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Berliner Kurier 16.10.2018

BERLIN BarbaraSlowik Die

BERLIN BarbaraSlowik Die Polizeipräsidentin im KURIER-Interview SEITEN 8-9 DER ROTE TEPPICH Ehre, wemEhregebührt! Dr.med. Matthias C. Guth, Leiter der Rettungsstelle des Sana-Klinikums Lichtenberg, ruft zu mehr Hilfe bei Notfällen auf. Foto: zVg Eskann jederzeitpassieren,dass jemand, der keinArzt ist, zumLebensretter werdenmuss.Plötzlich sackt einMitmenschzusammen –Herzstillstand. Betroffenen muss sofort geholfen werden. „Und genau da liegt das Problem“, sagt Dr. med. Matthias C. Guth, Leiter der Rettungsstelle am Sana-Klinikum Lichtenberg. Laut Statistik greifendie Anwesenden nur in 42 Prozentder Fälle helfend ein. Anlässlich des Aktionstages „World Restart aHeartDay“ macht heute auchdas Klinikumauf das Problem aufmerksam. Guth: „Fakt ist, dass mit jeder Minute ohneReanimation die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten um zehn Prozentsinkt.“ Aber: Wastun? Die Formellautet „Prüfen, Rufen,Drücken“. „Prüfen, ob die Personansprechbar ist und atmet. Wenn nicht, Notruf wählen und mit der Herzdruck- Massage beginnen. Man drückt schnellund festauf dieMitte des Brustkorbs, mindestens hundertmal pro Minute, und dassolange, bis Hilfe eintrifft“, sagt Guth. Angstmussniemand haben. Zwar könneespassieren, dass eine Rippe bricht.„Ein gebrochener Knochen kann problemlos wieder heilen. EinenVerstorbenerlässtsich aber nicht wieder lebendig machen“,sagtGuth. Goldener Herbst Woher weiß dieAmsel, dass dies kein Sommer ist? Diebiologische Uhr von Tieren tickt anders Fragen? Wünsche? Tipps? Redaktion: Tel. 030/63 33 11 456 (Mo.–Fr. 10–18 Uhr) 10969 Berlin, Alte Jakobstraße 105 E-Mail: leser-bk@dumont.de Abo-Service: Tel. 030/232777 Fotos: dpa, imago Vorder Siegessäule zeigt sich die herbstliche Baumpracht bei sommerlichen Temperaturen.

Müder Abgang Die Wahrheit über Bushidos Ausstieg SEITE 16 SEITE7 BERLINER KURIER, Dienstag, 16. Oktober 2018 Von NORBERT KOCH-KLAUCKE Berlin – Der goldene Herbst strahlt mit voller Kraft, als würde der Sommer in diesem Jahr kein Ende nehmen wollen. Täglich gibt es über neun Stunden Sonnenschein, die Temperaturen liegen weit über den Normalwerten. Das Wetter scheint die innere biologische Uhr der Natur aus dem Takt zu bringen. Viel Vogelgezwitscher ist in der Stadt zu hören, Insekten schwärmen wieder aus, um Nahrung zu suchen. Merken Amsel und Co. überhaupt, dass in Berlin schon Herbst ist? Die Aufzeichnungen der Wetterstation Tempelhof zeigen es deutlich. Temperaturen bis zu 25 Grad Celsius wurden dort in den vergangenen Tagen registriert. „Das ist recht extrem für diese Jahreszeit“, sagt Meteorologin Hannelore Pries vom Deutschen Wetterdienst. „Es sind die absoluten Höchstwerte, die an dieser Station seit 1948 für den Oktober gemessen wurden.“ Normal seien zu diesem Zeit- Die Amsel lässt sich nicht beirren. Genau wie das Eichhörnchen spürtdie innereUhr der Tiere, dassder Sommer längst ein Herbst ist. punkt Höchsttemperaturen um die 15 Grad. Inklusive Regen, der in Berlin dieses Jahr seit Mitte Juli nicht mehr so richtig fiel. Auch wenn das Wetter uns den Sommer im Herbst vorgaukelt: „Die Tiere wissen dennoch, welche Jahreszeit wir haben“, sagt Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert. „Ihre innere Uhr richtet sich nicht nach der Wärme, sondern nach dem Sonnenstand. So merkt die Amsel genau, dass die Lichtdauer täglich um drei Minuten abnimmt, trifft wie Igel oder Eichhörnchen nun ihre Wintervorbereitungen.“ Bei den Zugvögeln ist es sogar der innere „Zugzwang“, der sie spüren lässt, dass nun Herbst ist und sie jetzt in Richtung Süden starten müssen. „Die Kraniche sind sogar schon früher unterwegs, weil sie durch die Trockenheit kaum noch Nahrung finden“, sagt Ehlert. Dennoch gibt es Ausnahmen. „Normalerweise sind die Hausrotschwänze zu diesem Zeitpunkt nach Frankreich und Spanien unterwegs. Doch die Wärme lässt sie in diesem Jahr etwas länger in Berlin bleiben. Es ist ihr Gezwitscher, das wir überall in der Stadt hören, mit dem die Vögel ihr Revier verteidigen.“ Ausnahmen sind auch die Bienen, die die Sommerwärme ausnutzen, um dank der Herbstblüher (wie Astern) in den Gärten Berlins Nahrung für den Winter zu sammeln. Die hohen Temperaturen und die längere Sonnenscheindauer bringen derzeit jedoch die menschliche innere Uhr aus dem Takt. „Sie ist längst auf Herbst eingestellt, der Körper will einen Gang herunterfahren,doch wir sind noch im Sommermodus und voll aktiv. Das könnte zu Konflikten führen“, sagt Neurobiologe Prof. Henrik Oster von der Uni Lübeck. Wie bei Schichtarbeitern, deren innere Uhr wegen des Jobs aus dem Rhythmus gerät, könnte auch das Leben in der falschen Jahreszeit die Gesundheit gefährden, zu Stoffwechsel- und Kreislauf-Erkrankungen führen. „Allerdings sind die Folgen noch wenig erforscht, weil es diese Wetterextreme bisher kaum gab“, sagt Oster. Mit dem verlängerten Sommer ist ab Donnerstag auch schon Schluss. Die Temperaturen sinken bis zum Wochenende auf herbstliche 14 Grad Celsius in Berlin. Shakir Muzdlifa und Abdallah Wafa mit ihrer Küchenchefin HeikeErpel Flüchtlingsfrauen kochen jetzt für bedürftige Berliner Heimat Aleppo fliehen und Von sind verwundert über die Not KERSTIN HENSE in der Stadt: „Ich hätte nie gedacht, dass in Berlin so viele Lichterfelde – Sie wissen, was es bedeutet, fast alles zu verlieren. Shakir Muzdlifa (29) und Abdallah Wafa (49) sind selbst auf Unterstützung angewiesen. hilfsbedürftige Menschen leben“, sagt sie. Für die dreifache Mutter ist die neue Aufgabe auch eine Chance, um sich hier auf dem Gerade deshalb Arbeitsmarkt zu etablieren. Sie wollen sie anderen Menschen war früher Chefin einer Großküche in Not helfen. In der Suppenküche der Pauluskirche und bringt jede Menge Erfahrung mit. Für Kollegin kochen die beiden ge- Abdallah Wafa, die im Irak als flüchteten Frauen für bedürftige Beamtin gearbeitet hat, ist es ei- Berliner. ne Herausforderung, für so vie- Shakir Muzdlifa würzt das le Menschen zu kochen. Doch die Arbeit tut ihr gut und lenkt Hackfleisch und püriert die Tomaten für die Bolognesesoße. Seit acht Uhr steht sie schon in der Küche, vorher hat sie ihre Kinder in die Kita und zur Schule gebracht. Hier bereiten sie gemeinsam mit ihrer Teamchefin Heike Erpel (38) dreimal pro Woche 60 Mahlzeiten vor, in den Wintermonaten sogar sie vom eigenen Schicksal ab. Vor drei Jahren starb ihr Mann Maroanalsad an Herzversagen. „Ich vermisse ihn so sehr“, sagt sie. Die Milaa GmbH, ein gemeinnütziges Unternehmen, hat sie angestellt und unterstützt das Projekt des evangelischen Diakonievereins. „Viele Bedürftige 80. haben Angst, dass ihnen Ihre Mittagsgäste leben fast Flüchtlinge etwas wegnehmen“, alle auf der Straße oder beziehen staatliche Hilfe. Muzdlifa lebt selbst mit ihrem Mann und drei Kindern in einer Flüchtlingsunterkunft in Lichterfelde. weiß Heike Erpel. Ein Ziel ist es, die Vorurteile abzubauen. Die beiden geflüchteten Frauen haben in Berlin viel Hilfe erfahren. „Wir wollen gern Sie mussten vor zwei Jahren etwas davon zurückgeben“, wegen des Krieges aus ihrer sagt Shakir Muzdlifa. Fotos: Gerd Engelsmann Nach dem Kochen kommt das warme Essen in Warmhalteboxen.