Berliner Zeitung 12.11.2019

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Egon Krenz und wir: Wemgebührt Dank für 1989? Eine Debatte – Meinung Seite 8

Auf eine

Curry mit

Gregor Gysi

Seite 12

4°/8°

Starkbewölkt

Wetter Seite 2

Bundeswehr: Streit über

das öffentliche Gelöbnis

Politik Seite 4

www.berliner-zeitung.de

Götz Aly über

Monika Grütters

Meinung Seite 8

Dienstag,12. November 2019 Nr.263 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Bedingt abwehrbereit: die

Fußball-Nationalmannschaft

Sport Seite 18

Hannover

Ein Sieg

des

Brückenbauers

VonKarlDoeleke

Der neue Oberbürgermeister der

Stadt Hannover heißt Belit

Onay.Damit ist dieWahl, was die Äußerlichkeiten

betrifft, in mehrfacher

Hinsicht historisch: Der 38-Jährige

ist der erste grüne Oberbürgermeister

in der SPD-Hochburg Hannover.

Underist der erste Oberbürgermeister

einer Großstadt, der einer türkischen

Migrantenfamilie entstammt.

Und zum ersten

Mal seit dem

Krieg wird Hannover

nicht von

einem Sozialdemokraten

regiert.

Belit Onay

ist OB mit türkischen

Wurzeln.

Nach dem

Wahlsieg erhielt

der neue Oberbürgermeister,

der ein „Brückenbauer

auch

für eine Migrationsgesellschaft“

sein will, zahlreiche Glückwünsche.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt

sprach angesichts

Onays Herkunft von einer „Sensation“.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident

Stephan Weil (SPD),

selbst einmal OB in Hannover, gratulierte

dem neuen Rathauschef

und fügte hinzu: „Dass ein Politiker

mit türkischen Wurzeln Oberbürgermeister

der größten Stadt Niedersachsens

wird, ist im Übrigen

ein gutes Zeichen für das Miteinander

in unserem Land.“

Dabei war die Kandidatur kein

Selbstgänger.Als eine Grünen-Kommission

den Landtagsabgeordneten

Onay ins Rennen schickte, sprachen

manche schon von einer verpassten

Chance –gerade weil sich Grünen

und CDU nach dem Rücktritt des

SPD-Amtsinhabers nach einer Gehaltsaffäre

erstmals eine realistische

Möglichkeit zur Amtsübernahme

darbot.

Doch Onay –zunächst noch wenig

bekannt –konnte mit seiner lockeren

Artviele Hannoveraner überzeugen.

Mit 52,9 Prozent setzte er

sich in der Stichwahl gegen CDU-

Konkurrenten Eckhard Scholz

durch. Dem Verlierer schickte Onay

am Montag tröstende Worte per

Twitter:„Du bist ein toller Kerl.“

Onay gehört seit 2013 dem niedersächsischen

Landtag als Rechtsund

Innenpolitiker an. Er gilt als eigenständiger

Kopf. „Man muss Belit

Onay von jeder einzelnen Position

überzeugen“, sagt ein Parteifreund

über ihn.

Aufgewachsen ist der 38-Jährige

als Sohn türkischer Elternimniedersächsischen

Goslar. Studiert hat er

Jura.Erund seine Frau Derya haben

einen kleinen Sohn.

Onay will in Hannover eine Verkehrswende

erreichen und mittelfristig

die Innenstadt für den Autoverkehr

sperren. Große Wohnungsbaugebiete

will er im Umland erschließen,

damit im Stadtgebiet

mehr Raum für Grünflächen bleibt.

Außerdem will er das Rathaus für

Bürger öffnen. „Das Rathaus gehört

allen“, sagte er nach der Wahl.

Früher warGeschlechtertrennung in Chören üblich, wie beim Postgesangsverein Liederkranz in Dresden (circa 1935). In Berlin gibt es auch heute noch 17 Männerchöre.

VonAnnika Leister und Elmar Schütze

Mann, oh Mann

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst:

Soll Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit gestrichen

werden? Berlins Justizsenator Dirk Behrendt begrüßt den Vorstoß

Finanzminister Olaf Scholz

(SPD) hat eine Debatte angestoßen,

die für den Berliner

Ruderverein RG Wiking

zum ernsthaften Problem werden

könnte.Esgeht um die Frage,obein

Verein gemeinnützig sein darf, wenn

er ein Geschlecht ausschließt. Scholz

spricht davon, dass es Hunderte Vereine

treffen könnte,der Verein Deutsches

Ehrenamt geht eher von mehrerenTausend

aus.

„Vereine, die grundsätzlich keine

Frauen aufnehmen, sind aus meiner

Sicht nicht gemeinnützig“, sagte

Scholz der Bild am Sonntag und verkündete,

dass man derzeit das Gemeinnützigkeitsrecht

ändere. „Wer

Frauen ausschließt, sollte keine

Steuervorteile haben und Spendenquittungen

ausstellen.“ Nach Informationen

der Berliner Zeitung wird

im Finanzministerium zurzeit die

Reformvorbereitet. Siesoll nicht nur

reine Männer-Vereine,sondernauch

reine Frauen-Vereine betreffen –

wenn sie „ohne sachlichen Grund“

ein bestimmtes Geschlecht von der

Mitgliedschaft ausschließen. Wenn

Vereine hingegen „bestehende geschlechtsbezogene

Nachteile“ beseitigen

wollen, wie zum Beispiel in

Selbsthilfegruppen, sollen sie auch

weiterhin ausschließlich Frauen

oder ausschließlich Männer aufnehmen

dürfen.

Justizsenator Dirk Behrendt

(Grüne) begrüßt Scholz’ Vorschlag.

„Das Gemeinnützigkeitsrecht ist

nicht mehr zeitgemäß und bedarfeiner

Überarbeitung“, sagte Behrendt

am Montag der Berliner Zeitung. Er

warte gespannt auf Vorschläge.

Der Generalsekretär der CSU,

Markus Blume, schätzt die Lage

gänzlich anders ein: „Vereine steuerlich

zu benachteiligen, weil sie sich

mit ihrem Angebot nur an Frauen

oder nur an Männer wenden, ist

grundfalsch“, sagte er. Er führte

Männergesangsvereine, den Katholischen

Frauenbund sowie Burschenvereine

als Beispiele an. „Es ist

absurd, Vereine nach Genderaspekten

in gut und schlecht einzuteilen.“

Für Vereine wie die RG Wiking

könnte eine Reformder Gemeinnützigkeit

gravierende Folgen haben.

Denn der 250 Mitglieder starke Verein

aus Berlin-Neukölln, gegründet

1896, legt in seiner Satzung eindeutig

fest:„Mitglied kann jede (…) männliche

Person werden.“ Seit 123 Jahren

schließt der Verein also Frauen von

der Mitgliedschaft aus.

„Wenn uns wirklich die Gemeinnützigkeit

entzogen würde,müssten

wir uns überlegen, ob wir so weiter

machen können“, sagte Wiking-Finanz-Vorstand

Wolfram Miller im

Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Denn der Verein lebt zu großen Teilen

von öffentlichen Zuschüssen,

etwa für die Bezahlung vonÜbungsleitern,

die Beschaffung von Booten

oder die Sanierung von Gebäuden –

und diese Zuschüsse gibt es nur,

wenn die Gemeinnützigkeit anerkannt

wird.

So schoss die öffentliche Hand

zuletzt 20 Prozent zum Baueiner insgesamt

84 000 Euro teuren Steganlage

im Britzer Zweigkanal zu, weitere

40Prozent wurden als zinsloses

Darlehen gewährt. Die restlichen 40

Prozent musste die RG Wiking selber

aufbringen, etwa durch Spenden.

Doch auch diese dürften wesentlich

spärlicher fließen, wenn sie nicht

mehr steuerlich geltend gemacht

werden könnten, so Miller. Das sei

umso bitterer,daman in den vergangenen

Jahren stets eine deutlich höhere

Spendensumme eingesammelt

habe, als an Mitgliedsbeiträgen ein-

„Das Gemeinnützigkeitsrecht ist

nicht mehr zeitgemäß

und bedarf einer Überarbeitung.

Wir warten gespannt auf die Vorschläge.“

Dirk Behrendt (Grüne), Berliner Justizsenator

geflossen sei. „Die Gemeinnützigkeit

ist für uns essenziell“, sagt Miller.

Auch bei der RG Wiking in Neukölln

sind in den vergangenen Jahren

Gleichberechtigungsfragen debattiert

worden. Doch eine Öffnung

der Satzung fand keine Mehrheit.

Das lag zum einen daran, dass es im

Leistungssport-Rudern keine

Mixed-Boote gibt, Frauen und Männer

also getrennt starten. Zumanderen

aber auch daran, dass „viele ältere

Mitglieder das nicht akzeptiert

hätten“, wie Vorstand Miller sagt.

Also gründeten die interessierten

und zum Teil ohnehin schon engagierten

Frauen vor fünf Jahren den

Neuköllner Ruderclub Berlin, einen

reinen Frauenverein. Vomersten Tag

an kooperierten die Frauen der

NRCB mit den Männern der RG Wi-

IMAGO IMAGES

king. Beide Vereine teilen sich Infrastruktur

und Trainer.

Hart treffen könnte eine Reform

zum Beispiel auch die Vereine im

Bund der historischen deutschen

Schützenbruderschaften (BhDS).

1300 Bruderschaften sind darin organisiert,

14 Prozent davon schließen

Frauen per Satzung aus, sagt

Sprecher Rolf Nieborg, und begründen

das mit der christlichen Ausrichtung

und jahrhundertealter Tradition:

„Im Rahmen ihrer religiösen

Selbstbestimmung dürfen Vereine

frei über Mitgliedschaften entscheiden.

Steuerrecht darfsich nicht über

Renten steigen

um mehr als

drei Prozent

39,20 Euro monatlich mehr

im Osten, 31,50 im Westen

Die rund 21 Millionen Rentner

können sich auch im kommenden

Jahr auf deutlich steigende Bezüge

freuen. Zum1.Juli 2020 dürften

die Renten in Westdeutschland um

3,15 Prozent und in Ostdeutschland

um 3,92 Prozent steigen. Das geht

aus einem Entwurf für den Rentenversicherungsbericht

2019 hervor.

Eine monatliche Rente von 1000

Euro,die nur auf West-Beiträgen beruht,

dürfte sich dadurch um 31,50

Euro erhöhen, eine gleich hohe

Rente mit Ost-Beiträgen um 39,20

Euro. Eshandelt sich bei den Angaben

um Schätzungen zum jetzigen

Zeitpunkt. Die exakten nötigen

Werte für die Berechnung der Rentenerhöhung

liegen erst im Frühjahr

2020 vor. Dass die Annahmen zur

Rentensteigerung am Tagnach der

Einigung der Koalition zur Grundrente

bekannt wurden, ist Zufall. Die

Vorausberechnungen werden jedes

Jahr um diese Zeit fertiggestellt.

Demnach dürfte sich die Erhöhung

auf dem Niveau dieses Jahres

bewegen. Im Juli hatten die Renten

im Westen um 3,18 Prozent, im Osten

um 3,91 Prozent zugelegt. Die

Rentenerhöhung folgt vor allem der

Lohnentwicklung, die ihre Basis in

der konjunkturellen Lage hat. Auch

die Beitragsentwicklung und das

Verhältnis von Beitragszahlern und

Rentnernspielen eine Rolle.

Insgesamt sollen die Renten laut

dem Berichtab2020 bis 2033 um insgesamt

rund 36,4 Prozent steigen.

„Dies entspricht einer durchschnittlichen

Steigerungsrate von rund 2,2

Prozent proJahr.“

Einigung auf die Grundrente

Am Sonntag hatte sich der Koalitionsausschuss

auf die Einführung einer

Grundrente verständigt, die höher

als die Grundsicherung liegt.

Den Zuschlag sollen Rentner bekommen,

die 35 Beitragsjahrehaben

und deren Beitragsleistung unter 80

Prozent, aber über 30 Prozent des

Durchschnittseinkommens liegt.

Geplant ist eine Einkommensprüfung,

nicht aber eine vonder SPD abgelehnte

Bedürftigkeitsprüfung. Mit

Spannung wurden die Reaktionen

der Bundestagsfraktionen von SPD

und vor allem der Union an diesem

Dienstag erwartet. (dpa)

Seiten 2und 3

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Entgelt bezahlt

Verfassungsrecht hinwegsetzen“,

sagte Nieborg der Berliner Zeitung.

Die Bruderschaften nähmen auch

nur Christen auf –eine weitere Einschränkung.

Scholz’ Vorschlag sei

„reiner Populismus“, der Finanzminister

versuche so, Wählerstimmen

bei Frauen zu sammeln, sagt Nieborg.„Wir

gehen davon aus,dass das

nicht durchgesetzt wird.“

Kein Problem dürften Gesangsvereine

haben, die traditionell auch

häufig geschlechtergetrennt proben.

Im Berliner Chorverband sind 17

Männer-, 18 Frauen- und 175 gemischte

Chöre organisiert. Doch die

Männerchöre, die die Berliner Zeitung

anrief, sind gelassen –weil sie

Frauen in ihrer Satzung nicht explizit

ausschließen. „Aktiv singen bei uns

nur Männer“, sagt Roland Groth

vom Männerchor Eintracht 1892

Berlin-Mahlsdorf, „aber Frauen dürfen

fördernde Mitglieder sein“.

Übrigens: Finanzminister Scholz

ist selbst Ruderer. Zuseiner Zeit als

Hamburger Oberbürgermeister ruderte

er im Klub Allemannia von

1866 über die Alster. Einem Verein,

der lange Zeit nur Männer an die

Riemen ließ. Bis zueiner Satzungsänderung

–imMärzdieses Jahres. 4 194050 501603

21046


2* Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Die neue Grundrente

„Ein vernünftiger Kompromiss“

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans über die Einigung im Grundrentenstreit und die Querelen in der Partei

Grundrente

Werbekommt

sie?

Die Idee der Grundrente ist, diejenigen

besserzustellen, die ein

Leben lang gearbeitet und ins Rentensystem

eingezahlt haben, aber nur

über sehr geringe Rentenansprüche

verfügen. Dabei geht es um Menschen,

die mindestens 35 Jahre Beiträge

gezahlt haben, Kindererziehungs-

und Pflegezeiten einbezogen.

Um zu vermeiden, dass jemand, der

auf geringfügig weniger als 35 Beitragsjahre

kommt, leer ausgeht, soll

es eine Gleitzone geben. Darüber ist

aber noch nichts Genaues bekannt.

Laut Arbeitsministerium werden voraussichtlich

1,2 bis 1,5 Millionen

Menschen die Grundrente erhalten.

Vier von fünf davon seien Frauen,

heißt es im Ministerium. Denn sie

hätten häufiger als Männer der Familie

wegen nur Teilzeit gearbeitet –

oder in Berufen, in denen vergleichsweise

schlecht bezahlt wird. (pet.)

AFP

Aufschlag

„Deutschland bekommt

eine

Grundrente, sozial

und gerecht“, sagt

Vizekanzler und Finanzminister

Olaf

Scholz (SPD).

Wieviel Geld

gibt es?

Das hängt davon ab,wie viele Rentenpunkte

Versicherte als Berufstätige

gesammelt haben. Einen

Punkt erhält, wer für ein durchschnittliches

Jahreseinkommen (derzeit

knapp 38 000 Euro) Rentenbeiträge

zahlt. Bei der Grundrente gilt:

Werüber die Jahreweniger als 80 Prozent

des Durchschnittseinkommens

verdient und damit weniger als 0,8

Punkte proJahr gesammelt hat, erhält

eine Aufwertung seiner Rentenansprüche.

Man muss aber im Schnitt

wenigstens 0,3 Punkte erreicht haben.

Werimmer nur Minijobs hatte,

profitiert nicht. Als Beispiel für die

Grundrentenberechnung nennt das

Arbeitsministerium eine Friseurin,

die 40 Jahrefür 40 Prozent des Durchschnittslohns

gearbeitet hat. Sie

komme derzeit auf eine Rente von

528,80 Euro.Mit Grundrente seien es

künftig 933,66. (pet.)

Er ist der jüngste Ministerpräsident

Deutschlands

und einer der engsten Vertrauten

von CDU-Chefin

Annegret Kramp-Karrenbauer. Als

die Ministerpräsidentin im Saarland

war, unterstützte sie Tobias

Hans als Fraktionschef im Landtag.

Die aktuellen Querelen betrachtet

der 41-Jährige mit einiger Gelassenheit.

Herr Hans, der Wirtschaftsflügel kritisiert

den Grundrenten-Kompromiss,

Fraktionschef Ralph Brinkhaus

sagt, man werde noch viel erklären

müssen. Begeisterung sieht anders

aus, oder?

Das Grundrenten-Paket ist ein

vernünftiger Kompromiss mit wesentlicher

Unions-Prägung. Dank

der Union halten wir die Balance

zwischen Anerkennung vonLebensleistung

und Wachstumsimpulsen

für die Wirtschaft. Die strenge Einkommensprüfung

stellt sicher, dass

die Grundrente sozial- und generationengerecht

wird. Mit dem flankierenden

Maßnahmenpaket wirken

wir der Entstehung von Altersarmut

entgegen und setzen gleichzeitig

Wachstumsimpulse für Zukunftstechnologien.

DieEinigung, die es jetzt gibt, war im

Grundsatz schon vorMonaten im Gespräch.Warum

ging das nicht schneller?

Hatdie große Koalition zu wenig

Kraft?

Ichhabe mir gewünscht, dass wir

noch eine Lösung vorden Landtagswahlen

finden. Dass das nicht passiertist,

lag auch daran, dass die SPD

Vorschläge gemacht hat, die absolut

nicht mit dem Koalitionsvertrag

übereinstimmen. Die jetzt gefundene

Lösung zeigt den Kompromissund

Gestaltungswillen der großen

Koalition.

Wird Ihnen die Einigung auf dem

Parteitag um die Ohrengehauen?

Da der Kompromiss wesentliche

Unions-Elemente enthält, bin ich

davon überzeugt, dass der Parteitag

hinter dem Grundrenten-Paket stehen

wird.

Hatdie CDU ein Führungsproblem?

Nein. DieCDU hat kein Führungsproblem.

Das Problem ist das fehlende

Teamspiel. Wirmüssen also zusammenrücken

und die Suche nach

der scheinbar rettenden Lichtgestalt

beenden. Wir dürfen hier nicht dieselben

Fehler machen wie die SPD.

Aber es gibt eine große Unzufriedenheit

in der CDU, auch mit der Vorsitzenden.

Wir sind immer noch in einer

Umbruchphase. Annegret Kramp-

Karrenbauer hat die Abstimmung

über den Parteivorsitz knapp gewonnen.

Daslässt sich nicht binnen

Wochen oder Monaten zusammenführen.

Auch Angela Merkel war

nicht vom ersten Tagandie unumstrittene

Führungsfigur. Das

braucht Zeit.

Über die Grundrente hat die große Koalition lange gestritten.

Wäre die Klärung der Kanzlerkandidatur

eine Möglichkeit, die Unruhe

zu beseitigen?

Wir haben eine Bundeskanzlerin,

die bis 2021 gewählt ist. Wir haben

vor einem Jahr eine Parteivorsitzende

gewählt. Und über die

Kanzlerkandidatur werden wir im

nächsten Jahr entscheiden, so haben

wir dies gemeinsam vereinbart.

Werglaubt, es müsse jetzt die Führungsfrage

gestellt werden, sollte

den Muthaben, dies auf dem Parteitag

in Leipzig zu tun, statt in Interviews

oder durch öffentliche Querschüsse.

Dort ist der richtige Ort,

dies zu diskutieren. Ich finde aber,

weit wichtiger als verfrühte und unnötige

Personaldebatten zu entfachen,

ist es, Deutschland gut zu regieren.

ZUR PERSON

GETTY IMAGES; DPA

Tobias Hans, geboren am 1. Februar 1978 in Neunkirchen, ist der Sohn des ehemaligen

saarländischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Hans (1950–2007). Hans studierte an der

Universität des Saarlandes Wirtschaftsinformatik, Informationswissenschaft und Anglistik,

ohne jedoch einen Studienabschluss zu erreichen. 1994 trat Hans in die CDU ein. Seit März

2018 ist er Ministerpräsident des Saarlandes.

Mit einer Aufforderung zur öffentlichen

Führungsdebatte auf dem Parteitag

fordern Sie eine Entscheidung

mit den Füßen heraus.

Ichbin fest davon überzeugt, dass

der Parteitag zu der Entscheidung

stehen wird, die er voreinem Jahr getroffen

hat. Deswegen halte ich die

Debatte ja auch für überflüssig. Aber

wenn sie nicht aufhört, muss man

miteinander diskutieren. Verordnete

Geschlossenheit wäre genauso

schädlich wie Selbstzerfleischung.

Aber die K-Frage lastet über allem.

Die Union ist bislang hervorragend

damit gefahren, dass sie das

Erstzugriffsrecht der Parteivorsitzenden

ernst genommen hat. Wir

haben von 19Bundestagswahlen 16

als stärkste Partei für uns entschieden.

Nach 13 Wahlen haben wir

dann auch regiert–und zwar jeweils

mit dem oder der Parteivorsitzenden

als Spitzenkandidat. In zwei Fällen

hat der oder die Parteivorsitzende

verzichtet, einmal Helmut Kohl und

einmal Angela Merkel. Da haben wir

dann die Wahlen verloren.

Friedrich Merz hat eine Rede angekündigt.

Ist das das nächste Duell?

Undwer gewinnt es?

Friedrich Merz wird seine Sicht

der Dinge darlegen. Aber es ist keine

Auseinandersetzung zwischen der

Parteivorsitzenden und einem Delegierten.

In die Aussprache auf dem

Parteitag werden sicherlich mehrere

eingreifen und eine grundsätzliche

Debatte kann uns auch gut tun und

uns als Partei starkmachen.

Es gibt die Klage, dass nicht klar sei,

wofür die CDU steht.

In den letzten Jahren war bei

mancher Debatte unser politischer

Kompass nicht immer hinreichend

kalibriert. Hier müssen wir ansetzen.

Das schaffen wir aber nicht durch

Personalquerelen, sondern nur

durch inhaltliche Debatten. Annegret

Kramp-Karrenbauer hat dafür

einige Impulse geliefert – von der

Debatte um das verpflichtende

Dienstjahr bis zum Anstoß für Sicherheitszonen

in Syrien. Es ist jetzt

eine riesige Chance für die CDU, sich

zu emanzipieren und ihre Rolle neu

zu finden –als Motor und nicht mehr

als Getriebe der Regierung.

Wiehalten Sieesmit Linkspartei und

AfD? In Thüringen muss sich die

CDU entscheiden, ob sie mit einer der

beiden Parteien zusammenarbeitet.

Es gibt einen Parteitagsbeschluss

der CDU, der die Zusammenarbeit

mit beiden Parteien ausschließt. Das

kommt also nicht infrage. Zunächst

hat jetzt Ministerpräsident Ramelow

die Aufgabe, eine Mehrheit zu finden.

Falls dies nicht klappt, könnte

die Linkspartei auch eine Regierung

aus CDU, SPD, Grünen und FDP tolerieren.

Über allem steht dieVerantwortung

der demokratischen Parteien

zu verhindern, dass ein rechtsextremer

Arm der AfD über die Geschicke

eines Bundeslandes

bestimmt.

Wie erklären Sie sich, dass sich viele

Wähler nicht davon abschrecken lassen,

dass die AfD als in wesentlichen

Teilen rechtsextrem gilt?

Wir müssen dringend überlegen,

wie wir die Lebensleistung der Menschen

inden ostdeutschen Bundesländern

besser würdigen. Auch

wenn sich die Dingedortsehr positiv

entwickelt haben, haben viele Menschen

offenbar noch immer das Gefühl,

nicht genügend anerkannt und

wertgeschätzt zu werden. Wir müssen

noch stärker anerkennen, dass

es im Osten teils deutlich andere,

aber ebenfalls gelungene Lebensleistungen

gibt.

DasGespräch führte DanielaVates.

Bedarf

Wiewird

geprüft?

Maßgeblich ist künftig allein das

Einkommen. Diepersönlichen

Vermögensverhältnisse,also Grundbesitz,

Aktiendepots oder Sparkonten,

spielen keine Rolle. Die volle

Grundrente erhält, wer monatlich

ein zu versteuerndes Einkommen

von weniger als 1250 Euro (Paare:

1950 Euro) hat. Liegt das Einkommen

darüber,wirdesanteilig mit der

Grundrente verrechnet – der Rentenanspruch

sinkt dann also schrittweise

ab. Details sind aber offen. Zu

dem zu versteuernden Einkommen

zählen unter anderem Arbeits- und

Kapitaleinkommen sowie der steuerfrei

gestellte Anteil der Rente. Die

Daten sollen automatisch vom Finanzamt

an die Rentenversicherung

gemeldet werden. Vorher muss aber

noch die Zinsbesteuerung geändert

werden, denn wegen der bisher anonym

erhobenen Abgeltungsteuer

ist dem Finanzamt die Höhe der Kapitalerträge

gar nicht bekannt. (tms.)

DPA

Grundsicherung

CDU-Chefin und

Verteidigungsministerin

Annegret

Kramp-Karrenbauer

sagt, das Ergebnis

sei „mehr als

ausgewogen“.

Wasändert

sich?

Momentan macht es für denjenigen,

der Grundsicherung im Alter

bezieht, gar keinen Unterschied,

ob er jahrzehntelang gearbeitet und

in die Rentenversicherung eingezahlt

hat –oder ob er nichts dergleichen getan

hat. Denn gesetzliche Rentenansprüche

werden bislang voll auf die

Grundsicherung angerechnet. Künftig

soll es in der Grundsicherung einen

Freibetrag für diejenigen geben,

die 35 Jahre inder gesetzlichen Rentenversicherung

oder auch in anderen

verpflichtenden Alterssicherungssystemen

versichert waren –

damit für sie zumindest ein bisschen

etwas zusätzlich übrig bleibt. Der

Freibetrag soll abhängig vonder individuellen

Rente berechnet werden

und laut Arbeitsministerium höchstens

212 Euro betragen. (pet.)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute machen die Höchstwerte bei 8Grad halt. Dazu ist esgebietsweise

stark bewölkt, vereinzelt jedoch auch freundlich. Der Wind weht schwach

bis mäßig aus südwestlichen Richtungen. In der Nacht funkeln nur selten

die Sterne, der Himmel ist stark bewölkt bis bedeckt. Eswerden Tiefstwerte

von 3bis 0Grad erreicht.

Biowetter: Die aktuelle Wetterlage

wirkt sich negativ auf den gesunden

Tiefschlaf und rheumatische Erkrankungen

aus. Menschen mit hohem

Wittenberge

Blutdruck sollten einen Gang zurückschalten.

3°/8°

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 18 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 19 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 24 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 79%

Gefühlte Temperatur: maximal 8Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

2°/8° 4°/8°

Luckenwalde

3°/8°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

bedeckt Regen bedeckt

3°/7° 1°/6° 5°/10°

Prenzlau

3°/8°

Cottbus

3°/8°

Frankfurt

(Oder)

3°/8°

Ein Tief über der Nordsee lenkt feuchte und wolkenreiche Luft von den Britischen

Inseln nach Mitteleuropa. Nur in Richtung Oder und Donau gibt es noch

ein paar größere Wolkenlücken. Zwischen dem Nordbalkan, Italien und Tunesien

sorgen Starkregenfälle für Unwetter. InSkandinavien macht sich der Winter

breit.

Köln

4°/8°

Sylt

3°/6°

Saarbrücken

1°/4°

Hannover

2°/7°

Konstanz

1°/7°

Hamburg

2°/6°

Erfurt

2°/5°

Frankfurt/Main

3°/6°

Stuttgart

3°/7°

Rostock

1°/7°

Magdeburg

2°/7°

Nürnberg

2°/8°

München

3°/7°

Rügen

2°/8°

Dresden

4°/7°

Deutschland: Heute sorgen viele

Wolken nur an wenigen Stellen auch

für Regenfälle. Dabei werden während

des Tages 4bis 8Grad erreicht,

nachts kühlt es dann auf 4bis minus

1Grad ab. Der Wind weht schwach

bis mäßig aus Südwest. Morgen ist

der Himmel über weite Strecken des

Tages wechselnd bis stark bewölkt,

und die Höchsttemperaturen sind bei

3bis 9Grad anzutreffen. Der Wind

weht nur schwach aus Süd.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 7°-10°

Nordsee: 9°-12°

Mittelmeer: 15°-26°

Ost-Atlantik: 11°-18°

Mondphasen: 12.11. 19.11. 26.11. 04.12.

Sonnenaufgang: 07:22 Uhr Sonnenuntergang: 16:18 Uhr Mondaufgang: 16:41 Uhr Monduntergang: 06:47 Uhr

Lissabon

17°

Las Palmas

22°

Madrid

13°

Reykjavik


Dublin


London


Paris


Bordeaux

13°

Palma

17°

Algier

14°

Nizza

18°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

13°

Tunis

16°

Rom

15°

Warschau

12°

Wien

7° Budapest

11°

Palermo

15°

Kiruna

-12°

Oulu

-2°

Dubrovnik

23°

Athen

24°

St. Petersburg


Wilna


Kiew

10°

Odessa

16°

Varna

20°

Istanbul

24°

Iraklio

26°

Archangelsk

-5°

Moskau


Ankara

21°

Antalya

28°

Acapulco 32° Gewitter

Bali 31° heiter

Bangkok 31° wolkig

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 22° bewölkt

Casablanca 19° heiter

Chicago -8° wolkig

Dakar 30° sonnig

Dubai 29° sonnig

Hongkong 25° wolkig

Jerusalem 23° sonnig

Johannesburg 27° Gewitter

Kairo 31° wolkig

Kapstadt 24° wolkig

Los Angeles 25° sonnig

Manila 29° Gewitter

Miami 29° Schauer

Nairobi 29° bewölkt

Neu Delhi 29° sonnig

New York 15° Regen

Peking 16° heiter

Perth 30° sonnig

Phuket 32° heiter

Rio de Janeiro 25° Schauer

San Francisco 20° wolkig

Santo Domingo 29° heiter

Seychellen 29° heiter

Singapur 32° Gewitter

Sydney 35° heiter

Tokio 22° sonnig

Toronto -4° Schnee


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 3 *

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Die neue Grundrente

Finanzierung

Start-ups

Woher kommt

das Geld?

Die Mehrausgaben der gesetzlichen

Rentenversicherung für

die Grundrente in Höhe von geschätzt

1,5 Milliarden Euro werden

nicht aus Beiträgen, sondern aus

dem allgemeinen Bundeshaushalt

bezahlt. Die Grundrente ist also

steuerfinanziert. Dazu soll der Zuschuss

des Bundes an die Rentenversicherung

vonderzeit rund 100 Milliarden

Euro entsprechend erhöht

werden. Zur Gegenfinanzierung soll

die seit langem diskutierte Finanztransaktionssteuer

eingeführt werden.

Sie könnte je nach Ausgestaltung

Einnahmen von rund 1,1 Milliarden

Euro pro Jahr bringen. Die

restlichen 400 Millionen Euro muss

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD)

in seinem Haushalt einsparen, der

immerhin ein Volumen von fast 150

Milliarden Euro hat. (tms.)

Es wird regiert

Die Koalitionsrunde am Sonntag im Kanzleramt hat Handlungsfähigkeit bewiesen.

GETTY IMAGES

Woher kommt

die Förderung?

U

mder Union –und vorallem dem

Wirtschaftsflügel in der CDU –

die Zustimmung zum Grundrenten-

Kompromiss zu erleichtern, haben die

Koalitionäre auch einige Reformen

beschlossen, die die deutsche Wirtschaft

stimulieren sollen. Einlange gehegter

Wunsch wird nun Realität:

mehr Geld für junge und innovative

Firmen aus Deutschland. Anders als

zum Beispiel in den USA haben Startups

hierzulande bislang ab einer gewissen

Größe Probleme, genügend

Wagniskapital für ihrWachstum zu organisieren.

Das soll sich nun ändern.

Die große Koalition will einen Beteiligungsfonds

für Zukunftstechnologien

auflegen: Bis zuzehn Milliarden Euro

sollen über die KfW-Bank für Firmen

in den Bereichen Digitalisierung und

Klimatechnologien zu Verfügung gestellt

werden. (ani.)

Finanztransaktionssteuer

Wasbedeutet sie

für die Anleger?

Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer

ist bereits im Koalitionsvertrag

fixiert. Finanzminister

Olaf Scholz (SPD) hat dafür im

Juni eine Grundsatzeinigung mit

neun anderen EU-Staaten erreicht.

Über die Steuer wirdseit einem Jahrzehnt

gestritten –eigentlich sollte sie

vor allem Spekulanten bremsen, die

exzessiv mit Wertpapieren handeln.

Doch dieser Effekt wird sich nicht

einstellen: Denn nach den bisherigen

Planungen sollen just Finanzinstrumente,

die bei Zockern beliebt

sind, wie Optionen und Derivate aller

Art, verschont werden. Vorgesehen

ist, auf Transaktionen mit Aktien

0,2 Prozent des Werts zukassieren.

Experten haben vielfach kritisiert,

dass auch Fondssparer betroffen wären,

die Geld für die Altersvorsorge

anlegen. Ein anderes Problem: Die

Umgehung ist einfach. Denn unter

anderem Luxemburg macht bei der

Steuer nicht mit. Finanzprofis werden

ihre Geschäfte mutmaßlich

dorthin verlagern. (ftw.)

Betriebsrenten

Wastun gegen

doppelte Beiträge?

Seit 2004 muss auf Betriebsrenten

nicht nur der halbe, sondern der

volle Beitragssatz für die gesetzliche

Krankenversicherung gezahlt werden.

Künftig gilt generell ein Freibetrag

von aktuell 155,75 Euro im Monat.

Die Betriebsrente bleibt also

stets in dieser Höhe beitragsfrei. Das

bedeutet für alle Betriebsrentner ein

Plus von knapp 30 Euro monatlich.

Damit müssen laut Koalition etwa 60

Prozent der Betriebsrentner de facto

nur noch den halben Beitragssatz

zahlen, die anderen 40 Prozent werden

zumindest teilweise entlastet.

Der Freibetrag wird entsprechend

der Lohnentwicklung dynamisiert.

Die Mindereinnahmen von jährlich

1,2 Milliarden Euro werden komplett

aus Beiträgen und Rücklagen der gesetzlichen

Krankenversicherung finanziert.

(tms.)

Bei der CDU herrscht nach

der Grundrenteneinigung

dicke Luft: „Das wirdjaimmer

verrückter in Berlin“,

schimpft der Vorsitzende des

Unions-Wirtschaftsflügels im Bundestag,

Christian von Stetten, am

Montagvormittag. „Die Parteivorsitzenden

haben im Koalitionsausschuss

beschlossen, die getroffenen

Vereinbarungen im Koalitionsvertrag

zu brechen, um die Koalition

über den SPD-Parteitag hinaus zu

retten.“

In der Sitzung des CDU-Vorstands

geht der Ärger weiter:Dreider

26 Mitglieder stimmen dort gegen

den Kompromiss mit der SPD –Olav

Gutting, ein Finanzpolitiker aus Baden-Württemberg,

der Vorsitzende

der Jungen Union, Tilman Kuban,

und der Chef der Mittelstandsvereinigung,

Carsten Linnemann.

Es gebe Gutes an dem Kompromiss,

wie zum Beispiel den Zukunftsfonds,

sagt Kuban. „Aber was

falsch ist, wirdnicht dadurch richtig,

dass man andere Dinge hinzufügt.“

Die Grundrente bleibe ein Fehler.

„Generationenungerechtigkeit“,

dieses Wort findet Kuban dafür, der

immer wieder gegen das Vorhaben

gewetterthat.

Es gibt noch einen anderen Link

zwischen den drei von der Protestbank:

Siegelten als Unterstützer von

Friedrich Merz,als Befürworter einer

Kanzlerkandidatur des Ex-Unions-

Fraktionschefs.

Milde Wortevon Merz

Derhatte noch am Sonntag per Twitter

erklärt, der Kompromiss könne

„ein Weg“ zu einer Grundrente sein.

Kein „grottenschlecht“ dieses Mal

also vonseiner Seite,nachdem seine

Abrechnung mit der Groko-Arbeit

vor zwei Wochen in der Union einigen

Verdruss hervorgerufen hatte.

Eine Einschränkung machte Merz

allerdings auch noch: Er müsse sich

erst noch die Details der Regelung

ansehen.

CDU-Chefin Annegret Kramp-

Karrenbauer zeigt sich unverdrossen.

Ausdrücklich lobt sie die Kompromisssuche

mit den Koalitionspartnern.

Sie sei außerdem mit den

Gremiensitzungen „sehr zufrieden“.

„In der überwiegenden Breite der

Partei trägt die CDU das mit.“ Und

auch aus dem Wirtschaftsflügel und

von der Jungen Union seien einige

für den Kompromiss. ImParteivorstand

habe es „ein Votum der Vorsitzenden“

der beiden Gruppen gegeben.

„Ob es alle Mitglieder umfasst,

lasse ich dahingestellt.“

Für die Fraktionssitzung an diesem

Dienstag wird dennoch eine

25 %

20 %

15 % 16,0

14,6

10 %

5%

Nach der Einigung auf die

Grundrente gibt es heftige Kritik in

der CDU. In der SPD überwiegt

Zufriedenheit. Fest steht: Die

Koalition hat sich zusammengerauft.

Grundsicherungsquote

Anspruch in Prozent

10,1

9,8

9,0

6,5

6,4

2015–

2019

VonDaniela Vates und Andreas Niesmann

Grundsicherungsschwelle für einen Ein-Personen Haushalt (2015-2019): 777 Euro/Monat

unter 80 Jahre

über 80 Jahre

Migrationshintergrund 1. Generation

Ohne Berufsabschluss

2020–

2024

heftige Debatte erwartet –ein Kräftemessen

auch für Unions-Fraktionschef

Ralph Brinkhaus,der den Kompromiss

unterstützt.

Einen zentralen Nachbesserungsbedarf

für die künftige Arbeit

der Koalition meldete Kramp-Karrenbauer

dennoch an. Die Kommunikation

müsse deutlich besser werden,

sonst entstehe immer der Eindruck,

man habe „nur ein paar Krümel

in der Hand“, selbst wenn es sich

um ein „gutes Stück des Kuchens“

handele.

Beim Koalitionspartner SPD

überwiegt am Tagnach dem Durchbruch

die Erleichterung. Ohne Einigung

bei der Grundrente wäre eine

Fortsetzung der großen Koalition der

SPD-Basis kaum vermittelbar gewesen.

Selbst der Vizekanzler und

GroKo-Befürworter Olaf Scholz

hatte das vor dem Gipfel durchbli-

Ostdeutsche

Westdeutsche

Gesamt

2025–

2029

2030–

2034

22,8

21,3

16,0

12,0

11,9

11,6

10,1

2035–

2039

BLZ/GALANTY; QUELLE: BERTELSMANN STIFTUNG, AFP

cken lassen, als er in einem Interview

zu Protokoll gab,dass eine Regierung

„kein Selbstzweck“ sei, sondern gewählt

werde, um„das Land zu führen

und die drängenden Probleme zu lösen“.

Werwollte,hatte in diesen Zeilen

eine versteckte Drohung lesen

können.

Mit dem nun gefundenen Kompromiss

aber stehen die Tore für eine

Fortsetzung der Regierungsarbeit

weit offen. Selbst notorisch GroKokritische

linke Sozialdemokraten tun

sich schwer, Kritik an der Einigung

zu formulieren. „Man muss sicher

eingestehen, dass das ein Riesenfortschritt

ist, die SPD hat sich in den

wesentlichen Punkten durchgesetzt“,

sagt Karl Lauterbach am

Montag. Zwar hätte er sich einen

vollständigen Verzicht auf jede Form

der Bedarfsprüfung gewünscht,

doch sei die nun gefundene Lösung

„viel besser als die im Koalitionsvertrag

vereinbarte“, räumt er ein.

Um 11 Uhrtritt im Berliner Willy-

Brandt-Haus das erweiterte Parteipräsidium

der SPD zusammen. Auch

dort beglückwünschen sich die Genossen.

Eigentlich stehen mit der

Halbzeitbilanz der großen Koalition

und dem Fahrplan zum SPD-Parteitag

komplizierte Themen auf der

Agenda, doch angesichts der allgemeinen

Zufriedenheit ist die Laune

der Genossen prächtig.

Die Übergangsvorsitzende Malu

Dreyer wirkt nach der Sitzung wie

befreit. „Einmütig“ habe sich das

Präsidium der SPD hinter den Kompromiss

gestellt, betont Dreyer im

Atrium der Parteizentrale. „Ich will

noch einmal sehr klar sagen, dass die

Halbzeitbilanz der Koalition mit der

Grundrente richtig gut abgerundet

worden ist“, fügt Dreyer hinzu. Sie

benutzt fast wortgleich die Formulierung,

die Bayerns Ministerpräsident

und CSU-Chef Markus Söder

am Vortag verwendet hatte. Zwar

spart sich Dreyer den Nachsatz Söders,dass

es nun keinen Grundmehr

gebe, über den Fortbestand der Regierung

zu diskutieren. Doch auch

so ist klar,woaus Sichtder SPD-Chefin

die Reise hingehen soll.

EinAnreiz für den Verbleib

Aussprechen kann Dreyer das an

diesem Tag allerdings nicht, denn

noch ist nicht klar,wer die SPD künftig

führen wird. Neben dem GroKo-

Befürworter Scholz und seiner Partnerin

Klara Geywitz stehen auch die

GroKo-Skeptiker Saskia Esken und

NorbertWalter-Borjans in der Stichwahl

um den Parteivorsitz. Am 19.

November beginnt die Urwahl, am

30. November wirddas Ergebnis verkündet.

Bei der Formulierung des

Leitantrags für den am 6. Dezember

beginnenden SPD-Parteitag wird

das neue Führungsduo ein gehöriges

Wort mitzureden haben. Das gilt

vor allem für die Frage, obder Vorstand

die Fortsetzung oder die Aufkündigung

der GroKo empfiehlt.

Sollte das Duo Scholz und Geywitz

die Wahl gewinnen, ist die

GroKo gerettet. Bei einem Sieg von

Esken und Walter-Borjans wäre das

Ergebnis nicht so sicher. Allerdings

hätte auch dieses Duonun einen Anreiz

mehr, inder Koalition zu bleiben.

Denn zum Parteitag werden die

Grundrentenpläne noch nicht umgesetzt

sein. Bricht die Koalition auseinander,ist

dieGrundrente tot. Das

aber will in der SPD niemand. Und

deshalb ist es wahrscheinlich, dass

die Kompromisse vom Sonntagnachmittag

ihren Wegindas Gesetzblatt

finden werden.

Arbeitslosenversicherung

Wieviel bleibt von

der Senkung?

Vor allem Bundeswirtschaftsminister

Peter Altmaier (CDU) hat

seit langem die Senkung des Beitrags

zur Arbeitslosenversicherung gefordert.

Altmaier bekommt nun seinen

Willen –zumindest ein bisschen.Von

derzeit 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens

wird der Beitragssatz befristet

bis Ende 2022 auf 2,4 Prozent

gesenkt. Es ist eine Entlastung um

0,1 Prozentpunkte, Wirtschaft und

die Minister hatten 0,3 Prozentpunkte

gefordert. Auch die Mini-

Senkung hat einen Effekt. Sollte der

Beitrag schon zum 1. Januar sinken,

rechnet die Arbeitsagentur mit Mindereinnahmen

von 1,2 Milliarden

Euro im kommenden Jahr. Das Geld

teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Ein Durchschnittsverdiener

mit 35 000 Jahreseinkommen hätte

aufs Jahr gerechnet 175 Euro mehr

im Portemonnaie. (ani.)

Zeitplan

Wiegeht es

weiter?

Die Grundrente soll laut dem Beschluss

der Koalitionsspitzen

zum 1. Januar 2021 eingeführt werden

–für Bestands- wie für Neurentner.

Doch zuvor muss die Einigung

noch in Gesetzesform gegossen und

vom Bundestag beschlossen werden.

Grundvoraussetzung dafür ist,

dass die Unions-Fraktion den Kompromiss

akzeptiert, bei dem die SPD

erheblich mehr herausgeholt hat, als

im Koalitionsvertrag vereinbart. Vor

allem aber muss die große Koalition

halten. Denn sollte die SPD auf ihrem

Parteitag im Dezember oder

auch kurz darauf beschließen, das

Bündnis aufzukündigen, ist die

Union nicht an die Umsetzung des

Kompromisses gebunden. Dann

gäbe es vermutlich Neuwahlen und

neue Mehrheiten. Kommt die

Grundrente tatsächlich, soll sie bis

Ende 2025 durch die Bundesregierung

daraufhin geprüft werden, ob

die anvisierten Ziele mit ihr erreicht

werden. (pet.)


4** Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Zahl der Rechtsextremisten

in Thüringen gestiegen

DieZahl der Rechtsextremisten in

Thüringen ist gestiegen. DieSicherheitsbehörden

rechneten der rechtsextremistischen

Szene im vergangenen

Jahr rund 900 Menschen zu –

nach 835 im Jahr davor,wie aus dem

am Montag veröffentlichten Verfassungsschutzbericht

hervorgeht.

Rund 250 Menschen davon gehörendemnach

zu den gewaltbereiten

Rechtsextremisten. DieZahl rechtsextremistischer

Straftaten sank im

selben Zeitraum hingegen. Insgesamt

wurden 2018 in Thüringen

1228 rechte Delikte registriert, das

waren etwa 120 weniger als im Vorjahr.Auch

die Gewaltdelikte gingen

demnach auf 67 zurück. Allerdings

gab es beispielsweise 2012 nur 22

rechtsextreme Gewaltdelikte. (AFP)

Gründer der Weißhelme in

Istanbul tot aufgefunden

Deraus Großbritannien stammende

Gründer der syrischen RettungsorganisationWeißhelme,James

Le Mesurier,ist

in Istanbul tot aufgefunden

worden. DerenLeiter Raid al-Salih

bestätigte den Todvon James Le Mesurier

der Deutschen Presse-Agentur.Nach

einem türkischen Zeitungsbericht

wurde Le Mesurier vor

seinem Wohnhaus mit gebrochenen

Beinen und Brüchen am Schädel

aufgefunden, berichtet die Agentur

AFP). DieUmstände seines Todes

waren zunächst unklar.LeMesurier

habe zuletzt Medikamente gegen

Depressionen und Schlafmittel genommen,

da er unter Stress gestanden

habe,erklärte die Polizei unter

Berufung auf dessen Frau. (dpa)

Morales soll Asyl

in Mexikoerhalten

Mexikobietet Boliviens Ex-Präsident Evo

Morales Asyl.

IMAGO IMAGES/AGENCIA EFE

Einen Tagnach seinem Rücktritt als

Präsident Boliviens hat EvoMorales

nach Angaben der mexikanischen

Regierung um Asyl in Mexiko gebeten.

Morales habe ihn angerufen und

am Telefon einen formellen Antrag

gestellt, teilte Mexikos Außenminister

Marcelo Ebrard am Montag mit.

Mexiko werdeihm aus humanitären

Gründen Asyl gewähren. DasLeben

vonMorales sei in Bolivien in Gefahr,

sagte Ebrard weiter.Morales war am

Sonntag nur drei Wochen nach seiner

umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten.

(dpa)

Polizist schießt in Hongkong

auf Demonstranten

BeiDemonstrationen in Hongkong

wurde ein 21 Jahrealter Demonstrant

voneinem Polizisten angeschossen

und in den Oberkörper getroffen.

Nach Angaben vonHongkongs Regierungschefin

Carrie Lam kamen

am Montag mehr als 60Verletzte zur

Behandlung im Krankenhaus.Darunter

war auch ein Regierungsanhänger,der

mit einer brennbaren

Flüssigkeit übergossen und angezündet

worden war.Die Polizei bestätigte

denVorfall mit dem 21-Jährigen.Verantwortlich

dafür seien die illegalen

Taten der„Randalierer“ gewesen. Die

Polizei suspendierte am Montag einen

Beamten, der mit seinem Motorradineine

Gruppe vonDemonstranten

gefahren war. (dpa)

„Das ist Symbolpolitik, reine Schau“

Der Historiker Wolffsohn hältöffentliche Gelöbnisse für richtig. Die Problemeder Bundeswehr lösen sie nicht

Der Historiker und Publizist

Michael Wolffsohn

glaubt nicht, dass die

Personalprobleme der

Bundeswehr mit mehr öffentlichen

Gelöbnissen behoben werden. Man

werde wieder über die Wehrpflicht

reden müssen, sagt er im Gespräch.

Herr Wolffsohn, an diesem Dienstag

werden rund 400 Rekruten vor dem

Reichstag öffentlich ihr Gelöbnis ablegen.

Bei ähnlichen Gelegenheiten

hatte es in den vergangenen Jahren

immer wieder Proteste gegeben. Wo

ist das Problem, wenn Soldaten einer

Parlamentsarmee am Platz vor dem

Parlamentssitz öffentlich vereidigt

werden?

Ichsehe keins.

Kritiker monieren, hier werde Militarismus

öffentlich zur Schau gestellt…

Militarismus des bundesdeutschen

Staates? Das ist Fake. Mit der

Wirklichkeit hat das nichts zu tun.

Wir haben eine Grundstimmung in

Deutschland, die man postheroisch

oder pazifistisch nennt. Unabhängig

vom Begriff: Die Distanz zu allem

Militärischen ist in Deutschland

noch viel stärker ausgeprägt als in

anderen west-, geschweige denn osteuropäischen

Staaten. Das ist aus

historisch-psychologischen Gründen

auch verständlich und gut. Aber

die Geschichte ist inzwischen weitergegangen.

DieBundesrepublik ist

nicht das NS-deutsche Reich.

Gegner kritisieren aber,dass mit dem

öffentlichen Gelöbnis die Tradition

des Führereids aus der NS-Zeit fortgeführt

wird. Lassen Sie das denn gelten?

DerVergleich mit dem Führereid

ist unsäglich. Werzuallem und jedem

den NS-Vergleich zieht, verharmlost

den Nationalsozialismus.

Gleich, ob aus Dummheit oder Böswilligkeit.

In anderen Ländern sind Soldaten an

öffentlichen Plätzen und sogar Militärparaden

völlig normal. In

Deutschland dagegen sorgt schon ein

Gelöbnis für Diskussionen. Ist das

Ausdruck eines Antimilitarismus?

Ja, und das ist absurd. Denn hier

werden ja –anders als bei Militärparaden

–keine Waffen gezeigt, es wird

nicht mit Waffen geprotzt und kein

Stechschritt vorgeführt. Im Gegenteil:

Die Soldaten geloben ihre Verbundenheit

mit der Demokratie der

Bundesrepublik Deutschland, um

den friedlichen Alltag der Bürger zu

sichern. Gelöbnisse nur hinter Kasernenmauernabzuhalten,

halte ich

für falsch. Diese Soldaten schützen

uns. Und dann erlauben wir ihnen

kein öffentliches Gelöbnis? Absurd.

Dass es nun erstmals seit neun Jahren

ein öffentliches Gelöbnis vor dem

Reichstag gibt, geht auf Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-

Bundeswehr-Gelöbnis vor dem Reichstag.

Karrenbauer zurück, die für eine

sichtbare Bundeswehr im öffentlichen

Raum eintritt, etwa auch durch

kostenfreie Bahn-Tickets für Soldaten.

Istdas ein Paradigmenwechsel?

ZUR PERSON

IMAGO IMAGES; IMAGO IMAGES/UWE STEINERT

Michael Wolffsohn, Jahregang 1947, kam in TelAviv zur Welt. Seine Famile war 1939 nach

Palästina geflüchtet. Mit seinen Elternkehrte er 1954 nach West-Berlin zurück. Er studierte

Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft in Berlin, TelAviv und in NewYork.

In München lehrte er in den Jahren 1981 bis 2012 an der Universität der Bundeswehr Neuere

Geschichte.

Folgende Bücher vonihm sind zuletzt erschienen: „Friedenskanzler?Willy Brandt zwischen

Krieg und Terror“ und „Deutschjüdische Glückskinder“

Nein, auch zahlende Soldaten

fuhren Bahn. Der Kostenerlass ist

dennoch eine gute Geste. Öffentliche

Gelöbnisse sind keine Erfindung

von Frau Kramp-Karrenbauer. Dass

sie dieses Thema nun aufgreift,

hängt mit ihrer angeschlagenen persönlichen

Stellung zusammen. Auch

der CDU-Schwäche, für die vor allem

sie und Frau Merkel verantwortlich

sind. Annegret Kramp-Karrenbauer

will zeigen: Ich kann auch

konservativ.Damit zielt sie auf Wähler,

die sie und Frau Merkel bislang

verprellten. DemZick folgt Zack.

Inwiefern?

Frau Kramp-Karrenbauer

möchte sich offenbar profilieren. Sie

bringt zwei Ebenen durcheinander,

die nicht zusammengehören. Nämlich

ihre persönlichen Ambitionen

auf der einen und die Notwendigkeit

auf der anderen Seite, der Bevölkerung

zu verdeutlichen, dass die Bundeswehr

ein selbstverständlicher

und notwendiger Teil der bundesdeutschen

Politik ist. Ihre sicherheitspolitische

ist aber so chaotisch,

widersprüchlich und undurchdacht,

dass sie das Verständnis für die Bundeswehr

damit nicht erhöht.

In Hessen wurde ein ebenfalls für

Dienstag geplantes öffentliches Gelöbnis

kurz vorher abgesagt. Es gab zu wenig

Rekruten, die hätten vereidigt werden

können. Wassagt das über den

Zustand der Bundeswehr aus?

DiePersonalprobleme sind schon

lange offensichtlich, wenngleich

amtlich ebenso lange bestritten.

Ohne Personal können wir den Laden

dicht machen. Dashat auch mit

der Abschaffung der Wehrpflicht zu

tun. Denn damit hat man erstens die

Distanz der Bundesbürger zur Bundeswehr

vergrößert. Zweitens hat

man den Bürgern signalisiert, dass

man die Bundeswehr ja eigentlich

nicht brauche. Und drittens haben

die Bundesbürger verstanden: „Ok,

dann sollen die anderen hingehen,

ich muss nicht und will sowieso

nicht.“ Diese Einstellung hat sich

verfestigt. Mit homöopathischen

Mitteln wie einem öffentlichen Gelöbnis

oder kostenfreien Bahnfahrten

kann man das Bundeswehr-Rad

nicht zurückdrehen.

Warum nicht?

Das sind schöne Gesten, sie ändernaber

nichts Grundlegendes.Das

ist Symbolpolitik, reine Schau. Erst

wenn öffentliche Gelöbnisse zur Routine

werden, nimmt die Häufigkeit

der Proteste ab. Denn das, woran

man sich gewöhnt hat, ruft in der Regel

keinen Protest hervor. Aber je größer

der Personalmangel der Bundeswehr

und die politische Notwendigkeit

militärischer Friedenseinsätze,

desto wahrscheinlicher wirdohnehin

eine Debatte um die Wiedereinführung

der Wehrpflicht. Um die Diskussion

werden wir nicht herumkommen,

egal wie viele Pro- oder Contra-

Demonstrationen es gibt.

DasGespräch führte

Alexander Holecek.

Polizei schränkt Grundrecht am Bundestag ein

Keine allgemeine Handlungsfreiheit: Störaktionen gegen das Bundeswehr-Gelöbnis sollen so unterbunden werden

VonPhilippe Debionne

Sie werden geloben, „der Bundesrepublik

Deutschland treu zu

dienen und das Recht und die Freiheit

des deutschen Volkes tapfer zu

verteidigen“. Gegen dieses Gelöbnis

von 400 Rekrutinnen und Rekruten

der Bundeswehr am Dienstag gibt es

nun lautstarken Protest. Die Polizei

hat bereits reagiertund das „Grundrecht

auf allgemeine Handlungsfreiheit“

in dem Areal rund um den Bundestag

am Dienstag per Allgemeinverfügung

„eingeschränkt“, heißt es

in einem Schreiben der Behörde.

Eine linksgerichtete Gruppierung

mit dem Namen „Rheinmetall Entwaffnen

Berlin“ will mit einer Demonstration

„unseren Protest gegen

das militaristische Spektakel und die

deutsche Kriegspolitik deutlich machen“,

so die Veranstalter.„Militarismus

und Krieg“ werdeinder Werbestrategie

der Bundeswehr „oft als

Computerspiel und Abenteuer propagiertund

verharmlost“.

Demonstration ab 9Uhr

Konkret, heißt es in einer Mitteilung

der Veranstalter weiter, gehe es

darum zu verhindern, dass„die Bundeswehr

ein selbstverständlicher Teil

des Alltags“ werde. Gerade durch

Veranstaltungen wie Gelöbnisse

solle zudem „eine Normalität von

Militär auf den Straßen geschaffen

werden“.

Die Demonstration am Dienstag

startet um neun Uhr amPotsdamer

Platz und wirdauch an der türkischen

Botschaft vorbeigehen. Grund sind

die Kämpfe zwischen Türken und

Kurden, bei denen vonder türkischen

Armee nach Angaben der Demo-Veranstalter

auch aus Deutschland gelieferte

Waffen wie der Leopard-2-Panzereingesetzt

werden.

Insgesamt hätten Waffenlieferungen

von Deutschland an die Türkei

im Jahr 2018 „mit 242,8 Millionen

Euro fast ein Drittel aller deutschen

Waffenexporte“ ausgemacht. Um

mögliche Attacken auf die Botschaft

zu verhindern, wird die Polizei die

Demonstration am Dienstag mit einem

massiven Aufgebot an Einsatzkräften

begleiten.

Beim Gelöbnis selber ist nach einer

schriftlichen Einschätzung der

Polizei zudem „mit an Sicherheit

grenzender Wahrscheinlichkeit mit

Störungen zu rechnen“.

Aufgrund der in den letzten Jahren

beobachteten „Angriffsintensität“

der Bundeswehrgegner sei die

Einschränkung der Grundrechte

rund um den Veranstaltungsort am

Platz der Republik per Allgemeinverfügung

nötig. So würden „Störaktionen

auch außerhalb von Versammlungen

durch Einzelpersonen

verübt“.

Eine „weniger beeinträchtigende

Maßnahme“ als die das Grundrecht

einschränkende Allgemeinverfügung

komme daher „nicht in Betracht“.

Nursokönne „jedwedes Störerpotenzial

rechtzeitig abgefangen“

werden.

Türkei will

Dschihadisten

abschieben

Auch deutsche IS-Kämpfer

sollen zurückkehren

Die Türkei schiebt in dieser Woche

mindestens sieben mutmaßliche

Anhänger der Terrormiliz

Islamischer Staat (IS) mit zwei Kindernnach

Deutschland ab.Esist das

erste Mal, dass militante Islamisten

auf diesem Weg nach Deutschland

zurückkehren. Bisher hatte die Bundesregierung

nur bei der Rückholung

einiger weniger IS-Kinder assistiert.

Dutzende Anhänger der Terrormiliz

kamen in den vergangenen

Jahren auf eigene Faust zurück –

viele von ihnen landeten später vor

Gericht.

Das Auswärtige Amt teilte am

Montag mit, dass am Donnerstag

sieben deutsche Staatsangehörige

aus der Türkei ankommen sollen,

am Freitag dann noch einmal zwei

weitere Deutsche. Insgesamt kämen

in dieser Woche fünf Frauen, drei

Männer und zwei Kinder an.

Bei einem Mann, der bereits am

Montag aus der Türkei nach

Deutschland abgeschoben werden

sollte,gibt es nach Angaben der Bundesregierung

keine Beziehung zu der

Terrormiliz.

Bei zwei der Frauen gebe es Anhaltspunkte,

dass sie sich in Syrien

aufgehalten hätten, sagte ein Sprecher

des Auswärtigen Amtes.Bei den

anderen Deutschen könne dies

ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Noch sei aber nicht klar, obes

einen Bezug zum IS gebe.

Wie die Deutsche Presse-Agentur

erfuhr, sollen mindestens zwei

der Frauen aus dem Lager Ain Issa

in Syrien ausgebrochen sein. Vier

der insgesamt fünf Frauen sollen in

Der türkische Präsident Erdogan schickte

seine Armee nach Nordsyrien. GETTY

der vergangenen Woche in der Türkei

festgenommen worden sein.

Eine von ihnen ist dem Vernehmen

nach eine Konvertitin aus Hamburg.

Der Mann, mit dem sie einst

ins IS-Gebiet ausgereist war, soll

schon vor Jahren getötet worden

sein.

Einmarsch in Nordsyrien

Zwei der Deutschen seien in Syrien

gefasst worden, sagte der Sprecher

des türkischen Innenministeriums,

Ismail Catakli, nach Angaben der

staatlichen Nachrichtenagentur

Anadolu. Wo die anderen aufgegriffen

wurden, sagte er nicht.

Neben den Deutschen sind demnach

15 weitere ausländische IS-

Mitglieder betroffen. Ein Amerikaner

und ein Däne wurden nach Angaben

Cataklis bereits abgeschoben.

Die Rückführung von elf französischen

IS-Kämpfernund zwei Iren sei

geplant. Sie seien ebenfalls in Syrien

gefasst worden.

Die Türkei war am 9. Oktober in

Nordsyrien einmarschiert und hatte

eine Offensive gegen die Kurdenmiliz

YPG begonnen, die sie als Terrororganisation

betrachtet. Während

der Militäroffensivewurden nach offiziellen

Angaben 287 IS-Anhänger

festgenommen, darunter Frauen

und Kinder.

Nach Angaben des türkischen

Präsidenten Recep Tayyip Erdogan

sitzen derzeit mehr als 1000 Anhänger

des IS in türkischen Gefängnissen,

darunter 737 ausländische

Staatsbürger. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 5 *

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Politik

Wagenknechts Erben

Die Bundestagsfraktion der Linken wählt an diesem Dienstag ihre Vorsitzenden neu. Es geht um Freundschaften, Animositäten –und um das „Hufeisen“-Bündnis

VonMarkus Decker

Am Montag um 13.15 Uhr

hat die Pressestelle der

Linksfraktion eine E-Mail

verschickt. Darin informiertsie

über den Beginn der Fraktionssitzung

an diesem Dienstag und

über die Wahl eines neuen Fraktionsvorstandes.Weiter

heißt es in der

E-Mail: „Im Anschluss daran, voraussichtlich

gegen 16 Uhr, äußern

sich die neu gewählten Vorsitzenden

in einem Pressestatement.“ Werdas

sein wird, bleibt offen.

Während Fraktionschef Dietmar

Bartsch abermals antritt, hatte die

Co-Vorsitzende Sahra Wagenknecht

im März überraschend ihren Verzicht

auf eine dritte Kandidatur erklärt.

Zwar hätte Bartsch gern allein

weitergemacht und die Wahl zumindest

ein weiteres Mal bis auf den Januar

verschoben. Mit beiden Vorhaben

konnte sich der 61-Jährige aber

nicht durchsetzen, so dass es jetzt

darum geht, eine Nachfolgerin Wagenknechts

zu küren.

Dabei muss man wissen, dass die

Fraktion aus drei Flügen besteht:

dem Forum Demokratischer Sozialismus

(FDS) um Bartsch, dem Flügel

um Wagenknecht, der zuweilen

als linker Flügel bezeichnet wird, sowie

einer Gruppe namens „Mittelerde“,

die zwischen beiden Flügeln

zu Hause ist. Das Duo Bartsch/Wagenknecht

wurde von einem sogenannten

„Hufeisen“-Bündnis aus

Sahra Wagenknecht kandidiertnicht erneut für den Fraktionsvorsitz, will aber „weiter politisch etwas bewegen“.

FDS und Wagenknecht-Flügel getragen.

Unklar ist derzeit, ob dieses

Bündnis noch existiert.

DasProblem der CarenLay

Zunächst hatte die stellvertretende

Fraktionsvorsitzende Caren Lay ihre

Kandidatur publik gemacht. Das

kam nicht überraschend. Die 46-

Jährige ist seit langem dabei. Siewar

einst Bundesgeschäftsführerin der

Partei und sitzt seit 2009 im Bundestag.

Überdies stammt die Soziologin

zwar aus Rheinland-Pfalz, ist aber

mittlerweile seit Jahren in Bautzen in

Sachsen beheimatet. Lay ließ übrigens

verlauten, sie wolle die Fraktion

im Fall ihrer Wahl „aus der Mitte herausführen“.

Ein Problem der Expertin für

Wohnungs- und Mietfragen besteht

darin, dass sie mit Parteichefin Katja

Kipping befreundet ist. Kipping wiederum

hat sowohl im FDS als auch

im Wagenknecht-Flügel Gegner. Lay

hat darum zuletzt Wert auf Distanz

zu Kipping gelegt. Kipping und ihr

Co-Parteichef Bernd Riexinger haben

keine Wahlempfehlung für Lay

abgegeben. Siewissen wohl, dass ihr

das schaden würde.

Lays Gegenkandidatin ist überraschend

die Abgeordnete Amira Mohamed

Ali. Sie wurde in Hamburg

geboren, lebt in Oldenburg, ist

Rechtsanwältin, gehört dem Bundestag

erst seit 2017 an und kümmert

sich um Tierschutz- und Landwirtschaftsfragen.

In einem Brief an

die Fraktion schrieb Ali: „Unsere

Fraktion kann viel mehr erreichen,

wenn wir gemeinsam unser Poten-

DPA

zial ausschöpfen, wenn wir mehr

und konsequenter miteinander arbeiten,

statt uns gegenseitig zu hemmen.“

Zudem verwies sie auf die

Notwendigkeit des Kampfes gegen

Rassismus und ihreErfahrungen damit.

Alis Vater ist Ägypter.

Auch Abgeordnete von anderen

Flügeln sagen, Ali sei „eine Nette“.

Allerdings sei sie in den letzten zwei

Jahren nicht mit Inhalten aufgefallen

und habe sich kaum eingemischt in

Debatten. Ihre Kritiker sagen ferner,

dass Ali von Diether Dehm protegiertwerde.Manche

mutmaßen gar,

sie solle bloß eine Art Platzhalter-

Rolle einnehmen –bis die unter einem

Burnout leidendeWagenknecht

zurückkehre. Fest steht, dass Ali die

Medien scheut. Zwei Bitten um Gespräche

wich sie aus.

Knapper Ausgang erwartet

Zwar bevorzugt Bartsch, der öffentlich

nicht Position bezieht, dem Vernehmen

nach Ali. Mitstreiter sagen,

er wolle Lay „auf keinen Fall“; das sei

„vermutlich persönlich begründet“.

Dieselben Mitstreiter sagen jedoch

ebenfalls, dass das „Hufeisen“-

Bündnis aus FDS undWagenknecht-

Flügel Geschichte sei. Bartsch kann

sich also nicht sicher sein, dass seine

bisherigen Gefolgsleute ihm auch zu

Ali folgen. Somit rechnen alle Beteiligten

mit einem knappen Ergebnis.

Wagenknecht sagte unterdessen,

dass sie trotz des Verzichts auf eine

abermalige Kandidatur nicht von

der Bühne verschwinden wolle.„Ich

möchte weiter politisch etwas bewegen“,

sagte die 50-Jährige am Montag,

„und deswegen werdeich natürlich

auch nach wie vor meine Positionen

öffentlich vertreten und dafür

werben.“

Markus Decker

ist gespannt auf das Ergebnis

der Personaldebatte.

Österreich vor schwieriger

Regierungsbildung

Konservative ÖVP und Grüne verhandeln über Koalition

ÖVP und Grüne wagen den

nächsten Schritt auf dem Weg

zu einem möglichen Regierungsbündnis

in Österreich. Nachdem die

Grünen am Sonntag ihre Bereitschaft

deutlich gemacht hatten, hat

sich nun auch ÖVP-Chef Sebastian

Kurz für Koalitionsverhandlungen

ausgesprochen. „Dieser Prozess wird

nicht einfach werden, weil die Positionen

von Grünen und Volkspartei

sehr, sehr unterschiedlich sind“,

sagte der 33-Jährige am Montag in

Wien. Seine Partei werde die anstehenden

Gespräche „ergebnisoffen,

aber ehrlich, respektvoll und mit vollem

Engagement“ führen.

Grünen-ChefWerner Kogler hatte

Verhandlungen am Sonntag alsWagnis

bezeichnet, das man aber eingehen

wolle. Eine Regierung von ÖVP

und Grünen wäre inÖsterreich auf

Bundesebene eine Premiere.

„Dieser Prozess

wird nicht einfach

werden,weil die Positionen

von Grünen

undVolkspartei

sehr, sehr unterschiedlich

sind.“

Sebastian Kurz, ÖVP-Chef

Die beiden Parteien waren die

Wahlsieger vom 29. September. Die

ÖVP erhielt 37,5 Prozent der Stimmen

–ein Plus von sechs Prozentpunkten

im Vergleich zur Wahl 2017. Die Grünen

konnten 13,9 Prozent (plus 10,1

Prozentpunkte) der Wähler von sich

überzeugen und zogen damit nach

der herben Niederlage vor zwei Jahren

wieder in den Nationalrat ein.

Während auch die SPÖ (21,2 Prozent)

für Regierungsverhandlungen bereit

gewesen wäre, sieht sich der vorhe-

rige Koalitionspartner der ÖVP, die

rechte FPÖ (16,2 Prozent), in den

kommenden Jahren eher in der Opposition.

Koalitionsverhandlungen zwischen

ÖVP und Grünen galten unter

diesen Umständen bereits seit dem

Wahlabend als wahrscheinlich, auch

wenn sich beide Parteien zuletzt

nicht in die Karten schauen ließen.

Aus den Mitte Oktober gestarteten

Sondierungen wurden nur wenige

Details bekannt, Kurz und Kogler betonten

immer nur die große Bedeutung

des persönlichen Kennenlernens.

Inhaltliche Themen wurden

aber zumindest auf mögliche Hürden

abgeklopft. Tatsächlich dürfte es

trotz aller Sympathien für beide Parteien

nicht leicht werden, sich auf

ein Bündnis zu verständigen. Kurz

hatte von2017 bis 2019 mit der rechten

FPÖ regiertund in dieser Zeit einen

harten Anti-Migrationskurs verfolgt.

Zudem sollte im Rahmen einer

SteuerreformdieWirtschaft entlastet

werden. Beide Punkte wurden von

den Grünen ebenso kritisiert wie

eine Reform der Mindestsicherung,

die vor allem für kinderreiche Familien

Einschnitte zur Folge hatte.

„Wir verhandeln sicher nicht auf

Scheitern, aber wir verhandeln auch

nicht so, dass es mit Sicherheit ein

Ergebnis gibt“, sagte Grünen-Chef

Kogler am Sonntag. „Das ist ein ergebnisoffener

Anfang eines durchaus

herausfordernden Prozesses“,

sagte Kurz am Montag

Dass in Österreich derzeit überhaupt

eine neue Regierung gebildet

werden muss, ist Folge des Ibiza-

Skandals rund um Ex-FPÖ-Chef

Heinz-Christian Strache. Spiegel

und Süddeutsche Zeitung hatten im

MaieinVideo veröffentlicht, auf dem

Strache imGespräch mit einer vermeintlichen

russischen Oligarchen-

Nichte korruptionsanfällig wirkte.

Strache trat einen Tagnach der Veröffentlichung

von allen Ämtern zurück,

die gesamte Regierung zerbracht,

Ex-Kanzler Kurz rief Neuwahlen

aus. Derzeit regiert inÖsterreich

ein Expertenkabinett. (dpa)

Vonhier:klimaneutrale Wärme

fürs Quartier.

Das Märkische Viertel ist das größte

zusammenhängende Wohngebiet in

Deutschland, das komplett mit Warmwasser

und Wärme aus regionaler

Biomasse versorgt wird. Zusammen mit

der GESOBAU beliefert Vattenfall hier

rund 13.500 Wohnungen.

Für ein fossilfreies Leben innerhalb einer

Generation.

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6* Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

12.8.19

12.8.19

MÄRKTE

▼ 13198,37 (–0,23 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

12.8.19

Stand der Daten:11.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

11.11.19

▼ 62,19 (–0,67 %)

11.11.19

▲ 1,1041 (+0,06 %)

Quelle

11.11.19

aus DAXund MDAX vom11.11.zum Vortag

Wirecard 119,85 +3,27 WWWWWWWWWWW

Cancom 52,15 +3,06 WWWWWWWWWW

ProSiebenSat.1 13,71 +2,28 WWWWWWWW

HugoBoss NA 40,37 +2,20 WWWWWWWW

Lufthansa vNA 17,80 +2,15 WWWWWWWW

Qiagen 29,12 +1,82 WWWWWWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom11.11.zum Vortag

Siltronic NA 82,20 WWWWWWWWWW –3,07

DeliveryHero 43,00 WWWWWWWWW –2,56

K+S NA 12,94 WWWWWWW –2,01

thyssenkrupp 13,34 WWWWWWW –1,98

Infineon NA 18,51 WWWWWW –1,72

Fresenius M. C. St. 67,16 WWWWW –1,38

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 11.11. ±% z. 08.11.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,08

3709/2909 3696,82

CAC 40(FR) +0,07

5906/4556 5893,82

S&P UK(UK) – 0,40

1562/1323 1479,15

RTS (RU) – 0,50

1488/1033 1460,84

IBEX (ES) –0,06

9588/8286 9388,50

Dow Jones (US) –0,04

27775/21713 27670,24

Bovespa (BR) +0,02

109672/83892107648,30

Nikkei (JP) – 0,26

23591/18949 23331,84

Hang Seng (HK) –2,63

30280/24897 26900,75

Stx Singap. 20 (SG) –0,95

1657/1390 1632,24

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

PSA Direktbank */**

psa-direktbank.de 0,70 0,70 0,70

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,13 0,14 0,13

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Alle Jahre wieder füllen sich in derVorweihnachtszeit die Einkaufszentren der Republik.

Von Frank-Thomas Wenzel

Jetzt beginnt sie wieder, die Saison

des Konsumrauschs, und

zwar mitunverminderterIntensität.VomfernenChinabisindie

deutschen Provinzstädte.

„Wenn nunauchnochdas Wetter mitspielt,

dürfte es ein frohes Fest fürden

Einzelhandel geben“, sagt Thomas

Harms, Einzelhandelsexperte bei der

Prüfungs- und Beratungsgesellschaft

EY.

Derdurchschnittlicheerwachsene

Konsument hierzulande zieht mit

einem Geschenkebudget von

281 Euro ins Weihnachtsgeschäft. Das

ist nurein Euro weniger als im vorigen

Jahr,alsEYeinenneuerRekordwertermittelte.

Harms und seine Kollegen

haben hochgerechnet, dass in den

nächsten Wochen 18,4 Milliarden

Euro für Geschenke ausgegeben werden.

Dasgehtaus einerUmfrageunter

1000 Verbrauchern hervor.

Harmsunterstelltdabei ein Konsumentenverhalten,

dasgängigenvolkswirtschaftlichen

Modellen entspricht.

DieKonjunkturflautesei fürdie meisten

Verbraucher noch kaum spürbar.

Die Löhne seien in den vergangenen

Jahren deutlich gestiegen. Undangesichts

niedriger Zinsen lohne sichdas

Sparen nicht. „Alsobleiben die Deutschen

vorläufig in Kauflaune“, so der

Einzelhandelsexperte.

Wobei es bei den Präferenzen der

Bundesbürger bemerkenswerte Verschiebungen

gibt. Etwa: von wegen

Internetboom. Das durchschnittliche

Budget fürs Onlineshopping geht

In der Schwebe

Die Lufthansa verhandelt mit der KabinengewerkschaftUfo weiterübereine Schlichtung desTarifkonflikts

Von ChristianEbner

Im Kaufrausch

Der Konsument gibt durchschnittlich 281 Euro für Weihnachtsgeschenke aus

China: Der Singles’ Dayam

11. November ist in der

Volksrepublik China mittlerweile

der Tageiner gigantischen

Konsumsause. Beinahe

triumphierend berichtete

die staatliche Nachrichtenagentur

Xinhua am Montag,

dass allein beim heimischen

Onlinehandelsgiganten Alibaba

rund 544 000 Bestellungen

pro Sekunde eingingen.

deutlich zurück –umfünf Euro auf

83 Euro. Das hat damit zutun, dass

eine Geschenkekategorie, die in den

vergangenen Jahren insbesonderebei

jungen Menschen deutlich gewachsen

war, sich nun rückläufig entwickelt:

Geschenke in Form von Veranstaltungen,

Events und Reisen. Eine

Erklärung dafür liefert EYnicht. Vielleichthat

es mit gewachsenemKlimabewusstseinzutun.

StattdessenstehtindiesemJahrder

Genuss deutlich stärker im Vordergrund:DiegeplantenAusgabenfürLebensmittel

und Süßwaren steigen von

11auf16Euro,wenndieBefragtenihre

Pläne tatsächlich umsetzen werden.

Auch die Kinder können sich freuen,

die Budgets für Spielsachen werden

genderrund3500saisonalenFlugbegleiter

zu sprechen. Diese sind ausschließlich

an den Drehkreuzen

München und Frankfurt stationiert

und verdienen nach Verdi-Darstellungdeutlich

weniger alsdie Stammbelegschaften

in der Kabine.

Ufo fordert indem Tarifkonflikt

für die rund 21000 Lufthansa-Flugbegleiter

höhereSpesen undZulagen

sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte

zu regulären Anstellungsverhältnissen.

In dem gesamten Konflikt geht es

aberhauptsächlich um die Frage,ob

Ufoüberhaupt nochTarifverträgefür

das Kabinenpersonal durchsetzen

kann. Lufthansahat mitgeteilt,künftig

auch mit Verdi und der inGründung

befindlichen Cabin Union

GIGANTISCHE KONSUMSAUSE

Umsatzrekord: In den ersten

zwölf Stunden des

11. November seien Umsätze

vonumgerechnet 27 Milliarden

Dollar zusammengekommen

–imVorjahr waren

es 30,7 Milliarden am gesamten

Tag, wie Alibaba bereits

gegen16Uhr Ortszeit

verkündete. Und ein neuer

Umsatzrekord auf Tagesbasis

wurde damit freilich auch

geschafft.

Angebote: Der Onlinehändler

ist für viele Chinesen wegenlangerArbeitszeiten

der

wichtigste Anlaufpunkt zum

Einkaufen. Millionen von

Konsumenten warten bei

Anschaffungen auf den Singles’

Day, weil sie auf preiswerteAngebote

hoffen.

Marktforscher sagen, viele

Konsumenten hätten eine

langePhase mit Reallohnsteigerungen

erlebt.

von23auf 29 Euro deutlichheraufgesetzt.

Unschlagbarsind aber nach wie

vorGutscheineundGeldalsbeliebteste

Geschenkekategorie. Das hat nach

Einschätzung der EY-Experten auch

damit zu tun, dass gerade ältere Menschenimmer

größere Schwierigkeiten

haben, fürdie Jüngeren passende Präsente

fürs Fest zu finden –wie sollen

auchOma undOpa, Onkel undTante

wissen, welches Computerspiel der

14-jährige Enkel/Neffe noch dringend

benötigt? Mehr als jeder Zweite will

dem Beschenkten die Wahl des Präsents

überlassen. Das dürfte die Einzelhändler

erfreuen. Erzeugen Bares

undGutscheineuntermWeihnachtsbaum

doch in den Tagen nach dem

Fest zusätzliche Publikumsfrequenz.

sprechen zu wollen. Letztendlich

strebe man aber einen einheitlichen

Tarifvertrag für dieKabine an.

Es lägen Fällevor,indenen saisonale

Flugbegleiter nicht über den

monatlichen Mindestsatz von 1500

Euro bruttokämen, wasNettovergütungen

von unter 950 Euro entspreche,

schilderte Verdi-Verhandlungsführerein

Mira Neumaier. „Mit diesem

Niedriggehalt ist es in Ballungsräumen

wie München undFrankfurt

nahezu unmöglich, eine Wohnung

zu finanzieren und die Existenz zu

bestreiten.“

Bislang hat Ufo die Tarifbedingungen

für die rund 21000 Flugbegleiter

der Lufthansa-Kernmarke

ausgehandelt und nach eigenen Angaben

die meisten Beschäftigten bei

FOTO: BORIS ROESSLER/DPA

Zudem werden viele Gutscheine gar

nichteingelöst.

Apropos Frequenz: Diewirdinden

Einkaufsstraßen in den deutschen

Städten indiesem Jahr noch zunehmen

–vor allem dort, wo es nichtnur

Kaufhäuser und Boutiquen, sondern

auch einen schmucken Weihnachtsmarkt

gibt. Der stationäre Handel

macht im Konkurrenzkampfmit dem

Internet Bodengut: „Wenn es um das

sinnlicheEinkaufserlebnisgeht,istder

stationäre Handel eindeutig imVorteil“,betontHarms.Weihnachtsatmosphäreund

geschmückte Innenstädte

seien eine große Chance, mehr Kunden

zum Besuch der Innenstadt oder

des Einkaufszentrums zu bewegen.

Eine Art Startschuss für die Shopping-Saisonwurde

am Montag im fernen

Chinagegeben.Mit demSingles‘

Day, der ursprünglich ein inoffizieller

Feiertag für Menschen ohne festen

Partnerwar.Mittlerweileistder11.November

der Tagfür eine gigantische

Konsum- und Schnäppchensause.

Hierzulande sinddavon erste Ausläufer

zu bemerken: VonLidl bis Hugo

Boss gabeszahlreiche Sonderangebote

zum Singles‘ Day.

Viel bekannterist der Black Friday,

der aus den USA kommt und in diesem

Jahr auf den 29. November fällt.

Die Konsumforscher der Nürnberger

GfKgehendavonaus,dassdiediesjährigen

Black-Friday-Kampagnen, die

sich mittlerweile übereineWoche erstrecken,

Umsätze bringen, die über

dem Weihnachtsgeschäft liegen –allerdings

vermischt sich beides auch

immer mehr.

Bei der Lufthansa herrscht weiterhin

Ungewissheit über mögliche

neue Streiks der Flugbegleiter. Das

Unternehmen und die Kabinengewerkschaft

Ufo setzten am Montag

ihre Sondierungen über eine mögliche

Schlichtung des Tarifkonflikts

fort. Ergebnisse sollten nun erst an

diesem Dienstag mitgeteilt werden,

teilten beide Seiten am Montag in

Frankfurt mit. Man versuche, einen

Weg aus der Eskalationsspirale zu

finden, hieß es.

Gleichzeitig bestätigte Lufthansa,

dass das Unternehmen am Montag

offizielle Verhandlungen mit der

Ufo-Konkurrenz Verdi aufgenommen

hat, um über die Tarifbedingunsich

organisiert.Lufthansa wollte bis

zu dem zweitägigen Streik in der vergangenen

Woche die Ufo-Führung

nicht mehr anerkennen und hatte

parallel Gespräche mit Verdigeführt.

Die DGB-Gewerkschaft ist im Konzern

vor allem bei den Bodendiensten

sowie in der zum Verkauf stehenden

Catering-Sparte verankert und

stellt mit Christine Behle die stellvertretende

Aufsichtsratsvorsitzende im

Konzern.

Ufohatteinder vergangenen Woche

einen zweitägigen Streik bei der

Kerngesellschaft Lufthansa organisiert,

woraufhin rund 1500 Flüge abgesagt

wurden. Sie ist nach Urabstimmungen

auch in vier weiteren

Lufthansa-Flugbetrieben streikbereit.

(dpa)

Factory

ohne

Speed

Adidasbeendet Experiment

in Deutschland

Von Thomas Magenheim

Eswar der Traum, nach Asien abgewanderte

Fertigung von Sportschuhen

nach Deutschland und andere

Endkundenländer zurückzuholen.

Als innovatives Vehikel dafür

wollte der Herzogenauracher Sportartikler

Adidas sogenannte Speedfactories

dafür nutzen, hochautomatisiert

und bei niedrigen Lohnkosten

Schuhe in 3-D-Druck herzustellen.

Erste Prototypen dieser Roboterfabriken

wurden vorgut drei Jahren erst

im fränkischen Ansbach und dann in

AtlantaindenUSAeröffnet.Etwaeine

Million Paar Schuhe wurden dortzuletzt

proJahr gedruckt.Damit istspätestens

im April 2020 Schluss. Denn

die dortige Produktion wird eingestellt,

die Technologie Ende 2019 zu

zwei Zulieferern nach China und Vietnam

verlagert, kündigte Adidas-

Vorstand Martin Shankland an.

„Wir bedauern sehr, dass unsere

Zusammenarbeit in Ansbach und Atlanta

endet“, meinte der Manager.

Betroffen ist in erster Linie Adidas-

Technologiepartner Oechsler,der die

beiden Fabriken betreibt und nun

170 Stellen abbauen muss.Die Fabrik

in Atlanta werde komplett geschlossen,dieinAnsbachproduziereweiter

Sohlen, aber keine kompletten Schuhe

mehr,sagte eine Oechsler-Sprecherin.

„Wir bedauern diese Entscheidung“,

stellte Oechsler-Chef Claudius

Kozlik mit Blick auf Adidas klar.

Revolution bleibt aus

Technologisch habe alles funktioniert,

beteuerteine Adidas-Sprecherin.

Es habe sich aber gezeigt, dass es

ökonomisch sinnvoller sei, die innovative

Technologie in bestehende

Zulieferstrukturen zu integrieren.

Vordreieinhalb Jahren hatte sich das

noch ganz anders angehört. „Mit der

Speedfactoryrevolutionieren wir die

Industrie“, hatte der damalige Adidas-Chef

HerbertHainer gehofft. Auf

mittlereSicht werdeman in allengroßen

Absatzmärkten Adidas-Speedfactories

finden, um die Produktion

wieder hin in die Abnehmermärkte

zu verlagern. Damit kämen Verbraucher

schneller an individualisierte

Wunschware. Adidas könne binnen

Stunden nach Bestellung liefern. Zudem

fielen lange Transportwege weg,

was den Ausstoß klimaschädlicher

Schadstoffe reduziere. „Made in Germany“

sollte so zudem wieder zum

Verkaufsargument werden.

Daraus wirdnun nichts.Inasiatischen

Zulieferstrukturen könne die

Technologie aber auch die Fertigungszeiten

verkürzen und die Produktion

flexibilisieren, beteuern die

Herzogenauracher.DurchdieSpeedfactory-Technik

werdeesstatt bisher

18 Monate nur wenige Wochen dauern,

bis ein neues Modell entworfen

und in den Endkundenmärkten angekommen

ist. Adidas will in Asien

künftig nicht nur Laufschuhe wie in

Ansbach und Atlanta 3-D-drucken,

sondern auch Lifestyle-Modelle und

das3-D-Fertigungsvolumeninungenanntem

Umfang ausweiten.

Zuletzt haben die Franken gut

400 Millionen Paar Schuhe aller Art

zu weit über 90 Prozent bei asiatischen

Zulieferernfertigen lassen. Die

Speedfactory-Produktion mit insgesamt

einer Million Paar war also erst

ein kleines Pflänzchen, das nun in

China und Vietnam weiterwächst.

Die Speedfactory-Technologie ist

erst voriges Jahr mit dem Deutschen

Innovationspreis ausgezeichnet und

als Forschungsprojekt hier zu Lande

auch staatlich gefördertworden.

Innovative Prozesstechnik erforscht

Adidas indessen weiter im sogenannten

Adidas-Lab in Scheinfeld

nahe Herzogenaurach. Man kooperiere

auch weiter technologisch mit

Oechsler.Mit den Speedfactory-Vorzeigefabriken

in Ansbach und Atlanta

sei aber demnächst unwiderruflich

Schluss.


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 7 *

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Wirtschaft

Wirtschaft

warnt vor

Corbyn

DeutscheFirmen

bevorzugen Johnson

Von Benedikt von Imhoff

Die deutsche Wirtschaft in Großbritannien

warnt vor der Parlamentswahl

voreinem Sieg der Oppositionspartei

Labour und bevorzugt

Premierminister Boris Johnson –

trotz dessen Brexit-Plänen. „Es ist ein

Abwägen des kleineren Übels“, sagte

der Geschäftsführer der deutsch-britischen

Handelskammer (AHK) in

London, Ulrich Hoppe. Grund sind

die wirtschaftspolitischen Vorhaben

von Labour und Parteichef Jeremy

Corbyn.

„Die Wirtschaft steht den Plänen

einer Regierung Corbyn kritisch

gegenüber“, betonte Hoppe. „Aufgrund

der angekündigten Verstaatlichungen

und Umverteilungen fallen

Anreize weg. Damit wird die Wirtschaftskraft

geschwächt“, sagte Hoppe.

„Das bedeutet, dass viele Verbraucher

mittelfristig sicherlich

noch weniger Geld in der Tasche haben,

um Waren zukaufen –und darunterleidendannnatürlichauchdie

deutschen Unternehmen, die den

Marktbedienen.“

Wegen des britischen Mehrheitswahlrechts

ist es wahrscheinlich,

dass entweder Johnsons Konservative

oder Labour nach der Abstimmung

den Premierminister stellen.

Die Sozialdemokraten wollen unter

anderem Steuern für Wohlhabende

und Unternehmen erhöhen sowie

verschiedene Bereiche der Grundversorgung

wie Energie- und Wassernetze,

Post und Bahn verstaatlichen.

Außerdem sollen Betriebe mit mehr

als 250 Mitarbeiternverpflichtet werden,10ProzentihrerAnteileineinem

Fonds zu parken, aus dem den Beschäftigten

Dividenden gezahlt werden.

Premierminister Johnson hatte

die Pläne mit Methoden vonSowjetdiktator

Josef Stalin verglichen.

Viele Unternehmen warten ab

Unklar sei auch, wie sich unter einer

Labour-Regierung das Wirtschaftsumfeldgestaltenwerde,

sagteHoppe

mit Blick auf Ankündigungen wie

eine Viertagewoche. „Ist es dann

noch wettbewerbsfähig, hier zu produzieren?

Daswerden sich deutsche

Unternehmen dann überlegen“,

sagte Hoppe. Erkritisierte zugleich

den geplanten Brexit. Seit dem Referendum

2016 sei Großbritannien unattraktiver

geworden, auch wegen

des niedrigen Pfundkurses. „Es sind

weniger Firmen, die sich nach Investitionsmöglichkeiten

hierzulande

erkundigen“, sagte Hoppe. Viele

Unternehmen warteten ab, wie sich

der Brexit nun konkret auswirken

und welche Regularien es künftig geben

werde. DieWirtschaft hoffe auf

einen unternehmerfreundlichen

Brexit, mit relativ enger Anbindung

an die Zollunion und den Binnenmarkt.

Auch die Gestaltung eines Freihandelsabkommens

zwischen der

EU und dem Vereinigten Königreich

„steht in den Sternen“, sagte Hoppe.

Ankündigungen von Premier Johnson,

nach dem Brexit schnell ein

Handelsabkommen mit der EU auszuhandeln,

nannte Hoppe unrealistisch.

(dpa)

JeremyCorbyn,Vorsitzender der Labour-

Partei.

FOTO: MATT DUNHAM/AP

Boeing am Boden

Die Probleme des Flugzeugbauers gehen weitüber eine defekte Steuerungssoftware hinaus

Von Karl Doemens

Der Ratschlag kam ungebeten

und kostenlos.

„Wenn ich Boeing wäre,

würde ich die Probleme

bei der 737 Max lösen, ein paar tolle

Funktionen hinzufügen und dem

Flugzeug unter anderem Namen ein

ganz neues Image verpassen“, verkündete

Donald Trump. Das war im

April, kurz nachdem gegen den Problemjet

Boeing 737 Max ein weltweites

Flugverbot verhängt wurde.

Wenn das so einfach wäre: Acht

Monate später stehen rund um den

Globus 700 Jets dieses Typs immer

noch am Boden. Etwa 4600 Bestellungen

zum Stückpreis von 120 Millionen

Dollar schlummern inden Auftragsbüchernvon

Boeing. DieAufklärung

des Absturzes zweier baugleicherMaschinenmit346Totenhatunfassbare

Missstände ans Tageslicht

gebracht. Und der Industriekonzern

mit 144000 Beschäftigten in den USA

erlebt die schwerste Krise seiner Geschichte.

„Meine Wut ist nur noch größer

geworden“, wetterte der demokratische

Senator Richard Blumenthal

nach einer Befragung von Boeing-

Chef Dennis Muilenburg im Washingtoner

Kongress vor zwei Wochen.

Offen bezichtigte der Politiker

aus Connecticut den Manager der

Lüge.Seine linke Hand war zur Faust

geballt: Nichts anderes als „fliegende

Särge“ seien die Maschinen vomTyp

737 Max, erregte sich Blumenthal,

und sein Kollege JonTester pflichtete

ihm bei: „Ich würde eher zu Fußlaufen,

bevor ich in eine 737 Maxsteige.“

Am Anfang der Boeing-Krise

stand der Absturz zweier Flugzeuge,

die von den Piloten nicht mehr beherrscht

werden konnten. Tatsächlich

entpuppt sich, was zunächst mit

menschlichem Versagen erklärtwurde,

inzwischen als eine skandalöse

Verkettung von ungezügelter Profitgier,schweren

Konstruktionsfehlern,

mangelhafter Information und fahrlässiger

Überprüfung.

Den eigentlichen Kontrollverlust

hat es offensichtlich nicht in den

Cockpits, sondern inder Konzernzentrale

in Chicago und bei der amerikanischen

Luftfahrtbehörde FAA

gegeben. Umso beunruhigender ist

die Aussicht, dass am Ende anstatt

die strukturellen Fehler zu beheben

nur die Symptome kuriert werden

könnten.

EinJahr liegtdie erste Katastrophe

zurück: Nur 13Minuten nach dem

Start in Jakarta verschwand am

29. Oktober 2018 der Lion-Air-Flug

610 vom Bildschirm des Kontrollturms.

Nach einer Sequenz mit wilden

Auf- und Abwärtsbewegungen

riss die Maschine vorder Küste Javas

189 Menschen in den Tod. Fünf Monate

später,am10. März, stürzte der

Ethiopian-Airlines-Flug 302 auf dem

„Ich würde eher

zu Fuß laufen, bevor

ich in eine 737 Max

steige.“

JonTester, US-Senator aus Montana

Wegvon Addis Abeba nach Nairobi

ähnlich abrupt ab. Alle 157 Insassen

kamen ums Leben. Beide Maschinen

gehörten zum TypBoeing 737 Max.

Mehr als 40 Länder rund um den Globus

verhängten unmittelbar nach

der zweiten Katastrophe ein Flugverbot

für diesen Kurz- und Mittelstreckenflieger.

Die amerikanische FAA

zögerte mehrere Tage und zog erst

nach, als sich Piloten und Stewardessen

weigerten, die Problemjets weiter

zu betreten.

Seither forschen Experten für

Flugsicherheit in der ganzen Welt

nach den Ursachen, während Boeing

auf die Freigabe seiner Maschinen

hinarbeitet. Hatte der Konzern an-

Für Boeing arbeiten144 000Menschen. Die Probleme der 737Max stürzenden Konzernineine

schwere Krise. Zum großen Teil ist sie selbst verschuldet. FOTO: TED WARREN/DPA

fangs weitgehend die Piloten für die

tödlichen Katastrophen verantwortlich

gemacht, so räumte Vorstandschef

Muilenburgbei der Kongressanhörung

erstmals ein kleines Stück

Mitverantwortung ein: „Wir wissen,

dass wir Fehler und einige Dinge

falsch gemacht haben.“ Zugleich versprach

der Manager sicherzustellen,

„dass Unfälle wie diese nie wieder

passieren“. Doch der einzige konkrete

Fehler, den der Boeing-Boss vor

den Senatoren einräumte, war ein

fehlendes Warnlicht für einen kaputten

Sensor.

Tatsächlich dürften der Sensor

und eine von ihm fälschlich ausgelöste

Steuerungssoftware nach den

bisherigen Erkenntnissen den Absturz

beider Maschinen technisch

verursacht haben. Doch der offizielle

Untersuchungsbericht der indonesischen

Behörden zum Lion-Air-Unglück,

die von der FAAbei externen

Experten bestellte Unfallanalyse sowie

inzwischen bekannt gewordener

interner Schriftverkehr vonfrüheren

Boeing-Mitarbeitern werfen drängende

Fragen nach der tatsächlichen

Verantwortung auf.

Alles deutet darauf hin, dass die

beiden Katastrophen zu vermeiden

gewesen wären, wenn nicht bei der

Entwicklung der Boeing 737 Max, bei

ihrer Wartung, bei der Kontrolle und

bei der Schulung der Piloten schwere

Fehler gemacht worden wären.

Um das zuverstehen, muss man

sich ein wenig mit dem beinharten

DuopolzwischenBoeingundseinem

europäischen Wettbewerber Airbus

beschäftigen. Als der KonzerninToulouse

2010 unter dem Namen

A320neoeineneueFlugzeugseriemit

leiseren und verbrauchsärmeren

Triebwerken ankündigte, gerieten

die Manager in Chicago mächtig

unter Druck. Die Neuentwicklung

eines Konkurrenzprodukts hätte zu

lange gedauert und wäre sehr teuer

geworden. Also entschieden sich die

Amerikaner, die erstmals 1967 gebaute

Boeing 737 zu überarbeiten

und mit allerhand Tricks technisch

aufzumöbeln.

Die wichtigste Neuerung der 737

Maxwaren wesentlich größereTriebwerke,

die den Treibstoffverbrauch

deutlich verringern. Allerdings verändern

die nach vorn verschobenen

riesigen Antriebsgondeln auch das

aerodynamische Verhalten der Maschine:

Der von ihnen verursachte

zusätzliche Auftrieb kann zum Absturz

führen. Deshalb ersannen die

Ingenieure eine spezielle Software:

Das Maneuvring Characteristics

Augmentation System (MCAS) soll

kritische Flugsituationen erkennen

und ähnlich einem Fahrassistenten

im Auto korrigieren, indem es die

Flugzeugnasenachuntendrückt.Die

nötigen Informationen dafür erhält

es von einem Außensensor, der den

Flugwinkel misst.

Im März2017 wurde der auf diese

Weise aufgemotzte Oldtimer der Lüfte

für den Flugbetrieb zertifiziert.

Spätestens hier wird die Geschichte

politisch. Im allgemeinen Deregulierungsfieber

hatte 2005 die Luftaufsichtsbehörde

FAABoeingund anderen

Herstellern erlaubt, die Sicherheit

ihrer Flugzeuge teilweise selbst

zu überprüfen. Der Bericht des Expertengremiums

belegt nun, dass die

FAAeindeutig zu viele Aufgaben an

Boeing abgegeben hatte und die

technischen Änderungen unzureichend

kontrollierte.

Auffällig ist zum Beispiel, dass der

Flugzeugbauer abweichend von den

Grundprinzipien der Luftfahrt keinen

zweiten Sensor für den Fall eines

technischen Defekts einbaute. Auch

soll der Konzerndie Behörde nur unzureichend

über die komplexe Wirkung

der MCAS-Software unterrichtet

haben. Beibeiden Unglücken war

der Sensor kaputt. Theoretisch hätten

die Piloten die Automatik abschalten

können, die ihreMaschinen

kopfüber zum Absturz zwang, doch

das MCAS ist in den Bordhandbüchern

von Boeing kaum erwähnt.

Deswegen wussten die Piloten nicht,

wie sie sich verhalten sollen.

Noch problematischer für Boeing

sind Berichte, denen zufolge der

Konzernvon dentödlichen Gefahren

hätte wissen können. So sorgten sich

Mitarbeiter bereits im Jahr 2015 in internen

E-Mails, dass ein einzelner

Sensor ausfallen könne. ImNovember

2016 berichtete ein leitender

technischer Pilot des Unternehmens

einem Kollegen im Chat von seiner

„ungeheuerlichen“ Erfahrung mit

der MCAS-Automatik im Flugsimulator,als

die Maschine kaum noch zu

beherrschen gewesen sei. Man habe

geglaubt, es handele sich um ein

Problem des Simulators, redet sich

Boeing nun heraus.

Die PR-Abteilung des Konzerns

muss derzeit Überstunden machen.

Für absehbareSchadensersatzforderungen

durch das 737-Max-Debakel

musste der Konzern schon mehr als

5 Milliarden Dollar zurückstellen.

DerGewinn hat sich im dritten Quartal

halbiert, der Umsatz ist um ein

Fünftelgeschrumpft.Undnungibtes

auch noch Ärger mit dem Max-Vorgängermodell

737 NG: Die Fluggesellschaften

Qantas und Ryanair haben

bei einzelnen Maschinen Haarrisse

zwischen dem Rumpf und den

Tragflächen der Maschinen festgestellt.

Andere Manager würden persönliche

Konsequenzen ziehen. Doch

Muilenburg, den viele für die Kultur

der Profitmaximierung auf Kosten

der Sicherheit verantwortlich machen,

hält eisern anseinem Posten

fest. In der Öffentlichkeit zeigt er gerade

so viel Zerknirschung wie nötig:

„Mit allem, was wir heute wissen,

hätten wir anders gehandelt“, sagte

er im Kongress. Erst nach massiven

Protesten erklärte er sich bereit, auf

seinen diesjährigen Bonus zu verzichten.

Für 2018, das Jahr der Lion-

Air-Katastrophe, hatte er zusätzlich

zum Jahresgehalt von 1,7 Millionen

Dollar noch ohneSkrupel 20,4 Millionen

Dollar Zulage eingestrichen.

Muilenburg will den Skandal so

schnell wie möglich hinter sich lassen:

Ende des Jahres sollen die Überarbeitung

der fatalen MCAS-Software

und weitereModifikationen an der

737 Max abgeschlossen werden. Anfang

des nächsten Jahres, schätzen

Branchenkenner,könnte die FAAdas

Flugverbot dann aufheben. Noch unklar

ist, wie schnell die europäische

Flugaufsicht EASA dann folgt.

„Mit allem,

was wir heute wissen,

hätten wir anders

gehandelt.“

Dennis Muilenburg, Boeing-Chef

In den USA jedenfalls muss Boeing

kaum mit harten regulatorischen

Auflagen rechnen. Zu gutsinddie Beziehungen

des Konzerns zu Präsident

Trump. Und zu bedeutsam ist

das Unternehmen als größter industrieller

Exporteur und zweitwichtigster

Rüstungslieferant des Landes.

So sieht der prominente Verbraucheranwalt

Ralph Nader auch die

Strafpredigten im Kongress skeptisch:

„Das ist alles Theater.Jetzt fragensie

hart. Anschließend heben sie

das Flugverbot auf.“ Derfrüheregrüne

Präsidentschaftskandidat redet

aus eigener Betroffenheit: Seine 24-

jährige Nichte verlor bei dem Lion-

Air-AbsturzinÄthiopien ihr Leben.

NACHRICHTEN

Eisenbahn-Bundesamt

beklagt Engpass

DasEisenbahn-Bundesamt fordert

vorden abschließenden Haushaltsberatungen

im Bundestag eine erhebliche

Aufstockung seines Personals.Das

geht auseiner internen

Aufstellung der Behörde hervor, die

dem RedaktionsNetzwerkDeutschland

(RND) vorliegt. Dievom Bund

geplanten „erheblichen zusätzlichen

Investitionen“ in die Bahninfrastruktur

würden zusätzliches Personal

erfordern. DasAmt sieht einen

Bedarfvon mindestens 240 Stellen,

150 davon hat es als „Minimumbedarf“

zur Erfüllung der Aufgaben im

nächsten Jahr angemeldet. DerRegierungsentwurfsieht

jedoch lediglich

41 zusätzliche Stellen vor. (dpa)

Mobilfunkfirmen

bündeln ihre Kräfte

DieMobilfunkbetreiber Deutsche

Telekom, Telefónica Deutschland

und Vodafone wollen ihreKräfte

beim Ausbau des schnellen Mobilfunks

bündeln. DieUnternehmen

wollen nach eigenen Angaben bis zu

6000 neue Mobilfunkstandorte koordiniertaufbauen

und nutzen. Ziel

sei eine „bestmögliche mobile Breitbandversorgung“

für die Kunden in

ganz Deutschland, insbesondereauf

dem Land und entlang der Verkehrswege

auf Straßen, Schienen und

Flüssen. DerenVersorgung war den

BetreibernimZuge der 5G-Frequenzauktion

auferlegt worden. Vorallem

auf dem Land gibt es noch viele

Funklöcher. (dpa)

Stahlproduktion

mit Wasserstoff

Die Stahlproduktion soll sauberer werden.

FOTO: ROLAND WEIHRAUCH/DP

Derösterreichische TechnologiekonzernVoestalpine

und der deutsche

Stahlhersteller Thyssenkrupp

wollen die Stahlproduktion mithilfe

vonWasserstoff sauberer machen.

Thyssenkrupp hat in seinem Duisburger

Werk einen Versuch gestartet,

in einem Hochofen Kohlenstaub

teilweisedurch Wasserstoff zu

ersetzen. Als erster Konzernweltweit

blase Thyssenkrupp Wasserstoffstatt

Kohle in einen laufenden

Hochofen, so Thyssenkrupp.Am

Ende des Umbaus der Produktion

werde„grüner Stahl“ stehen. Auch

Voestalpine hat am Montag eine Pilotanlagezur

weniger umweltschädlichen

Stahlproduktion in Betriebgenommen.

(dpa)

Basiskonten oft

besonders teuer

Für Menschen ohne festen Wohnsitz

ist laut einer Untersuchung der Stiftung

Warentest ein Bankkonto oft

besonders teuer.Unter anderem Geflüchtete

oder Wohnungslose „haben

nur Anspruch auf ein Basiskonto

und zahlen dafür besonders viel“,

heißt es in einem Vergleich der Zeitschrift

„Finanztest“. Beieinigen der

124 untersuchten Kreditinstitute

kostet die Führung eines Basiskontos

demnach zurzeit mehr als

200 Euro im Jahr.Aufgrund gestiegener

Grundpreise und höherer Gebühren

für Überweisungen in

Papierformsei das teilweise mehr

als noch vorzweiJahren, so die Stiftung.

(dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Meinung

Kolumne

Nebulöses von

Monika Grütters

Götz Aly

über die ethnologische

Sammlung in Berlin

Kaum war meine Kolumne über

Monika Grütters am vergangenen

Dienstag erschienen, beschwerte

sich der Leiter ihrer

„Stabsstelle Kommunikation“ und

behauptete, mein Artikel enthalte

„falsche Fakten“. (Gibt es

„schwarze Schimmel“ oder „falsche

Fakten“?) Ich widersprach

postwendend, stellte konkretisierende

Fragen und bat darum, diese

rechtzeitig zu beantworten. Das

gelang seit Mittwochmorgen vergangener

Woche weder der Stabsnoch

der Pressestelle von Staatsministerin

Grütters (CDU). Wir

warten also eine weitereWoche auf

Antworten und wenden uns zwischenzeitlich

dem Wortgewabere

der Ministerin zu.

Dafür eignet sich das Humboldt

Forum beispielhaft. Bekanntlich

wird die dort geplante Präsentation

„ethnologischer Schätze“ inzwischen

als eine „zweite Deutsche Kolonialausstellung“

kritisiert; die erste

hatte 1906 in (Berlin-)Treptowstattgefunden.

Immerhin stammen, je

nach Region, 70 bis 90 Prozent der

Objekte des einstigen Völkerkundemuseums

aus deutschen Kolonien.

DieArt,wie all das hunderttausendfach

zusammengerafft wurde, verdient

genaue Betrachtung. Schließlich

besitzen die Bürgerinnen und

Bürger heutiger afrikanischer oder

ozeanischer Staaten, die seinerzeit

als „Wilde“, „Primitive“, „Ureinwohner“

oder„Eingeborene“ ausgeplündert

wurden, viele der in Berlin verwahrten

Kultur- und Alltagsgegenstände

nicht mehr. Das Humboldt

Forum wirbt schon jetzt mit „weltweit

einmaligen“ Stücken. Wassagt

die politisch verantwortliche Staatsministerin

Grütters dazu? Siemeint,

der mit kolonialer Beute angefüllte

Schlossnachbau werde ein „Kulturort,

in dem Menschheitskulturgeschichte

erzählt werden kann“. Ob

das klappt?

Es geht um Dokumentation

Primär geht es nicht um Rückgabe,

sondern um die Dokumentation

der Herkunft jedes Objekts. Das

aber möchte Grütters nicht. Wolkig

sprach sie im Oktober von möglichen

Fehlern inden Dateien und

von angeblich „besonders sensiblen

Objekten, bei denen die Herkunftsgesellschaften

eine uneingeschränkte

Bereitstellung (der Daten)

überhaupt nicht wünschen“.

Woher weiß sie das? Wenmeint sie

mit „Herkunftsgesellschaften“?

Damit vermeidet sie richtigerweise

Ausdrücke wie „Stämme“, „Eingeborene“,

„Indigene“ usw.Vor allem

aber umgeht Grütters mit dieser

Wortwahl absichtsvoll den völkerrechtlichen

Begriff Staat. Denn aus

Kolonien wurden mittlerweile

Staaten, und mit deren Vertretern

wäre zusprechen, so kompliziert

das im Einzelfall sein mag.

Um solchen staatlichen Verhandlungen

auszuweichen,

stemmt sich Grütters gegen eine

allgemein zugängliche Dokumentation

unserer kolonialen Museumsbestände,

schwadroniert vom

„Dialog auf Augenhöhe“ mit „Herkunftsgesellschaften“

und erfindet:

„Eine Freischaltung (der Datensätze)

ohne Kontrolle –sowie

es jetzt gefordert wird – könnte

eventuell zu Irritationen führen,

die wir alle gerne vermeiden

möchten.“ Wersind „wir alle“? Ich

nicht! Werkönnte denn außer den

heutigen Besitzern des großteils

Geraubten von der Veröffentlichung

der originalen Eingangsbücher

und Inventare(nicht nur von

heutigen Dateien!) in „Irritationen“

gestürzt werden? Bestimmt

nicht die Nachfahren der „Herkunftsgesellschaften“,

wohl aber

die der kolonialistischen Beutegesellschaft.

Doppelmoral hält besser.

Am 8.November, kurz vor

dem 30. Jahrestag des

Mauerfalls, hat Egon

Krenz etwas erhalten,

worauf er dreißig Jahre lang verzichten

musste: öffentlichen Dank

für sein Handeln drei Jahrzehnte

zuvor. Dank dafür, dass er als

Staatsratsvorsitzender „Größe“ gezeigt

habe, sein Ansehen und seinen

sozialen Stand aufs Spiel gesetzt,

indem er keinen Befehl zur

Anwendung von Gewalt ausgab,

als sich in der DDR die friedlichen

Massen erhoben. DenDank ausgesprochen

haben Silke und Holger

Friedrich, die neuen Verleger der

Berliner Zeitung, die sich den Lesern

inihrer „Berliner Botschaft“

vorgestellt haben. „Krenz hat mit

dieser persönlichen Entscheidung

Millionen Menschen

selbstbestimmte, positive

Lebenswege ermöglicht,

die uns unter anderem

diesenText in dieser

Zeitung veröffentlichen

lassen“, schrieben

sie.

Dankbarkeit ist eine

höchst persönliche Regung,

eigentlich verbietet

sich Kritik. Aber öffentlich

ausgesprochener Dank an

eine Person der Zeitgeschichte

kann sich ihr nicht entziehen.

Darumdieser Einspruch.

Dreißig Jahre sind eine lange

Zeit, eine ganze Generation ist seit

dem Mauerfall erwachsen geworden.

Der Abstand hilft, manche

Dinge zu vergessen und andere

klarer zu sehen. Aber er ändert

nichts an der Verantwortung, die

Egon Krenz in der DDR getragen

hat. Eine Verantwortung, für die er

sich selbst entschieden hat –denn

Egon Krenz gehörte zu jenen, die in

der DDR selbst über ihren Lebenswegentscheiden

konnten.

Seiner führte ihn an die Spitze

eines Landes, dessen Führung

zwar um die Unterstützung der Bevölkerung

warb –die aber ohne dokumentierte

Skrupel jene einschüchterte,

die sie ihr versagten

und jene erschoss,die sich ihr ganz

entziehen wollten. Krenz selbst

sendete ein deutliches Signal an

die Bürgerrechtsbewegung, als er

sich 1989 vom Staatsbesuch in Peking

zu Wort meldete.DreiMonate

nach dem Massaker auf dem Platz

des Himmlischen Friedens mit

Egon Krenz und wir

VonFrederik Bombosch

Frederik

Bombosch

2600 Toten sagte Krenz in der chinesischen

Hauptstadt: „Die Tugend

an sich ist die, dass man in

dieser Welt von heute alles, aber

auch alles lassen muss,was Destabilisierung

fördert.“

Zum Wunder der Friedlichen

Revolution gehört, dass diese

Worte ihre Wirkung verfehlten.

Krenz hatte schon keine Macht

mehr,als er sie vonHonecker übernahm.

Anerkennung kann man

ihm dafür zollen, dass er seine Position

in seinen wenigen Wochen

im Amt zumindest nicht missbrauchte.

Aber danken? Danken

sollte man ihm vielleicht dafür,

dass er als Verantwortlicher für die

gefälschten Kommunalwahlen im

Mai1989 der Revolution einen wesentlichen

Impuls gegeben hat.

Aber diesen Dank wirder

wohl ausschlagen.

Krenz zu danken ist

auch deshalb so schwierig,

weil er selbst so wenig

Dankbarkeit zeigt. Hat er

sich je bedankt bei den

Revolutionären, dass sie

friedlich geblieben sind?

Dass sie sein kaputtes Regime

mit Worten zu Fall

gebracht haben und indem

sie sich unter Lebensgefahr in

die Öffentlichkeit gewagt haben?

Hat ersich bedankt dafür, dass er

seinen Lebensabend ganz friedlich

und offenbar ohne die seelischen

Qualen verbringen kann, die viele

Opfer des SED-Regimes bis heute

plagen? Im ausführlichen Interview,

das die Berliner Zeitung am

vorigen Freitag veröffentlichte, hat

er das jedenfalls nicht getan.

Schließlich sollte, wer Krenz

würdigt, nicht jene ohne Dank lassen,

die die Friedliche Revolution

zustande gebracht haben: die

Friedlichen. Es waren eben nicht

die Starken, die Kämpferischen,

die Brüller, die das Regime 1989

herausgefordert haben. Es waren

die Leisen, jene, die sonst nicht in

der ersten Reihe standen. Sie hatten

die Größe,alles zu riskieren. Sie

haben gezeigt, dass aus Verzweiflung

Macht erwachsen kann.

Wir haben jeden Tag die

Chance,ihnen zuzuhören statt den

Mächtigen und den Brüllern. Das

sollte die Inspiration und die Lehre

sein, die wir aus dem Jahr 1989 mitnehmen.

Krenz braucht unseren

Dank nicht. Sieschon.

VonClaudia Pietsch

Bei der Demonstration am

4. November 1989 auf

dem Berliner Alexanderplatz

war das Konterfei

vonEgon Krenz eines der meistkarikierten.

Blöd fand ich schon damals,

ihn wegen seiner imposanten

Schneidezähne zu verspotten.

Aber einer der Hauptverantwortlichen

für die miserablen Zustände

in der DDR –das war er auch für

mich. Neben Honecker, Mielke,

Hager und Co. Diese Männer sind

inzwischen tot, aber Krenz lebt

und er ist offenbar klaren Verstandes.

Wenn man ihn lässt, kann er

viel erzählen, über die Führung der

DDR in diesem historischen

Herbst. Über getroffene Entscheidungen

und unterlassene. Der

Herbst 1989, der für meine und

weitere Generationen

zwischen Suhl und Warnemünde

das wohl einschneidendste

politische

Ereignis in ihrem Leben

brachte. Plötzlich schien

alles möglich, von dem

zuvor nur geträumt werden

konnte.

Die ergreifenden Bilder

der Nachtdes Mauerfalls

rühren viele bis

heute. Was damals hinter den Kulissen

geschah, ist noch nicht vollständig

geklärt. Das darüber Geschriebene

und Gesagte hängt oft

von der subjektiven Sicht des Einzelnen

auf die entscheidenden

Stunden ab.

Einer meiner Lieblingsfilme

über die stürmischen Herbsttage

1989 ist die Tragikomödie „Bornholmer

Straße“. Sie erzählt davon,

wie ein Häuflein Stasi-Leute die

Nachtdes 9. November im Inneren

der inzwischen berühmten Grenzanlage

erlebt hat. Zentrales Motiv:

Es gibt keinen Befehl. Niemand

sagt den Männern, die sich bislang

immer auf die Ansagen von oben

verlassen konnten, was sie tun sollen:

Die Grenze mit allen Mitteln

verteidigen (ein Maschinengewehr

steht im Wandschrank bereit) oder

die vor dem Schlagbaum stehenden

erwartungsvollen Menschen

schlicht passieren lassen. Eine Entscheidung

von shakespearischer

Dimension, die Oberstleutnant

Harald Jäger (der echte Diensthabende

in dieser Nachtander Bornholmer)

treffen muss. Egon Krenz

und sein Apparat halfen dem

Claudia

Pietsch

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Zwei Positionen zu der Frage, wer wem Dank schuldet –und welche Fragen noch unbeantwortet sind

Mann dabei nicht. In unserem Interview

in der Sonderausgabe sagt

Krenz, er habe Wichtigeres zu tun

gehabt, als zur Bornholmer Straße

zu kommen. Dasnennt er heute einen

Fehler.

Das kann man glauben oder

nicht, aber interessant ist allemal,

wie Krenz sich an diese Nacht erinnert.

Weil er damals an den Schalthebeln

der DDR-Macht saß, würde

ich ihm gern noch viele weitere

Fragen stellen. Warum die DDR-

Führung nicht merkte, dass in den

80ernselbst die ihnen Wohlgesonnensten

große Zweifel an ihrem

Land hatten. Warum die Führung

ernsthaft annahm, die Leute

glaubten, was in der Zeitung stand.

Warum sie meinte, allein darüber

bestimmen zu können, was richtig

und was falsch ist. Oder

warum niemand an der

DDR-Spitze merkte,

wie sehr der Sänger

Dirk Michaelis mit seinem

Lied „Als ich fortging“

die Seelenlage

vieler traf.

Antworten auf solche

Fragen könnten

heute helfen, gesellschaftliche

Phänomene

besser zu verstehen. Und die Debatte

vielschichtiger machen.

Vor 30 Jahren hatte Krenz als

Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates

der DDR die Kommandogewalt

über alle „bewaffneten

Organe“ des Landes,insbesondere

Volksarmee und Volkspolizei.

Dass die „November-Revolution“

friedlich verlief, wird der Friedfertigkeit

der Demonstranten zugeschrieben.

Nur selten wird erwähnt,

dass den „bewaffneten Organen“

befohlen worden war,

keine Schusswaffen gegen die Demonstranten

einzusetzen. Dabei

spielte Krenz als Oberbefehlshaber

eine entscheidende Rolle. Das

könnte man als historische Tatsache

anerkennen. Ungeachtet dessen,

dass Krenz bis 1989 eine geradlinige

Funktionärslaufbahn bis

an die Spitzeder DDR zurücklegte.

Am aus heutiger Sicht wichtigsten

Punkt seines Lebens traf er eine

Entscheidung, die möglicherweise

Menschenleben rettete,imKonflikt

zwischen Demonstranten und

DDR-Führung aber zumindest deeskalierend

wirkte.Eswar eine Entscheidung,

die bis heute nachwirkt.

ZITAT

„Es gibt Leute, die meine

Gemälde nicht aushalten

können. Ich finde andere

Dinge brutaler, zum

Beispiel, dass wir auf diese

Welt kommen, ohne gefragt

zu werden.“

Oda Jaune, Malerin, im Spiegel-Interview über ihre

Kunst und die Realität

AUSLESE

Die Grundrente

und die GroKo

Die große Koalition hat sich zu einem

Kompromiss über die Grundrente

geeinigt. „Warum dieses unerträglich

lange Gezerre?“, fragt das Straubinger

Tagblatt und wertet das Ergebnis der langen

Verhandlungen als „einen teuren, als

Sozialstaatsreform verkauften Kompromiss

... ,wie er für die Koalition typisch ist.

Es gibt zwar so etwas wie eine Bedürftigkeitsprüfung,

die aber nicht so heißen

darf.“ Die Stuttgarter Zeitung meint: „Es

ging Schwarz-Rot halt nur darum, irgendwie

die Koalition zu retten. Gerettet ist sie

fürs erste: Doch überzeugend ist sie nach

wie vornicht.“

Die Welt sieht die SPD als größeren Sieger

in der Sache. Vor allem Olaf Scholz

profitiert inihren Augen. „Gegenüber einem

Mitbewerber um den Parteivorsitz,

der sogar die Notwendigkeit eines SPD-

Kanzlerkandidaten anzweifelte, hat

Scholz jetzt einen Vorteil“, kommentiert

das Blatt. „Angela Merkel wird darüber

nicht böse sein. Der nächste Koalitionskonflikt

lauertjaimmer bereits hinter der

nächsten Ecke.Wie gut, dass nun wenigstens

die Grundrente geschafft ist.“

„Der Kompromiss ... ebnet nun den

Weg, Altersarmut zu bekämpfen“, wertet

die Süddeutsche Zeitung. Es gebe zwar

Mängel, wie den, dass all jene ausgeschlossen

bleiben, die keine 35 Jahre eingezahlte

haben. Dennoch: „Die Einigung

ist ein Hoffnungsschimmer –für künftige

Senioren genau wie für die angeschlagene

GroKo.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Der Berliner

Wissenschaftspreis 2019

geht an die

Freie Universität

Seite 16

Krank: Ein Polizist und Schießtrainer hat das Land Berlin verklagt Seite 10

Knapp: Weil es nicht genug Prüfstellen gibt, fehlen in Brandenburg Medizingeräte Seite 15

Stadtbild

So schön ist

die Einheit

Susanne Dübber

war per Rad auf den Spuren

der Mauer unterwegs.

Zwei Freundinnen, zwei Fahrräder,

ein Ziel: den Mauerweg

abzufahren –160 Kilometer rund um

Berlin. Diese Radtour war unser großer

Spaß im Sommer 2019.

Die Freundin Ost-, ich Westdeutsche,geboren

beide nach dem Mauerbau,

aufgewachsen bis ins Erwachsenenleben

in den unterschiedlichen

Hälften Deutschlands.

Während ich immer den Fall der

Mauer erhofft hatte,war es für sie nie

Option. Dass wir nicht schnell vorankommen

würden, wurde schon

auf den ersten Meternder insgesamt

acht Etappen klar.Zwar liegt das Sowjetische

Ehrenmal 500 Meter vom

Mauerverlauf im Treptower Park,

aber dieser Abstecher gehörte für

uns dazu. Zwei Stunden verweilten

wir, weil uns die Gedenkstätte für

7000 Soldaten so tief beeindruckte.

Noch oft sind wir vonden Rädern

abgestiegen und haben uns genau

umgeschaut. Wie bei der Gropiusstadt,

dem West-Berliner Neubaugebiet

der 60er- und 70er-Jahre. Die

Freundin rief plötzlich aus: „Was ist

das? Ichhabe es als kleines Mädchen

oft aus dem Autofenster auf dem Weg

zum Flughafen Schönefeld gesehen.“

Auch den Wegvon der Mauer weg

zum Notaufnahmelager Marienfelde

gönnten wir uns. Erstaunen rief bei

ihr hervor, wie ausgiebig die westlichen

Geheimdienste die DDR-

Flüchtlinge überprüften. Gemeinsam

lachten wir darüber, wie viele Lager-

Mitarbeiter für die Stasi arbeiteten.

Betroffen machte uns der Anblick

winzig kleiner Zimmer für jeweils vier

Menschen und die kaputten Fenster

samt fehlender Gardinen am Asylbewerberheim,

das dort heute wieder

existiert. Weinen musste ich im Süden,

am Grab eines Mauertoten von

1966 leuchtete blau frisch gepflanztes

Männertreu. Glücklich machte uns

eine Hochzeit in der zarten Sacrower

Kirche, die bis 1989 verlassen im Todesstreifen

verfiel.

Aufder Suche nach restlicher Berliner

Mauer muss man meist sehr genau

hinschauen. An sehr vielen Stellen

haben Bäume und Gebüsche in

dreißig Jahren das Schreckliche

überwuchert, sind wie in Staaken

hübsche neue Häuser entstanden.

Auf lange Strecken gibt es herrliche

Landschaften, besonders auf dem

Wegnach Hennigsdorfund bei Frohnau.

Ewig wirduns die Schönheit der

Einheit in Erinnerung bleiben. Der

Schmerz der Teilung ist abgeschlossen

und vorbei.

Ohne Mauer,jetzt mit Aussicht: die

Uferpromenade Nieder Neuendorf.

PRIVAT

Zukunftsvision: So stellt sich das Alliiertenmuseum seine Präsenz im Hangar 7des Flughafens Tempelhof vor.

Wo der Rosinenbomber landet

Wiedas neue Alliiertenmuseum in Tempelhof aussehen soll –und warum die Finanzierung ein Problem ist

VonUlrich Paul

Ein Panzer,ein Jeep und mittendrin

ein ehemaliger Rosinenbomber

–mit spektakulären

Großobjekten unter

einem Dach will sich das Alliiertenmuseum

nach seinem Umzug

vonDahlem zum Flughafen Tempelhof

präsentieren. Und damit zu einem

„Museum als Lernort der Demokratie“

avancieren. Das geht aus

dem Konzept des Museums hervor,

das der Berliner Zeitung vorliegt.

Der Direktor des Alliiertenmuseums,

Jürgen Lillteicher, will die

Pläne an diesem Mittwoch im Kulturausschuss

des Bundestags präsentieren.

Sein Ziel ist, um Unterstützung

für den Umzug zu werben. Denn der

Bundestags-Haushaltsausschuss hat

zwar im November 2015 rund 27 Millionen

Euro für den Umzug des Museums

nach Tempelhof zugesagt, allerdings

sind im nächsten Bundeshaushalt

keine Mittel eingestellt. Hintergrund:

Inzwischen ist klar,dass der

Umzug teurer wird. Denn die ermittelten

Kosten beruhten auf einer Kalkulation

aus dem Jahr 2013.Wieteuer

der Umzug wird, ist unklar. Eswerde

noch gerechnet, sagt Museumsdirektor

Lillteicher.Mittlerweile werden jedoch

auch Berechnungen angestellt,

welche Kosten bei einemVerbleib des

Museums an der Clayallee anfallen.

Folge: Es ist völlig offen, wie es weitergeht.

Beirat warnt

Der wissenschaftliche Beirat des

Museums, in dem Wissenschaftler

aus den USA, Großbritannien,

Frankreich und Deutschland vertreten

sind, zeigt sich alarmiert. „Der

Beirat nimmt mit allergrößter Besorgnis

zur Kenntnis,dass keine Entscheidung

über die Unterbringung

des Alliiertenmuseums in Tempelhof

getroffen wurde, obwohl alle erforderlichen

Planungsunterlagen vorliegen“,

heißt es in einer Erklärung

des Gremiums. Dabei sei die Botschaft

des Museums –die Bedeutung

internationaler Kooperationen und

Bündnissysteme für den Erhalt von

Freiheit, Frieden und Demokratie –

aktueller denn je und verdiene einen

Platz der

Luftbrücke

Tempelhof

Tempelhofer Damm

Gebäude des ehemaligen

Flughafens Tempelhof

Tempelhofer

Feld

Hangar 7

Neues

Alliiertenmuseum

Columbiadamm

Platz im Herzen der deutschen

Hauptstadt. „Hier hat die Bundesregierung

die einzigartige Gelegenheit,

die Geschichte der Deutschen und

der Alliierten bei der Etablierung

und Festigung der bundesdeutschen

Demokratie heutigen und zukünftiger

Generationen zu präsentieren“,

stellen die Wissenschaftler fest.

Das Alliiertenmuseum soll nach

bisherigen Plänen in den Hangar 7in

Tempelhof einziehen. Auf einer Fläche

von rund 7000 Quadratmetern

sollen außer dem berühmten Rosinenbomber,

der an die Luftbrücke

während der Blockade West-Berlins

erinnert, unter anderem ein Hubschrauber

und die Reste eines Spionagetunnels

präsentiertwerden.

DieZeit des Kalten Kriegs und der

Blockkonfrontation steht zwar im

Mittelpunkt des Museums, doch

geht es um mehr. „Die Befreiung

200 m

„Wir haben uns seit Jahren auf die Zusage

verlassen, dass das Alliiertenmuseum von

Dahlem nach Tempelhof umzieht. Unsere

gesamte Planung ist darauf ausgerichtet.“

Jürgen Lillteicher, Direktor des Alliiertenmuseums

Geschichtsgalerie (ab 2022)

Tower THF (ab 2021)

BLZ/GALANTY

Deutschlands vom Nationalsozialismus

und die Entwicklung West-Berlins

und Westdeutschlands hin zu

Demokratie und Wohlstand wären

undenkbar ohne das Engagement

der Westmächte“, heißt es im Konzept

für das Museum.

Das 1998 eingeweihte Alliiertenmuseum

erinnertandie Präsenz der

Westmächte USA, Großbritannien

und Frankreich in Berlin. Sein aktueller

Sitz ist das ehemalige US-Kino

Outpost an der Clayallee.InDahlem

kommen jährlich rund 70 000 Besucher

in das Museum. In Tempelhof

versprechen sich die Museumsmacher

eine Steigerung auf bis zu

360 000 Besucher jährlich.

„Wir haben uns seit Jahren auf die

Zusage verlassen, dass das Alliiertenmuseum

von Dahlem nach Tempelhof

umzieht“, sagt Museumsdirektor

Lillteicher.„Unseregesamte Planung

ALLIIERTENMUSEUM/PRALLE SONNE

ist darauf ausgerichtet.“ Am Standort

Clayallee – am Zehlendorfer

Waldrand –habe das Museum keine

Zukunft mehr, sagt Lillteicher. „Wir

bauen auf die Parlamentarier und

hoffen sehr, dass sie die Mittel für

den Umzug im nächsten Bundeshaushalt

bereitstellen.“ In Zeiten

von neuem Nationalismus würde

damit ein Zeichen für die Bedeutung

internationaler Zusammenarbeit

und Bündnissysteme gesetzt, denn

gemeinsame Geschichte verbinde.

Im neuen Alliiertenmuseum in

Tempelhof soll neben den Großobjekten

ein Kindermuseum und eine

Besuchermediathek zum spielerischen

Entdecken und Erforschen

der Geschichte einladen. Gemeinsam

mit der vom Deutschen Technikmuseum

geplanten Flugzeugschau

im Nachbarhangar entstehe

„ein einzigartiges Ausstellungskonglomerat

zur Zeit- und Technikgeschichte“,

heißt es in dem Konzept.

Towereröffnet 2021

DasAlliiertenmuseum soll der wichtigste

neue Nutzer im stillgelegten

Flughafen Tempelhof werden. Die

Vergangenheit des Airports,der einst

sowohl der Rüstungsproduktion als

auch der Beschäftigung vonZwangsarbeitern

diente, spielt dabei eine

besondere Rolle. So soll auf dem

Dach eine begehbare Geschichtsgalerie

entstehen, die an diese Zeit erinnert.

Eines der ersten Projekte, bei

denen der Airportöffentlich zugänglich

gemacht wird, ist die Sanierung

des Towers und einer Dachterrasse.

Siesollen2021 eröffnet werden.

Der wissenschaftliche Beirat des

Alliiertenmuseums wirbt eindringlich

für den Wechsel nach Tempelhof.

Ein Verbleib in der Clayallee

würde das Museum „zunehmender

Irrelevanz und die einzigartige

Sammlung des Museums dem Verfall

preisgeben“, warnen die Experten.

„Es wäreein fatales Signal an die

drei ehemaligen Westmächte.“

Ulrich Paul

wünscht dem Alliiertenmuseum

mehr Besucher.

NACHRICHTEN

Missbrauchsverdacht:

Jugendwart verhaftet

Einehrenamtlicher Jugendwarteines

Angelvereins soll über Jahremehrere

Jungen sexuell missbraucht haben.

Gegen den 50-Jährigen sei Haftbefehl

erlassen worden, er sitzeinUntersuchungshaft,

teilte die Staatsanwaltschaft

mit. Demnach wurde derVerdächtige

bereits am 1. November auf

dem Gelände des Angelvereins in KladowinseinemWohnwagen

festgenommen.

DemMannwirdvielfacher,

teils schwerer sexueller Missbrauch

vonmindestens vier Jungen im Alter

vonacht bis elf Jahren in den vergangenendreiJahrenzur

Last gelegt. Die

Staatsanwaltschaft sprach vonmehr

als136 bekannt gewordenen Fällen.

Beider Durchsuchung desWohnwagens

stellten Polizisten umfangreiches

Beweismaterial sicher.Darunter

seien auch zahlreiche Gegenstände

gewesen, die nach den Schilderungen

der Kinder bei den Missbrauchshandlungen

eingesetzt worden sein

sollen. Auch Datenträger wurden beschlagnahmt.

Geprüft werde, ob

Missbrauchstaten inVideos undauf

Bildernfestgehalten wurden. Etwaige

weitereGeschädigte werden gebeten,

sich beim Landeskriminalamt oder

bei der Staatsanwaltschaft zu melden.

Denn möglicherweise gibt es

auch in anderenVereinen geschädigte

Kinder.Der Mansei in den vergangenen

20 Jahren in mehrerenVereinen

tätig war,sagte der Sprecher

Staatsanwaltschaft Martin Steltner

der RBB-„Abendschau“. (tom./dpa)

Eigentümer verkauft Hotel

de Rome nach Singapur

CommerzReal hat das Berliner Hotel

de Rome veräußert. Käufer des Luxushotels

ist das Investmentvehikel

vonCaleus Capital Partners und

dem Staatsfonds vonSingapur

(GIC). DasFünf-Sterne-Haus an der

Behrenstraße 37 im BezirkMitte

wirdvon Rocco Fortebetrieben.

1889 errichtet, beherbergte es zunächst

die Dresdner Bank und später

die DDR-Staatsbank. (BLZ)

Humboldt-Uni sieht sich

trotz Trojaner arbeitsfähig

DerComputer-Trojaner Emotet hat

an der Humboldt-Universität neun

vonrund 43 000 Accounts infiziert.

„Es wurde Strafanzeige gegen Unbekannt

erstattet“, teilte ein Sprecher

mit. DieUniversität sei aber vollkommen

handlungs- und funktionsfähig.

Dasspeziell gesicherteVerwaltungsnetz

und die zentral betriebenen Systeme

des Computerservice seien

nicht betroffen. (dpa)

AfD-Landesgeschäftsführer

gibt seinen Posten ab

DerAfD-Landesgeschäftsführer Alexander

Bertram

legt seinen Posten

zum Ende des

Monats nieder.

AfD-Sprecher Ronald

Gläser bestätigte

einen

entsprechenden

Bericht des Tagesspiegel.

Bertramhatte

neben

seiner Arbeit als

Alexander

Bertram

AfD-Fraktionschef in Treptow-Köpenick

auch die Planung zweier schließlich

abgesagter Landesparteitage

übernommen. (dpa)

WW.IMAGO-IMAGES.DE


10 * Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Berlin

Auf maroden Schießständen der Polizei haben Trainer und Polizisten jahrelang giftige Pulverdämpfe eingeatmet.

DPA/RAINER JENSEN

Gefährlicher Nebel

Ein Polizist und Schießtrainer wollte seine Schwermetallvergiftung als Berufskrankheit anerkannt wissen. Vordem Verwaltungsgericht unterlag er

VonKatrin Bischoff

Polizist –das war der Traumberuf

vonThomas K. Er war

topfit und sportbegeistert,

als er 1982 gleich nach der

Schule mit der Ausbildung begann

Er hat sich bei Polizeieinsätzen in

Gefahr gebracht, 1987 etwa, bei den

1.Mai-Krawallen, als in Kreuzberg

ein Supermarkt brannte und Beamte

angegriffen wurden. Er hat in der

Mainzer Straße Hausbesetzungen

mit beendet. Doch seit 2003 ist Thomas

K. dienstunfähig, seit 2008 im

Ruhestand. Thomas K. kann nicht

mehr richtig laufen. Er hat Ausschläge

auf seiner Haut. Er ist ein

Opfer von Berlins maroden Schießständen.

Thomas K. leidet unter einer

Schwermetallvergiftung. An seinen

Nerven und Knochen haben sich

Blei, Quecksilber und Antimon abgelagert,

die jede Bewegung schwer

machen. Er wollte, dass dieses Leiden

als Berufskrankheit anerkannt

wird.

Deswegen klagte Thomas K. vor

dem Berliner Verwaltungsgericht –

und verlor. Am Montagnachmittag

wies die 5. Kammer die Klage des 54-

Jährigen ab.Zwar kämen Erkrankungen,

die auf eine Vergiftung durch

bestimmte Schwermetalle beruhten,

grundsätzlich als Berufskrankheit in

Betracht. Doch habe der Kläger die

gesetzlich festgelegten Meldefristen

versäumt, urteilte die Kammer unter

dem Vorsitzenden Richter Florian

Rüsch.

Demnach habe Thomas K. mehr

als zehn Jahre von der Diagnose bis

zur Meldung seiner Krankheit verstreichen

lassen. Nach zehn Jahren

ende die Frist, weil laut Gericht die

Kausalität zwischen Dienst und Erkrankung

nicht mehr nachgewiesen

werden könne. Thomas K. habe die

Krankheit erst im April 2016 seinem

Dienstherren gemeldet, obwohl es

schon im Jahr zuvor Medienberichte

über kontaminierte Schießstände

gegeben habe und der Beamte im

Ruhestand einen Zusammenhang

zu seiner Krankheit hätte herstellen

können.

Thomas K. zieht beim Laufen das

rechte Bein nach –Folge seiner Erkrankung.

Er hat als Gruppenleiter

einer Direktionshundertschaft mehr

als zehn Jahre lang das Schießtraining

in der Friesenstraße in Kreuzberg

geleitet: in einer umgebauten

Kegelbahn im Keller ohne ordentliche

Belüftung. „Manchmal war der

Nebel im Schießstand durch den

Pulverdampf so dicht, dass wir die

Schießscheiben nicht mehr erkennen

konnten und abwarten mussten“,

erinnert sich Thomas K. Damals

habe niemand von der Gefahr

Klage: Marcel Luthe (FDP)

hat den Innensenator Andreas

Geisel verklagt. Aufdem

Wege des Organstreitverfahrens

will Luthe erzwingen,

dass Geisel die Modalitäten

der Verteilung der Mittel aus

dem Ausgleichsfonds für die

auf Schießständen vergifteten

Polizisten offenlegt. Es

geht um nichtbeantwortete

Fragen auf eine parlamentarische

Anfrage.

KLAGE DER FDP

Kommission: Die Kommission,

die die Anträgevon auf

Schießständen vergifteten

Polizisten bearbeiten sollte,

erhielt für ihre Arbeit

27 510 Euro. Laut Antwort

auf eine parlamentarische

Anfrageprüfte die Kommission

in insgesamt 17,5 Stunden

(an drei Tagen) 786 Einzelfälle.

Sie nahm sich also

pro Fall im Durchschnitt 80

Sekunden Zeit.

Thomas K. mit seiner Anwältin vor dem Verwaltungsgericht

Entschädigung: Daraus

habe sich laut Luthe förmlich

aufdrängen müssen, „dass

eine Einzelfallprüfung wie

vomParlament (...) beauftragt

garnicht stattgefunden

haben könne. Ausdem Ausgleichsfond

mit mehr als drei

Millionen Euro wurden 453

Beamte entschädigt.Die

einmaligen Zahlungen betrugenzwischen

2000 und

80 000 Euro.

KATRIN BISCHOFF

gewarnt. Kathi-Gesa Klafke, die Anwältin

des Polizisten, sagt, ihr Mandant

habe beim Schießtraining im

Laufe der Jahrezusammengerechnet

wohl „zwei Millionen Schuss“ eingeatmet.

Sie nennt die Weigerung der

Behörde, das Leiden vonThomas K.

als Berufskrankheit anzuerkennen,

einen Skandal.

Thomas K. ist der erste Beamte,

der wegen einer Schwermetallvergiftung

gegen das Land Berlin geklagt

hat. Über die Bemerkung der Vertreter

des Landes Berlin in dem Verfahren,

man bezweifle stark, dass der

Nachweis einer Schwermetallvergiftung

bei Thomas K. vorliege, kann

der in Brandenburglebende Beamte

nur den Kopf schütteln. Dereinstige

Polizeioberkommissar erzählt, dass

er wegen seiner Schmerzen und Bewegungsstörungen

viele Ärzte aufgesucht

habe. Ersei auf alle möglichen

Nervenkrankheiten untersucht

worden: Multiple Sklerose etwa oder

Borreliose.Alles ohne Befund.

Erst 2006/2007 erhielt Thomas K.

die Diagnose einer Vergiftung mit

Blei und Quecksilber. „Ich konnte

der Ärztin nicht erklären, wie das

Schwermetall in meinen Körper gelangte“,

sagt Thomas K. Er seisich sicher

gewesen, dass er nie mit Blei

oder Quecksilber zu tun hatte.Nicht

ein einziges Mal habe er damals an

die Friesenstraße gedacht.

Erst alssich die Meldungen häuften,

dass Berlins Schießstände völlig

marode und vergiftet seien, habe er

langsam den Zusammenhang begriffen.

Thomas K. hatte die giftigen

Dämpfe lange Zeit eingeatmet,

manchmal dreimal in der Woche.

Thomas K. gibt nach der Entscheidung

des Gerichts nicht auf. Er

will zusammen mit seiner Anwältin

Berufung einlegen. Er sagt, erhabe

sich wegen der notwendigen Behandlung

bereits verschuldet. Er

wolle,dass die Kosten für seine Therapie

vollständig übernommen werden.

Zudem, so erzählt er,bekomme

er seine volle Pension nur,wenn sein

Leiden als Berufskrankheit anerkannt

werde. Derzeit erhalte er nur

etwa die Hälfte seiner Pension.

Thomas K. hat Anfang des Jahres

Geld aus dem Ausgleichsfonds für

die auf Schießständen vergifteten

Polizisten erhalten. Wie auch 452

weitere geschädigte Beamte. Thomas

K., Vater eines Sohnes, bekam

3000 Euro zugesprochen. „Das hat

für meine ausstehenden Behandlungskosten

lange nicht gereicht“,

sagt er.

Katrin Bischoff würde es

begrüßen, wenn Berlin den

Geschädigten beisteht.

Eine für alle Tage

Ein Berliner Start-up will mit Periodenhöschen gegen Tampon und Binde antreten. Am Dienstagabend werben sie im Fernsehen um Investoren

VonNadine Pensold

Kati Ernst und Kristine Zeller haben

ihre Jobs an den Nagel gehängt,

um Schlüpfer zu produzieren.

Bei ihrem Start-up mit dem Namen

Ooshi geht es den beiden Berlinerinnen

aber nicht etwa um Reizwäsche

oder um ganz gewöhnliche Unterhosen.

Ihre Periodenhöschen stellen

eine Alternative zu Tampons und

Binden dar, und sie sollen vor allem

auch nachhaltig sein.

Früher arbeiteten die beiden

Frauen in Führungspositionen großer

Unternehmen. Kati Ernst war bei

der Unternehmensberatung McKinsey

und beriet Mode- und Luxusunternehmen,

Kristine Zeller verantwortete

bei Zalando das Unterwäschesegment.

Vor gut einem Jahr

schmissen sie ihreJobs und starteten

ihren Online-Shop für Unterwäsche,

die Frauen während der Periode tragen.

Diese Höschen können die Periode

aufnehmen, gewaschen und

dann wiederverwendet werden.

Mehr als 40 000 Stück haben sie seither

verkauft. „Wie schnell die Firma

gewachsen ist, ist unglaublich. Damit

haben wir nicht gerechnet“, sagt

Kristine Zeller.

Von diesem Dienstag an dürfte

die Bekanntheit vonOoshi noch weiter

steigen: Die Berlinerinnen sind

zu Gast in der Vox-Sendung „Die

Höhle der Löwen“, in der Gründer

prominenten Investoren ihre Geschäftsideen

vorstellen. Als Kandidatinnen

der letzten Sendung der

Staffel hoffen sie auf die Unterstützung

eines Investors, der ihnen helfen

kann, auch auf dem internationalen

MarktFuß zu fassen.

Für die Gründerinnen ist der Auftritt

bei der Sendung in jedem Fall ein

Gewinn. „Es ist das erste Periodenprodukt,

das so prominent in einer

Mainstream-Sendung vorgestellt

wird“, freut sich Kati Ernst. Denn Ziel

der Freundinnen ist es auch, mit ihrem

Produkt das Thema Menstrua-

Kristine Zeller und Kati Ernst haben ein Start-up gegründet, mit dem sie Tampons und

Binden überflüssig machen wollen.

OOSHI

tion zu enttabuisieren. „Wir werden

dazu erzogen, das Thema wegzutun,

selbst wenn es um die eigene Periode

geht“, sagt Kati Ernst.

Mitihrer Geschäftsidee treffen sie

den Zeitgeist, denn immer mehr

Frauen setzen sich mit ihrer Periode

auseinander. Autorinnen wie Eva

Wünsch („Ebbe und Blut“) oder

Luisa Stömer („Tage-Buch“) schreiben

über den weiblichen Zyklus und

werden prominent in Buchläden

präsentiert.„Es gibt einen neuen Anspruch

von Frauen, ihren Körper

ganzheitlich zu verstehen und bewusste

Entscheidungen für sich zu

treffen“, sagt Kristine Zeller.

Das führt auch dazu, dass Frauen

bisherige Standards in Frage stellen.

Dazu zählt auch die Besteuerung von

Damenhygiene-Produkten mit 19

Prozent Mehrwertsteuer. Mit einer

Petition wurde der sogenannten

Pink-Tax der Kampf angesagt. In der

vergangenen Woche beschloss die

Bundesregierung mit einer Senkung

bei Tampons und Binden auf den verminderten

Steuersatz vonsieben Prozent.

Und auch der Markt reagiert auf

diese Bewegung und den Trend zu

einem nachhaltigeren Lebensstil.

Immer öfter findet man Bio-Tampons

und Binden aus nachwachsenden

Rohstoffen in Drogeriemärkten.

Durchschnittlich 15 000 Tampons

verbraucht eine Frau übrigens

durchschnittlich in ihrem Leben, 45

Milliarden Binden und Tampons

landen weltweit im Müll –pro Jahr.

Viele suchen daher nach anderen

Möglichkeiten, mit ihrer monatlichen

Blutung umzugehen. Und da

kommt die Periodenunterwäsche

ins Spiel.

Für ihre Produkte verwenden die

Gründerinnen gesundheitlich unbedenkliche

Materialien. Das war von

Beginn an die Idee,„und so sind wir

auf Merinowolle gekommen“, sagt

Kristine Zeller. Entwickelt wurde

auch ein Membransystem, das zudem

mit einem bakterienhemmendenWirkstoff

auf Silber-und Zinkbasis

ausgestattet ist. Dersoll circa zwei

Jahrewirksam sein.

Ob das die Investoren in „Die

Höhle der Löwen“ überzeugen wird,

kann man am Dienstag um

20.15 Uhrauf Voxverfolgen.


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 11 *

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Berlin

Entschuldigung

bei Israels

Botschafter

Kulturprojekte-Chef und

Senator bedauern Schriftzug

Ein Schriftzug auf Hebräisch während

der Bühnenshow zum

30. Jahrestag des Mauerfalls hat Kritik

ausgelöst. Beim Auftritt der Sängerin

Anna Loos am Sonnabend auf

der Bühne neben dem Brandenburger

Tor war als Videoprojektion in

hebräischen Buchstaben für kurze

Zeit der Schriftzug „Schluss mit der

Besatzung“ zu lesen. DerinIsrael bekannte

Slogan

kritisiertdie Politik

in den Palästinensergebieten.

„Ich bedauere

zutiefst, dass

eine anti-israelische

Botschaft

während der

Moritz Feier in einer Videosequenz

zu

van Dülmen

sehen war“,

teilte Kultursenator Klaus Lederer

(Linke) am Montag dazu mit. „Die Irritationen,

die die Schriftzüge ausgelöst

haben, kann ich mehr als nachvollziehen.

Dashätte nicht passieren

dürfen. Ich bitte um Entschuldigung.“

Moritz vanDülmen, Chef der

Agentur Kulturprojekte Berlin, die

für die Bühnenshow verantwortlich

zeichnete,entschuldigte sich für den

Schriftzug nach eigenen Angaben

am Montag beim israelischen Botschafter.

Ihm sei die Bedeutung des

Slogans nicht bewusst gewesen,

sagte vanDülmen. „Das entschuldet

es aber nicht.“

Der israelische Botschafter, Jeremy

Issacharoff, hatte der Bild-Zeitung

gesagt: „Am 9. November haben

wir den Mauerfall gefeiert, aber

auch würdevoll an die Pogromnacht

vor81Jahren erinnert, die auch symbolisch

für die Schrecken des damals

nahenden Holocaust steht.“ Es sei

eine Schande, dass einige es für angebracht

gehalten hätten, dieses Ereignis

für politische Zwecke gegen

Israel zu instrumentalisieren.

Er verstehe die Kritik, sagte van

Dülmen. „Ich habe mit dem israelischen

Botschafter telefoniert und

mein Bedauern und meine Entschuldigung

vorgetragen.“ Kulturprojekte

Berlin hatte bereits am

Sonntag auf Facebook erklärt, der

Schriftzug in der vom ZDF übertragenen

Bühnenshow sei Teil einer

künstlerischen Videosequenz über

rund 20 friedliche Protestaktionen

weltweit gewesen, und sich für „eine

etwaige missverständliche Interpretation“

entschuldigt. (dpa)

PAULUS PONIZAK

Jeder Zweite für

Giffey an der

Senats-Spitze

Umfrage: Zuspruch auch von

Anhängern anderer Parteien

F

ast die Hälfte der Berliner fände

es gut, wenn Bundesfamilienministerin

Franziska Giffey (SPD) 2021

für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin

kandidieren würde. Dafür

sprachen sich 47,9 Prozent der Teilnehmer

einer repräsentativen Umfrage

des Instituts Civey im Auftrag

des Tagesspiegels aus. Dagegen lehnen

34,2 Prozent der Befragten Berliner

eine Kandidatur Giffeys ab, 17,9

Prozent sind unentschieden. Die

größte Unterstützung bekommt die

frühere Neuköllner Bezirksbürgermeisterin

bei den Anhängernder eigenen

Partei, vondenen 78,3 Prozent

ihre Kandidatur gut fänden. Für die

Online-Umfrage wurden 4015 Berliner

befragt. Aber auch bei den Wählern

der Grünen ist mehr als die

Hälfte (56,8 Prozent) dafür, genau

wie bei Linken (58,5 Prozent) und

der CDU (54,6 Prozent). (dpa)

Plötzlich Prinzessin und Prinz sein

Für wender drei auf dem obigen Foto ist es die größte Freude? Eins ist

auf jeden Fall bekannt: ReinhardNaumann (SPD,2.von links), Bezirksbürgermeister

von Charlottenburg, traf am Montag zur Feier des Karnevalsbeginns

am 11.11. vor dem Rathaus mit dem Prinzenpaar der

Stadt Berlin Prinzessin Jessica I. und Prinz Klaus zusammen. Es war zumindest

eine fröhliche Begegnung, wie wir sehen. DieBerliner Zeitung

„Ein Experiment mit ungewissem Ausgang“

Der Senat beschließt, dass zwei Drittel der S-Bahn neu ausgeschrieben werden. Die Gewerkschaft EVG kritisiert den Plan

VonPeter Neumann

Der Senat stellt die Weichen

für die S-Bahn Berlin

neu. Aller Voraussicht

nach wird erandiesem

Dienstag beschließen, dass die bislang

größte Ausschreibung in der

Geschichte des Berliner Verkehrs in

Kürze beginnt. Für die S-Bahn-Linien

auf der Stadtbahn und im Nord-

Süd-Tunnel werden Unternehmen

gesucht, die von Ende 2026 an neue

Züge bereitstellen und sie fahren.

DasLand wirdEigentümer der mehr

als 1300Wagen. Nach der Senatsvorlage,

die der Berliner Zeitung vorab

zuging, steht ein grundlegender Systemwechsel

bevor – kein Wunder,

dass sich die Gewerkschaft EVG am

Montag kritisch dazu äußerte.

Neu ist, dass für jedes der beiden

S-Bahn-Teilnetze die Bereitstellung

und der Betrieb der neuen Züge getrennt

ausgeschrieben wird. Beides

kann also auch getrennt vergeben

werden. „Durch die Aufteilung befürchten

wir deutliche Verschlechterungen

bis hin zum völligen Chaos“,

sagte RobertSeifert,Vorsitzender der

EVG-Betriebsgruppe bei der S-Bahn

Berlin GmbH.Wieangesichts der zusätzlichen

Schnittstellen eine stabile

und sichereBetriebsorganisation gewährleistet

werden kann, sei unklar.

Ausder Krise lernen

Ihr Ziel, einer möglichen Aufteilung

der S-Bahn einen Riegel vorzuschieben,

haben die Gewerkschafter nicht

erreicht.Wasder Senat nun beschließen

wird, sei ein „absolutes Novum“,

meinte Seifert. „Es wird ein Experiment

mit ungewissem Ausgang.“

Wie berichtet geht es um zwei

Drittel des S-Bahn-Verkehrs in Berlin

und Brandenburg –genauer gesagt

um die Stadtbahn-Linien S3, S5, S7,

S75 und S9 sowie um die Nord-Süd-

Eine S-Bahn unterwegs auf der Linie S5 nach Spandau. Noch fährtdortdie S-Bahn Berlin

GmbH, ein Unternehmen der bundeseigenen DB. Das könnte sich ändern. IMAGO IMAGES

Strecken S1, S15, S2, S25 und S85. Am

Ende des bald beginnenden Verfahrens

soll Anfang 2022 feststehen, wer

die neuen S-Bahnen für diese Teilnetzebereitstellt

und wersie fährt.

Spätestens im kommenden Jahr

gründet das Land Berlin eine kreditfähige

Fahrzeuggesellschaft, heißt es

in der Vorlage,die Verkehrssenatorin

Regine Günther (Grüne) dem Senat

jetzt präsentieren wird. Die Gesellschaft

wird alle neuen S-Bahnen in

ihr Eigentum übernehmen. So entsteht

ein landeseigener Fahrzeugpool,

der 2,76 Milliarden Euro kostet.

Die Finanzierung beginnt mit einer

Anzahlung des Landes von 552

Millionen Euro, danach folgen Zahlungen

vonbis zu 280 Millionen Euro

pro Jahr. Für Zugbetrieb und Wartung

sind in den ersten 15 Jahren

3,024 Milliarden Euro einzuplanen.

Anders als sonst bei Ausschreibungen

üblich muss ein Unternehmen,

das Züge fahren will, sie nicht

veröffentlicht hier die wichtigsten Abschnitte aus der Antrittsrede des

königlichen Paares:„Seit nunmehr 30 Jahren können Ost-undWestberliner

gemeinsam unser schönes Brauchtum Karneval feiern. Wirhaben

viel erreicht, aber es gibt auch noch viel zu tun. Wir Karnevalisten haben

das schon lange verstanden, nur gemeinsam bringen wir unser

Brauchtum Fasching, Fastnacht, Karneval voran."

mitbringen. Es ist möglich, dass jemand

anders sie finanziertund wartet.

Diese Aufteilung soll die Konkurrenz

fördern–imInteresse der Fahrgäste

und Steuerzahler. Eswird ein

Verfahren gewählt, das „effektiven

Wettbewerb eröffnet und damit dem

Risiko von Monopolpreisen entgegen

wirkt“, so die Senatsvorlage.„Am

Ende wird die für die Länder wirtschaftlichste

Angebotsausgestaltung

den Zuschlag erhalten.“

Der Senatsbeschluss ist der vorläufige

Höhepunkt einer langen Debatte.

Auf der einen Seite stehen die

Grünen und ihreMitstreiter.Sie erinnernandie

Krise vorzehn Jahren, als

viele S-Bahnen aus dem Verkehr gezogen

werden mussten. Hauptgrund

war, dass der bundeseigene Bahnkonzern

imZeichen des geplanten

Börsengangs auch bei der S-Bahn

Berlin GmbH in den Werkstätten

sparte. Aus dem Desaster ließe sich

nur der Schluss ziehen, bei Aus-

DPA

schreibungen die Zugangsschwellen

niedrig zu gestalten, hieß es. Ziel

müsse es sein, dass viele Firmen teilnehmen

–anders als bei der Ausschreibung

des Ringbahn-Verkehrs,

bei der 2015 zuletzt nur die Bahn übrig

blieb. Das soll auch „Monopolpreise“

verhindern. Wie berichtet,

erwartet der Senat über 15 Jahre Kostenvorteile

von800 Millionen Euro.

Kehrtein alter Bekannter zurück?

Auf der anderen Seite stehen Gewerkschafter,SPD-

und Linken-Politiker.

Sie sehen das Senatskonzept

kritisch –auch weil es dazu führen

könnte, dass die bundeseigene S-

Bahn Berlin GmbH Aufträge verliert.

„Zwar haben wir in dieser Debatte

einiges erreicht –zum Beispiel, dass

neue Betreiber das Fahrpersonal

und einen Großteil des Werkstattpersonals

übernehmen müssen“, so

Seifert. Doch viele Fragen seien noch

offen – etwa, wo die zweite neue

Werkstatt entsteht. Wie berichtet ist

weiterhin Waßmannsdorfsüdöstlich

von Berlin im Gespräch –nur über

lange,teureAnfahrten zu erreichen.

Unklar sei auch, wie viel dieWerkstatt

Schönerlinder Straße und deren

geplante zweite Anbindung über das

Karower Kreuz kosten wird. „Darum

ist uns schleierhaft, wie der Senat auf

die 800 Millionen Euro Einsparung

kommt“, sagte der Gewerkschafter.

Je nachdem, wie der Wettbewerb

ausgeht: Möglicherweise ist künftig

ein alter Bekannter wieder für den S-

Bahn-Betrieb in Berlin zuständig.

Dem Vernehmen nach wollen sich

Zugbetreiber wie Go-Ahead aus England

und Transdev aus Frankreich an

der Ausschreibung beteiligen.

Deutschland-Geschäftsführer von

Transdev ist Tobias Heinemann, der

2007 Chef der S-Bahn Berlin GmbH

wurde –bis er auf dem Höhepunkt

der Krise 2009 abberufen wurde.

Polizeiaktion

startet

schleppend

Beamte lassen

Falschparker „umsetzen“

VonPhilippe Debionne

und Klaus Oberst

Hunderte vonAutofahrerninder

Hauptstadt halten Tagfür Tag

in zweiter Reihe, auf Busspuren

oder auf Radwegen. Am Montag

startete die Polizei deshalb eine

fünftägige Schwerpunktaktion, bei

der rücksichtlose Parksünder „in

Gesprächen für ihr Fehlverhalten

sensibilisiert“ werden sollen, so

eine Polizeisprecherin. Unabhängig

von diesen Gesprächen werden allerdings

auch Verwarnungsgelder

verhängt. Und Falschparker im Extremfall

„konsequent gebührenpflichtig

umgesetzt“, so die Sprecherin

weiter.

Bei einer vergleichbaren fünftägigen

Verkehrssicherheitsaktion im

Frühjahr 2019 hatte die Polizei nach

eigener Aussage 6484 Halte- und

Parkverstöße festgestellt und geahndet.

Undin„288 Fällen mussten

Kraftfahrzeuge zur Gefahrenabwehr

kostenpflichtig umgesetzt werden“.

Am Montag gab die Polizei an der

Hauptstraße in Schöneberg den

Startschuss für eine neuerliche

Schwerpunktaktion. Um Punkt

10.30 Uhr gingen die Einsatzkräfte

auf die Jagd nach Zweite-Reihe-Parkern.

Zunächst allerdings nur mit

mäßigem Erfolg. Innerhalb von

knapp zwei Stunden hielten oder

parkten zwar dutzende Fahrzeuge

in zweiter Reihe.Viele davon waren

jedoch Lieferfahrzeuge, die ihre

Ware auslieferten und dafür kein

Knöllchen kassierten. Zudem schien

es sich im Schöneberger Kiez schnell

herumgesprochen zu haben, dass

die Polizei auf der Lauer liegt: Anders

als sonst an dieser Stelle standen nur

wenige Privatfahrzeuge im Halteoder

Parkverbot. Innerhalb vonzwei

Stunden wurden daher nur fünf

Fahrzeuge an der Hauptstraße umgesetzt.

Zumindest bei diesen wünscht

sich auch Berlins Innensenator

Andreas Geisel (SPD) „einen Lerneffekt“,

wie er mitteilte. „Parken in

zweiter Reihe sowie auf Bus- und

Radspuren ist egoistisch und rücksichtslos“,

so Geisel weiter.

Wirkung bei Falschparkern zeigen

vermutlich die hohen Kosten,

mit denen eine Umsetzung verbunden

ist. Entscheidend für deren

Höhe ist dabei nicht nur die Fahrzeugart,

sondernauch, vonwem die

Umsetzung angeordnet wird. Die

BVGberechnet 97 Euro proerfolgter

Umsetzung eines Pkw bis 3,5 Tonnen,

die Polizei 136 Euro und das

Ordnungsamt sogar 199 Euro. Bei

Fahrzeugen über 3,5 Tonnen werden

267 Euro (BVG), 306 Euro (Polizei)

oder sogar 369 Euro (Ordnungsamt)

fällig.

Und während eine vermiedene

Umsetzung – Einsatzkräfte ermitteln

jemanden, der das betreffende

Fahrzeug noch schnell wegfahren

kann –beim Ordnungsamt 75 Euro

kostet, berechnet die Polizei hier

„nur“ 44 Euro. Der Grund hierfür

sind nach Angaben der Polizei unterschiedlicher

Personalaufwand

bei Ordnungsamt und Polizei sowie

unterschiedliche Personalkosten

bei der jeweiligen Behörde.

Falschparkerwerden im schlimmsten Fall

abgeschleppt.

KLAUS OBERST


12 * Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Berlin

Justizsenator

bittet Kollegin

um Verzeihung

Dirk Behrendt irritierte mit

Bemerkung über Hessen

Justizsenator Dirk Behrendt

(Grüne) hat sich nach Angaben

seines Sprechers bei der hessischen

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann

(CDU) entschuldigt. Er hatte

am Donnerstag beim Treffen der Justizminister

in Berlin mit Anmerkungen

über Hessen für Irritationen gesorgt.

Es sei aber falsch, dass Behrendt

Hessen mit der DDR oder einem

Unrechtsstaat verglichen habe,

sagte der Sprecher der Justizverwaltung

am Montag.

Behrendt hatte dem Sprecher zufolge

in einer Diskussion unter anderem

über einen Antrag aus Hamburg

zum Thema „Das Grundgesetz

krisenfest machen“ kritisiert, dass

in Hessen auch nicht alles in Ordnung

sei und habe dabei auf rechte

Netzwerke in der Polizei und den

Mord am Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke im Juni verwiesen.

„Der Justizsenator wusste nicht,

dass die hessische Justizministerin

mit Herrn Lübcke befreundet war“,

sagte der Sprecher. „Es tut ihm leid,

dass er sie verletzt hat.“ Behrendt

habe sich noch am Donnerstagabend

entschuldigt. Über die Irritationen

bei der Justizministertagung

hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

(dpa)

Herr Gysi, wir haben vergangene Woche

ein Foto veröffentlicht, das einen

abgelassenen Teich im Volkspark

Friedrichshain zeigt. Eine Müllkippe.

In Sachen Sauberkeit stinkt doch was

zum Himmel in Berlin, oder?

Dass es in einer Metropole wie

Berlin nicht überall wie in einem

schwäbischen Örtchen aussehen

kann, ist sicher verständlich. Aber

Dreckecken wie dieser Teich im

Friedrichshain müssen wirklich

nicht sein. Nicht selten wird dann

auf den Senat verwiesen, der angeblich

seine Hausaufgaben nicht mache.

Aber der Senat und die Behörden

haben den Müll nicht in den

Teich geworfen. Was esbraucht, ist

ein Stück mehr Verantwortung jeder

und jedes Einzelnen in unserer

Stadt, den eigenen Dreck wegzuräumen.

Die Berliner Stadtreinigung

muss allerdings wohl auch ausgebaut

und aktiver werden.

Ausgerechnet die Preußen scheinen

die Ordnung den Süddeutschen zu

überlassen. Dort sieht es zumindest

anders aus in den Städten. Haben Sie

eine Erklärung dafür?

Keine Stadt in Süddeutschland

hat die Größe und den Charakter

Berlins. Man ist hier viel weniger

„unter Beobachtung“ und das verführtoffenbar

dazu, den Haufen des

eigenen Hundes liegenzulassen oder

den Kaffeebecher nicht in den Papierkorb,

sondern mitunter direkt

daneben hinzuwerfen. Wie gesagt,

ein bisschen Unordnung, das Unfertige

ist durchaus ein Teil des Berliner

Charmes, der ja auch viele Menschen

aus Süddeutschland anzieht.

Aber das darf nicht als Freibrief verstanden

werden, Dinge verwahrlosen

zu lassen.

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar

Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Kurz und klar,ein paar Minutennur,

solange man eben zusammensteht für eine

Curry am Mittag. Unser Thema in dieser Woche:

Ordnung und Sauberkeit

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

Ist die äußere Verwahrlosung Ausdruck

einer inneren Haltung?

Zumindest von einer zu großen

Gedankenlosigkeit und ja, auch von

Egoismus mit der Haltung „Hier bin

ich Mensch, hier schmeiß ich weg“.

Dass man dafür jetzt mehr Strafe zahlen

soll als bisher, könnte eventuell

helfen, diese Haltung zu verändern.

Die Gedankenlosigkeit muss abgebaut

werden.Manchmal reicht schon

ein netter Hinweis,woein Papierkorb

steht.

Warder Osten denn sauberer als der

Westen?

Auf jeden Fall gab es viel weniger

Verpackungen, die man hätte wegwerfen

können, und ein gut funktionierendes

Recyclingsystem mit guter

Zweitverwertung. Andererseits haben

die Kohleheizungen und -kraftwerke

genug Dreck gemacht, weil die Alternativen

auch zu teuer erschienen.

Wie wichtig sind Ihnen persönlich

Ordnung und Sauberkeit?

Es gibt ja den Spruch, dass nur

das Genie das Chaos beherrsche.Da

ich nicht wirklich ein genialer Wiederfinder

von Dingen bin, die ich irgendwo

hingelegt habe,versuche ich

das Chaos so klein wie möglich zu

halten. Und ineinem sauberen Zuhause

wohnt es sich einfach angenehmer.

Allerdings habe ich nicht

den Anspruch, dass man jederzeit

vom Fußboden essen können muss.

In einem Garten zum Beispiel muss

es auch solche Ecken geben, wo Igel

oder Vögel Schutz finden.

Wersorgt bei Ihnen zu Hause dafür?

Na, eine Hilfe und ich. Für die

Hilfe bin ich sehr dankbar,weil ich es

allein nicht schaffte.

Tödliche

Schläge im

Treptower Park

Angeklagter schweigt

zunächst

Nach einem tödlichen Angriff auf

einen 28 Jahre alten Mann im

TreptowerParkinBerlin hat der mutmaßliche

Täter vordem Landgericht

geschwiegen. Der 43-Jährige werde

sich möglicherweise zu einem späteren

Zeitpunkt äußern, erklärte der

Verteidiger zu Prozessbeginn am

Montag. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Der aus Rumänien stammende

Mann soll das Opfer im Mai

2019 mit Flaschen oder einem anderen

stumpfen Werkzeug attackiert

haben. Der Geschädigte habe tödliche

Kopfverletzungen erlitten.

Spaziergänger hatten die Leiche

im Gebüsch neben dem Hauptweg

in der Nähe des Sowjetischen Ehrenmals

entdeckt und die Polizei alarmiert.

Der Getötete sei wenige Wochen

zuvor von Augsburg (Bayern)

nach Berlin gekommen und habe

sich in der Hauptstadt im Obdachlosenmilieu

des Treptower Parks aufgehalten,

teilte die Polizei damals

mit. Die Anklage geht davon aus,

dass der 43-Jährige kurze Zeit nach

dem Angriff zurückgekehrt sei, um

auch noch den Rucksack des Getöteten

mit Handy, Börse und EC-Karte

an sich zu nehmen. Auch der Angeklagte

sei obdachlos gewesen.

Der Indizienprozess wird am21.

November fortgesetzt. (dpa)

Torsten Harmsen liest aus seinem neuen Buch

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LESUNG

Neue Busspuren

lassen auf sich warten

Senat kann sein Ziel für 2019 nicht mehr erreichen

VonPeter Neumann

Die Puschkinallee in Treptow

steht auf der Liste, die Yorckstraße

in Kreuzbergund die Prinzenallee

in Wedding ebenfalls.Sie gehörenzuden

Straßen, für die der Senat

nach Informationen der Berliner

Zeitung auf Abschnitten die Markierung

vonBusspuren angeordnet hat.

Doch das Ziel, das Netz dieser Fahrstreifen

in diesem Jahr um fast 20

Prozent zu erweitern, lässt sich nicht

mehr erreichen. Die meisten neuen

Busspuren entstehen erst 2020 –eine

gute Nachricht für die Fahrgäste der

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

„Wir arbeiten intensiv daran, die

ersten 20 Kilometer neuer Busspuren

soschnell wie möglich anzuordnen“,

sagte Jan Thomsen, Sprecher

der Verkehrssenatorin Regine Günther

(Grüne). Allerdings seien die Abstimmungen,

die zwischen der Verkehrslenkung

Berlin (VLB), den Bezirken

und der BVGlaufen, komplex.

In jedem Fall seien detaillierte

Prüfungen nötig, so Thomsen. Er betonte:

„Die Umsetzung der Anordnungen

liegt bei den Bezirken.“ Ihnen

mangelt es Berichtenzufolge jedoch

an Personal, um die Projekte

rasch verwirklichen zu können. Beobachter

erwarten, dass die meisten

neuen Busspuren im späten Frühjahr

oder Sommer 2020 fertig werden.

Wenn es zu kalt oder zu nass ist,

lässt sich die Farbe nicht auftragen.

Netz ist kaum gewachsen

Dabei ist die Sache klar: Jeschneller

Bussevorankommen, desto besser –

nicht nur für die Fahrgäste, auch für

die landeseigene BVG. Je zügiger die

Ziele erreicht werden, desto weniger

Fahrzeuge und Busfahrer werden

benötigt –was Kosten spart. Nicht

zuletzt wirdder Nahverkehr attraktiver,

was die Fahrgelderträge erhöht.

Angesichts dessen ist es überraschend,

dass das Netz der Bus-Sonderfahrstreifen

in den vergangenen

Jahren kaum gewachsen ist –auch

unter dem rot-rot-grünen Senat

nicht. Dabei hat er sich die Förderung

umweltfreundlicher Verkehrsarten

auf die Fahnen geschrieben.

Seit Jahren bewegt sich die Zahl

der Busspurkilometer kaum über die

Hundertermarke hinaus –2016 waren

es102,3. Und das heißt nicht,

dass es wenigstens dortzügig vorangeht.

Meist sind die Fahrstreifen drei

bis 3,50 Meter breit. Wenn Busse auf

Fahrräder treffen, wirdesoft eng.

Täglich 24 Stunden für Autostabu

Im Frühjahr 2017 nahm die BVG einen

neuen Anlauf und legte ein Konzept

für 100 Kilometer Busspuren vor.

Sie sollten entweder neu geschaffen

werden –oder deren Geltungsdauer

sollte verlängertwerden. Im Sommer

2019 teilte der Senat mit, dass angestrebt

werde, in diesem Jahr 41 Fahrstreifen

mit einer Länge von rund 19

Kilometernzumarkieren.

„Versprechungen

des Senats haben

für mich keinerlei

Wert mehr.“

Jens Wieseke, Sprecher des Berliner

Fahrgastverbands IGEB

Dass es nun nicht dazu kommt,

sieht Jens Wieseke vom Fahrgastverband

IGEB skeptisch. „Ich habe jede

Hoffnung verloren, dass die Busbeschleunigung

kommen wird“, sagte

er. „Versprechungen des Senats haben

für mich keinerlei Wert mehr.“

Immerhin: Für 25 Kilometer bestehender

Busspuren legte der Senat

fest, dass sie anders als bisher täglich

24 Stunden für andere Kraftfahrzeuge

tabu sind –Taxis, Reisebusse

und Krankenfahrzeuge ausgenommen.

Auch die neuen Regelungen

sollen rund um die Uhr gelten. „Bedarfsgerechte

Abweichungen werden

zugelassen“, sagte Thomsen.


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 13 *

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Berlin

Sohn von

AfD-Politiker

bedroht

Schule schaltet

Schulaufsicht ein

Nach den Todesdrohungen, die

der 16-jährigen Sohn eines AfD-

Abgeordneten aus dem Berliner Landesparlament

von Mitschülern bekommen

haben soll, bemüht sich die

Schule um Aufklärung. „Die Schulleitung

führt nun mit allen beteiligten

Schülern Einzelgespräche“, erklärte

ein Sprecher der Senatsbildungsverwaltung

am Montag. Danach werde

ausgewertet, ob der Oberstufenausschuss

einberufen werde. Auch die

Eltern würden einbezogen. „Die

Schulpsychologie und die Schulaufsicht

sind eingeschaltet.“ Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) sei

ganz klar der Auffassung, dass kein

Kind wegen der politischen Aktivitäten

seiner Eltern inHaftung genommen

oder bedroht werden dürfe, so

der Sprecher.

Bei dem bedrohten Jugendlichen

handelt es sich um den 16-jährigen

Sohn des Berliner AfD-Politikers

Gunnar Lindemann. Lindemann gewann

2016 ein Direktmandat im

Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf, seither

sitzt er im Abgeordnetenhaus und

ist Sprecher der Fraktion für den Öffentlichen

Personennahverkehr.

Zwei Mitschüler hätten seinen

Sohn bedroht, sagte Lindemann der

Berliner Zeitung, und ihm unter anderem

gesagt: „Ich stech’ dich ab!“

Dafür habe es zwei Zeugen gegeben,

die auch schon von der Polizei vernommen

worden seien. Sein Sohn sei

nun vorerst beurlaubt, so Lindemann

weiter, erhabe Angst zur Schule zu

gehen. Eine Lösung müsse schnell gefunden

werden. Er sei Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) sehr

dankbar,dass ihreBehörde so schnell

reagierte, sagt Lindemann: „Ich habe

erst einmalVertrauen in die Schulaufsichtsbehörde,

dass sie eine tragbare

Lösung für uns findet.“

Nach Informationen aus Polizeikreisen

hat es gegenüber zwei Schülernbereits

Gefährderansprachen gegeben,

außerdem seien am Montag

Vorladungen zur Zeugenvernehmung

verschickt worden. Der16-Jährige

habe sich am Freitag an die

Schulleitung gewandt, die wiederum

hatte die Polizei hinzugezogen.

AfD-Landes- und Fraktionschef

GeorgPazderski sagte,dass es zu keinen

weiteren Übergriffen kommen

dürfe. „Schule und Polizei müssen

jetzt hart durchgreifen gegen die Täter.“

(ann., dpa)

Im Februar 2018 brannte in Neukölln das Auto des Bezirkspolitikersder Linkspartei, Ferat Kocak.

Polizei gibt Fehler zu

Bei der Aufklärung der rechtsextremen Anschlagsserie in Neukölln kommen die Behörden nicht weiter

VonAndreas Kopietz

Am 15. Januar 2018 hören

Verfassungsschützer die

Telefone zweier Rechtsextremisten

in Neukölln ab.In

der Nähe der Hufeisensiedlung verfolgen

diese einen Mann, der einen

roten Smart fährt. Dass es sich bei

dem Ausgespähten um einen Bezirksverordneten

der Linkspartei

handelt, wissen die Ermittler angeblich

nicht. Zwei Wochen später

brennt der Smart von Ferat Kocak.

Das Auto steht unterm Carport, die

Flammen schlagen hoch und greifen

die Fassade seines Einfamilienhauses

an.

Es ist der Höhepunkt einer Serie

von Anschlägen, die bereits seit 2016

andauerte und Personen trifft, die

sich gegen Rechtsextremismus engagieren,

unter ihnen ein Buchhändler,

Gewerkschafter und Kommunalpolitiker.Mittlerweile

schreibt die Polizei

den Täternseit 2016 14 Brandstiftungen,

35 Sachbeschädigungen, zum

Teil zusammen mit Beleidigung und

Bedrohungen, und 14 Diebstähle von

Stolpersteinen zu. Sie prüft weitere

Taten, über die sie aus ermittlungstaktischen

Gründen noch nicht redet.

Die Täter sind bis heute nicht gefasst

–Grund für die drei Regierungsparteien,

das Thema im Innenausschuss

zur Sprache zu bringen. Dabei

kam heraus,dass esVersäumnisse bei

der Fahndung gab.

Zwei Tage, nachdem der Verfassungsschutz

am 15. Januar 2018 das

Gespräch der beiden Neonazis mitgeschnitten

hatte,informierte er telefonisch

den Staatsschutz im Landeskriminalamt

darüber, dass zwei

Rechtsextreme einen roten Smart

verfolgt hatten. Nach Angaben des

stellvertretenden LKA-Chefs Oliver

Stepien konnte der Staatsschutz bis

zum 30. Januar 2018 die Halter einiger

roter Smarts identifizieren, darunter

den Bezirkspolitiker. Erwurde aber

nicht als gefährdet eingeschätzt –obwohl

er der Linkspartei angehörtund

sich gegen Rechtsextremismus engagierte.„Es

gab eine falsch vorgenommene

Einschätzung der Tätermotivation“,

wie Stepien vordem Ausschuss

gestand. „Einmal googlen hätte geholfen“,

bemerkte dazu Benedikt Lux

vonden Grünen spöttisch.

Am 30. Januar übermittelte der

Verfassungsschutz dem LKA ein Behördenzeugnis

über seine Erkenntnisse.

Esenthielt, wie es damals üblich

war,einen Passus,dass die übermittelten

Informationen nicht als

Grundlage für eine warnende Gefährderansprache

bei den Täternoder ein

Sicherheitsgespräch beim potenziellen

Opfer dienen dürften. Herauszufinden,

was die beiden Neonazis

planten, stand im Vordergrund, nicht

jedoch der Opferschutz. In der Nacht

„Leider haben diese Maßnahmen bisher nicht

zu sichtbaren Ermittlungserfolgen geführt.“

Andreas Geisel (SPD), Innensenator

zum 1. Februar 2018 geschah dann

der Brandanschlag auf Kocak.

An diesemTaginformierte derVerfassungsschutz

das LKA in einem

weiteren Behördenzeugnis darüber,

dass die Neonazis Kocak bereits im

Januar 2017 zweimal thematisiert

und ausgespäht hatten. Auch eine im

Nachhinein eingerichtete Ermittlungsgruppe

der Polizei stellte fest,

dass einer der Verdächtigen schon im

Februar 2017 an der Wohnung von

Kocak festgestellt wurde.Die Gefährdung

des Bezirkspolitikers wurde damals

jedoch ausgeschlossen. Im September

wurde er vondenTatverdächtigen

ein weiteres Mal thematisiert.

DIE LINKE BERLIN

Diese Informationen, bedingt durch

unterschiedliche Schreibweisen des

Namens wurden nicht zusammengeführt,

so Stepien. Um solche Probleme

abzustellen, wurden nach Stepiens

Worten die Vorschriften angepasst.

„Als Konsequenz erstellt der Berliner

Verfassungsschutz die Behördenzeugnisse

nun mehr grundsätzlich

so, dass die übermittelten Informationen

in jedem Fall als Grundlage

für polizeiliche Maßnahmen unmittelbar

verwendet werden können“,

sagte Verfassungsschutz-Chef Michael

Fischer, der damals noch nicht

im Amt war. Opferschutz geht also

künftig vorQuellenschutz.

Die Ermittler haben zwei Hauptverdächtige,

doch sie konnten ihnen

bislang nichts Gerichtsfestes nachweisen.

Nachdem sie im Februar ihre

Wohnungen durchsucht hatten, kam

es zu keinen weiteren Brandstiftungen,

die dieser Seriezugerechnet werden.

Allerdings gab es im März weitereSachbeschädigungen.

Innensenator Andreas Geisel

(SPD) räumte ein, dass die Zusammenarbeit

zwischen Verfassungsschutz

und Polizei nicht optimal gewesen

sei. Aber besonders nach den

Brandanschlägen Ende Januar 2018

habe die Polizei ihr Vorgehen enorm

ausgeweitet und neu organisiert.

„Leider haben diese Maßnahmen

bisher nicht zu sichtbaren Ermittlungserfolgen

geführt.“

POLIZEIREPORT

Mordermittlung erfolgreich.

Nachdem Verwandte am 3. August

2019 im brandenburgischen Eberswalde

die 30 Jahrealte Mutter dreier

Kinder tot in ihrer Wohnung gefunden

hatten, suchte eine Mordkommission

nach dem Täter.Wie die Polizei

am Montag mitteilte,konnte am

Montag ein 37- Jähriger festgenommen

werden. Gegen 15 Uhrerließ

der Haftrichter einen Haftbefehl gegen

den Mann.

Denkmal beschmiert.

Unbekannte haben erneut das

Denkmal für die im Nationalsozialismus

verfolgten Homosexuellen in

Berlin-Mitte beschmiert. Wiedie Polizei

am Montag mitteilte,entdeckte

ein Sicherheitsdienst bereits am

Sonntagabend einen schwulenfeindlichen

Schriftzug auf dem

Mahnmal in der Ebertstraße (Ecke

Hannah-Arendt-Straße). DerPolizeiliche

Staatsschutz ermittelt.

Sturz wegen E-Scooter

Ein82Jahrealter Fußgänger ist am

Sonntagabend bei dem Versuch gestürzt,

mehreren jungen Männern

auszuweichen, die mit E-Scootern

auf dem Gehweg fuhren. Wiedie Polizei

am Montag mitteilte,erlitt der

Senior bei dem Unfall auf dem Gehwegder

Martin-Luther-Straße Verletzungen

an Hüfte und Handgelenk.

DasFahren vonE-Tretrollern

ist auf Gehwegen verboten.

Bombe entschärft.

Spezialisten der Polizei haben am

Montag eine 250-Kilo-Weltkriegsbombe

in Hellersdorfunschädlich

gemacht. Siehätten den Zünder herausgeschnitten

und kontrolliertgesprengt,

sagte ein Polizeisprecher

am Montagnachmittag. „Damit ist

jegliche Gefahr gebannt.“ Die

Bombe selbst sollte zum Sprengplatz

Grunewald transportiertund dortzu

einem späteren Zeitpunkt gesprengt

werden. (dpa)

Entschärft: die in Hellersdorf gefundene

Weltkriegsbombe.

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Berlin

Besuchten die Filmpremiere „VeryRalph“: Volker Bruch und Liv Lisa Fries Schon Stammgast bei der Aids-Gala: Jocelyn B. Smith CHRISTIAN SCHULZ (3) Familienbande bei der Gala: Andrej Hermlin (r.) mit seinen KindernDavid und Rachel

Jeden Tagkommt einer dazu

JOCELYN B. SMITH

gehörte am Montagabend zu den

„Künstlern gegen Aids“, die schon

zum 19. MalimTheater des Westens

mit ihren Auftritten die Berliner

Aids-Hilfe unterstützten. Wie sie

stellten sich auch die Sängerinnen

Simone Kermes und Angelika Milster,

Rapper Romano („Köpenick“),

Comedy-Zauberer Hieronymus sowie

das Ensemble der aktuellen Inszenierung

von „Mamma Mia“ und

die Moderatoren Verena Wriedt und

Jochen Schropp in den Dienst der

guten Sache.Der Regierende Bürgermeister

Michael Müller erinnerte an

den Anlass des wohltätigen Abends:

„Weltweit leben 38 Millionen Menschen

mit dem HI-Virus, inunserer

Stadt sind es um die 15000. Jeden Tag

kommt einer dazu.“

ANDREJ HERMLIN

trat mit seinem Swing Dance Orchestraauf

–wie alle anderen Künstler

des Abends selbstverständlich

ohne Gage.„Ichfreue mich sehr,dass

wir dabei sein dürfen. Das Thema

hat für mich eine ganz persönliche

Bedeutung, weil ich Menschen sehr

gut kenne, die an dieser Krankheit

leiden.“ In seinem zweiten Heimatland

Kenia, aus dem seine Frau

stammt, ist Aids noch heute ein Killer:„Meine

Frau und ich helfen dort

Menschen, diese Krankheit zu überleben.“

Für das Programm der Gala

hatte Hermlin sich bewusst etwas

Optimistisches vorgenommen:

„Meine beiden Kinder Rachel und

David sind mit dabei, und wir spielen

Songs, zudenen gesungen und

getanzt wird.“

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Im Theater des Westens singen

und tanzen zum 19. Mal

„Künstler gegen Aids“. Nebenan im

Delphi-Filmpalast wird die Premiere

von „Very Ralph“ gefeiert

LIV LISA FRIES

hatte die große Auswahl und entschied

sich für ein elegantes schwarzes

Samtkleid und einen passenden

Mantel. So ist das,wenn man als Star

einer international erfolgreichen Serie

wie „Babylon Berlin“ zur Premiere

eines Films über einen Modedesigner

wie Ralph Lauren eingeladen

wird und die Gastgeber Wert

darauf legen, dass man in den richtigen

Klamotten über den roten Teppich

geht. Die Schauspielerin erzählte

am Rande der Deutschlandpremierevon

„VeryRalph“ am Montagabend

im Delphi-Filmpalast, die

sie gemeinsam mit dem „Babylon

Berlin“-Kollegen Volker Bruch besuchte,

warum sie mit den Entwürfen

von Lauren so viel anfangen

kann: „Ich mag klassische Mode,

denn in klassischen Sachen kann

man gut den Menschen sehen.“ Sie

macht nicht jede Mode mit: „Ich

habe auch noch alte Sachen im

Schrank, die mir in fünf Jahren wieder

gefallen.“ Ebenfalls im Premierengetümmel:

Model Toni Garrn.

MICHI BECK

interessierte sich schon deshalb für

den Film über Ralph Lauren, weil er

sich mit seiner Kollektion „Beck to

Beck“ ineinem sehr bescheidenen

Maß für einen Kollegen hält. Beck

kam perfekt vorbereitet: „Ich habe

mir vorhin seine Geschichte durchgelesen.

Ein Quereinsteiger in jungen

Jahren, der ein Superimperium

aufgebaut hat. Und der Mode gemacht

hat, die eine Handschrift hat

und nie aus der Mode gerät.“

Traueranzeigen

Die Deutsche Klassenlotterie Berlin trauert um ihr

ehemaliges Vorstandsmitglied

Hans-Jürgen Reißiger

*9.Mai 1941 †24. Oktober 2019

Mit großem Engagement hat er über zwei Jahrzehnte seine

vielfältigen und verantwortungsvollen Aufgaben als Vorstandsmitglied

der Deutschen Klassenlotterie Berlin sowie

der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin wahrgenommen

und deren Entwicklungen entscheidend mitgeprägt.

Er vertrat die Interessen der Deutschen Klassenlotterie

Berlin nicht nur national im Deutschen Lotto- und Totoblock,

sondern auch international in den Organisationen

der European Lotteries und World Lottery Association.

Mit seinem Elan, seiner klaren Zielorientierung und seiner

hohen Pflichtauffassung war er Vorbild und Leitbild zugleich.

Sein Wirken bleibt uns unvergessen.

Die Mitglieder des Verwaltungsrates und des Vorstandes

werden Herrn Reißiger in dankbarer Erinnerung behalten.

Unser Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme

gelten seiner Familie.

Christian Gaebler Dr. Marion Bleß Hansjörg Höltkemeier

Chef der Vorstandsmitglied Vorstandsmitglied

Senatskanzlei

Obdachlosenhilfe lehnt

Preis des Bezirks Mitte ab

Verein nennt von Dassels Politik „menschenverachtend“

VonElmar Schütze

Esgibt Lob, auf das man liebend

gerne verzichtet. Zum Beispiel,

wenn es von dem Falschen kommt.

Ein solcher Fall liegt offenbar dem

Streit um den diesjährigen Ehrenamtspreis

des Bezirks Mitte zugrunde.

Denn die Obdachlosenhilfe

attestiert dem Bezirksamt Mitte und

damit auch dem Bezirksbürgermeister

Stephan von Dassel eine „oft

menschenverachtende Politik“,

heißt es in der Begründung der Ablehnung.

Seit 2003 vergibt der Bezirk Mitte

jährlich einen Ehrenamtspreis an

Einzelpersonen und Institutionen,

die sozialarbeiterische oder karitative

Arbeit leisten. Wie auch die Berline

Obdachlosenhilfe, die den Stifter

massiv kritisiert. DasAmt sorge dafür,

dass obdachlose Menschen„aus dem

öffentlichen Raum geräumt und verdrängt“

würden, ihr Besitz werde„wie

Müll“ behandelt. Außerdem heißt es:

„Dass der Bezirk nun mit großer

Geste einen Preis anunseren Verein

verleihen möchte,ist zynisch.“

DerVereinhat besonders Bezirksbürgermeister

Stephan von Dassel

im Visier.„DieVerleihung durch Bezirksbürgermeister

Stephan von

Dassel, welcher mit rassistischen

Aussagen über ,aggressive osteuropäische

Obdachlose’ und mit Abschiebeforderungen

populistische

Klischees bedient, setzt dem ganzen

noch die Krone auf“, schreibt der

Verein in seiner Begründung. Harte

Worte.

Tatsächlich ist Grünen-Politiker

vonDasselzuletzt immer wieder mit

Äußerungen auffällig geworden, die

so gar nicht zum Grünen-Milieu passen

mögen. So schlug er vor, osteuropäische

Obdachlose abschieben zu

lassen. Im Januar diesen Jahres ließ

der Bürgermeister ein Obdachlosenlager

am Hauptbahnhof räumen.

Dabei wurden Polizisten handgreiflich

und warfen unter anderem einer

um sich spuckenden Frau,die offenbar

Kopfläuse hatte, einen sogenannten

Spuckschutz über. Der Fall

schlug Wellen, unter anderem kritisierte

die SPD-Bundestagsabgeordnete

Eva Högl den Einsatz, von dem

nur ein Video-Ausschnitt öffentlich

wurde. Damit hatte von Dassel endgültig

seinen Ruf als wahlweise grüner

Sheriff oder Boris Palmer von

Mitteweg.

Zu Unrecht, wie JörgRichertvom

Verein Karuna, unter anderem staatlich

anerkannter Träger der freien Jugendhilfe,sagt.

Er habe Stephanvon

Dassel als engagierten Sozialpolitiker

erlebt, als „Kümmerer“, wie Richertsagt.

In seinen Augen steht das

Bezirksamt Mitte unter besonderem

Druck, weil dort die meisten Obdachlosen

anzutreffen seien –und

demzufolge auch die meisten Beschwerden

von Bürgern eingingen.

Da müsseertätig werden.

DasBezirksamt selber spricht von

„pauschalen und unberechtigten

Vorwürfen“, die jeder Grundlage

entbehrten. Im Gegenteil existierten

im Bezirk „verlässliche und gut aufeinander

abgestimmte Verfahren,

um obdachlosen Menschen denWeg

in unser Hilfesystem zu ebnen“.

Auch Sozialstaatssekretär Alexander

Fischer hätte sich eine andere

Debattenkultur gewünscht als die

Zurückweisung des Preises und die

scharfe Kritik am Bezirksbürgermeister.

„Wir kommen nur voran,

wenn wir versuchen, zusammen Lösungen

zu finden“, twitterte Fischer.

Leben unter der S-Bahnbrücke: ein Obdachloser

in Berlin.

WWW.IMAGO-IMAGES.DE


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 15 *

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Brandenburg

Die Medizingeräte werden knapp

Eine EU-Verordnungverlangt, dassalles –vom Pflaster bis zumComputertomografen –neu zugelassen wird. Das könnteinBerlin und Brandenburg Problemebereiten

VonJens Blankennagel, Potsdam

Strenge Kontrollen sollten gerade

im Gesundheitswesen

besonders wichtig sein.

Diese Forderung, die logisch

klingt, kann jedoch ernsthafte Konsequenzen

haben. Denn dadurch rechnet

man auch in Brandenburg und

Berlin in den nächsten Monaten mit

Versorgungsengpässen bei medizintechnischen

Produkten. Dasgeht aus

einer Antwort des Potsdamer Gesundheitsministeriums

auf eine Anfrage

der AfD-Fraktion hervor.

Das Ministerium bezieht sich auf

Branchenvertreter, die mit „Schwierigkeiten

bei der fristgerechten Umsetzung

und Erfüllung“ einer EU-Verordnung

rechnen. Diese tritt am 26.

Mai 2020 in Kraft, dann müssen ein

Großteil der bereits zugelassenen

Medizinprodukte und alle Neuentwicklungen

vor der Zertifizierung

strenger als früher geprüft werden.

VomRollstuhl bis zur Herzklappe

Das Spektrum der medizintechnischen

Produkte reicht von der Krücke

bis zum Rollstuhl, vom Fieberthermometer

bis zu chirurgischen

Instrumenten, von Brustimplantaten

bis zu Herzklappen.

Die EU-Verordnung wurde bereits

2017 mit einer dreijährigen

Übergangsfrist erlassen. Das Problem

ist, dass es trotz dieser Vorlaufzeit

in ganz Europa nicht genügend

zugelassene Prüfstellen gibt, die die

neuen und härteren Kontrollen noch

rechtzeitig schaffen können.

In der Landesregierung heißt es,

dass man sich der Problemlage bewusst

sei. Das Ministerium schreibt:

„Die Sicherstellung der Versorgung

der Bevölkerung mit sicheren und

effizienten Medizinprodukten ist für

Alle medizintechnischen Geräte müssen neu zertifiziertwerden –egal, ob Gehhilfen und Schienen schon lange auf dem Markt sind oder eine Neuentwicklung sind.

die Landesregierung vonhoher Priorität.“

Potsdam begrüßt deshalb,

dass sich der Bund bei der EU-Kommission

dafür einsetzt, dass schnell

eine „juristisch tragfähige und praktisch

umsetzbare Lösung auf europäischer

Ebene“ gefunden wird.

Auslöser für die Verschärfung der

Kontrollen war 2013 der Skandal um

fehlerhafte Brustimplantate. Eine

französische Firma hatte die Implantate

jahrelang mit billigem Industriesilikon

statt mit Spezialsilikon

gefüllt. DieKissen waren rissanfällig

und konnten Entzündungen

Spektrum: Sehr viele Dinge

zählen zu medizintechnischen

Produkten, zum Beispiel

Gehhilfen, Rollstühle,

Schienen, Patientenbetten,

Matratzen, Fieberthermometer,Stethoskope

und chirurgische

Instrumente.

BREITE PRODUKTPALETTE

Technik: Auch Krankenhaustechnik

gehörtdazu, Geräte

zurAnästhesie,Beatmung,

Dialyse und zum Röntgen;

Defibrillatoren, Ultraschall

und Computertomografen sowieBlutbeutel,

Implantate,

künstliche Gelenke.

Alltag: Auch alltäglich Dinge

wie Pflaster,Verbandszeug

und Kompressen sind dabei.

Ebenso Hörgeräte, Kontaktlinsen

und deren Reiniger

sowie zahnmedizinische Materialien

wie Kronen, aber

auch Kondome.

IMAGO IMAGES

auslösen. Das hatte eine deutsche

Prüfstelle nicht festgestellt. Weltweit

wurden Zehntausenden Frauen

diese Implantate eingesetzt.

Vordem Skandal gab es europaweit

80 Prüfstellen. Dann verschärfte

die EU die Kriterien, und die Zahl

sank auf 60 Stellen. Nun, nach der

weiteren Verschärfung, haben sich

nur knapp 40 für eine Neuzulassung

beworben. Nursieben haben bislang

eine neue Lizenz. Die EUhofft, dass

es bis Jahresende 20 sind.

„In diesem Bereich wurde alles

komplett neu organisiert“, sagt Manfred

Beeres vom Bundesverband

Medizintechnologie der Berliner

Zeitung. „Dabei wurden auch strengere

Kriterien an die Qualifikation

der Prüfer gestellt, und es ist offensichtlich

schwierig, genügend entsprechendes

Personal zu finden.“

Beeres sagt, die Umstrukturierung

sei so grundlegend, dass nicht

nur alle Anforderungen für die Firmen

und ihre Mitarbeiter verschärft

wurden, sonderndass eben auch alle

alten und neuen Produkte noch einmal

mit verschärften Kriterien geprüft

werden müssen. „Nach Schätzungen

sind es bundesweit 500 000

Produkte“, sagt Manfred Beeres. Es

bestehe die reale Gefahr, dass es zu

Lieferengpässen kommt, wenn keine

Lösung gefunden wird. „Es ist gut,

dass die Politik das Problem erkannt

hat und dass versucht wird, schnell

eine Lösung zu finden, denn es geht

um die Patientenversorgung.“

200 Produkte bei einer OP

Fachleute gehen davon aus,dass bei

einer Operation bis zu 200 medizintechnische

Produkte eingesetzt werden.

Und wenn bei einer solchen

komplexen Kette bestimmte Produkte

fehlen, weil sie nicht neu zertifiziert

sind, müssten Operationen

abgesagt werden. Deshalb soll nun

versucht werden, dass zum Beispiel

die chirurgischen Instrumente, die

immer wieder benutzt werden, eine

längere Übergangsfrist in der EU-

Verordnung bekommen und auch

nach dem 26. Mai 2020 eingesetzt

werden dürfen.

Jens Blankennagel

wundertsich, wie wenig in

drei Jahren geschafft wurde.

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Berliner Zeitung Leserreisen

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Wissenschaft

Seltenes

Huftier

wiederentdeckt

Vietnam-Kantschil nach

28 Jahren erstmals gesichtet

VonAnne Brüning

Erstand auf der Liste der 25 meistgesuchten

verlorenen Spezies

der Global Wildlife Conservation

(GWC). Jetzt hat sich gezeigt, dass es

den Vietnam-Kantschil, eine

rehähnliche, katzengroße Art, die

auch als vietnamesischer Maushirsch

bekannt ist, doch noch gibt.

Im Süden Vietnams wurde er von

Wildtierkameras fotografiertund gefilmt,

berichten Forscher des Berliner

Leibniz-Instituts für Zoo- und

Wildtierforschung (IZW), des SouthernInstitute

of Ecology in Vietnam

und des GWC imFachmagazin NatureEcology

&Evolution. Dieseltene

Huftierart war seit 1990 nicht mehr

gesichtet worden.

Das Forscherteam hatte im vergangenen

Jahr zunächst drei Wildtierkameras

in der Annamiten-Bergregion

im Süden Vietnams installiert.

Bewohner dorthatten Sichtungen

der Tiere gemeldet. Auf diese

Weise entstanden in einem Zeitraum

von fünf Monaten zunächst 275 Fotos

der Art. Daraufhin richtete das

Team weitere 29Kameras in derselben

Gegend ein. Binnen weiterer

fünf Monate kamen mehr als 1800

Fotos des Vietnam-Kantschils zustande.

„Für eine sehr lange Zeit existierte

diese Art nur noch in unserer Vorstellung.

Diese Entdeckung, die bestätigt,

dass diese Huftiere tatsächlich

noch in der Wildnis leben, ist der

erste Schritt um sicherzustellen,

dass wir sie nicht wieder verlieren“,

sagt An Nguyen, der für die GWC

forscht und das Projekt geleitet hat.

„Wir müssen jetzt schnell handeln,

um ein baldiges Aussterben nach der

Wiederentdeckung zu verhindern“,

ergänzt der Forscher, der am IZW

derzeit Doktorand ist.

Nurein paar Kilogramm schwer

Kantschile – oder Maushirsche –

sind die kleinsten Huftiere der Welt.

EinTier wiegt meist weniger als fünf

Kilogramm. Zehn Arten von Kantschilen

sind bekannt, mehrheitlich

haben sie ihre Heimat in Asien. Sie

sind Einzelgänger, laufen auf der

Spitze ihrer Hufe und haben zwei

winzige Reißzähne.

Erstmals beschrieben wurde der

Vietnam-Kantschil im Jahr 1910 –

anhand vonvier Individuen aus Südvietnam.

Eine russische Expedition

spürte im Jahr 1990 in Zentralvietnam

ein fünftes Tier dieser Art auf.

Seitdem wurde die Artnicht mehr erspäht.

Forscher wissen daher nahezu

nichts über die Biologie und

Ökologie oder den Bedrohungsstatus

dieser Art.

Aus diesem Grund setzte das

GWC das Vietnam-Kantschil auf die

Liste der 25 meistgesuchten verlorenen

Arten. Ein Forscherteam will

nun bestimmen, wie groß und stabil

die Population von Vietnam-Kantschilen

in Südvietnam ist, um die genaue

Verbreitung der Artund mögliche

Ursachen ihrer Bedrohung besser

zu verstehen. In Kürze errichten

die Wissenschaftler Kamerafallen in

zwei weiteren Regionen. Ihr Ziel ist

es, einen Erhaltungsplan für den Vietnam-Kantschil

zu entwickeln.

Beweisfoto: Den Vietnam-Kantschil gibt

es noch. SOUTHERN INST. OF ECOLOGY/GWC/IZW/NCNP

Eine Seite aus der Fabelsammlung „Kalila und Dimna“ –ein Manuskript aus dem 13. Jahrhundert PARIS, BIBLIOTHÈQUE NATIONALE DE FRANCE, ARABE 3465, FOLIO 97 RECTO (2)

„Es gab schon immer Austausch“

Die Arabistin Beatrice Gründler von der Freien Universität erhält den Berliner Wissenschaftspreis 2019

Tiere, die den Herrschern

dieWelt erklären:Wenn Beatrice

Gründler begeistert

über die Fabeln aus dem

Buch „Kalila und Dimna“ erzählt,

zieht sie ihre Zuhörer gleich in den

Bann. Auch in Europa war die arabische

Fabelsammlung einst eine Art

Bestseller.Sie zeigt eindrücklich, wie

eng arabische und europäische Kulturen

im Mittelalter miteinander

verbunden waren. Heute ist das

Werk bei uns in Vergessenheit geraten.

Um das zu ändern, arbeitet Beatrice

Gründler, Professorin für Arabistik

an der Freien Universität (FU)

Berlin, an der weltweit ersten wissenschaftlichen

Edition des Textes,

den arabischen Sprachraum inbegriffen.

Jetzt erhielt Beatrice Gründler

den Berliner Wissenschaftspreis.

Frau Professor Gründler, wie schnell

kann man Arabisch lernen? Sie haben

ja schon als Jugendliche damit

begonnen.

Das Schreiben geht sehr schnell.

Unseren Studierenden an der Freien

Universität Berlin bringen wir das in

einem Monat bei. Es gibt insgesamt

28 Buchstaben, aber viele unterscheiden

sich auch nur durch Punkte. Es

sind eigentlich nur 22 Formen,

plus/minus Punkte. Die Grammatik

konnte ich damals nach etwa zwei

Jahren. Das Vokabular ist sehr reichhaltig,

da lernt man ein Leben lang.

Washaben Sie als erstes auf Arabisch

gelesen?

Die älteste Literatur, die es gibt,

nämlich die vorislamische Dichtung

der Qasiden. Eine Qaside ist ein langes,

formelles Gedicht. Mit der Hilfe

vonarabischen Mitstudentinnen bin

ich diese Dichtung damals Zeile für

Zeile durchgegangen. Dashat mir in

der Folge sehr geholfen, denn wenn

man jemanden mit arabischem Hintergrund

trifft und Dichtung zitieren

kann, eröffnet sich gleich ein Gespräch.

Arabische Muttersprachler

und Muttersprachlerinnen sind

auch heutzutage der Dichtung sehr

viel näher als wir Deutschen.

Wiezeigt sich das?

WenSie auch treffen –jeder wird

Ihnen die persönlichen Lieblingsverse

aufsagen können. Und esgibt

kaum arabische Muttersprachler, die

noch nie selbst gedichtet haben. Sitzt

man abends zwanglos zusammen,

kann das leicht darin ausarten, dass

man sich gegenseitigVerse rezitiert.

Istesfür Sieschwieriger geworden, die

Schönheit der arabischen Literatur zu

vermitteln, weil die Menschen hier in

den Nachrichten so häufig Beunruhigendes

über die politischen Ereignisse

in der arabischenWelt hören?

Es ist eigentlich sogar leichter geworden.

Natürlich muss ich auch mit

viel falschem Wissen umgehen, was

gelegentlich schwierig wird. Doch bei

nicht wenigen ist das Interesse eben

dadurch erst geweckt worden. Gewalt

und Krieg sind grausame Tatsachen,

zugleich aber sind sie nur das eine Extrem

des Spektrums. Dagegen steht:

Das Arabische hat eine 1400 Jahre

lange Kulturgeschichte und ist eine

Weltsprache, die heute von etwa 310

Millionen Menschen auf drei Kontinenten

gesprochen wird.

Sollten wir uns in Zeiten, in denen

viele Menschen aus dem Nahen Osten

zu uns nach Deutschland gekommen

sind, mehr für arabische Literatur

und Kultur interessieren?

In der Tat, wir verschenken die

Chance,etwas über die Kultur unserer

Mitmenschen zu erfahren. Es

kommt noch ein weiterer Aspekt

hinzu, wir kennen das ja von uns

selbst: Wenn wir in der Schule deutsche

Literatur lesen, gibt uns das ein

besseres Verständnis von uns selbst

und der Kultur,aus der wir kommen.

Wirfinden uns dann besser in ihr zurecht.

Daraus entsteht unser Selbstbewusstsein.

Viele arabischstämmige

Menschen, auch die, die in der

ZUR PERSON

Beatrice Gründler erhielt am Donnerstag den diesjährigen Berliner Wissenschaftspreis. Die

Auszeichnung wird vomRegierenden Bürgermeister vergeben und ist mit 40 000 Euro dotiert.

Beatrice Gründler wuchs in Kehl am Rhein auf. Sie studierte Orientalistik, Semitistik und Altorientalistik

in Straßburg,Tübingen und Kairo, ging anschließend in die USA. Ab 2002 war sie

Professorin für arabische Literatur an der Yale University.Seit 2014 hat sie den Lehrstuhl für

Arabistik an der Freien Universität (FU) Berlin inne.

Ein Text aus der Fabelsammlung „Kalila und Dimna“

zweiten oder dritten Generation hier

leben, haben diese Chance nicht.

Wodurch genau?

Als Kind lernt man zu Hause zunächst

eine Variante des gesprochenen

Arabisch, welches man allerdings

nicht schreibt. Das Standardarabische

und die Schrift werden

erst in der Schule erlernt. Gesprochenes

und geschriebenes Arabisch

unterscheiden sich noch stärker als

im Deutschen die Hochsprache und

der Dialekt, also etwa Bayrisch und

das Neuhochdeutsche. Arabischsprachige

Kinder, die hier bei uns

groß werden, haben meist keine

Möglichkeit die Hochsprache zu lernen,

weil dies in der Schule nicht angeboten

wird. In Berlin organisieren

Eltern zunehmend Privatunterricht

für ihre Kinder, denn wie bei uns ist

mit der Hochsprache Prestige verbunden:

Wersie beherrscht, gilt als

gebildet.

Kann Literatur auch den Dialog zwischen

Kulturen fördern?

Wenn wir uns bewusst sind, dass

unsere arabischstämmigen Mitbürger

und Mitbürgerinnen auf eine

mindestens ebenso lange und reichhaltige

Kultur zurückblicken wie wir

selbst, können wir einander anders

begegnen. Es gab schon immer Austausch

zwischen den arabischen

und den europäischen Kulturen.

Können Sieein Beispiel nennen?

Im europäischen Mittelalter

wurde oft aus dem Arabischen übersetzt.Vorallem

die sogenannteWeisheitsliteratur

war damals sehr beliebt.

Derzeit forsche ich über die Fabelsammlung

„Kalila und Dimna“,

die im 15. Jahrhundert zum ersten

Mal für einen württembergischen

Grafen aus dem Arabischen über das

Lateinische ins Deutsche übersetzt

wurde.Bis ins 19. Jahrhunderthinein

wurden diese Geschichten in Europa

und Asien mit großer Begeisterung

gelesen, kopiert und immer wieder

neu- oder umgeschrieben. Natürlich

wurde auch einiges an den jeweiligen

kulturellen Kontext angepasst:

Aus den gewitzten Schakalen wurden

die schlauen Füchse, aus dem

bei uns unbekannten Kamel der

Esel.

Welche Weisheiten kann man aus

diesem Buch erfahren?

Es ist eine Art Ratgeber für die

Mächtigen, denen man ja sonst

nicht unbedingt direkt die Meinung

sagen kann. Hier werden die Ratschläge

sehr geschickt „verpackt“ in

Form von Tiergeschichten. So soll

der Herrscher zum Beispiel bedächtig

sein, nicht alles glauben, was man

ihm berichtet, erst handeln, wenn er

alle Informationen hat. Intrige und

Verrat, Bewahrung von Geheimnissen

und weitsichtiges Handeln,

Bündnisse zwischen Feinden und

wahre Freundschaft. Es dreht sich

darum, wie in der hohen Politik aber

auch im täglichen Leben die Menschen

miteinander umgehen.

Was wurde damals sonst noch aus

dem Arabischen übersetzt?

Im europäischen Mittelalter hatte

man eine sehr hohe Meinung von

arabischer Wissenschaft, vor allem

wenn es um Philosophie und Medizin

ging. Es gab ein sehr bekanntes

Handbuch zur Medizin, das „Allumfassende

Buch“ des Arztes und Philosophen

al-Razi aus dem 9. Jahrhundert,

das noch im Europa der Renaissance

vielfach gedruckt und kommentiert

wurde. Außerdem wurden

dieWerkedes Aristoteles erst über die

arabischen Übersetzungen überhaupt

in Europa bekannt. An den ersten

europäischen Universitäten Paris

und Bologna unterrichtete man aristotelische

Philosophie mit den lateinischen

Übersetzungen der arabischen

Kommentare; die griechischen

Originaltexte waren bis in die Renaissance

gar nicht erhältlich.

DasGespräch führte Alice Ahlers.

Großer Beitrag

der Moore zur

Erderwärmung

Wiedervernässung fast aller

Flächen wäre erforderlich

Wenn Moore trockengelegt werden,

setzen sie Treibhausgase

frei. Zurzeit kommen auf diese Art

etwa drei Prozent der gesamten globalen

Treibhausgasemissionen zustande.

Ein Forscherteam um Jens

Leifeld vonder Climate and Agriculture

Group im schweizerischen Zürich

hat nun berechnet, wie groß der

zukünftige Beitrag dieser Flächen

zur globalen Erwärmung sein wird.

Ihr Fazit, veröffentlicht im Fachmagazin

Nature Climate Change, ist

bedenklich: Ohne konsequente und

großflächige Renaturierung von

Mooren werden die Emissionen dort

derartsteigen, dass allein aus diesen

Gebieten bis zu 40 Prozent des für

das Erreichen der Pariser Klimaschutzziele

noch zur Verfügung stehenden

Treibhausgas-Budgets kommen

könnten.

In absoluten Zahlen: Seit 1850

wurden durch trockengelegte Moorflächen

rund 80 Gigatonnen CO 2 -

Äquivalente frei, bis Ende des Jahrhunderts

drohen es zusammengenommen

250 Gigatonnen zu werden,

wenn nicht gegengesteuert

wird. Zum Vergleich: Im Jahr 2017

wurden weltweit 41,2 Gigatonnen

CO 2 freigesetzt, von denen 88 Prozent

aus der Verbrennung fossiler

Brennstoffe stammen.

„Die Studie bestätigt, dass man

bis 2050 (fast) alle entwässerten

Mooreauf der Erde wiedervernässen

muss, wie wir Wissenschaftler das

schon seit einigen Jahren fordern“,

sagt Hans Joosten, Professor für

Moorkunde und Paläoökologie an

der Universität Greifswald. Aktuell

finde neue Moorentwässerung großflächig

in den Tropen statt. Seit einigen

Jahrzehnten zum Beispiel für Ölpalm-Plantagen

in Südostasien. Zunehmend

ändere sich die Landnutzung

aber auch in West-Amazonien

sowie in Afrika. Wobei Ostafrika sich

gerade zu einem neuen, bisher weitgehend

übersehenen Hotspot entwickle.

(abg.)

Kreativ zu sein,

ist gut für die

Gesundheit

Malen, Tanzen und Co. als

Ergänzung zu Therapien

Beschäftigungen wie Malen, Tanzenund

Singen können sich positiv

auf die körperliche und geistige

Gesundheit auswirken – und zwar

über das gesamte Leben hinweg. Zu

diesem Schluss kommt ein Bericht,

den die Weltgesundheitsorganisation

am Montag in der finnischen

Hauptstadt Helsinki vorstellte. Ausgewertet

wurden mehr als 900 Publikationen

zum gesundheitlichen

Nutzen künstlerischer Aktivitäten.

Tätigkeiten wie Basteln und Musikhören

sind demnach dazu geeignet,

medizinische Therapien sinnvoll zu

ergänzen und zu vertiefen.

Mehrere Länder befassen sich

den Autoren zufolge bereits mit der

Möglichkeit einer Verschreibung

künstlerischer und geselliger Aktivitäten.

Als ein Beispiel für die positive

gesundheitliche Wirkung der Künste

wird genannt, dass Kinder länger

schlafen und sich in der Schule besser

konzentrieren können, wenn ihre

Eltern ihnen vor dem Einschlafen

vorlesen. Singen verbessere unter

anderem die Aufmerksamkeit und

geistige Fähigkeiten. Bei Demenzkranken

könne Musik das Erinnerungsvermögen

fördern.

Nach Ansicht der Autoren könnten

künstlerische Tätigkeiten in der

Gesundheitsversorgung eine ergänzende

Rolle spielen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 17 *

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Sport

Ziemlich

irreale

Geschichten

Krawietz/Mies nehmen

erstmals am ATP-Finale teil

VonDoris Henkel, London

Mit mehr als nur einem Blick für

die Umgebung betraten sie die

O2 Arena –schließlich haben sie sich

vorgenommen, jeden einzelnen Moment

ihrer Premiere bei den ATPFinals

in London zu genießen. Seit ihremSieg

bei den French Open in Paris

Anfang Juni haben Kevin Krawietz

und Andreas Mies an diesen Termin

Mitte November gedacht, doch um zu

begreifen, wie rasant sich das Tennisleben

der deutschen Doppelspieler

inzwischen verändert hat, hilft ein

kleiner Blick zurück.

Mitte November vergangenen Jahres

spielte Mies bei einem Challengerturnier

in Bratislava, stand in der

Doppel-Weltrangliste auf Platz 73

und verließ den Ort des Geschehens

mit einem Preisgeld von 385 Dollar.

Krawietz spielte mit einem anderen

Partner in Bangalore/Indien, stand in

der Rangliste auf Platz 69 und zogmit

einem Preisgeld von 540 Dollar nach

einer Niederlage in Runde eins von

dannen. Hätte man ihnen damals gesagt,

sie würden zwölf Monate später

in einer der größtenTennisarenen der

Welt um einen der wichtigsten Titel

spielen? „Dann hätten wir den Typen

für völlig bescheuert gehalten“, sagt

Mies.Beim ersten Auftritt am Montag

ließ die Realität jedenfalls nichts zu

wünschen übrig; die beiden gewannen

gegen den Holländer Jean-Julien

Rojer und HoriaTecau aus Rumänien

7:6, 4:6, 10:6.

Doppel ist ein faszinierendes

Spiel; oft genug ereignisreicher,kompromissloser

und dynamischer als

Einzel. Doch selbst bei wichtigen Turnieren

ist auf der ganz großen Bühne

für die Doppelspiele bisweilen kein

Platz, und die Zahl der Zuschauer hält

sich im sehr überschaubaren Rahmen.

Bei den ATPFinals wird jedes

Low Five: Kevin Krawietz (l.) und

Andreas Mies.

GETTY IMAGES/SETTERFIEDL

Match auf dem CentreCourtgespielt,

manchmal vor 17500 Zuschauern

auf voll besetzten Rängen.

Auch Polasek staunt

Aber Krawietz und Mies sind nicht die

Einzigen, die in dieser Woche in London

mit offenen Augen das Leben auf

der großen Bühne sehen. Filip Polasek

aus der Slowakei stand voreinem

Jahr in der Weltrangliste auf Platz 161,

nun ist er mit dem Kroaten Ivan Dodig

qualifiziert, und die ganze Geschichte

kommt ihm auch deshalb

ziemlich irreal vor, weil er seine Karriere

vor sechs Jahren wegen anhaltender

Rückenprobleme schon mal

beendet hatte.Danach arbeitete er als

Tennislehrer,ließ sich später zu gelegentlichen

Einsätzen in der Mannschaft

des TC Augsburg überreden,

und so startete er Ende 2018 in den

zweiten Teil seiner Karriere.

Unddann ist da der Brite JoeSalisbury,

Partner des Amerikaners Rajeev

Ram. Derhatte seine KarriereimEinzel

vor drei Jahren beendet, doch ein

Studienaufenthalt in den USA führte

ihn zum Tennis zurück. In den vergangenen

Jahren hatte er bei jeder

Ausgabe der ATPFinals wenigstens

einmal eine Eintrittskarte gekauft,

um die Besten derWelt in dieser spektakulären

Atmosphärezusehen. Nun

gehörterselbst dazu.

Beim FC Internationale am Südkreuz wird nicht nur Fußball gespielt, es werden auch gute Ideen entwickelt.

Anträge für einen Aufbruch

Eine Initiative begehrt gegen den Berliner Fußball-Verband auf. Sie will Antworten auf drängende Fragen

VonChristian Schwager

Manchmal dauertes, bis

eine Idee verstanden

wird. ZumBeispiel damals,als

Gerd Thomas

auf einem Treffen des Unternehmer-

Netzwerks Südkreuz erschien. Thomas

ist 1. Vorsitzender des FC Internationale

und wurde nun voneinem

Geschäftsmann gefragt, was er in

diesem Kreis eigentlich wolle. „Da

habe ich zurückgefragt, wie viele

Mitarbeiter er habe,und als er sagte,

es seien 22, da habe ich geantwortet:

,Mein Fußballverein hat 1200 Mitglieder’.“

Inzwischen nimmt Gerd

Thomas an Versammlungen der

Schöneberger Unternehmer teil.

Zwei Seiten profitieren

Der Klubchef hat diese kleine Geschichte

jetzt wieder erzählt, weil sie

illustriert, warum sich er und Bernd

Fiedler vomSFC Stern1900 am Montag

in einem offenen Brief an dieVereine

der Stadt gewandt haben. Am

Sonnabend trifft der Berliner Fußball-Verband

(BFV) zu einem Arbeits-Verbandstag

zusammen. In ihrem

Brief kündigen Thomas und

Fiedler nun an, dass sie im Namen

ihrer „Berliner Fußball-Interessengemeinschaft“

an die 30 Anträge einbringen

werden. „Es wird nur verwaltet,

zu wenig nach vorne gedacht“,

sagt Thomas. Sie aber wollten

moderne Antworten auf Fragen

der modernen Gesellschaft.

DieGeschäftsleute vomSüdkreuz

haben irgendwann verstanden, haben

erkannt, dass unter den Mitgliedern

des FC Internationale jene

Fachkräfte sein könnten, die sie suchen.

Oder Jugendliche, die sich für

eine Lehrstelle eignen, die durch ihrenSport,

den Fußball, immerhin

schon mal die Bedeutung

vonDisziplin und

Einsatzbereitschaft kennengelernt

haben. Der

Verein wiederum profitiert

von finanziellen Zuwendungen,

vielleicht, ganz sicher

aber vonverständnisvollen

Chefs, die wissen,

dass ein Übungsleiter aus

ihrer Firmazubestimmten

Zeiten beim Training sein muss.„Wir

bringen Leute zusammen, die sonst

nicht zusammenkämen.“

WasimKleinen funktioniert, sagt

Thomas, sollte auch im Großen gehen.

Deshalb die Anträge, wobei die

Herausforderungen der modernen,

flexibilisierten Arbeitswelt für den

Fußball besonders deutlich bei den

Übungsleitern sichtbar werden. Ehrenamtliche

Trainer zu finden, wird

immer schwieriger. Das freiwillige

Kritischer Geist:

Gerd Thomas

DPA/RAINER JENSEN

Engagement geht zurück, der Berliner

Fußball sieht sich zugleich mit

einer wachsenden Nachfrage konfrontiert.

Rund 159 000 Mitglieder

hatte der BFV im Januar, Tendenz

steigend. Viele der 381 Vereine geraten

an ihre Kapazitätsgrenze. „Wir

fühlen uns vomVerband alleingelassen.“

SagtThomas,wie er betont,„im

Namen sehr vieler Vereinsvertreter“.

Amateurfußball, auch das betont

er, habe eine starke gesellschaftliche

Funktion, nicht

nur Vereine und Verband

dürften sich dafür verantwortlich

fühlen. „Wir wollen

mitVertreternausWirtschaft

und Politik gemeinsam

nach Ansätzen suchen.“

Beispiele, wie ein

solcher Ansatz aussehen

könnte, gibt es. Etwa im

Basketball, wo unter der

Leitung von Alba Berlin Klubs mit

Wohnungsbaugesellschaften kooperieren.

Basketball wird sozueinem

Teil des Quartiers-Managements.

Auch im Amateurfußball, sagt

Thomas, übernehmen Trainer die

Funktion von Sozialarbeitern mit, in

schwierigen Kiezlagen zumal. Ein

fertiges Konzept, wie sie besser unterstützt

werden können, hat der

Schöneberger nicht. „Es geht erst

einmal darum, ins Gespräch zu

Rot demütigt Himmelblau

kommen“, sagt Thomas.Esgeht ums

Ehrenamt, um Infrastruktur, um

Schiedsrichter, umden Umgang mit

E-Sport, um Lobbyarbeit gegenüber

Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Medien.

Und deswegen will die „Berliner

Fußball-Interessengemeinschaft“

am Sonnabend über die Entscheidungsträger

im Verband reden.

Frauenquote von30Prozent

Per Antrag möchte sie die Amtszeit

eines BFV-Präsidenten verkürzen,

wofür eine Zweidrittelmehrheit nötig

ist.„Wir halten es für unerlässlich,

dass nach spätestens drei Legislaturperioden

vonder Spitzedes Verbandes

neue Impulse gesetzt werden“,

heißt es in dem offenen Brief. Präsident

BerndSchultz amtiertseit 2004.

„Eine Frauenquote von 30Prozent

und mehr junge Leute im Vorstand“,

zählt Thomas weiter auf: „Wir wollen

uns zeitgemäß aufstellen.“

Wieviele ihrer Anträge sie durchbringen,

vermag er nicht zu schätzen.

Einer dürfte es auf jeden Fall

schaffen. „Wir sind uns mit der BFV-

Spitze einig, dass künftig in vier Regional-Konferenzen

mit jeweils drei

Berliner Bezirken die Probleme der

Fußball-Basis besprochen werden.“

Ein Anfang, immerhin. Wie damals,

als Gerd Thomas in einem Unternehmer-Meeting

auftauchte.

Der FC Liverpool gibt beim 3:1 gegen ManCity einen eindeutigen Hinweis auf die neuen Machtverhältnisse in der Premier League

VonHendrik Buchheister,Liverpool

Neun Punkte liegt Spitzenreiter

FC Liverpool nach dem 3:1 im

direkten Duell schon vor Manchester

City,acht vorLeicester und Chelsea,

die sich im Klassement der Premier

League am Titelverteidiger vorbei

gedrückt haben. DerErfolg gegen

Pep Guardiolas Mannschaft war der

Beweis dafür,dass die Elfvon Jürgen

Klopp das Zeug dazu hat, in dieser

Saison endlich auch das 30 Jahre

lange Warten auf die englische Meisterschaft

zu beenden. Allerdings sind

gerade mal zwölf Spieltage vorbei, es

ist noch lange nicht angebracht,

schon von einer Entscheidung zu

sprechen. Dasweiß auch Klopp.„Wir

wollen im Mai Erster sein, nicht Anfang

November“, sagte er nach dem

beeindruckenden Auftritt seines

Teams an der Anfield Road.

Die Reds kommen nach der Demütigung

des Titelverteidigers jedenfalls

nicht mehr an der Favoritenrolle

im Meisterrennen vorbei. Klopps

Mannschaft hatte den Widersacher

aus Manchester schon oft geärgertin

der Vergangenheit, bei seinen jetzt

fünf Besuchen in Anfield kassierte

Guardiola vier Niederlagen, im vergangenen

Jahr kam er mit einem 0:0

davon. Bisher waren das aber immer

nur vorübergehende Ärgernisse gewesen,

kleine Makel in einer ansonsten

glänzenden Bilanz des Meisters

der abgelaufenen beiden Spielzeiten.

Dieses 3:1 könnte eine andere Wirkung

haben. Es könnte der

Moment gewesen sein, an

dem der FC Liverpool an

Manchester City vorbei gezogen

ist und die bestehenden

Verhältnisse an der

Spitze des englischen Fußballs

geändert hat. Oder,

wie es der Telegraph formulierte:„Am

letzten Spieltag

der Saison könnte

Liverpool auf einen bitterkalten

Nachmittag im November zurückschauen,

an dem man PepGuardiolas

Manchester City auseinandernahm.

Wardas der Tagdes Machtwechsels?“

Fest steht, dass diese 90 Minuten

offenbarten, warum Liverpool elf der

ersten zwölf Saisonspiele gewann

(dazu kommt ein Remis) und City

Auf Meisterschaftskurs:

Klopp

AP/SUPER

schon früh den Anschluss zu verlieren

droht. Klopps Mannschaft überrannte

den Titelverteidiger mit ihren

Konternund kam dank maximaler Effizienz

zu drei Trefferndurch Fabinho

und Mohamed Salah in der ersten

Viertelstunde sowie Sadio Mané kurz

nach der Pause.

Die Gäste trugen allerdings zur eigenen

Demontage bei. Anders

als in den vergangenen

beiden Spielzeiten gelingt es

City nicht mehr,den Ausfall

wichtiger Spieler zu kompensieren.

Das betrifft weniger

die Offensive, die bekanntlich

ohne Leroy Sané

auskommen muss,sondern

die Abwehr.Sie wirkte ohne

ihren verletzten Chef AymericLaporte

gegen „die beste

Mannschaft der Welt“ (Guardiola) so

verloren wie Papierschiffchen auf dem

Mersey-Fluss. Torwart Claudio Bravo,

der den unpässlichen Ederson vertrat,

trug zur allgemeinen Verunsicherung

bei. DerMirror riet, bei den Spielen der

Himmelblauen künftig in Deckung zu

gehen: „Egal, wie ansehnlich sie im

Ballbesitz sind – die Verteidigung

BENJAMIN PRITZKULEIT

schaut man sich am besten vonhinter

dem Sofa an.“

AusGuardiolas Sicht hatte die Niederlage

andere Gründe. Erwar sichtlich

erzürnt über Schiedsrichter Michael

Oliver (und den VAR), weil seiner

Mannschaft zwei mögliche Elfmeter

vorenthalten worden waren,

nachdem LiverpoolsVerteidigerTrent

Alexander-Arnold im eigenen Strafraum

zweimal den Ball an die Hand

bekommen hatte. In dieser Saison

hatte es schon für kleinere Vergehen

Strafstoß gegeben. Guardiola tobte an

der Seitenlinie, zwischen Wahnsinn

und Verzweiflung, und streckte zwei

Finger in die Höhe,als Zeichen für die

vermeintliche doppelte Ungerechtigkeit.

Nach dem Spiel schüttelte er

Schiedsrichter Oliver mit so viel Kraft

die Hand, dass man befürchten

musste, erwollte sie ihm abreißen.

„Thank you somuch!“, rief der Trainer.

Hinterher behauptete er, diesen

Dank ernst gemeint zu haben, das

rundete seinen bizarren Auftritt ab.

Auch Guardiola schien zu spüren,

dass Manchester City an diesem rauschenden

Nachmittag mehr verloren

hatte als nur ein Spiel.

NACHRICHTEN

Frankfurts Abraham

entschuldigt sich bei Streich

FUSSBALL. Eintracht Frankfurts Kapitän

David Abraham hat nach seinen

Rempler gegen Trainer Christian

Streich vomSCFreiburgReue gezeigt.„Ich

möchte mich in aller Form

entschuldigen. Ichbin sehr froh,

dass wir nach dem Spiel gesprochen

haben und alles gut zwischen uns

ist“, wirdAbraham in einem Tweet

der Hessen zitiert. Abraham hatte

Streich beim 0:1 (0:0) kurzvor dem

Ende der Begegnung zu Boden gecheckt

und dafür Rotgesehen

(90.+6). Im folgenden Handgemenge

griff der bereits ausgewechselte VincenzoGrifo

Abraham an den Kiefer

und sah ebenfalls Rot(90.+10). Der

Kontrollausschuss des Deutschen

Fußball-Bundes (DFB) stellte in beiden

Fällen einen Strafantrag.

Salazar und Brown ziehen

vor den Cas

LEICHTATHLETIK. Alberto Salazar,

61, zieht gegen seine vonder US-Antidoping-Behörde

(Usada) ausgesprochene

Dopingsperrevor den Internationalen

Sportgerichtshof

(Cas). Zudem reichte der ebenfalls

gesperrte Endokrinologe Jeffrey

Brown, der zahlreiche Athleten Salazars

behandelt hatte,Einspruch ein.

Salazar war Chefcoach des inzwischen

eingestellten Nike Oregon

Projects (NOP). Nach langjährigen

Ermittlungen hatte die Usada Salazar

Anfang Oktober gesperrt. Dem

Trainer wirdvorgeworfen, auf gefährliche

Weise die Leistung seiner

Athleten gesteigertund damit gegen

die Antidoping-Bestimmungen verstoßen

zu haben.

Seattle holt zum zweiten Mal

den Titel in der MLS

FUSSBALL. DieSeattle Sounders haben

sich zum zweiten Malden Titel

in der Major League Soccer (MLS)

gesichert. Seattle gewann die Neuauflage

der Finals von2016 und 2017

gegen den Toronto FC 3:1 (0:0).

Alba muss vorerst auf Siva

und Cavanaugh verzichten

BASKETBALL. Alba Berlin muss in

den kommenden Partien auf Peyton

Siva und Tyler Cavanaugh verzichten.

Aufbauspieler Siva fehlt mit einer

Muskelverletzung am linken

Oberschenkel voraussichtlich zwei

Wochen, sein US-Landsmann Cavanaugh

muss mit einer schweren

Bänderverletzung am rechten Knöchel

bis zu drei Monate aussetzen.

ZAHLEN

Fußball

2. Bundesliga, 13. Spieltag

FC St. Pauli−VfL Bochum 1:1

Dyn. Dresden −SVWehen 1:0

Kiel −Hamburger SV 1:1

Sandhausen −Gr. Fürth 3:2

VfL Osnabrück−VfB Stuttgart 1:0

Nürnberg −Arm.Bielefeld 1:5

Heidenheim −Hannover96 4:0

Darmstadt 98 −Regensburg 2:2

Karlsruher SC−Erzg.Aue 1:1

1 Arm. Bielefeld 13 29: 14 28

2 Hamburger SV 13 30: 12 26

3 VfB Stuttgart 13 20: 18 23

4 Heidenheim 13 21: 14 20

5 Erzg.Aue 13 20: 19 20

6 Gr.Fürth 13 16: 18 18

7 Regensburg 13 24: 20 17

8 Sandhausen 13 14: 14 17

9 VfL Osnabrück 13 14: 12 16

10 Karlsruher SC 13 22: 24 16

11 FC St. Pauli 13 17: 17 15

12 Kiel 13 15: 18 15

13 Darmstadt 98 13 14: 18 15

14 Nürnberg 13 21: 27 14

15 Hannover96 13 14: 22 14

16 VfL Bochum 13 24: 26 13

17 Dyn. Dresden 13 14: 24 12

18 SV Wehen 13 14: 26 10


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 – S eite 18 *

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Sport

Will nicht als Umfaller gelten: Bundestrainer Joachim Löw.

GETTY IIMAGES/HASSENSTEIN

Nur bedingt abwehrbereit

Trotz der großen Personalnot in der Defensivabteilungder DFB-Elf denktBundestrainerLöw offenbar nichtanein Nationalmannschaftscomebackvon Mats Hummels

VonFrank Hellmann

Die Verbundenheit zur

deutschen Nationalmannschaft

bleibt. Und

ist bei Mats Hummels

auf seinen sozialen Kanälen dokumentiert.

Fast 100 000 Personen gefiel

am 11. Oktober der Beitrag, als

sich der zu Jahresanfang ausgebootete

Nationalspieler frohgelaunt auf

dem eigenen Dortmunder Trainingsgelände

in Brackel mit dem NationaltorwartMarc-André

ter Stegen

unterhielt. Hummels trug an jedem

Tag die Trainingskleidung von Borussia

Dortmund, denn die Begegnung

war zufällig zustande gekommen,

weil die deutschen Nationalspieler

vor dem Freundschaftsspiel

gegen Argentinien (2:2) auf dem

BVB-Gelände übten. „Großartig so

viele alte Freunde heute zu sehen“,

schrieb der 30-Jährige unter seinem

Instagram-Profil „aussenrist15“.

Vermutlich würde der Fußballprofi

jenen berühmten Fußmarsch

unternehmen, um am heutigen

Dienstag zum nächsten Treffpunkt

der DFB-Auswahl im Hilton Hotel

Düsseldorf zu gelangen. Doch obwohl

die Abwehrnot vor den EM-

Qualifikationsspielen gegen Weißrussland

in Mönchengladbach

(Sonnabend 20.45 Uhr/RTL) und

Nordirland in Frankfurt am Main

drei Tage später kaum größer sein

könnte, denkt Bundestrainer Joachim

Löw nicht über eine Rückholaktion

des Weltmeisters nach. „Generell

schenken wir den Spielern, die

jetzt dabei sind, unser volles Vertrauen,

ihnen gehört unsere Aufmerksamkeit“,

teilte Löw zur Kadernominierung

mit.

Auch Rüdiger fällt aus

Des Kickersneue Kleider:die Profis Werner,Gnabryund Schulz im EM-Trikot.

DPA

Der59-Jährige will nicht als Umfaller

dastehen, nachdem er seinen langjährigen

Klassensprecher ja vor allem

aus atmosphärischen Gründen

aussortierte: Eine dominante, weil

wortgewandte und intelligente Figur

wie Hummels besaß immensen Einfluss,und

Löw wollte mit dessenVerzicht

vor allem die internen Hierarchien

neu ordnen. Das war gut gemeint,

um speziell Niklas Süle mehr

Verantwortung einzuräumen. Doch

nach dem Kreuzbandriss des Bayern-Abwehrchefs

müssten eigentlich

die Karten für die Innenverteidigung

neu gemischt werden.

Die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele,

in denen die letzten

Zweifel an der Direktzulassung für

das paneuropäische Turnier 2020

ausgeräumt werden sollen, finden

erneut auch ohne Antonio Rüdiger

(FC Chelsea) statt, der seine muskulären

Probleme nach einer Knieoperation

noch nicht überwunden hat.

Und weil Niklas Stark (Hertha BSC)

sich vergangenen Sonnabend beim

Ligaspiel gegen RB Leipzig erneut

kurzfristig eine Verletzung (Nasenbeinbruch)

zugezogen hat,

schrumpft die Zahl spielfähiger Abwehrspieler

bedenklich. Jonathan

Tah (Bayer Leverkusen), Matthias

Ginter (Borussia Mönchengladbach)

und Robin Koch (SC Freiburg) heißen

die verbliebenen Innenverteidiger.

Mit dieser Besetzung ist Deutschland

nur bedingt abwehrbereit: Tah,

23, ist im Nationalteam –speziell bei

der 2:4-Lehrstunde gegen die Niederlande

–bislang den Nachweis internationaler

Klasse schuldig geblieben,

Koch, 23, darfnur ein Perspektivspieler

sein, und Ginter,25, könnte als Allzweckwaffe

auf der rechten Seite

wichtiger werden. So mag die

Schmalspurvariante in der Abwehrzentrale

gegen Weißrussland und

Nordirland reichen, aber gewiss nicht

für eine EM-Endrunde, zumal Löw

bei seiner Neuausrichtung lieber auf

eine Dreier-Abwehrkette setzt. Und

so wird das Phantom Hummels so

schnell nicht verschwinden. Löw sah

am Sonnabend persönlich den Dortmunder

Offenbarungseid bei den

Bayern, als sich der Anführer Hummels

als Einziger gegen den Untergang

stemmte.Letztlich vergeblich.

Löw ist keiner, der öffentlich diskutierte

Personalfragen durch ein

Machtwortbeendet –essei denn, sie

dringen direkt zu ihm vor. „Daran

habe ich gar nicht gedacht“, antwortete

der Badener scheinbar verwundert

vor dem Argentinien-Spiel auf

die Frage, obereine Nachnominierung

vonHummels in Erwägung ziehen

würde.Trotzdem muss der 70-fache

Nationalspieler, der am 19. November

2018 –einem 2:2 gegen die

Niederlande in der Nations League –

das bislang letzte Maldas DFB-Trikot

trug, nicht für immer außen vorbleiben.

Der Bundestrainer hat in einem

Videointerview angedeutet, dass im

EM-Jahr eine Hintertür aufgehen

könnte: „Das große Ziel heißt, eine

schlagkräftige Mannschaft bei der

EM eben dortauf den Platz schicken

zu können. In welcher Konstellation,

können wir heute noch nicht abschließend

beurteilen und sagen.“

Das Gute: Hummels war zwar über

Löws Entscheidung gewaltig enttäuscht,

aber verzichtete später auf

jedwedes Nachtreten. Es wäre kein

Gesichtsverlust für den Bundestrainer,indieser

Frage eine Kehrtwende

einzuleiten. UndMats Hummels hat

die Arme zum Empfang nicht nur

symbolisch auf seinen sozialen Kanälen

geöffnet.

„Aber man muss ja auch Ziele haben“

Christopher Trimmels Traum von einer Teilnahme an der EM 2020 scheint sich tatsächlich zu erfüllen, weil dem Österreicher mit Union die Umstellung auf die Bundesliga gelungen ist

VonMarkus Lotter und

Mathias Bunkus

Esgibt nicht wenige, die Christopher

Trimmel das nicht zugetraut

haben. Nicht wenige,die davon

ausgegangen sind, dass der 32 Jahre

alte Österreicher beim Versuch, sich

in der Bundesliga zurechtzufinden,

scheitern wird. Zu langsam! Zu eindimensional!

Aber denkste.

Trimmel, der seit Sommer 2014

die eisernen Farben trägt, ist bei

Union auch in der höchsten deutschen

Spielklasse gesetzt und damit

auch ein wichtiger Erfolgsfaktor.Mit

Cleverness, die sich aus Erfahrung

speist, und Spielintelligenz, die einem

wohl vonNatur aus gegeben ist,

kompensiert erseine Defizite in Sachen

Tempo und Technik, ist weiterhin

der erste Ansprechpartner für

Trainer Urs Fischer, der ja schon im

Sommer ein klares Bekenntnis abgegeben

hatte: Trimmel bleibt mein

Kapitän.

UndTrimmel geht in dieser Rolle

auf. Als zuverlässige, mit Sozialkompetenz

ausgestattete Führungskraft

im täglichen Miteinander der Profis,

aber auch als eloquenter Ansprechpartner

für die Medienvertreter.

Nichts ist ihm dahingehend zu viel,

er steht Rede und Antwort, spricht

offen über die Mannschaft und sich,

was sich in diesen Tagen in sportlicher

Hinsicht ja gernmal deckt. Hören

wir noch mal rein, was er nach

dem 3:2 in Mainz, dem zweiten Sieg

hintereinander,zum Besten gegeben

hat: „Das ist natürlich sehr wichtig

für die Psyche. Unsere Entwicklung

Anpassungsfähig: Christopher Trimmel

trainiertinAustria-Rot. IMAGO IMAGES/GEPA

in den letzten Wochen ist sehr gut.

Wir sind endlich angekommen in

der Bundesliga! Wir hatten anfangs

Spiele in Leverkusen oder gegen

Leipzig, wo wir sehr passiv waren.

Daswar nicht unser Spiel. Wirhaben

aber erkannt, dass wir unser Ding

durchziehen müssen. Das machen

wir jetzt. Wir haben den Respekt abgelegt

und uns an das Tempo gewöhnt.

Wir machen jetzt so weiter

wie in der Zweiten Liga. Undmit unserer

Mentalität können wir jeden

Gegner ärgern. Das müssen wir Woche

für Woche bestätigen.“

Exzellenter Vorarbeiter

Gegen Mainz leistete er bei allen drei

Treffern die Vorarbeit („Wenn der

Ball richtig in die Zone kommt, dann

ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass

es ein Torgibt“), demonstrierte zudem

in einem Fünfer-Mittelfeld,

dass er mehr sein kann als ein

Rechtsverteidiger. Und womöglich

ist diese taktische Flexibilität auch

der Grund dafür, dass Österreichs

Nationaltrainer Franco Foda ihn

auch für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele

gegen Nordmazedonien

(am Sonnabend in Wien) und

Lettland (am Dienstag in Riga) nominierthat.

Er selbst hatte damit ja gar nicht

gerechnet, weil Borussia Mönchengladbachs

Stefan Lainer, für den er

bei den Spielen gegen Israel (3:1)

und Slowenien (1:0) in den Kader gerutscht

war, wieder einsatzfähig ist.

Trimmel sagt: „Mich freut es,dass es

wieder geklappt hat. Ich werde jetzt

alles geben. Und ich hoffe, dass wir

mindestens ein Unentschieden gegen

Nordmazedonien holen, dann

sind wir qualifiziert. Das ist unser

Ziel.“ Aber eben auch sein ganz persönliches

Ziel.

Auf gerade mal fünf Länderspieleinsätze

ist er bis dato gekommen,

war immer irgendwie auf dem

Sprung, aber eben nie bei einem großen

Turnier mit von der Partie.„Unabhängig

vonVerletzungen ist es natürlich

wichtig, dass man im Klub

seine Leistungen kontinuierlich

bringt. Das ist mir bislang gelungen.

Ich mache einfach so weiter und

dann schauen wir mal. Aber die EM

ist ein Traum, natürlich“, sagt er nun.

Und fährt fort: „Ich kann das schon

einordnen. Das ist meine letzte

Chance auf ein großes Turnier. Aber

man muss ja auch Ziele haben.“


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

Salonmarxismus

und Salonambient

in der Pop-Kolumne

Seiten 22, 23

„Die Vernunft, die glaubt, sie wäre ganz und gar vernünftig, ist keine.“

Arno Widmannhat „Auch eine Geschichte der Philosophie“ von Jürgen Habermas gelesen Seite 20

Peter Handke und Neil Young

Pass und

Prominenz

Harry Nutt

kontrolliertdie

Ausweispapiere.

In einem Song seines neuen Albums

„Colorado“ beschwört der

alte Rockbarde Neil Young in unmissverständlicher

Klarheit und

Schönheit das Festhalten an der Idee

eines humanistischen Universalismus.Zwar

sei in den USA derzeit viel

vonMauerndie Rede und dass nicht

genügend Raum für alle vorhanden

sei. Aber niemandem werdeesgelingen,

singt Young in „Rainbow ofColors“,

die farbenprächtige Vielfalt

„weißzuwaschen“. Der Song ist ein

pathetisches Statement, leicht zu erkennen,

an wen essich richtet. Um

sein politisches Anliegen auch praktisch

umzusetzen, hat der gebürtige

Kanadier,der seit den 60er-Jahren in

den USA lebt, nun die amerikanische

Staatsbürgerschaft beantragt.

Er möchte im kommenden Jahr

an der Präsidentschaftswahl teilnehmen.

Gegen Donald Trump, scheint

Neil Young sagen zu wollen, zählt

jede Stimme. Schon vor geraumer

Zeit hatte Young Trump untersagt,

den Hit„Rockin’The FreeWorld“ bei

Wahlkampfveranstaltungen spielen

zu lassen. Schwierigkeiten beim Erwerb

eines neuen Passes bereitet allerdings

Neil Youngs Lebenswandel.

Wegen seines Cannabiskonsums

gebe es weitereBefragungen.

Passprobleme hat unterdessen

auch der österreichische Literaturnobelpreisträger

Peter Handke. Er

soll in der Vergangenheit bei Reisen

durch das ehemalige Jugoslawien einen

Pass verwendet haben, den er

1999 von der jugoslawischen Botschaft

in Wien erhalten habe. Die

Kärtner Landesregierung will nun

prüfen, was es mit dem Handke-Pass

auf sich hat. Grundsätzlich gilt, dass

ein Österreicher,der durch eine Willenserklärung

eine fremde Staatsbürgerschaft

erwirbt, die österreichische

verliert. Eine Ausnahme werde

nur dann gewährt, wenn er vorher

die Beibehaltung der österreichischen

Staatsbürgerschaft erbeten

habe. Inturbulenter Zeit, bedeutet

das wohl, erscheint auch das Verhältnis

von Staatszugehörigkeit und

Prominenz in ganz neuem Licht.

Gastarbeiter aus Vietnam sind am Berliner Ostbahnhof eingetroffen (1973).

VonDennis Vetter

Ein Konzertsaal zu Zeiten

der DDR: Auf der einen

Seite sitzen vietnamesische

Vertragsarbeiter, auf der

anderen musiziert die Lautengilde

eines Thüringer Fernmeldewerks.

Der Anlass ist die Begrüßung der

neuen Kollegen, sie sollen mit ihrer

Arbeit das Werk unterstützen. Unter

dem Stichwort der internationalen

Solidarität mit dem sozialistischen

Vietnam wurden sie eingeladen und

sollen nun zu Facharbeitern ausgebildet

werden. Ein Reporter stellt

den jungen Männern Fragen und

wird dabei nicht müde, nachzubohren,

werDeutsch sprechen kann.

Der Beitrag, der im DDR-Fernsehen

lief, wirkt gleichermaßen übergriffig

wie utopisch. Die Gesichter

der Musiker werden immer wieder

den Gesichtern der Vertragsarbeiter

gegenübergestellt, als blickten sie

sich innig und voll unverbrüchlicher

Freundschaft an. Merke: Im Sozialismus

sind sich alle nah. Seit Anfang

der 50er-Jahre hatten Vertragsarbeiter

und -arbeiterinnen sowie ausländische

Studierende zum internationalistischen

Image und zum Wohlstand

der DDR beigetragen. Mitdem

Fall der Mauer wurden die Kollegen

praktisch über Nacht Konkurrenten

auf dem Arbeitsmarkt und nicht selten

auch Adressaten von verbaler

und physischer Gewalt.

Man spricht Deutsch

Die Filmreihe „Freundschaft auf Zeit“ über Vertragsarbeiter in der DDR im bi’bak-Kino im Wedding

Unter dem Titel „Freundschaft auf

Zeit“ sind bis zum 22. November im

Kino bi’bak (Türkisch: Schau mal) im

Wedding Dokumentarfilme und TV-

Beiträge zum Schicksal der Vertragsarbeiter

in der DDR zu sehen, vondenen

zur Wendezeit zirka 150000 im

Osten Deutschlands lebten. Zusammengestellt

wurde die Reihe vonTobias

Hering und Sun-ju Choi.

Der Beitrag über die vietnamesischen

Arbeiter in Thüringen lief am

Eröffnungsabend in einer Filmrolle

mit Fernsehbeiträgen aus der Zeit

von1964 bis 1980. Im Spannungsfeld

von Propaganda und DDR-Internationalismus

entwickelte sich im Anschluss

ein Gespräch mit Massimo

Perinelli (Referent für Migration der

Rosa-Luxemburg-Stiftung). Das Publikum

des Abends fand im DDR-

Fernsehen ambivalente Signale: Die

Utopie der Völkerverständigung ist

für einige bis heute spürbar, gleichermaßen

wurden derlei Sendungen

als politisches Mittel zum Zweck

der politischen Indoktrination empfunden.

Eine internationalistische

Nähe wie in der Konzertmontage sei

im Westfernsehen undenkbar gewesen,

sagte ein Zuschauer.

Rassismus gegenüber Vertragsarbeitern

sei während der gesamten

Zeit ihrer Anwesenheit in der DDR

Alltag gewesen, lautete der Tenor der

Mit dem Fall der Mauer wurden

die ausländischen Kollegen

praktisch über Nacht

Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt.

Diskussion. Ausländische Menschen

in der DDR hätten in zugangsbeschränkten

Wohnheimen gewohnt

und seien nie in einen zwanglosen

Kontakt mit der Bevölkerung gekommen.

Emanzipatorische Bürgerbewegungen

habe es nicht gegeben,

die Einheitsgewerkschaft unterstützte

nur deutsche Arbeitskräfte.

Massimo Perinelli wies an dem

Abend auf eine Rhetorik hin, die es

zu brechen gelte, das Verharren auf

der Parteipolitik als alleinigem Gradmesser

für das Leben in der DDR. Es

gelte stattdessen zu betrachten, wie

DPA-ZB/HORST STURM

Menschen unmittelbar miteinander

umgingen –und welche Folgen damalige

gesellschaftliche Strukturen

bis heute für das Miteinander haben.

Unter den aktuellen Positionen

im Programm findet sich etwa die

Webdokumentation „Eigensinn im

Bruderland“ der Journalistin Julia

Oelkers, die sie gemeinsam mit dem

Sozialarbeiter Ibraimo Alberto vorstellte.

Alberto kam 1981 aus Mosambik

in die DDR und verschweigt

im Gespräch nicht die Anfeindungen,

die er dort erlebte. Als Boxer

wusste er sich zu wehren, nach dem

Mauerfall stand er für die untergehende

DDR dann beruflich im Ring.

Eine Schizophrenie, die Bilder allein

kaum einfangen können.

Im kuratierten Filmprogramm

des bi’bak sind deutschsprachige

Programme übrigens nicht selbstverständlich,

erst seit 2014 bringen

Can Mungu und Malve Lippmann

dortmit großer Genauigkeit postmigrantische

Perspektiven aus Kunst

und Kino ans Licht. Ihr Zugang zum

DDR-Thema fällt angenehm auf und

setzt sich am 14. November mit einer

Comiclesung von Birgit Weihe fort.

Es gibt auch eine weitere Filmrolle

mit Fernsehbeiträgen: Das Programm

„Einheit/Zerfall“ reflektiert

am 21. November die letzten Jahre

der DDR. Gesprächsgast ist dann die

Theologin Almuth Berger,die zu den

Mitbegründerinnen der Bewegung

„Frauenfür den Frieden“ zählte.

NACHRICHTEN

Kunsthistoriker Körner wird

Direktor der Pückler-Stiftung

DieStiftung Fürst-Pückler-Museum

Park und Schloss Branitz in Cottbus

hat ab dem kommenden Jahr mit

Kunsthistoriker Stefan Körner einen

neuen Direktor.Brandenburgs Kulturministerin

Martina Münch (SPD)

stellte ihn am Montag in Potsdam als

Nachfolger vonGertStreidt vor, der

in den Ruhestand geht. Im vergangenen

Jahr zählten Schloss und Park

Branitz etwa 300 000 Besucherinnen

und Besucher.Körner wurde 1978 in

Potsdam geboren und studierte unter

anderem Kunstgeschichte und

Publizistik. Von2004 bis 2009 war er

leitender Kustos der Sammlungen

der Fürsten Esterházy bei der

Esterházy Privatstiftung. Seit 2012 ist

er Leiter der Sparte „Orangerie-Ausgewählte

Objekte“ und Auktionator

des Kunst-Auktionshauses Grisebach

GmbH in Berlin. (dpa)

Die Ärzte gehen wieder

auf Deutschland-Tour

Nach sechs Jahren Pause gehen Die

Ärzte im kommenden Jahr wieder

auf Deutschlandtour.„Haben wir

euch gefehlt?! “–mit dieser Frage

kündigte die Band am Montag auf

ihrer Seite die Rückkehr an. DieTour

„IN THE äTONIGHT“ zum neuen Album

beginnt am 7. November 2020 –

und dauertbis Ende Dezember.Im

Osten stehen Leipzig (10.11.), Erfurt

(5.12.), Chemnitz (13.12.) und Berlin

(18.12.) auf dem Programm. (dpa)

Jean-Paul-Preis geht an

Ursula Krechel

DieLyrikerin und Romanautorin Ursula

Krechel erhält in diesem Jahr

den Jean-Paul-Preis des Freistaats

Bayern.Inihren Büchernschildere

sie die Anfangsjahreder Bundesrepublik

mit großer Empathie für die

Verleumdeten, die Geflohenen und

die Entrechteten. Ihre Literatur leiste

unverzichtbareErinnerungsarbeit,

begründete die Jury ihreEntscheidung.

Die71-Jährige,die in Berlin

lebt, soll die mit 15 000 Euro dotierte

Auszeichnung am 16. Dezember in

München erhalten. Krechel wurde

1947 in Trier geboren. Siestudierte

Germanistik, Theaterwissenschaften

und Kunstgeschichte. (dpa)

UNTERM

Strich

Unsere Lehrer

Deutsch:

Frau Möwe

VonKaroline Klemke

ImJahr 1991, jeden Donnerstag um sieben

Uhr inder Frühe, trafen wir uns zu einer

Doppelstunde Deutsch mit unserer anbetungswürdigen

Klassenlehrerin. Sie war

gerade vonder Universität gekommen und

trug zu dunklen Locken ein trauriges Porzellangesicht.

Siewar jung wie wir.Mit den

sehr schwierigen Dingen des Lebens beschäftigt

wie wir. Gerade lief ihre Scheidung,

ihr Ehemann war gewalttätig. Wir

verabscheuten ihn.

NADIA BUDDE

Doch wir hatten nicht nur mit persönlichen

Tragödien zu tun. Wirwaren frisch desillusionierte

Revolutionäre. Das Volk hatte

uns die Revolution soeben aus der Hand genommen,

der Sozialismus war baden gegangen,

kaum dass er aus den Händen der DDR-

Bonzen gerutscht war, und ein verachteter

Helmut Kohl hatte das Steuer einer Wiedervereinigung

übernommen, die keiner von

uns gewollt hatte. Halbwegs entsetzt waren

wir überrollt worden und fanden uns draußen

wieder.Der Trug jugendlicher Wirksamkeit

löste sich fast über Nacht auf.

Und zu allem Unglück organisierte ein

Schulrat, der sich später als Mitglied von

Scientology herausstellte und geschasst

wurde,unsereZusammenführung mit Westberliner

Schülern. Wir wollten durchaus

nicht zusammengeführt werden. Die Diskussionsrunde

wurde ein schweigendes Desaster.Für

uns waren sie die anderen. Siewaren

ordentlich gekleidet, sprachen in freier

Rede,traten mit geradem Rücken vordas Podium,

hielten Blickkontakt. „Sie haben gelernt,

sich zu verkaufen“, dachten wir und redeten

vorsichtshalber gar nicht. Dieanderen

werden uns für sprachlose Diktaturopfer gehalten

haben. Sie verstanden nichts. Denn

ihreWelt war ganz geblieben.

Frau Möwe stand an der Seite und

schwieg. Vorallem sagte sie nicht: „Nun sagt

doch endlich mal was, Kinder!“. Und dafür

waren wir dankbar. Essind die nicht gesagten

Sätzegelegentlich die wertvollsten.

In einer diesem Treffen folgenden

Deutschstunde lasen wir Borcherts Nachkriegsdrama

„Draußen vor der Tür“ in verteilten

Rollen: „Sehen Sie, Sie sind zu leise.

Mal ehrlich, einer von denen die ein bisschen

müde sind, ein bisschen weich, wie?

Das ist einer von denen, die mit einem kleinen

Knax nach Hause kommen, die kenne

ich.“ Aufden Straßen rotteten ausgeschlachtete

Trabis vorsich hin, Straßen wurden umbenannt,

Schilder ausgetauscht, Denkmale

abgebaut. Unddie DDR-Nazis der Endachtziger

tauchten wieder auf. Grölende,geschorene

Jungmännerhorden, die sich nachts

durch die Straßen soffen. Sieschändeten den

jüdischen Friedhof und brachten gelegentlich

Leute aus der Nachbarschaft um. Der

Kapitalismus brach sich durch unsere

grauen Häuserzeilen, die Stück für Stück in

Cremeweiß erstrahlten. Draußen vorder Tür.

Ichbesuchte einen der glitzernden Konsumtempel

am Kudamm, mir wurde übel vonall

den aufgestapelten Gerüchen, Waren und

Kunden. Ich rannte zum Ausgang mit dem

Gefühl, in einer goldenen Kloake gelandet zu

sein. Wir waren angeschossen −und die anderen

propper,satt und sicher.

Ich erinnere mich an die ungeheuere

WuchtderWörter,die Borchertfand.Wieunter

Faustschlägen schrumpfte unser Leiden

zu einem winzig kleinen Punkt zusammen.

Undwurde doch klar. Frau Möwe zeigte uns

in aller Herrgottsfrühe und ohne einWort der

Erklärung zu verlieren die rettende Kraft der

Kunst. Ichbin ihr bis heute dankbar dafür.


20 Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

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Feuilleton

Mehr als Vernunft: Mit neunzig Jahren legt Jürgen Habermas einen 1700-Seiten-Überblick über die Metaphysiken der Weltgeschichte vor.

Natürlich ist eine Tageszeitung

nicht der richtige

Ort für eine Auseinandersetzung

mit einer

mehr als 1700 Seiten umfassenden

Geschichte der Philosophie.Ich wäre

auch nicht in der Lage dazu. Hinzu

kommt: Es ist ein über viele Seiten

extrem schwieriges Buch. Erstens:

DerAutor verlangt solide Kenntnisse

in den Fachsprachen verschiedener

philosophischer Disziplinen derVergangenheit

und Gegenwart. Zweitens:

Die Argumentation spannt einen

Bogen über dreitausend Jahre,

und es kann einem leicht passieren,

dass man sich mitten in einem Kapitel

so verläuft, dass man nicht mehr

weiß, worauf das Ganzehinausläuft.

Drittens: Der Autor bewegt sich auf

einem ihm selbst immer wieder wegrutschenden

Terrain.

Dennoch muss über das Buch gesprochen

werden. Es ist eine Sensation.

Am 18. Juni wurde Jürgen Habermas

neunzig Jahrealt. Es gibt keinen

Autor, der in diesem Alter etwas

Vergleichbares vorgelegt hätte. Auf

diesen vielen Seiten nirgends auch

nur ein klitzekleines Anzeichen von

Müdigkeit. Der systematisierende

Zugriff hat dieselbe Kraft wie in den

Werken der vergangenen Jahrzehnte.

Man steht sprachlos vor einer

solchen Lebenskraft. Aber das

wäre nur ein Grund, einen Blick auf

die Bände zu werfen. Lohnt es sich

auch, sie zu lesen?

Eine überraschend schwierige

Frage. Bekennt Habermas doch

selbst, vieles bisher nur„systematisch

verarbeitet und gebraucht“, also gerade

nicht gelesen zu haben. Er lässt

sich in seinem neuen Buch nicht ein

auf die einzelnen „Werke“. Alle von

ihm herangezogenen Texte von den

Upanishaden bis zu Plotin, ja Augustin

werden abgeklopft auf ihren Lehrinhalt,

überspitzt könnte man sagen,

auf ihree Dogmatik. Diewirdreferiert,

in Beziehung gesetzt zu anderen Texten.

Die unterschiedlichen Darstellungsformen

spielen kaum eine Rolle.

Diewandernden Weisen wie Buddha

und Konfuzius, von denen nur überliefertist,

was sie ihren Schülernsagten,

stehen neben systematisierenden

Schreibathleten wie Thomas von

Aquin. Habermas vermittelt dem Leser

das Gefühl, an einer sich über

Jahrtausende hinziehenden Debatte

teilzuhaben.

Die Achsenzeit zwischen 800

v.u.Z. und 200 n.u.Z. interessiertihn,

weil damals zwischen China und

Griechenland von Konfuzius,

Buddha, den Propheten Israels, den

Vorsokratikern, Aristoteles und Plato

bis zum Neoplatonismus Metaphysiken

entworfen wurden. Götter und

Geister hatten zur Welt gehört. Die

neuen Philosophen stürzten sie vom

Thron, indem sie zum Beispiel eine

allumfassende Gottheit behaupteten,

die nicht von dieser Welt war.

Über das Transzendente lässt sich

nichts sagen. Dasmacht seine Qualität

aus. Etwas sagen kann man nur

über die Welt. Gleichzeitig aber sind

alle diese Metaphysiken sehr daran

interessiert, wie man zu der Erfahrung

des Ganz-Anderen kommt. Die

uns geläufigsten Ideen sind die der

Offenbarung und der Meditation.

Erstere verlangt nach einer autoritären

Hierarchie, nach „Glauben“ im

strengen Sinne. Die Meditation dagegen

behauptet, dass im Prinzip jedem

Einzelnen die Erfahrung des

Transzendenten offensteht. DiePropheten

lehrten einen eifersüchtigen

Gott. Kaum ein Gedanke lag Buddha

ferner.Außerdem erscheint dieTranszendenz

Jehovas neben der Buddhas

als eine Petit-Point-Stickerei.

Wie dieses Ganz-Andere zusammenhängt

mit der Welt, wird inden

Metaphysiken ganz unterschiedlich

gesehen. Die uns geläufigste ist die

der Schöpfungsgeschichten. In ihnen

geschieht die Entstehung der

Welt durch Anstöße von außen. In

den mythischen Geschichten

konnte ein Weltschöpfer zur Welt gehören.

Der logische Konflikt, in den

man dabei gerät, ist uns als der von

Henne und Ei bekannt. Er wirdgelöst

mit der Annahme eines gänzlich unbegreifbaren

Transzendenten, das

diese Welt nicht nur schuf, sondern

Die rettende

Wiedergeburt

Um das Verhältnis von Glauben

und Wissen geht es Jürgen Habermas

in seinem neuesten Buch.

VonArnoWidmann

IMAGO/SEELIGER

sich immer wieder in deren Abläufe

einmischt. Dieeigentliche Pointe der

Metaphysiken ist freilich, dass das

Transzendente von der Welt nicht

beeinflusst werden kann. Es gibt also

keine magischen Praktiken, die es

dem Menschen ermöglichen, das

Transzendente dazu zu bringen, zu

tun, was er will. Natürlich ist das eine

idealtypische Gegenüberstellung.

Wir alle wissen, dass Religion niemals

frei ist von magischen Vorstellungen.

Zum Glauben gehört wesentlich

der Glaube daran, dass er etwas

bewirkt bei der obersten Instanz.

Theologen haben zu allen

Zeiten über diesen Volksglauben gelächelt.

Aber er ist der Kern der Religion.

Durchihn wirddem Menschen

seine Hilflosigkeit genommen.

Interessant ist, dass Habermas,soweit

ich sehe, ankeiner Stelle über

Heraklits (520-460 v.u.Z.) Satz „Diese

Weltordnung, dieselbige für alle Wesen,

hat kein Gott und kein Mensch

geschaffen, sondern sie war immerdar“

schreibt. Dabei zeigt dieser Satz,

dass die von Habermas skizzierten

Metaphysiken von Anfang an Glauben

und Wissen zu versöhnen suchten.

Sie richteten sich damit gegen

Ansichten, die nicht bereit waren, das

Angebot der Metaphysik anzunehmen

und die Götter,die ja nichts waren

als vergrößerte Menschenbilder,

einzutauschen gegen die Idee einer –

sagen wir so –absoluten Transzendenz.

Der Satz Heraklits zeigt: Schon

die Metaphysiken entstanden gegen

sogenannte „nachmetaphysische“

Auffassungen.

Am Ende seines Buches schreibt

Habermas: „Die säkulare Moderne

hat sich aus guten Gründen vom

Transzendenten abgewendet, aber

die Vernunft würde mit dem Verschwinden

jeden Gedankens, der

das in der Welt Seiende im Ganzen

transzendiert, selber verkümmern.“

Dasist eine aus der klassischen Kritischen

Theorie vertraute Volte. Sie

steht da als ein Warnschild. DieVernunft,

die glaubt, sie wäre ganz und

gar vernünftig, ist keine. Die Spannung

von Glauben und Wissen besteht

immer.Allerdings verändertsie

fortwährend sich und die beiden.

In den 30er-Jahren wurde berechnet,

dass die Gravitationswirkung der

sichtbaren Materie nicht ausreiche,

um Galaxienhaufen zusammenzuhalten.

Also postulierte man eine unbekannte

dunkle Materie. Heute gibt

es Wissenschaftler, die davon ausgehen,

dass unsereatomareWelt nur 4,6

Prozent ausmache,von dem„was der

Fall ist“, die Dunkle Energie 72 und

die Dunkle Materie 23 Prozent. Man

liest diese Zahlen, fragt nach den fehlenden

0,4 Prozent und denkt: Wie

recht die Metaphysiker hatten, davon

auszugehen, dass die Transzendenz

unendlich viel größer sei als unsere

Welt. Aber in Wahrheit hat sich ja

nichts Transzendentes offenbart,

sonderndieWelt ist größer geworden.

Diese Vergrößerung der Welt ist

ein Produkt der Arbeit der Nachmetaphysiker.

Wie auch die Frage, ob

man nicht doch auch ohne die Postulierung

von Dunkler Materie und

Dunkler Energie erklären könnte,

was ist. Eine Frage vonGlauben und

Wissen? Dergleichen spielt bei Habermas

keine Rolle. Zufast keinem

Zeitpunkt seines „kursorischen

Durchgangs“. An manchen Stellen

spricht Habermas −befreit von Systematik

und Historie −wie mitten

hinein in den Jahrestag des 9. November

1989: „Die Erneuerung einer

versöhnenden Balance zwischen

den entzweiten Teilen und dem desintegrierten

Ganzen lässt sich nicht

einfach diktieren; sie kann nur vorübergehend

durch die enthusiastische

Verschmelzung vieler Einzelner

gelingen …Auch im ambivalent erfahrenen

schöpferischen Prozess der

Zerstörung und Erneuerung von

Identitäten stellt die Gesellschaft an

der Schwelle des Untergangs einer

alten Identität die rettende Wiedergeburt

nur in der Gestalt einer

neuen, aber noch unbestimmten

Identität in Aussicht.“

Jürgen Habermas:Auch eine Geschichte der

Philosophie SuhrkampVerlag,Berlin 2019, 1752

Seiten, Leinen 98 Euro,Taschenbuch 58 Euro.

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Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 21 **

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Feuilleton

Altkluge

Altberliner

Atze

Fil sorgt für Lachkrämpfe

im Mehringhoftheater

VonTorsten Wahl

Hilfe, ich kann nicht mehr!“ ruft

eine Frau im Publikum. Nicht

nur sie hat Bauchkrämpfe vor Lachen,

die Tränen fließen, dass die

Brillen von innen beschlagen. Der

TypimBasecap erklärt trocken, wer

zu einem humoristischen Vortrag

komme,müsse die körperlichen Folgen

aushalten können. Unter dem

Nonsensmotto „Die Expertise war

bedeutend höher“ spielt Philipp Tägert,

bekannt als Fil, sein neues Programm

in seinem Stammhaus, dem

Mehringhoftheater.

Wie gewohnt kokettiert erdamit,

dass sein Vortrag imLauf der Wochen

immer besser werde. Dabei ist

ja die Perfektion etwas, was man

vom Multitalent Fil, dem Comiczeichner

und Comedian, am wenigsten

erwartet. Vielmehr wird er für

seine scheinbar verspielte Art geliebt,

vom Hundertsten ins Tausendste

zu kommen und Gags ganz

unvermittelt vonhinten abzufeuern.

DerKerl, der so jungenhaft dahererzählt,

ist nun auch schon 53 –und

fragt sich, wie lange er noch von der

Generation Greta als einer der ihren

akzeptiert wird. Dabei hat er längst

Töchter, die er natürlich nicht zu

„Mädchen“ erziehen will, den das

Wort stamme ja von„mad“ ab.Doch

anders als viele Kollegen macht er

aus seiner Vaterschaft kein Programm,

sondernist immer noch der

verpeilte Punk aus dem Märkischen

Viertel, der „NoFuture“ auf seine Lederjacke

schrieb –und sich wundert,

warum nun die Gegenwart gerettet

werden soll. Mit dem Zeitreise-Phänomen

spielt er überhaupt gern, sogar

bei einem aktuellen Thema wie

den E-Rollern, die er in einem Song

mit Dingen vergleicht, die mal hip

waren, aber längst überholt sind, wie

der Bubble-Tee, das Tamagotchi

oder der Männerdutt.

Der Lachpegel im Saal sinkt nur,

als er mit derselben Verspieltheit ein

heikles Thema anpackt, den Umgang

mit den ganz Rechten. So hat er

für die AfD einen Reggae parat –

denn es sei die einzige Partei, deren

Der Kerl,der so jungenhaft dahererzählt,

ist nun auch schon 53: Fil. DANIEL PORSDORF

Buchstaben aus Akkorden besteht.

Unter dem Motto „Vom Gutmensch

zum Herrenmensch“ spricht er Nazis

direkt an. Doch sein kumpelhaften

Aufruf „Nazischweine,lasst mich

nicht alleine“ ist ja ohnehin nicht an

die Adressaten gerichtet.

Als Sänger überzeugt er mit einer

Persiflage auf die Autotune-Manie im

HipHop. Mit tiefgelegter Stimme

macht er sich über Gangsterrapper

und deren „negative Grundstimmung“

lustig, mit hochgetunter

Stimme spielt er eine altkluge Altberliner

Atze. Inden Liebesliedern beschreibt

er sein Außenseitertum als

Heterosexueller,balzt um ein queeres

Mädchen und verspricht ihr, die

Gendersternchen vom Himmel zu

holen. Fillegt bis heute Wert auf sein

Außenseitertum. Dabei spielt er

längst in einer Liga mit Rainald

Grebe, Funny van Dannen oder

Helge Schneider.

Fil bis23.11., Mi-Sa, im Mehringhoftheater,im

Januar Do–Sa

Die Vorschreiberin

Wieaus Leben Text wird: Doris Dörries neues Buch ist ein autobiografisches Literaturseminar

VonChristina Bylow

Eigentlich müsste man jetzt

drauflosschreiben, ohne

nachzudenken, zehn Minuten,

ohne zu korrigieren,

egal was, aber auf jeden Fall von

Hand, denn „die Hand“, schreibt DorisDörrie,„sind

wir selbst, die direkte

Verbindung vonunserem Kopf in die

Hand ist die Handschrift.“ Das ist einer

der apodiktischen Sätze, die Dörrie

inihrem jüngsten Buch „Leben,

Schreiben, Atmen“ festhält. Ja, esist

so: Papier und Stift lösen etwas aus,

und bei manchen sind das nicht nur

Notizen, sondern gleich Konvolute,

die im besten Fall abgetippt werden.

Aber warum muss man daraus eine

Regel machen? Sind dann im Umkehrschluss

Werke, die mit Hilfe der

Schreibmaschine oder des Computers

gefertigt wurden, ohne „direkte

Verbindung zum Kopf“ entstanden?

Befehlston

Doris Dörrie, überaus erfolgreich als

Geschichtenerzählerin in ihren Filmen

und Texten, hat in ihrem jüngsten

Buch einen Hang zum Imperativ,

auch wenn sie ihre Ratschläge nicht

immer mit Ausrufungszeichen versieht,

wie etwa diesen:„Aber nicht abwaschen

statt schreiben!“ Ihre„Einladung

zum Schreiben“, wie es im Untertitel

heißt, kommt in den Passagen,

in denen sie zum Schreiben auffordert,

in kumpelhaftem, aber dezidiertem

Befehlston daher, die Leser werden

dabei vertraulich geduzt.

Seit vielen Jahren unterrichtet Doris

Dörrie Schreiben an der Hochschule

für Film und Fernsehen in

München „CreativeWriting“, ein Etikett,

das sie nicht mag, sei doch jedes

Schreiben kreativ.Längst tourtsie mit

ihrem „Werkzeugkasten“ des Schreibens,

wie sie sagt, um die Welt, gibt

Schreibseminare in Mexiko, wo sie

zwar nicht immer alles versteht, aber

wie produktiv dieses Nicht-Verstehen

sein kann, hat sie ja auch mit ihren in

Japan gedrehten Filmen bewiesen.

Innerhalb vonzehn Minuten, sagt sie

in einem Interview auf der diesjährigen

Buchmesse,könne sie jemanden

zum Schreiben bringen, allerdings

müsse man ihre Regeln befolgen. Als

Hauptregel gilt: Schau genau hin! Erinnere

dich! An alles! Vorallem an

dich selbst in allem, was du erlebt und

gesehen hast, von der Wohnung deiner

Kindheit bis hin zu den Orten von

TodundVerlust.

All das, was Dörries Werk durchzieht,

findet auch hier seinen Niederschlag:

Die Furcht vor Peinlichkeit

und Nichtgefallen, der Popanz des Erfolgs,die

Brüchigkeit vonBindungen,

die Hoffnung auf Trost, der mal in einer

Religion, mal in einer Therapie

gesucht wird. Doris Dörrie stellt sich Doris Dörrie holt sich schreibend die Zeit zurück. IMAGO/ASTRID SCHMIDHUBER

VonNikolaus Bernau

Das Bürodes britischen Architekten

David Chipperfield sollte in

Shanghai ein Museum entwerfen, bei

dem noch vollkommen unklar war,

was es denn zeigen könnte.Von Kunst

bis Automobilen war alles möglich.

Drei Kuben sind es geworden, nicht

besonders aufregend. Jetzt erhielten

sie mit dem Einzug des Centre Pompidou

ihreerste Füllung.

Selbstkontrolle

Schaufenster mit Sprung

Das neue Centre Pompidou in Shanghai eröffnete mit einem Zensurfall

Für vorerst fünf Jahre eröffnet das

bereits in Metz, Malaga und Brüssel

vertretene Pariser Museum nun in

der chinesischem Metropole eine

weitere Filiale. 100 Kunstwerke sind

zu sehen, großteils europäische und

nordamerikanische Klassische Moderne,

aber auch neuere Werke chinesischer

Künstler. Doch die Eröffnung

wurde von einem Zensurfall

überschattet: Der Direktor des CentrePompidou

SergeLasvignes hat offiziell

zugegeben, dass fünf Kunstwerke

auf Ansinnen der chinesischen

Behörden zurückgezogen

wurden. Er sieht das leger, kenne ja

die „Gesetze des Landes“: „Aber ich

hatte hier die Freiheit zu tun, was ich

wollte und was ich in Frankreich

auch gemacht hätte.“ Und das ist

mindestens ein Selbstbetrug.

Zum einen, weil sich das Centre

Pompidou die Ausstellung regelrecht

abkaufen lässt: Ewig klamm, ist

es auf die 2,8 Millionen Euro Leihgebühr

durchaus angewiesen, die

Shanghai zahlt. Und Lasvignes

musste genau in dem kunst- und

kulturpolitischen Rahmen agieren,

den die Kommunistische Partei in

China vorschreibt. Dieser Rahmen

aber wird, wie seit einigen Jahren beobachtet

wird, unter der Herrschaft

vonXiJipeng immer enger gezogen.

In China sind Museen keineswegs

frei. Siesollen auch nicht, wie man in

Europa, Nord-und Südamerika oder

Japan als selbstverständlich voraussetzt,

die Menschen zum selbstständigen

Denken und Tunanregen. Das

kann man beim Besuch auch nur eines

Bruchteils der angeblich etwa

5000 Museen erleben, die es derzeit

in dem Riesenland geben soll.

Egal ob es um Natur-, Medizin-,

Technik-, Kultur- und Kunstgeschichte,

umArchäologie oder moderne

Kunst geht: Museen sind in

China vor allem Instrumente, die

den Machtanspruch der Kommunistischen

Partei und sein neuestes

Fundament, einen überbordenden

Nationalismus, befestigen sollen.

China muss immer an erster und

herausragender Stelle stehen.

Zwar ist in Erinnerung zu rufen:

Auch die alte Bundesrepublik unter

Brand, Schmidt und Kohl ging so

manche Kompromisse ein, um in

der DDR, in Polen oder der einstigen

Sowjetunion kulturelle Schaufenster

schreibwillige Leserinnen und Leser

offenbar ein wenig so vor, wie viele ihrer

Figuren: Gehindert am eigenen

Leben, das nur im Geheimen gedeihen

kann, wie es Trudi Angermeier –

unvergessen Hannelore Elsner – in

Dörries Film „Kirschblüten Hanami“

mit ihrer Leidenschaft für den japanischen

Butoh-Tanz erging.

Nur sokann die Liste von Hinderungssätzen

verstanden werden, die

Dörrie anfangs als innereStimme des

Schreibgehemmten benennt: „1: Ich

bin zu blöd. 2: Ichbin zu uninspiriert.

(…) 4: Mein Leben ist nicht interessant

genug. (…) 11: Waswird meine

Mutter sagen, wenn sie das liest.“ Es

sind diese eingeübten Selbstbezichtigungen,

die Dörrie mit sanftem

Druck aushebeln will. Warum, das

schreibt sie gegen Ende des Buchs:

„Überall sind kleine Zeit- und Wartefenster

versteckt, die wir inzwischen

meist mit Daddeln auf dem Handy

verbringen. Stattdessen zu schreiben

ist eine Art Ermächtigung: Man holt

sich die Zeit zurück. Verpasst sein eigenes

Leben nicht mehr.“

Wohlbefinden

Ob dabei Literatur entstehe oder ob

das eher Therapie sei, wurde Dörrie

auf der Buchmesse gefragt. Dem ist

sie clever, aber auch vielsagend ausgewichen:

„Ich fühle mich einfach

privilegiert, weil ich diesen Raum

habe,inden ich gehen kann …und in

diesem Augenblick, wo man in diesem

Raum ist, ist man in Sicherheit.“

Immer geht es ums eigene Befinden,

um die eigene Angst, das ist der Unterton

der kursiv gedruckten Anrede

an die Leser, die Schreiber werden

wollen. Nichts von Rhythmus, Ton,

Klang, vomLesen selbst.

Traurig bliebe dieses Buch, wären

da nicht die wundersamen Prosastücke,die

Doris Dörries Leben reflektieren,

glänzend in ihrer Bildhaftigkeit

und vorbildlich in ihrer Ökonomie.

Sie folgen der Chronologie des Lebens,

von der frühen Kindheit der

Arzttochter aus Hannover bis hin zu

Dreharbeiten in der verseuchten Erde

von Fukushima. Sie zaubert diskrete

Porträts ihrer Eltern und ihrer Männer

hin, erinnert an gestorbene

Freunde und Freundinnen und ihre

nicht immer mutige Haltung in

schwierigen Zeiten der anderen. Ergreifend

ist die kleine Erzählung„Kindermuseum“,

in der sie das Drama einer

lange erfolglosen Sängerin in wenigen

Sätzen umreißt. Am Ende

bleibt diese ruhige, nachdenkliche

Stimme, fast wie die Gegenspielerin

zur Schreibdiktatorin, die Dorries

Dörrie gewiss nur spielt.

Doris Dörrie: Leben, Schreiben,Atmen.

Eine Einladung zum Schreiben,

Diogenes2019, 18 Euro

zu eröffnen. Sie waren immer zugleich

auch Löcher im Eisernen Vorhang.

Etwa mit den Goethe-Instituten.

Oder mit der Sammlung Ludwig

im Ost-Berliner Alten Museum. Auch

dort durfte seit 1982 nicht jedes

Kunstwerk gezeigt werden. Doch

wurden solche Einschränkungen

immer informell ausgehandelt.

Unterwerfung

In Shanghai aber wurde die Zensur

öffentlich. Und der französische

Präsident Macron musste dennoch,

schon aus protokollarischen Gründen,

das Museum eröffnen und damit

die Unterwerfung des Centre

Pompidou unter den Machtanspruch

der Kommunistischen Partei

quasi beurkunden. Dievon Macron

sooft beschworenen europäischen

Werte, zu denen auch die

Freiheit der Kunst und der Museen

gehört, standen wieder einmal

hintan in China.

NACHRICHTEN

Simon-Wiesenthal-Zentrum

ehrtdeutsche Journalistin

Diedeutsche Journalistin und AutorinSouad

Mekhennet (41) wirdvom

US-amerikanischen Simon-Wiesenthal-Zentrum

geehrt. Diejüdische

Menschenrechtsorganisation teilte

am Montag mit, Mekhennet werde

am 14. Januar im Museum für Toleranz

in Los Angeles mit dem International

Leadership Awardausgezeichnet.

Damit werdeunter anderem

Mekhennets Berichterstattung über

den Arabischen Frühling und über

islamistischen Terrorismus gewürdigt.

Mekhennet sei zudem die erste

Person mit muslimischen Wurzeln,

die eine zentrale Rolle bei der Suche

nach einem NS-Kriegsverbrecher

gespielt habe. (dpa)

Großbritannien restituiert

buddhistische Skulpturen

Knapp zwei Jahrzehnte nach der

Zerstörung und Plünderung buddhistischer

Kulturgüter durch die Taliban

gibt Großbritannien mehrere

Skulpturen an Afghanistan zurück.

DieArtefakte waren bereits im Jahr

2002 am Flughafen London Heathrowbeschlagnahmt

worden, konnten

aber wegen des anhaltenden

Konflikts in dem Land bisher nicht

zurückgebracht werden, wie Scotland

Yard am Montag mitteilte.Die

neun Bodhisattva-Köpfe und eine

Figur sollen bis Ende Dezember

noch im British Museum zu sehen

sein. DieGipsarbeiten stammen aus

dem 4. bis 6. Jahrhundertnach

Christus,einer Zeit, als das heutige

Afghanistan mehrheitlich buddhistisch

geprägt war. (dpa)

Cat Stevens kommt für zwei

Konzerte nach Deutschland

Derbritische Singer/Songwriter Cat

Stevens („Morning HasBroken“) hat

zwei Open-Air-Konzerte für

Deutschland angekündigt. Im kommenden

Jahr will der seit seinem

Übertritt zum Islam auch als Yusuf

Islam agierende Musiker in der Zitadelle

Spandau in Berlin (24.7.) und

dem Hamburger Stadtpark(26.7.)

spielen. Zuletzt war der 71-Jährige

nach Angaben seiner Agentur vor

fünf Jahren in Deutschland aufgetreten.

Für die Konzerte sind auch Erfolgstitel

wie „Father &Son“, „Wild

World“ oder „The First CutIsthe

Deepest“ angekündigt. (dpa)

Conchita Wurst

verteidigt Heidi Klum

Heidi Klum (46) ist ab Donnerstag als

Jurorinander Seite vonBill Kaulitz

(30) und Conchita Wurst (31) bei der

neuen ProSieben-Show„Queen of

Drags“ zu sehen −und wurde dafür

vorabkritisiert. Conchita Wurst, hinter

der der Künstler TomNeuwirth

steckt, kann die Kritik nicht ganz

nachvollziehen. „Ich nehme diese

Chance wahr,umdie Dragthematik

in den Mainstream zu bringen, und

finde,dass Heidi, auch wenn sie

nicht aus dieser Szene kommt, eine

absolute Berechtigung hat, eine Performance

zu beurteilen“, sagte Neuwirth

Zeit Online. (dpa)

TOP 10

Sonntag,10. November

1 Tatort ARD 8,54 24 %

2 Tagesschau ARD 6,77 20 %

3 Terra X ZDF 4,41 13 %

4 IngaLindström ZDF 4,07 11 %

5 heute-journal ZDF 3,98 13 %

6 heute ZDF 3,88 13 %

7 RTL aktuell RTL 3,73 13 %

8 Berlin direkt ZDF 3,64 12 %

9 Anne Will ARD 3,05 11 %

10 Bauer sucht Frau RTL 2,91 9%

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Ost (& 44 03 91 68)

19.00: No Limits: Die Frühwirts (Mezzanin Theater,

Graz)

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Othello

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: Zeiten des Aufruhrs

Eschschloraque Rümschrümp (RosenthalerStr.39)

22.00: Bande àPart–Tanzbare Veranstaltung für

Außenseiter:Inside Out apiece

HAU1(&25 90 04 27)

19.00: No Limits: Marat/Sade (Monster Truck &

Schauspielhaus Bochum)

HAU2(&25 90 04 27)

18.00, 21.00: No Limits: Exposure (JoBannon)

20.30: No Limits: Ashed (Unmute Dance Company)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: 4. Berliner Herbstsalon: Der Russe ist einer,

der Birken liebt

Palais am Festungsgraben (Am Festungsgraben 1)

18.00: 4. Berliner Herbstsalon: Lebensdorn

Heilanstalten Haus 2(Maxim Gorki Theater –Ender/

Kolosko)

Prachtwerk Berlin (Ganghoferstr.2)

20.00: Opera on Tap

Schaubühne (& 89 00 23)

19.30 Studio: The Human Condition

20.00: status quo

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Scotty (Oranienstr.46)

16.00: 4. Berliner Herbstsalon –DE-Heimatize it!:

Atem (Mehtap Baydu)

Sophiensaele (& 283 52 66)

20.00 Hochzeitssaal: FanDeEllas (Catalina Fernández,

Juliana Piquero, Alex Viteri)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Ruhm

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Die 5glorreichen Sieben

BKA (& 202 20 07)

20.00: Nachgelacht (Sisters of Comedy)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: 8Songs (Gastspiel Gandini Juggling,London)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Zirkus Angela

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: Hauptsache nichts mit Menschen (Paul

Bokowski)

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

19.30: IngoAppelt –Solo-Special

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Jüdische Kulturtage: Lerne Lachen ohne zu

weinen III

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: So, als ob du schwebtest (Ursli &Toni Pfister

als Cindy&Bert)

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Früher war ich älter(Horst Evers)

KLASSIK

BKA (& 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Jesuskirche Kaulsdorf (& 567 72 33)

20.00: Kath. Kirchenchor St. Konrad Falkenberg,

Ev.Kirchenchor Ahrensfelde, Camerata musica

Ahrensfelde, Solist*innen, Ltg.Lothar Kirchbaum, Den

Frieden sollt ihr wieein Licht beschirmen, J.S. Bach:

Kantaten „Ein ungefärbt Gemüte“, „Allein zu dir,Herr

Jesu Christ“; J.F. Fasch: KonzertD-Dur für Trompete

&Orchester;F.Mendelssohn: Kantate „Verleih uns

Frieden“; R. Führer:Dapacem Domineu.a.

Philharmonie (& 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Xavier Aymonod (Klavier), Lunchkonzert,

Bach: Fantasie und Fugec-Moll; Brahms: Sechs Klavierstückeop.

118; Dutilleux: Klaviersonate 3. Satz,

Choral und Variationen; Horowitz/Bizet: Variationen

über ein Thema aus BizetsOper „Carmen“

20.00: Staatskapelle Berlin, Ltg.Daniel Barenboim,

Lisa Batiashvili (Violine), Christian Schmitt (Orgel),

Camille Saint-Saëns: Konzertfür Violine undOrchester

Nr.3h-Moll op. 61, Symphonie Nr.3c-Moll op.

78 „Orgelsymphonie“

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

20.00: Deutsches Kammerorchester Berlin, Ltg.

Gabriel Adorján, Liv Migdal (Violine), Paul Ben-Haim:

Concerto für Streicher op. 40, Drei Lieder ohne Worte

op. 45; KarlAmadeus Hartmann: „Concerto funebre“

für Violine und Streicher;MieczyslawWeinberg:

Kammersymphonie Nr.3op. 151

St. Matthias-Kirche Schöneberg (& 216 30 57)

20.30: Felix Hielscher (Orgel), Kirchenmusik-Master

zum Kirchenmusik-Herbst, Werkevon Oskar Lindberg,

Oreste Ravanello, André Isoir,Max Reger

Theater im Delphi (& 70 12 80 20)

19.30: lautten compagney, :lounge–BabyIt’sCold

Outside, Fusion aus Barock und aktueller Popmusik

KINDER

Archenhold-Sternwarte (& 536 06 37 19)

10.15: Besuch im Sternenhaus

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00: Nur wir alle,TheaterFusion (ab 4J.)

10.30: Die Ministerpräsidentin (ab 9J.)

Brotfabrik (& 471 40 01)

10.00: Aufder Suche nach der Dunkelheit, Kathrin

Brunner

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab8J.)

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Piraten, Piraten (ab 4bis 10 J.)

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

11.00: Der kleine König Dezember(ab 6J.)

FELD –Theater für Kinder und Erwachsene

(& 54 08 69 48) 10.00: Die Wortfängerin, Theater

7Schuh, Erzähltheater (ab 5J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

10.30: PippiLangstrumpf (ab 5bis 11 J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

Fliegendes Theater (& 692 21 00)

16.00: Schiffchens große Fahrt, Schatten- &Figurentheater

(ab4bis9J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

10.00: Schnubbel (ab 6J.)

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Die Eichhörnchen Story, Theater Jaro, Puppenund

Schauspiel (ab 3bis 8J.)

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

11.00: Teenagers In Trouble, Platypus Theater,English

Children’sTheatre (ab 11 J.). Anm. erf.

Lesung

Sieben

aus

Sonnenstein

Den Untertitel kann man

schon einmal lieben,

auch wenn die Sache ernst ist:

Als „sieben hysterische Akte“

kategorisiert die Berliner Dramatikerin

Tine Rahel Völcker

ihr Stück „Frauen in der Unterwelt“,

dessen Uraufführung

am 7. Dezember im Ballhaus

Ostsie auch –ihreerste Regiearbeit!

–selbst inszeniert. Im

Rahmen des 4. Herbstsalons

stellt sie das Stück als Lesung

im Gorki-Theater vor. Die sieben

Akte handeln von sieben

Frauen, die in der Zeit des Nationalsozialismus

als psychisch

oder seelisch Kranke in

der früheren Heil- und Pflegeanstalt

Pirna-Sonnenstein in

Sachsen vergast wurden. Völcker

zeigt sie als Frauen, die

gegen ihre gesellschaftlichen

Grenzen rebellierten und gebrochen

wurden und sucht

mit einem „weiblich-queeren

Ensemble“ eine „neue Perspektive

auf die ,hysterische’

Frau“. PetraKohse

Frauen derUnterwelt,18Uhr,Gorki-

Theater,AmFestungsgraben

Und welche Macke hast du?

Live in Concert: Seltsam riechende Klänge aus den Schlafzimmern und

Garagen der Welt, dazu Gegartes aus dem präparierten Klavier.

Bradford Cox von der Band Deerhunter,die beim Synästhesie-Festival auftreten.

Zum fünften Mal richtet das

Berliner Label mit Clubbar

8mm sein Synästhesie-Festival

aus.Wenn mich die Erinnerung

nicht täuscht, hatte man

sich ursprünglich Krautrockiges aller

Art auf die Fahnen geschrieben.

Mittlerweile haben sie den Horizont

aufs weite Feld der Psychedelia erweitert.

Eindurchaus naheliegender

Schritt, denn bei Synästhesie −die

Kopplung eigentlich getrennter Formen

sinnlicher Wahrnehmung im

Gehirn −handelt es sich einerseits

um eine, scheint’s, genetisch bedingte

Eigenschaft. Wem es aber

nicht vonder Natur gegeben ist, etwa

Klänge als Farben oder Temperatur

zu erleben, der kann das als

Symptom durch den Gebrauch von

halluzinogenen Drogen erzeugen.

Dieser wiederum begründete bekanntlich

in den Sechzigerndie psychedelische

Tradition im Rock.Voilà.

Das Line-up finde ich in diesem

Sinne vorbildlich. Unter den gut 20

Acts finden sich weitgereiste Nachwuchskräfte

wie die Trance-Noiseler

Tengger aus Seoul oder Stylish Nonsense

aus Bangkok mit einer undurchsichtig

verquietschten Elektro-

Thaipop-Melange. Aber auch Berlin-

Residenten wie Sofia Portanet mit ihrem

Post-Punk zwischen Siouxie,

Nico und Alexandraoder die schmurgelnde

Grunge-Girlgroup Jealous,die

auf dem Baby-Satan-Label gerade

ihre Debüt-EP namens „What’s Your

Damage?“ −„Welchen Schaden hast

du?“− veröffentlicht haben.

Eine gute Frage,die man auch gestandenen

Praktikern wie den verrumpelten

Garagentypen Black Lips

aus Atlanta, Georgia, stellen könnte.

Sie haben sich seit 1999 jenseits eines

recht zügellosen und körperflüssigen

Live-Treibens sowohl punkrockend

wie auch countryaffin und

balladisch betätigt. Zwischendurch

versuchten sowohl Mark Ronson

(der u.a. Amy Winehouse zum

Durchbruch verholfen hat), als auch

Pat Carney (Drummer der Black

Keys) vergeblich,sie aus dem Underground

zu holen.

Seriöser arbeitet Bradford Cox

mit Deerhunter (auch aus Atlanta)

seit zehn Jahren an einem fragilen,

verwaschenen und pessimistischen

Dreampop. Sein aktuelles Album,

das achte, ist, finde ich, eins der gelungensten

Beispiele für seine geis-

Markus Schneider

schnuppert in diepsychedelischen

Garküchen vonu.a. Black Lips,

Deerhunter und Stereolab auf dem

Synästhesie-Festival in der Kulturbrauerei

und empfiehlt die unruhig bewölkten

Ambientimprovisationen Arnold Kasars.

Dazu: Musikhäppchen im Popsalon.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (& 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Lara 15.00,

17.30; Parasite 20.00

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Lara 20.00, 20.30;

Parasite 14.40, 17.30; Das perfekte Geheimnis

13.30, 16.15, 19.00, 21.40; Verteidiger des Glaubens

–Defender of the Faith 13.50; 2040 –Wir

retten die Welt! 16.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.10, 21.00; Systemsprenger 14.00,

16.40; Deutschstunde 15.15, 19.20; Parasite –

Gisaengchung (OmenglU) 22.00; Marianne &Leonard

–Words ofLove (OmU) 14.00; Joker (OmU)

17.15, 20.45; Das Kapital im 21. Jahrhundert

14.50;Der Glanz derUnsichtbaren16.15;Downton

Abbey (OmU) 18.40; Joker (OF) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53) ImNiemandsland

17.00; Happy Ending –70ist das neue 70 18.45;

DasWunder von Marseille 20.30; Ich war noch niemals

in NewYork 17.30; Deutschstunde 20.00

Kant Kino (& 319 9866) Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.45, 20.30; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.40; Joker 17.20, 20.00; Eshätte

schlimmer kommen können –Mario Adorf 17.40;

Zoros Solo 15.15, 20.00; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 15.00; Ich war noch niemals in

New York 17.15, 20.00; Nurejew –The White Crow

14.30,17.20, 20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 2966) Atmos: Das perfekte

Geheimnis 14.30, 20.10; Joker (OF) 17.15;

Joker 23.00; Die Addams Family 15.00; Das perfekte

Geheimnis 17.30, 23.10; Joker 20.20; Maleficent:

Mächteder Finsternis 15.00; Derletzte Bulle

17.45,20.15, 22.50; Der letzte Bulle 15.15; Once

Upon aTime in... Hollywood 22.50; Ich war noch

niemals in New York 14.15; Terminator –Dark Fate

17.10, 20.00, 23.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.00; Maleficent: Mächte der Finsternis

17.00, 19.45,22.30; Ad Astra –Zuden Sternen

14.45;Die Addams Family17.30; Ich warnoch niemals

in NewYork 19.45; Joker (OF) 22.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Parasite

11.00;Datsche(DFmenglU) 13.15;The DeadDon‘t

Die (OmU) 14.45; Shaun dasSchaf: DerFilm: UFO-

Alarm 16.30; 2040 –Wir retten die Welt! (OmU)

18.00; Parasite – Gisaengchung (OmU) 19.40;

Midsommar (OmU) 21.50; Born inEvin –Alles über

Evin (OmU) 11.00; Memory Games (OmU) 12.45;

Djon Africa (OmU) 14.15; Deutschstunde 15.50;Im

Niemandsland (DFmenglU) 18.00; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.40; Ama-San (OmU) 11.00; Nurejew

–The White Crow (OmU) 13.00; M. C. Escher:

Reise in die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige

zoeken: Journey Into Infinity (OmU) 15.10; After the

Wedding (OmU) 16.35; The Report (OmU) 18.30;

Joker (OmU) 20.30, 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 8129) Das Kapital im

21.Jahrhundert–Capital in theTwenty-FirstCentury

(OmU) 14.00; Systemsprenger (OmenglU) 16.00;

2040 –Wir retten die Welt! (OmU) 18.15; Joker

(OmU) 20.00; Parasite – Gisaengchung (OmU)

22.15; Über Grenzen –Der Film einer langen Reise

14.00; Und der Zukunft zugewandt 16.15; Verteidiger

des Glaubens –Defender of the Faith 18.15;

Frau Stern20.00;M.C.Escher: Reiseindie Unendlichkeit

–Escher:Het oneindige zoeken: JourneyInto

Infinity (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Angry Birds 2: Der

Film 13.45, 16.45; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00; Das perfekte Geheimnis 14.00,

16.30, 17.00, 19.10, 19.30, 20.00; Joker 14.10,

17.10, 20.00, 20.40; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.20; IMAX 3D: Der König der Löwen

14.20; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.20, 18.00; Dora und die goldene Stadt 14.30;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45, 17.40;

Ballon 14.45; Gemini Man 15.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 15.00; Invisible Sue –Plötzlich

unsichtbar 15.15; Die Addams Family 15.15; Midway

–Für die Freiheit 16.15, 19.40; Das Wunder

vonMarseille 16.15, 21.00; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.10, 20.30; 3D: Die Addams Family

17.30; Gut gegen Nordwind 17.45; Ich war noch

niemals in New York 17.50; Spider-Man: Far From

Home 18.00; Joker (OF) 19.15; Zombieland 2:

Doppelt hält besser –Zombieland 2: Double Trap

(OF) 19.40;Terminator –Dark Fate 20.10; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.40; Halloween

Haunt 21.00

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Joker (OmU) 20.20,22.40; Berlin

Bouncer (OmenglU) 18.00; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 19.45; Easy Love

(OmenglU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Dora und die goldene

Stadt 13.30; Angry Birds 2: Der Film 13.40;

Recep Ivedik VI (OmU) 13.50, 17.10, 20.10; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Bayala –

Das magische Elfenabenteuer 14.10, 17.20;

Die Addams Family 14.15, 16.50; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.20; Ich war noch niemals in

New York 16.30, 19.45; Joker 16.40, 19.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.15; Terminator –

Dark Fate 19.30; Scary Stories to Tell in the Dark

19.40; 3D: Maleficent: Mächte derFinsternis 20.10

Kino Kiste (& 998 74 81) Lieber Antoine als gar

keinen Ärger 14.00; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

16.00; Deutschstunde 17.40; Eine

ganz heiße Nummer 2.0 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) Das letzte

Mahl 10.30; DasperfekteGeheimnis 14.15, 16.50,

19.50; Der König der Löwen 14.20; Angry Birds 2:

Der Film 14.20; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30, 17.40, 20.20; Die Addams Family 14.30,

17.30; Ich war noch niemals in New York 14.40,

17.20, 19.40; Der letzte Bulle 14.50, 17.15,

20.15; Unsere Lehrerin, dieWeihnachtshexe 15.00;

Bayala –Das magische Elfenabenteuer 15.10; Midway

–Für die Freiheit 16.50, 20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.00, 20.10; Joker 17.10,

19.45; Terminator –Dark Fate 17.15, 20.00; Gemini

Man 19.30

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Joker (OmU) 16.45,

19.30,22.15; B Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 17.20, 20.40

fsk am Oranienplatz (& 614 2464) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30, 21.45; Lara (OmenglU)

17.45, 19.45, 22.30; Porträt einer jungen Frau in

Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

20.00

Moviemento (& 692 4785) Invisible Sue –Plötzlich

unsichtbar 14.00; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe16.15;

Mietrebellen–Widerstand gegen

den Ausverkauf der Stadt (OmenglU; m. Gästen)

18.30; Midsommar (OmU) 20.45; Fritzi – Eine

Wendewundergeschichte 10.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingomit Flamingo!12.45; Wildhexe 15.00;

Porträt einer jungen Frau in Flammen (OmU) 17.15,

20.00; Systemsprenger 22.45; Systemsprenger

10.30, 16.15, 19.00; Midsommar (OmU) 13.15;

Once Upon aTime in...Hollywood (OmU) 21.45

Sputnik (& 694 11 47) Systemsprenger 16.45; Im

Niemandsland (m. Gast u.Gespräch) 19.00; Scary

Stories toTell in the Dark (OmU) 21.00; Bonnie

&Bonnie (OmenglU) 23.00; Born inEvin (OmU)

16.15; Human Nature: Die CRISPR Revolution

(OmU) 18.00; Parasite (OmU) 19.45; Joker (OmU)

22.00; Kinobar imSputnik B-Movie: Lust &Sound

in West-Berlin (OmenglU) 22.00

Yorck (& 78 91 32 40) Systemsprenger 14.30;Parasite17.10,20.00;

New Lara 16.00, 18.20, 20.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.00; Die Addams Family 14.00,

16.00, 18.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.00, 16.00; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.45; Das perfekte Geheimnis 14.45,

17.30, 20.00; Midway – Für die Freiheit 17.00,

20.15; Maleficent: Mächte der Finsternis 17.15,

20.00; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar 18.00;

Terminator –Dark Fate 20.15; Joker 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Nurejew –The

White Crow 13.00; Der Distelfink 13.00; Happy Ending

–70ist das neue 7013.15, 18.15; Systemsprenger

15.30; Im Niemandsland 15.45; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 16.00; Lieber Antoine als

gar keinen Ärger 18.00; Das perfekte Geheimnis

18.00, 20.30; Parasite 20.30; Ich war noch niemals

in NewYork 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 16.45; Dem

Horizont sonah 14.00; Das perfekte Geheimnis

14.00,17.00, 20.00; Everest:Ein Yeti willhoch hinaus

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.30; Die

Addams Family 14.30; Bayala –Das magische Elfenabenteuer14.30;

Angry Birds2:Der Film 14.30;

Midway –Für die Freiheit 16.30, 19.45; Terminator

–Dark Fate 16.45,19.45; Ich war noch niemals in

NewYork 16.50;Joker 17.00,20.00; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 17.15, 20.15; 3D: Die Addams

Family 17.15; 3D: Maleficent: Mächteder Finsternis

19.45; Gemini Man 20.00; Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Wild Plants (OmU) 19.00;

Und der Zukunft zugewandt 21.15; Systemsprenger

(OmenglU) 17.45; Kojot –Coyote (OmenglU)

20.00; Russisch.dok: Herzlich Willkommen in Enurmino

–Dobro pozhalovat vEnurmino (OmenglU)

20.00; Das Kapital im 21.Jahrhundert –Capital in

the Twenty-First Century (OmU) 22.15

Babylon (& 242 5969) Die Khello Brüder 17.30;

Systemsprenger (OmenglU) 17.45; Cine Mar –Surf

Movie Night: Heavy Water 19.30; Im Niemandsland

20.00; IndoGerman Film: Bala (Hindi) 20.00; Paranza:Der

Clan derKinder–La paranzadei bambini

(OmU) 22.00; Alpgeister –Mythen und Mysterien

der Bayerischen Alpen 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Lieber

Antoine als garkeinen Ärger(OmU) 13.15;Joker

(OmU) 15.30, 18.15, 21.00; Zombieland 2:Doppelt

hält besser (OF) 10.00, 14.00, 17.45, 20.00,

22.15; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar 12.00;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 16.00

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 11.00; Die Addams Family

11.00, 13.15, 17.20; Das perfekte Geheimnis

11.00, 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.10, 15.30; Der Königder

Löwen 11.10; AngryBirds 2: DerFilm 11.15;

Bayala – Das magische Elfenabenteuer 11.30,

14.00; Maleficent: Mächte der Finsternis 11.45,

13.45, 16.45; Dora und die goldene Stadt 11.45;

Joker 13.30, 16.30, 19.30, 22.55; Dem Horizont

so nah 13.30; Ich war noch niemals in New York

13.50, 16.20; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.30; Downton Abbey 14.45; Midway –Für die

Freiheit 16.30, 20.00, 22.45; Scary Stories toTell

in the Dark 17.30, 23.00; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.50, 20.30, 23.10; Der letzte Bulle

17.50, 19.50, 23.15; Joker (OF) 19.40; Terminator

–Dark Fate 19.45; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 20.15; Halloween Haunt 20.30, 23.15;

Es: Kapitel II 22.30; 3D: Gemini Man 22.40

Hackesche Höfe (& 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 14.30; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 16.30, 21.30; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.00; Weitermachen Sanssouci (DFmenglU)

14.45; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait de la jeune fille enfeu (OmU) 16.45,

19.15; Easy Love 21.45; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit (OmU) 14.30; Nurejew –The White

Crow (OmU) 16.30; Parasite (OmU) 19.15, 22.00;

Deutschstunde 14.30; Joker (OmU) 17.00, 19.30,

22.00; Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles

(OmU) 15.15; Lara (DFmenglU) 17.30, 19.45,

22.00

International (& 24 75 60 11)Lara 15.00, 17.30;

Preview: Official Secrets (OmU; anschl. Diskussion)

20.00

Z-inema (& 28 38 91 21) The Battery (OmU)

20.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Geheimnis Tibet

19.00

NEUKÖLLN

IL KINO (& 91 70 29 19) TheReport(OmU) 10.00,

20.00; Systemsprenger (DFmenglU) 12.10; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.20; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.10; Joker (OmU)

17.50; Parasite (OmenglU) 22.00

Neues Off (& 62 70 95 50)Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu

(OmU) 16.20; Joker (OF) 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 21.40

Passage (& 68 23 70 18) Joker (OmU) 17.45,

20.30,21.20; Sneak Preview 22.30; Systemsprenger

16.00, 18.40; Das perfekte Geheimnis 16.40,

19.15; Der Glanz der Unsichtbaren 16.30, 21.00;

2040 –Wir retten die Welt! (OmU) 18.50

Rollberg (& 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.00, 20.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.30, 20.30; Joker (OF) 18.00,

20.45; Marianne &Leonard –Words of Love (OmU)

19.00,21.15; Porträteiner jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille en feu (OmenglU) 16.20,

19.20,22.00

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) Das

perfekte Geheimnis14.00, 17.00, 20.05; Doraund

die goldene Stadt 14.10; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer14.15; DemHorizont so nah 14.20;

Die Addams Family 14.30; Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.40, 17.30; Ich war noch niemals in

NewYork 16.30; Joker16.45, 19.50; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 16.50, 20.30; 3D: Die Addams

Family17.15; Gemini Man19.30;Terminator–Dark

Fate 19.35; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.40

Wolf (& 921 03 93 33) BabyWolfgang präsentiert:

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 11.00; Born inEvin –

Alles über Evin (OmU) 12.00; Weitermachen Sanssouci

(OmenglU) 14.10; Bait (OmU) 14.10; Momo

16.00; Porträt einer jungen Frau inFlammen –Portrait

de la jeune fille enfeu (OmU) 16.10, 21.00;

DjonAfrica(OmU) 19.00; Neun Leben hatdie Katze

–Restaurierte Fassung (OV; mit Gespräch) 19.00;

Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 21.10

PANKOW

BlauerSternPankow (& 47 61 18 98) Lara15.15,

18.00, 20.20; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.45; Ich war noch niemals in New York 17.30;

Parasite 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88)Lara 15.20,

17.40, 20.00; Premiere: Gundermann Revier (m.

Gästen) 20.00; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.20; Joker (OmU) 17.30, 20.50; Systemsprenger

14.15; Porträt einer jungen Frau inFlammen

16.50; Das perfekte Geheimnis 15.00, 17.45,

20.30; Parasite 15.10, 18.00, 20.15


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

terhafte, sehr originell arrangierte

Weltmüdigkeit.

Die ehemalige Krautrock-Fixierung

vertritt unterdessen der Gitarrist

Michael Rother, und zwar umso

mehr, als er sich seinem Frühwerk

mit den motorisch-melodischen

Genrepionieren Neu! und Harmonia

widmen wird.

Meine Lieblinge der beiden Tage

sind aber die wiedervereinten Stereolab

um Laetitia Sadier und Tim

Gane, die bis Mitte des letzten Jahrzehnts

einen salonmarxistischen

Postmodernismus vertreten haben.

Sie mischen exotisches Easy Listening,

tuckernde Krautbeats, Elektronisches,

HipHop und Pop zueinem

eleganten Indierock.

Beim letzten Xjazz-Festival habe

ich in der Emmauskirche sehr angetan

das Solokonzertdes Berliner Musikers

undToningenieurs Arnold Kasar

gehört. Von Haus aus Pianist,

wurde er im letzten Jahrzehnt durch

den Elektrojazzpop von Micatone

und Nylon mit Lisa Bassenge bekannt;

zuletzt arbeitete er wiederum

mit dem ehemaligen Harmoniaund

Clustermusiker Hans-Joachim

Roedelius sehr anregend zwischen

POP

Synästhesie Festival 16., 17.11.,

Maschinenhaus in der Kulturbrauerei,

www.8mmmusik.com

Arnold Kasar 16.11.,

Silent Green, 20 Uhr

Popsalon Balzer/Müller 12.11.,

Deutsches Theater,21Uhr

MARIANO REGIDOR

Elektrogeräusch, Ambient und Neoklassik.

Aus dieser Richtung kann

man auch sein neues Soloalbum

„Resonanz“ verstehen. Zugrunde

liegen schlichte und leise Klavierimprovisationen,

die er, sosagt er, vor

allem auf transeuropäischen Bahnfahrten

und in seinem Schwarzwaldstudio

geschnitten und mit Synthesizern

bearbeitet hat. Es gibt dabei sowohl

zärtlich minimalistische, nur

sanft elektronisch bewölkte Klavierstücke,

aber auch Tracks, aus denen

die pianistischen Arpeggien sich erst

aus dunkleren, schwallenden Modulationen

herausarbeiten müssen.

Auf diese Weise bleibt Kasar immer

auf der spannenden Seite des

Wohlklangs: Er zieht Unruhe,Störgeräusche,

Unterströmungen ein, die

bei aller meditativen Stimmung stets

Aufmerksamkeit fordern und belohnen.

Eine zarte und kluge Musik.

Zwischen Salonmarxismus und

Salonambient bleibt noch: Der Popsalon

mit Jens Balzer und Tobi Müller,

die sich zum Plaudern die Gebrüder

Lippok (u.a. Ornament und Verbrechen,

To Rococo Rot) sowie die Musik-

und Medienprofesorin Susanne

Binas-Preisendörfer einladen.

Theater

Gut spielen,

schlecht

leben

Sorichtig ist mir die Befreiung

aus der selbstreferenziellen

Schwanzbeißerei, deren

Zeuge erbei der Bühnenadaption

von RichardYates’„Zeiten

des Aufruhrs“ wurde,bis heute

nicht gelungen. Verflixt! Eine

junge desillusionierte Frau

sucht Zerstreuung und tritt,

alte Ambitionen auffrischend,

bei einer Laienspielgruppe auf.

Die Aufführung wird zum Desaster

undzum Auslöser für einen

vernichtenden Ehekrieg.

In Jette Steckels Inszenierung

für das Deutsche Theater mit

Maren Eggert und Ulrich

Khuon in den Hauptrollen wird

auf besagter Hobby-Bühne

ebendiese Eheschlacht als Laienspiel

vorgeführt − mit den

hochbegabten Bühnenprofis

aus dem DT. Sie spielen sehr

gut, dass sie schlecht spielen.

Sie spielen sogut, dass sie gar

nicht zu spielen scheinen −und

unser aller Leben tatsächlich

ein elendes Hobbytheaterstück

ist. Ulrich Seidler

Zeiten desAufruhrs 19.30Uhr,

DeutschesTheater,Tel.: 28441225

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: Das hässliche Entlein, Zirkusmaria (4 bis 8J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Die lustigePaula, Johannes Gahl, Erzählung

mit Musik (ab 6bis 8J.)

LITERATUR/VORTRAG

Bodo-Uhse-Bibliothek (& 512 21 02)

19.00: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg:

„Lügenmeer“, Susanne Kliem, Buchvorstellung

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Schröder erzählt, Barbara Kalender und Jörg

Schröder

Geistesblüten (& 49 96 17 92)

19.00: Unhaltbare Zustände, Alain Claude Sulzer,Stefan

Kurt, Lesung und Gespräch mit Christian Dunker

Krimibuchhandlung Totsicher (& 84 85 45 09)

19.30: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg:

„RaubLust“, Susanne Rüster,Buchvorstellung

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.30: Peace, Love &Poetry–die Satire des modernen

Dichterwettstreits!

Kulturbund Treptow /Kulturring inBerlin e.V.

(& 53 69 65 34) 19.00: 10. Krimimarathon

Berlin-Brandenburg: „Durch die Hölle“, Bernd Hesse,

Buchvorstellung

Literaturforum im Brecht-Haus (& 282 20 03)

20.00: Rückwind, Burkhard Spinnen, Lesung und

Gespräch, Mod: Thomas Stölzel

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

18.00 Goodness Temple: 4. Berliner Herbstsalon:

Frauen der Unterwelt. Sieben hysterischeAkte, von

Tine Rahel Völcker,mit Vernesa Berbo, Philipp Engelhardt,

OlgaFeger,Lara Anais Martinez-Wiesselmann,

Iris Minich, Nora Quest, Tucké Royale

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 Sternfoyer: TheLight That Failed –AReckoning,

Ivan Krastev, Buchpremiere,inEnglisch mitdeutscher

Konsekutivübersetzung vonJohannes Hampel

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

20.00: Rakete 2000 rockt Pankow

Anzeige

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: BobbySparks II, Schizophrenia

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

19.30: Grigorij Leps

Auster Club (& 611 33 02)

20.00: Lukas Droese

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Hub Hildenbrand, Dialogues In The Garden Of

Stolen Sounds

BadenscherHof Jazzclub (& 861 00 80)

21.00: Ekkehard Wölk Trio

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: GirlUltra, JaySom

Bi Nuu (& 69 56 68 40)

21.00: Girl Band

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: LiveonMars feat. Alex Thomas –ATribute to

David Bowie

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: Alex Hamburger and José Luiz Martins Duo

Gretchen (& 25 92 27 02)

21.00: CoryWong

Huxleys Neue Welt (& 301 06 80 88)

20.00: Thrice, Refused

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Black Pumas

Lido (& 69 56 68 40)

20.00: Radical Face

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Shadow030

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: Evelyn Huber(Quadro Nuevo)&Sirius Quartet

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mitHeinz Glass u. a.

Rotbart (Böhmische Str.43)

20.00: The Vampires

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Azolia

Zig Zag Jazz Club (& 94 04 91)

21.00: The Zig ZagJazzed Up Jam Session,host: Uri

Gincel

Berliner Festspiele

#immersion

HAUS DER BERLINER FESTSPIELE

IMMERSION –

PERFORMING ARTS 7 16.–24.11.19

DIAMANTE

DIE GESCHICHTE Mariano Pensotti /

EINER MODELLSTADT Grupo Marea

KINO

Kino inder Kulturbrauerei (& 04 51/703 0200)

WALL∑E –Der Letzte räumt die Erde auf 9.30; Nur

eine Frau 10.00; Deutschstunde 14.00; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 16.30, 20.30, 22.20; Das

Wunder von Marseille 14.00, 20.00; Lara 15.00,

16.50, 19.45; Joker (OmU) 17.00, 20.00; 2040

–Wir retten die Welt! (OmU) 18.20; Porträt einer

jungen Frau in Flammen 19.20; Parasite 19.30;

Der Glanz der Unsichtbaren 19.45; Systemsprenger

20.40; Porträt einer jungen Frau inFlammen –Portrait

de la jeune fille en feu (OmU) 22.15; Once

Upon aTime in...Hollywood (OmU) 22.20; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 22.40; Ad Astra –Zuden

Sternen (OmU) 22.40; Joker (OF) 23.00

Krokodil (& 44 04 92 98)VictoryDay:Tag desSieges–Den‘

Pobedy(OmU) 18.15; Preview: Gott existiert,

ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi, imeto i‘

ePetrunija (OmU; m. Gast) 20.00

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Und banda de

chicas –AGirl‘s Band (OmenglU) 18.30; Under the

Underground (OmenglU) 20.00; ICan Go for That:

The Smooth World ofYacht Rock (OF) 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00)Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15; Der König der Löwen

14.15; Ballon 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.20, 17.10, 20.00, 23.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.25; Die Addams Family 14.30;

Dora und die goldene Stadt 14.35; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.40; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.45, 17.00; Midway –Für

die Freiheit 16.35, 19.45, 22.40; Terminator –Dark

Fate 16.40, 19.40, 22.50; Ich war noch niemals in

New York 16.55; Joker 17.00, 19.55, 23.00; 3D:

Die Addams Family 17.05; Zombieland 2:Doppelt

hält besser 17.10, 19.55, 22.40; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.10, 20.00; Der letzte

Bulle 17.10, 19.50,22.40; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.20; Scary Stories toTell in the Dark

19.45; Systemsprenger 19.50; Midsommar 22.45;

Halloween Haunt 22.55; 3D: Gemini Man 22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) DieAddams

Family 13.40, 17.05; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 13.50; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 16.55; Das perfekte Geheimnis 14.00,

17.00, 20.00; Dora und die goldene Stadt 14.05;

Angry Birds 2: Der Film 14.15; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.30; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.40; Bayala – Das magische

Elfenabenteuer 14.40; Midway –Für die Freiheit

16.05, 19.30; Ich war noch niemals in New York

16.30;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 16.45, 19.40;

Joker 17.00,19.50; Der letzte Bulle 17.15, 20.15;

Dem Horizont so nah 17.25; 3D: Gemini Man

19.30; Terminator –Dark Fate 20.05; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.05; Scary Stories to

Tell in the Dark 20.25

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Lieber Antoine als gar keinen Ärger 14.45; Downton

Abbey 17.35, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Deutschstunde 18.00;

Systemsprenger 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

15.30,20.30; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 18.15

Xenon (& 78 00 15 30)Porträt einer jungen Frau in

Flammen 17.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille enfeu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 10.00; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 12.05; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 12.10, 14.15; Maleficent: Mächte

der Finsternis 12.15, 14.20; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 12.25, 14.00; Die Addams Family

12.30, 14.45; Das perfekte Geheimnis 14.30,

17.15, 20.00; Joker 16.30, 19.45; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 16.45, 20.15; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.00; Midway –Für die Freiheit

17.10, 19.30

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81)

Und wer nimmt den Hund? 13.15; Downton Abbey

15.15; Systemsprenger 17.45; Deutschstunde

20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.00, 17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 0520)

Unsere Lehrerin, dieWeihnachtshexe 10.00, 12.15,

14.15; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00,

12.00; Dora und die goldene Stadt 10.00, 12.15,

14.50; Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.10;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.05; Die

Addams Family 12.05, 14.20; Maleficent: Mächte

der Finsternis 12.10, 14.30; Joker 14.20, 17.00,

20.05, 22.30; Das perfekte Geheimnis 14.30,

16.35, 17.20, 20.00, 20.05, 23.00; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.30; Midway – Für

die Freiheit 16.50, 19.45, 22.50; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.15, 19.30;

3D: DieAddams Family 17.15; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.20, 20.00, 22.45; Terminator –

Dark Fate 19.45, 23.00; Halloween Haunt 22.45;

Joker (OF) 22.50

Thalia Movie Magic (& 774 3440) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.45; Dora und die goldene

Stadt 15.45; Die Addams Family 15.45; Das perfekte

Geheimnis15.45, 18.00, 20.30; Ich war noch

niemals inNew York 17.45; Zombieland 2:Doppelt

hält besser 18.15; Rambo 5: Last Blood 18.15,

20.30; Terminator –Dark Fate 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Rithy Pahn: Eine Liebe

nach dem Krieg – Un soir apres la guerre

(Omdt+frzU) 20.00; Magical History Tour: Ich denke

oft anHawaii –Ein Film für jedes Wohnzimmer

19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 12.30,

16.40, 19.30, 22.30; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

12.30; Joker 12.50, 13.30, 16.20,

16.50, 19.10,20.00, 22.30; Das perfekte Geheimnis

13.00, 14.00, 16.15, 17.20, 20.30, 23.00;

Angry Birds 2:Der Film 13.35; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 13.40; Shaundas Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 13.40; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

13.40; Dora und die goldene Stadt 13.40; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.45, 16.30; Das

Wunder von Marseille 13.45, 16.20, 20.00; Playmobil:

Der Film 14.00; Lara 14.00, 17.00, 19.40,

22.45; Downton Abbey 14.00; Die Addams Family

14.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00; 2040 –Wir retten die Welt! 16.15, 18.45;

Ich war noch niemals in New York 16.20, 19.30;

Terminator –Dark Fate 16.30, 19.45, 23.00; Parasite

16.30, 19.10, 22.40; Der letzte Bulle 16.30,

19.20, 22.20; Zombieland 2: Doppelt hält besser

16.45, 19.40, 22.30; 3D: Die Addams Family

16.45; Der König der Löwen 16.45, 19.30; Midway

–Für dieFreiheit 17.10, 19.40,22.40;Gemini Man

19.30; Everybody Everything –Eine Dokumentation

über Lil Peep (OmU) 19.30; Halloween Haunt

19.40, 22.15; Es: Kapitel II20.30; Scary Stories

to Tell in the Dark 21.15, 22.45; AdAstra –Zuden

Sternen 22.45; 47 Meters Down: Uncaged 22.45

CineStar imSony Center (& 04 51/703 0200)

Once Upon aTime in... Hollywood (OF) 10.30; Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress

of Evil (OF) 13.30, 19.30; Dora und die goldene

Stadt –Dora the Explorer (OF) 13.45; Terminator

–Dark Fate (OF) 13.50, 19.15, 22.30; Midway –

Für die Freiheit (OF) 14.00, 16.30, 19.45, 23.10;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm –Shaun

the Sheep Movie: Farmageddon (OF) 14.15; Die

Addams Family –The Addams Family (OF) 14.15,

16.45; Zombieland 2:Doppelt hält besser –Zombieland

2: Double Trap (OF) 16.30, 20.10, 22.50;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis –Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 16.30; Downton Abbey (OF)

17.15; Scary Stories to Tell in the Dark (OF) 20.15,

23.00; Parasite 22.30

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) 3D, IMAX:

Pandas 11.45; 3D, IMAX: Buckelwale: Giganten der

Meere 13.20; 3D, IMAX: Galapagos: Wunderland

der Natur 14.50; IMAX: Joker (OF) 16.30, 19.45,

23.00

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Music for Cinemas:

Geräusche #6: Film- und Musikprogramm

19.30

TREPTOW

Astra (& 636 1650) Die Addams Family 14.00,

16.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30,18.00,20.00; Ich war noch niemals in New

York 14.30, 17.15; Das perfekte Geheimnis 14.30,

17.15, 20.00, 22.30; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

16.00; Midway –Für die Freiheit 17.00,

20.00, 22.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

18.00, 20.00, 22.45;Terminator –Dark Fate 20.30;

Joker 22.30; Halloween Haunt 23.00

Casablanca (& 677 57 52) Spatzenkino –Hüben

wie drüben 10.00; Deutschstunde 15.30; Ich war

noch niemals in NewYork 18.00; M. C. Escher: Reise

in die Unendlichkeit 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Recep Ivedik

VI (OmU) 14.15, 17.00, 19.45; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.20; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.30;Angry Birds 2:Der Film

14.30; Dora und die goldene Stadt 14.45; DieAddams

Family 14.45, 17.15; Midway –Für die Freiheit

16.35, 19.50; Ich war noch niemals inNew

York 16.45; Joker 17.10, 20.15; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 17.15; Zombieland 2:Doppelt

hält besser 17.30, 20.15; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.35; Terminator –Dark Fate 19.45;

Sneak Preview (OF) 20.00; Scary Stories toTell in

the Dark 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Die

Addams Family 14.15, 17.10; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer14.15;Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.20; Das perfekte Geheimnis 14.20,

17.15, 20.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.30; Dora und die goldene Stadt 14.40; Recep

Ivedik VI(OmU) 14.45, 16.30, 17.30, 19.30,

20.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.45, 20.30; Joker 16.50, 19.50; 7. Kogustaki

Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben (OmU) 17.20,

19.50;Terminator –Dark Fate 19.30

City Kino Wedding (& 01 77/270 19 76) Das Forum

(OmU) 18.45; Parasite –Gisaengchung (OmU)

21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 40 01) Geschichten jener

Nacht 18.00; ImNiemandsland 20.15

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Das perfekte Geheimnis

15.45, 18.15, 20.45; Das perfekte Geheimnis

12.30; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

15.00; Ich war noch niemals in New York 17.15,

20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Nurejew –The

White Crow 15.30; Systemsprenger 18.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) The Report

15.15; Ich war noch niemals in New York 17.45;

Happy Ending –70ist das neue 7020.15

ZEHLENDORF

Bali (& 8114678) Fisherman‘s Friends –Vom Kutter

indie Charts 18.00; Blinded bythe Light 20.30

Capitol (& 831 64 17) Lara 15.00, 20.30; Parasite

17.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Frau

Stern 17.00; Supergirl –Das Mädchen von den

Sternen (mit Gästen u. Gespräch) 19.00

ThaliaPotsdam (& 03 31/743 70 20)Lara 10.30,

14.00, 16.30, 18.45; Der Glanz der Unsichtbaren

13.30; Deutschstunde 14.00; Verteidiger des Glaubens

–Defender of the Faith 14.15; Das perfekte

Geheimnis 15.30, 18.00, 20.45; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 16.15; Porträt einer jungen

Frau in Flammen 16.15, 20.45; Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 18.30; Happy Ending –

70 ist das neue 7018.45; Systemsprenger 20.45;

Parasite 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.50, 16.40;

Ich war noch niemals in New York 13.50, 16.50,

20.15; Everest 13.50, 17.10; Das perfekte Geheimnis

13.55, 16.55, 19.40, 19.55; Dem Horizont so

nah 14.00; Die Addams Family 14.10; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.20; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.30; Midway –Für die

Freiheit 16.20, 19.40; Joker 16.50, 19.50; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.15, 20.15; 3D:

Die Addams Family 17.20; Terminator –Dark Fate

19.45;3D: Maleficent:Mächteder Finsternis 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis17.15,

20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Mein Leben mitAmanda 17.15; Idioten der Familie

20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.30;Everest14.30;

Dasperfekte Geheimnis 14.30, 17.00, 20.00; Dora

und die goldene Stadt 14.45; Shaun das Schaf::

UFO-Alarm 14.50; Maleficent 14.50, 17.15; Dem

Horizont sonah 14.50; Bayala 14.50; Angry Birds

2: Der Film 14.50; Die Addams Family 15.15,

17.40; Terminator –Dark Fate 17.00, 20.15; Ich

war noch niemals inNew York 17.00; Joker 17.15,

20.00; Midway 17.30, 19.50; 3D: Maleficent

17.30, 20.20; Preview: Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.40, 20.30; Der letzte Bulle 17.45,

20.15; Scary Stories toTell in the Dark 20.10; 3D:

Gemini Man 20.10; Halloween Haunt 20.30

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Das perfekte

Geheimnis 15.00, 17.45, 20.30; Die Addams Family

15.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.45, 20.30; Rambo 5:Last Blood 18.00; Systemsprenger

20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Die Addams Family 14.30; Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.45, 17.15; Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.30, 20.00; Angry Birds 2: Der Film

15.30;3D: DieAddamsFamily 16.15;Ich warnoch

niemalsinNew York 17.45; Joker18.00, 20.30;3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 19.45; Terminator

–Dark Fate 20.15

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Angry Birds

2: Der Film 15.00; Das perfekte Geheimnis 15.30,

17.15, 20.00; Systemsprenger18.00;Ich warnoch

niemals in NewYork 20.45


24 Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

DOKUS

Gefährdet

Facebook die

Demokratie?

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetzten

Welt?Werkennt sich wirklich aus mit

den technischen Veränderungen?

Und was bringt die digitale Zukunft

für die Menschheit? Mehrere Dokus

fragen nach den Wechselwirkungen

zwischen Netz und Politik.

„Fake America Great Again“: Dass

Donald Trump seine überraschende

Wahl unter anderem den digitalen

Helfernder FirmaCambridge Analytica

zu verdanken hat, ist seit den

Enthüllungen im Frühjahr 2018 bekannt.

DieDoku vonArteFrankreich

zeigt Hintergründe auf und erklärt,

wer hinter der Firma stand: Robert

Mercer hatte zuvor als IT-Genie Karriere

gemacht, erst bei IBM, später

bei einem Hedge-Fonds,der Börsenkurse

erfolgreich analysierte. Detailliert

erklärt Autor Robert Huchon

auch, wie die schwankenden Wähler

in den entscheidenden Bundesstaaten

beeinflusst wurden: Die dank

Millionen missbrauchter Facebook-

Daten ermittelten Adressaten bekamen

personalisierte Dark-Posts im

Sinne von Trump, die nicht öffentlich

wurden und schnell wieder verschwanden.

Die Dokumentation „FakeAmerica GreatAgain.

WieFacebook und Co die Demokratie gefährden“

läuft heute um 21.10 Uhr beiArte und steht bis

2022 in derArte-Mediathekbereit.

„Digitalisierung –Gefahr oder Chance

für die Demokratie?“: Ob die Digitalisierung

auch positive Folgen für die

Demokratie haben kann, danach

fragt eine Ausgabe der Reihe „Respekt“

im ARD-Bildungskanal Alpha.

Reporter Sebastian Leidecker

trifft Experten, die die Internetauftritte

deutscher Parteien beobachten.

Ebenso zu Wort kommen Akteure,

die sich gegen den Missbrauch

der neuen Tools engagieren. So hat

Rayk Anders auf dem Portal Funk in

seinem Video „Lösch dich!“ vorgeführt,

wie sich rechtsnationale Hater

organisieren und Kritiker bedrohen;

Karolin Schwarz betreibt das Portal

Hoax, das falsche Gerüchte über

Flüchtlinge mit lokalen Medienberichten

entkräftet.

DieReportage „Digitalisierung –Gefahroder

Chance für die Demokratie?“ steht nebenanderen

Beiträgender Reihe „Respekt“ bis2024 in

der ARD-Mediathek.

„DarkTube“: Unter dem Motto

„DarkTube“ setzt sich das von ARD

und ZDF betriebene Jugendportal

Funk mit dem Extremismus auf You-

Tube auseinander.Sozeigen die „Jäger

&Sammler“, wie der Vorschlagsalgorithmus

die Vernetzung extremistischer

Kräfte fördert und reden

mit Mitarbeitern der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Die Aufklärer von

„Simplicissimus“ zeigen, warum

Verschwörungstheorien solch großen

Zuspruch finden. Rechte Akteure

behaupten beispielsweise,

dass hinter dem Engagement von

Rezo und 90 YouTubern inWirklichkeit

die Grünen steckten.

DieBeiträge sindauf funk.net und bei YouTube

abrufbar.

Torsten Wahl hat das

TV-Programm nach Digitalthemen

durchforstet.

„Boom, bang –Licht aus!“

Netflix war nur der Anfang –wie Streamingdienste unsere Sehgewohnheiten verändern

VonImre Grimm

Es sei doch erstaunlich, sagt

Schauspieler Billy Crudup

in einer NewYorker Szenebar,

wie die ganzeWelt des

Fernsehens in so wenigen Jahren so

tief gefallen sei. „Boom, bang –Licht

aus!“ Er nippt am Whisky. „Es sei

denn, wir erfinden sie neu.“

Crudup spielt in der von Apple

produzierten Hochglanzserie „The

Morning Show“ den Chef des fiktivenUS-Nachrichtenkanals

UBA. Die

Szene ist ein ironischer Seitenhieb

auf die eigene Branche: Die alte TV-

Welt stirbt –und globale Milliardenkonzerne

wollen sie neu erfinden.

Da verschmelzen Fiktion und Realität

–denn es ist das Unternehmen

Apple selbst, das zum weißen Ritter

des Fernsehens werden möchte.

Der TV-Markt steht vor einem

massiven Umbruch. Schon wieder.

Vorwenigen Tagen erst hat Apple in

100 Ländern, darunter Deutschland,

seinen Streamingdienst AppleTV+,

gestartet –mit überschaubarem Angebot,

aber um so größeren Ambitionen.

Am heutigen Dienstag startet

der Disney-Konzerninden USA sein

Angebot Disney+. Im Frühjahr 2020

kommt Disney+ nach Deutschland.

Weitere US-Streamingdienste stehen

in den Startlöchern. Das private

lineareFernsehen kämpft ums Überleben

–Streaming ist das Modell der

Zukunft. Zu bequem, zu reichhaltig

ist das Angebot.

Vorbehalte bei Apple

In der Branche ist bereits vom

„Streaming War“ die Rede. Esist ein

kreativer Krieg um die Aufmerksamkeit

eines verwöhnten Publikums –

und um die besten Geschichtenerzähler.Der

große Verlierer heißt Hollywood,

denn der Exodus von Autoren,

Stars und Filmemachern hin zu

den Streaming-Anbietern ist atemberaubend.

Der neue Film von Martin

Scorsese etwa –„The Irishman“

mit RobertdeNiro, Al Pacino undJoe

Pesci–ist eine Netflix-Produktion. Er

startetam14. November.

Netflix war bisher das popkulturelle

Schlemmerbüffet der Stunde.

Der Streaming-Pionier dominierte

die Welt des abrufbaren Glamourfernsehens.

Die Firma führte das

„Golden Age of Television“ zu voller

Blüte, verhalf dem Selektivglotzen

zum Durchbruch und machte die

TV-Hochglanzserie endgültig zur

kulturell einflussreichsten Erzählform

der Gegenwart, quasi zum Roman

des 21. Jahrhunderts.

Undnun?„DieWettbewerber bedrängen

uns, das wird spannend“,

teilte der 59-Jährige Netflix-Gründer

Reed Hastings der Berliner Zeitung

(Redaktionsbetzwerk

Deutschland) mit. „Am Ende ist sicher

kein Platz für 20 Streaminganbieter.Aber

es werden mehreresein.

Wirmüssen uns eben unverzichtbar

machen.“ Hastings ist kein Mann

der Furcht.

Das Konzept von Netflix mit seinen

158 Millionen Abonnenten weltweit

(in Deutschland dürften es fünf

bis sechs Millionen sein) hat die

schlafenden Riesen geweckt. „Disney+

ist das wichtigste Projekt meiner

bisher 14-jährigen Amtszeit“,

sagt Disney-Chef Bob Iger. Bis 2024

will er auf 60 bis 90 Millionen Abonnenten

kommen. Undanders als bei

Netflix ist das Arsenal von Disney

prallt gefüllt mit heißer Eigenware:

Marvel-Filme, Pixar-Klassiker, die

„Star Wars“-Episoden, die „Simpsons“,

„Piraten der Karibik“ –all das

gehört zum Disney-Arsenal. Apple

dagegen startet bei Null.

Der iPhone-Konzern will sein

geschlossenes Ökosystem zur Verbesserung

der Kundenloyalität mit

Qualitätsentertainment füttern

und gibt Käufern eines iPhones,

iPads oder Macs AppleTV+ für ein

Jahr kostenlos dazu, alle anderen

zahlen 4,99 Euro im Monat (Netflix

kostet ab 7,99 Euro, Disney+ wird

wohl 6,99 Euro kosten). Bisher aber

sind nur elf Serien abrufbar,darunter

das bestürzend konventionelle

Konkurrenz für Hollywood: RobertdeNiro spielt in „The Irishman“ (Netflix) mit.

Staraufgebot bei Apple mit Jennifer Aniston und Steve Carell in „The Morning Show“. APPLE

Auch Klassiker wie „Fantasia“ gehören zum Streaming-Angebot vonDisney.

„Iron Man“ mit RobertDowneyJr. gilt als sehr beliebt bei Streaming-Fans.

1997: Gemeinsam mit Marc

Randolph gründete Reed

Hastings in Los Gatos (Kalifornien)

Netflix, zunächst als

Online-Videothek. Im Jahr

2007 stieg Netflix ins Videoon-Demand-Geschäft

ein

und machte die Inhalte per

Streaming für Abonnenten

zugänglich. Im März 2019

hatte Netflix weltweit knapp

158 Millionen Abonnenten.

Comedy-Drama „The Morning

Show“ mit Jennifer Aniston und

ReeseWitherspoon über die Querelen

hinter den Kulissen einer kriselnden

TV-Show, die Weltraum-

Reihe „For All Mankind“ von„Battlestar

Galactica“-Macher Ron

Moore, dazu „Dickinson“ mit Hailee

Steinfeld („True Grit“) über die

Jugend der Dichterin Emily Dickinson

im 19. Jahrhundert und

DIE HISTORIE

Netflix-Gründer

Reed Hastings.

IMAGO

DISYNEY

MARVEL

2019: Die US-Unternehmen

Apple und Walt Disney

haben die Streamingwelt für

sich entdeckt. Voreiner Woche

ging Apple TV+ an den

Start, die Monatsgebühr beträgt

4,99 Euro, Disneysoll

angeblich 6,99 Euro verlangen,

wenn dasAngebot im

März 2020 nach Deutschland

kommt. Heute geht es

in den USA los.

NETFLIX

„See“, ein dystopisches Epos, in

dem die Menschheit kollektiv erblindet.

Ausgerechnet.

Eine Milliarde Dollar investiert

Apple angeblich pro Jahr in eigene

TV-Inhalte. Das klingt nach viel.

Aber:Netflix gibt jährlich rund acht

Milliarden Dollar für Inhalte aus,

Amazon Prime Video vier Milliarden,

der US-Konkurrent Hulu etwa

drei und der Pay-TV-Kanal HBO

zwei Milliarden Dollar – immer

noch doppelt so viel wie Apple.

Apple hat große Stars vom Markt

gekauft und neben Aniston auch

OprahWinfrey und Steven Spielberg

verpflichtet. Er sei „völlig hin und

weg angesichts der herausragenden

Storyteller,die jetzt bei Apple TV+zu

Hause sind“, twitterte Apple-Chef

Tim Cook. Wasernicht schrieb: Das

magere Apple-Angebot erntete bisher

mäßige Kritiken. Eine einzige

Folge der optisch eher unaufwendigen

Serie „The Morning Show“ soll

bis zu 15 Millionen Dollar gekostet

haben –das entspricht umgerechnet

etwa zwölf ARD-Tatort-Folgen.

Sieben Apple-Serien –das wirkt

natürlich kümmerlich. Zum Vergleich:

Netflix hat mehr als 1000 Serien

und knapp 3000 Filme im Angebot,

Amazon PrimeVideo kommt auf

600 Serien und 3400 Spielfilme.

Quantitativ kann da nur Disney mithalten.

Für Netflix kommt die neue

Konkurrenz zur Unzeit: Die Wachstumskurve

ist abgeflacht. Die Kundschaft

klagt immer öfter,Netflix leergeguckt

zu haben. Immerhin startet

am 17. November die dritte Staffel

des Hits „The Crown“ über die britische

Königin Elizabeth II.

Fußballbei der Telekom

Wasbedeutet das für die Zuschauer?

DieOffensiveder globalen Märchenerzähler

wirkt zunächst wie eine gute

Nachricht: Das Angebot steigt, die

Zahl der Produktionen ebenso.

Große Auswahl gleich große Freiheit?

Die Gleichung geht nicht auf.

Apple-Chef Cook persönlich stoppte

die geplante Serie„Vital Signs“ über

die Hip-Hop-Ikone Dr. Dre, weil sie

Orgienszenen und Kokainkonsum

zeigen sollte. Apple-Manager Eddie

Cue soll Produzenten gar angewiesen

haben, den Wachstumsmarkt

China nicht in zu negativem Licht zu

zeigen. Kniefall vorPeking?

Wie empfindlich Regierungen

reagieren können, zeigte der polnische

Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Er beklagte sich gesternüber

zu viele historische Darstellungsfehler

in „The Devil Next Door“. In der

Dokumentarserie geht es um NS-

Konzentrationslager und die Suche

nach dem Kriegsverbrecher John

Demjanjuk. „Für deren Schöpfer

vielleicht nur unwichtige Irrtümer,

aber für Polen sind sie sehr schädlich“,

sagte der Regierungschef.

„Die Disney-Maschinerie zwingt

jedermann die gleichen lebensbestimmenden

Träume auf“, schrieb

der Filmkritiker Richard Schickel

schon vor 50Jahren. „Unter kapitalistischen

Vorzeichen betrachtet ist

sie ein wahresWunderwerk,inkultureller

Hinsicht hingegen im Wesentlichen

ein Grauen.“ Möglich, dass

sich die Geschichte wiederholt. „Es

ist zu befürchten, dass man überhaupt

nichts anderes mehr machen

darf als Serien“, kritisiert auch Henk

Handloegten, Regisseur von „Babylon

Berlin“ im Gespräch mit der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). Sicher ist: Der Markt

wächst. Ein Drittel aller Deutschen

nutzt bereits Streamingdienste.

Und was machen die klassischen

FernsehsenderinDeutschland? ARD

und ZDF bauen immerhin ihre Mediatheken

aus,damit aufwendig produzierte

Dokumentationen und

Spielfilme länger zu finden sind. Außerdem

nutzen sie ihre verschiedenen

Plattfformen wie die dritten Programme

oder die Kooperation mit

Arte, umihre Inhalte besser verfügbarzumachen.Wasallerdings

zu der

Konkurrenz aus Übersee dazukommt:

Auch dieTelekom ist eingestiegen

in den Wettbewerb um Bewegtbilder.

Sosicherte sich das Unternehmen

die Übertragungsrechte

für die Fußball-Europameisterschaft

2024 in Deutschland. „Wir sind stolz,

die EM im eigenen Land bei MagentaTV

und MagentaSport zeigen zu

können. Wirwerden alles tun, damit

die Heim-EM zu einem Fest für die

Fans wird und alle dabei sein können“,

erklärte Telekom-Manager MichaelHagspihl

im Oktober.

Mehr Straftaten

im Bereich

Cyberkriminalität

BKA geht von Schäden

in Milliardenhöhe aus

Imvergangenen Jahr ist die Zahl

der Straftaten durch Cyberkriminalität

auf rund 350 000 Fälle angestiegen.

Dabei fallen 87 106 Straftaten

unter Cyberkriminalität im engeren

Sinne, sagte Peter Henzler,Vizepräsident

des Bundeskriminalamts

(BKA), am Montag in Wiesbaden.

Dazu gehören unter anderem Datenausspähung

und Computersabotage

–die Zahl stieg seit dem Vorjahr

um 1,3 Prozent an. Darüber hinaus

gab es fast 272 000 Straftaten, die

über das Internet verübt wurden.

Diese Straftaten kategorisiert das

BKA als Cyberkriminalität im weiteren

Sinne. Darunter fallen beispielsweise

Vergehen, bei deren Planung

Informations- und Kommunikationstechnik

genutzt wurde. Demnach

entstanden 2018 durch Cyberkriminalität

mindestens 60,7 Millionen

Euro Schaden, sagte Henzler. Er

wies darauf hin, dass es bei der Cyberkriminalität

einen massiven

Dunkelbereich gebe: Schätzungen

zufolge dürfte sich der Schaden allein

für Unternehmen auf mehr als

hundert Milliarden Euro belaufen.

Unternehmen scheuen demnach

häufig vor der Anzeige zurück, weil

sie um ihre Reputation fürchten. Einige

Unternehmen sind jedoch zur

Meldung verpflichtet, da es sich bei

ihnen um sogenannte Kritische Infrastrukturen

handelt, erläuterte

Henzler.Dazu gehören zum Beispiel

die Sektoren Energie, Finanzwesen,

Transport und Verkehr, Gesundheit

sowie Medien und Kultur. Zwischen

Juni 2017 und Mai 2018 gingen dahingehend

145 Meldungen zu festgestellten

Störungen ein, hieß es.

Dabei habe der Schwerpunkt wie im

Vorjahr im Sektor Informationstechnik

und Telekommunikation gelegen.

Hauptangriffstechnik sei der

Versand von„Spear-Phishing-Mails“

mit schadhaften Links oder Schadanhang.

BKA-VizeHenzler ging davon

aus, dass die Zahl der Straftaten

der Cyberkriminalität in Deutschland

auch in den kommenden Jahrenweiter

steigen dürfte. (dpa)

Die Kriminalität in der digitalen Welt

nimmt zu.

IMAGO IMAGES

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erfolgreich

Starkes

Quartalswachstum

D

er seit kurzem ander Börse notierte

Softwarekonzern Teamviewer

ist im dritten Quartal rasant

gewachsen. DieinRechnung gestellten

Umsätzestiegen in den drei Monaten

bis Ende September um 63

Prozent auf 83 Millionen Euro, wie

das Unternehmen am Montag in

Göppingen mitteilte. Imlaufenden

Jahr peilt der Hersteller vonSoftware

zur Computer-Fernwartung und für

Videokonferenzen bei diesem Wert

weiter ein Wachstum von 35bis 39

Prozent auf 310 Millionen Euro bis

320 Millionen Euro an. Der umSondereffekte

bereinigte Gewinn vor

Zinsen, Steuern und Abschreibungen

(Ebitda) sei im dritten Quartal

um 95 Prozent auf 46 Millionen Euro

geklettert. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 25

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Familie Dr.Kleist 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Zukunft 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

Arztserie. Schmerzhafte Entscheidung.Die

Stimmung in der Belegschaft ist nach der

Kündigung vonCheftierpfleger Conny

angespannt. Seine Kollegen proben

schließlich den Aufstand.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Arztserie. Die wilde Heidi

21.45 (für HG) Report Mainz

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Kölner Treff

0.15 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

1.00 (für HG) In aller Freundschaft

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bachelor in Paradise

Dateshow. Mit Steffi, Kimberleyund

Janina Celine eroberndrei neue

Single-Ladys das Paradies. Zeit für

Romantik gibt es auf dem ersten

Übernachtungsdate.

22.15 Bauer sucht Frau

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Der Mann in der Wand

1.25 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Der Mann in der Todeszelle

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 Die gefährlichsten

Schulwegeder Welt 16.00 (für HG) MDR

um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Einfach genial 20.15 (für HG) Umschau 21.00

(für HG) Pauker,Pioniere und Pennäler 21.45 (für

HG) MDR aktuell 22.05 Waswurde aus der

Volksbildung 22.48 MDR aktuell 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110: Doppeltes Spiel. Krimireihe, DDR

1978 0.15 (für HG) WaPo Bodensee

Bayern

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG)

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG)

Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tatort: Scherbenhaufen.

Krimireihe, D2012 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG)Capriccio 22.30 (für HG)

Ein TagimLeben vonHans Magnus Enzensberger

23.15 nacht:sicht 23.45 KlickKlack 0.15

Bamberger Symphoniker spielen Mendelssohn

Vox

5.15 (für HG) CSI: NY 6.50 (für HG) CSI: Den

Täternauf der Spur 8.45 Verklag mich doch!

10.50 VoxNachrichten 10.55 Mein Kind, dein

Kind 11.55 Shopping Queen 12.55 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind

15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und

eine Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates 19.00 Das perfekte Dinner

20.00 Prominent! 20.15 (für HG) Die Höhle der

Löwen 22.55 Goodbye Deutschland! 23.55 Vox

Nachrichten 0.15 (für HG) Medical Detectives –

Geheimnisse der Gerichtsmedizin

Super RTL

8.55 PawPatrol 9.25 Die Oktonauten 9.45

Calimero 10.05 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.05 Alvinnn!!! 11.35 Go Wild!

12.05 Friends 12.25 Trolls 12.45 Polly Pocket

13.15 Tomund Jerry 13.45 Bugs Bunny&

LooneyTunes 14.15 Angelo! 14.45 Dragons

15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally

Bollywood 16.40 Die Nektons 17.10 Mighty

Mops 17.40 Angelo! 18.10 Bugs Bunny&

LooneyTunes 18.35 Woozle Goozle 19.05

Alvinnn!!! 19.45 Tomund Jerry 20.15 Snapped

0.00 Böse Mädchen 0.25 Infomercials

Sport1

6.00 Teleshopping 15.30 Normal 16.00 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap 16.55

Eishockey.Champions Hockey League.

Achtelfinale, Hinspiel: Yunost Minsk –EHC Red

Bull München, live 19.25 Eishockey.Champions

Hockey League. Achtelfinale, Hinspiel: Augsburger

Panther –EHC Biel Bienne, live 22.00 Darts.

Grand Slam of Darts. Gruppenspiele, 1. Runde,

live 0.00 Magenta Sport: Arena 1.00 Die PS

Profis –MehrPower aus dem Pott

ZDF

5.15 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

Gelöbnis in Berlin 12.25 drehscheibe 13.00 (für

HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Hamburg.Unter Verdacht 19.00 (für HG) heute

19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG) Die

Rosenheim-Cops. Krimiserie. Ein ganz heißer Tipp

20.15 (für HG) ZDFzeit

Warumwir hassen –Eine Steven-Spielberg-Produktion.

Menschen sind fähig zu

Liebe und Mitgefühl –aber auch zu

Grausamkeit und Hass. Waslässt sie ihre

Menschlichkeit verlieren?

21.00 (für HG) Frontal 21

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Dann wäre ich ein

gemachter Mann

22.45 (für HG) Markus Lanz

0.00 heute+

0.15 Neu im Kino

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Ein 16-Jähriger leidet unter

starken Kopfschmerzen und schwitzt unglaublich

viel. Seine Mutter macht sich besorgt auf den

Wegzur Praxis. /Ein Mädchen verbietet ihrer

Familie, tierische Lebensmittel zu essen. 17.30

Klinik am Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie. Ex ist Ex. Major Ellen Wallace

wurde nach dem 11. September 2001

bei dem Terroranschlag aufs Pentagon für

tot erklärt. Nun, 18 Jahre später,wird ihre

Leiche auf einer Baustelle gefunden.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie. Nachtflug nach San Francisco

22.10 Hawaii Five-0

Krimiserie. Das Leben geht weiter

23.10 Focus TV –Reportage

Einmal dick, immer dick?

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

12.45 (für HG) WDR aktuell 13.05 (für HG)

Elefant, Tiger&Co. 13.55 (für HG) Lichters

Schnitzeljagd 14.25 (für HG) Tierärztin Dr.

Mertens 16.00 (für HG) WDR aktuell 16.15 Hier

und heute 18.00 (für HG) WDR aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Abenteuer

Erde 21.00 (für HG) Quarks 21.45 (für HG) WDR

aktuell 22.10 (für HG) Die Auserwählten. Drama,

D2014 23.40 (für HG) Jetzt.nicht. Drama, D

2017 1.00 (für HG) Quarks

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) NaturNah

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15

(für HG) Panorama 3 21.45 (für HG) NDR Info

22.00 (für HG) Polizeiruf 110: Abwärts.

Krimireihe, D2014 23.30 (für HG) Weltbilder

0.00 Die Verwandlung

Kabel eins

5.00 Numb3rs 5.50 Without aTrace 6.40 (für

HG) The Mentalist 7.35 Blue Bloods 9.25 (für

HG) Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.10

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.05 (für HG)

Castle 14.00 (für HG) The Mentalist 14.55 (für

HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15

(für HG) 16 Blocks. Actionfilm, USA/D 2006

22.20 Hostage–Entführt. Thriller,D/USA 2005

0.35 16 Blocks. Actionfilm, USA/D 2006

RTLZWEI

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops Ruhrgebiet –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 12.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 13.00 Die

Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben 14.00

Station B1 –Kinderärzte mit Herz 15.00 Die

Wache Hamburg 16.00 Die Wache Hamburg

17.00 News 17.04 Wetter 17.05 Krass Schule

–Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05

Berlin –Tag &Nacht 20.15 Hartz und herzlich

22.15 Hartz und herzlich 0.15 Autopsie –Mysteriöse

Todesfälle 1.25 Die Forensiker

Eurosport 1

8.30 Snooker.NorthernIreland Open in Belfast.

Tag110.30 Rallye. FIA European Rally

Championship (ERC) –Rally Hungary. Rückblick

11.00 Motorsport 13.00 Snooker.Northern

Ireland Open in Belfast. Tag113.45 Snooker.

NorthernIreland Open in Belfast. Tag2,live

19.10 Horse Excellence. Die Pferdesport-Highlights

der Woche 19.40 Nachrichten 19.45

Snooker.NorthernIreland Open in Belfast. Tag2,

live 23.55 Nachrichten 0.00 Motorsport. 4

Stunden vonShanghai 1.00 ERC All Access

TV-Tipps

ZDF, 20.15 UHR DOKU-REIHE

ZDFzeit

Inder von StevenSpielbergproduzierten Doku erklärtKonflikt-Forscherin

Sasha Havlicek, wie Rassismus,religiöser Eifer oder nationalistischer Wahn

entstehen können. In den USA sind die sogenanntenwhite supremacists

schon seit Jahren das Gesicht des Terrors –eine wachsende Szene von Neonazis,Skinheads,Antisemiten

und Ku-Klux-Klan-Mitgliedern. Nach dem 11.

September 2001 waren rechte Extremisten für dreimal so viele Attentate auf

amerikanischem Boden verantwortlich wie Islamisten. In der Doku erzählt

unter anderem Aussteiger Frank Meeink von seiner Radikalisierung. Aufgewachsen

in einem rauen Viertel von Philadelphia, war seine Jugend geprägt

von Gewalt. Wasbringt Menschen dazu, sich hasserfüllten Ideologien anzuschließen

und gegen Andersdenkende gewaltsam vorzugehen?

(USA/2019)

Foto: ZDF

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Immer und überall.

www.berliner-kurier.de/mobil

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL mittel

6 8 1 3

2 8 9

9 5 2 4

8 7

3 2 1

5

6 2

1 9 7

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

4

7

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5 9

8 1

9

6 5 3

1 5

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Smartphone:

Rätsel, Videos,

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u.v.m.

AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 11.11.2019

MITTEL mittel

6 3 4 9 7 5 2 1 8

1 2 9 6 3 8 7 5 4

5 7 8 1 4 2 9 6 3

7 9 1 3 5 6 8 4 2

2 4 6 8 1 7 5 3 9

8 5 3 4 2 9 1 7 6

3 6 2 7 8 1 4 9 5

9 1 5 2 6 4 3 8 7

4 8 7 5 9 3 6 2 1

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM

11.11.2019

11. 11. 2019

SCHWER schwer

5 6 7 3 8 4 9 1 2

1 3 8 6 2 9 4 7 5

9 4 2 1 7 5 3 6 8

2 8 4 9 5 6 7 3 1

7 5 9 2 1 3 6 8 4

3 1 6 8 4 7 2 5 9

6 2 5 4 3 1 8 9 7

8 9 1 7 6 2 5 4 3

4 7 3 5 9 8 1 2 6

RBB

5.25 Berliner Nächte 5.40 (für HG) Panda,

Gorilla &Co. 6.30 zibb 7.30 Verborgene Schätze

8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30 (für HG)

Abendschau 9.00 (für HG) In aller Freundschaft

10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm

der Liebe 12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt

nach Fluss 14.00 (für HG) Therapie und Praxis.

Komödie, D2002 15.30 (für HG) Tiere bis unters

Dach 16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG) rbb24 17.05

(für HG) Panda, Gorilla &Co. 17.55 (für HG)

Unser Sandmännchen 18.02 rbb UM6 18.27

zibb 19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte

Wo heute an der Berliner Invalidenstraße

Neubauten der Bahn eines der größten

Unternehmen des Landes repräsentieren,

befand sich früher ein prächtiger Bahnhof

in fast verspielter Architektur.

21.00 (für HG) U-Bahn unterm Sternenhimmel

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Nuhr im Ersten

22.45 (für HG) Ladies Night

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) U-Bahn unt. Sternenhimmel

ProSieben

5.05 2BrokeGirls. Sitcom. Funk und Trash 5.25

The Middle. Comedyserie 6.05 (für HG) Twoand

aHalf Men. Sitcom 7.30 (für HG) The Big Bang

Theory. Sitcom 8.50 (für HG) HowIMet Your

Mother.Sitcom 10.40 Fresh Off the Boat. Sitcom.

VonMann zu Mann 11.05 Mike&Molly.Sitcom.

Samuel fliegt raus 11.35 2BrokeGirls. Sitcom

12.25 Mom. Sitcom 13.20 (für HG) Twoand a

Half Men. Sitcom 14.35 The Middle. Comedyserie

15.35 (für HG) The Big Bang Theory. Sitcom.

Die Parkplatz-Eskalation /Strafe muss sein /

Mädelsabend mit Kerl 17.00 taff 18.00

Newstime 18.10 (für HG) DieSimpsons. Zeichentrickserie.

Goodsimpsons /Mein Freund, der

Wunderbaum 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Galileo Big Pictures:

Gänsehaut –30Bilder,die nichts für

schwache Nerven sind!

Moderator Aiman Abdallah präsentiert30

unglaubliche, emotionale und zugleich

faszinierende Bilder.

22.15 Galileo Big Pictures: Wunder –50

Bilder,die Sie nicht für möglich halten

Rankingshow

1.30 (für HG) Galileo Big Pictures:

Gänsehaut –30Bilder,die nichts für

schwache Nerven sind!

3.05 ProSieben Spätnachrichten

Arte

12.15 Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land

Kunst 13.55 (für HG) Topas. Thriller,USA/GB

1969 16.00 (für HG) Die Inseln der Queen

16.50 Xenius 17.20 Fotografen auf Reisen

17.50 (für HG) Der alte Mann und der Storch

18.35 (für HG) Elefanten hautnah 19.20 Arte

Journal 19.40 (für HG) Re: 20.15 S.O.S.

Amazonas 21.10 Fake America Great Again

22.10 Venezuela am Abgrund 23.05 Die

Schlägertrupps des Präsidenten 23.55

Guatemala: Gegen das Vergessen. Dokumentarfilm,

F2015 1.00 Mit offenen Karten

3Sat

5.45 (für HG) Mykonos, da will ich hin! 6.15

3satTextVision 6.20 Kulturzeit 7.00 nano 7.30

Alpenpanorama 9.00 (für HG) ZIB 9.05 Kulturzeit

9.45 nano 10.15 (für HG) Hartaber fair 11.35

Natur im Garten 12.05 Aufden Schienen des

Doppeladlers 13.00 (für HG) ZIB 13.15 Fernweh

18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20

Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Brandmal. Kriminalfilm, D2015 21.45

kinokino 22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 Iraqi

Odyssey. Dokumentarfilm,IRQ/CH/D/UAE2014

23.55 Wunderkinder 0.15 10 vor10

Phoenix

13.30 Streit um Nordstream 2 14.00 phoenix

vorort 14.45 Aktuelles im Umfeld der Sitzungen

der Bundestagsfraktionen 15.15 Unsere Welt in

Zukunft 15.45 Der Apostel kommt aus Afrika

16.00 Das Geschäft mit dem Plastik 16.45

SchmutzigeReifen 17.30 phoenix der tag 18.00

Deutschland im Rausch 18.30 Honeckers letzte

Spione oder Junior und der Schwan. Dokumentarfilm,

D2014 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Mysterien des Mittelalters 21.45

(für HG) heute journal 22.15 Phoenix Runde

23.00 phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.50 Ernest &Rebecca 13.15 Die Wilden Kerle

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 Ninja Nanny 15.25 Ein

Fall für TKKG 15.50 (für HG) Mascha und der Bär

16.05 (für HG) Chi Rho 16.50 (für HG)

Geronimo Stilton 17.35 Der kleine Ritter Trenk

18.00 Ein Fall für die Erdmännchen 18.15 Esme

&Roy 18.35 (für HG) Weißt du eigentlich, wie

lieb ich dich hab? 18.47 Baumhaus 18.50

Unser Sandmännchen 19.00 Sherazade 19.25

(für HG) pur+ 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) Kika Live 20.10 (für HG) Find me in Paris

Dmax

5.25 Feueralarm! 6.00 Die Aquarium-Profis

6.50 Infomercial 8.55 Hardcore Pawn 9.20

Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15 Baggage

Battles 11.15 Die Zwangsvollstrecker 13.15

Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in der Wildnis

15.15 Naked Survival XXL 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 Combat Dealers 18.15 Steel

Buddies 19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15

Steel Buddies 21.15 Die Austausch-Cops 22.15

112: Feuerwehr im Einsatz 23.10 DMAX News

23.15 Outback Inferno 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ARD-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Viel Wirbel ums Wasser 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Super.Markt

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Raus aus der DDR! 20.00

Tagesschau 20.15 Hartaber fair 21.30

Tagesschau 21.32 Die Kinder der friedlichen

Revolution 22.00 Marktcheck 22.45 Tagesschau

vor20Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30 Report

Mainz 0.00 Tagesthemen 0.30 Umschau 1.15

Die Säulen des Jupiter,Baalbek 1.30 7Tage...

2.00 Abendschau 2.30 MDR Sachsenspiegel

ONE

5.20 Um Himmels Willen 6.10 Morden im

Norden 7.00 Erlebnisreisen 7.05 Brisant 7.45

Die Landärztin: Ein neues Leben. Arztreihe, D/A

2008 9.15 Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.15

Hot in Cleveland 10.35 Lindenstraße 11.05

Morden im Norden 11.55 Sturmder Liebe 12.40

Sturmder Liebe 13.30 Um Himmels Willen

14.20 Besser als Du. Komödie, D2015 15.50

Hubertund Staller 16.40 Hot in Cleveland 17.00

Hot in Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hart

aber herzlich 18.40 Sturmder Liebe 19.25

Sturmder Liebe 20.15 Doctor Who 21.05 Doctor

Who 21.45 Doctor Who 22.35 Hustle 23.25

Doctor Who 0.15 Doctor Who

ZDF NEO

5.45 (für HG) Weltwunder 6.30 (für HG) Eine

Erde –viele Welten 7.15 (für HG) Eine Erde –viele

Welten 8.00 Topfgeldjäger 9.00

Lafer!Lichter!Lecker! 9.40 (für HG) Bares für

Rares 10.30 (für HG) Bares für Rares 11.25

Bares für Rares 12.10 (für HG) Monk 12.50 (für

HG) Monk 13.35 Psych 14.15 Psych 14.55 (für

HG) Monk 15.40 (für HG) Monk 16.20 Psych

17.00 Psych 17.45 (für HG) Bares für Rares

18.35 Bares für Rares 19.20 (für HG) Bares für

Rares 20.15 (für HG) Kommissarin Heller:

Hitzschlag.Krimireihe, D2015 21.45 (für HG)

Professor T. 22.45 heute-show 23.15 Shapira

Shapira 23.45 Blockbustaz 0.20 Blockbustaz

ZDF INFO

5.30 (für HG) Deutschland ’61 –Countdown zum

Mauerbau 6.15 (für HG) Deutschland ’89 –

Countdown zum Mauerfall 7.00 (für HG) Das

Erbe der Treuhand 8.28 heute Xpress 8.30

ZDF-History 11.15 Aufgeklärt–Spektakuläre

Kriminalfälle 12.45 ZDF-History 13.30

Schottland –Kampf der Clans 15.45 Die

Geheimnisse der Tudor-Dynastie 18.00 Burgen

–Monumente der Macht 18.45 Mordfall Martin

Luther King 20.15 ZDF-History 21.00 Amerikas

neue Nazis 22.30 Warumwir hassen 23.15

Inside IS 0.00 ZDF-History 0.45 (für HG) heute

journal 1.15 Syriens Herrscher –Das Haus Assad

3.30 Der Schattengeneral

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Streifzügedurch das

klassische Musikleben der Hauptstadt. Mit Kai

Luehrs-Kaiser,ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Ein Konzertzum 90. Geburtstag des

Komponisten GeorgeCrumb: „ElevenEchoes of

Autumn“ /„VoxBalaenae“ /„Night of the four

Moons“ /„Voice of the Whale“, ca. 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt Die Tageszeiten-Sinfonien von

Joseph Haydn, ca. 56 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Marcia aus Vermont (1/4) vonPeter

Stamm. Gelesen v. Christian Brückner,ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Wendeländer (4/5): Ein Rom

träumt vonder Champions League –Istvan Mezei

und der Fußballverband der Roma in Ungarn. Von

MirkoSchwanitz, ca. 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Die Stadt und die Stimmen: Hörstück

vonKarl-Heinz Stevens mit Texten vonJürgen

Becker.Sprecher:Jürgen Becker,ca. 50 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Wohin mit dem Elend, wohin mit dem

Leid. VonNadja Küchenmeister,ca. 57 Min.

MAGAZIN

9.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Im Gespräch Sopranistin Sarah Sun im

Gespräch mit Katrin Heise, ca. 55 Min.

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Wenn künstliche Gelenke

Probleme bereiten. Gast: Prof. Markus Tingart,

Direktor der Klinik für Orthopädie, ca. 80 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Südafrikas Afrophobie: Seit Jahren

politisch geduldet? VonLeonie March, ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Wiegeschlechtergerecht ist

Wikipedia? VonIna Krauß, ca. 26 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die Berliner Sängerin Erna Rot. Mit

Ortrun Schütz, ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Die ECM-Woche auf

rbbKultur,Teil 2, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Konzert Florian Weber Quartett: Aufnahme vom

25.5.2019 beim Jazzfest Bonn, ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 263 · D ienstag, 12. November 2019 – S eite 26 *

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Panorama

LEUTE

Daniel Brühl (41) macht sich mit zunehmendem

Alter auch zunehmend

Sorgen. Siebetreffen vorallem den

dreijährigen Sohn des Schauspielers:

„Der ultimativeAlbtraum ist ja, das

eigene Kind zu verlieren. DieVerlustängste

…werden immer stärker.“ Offenbar

kommt Brühl allmählich in

das Alter,woernoch einmal sein Leben

ändernmöchte.Generell sei das

viele Unterwegssein mit dem Familienleben

nicht immer vereinbar.„Das

haut dann schon rein, wenn man bei

bestimmten Momenten nicht dabei

sein kann, wenn etwasWichtiges passiertimLeben

des Sohns.“

Walter Freiwald (65) ist schwer an

Krebs erkrankt. Dervon der RTL-

Nachmittagsshow„DerPreis ist

heiß“ bekannte Moderator hatte dies

voreinigen Tagen bekannt gegeben

und zeigt sich nun vonden Reaktionen

überwältigt. PerFacebook lässt

er uns wissen: „Danke für euer Mitgefühl.

Ihrtut mir gut. Vergesst mich

nicht!“ Freiwald ist ein Teleshopping-Urgestein,

ein Dampfplauderer

vordem Herrnund selbst ernannter

„Dschungelkönig der Herzen!“ und

jetzt auch, wo es um seine eigene

Prognose geht, ein rückhaltloser

Klartexter:Der Krebs ist ein Arschloch

und wirdmich töten.“

Claudia Emmanuela Santoso (19) wird

uns wegen ihrer entzückenden Zahnspange

in jedem Fall noch etwas in

Erinnerung bleiben. Ansonsten lässt

sich vonder Studentin der Musikwissenschaft

sagen, dass sie am Sonntagabend

vollkommen zu Recht zur Siegerin

der Sat1-Castingsshow„Voice of

Germany“ gekürtwurde –vor allem

bei ihrer Interpretation

vonWhitney Hustons

Edelschnulze„Ihave

Nothing“ überzeugte

sie mit einer wirklich

intonationssicheren,

nuancenreichen,

etwas ins

Klagende neigenden,

aber auch in

den oberen Lagen

noch einigermaßen

kräftig jubilierenden

Stimme.Hoffen

wir,dass aus Santoso

mehr als eine

gute Musical-

Darstellerin wird.

(schl.)

Siegerin mit entzückender

Zahnspange.

DPA

TIERE

Diese Münchner Ente ruht sich

aus. Einfach so.

DPA

Große Anteilnahme in der kleinen

Tierkastenredaktion: Eine Ente sitzt

am Montag auf einem Rohr,das aus

einer Mauer in den Auer Mühlbach

unterhalb des bayerischen Landtags

ragt. Zugegeben, das wärenicht weiter

der Rede wert –Enten sitzen mal

hier,mal dort, landauf und landab.

Aber das weibliche Exemplar einer

Stockente,das unser Bild hier zeigt,

hat einen ungestörten Ortgefunden.

Daszuden Gänsevögeln gehörende

Tier ruht sich aus,esentflieht dem

Gelärm. Undsinnbildlich ja auch der

politischen Aufregung unserer Tage.

Ach, wie schön! (schl.)

VonWilli Germund, Bangkok

Der Allgäu Airport in

Memmingen hatte nach

zweiwöchiger Erneuerung

seiner Landepiste

gerade erst den Betrieb aufgenommen,

als es am 4. Oktober schon rappelte.

Zwei Flugzeuge gerieten mit

ihren Flügeln aneinander. AnBord

der Boeing 737 aus Thailand, die an

der bislang verheimlichten Kollision

mit Blechschaden beteiligt war, befand

sich ausgerechnet „904“, wie

das Sicherheitskürzel für Thailands

König Vajiralongkorn lautet. Er besitzt

seit Jahren einen Pilotenschein

für den zweistrahligen Düsenjet. Es

ist unklar, obPhrabat Somdet Phra

Vajira Klao Chao Yu Hua, so der offizielle

Titel des Monarchen, selbst am

Steuerknüppel saß.

Thailands König verbringt den

größten Teil seiner Zeit in Deutschland.

Er ließ sogar die Verfassung ändern,

um während seiner Visiten am

Starnberger Seekeinen Stellvertreter

ernennen zu müssen. Sein Grundstück

in der Nachbarschaft des deutschen

Sängers Peter Maffay trägt

eine Plakette mit einer Aufschrift, die

es als diplomatisches Gelände

kennzeichnet –angeblich aus Sorge

vor eifrigen deutschen Steuerfahndern.

Dabei zeigt die Bundesregierung

bislang wenig Interesse, dem

thailändischen Monarchen –erbesitzt

den 30 bis 40 Milliarden schwerenFond

„Crown Property“ in seiner

Heimat –zunahe zu treten.

Todesstrafe in Deutschland

Lediglich im letzten Jahr sah Berlin

sich genötigt, den König auf deutsche

Gesetzehinzuweisen. In Bangkok war

ein Krimineller nach einem vergeblichen

Gnadengesuch an König Vajiralongkron

hingerichtet worden, während

der Monarch in Deutschland

weilte.Die Todesstrafe ist in Deutschland

untersagt und fremde Staatsoberhäupter

können zur Rechenschaft

gezogen werden, wenn sie auf

deutschem Boden gegen deutsche

Gesetze verstoßen –selbst wenn es

sich um Entscheidungen handelt, bei

denen es um das Heimatland der Betreffenden

geht.

Doch zurück zum Flughafen von

Memmingen: Die Versicherungen

haben den Unfall längst geregelt. Eine

prominente Passagierin, die wahrscheinlich

bei der Kollision Anfang

Oktober an Bord war, fehlte ganz bestimmt,

als der König von Thailand

Anfang November erneut nach

Deutschland einflog: Die 34-jährige

Nicht zimperlich

Intrigen, Skandale und der Zorn von RamaX.:

Wieder König von Thailand

Sineenat Wongvajirapakdi, im Oktober

noch offiziell ernannte Konkubine

des Königs.WährendVajiralongkornzuseinen

gewohnten Radtouren

in Süddeutschland aufbricht, hockt

Koi, so der Spitzname der begeisterten

Sportlerin, auf einer Gefängnispritsche

im Frauengefängnis Klong

Phrem, der weiblichen Abteilung des

mit 20000 Gefangenen überfüllten,

auch als Bangkok Hilton bekannten

Hochsicherheitsgefängnisses.

Thailands König wirft Koivor,ihre

Position genutzt zu haben, um die

„Nation zu unterminieren“ – das

ließe sich auch dahingehend interpretieren,

dass sie selber Königin

werden wollte.Wie auch immer,Anfang

November gehörte wieder die

41-jährige Königin Suthida zur Delegation,

als Vajiralongkorn zuseinem

jüngsten Aufenthalt in Deutschland

ankam. Sie war bereits vor längerer

Zeit zunächst in die Schweiz und

später angeblich in ein italienisches

Dorf umgezogen, um ihrer Nebenbuhlerin

aus dem Wegzugehen. König

Rama X. hatte sie drei Tage vor

seiner offiziellen Krönung Anfang

Mai geheiratet und auf den Thron

befördert.

Just am 67. Geburtstag des Königs

im Juli verfolgte Königin Suthida mit

seine Macht festigt

Volles Ornat, hartes Regiment: Königin Suthida musste eine königliche Geliebte neben sich dulden –bis König Rama X. die Konkubine ins Gefängnis werfen ließ. IMAGO IMAGES (2)

Einmal, da waren sie glücklich: Der König und seine Konkubine Sineenat.

Nach der offiziellen Lesartbeseitigt derKönig

alle „illoyalen“ und „undankbaren“ Kräfte am

Hofe. Betroffen davon sind allerdings nicht

nur seine offizielle Geliebte, sondern auch

Familienmitglieder und Hofangestellte.

Niemand soll Rama X. gefährlich werden.

versteinerter Miene der Zeremonie,

bei der ihre Nebenbuhlerin auf dem

Boden liegend ihren offiziellen Titel

als „königlich adelige Gemahlin“

entgegennahm. Der Rang war zuletzt

vor dem Jahr 1932, dem Ende

der absoluten Monarchie, vergeben

worden. Damals war es üblich, dass

Thailands Könige Töchter von Untertanen

als „Geschenk“ annahmen.

Doch das Glück der 34-jährigen

Thailänderin, die einen Generalsrang

erhalten hatte, sich als Scharfschützin

übte und einen Pilotenschein

machte,dauerte nur ein paar

Monate.

Der königliche Palast nahm bei

der Begründung für den plötzlichen

tiefen Fall Ende Oktober der Geliebten

von Rama X. kein Blatt vor den

Mund. Siehabe sich illoyal verhalten

und sei der Amtsanmaßung schuldig.

In der Begründung in der amtlichen

„Royal Gazette“ hieß es gar, Sineenat

habe sich „undankbar“ aufgeführt,

obwohl der König mit der

Ernennung zur „königlich adligen

Gemahlin“ versuchte,Frieden in seinem

offenbar vonIntrigen durchwucherten

Haushalt zu schaffen.

Demtiefen Fall vonKoi folgte eine

weitreichende Säuberung, die manche

Beobachter an die Dramen von

AFP

William Shakespeare erinnern. Ihre

Familie gilt inzwischen als unauffindbar.

Der Mittelpunkt der Affäre

scheint sich im und rund um das

Schlafzimmer des Königs von Thailand

abgespielt zu haben. Zwei

Schlafzimmerpagen wurden gefeuert.

Zwei weitere Höflinge wurden

wegen „extrem üblem Verhalten“ geschasst.

Ein Hofmeister –angeblich

hatte er eine Geliebte zur Abtreibung

gezwungen –verlor sein Amt.

Rund ein Dutzend Personen aus

dem engen Umfeld des Monarchen

verloren ihre Ämter. Im Palast ist

längst bekannt, dass der Monarch

keine Gnade kennt, wenn sein Zorn

erst einmal geweckt wird. Schon

kurz nach der Amtsübernahme als

König verbannte er langjährige Palastmitarbeiter

seines verstorbenen

Vaters Bhumibol Adulyadej, denen

Korruption vorgeworfen wurde.

Die große Säuberung

Vajiralongkorns dritte Ehefrau Srirasmi

Suwadee, Mutter des gegenwärtig

in Deutschland zur Schule gehenden,

2005 geborenen gemeinsamen

Sohns Prince Dipangkorn Rasmijoti,

verschwand völlig aus der

Öffentlichkeit. Sieben Mitglieder ihrer

Familie wanderten wegen Korruption

hinter Gitter. Sirisima selbst

wurde auf Anordnung des Königs

mit rund 5,5 Millionen US-Dollar abgefunden.

Angeblich, es machen allerlei

Gerüchte die Runde.Eines lautet,

dass beim neuesten Skandal die

amtierende Königin hinter den Enthüllungen

und Entlassungen stecke.

Ein anderes will wissen, dass Vajiralongkorns

älteste Tochter, die 1978

geborene Prinzessin Bajrakitiyabha

Narendira Debyavati, die Affäre um

das Schlafzimmer des Königs ins

Rollen brachte. Vielleicht, um die

Dynastie zu retten?

Den König muss all das nicht

mehr kümmern, er kann sich in seiner

Position gegenwärtig so sicher

wie noch nie fühlen. Der Monarch

brachte nämlich die wichtigsten

Teile der Streitkräfte in Bangkok unter

seine Kontrolle. Armeechef Anupong

Paochinda gilt als Vertrauter

Vajiralongkorns. Und seit März des

vergangenen Jahres wird die Gefolgschaft

in der Kaderschmiede „Freiwilliger

Geist 904“ herangezogen

und auf Linie gebracht. Ziel laut der

Webseite des königlichen Palasts:

„Entwicklung und Verteidigung des

Landes sowie die Ausbildung von

Leuten, die loyal zur Monarchie“ stehen.

Bislang haben 3000 Thailänder

die Kaderschmiede absolviert.

NACHRICHTEN

Tote Frau in Hamburg vor

Haustür abgelegt

In einem Hamburger Wohngebiet

soll ein Unbekannter eine Frauenleiche

aus einem Haus getragen und

neben dem Gehweg abgelegt haben.

EinGewaltverbrechen hat die Polizei

nach ersten Erkenntnissen am Montag

ausgeschlossen. Vielmehr sei die

50-Jährige Anwohnernzufolge

schon länger krank gewesen. Vorläufige

Festnahmen hatte es in der

Nacht zu Montag nach einem Großeinsatz

vonPolizei, Feuerwehr und

Landeskriminalamt dennoch gegeben.

Werdie Tote warum vordem

Haus im Hamburger Stadtteil Bramfeld

abgelegt hatte,war jedoch zunächst

unklar. (dpa)

Zoll stellt Kuhhaut mit

Maden am Flughafen sicher

Sieben Kilogramm vergammelte

und vonMaden befallene Kuhhaut

hat der Zoll am Düsseldorfer Flughafen

sichergestellt. DieBeamten hätten

den unangenehmen Geruch aus

dem Koffer einer Wuppertalerin

schon vonweitem wahrnehmen

können, berichtete ein Zollsprecher

am Montag. AufNachfrage habe die

Reisende angegeben, es handele sich

um eine Delikatesse aus Kamerun.

Ihre Familie werdedie „schön weiche“

Haut essen. Dazu kam es nicht:

DiezweiPlastiktüten mit dem anrüchigen

Inhalt wurden sichergestellt.

DieStadt Düsseldorfwerde die Haut

vernichten. DieKosten dafür werde

die Reisende tragen müssen. (dpa)

Weißer Trüffel für 120000

Euro versteigert

Wuchtiger Edelpilz: Der Leckerschmecker

wiegt ein Kilogramm. AFP/MIGUEL MEDINA

Einweißer Trüffel mit einem Gewicht

vonrund einem Kilogramm ist

am Sonntag im italienischen Piemont

für 120 000 Euro an einen anonymen

Bieter versteigertworden.

DieAuktion war der Höhepunkt des

jährlichen weltbekannten Internationalen

Festivals des Weißen Trüffels

in der Stadt Alba nahe Turin.

Dortwurden EdelpilzeimWertvon

insgesamt etwa 420 000 Euro versteigert.

Mitrund 120 Euro proGramm

entspricht der Preis des Riesenexemplars

bei weitem nicht dem derzeitigen

Marktpreis,der laut italienischem

Bauernverband Coldiretti die

nationale Referenz ist. Dieser liegt

derzeit bei rund 3,75 Euro pro

Gramm. DieErlöse der Trüffel-Auktionen

gehen traditionell an wohltätige

Organisationen. (AFP)

Frau bei Unglück mit

Küchenmaschine erwürgt

Beim Backen eines Geburtstagskuchens

für ihren Sohn ist eine Französin

auf tragische Weise ums Leben

gekommen. WieFeuerwehr und Polizei

am Sonntag mitteilten, verfing

sich das Halstuch der 58-Jährigen in

ihrer Küchenmaschine –die Frau

wurde erwürgt. Rettungsversuche

ihres 15-jährigen Sohnes blieben erfolglos.Der

15-Jährige zognach dem

Unglück am Sonntagmorgen auf Anraten

der Notruf-Zentrale den Stecker

des Mixers und schnitt das Halstuch

seiner Mutter durch. (AFP)

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