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Tagungsbroschüre_Zweisprachigkeit_Vecjezicnost

mehr als einer Sprache

mehr als einer Sprache zu schreiben oder die Sprache zu wechseln? Was hemmt und was begünstigt Phänomene wie Translingualismus, Anderssprachigkeit, Andersschriftlichkeit? Was macht literarische Mehrsprachigkeit geradezu unausweichlich? Ist es eine Sache urbaner Lebenszusammenhänge, von Mobilität und Bildung? Oder ist es eine Angelegenheit der Peripherien, der Minderheiten, von Migration und „Überlebenskunst“ im engsten Wortsinn? Welchen Stellenwert hat mehrsprachige Literatur innerhalb der Idee eines polylingualen Europa, des Konzepts einer „horizontalen“ Europäisierung, wie sie Ulrich Beck formuliert hat? Ist die Gesellschaft bereit, monolinguale Denkstrukturen hinter sich zu lassen? Sind die Mitgliedsländer der Europäischen Union dazu bereit? Bekanntlich hat Florjan Lipuš den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur 2017 deshalb (noch) nicht erhalten, weil er in der falschen Sprache schreibt. Von den postmonolingualen Bedingungen, wie sie Yasemin Yildiz in Beyond the Mother Tongue (2012) beschreibt, mag es noch ein weiter und beschwerlicher Weg ins postmonolinguale Zeitalter sein, gleichwohl ist Mehrsprachigkeit aus der Literatur und dem Literaturbetrieb nicht wegzudenken. Die jüngeren Forschungen und Publikationen zum Thema belegen, dass literarische Mehrsprachigkeit auch in den (vergleichenden) Literatur- und Kulturwissenschaften auf zunehmendes Interesse stößt. Dazu haben die Einzelphilologien, so auch in der Germanistik und der Slowenistik, durch die Entwicklung interkultureller Konzepte wesentlich beigetragen. Die Zahl der Universitäten mit ausgewiesenen Schwerpunkten im Bereich literarischer Mehrsprachigkeit ist ebenso im Steigen begriffen (man denke an Klagenfurt, Luxemburg, München) wie es zusehends mehr Bestrebungen zu internationaler und transdisziplinärer Vernetzung gibt. Beispielhaft seien das Webportal „Polyphonie“ und das Netzwerk „Small/Minor Literatures & Cultures“ genannt. Trotz dieser untrüglichen Anzeichen üben sich Till Dembeck und Rolf Parr im Vorwort ihres Handbuchs Literatur und Mehrsprachigkeit (2017) in Zurückhaltung, wenn es darum geht, in den Literaturwissenschaften einen „multilingual turn“ konstatieren zu wollen. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass das aktuelle Interesse an literarischer Polyglossie (noch?) weit davon entfernt ist, die in Europa seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert vorherrschenden nationalphilologischen Betrachtungsweisen zu erschüttern, geschweige abzulösen. Auch der Umstand, dass es kaum eine Region, ein Land, ein Staatsgebilde gibt, wo Literatur ausschließlich in einer einzigen Sprache 7

verfasst wird – wie Monika Schmitz-Emans im Band Transnationale Literaturgeschichte (2004) prägnant formuliert hat – scheint nichts daran ändern zu können. Multilingualität in der literarischen Praxis Die Tagung Literarische Mehrsprachigkeit/Literarna večjezičnost fokussiert auf zwei solche Gebilde: Österreich und Slowenien. Beide zeichnen sich historisch wie aktuell durch vielfältige wechselseitige Beziehungen und ihre faktische Multilingualität aus. Nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb – bestimmen auch in diesen beiden Ländern monolinguale Grundüberzeugungen die gegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und medialen Diskurse. Von daher weist die Auseinandersetzung mit literarischer Mehrsprachigkeit per se über den Gegenstand hinaus, indem sie die Vorstellung von voneinander abgegrenzten, miteinander konkurrierenden Gesellschaften und Literaturen unterläuft, neue Blickfelder eröffnet und den Transfer von Wissen über Sprachen und Disziplinen hinweg fördert. In diesem Sinn spannen die Beiträge von Forscherinnen und Forschern, die in Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Österreich und Slowenien institutionell verankert sind, einen inhaltlich breiten Bogen, der unausweichlich über den österreichisch-slowenischen Kontext hinausreichen muss. Die Diskussion soll von der Erörterung (trans-)nationaler, globaler und regionaler konzeptioneller Zugänge zu literarischer Mehrsprachigkeit über Beispiele zwei- und mehrsprachiger Praktiken in der Literatur autochthoner Sprachminderheiten wie auch migrierter Autorinnen und Autoren bis hin zu Formen des Schreibens im Exil und in der vielsprachigen Doppelmonarchie reichen. Historische, innovative und subversive Aspekte literarischer Polyphonie sollen ebenso zur Sprache kommen wie die Frage der Formen, Funktionen und Rezeption mehrsprachiger Literatur oder auch die Problemfelder Sprachwechsel und Sprachverlust. Die Tagung schließt mit einer offenen Podiumsdiskussion zu den Perspektiven transnationaler Literaturgeschichte(n) als möglicher Alternative oder Erweiterung der dominierenden nationalen oder nationalsprachlich ausgerichteten Literaturgeschichtsschreibung in Österreich und Slowenien. 8

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