Cruiser im Dezember 2016 (Doppelnummer Winter)

cruisermagazin

Cruiser in GOLD! Aber nicht nur das Cover ist hübsch, auch der Inhalt! Alles rund ums Reisen, LGBT Gruppen in Osteuropa und: Warum sind wir eigentlich schwul?

cruiser

DAS

Winter 2016 | 2017 CHF 7.50

GRÖSSTE

SCHWEIZER

GAY-MAGAZIN

Coming-Out im

Mutterleib:

Darum sind wir

schwul

Kirche & Homosexualität

Christliche LGBT-Gruppen im Osten

Ferienspecial

Ab an die Sonne

Flashback

Cruiser vor 30 Jahren

Doppelnummer

Winter

2016


NEUE SICHT AUF HIV:

GEMEINSAM

SCHAFFEN WIR’S.

Gemeinsam setzen wir uns aktiv für eine Welt ohne Stigmatisierung

von Menschen mit HIV ein. Zusammen können wir es schaffen,

die Ausgrenzung von Menschen mit HIV in der Schweiz zu beenden.

ViiV Healthcare GmbH, Talstrasse 3–5, 3053 Münchenbuchsee

CH/HIV/0045/16/17.11.2016/11.2016


3

Editorial

Liebe Leser

Ganz der Tradition des Cruiser verpflichtet, haben wir eine alte, aber bewährte Rubrik wieder eingeführt.

Die Kleinanzeigen! Auch, weil wir oft Anfragen bekommen, welche wir so aus Kostengründen

im Magazin nirgends plazieren können. Mit dem neuen alten Forum bieten wir also eine kostengünstige

Plattform für «Dies & Das». Abgesehen davon gibt es auch in dieser Ausgabe wieder viel

«Dies & Das» rund um das Gay-Life zu entdecken – wir haben versucht, eine möglichst pralle und bunte Winternummer zu

machen und hoffen, dass bei der Lektüre der Winter etwas kurzweiliger wird.

Herzlich; Haymo Empl

Chefredaktor

inhalt

4 Thema Coming-Out im Mutterleib

10 Kolumne Michi Rüegg

12 Cruiser zu Besuch im Club Rage

14 News Update

17 Heute vor 30 Jahren

18 Kolumne Mirko!

19 Kultur Konzertkritik «schmaz»

20 Kultur Musical «Summer of’85»

22 Kultur Buchtipp

23 Thema Kirche & Homosexualität

in Osteuropa

27 FINGERFERTIG CRUISER KOCHT!

28 Kolumne Bötschi klatscht

30 Ratgeber Dr. Gay

32 Kolumne Peter Thommen

33 Reisespecial Südafrika

40 Interview Diskriminierung & HIV

42 Marktplatz Privatinserate

impressum

CRUISER MAGAZIN PRINT

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269 (1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch

Chefredaktor Haymo Empl | Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl

Bildredaktion Haymo Empl, Nicole Senn

Bilder Bilddatenbank. Alle Bilder, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber.

Art Direktion Nicole Senn | www.nicolesenn.ch

Redaktion Print Vinicio Albani, Anne Andresen, Thomas Borgmann, Bruno Bötschi,

Andreas Faessler, Mirko, Moel Maphy, Michi Rüegg, Alain Sorel, Peter Thommen,

Nihat Yasartürk.

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch

Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare

Druck Druckerei Konstanz GmbH

Wasserloses Druckverfahren

REDAKTION UND VERLAGSADRESSE

empl.media, Haymo Empl

Winterthurerstrasse 76, 8006 Zürich

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CRUISER MAGAZIN ONLINE

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Angaben auf www.cruisermagazin.ch

Der nächste Cruiser erscheint am 3. Februar 2017

CRUISER Winter 2016 | 2017


4

Thema

WARUM SIND WIR SCHWUL?

Coming-out im

Mutterleib?

Lange war die Frage nach der Entstehung von Homosexualität mit der

Suche nach Therapiemöglichkeiten verknüpft. Heute bemühen sich

Wissenschaftler wertfrei um eine Antwort. Eine eindeutige Erklärung

haben sie noch nicht gefunden. Unstrittig ist aber, dass die sexuelle

Orientierung schon vor der Geburt festgelegt wird.

CRUISER Winter 2016 | 2017


Thema

WARUM SIND WIR SCHWUL?

5

Schwule Pinguine: Gemeinsam ziehen sie ein Junges auf.

von Thomas Borgmann

«

Ochs tut es, Kuh tut es, ein gesundes

Känguru tut es …» Mit der deutschsprachigen

Version des bekannten Cole-

Porter-Titels «Let’s do it, let’s fall in love»,

besang Hildegard Knef 1969 das Verliebtsein

im Allgemeinen. Das Lied endet nach zahlreichen

Beispielen aus dem Tierreich mit

dem ermunternden Fazit «Spass macht es».

Nach heutigem Kenntnisstand könnte der

Text durchaus auch als ein Plädoyer für die

Selbstverständlichkeit der gleichgeschlechtlichen

Liebe verstanden werden. Wissenschaftler

haben inzwischen eine bemerkenswerte

Vielzahl von Belegen dafür gesammelt,

dass homosexuelle Verhaltensweisen im

Tierreich weit verbreitet sind. Zahlreiche Berichte

dokumentieren, dass bei Säugetieren,

Vögeln, Reptilien, Amphibien, Insekten,

Weichtieren und Fadenwürmern sowohl

gleichgeschlechtliche Freundschaften, längere

Partnerschaften wie auch sexuelle

Handlungen beobachtet werden. Alle Formen

des menschlichen Sexualverkehrs, seien

sie vaginal, anal oder oral, aber auch das gegenseitige

Befriedigen mit der Hand, finden

im Tierreich statt. So reiben Walbullen ihre

erigierten Penisse aneinander, Delfinweibchen

dringen mit ihrer Rückenflosse in die

Geschlechtsöffnung von Partnerinnen ein

und die männlichen Tümmler penetrieren

sich gegenseitig durch das Atemloch. Moralische

Entrüstung im katholischen Polen

provozierte im Jahr 2009 der zehnjährige

Elefantenbulle Nino im Zoo von Poznan. Er

interessierte sich nur für männliche Artgenossen,

denen er seinen Rüssel in den Mund

steckte und sie in der Genitalregion stimulierte.

Das brachte den konservativen Stadtrat

derart in Sorge um die Moral jugendlicher

Zoobesucher, dass er eine Isolation des

Elefanten forderte. Aber auch im Tierreich

geht es bei den gleichgeschlechtlichen Handlungen

nicht nur um die reine sexuelle Befriedigung:

Homosexuelle Störche, Enten,

Schwäne und Geier ziehen gemeinsam Junge

auf. Im Juli 2009 machten zwei männliche

Pinguine des Zoos von San Francisco weltweit

Schlagzeilen, weil sie sechs Jahre zusammen

waren und ein Küken aufzogen.

Gleiches wurde aus Grossbritannien berichtet,

als das langjährige schwule Flamingo-

Paar Carlos und Fernando ein verwaistes Ei

ausbrütete und den Nachwuchs adoptierte.

Eine besonders hohe Schwulenquote beobachtete

man unter domestizierten Schafen:

Jeder zehnte Widder paart sich ausschliesslich

mit anderen Männchen. Zoologen beobachteten

in einer Möwenkolonie sogar,

Homosexuelle Störche,

Enten, Schwäne und Geier

ziehen gemeinsam Junge auf.

dass 20 Prozent der Paare dasselbe

Geschlecht haben. 2003 entdeckten US-

Ornithologen bei einer Kolonie von ➔

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6

Thema

WARUM SIND WIR SCHWUL?

In antiken Schriften der Griechen war Homosexualität absolut normal.

Später dann wurden Gays das 3. Geschlecht.

Laysan-Albatrossen auf Oahu, der Hauptinsel

Hawaiis, dass ein Drittel der Paare aus

zwei weiblichen Vögeln bestand. Insgesamt

geht man davon aus, dass Homosexualität

bei rund zehn Prozent der Tiere vorkomme,

so Pascale Wapf, Veterinärmedizinerin des

Zürcher Zoos, in dem auch Führungen zum

Thema «Homosexualität im Tierreich» angeboten

werden (siehe www.watson.ch vom

7. Juni 2015).

Sex zum Spass, statt zur Arterhaltung

Sollte die weit verbreitete Homosexualität

im Tierreich die Haltung früherer Mediziner

und heutiger religiöser Fundamentalisten

nicht eindeutig widerlegen, die gleichgeschlechtliches

Begehren als unnatürlich

verurteilten beziehungsweise das immer

noch tun? Andererseits drängt sich die Frage

auf, warum die Natur homosexuelles

Verhalten hervorbringt, und welchen Sinn

es aus evolutionärer Sicht machen kann.

Nach Charles Darwin ist die Evolution ein

reiner Kampf ums Dasein, der sich vor allem

im Drang zur Fortpflanzung manifestiert.

Sexualität dient nach seiner Auffassung

lediglich der Arterhaltung durch

Weitergabe der Gene an die Nachkommen.

Dass sich bestimmte Spielarten der Sexualität

nur entwickeln, weil sie Spass machen,

war für ihn im Kontext der Sexualethik des

Viktorianischen Zeitalters undenkbar. Homosexuelle,

die ja nicht unmittelbar zum

CRUISER Winter 2016 | 2017

Fortbestand der menschlichen Spezies beitragen,

verhalten sich also gewissermassen

antidarwinistisch. Wenn Homosexualität

durch fehlende Nachkommenschaft aber

nicht weiter vererbt werden kann, warum

hat sie dann Bestand und verschwand nicht

einfach im Lauf der Evolution?

Wenn Homosexualität

widernatürlich wäre,

warum ist sie dann

nicht ausgestorben?

Diese Frage führte Wissenschaftlicher

jahrzehntelang zu der Annahme, dass sie

nur erworben sein kann und demzufolge

auch veränderbar, also therapierbar sein

muss. Schon in einer antiken griechischen

Schrift heisst es, dass die gleichgeschlechtliche

Neigung entstehe, wenn sich der pubertierende

Knabe an die im alten Griechenland

durchaus gängige Praxis des passiven

Geschlechtsverkehrs gewöhne. In späteren

Jahrhunderten versuchte man, den «unnatürlichen

Trieb» mit zu häufigem Masturbieren

oder dem Verabreichen von Klistieren

in der Kindheit zu erklären. Sigmund

Freud schliesslich, der Begründer der Psychoanalyse,

machte zu Beginn des 20. Jahrhunderts

eine zu enge Mutterbindung für

ausschliesslich homosexuelles Empfinden

verantwortlich. Im Gegensatz zu früheren

Erklärungsversuchen sah Freud Homosexualität

allerdings durchaus als eine natürliche

Variante menschlicher Sexualität an,

die aufgrund der grundsätzlich bisexuellen

Veranlagung eines jeden Menschen auch

gewählt werden kann und nicht zwangsläufig

therapiert werden muss. 1864 hatte

bereits der deutsche Jurist Karl Heinrich

Ulrichs eine Theorie veröffentlicht, in der er

den Schwulen als «Urning» bezeichnete

und vermutete, dass dieser Mensch zwar im

Körper eines Mannes geboren sei, aber eine

weibliche Seele habe. Er ging also von einer

Art «drittem Geschlecht» neben Mann und

Frau und einem angeborenen gleichgeschlechtlichen

Begehren aus, womit er vor

allem homosexuelle Handlungen entkriminalisieren

wollte. Diesen Ansatz nahm der

deutsche Sexualforscher Magnus Hirschfeld

auf, der in seinem 1919 in Berlin gegründeten

Institut für Sexualwissenschaft

vor allem über die Ursachen der Männerliebe

forschte und sich ebenfalls für deren

Straffreiheit einsetzte. Mit der Machtergreifung

der Nationalsozialisten wurden

seine Bemühungen allerdings um Jahrzehnte

zurückgeworfen. Nach dem Ende

der Diktatur sollte es noch mehr als zwei

Jahrzehnte dauern, bis der von den Nazis


Thema

WARUM SIND WIR SCHWUL?

7

1935 verschärfte Paragraf 175, der Homosexualität

in der Bundesrepublik Deutschland

unter Strafe stellte, entschärft und erst

1994 schliesslich ganz abgeschafft wurde.

Angeboren oder erworben?

Mit der Verschärfung der Bestrafung gleichgeschlechtlicher

Handlungen nahmen auch

die Therapieversuche an Homosexuellen an

Drastik zu. Noch in den 1970er Jahren unterstellten

ihnen manche Wissenschaftler

eine Entwicklungsstörung, die mit Elektroschocks

oder Operationen am Gehirn geheilt

werden sollte. 1973 strich die Amerikanische

Psychiatrische Vereinigung (APA),

auch auf Druck von Schwulenaktivisten,

Homosexualität von ihrer Diagnoseliste für

psychische Krankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation

WHO folgte ihr erst 1990.

Heute herrscht zumindest in den westlichen

Industriestaaten weitgehend Konsens darüber,

dass Homosexualität eine gleichwertige

«Homosexualität ist

ziemlich sicher

genetisch festgelegt.»

natürliche Variante des sexuellen Begehrens

ist und keine Krankheit, sexuelle Fehlleitung

oder selbst gewählte Lebensform. Gelöst

von der Frage nach Therapiemöglichkeiten,

versuchen Forscher seit den 1980er

Jahren zu ergründen, ob die sexuelle Orientierung

genetisch festgeschrieben ist oder

ob auch kulturelle und soziologische Faktoren

dafür entscheidend sind, welches Geschlecht

man begehrt. Auch wollte man

verstehen, ob sich homosexuelle Menschen

ausschliesslich durch ihre sexuelle Orientierung

von Heterosexuellen unterscheiden

oder ob sie auch anders denken und empfinden.

Seit gut 100 Jahren führte man

ausschliesslich psychologische und soziologische

Gründe als Ursache für die gleichgeschlechtliche

Zuneigung an, ohne je einen

Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme

liefern zu können. Freuds Theorie der engen

Mutterbindung beziehungsweise einer

schwachen oder fehlenden Vaterfigur wurden

schon dadurch widerlegt, dass die Söhne

alleinerziehender Mütter nicht öfter schwul

sind als Jungen, die von beiden Elternteilen

erzogen werden. Dass Homosexualität in

vielen Familien gehäuft vorkommt, sprach

durchaus für eine genetische Disposition.

Das bekannteste Beispiel ist die deutsche

Literaten-Dynastie der Familie Mann:

Thomas Mann und seine Kinder Klaus, Erika

und Golo waren homosexuell. Vor allem

amerikanische Wissenschaftler gaben sich

nicht mehr mit den psychologischen und ➔

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CRUISER Winter 2016 | 2017


8

Thema

WARUM SIND WIR SCHWUL?

Bei eineiigen Zwillingen kommt Homosexualität besonders

häufig vor.

Je mehr Brüder, desto wahrscheinlicher, dass einer davon homosexuell ist.

soziologischen Erklärungsversuchen zufrieden.

Sie fanden heraus, dass sich bei einem

schwulen Jungen die Möglichkeit, dass der

nächstgeborene Bruder auch homosexuell ist,

verdoppelt bis vervierfacht. Bei zweieiigen

Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit bei

bis zu 30 Prozent, bei eineiigen und damit genetisch

identischen Zwillingen sogar bei bis

zu 65 Prozent. 1993 verkündete der Amerikaner

Dean Hamer, er habe das «Schwulen-Gen»

entdeckt. Bei der Untersuchung von männlichen

Zwillingen stellte er bei beiden eine bestimmte

Abweichung des X-Chromosoms

fest, also auf jenem Teil des Erbguts, den Männer

ausschliesslich von ihren Müttern erben.

Da beide Brüder schwul waren, glaubte er, damit

des Rätsels Lösung gefunden zu haben.

Eine Studie mit knapp 40 schwulen Brüderpaaren

und identischen Gen-Sequenzen auf

dem X-Chromosom schien diese Hypothese

zunächst zu bestätigen. Allerdings spricht die

Tatsache, dass es auch eineiige Zwillinge mit

unterschiedlicher sexueller Orientierung gibt,

gegen das «Schwulen-Gen». Auch hat man

keine einzelne Erbinformation biochemisch

ausfindig machen können, die allein die Neigung

zur Homosexualität begründet. Ein einzelnes

Gen wird sich dafür wohl auch in Zukunft

nicht finden lassen, denn die meisten

komplexen Eigenschaften entstehen durch das

Zusammenwirken mehrerer Gene.

Zusammenspiel von genetischen und

hormonellen Faktoren wahrscheinlich

Die Vorstellung, Homosexualität könne genetisch

bedingt sein, war damit aber nicht

CRUISER Winter 2016 | 2017

1993 verkündete der

Amerikaner Dean Hamer,

er habe das «Schwulen-

Gen» entdeckt.

vom Tisch. Nach Ansicht des Evolutionsbiologen

William Rice liegt die Ursache nicht in

den Genen, sondern in den Regelmechaniken

der Erbanlagen, die bei der Zeugung übertragen

werden. Dabei handelt es sich um epigenetische

Faktoren, sogenannte Epi-Marks.

Diese biochemischen Markierungen auf der

DNA regulieren, unter welchen Bedingungen

und in welchem Ausmass ein Gen aktiv ist.

Die Epi-Marks können sich aber auch auf den

Nachwuchs vererben, anstatt im Vererbungsprozess

gelöscht zu werden. Wenn der übertragene

Code Gene betrifft, die an der Realisierung

der Sexualität im Gehirn mitwirken,

könne es dazu kommen, dass Mütter ihr sexuelles

Interesse an Männern auf epigenetischem

Weg an ihre Söhne weitergeben und

Väter ihre sexuelle Orientierung an ihre

Töchter. Nicht vererbt wird nach dieser plausiblen,

aber noch nicht bewiesenen Theorie

also die Homosexualität als solche, sondern

die sexuelle Präferenz des Vaters für Frauen

und die der Mutter für Männer.

Aber es gibt noch andere Erklärungsversuche:

Seit vielen Jahren wissen Forscher,

dass die Möglichkeit, schwul zu werden,

umso grösser ist, je mehr ältere Brüder ein

Mann hat. Statistisch betrachtet erhöht jeder

leibliche Bruder die Wahrscheinlichkeit um

etwa 30 Prozent. Dieses Phänomen führt

man auf einen biologischen Vorgang noch

vor der Geburt zurück. Der Theorie nach

verändert ein männlicher Embryo das Immunsystem

der Mutter. Gelangen Zellen des

männlichen Fötus in den Blutkreislauf der

Mutter, reagiert deren körpereigene Abwehr

mit der Bildung bestimmter Antiköper.

Wird eine Frau erneut mit einem Jungen

schwanger, greifen diese Antikörper womöglich

in das Gehirn des nächsten Fötus

ein und beeinflussen dessen sexuelle Orientierung.

Wie genau das geschieht, ist allerdings

noch ungeklärt. Doch Forscher schätzen,

dass die gleichgeschlechtliche Neigung

bei einem von sieben Schwulen auf diesen

Effekt zurückgeht.

Eine weitere mögliche Ursache für die

pränatale Festlegung der sexuellen Orientierung

sehen Wissenschaftler in dem Geschlechtshormon

Testosteron. Es steuert

schon vor der Geburt eine ganze Reihe körperlicher

geschlechtspezifischer Eigenschaften

und beeinflusst auch die bei Männern

und Frauen unterschiedlich ausgeprägte

Struktur des Gehirns. Insbesondere beim

Hypothalamus, der unter anderem an der

Steuerung unserer Begierde beteiligt ist, haben

Neurowissenschaftler Unterschiede im

Zellknoten zwischen dem männlichen und

weiblichen Gehirn festgestellt. Bei Schwulen,

so die derzeit am besten untersuchte


Thema

WARUM SIND WIR SCHWUL?

9

These, war der Testosteronspiegel des Embryos

während der Schwangerschaft niedriger

als bei den meisten Männern, bei Lesben

dagegen höher als bei den meisten Frauen.

Daher hat sich, so die These, das Gehirn des

schwulen Mannes etwas weiblicher und das

der lesbischen Frau etwas männlicher entwickelt,

was auch die häufig eher geschlechtsuntypischen

Eigenschaften bei vielen Homosexuellen

erklären könnte, wie zum

Beispiel ein stärkeres Einfühlungsvermögen

bei schwulen Männern und ein häufig zu beobachtendes

ausgeprägtes räumliches Denkvermögen

bei lesbischen Frauen. Warum allerdings

der Testosteronspiegel bei Föten, die

später homosexuell empfinden, untypische

Werte annimmt, ist noch ungeklärt.

Angeboren, aber kein Geburtsfehler

Das Zusammenspiel von Genen und Hormonen

vor der Geburt ist letztlich so komplex,

dass man wohl auch in Zukunft nicht

Homosexualität ist

nicht therapierbar.

mit letzter Gewissheit erklären kann, wie

genau sich die sexuelle Orientierung herausbildet.

Nur noch wenige Wissenschaftler

glauben, dass es eine ganz bestimmte Ursache

für homosexuelles Empfinden gibt.

Unabhängig davon, ob sich das gleichgeschlechtliche

Verlangen jetzt bei dem einen

eher durch das Erbgut, bei dem anderen

durch das Immunsystem der Mutter oder

aber durch den Hormonspiegel des Fötus herausbildet,

ist unstrittig, dass es unveränderbar,

nicht frei wählbar und damit auch nicht

therapierbar ist. Selbstverständlich gibt es

auch bisexuell empfindende Menschen ohne

eine eindeutige sexuelle Präferenz für das eigene

oder für das andere Geschlecht, aber

auch ihnen ist diese Veranlagung sozusagen

in die Wiege gelegt. Auch wenn die Frage

nach der Entstehung der sexuellen Orientierung

also noch nicht endgültig beantwortet

ist, ist doch unumstritten, dass Homosexualität

wie Heterosexualität eine angeborene, biologisch

fundierte und ganz normale Variante

des Begehrens ist. Ein Geburtsfehler ist sie

selbstverständlich nicht, sondern vielmehr

der Beweis dafür, dass die Natur die menschliche

Begierde weitaus breiter angelegt hat, als

es seinerzeit Darwin sah und auch heute noch

manche Menschen wahrhaben möchten. In

diesem Punkt scheint uns die Tierwelt weit

voraus, da dort, so die Veterinärin Pascale

Wapf vom Zoo Zürich, «Tiere niemals aufgrund

ihrer sexuellen Präferenzen nachteilig

behandelt werden. Da könnten wir Menschen

von den Tieren ganz viel lernen.»

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CRUISER Winter 2016 | 2017


10

KOLUMNE

MICHI RÜEGG

Hilfe,

die Lesben sind los

Michi Rüegg ist als Mann ein Täter und wird daher

zum Opfer antischwuler Lesbenpropaganda. Eine

furchtbare Geschichte.

CRUISER Winter 2016 | 2017

VON Michi Rüegg

V

or ein paar Wochen ging es mir so

richtig gut. Dann las ich eine Medienmitteilung

der Schweizer Lesbenorganisation

LOS. Danach ging es mir so

richtig mies. Auf gefühlten 5000 Zeilen erklärten

mir die LOS-Frauen, warum ich ein

verdammtes schwules Sexistenschwein bin.

In ihrem Pamphlet prangerten die Verfasserinnen

den Umstand an, dass Lesben

auch Frauen sind. Diese Tatsache war für

mich nicht zwingend neu. Ich hatte bereits

früher ab und zu den Verdacht, bei Lesben

könnte es sich um Frauen handeln, obwohl

man sich nicht in jedem Fall sicher sein konnte.

Die Feststellung, dass Lesben Frauen sind,

diente in besagter Mitteilung jedoch dem

Zweck, einen noch gewichtigeren Umstand

herzuleiten: Nämlich, dass Schwule Männer

sind. Auch in diesem Punkt muss man der

LOS wahrheitsgetreue Berichterstattung attestieren.

Doch dann: Männer seien frauendiskriminierende

und grapschende Monster.

Tatsächlich führten die LOS-Frauen ins Feld,

dass wir Schwulen in unserer Eigenschaft als

Männer ja sowieso in den Genuss «bürgerlicher-heteronormativer»

Privilegien kommen

würden, derer sich die Männerwelt seit jeher

grosszügig bedient.

Das muss man erst mal verdauen. Erinnern

wir, die das können, uns doch an die berühmte

Sendung «Telearena» vom 12. April

1978. Ich war damals zwar auch erst ein Jahr

alt, aber einige Jahrzehnte später lief glücklicherweise

eine Wiederholung. In dieser Sendung

mussten sich Schwule alle Vorurteile

der Welt anhören, von Studiogästen, die

«uns» am liebsten direkt ins Fegefeuer gepeitscht

hätten. Mittendrin meldete sich eine

Lesbe. Sie klagte, dass immer nur über

Schwule geredet werde. Das war irgendwie

grotesk: Die Lesben wollten offenbar auch etwas

mehr beleidigt und beschimpft werden,

eben so wie wir. Vielleicht hätten sie auch

gern gehabt, dass sie etwas häufiger auf der

Strasse verprügelt, auf dem Bahnhofsklo erstochen

oder – einige Jahrhunderte vorher –

mit Holzpfählen durch den Anus aufgespiesst

werden. Unsere Vorgängergenerationen von

schwulen. Während Frau mit Frau im Boudoir

kuscheln konnte, hetzte man die Hunde

auf Männer, die Männer liebten. Aber für die

LOS-Lesben heisst das einfach: Wir haben

alle Aufmerksamkeit gekriegt. Tatsächlich

sagten die alten Strafgesetze selten etwas über

Todesstrafe gab es nur für

Schwule. Wie ungerecht ist

das denn!

Lesbensex. Todesstrafe gab es nur für Schwule.

Was ist es denn genau, das mich zum Sexistenschwein

macht? Gemäss Einschätzung

der LOS-Frauen ist das: mich vulgär

ausdrücken. Abschätzig über weibliche

Genitalien reden. Frauen anfassen und

dann behaupten, man dürfe das ja als

Schwuler. Schuldig im Sinne der Anklage.

Vor nicht allzu langer Zeit lachte ich über

einen Witz eines Bekannten (eines katholischen

Pfarrers, notabene), der mir in

LOS-Kreisen wohl den Maximalhass beschert

hätte, denn es kam darin ein weibliches

Genital vor. Schuld an allen Miseren

der lesbischen Welt sind aber nicht nur wir

schwulen Sexisten. Sondern auch die Medien.

Immer und immer wieder zeigen sie nur

uns. Die schrillen Tunten mit ihrem Makeup

und dem Glumpert. Und nie die Lesben. Hat

sich die LOS vielleicht schon mal gefragt, ob

wir das wollen? Ob wir es schön finden, in

diesen medialen Klischees gefangen zu sein?

Vermutlich ja, schliesslich drängen wir uns

ja bürgerlich-heteronormativ in den Vordergrund.

Weil wir alle frauenhassende Narzissten

sind. Und unsere Organisationen

«nur privilegierte weisse Männer vertreten».

Zu allem Übel habe ich also auch noch die

falsche Hautfarbe.

Was also wollen die LOS-Lesben? Bessere

Integration, ein herzlicheres, von Respekt

geprägtes Miteinander? Nicht wirklich. Sie

wollen einfach sichtbarer sein. Und sie wollen

mehr Räume haben. Mit anderen Worten: Sie

hätten gerne weniger Schwule.Als ich noch

ein junges Ding war, gab es in Zürich kaum

Kontakt zwischen Schwulen und Lesben. Die

Lesben liessen keine Männer an ihre Partys,

Freundschaften zwischen Mann und Frau

waren rar. In den letzten Jahren hat sich das

verändert. Ich durfte in meinem privaten

Umfeld immer mehr Lesben und bisexuelle

Frauen kennen- und schätzen lernen. Schade,

dass die Lesben von LOS das alles wieder kaputtmachen

wollen, indem sie Gift gegen uns

speien. Und das alles bloss weil ich mal einen

anrüchigen Witz über eine Mumu gemacht

habe. Aber keine Sorge, liebe LOS-Frauen. Ich

lache auch über Schwänze.


XXX

XXX

11

Community ahoi!

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CRUISER Winter 2016 | 2017


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Cruiser zu Besuch

im Club Rage

Cruisen und Abtanzen in der

Industriehalle

Seit 18 Jahren ist das Rage einer der grössten Cruising-Clubs Europas.

Weil die Besitzer den Wandel der Szene rechtzeitig erkannt haben,

funktioniert ihr Clubkonzept. Und die allgemeinen Vorurteile von einst

sind heute weitgehend Geschichte.

VON Andreas Faessler

W

o einst Eisenbahnwaggons mit

Sandstrahlern bearbeitet wurden,

kommt man heute ganz anderweitig

zur Sache – im wahrsten Sinne des

Wortes. Durchgestyltes Interieur mit Industrieflair

findet man nun hier, schummriges

Licht, treibender Underground-Sound und

drei Bars sowie weitläufige Darkroomlandschaften

auf drei Etagen – nichts erinnert

mehr an die einstige Waggonremise.

Anno 1998 öffnete in diesen Hallen im

Industrie- und Gewerbebau an der Wagistrasse

13 in Schlieren das Rage seine Türen.

Bis heute ist es eine der wenigen Locations, zu

CRUISER Winter 2016 | 2017

welcher ausschliesslich Männer Zutritt haben.

Und es ist als Cruising-Club wohl europaweit

einer der grössten seiner Art. Gründer und

Mitinhaber Andy Imholz erinnert sich, wie

vor allem in den Anfangszeiten die Leute der

Zürcher Schwulenszene das Rage mit Vorurteilen

wahrgenommen haben – es sei ja bloss

ein Fetisch-Laden mit vielen Alten, so einst der

Grundtenor. Und man munkelte allerlei Wunderliches,

was sich hinter der schweren Eisentür

mit der schummrigen Lampe so abspiele.

«Wir haben gehört, dass …», zitiert Andy amüsiert

die Jungs, welche sich deswegen kaum je

hintrauten, doch wohl trotzdem neugierig auf

den Laden waren. «Aber das hat sich zum

Glück schon lange gelegt.».

Dass der Club hauptsächlich für die

Begegnung sexueller Art zwischen Männern

frequentiert wird, liegt auf der Hand. Der

anfänglich vorhandene Dancefloor lag

Abend für Abend weitgehend brach, so dass

er im Zuge wiederholter Umbauarbeiten allmählich

der sich vergrössernden Darkroomlandschaft

wich. «Die Leute kamen nicht zu

uns zum Tanzen. Das Angebot in Zürich war

hierfür schon immer gross genug. So sind

wir schliesslich zu einem reinen Cruising-

Club geworden», sagt Andy.


Cruiser zu Besuch

im Club Rage

13

Publikum hat sich verjüngt

Doch auch Locations mit einem einschlägigen

Konzept wie das Rage sind dem Wandel der

Szene unterworfen – so hat sich das Publikum

und dessen Ausgehverhalten im Lauf der Jahre

geändert. «Kamen früher mehrheitlich Fetischleute

zu uns oder Nachtschwärmer, welche

hier erst etwas Spass suchten und dann weiter

in die Danceclubs zogen, so haben wir heute

ein breites Besucherspektrum», sagt der Inhaber.

Allgemein habe sich das Publikum sichtlich

verjüngt, beobachtet Andy. Vor allem seit

die Organisatoren – Andy und sein Geschäftspartner

Beat – regelmässig Themenabende

durchführen wie die Sportswear-, Kick-Offoder

Prollboyz-Party. «Hier haben wir die Zeichen

der Zeit offenbar rechtzeitig erkannt und

die Jungen für uns gewinnen können, seit die

Fetischszene kleiner geworden ist.» Diese

kommt dennoch nicht zu kurz im Rage: Der

strikt abgetrennte Sektor C mit Dresscode im

Obergeschoss bedient regelmässig auch die Bedürfnisse

von Fetisch-Anhängern. Am liebsten

sieht Andy es, wenn das Publikum möglichst

gemischt ist. «Ein Gefühl der

Gemeinsamkeit fördert ja nicht zuletzt auch

Toleranz.» Auch die Zeit der Drogenexzesse,

welche im Club nicht selten zu unschönen

Vorkommnissen geführt haben, scheint vorbei

zu sein. «Die Leute sind wohl umsichtiger

Wir erwarten von

unseren Gästen, dass sie

vernünftig sind und ihre

Grenzen kennen.

geworden», stellt Andy fest. Ausserdem ist das

Rage erklärtermassen gegen den Drogenmissbrauch.

«Wir erwarten von unseren Gästen,

dass sie vernünftig sind und ihre Grenzen

kennen.» Weiter propagiert der Club entschieden

das Praktizieren von Safer Sex, stellt

gratis Kondome und Gleitgel zur Verfügung.

Auberginen und dritte Zähne

Sauberkeit hat sich das Rage-Team überdies

besonders auf die Flagge geschrieben. Nach

jedem Abend wird gründlich gereinigt.

«Nicht etwa nur gewischt», betont Andy.

«Und regelmässig werden Wände und Böden

gestrichen.» Wenn an Partys wie beispielsweise

der XXL Naked bis zu 600 Leute

einen ganzen Abend lang durch die Räume

streifen, hinterlässt das eben entsprechend

Spuren. Dann findet die Putzequipe schon

mal sonderbare Relikte: eine Bratkelle etwa,

einen Sack mit gekochten Eiern, Auberginen,

Gurken, Bocciakugeln, Dildos in allen

Varianten, dritte Zähne … «Die mutmassliche

Verwendung der Fundstücke regt schon

die Fantasie an», meint Andy und grinst. Die

Betreiber zeigen sich zufrieden mit ihrem

aktuellen Clubkonzept und Andy verspricht:

«Es wird weiterhin auch so bleiben.»

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CRUISER Winter 2016 | 2017


14

NEWS

National & International

NEWS

OneBlade – nicht nur für Hipster

JACK – The Surreal Issue

Mit dem OneBlade-System besetzt Philips

eine Nische, die schwer im Trend liegt: Gestutzte

Bärte und saubere Konturen. Das

Trimmen übernimmt OneBlade mit Bravour,

das Bearbeiten der Konturen klappt ebenfalls

gut. So handlich wie ein Nassrasierer, so

schnell wie ein Elektrorasierer und so praktisch

wie ein Trimmer, das funktioniert alles

ganz gut – sogar Beinhaare konnten wir auf

der Redaktion damit «wegbladen». Dazu sieht

der Rasierer auch noch stylish aus. Zudem ist

das Teil nass und trocken verwendbar. Philips

spricht von einer minimalen Schnittlänge

von 0,2 mm und das haben wir dann auch so

gefühlt, also eine ganz glatte Rasur ist nicht

möglich. Für Bart, Koteletten und anderes

Haar ist der OneBlade aber schlicht genial. Im

Handel ab ca. CHF 78.– erhältlich.

Nach dem überaus gelungenen Comeback

lädt Jack wieder zur Club Night in die

Lounge des Kaufleuten: Am 10. Dezember

holt er dazu Terry Vietheer und Laurent

Charbon nach Zürich und bittet mit ihnen

zusammen zum vorweihnachtlichen Tanzen.

Während sich alle durch die bevorstehenden

Feiertage stressen lassen, braucht

man von Zeit zu Zeit einfach mal einen Ort

um sich zurückzuziehen, um alles um sich

herum zu vergessen und um sich so richtig

gehen zu lassen, so quasi einen safe haven.

Diesen bietet Dir Jack: Er reisst dich

schwungvoll aus deinem Alltag. Dass Jack

das kann, wissen wir spätestens seit dem

gelungenen Comeback der Party-Reihe Anfang

Oktober. Also: Hingehen, liebe Leser!

JACK – The Surreal Issue

Kaufleuten, Samstag, 10. Dezember 2016

23.00 Uhr www.jackcompany.com

Mit der «Mein Schiff 2» auf schwul-lesbischem Hochzeitskurs

Am 29. April 2017 ist es soweit, die

«Rainbow Cruise», die erste deutschsprachige

Kreuzfahrt für die LGBT-Community

und deren Freunde, sticht von Palma

de Mallorca aus in See. TUI Cruises setzt

mit dieser ganz besonderen Themenkreuzfahrt

ein Zeichen für Vielfalt und

Offenheit. Das zeigt sich auch dadurch,

dass es gleichgeschlechtlichen Paaren

möglich ist, an Bord der «Mein

Schiff»-Flotte den Bund fürs Leben einzugehen.

Während der Rainbow Cruise

erwartet die Gäste ein einmaliges Par-

typrogramm mit DJs und Star-Acts wie

Conchita, WestBam und Tim Fischer.

Zudem heuern DJ Hildegard, Comedian

Kay Ray, Entertainer Sven Ratzke, Travestie-Ikone

Elke Winter und viele weitere

Künstler an Bord der «Mein Schiff 2»

von TUI Cruises an. Es wird also bunt,

laut und schrill. Die perfekte Mischung

für acht Tage Feiern auf hoher See sowie

in den angesagtesten Metropolen des

Mittelmeers.

Alle weiteren Infos: www.rainbow-cruises.com

CRUISER Winter 2016 | 2017


NEWS

National & International

15

Neu im Club Heaven: DRAG-SHOW DER HEAVEN DRAG RACE GIRLS

Nachdem am vergangenen «Heaven Drag

Race» im September Hunderte Dragqueen-Fans

dem Theater am Neumarkt

förmlich die Türen eingerannt sind, holt das

Heaven ab Dezember wöchentlich eine der

glamourösen und unterhaltsamen Kandidatinnen

des beliebten Dragqueen-Contests

auf seine Club-Bühne. Die von Popfans besonders

beliebten Partys am Freitag im Heaven

werden mit den neu eingeführten Shows

um ein fulminantes Highlight reicher, wenn

jeden Freitag um 1.30 Uhr eine Dragqueen

des «Heaven Drag Race» die Bühne besteigt

und die Gäste bezirzt.

Alle Shows vom Dezember im Überblick:

09. Dezember, Balkan Gay Night: Roxxy Cream

16. Dezember, Scream & Shout: Rajka Tsukino

23. Dezember, Attitude: Odette Hella’Grand

30. Dezember, Top of 2016: Effi Mer Delamaskis

Heaven Club: Spitalgasse 5, 8001 Zürich

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16

NEWS

National & International

Zeit für eine neue Sicht auf HIV

Ein Paradigmenwechsel steht an: Der Welt-

Aids-Tag am 1. Dezember stand seit jeher für

Solidarität, Trauer, Tod und Mitgefühl mit

Menschen, die mit HIV und Aids leben. Dank

grosser Fortschritte in den letzten Jahren bei

Behandlung und Prävention von HIV ist ein

Leben mit HIV heute genauso lebenswert und

gleichwertig wie das Leben von HIV-Negativen.

Die 90-90-90 Ziele der UNAIDS weisen

den Weg, dass es möglich ist, die Epidemie bis

2030 gemeinsam zu beenden. Dazu braucht es

aber eine neue Sicht auf HIV. Noch immer haben

viele Menschen ein falsches Bild von HIV,

weil sie zu wenig darüber wissen. Auch kennen

sie ihren eigenen HIV-Status nicht, weil sie nie

einen Test gemacht haben. Menschen, die mit

HIV leben, werden aber immer noch stigmatisiert,

sei es bei der Arbeit, durch Nahestehende

oder im Gesundheitswesen.Ziel ist es nach wie

vor, die Aidsepidemie zu besiegen. Ein Schritt

dazu ist, wenn HIV-betroffene Menschen als

gleichwertige Glieder der Gesellschaft akzeptiert

werden. Damit verschwindet auch die

Angst vor einem HIV-Test, vor einem positiven

Testresultat oder vor einer Therapie. Am diesjährigen

Welt-Aids-Tag sind HIV und Aids in

einem völlig neuen, anderen Licht erschienen.

Dazu wurden am 1. Dezember künstlerisch inspirierte

Lichtprojektionen des schwulen Werbers

Hans Siegwart von der Werbeagentur By

Heart im Einkaufszentrum Sihlcity in Zürich,

am Universitätsspital in Genf und am Mad

Club im Flon in Lausanne gezeigt. Lichtprojektionen

am Welt-Aids-Tag sind eine langjährige

Tradition, die seit Jahren in vielen Metropolen

weltweit eingesetzt werden, um auf die Situation

von Menschen mit HIV und Aids hinzuweisen.

Organisiert wurden die Anlässe von Life

Science Communication und unterstützt von

ViiV Healthcare und Stagelight.

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CRUISER Winter 2016 | 2017


Heute vor

30 Jahren

17

Flashback

Cruiser feiert sein 30-jähriges Bestehen. Daher blicken wir an

dieser Stelle nun regelmässig auf die alten Ausgaben zurück.

1 2

3 4

1 Beginnen wir mit den Highlights im

Dezember/Januar.

2 Noch besser als «das Wort zur Sauna»

ist das Inserat vom «Club Hey». Dieser

besass damals keine Alkohollizenz,

daher mussten die Gäste die Getränke

selbst mitbringen.

3 Eines der Hauptanliegen – damals

wie heute – war die Prävention. Roger

Staub war einer der treibenden Kräfte

hinter den Kampagnen und Artikeln.

Wie die Todesanzeige von André Ratti

ausgesehen hat, zeigte der Cruiser

damals nicht.

4 Die Stop-Aids-Kampagnen waren originell,

eingängig und immer wieder neu.

CRUISER Winter 2016 | 2017


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KOLUMNE

Mirko!

Was passiert, wenn es zwischen zwei

«Top only» funkt?

Mirko wundert sich über büromässigen Sex und

fragt sich, was Angst damit zu tun hat.

VON Mirko

D

a habe ich zwei Freunde und beide

sind in allen Dating-Apps «Top

only». Kei Problem, jede macht, was

ihm Spass macht. Aber jetzt sind die beiden

seit einem halben Jahr in Love und das miteinander.

Krass lang scho. Und es passt für

beide. Ich wüsste ja gern, was zwei Tops miteinander

treiben. Eigetli ist es so e bitzli wie

zwei Schwule, wo ne Ikea-Schrank zämebaue.

Das geht auch nicht. Aber ab und zu

hält sogar dieser Schrank länger als ein halbes

Jahr. LOL.

Aber bliibe mer bim Sex. Letschtändlich

läuft’s doch so: Ich gehe morgens usem

Huus, nehm den Zug, werkle in meinem

Büro meine Stunden durch und danach

geht’s mit dem Zug nach Hause. Der Job

isch ok, guet zahlt, nöd lustig und mängmol

laaangwilig. Und am Abend? Ja, logisch is

Gym muss ich. Aber denn muess noch Fun

is Läbe und den bekomm ich auf Grindr.

Über zu wenig Nachfrage kann ich nicht

klagen. Ja, ok, ich hätt ned alli Gurke welle

gseh, won i da scho zugeschickt bekommen

habe. Aber es paar devo haben mich schon

interessiert. S gaht schnell, jeder sagt, was

er tun will and go!

E chli Athletik uf de Matratze oder uf

em Chuchitisch und meine Gurke ist wieder

für nes Ziitli ruhig. Supereasy. Meistens

e chli wie ne Maschine 30-Grad-

Wäsche: clean, sicher und energiesparend.

CRUISER Winter 2016 | 2017

Wie gseit, jede macht,

was ihm Spass macht.

Aber dass da uf so nere App zwei Tops sich

finden und nach einem halben Jahr immer

noch aneinanderkleben? Eher nöd. Aber es

gibt einen easy Match und alle sind nachher

müde genug, schlafen und am Tag druf

sitzed’s pünktli im Büro. Am Abend geht’s

dann wieder von vorne los. Gut gelöst. Nur,

grad so vor Weihnachten, wenn wieder

«Last Christmas» in der Unterführung

Züri HB läuft und es au das Johr nicht the

«Last Christmas» sind, an denen ich mir

das anhören muss, dann werd ich nachdenklich.

Warum muss denn der Sex auch

so büromässig und geregelt sein? Wenn die

beiden Tops vom Anfang nicht im richtigen

Moment irgendwie versatile – ich weiss

ja, wie gseit, nöd, wie das bi dene lauft, die

Gurke müend doch irgends ine, oder

nöd? – geworden wären, sässen sie jetzt nicht

seit einem halben Jahr uf cloud 9. Hä, das

sichere 30-Grad-Programm macht natürli

weniger Angst. Schön in der Comfortzone.

E bitzli wie «Last Christmas». Auch da

wagt sich keiner, den Song nicht mehr zu

spielen, obwohl allne scho d’Ohre wagglet.

Vielleicht auch besser, sonst wär das Gedudel

im HB villicht noch schlimmer. Man

weiss ja nie. Drum lauft de Sex wohl auch

nach Profilangaben. Obwohl, mängmol

läuft’s dann doch anders. Mängmol passt’s

eifach nöd. Aber man macht doch mit. Villicht

weil’s grad furchtbar rägnet und man

hofft, es sei nach dem Sex wieder trocken

draussen. Man könnte auch zäme einen

Beruhigungstee trinken, aber das geht irgendwie

nicht. Das hat mir ein Freund erzählt.

Wie gseit, jede macht, was ihm Spass

macht. Aber dieser Freund ging zum Date

und machte, was ihm nicht Spass machte

und ein paar Tage später nervte er die Ärzte

(Mehrzahl) wegen Geschlechtskrankheiten,

wo n er gmeint hätt, er heigi sie

ganz, ganz sicher, aber er hätt sie gar nöd

gha. Komplett panisch. Warum hesch denn

mitgmacht, han i no gfröget. Er hat sich

nicht getraut, wegzugehen. Dann halt doch

ein detaillierteres Profil: Ich mach das und

das und süscht nüt. «Top only», fertig.

Aber äbe: So wären meine verliebten «Top

only’s» nie zusammengekommen. Und

weil nach «Last Christmas» es guets Nöis

kommt, hier mein Vorsatz: Nächscht

Johr probier i öppe mol was us. Aber wenn’s

nöd passt, dänn nehm i en Tee bis ufhört

rägne – oder es Bier.


KULTUR

Konzertkritik

19

KULTUR

«schmaz» und «Singkreis Egg» begeisterten mit «Stabat Mater»

Seit Jahrzehnten beglückt uns die schwulste

Boyband in der Schweiz regelmässig mit tollem

Chorgesang und begeistert längst nicht

nur schwules Publikum. Ganz besonders

nicht, wenn der «schmaz» zusammen mit

dem Singkreis Egg auftritt. So geschehen im

November. Denn: der «schmaz» ist dann zusammen

mit dem Singkreis Egg aufgetreten

und begeisterte.

Nun klingt ja «Singkreis Egg» nicht

gerade nach dem Knallerlesbenchor, der sich

vielleicht noch für eine Zusammenarbeit mit

dem «schmaz» anbieten würde. Und dem ist

auch nicht so- viellmehr entstand (die erneute)

Zusammenarbeit relativ unspektakulär:

Der Chorleiter des «schmaz» ist eben

auch der Leiter des Singkreis Egg. Ergo liegt

eine Kooperation nahe – wie dies auch bereits

2012 schon mit «Elias» geschehen ist.

Dieses Jahr stand «Stabat Mater et magis»

auf dem Programm unter der Leitung von

Ernst Buscagne. Der vielseitige und engagierte

Musiker, Sänger und Chorleiter Ernst

Buscagne leitet den «schmaz» seit August

2011. Das Programm wurde eröffnet mit

der Ouvertüre und der Eröffnungsszene aus

Gioachino Rossinis (1792–1868) erster er-

folgreicher Oper «Tancredi», welche der

noch junge Meister im Alter von nur 20 Jahren

komponierte.

Begeisterung im Publikum

Bereits bei dieser Ouvertüre wurde klar,

dass die Zuschauer in den Genuss eines aussergewöhnlichen

Spektakels kommen würden.

Das Hauptwerk und den Höhepunkt

des Programms bildet das «Stabat Mater»

von Gioachino Rossini. Die Chöre konnten

also so richtig loslegen und ihr Können in

ausverkauften Kirchen zeigen. Obschon der

«schmaz» ein Vokalensemble ist und der

Singkreis Egg normalerweise mit Orchester

singt, waren alle Stimmen mit ihren

Vokalfärbungen bestens aufeinander abgestimmt;

ergo begeisterten der schmaz», der

Singkreis Egg, das Orchester «La Chapelle

Ancienne» und die sensationellen Solistinnen

und Solisten.

Für die beiden Chöre stellte das Programm

einen besonderen Ausflug ins

Opernrepertoire dar. Während die Oper

«Tancredi» mit einer Männerchorbesetzung

gesungen wird, sind beide «Stabat Mater»

gänzlich von der Tradition der Opernchöre

geprägt, in denen der Chor als tragender

Klangkörper der musikalischen und szenischen

Ereignisse in Erscheinung tritt. Diese

Tatsache stellte alle Beteiligten vor eine grosse

Herausforderung, welche bestens gemeistert

wurde. Und; besonders schön: Niemand im

Publikum schien sich gross dafür zu interessieren,

ob der «schmaz» nun schwul war oder

nicht. Lediglich die Leistung zählte und die

war schlich grandios. (Haymo Empl)

Die nächsten Konzerte (neues Programm) gibt’s

auf www.schmaz.ch

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20

Kultur

Musical-Tipp

Die 80er Jahre sind zurück. Nun ja. Als Musical wenigstens … mit «Summer Of’85»

Jetzt ist das ja so eine Sache bei den Musicals:

Es gibt die Seite der Liebhaber und die Seite

der Hasser, alles andere scheint bei diesem

Theater-Subgenre nicht zu existieren. Wenigstens

war das früher so, denn dann kamen

die ABBA Masterminds Ulvaeus/Andersson

und brachten ihre Musik ohne

Vorwarnung mit «Mamma Mia» auf die

grossen Musical-Bühnen. Was in kollektiver

Begeisterung resultierte. Bei «Mamma Mia»

wurde aus gegebenen Gründen die Handlung

des Stücks um die grossen ABBA-Hits

«herumgeschrieben». Das musste man bei

«Summer of’85» ziemlich sicher auch, man

war aber wesentlich freier, denn der Hitparadenfundus

der 1980er Jahre ist beinahe

unerschöpflich – was ergo in einer äusserst

knackigen Rahmenhandlung resultiert.

Spannende Figurenzeichnung

Protagonistin Sara – in der Blüte der grauenvollen

Pubertät – durchlebt gerade ihren ersten

Liebeskummer, ihre Mutter lebt zusammen

mit ihr und der kleinen Schwester

Leonie getrennt vom Vater. Die drei Frauen

haben es meist ganz gut, aber eben: Der Midlife-crisis

geschüttelter Papa Julian fehlt halt

schon, obschon dieser primär mit dem Anbalzen

von jüngeren Frauen beschäftigt ist.

Dennoch ist das Verhältnis von Vater Julian

CRUISER Winter 2016 | 2017

zu seinen Töchtern bestens, denn diese besuchen

brav die familieneigene Tanzschule

und üben für eine grosse Tanzshow: Die

«Summer of’85 Show». Natürlich treten da

noch haufenweise andere Figuren auf und es

kommt zu Wirrungen und Irrungen, die sich

letztendlich dann aber alle in Wohlgefallen

auflösen. Die Handlung ist also ein Potpourri

aus Teenie-Knaller-Filmen wie «Step-Up»

(alle fünf Teile) oder «Glee» (alle 121 Episoden).

Das macht aber nichts, denn niemand

hat den Anspruch durch einen Musicalbesuch

zu weltbewegenden revolutionären

neuen Erkenntnissen oder Einsichten zu

kommen. Die eher seichte Handlung funktioniert

dennoch bestens – wohl auch, weil die

einzelnen Charaktere für ein Muscial ungewöhnlich

tief gezeichnet sind und von den

Darstellern entsprechend authentisch verkörpert

werden. Klar werden einem auch bei

diesem Musical Stereotypen um die Ohren

gehauen, dass diese (also die Ohren) beinahe

bluten. Warum es jetzt aber eine überkandidelte

Tunte mit ätzendem flamboyanten Gehabe

braucht, wird nicht ganz klar. Jede

1980er Jahre Drag Queen wäre maskuliner.

Hohe Erwartungen

Die Darsteller agieren im eher unglamourösen

Industriegebiet von Kriens auf einem hohen

Niveau und dabei stellt sich natürlich

auch die Frage, ob eine mit so viel Pomp und

Getöse angekündigte Produktion in eben diesem

Kriens (nicht am Broadway) mit einem

hohen Anteil helvetischer Künstler bestehen

kann. Ja. Das geht. Denn abgesehen von der

künstlerischen Leistung sind die Hits der

1980er Jahre einfach grossartig und durch die

neuen Arrangements vielleicht manchmal sogar

noch besser als die Originale. Nun ja. Ausser

vielleicht bei «Girls Just Want To Have

Fun» – da hoffte man, dass doch noch Cindi

Lauper auf die Bühne hüpfen würde. Und das

bringt einen direkt zu den Hits: Die 1980er

Jahre bieten einen schier unerschöpflichen

Fundus an Hit-Material und bei den teilweise

spektakulären Songeinlagen stellte man sich

unweigerlich auch die Frage, was denn wohl

aus diesem oder jenen Künstler – vielleicht

einst sogar ein Idol – wohl geworden sei. Viel

Material also für unsere Cruiser-Kolumne

«Ikonen von Damals». Die Kombi Story, Musik,

Inszenierung und Bühnenbild funktionieren

bei diesem Musical, das Zuschauerinteresse

ist enorm und daher ist es schon fast sicher,

dass dieses Musical bald auch auf grösseren

Bühnen zu sehen sein wird. (Haymo Empl)

Das Musical läuft noch bis Ende Januar:

www.le-theatre.ch


Kultur

Update

21

photo17 mit schwulem Fotografen

©Walter Peiffer

Die photo17 ist die grösste Werkschau für

Schweizer Fotografie. Jährlich zeigen über

150 nationale und vereinzelt auch internationale

Fotografen aktuelle Arbeiten, verteilt

auf fünf Industriehallen mit über 3500m 2

Ausstellungsfläche auf dem Maag Areal in

Zürich. Die photo17 verschafft Jahr für Jahr

einen repräsentativ aktuellen Überblick

über das fotografische Schaffen in der

Schweiz und erfreut sich grosser Beliebtheit:

Gut 27 000 Besucher strömten an die

letztjährige Ausstellung. Spannend: Dieses

Jahr ist einer der Favoriten für den «Lifetime

Award» – eine der Auszeichnungen,

welche an der Austellung vergeben wird,

Walter Pfeiffer. Der gebürtige Schaffhauser

zählte lange Jahre zu den Untergrund-Fotografen

im Umfeld schwuler Publikationen.

Seine Arbeiten wurden erst ab den frühen

2000er Jahren durch Beiträge für die Zeitschriften

«i-D» oder «Vogue» einem grösseren

Publikum bekannt.

Kuratiert wird die grösste Werkschau

für Fotografie der Schweiz von Adrian Ehrat.

Photo17, 16. Januar bis 20. Januar in der

Maag-Halle, Hardstrasse 219, 8005 Zürich.

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22

Kultur

Buchtipp

Oscar Wildes würdiger

Nachfolger

Max Goldt ist in diesem Herbst mit einem

neuen Buch herausgekommen.

Von Birgit Kawohl

D

as nicht gerade schlanke Werk präsentiert,

so der Untertitel, «die

prachtvollsten Texte 2003 bis 2014»

und – wie man im Inhaltsverzeichnis erfährt

– «einige Texte mit Wurzeln in den

Neunzigern». Schon an diesem Untertitel

lässt sich der Stil und die für Goldt typische

Tonart erkennen. Hier wird kein Best-of

präsentiert und keine Number one-Hits,

nein, prachtvolle Texte wird man zu lesen

bekommen, darunter macht es Goldt nun

mal nicht – und das ist gut so.

In Zeiten, in denen proletenhaft auftretende

Komiker/Innen die Hallen und Stadien

diverser Grossstädte füllen, fällt Goldt

durch einen Sprachwitz auf, der zeigt, dass

die deutsche Sprache zu mehr fähig ist, als

Männer ihren Unmut über den Handtaschenkauf

ihrer Gattinnen herausschreien

zu lassen.

Auf dieses fulminante Sprachgefühl

trifft eine ungeheure Beobachtungsgabe, mit

der Goldt nicht nur die Schwächen seiner

Mitmenschen filetiert, nein, er macht auch

vor den eigenen Unzulänglichkeiten nicht

Halt, denn hinter einigen Aussagen seines

lyrischen Ichs meint der Leser auch immer

wieder schelmenhaft Goldts eigene Gestalt

hervorblitzen zu sehen. So räsoniert Goldt

zum Beispiel über die Identitätszweifel von

Männern beim Tragen von Unterhosen mit

offensichtlich zur Schau gestelltem Markennamen

oder über kritische Äusserungen von

Hotelgästen der durchschnittlichen Art.

Goldt macht auch nicht vor den neuerdings

auftretenden Sprachzweifeln in Bezug

auf Sexualität halt (siehe hierzu diverse

«Cruiser»-Artikel aus dem Jahr 2016). Dem

Leser wird eine unmissverständliche Definition

von Metrosexualität geliefert, bei der es

CRUISER Winter 2016 | 2017

vor allem um Sorge um das männliche Aussehen

gehe, «mit Schwänzen hat das gar

nichts zu tun, eher mit einem guten Einkommen

und einer Zugehörigkeit zu einem

Milieu». Gerade dieses offenbare Zugehörigkeitsgefühl

wird im Folgenden kritisiert

und jeder Einzelne im Gegenteil dazu aufgefordert,

so zu sein, wie ER es wolle und

nicht so, wie seine Umgebung es von ihm

erwarte. Und genau das ist es doch wohl,

was man bei der ganzen aktuellen Genderdebatte

mehr und mehr unter dem Zwang

der Kategorisierung und des alles korrekt

bezeichnen Wollens vergisst: Der Mensch

soll Mensch in seiner ihm passenden Individualität

bleiben. Wenn es dafür vielleicht

auch mal keinen Begriff geben sollte, so

what? Wird auch das Thema Homosexualität

nicht ausdrücklich formuliert, schimmert

durch den violett-wiesengrünen Retroshorts

(in «Das süsse Nichts») irgendwie

doch ein Hauch von Schwulerei durch. So

mäandert sich Goldt durch die Höhen und

Tiefen des menschlichen Daseins, lässt

auch Kleinigkeiten nicht unbesehen am Lebensrand

liegen, sodass dem Leser mehr als

ein Mal die Augen geöffnet werden.

Ach so, und was hat das Ganze jetzt mit

Oscar Wilde zu tun (siehe Titel)? Also erstens

muss bei Goldt der Titel nicht unbedingt

etwas mit dem Inhalt eines Textes zu

tun haben, oder manchmal hat er das nur

ganz am Rande und eher zufällig. Was die

Kritikerin als Stilmittel gerne aufgreift. Andererseits

gehört Oscar Wilde eben doch zu

Max Goldt (oder umgekehrt), denn wer Wildes

Aphorismen kennt und mag, wird noch

mehr Freude an diesem Buch haben, das

eben voll von solchen steckt. Und so schliesse

ich diesen leider nur mässig gelungenen

Artikel mit einem mir bereits liebgewordenen

Zitat: «Understatement ist letztlich nur

eine kenntnisreiche Form der Prahlerei.»

Wer mehr Lust auf Max Goldt bekommen

hat, kann ihn im kommenden Jahr live

in Basel erleben.

Buchtipp

Max Goldt: Lippen abwischen und lächeln.

Die prachtvollsten Texte 2003 bis 2014.

Rowohlt Berlin 2016.

512 Seiten

Preis CHF 24.95

ISBN ISBN 9783871341779


Thema

Kirche & Homosexualität

23

Heimatsuche im

Niemandsland –

Christliche

LGBT-

Gruppen in

Osteuropa

Christliche LGBT-Gruppen befinden sich zwischen

den Frontlinien einer säkularen LGBT-Bewegung

und zumeist konservativen Kirchen, die ihre

Anliegen als Sünde verdammen. Dennoch ist in

den letzten Jahren eine vielfältige Szene von

christlichen LGBT-Gruppen in Ostmittel- und

Osteuropa entstanden.

Von Michael Brinkschröder

D

as European Forum of Lesbian, Gay,

Bisexual and Transgender Christian

Groups (European Forum) wurde

1982 auf Initiative des französischen Priesters

Emile Letertre von sieben Schwulengruppen

aus westeuropäischen Ländern gegründet.

Im Laufe der Jahre hat es sich

zunächst für christliche Lesbengruppen und

dann für Bisexuellen- und Transgender-

Gruppen geöffnet. Das European Forum hat

heute ca. 50 Mitgliedsorganisationen in

23 Ländern.

Phasen in der Entwicklung christlicher

LGBT-Gruppen

Erstmals kam 1992 eine grössere Zahl von

christlichen Lesben und Schwulen aus Ostmittel-

und Südosteuropa zum European

Forum. In dieser ersten Phase von 1992-

2002 gab es zwar immer wieder Kontakte zu

einzelnen Gruppen aus verschiedenen osteuropäischen

Ländern, doch die meisten

blieben sporadisch − entweder weil die

Gruppen nicht lange Bestand hatten oder

weil ihre Repräsentantinnen in den Westen ➔


24

Thema

Kirche & Homosexualität

In diesem Buch erzählen lesbische

Christinnen ihre Lebensgeschichten.

Mitglieder des «Forum of LGBT Christian Groups in Eastern Europe and Central Asia».

gingen. Die einzige Gruppe, die in den

1990er Jahren durchgängig im European Forum

aktiv war, war die slowakische Gruppe

«Ganymedes». Dementsprechend war Bratislava

1994 auch die erste osteuropäische

Stadt, in der die Jahreskonferenz des European

Forum stattfand.

Das European Forum nahm ab 2002

eine aktivere Haltung in der Unterstützung

der osteuropäischen Schwulen und Lesben

ein. Dies begann mit dem Buchprojekt «Let

Our Voices Be Heard», in dem lesbische

Christinnen aus ganz Europa ihre Lebensgeschichten

erzählen. Aus Osteuropa waren dabei

ebenfalls viele lesbische Frauen vertreten.

Das zweite wichtige Projekt in dieser

Phase war das «Safe Space Training Project»,

das von 2005−2007 stattfand. Es richtete sich

an christliche Schwule und Lesben aus Osteuropa,

die zugleich in der Menschenrechtsarbeit

aktiv waren. Es gelang jedoch in keinem

der beteiligten Länder dauerhaft stabile

Gruppen aufzubauen.

Einen etwas längeren Atem hatte die

ungarische Basisgemeinde «Öt Kenyér»

(Fünf Brote), die stark von der Befreiungstheologie

inspiriert war. 1996 von katholischen

Schwulen und Lesben gegründet,

wandelte sie sich schnell zu einer ökumenischen

Gruppe, die auch offen für

Nicht-Christen und Heterosexuelle war. Die

Gemeinde traf sich wöchentlich zu Gebeten

und Bibelgesprächen. Sie veröffentlichte Bücher

und beteiligte sich an Diskussionsveranstaltungen

usw. Nach zehn Jahren löste sie

sich jedoch aus Frustration darüber, dass

ihre jahrelangen Rufe in der katholischen

CRUISER Winter 2016 | 2017

Kirche ungehört verhallt waren, auf − gerade

in dem Moment, als sie Mitglied im European

Forum geworden war.

Gleichwohl entstanden seit dieser

Zeit in vielen Städten neue christliche

LGBT-Gruppen − vor allem in den Ländern

der ehemaligen Sowjetunion. In der dritten

Phase (2008−2016) verschob sich daher der

Fokus auf diese Region. Dortige Gruppen

gründeten 2008 in St. Petersburg das

«Forum of LGBT Christian Groups in Eastern

Europe and Central Asia». Diese Konferenzen

haben seither nahezu jedes Jahr

stattgefunden und ganz erheblich zur Steigerung

des Selbstbewusstseins der Teilnehmer/innen

beigetragen.

Diese Konferenzen haben seither

nahezu jedes Jahr stattgefunden

und ganz

erheblich zur Steigerung

des Selbstbewusstseins

der Teilnehmer/innen

beigetragen.

Das osteuropäische Forum erhielt personelle

und finanzielle Unterstützung durch

das European Forum und die «Metropolitan

Community Church» (MCC), eine Freikirche

aus den USA, die vor allem aus Menschen

der LGBT-Community besteht. Das

European Forum führte ausserdem mit diesen

Gruppen 2014−2016 ein «Leadership

Training». Parallel dazu bot die MCC ein

Training für Seelsorge und Spiritualität an

und ein Zusammenschluss von christlichen

Gruppen aus den Niederlanden ein Training

zum «Community Building». Auf diese Weise

haben verschiedene internationale Akteure

intensiv in die Ausbildung der Leiter und

Leiterinnen christlicher LGBT-Gruppen in

Osteuropa investiert mit dem Ziel, das die

Gruppen grössere Stabilität erlangen. Das

Ergebnis kann sich sehen lassen, denn es gibt

jetzt in dieser Region eine ganze Reihe von

aktiven christlichen LGBT-Gruppen.

Aufbrüche und internationale

Verknüpfungen

Diese Gruppen verkörpern ein Spektrum

zwischen Identität und Inklusion, Geschlossenheit

und Diversität: «Queer

Credo» aus Kiew beispielsweise richtet sich

ausschliesslich an orthodoxe Schwule und

ist damit in doppelter Hinsicht geschlossen.

Zur Moskauer Gruppe «dr» gehören

dagegen Lesben, Schwule, Bisexuelle,

Transgender und Transsexuelle. Zusätzlich

ist hier auch die religiöse Orientierung

ist sehr unterschiedlich. Dies macht

es natürlich schwer, tragende Gemeinsamkeiten

zu finden. Die meisten Gruppen

verstehen sich jedoch als christliche

LGBT-Gruppen.

Während dieser dritten Phase schlugen

die Gruppen in Ostmitteleuropa eine

andere Richtung ein. Sowohl in der Slowakei

als auch in Ungarn und der Tschechi-


Thema

Kirche & Homosexualität

25

schen Republik hielten die Gruppen weitgehend

(kirchen-)politische Aktivitäten für

aussichtslos, internationale Kontakte wurden

nicht gesucht. Man konzentrierte sich

eher auf die Stärkung der Spiritualität der

Mitglieder und wollte keinen Kontakt mit

dem European Forum.

Ein erster Aufbruch aus dieser Situation

geschah in Polen, wo sich die 2010 die

Gruppe «Wiara i Tęcza» (Glaube und Regenbogen)

gründete. Sie versuchte eine Mischung

aus spiritueller Stärkung ihrer Mitglieder

und kirchenpolitischem Dialog mit

Priestern und Bischöfen. Der Erfolgt gibt

ihnen Recht, denn inzwischen gibt es dort

zehn lokale Gruppen.

Überraschenderweise änderte sich

2015/16 auch die Ausrichtung mehrerer

Gruppen in Ostmitteleuropa, die überwiegend

aus katholischen LGBTs bestehen. Dieser

Umschwung mit der Suche internationaler

Kontakte dürfte einerseits durch die

Mobilisierung im Zusammenhang mit den

Christliche Lesben, Schwule,

Bisexuelle und Trans-

Leute sind quasi auf der

Suche nach einer Heimat

im Niemandsland.

Volksabstimmungen über die Definition der

Ehe in der Verfassung (Kroatien, Slowakei)

begründet sein, andererseits aber auch mit

dem Papst Franziskus-Effekt und den Debatten

bei den Familiensynoden (2014–15).

Herausforderungen

Christliche Lesben, Schwule, Bisexuelle und

Trans-Leute sind quasi auf der Suche nach

einer Heimat im Niemandsland. Sie

befinden sich zwischen den Frontlinien des

Kulturkampfes zwischen einer säkularen

LGBT-Bewegung einerseits und konservativen

Kirchen andererseits, die sie als Sünder

verdammen. Entscheidend für die Gründung

einer christlichen LGBT-Gruppe ist,

dass ihre Gründerinnen und Mitglieder in

ihren christlichen Traditionen das Potential

dafür spüren, dass sich die Kirche in der

Homosexuellenfrage reformieren und umkehren

kann. Zudem müssen sie bereit sein,

für ihre Vision längere Durststrecken zu

überstehen, in denen sich alle Kraft darauf

konzentriert, sich spirituell über Wasser zu

halten und die Hoffnung nicht zu verlieren,

dass Glaube und Sexualität bzw. ➔

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26

Thema

Kirche & Homosexualität

In Osteuropa ist das Thema Homosexualität

und Kirche nach wie vor Tabu.

Die kirchliche Heirat ist auch in Osteuropa nur ein Wunschtraum.

Geschlechtsidentität vereinbar sind. Ausserdem

müssen sie den Mut haben, symbolischen,

verbalen und u.U. auch körperlichen

Angriffen standzuhalten.

Viele Mitglieder der christlichen

LGBT-Gruppen leiden an der Ausgrenzung

durch ihre Kirche. Manche mussten nach ihrem

Coming-out eine formale Exkommunikation

über sich ergehen lassen, andere wurden

von Gemeindemitgliedern mit Gewalt

traktiert und wieder andere haben ihre Kirche

aus Frustration über deren Bewertung

von Homosexualität als Sünde verlassen. Für

religiöse LGBT bedeutet diese Ausgrenzung,

dass ihre Seele zerrissen wird in eine sexuellaffektive

und eine religiös-spirituelle Hälfte.

Die christlichen LGBT-Gruppen bieten einen

Ort, an dem das Getrennte wieder zusammenwachsen

und dieser Riss langsam

heilen kann.

Aber auf dem Weg dahin gibt es viele

Probleme, die leicht dazu führen können,

dass die Gruppen scheitern. Die meisten

christlichen LGBT-Gruppen in Osteuropa

leben in Gesellschaften, die überwiegend homophob

und transphob sind. Dies führt

dazu, dass die Mitglieder dieser Gruppen

diese Einstellungen tief verinnerlicht haben.

In der Folge weisen sie irrationale Ängsten

und Haltungen auf, die eine produktive Zusammenarbeit

schwierig machen.

Eine Invasion mit Rauchbomben in einen

Gottesdienst der «Church of St. Cornelius»

im ukrainischen Donezk (2012) und später

ein Brandanschlag auf die Wohnung

ihres Gründers sowie Bombendrohungen

CRUISER Winter 2016 | 2017

bei einer Konferenz des osteuropäischen Forums

zeigen jedoch, dass die von faschistischen

und fundamentalistischen Gruppierungen

ausgehende Gewalt durchaus real

und sehr ernst zu nehmen ist. Die Gründer

der Gruppen in Donezk und im kirgisischen

Bischkek mussten ihre Heimatländer wegen

Morddrohungen verlassen und politisches

LGBT-Gruppen in Osteuropa

leben in Gesellschaften, die

überwiegend homophob und

transphob sind.

Asyl beantragen. Auch staatliche Schikanen

beeinträchtigen die Handlungsspielräume

von LGBT-Gruppen: So etwa die russischen

und kirgisischen Gesetze, die die Meinungs-,

Presse- und Versammlungsfreiheit

von Schwulen und Lesben einschränken

(sog. «gay propaganda laws») oder die Vorschrift,

dass NGOs sich in Russland als

«ausländische Agenten» registrieren lassen

müssen, wenn sie Geld von ausländischen

Stiftungen erhalten. Es kommt hinzu, dass

die politische Kultur in Osteuropa durch

ein autoritäres Verständnis von Leitung geprägt

ist, so dass die Leiter/innen von den an

sie gerichteten Erwartungen oftmals systematisch

überfordert werden, während die anderen

in einer passiven Konsumhaltung verharren.

Dies mündet nicht selten nach kurzer

Zeit im Burn-out dieser Aktivist/innen. Um

diesen destruktiven Modus zu überwinden,

ist es wichtig, dass die Leiter/innen dem gegensteuern

und einen partizipativen Leitungsstil

etablieren. Freilich gibt es auch positive

Signale. Viele LGBT-Organisationen

haben sich in jüngster Zeit mit ihrer Ablehnung

durch die Kirche konstruktiv auseinandergesetzt,

weil sie am Beispiel verschiedener

evangelischer Kirchen in Westeuropa und

Nordamerika gesehen haben, dass auch hier

ein Umdenken und Lernprozess möglich ist.

Für die christlichen Gruppen entspannt sich

dadurch die Situation. Sofern sich die gesellschaftlichen

und politischen Rahmenbedingungen

nicht wieder verschlechtern, wird

daher in Zukunft der innerkirchliche Dialog

eine zentrale Herausforderung für die christlichen

LGBT-Gruppen sein.

Michael Brinkschröder

Dr., Diplomtheologe und Soziologe, lebt in

München und arbeitet als Projektleiter bei der

Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle

und Kirche (HuK) e.V. Er war von 2011−2015

Co-Präsident des European Forum und ist seit

2016 Co-Vorsitzender des Global Network of

Rainbow Catholics.

Dieser Text wurde für den Cruiser bearbeitet

und erschien zuerst in der Zeitschrift «Religion &

Gesellschaft in Ost und West». Die ungekürzte

Version gibt es auf www.cruisermagazin.ch


Fingerfertig

Cruiser kocht

27

Kulinarische

Weihnachtsgäste

Die Gastfreundschaft ist in der türkischen Kultur fest verankert. An Weihnachten

bin ich allerdings meist selber zu Gast. Und kann es dann doch nicht

lassen, an diesem «fremden» Festtag orientalische Gerichtideen beizusteuern.

Zutaten

1 ausgewallter Blätterteig, Formen

ausgestanzt

1 Eigelb

VON Nihat Yasartürk

W

eihnachten – das Fest der Liebe.

Und des guten Essens. In meinem

Kulturkreis feiern wir

Weihnachten nicht. Umso schöner ist es,

das Fest seit Jahren mit meiner «Schweizer

Familie» zu begehen. Und wir bereichern

uns gegenseitig – auch kulinarisch. Sowieso

plädiere ich dafür, vielleicht mal einen

ausländischen Gast an die weihnächtliche

Tafel zu laden, eine Nachbarin, einen

Freund, eine Arbeitskollegin. Im Kleinen

gelebte Integration. Die funktioniert ohnehin

am besten übers Essen. Vielleicht steuert

der Gast ja sogar etwas Kulinarisches

zum Weihnachtsmenü bei. Und wenn nicht,

gibt es hier ein paar orientalisch angehauchte

Rezeptideen, die sich immer – aber

gerade zu Weihnachten – besonders

gut machen.

80g türkischer Weisskäse, zerbröselt

2 EL Tomatenpüree

2 EL Peperonipüree

1 Knoblauchzehe, gepresst

3 EL Olivenöl

2 EL frische Baumnüsse, grob zerkleinert

Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, getrocknete

Pfefferminze, Paprikaflocken, Sumach

Zubereitung

Blätterteig ausbreiten, gewünschte Formen

ausstanzen und anschliessend mit Eigelb

bestreichen. Teigreste vorsichtig zusammenschichten,

neu auswallen und Prozess

wiederholen. Bei 200° ca. 7 Minuten

goldbraun backen.

Zutaten für Paste mischen und mit

Gewürzen abschmecken.

Blätterteiggebäck in der Mitte aufschneiden

und Paste auf dem Boden verteilen.

Info

Nihat organisiert seit gut vier Jahren Kochkurse

für einen guten Zweck, u.a. für Schulkinder in

der Türkei. Und er ist als Störkoch oder als

Caterer an privaten und geschäftlichen

Anlässen unterwegs. «Daneben» drückt er als

angehender Gymnasiallehrer seit Kurzem

wieder die Schulbank.

Die nächsten Kochkurse für 2017

Die Kurse sind in Planung und werden

demnächst auf www.fingerfertig.ch publiziert.

CRUISER Winter 2016 | 2017


28

KOLUMNE

Bötschi klatscht

Der Tiger namens

Schwaninger

Diese Geschichte erzählt von einer

Österreicherin, die den Zürcherinnen

und Zürchern unter die Bettdecke

schaut. Klatschtante Hildegard

Schwaninger mischt seit bald 40 Jahren

die Zürcher Teppichetagen auf.

VON BRUNO BÖTSCHI

E

in lauer Abend im Oktober. Es ist kurz

nach sechs, als Hildegard Schwaninger

(Alter unbekannt) von ihrem Ehemann

beim Zürcher Bauschänzli abgeliefert

wird. Ein Gentleman der alten Schule, dieser

Jürg Ramspeck. Der ehemalige «Weltwoche»-

Chef und Zürichs Kult-Klatschtante sind

zum zweiten Mal verheiratet. Der Steuerberater

habe es ihm so empfohlen, verriet

Ramspeck einmal in einem Interview.

Koluministin Hildi weiss, um die

wirklich guten Geschichten zu erfahren,

muss man an Veranstaltungen und Partys

gehen. An diesem Herbstabend will Hildi

aber keine Leute bezirzen oder ausquetschen.

Sie will es stattdessen krachen lassen.

Und zwar richtig. Denn es ist: Oktoberfest!

Hildi mag Quentin Tarantino, Roger

Federer und die Queen. So schreibt sie es in

ihrem Selbstporträt auf ihrer Internetseite

www.schwaningerpost.com. An diesem

Abend im Bierzelt ist das Trio nicht anwesend.

Hildi mag zudem Sushi und Feste mit

Champagner als Ausgleich zum disziplinierten

Leben. Von Bier schreibt sie nichts – und

trotzdem: Hildi liebt den «Pink Monday».

Hildi ist seit Jahren Stammgästin

beim schwulen Oktoberfest auf dem Zürcher

Bauschänzli. Sie mag das Bad in der

schönen Menge – gekleidet in Lederhosen

CRUISER Winter 2016 | 2017

und karierten Hemden. «Krachlederne und

stramme Waden, die ultimative Sexiness»,

notierte Hildi einmal und verriet kürzlich:

«Ich wäre gerne ein Jahr lang ein Mann, ein

junger, schöner und kluger.» Ob schwul,

das verriet Hildi nicht.

Ich kann auf der Strasse

keinen Schritt gehen, ohne

dass ich nicht auf meine

Kolumne angesprochen werde.

Auch dieses Jahr wollte sich die geborene

Salzburgerin den Höhepunkt des Zürcher

Bierfestes nicht entgehen lassen. Mit einer alten

Freundin schwebte Hildi («Ich kann auf

der Strasse keinen Schritt gehen, ohne dass

ich nicht auf meine Kolumne angesprochen

werde») ins Zelt – im feschen Dirndl gekleidet,

die langen Haare wie immer leuchtend

blond und an den Füssen Ballerinas.

Während Hildi ihren Platz am Ehrentisch

von Organisatorin Sigi Gübeli einnahm,

spielte die Band «Bayern 3000» bereits

einen Gassenhauer nach dem anderen. Das

Bier floss in Strömen, die Stimmung zum Kochen

bereit. Kurz darauf geschah es: Hildi,

deren Arbeitszimmer normalerweise die Bar

des Fünfsternhotels The Dolder Grand in

Zürich ist, konnte sich nicht mehr halten.

Hildi wollte nach oben, wollte nicht

mehr sitzen bleiben, wollte auf die Holzbank

steigen. Kaum stand sie oben, flogen die Hände

in der Luft. Hildi tanzte, liess ihren Allerwertesten

kreisen. Hildi sang, was ihre Kehle

hielt. «Cowboy und Indianer», «YMCA» und

«Atemlos». Im Fünfsternhotel sitzt Hildi gerne

in tiefen Ledersofas und befeuchtet ihre

Lippen mit Grüntee. «Hildegard Schwaninger

ist ein Schaustück im Ambiente des Zürcher

Nobelhotels Dolder Grand», notierte die

NZZ. Aber wenn Hildi Drindl trägt und Hopfen

und Malz durch ihre Kehle gurgelt, dann

jault der Tiger in ihrem Tank.

Hildis Augen leuchteten. Und es war

zu spüren: Gerne hätte Hildi die liebe lange

Nacht weiter getanzt. Und wäre so richtig

undiszipliniert geworden. Aber am Oktoberfest

ist Punkt 23 Uhr Schluss, da werden

die Gäste gnadenlos hinausspediert. Es

kann noch so lustig sein.

Und deshalb sage auch ich: Tschüss!

Adieu! Bye bye! Das war meine letzte

«Cruiser»-Kolumne, momoll.

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STOPPEN WIR

XXX

XXX

29

AN LESBEN,

SCHWULEN UND

TRANS MENSCHEN.

Lesben, Schwule und Transmenschen werden auch in der Schweiz

Opfer von Gewalt. Wir aber tolerieren keine Beschimpfungen,

Belästigungen oder Angriffe. Wurdest du Opfer oder Zeuge eines

homo- oder transphoben Vorfalls? Melde den Fall unserer 24-Stunden-

Hotline 0800 133 133 oder anonym unter www.lgbt-helpline.ch

CRUISER Winter 2016 | 2017


30 RATGEBER

Dr. Gay

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Dr. Gay ist eine Dienstleistung der Aids-Hilfe

Schweiz. Die Fragen werden online auf

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Telefon 061 681 31 32

VON Vinicio Albani

Kann ich meinem Fuckbuddy

trauen?

Ich hatte vor ein paar Wochen

ungeschützten, passiven Analsex

mit einem Fuckbuddy, den ich

regelmässig treffe. Bisher hatten

wir immer Safer Sex, diesmal

wurde das Kondom aber in der

Hitze des Gefechts weggelassen.

Er hat mir danach versichert,

HIV-negativ zu sein und seit

seinem HIV-Test im April 2016

keinen ungeschützten Sex gehabt

zu haben. Aber kann ich ihm

trauen? Zirka zwei Wochen später

hatte ich einen leichten Schnupfen

und einen kratzigen Hals.

Könnten dies die Symptome einer

HIV-Infektion sein? Und muss

ich wirklich drei Monate bis zum

HIV-Test warten oder kann ich

schon früher gehen?

Andreas (32)

Hallo Andreas

Ungeschützter Analverkehr ist ein hohes

HIV-Risiko. Mit Ejakulation ist das Risiko

am höchsten, aber auch ohne Abspritzen ist

es hoch, denn die Darmschleimhaut ist äusserst

empfindlich und aufnahmefähig.

Symptome einer HIV-Infektion sind Fieber,

Abgeschlagenheit, Nachtschweiss, geschwollene

Lymphknoten, Halsschmerzen, Hautausschlag

usw. Sie können stark sein oder so

schwach, dass du sie kaum bemerkst. Genauso

können sie aber auch ohne HIV-Infektion

vorkommen (z.B. bei einer Grippe). Ein HIV-

Test ist bereits 15 Tage nach Risikosituation

möglich und ziemlich sicher. Er wird dann

eingesetzt, wenn ein HIV-Risiko eingegangen

wurde und eine Infektion möglich ist.

Denn je früher man über den eigenen Status

Bescheid weiss, desto besser. Um bei einem

negativen Resultat eine HIV-Infektion ganz

auszuschliessen, ist gemäss Schweizer Richtlinien

nach wie vor eine Wartefrist von drei

Monaten nötig. Internationale Studien zeigen

aber, dass die neue Generation der Tests

bereits ab sechs Wochen sicher ist. Der

Checkpoint bietet Tests und persönliche Beratung

an. Infos findest du auf der Webseite:

mycheckpoint.ch.

Alles Gute, Dr. Gay

HIV durch Buttplug?

Vor drei Tagen hatte ich ein Date

mit einem fremden Mann. Dabei

hatten wir Safer Sex und er hat

mir einen Buttplug eingeführt.

Später ist mir durch den Kopf

gegangen, wenn er das bei allen

seinen Dates macht, war sein

Buttplug wahrscheinlich schon in

vielen Männern drin. Er nahm den

Buttplug zwar aus dem Schrank

und er sah recht sauber und

ungebraucht aus. Trotzdem

mache ich mir Sorgen. Kann man

sich so mit HIV anstecken?

Kevin (22)

Hallo Kevin

User von Sextoys wie Buttplugs oder Dildos

wissen in der Regel, wie sie ihre Spielsachen

pflegen und behandeln müssen. Dazu gehört

auch, diese nach dem Gebrauch zu waschen

und zu desinfizieren. Ob das dein

Sexpartner gemacht hat, kann ich nicht sagen.

Bezüglich HIV besteht jedenfalls keine

Gefahr, denn das HI-Virus verliert an der

Luft relativ schnell an Infektiosität. Bei

Gruppensex und Gangbang-Partys ist aber

darauf zu achten, dass Dildos etc. bei jedem

Partnerwechsel gereinigt und desinfiziert

werden. Weil das in der Praxis eher umständlich

ist, ist es besser, für jeden Hintern

ein neues Kondom über den Dildo zu ziehen,

weil sonst z.B. Hepatitis-C-Viren von

einem Hintern zum anderen «wandern»

können. Mehr Infos zu Hepatitis findest du

auf drgay.ch unter DEINE GESUNDHEIT

bei «HIV & Co.».

Alles Gute, Dr. Gay


Ich suche nicht irgendwen,

daher suche ich auch nicht irgendwo.

XXX

XXX

31

CRUISER Winter 2016 | 2017


32

KOLUMNE

Thommen meint

Schwuler Lebensstil – Leben und

leben lassen

Ich habe kürzlich die aktuelle Biographie eines

Anfang Zwanzigjährigen aus Nordamerika gelesen.

Kindheit, Bedürfnisse nach Männern und die

grosse Sehnsucht nach dem Geliebtwerden. Drum

herum viel Drama, Drogen und «beste Freundin»:

«Wenn sich alles anfühlt wie in Filmen.»

VON PETER THOMMEN

E

s war eines der verrücktesten Bücher,

die ich gelesen habe, und ich

habe mich an eine andere Biographie

aus England erinnert: diejenige eines

Exzentrikers, ein halbes Jahrhundert früher,

«Wie einer sein Leben lebte», was

dann auch verfilmt wurde. Dafür liebe ich

ja die Heterosexuellen über alles: Sie, ihre

Familien und die heterosexuell orientierte

Gesellschaft bringt in jeder Generation

wieder jene Vielfalt von Männerliebenden

hervor, die sie jeweils diskriminiert und

unterdrückt oder gar vergewaltigt. Aber

diese Ausgrenzungen sind Illusion, denn

sie richten sich letztlich gegen sie selbst.

Sie können auch die Schuld nicht einfach

abschieben, weil diese ja in und unter ihnen

aufwachsen.

Interessant sind die aktuellen Reaktionen

zur Forderung nach Öffnung der Ehe.

Warum denn das so wichtig sei und auch,

warum diese Minderheit der Mehrheit die

Diskussion aufdrängen würde. Warum ihnen

dies alles so wichtig ist, fragen sie sich

selber nicht. Es geht eigentlich um den «heterosexuellen

Lebensstil», der plötzlich nicht

mehr unangetastet bleibt. Bis jetzt konnte

man sich ja immer «ein bisschen von» fühlen,

denn es gab Andere, die «nicht so optimal

pigmentiert» waren, wie der heterosexuelle

Mann (egal welcher Couleur).

CRUISER Winter 2016 | 2017

Es ist doch egal, Liebe

ist Liebe!

Bei den Frauen frauscht der Sopran

vor: «Es ist doch egal, Liebe ist Liebe!» Dabei

bleibt die Dimension der Sexualität völlig

ausgeblendet. Darüber kann ich als Schwuler

nur staunen. Kürzlich sprach ich mit einem

Mann, der 30 Jahre verheiratet war und

Kinder hat. Seine Neigung spielte für sie von

Anfang an keine Rolle – bis sich diese in Lebensrealität

umsetzte und nicht mehr ausgeblendet

werden konnte. Nun frage ich mich,

wie seine Bedürfnisse nach Männern so lange

aufgestaut werden konnten. Diese Biographie

ist eine ganz andere als bei einem

Schwulen. «Wenn sich alles anfühlt wie in

Filmen», eben in der heterosexuell orientierten

Traumwelt.

Seit ich als Junghomo in den 70ern die

Männertäschchen und die Ohrringe an

Männern erlebt habe, sind die ach so

heterosexuellen jungen Männer immer

«schwuler» geworden. In der Kleidung erotischer,

in den Accessoires lässiger, in den

Farben schriller. Gut, zurzeit herrscht wieder

depressive Unscheinbarkeit in politisch

korrektem Schwarz vor – wie vor hundert

Jahren. Aber der Hintern wird betont lässig

präsentiert und wie zu Viktorias Zeiten der

langen Röcke, bleiben die Fussknöchel im

Blick und sind frei sichtbar, mit dem Haaransatz

an den Beinen.

Ist das nun ein Lebensstil von Schwulen

und wie wäre dann ein heterosexueller

Lebensstil? Geht der heterosexuelle Lebensstil

in der Homoerotik unter und die Homosexualität

in der heterosexuellen Traumwelt?

Der Konsum ist auf jeden Fall hetero, denn

er bedingt die Vermehrung der Konsumenten

als Folge der industriellen Produktion.

Erinnerung an Marx und Freud. Ähnlich die

religiöse Missionierung von Gläubigen. Darum

sind die elektronischen Produkte und

die virtuelle Realität auch nicht haram und

damit kein Gegensatz.

In der letzten Zeit ist es üblich geworden,

die Schamhaare – als Nachweis des Erwachsenseins

– wegzurasieren. Etwas später

tauchen diese Haare nun oben wieder als

Bart an den Unterkiefern von Männern auf.

Eine Adaption an die religiöse erwachsene

Männlichkeitsvorstellung. Nun, es bestehen

unterschiedliche Interpretationen über dessen

erotische Ausstrahlung. Vielleicht wird

daran sichtbar, welchen Lebensstil der Träger

damit ausdrückt?


Reise-Special

Südafrika

33

Südafrika,

wir kommen!

Kein Kontinent gilt als so homophob wie Afrika; auch Südafrika kann sich

da trotz liberaler Verfassung nicht ausnehmen. Um so erstaunlicher, dass

«Cruiser» eine offizielle Einladung für eine LGBT-Reise erhalten hat. Ein

mutiger Schritt.

CRUISER Winter 2016 | 2017


34

Reise-Special

Südafrika

VON Haymo Empl

I

n 37 der 55 Länder auf dem Kontinent

ist Homosexualität verboten. Bei den

letzten Wahlen in Sambia, Simbabwe

und Uganda setzten die regierenden Parteien

das Thema Homosexualität im

Wahlkampf ein und warfen der Opposition

vor, gleichgeschlechtliche Liebe zu unterstützen.

In Ländern wie Uganda und

Malawi drohen mehrjährige Haftstrafen

(siehe auch das Interview mit Caroline

Suter auf Seite 40).

Und dann ist da noch das andere

Afrika: Südafrika. Wikipedia dazu:

«Homosexualität weist in Südafrika eine

vielfältige Geschichte auf, wenn es um die

Rechte homosexueller Menschen geht, da

traditionelle südafrikanische Sitten, westlicher

Imperialismus, Apartheid und die

Menschenrechtsbewegung jeweils ihre verschiedenen

Auswirkungen hatten.» Eine

kurze Quellenüberprüfung bestätigt diese

Aussage. Die Verfassung des demokrati-

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CRUISER Winter 2016 | 2017


35

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schen Südafrika war die erste Verfassung

der Welt, die eine Diskriminierung aufgrund

der sexuellen Ausrichtung verbot.

Am 1. Dezember 2006 schrieb das Land

Geschichte, indem es als fünftes Land der

Welt und erstes Land in Afrika die Ehe

für gleichgeschlechtliche Partner öffnete.

Das erstaunt.

Allerdings sorgte der höchstrangige

Katholik des Landes, Kardinal Wilfrid Napier,

mit schwulenfeindlichen Aussagen für

Schlagzeilen, als er die liberale Ehe-Rechtsprechung

in Südafrika als Zugeständnis an

den Westen kritisierte. Die NZZ zitierte den

Kardinal: «Mit der Homo-Ehe unterstützen

wir eine Agenda von aussen (…). Das ist eine

neue Form der Sklaverei.» Später wehrte er

sich mit ganz eigener Logik gegen den Vorwurf

der Schwulenfeindlichkeit: «Ich kenne

keine Schwulen, also kann ich auch nicht

homophob sein.»

es existieren Drag-Shows

und eine vibrierende

Party-Szene.

Cruiser war mit anderen Vertretern

der grössten LGBT-Medien auf Einladung

von Südafrika-Tourismus vor Ort. Die Reisegruppe

wurde als «Rainbow Press Group»

zusammengefasst: Japan, Brasilien, USA, ➔

CRUISER Winter 2016 | 2017


36 Reise-Special

Südafrika

Eine Safari darf nicht fehlen. Empfehlenswert ist beispielsweise das Shamwari Game Reserve. In dem Reservat gibt’s so ziemlich alle Tiere.

Und je nachdem auch knackige Ranger. www.shamwari.com

Australien … Ein bunter Haufen von

Schwulen und Lesben also in Südafrika.

Schnell wurde auf der Reise klar: Das Land

wirkt offen – die sexuelle Ausrichtung

spielt eine untergeordnete Rolle – genau

wie es eigentlich auch bei uns sein sollte.

Ebenfalls Tatsache: In den grossen Städten

herrscht eine unglaublich bunte und aufregende

Gay-Szene. Diese ist definitiv lebendiger

als in vielen Städten Europas. Im Gegensatz

zu Zentraleuropa geht man in

Südafrika noch in Bars und in Clubs, es

existieren Drag-Shows und eine vibrierende

Party-Szene. Ebenfalls faszinierend ist,

wie sehr sich die Szene für ihr eigenes

Schicksal interessiert und einsetzt. Der

Kämpfergeist der LGBT-Bewegung in Südafrika

ist spür- und erlebbar, das politische

Interesse der einzelnen Akteure enorm.

Und das alles mit einer Leichtigkeit sowie

einem «konstruktiven nach vorne Blicken».

Das erstaunt dann doch – wenn man vom

eher negativen Image des Kontinents ausgeht.

Man könnte sogar so weit gehen und

sagen, dass Kapstadt Afrikas schwule

Hauptstadt ist und sich auf Augenhöhe mit

San Francisco oder Tel Aviv bewegt. Klar

ist, dass sich in Kapstadt die Schwulenund

Lesbenszene nicht in Nischen und Löchern

verkriecht, sondern Teil des öffentlichen

Lebens ist. Das wird beispielsweise

erlebbar, wenn man beim Shopping in eine

der zahlreichen Galerien geht (und sich weniger

für die Kunst als für den Galeristen

interessiert – die Reisegruppe war ganz aus

dem Häuschen). Überhaupt ist das Interesse

der Bevölkerung in Kapstadt («The Mother

City») an Kunst und Kultur enorm.

Auch hier spielt weder Hautfarbe noch Sexualität

eine Rolle. Und dann sind da natürlich

noch die schwulen Touristen (Lesben

haben wir keine gesehen, obschon auch die

ziemlich sicher reisen). «Pink Tourism»

wird gezielt gefördert, bei der Tourismuszentrale

gibt es dafür eine eigene Abteilung.

Kapstadts Toleranz ist also bereits zum

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Studio 43

Sauna Bar

Wir wünschen allen

fröhliche Festtage

und alles Gute

im neuen Jahr.

Wir danken

unseren Gästen

für ihre Treue.

Wirtschaftsfaktor geworden. Schätzungsweise

zehn Prozent aller Gäste seien homosexuell,

erklärt der Vertreter von Südafrika-

Tourismus. Die scheint etwas optimistisch

geschätzt. Fakt ist aber, dass das Gros der

Touristen keine «Szenegänger» sind, sondern

einfach ausspannen möchte. Und das

funktioniert in Südafrika bestens!

Studio 43

Monbijoustr. 123, 3007 Bern

Telefon 031 372 28 27

Tram 9 (Richtung Wabern)

Haltestelle Wander

Öffnungszeiten:

täglich 11–22 Uhr,

www.studio43.ch

CRUISER Winter 2016 | 2017


Reise-Special

Expertentipps

37

Es muss nicht immer Gran

Canaria sein

Ray Fuhrer gründete «Pink Cloud» vor 18 Jahren und

ist Experte für LGBT-Reisen. Er weiss, wo man im

Winter Ferien machen kann … Und wo eher nicht

VON Haymo Empl

C

ruiser war gerade in Südafrika

auf einer LGBT-Pressereise, dort

bemüht man sich um LGBT-

Reisende – das Tourismusbüro hat LGBT-

Journis aus aller Welt für eine Woche eingeladen.

Ein enormer Aufwand. Merkst du,

dass sich gewisse Länder um die LGBTs als

Zielgruppe besonders bemühen?

Es sind weniger die Länder, die sich

«bemühen», sondern die Städte. Oft zeigen

sich die Städte ja wesentlich liberaler als

die Landbevölkerung – genau wie bei uns.

Viele Städte haben die Zielgruppe erkannt, ➔

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SO 18. Dezember 2016

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mit Kaffee und Kuchen.

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Shop 12 bis 16 Uhr,

Bar geschlossen

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38

Reise-Special

Expertentipps

«Wir buchen sehr viele

Gay-Kreuzfahrten und haben

auch enorm viele, die nach

ihrer ersten Kreuzfahrt

richtige ‹Fans› werden und

erneut buchen.»

beispielsweise Lissabon. Ich habe von einem

Kunden eine tolle Rückmeldung erhalten:

Dort gibt es zentral auf dem Hauptplatz ein

LGBT-Office, welches sogar spezielle Stadtführungen

anbietet.

Gibt es denn nach wie vor Länder oder

Destinationen, welche eher nicht bereist

werden sollten?

Ganz klar nach wie vor Saudi-Arabien.

Dann würde ich derzeit auch eher von Uganda

abraten, dort ist es sogar verboten öffentlich

über Homosexualität zu reden. Die Situation

schwuler Männer und lesbischer

Frauen ist in Uganda übrigens seit etwa 2005

sehr dramatisch. Sexuelle Akte, die «gegen

die Natur verstossen» resultieren in 14 Jahren

Gefängnis.

Wenn man eine Reise über Pink Cloud in ein

«Risikoland» bucht – wie würdest du

reagieren, wenn der Reisende wegen seiner

CRUISER Winter 2016 | 2017

sexuellen Ausrichtung Probleme mit den

Behörden bekommt?

Wenn ein Kunde unbedingt in ein Risikoland

reisen will, dann machen wir ihn darauf aufmerksam,

doch zum Schluss liegt es immer noch

in seiner eigenen Verantwortung. Antworten

diesbezüglich gibt übrigens auch das EDA.

In der kalten Jahreszeit ist Gran Canaria ein

Klassiker. Lohnt es sich nach wie vor, dorthin

zu fliegen oder gibt es Alternativen?

Gran Canaria empfehle ich eher bis zum

November und ab März/April wieder – in

den Wintermonaten kann es auch dort kühl

werden. Innerhalb von vier Flugstunden

gibt es nicht viele Alternativen … vielleicht

noch die Kapverdischen Inseln.

Ganz offensichtlich sind Gay-Cruises im

Trend. Wie stehst du dazu?

Wir buchen sehr viele Gay-Kreuzfahrten und

haben auch enorm viele, die nach ihrer ersten

Kreuzfahrt richtige «Fans» werden und erneut

buchen. Wer einmal auf einem solchen

Schiff war, kommt begeistert zurück.

Wichtig ist, das richtige Schiff, eine optimale

Kabine mit guter Lage sowie ein

spannendes Routing zu wählen.

Wie unterscheiden sich eigentlich die Gays

und die Lesben beim Buchungsverhalten?

Die Jungs sind meistens etwas mehr auf Partys

aus – die Mädels sind sehr an Natur und

Kultur interessiert – aber verallgemeinern

lässt sich dies Aussage natürlich nicht.

Du bist nun schon sehr lange sehr erfolgreich

auf dem Reisemarkt – inwiefern hat

sich dieser in den letzten Jahren verändert?

Für die Kunden nur zum Positiven – denn

nie war das Reisen so günstig. Ich freue mich

nach wie vor über unsere grosse Stammkundschaft,

die unsere Leidenschaft fürs

Reisen mit uns teilt.


JACK

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39

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CRUISER Winter 2016 | 2017


40

Interview

Caroline Suter

Im Kampf gegen

Diskriminierung

In der Schweiz leben 20 000 Menschen mit HIV oder Aids. Trotz der medizinischen

Fortschritte werden diese noch immer diskriminiert: auf Reisen, im

medizinischen Bereich, bei Versicherungen oder am Arbeitsplatz – die Aids-Hilfe

Schweiz hat eine eigens dafür eingerichtete Fachstelle.

VON Haymo Empl

C

aroline Suter ist eine der Rechtsberaterinnen

bei der Aids-Hilfe Schweiz

und beantwortet mit ihrem Team

jährlich 400–500 Anfragen rund um das

Thema HIV/Aids und Recht. Durch die neuen

Therapiemöglichkeiten «sieht» man das

Krankheitsbild nicht mehr, die neuen Möglichkeiten

im Kampf gegen das Virus bedeuten

aber auch, dass die entsprechenden Medikamente

regelmässig und gewissenhaft

eingenommen werden müssen. Das kann

bei einer grösseren Reise zu Problemen

führen – denn schliesslich outet man sich

am Zoll durch die Medikamente unfreiwillig

als HIV-positiv. Länder wie die Arabischen

Emirate, Singapur, Ägypten oder

Russland haben beispielsweise eine restriktive

Handhabe bei Menschen mit HIV, die

einreisen wollen. Es gilt also, besondere Vorsicht

walten zu lassen und nicht in jedem

Fall über den eigenen Gesundheitsstatus

Auskunft zu geben. Caroline Suter: «Ich rate

bei Reisen in Länder mit Einreisebeschränkungen,

die Mediakamente nicht in der Originalverpackung

mitzunehmen, das führt in

der Regel zu keinen weiteren Fragen.» Die

Webseite hivtravel.org informiert im Detail,

welches Land welche Vorschriften hat. In

den letzten Jahren haben viele Länder ihre

diskriminierenden Einreisebeschränkungen

für Menschen mit HIV aufgehoben, so dass

Caroline Suter zum Thema «Reisen» deutlich

weniger Anfragen hat als früher.

Diskriminierung am Arbeitsplatz

«Die meisten Fälle treten in Zusammenhang

mit Versicherungen und am Arbeitsplatz

auf», so die Juristin. Denn durch die

neuen Therapieformen ist man nicht mehr

«krank geschrieben» und meist voll arbeitsfähig.

Ein toller Fortschritt also? «Dadurch,

CRUISER Winter 2016 | 2017

dass viel mehr Personen erwerbstätig sind,

verzeichnen wir auch eine Zunahme an Diskriminierungen,

welchen Menschen mit

HIV am Arbeitsplatz ausgesetzt sind» so

Caroline Suter. Und auch hier springt dann

die Rechtsberatung ein: Die Aids-Hilfe

Schweiz ist die eidgenössische Meldestelle

für Diskriminierungen im HIV/Aids-

Bereich. Bei der Integration von HIV-positiven

Menschen ins Arbeitsleben gibt es demnach

nach wie vor Hürden zu bewältigen, zudem

stehen missbräuchliche Kündigungen, Mobbing

und Datenschutzverletzungen auf der

Tagesordnung. «Der Kontakt mit den Klienten

verläuft telefonisch oder schriftlich», erklärt

die Juristin das Vorgehen. «Bereits

beim Erstkontakt wird oft schon klar, wie

hoch die Chancen für eine erfolgreiche Bearbeitung

des Konflikts sind.» Das weitere

Prozedere ergibt sich dann aus der jeweiligen

Problemstellung. Handelt es sich um einen

sozialversicherungsrechtlichen Fall (z.B.

Invalidenversicherung), bietet die Aids-Hilfe

Schweiz auch Rechtsvertretungen an.

«Natürlich freue ich mich – auch nach 15

Jahren Rechtsberatung – noch immer sehr

über einen gewonnenen Fall», lacht Caroline

Suter. Offenbar scheint ihr Vorgehen effektiv

zu sein: acht von zehn Beschwerden sind

nämlich jeweils erfolgreich.

Weitere Infos über die kostenlose

Rechtsberatung der Aids-Hilfe Schweiz

unter www.aids.ch


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41

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2

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6

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8

9

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13

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Bar

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3

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www.garcons.ch

Täglich geöffnet ab 18.30 Uhr

10

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2 Bars – 1 Eingang

Zähringerstrasse 11

www.dynastyclub.ch

4

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Shop & Bar

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www.maennerzone.ch

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5

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043 444 74 00

12

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CRUISER Winter 2016 | 2017


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gehen wir noch fein essen – aber ich wünsche dir jetzt

und hier schon mal alles Gute zu deinem 35. Geburtstag. Also: Alles

Liebe und gräme dich nicht wegen deines Alters; ich finde so richtig

gut wird es erst ab jetzt!

Kuss; Ruedi

Ich suche dich!

Wir haben uns am 22. November um ca. 16.15 Uhr im Tram

Nummer 10 Richtung Flughafen lange angesehen, bis du mich

dann angelächelt hast. Ich habe zurückgelächelt, aber habe

nicht den Mut gehabt, dich anzusprechen. Du bist dann an der

Letzistrasse ausgestiegen und hast dich nochmals umgedreht.

Du hast Jeans, rote Adidas-Schuhe, ein Nike-T-Shirt (Just Do It)

unter einer blauen Jacke getragen. Ich kann dein Lachen nicht

vergessen! Maile mir, vielleicht gehen wir Kaffee trinken?

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Balladen-Bücher-Sammlung

Schweren Herzens löse ich meine Buchsammlung von und über

Balladen aus dem 18. Jahrhundert auf. Die Sammlung besteht

aus wertvollen Sammlerstücken, z. B. Erstausgaben sowie

wichtigen Werken der Sekundärliteratur. Alle Bände sind in

hervorragendem Zustand. Nach einem schweren Schicksalsschlag

muss ich mich nun von dieser Sammlung trennen. Abgabe

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mit Chiffre Nummer und leiten deine Briefpost ungeöffnet während

fünf Wochen weiter. Bitte vergiss deinen Absender nicht, sonst kann

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CRUISER Winter 2016 | 2017


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Die Aids-Hilfe Schweiz bietet:

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• Broschürenreihe zu Themen wie Therapiebeginn,

HIV und Job, Datenschutz etc.

• finanzielle Unterstützung in Notlagen

• Einsatz für gleiche Rechte

• Kampagnen, die in der Gesellschaft für mehr

Solidarität werben, Vorurteile und falsche

Vorstellungen über HIV abbauen

Mehr dazu auf aids.ch und drgay.ch

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CRUISER Winter 2016 | 2017

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