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Diplomarbeit_Hermann_Grab

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Seite -26- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität - auch für die prüfende Revisionsstelle - eingeführt werden sollten. Nebst dem Kriterium der Eigenkapitalhöhe nach Art. 725 OR, wären zusätzlich Finanz-Kennzahlen-Kriterien zu erfüllen. Denn meist ist es bei der Feststellung einer Überschuldung für eine Unternehmenssanierung zu spät. Werthaltige Aktiven entpuppen sich zu Liquidationswerten als nahezu wertlos, insbesondere dadurch bedingt, dass diese in den Vorjahren zur Umgehung der Überschuldung vielfach zu gut dargestellt oder sogar überbewertet wurden. Ausserdem verlangen Aktionäre in Börsenboomphasen nach tiefem Eigenkapital, damit die Eigenkapitalrendite maximiert werden kann. Durch eine höhere Eigenkapitalbindung - allenfalls auch gesetzlich vorgeschrieben analog der Eigenkapitalbestimmungen im Bankwesen - könnten solche für die Volkswirtschaft schädliche, euphorische Boomphasen entsprechend abgeschwächt werden. Dies funktioniert jedoch nur, wenn sich der gesamte Markt daran beteiligt. Ansonsten weicht der Investor auf andere Aktien bzw. Unternehmungen aus. Unter dem Aspekt der ausreichenden Kapitalausstattung von Unternehmungen ist auch die Liberierungs- bzw. Sacheinlagepraxis kritisch zu hinterfragen. Nach Art. 634 OR kann das Aktienkapital vollumfänglich durch Einbringung von Sacheinlagen gezeichnet werden. Zwar sind die gesetzlichen Anforderungen durch den speziellen Gründungsbericht mit Prüfungsbestätigung durch die Revisionsstelle gemäss Art. 635 f. OR erhöht, doch zeigt die Praxis gerade in diesem Bereich vielfach Schwierigkeiten. Erstens lässt sich bekanntlich über Bewertungen immer diskutieren, insbesondere wenn der Fortführungsansatz bereits zu Beginn (Nachfolgefirma einer konkursiten Unternehmung) fraglich wäre. Zweitens verfügt die neugegründete Aktiengesellschaft bei einer hundertprozentigen Sacheinlage über keinerlei liquide Mittel, welche das geschäftsimmanente Risiko, welches im Besonderen in Startphasen sehr hoch sein kann, tragen könnte. Allenfalls wäre hier künftig eine Gesetzesänderung angebracht, indem man beispielsweise eine Sacheinlage nur zu 50 % des Fortführungswertes anrechnen könnte oder zusätzlich zur Sacheinlage Barmittel im selben Wert einbringen müsste. Die heutige gesetzliche Regelung betrifft nur die Ausstattung mit Eigenkapital, vergisst jedoch den Aspekt der Liquiditätsaustattung. Mit den vorgeschlagenen Gesetzesänderungen könnten einige Konkurse und wohl auch strafrechtliche Vorgänge - insbesondere im kleineren KMU-Bereich - bereits von Beginn weg verhindert werden. Selbstverständlich wären die volkswirtschaftlichen und kriminalpräventiven Auswirkungen entsprechend zu untersuchen und die Vor- und Nachteile abzuwägen. In eine ähnliche Kategorie fällt das "nichteinbezahlte Grundkapital", welches in einer Krisensituation bzw. Liquiditätskrise des Kleinunternehmers nur mehr schwer einbringbar ist. Auch diese Gesetzesbestimmung in Art. 632 OR, wonach das Aktienkapital einer Aktiengesellschaft nur zu 20 % oder mindestens Fr. 50'000.-- liberiert sein muss, sollte aufgrund des Risikogedankens geändert bzw. aufgehoben werden. 4.5 Gestaltung des risikoadäquaten Eigenkapitals und ausreichender Liquidität Im Folgenden wollen wir nun ein ganzheitliches Modell für die Zusammensetzung eines risikoadäquaten und ökonomisch sinnvollen Eigenkapitals erstellen, um damit Gewähr für einen finanzkräftigen Unternehmensplatz bieten zu können. Zu beachten ist zudem, dass das Eigenkapital den aktuellen nominalen Wert darstellt. Bei einer Risikobetrachtung, die auf die Zukunft ausgerichtet ist, muss diesem Umstand damit begegnet werden, dass das entsprechende Risikoexposure auf den Zeitpunkt eines allfälligen Verlusteintrittes aufgezinst wird. Natürlich erfolgt durch die riskoadäquate Verzinsung des Eigenkapitals bzw. durch das Erwirtschaften eines risikoadäquaten Unternehmensgewinnes dieser Ausgleich automatisch, jedoch nur unter der Bedingung, dass dieser erzielte Ertrag in der Unternehmung verbleibt, also nicht ausgeschüttet wird. Nebst den dargestellten Eigenmittelüberlegungen im Rahmen der Bilanz einer Unternehmung besteht die Möglichkeit der Schaffung einer eigenen Versicherungslösung mittels Errichtung einer internen Versicherungsinstitution (Captives). Aus steuer- und versicherungsaufsichtsrechtlichen Gründen sind solche Konstrukte jedoch nur in bestimmten, wenig reglementierten Staaten, wie Bermuda, Bahamas usw.,

Seite -27- Diplomarbeit Nachdiplomstudium zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität möglich. Solche Vehikel werden unter dem Namen des "Alternativen Risikotransfers" (ART) heute von diversen Grossunternehmungen gehalten, wobei dies die Möglichkeit bietet, künftig auch operationelle Risiken auf den Kapitalmarkt abzuwälzen. Allgemein ist bei einer Versicherungslösung bei Dritten die Selbstbehalts-Finanzierung zu beachten. Vielfach geht vergessen, dass der vereinbarte Selbstbehalt in Form von sofort verfügbaren liquiden Mitteln vorhanden sein muss. Abbildung 14: Eigenkapital als Risikodeckungsmasse 1. Grundkapital Einbezahltes Kapital (Aktienkapital, PS-Kapital, Agios) 2. Gesetzliche Zugewiesene Reserven gemäss Obligationenrecht Grundreserven 3. Gesetzliche Zugewiesene Reserven gemäss allfälligen aufsichtsrechtlichen Bestimmungen (Versicherungsaufsicht, Bankenaufsicht, Eidg. Unternehmenskommission (EUK) 40 ) Zusatzreserven 4. Kalkulierte Aufgrund der internen, unternehmensspezifischen Kalkulationen, sind bestimmte Prozentsätze als zusätzliches Risiko-Eigenkapital zu halten. Beispielsweise 3% des Umsatzes einer Risikokosten für erwartete Dienstleistungssparte. Normale, absehbare Delkredere-, Währungs-, Transport-, Transfer-, Verluste Garantie- oder Rechtsrisiken sind darin nicht enthalten. Für diese sind explizite Rückstellungen im Rahmen des Fremdkapitals zu bilden (OR 669). Hierbei auch nicht zu berücksichtigen sind 5. Risikokosten für nicht erwartete Verluste Risiken, die an externe Versicherungsinstitute transferiert werden. Risiken die im Zusammenhang mit der unternehmerischen Tätigkeit stehen, jedoch nicht absehbar sind. Es handelt sich hierbei um Reputations-, Personen-, Katastrophen-, System-, Rechts-, Umfeld-, Strategie- oder politische Risiken, die nicht kalkuliert oder durch Dritte versichert sind. Besondere Beachtung gilt hierbei dem sogenannten Entdeckungsrisiko, also der Gefahr ein immanentes Risiko überhaupt nicht zu identifizieren. Die Bewertung der Risikokosten dieser Eigenkapitalstufe ist äusserst schwierig. Allenfalls hat man sich auf Pauschalwerte aufgrund weniger Indikatoren zu beschränken. 6. Stille Reserven Selbst gebildete stille Reserven aufgrund von Bewertungsspielräumen. 7. Nachtragskapital Hierunter fällt das nichteinbezahlte Grundkapital, das in einer Krisensituation nur mehr schwer einbringbar ist. Quelle: Eigene Darstellung einer möglichen Struktur des Eigen- bzw. Risikokapitals einer Unternehmung. Die Grundidee des Risikogedankens beruht ja darauf, dass im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit eingegangene risikobehaftete Strategien oder Projekte einen entsprechenden - also risikoadäquaten - Ertrag abwerfen. Man muss für das zu tragende Risiko entschädigt werden. Im gleichen Schritt soll der Unternehmer das Risiko mit entsprechenden Eigenmittel unterlegen, um einen allfälligen Verlustfall tragen bzw. abdecken zu können. Hierbei ist gerade in der heutigen Zeit weltweiter Bilanzskandale zu beachten, dass diese Mittel nicht nur ausgewiesen, sondern auch in liquider Form vorhanden sein müssen. Im Normalfall ermöglicht nämlich das Eigenkapital lediglich den buchhalterischen Ausgleich von Verlusten, in keinem Fall aber einen Ersatz des durch Verluste verminderten Unternehmensvermögens. Vorsichtig ist - aus aktuellen Anlässen - auch mit dem Begriff der Liquidität umzugehen. Die derzeitige Wirtschaftskrise hat vielen Unternehmen wieder ganz klar vor Augen geführt, dass die sogenannte Liquidität, gehalten in Form von Aktien oder Obligationen, in Krisenzeiten eines Unternehmens keinesfalls liquide und somit jederzeit verfügbar ist. Benötigt eine Unternehmung nämlich in solch schwierigen Zeiten dringend Geldmittel, so kann sie einzig auf Cash oder verfügbare Banklimiten zurückgreifen. Das Aktien- oder Obligationenportefeuille hat innert kürzester Zeit herbe Verluste erlitten, die man nun nicht realisieren möchte. Vielfach wird der Veräusserbarkeit dieser sogenannten "liquiden Mitteln" zu wenig Beachtung geschenkt. Man sagt, Aktien seien innert Minuten verkaufbar. Was aber, wenn in einer akuten Börsenkrise (Swissair, ABB, usw.) die Kurse innert Sekunden sich halbieren? Dies ist genau die Zeit des nachhaltig erfolgreichen Unternehmers oder Investors. Sie haben genügend Cash und können sich "über Wasser" halten oder investieren in günstige, aussichtsreiche Projekte oder Unternehmungen.

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