BuV - Business und Vermarktung Dez/Jan 2017-2018

thomas.kiessling

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Netzwerke

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Netzwerke:

Die Zukunft liegt

im Empfehlen

Von Thomas Kießling

Info

Die Mitgliedsbeiträge bei

den Netzwerken sind unterschiedlich

hoch.

Ein Netzwerk, das keinen

Beitrag kostet, ist das

medienforum Kreis Göppingen.

Mehr dazu auf Seite 21

dieser Ausgabe.

Sie treffen sich morgens um 6.30 Uhr

und netzwerken in einer Fröhlichkeit,

die man um diese Uhrzeit erst einmal

erreichen muss. Manche Zirkel sind regional

aufgestellt, manche geben dem

Mittelstand im Land eine Stimme, manche

sind weltweit so erfolgreich, dass

sie jährlich einen Umsatz von zehn Milliarden

Euro generieren, indem sie sich

einfach gegenseitig Aufträge mit einem

sehr strukturierten Empfehlungsmanagement

zuschanzen. Professionelle

Netzwerke: Die Zukunft liegt im Empfehlen,

empfehlen wir Ihnen heute.

Die Präsentation der eigenen Firma darf

genau 50 Sekunden dauern, nicht länger,

sonst kommt nicht jeder dran von den

anwesenden 60 Personen, die sich in einem

bis auf den letzten Platz gefüllten

Nebenzimmer des Hotels Seligweiler bei

Ulm, direkt an der Autobahn A8 gelegen,

versammelt haben. Hier trifft sich das

Netzwerk BNI Chapter „Galaxy“ jeden

Donnerstagmorgen, nein, jeden Donnerstagfrüh,

denn los geht es pünktlich

um 7.00 Uhr. Es wird aber gerne gesehen,

wenn man bereits um 6.30 Uhr da ist,

denn „wir haben ja immer so viel Gäste,

die wir einladen“, raunt mir mein Begleiter

zu. Ich nicke meinen verschlafen Kopf.

„Nee, is‘ klar“, antworte ich nur. Es wird

nicht der einzige Widerspruch sein, in

den ich mich verwickeln werde an diesem

Morgen. Gäste müssen also sein und werden

gezielt eingeladen und mitgebracht,

denn das Chapter braucht Kontakte und

gerne auch neue Mitglieder. Wenn es zu

viele werden, wird das Chapter einfach

geteilt und ein neues entsteht. Galaxy ist

übrigens aus der Sonne entstanden, astronomisch

auch ein Widerspruch, aber der

Zweck heiligt die Mittel, und die können

sich auch wirklich sehen lassen: Über

1000 Empfehlungen pro Jahr mit einem

Umsatzvolumen von 750.000 Euro – ist

doch galaktisch, oder? Die Empfehlungen,

die die Mitglieder ausgesprochen

haben, werden peinlich genau registriert.

In einer separaten Präsentationsrunde

bedankt sich dabei jeder Empfohlene vor

der ganzen Mannschaft bei seinem Auftragsvermittler.

Es wird geklatscht, viel

geklatscht an diesem Morgen. Klingt verlockend,

aber man muss nun bedenken,

ob das eigene Geschäftsmodell wirklich

zum Netzwerk passt. Für einen Schreiner,

Gärtnereibetrieb, Steuerberater oder Anwalt

gibt es immer Bedarf, denke ich mir.

Das Netzwerk ist wahrscheinlich deshalb

vor allem für kleinere Unternehmen und

Start-ups von Vorteil.

Ernst Steuerle, netterweise von Berufs

wegen tatsächlich Steuerberater, stellt

sich gerade vor. Er ist gerade in Schwung

gekommen, da wird ein Schild hochgehalten:

noch 15 Sekunden. Er wird pünktlich

fertig sein und hat dann Werbung in

eigener Sache gemacht und um Empfehlungen

gebeten. Nach 50 Sekunden steht

auf einem anderen Schild: „Vielen Dank,

bitte setzen.“ Danke.

Zurück wieder beim Arbeiten am Schreibtisch.

Ich schau auf die Uhr und muss

gähnen. Dauert auch fast 50 Sekunden.


www.bni.de

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