Stadtzentrum entfernte Sport- und Veranstaltungsareal<br />

des Zentralstadions im Falle eines<br />

Zuschlags der Olympischen Spiele verkehrstechnisch so<br />

erreicht und erschlossen werden kann, dass die zu<br />

erwartenden Menschenmengen von bis zu 100 000 Personen<br />

zielgerichtet und sicher geleitet werden können.<br />

Ein Strassenbahntunnel zur Entlastung<br />

Unter der Regie der Leipziger Verkehrsbetriebe, des<br />

städtischen Nahverkehrsanbieters, wurden im Jahr<br />

2004 mit der <strong>Gruner</strong>-Gruppe Überlegungen angestellt,<br />

wie zwischen Leipziger Hauptbahnhof als zentralem<br />

Verkehrs knotenpunkt und dem Areal des Leipziger<br />

Sport forums eine möglichst schnelle und hohe Kapazitäten<br />

aufweisende Verkehrsverbindung für den öffentlichen<br />

Verkehr geschaffen werden kann. Dabei sollte<br />

das öffentliche Leben in den Wohngebieten so wenig<br />

wie möglich beeinträchtigt werden. Für diese Überlegungen<br />

galt es, die Trasse Ranstädter Steinweg –<br />

Waldplatz – Jahnallee verkehrstechnisch optimal zu<br />

gestalten und auszubauen. Ähnlich wie Eduard <strong>Gruner</strong><br />

vor 65 Jahren die Vision eines durchgehenden Gotthard-<br />

Basistunnels hatte, reifte in Leipzig die Idee eines<br />

Strassenbahntunnels unter dem Ranstädter Steinweg<br />

und der Jahnallee heran, dessen Machbarkeit von der<br />

<strong>Gruner</strong>-Gruppe untersucht wurde.<br />

Machbarkeitsstudie zur Absicherung<br />

Die Machbarkeitsstudie zeigt Möglichkeiten der Aufteilung<br />

der Gesamtlänge von ca. 3600 m in offene,<br />

ober irdische Abschnitte und geschlossene Tunnelbereiche<br />

unter Einbeziehung punktueller Haltestellen in<br />

strategisch günstiger Verkehrslage auf.<br />

20 <strong>mailing.150</strong><br />

Inhalt der Machbarkeitsstudie eines konkreten Strassenbahntunnels<br />

unter Ranstädter Steinweg und Jahn allee<br />

sind folgende Fragen und Gesichtspunkte:<br />

– Geologische Gegebenheiten im betroffenen Abschnitt<br />

– Möglichkeiten der Ausführung der Stadtbahntrasse<br />

(offene oder geschlossene Bauweise in oberirdischer<br />

oder Tunnellage)<br />

– Art und Weise der Haltestellenausbildung und<br />

Anbindung der Knotenpunkte<br />

– Einhaltung bzw. Machbarkeit konkreter technischer<br />

Parameter<br />

– Ökologische, umweltgerechte Umsetzung des Bauvorhabens<br />

– Stadtgestaltung/Denkmalschutz<br />

– Einbindung und Untersuchung des Energie- und<br />

Versorgungsnetzes der Versorgungsunternehmen der<br />

Stadt Leipzig<br />

Aus den Überlegungen geht hervor, dass das Projekt<br />

grundsätzlich technisch ausführbar wäre. Abschnittsweise<br />

ist eine Ausführung des Tunnelbauwerkes in<br />

einer offenen Bauart mittels Deckelbauweise denkbar.<br />

Zwischen den angedachten Haltestellen Waldplatz<br />

und Goerdelerring wäre eine geschlossene Bauweise<br />

mit Hydroschild in zwei Röhren möglich.


2012<br />

<strong>mailing.150</strong> 21


Städtebau Energie Verkehr Technik<br />

22 <strong>mailing.150</strong><br />

Ausblick<br />

Mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts<br />

liessen sich die hohen Anforderungen, welche an ein<br />

solch komplexes innerstädtisches Grossbauvorhaben<br />

gestellt wären, sicher qualitäts- und umweltgerecht verwirklichen.<br />

Wie die Geschichte allerdings zeigte, besass<br />

das Gremium des IOC in seiner Entscheidungsfindung<br />

zur Olympiastadt für 2012 nicht den Mut, sein ursprünglich<br />

bevorzugtes Konzept von kompakten Spielen mit<br />

hoher Nachhaltigkeit im überschaubaren Aktions radius<br />

in die Realität und Tat umzusetzen. Bekanntlich wurde<br />

Leipzig im Auswahlverfahren zur Olympiastadt für 2012<br />

wider Erwarten nicht einmal der Status einer Candidate<br />

City zuerkannt. Somit machte am Ende London als grosse<br />

europäische Landeshauptstadt mit seinen fast 10 Millionen<br />

Einwohnern das Rennen. Damit reichte es für Leipzigs


städteplanerische Über legungen zunächst einmal nur<br />

zur Vision, aber wie sagt man schliesslich so schön:<br />

«Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.»<br />

Dennoch wird es so schnell keine neue Leipziger Olympiabewerbung<br />

mehr geben. Ob es in absehbarer Zeit,<br />

sprich in den nächsten 50 Jahren, einer Umsetzung solch<br />

visionärer Ziele eines Strassenbahntunnels spe ziell für<br />

Leipzig bedarf, lässt sich sicher nur an den Ansprüchen<br />

und Zielen, die man als moderne, vielseitig erlebbare,<br />

attraktive Grossstadt an sich und seine mündige Bürgerschaft<br />

stellt, ausmachen und ableiten. Da man immer<br />

an seinen Zielen und Aufgaben wächst, sollte es nicht<br />

vermessen sein, zu sagen, dass keine Idee zu abwegig<br />

erscheint, um nicht in Erwägung gezogen und bestenfalls<br />

verwirklicht zu werden.<br />

2062<br />

<strong>mailing.150</strong> 23


Energie<br />

Wir wollen saubere Luft atmen, sauberes Wasser trinken und uns<br />

schadstofffrei ernähren. Ein angesichts immer knapper werdender<br />

Ressourcen bei gleichzeitig stark ansteigenden Umweltbelastungen<br />

nicht immer leichtes Unterfangen. Fragen zur Nachhaltigkeit<br />

und zur Umwelt sind von brennender Aktualität. Unsere Zukunft liegt<br />

in unseren Händen.<br />

24 <strong>mailing.150</strong>


<strong>mailing.150</strong> 25


Städtebau > Energie Verkehr Technik<br />

Die Lösungen der Zukunft<br />

sind Bio-Logisch<br />

Das Beobachten eines Verkehrskreisels hat etwas Faszinierendes.<br />

Scheinbar wie von unsichtbarer Hand gesteuert<br />

funktioniert er selbst bei sehr hoher Verkehrsbelastung. Keine<br />

Technik, die steuert und regelt, und dennoch oder gerade<br />

deswegen ist der Ablauf erstaunlich wirksam. In ihrer Einfachheit<br />

ist diese Lösung schon fast genial. Und gerade dahinter<br />

verbirgt sich eine der grossen Herausforderungen für unsere<br />

Zukunft: Mit weniger Aufwand Systeme zu gestalten,<br />

die wesentlich mehr können. Jon Mengiardi, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel<br />

26 <strong>mailing.150</strong>


Die 8 Grundregeln<br />

der Biokybernetik*<br />

1 Negative Rückkopplung muss über positive<br />

Rückkopplung dominieren<br />

2 Die Systemfunktion muss unabhängig vom<br />

quantitativen Wachstum sein<br />

3 Das System muss funktionsorientiert und<br />

nicht produktorientiert arbeiten<br />

4 Nutzung vorhandener Kräfte nach dem<br />

Jiu-Jitsu-Prinzip statt Bekämpfung nach der<br />

Boxer-Methode<br />

5 Mehrfachnutzung von Produkten, Funktionen<br />

und Organisationsstrukturen<br />

6 Recycling: Nutzung von Kreisprozessen zur<br />

Abfallverwertung<br />

7 Symbiose: Gegenseitige Nutzung von<br />

Verschiedenartigkeit durch Kopplung und<br />

Austausch<br />

8 Biologisches Design von Produkten,<br />

Verfahren und Organisationsformen durch<br />

Feedback-Planung<br />

Ohne es vielleicht bewusst zu realisieren, werden beim<br />

Verkehrskreisel Prinzipien aus der Natur angewandt. Vor<br />

etwa 50 Jahren entstand die Disziplin der Bionik (Kofferwort<br />

aus Biologie und Technik). Bionik ist das systematische<br />

Erkennen von Lösungen der belebten Natur und<br />

steht damit in Abgrenzung zur reinen Naturinspiration.<br />

Als grosser Vordenker der Bionik gilt Leonardo da Vinci.<br />

Die Lösungen der Natur werden heute primär in technischen<br />

Anwendungen nachempfunden. Der Griff in die<br />

Trickkiste der Natur hat zum Beispiel die Aerodynamik<br />

von Flugzeugen oder die Fahreigenschaften von Reifen<br />

verbessert. Dem Entdecker des Lotus-Effekts verdanken<br />

wir Fassaden, die sich wie die Lotus-Blätter selber reinigen,<br />

und Automobile sehen aus wie Kofferfische. Dahinter<br />

steckt die Erkenntnis, dass uns die Natur in Effizienz<br />

und Lösungsstrategien weit überlegen ist.<br />

Jahrmillionen an Evolution haben geniale Lösungen hervorgebracht.<br />

Wie gerne würden wir heute die Effizienz<br />

des Glühwürmchens in unsere Lampen implementieren<br />

(etwa viermal besser als LED) oder die Eigenschaften eines<br />

Spinnfadens nur annähernd reproduzieren können (fester<br />

als Stahl, elastischer als Gummi oder Nylon, zäher als<br />

Kevlar). Noch viel weniger verbreitet ist die Anwendung<br />

der Bionik auf das Design von Systemen (Biokybernetik).<br />

In einer Zeit, in der die heutigen Systeme wie Mobilität<br />

und Energie, aber auch die Wirtschaft mit riesigen Folgewirkungen<br />

zu versagen drohen, wird Funktionieren<br />

zum Schlagwort. Dabei geht es nicht nur darum, die einzelnen<br />

Elemente eines Systems zu optimieren, sondern<br />

insbesondere darum, deren Abhängigkeiten und Wechselwirkungen<br />

richtig zu gestalten. Einer der Vordenker<br />

der Biokybernetik, Frederic Vester*, hat 8 Grundprinzipien<br />

erkannt, die heute aktueller sind denn je.<br />

– Negative Rückkopplung muss über die positive Rückkopplung<br />

dominieren.<br />

– Unabhängigkeit vom Mengenwachstum: Die Systemfunktion<br />

muss unabhängig vom quantitativen Wachstum<br />

sein.<br />

– Funktionsorientiert: Das System muss funktionsorientiert<br />

und nicht produktorientiert sein.<br />

– Jiu-Jitsu: Nutzung vorhandener Kräfte nach dem Jiu-Jitsu-Prinzip<br />

statt Bekämpfung nach der Boxer-Methode.<br />

– Mehrfachnutzung von Produkten, Funktionen und<br />

Organisationsstrukturen.<br />

– Recycling: Nutzung von Kreisprozessen zur Emissionsverwertung.<br />

– Symbiose: Gegenseitige Nutzung von Verschiedenartigkeit<br />

durch Kopplung und Austausch.<br />

– Biologisches Design von Produkten, Verfahren und<br />

Organisationsformen durch Feedback-Planung.<br />

* Frederic Vester, 1999; Die Kunst vernetzt zu Denken<br />

<strong>mailing.150</strong> 27


Städtebau > Energie Verkehr Technik<br />

Dabei gilt es, den einseitigen Blickwinkel aus Sicht von<br />

Bau und Technik, Wirtschaft oder Soziologie zu verlassen<br />

und Natur, Bau und Technik als vernetzte Teile des<br />

Gesamtsystems zu sehen.<br />

Ein System, eine Vielzahl an Zulieferern<br />

Angewandt auf unsere grössten Herausforderungen wie<br />

etwa die Zukunft unseres Energiesystems führen die<br />

Prinzipien zu anderen Lösungen als heute meist präsentiert.<br />

Die Zukunft wird hier vielfältig und intelligent<br />

sein. Ultraleichte Fahrzeuge werden hocheffizient sein,<br />

unsere Gebäude werden vom Dauerverbraucher je nach<br />

Klima und Wetter zu kleinen Kraftwerken. Strom, pro-<br />

E-Mobil<br />

Erzeugung<br />

28 <strong>mailing.150</strong><br />

duziert aus einer Vielzahl von kleinen bis mittleren<br />

Anlagen für erneuerbare Energien wie Sonne, Wind,<br />

Wasser, Erdwärme oder Biomasse, wird sich als sauberer<br />

Energieträger überall durchsetzen. Intelligente<br />

Stromnetze werden in der Lage sein, mit der Vielzahl<br />

von Einspeisern und Verbrauchern umzugehen und dabei<br />

den Speicherbedarf möglichst niedrig halten. Die Bereitstellung<br />

und Integration dieser Speicherkapazitäten<br />

in das Gesamtsystem bildet dabei eine wichtige<br />

Grundvoraussetzung. Der (Strom-)Speicherbedarf wird<br />

mit einer Vielfalt an Lösungen bereitgestellt. Elektrochemische<br />

Stromspeicher gleichen die kurzfristigen<br />

Schwankungen aus, die mittel -bis langfristige Ener-<br />

Erzeugung, Smart Home<br />

Erzeugung<br />

Übertragung Transport<br />

Umwandlung<br />

Erzeugung


giespeicherung erfolgt chemisch, entweder mit Wasserstoff<br />

oder synthetischem Methan. Vor allem für den Betrieb<br />

von Gebäuden werden Wärme speicher zum Einsatz<br />

kommen, welche als kurz-, mittel- und als saisonale<br />

Speicher genutzt werden. Neben dieser baulichen und<br />

technischen Infrastruktur steuern gute, kybernetisch<br />

gestaltete Anreizsysteme den sorgsamen und effizienten<br />

Umgang der bereitgestellten Energie durch den<br />

Menschen. Ein System, bestehend aus einer Vielzahl von<br />

Teilsystemen, ist vergleichbar mit der Idee einer föderalistischen<br />

Struktur.<br />

Erzeugung<br />

Erzeugung<br />

Bauliche<br />

Massnahmen<br />

Nutzung<br />

Konzept<br />

gewünschte Funktionalität (Zielsetzungen)<br />

Projektmanagement<br />

Technische<br />

Massnahmen<br />

Organisat.<br />

Massnahmen<br />

Die Vorteile auf einen Blick<br />

Ein solches System mag zwar nicht so spektakulär sein<br />

wie eine riesige Solaranlage in der Sahara, es bietet<br />

aber vielfache Vorteile. Es ist hocheffizient und äusserst<br />

robust (hohe Betriebssicherheit auch bei Lastschwankungen<br />

oder Ausfall von einzelnen Komponenten),<br />

ist optimiert in Bezug auf schädliche Auswirkungen,<br />

bietet eine hohe und vor allem konfliktfreie Versorgungssicherheit<br />

und ist so mit viel weniger Risiken zu<br />

betreiben. Zudem haben solche Lösungsansätze den Vorteil,<br />

flexibel auf geänderte Bedürfnisse eingehen zu<br />

können. So erscheint heute die Transformation des bis<br />

dato einseitig auf Öl, Gas und Kohle basierenden Energie -<br />

systems als eine der grössten Herausforderungen, die<br />

es zu meistern gilt.<br />

Die Zukunft gehört der Bio-Logik<br />

Das Erarbeiten von solchen bio-logischen Systemen<br />

bietet uns Ingenieuren in Zukunft eine enorme Chance.<br />

Mensch, Bau, Technik und Natur sowie deren Interdependenzen<br />

zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzufügen,<br />

ist eine grosse Aufgabe. Aber eine lösbare<br />

Aufgabe. Im Zentrum steht das «Funktionieren». Wer<br />

hätte schliesslich vor 20 Jahren gedacht, dass sich der<br />

Verkehrskreisel so durchsetzt. Heute müssen wir uns<br />

wohl eher fragen: «Warum ist uns das nicht schon viel<br />

früher eingefallen?»<br />

<strong>mailing.150</strong> 29


Städtebau > Energie Verkehr Technik<br />

Nachhaltiges Bauen – in Zukunft Standard<br />

Ökologie bestimmt nicht nur die Mobilitätsagenda, sondern auch Bauen und Wohnen.<br />

Ein ressourcenschonendes Szenario unserer Wohn- und Lebenswelt in 50 Jahren.<br />

David Geng, <strong>Gruner</strong> Ingenieure <strong>AG</strong>, Brugg<br />

Unter die Erde<br />

Werden in der gesamtheitlichen Planung von unterirdischen<br />

Wohnanlagen statische, haustechnische wie<br />

auch funktionstaugliche Belange exakt aufeinander abgestimmt,<br />

resultiert daraus eine Vielzahl an Vorteilen.<br />

Einer liegt in der Nutzung der unausbeutbaren Erdwärme.<br />

Diese wird mit geringem Aufwand so weit aufbereitet,<br />

dass für die Heizung und die Warmwasseraufbereitung<br />

der Wohnungen keine zusätzliche Energie<br />

benötigt wird. In den Sommermonaten werden die<br />

Wohnanlagen dank ihrer vollkommenen Einbindung in<br />

die Erde angenehm kühl bleiben.<br />

Masdar (VAE) inspiriert unter-/oberirdisch verdichtetes Bauen<br />

30 <strong>mailing.150</strong><br />

Ein weiterer grosser Vorteil liegt im Rückgang der<br />

Flächenversiegelung. Die durch die neue Bauweise frei<br />

gewordenen Flächen an der Erdoberfläche werden der<br />

Natur zurückgegeben. In Gebieten mit unterirdischen<br />

Wohnanlagen ist die umgebende Landschaft von den<br />

heutigen land- und forstwirtschaftlichen Flächen kaum<br />

zu unterscheiden. Die neuen Grünflächen und Wälder<br />

werden einerseits als Erholungsgebiete der Menschen<br />

genutzt und andererseits als Lebensraum der Tierwelt<br />

überlassen. Ein Teil der Grünflächen wird landwirtschaftlich<br />

genutzt und trägt zur Ernährung der Bevölkerung<br />

bei. Die heranwachsenden Holzmassen stehen im<br />

Gleichgewicht zum Energiebedarf und dienen als wichtige<br />

Energieträger und Speicher. Europa ist neben dem<br />

Amazonasgebiet dank der neuen Bauweise die zweite<br />

Lungenhälfte der Erde.


Saubere Energie<br />

An der Erdoberfläche wird der «Grüne Punkt» (Baugenehmigung)<br />

nur noch erteilt, wenn das Gebäude einen<br />

100%igen Energieüberschuss aufweisen kann, was eine<br />

durchdachte gesamtheitliche Planung voraussetzt. Massgebend<br />

für die positive Energiebilanz sind die kompakte<br />

Gebäudestruktur und die Mobilität des Gebäudes. Das<br />

Gebäude ist mobil, weil es sich um seine eigene Achse<br />

drehen kann und somit immer ideal zur Sonne ausgerichtet<br />

ist. Aufgrund der hohen Effizienz der Energierückgewinnung<br />

und der Produktion von erneuer barer Energie<br />

ist das überirdische Gebäude in der Lage, doppelt<br />

so viel Energie zu produzieren, als es selbst benötigt.<br />

Bei der Energiegewinnung wird wieder vermehrt auf<br />

Energieanlagen aus privaten kleinen Wind- und Wasserkraftwerken<br />

ganz nach dem Vorbild von Windmühlen<br />

und Wasserrädern (mit und ohne Mühleweiher als Energiespeicher)<br />

gesetzt. Der Slogan «Wer Energie hat, hat<br />

Power» liegt voll im Trend.<br />

Im Bereich des kommunalen Tiefbaus ist die Energierückgewinnung<br />

ein zentrales Thema. Die Energierückgewinnungseffizienz<br />

der neuen geplanten Abwassernetze<br />

und Kläranlagen muss vor der Erteilung des «Grünen<br />

Punkts» aufgezeigt werden. Das Ziel, sämtliche öffentliche<br />

Einrichtungen mit der rückgewonnenen Energie<br />

zu versorgen, ist in vielen Gemeinden im Jahre 2062<br />

bereits erreicht.<br />

Lastenfrei leben<br />

Der Ab- und Rückbau von Altlasten aus den Anfangsjahren<br />

des 21. Jahrhunderts ist ein weiteres wichtiges<br />

Thema. Wir haben frühzeitig Standorte von Altlasten<br />

lokalisiert und analysiert. Durch das mit einem Partner<br />

entwickelte mobile Chemie- und Physiklabor haben<br />

wir die Möglichkeit, diese gezielt abzubauen und die<br />

verseuchten Flächen wieder freizugeben.<br />

In 50 Jahren ist <strong>Gruner</strong> der führende Anbieter in Mitteleuropa<br />

für EuRsB (Energie und Ressour cen sparendes<br />

Bauen). Wir haben frühzeitig die Zeichen der Zeit<br />

erkannt und uns mit den Aufgaben von übermorgen<br />

beschäftigt. Wir sind gerüstet für die Aufgaben und<br />

Probleme von morgen und freuen uns auf die anstehenden<br />

Arbeiten und zu bezwingenden Aufgabenstellungen.<br />

Auch für übermorgen gibt es viel zu tun, packen wirs<br />

heute schon an. Wir sind die Übermorgenmacher.<br />

<strong>mailing.150</strong> 31


Städtebau > Energie Verkehr Technik<br />

32 <strong>mailing.150</strong><br />

Die Energiewende –<br />

ein Rückblick<br />

aus dem Jahr 2062<br />

War es Angst oder Mut, eine Kurzschlussreaktion<br />

oder konsequentes Handeln, das die<br />

Schweiz vor 50 Jahren zum Ausstieg aus der<br />

Atomenergie bewog? Man sagt, dass viel<br />

politisiert und viel Widersprüchliches prognos-<br />

tiziert wurde. Langfristige Lösungen und Alter-<br />

nativen für die Energiezukunft lagen keine auf<br />

dem Tisch. Kurzfristig und von der Wirtschaft<br />

getrieben sei das Denken und Handeln der Politiker<br />

und Stromkonzerne gewesen. Eines ist<br />

sicher, es war ein heisses Thema, an dem sich<br />

niemand die Finger verbrennen wollte. Nun<br />

gut, wir haben die Wende bestens gemeistert.<br />

Aber erst, als die Ingenieure innovative Lösungen<br />

präsentierten und damit sowohl die Politik<br />

wie auch die breite Bevölkerung zu überzeugen<br />

vermochten. Einmal mehr stand die Tradition<br />

der Schweizer Ingenieurkunst mit ihren<br />

grossartigen Pionierleistungen über dem kleinkrämerischen<br />

Denken, das uns Schweizern<br />

so oft nachgesagt wird.<br />

Dr. Stefan Mützenberg, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel


Vor rund 50 Jahren erfuhr die Wasserkraft in der<br />

Schweiz nach langen Jahren zurückhaltender Planung<br />

einen Aufschwung. Insbesondere Pumpspeicheranlagen<br />

zur Energiespeicherung und zum Netzausgleich erlebten<br />

einen rasanten Aufstieg. Anfänglich herrschte noch<br />

grosse Skepsis über deren Wirtschaftlichkeit, zu unsicher<br />

war die Entwicklung der Stromzukunft in Europa<br />

geworden. Etwas halbherzig und mit schlechtem Gewissen<br />

baute man zusätzlich Gas-Kombikraftwerke. Diese leisteten<br />

in der Anfangszeit zwar ihren Beitrag zur Über-<br />

brückung nach dem Atomausstieg. Zu den grossen<br />

Nettostromproduzenten stiegen danach aber die Hochleistungsgeothermiekraftwerke<br />

sowie die grossen<br />

Wind- und Solarkraftwerke im Norden respektive Süden<br />

Euro pas auf. Den wahren Durchbruch der Energiewende<br />

verdanken wir aber den Gebäuden und E-Mobilen. Waren<br />

die Häuser vor 50 Jahren noch die grössten Energieverbraucher,<br />

sind heute die meisten Wohn- und Gewerbebauten<br />

dank energieeffizientem Bauen und smarter<br />

Gebäudetechnik energieneutral. Energiebezug und Energieabgabe<br />

aller Gebäude an das Netz halten sich über das<br />

Jahr gesehen die Waage. Die E-Mobile sind netto zwar<br />

immer noch Energiebezüger, in der Nacht oder tagsüber,<br />

wenn sie zu Hause oder beim Büro an der Steckdose<br />

hängen, können sie aber je nach individuellem Bedarf<br />

Energie von den Batterien an das Netz abgeben.<br />

Damit dieser komplexe Stromverkehr schlussendlich<br />

aufging, brauchte es grosse, regelbare Energiepuffer<br />

oder Stromausgleichsbecken. Dies inspirierte visionäre<br />

Bauingenieure, Maschineningenieure, Elektrotechniker<br />

und andere Spezialisten zur gemeinsamen Neuentwicklung<br />

der Pumpspeichertechnik mit einer neuen<br />

Generation von flexibel einsetzbaren Pumpturbinen.<br />

Bald erfolgte der Bau des ersten Prototyps in einer<br />

vollkommen unterirdisch angelegten Anlage. Damit wurde<br />

sowohl den strengen Anforderungen des Umwelt- und<br />

Naturschutzes Rechnung getragen wie auch den zunehmenden<br />

Naturgefahren im hochalpinen Bereich ausgewichen.<br />

Die neu entwickelte hantelförmige Anlage<br />

besteht aus je einer unterirdischen Ober- und Unterwasserkaverne.<br />

Diese sind mit vertikalen Druckleitungen<br />

über Pumpturbinen verbunden, welche unter stark<br />

veränderlichen Druckhöhen einsetzbar sind. In den<br />

guten geologischen Verhältnissen der Zentralmassive<br />

wurden innerhalb weniger Jahre zahlreiche Anlagen<br />

nach dem gleichen Konzept realisiert.<br />

Auch die anfänglichen Zweifel an der Kapazität der<br />

Hochspannungsleitungen waren bald verflogen. Wo früher<br />

Freiluftleitungen an Masten hingen, verlaufen heute<br />

unterirdische Hochleistungsstromautobahnen quer<br />

durch Europa bis nach Afrika. Denn was für Gas und<br />

Erdöl schon vor 50 Jahren längst Standard war, sollte<br />

endlich auch beim Strom angewendet werden: im Boden<br />

verlegte Strompipelines, welche dank neuer Isolationsmaterialien<br />

erst noch kostensparend in der Erstellung<br />

und im Betrieb und Unterhalt sind.<br />

Wer hätte vor 50 Jahren gedacht, dass die europaweite<br />

Stromspeicherung und Stromlenkung dereinst zum<br />

wichtigsten Wirtschaftszweig der Schweiz werden sollte<br />

und bald das veraltete und krisenanfällige Bankengeschäft<br />

überholen würde? Unsere Topografie und die<br />

Lage im Herzen von Europa boten die besten Chancen,<br />

zum wichtigsten Stromplayer Europas zu werden.<br />

<strong>mailing.150</strong> 33


Städtebau > Energie Verkehr Technik<br />

Energie aus der Erde<br />

Geothermiekraftwerke als Ersatz für Atommeiler<br />

Die Idee, Strom aus der Tiefe zu gewinnen, hat spätestens nach<br />

der politisch motivierten Abkehr von der Atomenergie eine zentrale<br />

Bedeutung in der Energiediskussion erhalten. Die auch beim Basler<br />

Projekt «Deep Heat Mining» eingesetzte Technik muss überdacht<br />

und weiterentwickelt werden. Die Grösse der Anlagen soll so ausgelegt<br />

werden, dass die durch das Abschalten der Atomkraftwerke<br />

entstehenden Stromlücken durch erneuerbare Energien gedeckt<br />

werden können.<br />

Laurent Pitteloud, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel; Karl-Heinz Schädle, Gruneko Schweiz <strong>AG</strong>, Basel<br />

34 <strong>mailing.150</strong>


Die Erde als Energiequelle<br />

Die Erde ist eine heisse Kugel mit einer Temperatur von<br />

über 1000 °C. Lediglich etwa 1% des Erdvolumens hat eine<br />

Temperatur von weniger als 100 °C. In einer Tiefe von<br />

3000 bis 5000 Metern unter der Erdoberfläche der<br />

Schweiz ist eine Energiemenge vorhanden, mit welcher<br />

der jährliche Strombedarf des Landes mehr als 1000-fach<br />

gedeckt werden könnte. Geothermie nutzt die Wärme der<br />

Erde im Untergrund zur Strom- und Wärmeproduktion.<br />

Dabei wird die Wärme in der Tiefe «gesammelt», an die<br />

Oberfläche transportiert und dort in eine für die Verbraucher<br />

nutzbare Energieform (Wärme oder Strom) umgewandelt.<br />

Die Nutzung der Tiefengeothermie in grossem<br />

Umfang war in der Schweiz bisher wegen fehlender geologischer<br />

Voraussetzungen (Tiefenaquifere: wasserführende<br />

Schichten im Untergrund) oder wegen des seismischen<br />

Risikos (Auslösung von Erdbeben beim «Bau» des offenen<br />

Geothermiespeichers) stark eingeschränkt.<br />

<strong>mailing.150</strong> 35


36 <strong>mailing.150</strong><br />

0 m<br />

–1000 m<br />

–2000 m<br />

–3000 m<br />

–4000 m<br />

–5000 m<br />

–6000 m


Hochleistungsgeothermie – der Bau<br />

Die Anlage für Hochleistungsgeothermie besteht aus<br />

einem Zentralschacht von mehreren Metern Durchmesser,<br />

der bis zu einer Tiefe von etwa 2500 bis 3000 Metern<br />

gebaut wird. Dieser Schacht endet zunächst in einer<br />

grossen Kaverne, in der alle wesentlichen unterirdischen<br />

Anlagen und Montagemaschinen untergebracht<br />

werden. Von dieser Zentralkaverne aus werden um die<br />

Achse des Zentralschachts bananenförmige Wärmesammelrohre<br />

bis zu einer Tiefe von 6000 Metern angeordnet.<br />

Ausserdem wird der Zentralschacht bis zur Endtiefe<br />

der Wärmesammelrohre fortgeführt, sodass Letztere<br />

dort in einem gemeinsamen «Kollektorrohr» aufgenommen<br />

werden können. Von diesem Kollektor wird das<br />

Wasser bis an das oberflächennahe unterirdische<br />

Kraftwerk transportiert. Im Kraftwerk wird die Wärme<br />

an das Arbeitsmedium abgeführt. Mit diesem Medium<br />

wird eine Turbine mit Generator angetrieben und elektrische<br />

Energie erzeugt. Die Energiemenge entspricht<br />

je nach Bauart und Grösse der eines heutigen grossen<br />

Kraftwerkes mit bis zu 500 MW Leistung. Die Abwärme<br />

aus dem Prozess kann an ein Fernwärmenetz abgegeben<br />

werden, weshalb ein Standort in städtischem Gebiet<br />

sinnvoll ist. Die Netztemperaturen vieler Fernwärmenetze<br />

sind in den letzten Jahren kontinuierlich abgesenkt<br />

worden, sodass man sie heute ganzjährig mit<br />

der Abwärme aus einem Geothermiekraftwerk betreiben<br />

kann. Damit kann mit der Geothermieanlage und dem<br />

Kraftwerk insgesamt ein sehr guter Wirkungsgrad<br />

erzielt werden.<br />

Vollautomatisierter maschineller Vortrieb<br />

für Geothermiebohrungen<br />

Für die Realisierung von Tiefengeothermieanlagen ist<br />

eine Herstelltechnik auszuwählen, die das Auslösen<br />

von Erdbeben nahezu ausschliessen kann. Hierzu eignet<br />

sich grundsätzlich die mechanisierte Tunnelbohrmaschinentechnik.<br />

Weil diese auch den Weg für grössere<br />

Durchmesser öffnet, lässt sich über eine wesentlich höhere<br />

Stromproduktionsleistung als bei den bisherigen<br />

Tiefengeothermieprojekten nachdenken, bei denen der<br />

unterste Strang einen Durchmesser von wenigen Dezimetern<br />

nicht überschreitet. Der Zentralschacht von<br />

ca. 6000 Metern Tiefe kann mit diesem erprobten Verfahren<br />

hergestellt werden.<br />

In 6000 Metern Tiefe beträgt die Gesteinstemperatur<br />

etwa 150 bis 200 °C. Deshalb ist eine vollautomatische<br />

Auslegung der Herstelltechnik für den Regelfall notwendig.<br />

Zur Gewährleistung dieser Vollautomatisierung<br />

sind gegenüber heute umfassende Weiterentwicklungen<br />

der Herstellprozesse notwendig. Für Havarie-, Revisions-<br />

und Unterhaltsfälle müssen aber bemannte Einsätze<br />

vorgesehen werden. Hochspe zialisierte Arbeiter in<br />

klimatisierten Anzügen können in grossen Tiefen Arbeiten<br />

vornehmen, die von Maschinen und Robotern nicht<br />

ausführbar sind.<br />

Die Wärmesammelrohre werden vollautomatisch durch<br />

Bohrroboter hergestellt. Jedes Wärmerohr hat eine<br />

Länge von einigen tausend Metern. Insgesamt werden je<br />

nach Grösse und Leistung des Kraftwerkes mehrere hundert<br />

Kollektorrohre eingebaut.<br />

Hochleistungsgeothermie statt<br />

nuklearer Stromproduktion<br />

Das beschriebene Geothermiekraftwerk kann für elektrische<br />

Leistungen von bis zu 500 MW gebaut werden<br />

und ist daher ein «echter Ersatz» von bestehenden<br />

Kernkraftwerken. Ein grosser Vorteil dieses Systems<br />

besteht in der grossen Flexibilität. Das Kraftwerk kann<br />

als Grundlastkraftwerk betrieben werden, ist aber<br />

wegen der guten Regulierbarkeit der Wärmezufuhr über<br />

ein Pumpen- und Wärmetauschersystem auch hervorragend<br />

als Spitzenlastkraftwerk geeignet. Es ist somit<br />

eine ideale Ergänzung zu Fotovoltaikanlagen, die,<br />

bedingt durch die Abhängigkeit von der Solarstrahlung,<br />

starken Leistungsschwankungen unterworfen sind.<br />

Insgesamt ergibt sich mit der dargestellten Technik<br />

die realistische Möglichkeit, eine regenerative Stromerzeugung<br />

mit kleinen Fotovoltaikanlagen und grossen<br />

geothermalen Kraftwerken gemeinsam aufzubauen und<br />

so von Gas- und Ölimporten unabhängiger zu werden.<br />

Zudem wird der Ausstoss von Treibhausgasen (CO2) für<br />

die Strom- und Wärmeerzeugung weitestgehend eliminiert.<br />

Wir sind überzeugt, dass Geothermie eine der<br />

wichtigsten Säulen der regenerativen Energieversorgung<br />

der Zukunft sein wird. Deshalb werden bei <strong>Gruner</strong><br />

bereits heute Geothermielösungen für die energetischen<br />

Herausforderungen von morgen entwickelt.<br />

<strong>mailing.150</strong> 37


Unternehmensgeschichte<br />

Die <strong>Gruner</strong>-Gruppe.<br />

Wasserbaukompetenz<br />

Gotthard-Basistunnel –<br />

eine Vision wird Wirklichkeit.<br />

Tunnelbau<br />

Der Grundstein wurde<br />

im 19. Jahrhundert gelegt.<br />

© AlpTransit Gotthard <strong>AG</strong>


Innovativ für<br />

die Welt<br />

von morgen.<br />

Generalplanung<br />

Konstruktion<br />

Gebäudetechnik<br />

Energieanlagen<br />

Leitungsbau<br />

Tiefbau<br />

Umwelt<br />

Sicherheit<br />

Spezialbereiche<br />

<strong>mailing.150</strong> 39


Verkehr<br />

Die Bevölkerung wächst, und mit ihr der Verkehr. Neue Konzepte sind<br />

gefragt. Batterien, Brennstoffzellen, allenfalls Biodiesel oder Ethanol<br />

sollen in naher Zukunft herkömmliche Treibstoffe ablösen. Damit<br />

alleine ist es aber nicht getan. Die Herausforderungen müssen ganz-<br />

heitlicher angegangen werden – mittels Verkehrsflussoptimierung<br />

anhand ferngesteuertem Strassenverkehr beispielsweise.<br />

40 <strong>mailing.150</strong>


<strong>mailing.150</strong> 41


Städtebau Energie > Verkehr Technik<br />

Verkehr der Zukunft:<br />

Pulkfahren mit E-Fahrzeugen<br />

Durch neue Technologien wird der Verkehrsablauf auf Hochleistungsstrassen revolutioniert<br />

werden. Elektrofahrzeuge mit einer Batteriereichweite von bis zu 400 km werden auf Autobahnen<br />

nach Eingabe eines Zieles automatisch auf einen Fahrstreifen geleitet, auf dem nur<br />

Fahrzeuge mit ähnlichem Ziel verkehren. Neue Abstandsysteme ermöglichen ein Pulkfahren<br />

mit wenigen Dezimetern Abstand bei höchsten Geschwindigkeiten. Ein Automat übernimmt<br />

die Lenkung des Fahrzeuges. Der Energieverbrauch wird minimiert, die Leistungsfähigkeit<br />

maximiert und die Reisezeit reduziert. Die Leistungsfähigkeit der heutigen Anlagen steigt ohne<br />

Ausbauten um ein Vielfaches, gleichzeitig sinkt der Energiebedarf dramatisch bei nicht mehr<br />

vorhandenen lokalen Emissionen – ein unschlagbares politisches Argument in der Schweiz.<br />

Dr. Thomas Winzer, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel; Patrick Winzer, Karlsruher Institut für Technologie<br />

42 <strong>mailing.150</strong>


Der motorisierte Individualverkehr wird 2060 nicht<br />

abgeschafft sein, sondern mit neuen technischen Mitteln<br />

leistungsfähig und umweltgerecht abgewickelt werden.<br />

Das vorhandene Hochleistungsstrassennetz (HLS) der<br />

Schweiz bietet hierfür optimale Voraussetzungen: Es<br />

verbindet mit den heute geplanten und bis dahin umgesetzten<br />

Netzergänzungen alle Agglomerationen mit<br />

einem geschlossenen und einheitlichen HLS-System, das<br />

mit seiner hohen Anschlussdichte – im Schnitt ist alle<br />

4 km ein Anschluss vorhanden – eine optimale Erschliessungswirkung<br />

aufweist.<br />

Entspanntes Fahren<br />

Durch Fortschritte in der Batterietechnik werden<br />

hauptsächlich E-Fahrzeuge unterwegs sein, die imstande<br />

sein werden, ca. 200–400 km elektrisch zu fahren.<br />

Bei der Einfahrt auf eine Autobahn fährt der Fahrer in<br />

ein technisch geschlossenes, autonomes und intelligentes<br />

System ein. Zunächst gibt er per Sprachbefehl das<br />

Ziel vor, woraufhin das Fahrzeug selbstständig agiert.<br />

Der Fahrer kann sich entspannen, sein Fahrzeug wird<br />

autonom und situationsgerecht gelenkt. Abhängig vom<br />

Fahrziel wählt es automatisch einen der bis zu 4 Fahrstreifen:<br />

links und ggf. in den beiden mittleren mit hoher<br />

Geschwin digkeit (bis zu 200 km/h) für ferne, rechts und<br />

langsamer (100 km/h) für nahe Ziele. Das Fahrzeug wird<br />

mithilfe von Car-to-X-Kommunikation und ausgeklügelter<br />

Radarmesstechnik und Regelungsalgorithmen in<br />

einen dichten Pulk von Fahrzeugen mit gleichem Ziel<br />

eingereiht. Bei Ausfahrt auf den Verzögerungsstreifen<br />

übernimmt der Fahrer wieder die Kontrolle.<br />

Sicher ans Ziel*<br />

Durch diese Fahrzeugpulks mit ihren gleichmässigen,<br />

hohen Geschwindigkeiten und minimalen Abständen wird<br />

die heutige Leistungsfähigkeit der Autobahn vervielfacht.<br />

Weitere Fahrstreifenausbauten sind nicht mehr<br />

nötig. Unfälle passieren keine mehr. Wegen der Zuverlässigkeit<br />

des elektrischen Antriebsstrangs sind auch<br />

Pannen höchst selten, Pannenfahrzeuge können vom<br />

folgenden Fahrzeug weitergeschoben werden. Somit<br />

wird der heute notwendige Pannenstreifen überflüssig<br />

und kann für bessere Zwecke, nämlich als zusätzlicher<br />

Fahrstreifen, verwendet werden. Die derzeit vom Bundesamt<br />

für Strassen propagierten Pannenstreifenumnutzungen<br />

zu temporären Fahrstreifen (PUN) passen somit<br />

in unsere Strategie.<br />

Ökologisch optimiert und schnell<br />

Ein wesentlicher Vorteil des Systems ist, dass wegen<br />

der ohnehin in jedem Fahrzeug vorhandenen Antriebsaggregate<br />

trotz «kollektivem Fahren» kein zusätzliches<br />

kollektives Antriebssystem notwendig wird. Jedes Fahrzeug<br />

bringt seine eigene Motorleistung in den gemeinsamen<br />

Pulk ein. Das Fahren in Pulks bringt deshalb<br />

einige Vorteile mit sich: Da der Abstand zwischen den<br />

Fahrzeugen unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften<br />

auf wenige Dezimeter geregelt wird, verbessert<br />

sich die Aerodynamik eines Fahrzeuges dramatisch<br />

* Leistung einer Verkehrsanlage<br />

Die Verkehrsleistung ist definiert als Fahrzeugkilometer<br />

pro Zeiteinheit. Anders ausgedrückt sind das<br />

Fahrzeuge mal Kilometer pro Stunde oder Fahrzeuge<br />

mal Geschwindigkeit. Für eine hohe Leistung<br />

sorgen also vor allem geringe Abstände zwischen<br />

den Fahrzeugen und eine hohe Geschwindigkeit.<br />

Allerdings nimmt bei steigenden Geschwindigkeiten<br />

der Bremsweg mit dem Quadrat der Geschwindigkeit<br />

zu, die Abstände werden grösser und die<br />

Leistung geht wieder zurück. Deshalb liegt die<br />

für eine hohe Leistung optimale Geschwindigkeit<br />

auf Hochleistungsstrassen heute bei 60–80 km/h.<br />

Bei unserem neuen System sollen Geschwindigkeiten<br />

weit über 120 km/h bis hin zu 200 km/h<br />

(je nach den vorhandenen Trassierungselementen,<br />

z.B. zwischen Zürich und Bern) und geringste Abstände<br />

gefahren werden. Die Leistungsfähigkeiten<br />

gegenüber heute werden somit mehr als verdoppelt<br />

– ohne jeglichen Platzbedarf. Bei den Platzverhältnissen<br />

in der Schweiz und einem gegen<br />

Ausbauten sensibilisierten Umfeld ein nicht wett-<br />

zumachender Quantensprung in der Verkehrstechnik.<br />

<strong>mailing.150</strong> 43


Städtebau Energie > Verkehr Technik<br />

(ausser beim Vordersten, der Fahrer hat Pech, wird<br />

aber von Zeit zu Zeit abgelöst). Der Energieverbrauch,<br />

der bei hoher Geschwindigkeit hauptsächlich durch den<br />

Luftwiderstand verursacht wird, sinkt enorm. Auch<br />

leistungsschwächere Fahrzeuge können am Hochgeschwindigkeitsverkehr<br />

teilnehmen. Sie müssen allerdings einen<br />

Beitrag entrichten, da sie nicht als «Kopf der Schlange»<br />

zur Verfügung stehen können.<br />

Der Fahrzeugpulk kann als Rechnercluster gesehen<br />

werden: Während jedes Fahrzeug die Regelung des Abstandes,<br />

der Geschwindigkeit und der Fahrtrichtung<br />

selbstständig übernimmt, berechnet das Kollektiv die<br />

optimale Gesamtstrategie. Für jedes Fahrzeug werden<br />

in Echtzeit die entsprechenden Sollwerte berechnet,<br />

darüber hinaus wird das Ein- und Ausfädeln einzelner<br />

Fahrzeuge aus dem Pulk sowie die Ablösung des Vordersten<br />

durch das Kollektiv gesteuert.<br />

Induktives Laden** erneuerbarer Energie<br />

Bei «Treibstoffmangel» wird das Fahrzeug auf der Strecke<br />

auf den rechten Fahrstreifen durchgereicht, der über<br />

eine durchgehende Ladeeinrichtung für induktives Laden<br />

der Fahrzeugbatterie verfügt. Dieser Fahrstreifen<br />

wird darüber hinaus vom langsameren Schwerverkehr<br />

verwen det, sodass dieser grosse Distanzen ohne Unterbrechung<br />

zurücklegen kann, ohne auf grosse Batterien<br />

44 <strong>mailing.150</strong><br />

angewiesen zu sein. Auch der Schwerverkehr kann in<br />

Pulks fahren, jedoch müssen diese kleiner ausfallen, um<br />

eine ausreichende Anzahl an Lücken für die anderen<br />

Verkehrsteilnehmer und für das Ausscheren an Ausfahrten<br />

bereitzustellen.<br />

** Induktives Laden<br />

Beim induktiven Laden wird die magnetische Kopplung<br />

zwischen Spulen zur Energieübertragung ausgenutzt.<br />

Längs der Fahrbahn befinden sich direkt<br />

unter der Fahrbahnoberfläche zwei parallele Leitungen,<br />

die gegensätzlich von einem hochfrequenten<br />

Strom durchflossen werden. Dabei entsteht ein<br />

Magnetfeld selbiger Frequenz senkrecht zur Fahrbahn.<br />

Im Fahrzeug ist waagerecht eine Spule verbaut,<br />

die von diesem Magnetfeld durchsetzt wird. Durch<br />

die zeitliche Änderung des Magnetfelds wird in der<br />

Fahrzeugspule eine Spannung induziert (Transformatorprinzip),<br />

die zunächst gleichgerichtet wird.<br />

Mit dieser Spannung kann die Batterie geladen oder<br />

der Motor über einen Frequenzumrichter direkt<br />

versorgt werden.<br />

Direkt über der Spule befindet sich eine Schirmung,<br />

sodass praktisch kein Feld in das Fahrzeug selbst<br />

vordringt. Dies hat drei Gründe: Erstens werden Verluste<br />

durch Wirbelströme minimiert, zweitens wird<br />

die Fahrzeugelektronik nicht gestört und drittens<br />

können auch Elektrosmoggegner ruhigen Gewissens<br />

am motorisierten Individualverkehr teilnehmen.


Die elektrische Energie, die im rechten Fahrstreifen<br />

den Verkehrsteilnehmern zur Verfügung gestellt wird,<br />

wird im Jahr 2060 zu einem Grossteil aus erneuerbaren<br />

Energiequellen gewonnen. Teilweise wird diese sogar<br />

direkt an den Hochleistungsstrassen durch Fotovoltaik<br />

und Windenergie erzeugt. Die unstete Verfügbarkeit<br />

dieser Energieform kann speziell in der Schweiz problemlos<br />

durch die grosse Zahl an Pumpspeicherkraftwerken<br />

gepuffert und kompensiert werden.<br />

Alternative Seilzug<br />

Die Schweiz ist für dieses System ideal, weil die<br />

Batterieladungen eines Ladevorganges für die hiesigen<br />

Streckenlängen ausreichen. Als erstes Land hat die<br />

Schweiz u.a. wegen des Standortvorteiles und der ökologischen<br />

Vorteile in dieser Technologie erhebliche<br />

Forschungsanstrengungen unternommen und damit die<br />

Marktführung weltweit übernommen.<br />

Rollend zu Fuss<br />

Im Fussgängerverkehr innerhalb der Agglomerationen<br />

wird ebenfalls mit nebeneinanderliegenden «Gehstreifen»<br />

unterschiedlicher Geschwindigkeit gearbeitet,<br />

um hohe Leistungsfähigkeiten und Geschwindigkeiten<br />

zu erreichen und somit den Modal Split zugunsten des<br />

Fussgängerverkehrs zu verbessern. Diese Geh streifen<br />

bestehen aus mechanisch angetriebenen Rollbändern,<br />

zwischen denen der Fussgänger umsteigen kann. Das Abstandsverhalten<br />

wird hier allerdings noch vom Menschen<br />

selbst gewählt.<br />

Die notorische Überlastung des Nationalstrassennetzes<br />

und das steigende Mobilitätsbedürfnis<br />

verlangen einen Kapazitätsausbau.<br />

Peter Imbach, <strong>Gruner</strong> + Wepf Ingenieure <strong>AG</strong>, Zürich<br />

Damit die Kapazität längerfristig auf den bestehenden<br />

Autobahnen erhöht werden kann, muss näher hintereinander,<br />

näher nebeneinander und schneller gefahren<br />

werden. Ein erprobtes System dieser Art bildet der<br />

Einbau von Seilzügen in die bestehenden Trassen (San<br />

Francisco Cable Cars). Relativ schwach motorisierte<br />

Elektroautos bewegen sich autonom auf Nebenstrassen.<br />

Dadurch bleibt die Individualität erhalten. Beim Überwinden<br />

von weiten Strecken klinkt man sich computergesteuert<br />

in eine Lücke an einem Seil in den Fernverkehrsstrassen<br />

und kommt ohne eigene Antriebsleitung,<br />

ohne Umsteigen, aber schnell und sicher an sein Ziel.<br />

<strong>mailing.150</strong> 45


Städtebau Energie > Verkehr Technik<br />

Individuell im fremdgesteuerten Konvoi<br />

Gebundene Verkehrsträger sind schneller, sicherer, energieeffizienter und damit leistungs-<br />

fähiger als die herkömmlich betriebene Strasse. Autonome und individuelle Transportgefässe<br />

werden künftig fremdgesteuert in Konvois auf unseren Hauptachsen verkehren.<br />

Hansruedi Berchtold, Berchtold + Eicher Bauingenieure <strong>AG</strong>, Zug<br />

Die Einführung erfolgt in Etappen, wo Engpässe und Ausbaubedürfnisse<br />

eliminiert werden können. Der Schwerverkehr, für welchen bereits<br />

Forschungsprojekte laufen, könnte privilegiert behandelt werden. Bei<br />

beschränkten Anfangskapazitäten der Systeme wird insbesondere für<br />

Lastwagen ein Reservationssystem zur Anwendung kommen. Die Vision<br />

wird sich in Etappen von der individuellen Spurbelegung über die<br />

ferngesteuerten Konvois bis zu Fahrzeugpaketen mit externer Energieaufnahme<br />

entwickeln. Mit der zu erwartenden Steigerung der Transportkapazität<br />

wird eine indivi duelle Benutzung unseres Strassensystems<br />

weiterhin möglich sein.<br />

Die Konvois werden nur auf den grossen Verkehrsachsen betrieben.<br />

Die Feinerschliessung (Drainage des Verkehrs vom Domizil auf die<br />

Achse) erfolgt im herkömmlichen Individualverkehr. Damit wird die<br />

Schwäche des heute betriebenen Schienensystems eliminiert. An den<br />

Andockstellen zu den Konvoiachsen werden die individuellen Transportgefässe<br />

in den Konvoi ein- und ausgeschleust. Der Verkehrsteilnehmer<br />

bestimmt individuell über seinen Fahrplan. Er reist in seinem<br />

Fahrzeug von seinem Heim zu seinem Ziel und fährt im Konvoi bequem<br />

und fremdgesteuert in seinem eigenen Transportgefäss. Er bestimmt<br />

über seinen Reisekomfort, sein Reisgepäck, seine Reiseroute und<br />

über seine Reise begleitung. Das Fahrzeug aus seiner Privatgarage<br />

bestimmt weiterhin das soziale Prestige seines Besitzers.<br />

46 <strong>mailing.150</strong>


Schema Fahrzeugkonvois<br />

Steuerungsdraht und Energieversorgung<br />

1 2 3 4 4 3 2 1<br />

Spuren<br />

Konvois<br />

Andockstelle<br />

Einkaufszentrum<br />

Energieversorgung<br />

Verkehrsrechner<br />

Steuerung<br />

Nachfrage +<br />

Reservation<br />

Domizil<br />

Drainage<br />

Individualverkehr<br />

<strong>mailing.150</strong> 47


Technik<br />

Fortschritt reiht sich an Fortschritt. Neues ist gleich schon wieder<br />

alt und überholt. Das liegt in der Natur der Dinge. So schnell wie<br />

jetzt geschah dies aber noch nie. Wir befinden uns in einer Phase<br />

des beschleunigten technologischen Wandels. Wohin führt uns<br />

dieser in den nächsten Jahrzehnten? Wie können wir agieren und<br />

wie oft müssen wir reagieren?<br />

48 <strong>mailing.150</strong>


<strong>mailing.150</strong> 49


Städtebau Energie Verkehr > Technik<br />

Die Symbiose namens Biogrout<br />

Mit der zunehmenden Flächennutzung weltweit stossen Bauvorhaben immer weiter in Bereiche<br />

vor, die ungünstige Bodenverhältnisse bieten. Insbesondere in der Schweiz liegen in den<br />

( primär nutzbaren) Talsohlen häufig sehr weiche Lockergesteine vor, die als Baugrund genutzt<br />

werden sollen. Gleichzeitig steigen die Lasten und Anforderungen der Gebäude an eine<br />

Fundation. Ohne Zusatzmassnahmen würden hier schnell grosse differenzielle Setzungen mit<br />

Schiefstellungen und Bauwerksschäden als Folge auftreten. Unter diesen Bedingungen sind<br />

Zusatzmassnahmen, wie Injektionen oder Pfähle, häufig unumgänglich.<br />

Laurent Pitteloud, Dr. Jörg Meier, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel<br />

Heutzutage werden im Tiefbau Injektionen in vielfältiger<br />

Weise eingesetzt: mit hohem bzw. niedrigen Druck<br />

und mit unterschiedlichsten Mitteln (Zement, Feinstzement,<br />

Weichgel usw.). Nachteil dieser Methode ist der<br />

verhältnismässig hohe Aufwand bei – trotz grösster<br />

Ausführungssorgfalt – ungesicherter Qualität. Pfähle<br />

bieten zwar eine bessere Qualitätssicherung, sind aber<br />

nicht für jedes Einsatzgebiet von Baugrundverbesserungen<br />

die geeignete Antwort.<br />

An verschiedenen Forschungseinrichtungen wird heute<br />

ein sehr interessanter Ansatz verfolgt, der gegebenenfalls<br />

eine Antwort auf die Mängel der klassischen Injektionstechniken<br />

ist. Mithilfe von Bakterien soll die<br />

Bodenstruktur lokal so verändert werden, dass es zu<br />

einer Erhöhung der Festigkeitseigenschaften kommt. Im<br />

Fokus liegen Organismen, deren kalkhaltige Ausscheidungen<br />

die Bodenpartikel miteinander «verkleben».<br />

Dieses sogenannte «Biogrout» ist somit die Symbiose<br />

zwischen Geotechnik und Biotechnologie.<br />

So funktionierts<br />

Bakterien sind die dominanten Mikroorganismen in<br />

Böden. Sie haben Abmessungen von ca. 0.5 bis 5 µm und<br />

sind somit wesentlich kleiner als die Körner von Kiesen,<br />

Sanden und teilweise auch Silten. Demzufolge können<br />

sie sich leicht in den Poren von solchen Böden bewegen.<br />

Im Zuge der Hydrolyse von Urea wird Kalk (Calciumcarbonat)<br />

durch Bakterien vom Typus Bacillus pasteurii<br />

ausgeschieden. Diese Kalkausscheidungen lagern sich<br />

auf den Bodenkörnern ab und bewirken eine Verfesti-<br />

50 <strong>mailing.150</strong><br />

Labortest einer mikrobiologisch aktivierten Verfestigung von Kies<br />

(TU Delft – Deltares)


Baugrundverbesserung mittels Feinstzementinjektion unter Bau 52<br />

gung des Ausgangsmaterials. Gleichzeitig verschliessen<br />

die Kalkablagerungen die Bodenporen und bilden somit<br />

ein abdichtendes Medium.<br />

Die Schwierigkeit dieser Methode besteht darin, ein<br />

günstiges Umfeld für die Bakterien zu schaffen, sodass<br />

der Ausscheidungsprozess stark gefördert wird. Dies<br />

wird im Wesentlichen durch eine Calcium-lactate-Lösung<br />

erreicht.<br />

Baugrundverbesserung mittels Feinstzementinjektion unter Bau 52<br />

Aus der Praxis<br />

Im März 2012 wurde die 20 m tiefe Baugrube für das<br />

Hochhaus Roche Bau 1 in Basel fertiggestellt. Am westlichen<br />

Baugrubenrand steht das Hochhaus Bau 52, eine<br />

60 m hohe Stahlbetonkonstruktion mit einer Flach fundation<br />

in 6 m Tiefe. Durch den Aushub vor dem Bau 52<br />

waren trotz Einsatz einer überschnittenen Bohrpfahlwand<br />

nicht akzeptable Setzungs- und Verkippungsrisiken zu<br />

erwarten. Um dieser Situation zu begegnen, entschied<br />

<strong>mailing.150</strong> 51


Städtebau Energie Verkehr > Technik<br />

Illustration von Bakterien vom Typus Bacillus pasteurii<br />

sich das <strong>Gruner</strong>-Planerteam, eine Baugrundverbesserung<br />

mittels Feinstzementinjektionen unterhalb des Baus 52<br />

auszuführen. Diese Massnahme, kombiniert mit dem Konzept<br />

einer verformungsarmen Baugrubenwand, führte<br />

zu einem sehr positiven Ergebnis: Der Bau 52 setzte<br />

sich nur um wenige Millimeter und erfuhr de facto keine<br />

Verkantung.<br />

Als Alternative zur Feinstzementinjektion würde sich<br />

auch Biogrouting für die Baugrundverbesserung unter<br />

Bau 52 anbieten. Dies könnte unter Umständen effizienter<br />

und kostengünstiger sein. Elegant wäre auch die<br />

Möglichkeit, die Baugrundverbesserung nach Fertigstellung<br />

der Baugrube und des Bauwerks Bau 1 rückgängig<br />

zu machen. Insbesondere für Bauten im Grundwas-<br />

52 <strong>mailing.150</strong><br />

Biogrout ermöglicht<br />

durch den Ersatz<br />

von druckbeanspruchten<br />

Gliedern, wie<br />

Bohrpfählen<br />

oder Mikropfählen,<br />

ganz<br />

neue Perspektiven<br />

in der<br />

Geotechnik.<br />

Labortest einer mikrobiologisch aktivierten Verfestigung<br />

von Kies (TU Delft – Deltares)<br />

ser wird ein derartiger Rückbau gesetzlich gefordert,<br />

was heutzutage in den wenigsten Fällen technisch<br />

machbar bzw. kostenmässig vertretbar ist. Es müssen<br />

von daher aufwendige Ersatzlösungen geplant und ausgeführt<br />

werden. Mit einem reversiblen Biogroutingprozess<br />

liesse sich der ursprüngliche Baugrund zustand<br />

wiederherstellen und somit die gesetzlichen Anforderungen<br />

erfüllen.<br />

Die Zukunft gehört Biogrout<br />

An einer kommerziellen Anwendung von Biogrouting<br />

wird derzeit intensiv gearbeitet. Optimiert werden soll<br />

z.B. die gezielte Aktivierung und Deaktivierung des<br />

Biogroutingprozesses bzw. der Organismen. Auch muss<br />

sichergestellt sein, dass der Biogroutingprozess um-


weltverträglich und auf einen vorgegebenen Bereich beschränkt<br />

ist und bleibt. Weiter wird untersucht, welche<br />

Vorbedingungen erfüllt sein müssen, welche Nährstoffe<br />

die eingesetzten Organismen für eine hohe Motivation<br />

benötigen und für welche Bodenarten diese Technik am<br />

besten eingesetzt werden kann.<br />

Biogrout ermöglicht durch den Ersatz von druckbeanspruchten<br />

Gliedern, wie Bohrpfählen oder Mikropfählen,<br />

ganz neue Perspektiven in der Geotechnik. Solche Bauteile<br />

werden oft nur temporär genutzt, deshalb würde<br />

ein reversibler Prozess einen Abbau ohne aufwendigen<br />

Rückbau ermöglichen. Auch im Bereich von Injektionen<br />

zu Verfestigungs- oder Abdichtungszwecken, wie sie oft<br />

im Tunnelbau oder bei Bauten im Grundwasser erforderlich<br />

sind, eröffnet Biogrout ganz neue Wege.<br />

<strong>mailing.150</strong> 53


Städtebau Energie Verkehr > Technik<br />

Quo vadis, Geotechnik?<br />

Technische Entwicklungen verlaufen scheinbar schubartig, wobei einzelne Schlüsseltechnolo gien<br />

eine ganze Reihe von aufbauenden Erfindungen ermöglichen oder begünstigen. Sehr schön<br />

ist das beispielsweise an den direkten und indirekten Effekten der Lasertechnologie zu sehen,<br />

die heute – auch aus (geo-)technischen Anwendungen – kaum noch wegzudenken sind:<br />

angefangen beim Einsatz in der Informationstechnologie über einfache Geräte auf der Baustelle<br />

bis hin zu Präzisionsmessinstrumenten beim Monitoring. Ein Paradebeispiel, wie schnell bei<br />

solchen Entwicklungen Grenzen zwischen den einzelnen Fachbereichen übersprungen werden.<br />

Dr. Jörg Meier, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel<br />

Neue Schlüsseltechnologien lassen sich nur schwer<br />

vorhersagen, da sie oft neue oder nur wenig bekannte<br />

Effekte nutzen. Manche Zukunftsvorhersagen aus den<br />

1950er-Jahren zeigen u.a. teilweise von Miniatomreaktoren<br />

angetriebene Fahrzeuge, die wir heute – aus gutem<br />

Grund – in der Praxis nicht sehen. Der Laser und seine<br />

Anwendungen wurden 1950 nicht im heute normalen<br />

Masse vorhergesehen. An der Unvorhersagbarkeit solcher<br />

Technologien hat sich aus heutiger Sicht nicht viel<br />

geändert. Der Blick auf mögliche Entwicklungen wird<br />

sich so auf die stetige Weiterentwicklung aktueller<br />

Tech niken bzw. die Konvergenz aktueller Techniken einschränken.<br />

Zusätzlich können noch Vorhersagen durch<br />

Berücksichtigung des heute absehbaren Bedarfs an<br />

Techniken (z.B. Mobilität), aber auch Ressourcen (z.B.<br />

Energie oder Wasser) abgeleitet werden. Unberücksichtigt<br />

bleiben die Möglichkeiten und auch der Bedarf<br />

(als auch die daraus notwendigen/möglichen Lösungen),<br />

der sich aus neuen Schlüsseltechnologien ergibt.<br />

Die folgende Abbildung versucht mögliche Entwicklungen<br />

in der Geotechnik abzuschätzen. Dabei bleiben die<br />

darin enthaltenen Punkte an die gleichen Einschränkungen<br />

gebunden, die im vorangehenden Absatz geschildert<br />

wurden. Die Darstellungsform der Abbildung ist so<br />

gewählt, dass die Gegenwart im Zentrum steht und die<br />

möglichen Entwicklungen bildlich in alle Richtungen<br />

weiterführen und auf die kommenden Jahre – in Form<br />

von konzentrischen Kreisen – projiziert werden. Hierbei<br />

wurde versucht, die Entwicklungen um verschiedene<br />

Spezialbereiche, wie z.B. «Planung» und «Infrastruktur»,<br />

zu gruppieren. Strahlenförmig um die Spezialbereiche<br />

sind die Entwicklungen angeordnet. Die Grösse<br />

der Kreise wurde so gewählt, dass diese mit dem Einfluss<br />

der Entwicklung korrespondiert.<br />

Beispielsweise hat sich mit der Zunahme der Leistungsfähigkeit<br />

der Rechentechnik auch die Leistungsfähigkeit<br />

der Softwarekomponenten weiterentwickelt. Alles<br />

deutet heute darauf hin, dass sich dieser Trend unvermindert<br />

fortsetzen wird. In der Grafik wurde die Kategorie<br />

«Software» dazu eingeführt. Normal ist heute<br />

bereits der Einsatz der Finite-Elemente-Methode (FEM),<br />

54 <strong>mailing.150</strong><br />

die eine realitätsnahe Simulation des Verformungsverhaltens<br />

wie auch der Boden-Bauwerk-Interaktion<br />

ermöglicht. Im Moment noch sehr kontrovers diskutiert<br />

werden hingegen Nachweisstrategien bzw. statische<br />

Nachweise mit der FEM. Verschiedene sinnvolle Ergänzungen<br />

der FEM werden aktuell in verschiedensten<br />

Forschungsein richtungen bereits untersucht: In Zukunft<br />

könnten somit in der Praxis «künstliche neurale Netzwerke»<br />

als eine Form des maschinellen Lernens oder<br />

auch «erweiterte Antwortflächen» zum Einsatz kommen,<br />

die eine schnelle Vorhersage des Systemverhaltens auf<br />

der Basis bereits bekannter Informationen zu diesem<br />

System ermöglichen. Mit weiter steigender Rechenleistung<br />

verkürzen sich zudem die Laufzeiten von Techniken<br />

wie der «mathe matischen Optimierung» (z.B. zur Parameter-<br />

und Formfindung) und «gekoppelter FEM-DEM-<br />

Modelle» (DEM = Diskrete-Elemente-Methode) beispielsweise<br />

Simulation von Bruchprozessen bzw. von<br />

Prozessen mit vielen Einzelkörpern. Es ist weiter zu<br />

erwarten, dass reguläre Simulationen in der Zukunft<br />

auch neben der in der Geotechnik wichtigen Verformungsprognose<br />

weitere physikalische (z.B. chemische<br />

und thermische) Vorgänge berücksichtigen (Multi-Physics-<br />

Simulationen).<br />

Mit den parallelen Entwicklungen im Bereich der «Augmented<br />

Reality» und der computergestützten Objekterkennung<br />

wird vermutlich auch eine «Virtual-Reality<br />

integrierte Planung» möglich, in der das Bauwerk in<br />

weit höherer Detailtreue als heute üblich als virtuelles<br />

Bauwerk umfassend und dreidimensional geplant, nachgewiesen<br />

und bemessen werden kann. Um den Planer<br />

und Statiker hierbei zu unterstützen, Fehlerquellen zu<br />

erkennen als auch zu beseitigen, ist davon auszugehen,<br />

dass Techniken aus dem Bereich der künstlichen<br />

Inte lligenz (KI) eingesetzt werden. Dies kann sich in<br />

«KI-unterstützter Modellierung» bzw. «KI-unterstützter<br />

Planung» niederschlagen.<br />

Welche der Vorhersagen der folgenden Abbildung Realität<br />

werden, wird die Zukunft zeigen. Ein Punkt<br />

scheint sicher: Die Zukunft hält die eine oder andere<br />

Überraschung und Wendung für uns bereit.


Singularität<br />

Tele- T<br />

präsenz<br />

Klunterstützte<br />

Planung<br />

Augmented<br />

Reality<br />

Kl-unterstützte<br />

Modellierung<br />

extraterrestrische<br />

Sonderbauten<br />

Arkologie<br />

2025 +<br />

Virtual-<br />

Realityintegrierte<br />

Planung<br />

vollständig<br />

algorithm.<br />

Planung<br />

grossräumige<br />

untertätige<br />

Verkehrsverbindung<br />

“Swiss Metro”<br />

20 2015–2025 15–2025<br />

workflowgetriebene<br />

Planung<br />

Planung<br />

Softw Sof are<br />

Multi-<br />

Physics-<br />

Simulationen<br />

Infrastruktur<br />

autom.<br />

adaptive<br />

Verhaltens-<br />

V<br />

vorhersage<br />

Gebäude<br />

für<br />

“Ver “V tical<br />

Farming”<br />

20 2011–20 1–20 1–2015 15<br />

projektbezogene<br />

Portalseite rtalseite r n<br />

(Internet)<br />

gekoppelte<br />

FEM-DEM-<br />

Modelle<br />

FEM<br />

mathem.<br />

Optimierung<br />

Baumaterialien<br />

mit<br />

Sensoreigenschafte<br />

hafte haf n<br />

Diese Grafik basiert auf der von Michell Zappa publizierten Arbeit<br />

«Envisioning the near future of technology» (CC-BY-SA), www.michelzappa.com<br />

Energy<br />

Harvesting<br />

Heute<br />

2011<br />

Online-<br />

Monitoring<br />

Monitoring<br />

Energienetze<br />

für dezentrale<br />

Versorgung<br />

«Här «Härtung»<br />

von<br />

Infrastruktur<br />

(Umwelt, Anschläge)<br />

Offshore- Of<br />

Windturbinen<br />

Energiepfähle<br />

auton.<br />

Sensorensor netzwerke<br />

autom.<br />

Objekt- und<br />

Mechanismuserkennung<br />

Fernüberrnüber wachung<br />

Virtual-<br />

Reality-<br />

Integration von<br />

Messdaten<br />

Sensorensor schwärme<br />

Geothermie<br />

thermoaktive<br />

Gründungen<br />

alternative<br />

Antriebstechniken<br />

umfassende<br />

Umweltbilanzierung<br />

extrem tiefe<br />

Geothermie<br />

Bautechnik<br />

biologische<br />

Bodenverbesserung<br />

(Biogrouting)<br />

extraterrestrische<br />

Geothermie<br />

Kl-unter- Kl-unter<br />

stützte<br />

Geothermie-<br />

steuerung<br />

Geothermie<br />

durch<br />

Micro-TBM<br />

nachhaltige<br />

Geothermie<br />

geothermieinduzier<br />

geothermieinduzierte<br />

Umweltsc Umweltschäden häden<br />

teilw.<br />

autarke Baumaschinen<br />

<strong>mailing.150</strong> 55


Städtebau Energie Verkehr > Technik<br />

Digitale Prototypen und virtuelles<br />

Engineering in der Bauindustrie<br />

Ausgehend von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten<br />

und der Aussagekraft numerischer Verfahren auf dem<br />

Gebiet des klassischen Ingenieurbaus werden sich auch<br />

hier die Strategie und der konsequente Einsatz digitaler Prototypen<br />

mittel- bis langfristig durchsetzen. Die Ergebnisse<br />

werden unter Verwendung dreidimensionaler Visua lisie-<br />

rungs verfahren in Virtual-Reality-Qualität dargestellt,<br />

online mit dem Kunden diskutiert und entsprechende<br />

Optimierungsschritte fest gelegt. Speziell im Brandschutz<br />

können massgebende Szenarien simuliert, virtuell<br />

dar gestellt und zu Trainingszwecken für die Einsatzkräfte<br />

verwendet werden. Erwin G. Schnell, <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel<br />

Was bisher geschah<br />

Nach den ersten Anfängen auf dem Gebiet der Statik und<br />

der Dynamik, vor allem in der Strukturanalyse (FEM),<br />

beantworten numerische Methoden und Berechnungsverfahren<br />

(CFD) heute auch die verschiedensten tech nischen<br />

Frage stellungen aus den Bereichen der allgemeinen<br />

Strömungsmechanik sowie der Aero- und Gasdynamik,<br />

und das mit hoher Zuverlässigkeit. In vielen Bereichen<br />

der ingenieurwissenschaftlichen Anwendung sind FEM-<br />

und CFD-Programme zu einem festen Bestandteil zahlreicher<br />

Entwicklungsprozesse geworden. Besonders<br />

56 <strong>mailing.150</strong><br />

in der Luftfahrtindustrie, im Fahrzeug-, Maschinen-<br />

und Anlagenbau ersetzen digitale Prototypen schon seit<br />

langem und mit noch immer steigender Tendenz ihre<br />

kostspieligen Hardware-Counterparts.<br />

Ein von Beginn an herausragender Wegbereiter der<br />

digitalen Produktentwicklung ist das Engineering- und<br />

Softwarehaus CDadapco. Seit 30 Jahren liefert das<br />

Unternehmen in Kooperation mit namhaften Partnern<br />

aus den verschiedensten Industriezweigen zuverlässige,<br />

leistungsfähige Berechnungsverfahren in Verbindung


mit hochkarätigen, zielführenden Lösungen in der digitalen<br />

Umsetzung industrieller Entwicklungsprozesse.<br />

Der Schritt ins digitale Zeitalter<br />

Obwohl die ersten kommerziellen CFD-Programme bereits<br />

Ende 1980 auf den Markt kamen, beschränkte sich<br />

deren Verbreitung zunächst auf die Luftfahrtindustrie,<br />

gefolgt vom Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau.<br />

Erst die zunehmende Verfügbarkeit komplexer physikalischer/chemischer<br />

Modelle wie auch der zur Simulation<br />

transienter, d.h. zeitlich veränderlicher Vorgänge er-<br />

forderlichen Rechenleistung hat dazu geführt, dass das<br />

digitale Zeitalter nun auch im klassischen Ingenieurbau<br />

angebrochen ist.<br />

Die Strategie der digitalen Prototypen<br />

Unter dem Eindruck steigender Entwicklungs- und Produktionskosten<br />

offenbarte die Strategie der digitalen<br />

Prototypen im Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau<br />

ein enormes Einsparpotenzial, vor allem hinsichtlich der<br />

Versuchsmuster und des Materials. Auch die Umlegung<br />

auf Stückzahlen lieferte ein schlagendes Argument, das<br />

<strong>mailing.150</strong> 57


Städtebau Energie Verkehr > Technik<br />

sich im klassischen Ingenieurbau allerdings als eher<br />

kontraproduktiv erwies. Hier gibt es eben nur einen<br />

Prototyp, der zugleich das fertige Produkt ist, und von<br />

den standardisierten Eigenheimen des privaten Wohnungsbaus<br />

einmal abgesehen, ist die Stückzahl im Allgemeinen<br />

gleich eins. Die geringe Akzeptanz des digitalen<br />

Ansatzes in der Bauindustrie erschliesst sich aber bei<br />

genauerer Betrachtung aus einer anderen Wertigkeit,<br />

Verantwortlichkeit und Konstellation aller am Entstehungsprozess<br />

Beteiligten und damit auch bei einem anderen<br />

Umgang mit der Thematik Ressourcen, Effizienz<br />

und Nachhaltigkeit.<br />

Ist der Hersteller (GU) eines technischen Industrieprodukts,<br />

z.B. eines Flugzeuges (im Preis durchaus vergleichbar<br />

mit einem Grossbauprojekt), heute regelrecht<br />

gezwungen, in Sachen Ressourcen, Effizienz, niedrige<br />

Betriebskosten etc. alle entwicklungstechnischen<br />

Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Investor (in der<br />

Mehrzahl der Fälle auch gleichzeitig der Betreiber,<br />

nämlich die Luftfahrtgesellschaft) von der Nachhaltigkeit<br />

seiner Investition und einem akzeptablen Kosten-Nutzen-<br />

Verhältnis zu überzeugen, so ist es im Falle eines Grossbauwerkes<br />

der Investor, der alle Register zieht, um<br />

die Gestehungskosten so niedrig wie möglich zu halten,<br />

ungeachtet der vom Betreiber zu tragenden Folgekosten,<br />

der hier in aller Regel nicht gleich dem Investor ist.<br />

Man sieht sofort, dass die Gewinnrealisierung in beiden<br />

Wertschöpfungsketten zu jeweils unterschiedlichen<br />

Zeitpunkten und unter ebenso unterschiedlichen Gesichtspunkten<br />

stattfindet, wogegen der eigentliche<br />

Produktentstehungsprozess nahezu identisch ist und<br />

digital sehr ähnlich abgebildet werden kann. Gerade<br />

weil der Prototyp bereits das fertige Produkt ist, ist es<br />

wirtschaftlich überaus sinnvoll, schon im Vorfeld alle<br />

verfügbaren Ressourcen zu nutzen, um es möglichst<br />

ziel orientiert und mängelfrei seiner Vollendung zuzuführen.<br />

Setzt man die Stückzahl gleich der Anzahl der<br />

Betriebsjahre, so kommt man zu einer sehr effizienten<br />

Lösung, die ökonomisch wie ökologisch überzeugt.<br />

Die prozesstechnische Umsetzung<br />

Die Umstellung auf digitale Entwicklungsprozesse<br />

konzentrierte sich anfänglich auf die Thematik der<br />

Materialeinsparung. Während dieser Fokus in der Luftfahrtindustrie,<br />

im Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau<br />

eng mit der Einführung und der konsequenten<br />

Anwendung leistungsfähiger und zuverlässiger Berechnungs-<br />

und Vorhersageverfahren einherging, beschränkte<br />

sich die Bauindustrie in vielen Fällen auf die reine<br />

Materialeinsparung, ohne die möglichen Folgen durch<br />

eine adäquate numerische Absicherung entsprechend<br />

abzuprüfen.<br />

Einen überaus vielversprechenden Ansatz in dieser<br />

Richtung liefert die 5D-Initiative der Züblin/Strabag<br />

<strong>AG</strong>. Die folgende Darstellung zeigt einen Vergleich des<br />

Status quo der Produktentstehungsprozesse anhand<br />

58 <strong>mailing.150</strong><br />

Mehrwert für die Automobilindustrie<br />

Mehrwert für die Bauindustrie<br />

1<br />

Initiative/<br />

Wertschätzung<br />

tz zung<br />

1<br />

Initiative/<br />

Wertschätzung<br />

2<br />

Entwurf Vorbereitung Realisierung<br />

2<br />

Entwurf<br />

Umweltarena Spreitenbach,<br />

Zürich, in 3-D.<br />

Mit freundlicher Genehmigung von<br />

rené schmid architekten, Zürich<br />

Zentrales Daten- und Prozessmanagement<br />

3<br />

Prozess<br />

3<br />

4<br />

4<br />

Vorbereitung Realisierung<br />

Lose gekoppelte Prozesse<br />

5<br />

Betrieb<br />

5<br />

Betrieb<br />

ihrer Wertschöpfung in der Automobil- und der Bauindustrie.<br />

Sie vermittelt einen ersten Einblick in das<br />

beträchtliche Potenzial der Strategie des digitalen<br />

Prototyps.<br />

Aus der Sicht des Kaufmanns sind die Werteinbrüche an<br />

den Schnittstellen der einzelnen Prozessstufen zusätzliche<br />

Investitionen, die dem Prozess zugeführt werden<br />

müssen, um ihn wieder auf das Niveau der vorangegangenen<br />

Entwicklungsstufe zu bringen.<br />

Die Randbedingungen<br />

Eine grundlegende Voraussetzung für die erfolgversprechende<br />

digitale Umsetzung eines Entwicklungsprozesses<br />

ist eine für alle am Prozess Beteiligten zugängliche,<br />

umfangreiche Datenbank, die unter anderem<br />

auch alle für die digitale Modellbildung zwingend erforderlichen<br />

geometrischen Informationen in Form von<br />

3-D-CAD- Modellen enthält.


Umweltarena Spreitenbach, fotoreale Darstellung der Luftströmung aus<br />

den Deckenauslässen<br />

Allein diese grundlegende Notwendigkeit erschwerte<br />

bislang den erfolgreichen Einzug numerischer Verfahren<br />

und Methoden in der Bauindustrie. Weder Hersteller<br />

noch Betreiber und schon gar nicht die Investoren sind<br />

geneigt, die Kosten eines digitalen Modells und dessen<br />

anschliessende Pflege zu übernehmen. Selbst wenn<br />

damit auf numerischem Wege eine Vielzahl aussagekräftiger<br />

Informationen über das physikalische Verhalten<br />

des zukünftigen Bauwerkes gewonnen und eine<br />

ganze Reihe energetischer und sicherheitsrelevanter<br />

Gesichtspunkte zuverlässig betrach tet werden können,<br />

ganz zu schweigen von der Vereinfachung der Schnittstellen<br />

zu den einzelnen Gewerken und der Transparenz<br />

des gesamten Bauvor habens.<br />

Im digitalen Modell sind alle im Laufe einer Simulation<br />

berechneten stationären oder transienten physikalischen<br />

und chemischen Parameter (Geschwindigkeiten, Drücke,<br />

Temperaturen, Kräfte, Dichte, Konzentrationen etc.)<br />

in jedem Punkt des Rechengebietes respektive des<br />

Ereignisraumes hinterlegt und können als quantitative<br />

Grösse ausgegeben und dargestellt werden. Dank der<br />

beeindruckenden und äusserst hilfreichen Weiterentwicklung<br />

im Bereich der virtuellen Visua lisierung, deren<br />

sich Architektur- und Projektbüros bereits in gewissem<br />

Umfang bedienen, lassen sich die Simulationsergebnisse<br />

sehr anschaulich und allgemein verständlich darstellen.<br />

Brandsimulation für eine U-Bahn-Haltestelle<br />

Das virtuelle Feuer<br />

Im Hoch- wie im Tiefbau besonders gefürchtet sind<br />

sogenannte Ereignisfälle. Darunter versteht man unter<br />

anderem auch alle Arten von Brandszenarien in öffentlichen<br />

Grossbauwerken (Industriebauten, Einkaufs- und<br />

Veranstaltungszentren, Bildungsstätten, Bahn- und<br />

Strassentunnels etc.)<br />

real virtuell<br />

Die Feuer polizei und die Versicherungen verlangen<br />

hier bereits in der Genehmigungsphase die Vorlage umfangreicher<br />

Brandschutz- und Entrauchungskonzepte,<br />

deren Aus arbeitung und Nachweis in einer ganzen Reihe<br />

von Fällen auf der Grundlage numerischer Simulation<br />

erfolgt. Die Ergebnisse dieser Simulationen liefern<br />

wiederum Eingabe parameter für andere Untersuchungen<br />

wie z.B. die Evakuierungssimulation und können auch<br />

nach Abschluss eines Bauvor habens in die effektive<br />

Vorbereitung und Durchführung sogenannter Kaltrauchversuche<br />

einfliessen, wie sie derzeit noch für die<br />

Endabnahme gefordert werden.<br />

Die 3-D-Visualisierung gestattet eine umfassende und<br />

anschauliche Darstellung der Berechnungsergebnisse<br />

bis hin zum Aufbau digitaler Trainingsszenarien für<br />

Feuerwehr und andere Einsatzkräfte.<br />

<strong>mailing.150</strong> 59


Städtebau Energie Verkehr > Technik<br />

Das virtuelle Wasser<br />

Unter dem Aspekt des 150-jährigen Unternehmensjubiläums<br />

und angesichts der Tatsache, dass bei der<br />

Geschäftsgründung durch Carl Heinrich <strong>Gruner</strong> im Jahr<br />

1862 die Basler Wasser versorgung eine nicht unerhebliche<br />

Rolle spielte, kommt der numerischen Simulation<br />

hydrodynamischer Strömungen. Diese zählt seit Ende<br />

2011 zum Leistungsportfolio der <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>. Auch in<br />

diesem Zusammenhang werden alle Möglichkeiten der<br />

digitalen Modellierung genutzt, um belastbare Aussagen<br />

zur Funk tionalität und zur Leistungsfähigkeit der untersuchten<br />

Bauwerke und Anlagen zu erhalten. Die Ergebnisse<br />

können mittels anspruchsvoller dreidimensionaler<br />

Visualisierungsverfahren sehr anschaulich und realistisch<br />

dargestellt werden.<br />

Fassaden und dünnwandige Strukturen<br />

Unter dem Eindruck der zunehmenden Komplexität moderner<br />

Aussenfassaden gewinnt auch hier die Simulation<br />

zunehmend an Bedeutung. Nicht nur die Gewährleistung<br />

einer im Ereignisfall genügend grossen, über die Fassade<br />

in das Gebäude nachströmenden Luftmenge, sondern<br />

auch die Effekte thermisch induzierter Auftriebsströmungen<br />

im Spalt zwischen einer hinterlüfteten<br />

Fassade und dem Baukörper sind in diesem Zusammenhang<br />

Gegenstand numerischer Untersuchungen.<br />

Ausserdem sind filigrane Fassadenverkleidungen und<br />

dünnwandige Gebäudestrukturen aerodynamisch aktiv,<br />

d.h., sie reagieren auf Luftkräfte und dynamische Anregungen<br />

in Form von Windlasten. Hier kommt eine ziemlich<br />

junge Disziplin ins Spiel, die sich hinter der Abkürzung<br />

FSI (Fluid-Structure Interaction) verbirgt. Auf<br />

diese Weise lässt sich das Verhalten von Strukturen<br />

wie auch einzelner Strukturelemente unter dem Einfluss<br />

dynamischer Anregungen nicht nur visuell darstellen,<br />

sondern auch quantitativ erfassen. Mate rialersparnis<br />

und Schadensbegrenzung sind der wirtschaftliche Nutzen.<br />

Nachhaltigkeit und Wohlfühlfaktor<br />

Gemessen an den vielschichtigen Verantwortlichkeiten<br />

und den zahlreichen Anforderungen an eine effiziente<br />

und zeitgemässe Gebäudebewirtschaftung sehen die<br />

Anstrengungen, die im Vorfeld hinsichtlich Nachhaltigkeit,<br />

Energieeffizienz und Behaglichkeit unternommen<br />

werden, eher bescheiden aus. Dabei liefert<br />

auch hier der digitale Prototyp aufgrund seiner interdisziplinären<br />

Verwendbarkeit eine Vielzahl von Informationen.<br />

Mit nur geringfügigen Anpassungen in der<br />

geometrischen Diskretisierung und Modifikationen in<br />

den Randbedingungen können auf der Grundlage ein<br />

und desselben digitalen Modells die verschiedensten<br />

Fragestellungen zum Thema Energie effizienz, Verschattung,<br />

Solarertrag und Raumklima etc. umfassend erörtert<br />

werden. Ausgehend von lokalen Langzeitstudien<br />

werden die jahreszeitlich relevanten Betriebszustände<br />

ermittelt und anschliessend in Worst-Case-Szenarien<br />

detailliert analysiert.<br />

60 <strong>mailing.150</strong><br />

Mischwasser- und Havariebecken der ProRheno <strong>AG</strong> Basel<br />

Gebäude-Aerodynamik<br />

Verschattung Solarertrag<br />

Messe Basel, Fassadendurchströmung


Aussenaerodynamik, mit freundlicher Genehmigung der Syngenta <strong>AG</strong><br />

Umgebung und Aussenwirkung<br />

Alle bisher betrachteten Anwendungen der numerischen<br />

Simulation im klassischen Ingenieurbau stehen im<br />

Wesentlichen direkt mit den Gebäuden selbst in Verbindung.<br />

Daneben rücken aber auch vermehrt Aussagen<br />

zur Standortverträglichkeit und zur aerodynamischen<br />

Aussenwirkung von Bauwerken in den Blickpunkt des<br />

Interesses, vor allem des öffentlichen.<br />

Der ernst zu nehmende Einfluss von Grossbauwerken<br />

auf das lokale Mikroklima ist inzwischen hinreichend<br />

belegt, und so ermöglichen CFD-Berechnungen ausser<br />

der Bestimmung von Windlasten auf ein Bauwerk auch<br />

die Erfassung der Auswirkungen von Gebäuden auf die<br />

sie umgebende Topologie sowie das übrige städtebauliche<br />

Umfeld. Die Blockade primärer Luftaustauschwege<br />

von Städten und Stadtteilen durch Grossbauwerke,<br />

die Geschwindigkeitsverteilungen und Maximalgeschwindigkeiten<br />

in Strassenschluchten und auf öffentlichen<br />

Plätzen sowie das Mikroklima im Eingangsbereich von<br />

Geschäftshäusern und Einkaufszentren sind nur einige<br />

Beispiele. In der Energietechnik steht die effiziente<br />

Platzierung von Windparks unter Berücksichtigung der<br />

topologischen und meteorologischen Randbedingungen<br />

Résumé<br />

Die Demonstration des digitalen Ansatzes anhand der dreidimensionalen<br />

Visualisierung realer Projekte zeigt die<br />

ganze Bandbreite seiner Anwendungsbereiche, schafft<br />

Akzeptanz und fördert die Bereitschaft zum Einsatz dieser<br />

Technologie im Projektablauf. Seine Berechtigung lässt sich<br />

am besten anhand einer Betrachtung der Folgekosten im<br />

Falle bereits abgeschlossener Projekte darstellen. Darunter<br />

sind zunächst die Kosten infolge Gewährleistung, Nachrüstung<br />

und Umbau zu verstehen; denn nicht selten ist die Einweihungsrede<br />

kaum verklungen, und schon lärmen wieder<br />

die Pressluft hammer zum Zwecke der Aus- und Nachbesserung.<br />

Zum anderen sind es die jährlichen Betriebskosten, die teil-<br />

im Vordergrund. Im Tunnelbau interessiert vor allem<br />

die Emission von Schadstoffen aus Portalen und Entlüftungsanlagen<br />

unter Berücksichtigung geländespezifischer<br />

Gegebenheiten, der angrenzenden Bebauung und<br />

der lokal domi nanten Wetterlage.<br />

Der virtuelle Maulwurf<br />

Eine ganz aktuelle und hochinteressante Anwendung auf<br />

dem Gebiet des Untertagebaus ist die Bohrsimulation.<br />

Die Lebensdauer eines Bohrkopfes hängt unter anderem<br />

von der Verteilung des Ausbruchs um die Schnittflächen<br />

und entlang des Bohrerschaftes ab. Die Simulation<br />

liefert in diesem Zusammenhang Aussagen zur Rotations-<br />

und Vortriebsgeschwindigkeit sowie zu den erforderlichen<br />

Flüssigkeitsmengen unter Berücksichtigung der<br />

jewei ligen Druckverhältnisse.<br />

Bohrkopferosion<br />

weise erheblich über den prognostizierten Limits liegen.<br />

Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 40 bis 60 Jahren<br />

sprechen wir von Summen, die einen Anteil von 1 bis 5%<br />

für den digitalen Prototyp am Gesamtvolumen leicht übersteigen<br />

können. Was für das Automobil die Stückzahlen waren,<br />

die dem digitalen Prototyp zum Durchbruch verhalfen, sind<br />

für das Bauwerk die Folgekosten und die Betriebsjahre,<br />

die das ganze monetäre Potenzial dieses Prozesses aufzeigen.<br />

Seine effiziente Umsetzung bedarf einer breiten Öffentlichkeitsarbeit<br />

und vor allem einer Sensibilisierung von<br />

Bauherrschaften und Betreibern bzw. jener, die diese Kosten<br />

schlussendlich zu tragen haben.<br />

<strong>mailing.150</strong> 61


62 <strong>mailing.150</strong>


<strong>mailing.150</strong> 63


64 <strong>mailing.150</strong>


<strong>mailing.150</strong> 65


Eine Zeitreise<br />

66 <strong>mailing.150</strong><br />

1. Generation<br />

Seine Verbindung mit der englischen Industrie ermöglichte es Carl Heinrich <strong>Gruner</strong>, am 4. Juni<br />

1862 in Basel sein eigenes «Technisches Bureau Heinrich <strong>Gruner</strong>, Civil-Ingenieur» zu gründen.<br />

In sämtlichen Schweizer Städten entstanden damals Gaswerke. Zudem bedurften die Wasserversorgungen<br />

einer Verbesserung und Erweiterung.<br />

1873 beschloss Carl Heinrich <strong>Gruner</strong>, nach Dresden zurückzukehren. In Deutschland und im<br />

Nahen Osten bearbeitete er, im Verein mit dem Hydrologen A. Thiem, auf eigene Rechnung<br />

oder als Vertreter von Wasserwerksgesellschaften, eine grosse Anzahl von städtischen Wasserversorgungsanlagen.<br />

1888 verlegte Carl Heinrich <strong>Gruner</strong> seinen Wohnsitz wieder nach Basel.<br />

2. Generation<br />

Carl Heinrich <strong>Gruner</strong><br />

1833–1906<br />

Dr. h.c. Heinrich Eduard <strong>Gruner</strong><br />

1873–1947<br />

Heinrich Eduard <strong>Gruner</strong> fand seinen Weg über die Kulturingenieurschule des Eidgenössischen<br />

Polytechnikums zur Ingenieurabteilung. Er begann seine berufliche Laufbahn mit Reisen nach<br />

England und in die USA.<br />

Wieder in der Heimat (1902), hatte er gemeinsam mit deutschen Ingenieuren eine grosse Aufgabe<br />

zu lösen: das Projekt des Kraftwerks Laufenburg. Baulich war die Fundierung des Stauwehrs,<br />

die von C. Zschokke mit Druckluftcaissons ausgeführt wurde, die schwierigste Aufgabe.<br />

Nach diesem Projekt eröffnete Heinrich Eduard <strong>Gruner</strong> sein eigenes Büro.<br />

Die ETH in Zürich verlieh ihm 1930 den Ehrendoktor der Technischen Wissenschaften in Anerkennung<br />

seiner Beteiligung an der Entwicklung des schweizerischen Wasserbauwesens.<br />

Er war Förderer internationaler technisch-wirtschaftlicher Institutionen, so z.B. der Weltkraftkonferenz<br />

und des Comité International des Grands Barrages, als dessen Präsident er<br />

jahrelang erfolgreich wirkte.


3. Generation<br />

Vom Ingenieurbüro<br />

<strong>Gruner</strong> zur<br />

<strong>Gruner</strong>-Gruppe<br />

1970 wurde die Kollektivgesellschaft<br />

in die Rechtsform einer<br />

Aktiengesellschaft umgewandelt.<br />

Eduard <strong>Gruner</strong><br />

1905–1984<br />

Georg <strong>Gruner</strong> absolvierte seine Lehr- und Wanderjahre auf verschiedenen Baustellen im In-<br />

und Ausland, bis er 1938 als Teilhaber in das väterliche Büro eintrat. Eduard <strong>Gruner</strong> stiess<br />

erst nach dem Tod seines Vaters dazu.<br />

Das Büro <strong>Gruner</strong> hatte rechtzeitig erkannt, dass die Spezialisierung auf Wasserbau für ein<br />

grosses Büro auf die Dauer riskant war. Zwei neue Abteilungen wurden geschaffen: eine für<br />

Tiefbau und eine für Hochbau. Die Umstellung des Büros war rechtzeitig erfolgt, und nach<br />

dem Zweiten Weltkrieg konnten neue Grossprojekte angepackt werden. In der Schweiz waren<br />

dies Wasserkraftanlagen, Industriebauten und Wohnhäuser. Im Ausland konnten Dammbauten<br />

wie der Konardam in Indien und Kraftwerke wie Baygorria am Rio Negro (Uruguay) projektiert<br />

sowie geleitet werden.<br />

Dieter Ernst<br />

1937<br />

Dr. h.c. Georg <strong>Gruner</strong><br />

1908–2004<br />

Nach diversen Auslandaufenthalten trat Dieter Ernst, dipl. Bauingenieur ETH, 1970 als Leiter<br />

der Hauptabteilung Hoch- und Brückenbau in die <strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong> ein. Die Abteilung war damals<br />

die tragende Säule des Ingenieurbüros. Beim Generationenwechsel wurde ihm 1972 als<br />

Nachfolger von Georg <strong>Gruner</strong> der Vorsitz der Geschäftsleitung übertragen. Mit Weitsicht<br />

und Erfolg hat Dieter Ernst den Ausbau der <strong>Gruner</strong>-Gruppe vorangetrieben und das gesamte<br />

Spektrum der planerischen Leistungen integriert. Von 1974 bis 2009 war Dieter Ernst im<br />

Verwaltungsrat. Er übernahm das Präsidium im Jahr 2000 und übergab die Geschäftsführung<br />

an Flavio Casanova. Per 1. Mai 2009 wurde sein Sohn Thomas Ernst zum Präsidenten<br />

gewählt.<br />

<strong>mailing.150</strong> 67


<strong>mailing.150</strong> der <strong>Gruner</strong>-Gruppe<br />

Redaktion<br />

Eliane Mattenberger<br />

Sylvia Bezzola<br />

Marketing, Kommunikation<br />

<strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong>, Basel<br />

Bilder<br />

Diverse Archive und teilweise z.V.g.<br />

Gestaltung<br />

Brenneisen Communications, Basel<br />

Druck<br />

Schwabe <strong>AG</strong>, Muttenz<br />

Nachdruck<br />

Nachdruck oder sonstige Vervielfältigung,<br />

auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher<br />

schriftlicher Genehmigung des<br />

Herausgebers.<br />

<strong>Gruner</strong> <strong>AG</strong><br />

Ingenieure und Planer<br />

Gellertstrasse 55<br />

CH-4020 Basel<br />

Telefon +41 848GRUNER<br />

oder +41 61 317 61 61<br />

Fax +41 61 312 40 09<br />

mail@gruner.ch<br />

www.gruner.ch

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