Aufrufe
vor 4 Monaten

physio-Journal I 1/2018

vensystem hin

vensystem hin umgeschaltet werden (s. Abb. 3.1.). diese Neuronen (ca. 15 m/s) essenziell ist. A-Delta-Fasern stellen Hautafferenzen für Temperatur und Gleichzeitig wirken an dieser Stelle verschiedene Mechanismen ein, die die Schmerzweiterleitung kontrollieren. Die Massage erreicht ihre schmerzhem- einem sofortigen stechenden Schmerz, wie z. B. ei- Schmerz dar und reagieren auf intensive Stimuli mit mende Wirkung durch die im Folgenden erläuterten nen Nadelstich auf der Haut. Stimulation Prinzipien. von Nozizeptoren Von wichtiger Bedeutung für die Schmerzhemmung sind die A-Beta-Fasern. MEMO Sie sind Hautafferenzen für Schmerzrezeptoren (= Nozizeptoren) in der Haut und in anderen Geweben erkennen Störungen über mechanische, ther- Nozizeptoren (= Schmerzrezeptoren) sind durch ver- Berührung und leichten Druck. Ihr mittlerer Durchmesser beträgt 8 µm und ihre mittlere Leitungsge- 3.4.1 Stimulation von Nozizeptoren mische oder chemische Reize und vermitteln den Impuls über schwindigkeit schiedene beträgt 50 Einflüsse m/s, somit (z. sind B. thermische, sie also mechanische afferente Neurone Schmerzrezeptoren zum zentralen (=Nozizeptoren) Nervensystem. in der Haut Dort wird wesentlich schneller bzw. chemische) als die schmerzleitenden erregbare Fasern Rezeptoren in der Haut und und in anderen Geweben erkennen Störungen über einschließlich der Reiz als Schmerz wahrgenommen. anderen A-Delta-Fasern. Geweben, deren Reizung zur Schmerzempfindung führt. mechanische, thermische oder chemische Reize Die langsam leitenden, mit einem Durchmesser von 0,5–1 µm sehr dünnen C-Fasern sind unmyelinisiert. Aufgrund des Fehlens der Myelinscheide liegt ihre absteigende Gehirn mittlere Leitungsgeschwindigkeit sind sie also wesentlich bei ca. schneller 1 m/s. Die Bahnen als die schmerzleitenden Fasern einschließlich der A-Delta-Fasern. C-Fasern sind Hautafferenzen allein für Schmerzreize (später eintretendes „dumpfes“ Schmerzgefühl). Werden die Die Nozizeptoren langsam leitenden, durch einen mit Schmerzreiz einem Durchmesser von 0,5–1 µm schmerzhemmende stimuliert, sehr leiten dünnen die A-Delta- C-Fasern und C-Fasern sind unmyelinisiert. den Reiz Aufgrund des Fehlens weiter, der und Myelinscheide erst bei Ankunft liegt im Großhirn Rückenmark = Gate zum ZNS Fasern ihre mittlere Leitungsgeschwindigkeit bei ca. 1 m/s. Die C-Fasern sind Hautafferenzen allein (A-Beta-Fasern) wird die Wahrnehmung des Schmerzes bewusst. A-Delta-Fasern C-Fasern Wird nun 3.5 die schmerzende Lokale Durchblutungssteigerung Stelle z. B. durch | Streicheln oder für Druck Schmerzreize massiert, so (später werden eintretendes diese Impul- »dumpfes« Schmerzge- 29 periphere Schmerzimpulse se über die fühl). A-Beta-Fasern weitergeleitet. Da sie um ein Vielfaches Werden schneller die sind Nozizeptoren als die schmerzleitenden A-Delta- und C-Fasern, dominieren sie über den durch einen Schmerzreiz stimuliert, leiten die A-Delta- und C-Fasern den Reiz zum ZNS wei- der Rückenmarksebene. Sie gewinnen sozusagen Abb. 3.1. Entstehung und Hemmung von Schmerz nach Abb. 1: Entstehung gegenüber der Gate-Control-Theorie und den Hemmung Konkurrenten; von Schmerz Impulse nach der der A-Delta- Memo Gate-Control-Theorie langsameren Stimulus bereits an den Synapsen auf und C-Fasern werden nicht mehr weitergeleitet. Die ter, und erst bei Ankunft im Großhirn wird die Wahrnehmung Massage bewirkt hauptsächlich eine Stimulation der dicken des Nervenfasern. Schmerzes Dies bewusst. führt zur Wird nun die schmerzende Stelle Die Reizschwelle Folge ist, dass der der Schmerzrezeptoren nicht mehr wahrgenommen wird, da die Schmerzimpulse nicht mehr über Schmerzhemmung und Verminderung der liegt deutlich höher als die anderer, durch vergleichbare Reizqualitäten erregbarer z. B. durch Streicheln oder Druck massiert, so werden diese den Thalamus zum Großhirn gelangen. Diesen Vorgang bezeichnet und adaptiert man als bei präsynaptische anhaltendem Hemmung Reiz nicht oder Impulse über die A-Beta-Fasern weitergeleitet. Da sie um ein Reflex aktivität des Sympathikus. Rezeptoren, nur langsam. (s. Abb. Die 3.2). schnell Die erfolgreiche leitenden, 1–7 Schmerzhemmung µm dicken A-Delta-Fasern sind von einer Myelinschicht (= Markscheide) umhüllt, die und C-Fasern, dominieren sie über den langsameren Stimulus Vielfaches schneller sind als die schmerzleitenden A-Deltazieht noch einen weiteren Effekt nach sich: Die Aktivität des Sympathikus lässt nach und der Muskeltonus sinkt. für die schnelle Reizweiterleitung durch diese Neuronen (ca. bereits an den Synapsen auf der Rückenmarksebene. Sie gewinnen sozusagen gegenüber den Konkurrenten; Impulse der 3.6 Sympathikushemmende 15 m/s) essenziell ist. A-Delta-Fasern stellen Hautafferenzen Effekte für Temperatur und Schmerz dar und reagieren auf intensive A-Delta und C-Fasern werden nicht mehr weitergeleitet. Die Stimuli mit 3.5 einem Lokale sofortigen Durchblutungssteigerung auf der Haut. somatische Reflexe da die über Schmerzimpulse das sympathische Nerven- nicht mehr über den Thalamus zum stechenden Schmerz, wie z. B. Folge ist, dass der Schmerz nicht mehr wahrgenommen wird, Wie erwähnt, verlaufen somatoviszerale und viszero- einen Nadelstich Von wichtiger Bedeutung für die Schmerzhemmung system. sind Sie finden Großhirn ihre Ursache gelangen. in einer Diesen Senkung Vorgang der 3bezeichnet man als präsynaptische die A-Beta-Fasern. Wird eine schmerzende Sie sind Hautafferenzen Körperregion massiert, für Berührung sympathischen und Reflexaktivität. Hemmung Untersuchungen (s. Abb. zur 2). Die erfolgreiche Schmerzhemmung zieht noch einen weiteren Effekt nach sich: Die Ak- kommt es zu einer lokalen Durchblutungssteigerung. Wirkung der somatischen Reize auf die Aktivität des leichten Druck. Ihr mittlerer Durchmesser beträgt 8 µm und Damit werden Endprodukte des Stoffwechsels, sofern Sympathikus zeigten, dass Reize über dicke Fasern ihre mittlere Leitungsgeschwindigkeit beträgt 50 m/s, somit tivität des Sympathikus lässt nach und der Muskeltonus sinkt. TITELTHEMA sie im geschädigten Gebiet vorhanden sind, verringert oder beseitigt. langsame Fasern (A-Deltaund C-Fasern) schnelle Fasern (A-Beta-Fasern) Substantia gelatinosa (modifiziert Impulse) (=A-Beta-Fasern) kurzfristig eine Aktivitätssteigerung bewirken, dann aber sofort zu einer starken Lokale Durchblutungssteigerung T-Zellen (empfangen und leiten Impulse zu höheren Ebenen) Aktivitätsminderung des Sympathikus führen. Reize Wird eine schmerzende Körperregion massiert, kommt es zu einer lokalen Durchblutungssteigerung. Damit werden Endprodukte des Stoffwechsels, sofern sie im geschädigten Gebiet vorhanden sind, verringert oder beseitigt. über dünne unmyelinisierte Fasern (=C-Fasern) führen dagegen direkt zu einer deutlichen und dauerhaften Steigerung der sympathischen Reflexaktivität (Sato und Schmidt, 1973). 3.7 Tonusregulierende Effekte 8 physio-Journal schmerzreduzierende Berührungs- und Vibrationsrezeptoren im peripheren Gewebe graue Substanz des Rückenmarks Abb. 2: Verschaltung Abb. 3.2. Verschaltung der Schmerzreize der Schmerzreize bei der präsynaptischen bei der präsynaptischen Hemmung Hemmung Je nach eingesetzter Massagetechnik kann der Tonus eines Muskels über reflektorische Vorgänge gesteigert oder gesenkt werden. Die Massage setzt einen mechanischen Reiz an der Muskulatur, von wo aus der so genannte tonusregulierende Reflex ausgelöst wird. Kontraktile Elemente der Muskelspindel nehmen den Reiz wahr und leiten ihn als sensible MEMO Afferenz zum Rückenmark. Im Rückenmark erfolgen polysynaptische Verschaltungen, in deren Folge die Muskelspindel wieder beeinflusst wird und hier schließlich der tonusregulierende Effekt einsetzt. Somit liegen bei diesem Reflexbogen Effektor und Rezeptor im gleichen Organ, d. h. in der Muskulatur. Massage bewirkt hauptsächlich eine Stimulation der dicken Nervenfasern. Dies führt zur Schmerzhemmung und Verminderung der Reflexaktivität des Sympathikus.

TITELTHEMA Sympathikushemmende Effekte Wie erwähnt, verlaufen somatoviszerale und viszerosomatische Reflexe über das sympathische Nervensystem. Sie finden ihre Ursache in einer Senkung der sympathischen Reflexaktivität. Untersuchungen zur Wirkung der somatischen Reize auf die Aktivität des Sympathikus zeigten, dass Reize über dicke Fasern (= A-Beta-Fasern) kurzfristig eine Aktivitätssteigerung bewirken, dann aber sofort zu einer starken Aktivitätsminderung des Sympathikus führen. Reize über dünne unmyelinisierte Fasern (= C-Fasern) führen dagegen direkt zu einer deutlichen und dauerhaften Steigerung der sympathischen Reflexaktivität [Sato und Schmidt, 1973]. Tonusregulierende Effekte Je nach eingesetzter Massagetechnik kann der Tonus eines Muskels über reflektorische Vorgänge gesteigert oder gesenkt werden. Die Massage setzt einen mechanischen Reiz an der Muskulatur, von wo aus der sogenannte tonusregulierende Reflex ausgelöst wird. Kontraktile Elemente der Muskelspindel nehmen den Reiz wahr und leiten ihn als sensible Afferenz zum Rückenmark. Im Rückenmark erfolgen polysynaptische Verschaltungen, in deren Folge die Muskelspindel wieder beeinflusst wird und hier schließlich der tonusregulierende Effekt einsetzt. Somit liegen bei diesem Reflexbogen Effektor und Rezeptor im gleichen Organ, d. h. in der Muskulatur. Effekte auf das Immunsystem Massage hat nachweislich einen Einfluss auf das Immunsystem des Körpers. Zu den Effekten gehören die Steigerung der unspezifischen Körperabwehr (vermehrte Bildung bzw. Aktivierung von Leukozyten, Monozyten, Thrombozyten und Mastzellen) sowie eine Verminderung der spezifischen Abwehr (Immunglobulin E, Interleukin-4, Interleukin-6, y-Interferon). Dies sind Massageeffekte, die bei Untersuchungen an Gesunden diagnostiziert wurden (Werner, 1997). Eine Studie an HIV-positiven Probanden zeigte, dass durch Massage die Immunparameter der HIV-Patienten positiv beeinflusst wer- den. Verglichen mit einer Kontrollgruppe waren die Natural Killer Cells signifikant vermehrt und ihre Toxizität gesteigert. Des Weiteren konnten verminderte Spiegel der Stresshormone Adrenalin und Kortisol verzeichnet werden, wodurch das Immunsystem zusätzlich gestärkt wird [Ironson und Field, 1996]. Neben der Wirkung auf das Immunsystem haben verringerte Kortisol- und Adrenalinspiegel auch eine bedeutende lokale Wirkung; die Wundheilung nach Verletzungen wird durch verbesserte Kollagensynthese beschleunigt. ZUSAMMENFASSUNG Mechanische Effekte sind das Lösen von Verklebungen zwischen Gewebeschichten und das Lösen pathologischer Crosslinks (= Mobilisationseffekt) Zu den biochemische Effekten gehören die Freisetzung von Mediatorsubstanzen wie z. B. Histamin, Prostaglandinen und Leukotrienen (= Entzündungsmediatoren), Endorphinen und Serotonin, die auf Durchblutung, Wundheilung und Schmerzwahrnehmung wirken. Reflektorische Effekte sind die Schmerzhemmung, Sympathikushemmung und Tonusregulation. Immunmodulierende Effekte betreffen die Verminderung der Stresshormone, die Steigerung der unspezifischen Abwehr und die Verminderung von Überempfindlichkeitsreaktionen sowie die Verbesserung der Wundheilung. ÜBERPRÜFEN SIE IHR WISSEN Über welche Effekte werden die Wirkungen der Bindegewebsmassage vermittelt? Was versteht man unter einem Crosslink? Worauf beruht die schmerzhemmende Wirkung einer Massage? Welche Auswirkung hat die Freisetzung von Histamin? Beschreiben Sie den kutiviszeralen Reflexbogen. Welche Bedeutung hat er in der Physiotherapie? Auf welche Parameter des Immunsystems wirkt sich die Massagebehandlung aus? physio-Journal 9