Aufrufe
vor 6 Monaten

Diplomarbeit_Hermann_Grab

Seite -32-

Seite -32- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität Veranschaulichen wir uns die Ausführungen zum ICREM nochmals anhand der buchhalterischen Bilanz des Unternehmens. Der Aktivseite mit Betriebs- und Investmentvermögen steht grundsätzlich die konventionelle Betriebs- und Kapitalfinanzierung gegenüber. Nun unterliegt der Aktivseite Abbildung 18: Bilanz unter Risikoberücksichtigung Betrieb (ohne Risikoanteil) Investment Risiko Aktiven Quelle: Eigene Darstellung Bilanz (ohne Risikoanteil) Betriebskapital Finanzkapital Eigenkapital Dritte / Versicherung Passiven Ausserbilanz ein inhärentes, insbesondere operationelles Risiko, welches zusätzlich auf der Aktivseite aufgeführt wird. Die Finanzierung des theoretisch ausgesonderten Risikoanteils erfolgt über zusätzliches Eigenkapital. Zur Vervollständigung sind unter dem Bilanzstrich noch die an Dritte transferrierten Risiken als Ausserbilanzgeschäfte aufgeführt. Das dargestellte Modell geht von der Erkenntnis innerhalb einer Unternehmung aus, dass ihren Assets und Tätigkeiten unter Umständen enorme Risiken inhärent sind. Namentlich durch den Shareholder- Value-Anspruch in Wirtschafts-Boomphasen fordert der Aktionär hohe Renditen vom Unternehmen und erwartet somit satte Gewinne. Aufgrund dieser allgemeinen Erwartungshaltung werden vielfach die Assets im Rahmen einer Ertragswertrechnung überbewertet, was uns heute ebenfalls prominente Beispiele bestätigen. Gerade in solchen Zeiten sind sich viele Unternehmungen ihrer inhärenten Risiken zu wenig bewusst. Daher wäre es notwendig, solche Risiken aus den Assets auszusondern und separat in einer risikobereinigten (theoretischen) Bilanz darzustellen und mit den entsprechenden Eigenmitteln zu unterlegen. Abschliessend befindet sich im Anhang noch ein Schemata, in welchem versucht wird, dieses gedankliche Risiko-Modell im prozessualen System einer Unternehmung einzugliedern. Bei all diesen Überlegungen ist schliesslich auch zu beachten, dass der Verzehr von Eigenkapital und Cash nicht als einziger Risikomassstab und Frühwarnindikator zu sehen sind. Vielmehr müssen auch Plangrössen wie Cash-Flow oder Gewinn (EBIT) kontinuierlich überwacht werden. 5.3.2 Risikoadäquates Unternehmenswert-Steuerungssystem Eine mögliche Integrierung des gezeigten Risikokosten und -Kapital-Modells in eine wertschaffende Gesamtunternehmensführung wollen wir zum Abschluss aufzeigen. Ein mögliches risikoadäquates Unternehmens-Steuerungssystem befindet sich im Anhang (vgl. Abbildung 21, 9.4 "Anhang 4: Risikoadäquates Unternehmenswert-Steuerungssystem"). Ausgehend von der Bilanz und der Erfolgsrechnung werden einerseits die inhärenten Assets-Risiken, andererseits die aus Markterlösen, Human-Capital-Kosten und Prozesserlösen bzw. -kosten der operative Cashflow errechnet. Die Einzelrisiken werden zuerst aggregiert, dann bearbeitet und schliesslich die selbszutragenden Risiken nochmals aggregiert (Nettoposition). Durch diese Aggregation kann der Eigenkapitalbedarf reduziert und indirekt durch das gewonnene Risikobewusstsein die Eigenkapitalkosten gesenkt werden. Durch die Transferierung von Risiken entstehen hingegen Mehrkosten, welche sich negativ auf den operativen Cashflow auswirken. Eine effiziente und ausgebaute Unternehmensorganisation (insbesondere das Risk-Management) beeinflusst wiederum die Eigenkapitalkosten im positiven Sinne. Werden die Fremdkapitalkosten mit den Eigenkapitalkosten entsprechend gewichtet und addiert, resultieren die Unternehmens-Kapitalkosten (WACC, vgl. hierzu 3.3 "Risikoorientierte-Ertragssteuerung zur Steigerung des Unternehmenswertes", Seite 11). Zählt man auf der anderen Seite vom operativen Cashflow noch die Investitionen in Betriebs- und Investitionsvermögen ab, errechnet man den Free Cashflow des Unternehmens. Ist nun der Free Cash-

Seite -33- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität flow letztlich grösser als die risikoadäquaten Kapitalkosten wird ein echter Unternehmensmehrwert erarbeitet und das Risiko-Exposure wird mit einer adäquaten Rendite abgegolten. Dies als Veranschaulichung eines möglichen theoretischen, unternehmensweiten Risiko- Führungsinstrumentes. 5.4 Die wichtige Rolle des Wirtschaftsprüfers All diese Bestrebungen bedingen den Willen des Verwaltungsrates und des Managements seine Risiken besser zu managen. Eine wichtige Rolle kommt ausserdem dem externen Kontrollorgan zu, sei es im Rahmen des Aufsichtsrechtes (allenfalls EUK) oder des Gesellschaftsrechtes. Der Wirtschaftsprüfer ist derjenige, der als externe Person tieferen Einblick in das Unternehmen erhält. Es ist nicht Thema dieser Diplomarbeit, sich eingehend mit Verbesserungsmöglichkeiten in diesem Bereich zu beschäftigen, zumal sich die Semesterarbeit „Unternehmenszusammenbrüche“ 48 bereits eingehend dazu äussert. Es ist einzig auf zwei zusätzliche Aspekte hinzuweisen. Erstens stellt sich die Frage, ob man die Wirtschaftsprüfer nicht auch wie Rechtsanwälte oder Ärzte einer Standesaufsicht mit Sanktionsmöglichkeiten unterstellen könnte. Dies im Rahmen eines Selbstschutzes bzw. Selbstregulierung. Zweitens ist eine unternehmens-risikoorientierte Prüfungssicht im Hinblick auf eine nachhaltige Unternehmensfortführung wünschenswert. Der Abschlussprüfer sollte über dem traditionellen financial audit künftig auch einen business audit durchzuführen haben. Allenfalls wären hierzu Gesetzesänderungen mit präziserem Auftrag an die Revisionsstelle - wie in Deutschland - zu prüfen. Im Rahmen der Einführung des KonTraG 49 im Jahre 1998 in Deutschland wurden nebst den Risikomanagement-Aufgaben und -verantwortungen des Managements im Handelsgesetzbuch (HGB) neu die Pflicht des Wirtschaftsprüfers eingeführt, im Jahresbericht zum Thema des Risikomanagements ausdrücklich Stellung zu nehmen. Bei börsennotierten Gesellschaften ist das geforderte Risikomanagment-System im Rahmen des Jahresabschlusses zu prüfen. Dazu heisst es in § 322 Abs. III AktG: "Im Bestätigungsvermerk ist darauf einzugehen, ob der Lagebericht und der Konzernanlagebericht insgesamt nach der Beurteilung des Abschlussprüfers eine zutreffende Vorstellung von der Lage des Unternehmens oder des Konzerns vermittelt. Dabei ist auch darauf einzugehen, ob die Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind." Diese Erweiterung des Aktiengesetzes spiegelt sich zudem in der Ergänzung von § 317 Abs. IV des Handelsgesetzbuches wieder: "Der Abschlussprüfer hat zu untersuchen, ob die geforderten Massnahmen zur Früherkennung von bestandesgefährdenden Entwicklungen vom Vorstand getroffen wurden." Risk-Management wird durch diesen Impuls des deutschen Gesetzgebers zu einem wichtigen neuen Element in der Unternehmensführung und im Management-System. Die Standeskommission der Schweizerischen Treuhandkammer hat Ansätze solcher sanktions- und risikoorientierter Prüfungsbestimmungen im Rahmen ihrer Mitglieder (Selbstregulierung) ebenfalls bereits eingeführt. In diesem Zusammenhang sollte der Prüfer bereits heute eine entsprechende Risikobeurteilung des zu prüfenden Unternehmens vornehmen. 5.5 Auswirkungen auf Wirtschaftskriminalität Auf den vorangehenden 30 Seiten haben wir uns dem breiten Spektrum der operationellen Risikobewirtschaftung unter dem Aspekt der Wirtschaftskriminalität bzw. Unternehmensdelikten überblickmässig gewidmet. Zuerst wurden die derzeitigen vorbildlichen Bestrebungen im Bankenbereich aufgezeigt, um allenfalls mögliche Ideen für den allgemeinen Unternehmenssektor adaptieren zu können. Einige Aspekte versuchten wir in den Bereich der operationellen Unternehmensrisiken zu übernehmen. Schliesslich beschäftigten wir uns eingehend mit der Behandlung des sogenannten risikoadäquaten Eigenkapitals. Insbesondere die Behandlung der Eigenmittelunterlegung wurde detaillierter analysiert. Zusammenfassend lassen sich die erarbeiteten Lösungsansätze wie folgt darstellen:

Unternehmen vor Risiken sch
"No Risk - No Business" - Risikomanagement in ...
Risikomanagement ist Chefsache - Deutsche Bank
Ausgabe Dezember 2008 - Willkommen bei Marsh, dem weltweit ...
Liquidität und Gefahren im globalen Business - Solution Matrix
Prozesse Qualität Projekte Risiko Managementsysteme 2009
Operationelle Risiken bei Kreditinstituten - Versicherungsmagazin
Risk Profiling. Ihre individuelle Risikoanalyse.
Themenarbeit HTA.SWE.S08 Pascal Ming 23.Juni 2008 - Wikis on ...
FORUM
MQ Management & Qualität - Risikomanagement ... - Schleupen AG
Offenlegungsbericht der Mercedes-Benz Bank 2012 (PDF)
RESEARCH, "Risiken managen – Chancen nutzen" [PDF] - Sauren
Alternativen zum Kredit
im Unternehmen - Prof. Dr. Uwe Christians
Funk-BBT News Ausgabe 2/2010 Risikomanagement - Funk Gruppe
RISIKOMANAGEMENT,
Risikomanagement in Unternehmen
RISIKOMANAGEMENT,
Risikomanagement im Mittelstand 2008 im Mittelstand
Schriftlicher Lehrgang: Risikomanagement kompakt - Management ...
Unternehmensfinanzierung im Wandel - EK ...
Optimierung der Kapitalrendite durch Risikotransfer - Marsh
KSV1870 Information GmbH