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Diplomarbeit_Hermann_Grab

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Seite -22- identifiziert sind, kann in einem weiteren Schritt ihre Quantifizierung erfolgen. Auf die Probleme der Quantifizierung werden wir nachfolgend noch detailliert eingehen. Der nächste Schritt umfasst die Steuerung, d.h. die Beeinflussung der operationellen Risiken. Mittels Risikovermeidung, Risikoverminderung und Risikoüberwälzung lässt sich ein Gesamtrisiko auf ein schliesslich vom Unternehmen selbst zu tragendes Restrisiko minimieren. Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität Abbildung 10: Prozessuales Risikomanagementsystem für operationelle Risiken Vermieden werden sollten insbesondere Risiken mit hoher Eintretenswahrscheinlichkeit und zugleich hoher Tragweite (Schadensausmass). Risiken können vermindert werden, indem entweder die Eintretenswahrscheinlichkeit oder die Tragweite verringert wird. Massnahmen hierzu können personeller, technischer oder organisatorischer Natur sein. Eine weitere Möglichkeit der Verminderung von Risiken besteht in der Risikodiversifikation. Hierbei werden die verschiedenartigen Risiken, die relativ häufig auftreten, jedoch eine geringe Tragweite besitzen, kollektiv getragen. Diese Funktionsweise weist gewisse Parallelen zur Versicherungswirtschaft auf. Bei Risiken mit geringer Eintretenswahrscheinlichkeit und hoher Tragweite Abbildung 11: Risiko- Steuerungsmassnahmen Quelle :"Operational Risk Management bei Banken" von Jean-Marc Piaz, Versus Verlag, 2002, Seite 144 Quelle :"Identifizierung, Quantifizierung und Steuerung operationeller Risiken in Kreditinstituten" von Mathias Hofmann, Bankakademie Verlag GmbH 2002, Seite16 - typisch für die meisten operationellen Risiken - wird in der Regel eine Überwälzung vorgenommen. Dies erfolgt immer dann, wenn Risiken nicht umgangen werden können, aber umgangen werden sollten. Dies impliziert die Verwendung von Kontrakten, vornehmlich mit Versicherungen zur Absicherung von negativen Ereignissen. Die Übernahme des Restrisikos schliesslich durch das Unternehmen selbst, kann in aktiver oder passiver Form ausgestaltet sein. Aktives Selbsttragen der Risiken bedingt das Bereitstellen von Mitteln und Ressourcen, um das Risiko zu managen, worauf wir im Folgenden das Hauptaugenmerk legen wollen. Passives Verhalten ist durch die Bereitschaft charakterisiert, Schäden bewusst in Kauf zu nehmen. Grundsätzlich sollte ein Unternehmen ein Risiko tendenziell dann selbst tragen, wenn das Risiko in unmittelbarem Bezug zu den Kernkompetenzen steht, für dieses Risiko kein organisierter, liquider Markt existiert, die Eigenkapitalausstattung sehr hoch ist oder das Risiko zu Frequenzschäden mit geringer Schadenshöhe führt. Die letzte Phase eines prozessualen Risikomanagementsystems ist die Risikokontrolle bzw.- überwachung als eine Teilfunktion des Risikocontrollings. Diese wird beispielsweise anhand eines Vergleichs von maximalen Sollwerten (Risikolimiten) und Istwerten in Bezug auf die Risikohöhe vorgenommen. Zudem sind die zur Anwendung kommenden Verfahren zur Identifizierung, Quantifizierung und Steuerung von operationellen Risiken auf ihre Genauigkeit und Aktualität hin zu überprüfen. Zu beachten bleibt, dass auch das Kontrollverfahren an sich operationelle Risiken enthalten kann. Die Erkenntnisse der Risikokontrolle werden in regelmässigen Risikoreports an verschiedene Adressaten wie der Geschäftsleitung, den Linienverantwortlichen oder den Riskmanagern abgegeben. Wünschenswert wäre hierbei, dass diese Reports auch dem Verwaltungsrat zukommen, damit dieses Entscheidungsgremium ebenfalls informiert ist. Leider ist dies heute in der Praxis selten der Fall.

Seite -23- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität Die dargestellten Massnahmen haben einen gewichtigen Einfluss auf die operative Verlustverteilungskurve einer Unternehmung. Erwartete Verluste (Expected Losses) sind relativ einfach zu entdecken und weisen eine hohe Eintretenswahrscheinlichkeit auf. Daher sollte versucht werden, solche Verlustfälle - insbesondere mit grosser Tragweite - zu vermeiden oder zu vermindern. Gerade im Rahmen der heutigen Bilanzfälschungen sollten die daraus entstehenden Risiken, welche einem kleinen Kreis des Unternehmens bereits früh bekannt sind bzw. sein müssten, gemanagt werden. Das Nichtoffenlegen aus Opportunitätsgründen stellt oftmals die Ursache späterer Unternehmenszusammenbrüchen dar. Bei unerwarteten, nur schwer zu entdeckenden Risikoverlusten (Unexpected Losses), sollte ein Risikotransfer bzw. eine Risikoüberwälzung angestrebt werden. Die Reduktion des sogenannten Stress Losses - sehr seltene Schadenfälle in umfangreichem Ausmass - schliesslich muss durch einen Transfer mittels Versicherungen, Verbriefungen oder eigener alternativer Risikotransferkonstrukten 37 erreicht werden. Im Falle des Selbstragens ist eine Verschiebung der Verlustverteilung nicht möglich. Das Selbstragen von Risiken durch die bewusste Reservebildung (Eigenkapital) für Verlustfälle, sollte vorwiegend im Bereich der Unexpected Losses zum Einsatz kommen. Die Entscheidung über die einzusetzenden Risikosteuerungsmassnahmen muss schliesslich unter Einbezug von Kostenaspekten und der entsprechenden Risikoneigung des Unternehmers getroffen werden. Dabei lässt sich theoretisch ein optimaler Sicherheitsgrad definieren. Der ökonomisch richtige Sicherheitsgrad wird durch die Kosten, welche durch die Risikoeintritte anfallen, sowie Abbildung 13: Ökonomischer Sicherheitsgrad Quelle: "Operational Risk Management bei Banken" von Jean- Marc Piaz, Versus Verlag, 2002, Seite 146 Abbildung 12: Einfluss der Massnahmen auf die Verlustverteilungskurve Quelle: "Operational Risk Management bei Banken" von Jean-Marc Piaz, Versus Verlag 2002, Seite 148 durch die Kosten der Risikosteuerungsmassnahmen bestimmt. Maximale Sicherheit lässt sich nicht einmal mit dem grössten Aufwand erreichen, da der Aufwand zur Risikominimierung ab einer gewissen Grenze selber wieder Risiken erzeugt. Ganzheitlich betrachtet schafft das Management operationeller Risiken im Unternehmen namentlich ein Risikobewusstsein, das sich über sämtliche Leitungsebenen erstreckt. Desweitern eröffnet es den Blick für risikoadäquates, unternehmerisches Handeln, wonach nebst den Ertragsaussichten stets auch die Risiken und deren Sicherungskapital in die Entscheidungen einzubeziehen sind (vgl. die Ausführungen unter 3.3 "Risikoorientierte-Ertragssteuerung zur Steigerung des Unternehmenswertes", Seite 11).

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