Berliner Zeitung 28.01.2020

BerlinerVerlagGmbH

Kobe Bryant, der Furchtlose –ein Nachruf – Seite 3

Ein neuer

Mann für

Hertha?

Seite 18

2°/8°

Sonne und Regen

Wetter Seite 2

Sparen in der

Niedrigzinsphase

Wirtschaft Seite 7

www.berliner-zeitung.de

Tausende wollen

BER-Tester werden

Berlin Seite 12

Dienstag,28. Januar 2020 Nr.23HA-76. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Coronavirus: Auswärtiges

Amt erwägt Evakuierung

Tagesthema Seite 2

Wiedervereinigung

Flakes Groll

auf dieses

Deutschland

VonSabine Rennefanz

Die einen sagen „Beitritt“, die

nächsten sprechen von „Übernahme“,

andere von „Kolonialisierung“.

Christian Lorenz, Spitzname

Flake,Musiker der Band Rammstein,

drückte sich ein wenig drastischer

aus: Die Wiedervereinigung sei im

Großen und Ganzen eine Sauerei gewesen,

sagte er in einem Interview

mit dem österreichischen Standard.

„Wir wurden als

unnützes Land

angegliedert,

ganze Biografien

für wertlos erklärt,

Firmen geschlossen,

damit

sich die Westfirmen

breitmachen

konnten.

Christian „Flake“

Lorenz, Keyboarder Wir sind so sehr

der Band Rammstein zurückgesetzt

worden, dass

sich ein Groll und eine Enttäuschung

aufgebaut haben, die bis jetzt anhalten.“

Dasklingt nicht so nett wie das,

was man in den Reden zu den jährlichen

Feiern am3.Oktober in den

vergangenen Jahrzehnten von den

Tribünen hörte; da dominierte die

Erzählung vom Erfolg der Einheit,

Flake aber kommt der Gefühlslage

vieler Ostdeutscher näher.

Flake war in der DDR Punk, er

trennt zwischen Wende und Wiedervereinigung.

Nach der Wende habe

eine offene, spannende Zeit begonnen,

die mit der schnellen Wiedervereinigung

abrupt zu Ende gegangen

sei. Klar, eine Mehrheit hatte im

März1990 für den Beitritt gestimmt.

Aber hatten die Menschen geahnt,

was das für sie bedeutete? Die Einheit

als Beitritt galt als „alternativlos“.

Alle Vorschriften und Regeln

aus der Bundesrepublik mussten

übertragen werden, ohne zu gucken,

was im Osten funktionierte oder im

Westen reformbedürftig war.

Im Herbst wird zum dreißigsten

Maldie Einheit gefeiert–und es wird

Zeit, ungeschönt über die Fehler und

die verpassten Chancen der Vereinigung

zu reden. Die Westdeutschen

wenden meist ein, dass sie sich

Dankbarkeit von den Ostdeutschen

wünschen, da sie mit ihrem Geld

doch den Schrottstaat DDR aufgebaut

haben. Doch da fehlt etwas,

denn auch dieWestler haben gewonnen,

was Karriere- und Gewinnchancen

und Immobilienbesitz angeht.

Firmen profitierten von zwei

Millionen qualifizierten Fachkräften,

die nach 1990 in denWesten gingen.

Die DDR war also ganz und gar

kein unnützes Land.

Überlebende von Auschwitz gedenken am 75. Jahrestag der Befreiung der Opfer.

VonUlrich Krökel, Oswiecim/Auschwitz

Der Appell der Opfer

Am Holocaust-Tag in Auschwitz geht es vor allem um das Gedenken.

Es geht aber auch um Politik und um die Deutung der Geschichte

Es sind nicht die großen

Worte, die an diesem Gedenktag

in Auschwitz am

meisten erschüttern. Es ist

auch nicht das ikonische Bild des grell

angeleuchteten Einfahrtstors in das

Vernichtungslager Birkenau, vordem

die Redner stehen und 75 Jahre nach

der Befreiung des Todeslagers am 27.

Januar 1945 ihre Erinnerungen schildern

und zu Wachsamkeit in der Zukunft

mahnen. Es ist das Schlichte,

das Nüchterne in den Erzählungen

der Überlebenden, die viele Zuhörer

entsetzen und zu Tränen rühren.

Es ist das Banale und Alltägliche

des Bösen, von dem etwa Batszewa

Dagan berichtet, eine israelische Jüdin

polnischer Abstammung, die

1942 nach Auschwitz kam, bis 1945

blieb und zuletzt die Todesmärsche

nach Westen überlebte.„Es ist nicht

leicht zu entscheiden, was das

Schlimmste war, was ich hier erlebt

habe“, sagt die 94-Jährige,als müsste

sie genau jetzt erst überlegen, um

dann die richtige Entscheidung zu

treffen. Als wäresie nicht der „Hölle“

entkommen, von der Polens Präsident

Andrzej Duda zur Eröffnung

der Gedenkfeierlichkeiten gesprochen

hatte, dieser „von Deutschen

industriell geführten Fabrik des Todes,

über der unablässig der Rauch

aus den Krematorien aufstieg“.

Kein großes Wort sagt Dagan über

die mindestens 1,1 Millionen Mordopfer

der Nazis in Auschwitz-Birkenau,

von denen rund 900 000 jüdischer

Herkunft waren wie sie selbst.

VonGaskammern und Zyklon Bist

nicht die Rede. Nein, die Überlebende

erinnert sich zuallererst

daran, dass die SS-Wachmannschaften

sie als „Schutzhäftling“ eingruppierten.

„Dabei gab es hier keinen

Schutz, nirgends.“ Das Wort, fährt

Dagan fort, habe die ganze Verachtung

gezeigt, mit der die Deutschen

sich ihre Opfer unterworfen hätten.

„Wenn ihr gleichgültig seid, dann ist

all das wieder möglich. Auschwitz ist nicht

vom Himmel gefallen.“

Marian Turski, Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau

„Menschliche Würde gehörte hier

nicht her.“

Dieser Tag, der 75. Jahrestag der

Befreiung des Vernichtungslagers

Auschwitz-Birkenau, solle„den Überlebenden

gehören“. So hatte es der

Leiter der KZ-Gedenkstätte,Piotr Cywinski,

im Vorfeld angekündigt. „Wir

machen das hier nicht für Politiker,

gekrönte Häupter und Präsidenten“,

vondenen am Montag rund 60 zu den

Feierlichkeiten nach Auschwitz gekommen

waren, das heute wieder

polnisch Oswiecim heißt. Als Vertreter

Deutschlands ist der Bundespräsident

angereist, Frank-Walter Steinmeier.

Vor allem aber sind rund 200

Überlebende gekommen. Sie haben

allen Anstrengungen der Reise, der

winterlichen Kälte und den eigenen

Gebrechen getrotzt.

Marian Turski gehört dazu, ein

polnischer Journalist jüdischer Abstammung.

„Das möchte ich meinen

Kindern und Enkeln sagen“, setzt er

an und fährt dann mit einem eindringlichen

Appell fort: „Seid niemals

gleichgültig. Seid niemals gleichgültig,

wenn Minderheiten abgewertet

werden. Seid niemals gleichgültig,

wenn die historische Wahrheit zu gegenwärtigen

politischen Zwecken

missbraucht wird. Denn wenn ihr

gleichgültig seid, dann ist all das wieder

möglich.“ UndTurski schließt mit

dem mahnenden Satz:„Auschwitz ist

nicht vomHimmel gefallen.“

Auch der 94-jährige Stanislaw Zalewski

mahnt: „Wenn wir heute mit

offenen Ohrendurch die Welt gehen,

dann hören wir noch die Schreie der

Menschen, die hier gequält, erniedrigt

und ermordet wurden.“ Man

GETTY IMAGES EUROPE/OMAR MARQUES

könne aber auch den „Schrei nach

Vergebung und Versöhnung hören“.

Keine Frage: Mit ihren Appellen an

die Jugend, niemals gleichgültig gegenüber

Erniedrigung und Hass zu

sein, sind Turski und Zalewski an

diesem Auschwitz-Gedenktag trotz

ihres hohen Alters erschreckend aktuell.

Denn sie sprechen nicht nur

über das Damals,sondernauchüber

den wachsenden Antisemitismus

und Rassismus weltweit.

Aber auch jene Politiker, die laut

Museumsdirektor Cywinski am

Montag nicht im Zentrum derVeranstaltung

stehen sollten, hatten mit

ihren Debatten im Vorfeld dieses 27.

Januar längst für neue internationale

Spannungen gesorgt, statt im Gedenken

zusammenzustehen. So war

der polnische Präsident Duda in der

Vorwoche nicht zu einer Holocaust-

Gedenkfeier nach Israel gereist, weil

dort der russische Präsident Wladimir

Putin sprechen sollte, erselbst

aber nicht. Putin wiederum hatte

den Polen kurzzuvor eine Mitschuld

am Ausbruch des Weltkriegs und indirekt

auch am Holocaust vorgeworfen.

DieIsraelis ließen es ihm durchgehen.

Duda schäumte. Auch am

Montag in Auschwitz nannte der

polnische Staatschef den Streit mit

Moskau „ernst“. Er hoffe, dass es

künftig keine „Verfälschungen der

Geschichte“ mehr geben werde,

denn diese beflecke vor allem das

Ansehen der Opfer.

Hacker raubten

wohl doch

Gerichtsdaten

Präsident: „Gefährlicher

Sicherheitsvorfall“ in Berlin

MehrereMonate nach der Cyberattacke

auf das Kammergericht

gehen Experten davon aus,

dass „aller Wahrscheinlichkeit nach“

doch Daten gestohlen wurden. Das

teilte Gerichtspräsident BerndPickel

am Montag mit. In seinem vorläufigen

Abschlussbericht zum Befall der

Kammergerichts mit der Schadsoftware

Emotet ist von einem äußerst

gefährlichen und schwerwiegenden

Sicherheitsvorfall die Rede.

DieJustizverwaltung äußerte sich

ähnlich. „Es ist insoweit davon auszugehen,

dass durch die Schadsoftware

Passwörter, wie beispielsweise

Browserpasswörter, abgeflossen

sind“, hieß es in einer Mitteilung. Es

stimme jedoch nicht, dass Dokumente

wie Urteile und Beschlüsse

mit Inhalten, Namen und Daten abgeflossen

seien, erklärte Pickel.

Ein forensisches Gutachten des

Dienstleisters T-Systems,das die Justizverwaltung

als Anhang eines Pressemitteilung

verbreitete, kommt allerdings

zu einem weitaus beunruhigerenden

Ergebnis.Die Autoren weisen

darin „ausdrücklich darauf hin,

dass ein Angreifer höchstwahrscheinlich

in der Lage gewesen ist,

einen verborgenen Account anzulegen

und den gesamten Datenbestand

des KG (Kammergerichts) zu

exfiltrieren und zu manipulieren,

während gleichzeitig die Spuren verschleiert

werden“. Es werde ein

„kompletter Neuaufbau der IT-Infrastruktur“

angeraten.

Noch Ende Oktober hatte Justizsenator

Dirk Behrendt (Grüne) im

Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses

versichert, dass keine Daten

gestohlen wurden. Jetzt will der Grünen-Politiker

dem Gericht externen

Sachverstand zur Seite stellen. Die

Opposition äußerte sich empört.

(dpa/pi.) Berlin Seite13

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2 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Tagesthema

Coronavirus

Die Zahl der Infizierten

steigt sprunghaft. Das

Auswärtige Amt erwägt

Rückholaktion aus den

betroffenen Gebieten.

Der Verdacht

reist mit

Voreinem Geschäft in Hongkong: Um Atemschutzmasken zu kaufen, muss man dortSchlange stehen. Die Nachfrage nach den Masken steigt auch hierzulande bereits, berichtete die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände am Montag.

VINCENT YU/AP/DPA

VonRasmus Buchsteiner

und Fabian Kretschmer

Es waren ein paar Stunden

Ungewissheit, dann gab es

Entwarnung. Die Patientin

war gerade aus China eingereist

–und hatte sich mit akuten

Beschwerden im DRK-Klinikum in

Berlin-Mitte gemeldet. Die Frau

wurde isoliert untergebracht. Wenig

später war klar, dass sie nicht infiziertist

mit dem neuartigen Coronavirus

2019-nCoV.Aufatmen in Berlin.

Doch die Sorge bleibt. Was, wenn

sich der Erreger auch hierzulande

breitmacht? Drohen dann Maßnahmen

wie in China mit abgeriegelten

Städten, Militär auf den Straßen und

anderen panisch wirkenden Aktivitäten?

Dass es in Deutschland nicht

bei Verdachtsfällen bleiben wird, davongehen

die Behörden fest aus.

Geringe Gefahr in Deutschland

NEUE ERKENNTNISSE

Verbreitung: Das neue Coronavirus

2019-nCoV wird mit Hochdruck erforscht.

Experten versuchen, die für die

Abschätzung des Verlaufs wichtigeKennzahl

R 0 zu bestimmen. Sie gibt Auskunft

darüber,wie viele andere Personen eine

infektiöse Person im Mittel ansteckt. Derzeit

mutmaßt man, dass es drei bis fünf

sind. Damit würde das neue Virusetwas

leichter übertragen als das Sars-Virus.

Ansteckung: Bislang ist unklar,obInfizierte

auch dann schon ansteckend sind,

wenn sie noch keine Symptome haben.

Sterblichkeitsrate: Experten vermuten,

dass 95 Prozent der Fälle sehr milde oder

unbemerkt verlaufen. Sollte das stimmen,

lägedie Sterblichkeitsrate womöglich

nur bei 0,1 Prozent.

Er teile die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation

(WHO), dass

von einem weltweiten Notstand

keine Rede sein kann –vorerst jedenfalls

nicht, sagte Lothar Wieler,Präsident

des Robert-Koch-Instituts

(RKI), am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

Inzwischen ist belegt, dass

2019-nCoV, dessen Ursprung im

Tierreich vermutet wird, von

Mensch zu Mensch übertragen wird

–allerdings bisher nicht außerhalb

Chinas.Dass es auch in Deutschland

einige Erkrankungen geben könnte,

schließt Deutschlands oberster Infektionsschützer

nicht aus.„Die Gefahr,

dass sich diese Einzelfälle ausbreiten,

ist zurzeit gering einzuschätzen“,

sagt Wieler. Die Sterberate

bei den bekannten Infektionen

sei bisher nicht besonders hoch.

Bisher.DasWort findet sich in fast

allen Statements und offiziellen Lagebildernzur

Ausbreitung des neuen

Erregers. Tatsächlich wären die Verantwortlichen

in Politik und Wissenschaft

nicht gut beraten, irgendeine

Entwicklung kategorisch auszuschließen.

Eine weltweite Pandemie

mit voneinander unabhängigen Infektionsketten

–das wäre das wohl

schlimmste Szenario.

Wo immer man auch nachfragt in

diesen Tagen, stets ist zu hören, dass

Wissenschaft und Gesundheitsbehörden

eine Lernkurve hinter sich

haben. Die WHO hat aus vergleichbaren

Krisenfällen, die ebenfalls

schnelle Lagebeurteilungen und Koordinierung

erforderten, gelernt –

seien es die Erfahrungen mit Sars,

mit Ebola oder dem Coronavirus

Mers, das vor allem im arabischen

Raum um sich griff. Dasalles hat geholfen,

Kommunikationswege zu erproben

und die zuständigen Behörden

weltweit zu vernetzen.

„Wir sind gut vorbereitet.“ Das

sagt nicht nur RKI-Präsident Wieler.

DerSatz ist auch als Einschätzung aus

vielen Gesundheitsämtern zuhören.

Sie führen Regie, wenn wie zuletzt in

Berlin, Iserlohn oder Peine Patienten

auf den Erreger getestet werden.

Streng genommen handelt es sich allerdings

nur um Verdachtsfälle,wenn

jemand im Risikogebiet war und es

Hinweise auf eine akute Infektion der

unteren Atemwege gibt.

Ausder Krisenregion rund um die

11-Millionen-Metropole Wuhan gibt

es keine direkte Flugverbindung

nach Deutschland. Dort, wo Passagiere

aus der Volksrepublik ankommen

könnten, stehen Flughäfen und

Gesundheitsbehörden in besonders

engem Kontakt.

Die Bundesregierung verzichtet

auf Einreisebeschränkungen oder

vorsorgliche Tests, setzt stattdessen

auf Appelle. „Wir sensibilisieren

Flugpassagiere aus China. Sie werden

angehalten, sich direkt beim

Arzt zu melden, sollten Fieber oder

Symptome von Atemwegserkrankungen

auftreten“, sagt ein Sprecher

des Bundesgesundheitsministerium.s

Die Bundesregierung erwägt zurzeit,

ausreisewillige Deutsche aus

China auszufliegen. Das bestätigte

am Montag Außenminister Heiko

Maas (SPD). In der besonders

schwer betroffenen Metropole Wuhan

in Zentralchina, dem Ausgangsort

der Epidemie, leben etwa 90

Deutsche. Auch die britische Regierung

bemüht sich um die Evakuierung

von Landsleuten. Länder wie

Japan, Frankreich und die USA, in

denen es bereits Erkrankungsfälle

gab, haben solche Rückholaktionen

schon in die Wege geleitet.

In China werden derweil alle Register

gezogen. Am Montag reiste

erstmals ein Parteikader aus der

Ausbreitung des Coronavirus

in China seit Bekanntwerden erster Fälle

im Dezember 2019, Stand 27.1.2020

3000

2000

1000

80

60

40

20

0 27

31.12.19

0

31.12.19

gemeldete Fälle

544

62

10.1. 20.1.

bestätigte Todesfälle

1

(11.1.)

17

2 3

10.1. 20.1.

41

26

2744

27.1.

56

80

27.1.

BLZ/HECHER; QUELLE: CHINESISCHE BEHÖRDEN, DPA

Führungsriege in das Krisengebiet

Wuhan. In blauer Schutzausrüstung

tourte Premierminister Li Kequiang

durch die Krankenhäuser der Stadt,

über ein Walkie-Talkie erkundigte

sich der 64-jährige Politiker nach

dem Befinden eines Quarantäne-Patienten.

Auf einem Kurzvideo ist zu

sehen, wie Li die provisorische Baustelle

besucht, an der ein Tausend-

Betten-großes Krankenhaus allmählich

Form annimmt. Ob sie irgendwelche

Schwierigkeiten erlebt hätten,

will der Politiker von den

Bauarbeitern wissen. „Nein“, antworten

diese wie im Chor.

Mit solchen Durchhalte-Videos

will die Regierung an den Patriotismus

der Bevölkerung appellieren.

Dabei hat sich die Bedrohungslage

erneut weiter zugespitzt: Die Behörden

hatten bis Mittwochnachmittag

europäischer Zeit insgesamt 81 Tote

bestätigt und rund 3000 Infizierte.

Dass die Zahl zumindest in den

nächsten Tagen weiter steigen wird,

daran besteht kein Zweifel: Mindestens

6000 Patienten gelten als Verdachtsfälle,

bei denen noch die medizinischen

Tests laufen. Mehrere

Hundert Infizierte befinden sich zudem

in kritischem Zustand.

Um das Virus eindämmen zu

können, haben die Behörden nun

nochmals drastischere Maßnahmen

eingeleitet: Zum ersten Mal inder

Geschichte des Landes wurde die

derzeit stattfindende Ferienwoche

zum Neujahrsfest um drei Tage verlängert.

Mit der Maßnahme möchte

man verhindern, dass die Abermillionen

Chinesen, die sich derzeit auf

Familienbesuch in den Provinzen

des Landes befinden, nicht allzu

schnell wieder in die Metropolen an

den Ostküsten des Landes zurückreisen

–und den Erreger möglicherweise

weiter durch das Land tragen.

Bereits jetzt hat die Pekinger Lokalregierung

den Semesterbeginn

für sämtliche Schulen und Universitäten

innerhalb der Stadtgrenzen auf

unbestimmte Zeit verschoben.

Schanghais Bildungsbehörden haben

ebenfalls ihren Grund- und weiterführenden

Schulen sämtlichen

Klassenunterricht vor dem 17. Februar

verboten. Auch Tageseinrichtungen

für Kleinkinder würden bis

Ende Februargeschlossen bleiben.

Beidiesen Einschränkungen wird

es voraussichtlich nicht bleiben. Die

Stadt Suzhou, bekannt als ostchinesisches

Zentrum der Fertigungsindustrie,ging

noch einen Schritt weiter

und wies die Arbeiter der Stadt

an, bis zum 9. Februar zuHause zu

bleiben. Auch das riesige IT-Konglomerat

Tencent aus Shenzhen hat

eine ähnliche Weisung an seine Angestellten

herausgeben.

Neben der menschlichen Tragödie

wird das neue Virus also auch zu

schwerwiegenden wirtschaftlichen

Einbußen führen. Die Epidemie erfolgt

schließlich zu einem denkbar

ungünstigen Zeitpunkt: Die derzeit

stattfindende Ferienwoche zum chinesischen

Neujahrgilt unter normalen

Umständen als einer der wichtigsten

Perioden fürden Binnenkonsum.

2019 gaben die Chinesen in

dieser Zeit umgerechnet 149 Milliarden

Dollar aus –vor allem in den Bereichen

Gastronomie, Tourismus

undEinzelhandel.

Verlängerte Ferien in China

Dieses Jahr jedoch sind aufgrund der

Quarantäne und der verunsicherten

Stimmung genau jene Bereiche besonders

eingebrochen. Die meisten

Familien bleiben zu Hause, anstatt in

Restaurants oder Shopping-Malls zu

gehen. Kinos undVergnügungsparks

sind ohnehin geschlossen.

Daswirddie angeschlagene Wirtschaft

weiter schwächen, schließlich

gilt der Inlandskonsum als einer der

Pfeiler für das Wirtschaftswachstum

des Landes. Derzeit steigt das Bruttoinlandsprodukt

mit 6,1 Prozent so

langsam wie seit 30 Jahren nicht

mehr –nicht zuletzt auch wegen des

Handelskriegs mit Washington der

letzten zwei Jahre. In einer ersten

Einschätzung geht der Analysedienst

Economist Intelligence Unit

von einem Einbruch des Wirtschaftswachstums

von bis zu einem

Prozentpunkt für 2020 aus.

Zum Vergleich: Die Sars-Epidemie

in denJahren2002 und2003, an

derrund350 Menschen in Festlandchina

verstorben sind, soll China

laut Expertenschätzungen zwischen

ein bis zwei Prozent Wachstum gekostet

haben. Allein im Tourismussektor

brachen damals die Einnahmen

im Jahr 2003 um bis zu60Prozent

ein. (mitdpa)

Biowetter:

Bluthochdruck

Kopfschmerzen

Schlafstörungen

Rheumaschmerzen

Atemwegsbeschwerden

Pollenflug:

Hasel

Erle

Pappel

Weide

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute erreichen die Höchsttemperaturen 7bis 9Grad. Dazu reichen sich

Regenschauer, Wolken und Sonnenschein die Hand. Der Wind weht teilweise

mit stürmischen Böen aus südwestlichen Richtungen. In der Nacht

fällt verbreitet Schnee oder Regen aus dichten Wolken. Es werden bis

1Grad anvisiert.

Belastung

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

keine

keine

keine

keine

Gefühlte Temperatur: maximal 8Grad.

Wind: mäßig aus Südwest.

Wittenberge

4°/8°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

2°/7° 2°/8°

Luckenwalde

2°/7°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Schneeschauer Schneeregen Regen

1°/4° 2°/5° 3°/9°

Prenzlau

2°/8°

Cottbus

3°/9°

Frankfurt

(Oder)

2°/7°

Winterlich kalte Luft erfasst in höheren Luftschichten unser Land und löst von

Island bis zu den Alpen teils kräftige Schauer und stürmische Böen aus. Das ist

teils bis in tiefe Lagen mit Schneeregen, Graupel und Gewitter verbunden. Über

Nordskandinavien und Nordwestrussland liegt Dauerfrostluft.

Köln

3°/7°

Sylt

2°/7°

Saarbrücken

2°/7°

Hannover

2°/8°

Konstanz

2°/5°

Hamburg

2°/7°

Erfurt

1°/6°

Frankfurt/Main

4°/8°

Stuttgart

2°/9°

Rostock

4°/8°

Magdeburg

2°/7°

Nürnberg

2°/7°

München

2°/7°

Rügen

2°/7°

Dresden

1°/9°

Deutschland: Heute gibt es etwas

Sonne, Wolken sowie Regenschauer

oder Schneeregen, und die Temperaturen

klettern amTage auf 5bis

9Grad. Nachts gehen die Werte

dann auf 3bis 0Grad zurück. Der

Wind weht teilweise mit Sturmböen

aus südwestlichen Richtungen. Morgen

ist es überwiegend stark bewölkt

oder bedeckt. Zeitweise regnet oder

schneit es. Dabei erwärmt es sich

auf 2bis 7Grad, und der Wind weht

lokal mit stürmischen Böen aus westlichen

Richtungen.

Schneehöhen:

Thüringer Wald bis 40 cm

Harz bis 40 cm

Erzgebirge bis 45 cm

Bayerische Alpen bis 160 cm

Mondphasen: 02.02. 09.02. 15.02. 23.02.

Sonnenaufgang: 07:55 Uhr Sonnenuntergang: 16:43 Uhr Mondaufgang: 09:49 Uhr Monduntergang: 20:32 Uhr

Lissabon

16°

Las Palmas

22°

Madrid

14°

Reykjavik


Dublin


London


Paris


Bordeaux

13°

Palma

18°

Algier

20°

Nizza

16°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

11°

Tunis

17°

Rom

13°

Warschau


Wien

5° Budapest


Palermo

16°

Kiruna

-14°

Oulu

-6°

Dubrovnik

15°

Athen

17°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa


Varna


Istanbul

11°

Iraklio

17°

Archangelsk

-16°

Moskau


Ankara


Antalya

15°

Acapulco 32° heiter

Bali 25° Gewitter

Bangkok 31° heiter

Barbados 27° heiter

Buenos Aires 30° sonnig

Casablanca 20° sonnig

Chicago 2° bewölkt

Dakar 29° heiter

Dubai 21° sonnig

Hongkong 19° wolkig

Jerusalem 12° bedeckt

Johannesburg 29° wolkig

Kairo 18° wolkig

Kapstadt 24° wolkig

Los Angeles 22° sonnig

Manila 31° heiter

Miami 25° wolkig

Nairobi 23° Schauer

Neu Delhi 21° Schauer

New York 6° wolkig

Peking 6° bedeckt

Perth 35° sonnig

Phuket 32° heiter

Rio de Janeiro 33° sonnig

San Francisco 14° bedeckt

Santo Domingo 27° heiter

Seychellen 30° Gewitter

Singapur 33° Gewitter

Sydney 31° wolkig

Tokio 11° Regen

Toronto 0° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 3

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Seite 3

Zweite Play-off-Runde, Spiel fünf,

die Los Angeles Lakers liegen in der

Serie gegen Utah Jazz 1:3 zurück,

eine weitere Niederlage würde das

Aus bedeuten. Sekunden vor Schluss bekommt

ein 18-jähriger Guardder Lakers den

Ball, wenn er trifft, gewinnt sein Team. Kurzes

Dribbling, Wurf, daneben ohne Korbberührung,

ein sogenannter Air Ball.

Es gibt Verlängerung, noch dreimal wirft

Kobe Bryant aus der Distanz: Air Ball, Air

Ball, Air Ball. Die Lakers verlieren, sind ausgeschieden,

nach der Landung in Los Angeles,

so will es die Legende, geht Bryant

schnurstracks in eine Sporthalle und wirft

die ganze Nacht lang auf den Korb. „Das ist

der einzige Typ“, sagt Teamkollege Shaquille

O’Neal nach der Partie in Salt Lake City,„der

den Muthat, solche Würfe zu nehmen.“

Kobe Bryant spielt zu jener Zeit seine

erste Saison in der nordamerikanischen Profiliga

NBA. Dass er in der Crunch Time, der

entscheidenden Phase der Partie, das Vertrauen

von Coach Del Harris bekommt, der

dafür anschließend heftig kritisiertwird, liegt

am Ausfall wichtiger Führungsspieler.Schon

in der folgenden Saison wartet Kobe Bryant

nicht mehr auf die Genehmigung des Coaches,

erwirft, wenn er will, und er will oft.

Egal, ob er trifft oder nicht.

Diese Furchtlosigkeit ist eines der Markenzeichen

in Bryants 20-jähriger NBA-Karriere,

bis heute ist er der Spieler mit den

meisten Fehlwürfen in der Liga. Aber bis zum

vergangenen Sonnabend war er mit 33 643

Zählern auch der drittbeste Punktesammler

in der Ligageschichte hinter Kareem Abdul-

Jabbar und Karl Malone.Dann überholte ihn

LeBronJames und sprach danach Worte, die

wie ein Nachruf klangen, obwohl niemand

ahnen konnte, dass Bryant am Vormittag

darauf mit acht anderen Personen, darunter

seine 13-jährige Tochter Gianna, bei einem

Hubschrauberabsturznahe Los Angeles ums

Leben kommen würde.

Immer nur für die Los Angeles Lakers

James sagte: „Es ist surreal, ich bin glücklich,

einfach nur in einem Atemzug mit Kobe

Bean Bryant genannt zu werden, einem der

größten Basketballspieler, die es je gab, einem

der größten Lakers-Spieler aller Zeiten.

Er ist jemand, zu dem ich aufgeschaut habe,

als ich zur Schule ging.“ Das hat LeBron

James mit vielen Profis gemein, die heute in

der NBA spielen.

Sie bewunderten den eleganten, athletischen,

egozentrischen Bryant der ersten Karrierehälfte,

der sich nicht groß darum

scherte, was andere von ihm dachten. Und

sie bewunderten den milderen, kollegialeren,

freundlichen Bryant der späteren Jahre,

der immer noch zu atemberaubenden Aktionen

in der Lage war.

Zusammen mit Dirk Nowitzki und Tim

Duncan prägte Kobe Bryant die Äranach Michael

Jordan, den er seinerseits bewunderte

und vondem er sich eine Menge abgeschaut

hatte,und bevor Leute wie James,Kevin Durant,

Stephen Curry oder James Harden zu

den Protagonisten in der NBA wurden. Es

war eine Zeit des Übergangs, zunehmend

kamen sehr junge Spieler in die Liga, nicht

zuletzt dem Beispiel Bryants folgend.

Profis aus Europa und vonanderen Kontinenten

strömten in die NBA, die internationale

Vormachtstellung der USA ging verloren,

2004 bei den Olympischen Spielen in

Athen gab es, ohne Bryant, nur Bronze statt

der üblichen Goldmedaille.Klubwechsel von

Topspielern kamen in Mode, oft getrieben

von persönlichen Sympathien, undenkbar

bei Michael Jordan, Magic Johnson oder

LarryBird, die ihreRivalität genossen.

Nowitzki, Duncan und Bryant, die alle

ihregesamte Karrierebeim selbenTeam blieben,

wirkten wie stabilisierende Pfeiler. Sie

modernisierten das Spiel, verkörperten aber

auch traditionelle Werte. Duncan und Nowitzki

auf ruhige und bodenständige Art,

Bryant, der sich selbst den Spitznamen

„Schwarze Mamba“ zulegte, polarisierend

und spektakulär.„Love Me Or Hate Me“, hieß

einer seiner Werbespots.

Schon sein Einstieg in die NBA sorgte für

Zwist. In Philadelphia geboren, als Sohn eines

Basketballprofis teilweise in Italien aufgewachsen,

war der von seinen Eltern nach

einer Fleischsorte und einer Süßigkeit (der

Spitzname seine Vaters war Jellybean) benannte

Kobe Bean Bryant der erste Guard,

der direkt von der High School in die NBA

kam, statt brav ein paar Jahre College zu absolvieren.

Vielen Lakers-Fans gefiel es nicht,

dass für den im Draft 1996 als Nummer 13

von den Charlotte Hornets gewählten und

dann zu den Lakers transferierten Jüngling

im Tausch der beliebte Center Vlade Divac

gehen musste.

Gleichzeitig mit Bryant hatten die Lakers

Shaquille O’Neal vonden Orlando Magic geholt,

doch die Kooperation der beiden war

von Beginn an problembelastet. Der immer

topfitte Perfektionist Bryant fühlte sich zum

Der

Furchtlose

„Das Wichtigste ist es Menschen zu inspirieren, damit sie Großes erreichen können“: Kobe Bryant

Kobe Bryant warf, wann er wollte –und er wollte oft. Egal, ob der Ball im

Korb landete oder nicht. Ehrgeiz, Egozentrik und diese unnachahmbare

Eleganz waren seine Markenzeichen. Nachruf auf einen der besten

Basketballspieler der Geschichte

„Das sind schreckliche

Nachrichten.

Bryant war einer der

wahrhaft größten

Basketballer aller Zeiten

gewesen,

sein Leben hatte gerade

erst begonnen.“

Donald Trump

zeigte sich ebenso berührt

wie die ehemaligen US-Präsidenten Barack

Obama und Bill Clinton.

VonMatti Lieske

„Heute haben

Los Angeles, Amerika

und die Welt einen

Helden verloren.

Wir stehen hier, und unsere

Herzen sind

gebrochen, im Haus,das

Kobe erschaffen hat.“

Alicia Keys

bei der Verleihung der Grammy Awards.

Die Sängerin moderierte die Veranstaltung

in Los Angeles.

POLARIS IMAGES

„Du wirst immer

vermisst werden.

Du wirst immer in

Erinnerung bleiben.

Du wirst immer geliebt

werden. Ruhe in

Frieden mit deinem

Engel Gigi.“

Dirk Nowitzki

teilt seine Trauer auf Twitter mit. Bryant habe ihn

inspiriert, schrieb der frühere Basketballkollege

aus der NBA.

Anführer berufen, ihm missfiel die Dominanz

des Centers und auch dessen gelegentlich

lockere Einstellung, was Training und

Gewichtskontrolle betraf. Erst Coach Phil

Jackson, zuvor sechsmal Champion mit Jordans

Chicago Bulls, gelang es, die beiden

Streithähne zum effektiven Zusammenspiel

zu bewegen, die Folge waren drei Meisterschaften

von2000 bis 2002. Danach trennten

sich die Wege,erst O’Neal, dann Jacksonverließ

die Lakers, und der Coach bezeichnete

Bryant in einem Buch als„untrainierbar“.

Eine Zäsur in seiner Karriere kam 2003

mit der Verhaftung und dem Vergewaltigungsprozess

in Colorado, wegen dem er

nicht nur viele Sponsorenverträge verlor,

sondern auch Olympia 2004 verpasste. Eine

Strafe blieb ihm erspart, weil die Klägerin im

Prozess nicht mehr aussagen wollte, nachdem

sie Bryants hoch bezahltes Anwaltsteam

mit eigentlich illegalen Indiskretionen

und persönlichen Attacken unter Druck gesetzt

hatte. Eine Zivilklage wurde später außergerichtlich

beigelegt, Bryant entschuldigte

sich per Brief bei der betroffenen Frau,

beharrte aber darauf, an einvernehmlichen

Sex geglaubt zu haben. Erneute Proteste gegen

Bryant gab es diesbezüglich, als er ausgerechnet

bei der ganz im Zeichen von Me-

Too stehende Oscarverleihung 2018 den

Academy Awardfür seinen Animationskurzfilm

„Dear Basketball“ gewann.

Die Vergewaltigungsklage fügte Bryants

Image schweren Schaden zu, aber schon vorher

war er ein wegen seines phänomenalen

Spiels zwar respektierter, jedoch nicht überall

beliebter Spieler gewesen. Vor allem in

seiner Heimatstadt Philadelphia, aber auch

andernorts wurde er regelmäßig ausgebuht,

was ihn nicht störte, sondern beflügelte. Er

liebte es, eine feindselige Menge mit seinen

Aktionen auf dem Spielfeld zum Schweigen

und zum Staunen zu bringen. Bryants egoistisches

Spiel vergrätzte auch Teamkollegen,

bei den Lakers und gelegentlich beim All Star

Game,woer18Mal teilnahm.

Trotz aller Vorbehalte kehrte Phil Jackson

2005 als Trainer zu den Lakers zurück und

fand auf einmal einen trainierbaren Bryant

vor. Früher, soJackson, hätte dieser seine

Mitspieler als „persönliche Speerträger“ betrachtet,

nun sähe er sie als Partner. Fortan

betätigtesichKobeBryant auch verstärkt als

Vorbereiter und Passgeber, seine ohnehin

vorbildliche Defense intensivierte er noch,

jungen Spielern half er als Mentor. Was ihn

nicht daran hinderte, imJanuar 2006 gegen

die TorontoRaptors 81 Punkte zum122:104-

Sieg beizusteuern. Nur Wilt Chamberlain

hatte in seinem legendären 100-Punkte-

Match mehr geschafft, aber das war 1962, in

einer anderen Basketball-Ära.

Erst das Knie, dann die Achillessehne

Sukzessive eroberte sich Kobe Bryant die

Sympathien der Fans, war 2008 in Peking

ebenso wie 2012 in London ein wichtiger

Faktor bei den Olympiasiegen des US-Teams

und führte die Los Angeles Lakers als nunmehr

unumschränkter Leader zu zwei weiteren

Titeln 2009 und 2010. Zuvor wurde er

2008 zum Most Valuable Player (MVP) der

NBA-Saison gewählt, zum ersten und einzigen

Male, was viel über die Vorbehalte gegenüber

dem lange Zeit besten Akteur der

Liga aussagt.

Nach dem Titelgewinn 2010 war das zunehmend

chaotische Management der Los

Angeles Lakers nicht mehr in der Lage, Bryant

ein konkurrenzfähiges Team für den Titelkampf

an die Seitezustellen. Zudem plagten

ihn Knieprobleme, 2012 riss dann im

Spiel gegen die Golden State Warriors seine

Achillessehne, wonach er typischerweise

schnell noch zwei Freiwürfe verwandelte,

bevor er das Feld verließ. DieLakers-Fansbegannen

zu grummeln, als er von 2013 bis

2015 wegen Verletzungen wenig spielte,aber

mit seinem Zweijahresvertrag über fast 50

Millionen Dollar einen beachtlichen Teil der

Gehaltssumme des Teamsblockierte.

Die Saison 2015/16 sollte dann seine

letzte sein, und sie geriet zur rauschenden

Abschiedstournee,obwohl er sich Ehrungen

und Zeremonien in fremden Hallen verbeten

hatte. Woman ihn einst inbrünstig ausgebuht

und beleidigt hatte,wurde er jetzt gefeiert,

was ihn sichtlich wunderte und irritierte,

ihm aber auch guttat. Mit 60Punkten gegen

Utah Jazz beendete er am 13. April 2016 mit

37 Jahren seine Karriere, danach blieb er seinem

Sport verbunden, etwa mit einer eigenen

Fernsehsendung und seiner Basketballschule

„Mamba Academy“.

Dorthin war er am Sonntagmorgen unterwegs,als

der Hubschrauber mit seinen neun

Insassen im Nebel gegen eine Bergwand

prallte.Kobe Bryant wurde 41 Jahrealt.

Matti Lieske

bestaunte Kobe Bryant bei den

Olympischen Spielen in Peking.


4 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

Verdächtige nach Leipziger

Demo auf freiem Fuß

DiesechsVerdächtigen, die nach den

Steinwürfen bei der Indymedia-Demonstration

in Leipzig festgenommen

worden waren, sind wieder auf

freiem Fuß. Es lägen keine Haftgründe

vor, sagte ein Polizeisprecher

am Montag in Leipzig. Gegen die vier

Männer und zwei Frauen im Alter

von18bis 39 Jahren werdeaber weiter

ermittelt wegen Landfriedensbruchs,Körperverletzung

und Sachbeschädigung.

Vonden sechs Verdächtigen

stamme nur einer aus

Leipzig, die anderen kämen aus

Nordrhein-Westfalen. (dpa)

Bundesregierung verurteilt

Angriff auf US-Botschaft

DieBundesregierung hat den Raketenangriff

auf die US-Botschaft in

Bagdad auf das Schärfste verurteilt.

„Es handelt sich dabei um einen unverantwortlichen

Angriff, der eine

ohnehin angespannte Situation

noch weiter verschärft“, sagte die

stellvertretende RegierungssprecherinUlrike

Demmer am Montag in

Berlin. Alle Verantwortlichen in der

Region müssen dazu beitragen, einer

weiteren Eskalation entgegenzuwirken.

DasAuswärtige Amt erklärte,

die Lage für die entfernt liegende

Deutsche Botschaft habe sich mit

dem Angriff nicht grundsätzlich geändert.

Insgesamt waren am Sonntag

fünf Raketen im hoch gesicherten

Regierungsviertel in Bagdad niedergegangen.

(dpa)

Fall Lübcke: Stephan E.

weiter mordverdächtig

Stephan E. beim einem Haftprüfungstermin

Anfang Juli 2019 in Karlsruhe. DPA

Im Mordfall Lübcke bleibt der als

Todesschützeverdächtigte Stephan

E. auch nach seiner neuen Aussage

in Untersuchungshaft. DerBundesgerichtshof

hält ihn weiter für dringend

mordverdächtig, wie aus einem

am Montag veröffentlichten

Beschluss hervorgeht (Az. AK

62/19). Dagegen ist der mitbeschuldigte

Waffenhändler Elmar J. wegen

Zweifeln am Ausmaß seiner Verstrickung

aus der U-Haft freigekommen.

In seinem Fall sieht der Bundesgerichtshof

keinen dringenden

Tatverdacht der Beihilfe. (dpa)

Mehr als 750 000 verbinden

Job mit Selbstständigkeit

In Deutschland sind rund 764 000 Erwerbstätige

zuletzt neben einer

selbstständigen Tätigkeit noch einer

abhängigen Beschäftigung nachgegangen.

Seit 1994 hat sich die Zahl

mehr als verdoppelt. Damals waren

es noch 262 000. Daszeigt die Antwortder

Bundesregierung auf eine

Linken-Anfrage,die der Deutschen

Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Die

jüngste Zahl stammt aus dem Jahr

2018. DieExpertin der Linken-Fraktion

für den Wandel in der Arbeitswelt,

Jessica Tatti, die die Anfrage gestellt

hatte,kritisierte: „Die unsägliche

Masche vonUnternehmen, Arbeit

aus Kostengründen aus dem

Betrieb auszulagern, ist seit Jahren

zu beobachten.“ Oft leisteten Solo-

Selbstständige die gleiche Arbeit wie

zuvor abhängig Beschäftigte –aber

ohne soziale Absicherung. (dpa)

Nur Waffen aus eigener Produktion zählen: Schützenpanzer rollen zur Militärparade aus Anlass des 70. Jahrestages der Gründung Chinas am 1. Oktober durch Peking.WWW.IMAGO-IMAGES.DE

Wettlauf um Waffen

China ist nachden USAder zweitgrößte Rüstungsproduzent der Welt. Merkel drängt auf europäische Projekte

VonAndreas Niesmann

Der Inhalt der Nachricht

überraschte nicht: China

ist der zweitgrößte Rüstungshersteller

der Welt.

Vermuten konnte das jeder, der sich

mit der Größe der chinesischer Armee

und des chinesischen Verteidigungshaushaltes

beschäftigt hat, der

zuletzt auf geschätzte 250 Milliarden

Dollar jährlich gestiegen ist. Nun

aber haben die Experten des renommierten

Stockholmer Friedensforschungsinstituts

(Sipri) genügend

Daten zusammengetragen, um diese

auch offiziell zu untermauern. Auf

Basis der Jahre 2015 bis 2017 haben

die Experten die vier wichtigsten chinesischen

Rüstungskonzerne in ihre

Liste der 100 größten Waffenhersteller

der Welt aufgenommen. Gleich

drei schaffen es in die Top10.

Die vier führenden chinesischen

Konzerne verkauften in dem Zeitraum

Rüstungsgüter im Wert von

insgesamt 54,1 Milliarden Dollar (49

Milliarden Euro), womit sie die zehn

größten russischen Unternehmen

zusammen um mehr als 16 Milliarden

Dollar übertrumpften. Dass es

nicht noch mehr chinesische Unternehmen

in die Spitzengruppe geschafft

haben, dürfte vorallem daran

Rüstungsriesen

So viele Milliarden US-Dollar Umsatz erwirtschafteten 2017 die größten Waffenhersteller

weltweit mit Rüstungsgütern

1 Lockheed Martin 43,9

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Boeing

Northrop Grumman

Raytheon

BAE Systems

Aviation Industry

Corp. of China (Avic)

General Dynamics

China North Industries

Group Corp. (Norinco)

China Electronics Technology

Group Corp. (CETC)

Airbus Group

liegen, dass für andere Waffenschmieden

in Fernost keine verlässlichen

Zahlen vorlagen. Die mit Abstand

größten Rüstungsproduzenten

der Welt stammen aber nach wie

vor aus den USA (Lockheed Martin,

Boeing, Northrop Grumman).

Deutschland spielt weltweit nur

noch eine untergeordnete Rolle.Der

europäische Flugzeugbauer und

Rüstungskonzern EADS fällt auf

Platz zehn zurück, die erste rein

deutsche Rüstungsfirma im Ranking

ist der Fahrzeug-, Munitions- und

10,0

12,2

17,2

21,0

20,1

19,5

22,4

22,0

26,9

BLZ/HECHER; QUELLE: FRIEDENSFORSCHUNGSINSTITUT SIPRI

Elektronikhersteller Rheinmetall,

der nun auf Platz 26 liegt. Nur vier

deutsche Rüstungskonzerne schaffen

es in die Top100: neben Rheinmetall

der Panzerbauer Krauss-Maffei

Wegmann (Platz 59), der U-Bootund

Schiffbauer Thyssen-Krupp

(Platz 61) sowie der Radargeräte-

Hersteller Hensoldt (Platz 81).

Die Weltmarktführerschaft der

USA und Chinas hängt vor allem mit

den eigenen riesigen Verteidigungsbudgets

zusammen. Laut Sipriist vor

allem China bislang kaum am Export

vonWaffen beteiligt. DerSipri-Experten

Nan Tian sagt. Peking strebe an,

bei der Herstellung der Waffen und

Technologien für sein Militär völlig

unabhängig zu werden. Allerdings

steige die internationale Nachfrage

nach chinesischenWaffen.

Die Bundesregierung hat sich im

Koalitionsvertrag Zurückhaltung bei

den Genehmigungen vonWaffenexporten

aus Deutschland auferlegt.

Vorallem die SPD tritt für einen restriktiven

Ansatz ein. DieUnion hingegen

würde die Exportbedingungen

gerne ein wenig locker.

Ausrüstung für Afrika

Im Bundestag wurde Bundeskanzlerin

Angela Merkel im November

überraschend deutlich, als sie forderte,

gemeinsam mit Frankreich

europäische Rüstungsprojekte wie

die Arbeit an einem Kampfflugzeug

und an Panzern voranzutreiben.

Zum umstrittenen Thema der Rüstungsexporte

in Drittländer erklärte

Merkel, bei der Friedenssicherung in

Afrika könne sich Deutschland nicht

nur auf die Ausbildung von Streitkräften

beschränken. „Wenn wir zur

Sicherheit und für den Frieden in

Afrika ertüchtigen, ich glaube, dann

können wir uns der Ausrüstung

nicht völlig verweigern.“ (mit dpa)

„Kinder sind zu wenig vor sexueller Gewalt geschützt“

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung über unverändert hohe Fallzahlen und die Gefahr der digitalen Medien

Auch zehn Jahre nach Beginn der

Aufarbeitung von Missbrauchsfällen

in der katholischen Kirche

sieht der Missbrauchsbeauftragte

der Bundesregierung noch erheblichen

Handlungsbedarf zum Schutz

von Kindern und Jugendlichen. Ein

ausreichender Schutz von Mädchen

und Jungen sei in Deutschland auch

heute noch zu wenig gegeben, sagt

Johannes-Wilhelm Rörig im Interview

mit der Berliner Zeitung. Mitdigitalen

Medien und dem Darknet erreiche

die Gefährdung von Kindern

und Jugendlichen außerdem neue

Dimensionen.

Herr Rörig, vor zehn Jahren kamen

etliche Missbrauchsfälle in der katholischen

Kirche ans Licht. Sind Kinder

und Jugendliche heute besser vor

Missbrauch geschützt?

Mädchen und Jungen sind in

Deutschland auch im Jahr 2020 zu

wenig vor sexuellen Gewalttaten geschützt.

Die maximale Reduzierung

der Fallzahlen muss höchste Priorität

haben. Der Kampf gegen Missbrauch

und seine Folgen muss in

Deutschland endlich als nationale

Aufgabe begriffen werden.

Politik, Kirchen und Sportvereine

haben in der Vergangenheit

gelobt, genauer

hinzuschauen. Hat es

nichts genützt?

Es ist bitter festzustellen,

aber alle bisherigen

Anstrengungen vonBund,

Ländern, Kommunen,

Kirchen, Wohlfahrt und

dem organisierten Sport haben

nicht gereicht, das unerträgliche

Leid vieler Tausend Mädchen und

Jungen einzudämmen. Die Fallzahlen

sind seit Jahren unverändert

hoch. Die Polizeiliche Kriminalstatistik

verzeichnet jährlich über

20 000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch

und Missbrauchsabbildungen

von Kindern, sogenannte

Kinderpornografie. Das sind über

50 Fälle pro Tag. Hinzu kommen

Johannes-Wilhelm

Rörig

Tausende Fälle,von denen wir keine

Kenntnis erlangen.

DPA

Wie wirkt sich die Digitalisierung

auf sexualisierte

Gewalt gegen Kinder aus?

Durch die digitalen

Medien und das Darknet

sind neue Abgründe dieser

Sexualverbrechen hinzugekommen.

Vergewaltigungen

von Kindern, oft

vonnahestehenden Familienangehörigen,

werden

immer häufiger gefilmt

und als sogenannte Kinderpornografie

ins Netz eingestellt, in unvorstellbaren

Terabyte-Dimensionen,

wie uns die Missbrauchsfälle von

Lügde und Bergisch-Gladbach erneut

schmerzhaft gezeigt haben.

Diese grausamen Missbrauchsabbildungen

dürfen nicht weiterhin

„Bestseller“ im Internet sein. Hinter

jedem dieser Bilder steht das

Schicksal eines Kindes,das dem Täter

ohnmächtig ausgeliefertist.

Wasfordern Sie?

Täter müssen sich überall viel

stärker vor Entdeckung fürchten, im

Netz und in ihrem sozialen Umfeld.

Auch die politischen Parteien müssen

sich in ihren Programmen und

Koalitionsvereinbarungen endlich

klipp und klar und mit konkreten

Festlegungen dem Kampf gegen sexuellen

Missbrauch verschreiben.

Konsequenteres Vorgehen und zusätzliche

personelle und finanzielle

Kraftanstrengungen sind überall erforderlich,

nicht nur dort, wo Fälle zu

Skandalen werden, wie aktuell in

Nordrhein-Westfalen, Baden-Württembergoder

dem Saarland.

Macht sich die Politikmitschuldig?

Wer dauerhaft verantwortet,

dass nichts oder zu wenig für Schutz

und Hilfe getan wird, läuft Gefahr,

sich dem Vorwurf der Duldung auszusetzen.

DasGespräch führte

Marina Kormbaki.

Schwere

Schlappe für

Salvini

Rechte Lega verliert Wahlen

in Emilia-Romagna

Nach der deutlichen Niederlage

der rechtsradikalen Lega-Partei

bei einer wichtigen Regionalwahl in

Norditalien ist der politischeWiederaufstieg

des früheren italienischen

Innenministers Matteo Salvini vorerst

gestoppt. Bei der Abstimmung

in der Region Emilia-Romagna landete

die Partei des Lega-Chefs laut

dem am Montag veröffentlichten

Endergebnis klar hinter der sozialdemokratischen

PD. Ein Sieg der Lega

in der seit 70 Jahren von der Linken

dominierten Region hätte die Regierung

in Rom ineine schwere Krise

gestürzt.

Bei der Wahl vom Sonntag kam

die PD von Regionalpräsident Stefano

Bonaccini auf 51,4 Prozent.

Seine Herausforderin Lucia Borgonzoni

von der einwanderungsfeindlichen

Lega landete bei 43,7 Prozent.

DieinRom zusammen mit den Sozialdemokraten

regierende populistische

Fünf-Sterne-Bewegung verfehlte

die Zehn-Prozent-Marke

deutlich.

3,5 Millionen Bürger waren zur

Stimmabgabe aufgerufen gewesen.

Umfragen hatten zuvor ein deutlich

engeres Rennen zwischen PD und

Lega vorhergesagt. Salvini hatte

darauf gesetzt, mit einem Sieg in der

Emilia-Romagna den Kollaps der

Regierung in Rom und Neuwahlen

herbeiführen zu können. „Aufgeschoben

ist nicht aufgehoben“,

kommentierte der Lega-Chef am

Montag die Niederlage seiner Partei.

Der politische Wiederaufstieg Salvinis

wurde mit der Wahlniederlage gestoppt. AFP

Bereits am Wahlabend hatte PD-

Spitzenkandidat Bonaccini dem

Lega-Chef „Arroganz“ im Vorfeld

der Abstimmung vorgeworfen. Im

Wahlkampf war Salvini mit täglichen

Kundgebungen und Einträgen

in Online-Netzwerken omnipräsent.

Hohe Beteiligung

Die 43-jährige Lega-Spitzenkandidatin

Borgonzoni geriet dadurch in

den Hintergrund. Die Sozialdemokraten

profitierten dagegen offenbar

von der hohen Wahlbeteiligung. Sie

lag bei rund 67 Prozent und damit

fast doppelt so hoch wie 2014, als nur

37 Prozent der Wahlberechtigten zu

den Urnen gegangen waren. Die

hohe Wahlbeteiligung wurde offenbar

durch die sogenannte Sardinen-

Bewegung befördert. Diese hatte vor

einer Woche inder Regionalhauptstadt

Bologna eine Kundgebung mit

Zehntausenden Teilnehmern organisiert,

um voreinem Lega-Wahlsieg

zu warnen.

Salvini hatte gehofft, den Erfolg in

der zentralitalienischen Region Umbrien

wiederholen zu können, wo

die Lega im Oktober die 50-jährige

Herrschaft der Linken beendet hatte.

Im Wahlkampf in der Emilia-Romagna

engagierte sich der Ex-Innenminister

massiv. Gewählt wurde

am Sonntag auch in der süditalienischen

Region Kalabrien. Dortsetzte

sich die Kandidatin der konservativen

Partei Forza Italia, Jole Santelli,

mit rund 55,7 Prozent durch. Forza

Italia ist die Partei des früheren italienischen

Ministerpräsidenten Silvio

Berlusconi. (AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 5

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Politik

Uneinigkeit

bei der

Grundrente

Start im Januar 2021 steht

auf der Kippe

ImNovember vergangenen Jahres

schien eigentlich alles klar zu sein:

Die Parteichefs der großen Koalition

präsentierten stolz ihreEinigung zur

Grundrente. Doch kürzlich legte

Bundesarbeitsminister Hubertus

Heil (SPD) seinen Gesetzentwurf

dazu vor–und die Union lässt daran

kein gutes Haar.Selbst eineVerschiebung

des Vorhabens um ein halbes

Jahr auf Mitte 2021 ist jetzt im Gespräch.

Worumesbeim Streit um die

Grundrente geht:

Zeitplan: Nach Heils Vorstellungen

soll die Grundrente am 12. Februar

ins Bundeskabinett, um nach allen

Beratungen in Bundestag und Bundesrat

am 1. Januar 2021 in Kraft treten

zu können. Wegen der weitreichenden

Kritik aus der Union steht hinter

diesem Zeitplan inzwischen ein

großes Fragezeichen.

Verwaltungsaufwand: Nach Einschätzung

der Deutsche Rentenversicherung

müssten wegen der geplanten

Einkommensprüfung bei

den potenziellen Grundrentnern

Tausende neue Stellen geschaffen

werden –was in diesem Jahr nicht

mehr zu schaffen sei. Deshalb hat

auch die Behörde eine Verschiebung

ins Gespräch gebracht. Die Personalsorgen

der Rentenversicherung

müssten ernst genommen werden,

heißt es bei der Union.

Finanzierung: Die SPD will die

Grundrente mit den von Heil für

2021 veranschlagten Kosten von

1,4 Milliarden Euro zumindest teilweise

über die neue Finanztransaktionssteuer

finanzieren. Die will Bundesfinanzminister

Olaf Scholz (SPD)

gemeinsam mit anderen EU-Staaten

ebenfalls Anfang 2021 einführen.

Doch eine Einigung ist in weiter

Ferne. Und die Union lehnt einen

nationalen Alleingang bei der Finanztransaktionssteuer

ab.

Beitragsjahre: Heils Konzept sieht einen

Zuschlag für Geringverdiener

vor, die langjährige Beiträge zur Sozialversicherung

nachweisen können.

Nach seinem Gesetzentwurfsoll eine

Gleitzone eingeführt werden, die ab

33 Beitragsjahren ansteigende Zuschläge

vorsieht. Ab 35 Jahren soll die

volle Grundrente gezahlt werden. Die

CDU-geführten Ministerien für Gesundheit

und Landwirtschaft plädierenfür

einen Einstieg ab 34 Jahren.

Einkommensprüfung: Kritik gibt es

Berichten zufolge in der Union daran,

dass Heil bei der geplanten Einkommensprüfung

pauschal versteuerte

Kapitalerträge nicht berücksichtigen

wolle.Zudem beanstanden demnach

Unionspolitiker, bei im Ausland lebenden

Grundrentenbeziehern sei

eine Prüfung der Einkommensverhältnisse

nicht gewährleistet. Undbei

unverheirateten Paaren mit gemeinsamer

Haushaltsführung könne das

Partnereinkommen nicht ermittelt

werden, wird demnach in der Union

weiter moniert. Dies verschaffe ihnen

einen Vorteil gegenüber Ehepaaren,

was gegen den im Grundgesetz verankerten

besonderen Schutz der Ehe

verstoße. (AFP)

Geringverdiener sollen im Alter von der

Grundrente profitieren.

IMAGO IMAGES

Der Rabbiner Andreas Nachama und die Publizistin Lea Rosh entzünden am Montag Kerzen am Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Berliner Gedenken

Monika Grütters: Authentische Orte halten die Erinnerung an das Unfassbare wach

Zum 75. Jahrestag der Befreiung

des deutschen Vernichtungslagers

Auschwitz

im von Hitler-Deutschland

besetzten Polen durch die Rote Armee

hat Berlin am Montag der Opfer

des Holocaust gedacht. Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier

empfing drei Überlebende zu einem

Gespräch in Schloss Bellevue. Am

Mahnmal für die ermordeten Juden

Europas gedachten die Berliner

Staatssekretärin Sawsan Chebli und

die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena

Baerbock der Toten, der Rabbiner

Andreas Nachama sprach ein

Gebet.

Im Mittelpunkt des Gedenkprogramms

in der Bundeshauptstadt

stand am Montag ein Konzert inder

Staatsoper.Die zentrale Gedenkfeier

des Deutschen Bundestages wirdam

Mittwoch stattfinden. Dann wirdder

israelische Staatspräsident Reuven

Rivlin eine Ansprache halten.

Bundesfamilienministerin Franziska

Giffey (SPD) beteiligte sich am

Montag an einer Putzaktion von

Stolpersteinen in der Dresdner

Straße in Kreuzberg. Gerade am Gedenktag

der Befreiung von Auschwitz

sei es wichtig zu zeigen, dass die

Opfer nicht inVergessenheit geraten,

erklärte die Ministerin.

Kulturstaatsministerin Monika

Grütters (CDU) betonte den Stellenwert

der Erinnerungskultur. „Authentische

Orte halten die Erinnerung

an das Unfassbare wach“, erklärte

die CDU-Politikerin.

„Deutschland darf nie wieder ein

Land sein, in dem Hass und Hetze

gegen Minderheiten auf eine

schweigende Mehrheit stoßen. Das

müssen wir einem breiten Publikum

immer wieder deutlich machen.“

Am Mahnmal für die „Euthanasie“-Opfer

des Nationalsozialismus

in Tiergarten legte am Montag die

Sprecherratsvorsitzende Verena

Bentele des Deutschen Behindertenrats

(DBR) einen Kranz nieder.

„Ablehnung, Vorurteile,Verächtlichmachung

und Ausgrenzung waren

die Grundlage für Verfolgung und

Gräueltaten, wie sie im Nationalsozialismus

geschehen konnten“, erklärte

sie.

Politiker und Prominente setzten

mit einer Fotoaktion ein Zeichen gegen

Antisemitismus.Bundesverteidigungsministerin

Annegret Kramp-

„,Nie wieder‘ darf nicht nur eine Floskel

sein, sondern,Niewieder‘ muss jeden Taggelebt

werden.“

Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen, hat eine zwei Minuten

lange Gedenkpause vorgeschlagen, in der das öffentliche Leben

zum Stillstand kommen soll.

Karrenbauer (CDU), FDP-Chef Christian

Lindner und der Fernsehmoderator

Guido Cantz posteten Bilder,auf

denen sie ein Schild mit der Aufschrift

„#weRemember“ in die Kamera halten.

DieAktion, zu der unter anderem

der Jüdische Weltkongress (WJC) aufgerufen

hat, soll dafür sorgen, dass

die Erinnerung an den Holocaust

nicht verblasst.

Ein Tagfür ganz Deutschland

GETTY IMAGES EUROPE/CARSTEN KOALL

Die Grünen wünschen sich eine

Debatte über neue Formen des Gedenkens

an die Opfer des Nationalsozialismus.

Konkret nannte Parteichefin

Annalena Baerbock am Montag

in Berlin eine zwei Minuten lange

Gedenkpause, inder das öffentliche

Leben zum Stillstand komme, oder

einen Gedenktag am 8. Maioder am

9. November, der an den Auftrag erinnernsolle,solches

Leid nie wieder

zuzulassen. Es sei die Verantwortung

der deutschen Gesellschaft, „intensiv

in den nächsten Monaten sich

darüber Gedanken zu machen, wie

wir diese Erinnerung wach halten

können, wenn die letzten Zeitzeugen

nicht mehr unter uns sind“, sagte

Baerbock.

„,Nie wieder‘ darf nicht nur eine

Floskel sein, sondern ,Nie wieder‘

muss jeden Tag gelebt werden“,

sagte Baerbock. „Auf der Straße, in

der U-Bahn, in den Schulen, in den

Betrieben, wenn Antisemitismus

dort auftritt – manchmal als Witz

verpackt, manchmal, indem man

auf der Straße angegriffen wird.“ Die

Grünen fordern, dass alle Schüler im

Rahmen des Lehrplans ehemalige

Konzentrationslager besuchen und

Gedenkstätten ausreichend und

dauerhaft finanziert werden, vor allem

auch kleinereGedenkorte. (dpa)

Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano will, dass der 8. Mai zum bundesweiten Feiertag erklärt wird

VonAlexander Abel und JanSternberg

Berlin bekommt in diesem Jahr einen

weiteren Feiertag –zumindest

einmalig. DerGrund: Am 8. Mai

2020 jährt sich zum 75. Mal der Tag

der Befreiung vom Nationalsozialismus.

Andiesem Tagwurde die bedingungslose

Kapitulation der

Wehrmacht unterzeichnet. Die alliierten

Truppen kamen nicht als Befreier

–befreit hatten sie Länder wie

Frankreich, Belgien und die Niederlande

– sie kamen als Sieger. Die

Deutschen hatten es nicht aus eigener

Kraft vermocht, den Nationalsozialismus

zu stürzen. Je größer der

zeitliche Abstand zur Niederlage

wurde, desto stärker trat der Begriff

der Befreiung in den Vordergrund. In

der DDR stellte man sich früh auf die

Seite der Sieger und feierte den „Tag

der Befreiung“. Im Westen machte

Bundespräsident Richard von Weizsäcker

den Anfang, der 1985 sagte:

„Der 8. Mai war ein Tagder Befreiung.

Er hat uns alle befreit von dem

menschenverachtenden System der

nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Weizsäcker sagte aber auch:

„Der 8. Maiist für uns Deutsche kein

Tagzum Feiern.“

35 Jahre später könnte sich das

ändern. In einem offenen Brief an

Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier und Kanzlerin Angela

Merkel (CDU) hat sich jetzt die Holocaust-Überlebende

Esther Bejarano

dafür ausgesprochen, den 8. Mai zu

einem gesetzlichen Feiertag zu erklären.

„Der 8. Maimuss ein Feiertag

werden. Ein Tag, an dem die Befreiung

der Menschheit vomNS-Regime

gefeiertwerden kann“, erklärte Bejarano,die

Vorsitzende des Auschwitz-

Komitees in Deutschland ist. Dieser

Feiertag würde helfen, „endlich zu

begreifen, dass der 8. Mai 1945 der

Tagder Befreiung war, der Niederschlagung

des NS-Regimes“. Dies sei

seit sieben Jahrzehnten überfällig,

sagt die 95-Jährige.

Grünen-Fraktionsvorsitzende

Katrin Göring-Eckardt unterstützt

Bejaranos Forderung:„Der 8. Maiwar

ein Tagder Befreiung, der das demokratische

Deutschland erst möglich

machte.Der 8. Maials Feiertag mahnt

uns, die deutschen Verbrechen nicht

zu relativieren –und wäre ein bleibender

„Pflock“ in der deutschen Erinnerungskultur“,

sagte sie der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland/RND).

Linksfraktionschef Dietmar

Bartsch plädiert für einen bundesweiten

Feiertag am 8. Mai. „Die Befreiung

vom Hitler-Faschismus und

das Ende des Zweiten Weltkrieges –

die bedingungslose Kapitulation –

bilden die Grundlage des demokratischen

Deutschlands“, sagte Bartsch

Der8.Mai sei ein Tagdes Gedenkens

und ein Auftrag für die Zukunft.

Auch FDP-Fraktionsvize Michael

Theurer unterstützt die Forderung von

Bejarano.„Der8.Mai ist alsTagder Befreiung

vomNationalsozialismus und

der Beendigung des 2. Weltkrieges in

Europa ist ein so zentraler Taginder

europäischen Geschichte“, sagte

Theurer.„Der8.Mai sollte ein Feiertag

werden –ambesten europaweit.“

Aus der Bundestagsfraktion der

SPD wurde dem RND bestätigt, dass

es viele unterschiedliche persönliche

Meinungen zu dem Thema gebe.Die

Berliner Abgeordnete Cansel Kiziltepe

spricht sich für den Feiertag aus:

„Es ist unsere Verpflichtung gegenüber

allen Ermordeten und Überlebenden

dafür zu sorgen, dass Antisemitismus

in unserem Land niemals

mehr geduldet und akzeptiert wird.

Dazu kann ein Feiertag einen wichtigen

Beitrag leisten“, sagte sie.

Ein Angriff

auf den

Ex-Chef

Bolton belastet Trump in

Ukraine-Affäre schwer

VonKarlDoemens, Washington

John Bolton diente neben Trump auch den

Präsidenten Reagan und Bush. GETTY

Es sollte die Woche der Trump-

Verteidigung werden. Doch kurz

vor der von den Republikanern angestrebten

Beendigung des Impeachment-Prozesses

gegen den

US-Präsidenten wirbeln neue,

schwer belastende Informationen

die Dramaturgie komplett durcheinander.

Kein Geringerer als Trumps

ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater

John Bolton erklärt nach einem

Bericht der New York Times,

dass der US-Präsident die amerikanische

Militärhilfe für die Ukraine

direkt von der Eröffnung einer

Schmutzkampagne gegen seinen

demokratischen Rivalen Joe Biden

abhängig gemacht hat.

Auch wenn die Aussage in der Sache

bestätigt, was bereits zwölf Zeugen

bei den Anhörungen des Repräsentantenhauses

aussagten, besitzt

sie enorme politische Sprengkraft.

Anders als die Beamten berichtet

Bolton nämlich aus erster Hand von

einem Gespräch mit Trump. Zudem

ist der 71-jährige Hardliner mit dem

markanten Walrossbart seit seinen

Tagen in der Reagan-Regierung eine

feste Größe in der republikanischen

Außenpolitik. Seine Schilderung widerspricht

diametral der Darstellung

des Weißen Hauses.

Diebemerkenswerte Aussage findet

sich laut NewYorkTimes im Manuskript

eines Buches, das Bolton

der Regierung vorab zur Freigabe

vorlegen musste.Darin berichtet der

Ex-Sicherheitsberater, wie er Trump

zunächst erfolglos zur Auszahlung

der 400 Millionen Dollar umfassenden

Militärhilfe drängte und im vorigen

August schließlich direkt nachfragte.

Darauf habe ihm der Präsident

gesagt, er wolle die Zahlung solange

zurückhalten, bis Kiew endlich

Ermittlungen gegen Joe Biden einleite.

Boltons Schilderung des Gespräches

mit Trump untergräbt dessen

zentrale Verteidigungslinie im

Impeachment-Prozess. Dort beteuernseine

Anwälte,eshabe keineVerbindung

zwischen dem vorläufigen

Stopp der Militärhilfe und der Biden-

Untersuchung gegeben. Vielmehr

soll Trump wahlweise aus Verärgerung

über die angeblich zu geringen

europäischen Hilfen oder die Korruption

in der Ukraine den Geldhahn

zugedreht haben. „Ich habe

John Bolton nie gesagt, dass die Hilfe

für die Ukraine an die Untersuchungen

der Bidens geknüpft ist“, behauptete

Trump am Montag bei

Twitter.

Die Nachrichtenseite Politico

sprach hingegen voneinem „Monster-Scoop“

der NewYorkTimes.Tatsächlich

twitterte Chuck Schumer,

der demokratische Mehrheitsführer

im Senat: „John Bolton hat den Beweis.“

Nancy Pelosi, die Sprecherin

des Repräsentantenhauses, twitterte

knapp: „Die Wahl ist klar: unsere

Verfassung oder eine Vertuschungsaktion.“

Damit spielte sie

auf die Forderung der Demokraten

nach der Anhörung weiterer Zeugen

im Senat an. Voraussichtlich am

Donnerstag soll die Kammer darüber

entscheiden. Die Führung der

Republikaner lehnt das bislang ab

und will den Prozess um jeden Preis

schnell abschließen.


6 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

28.10.19

28.10.19

MÄRKTE

▼ 13219,30 (–2,63 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

28.10.19

Stand der Daten:27.01.2020 (16:45 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

27.1.20

▼ 59,38 (–1,95 %)

27.1.20

▼ 1,1025 (–0,09 %)

Quelle

27.1.20

aus DAXund MDAX vom27.01.zum Vortag

Gerresheimer 70,60 W –0,21

Osram Licht NA 45,52 WW –0,48

freenet NA 19,91 WW –0,75

Sartorius Vz. 217,00 WW –0,82

Scout24 NA 62,30 WW –0,88

GrenkeNA 90,55 WW –0,88

Verlierer

aus DAXund MDAX vom27.01.zum Vortag

Varta 77,30 WWWWWWWWWWW –5,96

Wirecard 134,00 WWWWWWWWW –4,69

Siltronic NA 90,12 WWWWWWWWW –4,68

K+S NA 8,28 WWWWWWWWW –4,63

Lanxess 53,16 WWWWWWWW –4,22

Airbus 133,26 WWWWWWWW –4,16

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 27.01. ±% z. 24.01.

Euro Stoxx 50 (EU) –2,63

3814/3125 3679,65

CAC 40(FR) – 2,72

6110/4880 5860,17

S&P UK(UK) – 2,36

1562/1366 1494,08

RTS (RU) – 3,28

1652/1152 1547,30

IBEX (ES) –1,97

9710/8409 9374,10

Dow Jones (US) –1,45

29374/24504 28570,02

Bovespa (BR) –2,39

119593/89409115760,70

Nikkei (JP) – 2,03

24116/20111 23343,51

Hang Seng (HK) +0,32

30280/24900 27940,45*

Stx Singap. 20 (SG) +0,51

1674/1488 1656,75*

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,45 0,45 0,45

Advanzia **

advanzia.com - 0,30 0,30

Akbank

akbank.de 0,26 0,26 0,26

PSA Direktbank **

psa-direktbank.de 0,25 0,25 0,25

RaboDirect **

rabodirect.de 0,25 0,25 0,25

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

069/98660966 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse

030/86986969 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,08 0,08 0,07

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Edel- &NE-Metalle (Freitag),

Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Für Silber gibt es eine große Zahl von industriellen Einsatzbereichen. Es ist sehr leitfähig und besitzt eine hohe optische Reflexionsfähigkeit.

Von Frank-Thomas Wenzel

Von Uta Winkhaus

Nach CSU-Generalsekretär Markus

Blume kritisiert auch der

CDU-Innenexperte Axel Fischer die

geplante Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

an den ehemaligen

EZB-Präsidenten MarioDraghi. „Die

Politik der Europäischen Zentralbank

unter Draghi hat nicht nur

deutsche Sparer kontinuierlich enteignet,

sondern die Altersvorsorge

vonMillionenMenscheninDeutschland

geschmälert. Dafür hat er aus

meiner Sicht keine deutsche Auszeichnung

verdient“, sagte Fischer

der „Bild“-Zeitung.

Warum Draghi das Bundesverdienstkreuz

verliehen werden soll,

erschließe sich nicht. „Seine

(Geld-)Politik war vielleicht vorder-

Silber auf Goldkurs

Analysten erwarten einen überdurchschnittlichen Preisanstieg

Silberpreis

in Euro je Feinunze

18,0

17,0

16,0

15,0

14,0

13,0

12,0

FEB MRZ APR MAI JUNI JULI AUG SEP OKT NOV DEZ

2019

Bundesverdienstkreuz für Mario Draghi?

GeplanteAuszeichnung durch den Bundespräsidenten stößt bei Union und FDPauf Kritik

gründig hilfreich für einige südeuropäische

Staaten. Für den Euro-Raum

jedoch nicht und für Deutschland

schon gar nicht.“ Ähnlich hatte sich

„Seine Geldpolitik war ein Experiment

mit bestenfalls offenem Ausgang.“

Florian Toncar, FDP-Bundestagsfraktion

16,55

JAN

'20

BLZ/HECHER; QUELLE: FINANZEN.NET

zuvor schon CSU-Generalsekretär

Blume geäußert.

Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier will Draghi das Bundesverdienstkreuz

am 31. Januar im

Schloss Bellevue in Berlin überreichen.

Die Auszeichnung verleiht

Deutschland an in- und ausländische

Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale

oder geistige Leistungen.

Draghi war acht Jahre EZB-

Chef. MitNullzins,Strafzins für Banken

und Anleihenkäufen hatte der

Italiener alle Register gezogen im

Kampf gegen Mini-Inflation und

Konjunkturflaute.

FOTO: ROBERT JAEGER/PICTURE ALLIANCE

Massive Verunsicherung

macht sich in der Welt

der Wirtschaft breit.

Undwie immer in solchen

Situationen flüchten sich Anleger

in sogenannte sichereHäfen. Gemeint

sind vorallem Investitionen in

Edelmetalle. Übersehen wird dabei

häufig Silber. Dabei trauen Experten

dem grau schimmernden Stoff einiges

zu.

Die Aktienmärkte knickten am

Montag allenthalben heftig ein. Der

Ölpreis rutschte auf den niedrigsten

Stand seit drei Monaten –gut 59 Dollar

kostete ein Fass (159 Liter) Nordseeöl

am Nachmittag. Finanzmarktprofis

sind sich einig, dass die Ausbreitung

des Corona-Virus’ inChina

und anderswo die Hauptursache ist.

Jetzt wird schon spekuliert, dass der

Erreger nicht nur die weltweite Reisetätigkeit

einschränken könnte –was

vorallem Airlines treffen würde.

Auch Auswirkungen für den Einzelhandel

werden erwartet. Dahinter

stecktdie Erwartung,dass Menschen

sich aus Angst vor Ansteckung nicht

mehr in Innenstädte und

Einkaufszentren trauen, und zwar

nicht nur in China. Schon beinahe reflexartig

gehen in solchen Fällen die

Kurse für Edelmetalle hoch. Zuallererst

wird danatürlich Gold genannt.

DiePreise sind tatsächlich auf einem

extrem hohen Niveau. 1578 Dollar

waren es für die Feinunze (31,1

Gramm) am Montag. Oder wie wäre

es mit Palladium? Dasplatinähnliche

Metall war in den vergangenen Monaten

der Liebling von Investoren

und Spekulanten. Vorallem, weil Palladium

als teuerstes Edelmetall sehr

selten ist. Es ist ein Nebenprodukt,

dasbeimSchürfennachPlatingefunden

wird. Kurzfristige Nachfrageschübe

lassen sich nicht so einfach

bedienen. Die gab es in den vergangenen

Monaten aber, durch eine gesteigerte

Nachfrage der Autobauer.

Fast 90 Prozent des Aufkommens

wird indieser Branche verarbeitet.

Die braucht den Stoff, um in Katalysatoren

von Benzinmotoren das Abgas

zu reinigen. Doch es häufen sich

Analysten-Kommentare, denen zufolge

mit einer Abkühlung der Autokonjunktur

und einer wachsenden

Bedeutung der Elektromobilität die

Nachfrage nach Palladium nachhaltig

zurückgehen könnte.Aber da gibt

es auch noch den „kleinen Bruder“

des Goldes: Silber. Kleiner Bruder

deshalb, weil der Preis sich generell

am beliebterenEdelmetallorientiert.

Als aber im Spätsommer 2019 die US-

Notenbank Fed die Zinsen senkte

und der Goldkurs zu seinem Höhenflug

ansetzte, blieb das Silber etwa

träge zurück. Wobei es mit aktuell

16,55 Euro pro Feinunze immerhin

gut einViertelüber demWertvonMai

2019 liegt. Jedenfalls machte kürzlich

der renommierte Investment-Chef

von Guggenheim Global, Scott Minerd,

in einem Interview mit der Finanznachrichtenagentur

Bloomberg

darauf aufmerksam,dass Gold schon

sehr nahe an seinem Höchstwertnotiere.

Silber hingegen sei noch deutlich

davon entfernt. Dieses Nachholpotenzial

wirdauch auf vielen Investmentportalen

im Internet als wichtigstes

Argument für ein baldiges

überdurchschnittliches Preisplus bei

Silber angeführt.

Allerdings ist das so eine Sache.

Neben der Schmuckherstellung wird

Gold vor allem als eine Art Krisenund

Ersatzwährung eingesetzt, weshalb

auch Notenbanken Gold in großem

Stil einkaufen. Für Silber gibt es

hingegen eine große Zahl vonindustriellen

Einsatzbereichen. Denn das

Edelmetall hat besondere Eigenschaften:

eine sehr hohe Leitfähigkeit

für Wärme und Elektrizität und

eine hohe optische Reflexionsfähigkeit.

Entsprechend weit sind die Anwendungsgebiete

gefächert: von

elektronischen Geräte aller Art, über

Halbleiter, Photovoltaikanlagen bis

zur Dentaltechnik. Das macht Silber

von der wirtschaftlichen Entwicklung

abhängig.

Hinzu kommt, dass große Konzerne

in der Regel ihreLieferverträge für

Silber zu Beginn des Jahres abschließen.

Mit der Folge, dass der Silberpreis

häufig verzerrtwird: Er steigtim

Frühjahr,umdann im Laufe des Jahres

nachzugeben. Das heißt aber

auch, dass der Marktinder Regel relativ

eng ist. Eine beinahe ideale

Konstellation könnte sich ergeben,

wenn trotz anhaltender genereller

Verunsicherung von den Unternehmen

dennoch große Mengen Silber

geordertwerden. Es kursieren Schätzungen

vonAnalysten, die auf absehbare

Zeit eine Verdoppelung des Silberpreises

erwarten.

Was Sparer ärgert, freut Schuldner.Die

Nachfrage nach Immobilien

boomt, auch weil Baukredite kaum

noch etwas kosten. Zudem ist das billige

Notenbankgeld seit Jahren

Schmierstoff für die Börsen. Undder

deutsche Finanzminister verdiente

am Schuldenmachen, weil Geldgeber

bereit waren, negative Zinsen zu

akzeptieren. Auch der finanzpolitische

Sprecher der FDP-Fraktion, Florian

Toncar, äußerte Kritik. „Es ist

nicht nachvollziehbar, für welche

VerdiensteMarioDraghidasBundesverdienstkreuz

erhalten soll“, erklärte

er. „Seine Geldpolitik war ein kolossales

Experiment mit bestenfalls

offenem Ausgang.“ Die Zinspolitik

der EZB ziehe die Altersvorsorge von

Millionen Menschen in Mitleidenschaft.

(dpa)

Zweite

Haut für

Früchte

Supermärkte testen

neue Techniken

Von Erich Reimann

Der Lebensmittelhandel steckt in

der Zwickmühle. Plastikverpackungen

für Gurken, Avocados und

Co.sind fürimmermehr Kunden tabu.

Doch ohne die schützende

Kunststoffhülle werden Obst und

Gemüse oft schneller unansehnlich

und damit unverkäuflich. Deutschlands

größte Lebensmittelhändler

Edeka und Rewe testen deshalb jetzt

neue Techniken, um die empfindliche

Ware auch ohne Kunststoffverpackunglängerfrisch

zu halten.Helfen

soll eine hauchdünne, essbare

Schutzschicht, die direkt auf die

Schale der Früchte aufgetragen wird.

Bereits Ende vergangenen Jahres

begann Deutschlands größter Lebensmittelhändler

Edeka inausgewählten

Supermärkten und Netto-

Filialen Avocados zu verkaufen, die

mit einer solchen „zweiten Haut“

versehen sind. Sie soll den Wasserverlust

und das Eindringen von

Sauerstoff verlangsamen. Beides

sindHauptursachen für denschnellen

Verderb der Früchte. Dank der

Beschichtung sollen die empfindlichen

Früchte zwei- bis dreimal so

lange frisch bleiben wie ohne den

Schutzüberzug.

Rein pflanzliches Material

Dervom US-KonzernApeel Sciences

entwickelte Schutzmantel besteht

laut Hersteller aus rein pflanzlichen

Materialien, die inSchalen, Samen

und im Fruchtfleisch verschiedener

Obst- und Gemüsesorten vorkommen.

Er sei geschmacks- und geruchlos

und problemlos essbar.

DerEdeka-KaufmannFalkPaschmannverkauft

die behandeltenAvocados

bereitsseit einigenWochen in

seinem Supermarkt in Düsseldorf-

Bilk und schwärmt: „Das ist eine Lösung

für ein wichtiges Problem

unserer Zeit.“ Siebietefür alle Beteiligten

Vorteile: Für die Kunden, weil

die Ware auch daheim noch länger

frisch bleibe, und fürihn als Händler,

weil er deutlich wenigerVerluste habe.

Wohl auch deshalb treibt Edeka

das Projektzügigweiter voran.

DerKonkurrent Rewe zieht in diesen

Tagen nach –mit Avocados, die

mit einemähnlichen System behandelt

sind. Der Überzug besteht hier

aus natürlichem Zucker, Zellulose

und pflanzlichen Ölen und stammt

vom britischen Hersteller AgriCoat

NatureSeal. Auch er soll essbar und

gut verträglichsein.

DieFrüchte würden in dieser Woche

bereits in bis zu 860 Rewe- und

Penny-Märkten verkauft, kündigte

das Unternehmen an. „Wir hoffen

sehr, dass uns unsere Kunden in

unserem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

durch ihre Kaufentscheidung

unterstützen“, betonte

der Rewe-Manager Eugenio Guidoccio.

Jährlich landen nach einer aktuellen

Studie des Bundesforschungsinstituts

für ländliche Räume, Wald

und Fischerei (Thünen-Institut)

über 12Millionen Tonnen LebensmittelimMüll.

DerGroßteil derAbfälle

–7MillionenTonnen –entsteht

in Privathaushalten. (dpa)

Früchte mit essbarer Schutzschicht kommen

jetzt in dieLäden.

FOTO: R.PFEIL/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 7

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Wirtschaft

Am liebsten

Papas

Nachfolger

Nachkommen oft bereit

zur Firmenübernahme

Von Roland Losch

Fielmann, Sixt, Hipp –invielenFamilienunternehmen

wird die

Gründergeneration gerade schrittweise

von den Kindern abgelöst. Bei

einer Umfrage der Stiftung Familienunternehmen

sahen es 71 Prozent

der potenziellen Nachfolger als

wahrscheinlich an, „dass sie bis zum

40. Geburtstag Geschäftsführer des

Familienunternehmens sein werden“.

Die Übernahmebereitschaft

habe sich in den vergangenen zehn

Jahren verdoppelt.

„Allen Unkenrufen zum Trotz

steht eine Generation vonUnternehmernzur

Verfügung, die bereit und in

der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen“,

teilte die Stiftung am Montag

in München mit. Rund drei Millionen

Familienunternehmen steheninDeutschlandfürjedenzweiten

Arbeitsplatz und 2,8 Billionen Euro

Umsatz, so das Zentrum für Europäische

Wirtschaftsforschung (ZEW) in

Mannheim. Jedes Jahr stehen ZehntausendeFamilienbetriebezurÜbergabe

an. „Der Malermeister mit zwei

Kindern, die beide studiert haben –

sie werden den Betrieb eher nicht

fortführen“, sagt Stiftungssprecher

André Tauber.Aber bei großen Familienunternehmen

sehe das ganz anders

aus.

Der 30-jährige Marc Fielmann

zumBeispielist seit November alleiniger

Vorstandschef von Deutschlands

größter Optikerkette, mit 740

Filialen, 20000 Mitarbeitern und

1,4 Milliarden Euro Umsatz. Unternehmensgründer

Günther Fielmann

hatte seinen Sohn 2018 zum Co-Chef

des Konzerns gemacht, jetzt übergab

er jetzt das Steuer.

Auch bei der Drogeriemarktkette

dm ist der Generationswechsel gerade

erfolgt: Christoph Werner,der 46-

jährige Sohn des Unternehmensgründers

Götz Werner, steht jetzt an

der Spitze des Konzerns mit über

11 Milliarden Euro Umsatz. Beianderenist

der allerletzte Schritt noch offen.

Europas größter Autovermieter,

Erich Sixt, wird dieses Jahr 76. Seine

beiden Söhne Alexander und Konstantin

sind schon seit 2015 im Vorstand

und haben inzwischen ihr Gesellenstück

abgeliefert: Die digitale

Vernetzung der Vermietflotte, das

Zusammenführen von Carsharing

und Miete mit einer Buchungs-App

für die Kunden.

Für Hipp-Babybrei steht seit einigen

Jahren nicht nur Firmenpatriarch

Claus Hipp „mit seinem Namen“,

sondernauch sein 51-jähriger

SohnStefan. DerSenioristzwarnoch

fast jeden Tagda, „aber das operative,

strategische Geschäft überlässt er zunehmend

der jungen Generation“,

sagt Hipp-Sprecher Clemens Preysing.StefanHippübernehmedieRolle

als Gesicht der Marke, sein jüngererBruderSebastian

Hipp sei im Verwaltungsrat:

„Die teilen sich das auf.“

Das klassische Nachfolgemodell,

wonach ein Familienmitglied die alleinige

Verantwortung in der Geschäftsführung

übernimmt, verliert

an Bedeutung: Auch das ist ein Ergebnis

der Studie, für die die Zeppelin-Universität

Friedrichshafen im

Auftrag der Stiftung Familienunternehmen

im vergangenen Jahr 516

potenzielle Unternehmensnachfolger

befragt hat. (dpa)

Günther Fielmann(l.) und sein Sohn

Marc Fielmann. FOTO: CHRISTOPHE GATEAU/DPA

„GuteAussichten fürAktien“

DWS-Fondsmanager Asoka Wöhrmann über Geldanlage in Zeiten von Negativzinsen

Essind schwierige Zeiten für

Menschen, die ihr Geld gewinnbringend

anlegen

wollen. Als Chef des größten

deutschen Vermögensverwalters

DWS steht auch Asoka Wöhrmannvor

demProblem,Rendite erwirtschaften

zu müssen. InZeiten

von Negativzinsen für große Bankeinlagenist

dasnicht einfach.Doch

Wöhrmann lässt sich nicht unterkriegenund

hält auch einpaar Tipps

für Sparer bereit.

Herr Wöhrmann, seit gut fünf Jahren

gibtesNegativzinsen. Wielangewird

dieserZustandnoch andauern?

Sicherlich wird essie nicht ewig

geben. Ich glaube aber, wir werden

in den nächsten fünf Jahren noch

sehr niedrige Zinsen haben. Dabei

dürften sie in den nächsten zwei,

drei Jahren negativ sein.

Wann kommt ein früheres Zinsniveauwieder–

mit 5oder 6Prozent

oder mehr?

Vielleicht nie wieder. Japan befindetsichseit

20 Jahren im Negativzinszyklus,

ein Ende ist dort nicht

absehbar.

Was sind denn die Folgen negativer

Zinsen?

Ichnenne dasFinanzrepression.

Die reale Entwertung ist ein Drama

für Anleger und Sparer. Es handelt

sich umdas schlimmste vorstellbare

Szenario. Volkswirtschaftlich erleben

wir eine säkulare Stagnation:

Niedrige Zinsen, verbunden mit

schwachemWachstum.

Von den Niedrigzinsen profitieren

vor allem die angeschlagenen südeuropäischen

Länder. Bei höheren

Zinsen wären sie praktischpleite.

Einspruch! Japan hat eineStaatsverschuldung

von 260 Prozent gemessen

am Bruttoinlandsprodukt

und istnichtpleite.Schuldentragfähigkeit

berechnet sich anders. Ein

Verschuldungsgrad von über

130 Prozent wie in Italienist in Europa

sehr hoch, verglichen mit deutschen

59 Prozent. Das Problem in

der Euro-Zone ist, dass einige Länder

ihre Schuldenstände reduzieren,

andere mit dem Thema nonchalantumgehen,

ihre Schulden also

halten oder sogar ausweiten.

Geringes Wachstumgepaart mit Negativzinsen:

Gibt es da überhaupt

noch einen Ausweg?

Ich denke ja. Wir haben eine

Währung. Somit kann nicht jedes

Land seine Geldpolitik selbst bestimmen.

Der Schlüssel liegt daher

in der fiskalpolitischen Auslegung.

Entweder sind wir Sparweltmeister,

dann aber alle. Oder wir müssen in

Deutschland –und dafür plädiere

ich –das Wachstum über fiskalpolitische

Impulse ankurbeln. Es ist

hierzulande eine Menge zu tun,

wenn ich an die Infrastruktur oder

die Digitalisierung denke. Wir können

so die Innovationskraft in Europa

erhöhen, um wiedereinewichtige

Wirtschaftskraft zu werden.

Von Thomas Magenheim

Nicht viele Messen sind älter als

die Ispo in München. Seit 1970

und damit seit einem halben Jahrhundert

wird dort nach den neuesten

Trends bei Sportartikeln gefahndet.

Wenn es nach Messechef

Klaus Dittrich und einigen Pionieren

der Branche geht, ist der Trend für

die nächsten Jahregefunden.

„Wir sind am Beginneiner Veränderung“,sagt

Dittrich und denktdabei

an Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Mark Held pflichtet ihm bei.

„Sportartiklerverkaufen nichtmehr

Im Saalder Frankfurter Börse verfolgt einHändler dieKursentwicklung.

Kompostierbare Daunenjacken

Getrieben von Outdoorfirmen will die Sportartikelbranche nachhaltigerwerden

ZUR PERSON

FOTO: FRANK RUMPENHORST/DPA

Asoka Wöhrmann (54) ist seit 2018 Chef der Deutsche-Bank-Tochter DWS, desgrößten bundesdeutschen

Vermögensverwalters. Das Unternehmen betreut 750 Milliarden Euro Anlagekapital

und erzielte 2018 mit seinen 3500 Mitarbeiterneinen Umsatz von2,26 Milliarden Euro.

Geboren in Sri Lanka kam Wöhrmann als Elfjähriger nach Deutschland. Mit seiner Frau und den

vier Kindernlebt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler in Ostwestfalen und Frankfurtam

Main.

nur Sportartikel, sie müssen auch

Verantwortung für unsere Umwelt

und ihreLieferketten übernehmen“,

fordert der Chef des europäischen

Outdoor-Branchenverbands. In der

Tatgibt es dieses Jahr kaum einen

Messestand auf der Ispo, an dem

nicht mit nachhaltiger Ware oder

Produktionsweise geworben wird.

Viele der 2850 Aussteller preisen

vermeintlich Bahnbrechendes für

Umwelt- und Klimaschutz an. Beim

einen ist es eine als „Ökobooster“

beworbene komplett kompostierbare

Daunenjacke, die garantiert

binnendreiMonaten biologischabgebaut

sei. Andere geben sich mit

einem nachhaltigen Rückenprotektor

für waghalsige Sportler aus

100 Prozent Schafwolle zufrieden.

Der Dritte verspricht, sein Produktionsabwasser

so mittels Algen zu

reinigen, dass man es danach trinken

könne. Auch eine Funktionsjacke

aus recycelten Alttextilien und

Plastikflaschen wirdals Weltneuheit

angepriesen.

„Der ganz große Trend liegt in

biopolymeren Werkstoffen und Materialien“,

glaubt Veit Senner. Dabei

geheesdarum, die vielenKunststoffe,die

bei Sportartikeln immer noch

Demstehtaberdie im Berliner Koalitionsvertrag

vereinbarte schwarze

Null im Haushalt entgegen.

Das ist grundsätzlich ein gutes

Vorhaben. Aber umaus der Spirale

von niedrigem Wachstum und Negativzinsen

herauszukommen,

brauchen wir einen kräftigen Impuls.

Die europäischen Banken haben bislang

über 20 Milliarden Euro an

Strafzinsen bezahlt.Wie stabil istdas

europäische Finanzsystem?

Es hat sich in den vergangenen

zehn Jahren deutlichstabilisiert.Allerdings

mussten enorme Anpassungslasten

verkraftetwerden.Deswegen

ist die Ertragskraft im globalen

Vergleich am niedrigsten.

Wie kann Abhilfe geschaffen werden?

Die US-Banken blühen und gedeihen.

Wenn wir da aufholen wollen,

müssen wir in Europa mehr

über Konsolidierung nachdenken,

auch über Ländergrenzen hinweg,

auch zwischen Banken und Sparkassen

etwa.

Welche Konsequenzen habendie Negativzinsenfür

dieAltersvorsorge?

Die Lebensversicherer und Pensionsfonds

stehen vor einer enormen

Wiederanlageproblematik

ihres Kapitals.Esist davonauszugehen,

dass dieGarantiezinsenweiter

sinken werden. Ich bezweifle auch,

dass die Einlagengarantie noch gewährleistetwerden

kann.

Da bleibt als Alternative die Anlage

in Aktien?

Ich propagiere Aktien seit Jahren

–2019 war ein sehr gutes Jahr,

der Deutsche Aktienindex, der Dax,

ist um 25 Prozent gestiegen. Die

Aussichten für dieses Jahr sind

ebenfalls positiv.

Aber fürkurzfristige Anlagen istdieses

Instrument eher nicht sogut geeignet.

Wer in Aktien spart, sollte das

langfristig betrachten, dann erzielt

er eine gute Rendite. 1990 war der

Daxdreistellig, jetzt sind es mehr als

13 000Punkte.Bei derLehman-Krise

vor elf Jahren lag der Dax bei

3000 Punkten. Sie sehen: Auf lange

Sicht ist die Aktie das beste Instrument.

Monatliches Aktiensparen in

Fonds ist die sinnvollste Altersvorsorge.

Und wie sieht es mit Immobilien

aus?

Ich gehe davon aus, dass die Immobilienpreise

in den nächsten

Jahren weiter klettern werden. Nicht

zu vergessen ist, dass es hier viele

Jahre lang keine Steigerungen gab.

Wer zur Miete wohnt, sollte angesichts

der niedrigen Zinsen durchrechnen,

ob er nicht davon profitieren

kann. Auch Immobilienaktien

und offene Immobilienfonds sind

eine gute Wahl.

DasGespräch führte Ulrich Milde.

eingesetzt werden, durch nachhaltige

Rohstoffe auf pflanzlicher Basis

wie Rizinusöl oder Mais zu ersetzen,

erklärtder Professorfür Sportgeräte

und Sportmaterialien an der TU

München.

Der Wissenschaftler denkt dabei

über die Sportartikelbranche hinaus.

Sport eigne sich wegen seiner

Breitenwirkung ideal zur Vermittlung

vonWerten. „Sportmuss künftig

als emotionales trojanisches

Pferd genutzt werden“, fordert Senner.Inder

Pflicht stünden auch Verbraucher

mit ihrer Kaufentscheidung.

NACHRICHTEN

Erwerbslosenzahl

erreicht Tiefstand

DieZahl derErwerbslosenin

Deutschland ist im Jahresdurchschnitt

2019 auf den niedrigsten

Stand seit der Wiedervereinigung

gesunken. Nach vorläufigen Schätzungen

lag sie bei 1,4 Millionen

Menschen, wie das Statistische Bundesamt

am Montag mitteilte.Auch

der Arbeitsmarkt in der Europäischen

Union habe sich vomTiefpunkt

nach der Finanzkrise 2009

„weitgehend erholt“, stellten die

Statistiker fest. Damals war die

Arbeitslosigkeit auf dem Globus auf

einen Höchstwertgestiegen: 212

Millionen Menschen ohne Jobzählte

seinerzeit die Internationale

Arbeitsorganisation. (dpa)

Gedämpfte Stimmung in

der Deutsche Wirtschaft

DieStimmung in der deutschen

Wirtschaft hat sich zu Jahresbeginn

überraschend eingetrübt. Wiedas

Münchner Ifo-Institut am Montag

mitteilte,fiel das vonihm erhobene

Geschäftsklima im Januar um

0,4 Punkte auf 95,9 Zähler.Analysten

hatten im Mittel mit einem Zuwachs

auf 97,0 Punkte gerechnet. Belastet

wurde die Stimmung in den Unternehmen

vonden Erwartungen für

das nächste halbe Jahr.Dagegen

hellte sich die Bewertung der aktuellen

Lage leicht auf. DasIfo-Geschäftsklima

ergibt sich aus einer

Umfrage unter 9000 Unternehmen

und gilt als wichtigstes Konjunkturbarometer

hierzulande.Der Rückgang

des Geschäftsklimas dämpft

Hoffnungen auf eine konjunkturelle

Belebung. (dpa)

Indien will staatliche

Fluggesellschaft verkaufen

Der rote Teppich istfür Interessenten

ausgerollt.

FOTO: MUSTAFA QURAISHI/DPA

Dieindische Regierung will ihre

hoch verschuldete staatliche Fluggesellschaft

Air India verkaufen. Das

teilte die Regierung am Montag mit.

Biszum 17. Märzkönnten Interessenten

Angebote einreichen. Zuvor

hatte die Regierung bereits versucht,

die Mehrheit ihrer Anteile an der

Airline zu verkaufen, vonder sie

100 Prozent besitzt. Dashatte 2018

aber niemanden überzeugt. Air India

hat Schulden im Wert vonumgerechnet

rund 7,4 Milliarden Euro,

wovonder Käufer laut Regierung etwa

2,9 Milliarden Euro übernehmen

muss.Die Regierung will den Rest

übernehmen. DerLuftfahrtmarkt

Indien wächst stark. (dpa)

Gesellschaftsspiele

stark gefragt

Gesellschafts- und Brettspiele sind beliebt

in Deutschland –auch im Zeitalter

des Handys.„Immeröfter bleibt

das Mobiltelefon in der Tasche,und es

werden Spiele in Runden auf den

Tisch gebracht“, teilte der Vorsitzende

des Vereins Spieleverlage,Hermann

Hutter,zweiTage vorBeginn der Internationalen

Spielwarenmesse in Nürnbergmit.

Im vergangenen Jahr habe es

bei Brett- und Gesellschaftsspielen ein

Umsatzwachstum von8Prozent auf

rund 550 Millionen Euro in der Branche

gegeben. DasRatespiel „Just One“

oder das Strategiespiel „Flügelschlag“

seien gute Beispiele. (dpa)


8 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Meinung

Koalitionsstreit

ZITAT

Die SPD sollte

lieber schweigen

Peter Neumann

fragt sich, was sich die Partei von

ihrer Verkehrsdebatte verspricht.

Zwar wirdinBerlin erst 2021 wieder gewählt.

Doch für die unter Abstiegsängsten

leidende SPD hat der Wahlkampf

bereits begonnen. Wie anders ließe sich

erklären, dass sie bei jeder Gelegenheit

gegen die Grünen holzt –obwohl diese

Partei noch ihr Partner im Senat ist. Dabei

ist fraglich, ob das aggressiveSchaulaufen

den Sozialdemokraten auch nur eine zusätzlicheWählerstimme

verschaffen wird.

In diesem Fall hat die Berliner SPD

auch noch das falsche Thema gewählt:

den Verkehr.Über Jahrehinweg waren die

Verkehrssenatoren Sozialdemokraten,

auch der heutige Regierende Bürgermeister

bekleidete dieses Amt. Jahrelang

konnten sie zeigen, was sie wollen und

können. Doch angesichts der Bilanz sollte

die SPD lieber schweigen anstatt die seit

2016 amtierenden Grünen anzuzählen.

Zwar gab es richtige Weichenstellungen,

etwa im Rad- und Nahverkehr. Das

meiste konnte aber nicht mit Leben erfüllt

werden, weil der Personalabbau in der

Verwaltung weiterging. DieU-5-Verlängerung,

die 2020 in Betrieb geht, wurde vom

SPD-Senator Strieder bekämpft, neue U-

Bahn-Projekte schob auch Senator Müller

nicht an. Beiden Fahrpreisen fiel den Sozialdemokraten

ebenfalls nur wenig ein.

Sicher, auch Verkehrssenatorin Regine

Günther (Grüne) verdient Kritik. In ihrer

Amtszeit wird, wenn überhaupt, nur eine

einzige Straßenbahn-Neubaustrecke fertig.

Aber das liegt auch an einem wuchernden

Regeldickicht. Natürlich wäre

es nicht falsch, für die fernere Zukunft

neue U-Bahn-Linien zu planen. Doch bevor

es Berlin nicht schafft, auch nur

kleinste Infrastrukturprojekte wie die

Tram zum Ostkreuz zu realisieren, ist alle

Kraft erst einmal dort zukonzentrieren.

Alles anderesind Wolkenkuckucksheime.

USA

Ein unerwarteter

Zeuge

KarlDoemens

über die brisante Aussageeines

früheren Trump-Vertrauten.

Inder klassischen Tragödie wird die Peripetie

als Spannungselement eingesetzt:

Kurz vor dem Ende des Stücks

nimmt die Handlung eine überraschende

Wendung. So scheint es auch im Impeachment-Verfahren

gegen Donald

Trump zu sein. Der Prozess nähert sich

mit hohem Tempo seiner Einstellung –da

springt plötzlich Ex-Sicherheitsberater

John Bolton auf die Bühne und präsentiertden

definitiven Beweis für die Schuld

des Präsidenten.

Zum strahlenden Helden in dem

Schmierenstück der Ukraine-Affäre taugt

Bolton sicher nicht. Er ist ein ultra-konservativer

Kriegstreiber. Auch hätte er seine

Aussage bei den Anhörungen des Repräsentantenhauses

machen können. Vielmehr

finden sich seine Vorwürfe nun eher

zufällig in einem Buchmanuskript. Genau

das aber erhöht die Glaubwürdigkeit des

Zeugen: Der 71-jährige Hardliner hat keinen

Grund, den Demokraten zu helfen. In

einer normalen Welt könnte kein aufrechter

Republikaner Boltons Aussage beiseitewischen.

Immerhin widerspricht der Ex-

Sicherheitsberater dem Präsidenten diametral:

Trump behauptet, er habe nie

Druck auf den ukrainischen Präsidenten

ausgeübt, Ermittlungen gegen seinen Rivalen

Joe Biden einzuleiten. Laut Bolton

hat Trump ihm selbst gesagt, dass er deswegen

die Militärhilfe zurückhielt. Das

müsste dieWendung sein, eigentlich.

Doch ob es so kommt, ist mehr als fraglich.

Die Führung der Republikaner will

Bolton nicht einmal als Zeugen anhören.

Die Richter im Impeachment-Prozess

sind zu offenen Komplizen des Täters geworden.

Wenn sie damit durchkommen,

muss man sich ernsthaft Sorgen machen

um die amerikanische Demokratie.

Maßanfertigung,wie immer

Das Nackensteak kam am Wochenende

zu hohen Ehren –sowohl

bei seinen Anhängern als

auch bei seinen Gegnern. Der

Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag,

Ralph Brinkhaus, sagte in einem Interview,

erschäme sich nicht dafür, Leute zu

vertreten, „die mit einem Verbrennungsmotor

unterwegs sind, Nackensteak essen und

fleißig sind –diese Leute sind das Rückgrat

unserer Gesellschaft.“ DerSubtext des Satzes

lautete, wer hart arbeitet, der darf Auto fahrenund

Fleisch essen, so wie es ihm beliebt –

selbst wenn es dem Klima schadet. Im Juni

letzten Jahres war es übrigens das Schnitzel,

das zu Ehren kam. Da sagte der FDP-Vorsitzende

Christian Lindner: „Die Frage ist:

Träumt man wie Robert Habeck von einer

Gesellschaft, in der es keinen Fleischkonsum

mehr gibt? Ichsage:Wervegan leben will, soll

es gerntun. DasSchnitzel sollte den anderen

aber nicht verboten werden.“

Beide Sätzesind typisch für den Stand der

Klimadebatte. Sie lebt von falschen Zuschreibungen.

Brinkhaus erweckt den Eindruck,

als habe jemand behauptet, dass er

sich für die Vertretung von Nackensteak essenden

Verbrennungsmotorfahrern schämen

müsse,ohne dass kenntlich würde,wer

das sein sollte. Bei Lindner wird dies noch

deutlicher. Kein Grüner würde sich trauen,

Schnitzel zu verbieten. Die Partei träumt

nicht etwa. Sie leidet vielmehr unter einem

Trauma –dem Trauma, einst einen Veggie-

Dayfür Kantinen vorgeschlagen zu haben.

Nun könnte man das Ganze als übliches

Geplänkel zwischen Parteien abtun. Hier

wird ja nur ein wenig polemisiert, mehr

nicht. Im größeren ökologischen Kontext ist

diese Art der Auseinandersetzung freilich

problematisch. Denn eigentlich bräuchten

Bislang legten unsere Spitzenpolitiker in

der israelischen Gedenkstätte YadVashem

Kränze nieder und äußerten einige

Sätzetiefer Betroffenheit. Erst jetzt, 75 Jahre

nach der Befreiung des Vernichtungslagers

Auschwitz, konnte dort ein deutscher

Staatsmann öffentlich reden, nämlich Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier. Am

vergangenen Donnerstag sprach er in Yad

Vashem vor den wenigen Überlebenden

und den vielen Nachfahren der Ermordeten,

vor den Repräsentanten Israels und jener

Staaten, die Mörderdeutschland 1945

unter unsäglichen Opfern zur Kapitulation

gezwungen hatten.

WieAngela Merkel, als sie Anfang Dezember

die Gedenkstätte Auschwitz besuchte,

fand auch Steinmeier den richtigen Tonund

eindeutige Sätze. Er sprach nicht von „den

Nationalsozialisten“, die Ungeheuerliches

„im deutschen Namen“ begangen hätten,

sondern von Deutschen. Er mied die Wörter

Hitler, Diktatur, NS-Regime, Ideologie,

Machthaber, Rassenwahn, Weltanschauungskrieger.

Warum verzichtete er auf alle

diese unter Journalisten, Historikerinnen

und Moderatorinnen, Gedenkpädagogen

und Schulbuchautoren so hochbeliebten

Distanzformeln? DieAntwortist einfach. Alle

diese Begriffe dienen dazu, sich um das zentrale

unbeantwortete Problem herumzudrücken:

Wie konnte ein ganzes Volk, und zwar

das deutsche,derarttief sinken?

Der Bundespräsident stellte diese Fragen

in YadVashem nicht, dazu reichte weder die

Klima und Nackensteaks

Das neue

Reizthema

Markus Decker

stellt fest, dass die Umweltpolitik in Sachen Polarisierung

das Flüchtlingsthema abgelöst hat.

wir nichts mehr als eine maximal nüchterne

Debatte darüber, was zur Bekämpfung des

Klimawandels getan werden kann und muss

–und das von allen. Stattdessen gerät das

Thema mehr denn je auf die Links-Rechts-

Achse und in die Mühlen der Identitätspolitik,

wo laufend Klischees konstruiertwerden.

Da sind die angeblichen Vegetarier vom

Prenzlauer Berg mit zwei Langstreckenflügen

im Jahr, die den angeblichen Grillweltmeistern

mit SUV in Brandenburg mal zeigen

wollen, was richtig und was falsch ist.

Treiber dieser Polarisierung ist die AfD.

DasVerhetzungspotenzial der Flüchtlingspolitik

hat sich erschöpft. Das scheint auch

die AfD so zu sehen. Denn schon vorMonaten

hat sie die Klimapolitik zum neuen Thema

KOLUMNE

Steinmeier,

Auschwitz und

die Deutschen

Götz Aly

Historiker

Redezeit, noch taugten Ortund Anlass dazu.

Aber er weiß, dass die genannten Sprechblasen

als gängige Ausreden herhalten, um die

Schuld an der Ermordung der europäischen

Juden und die Last der historischen Verantwortung

auf möglichst wenige „Unmenschen“,

auf möglichst kleine Gruppen („Monopolkapital“,

„SS-Schergen“ usw.) zu reduzieren.

Noch beliebter ist es, eine völlig entpersönlichte,

uns Heutigen fremd

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Nummer eins erklärt. Seither geistert die Erzählung

durch die Republik, Grüne, Linke

und Linksliberale wollten die Deutschen umerziehen.

GrößereSpuren hinterlässt diese Erzählung

in der FDP,kleinereauf dem rechten

Flügel der Union. Lindner versucht, jene hinter

seiner Partei zu versammeln, die der Modernisierung

im Sinne des Klimaschutzes

zum Opfer fallen könnten. DerWirtschaftsflügel

von CDU und CSU mitsamt der „Werte-

Union“ tun es ihm gleich. Dabei erscheint der

heimische Lebensstil samt Nackensteak und

Schnitzel als etwas, worauf Bürger einen natürlichen

Anspruch haben, der ihnen illegitimerweise

genommen werden soll. Auch einzelnen

Linken wie dem einstigen Linksparteichef

Klaus Ernst ist diese Denke nicht fremd.

Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass beim

Festhalten an den Zuständen nicht bloß der

Konsum von Nackensteak und Schnitzel in

Gefahr ist, sondern unsere gesamte Konsumgesellschaft.

Werglaubt, am Status quo festhalten

zu können, gefährdet ihn umso mehr.

Nur radikales Umsteuern kann das noch abwenden.

So werden realitätsbezogene Erwägungen

überlagert von neuen Freund- und

Feindbildern. Zuweilen entsteht der Eindruck,

als sei Klimaschutz etwas, was die einen

sich ausgedacht haben, um die anderen

zu quälen –und alshätten jene,die das so sehen,

ein ganz privates Zweit-Klima im Keller,

das sie bei Bedarf wie ein Zelt über ihr Leben

spannen könnten. Wieweit die Irrationalität

reichen kann, zeigt Australien, wo der Premierminister

an der Kohle festhält, obwohl

die auch vonder Kohleverstromung herrührende

Erderwärmung sein Land längst existenziell

bedroht. Nein, niemand sollte glauben,

dass Schaden klug macht. Menschen

können auch trotz Schadens dumm bleiben.

erscheinende „völkische Blut-und-Boden-

Rassenideologie“ zur Generalschuldigen zu

erklären und „die Nationalsozialisten“ mit

angeekeltem Unterton so darzustellen, als

seien sie vomMars eingeschwebt –mörderische

Unpersonen, mit denen zwischen

Rhein und Oder kaum jemand verwandt

oder verschwägertsei.

Im bewussten Gegensatz dazu sprach

Steinmeier geradeaus und klar über den

Mord an Millionen Menschen: „Deutsche

haben sie verschleppt. Deutsche haben ihnen

Nummern auf die Unterarme tätowiert.

Deutsche haben versucht, diese Menschen

zu entmenschlichen, zu Nummern zumachen,

im Vernichtungslager jede Erinnerung

an sie auszulöschen. (…) Die Täter waren

Menschen. Siewaren Deutsche.Die Mörder,

die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer:

Sie waren Deutsche. Der industrielle

Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen

und Juden, das größte Verbrechen der

Menschheitsgeschichte –eswurde vonmeinen

Landsleuten begangen. Der grausame

Krieg, der weit mehr als 50 Millionen Menschenleben

kosten sollte, erging von meinem

Lande aus.“

Wirwerden bis zum 8./9. Mainochoft hören

und lesen, was angeblich allein „die Nationalsozialisten“

alles verbrochen haben.

Eine Rede des Bundespräsidenten wird das

nicht ändern. Aber als erster Bürger seines

Landes hat Frank-Walter Steinmeier einen

guten Anfang gemacht, um an die ganze

Wahrheit zu erinnern.

„Meine Idee ist, dass wir bis

2050 unseren Energiebedarf

zuüber 50 Prozent

aus importiertem, nachhaltig

erzeugtem Wasserstoff

decken werden.“

Anja Karliczek, Forschungsministerin, erklärt im

Interview mit dem Spiegel ihre Vorstellung von der

Energiewende.

AUSLESE

China und der

Coronavirus

Der Coronavirus beschäftigt die Kommentatoren

mittlerweile weltweit.

Die liberale Zeitung Hospodarske noviny

aus Tschechien kritisiert die Vorgehensweise

Chinas: „Wenn sich die Regierung

in Peking verantwortungsvoll verhalten

und eine offene Informationspolitik betreiben

würde, könnte alles ganz anders

sein.“, schreibt das Blatt. „Es ist, als ob die

chinesischen Herrscher nichts aus der

Sars-Epidemie im Jahr 2003 gelernt hätten.

Damals führte der Versuch, die wahren

Zustände monatelang zu vertuschen,

nicht nur zu einer größeren Zahl an Opfern,

sondern auch zueinem Verlust des

Vertrauens in die chinesischen Behörden

bei ihren Partnerninaller Welt.“

„Bagger gegen einen Virus? Dasist das

erstaunliche Bild, das aus Wuhan kommt.

[...] Dievielen Maschinen, die zum Baueiner

Festunggegen das Coronavirus eingesetzt

werden, scheinen eher zu einer

Kommunikationsstrategie als zu öffentlichen

Bauarbeiten zu passen“, kommentiert

die französische Regionalzeitung

Dernières Nouvelles d’Alsace. „Man kann

es als eine Propagandamaßnahme betrachten.“

„Von der Ausbreitung zoonotischer

Viren bis zur wachsenden Bedrohung

durch Antibiotika-Resistenzen und

der Klimakrise –die größten existenziellen

Herausforderungen sind wahrhaft

globaler Natur“, meint The Observer aus

London. „Veraltete Vorstellungen von nationaler

Souveränität werden dadurch zur

Farce.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 – S eite 9 *

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Berlin

WasPotsdamer

Forscher in Grünland

erkunden

Seite 16

Neuer Ärger: Die ÖPNV-Pläne der SPD sorgen bei den Koalitionspartnern für Verdruss Seite 10

Neuer Versuch: Für den Probebetrieb am BER werden 20 000 Komparsen gesucht Seite 12

Stadtbild

Unter

Strom

Gabriela Keller

hat mit der Share Economy

ein paar Startschwierigkeiten

Wie gut, dass es Car-Sharing-

Dienste gibt. Sonst würde ich

jetzt nicht mit den zwei Vierjährigen

auf der Rückbank in Richtung Karls

Erlebnisdorfsausen, wir hätten nicht

diesen tollen Nachmittag in der

Wustermarkvor uns.Mein alter Ford

sprang an diesem Sonntag nicht an,

eine Lösung musste her, und zwar

pronto, die Kinder wollten ins Erdbeerdorf.

Da kam die Idee: Vielleicht

kann einer dieser Car-Sharing-

Dienste helfen. WeShare klingt gut,

da kann man mit e-Golfs zum Minutenpreis

cruisen. Das Ganze sah unkompliziert

aus, die Anmeldung ist

es auch, nach wenigen Minuten war

ich neu registriertes Mitglied.

Das nächste Auto steht gleich an

der Ecke, der Strom reicht noch für

78 Kilometer, sagt die App. Bis zum

Erdbeerdorfsind es 24 Kilometer pro

Strecke, das müsste locker reichen.

Wirsurren los.Bloß unser Kilometerpegel

schrumpft beunruhigend

schnell. Was, wenn die Batterie leer

ist? Wo findet man die nächste Ladestation?

In der Wustermark? Etwas

hektisch durchsuche ich die FAQs in

der App, darin steht: Ums Aufladen

kümmertsich der Anbieter.Aber:Sobald

der Kilometerstand unter 20

fällt, bin ich in der Pflicht.

Wirkommen gut hin und zurück,

aber auf der Rückfahrt unterschreiten

wir den Wert. Ich habe noch nie

ein Elektroauto aufgeladen und nun

viele Fragen: Wie lange dauert das?

Muss ich daneben warten? Mit zwei

übermüdeten Kleinkindern? Ichrufe

die Hotline an, eine Melodie dudelt,

ich warte, 5Minuten, 10 Minuten,

dann meldet sich eine Frau. Siesagt:

Ichsoll das Auto nur an der Ladestation

anschließen, es bleibt dort stehen.

Undwir?Wiekommen wir dann

nach Hause? Dann soll ich mir einen

weiteren E-Golf mieten, rät sie. Und

wenn keiner in der Nähe ist? Mitzwei

Kleinkindern ist man so flexibel wie

ein Gebirge, da kann man solche

Fragen nicht dem Zufall überlassen.

Die Frau lacht nervös, dakönne sie

mir nichts zu sagen.

Mir schwant nun, dass man sich

wohl stärker in die Mobilitätswende

reinfuchsen muss, ehe man einfach

lossurren kann. Aber zunächst muss

ich nun eine Ladesäule finden. In

den FAQsteht, man sollte sich eine

weitere App holen, die zeigt alle Stationen

an. Runtergeladen, registriert,

voilà, da erscheint eine Karte

mit lauter bunten Punkten.

Einer davon in einem Gewerbegebiet

knapp zwei Kilometer entfernt

vonzuHause.Die Appteilt mir

mir, was ich tun soll: Ladekarte aus

dem Handschuhfach nehmen, Kabel

aus dem Kofferraum holen… Aber

da ist keines. Das Auto ist fast leer,

geladen bin im Moment nur ich, erneut

rufe ich das Callcenter an, es ist

inzwischen dunkel, die Kinder jammern,

„Mama, wie lange noch“,

schließlich geht eine Frau dran, sie

sagt: Das sei aber selten, dass so ein

Kabel fehlt. Und nun? Ich soll das

Auto abstellen, sagt sie, ein Servicemitarbeiter

werdesich kümmern.

Als wir in der Wohnung ankommen,

blinkt das Handy noch einmal,

WeSharewill noch was vonmir,eine

Bewertung. Wir sind müde, erleichtert

und wieder heiter, fünf Sterne,

bitte,danke,dann ist endlich Ruhe.

Mutmaßliche Drogenverkäufer am Görlitzer Park:Sie liefernder Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel durch die Wohngebiete.

Die Drogen, die Dealer,der Görli

Wieder einmal wird heftig gestritten, wie dem Rauschgiftproblem in Berlin beizukommen ist

VonAndreas Kopietz

Geht Berlin zu nachsichtig

mit Drogenhändlern um?

Mit seiner laschen Drogenpolitik

ziehe die Stadt

Rauschgiftdealer aus ganz Europa an,

meint die CDU. BeiLeuten, die mit einer

Cannabismenge bis 15 Gramm

von der Polizei erwischt werden, sehen

die Berliner Behörden von einer

Strafverfolgung ab.Erst oberhalb dieser

sogenannten Eigenbedarfsmenge

drohen Strafen.

Verdrängung in die Kieze

Diese in Deutschland einmalig hohe

Grenze müsse gesenkt werden, forderte

CDU-Fraktionschef Burkard

Dregger am Montag im Innenausschuss

des Abgeordnetenhauses.

„Alle anderen Bundesländer würden

den Besitz von Rauschgift schon bei

Mengen über fünf, sechs oder zehn

Gramm bestrafen. „15 Gramm sind

eine Händlermenge“, so Dregger.

Viele Dealer befänden sich in Asylverfahren

in anderen Ländern und kämen

nach Berlin, weil es hier für sie

attraktiv sei. „Berlin verkommt zum

Magneten für Rauschgifthändler.“

Von2015 bis 2017 galt unter dem

damaligen CDU-Innensenator im

Görlitzer Park eine Null-Toleranz-

Strategie: Schon wer dort mit einer

Cannabismenge von0,01 Gramm ertappt

wurde, bekam ein Strafverfahren.

Dasband erhebliche Kapazitäten

bei Polizei und Staatsanwaltschaft.

Doch immerhin, darauf verweist die

CDU, seien innerhalb von 18Monaten

511 Dealer verurteilt worden. Der

Nachteil: Dealer wichen in benachbarte

Wohngebiete aus. Schon ein

Wechsel auf die gegenüberliegende

Seite der Görlitzer Straße genügte,um

der Null-Toleranz-Regel zu entgehen.

Die Händler machten weiter im

Wrangelkiez, an der Warschauer Brücke,

imSchlesischen Busch in Treptow.

Auch die U-Bahnhöfe Boddinund

Schönleinstraße sind heute

Treffs von Dealern und teils schwer

kranken Drogenkonsumenten.

An diesen Auswirkungen änderte

sich nichts, als die neue Regierungskoalition

aus SPD, Linken und Grünen

die Null-Toleranz-Bestimmung

aufhob. Danach stieg auch die Zahl

von Körperverletzungen, Rauben

und Taschendiebstählen, die mit

Drogenhandel einhergehen.

Weil immer mehr Rauschgifthändler

immer mehr Straßen bevölkern,

will die CDU nun also die Regeln

für den EigenbedarfinganzBerlin

senken, damit die Polizei besser

handeln kann. DieAfD stimmte dem

CDU-Antrag im Innenausschuss zu,

die FDP enthielt sich.

SPD,Linke und Grüne lehnten ihn

selbstredend ab. „Drogenhandel

kann nicht mit einerVerschärfung der

Gesetze bewältigt werden“, argumentierte

Innensenator Andreas Geisel

(SPD). „Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches

Problem, das

allein mit Polizei nicht zu lösen ist.“

Die Null-Toleranz-Strategie habe die

Verdrängungstendenzen befeuert.

„Von daher ist es nicht zu verstehen,

warum die gescheiterte Strategie nun

wieder hervorgeholt wird. Wir hätten

dann erhebliche Belastung mit der

Bearbeitung vonBagatellverfahren.“

Selbstverständlich sei das eine

Mehrbelastung, argumentiert die

CDU. Dafür müsse das Personal bereitgestellt

werden. „Es gibt Frauen,

die sich nicht mehr aus dem Haus

trauen“, sagt Kurt Wansner,CDU-Abgeordneter

aus Kreuzberg. In Richtung

Linke und SPD sagte er:„Gucken

Sie indie Augen der Kinder, die drogenabhängig

sind. Anwohner sagen,

dass sie keine Verbesserung erleben

und überlegen, wegzuziehen, solange

sie eine Bezirksbürgermeisterin

haben, die für Drogenhändler Fußballturniereveranstaltet.“

Niklas Schrader (Linke) warf der

CDU „billige Parolen“ vor. „Bei der

Null-Toleranz-Zone florierte der Drogenhandel

nach wie vor. Deshalbwar

es völlig richtig, das abzuschaffen

und auf eine neue Strategie zu setzen.

Die Eigenbedarfsgrenze zu senken,

ist ein schädlicher Weg.“ So gut wie

alle Akteure in Einrichtungen und

freien Trägern der Suchthilfe befürworteten

die Entkriminalisierung, so

Schrader. Auf dem Schwarzmarkt

gebe es keinen Jugendschutz, sondern

nur über kontrollierte Abgabe

von Cannabis und massiver Verstärkung

vonPrävention und Therapie.

StärkerePolizeipräsenz

Polizeichefin BarbaraSlowik baut auf

die neue Brennpunkteinheit, die seit

Jahresbeginn im Görlitzer Park und

anderen Schwerpunkten unterwegs

ist.„Das Ziel ist dieWiederherstellung

der Wohn- und Lebensqualität der

Anwohnerinnen und Anwohner“,

sagte sie.Die Truppe leistete laut Geisel

im Görlitzer Park vom2.bis 20. Januar

fast 3000 Arbeitsstunden. Die

Dealer würden den erhöhten Druck

als störend empfinden, meint er.

Im Dezember nahm eine ämterübergreifende

Arbeitsgruppe zum

Görlitzer Park und dessen Umgebung

ihreArbeit auf. Darinwerdengesundheitliche,städtebauliche

und polizeiliche

Fragen besprochen. Im März,

bevor die Freiluft-Saison wieder losgeht,

sollen erste Ideenvorliegen, was

man gegen das Drogenproblem tun

könnte.

In Berlin wurden mehr Autos abgeschleppt

Polizei und Ordnungsämter ließen mehr Fahrzeuge umsetzen. Der Senat soll sich für höhere Bußgelder einsetzen

InBerlin wird konsequenter gegen

Falschparker vorgegangen. Im vergangenen

Jahr ließ die Polizei nach

Angaben von Innensenator Andreas

Geisel (SPD) 36 957 Autos abschleppen.

Die Ordnungsämter ließen

29 789 Autos umsetzen. Im Vorjahr

lagen die Zahlen bei 33 464 beziehungsweise

bei 26 789 Fahrzeugen.

Wie Geisel im Innenausschuss

mitteilte, wurden wegen verkehrswidrigen

Haltens und Parkens in

zweiter Reihe 64 265 Anzeigen durch

Polizei und Ordnungsämter geschrieben.

2018 waren es 60 939 Anzeigen.

Geisel kündigte an, künftig

noch stärker gegen Autofahrer vorzugehen,

die in zweiter Reihe, auf

Busspuren und Radwegen stehen.

Auch dieVerkehrsbetriebe (BVG)sollen

mehr Personal erhalten, um gegen

Falschparker auf ihren Fahrspurenaktiv

zu werden.

In dem von den drei Regierungsparteien

eingebrachten Antrag

wurde der Senat aufgefordert, eine

Bundesratsinitiativemit dem Ziel zu

starten, die Bußgelder für Falschparker

deutlich zu erhöhen. Im Rahmen

eines Schwerpunktmonats –beste-

hend aus einer Präventiv- und einer

Repressiv-Woche –soll das Bewusstsein

vonAutofahrernzur Einhaltung

der Straßenverkehrsordnung geschärft

werden, etwa durch Werbekampagnen

und Flyer.

Darüber hinaus soll in diesem Zusammenhang

eine Ausweitung hoheitlicher

Rechte zur Anordnung

von Fahrzeugumsetzungen auf Mitarbeiter

der BVGund Mitarbeiter der

Parkraumüberwachunggeprüft werden.

Bis Ende März soll der Senat

dem Abgeordnetenhaus über die

Maßnahmen berichten.

ERIC RICHARD

Der Vorsitzende des Innenausschusses,

Peter Trapp (CDU) kritisierte

am Rande der Ausschusssitzung,

dass Polizeiangestellte des

Zentralen Objektschutzes (ZOS) in

dem Antrag nicht berücksichtigt

seien.

Wenn etwa die Behindertenparkplätze

vor dem Abgeordnetenhaus

durch Unberechtigte belegt sind

oder Autos verbotenerweise vorBotschaften

parken, müssen die ZOS-

Angestellten Vollzugsbeamte der Polizei

rufen, die das Abschleppen anordnen.

(kop.)

NACHRICHTEN

Noch kein Entscheid über

Karl-Marx-Allee-Grünstreifen

Dervon der Verkehrsverwaltung angekündigte

Grünstreifen auf der

Karl-Marx-Allee wirdvorerst noch

nicht angelegt. DieBauarbeiten dort

gingen voran, aber nur so weit, dass

auf dem Mittelstreifen noch alles

möglich sei, teilte ein Sprecher am

Montag mit. „Es gibt keine Vorfestlegungen,

alle Optionen bleiben auf

dem Tisch.“ Dazu zähle auch die für

Parkplätze. DieSenatsvewaltung

halte an den Plänen für den Grünstreifen

fest, wolle sich voreiner endgültigen

Entscheidung aber mit der

Kulturverwaltung abstimmen, das

passierederzeit. DieKulturverwaltung

soll beteiligt werden, weil die

Gestaltung der Karl-Marx-Allee Auswirkungen

auf eine mögliche Weltkulturerbe-Bewerbung

Berlins haben

könnte.Außerdem ist für den

10. Februar ein Bürgerdialog zu dem

Thema geplant. (dpa)

Goldmünzen-Prozess:

Anwälte wollen Freispruch

Im Prozess um den Diebstahl einer

millionenschweren Goldmünzeaus

dem Bode-Museum haben die Anwälte

eines 25-jährigen Angeklagten

Freispruch gefordert. Gegen ihren

Mandanten würden keinerlei Beweismittel

vorliegen, hieß es am

Montag zu Beginn der Verteidiger-

Plädoyers nach rund einjähriger Verhandlung.

DieStaatsanwaltschaft

hat voreiner Wocheauf Haftstrafen

vonfünf bis sieben Jahren gegen die

vier Angeklagten plädiert. EinUrteil

könnte nach Gerichtsplanungen am

20. Februar verkündet werden. (dpa)

Staus zum Beginn der

Winterferien erwartet

Vordem Beginn der Winterferien an

diesem Wochenende müssen sich

Reisende auf Staus einstellen. Besonders

betroffen seien Straßen und

Autobahnen Richtung Alpen und bei

guter Schneelage auch die Routen

zum Mittelgebirge,teilte der ADAC

mit. Mehr Zeit einplanen sollten

Fahrer auf dem WegRichtung Österreich,

Italien und Schweiz. (dpa)

5500 Bedürftige mit Essen

von Grüner Woche versorgt

DieBerliner Tafel hat auf der Grünen

Woche elf Tonnen Lebensmittel eingesammelt

und an etwa 5500 Bedürftige

weitergegeben. Wiedie

Hilfsorganisation mitteilte,brachten

rund 180 Ehrenamtler jeden Tag

nach Messeschluss übrig gebliebene

Brötchen, Bouletten, Kuchen und

Eintöpfe zu 25 sozialen Einrichtungen,

etwa zu Obdachlosenunterkünften,Wohnheimen

und Notübernachtungen.

(dpa)

Kostproben gehören zur Grünen Woche,

die Reste holte die „Tafel“. XTHOMAS UHLEMANN


10 * Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Berlin

Berlins Bahnen und Busse sollen attraktiver werden –und gleichzeitig günstiger.Geht das?

IMAGO

Wiebillig geht gut?

Streitfall ÖPNV:Die Grünen werfen der SPD Populismus vor,die SPD den Grünen „Klientelpolitik“, die Linken halten sich zurück –und Berlin wartet

VonAnnika Leister und Elmar Schütze

Die Grünen sind genervt

vom eigenen Koalitionspartner.

Populismus

werfen sie der SPD vor,

eine verschwenderische Politik nach

dem „Gießkannen“-Prinzip, dazu

dasVerbreiten einer schädlichen Debattenkultur

in der rot-rot-grünen

Koalition. DerGrund: die SPD-Klausur

an diesem Wochenende in Nürnberg

–und die dort gehaltenen Reden

und Beschlüsse der Sozialdemokraten,

besonders die Forderung

nach dem Ausbau des Berliner

U-Bahnnetzes und einem BVG-Jahresticket,

das Berliner nur 365 Euro

kosten soll.

„Das klingt sozial, ist es aber

nicht“, kritisiert Grünen-Fraktionschefin

Antje Kapek. Die SPD fordere

den extrem teuren Ausbau der

U-Bahn und wolle mit dem kostengünstigen

BVG-Ticket gleichzeitig

die Einnahmen für die Verkehrsbetriebe

schmälern. „Das ist nicht nur

ein Widerspruch, das ist Politik mit

der Gießkanne auf Kosten derer, die

es wirklich brauchen.“

Die Grünen haben aber noch ein

anderes Problem mit der SPD: Die

setzt mit ihren Klausuren nämlich

immer wieder neue Höhepunkte der

Dissonanz in der ohnehin streitfreudigen

Dreierkoalition, die Grüne und

Linke regelmäßig zu Wutanfällen

bringen. DieSozialdemokraten nehmen

wenig bis keine Rücksicht auf

Koalitionsetikette und schießen auf

offener Bühne mitVorliebe gegen die

eigenen Partner.

Besonders häufig sind dabei die

Grünen und ihreVerkehrspolitik Angriffsziel.

Jüngste Beispiele von der

SPD-Klausur: „Klientelpolitik“ und

einen verbissenen Kampf gegen das

Auto werfen hochrangige Sozialdemokraten

wie Michael Müller und

Raed Saleh der Ökopartei einerseits

vor und prangern andererseits Stillstand

in der Senatsverkehrsverwaltung

an, die von der Grünen Regine

Günther geleitet wird. Die Parteien

stehen dabei auch für zwei große

Wählerschichten in Berlin, die sie jeweils

zu erreichen versuchen: Die

SPD adressiert besonders Pendler

und Wenigverdienende in den Außenbezirken,

die Grünen jene, die

kein Auto fahren.

„Schön, dass die SPD beim

Thema Klimaschutz endlich aufgewacht

ist und Butter bei die Fische

packen will“, kommentiert die

zweite Grünen-Fraktionsvorsitzende

Silke Gebel die Schelte von

den Sozialdemokraten. „Aber dicke

Luft bringt den Klimaschutz kein

Stück weiter.“ Seitdem die Grünen

das Verkehrsressort leiten, würde

dort soviel investiert wie nie zuvor.

Dabei müssten die Grünen ausbaden,

was die vorangegangene große

Koalition –und allen voran auch die

SPD – in den vergangenen Jahren

verpasst hätten.

Ein klares Nein für Müllers 365-

Euro-Ticket also von den Grünen,

auch die Linken halten sich zurück,

fragen konkret nach der Finanzierung.

Die ist das größte Problem beim

Umbau des ÖPNV. Denn die Politik

steckt hier in einem Teufelskreis fest:

DieBVG braucht Milliarden, um den

ÖPNV auszubauen. Dafür bräuchte

sie mehr Kunden und mehr Einnahmen.

Dafür aber müsste sie häufiger

fahren und attraktiver sein. Und dafür

wiederum müsste die BVG Milliarden

investieren. Wir haben die

sechs Parteien gefragt, wie sie diesem

Teufelskreis entkommen wollen

und wie sie sich Berlins ÖPNV in Zukunft

vorstellen.

2,40 EUR

BLZ/HECHER (6)

Die Linke will Unternehmen

mitbezahlen lassen

Grundsätzlich gut“ finden die

Linken Müllers Vorschlag eines

365-Euro-Tickets. Auch die Linke

will, dass die Abo-Preise sinken, um

mehr Berliner in Bus und Bahn zu

bringen. Schon 2015 forderte sie ein

ähnliches Konzept: eine „Öffi-Flatrate“,

die 30 Euro pro Monat kosten

sollte –pro Jahr wären das sogar fünf

Euro weniger als Müllers Ticket.

Aber:„Vorher muss kräftig in den Öffentlichen

Personen-Nahverkehr investiert

werden“, sagt Harald Wolf,

Verkehrsexperte der Partei. Es brauche

mehr Wagen, engere Taktzeiten

und einen Ausbau der Strecken.

Die Kosten für den Ausbau will

die Linke durch eine neue Einnahmequelle

decken: „Wir versprechen

uns einiges von einer Nahverkehrsabgabe

durch Unternehmen, wie es

in Frankreich zum Beispiel üblich

ist“, so Wolf. In Frankreich zahlen

Unternehmen mit mehr als zehn

Mitarbeitern die Verkehrssteuer. Sie

kann bis zu ein Prozent der Lohnund

Gehaltskosten betragen, die Erträge

fließen zweckgebunden direkt

in die lokalen Streckennetze. In Berlin

hat die rot-rot-grüne Koalition

sich die Idee schon 2016 in den Koalitionsvertrag

geschrieben, die Senatsverkehrsverwaltung

hat dazu

Gutachten in Auftrag gegeben. Die

Ergebnisse aber stehen noch aus.

Die Grünen bitten Touristen

und Autofahrer zur Kasse

Die Grünen kritisieren die SPD

für das 365-Euro-Ticket scharf:

zu teuer, nicht durchdacht, populistisch

sei die Idee –und am Ende auch

noch unsozial, weil sie der BVG das

Geld raube,umdortauszubauen, wo

es wirklich mangele.

Bevorsie den Preis der Tickets für

die Fahrgäste nach unten drehen,

wollen die Grünen erst für neue Einnahmequellen

sorgen – und sind

bisher die einzigen in Regierung wie

Opposition, die Ideen vorbringen,

die noch nicht im Koalitionsvertrag

von 2016 stehen. Doch: Die Ideen

der Grünen sind hoch umstritten.

Erstens wollen die Grünen eine

Citymaut einführen. Jeder, der den

Innenstadt-Ring mit einem Benziner

oder Diesel befährt, soll also eine Gebühr

bezahlen. Zweitens soll das

Parken teurer werden und die Parkraumbewirtschaftung

auch auf Teile

der Stadt ausgedehnt werden, die

bisher nicht zahlen müssen. Drittens

wollen die Grünen Touristen eine

höhere Übernachtungssteuer zahlen

lassen, dafür sollen sie ein BVG-

Ticket erhalten –obsie es nutzen

oder nicht. DieEinnahmen aus allen

drei Ansätzen – Citymaut, Parken,

Touristen-Ticket –sollen nach dem

Wunsch der Grünen direkt in den

Ausbau des Streckennetzes und

neue Busse und Bahnen fließen.

Die SPD will neue Fördertöpfe

des Bundes erschließen

Die Idee für das 365-Euro-Ticket

wurde vom Regierenden Bürgermeister

Michael Müller (SPD)

selbst geboren. In seiner Partei gibt

es durchaus kritische Stimmen dazu,

die blieben auf der Fraktionsklausur

am Wochenende allerdings stumm.

Beider Frage danach, wie die BVG

die entstehenden Finanzlöcher

stopfen und dabei gleichzeitig das

Netz ausbauen soll, gehen die Sozialdemokraten

bisher nur einen alten

Weg: Man müsse neue Fördertöpfe

auf Bundesebene erschließen, sagt

Tino Schopf, Verkehrsexperte der

Partei. DasGemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz

zum Beispiel sei vom

Bundesverkehrsministerium um

Hunderte Millionen Euro massiv

aufgestockt worden, hier müsse man

rasch entsprechende Projekte anmelden.

Recht praktisch: Für das Anmelden

und Antragstellen ist dieVerkehrsverwaltung

zuständig – und

mit Senatorin Regine Günther eine

Grüne.Die Kritik am Plan der SPD ist

schon jetzt, dass Förderungen des

Bundes immer zeitlich begrenzt sind

– das 365-Euro-Ticket aber dauerhaft

angeboten werden soll.

Außerdem will auch die SPD die

Parkraumbewirtschaftung ausweiten.

Andere Maßnahmen, wie Citymaut

oder Touristenticket, lehnt sie

bisher aber strikt ab.

Die CDU will U-Bahnlinien

verlängern

Die Frage könnte so einfach sein:

365-Euro-Ticket –jaoder nein?

Doch die CDU ist sich noch nicht einig:

„Mehrheitlich“ sei die CDU für

das stark vergünstigte Jahresticket,

sagt Oliver Friederici, verkehrspolitischer

Sprecher der Partei. Vielleicht

hat die Zerrissenheit der Christdemokraten

auch zu tun mit einer Erkenntnis,

die man in der SPD so

deutlich lieber nicht ausspricht:

„Das wird wohl nur steuerfinanziert

möglich sein“, so Friederici.

Er kritisiert außerdem einen zu

hohen Preisunterschied zwischen

den Zonen B(Außenbezirke) und C

(Umland) im Preisgefüge des Berliner

Nahverkehrs. Die Preise sollten

angeglichen werden, so Friederici,

und das günstige Berliner Tarifgebiet

AB „zwei oder drei S-Bahnstationen

weit nach Brandenburgausgedehnt“

werden, damit auch Pendler in Zukunft

Anreiz haben, ihr Auto stehen

zu lassen.

Ebenfalls auf dem Wunschzettel

der CDU: Fünf U-Bahnlinien sollen

verlängert werden. Hier stimmt die

mit ihrem alten Koalitionspartner

SPD überein: Deren Fraktionschef

Raed Saleh hat den U-Bahnausbau

gerade zum neuen Wahlkampfthema

erklärt –und sich damit klar

gegen Linke und Grüne positioniert,

die den U-Bahnausbau ablehnen.

Die AfD setzt auf

Mitfahrerparkplätze

Die AfD setzt beim Thema BVG-

Ausbau scheinbar auf magisches

Denken: Manmuss es sich nur

stark genug wünschen, dann wird

das schon irgendwie Realität.

Die aktuellen Ticketpreise seien

zu hoch und stiegen auch noch

„quasi jährlich“, sagt Frank Scholtysek,

Verkehrsexperte der Partei. „Das

gefällt uns nicht, weil es den ÖPNV

unattraktiv macht.“ Auch von Michael

Müllers 365-Euro-Ticket hält

die AfD nichts –das würde vielleicht

den Einzelnen entlasten, ansonsten

aber entweder für Löcher in den Kassen

der BVGsorgen oder müsste mit

Steuergeldern ausgeglichen werden.

„Beides lehnen wir ab“, so Scholtysek.

Wasaber bleibt dann noch? „Es

bleibt nur, dass der ÖPNV einfach

wesentlich attraktiver wird“, sagt

Scholtysek. Klassischer Zirkelschluss,magisches

Denken eben.

Ansonsten will die AfD die Zahl

der Park-and-Ride-Parkplätze stärker

ausbauen –und das im Umland,

den Außenbezirken sowie in direkter

Nähe der Berliner Innenstadt, am S-

Bahnring. „In Hamburg gibt es ein

Modell, bei dem man mit dem Ticket

für den Öffentlichen Nahverkehr automatisch

einen festen Park-and-

Ride-Stellplatz erhält“, sagt Scholtysek.

„Warum geht das in Berlin

nicht?“

Die FDP will ein Ticket für

die Mittelstrecke

Die FDP lehnt das 365-Euro-Ticket

rundherum ab. Erstens,

weil die BVG es sich nicht leisten

könne, die Einnahmen zu verlieren,

sagt FDP-Verkehrsexperte Henner

Schmidt. Zweitens aber auch, weil es

gar nicht erwiesen sei, dass ein günstigeres

Angebot überhaupt dafür

sorge, dass mehr Menschen auf die

Öffentlichen umsteigen. Dasaber sei

ja Müllers Ziel.

Kritik am Ticketsystem der BVG

hat die FDP aber durchaus: So ist

nach ihrem Geschmack etwa die Lücke

zwischen einem Kurzstrecken-

Ticket (drei Stationen mit S- oder U-

Bahn für 1,90 Euro) und einem Einzelfahrschein

AB (90 Minuten in eine

Richtung für 2,90 Euro)zugroß. „Wir

können uns ein Mittelstrecken-Ticket

vorstellen, das dann zum Beispiel

zehn Bushaltestellen und vielleicht

sechs U- oder S-Bahnstation

abdecken würde und 2,40 Euro kosten

könnte“, so Schmidt.

Alternativ könnte auch darüber

nachgedacht werden, den Einzelfahrschein

AB wieder zwei Stunden

gelten zu lassen sowie den Preisunterschied

zwischen einem Jahresticket

für die Tarifzonen AB und ABC

zu reduzieren. Wiedie AfD hält auch

die FDP es für denkbar, ein ABC-Ticket

mit einem Park-and-Ride-Parkplatz

zu kombinieren.


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 11

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Berlin

Polizei ertappt

mehr als 50

Dieselsünder

Fahrverbote in Innenstadt

gelten seit dem 20. Januar

Seit Inkrafttreten der Dieselfahrverbote

in Berlin hat die Polizei

bis zum 20. Januar 51 Verstöße auf

den betroffenen Straßen festgestellt

und geahndet. Bei mehr als der

Hälfte davon handelte es sich um

Verstöße von Autofahrern, bei neun

um solche von Lastwagenfahrern,

teilte die Polizei mit. Es wurden Verwarngelder

zwischen 20 und 75 Euro

verhängt.

Nach mehreren Verzögerungen

gelten die Dieselfahrverbote auf

mehreren Straßen in den Bezirken

Mitte und Neukölln seit etwa Ende

November. Die bereits im Juli beschlossenen

Verbote gelten für ältere

Diesel-Autos und -Lastwagen bis

einschließlich Abgasnorm Euro 5.

Die fraglichen Straßenabschnitte

umfassen insgesamt 2,9 Kilometer

und damit nur einen kleinen Teil des

5450 Kilometer langen Netzes.

Neben stichprobenartigen Kontrollen,

die die Beamten während ihres

Streifendienstes durchführten,

seien auf der Leipziger Straße sowie

der Silbersteinstraße bis zum 20. Januar

an zwei Tagen Kontrollstellen

eingerichtet worden, teilte die Polizei

weiter mit. Wie viele Fahrzeuge

bislang insgesamt kontrolliert wurden,

wurde zunächst nicht bekannt.

Immer wieder gab es in der Vergangenheit

Kritik, dass die Verbote

aufgrund der mangelnden Personalausstattung

der Polizei nicht durchgesetzt

werden könnten. „Unter diesen

Voraussetzungen wird esnicht

über medienwirksame Großeinsätze

hinausgehen“, hatte etwa die Gewerkschaft

der Polizei moniert. (dpa)

Herr Gysi, Berlin will Tempo 30 in der

ganzen Stadt einführen und macht

sich für Tempo 130 auf Autobahnen

stark. Welche Rolle spielt Geschwindigkeit

in Ihrem Leben?

Wenn man viele Termine schaffen

soll und will, ist man mitunter zügig

unterwegs. Als ich meinen Pilotenschein

hatte, war das auch mit dem

nötigen Tempo verbunden – sonst

hebt das Flugzeug bekanntlich nicht

ab. Geschwindigkeit gehört also zu

meinem Leben.

Waswar Ihre Höchstgeschwindigkeit

hinterm Steuer,wie fühlte es sich an?

Daskann ich gar nicht sagen, weil

ich meist nicht hinterm Steuer sitze,

was nach hoher Belastung auch besser

ist. Aber ich bin generell kein

ängstlicher Typ, was wohl auch an

meiner mangelnden Vorstellungskraft

liegt. Ich achte kaum drauf.

Selbst fahreich allerdings nie schneller

als 140 km/h, weil ich das Auto

beherrschen und nicht von ihm beherrscht

werden will.

Wiewar es mit Tempo 100 in der DDR?

Ich erinnere mich. Ich glaube

aber, dass der Staat damals mit der

Blitzerei nicht so viel verdient hat,

weil viele Autos ohnehin nicht sehr

viel schneller fahren konnten und

viele Straßen auch nicht dafür geeignet

waren. Staumeldungen gab es im

Radio nicht, sie waren auch nur selten

erforderlich.

Der ADAC hat Anfang der 70er-Jahre

mit dem Slogan „Freie Fahrt für freie

Bürger“ die Hoheit über die Stammtische

erobert und die damalige Bundesregierung

zur Rücknahme von

Tempo 100 auf den Autobahnen gezwungen.

Jetzt hat der Verein seinen

Widerstand gegen Tempo 130 aufgegeben.

EinVersuch, das Auto als solches

zu retten? EinTriumph Gretas?

Wenn Freiheit wirklich im Geschwindigkeitsrausch

läge, wären

alle anderen europäischen Staaten

mit ihren Tempolimits vollständig

unfrei.Vielleicht ist auch beim ADAC

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und

Elmar Jehn reden jede Wochemit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und

die Welt bewegt. Ein paar Minuten nur,solange

man eben zusammensteht für

eine Curry am Mittag.

Unser Thema in dieser Woche:

Das Tempo in der Stadt und auf Autobahnen

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

angekommen, dass der Rest Europas

mit einem Tempolimit gut fährt. Und

wer ein bisschen weiter denkt, kann

schon jetzt erkennen, dass die Entwicklung

des individuellen Verkehrs

hin zu E- oder besser Wasserstoff-

Mobilität und automatisiertem Fahren

ohne eine Geschwindigkeitsbegrenzung

nicht funktionieren wird.

Viele ADAC-Mitglieder sind empört.

Verstehen Sie Autofahrer, die weiter

ihrePSauskitzeln wollen?

Durchaus, Geschwindigkeit beherrschen

zu können, hat seinen

Reiz. Aber die Unfallstatistiken zeigen

eben auch, dass mit wachsender

Geschwindigkeit die Häufigkeit und

Schwere von Unfällen zunimmt, für

Unschuldige, aber auch für jene, die

übermäßig schnell fahren.

Wir leben in rasanten Zeiten. Sollten

wir es nicht grundsätzlich etwas

langsamer angehen lassen?

Ein frommer Wunsch in einer

Zeit, da in Millisekunden Milliarden

Euro virtuell um den Globus gejagt

werden. Andererseits wird immer

deutlicher, dass das kapitalistische

Wachstumsprinzip, das auch Geschwindigkeit

als Wesenskern enthält,

dabei ist, die menschliche Existenz

zu gefährden. Langsamkeit hilft

auch, den Ressourcenverbrauch zu

reduzieren. Aber es ist nicht leicht,

mit Gewohnheiten zu brechen. Der

Norden ist generell langsamer, was

ich im Urlaub dortgenieße.

Wenn die sprichwörtliche gute FeeIhnen

drei andere Limit-Wünsche gewährte,

welche wären das?

EinLimit fürWaffenexporte,damit

an Kriegen nicht mehr so viel verdient

wird; ein Limit für Finanztransaktionen,

damit die Realwirtschaft aus der

Abhängigkeit vomBörsenwertbefreit

wird; ein Null-Limit für Rassismus

und Antisemitismus, damit wir der

wichtigsten Forderung unseres

Grundgesetzes, wonach die Würde

des Menschen unantastbar sein soll,

deutlich näher rücken.

SPD verlängert

Ultimatum an

Baustadtrat

Landesrechnungshof prüft

Florian Schmidts Akten

Bis Montag 12 Uhr hatte die SPD

in Friedrichshain-Kreuzberg

dem grünen Baustadtrat Florian

Schmidt Zeit gegeben, die Akten

zum Vorkaufsrecht der Genossenschaft

„Diese eG“ für Wohnungen in

der Rigaer Straße vollständig vorzulegen

und die Vollständigkeit eidesstattlich

zu erklären. Andernfalls sei

sein Rücktritt unvermeidlich. Doch

nun hat die SPD dieses Ultimatum

ausgesetzt. Das sagte Fraktionschef

Sebastian ForckamMontag.

Schmidt wird vorgeworfen, die

bewussten Akten nur unvollständig

zur Verfügung gestellt und das nicht

kenntlich gemacht zu haben. Das

Büro des Baustadtrats habe mitgeteilt,

dass die Akten bis auf weiteres

nicht einsehbar seien, weil der Landesrechnungshof

sie prüfe,soForck.

Eine Sprecherin des Landesrechnungshofs

bestätigte,dass dieser die

Akten seit Montag in Augenschein

nehme. Forck sagte, das Ultimatum

verschiebe sich daher „auf unbestimmte

Zeit“. Die Forderung der

SPD, dass die Akten vollständig sein

müssten, bleibe bestehen, so Forck.

Manbegrüße aber die Prüfung durch

den Landesrechnungshof.

Nach Darstellung der Sozialdemokraten

hatte Schmidt in einer gemeinsamen

Fraktionssitzung von

Grünen, SPD und Linken am 13. Januar

erklärt, er habe verhindernwollen,

dass „die Inhalte von Akten von

CDU und FDP instrumentalisiert“

würden. Solche Äußerungen seien

grob demokratiefeindlich. Auch in

dem Punkt bestehe noch Aufklärungsbedarf.

(dpa)

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12 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Berlin

POLIZEIREPORT

Einbrecher erwischt.

Polizisten haben in der Nacht zum

Montag einen Mann in Lichterfelde

festgenommen. Kurz vor1Uhr

stellte ein 57-jähriger Bewohner eines

Hauses im Ostpreußendamm

beim Heimkommen Licht und Bewegungen

im Gebäude fest und alarmierte

die Polizei. DieBesatzung

eines Funkwagens des Abschnittes

46 nahm daraufhin in dem Haus einen

47-jährigen Mann fest. Er war in

eine Wohnung eingebrochen. Die

Beamten stellten Diebesgut bei ihm

sicher.

Friseurgeschäft aufgebrochen.

Ein47Jahrealter Mann ist am Montagmorgen

in der Budapester Straße

in Charlottenburginein Friseurgeschäft

eingebrochen. EinZeuge

hatte den Verdächtigen gegen 3.30

Uhrvon einem gegenüberliegenden

Hotel aus beobachtet, wie er in den

Laden einstieg und ihn kurze Zeit

später wieder verließ. DerZeuge

alarmierte die Polizei, die den Mann

kurzdanach festnahm. Er hatte zuvorvergeblich

versucht, auf einem

Fahrrad zu fliehen. DerTäter kam in

Gewahrsam.

Spätkauf überfallen.

EinUnbekannter hat am Sonntagabend

in Moabit einen Spätkauf

überfallen. Dermit einem Schal

maskierte Täter betrat gegen

21.20 Uhrdas Geschäft in der

Perleberger Straße und lief hinter

den Tresen. Dortbedrohte er den 52-

jährigen Angestellten mit einem

Messer und zwang ihn, die Kasse zu

öffnen. DerRäuber griff sich das

Geld und flüchtete.Der Mitarbeiter

des Spätkaufs blieb unverletzt.

Feuer auf Friedhof.

Aufdem Friedhof in der Buschkrugallee

hat es in der Nacht zum Montag

gebrannt. Gegen Mitternacht war

das Feuer in einem Gebäude auf

dem Gelände ausgebrochen.Verletzt

wurde niemand. DieUrsache für das

Feuer ist bisher noch ungeklärt. Die

Polizei schließt fahrlässige Brandstiftung

nicht aus.

Feuerwehrleute beim Löschen des Friedhofbrandes.

PUDWELL

Bezirksamt beschmiert.

Unbekannte haben in der Nacht

zum Montag die Fassade des Bezirksamtes

Friedrichshain-KreuzberginFriedrichshain

beschädigt.

Gegen 6.30 Uhrbemerkte der Hausmeister

die Schäden im Hofder

Frankfurter Allee.Die Besatzung eines

Funkwagens stellte dann Beschädigungen

an über zehn Fensternund

Elementen der Glasfassade

sowie einen etwa 2mal 2Meter

großen farbigen Schriftzug mit politischem

Inhalt fest. Darunter die Parole

„L34 bleibt!“ und „BVV abschaffen!“

Daneben hatten die Täter ein

Symbol der Anarchisten gesprüht.

DerPolizeiliche Staatsschutz des

Landeskriminalamtes hat die weiterenErmittlungen

übernommen.

Kraftradfahrer verletzt.

Am Montagmorgen ist in Neukölln

ein Kraftradfahrer bei einem Unfall

schwer verletzt worden. Er war auf

der Kreuzung Wildenbruchstraße/Ecke

Harzer Straße gegen einen

Opel geprallt. Dabei stürzte der

53 Jahrealte Fahrer vonseiner Piaggio

auf die Straße und erlitt schwere

Verletzungen am Rumpf. Notfallsanitäter

brachten den Kraftradfahrer

in ein Krankenhaus.Die 49-jährige

Autofahrerin blieb unverletzt. Beide

Beteiligte sagten aus,dass sie bei

Grün gefahren seien. (ls.)

Kommt der Koffer wirklich an? Flughafenchef EngelbertLütkeDaldrup testete am Montag schon mal das Einchecken am neuen Flughafen.

Tausende wollen BER-Tester werden

Der Flughafen sucht 20 000 Komparsen für den Probebetrieb –obwohl im Gebäude noch nicht alles fertig ist

VonPeter Neumann

Geld gibt es nicht. Unddafür,

dass die Menschen

einige Stunden ihrer Zeit

gratis opfern sollen, wird

ihnen einiges abverlangt –zum Beispiel

vier bis fünf Kilometer laufen.

Trotzdem scheint es eine Menge Interessenten

zu geben, die scharf auf

den ehrenamtlichen Job sind, den

die Flughafengesellschaft FBB jetzt

anbietet. Das könnte daran liegen,

dass es sich um einen ganz besonderenArbeitsplatz

handelt: den BER in

Schönefeld. Die Website, auf der

man sich seit Montagvormittag als

Flughafentester melden kann, wird

rege genutzt. „Aktuell liegen 9400

Bewerbungen vor“, sagte Flughafensprecher

Daniel Tolksdorf amMontagnachmittag

gegen 15.15 Uhr.

Noch immer sind am neuen Flughafen

nicht alle Bauprobleme abgeräumt.

Für die Sicherheitskabel und

die Sicherheitsstromversorgung im

Terminal, die langwierig überarbeitet

werden mussten, sollen die Prüfungen

nun im März 2020 abgeschlossen

werden, sagte Flughafenchef

Engelbert Lütke Daldrup. Auch

bei den Dübeln, für die nach einer

Rechtsänderung Bauartgenehmigungen

erforderlich wurden, ist weiterhin

nicht alles im grünen Bereich.

Bloß kein Desaster wie in London

EinmaligeChance: Einen

Flughafen kennenlernen,

bevorereröffnet wird –diese

Gelegenheit bekommen interessierte

Bürger am BER.

Für 30 Probebetriebstage

in den Terminals T1 und T2

werden Freiwilligegesucht.

Trotzdem wurde jetzt damit begonnen,

den Probebetrieb vorzubereiten.

Denn weiterhin peilt Lütke

Daldrup den 31. Oktober 2020 als Eröffnungstermin

an. Als Erstes wird

nun Beschäftigten der Flughafengesellschaft

und anderer Firmen der

BER gezeigt. Los ging es am 16. Januar.Thema

ist die „Topografie“ der

Gebäude, erklärte Florian Steinhaus

vomProbebetriebsteam. Schließlich

müssen die Mitarbeiter wissen, wo

sich welche Bereiche befinden –von

den Sozialräumen, in denen sie sich

umziehen, bis hin zu den Gates, an

denen die Passagierewarten.

Das Chaos bei der Eröffnung des

Terminals 5inLondon-Heathrow ist

den Experten noch in guter Erinnerung.

Das Desaster 2008 wurde dadurch

verschärft, dass viele Mitarbeiter

Probleme hatten, auf die Personalparkplätze

zu gelangen, weshalb

im Terminal Personal fehlte.

DieMitarbeiter der FBB,der Bundespolizei,

des Zolls,der Luftfahrtgesellschaften

und vieler weiterer Unternehmen,

die derzeit den Flughafen

erkunden, sollen zwischen dem

30. April und 18. Juni wiederkommen

–umVerfahren und Abläufe zu

üben. Dann beginnt die erste Stufe

TICKET UND LUNCHPAKET GRATIS

Jetzt bewerben: Ab sofort

werden auf der Internetseite

www.ber-testen.de Anmeldungen

entgegengenommen

–für den 29. April und

für die Zeit vom23. Juni bis

15. Oktober.Nur Erwachsene

dürfen teilnehmen.

Ehrenamtlich: Lohn wird für

die meist sechsstündigen

Testläufe nicht gezahlt. Die

Tester bekommen aber ein

Nahverkehrsticket, oder sie

dürfen gratis parken. Ein

Lunchpaket und Getränke

werden ebenfalls gestellt.

des Probebetriebs,den die Fachleute

mit ORATbezeichnen –„Operational

Readiness and AirportTransfer“.

Diezweite Stufe,bei der die Komplexität

gesteigert wird, soll vom 23.

Juni bis zum 20. August dauern. Für

diese Phase werden seit Montag auf

der Seite www.ber-testen.de Freiwillige

gesucht –20000 Komparsen, die

sich als Tester zur Verfügung stellen.

„Sie haben die Möglichkeit, den

Flughafen vor der Eröffnung kennenzulernen“,

lockte Lütke Daldrup.

Insgesamt 30 Probebetriebstage

mit Komparsen sind angesetzt. Davon

finden 25 Testläufe dienstags

und donnerstags statt, mit jeweils

600 Teilnehmern. Auch an vier Sonnabenden

werden Abreisen und Ankünfte

simuliert, von tausend freiwilligen

Testern. Hinzu kommt eine

Sonderübung am 29. April, wenn mit

800 Menschen die Evakuierung des

Terminalbahnhofs geprobt wird.

Patrick Muller leitet nicht zum

ersten Maldie Inbetriebnahme eines

225 Euro mehr pro Monat

BERLINER ZEITUNG/ GERD ENGELSMANN

Flughafengebäudes.Der FBB-Manager

war auch schon dabei, als in Jeddah,

Doha, Dubai und Kairo solche

Großaufgaben anstanden. „In

Deutschland gibt es viel mehr Gesetze,

die zu beachten sind“, sagte er.

Im arabischen Raum reiche es aus,

wenn ein Scheich einen Flughafen

freigibt, hier laufe das anders.

Metall soll Detektoren reizen

Einige seiner Mitarbeiter haben sich

bereits beim ersten BER-Probebetrieb

vor acht Jahren engagiert –der

endete,nachdem die damals für den

3. Juni 2012 angesetzte Flughafeneröffnung

abgesagt werden musste.

Die Koffer, mit denen die Tester

einst das Einchecken üben sollten,

haben die Zeit nicht überdauert,

weshalb seit 2015 rund 7000 neue

Test-Gepäckstücke angeschafft wurden.

Aufgemalte Kreuze sollen verhindern,

dass siegeklaut werden. Ein

Dienstleister packte nicht nur Kleidung

hinein, sondern auch Metall –

um Detektoren auf die Probezustellen.

Surfbretter,Golftaschen und anderes

Großgepäck wurden ebenfalls

für die Generalprobe besorgt.

Zumindest etwas aus dem Probebetrieb

2012 kann aber wieder verwendet

werden: Die grünen Westen

der Flughafentester und die roten

Westen desPersonals sind dieselben

wie vor acht Jahren. Kunststoff hält

auch so lange Zeitspannen durch.

Peter Neumann

hofft, dass die Eröffnung

nicht verschoben wird.

Im Streit um höhere Löhne auf den Flughäfen legen die Arbeitgeber ein Angebot vor.Doch die Gewerkschaft lehnt es ab

VonPeter Neumann

So viel steht fest: Während der

Winterferien Anfang Februar soll

es keine Arbeitsniederlegungen geben.

Die Verdi-Gewerkschafter wollen

den Berlinern und Brandenburger

nnicht die Urlaubsreise vermiesen.

Doch es könnte sein, dass sie

Mitte Februar über Maßnahmen

dieser Art beraten werden. Denn im

Streit um höhereLöhne für die mehr

als 2000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste

in Tegel und Schönefeld

ist bislang keine Einigung in

Sicht. „Es ist erforderlich, dass sich

die Arbeitgeber kompromissbereit

zeigen, sonst droht auf den Berliner

Flughäfen ein eigentlich vermeidbarerKonflikt“,

warnte Enrico Rümker,

der Verdi-Verhandlungsführer.

Es geht um Menschen, die wichtig

sind, damit die Flughäfen funktionieren

–was auch für den BER in

Schönefeld gelten wird. Zu den Aufgaben

der Bodenverkehrsdienste gehörteszum

Beispiel, Passagiereeinzuchecken,

Gepäck zu verladen,Vorfeldbusse

zu fahren und Flugzeuge

einzuwinken. Derzeit halten drei

Unternehmen Lizenzen der Flughafengesellschaft

FBB: Wisag, Aeroground

und Swissport. Weil der Luftverkehr

in Berlin zugenommen hat,

müssen die Beschäftigten immer

mehr und härter arbeiten, so Verdi.

Verdiwill kürzere Laufzeit

Die Bezahlung müsse sich deutlich

verbessern. Sonst könnte es sein,

dass am neuen Flughafen BER nicht

alle Stellen besetzt werden können.

Zwar hatte der Allgemeine Verband

der Wirtschaft für Berlin und

Brandenburg, der die Arbeitgeberseite

vertritt, am Freitag zur dritten

Runde der Tarifverhandlungen ein

Angebot vorgelegt. Es sieht vor, die

Entgelte um insgesamt 225 Euro im

Monat bei einer Laufzeit von drei

Jahren in drei Stufen von 75Euro jeweils

zum 1. Januar zu erhöhen,

heißt es in einer internen Mitteilung

an alle Beschäftigten. „Mit unserem

Angebot ist für alle Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter eine deutliche Reallohnsteigerung

verbunden“, so die

Arbeitgeber. Der geplante Vergütungstarifvertrag

soll rückwirkend

zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Doch dieses Angebot sei„nicht einigungsfähig“,

entgegnete die Gewerkschaft.

Während die Arbeitgeberseite

eine Vertragslaufzeit von

drei Jahren wünschen, fordert Verdi

eine deutliche kürzere Geltungsdauer:

acht Monate. Sie will das Paket

wieder aufschnüren, kurz bevor

der Flughafen BER ans Netz geht –

was nach jetzigem Stand für den 31.

Oktober dieses Jahres vorgesehen ist.

Und so fällt Enrico Rümkers Zwi-

schenbilanz nicht optimistisch aus.

„Die Positionen liegen so weit auseinander,dass

eine Lösung in weiter

Ferneliegt“, fasste er zusammen.

Warnstreik nach den Ferien?

Dagegen betonten die Arbeitgeber:

„Auch wir wollen Ihnen mit steigenden

Löhnen mehrWertschätzung für

Ihre Arbeit entgegenbringen. Insbesondere

vor dem Hintergrund der

BER-Eröffnung streben wir aber vor

allem einen langfristigen Tarifvertrag

mit einer Laufzeit von 36Monaten

an, der uns und Ihnen Planungssicherheit

ermöglicht.“ Ziel sei es,eine

störungsfreie Inbetriebnahme des

BER zu gewährleisten, hieß es.

Am 14. Februar wird esnun die

nächste Verhandlungsrunde geben.

Danach will die Gewerkschaft entscheiden,

wie sie weiter vorgeht.

Nicht ausgeschlossen, dass dann ein

Warnstreik beschlossen wird.

Keine Panik

vor dem

Zeugnis

Schulverwaltung bietet

wieder Sorgentelefon an

VonLina Orthmann

Die einen sehen’s entspannt, die

anderen zittern: Am 31. Januar

bekommen an 1035 Schulen

363 200 Schülerinnen und Schüler

ihr Halbjahreszeugnis. Wie sollten

Eltern mit schlechten Ergebnissen

umgehen? Das Zwischenzeugnis ist

mehr als eine Wasserstandsmeldung

über die schulischen Leistungen: Bei

Grundschülern der 6. Klassen beispielsweise

fließen die Noten mit in

die Förderprognose ein, mit der sie

an weiterführenden Schulen angemeldet

werden. Eltern, die über den

Schulalltag ihrer Kinder auf dem

Laufenden sind, sollten schlechte

Noten im Halbjahreszeugnis zwar

nicht überraschen. Trotzdem kann

es ein Schock sein, schwarzauf weiß

zu sehen, dass der Notenschnitt beispielsweise

nicht den Anforderungen

der Wunschschule genügt.

Dagmar Wilde ist Oberschulrätin

und in Berlin für die Grundschulen

zuständig. Sich wegen der Wunschschule

Druck zumachen, findet sie

nicht entscheidend: „Ob ein Kind an

einer Schule erfolgreich lernt, hängt

von ganz unterschiedlichen Faktoren

ab.“ Sie empfiehlt Gelassenheit.

„Es sind ja nicht die Noten, die ein

Kind liebenswert machen. Die Welt

geht nicht unter, wenn im Zeugnis

eine Vier oder auch mal eine Fünf

steht.“ Mehrere Fünfen oder sogar

Sechsen seien allerdings ein Hinweis,

dass das Kind stärker unterstützt

werden muss. Eltern sollten

dann das Gespräch mit der Schule

suchen. Lehrkräfte wissen, wo die

Ein schlechtes Halbjahreszeugnis ist kein

Grund zum Verzweifeln.

IMAGO

gravierendsten Wissenslücken liegen,

erstellen einen individuellen

Lernplan und können Tipps geben,

wie ElternzuHause helfen können.

VonSchimpfen oder Strafen bei

schlechten Leistungen hält Wilde

wenig: „Pädagogisch sind das nicht

unbedingt sinnvolle Anreize, sich

mehr Mühe zu geben.“ Sie hält klaren

Strukturen und Vereinbarungen

zwischen Elternund Kindernfür den

besseren Weg, um Lernerfolge zu erzielen.

„Man macht zum Beispiel ab:

Nach den Ferien setzt du dich jeden

Tagzur gleichen Zeit an die Hausaufgaben.

Undabends werden dann gemeinsam

die Ergebnisse überprüft.“

Auch eine ruhige Umgebung ist

wichtig – Ablenkungen wie Handy

und Gamingkonsole sind in der

Hausaufgabenzeit am besten gar

nicht erst im Zimmer.

Die Senatsschulverwaltung wird

auch in diesem Jahr am Zeugnistag

zwischen 10 und 13 Uhr Sorgentelefone

schalten. Eltern und Schüler

haben dort die Möglichkeiten, sich

mit Experten zu beraten, egal, um

welche Schulform esgeht. Dagmar

Wilde beantwortet unter 90227-5837

Fragen zu Grundschulen. Für ISS

und Gemeinschaftsschulen lautet

die Endung -5865, für Gymnasien

-6356, für berufliche Schulen -5499

und für Förderschulen -5834.

Lina Orthmann besucht die 9. Klasse der Georg-

Klingenberg-Schule undmachtgerade einPraktikum

bei der BerlinerZeitung.


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 13 *

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Berlin

Trojaner im

Gericht: CDU

rügt Behrendt

Justizsenator am Mittwoch

im Rechtsausschuss

ImFall der Trojaner-Attacke auf das

Berliner Kammergericht hat die

oppositionelle CDU-Fraktion Justizsenator

Dirk Behrendt (Grüne) mangelnden

Aufklärungswillen vorgeworfen.

Im Rechtsausschuss an diesem

Mittwoch solle Behrendt Stellung

nehmen, teilte der

rechtspolitische Sprecher Sven Rissmann

am Montag mit. Es gebe bislang

keine Informationen über

Menge,Ziel und Zeitpunkt des Diebstahls.„Das

macht den Vorfall umso

brisanter.“

Für die FDP-Opposition sagte

Bernd Schlömer, das Datenproblem

sei schwerer als erwartet. Es zeige

sich, dass die schlechte Qualität des

IT-Betriebs beim Kammergericht die

Schäden wohl begünstigt habe.

Laut Deutschem Richterbund

zeigt die Attacke,wie einfach sich die

Justiz teilweise lahmlegen lasse,

wenn sie technisch nicht auf der

Höhe ist. Durcheine mangelhafte IT-

Infrastruktur des Kammergerichts

sei aus einem Standardangriff mit

Schadsoftware ein massives Sicherheitsproblem

geworden, so Bundesgeschäftsführer

Sven Rebehn.

Die Datensicherheit in Gerichten

müsse angesichts eines zunehmend

elektronischen Rechtsverkehrs an

oberster Stelle stehen, forderte Rebehn.

DieJustizverwaltungen sollten

bundesweit den Berliner Fall zum

Anlass nehmen, Sicherheitskonzepte

für die Gerichte zu überprüfen.

Das bisherige IT-System soll laut

Kammergericht nicht wieder installiertwerden.Vielmehr

gehe es um einen

vollständigen Neuaufbau einer

IT-Infrastruktur unter dem Dach des

Dienstleistungszentrums.

Am Montag hatte das Kammergericht

unter Berufung auf Experten

mitgeteilt, dass „aller Wahrscheinlichkeit

nach“ doch Daten gestohlen

wurden. Noch Ende Oktober hatte

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne)

im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses

versichert, dass keine Daten

gestohlen wurden.

Das IT-Dienstleistungszentrum

Berlin (ITDZ) hatte den Virus im

Computersystem Ende September

bemerkt. Die Rechner wurden daraufhin

vom Internet getrennt, das

Kammergericht vom Netz genommen.

Bisheute können Richterinnen

und Richter nur eingeschränkt auf

das Internet zugreifen. (dpa)

Ufa-Chef Nico Hofmann produzierte den Film über den langjährigen Berinale-Chef. Um Dieter Kosslick dreht sich „Das Kino ist tot, es lebe das Kino“. CHRISTIAN SCHULZ (3)

DIETER KOSSLICK

war der König der Berlinale. Ein

Monarch, dessen gütiger Blick auf

seinen Untertanen ruhte und der

sich mit ihnen gernverbrüderte,weil

das aus der Königsposition heraus

ein Zeichen von Größe und sympathischer

Nahbarkeit ist. Auf die Königskonstellation

sollte der Filmtitel

„Das Kino ist tot, es lebe das Kino“

wohl auch anspielen. Der Film von

Regisseur und Kameramann Thomas

Schadt entstand während der

69. Berlinale im vergangenen Jahr.

Damals war klar, dass es die letzte

von Kosslick auf dem Chefposten

sein würde.

DerVeteran im Amt des Festspiel-

Intendanten schaute in jenen Tagen

im Februar 2019 in viele belämmerte

Gesichter von Menschen, die sich

eine Berlinale ohne ihn nicht vorstellen

wollten oder konnten und sich

nun von ihm verabschieden mussten.

Kosslick ließ eine Nähe der Kamera

zu, die es zuvor nicht gegeben

hatte.AmMontagabend feierte „Das

Kino ist tot, es lebe das Kino“ eine

kleine Premiere imKino Delphi Lux

in der Kantstraße, bevor der Film im

Fernsehen landet, für das er produziertwurde.

Kosslick hatte Haarbürste und

Haargel dabei und schreckte nicht

davor zurück, die auch mit großer

Hingabe anzuwenden: „Ich will

heute Abend noch mal aussehen wie

Dieter Kosslick. Dann reicht“s!“ Die

Botschaft dahinter,die auch der Film

vermittelt: Der Festivaldirektor war

eine Rolle, die er gern gespielt hat.

Aber eine Rolle. AmRande erzählte

Kosslick, dass er sich durchaus der

Gefahr bewusst war,indie er sich für

dieses Projekt begab: „In dieser Art

Zum Abschied eine Doku

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Dieter Kosslick steht

im Mittelpunkt des Films

„Das Kino ist tot, es lebe das Kino“,

dessen Premiere im Delphi Lux

gefeiert wurde

Thomas Schadt warbei Kosslicks letzter Berlinale mit seiner Kamera ganz nah dran.

vonFilmen kannst du dich nicht verstellen.“

Narzisstisch findet er das

Ergebnis nicht, eher selbstbewusst:

„Man muss den Ansturmder Egos ja

auch überleben. Und dafür muss

man selber eines haben.“

NICO HOFMANN

gehört als ufa-Chef zu den größten

Lieferanten von Fernsehen und

Streamingdiensten. Und auch wenn

das Kino inseiner Firma schon mal

eine deutlich größere Rolle gespielt

hat, ist er einer seiner großen Verfechter.

Der Dokumentarfilm „Das

Kino ist tot, es lebe das Kino“ wurde

von der ufa produziert und wird auf

Arte (am 19. Februar), im rbb (23. Februar)

und im SWR (27. Februar) laufen.

Hofmann weist gerndarauf hin:

„Die Idee dazu hatte ich gemeinsam

mit Thomas Schadt. Undsoein Projekt

kann man auch nur mit so einem

Könner wie ihm verwirklichen.

Er hatjaauch schon beim Film über

Franz Beckenbauer eindrucksvoll

gezeigt, was er kann.“

THOMAS SCHADT

war bei den Höhen und Tiefen von

Kosslicks letzter Berlinale mit seiner

Kamera ganz nah dran. Der Dokumentarfilmer

durfte mit ihm in seinem

Dienstwagen den eng getakteten

Terminplan abfahren und hinter

der Bühne mit Kosslick auf dessen

Auftritt bei der Bärengala warten. Sogar

in so einem schwierigen Moment

für den Direktor, indem das Telefon

klingelte und er erfuhr, dass ihm gerade

die chinesische Zensur seinen

Abschlussfilm geklaut hatte, hielt

Schadt seine Kamera drauf:„Für ihn

war das ein Schock, für den Film ein

großer Moment.“

Büro im

Schacht der

U9 entdeckt

Unbekannte richteten

komplettes Zimmer ein

Ein Eck-Schreibtisch mit Computern

und Drucker, Bücher und

Stifte,eine Schreibtischlampe (angeschaltet!),

ein Mini-Schränkchen mit

Zimmerpflanze: Sicherheitsleute der

BVG fanden in einem Tunnel der U9

jetzt einen komplett eingerichteten

Büroraum.„Ich dachte,ich spinne“ –

so formuliert eseiner der Entdecker

gegenüber der Berliner Zeitung.

Schon 2016 bauten Aktionskünstler

im Schacht ein Wohnzimmer. Erst

eine Anfrage der Berliner Zeitung

machte die BVG auf die neue Aktion

aufmerksam. „Wir haben das Büro

gesucht und gefunden“, sagt Sprecher

Jannes Schwentu. „Wir lassen

den Krempel jetzt wegräumen und

erstatten Anzeige –schon deshalb,

weil sich offenbar jemand in Bereichen

bewegt hat, in denen er sich

nicht hätte bewegen dürfen.“

Wie esdie Künstler erneut schaffen

konnten, unentdeckt zu agieren?

In den Schächten werdeunregelmäßig

kontrolliert, sagt ein Insider.Fakt

ist: Das Büro müsse neu sein, „da es

dort unten schnell staubig wird –

auch weil der Raum unter einem

Lüftungsgitter installiertwurde.“ Türen

wurden laut Informationen dieser

Zeitung nicht aufgebrochen –dafür

zapften die Künstler scheinbar

Strom von einer Wasserpumpe ab,

um die Schreibtischlampe zu betreiben.

Zumindest könnten die Experten

der BVG dieses Mal wissen, wo

sie nach den Besitzernder Möbel suchen

müssen: Im Nachhinein bekannte

sich 2016 die Künstlergruppe

„Rocco und seine Brüder“ zu dem

Untergrund-Kunstwerk. (fth.)

Schreibtisch, Computer und Pflanze: Das

Büro im Schacht der U-Bahn U9. PRIVAT

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Berlin

Massenhaft

Drohmails

verschickt

Generalstaatsanwaltschaft

klagt 31-Jährigen an

Nach rechtsextremen Drohmails

gegen Politiker und Behörden

hat die Berliner Generalstaatsanwaltschaft

einen 31-Jährigen angeklagt.

Er soll ab Dezember 2018 unter

dem Absender „NationalSozialistische

Offensive“ E-Mails an Mitglieder

des Bundestages, Polizeidienststellen,

Gerichte, Behörden, Medien

und Einkaufszentren verschickt und

darin Sprengstoffanschläge und weitere

Tötungsdelikte angedroht haben,

wie die Anklagebehörde in der

Hauptstadt am Montag mitteilte.

Angeklagt sind 107 Taten zwischen

Oktober 2018 und April2019.

Immer neue Schreiben hatten Besorgnis

und umfangreiche Ermittlungen

ausgelöst. Mails gingen unter

anderen an Behörden in Hamburg,

Schleswig-Holstein, Brandenburg,

Frankfurt und Baden-Württemberg.

Gedroht wurde mit Bomben, aber

auch mit Exekutionen auf offener

Straße. Rathäuser, Bahnhöfe, ein Finanzamt

und auch ein Kindergarten

wurden evakuiert. Sprengkörper

wurden aber nicht gefunden.

Der mutmaßliche Verfasser war

Anfang April 2019 in Schleswig-Holstein

gefasst und später in eine Haftanstalt

nach Berlin überführt worden.

Er war laut Staatsanwaltschaft

bereits früher wegen Sprengstoff-,

Brand- und Körperverletzungsdelikten

auffällig geworden.

Laut Mitteilung soll der Angeschuldigte

geplant haben, mit Gewalttaten

gegen Einrichtungen und

Repräsentanten des „kapitalistischen

Systems“ vorzugehen, um

seine Phantasien vonder Errichtung

einer „nationalen sozialistischen

Ordnung“ umzusetzen.

Mehr als hundertDrohmails soll der Mann

in sieben Monaten verschickt haben. DPA

Die Tatserie begann laut Staatsanwaltschaft

wenige Wochen, nachdem

der mutmaßliche Schreiber

nach einer Haftstrafe auf freien Fuß

kam. Ähnlichkeiten zum früheren

Vorgehen des Mannes hätten auf

seine Spur geführt. Gefunden wurden

laut Staatsanwaltschaft auch detaillierte

Anleitungen zum Bau von

Sprengvorrichtungen, die er aus

dem Internet heruntergeladen und

teilweise ergänzt haben soll.

Die Anklage lautet auf Anleitung

zur Begehung schwerer staatsgefährdender

Gewalttaten, Störung

des öffentlichen Friedens durch die

Androhung von Straftaten, schwere

Nötigung sowie versuchte räuberische

Erpressung und Bedrohung.

Die Berliner Strafverfolgungsbehörde

hatte die Ermittlungen federführend

nach einer gemeinsamen

Vereinbarung der deutschen Generalstaatsanwaltschaften

übernommen,

„um die Ressourcen zu bündeln“.

Der Sprecher der Anklagebehörde

sagte, die Ermittler vermuteten,

dass sich der Angeschuldigte

teilweise mit einem Mittäter koordiniert

haben soll, der sei aber noch

unbekannt. Es werde weiter ermittelt,

ebenso zu ähnlichen Drohschreiben,

die mit „Staatsstreichorchester“

oder „Wehrmacht“ unterzeichnet

waren.

Bevor es zu einem Prozess

kommt, muss die Anklage vom

Landgericht zur Hauptverhandlung

zugelassen werden. (dpa)

Die Alte Nationalgalerie entwarf Stüler in den Jahren 1862 bis 1865. Das ebenfalls auf der Museumsinsel gelegene Neue Museum gilt als StülersHauptwerk.

Im Schatten Schinkels

Vor220 Jahren wurde Friedrich August Stüler geboren, der lang verkannte Architekt Preußens

VonNikolaus Bernau

Bis vor zwei Jahrzehnten

war er nur noch Fachleuten

ein Begriff: Friedrich

August Stüler, dessen Geburtstag

an diesem Dienstag zum

220. Mal begangen werden kann. Es

brauchte letztlich die heftige Debatte

der späten 1990er-Jahre um

den Wiederaufbau des Neuen Museums

auf der Museumsinsel, damit

auch einer breiteren Öffentlichkeit

wieder bewusst wurde: Hier geht es

um das Hauptwerk jenes Architekten,

der den Zeitgenossen schon seit

den 1830er-Jahren als bedeutendster

preußisch-berlinischer Architekt neben

Karl Friedrich Schinkel galt und

nach dessen Tod1841 als dessen legitimer

Erbe betrachtet wurde.

Moderne Werke

Stüler,der an der Berliner Bauakademie

studierte, wird bis heute als

„Schüler“ Schinkels bezeichnet. Was

durchaus unkorrekt ist. Zwar erhielt

Stüler in der Bauakademie sicherlich

erste Einblicke in die Arbeit der

staatlichen Bauverwaltung, die seit

1815 von Schinkel dominiert wurde,

hat möglicherweise sogar wie viele

seiner Altersgenossen auch in dessen

Büro mitzeichnen dürfen. Doch

der immense Einfluss Schinkels

auch auf Stüler war vorallem ein indirekter,

ging von dessen ausgeführten

Werken aus,von seinem persönlichen

Vorbild, das jahrzehntelang

als Idealbild des selbstbewusst-bürgerlichen

Künstler-Beamten gefeiert

wurde. Vor allem aber vermittelte

Schinkel eine bis weit in die 1880er-

Jahre hinein in Berlin prägende

künstlerische Haltung, nach der die

Architekturgeschichte – vor allem

die Griechenlands und die der Gotik

–zwar als Fundus mit vielen Formen

betrachtet, das Kopieren etwa von

Fassaden aber vehement abgelehnt

wurde. Esging um neue Architektur

für eine neue Zeit, selbst wenn, wie

etwa bei der 1845 zusammen mit König

Friedrich Wilhelm IV. entworfenen

Potsdamer Friedenskirche, Stüler

deutlich das Vorbild byzantinischer

Kirchen aus Ravenna zitierte.

Bei Restaurierungen wie etwa jener

der Berliner Franziskanerkirche von

1842 achtete er aber genau darauf,

dass seine Zutaten auch als moderne

Werkeerkennbar blieben.

Nach verschiedenen nachrangigen

Posten in der Bauverwaltung

Anfänge: Friedrich August

Stüler,geboren als Sohn eines

Pfarrers im thüringischen

Mühlhausen, studierte

1818 bis 1827 an

der Bauakademie und an

der Universität Berlin. Noch

als Student war er 1824 an

der Gründung des Berliner

Architektenvereins beteiligt.

wurde Stüler schon 1832 Hofbaurat

und Direktor der Schlossbaukommission.

Der Grundstein für eine

große Karrierewar gelegt. Als er 1865

hoch geehrt starb, zählte seine Projektliste

um die 90 Bauten. Schon in

den 1830ern stieg Stüler zu internationaler

Berühmtheit auf: 1837 berief

ihn der russische Kaiser Nikolaus I.

für den Wiederaufbau des Winterpalais

in St.Petersburg–das Projekt Stülers

zerschlug sich, weil der autokratische

Herrscher lieber den Barockstil

des Absolutismus von Peter I., Elisabeth

und Katharina II. rekonstruieren

BAUMEISTER DES KÖNIGS

ließ. 1848 wurde Stüler nach Stockholm

für den Baudes Nationalmuseums

berufen, das nun tatsächlich in

Formen der als bürgerlich betrachteten

florentinischen Renaissance entstand,

1851 begann er mit Umbauplanungen

für das Schweriner

Schloss, angelehnt an französische

Renaissanceschlosser des 16. Jahrhunderts,

1862 erhielt er den Auftrag

für die damals sensationelle Akademie

der Künste in Budapest, wieder

in reichen Formen der Neurenaissance.Weit

mehr als die meisten sei-

WIKIPEDIA

Aufstieg: 1841 wurde er gemeinsam

mit Ludwig Persius

Bauberater des preußischen

Königs Friedrich Wilhelm

IV., wobei Stüler für

Berlin zuständig war.Ab

1842 führte er den Titel „Architekt

des Königs“ und

nach Persius Tod, alleiniger

Bauberater des Königs.

ner Berliner Zeitgenossen war Stüler

willens und in der Lage,über das klassizistische

Erbe vonSchinkel hinauszusehen.

1858 erhielt er auch deswegen

die Goldmedaille des Londoner

Royal Institute of British Architects,

1864 wurde er in die Pariser Académie

des Beaux Arts aufgenommen.

Dass Schinkels Ruhm trotzdem

Stüler so sehr in den Schatten stellte,

hatte also nicht nur etwas zu tun mit

unterschiedlicher künstlerischer

Kompetenz. Schinkel, sicherlich der

grandiosere und vielseitigere Künstler,

sorgte bereits seit 1818 dafür,

DPA/PAUL ZINKEN

dass seine Entwürfe durch prachtvoll

mit Kupferstichen illustrierte

Publikationen verbreitet wurden.

Stüler dagegen konzentrierte sich

auf das Bauen. Und soblieb etwa

mehr als 150 Jahre verborgen, dass

das 1855 eingeweihte Neue Museum

auf der Museumsinsel mit seinen

Fertigparketts,Leichtbaudecken aus

hohlen Tonröhren, Luftkanälen in

den Wänden, vor allem aber der

kombinierten Verwendung von

guss- und schmiedeeisernen Bauteilen

in vielem moderner war als selbst

französische Bauten der Zeit. Überhaupt

war Stüler bemerkenswert offen

für neue Baumethoden – im

Neuen Museum fuhr eine Baueisenbahn

–und Konstruktionsideen: Die

1851 mit dem Ingenieur Johann Wilhelm

Lentze zusammen als durchbrochene

Gitterträger-Brücken bei

Dirschau über dieWeichsel und über

die Nogat in Ostpreußen gebauten

Flussquerungen galten als technische

Meisterwerke.

Wo bleibt die Stüler-Medaille?

Umso überraschender ist, wie wenig

sich gerade die Berliner Architektenschaft

an Stüler erinnert. Selbst als

die Matthäikirche am Kulturforum

durch das Projekt des Museums der

Moderne,der „Scheune“, massiv bedrängt

wurde, gab es nur Proteste

aus der Denkmalpflegerszene. Immerhin,

in Mühlhausen gibt es seit

2012 den wissenschaftlichen „Friedrich-August-Stüler-Förderpreis“.

Berlin sollte sich dieser Initiative

anschließen, etwa mit einer Stüler-

Medaille für neue Bauweisen und

Baukonstruktionen. Eine Aufgabe

wie geschaffen für jenen Berliner Architekten-

und Ingenieursverein, der

von Stüler 1824 mit begründet worden

war. Nur ein paar Straßen und

Plätzenach ihm zu benennen, der zu

seiner Zeit mindestens so berühmt

war wie Schinkel, das ist zu wenig.

Stüler entwarf auch zahlreiche Dorfkirchen, wie diese in Caputh. IMAGO Nach dem Krieg umgestaltet: die St. Matthäi-Kirche am Kulturforum. PAULUS PONIZAK

Polizeichefin

verteidigt

Todesschuss

Waffengebrauch ist zur

Eigensicherung möglich

Nach dem tödlichen Schuss eines

Polizisten auf eine Frau hat Polizeipräsidentin

Barbara Slowik den

Einsatz gerechtfertigt. Als Polizisten

sich am Freitag nach einem Notruf

Zutritt zu ihrem Zimmer verschaffen

wollten, solle die Frau Widerstand

geleistet haben, sagte Slowik am

Montag im Innenausschuss. „Das

hat sie mit einem Messer getan. Sie

ist dem Beamten mit einem Messer

entgegengetreten auf einer sehr nahen

Distanz vonsechs Meternetwa.“

Daraufhin habe der Beamte geschossen.

Slowik betonte,völlig unabhängig

vondem Einzelfall wolle sie klar machen,

„dass Messerangriffe egal auf

wen, aber auch auf Polizisten, in kurzerDistanz

innerhalb vonfünf, sechs

Metern, in kürzester Zeit tödlich enden

können.“ Sie fügte hinzu: „Wird

eine Hauptschlagader getroffen, am

Hals,amBauch, am Bein, ist das binnen

zwei Minuten tödlich. Da wird

es auch keine Rettung geben, da gibt

es auch keine Hilfe.“ Undweiter:„Da

ist zur Eigensicherung der Schusswaffengebrauch

durchaus vorgesehen.“

Der Mitbewohner der 33-Jährigen

hatte, wie berichtet, am frühen

Freitagmorgen die Polizei gerufen.

Der Mann gab an, von der Frau mit

einem Messer bedroht zu werden.

Eine Streife stürmte in die Wohnung,

in der sich die geistig verwirrte Frau

in ihrem Zimmer verschanzt hatte.

Nachdem die Beamten die Tür geöffnet

hatten, kam Maria B.auf sie zu,

mit einem Messer in der Hand. Einer

der Beamten zog daraufhin seine

Pistole und schoss ihr in den Oberkörper.

Am Sonnabend hatten rund

50 Menschen aus der linken und autonomen

Szene in Friedrichshain

demonstriertund Polizisten als Mörder

beschimpft. (BLZ)

Nirgendwo

gibt es mehr

Ein-Mann-Firmen

Berlin ist die Hauptstadt

der Solo-Selbstständigen

R

und 68 000 Berliner haben mehr

als einen Job. Das sind 3,7 Prozent

der Erwerbstätigen in der

Hauptstadt, wie aus einer Antwort

der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage

hervorgeht. Das ist die

höchste Quote im Osten, liegt aber

deutlich unter dem bundesweiten

Durchschnitt. In Deutschland hat

mit 5,3 Prozent etwa jeder Zwanzigste

eine Nebentätigkeit, teilte das

Arbeitsministerium unter Berufung

auf Zahlen des Statistischen Bundesamts

für 2018 mit. Nach jahrelangem

Anstieg stagniert demnach die

Quote.Amhöchsten ist sie in Baden-

Württemberg, am niedrigsten in

Sachsen-Anhalt. Brandenburg weist

die zweitniedrigste Quote auf –hier

haben 2,1 Prozent der Erwerbstätigen

mehrereJobs gleichzeitig.

Berlin ist den Daten zufolge das

Bundesland mit dem höchsten Anteil

Solo-Selbstständiger – also

Selbstständiger ohne Angestellte,die

etwa als Fliesenleger oder als Reinigungskraft

tätig sind, vermittelt von

digitalen Plattformen. Jeder neunte

Erwerbstätige in der Hauptstadt

(11,1 Prozent) ist solo-selbstständig;

der Bundesdurchschnitt liegt bei

5,3 Prozent. Sozialverbände warnen,

dass Solo-Selbstständige besonders

armutsgefährdet seien. In Brandenburg

arbeitete etwa jeder zehnte Erwerbstätige

selbstständig, davon

rund die Hälfte als sogenannte Solo-

Selbstständige. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 15

· ·

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Brandenburg

Schweinepest:

Kreis will mehr

Abschüsse

Jägern wird Gebühr für

Tests erlassen

VonJens Blankennagel, Potsdam

Die bereits in Westpolen grassierende

Afrikanische Schweinepest

(ASP) ist nur etwa 20 Kilometer

von der südbrandenburgischen

Grenze entfernt. Deshalb will der

Landkreis Elbe-Elster erreichen,

dass die Jäger noch mehr Wildschweine

jagen –vor allem Frischlinge,

die wegen des geringen Gewichts

schlecht zu vermarkten sind.

Bislang muss ein Jäger für jedes erlegte

Schwein, das für den Verzehr

vorgesehen ist, eine Untersuchung

machen lassen, ob das Tier von Trichinen

befallen ist. Das sind Fadenwürmer,

die beim Menschen für

Krankheiten sorgen können. „Die

Gebühr für diese Untersuchung wird

ab dem 1. Februar fürTiere, die leichter

als 30 Kilo sind, nicht mehr erhoben“,

sagte eine Sprecherin desVeterinäramtes

der Berliner Zeitung.

Die Untersuchung einer Probe

kostet im Landkreis 7,70 Euro. Die

Gebühr gilt nun nur noch für große

Wildschweine. Imvergangenen Jahr

wurden bis Ende November im Kreis

4100 Schweine erlegt.

Es wird befürchtet, dass die für

Menschen ungefährliche, für Wildund

Hausschweine aber meist tödliche

Krankheit in den nächsten Wochen

von Polen nach Brandenburg

oder Sachsen eingeschleppt wird.

Die Landesregierung und die Jäger

setzen alles daran, den Bestand der

Wildschweine möglichst schnell zu

minimieren, damit sich die Krankheit

–imFalle einer Einschleppung –

nicht so schnell ausbreiten kann.

Gegen die Afrikanische Schweinepest:

Wildabwehrzaun in Sachsen

DPA

Das Problem ist, dass für Wildschweinfleisch

durch das derzeitige

Überangebot nicht mehr viel Geld zu

bekommen ist. DieLandesregierung

zahlt erhöhte bereits im April 2018

die Abschussprämie pro Tier von 30

auf 50 Euro. InGrenznähe wurden

auch Zäune errichtet. Das Flatterband

soll sie optisch irritieren oder

Elektrozäune solle sie abschrecken.

Auch wurden vielerorts Duftstoffe

ausgebracht, die die Schweine nicht

mögen: Dort riecht es nach Bären,

nach Pumas oder Menschen.

„Die Jäger sind aufgefordert, weiterhin

alle jagdlichen Möglichkeiten

auszunutzen, um die Wildschweine

zu erlegen“, heißt es bei der Landesregierung.

Das von den Grünen geführte

Umweltministerium erlaubt

auch sogenannte Drückjagden. Dabei

wartet der Jäger nicht im Hochstand,

bis mal ein Wildschwein vorbeikommt,

sondern Treiber und

Hunde laufen lärmend durch den

Wald und treiben die Tiere vor die

Gewehre. So können in kurzer Zeit

viele Schweine erlegt werden. Damit

werden allerdings alle anderen Tiere

gestört, für die ab 16. Januar Schonzeit

ist, also Reh-, Rot-, Dam- und

Muffelwild. Ihre Schonzeit kann nun

bis 31. Januar aufgehoben werden.

Kritik kommt vom Verein Wildtierschutz.

„Deutschland kennt im

Hinblick auf die Wildschweinjagd

seit langem kaum noch Tabus“, sagt

Lovis Kauertz. „Was aber die Grünen

in Brandenburg zulassen, setzt dem

Ganzen doch die Krone auf: die gesamte

Fauna wirdzum Freiwild.“

Der Wegzum nächsten Ärzt kann in dünnbesiedelten Gegenden weit sein.

Stipendien für Landärzte

Brandenburg will mit 1000 Euro monatlich Studenten gewinnen, die später im Land arbeiten

VonJens Blankennagel, Potsdam

Ärzte können, aber sie müssen

nicht in Rente gehen.

Wenn sie eine eigene Praxis

haben, können sie auch

im recht hohen Alter weiterarbeiten.

Viele machen das auch. Es gibt zum

Beispiel im Land Brandenburgeinen

Arzt, der noch mit 82 Jahren arbeitet.

Das ist gut in einer Zeit, in der

massiver Ärztemangel herrscht –besonders

auf dem platten Land, also

bei den Landärzten.„Wir müssen die

Altersstruktur im Blick haben“, sagt

Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen

Vereinigung Brandenburg.

„Inzwischen sind ein Drittel aller

Ärzte im Land älter als 60 Jahre.“

Deshalb sei es wichtig, dass massiv

für Nachwuchs geworben wird.

Ausdem gesamten Bundesgebiet

Es sei sehr gut, so Wehry, dass die

Landesregierung ein Programm aufgelegt

hat, mit dem Medizinstudenten

nach ihrem Abschluss nach

Brandenburggeholt werden sollen.

Derzeit läuft die zweite Bewerbungsrunde

des Landärzteprogramms:

Bis zum 15. Februar können

sich Medizinstudenten aus allen

Bundesländern melden, die zum

späteren Einsatz im ländlichen

Raum Brandenburgs bereit sind.

Wenn sie sich verpflichten, nach ihrem

Abschluss fünf Jahre in Brandenburgzuarbeiten,

bekommen sie

während ihrer Ausbildung ein Stipendium,

in diesem Fall ab dem 1.

April 2020. Das Stipendium wird

vom Potsdamer Gesundheitsministerium

gefördert.

Dauer: Die Förderung kann

maximal für die Dauer der

Regelstudienzeit von75Monaten

gewährtwerden.

Mit bis zu 5760 Euro monatlich

kann die Anstellung von

Ärzten in Weiterbildung gefördertwerden.

LANDARZTPROGRAMM

Weiterbildung: Die Förderung

gilt für folgende Facharztgruppen:

Kinder- und Jugendmedizin,

Frauenheilkunde

,Augenheilkunde,

Hautkrankheiten, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde,

Psychiatrie,

Neurologie.

Das Landärzteprogramm wurde

von der Landesregierung initiiert

und wird aus Landesmitteln finanziert.

Für die Umsetzung werden

nach Angaben des Gesundheitsministeriums

bis 2027 Fördermittel in

Höhe voninsgesamt mehr als 18 Millionen

Euro benötigt. Bisdahin können

bis zu 200 Studenten gefördert

werden.

Grundsätzlich ist es so, dass die

Studenten eine Förderung von monatlich

1000 Euro beantragen können.

Werbereits ein Stipendium von

einer Kommune oder einem Krankenhaus

bekommt, kann sich für ein

sogenanntes Co-Stipendium von

monatlich bis zu 500 Euro bewerben.

Gesundheitsministerin Ursula

Nonnemacher (Grüne) sagt: „Brandenburg

braucht junge, engagierte

Ärztinnen und Ärzte.Wir freuen uns

über jede und jeden, die sich für einen

BerufsstartinBrandenburgentscheiden.“

Der Start des Landärzteprogramm

sei erfolgreich gewesen.

Bewerbung: Unterlagen und

alle Infos gibt es auf der Internetseite

der Kassenärztlichen

Vereinigung Brandenburg

unter:

www.kvbb.de/praxis/

studium-weiterbildung/

foerderprogramm/

Die Sorben und der Kohleausstieg

IMAGO IMAGES/WERNER OTTO

Aus ganz Deutschland seien Bewerbungen

eingegangen. „Das zeigt,

dass Brandenburg für Nachwuchskräfte

attraktiv als Ort zum Leben

und Arbeiten ist“, sagte Nonnemacher,

die vor ihrer Politikkarriere

selbst Ärztin war. „Unser Ziel ist es

natürlich, sie alle deutlich länger als

fünf Jahre für Brandenburg begeisternzukönnen.“

DasLandärzteprogramm startete

im September 2019: In der ersten Bewerbungsrunde

gingen 75 Bewerbungen

ein. Nach einer Auswahl

konnten mit dem Beginn des Wintersemesters

2019/2020 ab Oktober

34 Stipendien über monatlich 1000

Euro vergeben werden. Dazu kamen

sechs Co-Stipendien über 500 Euro.

All diese Förderungen werden in der

Regel für die Dauer der Regelstudienzeit

vergeben.

Insgesamt ist es so, dass der Tiefpunkt

vorerst durchschritten ist.

Landärzte gehören zu den sogenannten

Ärzten im ambulanten System.

Das sind keine Krankenhausärzte,

sondern all jene, bei denen

sich die Patienten mit ihrer Krankenkassenkarte

behandeln lassen können,

also vor allem niedergelassene

Ärzte mit eigenen Praxen oder angestellte

Ärzte in Gesundheitsversorgungszentren.

Im Jahr 2012 gab es

nur noch 3507 dieser Ärzte, Ende

2018 waren es bereits wieder 3860.

„Obwohl wir die Zahl also erfolgreich

steigern konnten, ist Brandenburg

das Bundesland mit der bundesweit

geringsten Arztdichte“, sagte Christian

Wehryvon der Kassenärztlichen

Vereinigung.

55 000 Euro für Praxisübernahme

Die Vereinigung und die Krankenkassen

fördern seit Jahren auch Studenten,

indem sie Praktika in Brandenburg

vermitteln oder Weiterbildungen

zahlen. „Es besteht auch die

Möglichkeit, dass wir in Gegenden,

in denen ein Versorgungsproblem

ansteht oder bereits besteht, die

Übernahme einer Praxis fördern

können“, sagte Wehry. Dafür würden

bis zu 55 000 Euro bereitgestellt. Auf

diese Art konnten in Schwedt in der

dünn besiedelten Uckermarkelf Praxen

gehalten werden.

Peter Noack, Chef der Kassenärztlichen

Vereinigung, sagte: „Wir sind

wir seit vielen Jahren in der Nachwuchsförderung

breit aufgestellt

und haben allein im vergangenen

Jahr rund acht Millionen Euro in die

Förderungen von Studenten und

Ärzten in Weiterbildung investiert.“

Das Landärzteprogramm gebe nun

weitere Impulse für die Ansiedlung

junger Kolleginnen und Kollegen.

In der Lausitz steht ein großer Strukturwandel an. Dort ist das Gebiet, in dem die einzige ostdeutsche Minderheit lebt

VonJörg Schurig,Bautzen

Der Bund der Sorben (Domowina)

sieht im Kohleausstieg

Chancen, aber auch Risiken für die

Minderheit. „Viele Sorben befürchten,

dass der Strukturwandel zu einem

wirtschaftlichen Bruch führt,

wie er Anfang der 1990er Jahreschon

einmal erlebt wurde“, sagte Domowina-Chef

Dawid Statnik (36).

135 Dörfer wurden abgebaggert

Die Sorben haben eine eigene Sprache

und sind die einzige in Ostdeutschland

anerkannte nationale

Minderheit. Sie wohnen in der Lausitz,

also in Südbrandenburg und in

Sachsen.

Statnik sagte,zum einen führeder

Kohleausstieg dazu, dass keine weiteren

Ortschaften im Siedlungsgebiet

der Sorben mehr verschwinden.

„Auf der anderen Seite geht es um Arbeitsplätze,

die Wirtschaftskraft der

Region und ihre Perspektiven. Diese

Gegend muss lebenswert bleiben.

DieSorben dürfen nicht die Leidtragenden

des Strukturwandels sein.“

Seit 1921 mussten etwa 135 Dörfer

und Ortsteile in der Lausitz der

Braunkohle weichen, 25 000 Menschen

waren davon betroffen. Die

Abbaggerung von Orten habe negative

Auswirkungen auf die Sprachsubstanz

in einzelnen Regionen. Der

Wandel könne nun dazu beitragen,

abgebrochene Strukturen zu erneuern

und zu verbessern. Es gehe aber

nicht nur um Straßen und andereInfrastruktur,

sondern auch um den

Faktor Mensch –umall das, was für

die Region identitätsstiftend sei.

„Wenn wir den Strukturwandel

als Chance sehen, etwas Neues zu

machen und für die Zukunft fit zu

sein, dann sollten wir uns auf das besinnen,

was diese Region besitzt und

ausmacht. Das Sorbische gehört

dazu, es macht den kulturellen

Reichtum der Gegend mit aus“, sagte

der Domowina-Vorsitzende. Man

müsse den Menschen die Chance

geben, ihreIdentität zu erhalten. Mit

Blick auf das Strukturstärkungsgesetz

wäre eswichtig, dass die vorgesehenen

Bundesgelder auch für die

sorbische Sprache, Kultur und Identität

verwendet werden können.

Der Erhalt der Muttersprachen

Obersorbisch und Niedersorbisch

bereitet den Sorben in der Oberlausitz

und denWenden im Süden Brandenburgs

Kopfzerbrechen. So fehlen

beispielsweise laut der letzten offiziellen

Prognose von 2017 bis 2025

allein in Sachsen etwa 100 Sorbisch-

Lehrer. „Wir können diese Lehrer

nicht aus anderen Ländern holen,

wir müssen sie hier ausbilden. Ohne

Quereinsteiger wirdesnicht gehen“,

sagte er. Brandenburg und Sachsen

seien dabei schon gut vorangekommen.

„Wir sind aber leider noch

nicht an dem Punkt, dass wir sagen

können, die Gefahr ist abgewendet.

Wirmüssen eine Schippe zulegen.“

Auch bei der Finanzierung der

Stiftung für das sorbische Volk sieht

er Nachholbedarf. Derzeit bekommt

die Stiftung, die das Geld für alle sorbischen

Institutionen verwaltet,

rund 18,6 Millionen Euro pro Jahr.

DieHälfte davon trägt der Bund, den

Rest zu zwei Dritteln Sachsen und zu

einem Drittel Brandenburg. Statnik

verwies aufTariferhöhungen und allgemeine

Kostensteigerungen. „Wir

mussten den Gürtel schon enger

schnallen. Zudem sind neue Aufgaben

dazugekommen.“ Für ein neues

Finanzierungsabkommen hätten die

Institutionen einen Mehrbedarf angemeldet.

Konkrete Summen würden

zurzeit zwischen Bund und Ländernverhandelt.

(dpa)

NACHRICHTEN

Tesla-Gegner zweifeln an

Aussagen vom Elon Musk

DieBürgerinitiativegegen die geplante

Tesla-Fabrik in Grünheide

(Oder-Spree) hat skeptisch auf die

Umweltschutz-Zusagen vonFirmenchef

Elon Musk reagiert. „Wir

halten diesen Standortnach wie vor

für ungeeignet“, sagte Frank Gersdorf.

DasGelände,auf dem das Elektroauto-Werkgebaut

werden soll,

liege in einem Trinkwasserschutzgebiet.

Tesla-Chef Musk hatte sich am

Wochenende in die Debatte um Umweltfolgen

der Ansiedlung der geplanten

„Gigafactory4“eingeschaltet.

„GF4 wirdabsolut unter dem Gesichtspunkt

der Nachhaltigkeit und

der Umwelt entwickelt“, versicherte

er bei Twitter.Tesla will in dem Werk

ab Sommer 2021 an jährlich bis zu

500 000 Elektroautos bauen. (dpa)

SPD gegen größere

Bundestagswahlkreise

DieSPD in Brandenburglehnt den

Vorschlag für weniger und damit

größereWahlkreise im Bundestag ab.

„Bundestagsabgeordnete müssen

die Chance haben, die Berliner Politik

vorOrt erklären zu können. Wenn

der Wahlkreis für Abgeordnete so

groß ist, dass das nicht mehr schaffbar

ist, dann gefährden wir die Demokratie“,

sage SPD-Generalsekretär

Erik Stohn. „Wir müssen aufpassen,

dass aus Entfernung nicht Entfremdung

wird.“ Grüne,FDP und

Linke im Bundestag wollen, dass es

im Kern nur noch 250 statt 299Wahlkreise

geben soll. Brandenburghatte

2017 zehn Wahlkreise. (dpa)

Mutmaßlicher Mörder

nach vier Jahren gefasst

Einjunger Mann, der vormehr als

vier Jahren eine Rentnerin in Erkner

(Oder-Spree) erstochen haben soll,

sitzt nun in Untersuchungshaft. Wie

Polizei und Staatsanwaltschaft am

Montag mitteilten, wurde der inzwischen

24-Jährige aus Berlin voreiner

Woche festgenommen. DasAmtsgericht

Frankfurt(Oder) erließ einen

Tagspäter Haftbefehl. DerMann

habe sich bislang nicht zur Tatgeäußert.

WeitereDetails teilten die Ermittler

zunächst nicht mit. Die72

Jahrealte Rentnerin wurde im Juni

2015 tot in ihrem Wohnhaus gefunden.

Siestarb an Stichverletzungen,

die ihr der damals 19-Jährige zugefügt

haben soll. (dpa)

Gedenken an Befreiung

des KZ Auschwitz

Mitzahlreichen Veranstaltungen hat

Brandenburgder Opfer des Nationalsozialismus

am 75. Jahrestag der

Befreiung des Konzentrationslagers

Auschwitz gedacht. Am Montag hielt

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke

in der Gedenkstätte Sachsenhausen

bei Oranienburgeine Rede halten. In

der Gedenkstätte Ravensbrück gab

es Lesungen. In der Gedenkstätte für

die Opfer der Euthanasie-Morde in

Brandenburg/Havel wurden Kränze

niedergelegt. (dpa)

LOTTO-QUOTEN

Gewinnzahlen:

9-12-28-30-34-43, Sz. 3

QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt 6980337,10

Klasse 2: 2x815736,40 Euro

Klasse 3: 69 x11822,20 Euro

Klasse 4: 567 x4316,00 Euro

Klasse 5: 3965 x205,70 Euro

Klasse 6: 33725 x48,30 Euro

Klasse 7: 75640 x21,50 Euro

Klasse 8: 655995 x11,10 Euro

Klasse 9: 591390 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!


16 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Wissenschaft

Das Forschungsschiff „Polarstern“ im arktischen Meereis, aufgenommen im vergangenen Oktober.Dawurde es tagsüber noch hell im hohen Norden. Zurzeit geht die Sonne dortgar nicht mehr auf, geforscht wird dennoch.

MARCEL NICOLAUS

Methanmessungen über der Arktis

Potsdamer Geoforscher erkunden, warum die Treibhausgaskonzentrationen ansteigen und wie stark Grönland inzwischen von Eisalgen betroffen ist

VonHeikeKampe

Forschungsreisen sind für

den Potsdamer Geowissenschaftler

Torsten Sachs eigentlich

Routine. „Aber

diesmal ist es trotzdem etwas Besonderes“,

sagt er. Ende vergangener

Woche ist er nach Norwegen geflogen.

In Tromsø absolviert erzurzeit

ein Sicherheitstraining. Das ist auch

notwendig, denn die folgenden zwei

Monate wirderinlebensfeindlichem

Gebiet verbringen, in dem Eiseskälte,

absolute Dunkelheit und vielleicht

auch Eisbären warten.

Mit einem russischen Eisbrecher

werden sich Sachs und weitere Forscherinnen

und Forscher etwa zwei

Wochen lang den Wegdurch die Arktis

bahnen. Ihr Ziel ist das Forschungsschiff

„Polarstern“. Seit Oktober

des vergangenen Jahres driftet

es – fest eingefroren im Meereis –

durch die Polarnacht.

Steigende Konzentrationen

Mosaic lautet der Name dieser größten

Arktis-Expedition aller Zeiten,

die ein ganzes Jahr lang dauernwird

und vom Alfred-Wegener-Institut in

Bremerhaven geleitet wird. Rund

600 Wissenschaftler aus 19 Nationen

werden abwechselnd vor Ort sein

und Daten zum Klimageschehen erheben.

Bisher ist wenig darüber bekannt,

was in der zentralen Arktis vor allem

im Winter genau geschieht. Es wird

aber immer deutlicher, dass der Klimawandel

sich hier besonders dra-

450 MILLIONEN EURO FÜR FORSCHUNG ZUR ERDE IM WANDEL

Das Vorhaben: 2021 startet

das vomGeoforschungszentrum

(GFZ) Potsdam initiierte

Forschungsprogramm „Erde

im Wandel –Unsere Zukunft

erhalten“. Das Großprojekt

wird vomGFZ und sechs weiteren

Helmholtz-Zentren getragen,

wie vergangene Woche

bekannt wurde.

Das Ziel: Innerhalb vonsieben

Jahren soll das Forschungsprogramm

nicht nur

die Klimaforschung ein großes

Stück voranbringen. Mit

2350 Wissenschaftlernund

einem Jahresbudget von

450 Millionen Euro wollen

die Forscher die großen Zukunftsfragen

angehen.

Die Fragestellungen: In den

Projekten geht es etwa

darum, wie sich Klimaänderungen

auswirken werden.

Aber auch, wie sich Naturkatastrophen

besser vorhersagen,

wie sich Wasserkrisen

managen und gute Frühwarnsysteme

entwickeln lassen.

matisch bemerkbar macht. Und das

Klima hoch im Norden entscheidet

auch darüber, wie sich die Temperaturen

und Niederschläge in Europa

entwickeln.Wenn dieWissenschaftler

diese Prozesse besser verstehen, können

sie ihre Klimamodelle anpassen

und damit genauereVorhersagen für

das Klima der Zukunft treffen.

Bei Torsten Sachs, der am Deutschen

Geoforschungszentrum (GFZ)

in Potsdam forscht, steht das Gas

Methan im Mittelpunkt der Forschung.

Methan ist ein sehr starkes

Treibhausgas,das etwa 25 bis 30 Mal

wirksamer ist als Kohlendioxid. „Seit

2007 steigt nach einer langen Phase

der Stagnation die Methankonzentration

in der Atmosphäre deutlich

an“, erläutertder Forscher.

In den vergangenen fünf Jahren

beobachteten die Wissenschaftler sogar

einen noch rascheren Anstieg als

zuvor. Auch in der Arktis sind die

Messwerte unerwartet hoch. „Vor allem

über offenemWasser und auch in

der Wassersäule“, sagt Sachs.Warum

das so ist, weiß noch niemand genau.

Auftauender Permafrostboden,

Fracking, höhereAktivitäten vonMethan

produzierenden Mikroorganismen

durch steigende Temperaturen –

all das sind mögliche Ursachen. „Es

gibt bisher viel zu wenige Daten“, betont

Sachs.Diese große Lücke wollen

die Forscher wenigstens teilweise

schließen. Die Ergebnisse sollen genauereEinblicke

in den Methankreislauf

ermöglichen.

Mit dem Hubschrauber werden

Sachs und sein Team die Methankonzentration

in der Arktisluft untersuchen.

Bei den Forschungsflügen

misst eine Sonde Methan, Kohlendioxid,

Wasserdampf, Aerosole

und auch die Luftströmungen über

dem Wasser und dem Eis. Während

der Flüge bewegen sich die Forscher

auf zuvor festgelegten Routen 50 bis

100 Kilometer vomSchiff fortund erhalten

so detaillierte Daten über eine

große Fläche. Möglicherweise können

sie hier Orte identifizieren, die

besonders viel Methan ausstoßen.

Zusätzlich werden Eisbohrkerne

viele Informationen über den Methanhaushalt

in der Arktis und die

Ursprünge des Gases liefern.

DieKälte vonbis zu minus 45 Grad

Celsius wird nicht nur für die Menschen

auf der „Polarstern“ zur Herausforderung.

Torsten Sachs hofft,

dass auch seine empfindliche Technik,

mit der er die Methankonzentrationen

messen will, den Temperaturen

trotzen kann. „Ich bin zufrieden,

wenn wir fliegen können und viele

Daten aufzeichnen“, sagt er.

DenAufbruch gen Norden hat die

Biogeochemikerin Liane Benning

vom GFZ noch vor sich. Sie wird im

April zueiner Forschungsreise nach

Grönland aufbrechen. Dort erforscht

sie Mikroorganismen, die eng mit

dem Klimawandel verbunden sind.

Ihr Forschungsobjekt beschreibt sie

so:„Es sieht aus wie Schmutz, ist aber

lebendig.“ Gemeint sind Eisalgen, die

regelmäßig im arktischen Sommer

violette Teppiche auf der Eisoberfläche

bilden. Manchmal sind die Algenblüten

so dicht, dass das Eis fast

schwarzwirkt.

Die Mikroorganismen setzten in

weiten Gebieten Grönlands eine Spirale

in Gang, die die Forscher um

Benning im Projekt Deep Purple besonders

intensiv beobachten wollen.

Das dunkle Pigment schützt die Eisalge

vorder intensiven Sonnenstrahlung.

Gleichzeitig wird durch die Algenblüte

Wärme absorbiert, die wiederum

die Eisschmelzeantreibt. Das

Schmelzwasser fördert das Algenwachstum,

weil es lebensnotwendige

Mineralien enthält –esist ein

Kreislauf, der in den vergangenen

Jahren eine stetig wachsende Algenblüte

hervorgebracht hat und der die

Eisschilde und Gletscher immer

schneller schmelzen lässt.

Neben den Algen verdunkelt aber

auch die Luftverschmutzung Grönlands

Schneedecke.Rußpartikel und

Staub lagern sich darauf ab und

könnten ähnliche Effekte wie die Eisalge

auslösen. Die Zusammenhänge

zwischen Algenwachstum, Klimawandel

und Luftverschmutzung untersuchen

die Wissenschaftler mithilfe

vonDrohnen und Satelliten, die

die Ausbreitung der Algenblüte vermessen.

Während das Eissich in den

letzten Jahren vor allem im Westen

Grönlands dunkel färbte, wollen die

Forscher nun ermitteln, ob auch Gebiete

im Norden, Osten und Süden

betroffen sind. „Wir wollen wissen,

ob das Eis in ganz Grönland viel

schneller schmilzt als zuvor“, erklärt

Liane Benning.

Um die Ökologie der Alge zu verstehen,

bohren die Forscher Schneeund

Eiskerne vorOrt und führen Experimente

durch. Einerseits wollen

sie die Algendichte und die Auslöser

für die Massenvermehrung ermitteln

und andererseits auch untersuchen,

wie viel Rußund Staub die Organismen

einfangen. Letztlich geht

es um Vorhersagen, wo und wann

die biologischeVerdunkelung auftreten

und wie sie Grönlands Klima beeinflussen

wird.

Methan über der Arktis und Eisalgen

auf Grönland –das sind nur zwei

von unzähligen Bausteinen, die im

Gesamtsystem Klima eine wichtige

Rolle spielen. Sie zeigen, wie komplex

und vielfältig Energie- und

Stoffflüsse auf unserer Erde sind und

wie schwierig es ist, die unzähligen

kleinen Puzzleteile zu einem Gesamtbild

zusammenzufügen.

Durchhalten bis März

Bald erhalten Geoforscher deutliche

Unterstützung beim Puzzeln. Denn

das GFZ hat ein großes Forschungsprogramm

initiiert, an dem sich

sechs weitere Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft

beteiligen.

„Erde imWandel“ heißt das Vorhaben

(siehe links) und wird über sieben

Jahre mit 450 Millionen Euro finanziert.

Forscher werden dafür

Grundwasserspiegel untersuchen,

die Eisschmelze beobachten und im

Untergrund nach Georessourcen für

die Energiewende suchen. Einige –

Torsten Sachs etwa –nehmen für solche

Projekte Monate in vollkommener

Dunkelheit und Eiseskälte auf

sich. „Erst am 10. März wird inder

Arktis die Sonne zum ersten Malwieder

aufgehen“, sagt der Forscher.Auf

diesen Moment freut er sich schon.

Mit Albatrossen gegen illegale Fischerei

Die Vögel können nicht gemeldete Schiffe in den Weiten der Ozeane aufspüren und mithilfe von GPS- und Radarmessgeräten deren Positionen weitergeben

VonStefan Parsch

Die Idee ist genial: Albatrosse solleb

dabei helfen, Fälle von illegaler

Fischerei aufzudecken. In einem

großangelegten Test im Indischen

Ozean stattetenWissenschaftler

169 der großen Seevögel mit

Messgeräten und Satellitensendern

aus.Die Tiereerfüllten die Erwartungen:

Sie konnten zahlreiche Schiffe

ausfindig machen, deren Fahrten

nicht bei Behörden angemeldet waren

und die womöglich illegal fischten,

berichten französische Forscher

im Fachmagazin PNAS.

Albatrosse fühlten sich generell

vonFischereifahrzeugen angezogen,

schreibt das Team um Henri Weimerskirch

vom Forschungszentrum

CNRS an der Université de la Rochelle

in Villiers en Bois.Sie könnten

diese Schiffe auf bis zu 30 KilometernEntfernung

entdecken. Einweiterer

Vorteil: Mitder großen Vogelart

lassen sich große Gebiete der Meeresoberfläche

abdecken.„Mit 50 entsprechend

ausgerüsteten Individuen

haben wir einen Überblick

über ein Areal von22Millionen Quadratkilometern“,

sagt Weimerskirch.

Das Team machte sich diese Eigenschaften

zunutze, um illegale Fischerei

auch dort aufzuspüren, wo

eine Überwachung kaum oder nur

mit erheblichem Aufwand möglich

ist. Die Wissenschaftler befestigten

eine teilweise neu entwickelte Messeinheit

an den Albatrossen. Neben

dem Positionsbestimmungssystem

Albatrosse lassen sich wie Spürhunde nutzen.

GPS enthält sie einen Detektor für

Radarwellen. Denn Radar benötigen

die Schiffe zum Navigieren, auch

wenn sie ihr automatisches Identifikationssystem

(AIS) nicht einge-

ALEXANDRE CORBEAU

schaltet haben, um einer Ortung zu

entgehen. Die Übermittlung der

Orts- und Radar-Daten von den Albatrossen

innerhalb weniger Sekunden

an einen Satelliten macht eine

Online-Darstellung der Messdaten

nahezu in Echtzeit möglich.

DieForscher stellten während ihres

Feldversuchs von November

2018 bis Mai 2019 fest, dass in internationalen

Gewässernknapp 37 Prozent

der Schiffe ohne AIS unterwegs

waren. In den ausschließlichenWirtschaftszonen

–also bis 200 Seemeilen

vomLand entfernt –waren es im

Durchschnitt weniger Schiffe.

Allerdings gab es große Unterschiede

zwischen verschiedenen Inselgruppen.

Während nahe den Inselgruppen

Crozet und Kerguelen

weniger als 15 Prozent der Schiffe

ohne AIS unterwegs waren, waren es

bei den Prinz-Edward-Inseln alle 31

Schiffe, deren Radarwellen dort aufgefangen

wurden.

Die Forscher untersuchten auch,

wie gut sich zwei verschiedene Albatrossarten

und verschiedene Altersgruppen

für die Seeüberwachung

eignen. So flogen 21Prozent der Wanderalbatrosse

(Diomedea exulans)direkt

an Schiffe heran, während es bei

den Amsterdam-Albatrossen (Diomedea

amsterdamensis) nur 8,5 Prozent

waren. Außerdem waren erwachseneVögel

imVergleich zu Jungtieren

besser im Aufspüren.

Die Methode könne auch bei anderen

Tierarten wie Meeresschildkröten

oder Haien eingesetzt werden,

um herauszufinden, wo sie

häufig zu Beifang werden, schreiben

die Forscher.Dann könnten entsprechende

Schutzmaßnahmen getroffen

werden. (dpa/fwt)


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 17 *

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Sport

Ein Abend

ganz für

Kobe Bryant

Alba besiegt Verfolger

Crailsheim 98:82

VonChristian Kattner

Peyton Siva hatte am Nachmittag

bewegende Worte geschrieben.

Martin Hermannsson erschien im

Trikot der Los Angeles Lakers mit der

Nummer acht und der erste Song des

Abends galt Kobe Bryant. Derplötzliche

und unerwartete Todder Basketball-Legende

am Vorabend machte

nachdenklich und traurig. Er hatte

seine Spuren hinterlassen und war in

den Gesichtern der Spieler von Alba

Berlin abzulesen. Bei der Erwärmung,

aber vor allem während der

Schweigeminute. Etwas glücklicher

sahen Fans und Spieler zumindest

beim Abpfiff aus. Dahatte sich Alba

Berlin gegen Crailsheim mit 98:82

durchgesetzt und den dritten Platz in

der Bundesliga-Tabelle gefestigt.

Das Spiel hatte jedoch so begonnen,

wie es am Vorabend schon in

der NBA praktiziert wurde: In Gedenken

an Kobe Bryant und dessen

spätere Trikotnummer 24 ließen

beide Teams die Angriffszeit von 24

Sekunden runterlaufen. Erst danach

wurde zwischen dem Dritten und

Vierten der Bundesliga auch wirklich

Basketball gespielt. Und das so, wie

es bereits vor der Partie zu erwarten

war. Crailsheim, das Team, welches

in der Liga die meisten Dreier pro

Spiel nimmt, warfauch in Berlin fleißig

vonaußerhalb der Dreierlinie auf

den Korb. Allein zwölfmal im ersten

Viertel. Weil auch sechs Würfe in den

Korb gingen, konnten die Gäste die

Partie beim Stand von22:22 offen gestalten.

Erst in den zweiten Minuten

konnten sich die Berliner etwas absetzen,

profitierten aber davon, dass

keiner der vier Crailsheimer Dreier

saß und die Fehlerquoten auf beiden

Seiten stiegen. Gerade einmal zwei

Ballverluste waren beiden Mannschaften

im ersten Abschnitt unterlaufen,

fünf waren es im zweiten

Viertel bei Alba und sechs auf Seiten

der Gäste.Wohl dem, der mit Martin

Schweigeminute vor dem Alba-Spiel für

Kobe Bryant

MICHAEL HUNDT

Hermannsson und Marcus Eriksson

gleich zwei Spieler in seinen Reihen

hat, die zumindest offensiv sehr

treffsicher waren und dafür sorgten,

dass die Berliner mit einer beruhigen

52:40-Führung in die Kabine gingen.

Darauf ausruhen konnten sich

die Gastgeber auch nach dem Seitenwechsel

nicht. Erst recht nicht,

weil die Gäste ihrer Linie treu blieben

und es weiter fleißig von der

Dreierlinie probierten. Undvon dort

auch wieder den einen oder anderen

Treffer einstreuen konnten. Der entscheidende

Faktor sollte allerdings

die unterschiedliche Qualität und

Tiefe der beiden Kader sein. Während

die Crailsheimer lediglich mit

zehn Spielern angereist waren und

über weite Strecken der Partie nur

mit acht Spielern durchwechselten,

bekamen zehn Alba-Akteure eine

zweistellige Einsatzzeit. Und inder

gingen sie produktiv zu Werke. Mit

Marcus Eriksson, Martin Hermannsson,

Rokas Giedraitis,LandryNnoko

und Luke Sikma punkteten gleich

fünf Spieler zweistellig. Nach großem

Jubel war aber keinem von ihnen

beim Schlusspfiff zumute.Diesmal

nicht.

Die neue Sicherheit

Alexander Zverev schickt sich in Melbourne an, erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers zu erreichen

VonDoris Henkel, Melbourne

Irgendwie ist es fast ein bisschen

unheimlich, wie souverän

Alexander Zverev dieser

Tage spielt und gewinnt. Aktueller

Eintrag ins Buch der Erfolge ist

ein eindrucksvoller Sieg in drei Sätzen

(6:4, 6:4, 6:4) gegen den bisher

erfolgreichsten Spieler des Jahres,

Andrej Rublew –der vierte Sieg in

drei Sätzen bei den Australian Open

in Melbourne. Beste Voraussetzungen,

um am Mittwoch im Spiel gegen

den Schweizer Stan Wawrinka den

nächsten Coup zu landen und zum

ersten Mal in seiner Karriere das

Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers

zu erreichen; eine Aussicht, die

sich kaum einer vorstellen konnte,

der ihn vor drei Wochen beim ATP

Cupnoch geisterhaft verlieren sah.

Neben Milos Raonic aus Kanada

ist Zverev in Melbourne dieser Tage

der Einzige, der noch keinen Satz

verlor. Auch gegen Rublew schlug er

extrem gut auf, ließ keinen einzigen

Breakball zu und wirkte so sicher,

dass man schon nach weniger als einer

Stunde den Eindruck hatte, dieses

Ding werde ernicht mehr verlieren.

„Ich hab viel dafür gearbeitet,

hab viel dafür getan, damit es besser

wird“, erklärte er eine Stunde nach

dem Sieg. „Jetzt sind nur noch die

besten acht da, und ich freue mich,

dass ich dazugehöre.“

Im Viertelfinale gegen Wawrinka

Wiegroßdie Chance ist, dass er auch

zu den besten vier Spielernder Australian

Open gehören wird? Zweimal

hatte er vorher im Viertelfinale eines

der großen vier Turnieregespielt, bei

den French Open in Paris, doch in

beiden Fällen mit wesentlich mehr

gespielten Sätzen in den Beinen.

2018 beendete er die letzte Partie gegen

Dominic Thiem fast nur auf einem

Bein, 2019 verlor er in drei glatten

Sätzen gegen Novak Djokovic.

Nunwirderesnicht mit den nächsten

Russen zu tun haben, sondernmit einen

fast wie zu besten Zeiten spielenden

Schweizer. Stan Wawrinka war

beim Sieg gegen Daniil Medwedew

(6:2, 2:6, 4:6, 7:6, 6:2) beeindruckend

in Form.AmEnde fehlte Medwedew,

der noch nie ein Spiel in fünf Sätzen

gewonnen hatte, sichtlich die Energie,umWawrinka

aufzuhalten, der in

Spielen über die volle Distanz eine gewisse

Erfahrung hat; es war sein 51.

Match über fünf Sätze.

Zur Frage, obersich überrascht

sei, dass er gegen Wawrinka und

nicht gegen den in der Weltrangliste

Mit weißer Weste in die Runde der letzten acht: Alexander Zverev.

STRUFF IM DOPPEL-VIERTELFINALE

Gewonnen: Jan-Lennard Struff steht bei den

Australian Open im Viertelfinale des Doppelwettbewerbs.

Mit seinem Partner Henri Kontinen

(Finnland) besiegte der Warsteiner Simone

Bolelli/Benoit Paire (Italien/Frankreich)

mit 7:5, 6:3 und trifft nun auf die an

Nummer elf gesetzten RajeevRam/Joe Salisbury(USA/Großbritannien).

GETTY IMAGES/TRAYNOR

Gescheitert: Das deutsche Erfolgsdoppel

Kevin Krawietz/Andreas Mies (Coburg/Köln)

war in Melbourne bereits in der ersten Runde

ausgeschieden. Die an Nummer drei gesetzten

French-Open-Sieger und US-Open-Halbfinalisten

von2019 unterlagen den Kasachen

Alexander Bublik/Michail Kukuschkin

mit 3:6, 6:7 (7:9).

Der Hawaiianer,der aus der Kälte kommt

auf Platz vier stehenden Medwedew

spielen werde, meinte Zverev:

„Überrascht? Nein. Stan ist ein

Champion, jemand, der die größten

Matches gewinnen hatte. Aber hab’

ich es vordem Match erwartet? Auch

nein.“

Boris Becker hatte neulich über

Stan Wawrinka gesagt, dass der nach

zwei höchst komplizierten Knie-

Operationen im August 2017 überhaupt

noch dabei sei, sei ein kleines

Wunder.„Hätte er nicht die Leidenschaft

für den Sport und wäre er

nicht so ein starker Mann, dann

würde er heute nicht mehr Tennis

spielen.Wenn er gesund ist, ist er immer

einer, der für Furore bei einem

Grand-Slam-Turnier sorgen kann.“

Kerber scheitertimAchtelfinale

Zverev startete mit Verve und

Schwung in die nächste Partie, für

Angelique Kerber endete das Unternehmen

Australian Open 2020 mit einer

Niederlage in drei Sätzen gegen

Anastassija Paljutschenkowa (7:6, 6:7,

2:6). Sie hatte das Pech, an diesem

kühlen Abend in Melbourne der besten

Version der Russin zu begegnen.

Die wirkte von Anfang bis Ende extrem

konzentriert, schoss aus allen

Rohren und machte bisweilen den

Eindruck, als könne sie mit geschlossenen

Augen einen Bierdeckel treffen.

In den etwas mehr als zweieinhalb

Stunden der Partie schlug sie 71„winner“

und nur 36 sogenannte „unforced

errors“, und ein Plus von 35in

dieser Rechnung sieht man nicht alle

Tage.Auch Kerber lag im Plus (35/29),

allerdings nur bei den Zahlen. „Ich

habe alles auf dem Platz gelassen, was

ich konnte“, sagte sie hinterher,

„mehr war nicht drin.“

Die Verletzung auf der Rückseite

des linken Oberschenkels machte

sich auch in diesem Spiel in manchen

Momenten bemerkbar, und oberste

Priorität in den nächsten Wochen hat

nun der Plan, diese Verletzung endlich

auszukurieren. Sie will erst wieder

spielen, wenn alles wirklich in

Ordnung ist, egal, ob das in zwei Wochen

der Fall sein wirdoder ob es länger

dauert. Am 7. und 8. Februar geht

es in der ersten Fed-Cup-Runde gegen

Brasilien. Eine Entscheidung

über ihre Teilnahme wolle sie erst

nach einem Gespräch mit Teamkapitän

Rainer Schüttler treffen. Natürlich

verabschiedete sie sich nicht

frohgemut vom Stadion und der

Stadt, in der sie vorvier Jahren ihren

ersten Grand-Slam-Titel gewonnen

hatte. Aber sie wusste, dass sie alles

versucht hatte,was möglich war.

Volleyballer Erik Shoji spielt bei Fakel Novy Urengoi in Sibirien. Dort ist es so eisig, dass die Volleyballer in Moskau wohnen

VonKarin Bühler

InNovyUrengoi gibt es keine Fernstraßen,

die die westsibirische

Stadt mit dem restlichen Russland

verbinden. In Novy Urengoi gibt es

auch keine Volleyballer, obwohl der

örtliche Klub zu den Topmannschaften

der russischen Liga gehört. „Wir

Spieler wohnen in Moskau und fliegen

dreieinhalb Stunden zu jedem

Heimspiel, weil es im Winter dort

sehr, sehr kalt werden kann“, sagt

Erik Shoji.

Der Libero wurde 2016 mit den

Berlin Volleys Deutscher Meister,Pokalsieger

und CEV-Pokal-Sieger, außerdem

mit der US-Nationalmannschaft

Olympiadritter. Er wuchs in

Honolulu auf Hawaii auf. Jetzt spielt

er schon die dritte Saison in Sibirien.

„Nach acht Jahren in Europa bin ich

die Kälte immer mehr gewohnt, außerdem

stattet uns der Klub ja mit

warmen Anoraks und Kleidernaus“,

sagt Shoji.

In NovyUrengoi gibt es keine Palmen

wie auf Hawaii. Surfen ist nicht

angesagt. Dafür hatte es „vorige Woche

Minus 42 Grad Celsius“, erzählt

Freut sich auf Plusgrade in Berlin: Erik Shoji.

Shoji. „Nur fünf Minuten draußen zu

sein, kann schon schwierig werden,

dein Gesicht friert ein, alles, was du

in der Nase hast, friertein.“

Novy Urengoi, mehr als 100 000

Einwohner, gilt als Hauptstadt der

russischen Gasförderung. Die drei

Unternehmen Urengoigasprom,

Jamburggasdobytscha und Tjumenburgas,

die zum Gazprom-Konzern

gehören, liefern das Gros der russi-

IMAGO IMAGES/KLEPACZKO

schen Gasproduktion. Es gibt also

eine Menge Kapital in der Region Jamal-Nenzen.

Das macht sich im Kader

und bei der Bezahlung der Volleyballer

vonFakel NovyUrengoi bemerkbar,

die am Dienstagabend

(19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) in

der Gruppenphase der Champions

League in Berlin antreten.

Neben Shoji, 30, gehören die Außengreifer

Egor Kliuka und Dimitri

Volkov, beide russische Nationalspieler,

zuden herausragenden Profis.

Das Hinspiel in Sibirien verloren

die Berliner 0:3. „Aber da waren

Patch und Le Goff nicht dabei“,

schränkt Shoji ein. „Ich weiß, wie gut

die Berliner in der Max-Schmeling-

Halle sein können. Es ist ein besonderer

Ortund ich freue mich darauf,

wieder vordiesen Fans zu spielen.“

Zuletzt besiegte Fakel das Team

von Zenit Kasan in der russischen

Liga mit 3:1, am Sonnabend verlor

Fakel zu Hause 1:3 gegen Kemerowo,

den Klub, der in der Champions

League mit sieben Punkten vorFakel

(6), Berlin (3) und Ljubljana (2) liegt.

Nurmit einem Heimsieg können die

BR Volleys vielleicht die K.-o.-Phase

der Champions League erreichen.

Da könnte es für sie von Vorteil

sein, dass am Flughafen von Novy

Urengoi manchmal Flüge ausfallen.

Der von Fakel nach Moskau am Wochenende

etwa. Statt am Sonntagnachmittag

kam das Team erst am

Montagvormittag in Berlin an. „Es

war nicht die beste Anreise“, sagt

Shoji, „aber ich bin begeistert, wieder

hier zu sein.“

NACHRICHTEN

DFB reduziertDerby-Strafe

für den 1. FC Union

FUSSBALL DasDFB-Sportgericht

senkte die Strafe für den 1. FC Union

für die Randale beim Derbygegen

Hertha BSC von158 000 auf 140 000

Euro.47000 Euro,also etwa ein Drittel

der Strafe,kann der Verein für sicherheitstechnische

und gewaltpräventiveMaßnahmen

verwenden

und muss dies dem DFB bis zum 30.

Juni 2020 nachweisen. Ob die Eisernen

das Urteil anerkennen, ist offen.

Klopp schwänzt mit den Reds

Wiederholungsspiel im Pokal

FUSSBALL. Jürgen Klopp will das

Wiederholungsspiel seines FC Liverpool

im FA Cupgegen Shrewsbury

Town schwänzen und seine U23 um

den Achtelfinal-Einzug kämpfen lassen.

Nach dem 2:2 beim Drittligisten

soll das nötige Wiederholungsspiel

nun am 4. Februar stattfinden. Vom

2. bis 15. Februar hat die Premier

League aber erstmals Winterpause.

„Wir werden nicht da sein“, sagte

Klopp.„Wirmüssen die Gesundheit

der Spieler respektieren.“ Wenn die

FA das nicht akzeptiere, „können wir

es nicht ändern“.

Handballer müssen zunächst

gegen die Schweden ran

HANDBALL. Diedeutschen Männer

treffen zum Auftakt der Olympia-

Qualifikation vom17. bis 19. Aprilin

der Berliner Max-Schmeling-Halle

auf Schweden. Am Sonnabend (18.

April) steht das Duell gegen Slowenien

an, ehe es am Sonntag gegen Algerien

geht. Diebeiden ersten Teams

des Turniers sind in Tokio dabei.

ZAHLEN

Fußball

Bundesliga, 20. Spieltag

Werder Bremen -TSG Hoffenheim 0:3 (0:0)

BayerLeverkusen -Fortuna Düsseldorf 3:0 (1:0)

1. RB Leipzig 19 51:23 40

2. Bayern München 19 55:22 39

3. Borussia Mönchengladbach 19 36:21 38

4. Borussia Dortmund 19 51:28 36

5. BayerLeverkusen 19 30:22 34

6. Schalke04 19 31:26 33

7. TSG Hoffenheim 19 29:30 30

8. SC Freiburg 19 29:26 29

9. Eintracht Frankfurt 19 31:30 24

10. VfL Wolfsburg 19 20:23 24

11. 1. FC Union 19 23:27 23

12. FC Augsburg 19 31:38 23

13. Hertha BSC 19 24:34 22

14. 1. FC Köln 19 23:38 20

15. FSV Mainz 05 19 27:44 18

16. Werder Bremen 19 24:44 17

17. SC Paderborn 19 23:40 15

18. Fortuna Düsseldorf 19 18:40 15

Zweite Liga, 19. Spieltag

Arminia Bielefeld -VfL Bochum Di., 18.30

Jahn Regensburg -Hannover96 Di., 20.30

SpVgg Greuther Fürth -FCSt. Pauli Di., 20.30

Wehen Wiesbaden -ErzgebirgeAue Di., 20.30

VfB Stuttgart-1.FCHeidenheim Mi., 18.30

Holstein Kiel -Darmstadt 98 Mi., 20.30

Dynamo Dresden -Karlsruher SC Mi., 20.30

VfL Osnabrück -SVSandhausen Mi., 20.30

Hamburger SV -1.FCNürnberg Do., 20.30

Tennis

Australian Open

Frauen, Achtelfinale: Anastasia Pawljutschenkowa

(Russland/30) -Angelique Kerber (Kiel/17)

6:7 (5:7), 7:6 (7:4), 6:2; Simona Halep (Rumänien/4)

-Elise Mertens (Belgien/16) 6:4, 6:4;

Garbine Muguruza (Spanien) -Kiki Bertens (Niederlande/9)

6:3, 6:3; Anett Kontaveit (Estland/28)

-Iga Swiatek (Polen) 6:7 (4:7), 7:5, 7:5

Männer,Achtelfinale: Alexander Zverev(Hamburg/7)

-Andrej Rubljow(Russland/17) 6:4, 6:4,

6:4; Rafael Nadal (Spanien/1) -Nick Kyrgios

(Australien/23) 6:3, 3:6, 7:6 (8:6), 7:6 (7:4);

Stanislas Wawrinka (Schweiz/15) -Daniil Medwedew(Russland/4)

6:2, 2:6, 4:6, 7:6 (7:2), 6:2;

Dominic Thiem (Österreich/5) -Gael Monfils

(Frankreich/10) 6:2, 6:4, 6:4


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 – S eite 18

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Sport

Handball

Alt und

schlau

Michael Wilkening

sieht Spanier,die sich dem

Trend widersetzen.

Die spanischen Handballer haben

am Sonntag in einem dramatischen

Finale durch ein 22:20

(12:11) gegen Kroatien ihren EM-Titel

verteidigt –und die Helden waren

immer noch dieselben wie beim Titelgewinn

zwei Jahrezuvor.ImFinale

in Stockholm waren 13 Akteuredabei,

die schon einmal, durch ein 29:23 gegen

Schweden, die EM gewonnen

hatten. Neben Kapitän Raúl Entrerrios,

38, befinden sich auch Julen

Aguinagalde, 37, Daniel Sarmiento,

Viran Morros, beide 36, Gedeon Guardiola,

35, und Joan Canellas,33, im

Herbst ihrer Laufbahn. Insgesamt

stellten die Spanier mit 31,2 Jahren

den im Schnitt ältesten Kader dieser

EM.

Mit Cleverness und einer speziellen

Motivation setzten sich die Iberer

durch. Es gab schließlich einen Antrieb

der besonderen Art, diesen Titel

zu gewinnen, denn der Europameister

ist direkt für die Olympischen

Spiele qualifiziert. 2016 standen die

Spanier im EM-Endspiel, verloren in

Krakau gegen eine entfesselt aufspielende

deutsche Mannschaft, mussten

deshalb ein Olympia-Qualifikationsturnier

bestreiten –und scheiterten.

„Für viele von uns ist Tokio die letzte

Chance auf Olympia“, sagte Guardiola.

Das Quali-Trauma hing in den

Köpfen und nur der EM-Titel konnte

ein neuerliches Drama abwenden.

Auf dem Wegzum EM-Titel und

der direkten Olympiaqualifikation

stellten die Spanier dabei die Entwicklung

des Handballs in Frage.Seit

einigen Jahren geht die Tendenz der

Sportartimmer mehr in Richtung Geschwindigkeit.

Das Tempospiel ist

modern und als Paradebeispiel werden

die Norweger gepriesen, die ihren

Gegner mit schnellen Sprints

nach vorne zermürben wollen. Die

Skandinavier laufen mehr und

schneller als ihre Kontrahenten, versuchen

sie dabei zu ermüden, um

schnell und einfach zu eigenen Treffern

zukommen. Durch den perfekten

Einsatz der sogenannten„Schnellen

Mitte“ haben sich die Norweger

zu einer Topmannschaft entwickelt,

wurden Dritter der EM und zuvor

zweimal Vize-Weltmeister. Für große

Titel hat es aber noch nicht gereicht,

im Gegensatz zu den Spaniern.

Gold in Tokio soll es sein

DasTeam von Jordi Ribera setzte auf

ein anderes Spielkonzept. Bei Ballgewinnen

in der Abwehr sprinteten die

Außen nach vorne und hofften auf

Tore im Gegenstoß, die Mitspieler

verzichteten aber auf das Tempospiel.

Anhand des Alters der Leistungsträger

wäre esnicht schlau gewesen,

auf diese Weise Kräfte zu verschwenden.

Die Spanier, übrigens

ganz ähnlich wie der Finalgegner

Kroatien, setzten auf eine altbekannte

und bewährte Taktik. Der Fokus

lag dabei auf einer starken und

flexiblen Deckung. Entweder sollte

eine aggressive 5+1-Variante für

Stress beim Gegner sorgen oder eine

6:0-Formation keine Lücken offenbaren.

Im Angriff setzten die Iberer auf

die individuelle Qualität von Entrerrios,

Sarmiento, Canellas oder Alex

Dujshebaev,der sich als einziger Leistungsträger

im Rückraum noch nicht

jenseits der 30er-Grenzebefindet.

In ein paar Monaten werden Entrerrios

und ein paar seiner Mitstreiter

ihre internationale Laufbahn beenden.

Vorher haben die alten Männer

aber noch ein großes Ziel vor Augen:

olympisches Gold. Undauf dem Weg

dahin werden sie sicher auf Tempo-

Handball verzichten.

Eine Gedenktafel erinnertdaran, dass der DFB vor 120 Jahren in Leipzig gegründet wurde.

Gefordert wie noch nie

DerDFB feiert seinen120.Gründungstag. Die Aufgabenfür denVerband könnten indes kaumkomplexer sein

VonFrank Hellmann, Frankfurt

Es ist mittlerweile schon

wieder zwei Jahrzehnte her,

dass der ehemalige DFB-

Präsident Egidius Braun im

Beisein des damaligen Leipziger

Oberbürgermeisters Wolfgang Tiefensee

eine Gründertafel an der einstigen

Gaststätte „Zum Mariengarten“

enthüllte. Inder heutigen Büttnerstraße

in Leipzig steht die Wiege

des Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Eine erste Sitzung war noch ergebnislos

verlaufen, ehe es am 28. Januar

1900 zur Gründung mit dem

ersten Präsidenten Ferdinand Hueppe

kam. Getrieben vom Wunsch,

für den aus England nach Deutschland

geschwappten Fußballsport einen

strukturierten Spielbetrieb und

verbindliche Regeln einzuführen. Es

konnte doch nicht sein, dass Seile

die obereBegrenzung der Tore bildeten.

Ordentliche Holzlatten sollten

es bitteschön sein.

120 Jahre später sind die Herausforderungen

andere. Am Dienstag

wird DFB-Präsident Fritz Keller in

feierlichem Rahmen über derlei

Themen sprechen. Der erfolgreiche

Winzer und Gastronom vom Kaiserstuhl

ist als Ehrengast in der sächsischen

Boomstadt gerne gesehen,

nachdem seine Vorgänger viel Kredit

verspielt haben: Der wohl nie mehr

gänzlich aufzuklärende Skandal um

die Weltmeisterschaft 2006 hat dem

größten Einzelsportverband derWelt

Der tief gefallene Traditionsklub

RW Erfurt erlebte einen turbulenten

Wochenstart. Eigentlich sollten

beim früheren DDR-Oberliga-

Meister am Montag die Lichter ausgehen,

doch plötzlich gab es wieder

Hoffnung für den Viertligisten. Insolvenzverwalter

Volker Reinhardt verkündete

am späten Sonntagabend,

der Klub werdedoch nicht vomSpielbetrieb

abgemeldet. Er verhandele

noch mit einem möglichen Sponsor.

„Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen,

es könnte sich hier aber

eine positiveLösung abzeichnen“, so

Reinhardt.

Auch das Heimspiel am Sonnabend

gegen Tabellenführer Energie

Cottbus (16.00 Uhr/MDR) soll stattfinden.

Kommt es am Ende aber doch

genauso geschadet wie die häufigen

Rochaden an der Spitze. 25 000 Vereine,

150 000 Mannschaften und

mehr als sieben Millionen Mitglieder

benötigen einen glaubwürdigen Repräsentanten.

Vermutlich dürfte der 62-Jährige

auch den Bogen zum düstersten Kapitel

der Geschichte schlagen, nachdem

er bereits an das Holocaust-Gedenken

erinnerte: Weil sich der von

1942 bis 1945 amtierende DFB-Präsident

Fritz Linnemann

an der Vorstufe

der Deportationen

von Sinti und Roma

nach Auschwitz beteiligt

hatte,forderte Keller,„dass

dieseVerbrechen

niemals in Vergessenheit

geraten.

Gerade heute, dasich

nicht jeder in

Deutschland daran

erinnern will.“ Obgleich

das 13. Oberhaupt

in der DFB-Geschichte in seiner

Machtfülle arg beschnitten ist,

hält das Keller nicht davon ab, wieder

mehr der gesellschaftlichen Verantwortung

gerecht zu werden und

Rassismus, Diskriminierung oder

Gewalt aktiv zu bekämpfen.

Die Aufgaben für den Verband

könnten komplexer kaum sein. Man

will einerseits das letzte Lagerfeuer

für die Gesellschaft sein, muss andererseits

die Nationalmannschaften

Männer und Frauen zurück in die

DFB-Präsident

Fritz Keller.

Weltspitze bringen. Aber: Immännlichen

Nachwuchsbereich gelten

überzogene taktische Ausbildung,

mangelnde Individualität und fehlendes

Durchsetzungsvermögen als

Kernprobleme, bei den Frauen gelingt

es bis heute kaum, Mädchen

mit Migrationshintergrund zu gewinnen.

Große Hoffnungen werden

in das vom für die Nationalmannschaften

und die Akademie zuständigen

Direktor Oliver Bierhoff verantwortete

Projekt

Zukunft gesetzt. Der

nach demWM-Desaster

2018 selbst unter

Beschuss geratene

ehemalige Nationalstürmer

hat seinen

Platz im Verband wieder

sicher und mit

FC Rot-Weiß Chaos

Die Rettung des Erfurter Traditionsklubs hängt am seidenen Faden

nicht zu einer Einigung, müsste sich

der Verein aus der Regionalliga zurückziehen.

Erfurt stünde als erster

Absteiger fest und müsste im Sommer

in der 5. Liga (Oberliga) starten.

BizarreSituation

Für die Spieler ist die Situation bizarr.

Siehatten mit RW Erfurtschon abgeschlossen,

ihre Spinde geräumt und

die Mannschaftskasse aufgelöst. Am

Montag war nur noch Trainer Robin

Krüger auf dem Trainingsgelände anzutreffen.

„Wenn wir ein positives

Zeichen vom Insolvenzverwalter bekommen,

geht es wieder los“, sagte

Krüger der Thüringer Allgemeinen.

Voraussetzung dafür ist aber,dass

die noch ausstehenden Dezember-

Gehälter bezahlt werden. Reinhardt

IMAGO IMAGES/SIMON

hatte die fehlenden Überweisungen

damit begründet, dass der Hauptsponsor

seine Zahlungen eingestellt

hat. Der Hauptsponsor liegt mit

Reinhardt über Kreuz und hatte vor

dem Amtsgericht bereits seine Ablösung

beantragt –vergeblich.

Angesichts der tiefen Grabenkämpfe

schloss auch Erfurts Oberbürgermeister

Andreas Bausewein

weitere Finanzhilfen aus. Der Klub

ist angeblich bei der Zahlung der Stadionmiete

an die Kommune im

Rückstand. „Wir haben in den letzten

Monaten und Jahren das geleistet,

was zu leisten war.Mehr wirdan

dieser Stelle nicht gehen“, sagte Bausewein

dem MDR.

DenErfurter Fans tut der Absturz

besonders weh. Viele Jahrzehnte

IMAGO IMAGES/OPUKUPIX

dem Akademieleiter

Tobias Haupt einen

der klügsten Köpfe an

seiner Seite, der beim

Erneuerungsprozess

die Bundesliga einbezieht: Ohne den

bezahlten Fußball kommen gravierende

Veränderungen nicht mehr

zustande, dafür sind die Vereine inzwischen

zu mächtig.

Der DFB braucht eine starke Nationalmannschaft

allein aus wirtschaftlichen

Gründen: Bei fast 400

Millionen Euro Jahresumsatz ist sie

das große Zugpferd. Insofern ist intern

die Rolle von Generalsekretär

Friedrich Curtius nicht zu unterschätzen,

der einer DFB GmbH vorsteht,

die den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb

lenken soll. Ohne die

Abkoppelung von den ideellen Tätigkeiten

wäreübrigens auch die Gemeinnützigkeit

in Gefahr geraten.

Beim Umstrukturierungsprozess für

die rund 500 Mitarbeiter dient die

Deutsche Fußball Liga (DFL) mittlerweile

als Rat- und Taktgeber.

Der mit strategischer Weitsicht

gesegnete DFL-Chef Christian Seifert

saß in der Findungskommission

des neuen Präsidenten und hatte

Kernthemen des Verbandes zur zentralen

Botschaft seiner Neujahrsansprache

gemacht. Dass der DFB in

den internationalen Gremien beim

Weltverband (Fifa) und der Europäischen

Fußball-Union (Uefa )anEinfluss

verloren hat, ist unstrittig. Fraglich

nur, ob Vizepräsident Rainer

Koch bald tatsächlich wieder mehr

deutsche Interessen einpflegen

kann, wo Fifa und Uefa in Machtkämpfe

um immer mehr Wettbewerbe

und immer größereProfite gefangen

sind.

Beim DFB will sich Präsident Keller

seinen Kernthemen widmen: der

Wertevermittlung und Persönlichkeitsbildung

von Kindern und Jugendlichen,

der Stärkung des Ehrenamts

und nicht zuletzt einer geringeren

Kluft zwischen Amateuren und

Profis. Überdies gehören auch die

Frauen für ihn immer mit ins Boot.

Sein Credo: Im Fußball ist alles eins.

Eine fast zeitlos klingende Maßgabe

für die nächsten Jahrzehnte.

spielte ihr Klub oben mit, wurde unter

dem Namen SC Turbine Erfurt

1954 und 1955 sogar DDR-Meister.

1966 folgte die Neugründung als FC

RW Erfurt, auch in den folgenden

Jahren blieben die Thüringer

Stammgast in der Oberliga.

Nach der Wende spielte der Klub,

der Nationalspieler wie Thomas

Linke und Clemens Fritz hervorbrachte,

ein Jahr in der Zweiten Liga

und im Uefa-Cup. 2008 war man

Gründungsmitglied der Dritten Liga

und hielt sich dortals Dauerbrenner

bis 2018. Doch eine handfeste Führungskrise

leitete den Absturz ein.

Als der Abstieg im März 2018 feststand,

meldete der Klub Insolvenz an

– seitdem reißen die Negativmeldungen

nicht mehr ab. (sid)

Nur ein

kurzes

Intermezzo

Lucas Tousart weilt zum

Medizincheck in Berlin

Esist kurios und bezeichnend zugleich,

was sich im Moment bei

Herthas kickenden Angestellten abspielt.

Gleich zwei Meldungen sorgen

für Aufregung: Der französische

Mittelfeldspieler Lucas Tousart, 22,

wurde am Montag in Berlin gesichtet,

wo er sich dem obligatorischen

Medizincheck unterzog, dem in der

Regel eine Vertragsunterschrift folgt.

Hertha umwirbt den Mann vom

Champions-League-Teilnehmer

Olympique Lyon seit Wochen.

Durchaus im Zusammenhang

mit diesem Transfer ist Meldung

Nummer zwei zu sehen. Mittelfeldmann

Arne Maier,21, will den Verein

unbedingt verlassen – am besten

noch vordem Transferschluss am 31.

Januar.Maier,einst als Herthas größtes

Talent gepriesen, sieht seine Zukunft

offenbar nicht mehr in Berlin.

Grundist die aktuelle Kaderplanung

unter Trainer Jürgen Klinsmann.

Nach der Verpflichtung des defensivenMittelfeldspielers

Santiago Ascasibar

für zwölf Millionen Euro Ablöse

vomVfB Stuttgart und dem Wechsel

Tousarts sieht Maier keine Chance

mehr für sich. Hertha BSC will ihn

aber offensichtlich nicht ziehen lassen,

wie Manager MichaelPreetzam

Montag gegenüber dem Bezahlsender

Sky noch einmal zu verstehen

gab. Maier soll sich dem Konkurrenzkampf

im Mittelfeld stellen.

24 Millionen Euro Ablöse

Zurück zum Franzosen Tousart, der

in Deutschland weitgehend unbekannt

ist. Es heißt, er soll in Berlin einen

Vertrag bis 2025 bekommen,

aber wohl erst einmal für die weitere

Rückrunde an Lyon „zurück verliehen“

werden. Eineherseltenes Konstrukt,

da Lyon zahlreiche Verletzte

zu beklagen hat. Ab Sommer soll er

Hertha verstärken.

2015 war Tousart von Valenciennes

für 2,6 Millionen Euro nach Lyon

gewechselt (Vertrag bis 2023) und

zur Stammkraft aufgestiegen. Es ist

das Gesamtpaket, das bei Tousart

überzeugt. Laut französischer Medien

besitzt er eine sehr gute Technik

und gefällt mit großer Zweikampfstärke.

Ersei taktisch sehr gut geschult,

kann ein Spiel im Mittelfeld

lenken. Auch sein Kopfballspielwird

gelobt. Wenn es zur Verpflichtung

kommt, wird der Franzose Dodi Lukebakio

als teuersten Hertha-Profi

ablösen. Der kostete im Sommer

2019 zwanzig Millionen Euro Ablöse,

Tousartsoll 24 Millionen kosten.

MitProfis aus Frankreich hat Hertha

nur wenige Erfahrungen sammeln

können. Stürmer Ibrahima

Traoré, Nationalspieler von Guinea,

aber in Frankreich geboren und mit

französischem Pass unterwegs, kam

unterTrainer Lucien Favre zueinem

Bundesligaeinsatz. Abwehrriese

Christopher Samba, in Frankreich

geboren und mit kongolesischen

Wurzeln, spielte 2007 zwanzig Mal

für Hertha.Nun also Tousart. (mj.)

ZweikampfstarkerFranzose für Hertha:

Lucas Tousart.

AFP/VENANCE


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 – S eite 19 *

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Feuilleton

Neue Serie im ZDF:

Mit der „WaPoBerlin“

auf Havel und Spree

Seite 21

„Was hat das mit Brittens persönlichen Obsessionen zu tun?“

Peter Uehling über „A Midsummer Night’sDream“ander Deutschen Oper Seite 21

Klima

Hoffnung –

aber anders

Er hat es schon wieder getan.

Nachdem ihm bereits zwei Versuche,

sich kritisch mit dem apokalyptischen

Denken der Klimaaktivisten

auseinanderzusetzen, den Vorwurfeingebracht

hatten, ein schlimmer

Leugner des Klimawandels zu

sein, meldet sich der amerikanische

Schriftsteller Jonathan Franzen nun

mit Interviews und einem kurzenEssay

zum Thema zurück. „Gestehen

wir uns ein“, lautet der provokante

Untertitel des kleinen Büchleins,

„dass wir die Klimakatastrophe nicht

verhindern können.“ (Rowohlt, 60

Seiten, 8Euro)Soll das etwa der Aufrufzueinem

etwas fröhlicheren Umgang

mit den bevorstehenden Naturkatastrophen

sein?

Natürlich nicht. DerHobby-Ornithologe

Franzen hat wiederholt auf

Paradoxien aufmerksam gemacht,

die er zum Anlass für die Warnung

nahm, den Klimaschutz nicht gegen

den Erhalt der Artenvielfalt auszuspielen.

Nur wenn die Natur, so

Franzen,„als eine Ansammlung konkreter

bedrohter Lebensräume begriffen

wirdstatt als abstraktes Ding,

das stirbt, lässt sich die vollständige

Denaturierung der Welt verhindern.“

Im Furor der „5-vor-12“-Rhetorik

jedenfalls spiele etwas wie der

Vogelschutz keine Rolle.

Franzen ist weit davon entfernt,

die wissenschaftlichen Erkenntnisse

über Erderwärmung und Wetterveränderungen

in den Wind zu schlagen.

Mitseiner vermeintlich fatalistischen

Frage „Wann hören wir auf,

uns etwas vorzumachen?“ möchte er

vielmehr jene Kräfte der Differenzierung

mobilisieren, die in einer von

Untergangsängsten getriebenen

Weltsicht arg geschwächt scheinen.

Einer falschen Hoffnung auf Rettung,

die ausbleiben könnte,möchte

er einen konkreten Optimismus des

umweltpolitischen Handelns entgegensetzen.

„Dem Klimawandel den

totalen Krieg zu erklären war nur

sinnvoll, solange er sich noch gewinnen

ließ. Sobald wir akzeptieren,

dass er bereits verloren ist, gewinnen

anders geartete Maßnahmen an Bedeutung.“

Bedroht sind nämlich

nicht nur Lebensräume, sondern

auch eine das Tunund Lassen der

Menschen ermöglichende und regulierende

Demokratie.

DiePointe vonFranzens Essay ist

ganz und gar nicht resignativ.Umsie

zu verstehen, sollte man sich die zwei

Stunden gründlicher Lektüre unbedingt

nehmen. Man gewinnt darin

eine Hoffnung, die das soziale Handeln

frei machen soll im Kampf gegen

die kommenden Bedrohungen.

Der Autor Jonathan Franzen

Harry Nutt

empfiehlt, Jonathan Franzen

gründlich zu lesen.

IMAGO IMAGES

Sasha Waltz kam ein Jahr nach Johannes Öhman zum Staatsballett, will sie jetzt vielleicht doch länger bleiben?

Macht sie doch weiter?

Sasha Waltz und Johannes Öhman legen ihre Rücktrittserklärung als Staatsballett-Intendanten neu aus

VonMichaela Schlagenwerth

Von diesem Desaster wird

sich Sasha Waltz nicht wieder

erholen. Das war bis

Montagvormittag die Meinung

über die in Berlin ansässige

Choreografin, die mit ihrer Compagnie

seit über zwanzig Jahren internationale

Bekanntheit genießt und seit

fünf Monaten als Co-Intendantin

des Berliner Staatsballetts amtiert.

Dann kam eine kurzfristig einberufene

Pressekonferenz, und jetzt

scheint alles wieder ganz anders zu

sein und Waltz als unschuldiges Opfer

dazustehen. Um diese Wandlung

zu verstehen, muss kurz die Vorgeschichte

erzählt werden.

Vergangene Woche wurde bekannt,

dass das Staatsballett-Intendanten-Duo,

bestehend aus dem

Schweden Johannes Öhman und

Sasha Waltz, zum Ende des Jahres die

Intendanz niederlegen wird. Ein absurder

Vorgang. Denn eigentlich

hatte diese gemeinsame Intendanz

gerade erst begonnen, und die Verträge

laufen noch bis zum Jahr 2025.

Als großes Modellprojekt war diese

Staatsballett-Doppelspitze deklariert

worden. Nicht nur, weil sich da zwei

das Amt teilen wollten, sondern vor

allem, weil sie gemeinsam das größte

Ballettensemble Deutschlands zu einer

Compagnie aufbauen wollten, in

der klassischer und zeitgenössischer

Tanz miteinander fusioniert werden.

Die Tänzer des Staatsballetts liefen

damals gegen diesen Plan Sturm, die

Wellen schlugen enorm hoch. Und

dann? Lief alles super!

Gleich die erste zeitgenössische

Premiere, Sharon Eyals radikales

„Half Life“, war ein fulminanter Erfolg.

Ebenso aber auch die klassische

Neuinszenierung der „Bajadere“

durch den Choreografen-Superstar

Alexei Ratmansky. Das Publikum

strömte wie schon viele Jahre nicht

mehr herbei. Und zwar nicht nur in

die großen Ballettklassiker, die sowieso

immer ein Selbstläufer sind,

sondern gerade auch in die zeitgenössischen

Stücke. Die Tanzkritik

kürte das Staatsballett zur Compagnie

des Jahres. Das von allen Seiten

kritisch beäugte Projekt schien zu

gelingen. Öhman war seit 2018/19

zunächst interimistisch allein im

Amt, Waltz ist erst im vergangenen

August dazugestoßen und entwickelt

gerade „Sym-Phonie“, ihre

erste große Uraufführung. Wieso

werfen da die Intendanten hin?

Unverständnis, Wut, Enttäuschung

waren die ersten Reaktionen.

DieTänzer des Ensembles schrieben

einen offenen Brief. Manhatte ihnen

einen radikalen Wechsel zugemutet,

neue, ganz anders geschulte Tänzer

engagiert, die von überall aus der

Welt nach Berlin gezogen sind. Und

jetzt, praktisch kurz nach Beginn,

wirdalles wieder abgeblasen?

Noch letzte Woche hieß es, dass

weder Waltz noch Öhman zu den

Vorgängen Stellung nehmen werden.

Für alle Fragen wurde auf eine

Spielplan-Pressekonferenz im März

verwiesen. Am Freitagnachmittag

kam dann doch eine Einladung zu

besagter Pressekonferenz.

Öhman nimmt bei der Gelegenheit

alle Schuld auf sich, ohne auch

nur den Hauch einer Begründung

für seine Entscheidung zu geben:

„Vor Weihnachten wurde mir die

Stelle als künstlerischer und geschäftsführender

Direktor in Stockholm

angeboten“, heißt es in seinem

Statement.„Nachdem ich sowohl die

Verantwortung meiner Arbeit gegenüber

als auch die Verantwortung, die

sich aus meiner privaten Situation

ergibt, sorgfältig abgewogen habe,

habe ich mich entschieden, das Angebot

aus Schweden anzunehmen.

Diese Entscheidung habe ich allein

getroffen.“ Nun steht er als rücksichtsloser

Karrierist da. Hinter

Sasha Waltz’ Rücken hat er mit dem

Stockholmer Dansens Hus verhandelt,

dann den Kultursenator Klaus

Lederer um vorzeitige Vertragsauflösung

gebeten − und danach seine

Partnerin Sasha Waltz vorvollendete

Tatsachen gestellt: Im März schon

wird Öhman parallel zu Berlin in

Stockholm seine Arbeit aufnehmen

und das Staatsballett zum Ende des

Jahres verlassen.

„Diese Situation hat mich überfordert

und überfahren“, sagt Sasha

Waltz und wartet mit einer überraschenden

Korrektur auf: Der Ein-

„Ich habe mich von den Ereignissen

überrumpelt gefühlt und konnte keinen Einfluss

auf den Zeitpunkt der Auflösung

unserer Intendanz mehr nehmen. Die Ereignisse

haben sich überschlagen.

In meiner Verantwortung gegenüber dem

Staatsballett werde ich in Ruhe und

ohne Zeitdruck eine Entscheidung über das Ende

meiner Amtszeit fällen.“

Aus dem Statement von Sasha Waltz

druck, der in der Presseerklärung der

vergangenen Woche entstanden sei,

dass auch sie zum Ende des Jahres

hinwerfe, sei falsch. Sie werde die

Compagnie nicht im Stich lassen und

bleiben, so lange es erforderlich sei.

Eine alleinige Intendanz sei für sie allerdings

nicht vorstellbar. Denn sie

wolle weiter als Künstlerin arbeiten

und brauche darüber hinaus einen

Partner,der im klassischen Bereich zu

Hause sei. Dass es ihr nochmal gelingen

werde, einen solchen Partner zu

finden, könne sie sich allerdings nicht

recht vorstellen. Denn Öhman kenne

sich auf besondere Weise im Klassischen

wie im Zeitgenössischen aus.

Beide Noch-Intendanten wirken

angegriffen. Man kann regelrecht

zuschauen, wie sich in der knappen

halben Stunde die Ablehnung gegen

DPA/PAUL ZINKEN

Öhman verdichtet und das Mitgefühl

mit Sasha Waltz steigt.

Wie Öhman sich aus dem Amt

zieht, ist ohne Frage kein guter Stil.

Es zeigt: Von übermäßigem Vertrauen

wardie Zusammenarbeit mit

Waltz offenbar nicht geprägt −und

dazu gehören zwei. In Öhmans erstem

interimistischen Jahr waren es

vor allem die Produktionen aus seinem

früheren Arbeitsleben, die das

Staatsballett so erfolgreich machten.

Es schien also auch ohne SashaWaltz

ganz gut zu gehen. Siehatte den unbekannten

Schweden zu ihrer Unterstützung

geholt. Jetzt rockte er

den Laden alleine? Dieser Eindruck

wirdWaltz nicht gefallen haben.

Sieist bekannt als eine Künstlerin

mit hohen Ansprüchen und großer

Durchsetzungsfreude. Gemeinsam

mit ihrem Mann Jochen Sandig bestimmt

sie in Berlin die Geschicke

der Sophiensäle, des Radialsystems,

der CompagnieSashaWaltz &Guests

und des Staatsballetts. Die Stadt

kann dankbar sein für so viel Engagement.

Aber dass die beiden die

Macht, wie etwa bei den Sophiensälen,

die sie 1996 mitgründeten, nicht

wieder loslassen wollen, deutet auf

ihreSchwierigkeiten mit den Institutionen.

Bei den Griffen nach den eigentlichen

Sehnsuchtsorten, den

großen Landesbühnen, scheinen sie

regelmäßig zu verlieren.

Daswar 2004 so,alsWaltz im Streit

mit Thomas Ostermeier die Schaubühne

verließ. Und esdürfte beim

Staatsballett so sein, um dessen Leitung

sich Waltz sehr lange bemüht

hat. Während sie nun den Journalisten

erklärt, dass sie sich mit ihrer Entscheidung

über ihr Amtsende Zeit

nehmen wolle, ist die Kulturverwaltung

schon auf der Suche nach einer

Nachfolge. Das hat sie bereits öffentlich

erklärt, und sie wirdüber die Verunklarung

der Situation, die eine Verhandlung

mit neuen Kandidaten unmöglich

macht, nicht erfreutsein.

Ob SashaWaltz dieWeichen noch

umstellen kann? Ob dasdem Staatsballett

zu wünschen ist? Und ist es

wirklich entscheidend für die Zukunft

des Staatsballetts, ob das

Image von Sasha Waltz Schaden genommen

hat oder ob sie das Opfer

ist?Soganz kann man das nicht glauben.

Die Pressekonferenz schien allein

diesem Zweck zu dienen.

NACHRICHTEN

Knapp 5000 Besucher in

Gothaer Sonderschau

Fast 4700 Besucher haben die Sonderpräsentation

der fünf lange als

verschollen gegoltenen Gemälde in

Gotha gesehen. „Die Besucher haben

uns förmlich das Herzogliche

Museum eingerannt“, sagte Christoph

Streckhardt vonder Stiftung

Schloss Friedenstein Gotha am

Montag. So viele Besucher innerhalb

einer Woche sei die absolute Ausnahme,soStreckhardt.

Gezeigt wurden

die Gemälde vonFrans Hals,der

Werkstatt JanBrueghel des Älteren,

einem unbekannten Künstler nach

Anthonis vanDyck, Ferdinand Bol

oder JanLievens und Hans Holbein

dem Älteren. Am 14. Dezember 1979

waren die Bilder aus dem Gothaer

Schloss Friedenstein gestohlen worden.

Im Sommer 2018 wurden sie

dem damaligen Stiftungsratsvorsitzenden,

Gothas Oberbürgermeister

Knut Kreuch, angeboten. Nach der

Sonderpräsentation kommen die

Bilder nun zunächst ins Museumsdepot.

Dann sollen Angebote zu Restaurierung

eingeholt werden. (dpa)

Jugendliche mit Preis für

Zivilcourage ausgezeichnet

Jugendliche vonvier Hamburger

Schulen sind am Montag im Ernst-

Deutsch-Theater mit dem Bertini-

Preis ausgezeichnet worden. Die

Schüler haben sich in Projekten gegen

das Vergessen und für ein mitmenschliches

Miteinander eingesetzt.

DerName des Preises geht zurück

auf den Roman „Die Bertinis“,

in dem der Schriftsteller Ralph Giordano

(1923–2014) die Verfolgung seiner

Familie in der Nazi-Zeit schildert

–aber auch die Zivilcourage einiger,

die geholfen haben. DieAuszeichnung

für die Jugendtheaterprojekte

wirdjedes Jahr am 27. Januar,dem

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus,verliehen.

(dpa)

Quellen zu Richard Strauss

jetzt online verfügbar

DerKomponist RichardStrauss

(1864–1949) ist fortan im Internet

präsent. DieLandesbibliothek in

Dresden stellte ihredigitale Strauss-

Kollektion mit eigenen und bei der

Staatskapelle Dresden aufbewahrten

Quellen zu Leben und Werk des

Musikers am Montag online.Möglich

wurde das durch den Umstand,

dass 70 Jahrenach dem Todvon

Strauss der Urheberrechtsschutz für

seine Werkeauslief, wie die Bibliothek

am Montag mitteilte.Die Kollektion

werdeimLaufe des Jahres

noch weiter ergänzt, sagte Barbara

Wiermann, Leiterin der Musikabteilung.

RichardStrauss pflegte ein enges

Verhältnis zu Dresden. Neun seiner

15 Opernwurden in der Elbestadt

uraufgeführt. (dpa)

Der Komponist Richard Strauss wareng

mit Dresden verbunden.

IMAGO


20 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Feuilleton

Ismaël JoffroyChandoutis: Swatted, 2018 (Filmstill)

COURTESY OF THE ARTIS

Meditationen über das errechnete Bild

Zufällige Bekannte, künstlerische Wahlverwandtschaften –Die Medienkunst-Ausstellung „Das ewige Netzwerk“ im Haus der Kulturen der Welt

VonTilman Baumgärtel

Es ist 1982, der amerikanische

Künstler TimKlinkowstein

hat eine zackige New-

Wave-Frisur und ist vonansteckender

Begeisterung, denn

gleich geht seine „Online-Performance“

los.Man wirdBilder aus den

Niederlanden zu ihm nach Levittown

in den USA schicken, die er

dann umgehend zu einer Collage

verarbeitet. DieBilder kommen über

dieses Computernetzwerk! In Echtzeit!

Alles ist interaktiv! Bitte treten

Sie näher! Das staunende Publikum

versammelt sich um ein Computerterminal,

das so groß wie eine Kühltruhe

ist, und schaut gespannt zu,

wie ein Stück Papier aus dem Nadeldrucker

kommt.

Pixelreihe für Pixelreihe

Anfang der 80er-Jahre – das war

lange vor dem Internet, ja, sogar

noch vor der Einführung eines Faxgeräts

in jedem Büro. Dass man Bilder,die

auf der anderen Seite des Atlantiks

aufgenommen wurden, sofortinLevittown,

Long Island, zu sehen

bekommt, grenzte damals ans

Unglaubliche. Doch dann kommen

zwei Bilder Pixelreihe für Pixelreihe

aus dem Nadeldrucker gequollen,

die die grimassierenden Gesichter

der Kommunikationspartner von

Klinkowstein in Holland zeigen.

Die Auflösung der Bilder ist niedrig,

und sie sind schwarz-weiß. Aber

ansonsten erinnern sie stark andie

Schnappschüsse, die heute jeder

Smartphone-Besitzer in die Sozialen

Medien pustet. Kaum gibt man den

Leuten Zugang zu einer Digitalkamera

mit Netzanschluss, sokönnte

man meinen, fangen sie an, Selfies

zu verschicken.

Klinkowstein hatte während seiner

Zeit in Europa an Telekommunikationsaktionen

wie „The World in

24 Hours“ von Robert Adrian teilgenommen.

Weitgehend unter Ausschluss

der traditionellen Kunstwelt

experimentierte zu dieser Zeit eine

kleine Gruppe von Künstlern mit

den Möglichkeiten der globalen Telekommunikation

über Satelliten,

Telex, Faxund frühe Computernetzwerke.

Diese Technik war zu dieser

Zeit außerordentlich teuer und

schwer zu bedienen. Undwer zu dieser

Gruppe gehört hat, mag sich als

Angehöriger eines Netzwerks von

Gleichgesinnten, die ein bleibendes

Zusammengehörigkeitsgefühl verbindet,

empfunden haben.

Die Transmediale ist ein Festival für Medienkunst

und digitale Kultur,das einmal jährlich

und in diesem Jahr zum 33. Mal in Berlin

stattfindet. Die Festivalausgabe wurde von

Kristoffer Gansing mit Beratung durch Clemens

Apprich, Daphne Dragona, GeertLovink

und Florian Wüst kuratiert.

www.transmediale.de

Ein „ewiges Netzwerk“, wie der

Titel der Ausstellung des Berliner

Medienkunstfestivals Transmediale

lautet, die am Dienstagabend eröffnet

wird. Hier ist nicht nur das Video

vonder Online-Aktion vonTom Klinkowstein

zu sehen, sonderngut zwei

Dutzend Arbeiten, die sich mit dem

affektiven Potential von Netzwerken

beschäftigen.

Denn im Grunde ist es bis heute

so geblieben: Wer als Künstler mit

Medien und vorallem mit dem Internet

arbeitet, findet sich in einem Paralleluniversum

der zeitgenössischen

Kunst wieder, das nur kursorische

TRANSMEDIALE 2020

Das Programm umfasst die einmonatige

Ausstellung „The Eternal Network“ im Haus

der Kulturen der Welt (HKW,bis 1. 3.), das

Symposium an der Volksbühne Berlin am

31. 1. und 1. 2., sowie den Film &Video Tag

am 30. 1. im HKW,die CTM &transmediale

Night im Berghain, das Student Forum am

29. 1. im HKW und ein Workshop-Programm.

Anknüpfungspunkte zu dem hat,

was in Museen und Galerien als Gegenwartskunst

gezeigt wird. Da bemüht

man sich besser um gute Verbindungen

innerhalb der eigenen

Szene –sowie die Künstlerin Olia

Lialina, die für ihreArbeit „Summer“

die Server ihrer Künstlerkollegen

nutzt, um die verschiedenen Bilder

einer Aufnahme,die sie beim Schaukeln

zeigt, imWorldWideWebzuzeigen.

Oder man nutzt die Macht der

voneiner Armee vonNetz-Cineasten

zusammengetragenen Filme wie Robert

Luxemburg bei seiner Arbeit

„The Manwith the Personal Compu-

ter“, der bei dem Film „Der Mann

mit der Kamera“ (1929) von Dziga

Vertov jede Einstellung aus seinen

eigenen Bildern zusammensetzt –

ein verwirrendes Puzzle, das einerseits

Referenz an den analogen Filmklassiker,

andererseits Meditation

über das errechnete,digitale Bild ist.

In den 60er-Jahren prägte der französische

Fluxus-Künstler Robert Filliou

den Ausdruck von„Eternal Netzwerk“,

dem ewigen Netzwerk, das

der Ausstellung den Namen gibt. Er

meinte damit das lose Geflecht von

Freundschaften, Zufallsbekanntschaften,

künstlerischen Wahlverwandtschaften

und kreativer Zusammenarbeit,

das zu dieser Zeit die

Kunstwelt als Vorbote der Globalisierung

immer stärker zu prägen begann.

Kunstgattungen wie die Mail

Art, neue Produktionsformen wie

das Multiple und die Performance

sowie die immer leichter zugängliche

Möglichkeit des internationalen

Reisens mögen damals den Eindruck

erweckt haben, dass in der Kunstwelt

das Einzelkämpfertum von einem

globalen Miteinander abgelöst werden

würde.

Filliou, der selbst nicht in der Ausstellung

vertreten ist, obwohl der Titel

von ihm stammt, musste aber

auch am eigenen Leib erfahren, dass

diese Phase des kreativen, internationalen

Miteinanders langfristig

doch wieder durch die Arbeit am eigenen

Werk von individuellen

Künstlernabgelöst wurde.

Dieser Prozess wiederholte sich

seither für mehrere Generationen

von Kommunikationskünstlern; die

Ausstellung, die von dem scheidenden

Transmediale-Kurator Kristoffer

Gansing kuratiert wurde, verweist

auf Parallelen zur Interaktion über

das Internet in den 90er-Jahren.

Wunschvorstellung geblieben

Das„ewige Netzwerk“ ist darum bis

heute eine nur teilweise eingelöste

Wunschvorstellung geblieben, die

aber, wie die Ausstellung zeigt, immer

wieder Künstler inspiriert.

Da das große Auditorium in der

ehemaligen Kongresshalle derzeit

renoviert wird, findet die Konferenz

der Transmediale, die in den letzten

Jahren zu einem immer wichtigeren

Teil des Festivals geworden ist, diesmal

am Wochenende in der Volksbühne

statt. Im HdKW sind neben

der Ausstellung unter der Woche das

Film- und Videoprogramm der Veranstaltungen

sowie Performances in

der Ausstellung zu sehen.

Pop aus dem Kinderzimmer

Mit vier Trophäen ist die 18-jährige Billie Eilish die große Siegerin der 62. Grammy-Verleihung. Bei der Show in Los Angeles erinnern die Stars auch an den Basketballer Kobe Bryant

VonChristian Fahrenbach

Die 18-jährige Sängerin und

Songwriterin Billie Eilish ist

die große Gewinnerin bei den

62. Grammy Awards in Los Angeles.

Ihr Lied „Bad Guy“ gewann am

Sonntag als „Song des Jahres“ und

„Aufnahme des Jahres“. „When We

All Fall Asleep, Where DoWeGo?“

wurde zum besten Album erklärt,

und Eilish gewann für ihren Elektropop

auch den Preis als „Bester

neuer Künstler“. Seit Beginn der

Grammys 1959 war es das erste

Mal, dass einer Frau bei einer einzigen

Verleihung der Sieg in allen vier

Hauptkategorien gelang. Der einzige

Mann, der dieses Kunststück

schaffte, war Christopher Cross

(„Sailing“) im Jahr 1980.

Auch in der Sparte „Bestes Pop

Vocal Album“ siegte Eilish, so dass

sie insgesamt fünf Auszeichnungen

Billie Eilish mit einem ihrer fünf Grammys

minierungen nur in zwei Nebenkategorien

gewinnen: für das beste

Musikvideo und die beste Pop-

Duo/Gruppen-Performance.

Während der mehr als dreieinhalb

Stunden dauernden Verleihung

AFP/ROBYN BECK

davontrug. Ihr Bruder Finneas

O’Connell, der die Musik produzierte,

gewann dafür Grammys in

zwei weiteren Kategorien. Die beiden

hatten das Album hauptsächlich

im Haus ihrer Eltern aufgenommen.

„Das hier ist für alle Kinder,

die heute Musik in ihrem

Schlafzimmer machen“, sagte

O’Connell, als er mit seiner

Schwester den Preis für den „Song

des Jahres“ entgegennahm. „Ihr

werdet so einen hier bekommen.“

Das Nachsehen hatte die zweite

große Favoritin des Abends, Lizzo.

Die 31-jährige Sängerin („Truth

Hurts“) war acht Mal nominiert gewesen

und siegte dann in drei kleineren

Kategorien, darunter „Beste Pop

Solo Performance“. Auch Lil Nas X

(20), der mit „Old Town Road“ einen

neuen Rekord gesetzt hatte, weil er

19Wochen lang an der Spitzeder US-

Charts stand, konnte trotz sechs Nohatten

viele Künstler auch immer

wieder den tödlich verunglückten

Ex-Basketballer Kobe Bryant gewürdigt.

„Wir stehen hier, und unsere

Herzen sind gebrochen, im Haus,

das Kobe erschaffen hat“, sagte die

Moderatorin Alicia Keys zu Beginn

der Veranstaltung im Staples Center.

Dort hatte der am Sonntag im Alter

von41Jahren bei einem Hubschrauberabsturz

ums Leben gekommene

Bryant jahrelang mit seinem Basketballteam

L.A. Lakers Erfolge gefeiert.

Keys sang dann mit der R&B-Band

Boyz II Men eine berührende Akustik-Version

von deren Song „It’s so

Hard to SayGoodbye to Yesterday“.

Zu den emotionalsten Live-Acts

des Abends zählte auch der erste

große Auftritt nach einer gesundheitsbedingten

Pause vonSängerin

Demi Lovato. Sie musste unter Tränen

ein zweites Malfür ihrePower-

Ballade „Anyone“ ansetzen. Diese

hatte sie 2018 aufgenommen, vier

Tage vor einer fast tödlichen Drogenüberdosis.Seinerzeit

war sie im

Juli ins Krankenhaus gekommen

und hatte eine Therapie begonnen.

Für ihren Auftritt gab es genauso

Standing Ovations wie für einen

Tribut an den im März 2019 erschossenen

Rapper Nipsey Hussle,

den unter anderem John Legend,

DJ Khaled und Meek Mill sangen.

„Lang lebe Nips, lang lebe Kobe“,

sagte Khaled am Ende.

DieGrammys werden in mehr als

80 Kategorien vergeben, rund 13 000

Mitglieder der Recording Academy

entscheiden über die Preisträger.

Schon vor der im US-Fernsehen auf

CBS übertragenen Show hatten die

meisten deutschen Nominierten bei

der Bekanntgabe der Nebenkategorien

das Nachsehen. Einzig die NDR

BigBand als Begleitung des US-Jazztrompeters

Randy Brecker siegte in

der Kategorie „Bestes improvisiertes

Jazz-Solo“ für „Sozinho“ auf seinem

Album „Rocks“. Unter anderem

Filmkomponist Hans Zimmer und

Techno-Musiker Apparat gingen in

ihren Kategorien leer aus. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 21 *

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Feuilleton

Silbermöwe

auf dem

Wannsee

Die ARD lässt die „WaPo

Berlin“ zu Wasser

VonTorsten Wahl

Eine Wasserski-Sportlerin lässt

sich nach der Fahrt imWannsee

austrudeln –datreibt eine Leiche neben

ihr. Ein Fall für das neu gegründete

Wasserkriminaldezernat 1 der

Wasserschutzpolizei Berlin, kurz

„WaPo Berlin“. Dessen Chefin Jasmin

Sayed (Sesede Terziyan) muss

ihren Bootsführer Wolf Malletzke

(Christoph Grunert) aber erst mal

fragen, wie hier die Strömung verläuft.

Der Kapitän der „Silbermöwe“

erklärt esihr: Die Havel fließt durch

den Wannsee vonNordnach Süd.

Die Crew hat ein Vorbild in der

ARD, die „WaPo Bodensee“. Berlin

mit all seinen Flüssen, Seen, Kanälen

und Hunderten Brücken ist der ungleich

spannendere Ort, die Serie

verspricht neue Perspektiven auf die

Hauptstadt. Ob im Segelclub, auf

dem Partyschiff oder beim Kampf

um Wassergrundstücke –zwischen

Müggelsee und Wannsee finden sich

genügend Krimisujets. Der einheimische

Zuschauer kommt allerdings

immer wieder ob der Logistik ins

Grübeln. Da die „WaPo Berlin“ nur

ein Schiff für alle Fälle hat, ist die

„Silbermöwe“ überall vor Ort, fliegt

zwischen Treptow und dem Wannsee

hin und her –was in der Realität

recht umständlich wäre. Albernwird

es, wenn Bösewichter mit dem Boot

von Mitte zum Flughafen Tegel

flüchten wollen –spätestens an der

nächsten Schleuse ist ja Schluss.

Überhaupt wirkt die Startfolge

„Alle in einem Boot“ noch recht bemüht.

Die beiden eineiigen Zwillinge,

die in den Berliner Dom von

der Spreeher eingebrochen sind und

eine wertvolle Statue gestohlen haben,

stammen nicht etwa, wie die

Kriminellen beim Einbruch im Ka-

DeWe oder Bodemuseum, aus einem

arabischen Clan, sondern sind

Berliner Jungs. Inpuncto politische

Korrektheit und Diversität gibt sich

die Serie überhaupt sehr beflissen:

Neben der Chefin Jasmin, die als

Kind aus dem Iran geflüchtet war,

geht auch der türkische Kampfschwimmer

Fahri(Hassan Akkouch)

Wolf Malletzke(Christoph Grunert) hat

auf der „Silbermöwe“ alles im Griff. ARD

mit an Bord. Selbst die Polizeipräsidentin

(Marion Kracht) gibt türkische

Sprichworte zum Besten –das

sei in Berlin doch ganz normal. Ob

Frauen und Männer, ob Ost oder

West, ob Alt und Jung –jede Quote

wirderfüllt. Kapitän Grunertist noch

bei der Volkspolizei ausgebildet worden

und bringt seine Erfahrung ein,

die Jüngste,Kriminalkommissarsanwärterin

Marlene (Melina Borcherding),

ist das IT-Genie der Truppe.

Doch die „WaPo“ ist nicht nur vorbildlich

divers, sondern auch sehr

berlinerisch: Derknuffige Bootshund

heißt Stulle und vor allem Polizeihauptkommissarin

Paula, privat eng

mit Chefin Jasmin befreundet, darf

berlinern, was das Zeug hält. Dabei

stammt Sarina Radomski, die mit einem

witzigen Autowerbespot bekannt

wurde, aus Leipzig an der

Pleiße. Inzwischen aber ist sie an der

Spreehörbar heimisch geworden.

WaPo Berlin acht Folgen, dienstags, 18.50 Uhr,

im Vorabendprogramm der ARD

Blauer Knabe mit Hase

Anbindung an Obsessionen: Benjamin Brittens „A Midsummer Night’sDream“ in der Deutschen Oper

VonPeter Uehling

Benjamin Brittens Oper „A

Midsummer Night’s

Dream“ wird gern aufgeführt,

nach „Peter Grimes“

und etwa gleichauf „Turn of the

Screw“ dürfte sie die meistproduzierte

Britten-Oper sein. Man kann

sich an dieser relativen Bevorzugung

stören: Liegt das am Ende nur an der

in Deutschland besonders beliebten

Shakespeare-Vorlage? Washat diese

vonBritten rasch und in einer gewissen

Verlegenheit geschriebene Oper

–der vergrößerte Saal seines Musikfestivals

in Aldeburgh brauchte 1960

ein Einweihungsstück –mit seinen

persönlichen Obsessionen zu tun?

Wo ist in dieser Ensembleoper der typisch

Brittensche Außenseiter? Und

hat Britten nicht zuletzt doch musikalisch

stärker erfundene und profilierte

Stücke geschrieben?

Eine verdrehte Welt

Helena (Janine De Bique, vorn) und Hermia (Karis Tucker)

Dieser Skepsis tritt die Deutsche

Oper in der vierten Produktion ihres

Britten-Zyklus mit einem starken

Plädoyerfür das Stück entgegen. Die

nächtlichen Klänge, die Donald

Runnicles von Beginn an dem Orchester

des Hauses entlockt – raschelnde

Dreiklänge,die sich auf geheimnisvollen

Glissando-Mondstrahlen

fortbewegen –sind in dem

hier realisierten pianissimo nicht

nur faszinierend, sie schließen auch

direkt an die Poetik des Nächtlichen

an, die Britten in Werken wie der Tenor-Horn-„Serenade“

oder dem

düsteren Kammergesangszyklus

„Nocturne“ entwickelt hat: Eine

nicht nur romantische, traum- oder

albtraumhafte, sondern eine verdrehte

Welt –denn ausgerechnet die

Dreiklänge schließen sich zur zwölftönigen

Totalität zusammen.

Als Puck im Auftrag des Feenkönigs

Oberon mit der schwarzen

Wunderblume dem Lysander und

der Titania einen Drogenrausch verpasst,

erklingen dazu jene wahrhaft

toxisch glitzernden Celesta-Figuren,

die auch in „Turn ofthe Screw“ den

verführerischen Dämon Peter Quint

charakterisieren, der als Untoter Gewalt

über die Kinder erlangt.

Zeigt Runnicles auf der musikalischen

Ebene Kontinuitäten auf,

die „A Midsummer Night’s Dream“

mit den anderen Werken verbinden,

so gelingt dem Regisseur Ted

Huffman mit einem kleinen Detail

die Anbindung des Werks anBrittens

Obsessionen. Der Grund für

den Knatsch zwischen Oberon und

Titania bleibt in der Regel unterbelichtet,

der Knabe in Titanias Obhut

scheint nur ein MacGuffin, der

die Geschichte in Gang bringt, aber

selbst unwichtig ist.

Aber wie könnte bei dem pädophil

veranlagten Britten ein Knabe

jemals unwichtig sein? Huffman

lässt den Knabenchor der Elfen und

ihre Herrscher auf einer leeren hellgrauen

Schräge als hellgraue Klone

im hellgrauen Frack auftreten und

BETTINA STOESS

Kalte Herzen, trübe Tassen

selbst Puck setzt sich nicht farblich,

sondernlediglich durch eine Freddy-

Mercury-hafte Ausstaffierung und

Flugfähigkeit von ihnen ab. Den

stummen Knaben jedoch kleidet er

leuchtend blau und gibt ihm einen

großen Hasen in die Arme.Indem er

ihn als Individuum ins Zentrum

rückt, kommt Brittens großes Thema

gefährdete Unschuld auf die Bühne,

denn Oberon möchte diesen Knaben

für sich, und das ganze Drama

um Drogen und Verführung bekommt

eine brisante Dimension.

So wenig indes Britten sein Publikum

mit seinen seelischen Problemen

belästigen wollte, sowenig inszeniertHuffman

diese Oper als psychoanalytisches

Porträt ihres Schöpfers.„AMidsummer

Night’s Dream“

kann wie alle Britten-Opernmit einfachen

Mitteln zum Leben gebracht

werden, und auch Huffman zerbricht

sich nicht unnötig den Kopf

über die einzelnen Szenen.

Lysander und Demetrius,die jungen

Athener, treten in roten, aber

ziemlich britischen Uniformen auf,

ihr König Theseus, der erst am Ende

in rotem Palast erscheint, trägt eine

etwas festlichere, eher sowjetische

Version und beträgt sich gegenüber

seiner Verlobten Hippolyta als gewalttätiger

Alkoholiker. Das Theater

der Handwerker betrachten alle drei

Paare von oben herab, und der sozialkritische

Akzent, den Huffman hier

setzt, überfällt den Zuschauer reichlich

unvermittelt.

Aber da spiegelt sich wiederum

nur Brittens Sympathieverteilung:

Die Musik der Handwerker ist deutlich

origineller als die eher konventionellen

Leidenschafts-Gesten von

Lysander und Hermia, von Helena

und Demetrius. Wunderbar brutal

stampft James Platt als Bottom nach

seiner Verwandlung in einen Esel

über die Bühne, und die verzerrten

Klänge, die Britten dafür gefunden

hat, sind prägnanter als alles,was die

jungen Heteros vonsich geben.

Puck hat leichtes Spiel

Entsprechend wenig bleibt von ihren

Gesangsleistungen haften –KarisTucker,Jeanine

De Bique,Gideon

Poppe und Samuel Dale Johnson

versehen ihre Rollen mit zivilisiertem

Wohlklang. Tragender sind die

Rollen des Countertenors James

Hall als Oberon und der Sopranistin

Siobhan Stagg als Titania –sie singen

das sehr schön, bleiben indes in

ihrer stillisierten Verkleidung stecken

und lassen wenig vonihren inneren

Antrieben Klang werden; zusammen

mit dem sehr sauberen,

aber auch noch etwas korrekten Gesang

des Kinderchors wirkt diese Elfenwelt

doch etwas steril. Jami Reid-

Quarrell als Puck hat dagegen leichtes

Spiel und dominiertdas Geschehen

schon mit seinen schwebenden

Überkopf-Auftritten.

AMidsummer Night’sDream nächste

Aufführungen am 29. 1, 1. 2.,6.2und 22. 2.

Tickets unter:www.deutscheoperberlin.de

Der Intendant Martin Woelffer inszeniert Alan Ayckbourns „Ab jetzt“ in der Komödie im Schiller-Theater

VonIrene Bazinger

Mit der Roboterin (Zoe Moore) will Jerome (Oliver Mommsen) das Amt täuschen. F.STRAUSS

Dass am 16. März 1989 Peter Zadeks

Inszenierung von Alan

Ayckbourns „Ab jetzt“ in Berlin Premiere

hatte, wäre nicht unbedingt

ungewöhnlich gewesen, schließlich

arbeitete er hier immer mal wieder.

Bloß wo er dies tat, sorgte für einiges

Aufsehen –nämlich in der Komödie

am Kurfürstendamm und nicht an

einer der „ernsten“ Bühnen. Einer

seiner Assistenten war damals MartinWoelffer,der

jetzige Intendant der

Komödie, die inzwischen im Schiller-Theater

daheim ist. Dort hat er

nun selbst „Ab jetzt“ inszeniert. Er

hat es nach besten Kräften und redlich

getan und dabei bestimmt

manchmal an Zadek gedacht.

Allein ein großer Wurf ist ihm leider

nicht gelungen. Undsowirkt die

Geschichte um den besessenen

Komponisten in seiner Wohnung

voller Tonbandgeräte und Synthesizer,

den seine Frau mit der gemeinsamen

Tochter verlassen hat, ziemlich

zäh. Dass er von einem Nachbarn

einen ungenügend programmierten

Roboter hat, den er als seine

Freundin ausgibt, um dem Herrn

vomJugendamt eine intakte Paarbeziehung

vorzugaukeln, macht die

Sache nicht flotter.

Der Bühnenbildner TomPresting

hat das zugemüllte Wohn-Tonstudio

im Stil der späten 1980er-Jahre entworfen,

mit einem frühen Bildtelefon

neben einem alten Loewe-Röhrenfernseher,

in dem irgendwann

ein digitales Kaminfeuer flackert.

Überaus hölzernund angestrengt

spielt Oliver Mommsen den Komponisten-Nerd,

dem seine heimlich

aufgenommenen Naturklänge (Gespräche

mit Gästen, Lustschreie einer

Geliebten) wichtiger sind als diejenigen,

denen er sie raubt. Er will einen

Hymnus auf die Liebe schaffen,

ist jedoch völlig liebesunfähig.

Die Inszenierung vermag die

Abgründe dieser Komödie nicht

auszuloten, mogelt sich bräsig

über die angedeuteten Konflikte

zwischen den Geschlechtern, im

Umgang mit der Privatsphäre und

im Verhältnis von Kunst und Leben,

von Mensch und Maschine

herum. ZoeMooreund Nicola Ransom

geben der Roboter-Frau GOU

300 F sympathisch anarchische

Züge,Ransom zeigt dann später die

Ehefrau in ihrer absurden Zerrissenheit

zwischen der Liebe zu ihremMann

und dem Leiden an dessen

chauvinistischen Marotten.

Manches ist zum Lachen, denn

Ayckbourns Pointen zünden zuverlässig,

nur was der Aufführung insgesamt

fehlt, ist komödiantische

Fallhöhe und gekonntes Timing, sie

schleppt sich trübtassig und

schwerfällig dahin. Und wenn zu

schlechter Letzt noch Jeromes Liebes-Apotheose

wie eine schlimme

Mischung aus Philipp Glass, David

Guetta und Avicii-Remixes losdröhnt

(Musik: Michael Witte), ist

endgültig Schluss mit lustig.

Ab jetzt Bis 8. 3., Komödie im Schiller-Theater,

Karten unterTel.: 88591188

NACHRICHTEN

Roberto Cicutto neuer

Präsident der Biennale

Deritalienische Filmproduzent Roberto

Cicutto wirdneuer Präsident

der Biennale in Venedig. Dies gab

Kulturminister DarioFranceschini

am Montag in Rombekannt. Er

dankte zugleich dem bisherigen Präsidenten

Paolo Baratta für die geleistete

Arbeit. Cicutto wurde 1948 in

der Lagunenstadt geboren und ging

in Venedig auch zur Schule.Nach

dem Abitur zogernach Romund begann

eine KarriereimFilmgeschäft.

Laut Mitteilung des Ministeriums

gründete er verschiedene Produktionsfirmen.

Seit 2009 ist er Präsident

des staatlichen Istituto Luce-

Cinecittà, zu dem die berühmten

Cinecittà-Filmstudios in Romgehören.

Unter dem Dach der Biennale

werden verschiedene Festivals organisiert.

Diebekanntesten sind die

Kunstbiennale sowie die Filmfestspiele

vonVenedig. (dpa)

Suhrkamp nennt Termin für

neuen Tellkamp-Roman

Derseit Jahren angekündigte neue

Roman vonUwe Tellkamp mit dem

Titel „Lava“ soll im Frühjahr 2021 erscheinen.

„Das Manuskript ist noch

nicht ganz fertig und auch noch

nicht lektoriert“, sagte eine Sprecherindes

Suhrkamp Verlags in Berlin

am Montag auf Anfrage der Deutschen

Presse-Agentur.Der Anfrage

gehen Berichte voraus,wonach das

Erscheinen des Buches aus politischen

Gründen verzögertwürde.Die

Literaturwissenschaftlerin Marina

Münkler sagte dazu im Deutschlandfunk

Kultur,dass es die freie Entscheidung

eines Verlages sei, ein

Buch zu veröffentlichen oder nicht.

Der1968 in Dresden geborene Uwe

Tellkamp,der für „Der Turm“2008

den Deutschen Buchpreis erhielt, ist

mit seiner Position zu Flüchtlingen

aufgefallen. Er gehörtzum Unterzeichnerkreis

vonErklärungen, die

die deutsche Asylpolitik angreifen.

Ausdem Suhrkamp Verlag heißt es,

der Erscheinungstermin sei mit dem

Autor festgelegt worden. „Lava“ ist

die Fortsetzung des Buchs „Der

Turm“über Dresdner Bildungsbürger

zur Endzeit der DDR. (dpa/cg.)

100 Manager musizieren im

Leipziger Gewandhaus

100 Manager aus Deutschland musizieren

Ende Februar gemeinsam im

Gewandhaus zu Leipzig. DieMitglieder

des „Management Symphony“

bringen in diesem JahrWerkevon Johannes

Brahms und Ludwig van

Beethovenauf die Bühne,wie das

Gewandhaus am Montag mitteilte.

Dafür kommen die Musiker unter

Leitung des israelischen Dirigenten

Omer Meir Wellber zu einer viertägigen

Werkstattphase zusammen. Solist

des diesjährigen Konzerts am 22.

Februar soll Fredun Mazaheriwerden.

Er war zunächst als freiberuflicher

Pianist tätig, ehe er in die Finanzindustrie

wechselte.Das Projekt

„The Management Symphony“

wurde 1999 am Gewandhaus ins Leben

gerufen. Seit 2014 sind die Musiker

auch in anderen Konzerthäusern

zu Gast. (dpa)

TOP 10

Sonntag,26. Januar

1 Tatort ARD 9,40 26 %

2 Tagesschau ARD 7,27 21 %

3 Frühling ZDF 5,65 15 %

4 heute-journal ZDF 5,03 16 %

5 Biathlon, Damen ARD 4,91 27 %

6 Terra X ZDF 4,87 15 %

7 heute ZDF 4,69 16 %

8 Skispringen ARD 4,45 19 %

9 Biathlon, Herren ARD 4,45 27 %

10 Skispringen, 2 ARD 4,18 21 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Everybodycan be everybodycan not be (Jao

Moon)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Die Möglichkeit einer Insel

20.00 Neues Haus: Mütter und Söhne

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Die Therapie

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00: Hasta la Westler,Baby!

20.00 Box: Frei-Boxen: Im Wedekreis des uglySprit

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Bande àPart–Tanzbare Veranstaltung für

Außenseiter:Japanese traditional newyear

HAU1(✆25 90 04 27)

19.00: CTM 2020 –Liminal: Hercules of Lubumbashi

HAU2(✆25 90 04 27)

19.30: CTM 2020 –Liminal: The Non-present Performer

(Karel vanLaere)

HAU3(✆25 90 04 27)

19.00: Don Quijote/Donkey Shot /Done Quiche

Hot /Don Conquista /Don E. Coyote (Showcase

Beat Le Mot)

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Plateau Effect (Staatsballett Berlin)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Ab jetzt

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

19.00 Glaspalast: Ali Baba /Hinz und Kunz (Hexenberg

Ensemble)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Ich ist ein anderer dieses wir bin nicht eine

Pfeife (Metaware) (Mark Waschke)

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ichbin nicht Mercury

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00: Unendlicher Spaß

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Ballet Revolución

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Verklärungsbedarf (LennartSchilgen)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die netten Jahre sind vorbei (Henning

Ruwe)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Ein Stückchen Herz

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Howtobecome aBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Soda (✆ 44 31 51 55)

18.00, 20.00 Salon: close-up-club: Zauberkunst,

erstaunlich, anders. Anm. erf.

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Gelogene Wahrheiten (Wühlmäuse-Ensemble)

KLASSIK

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Die Unerhörte Musik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Herz-Jesu-Kirche Prenzlauer Berg (✆ 443 89 40)

20.15: Polyhymnia! –Alte Musik vokal mit Polyhar-

Hochschule für Musik HannsEisler

(✆ 203 09 21 01) 19.00 Studiosaal: Vortragsabend

Klavierklassen Prof. Stefan Arnold, Prof. Gabriele

Kupfernagel

Hochschule fürMusik Hanns Eisler im Neuen Marstall

(✆ 203 09 21 01)19.00 Galakutschen-Saal I:

Vortragsabend Violaklasse Prof. Walter Küssner

19.00 Krönungskutschen-Saal: Vortragsabend Violoncelloklasse

Prof. Stephan Forck

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Gr.Saal: Academy of St Martin in the Fields,

Ltg.Fazil Say(Klavier), Michael Tippett: „Little Music“

für Streicher;W.A. Mozart: Konzertfür Klavier und

Orchester A-Dur;FazilSay:„Silk Road“, Konzertfür

Klavier und Kammerorchester;Béla Bartók: Divertimento

für Streichorchester

KühlhausBerlin (✆ 21 00 56 05)

20.00: Gesangstudierende der HfM Hanns Eisler,

Akademisten und Mitglieder des DSO Berlin, Ltg.Robin

Ticciati, Benjamin Britten: „The Rape of Lucretia“,

Kammeroper in zwei Akten, konzertant

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Lunchkonzert

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Frau Holle (ab 5J.)

10.30: Eine Woche voller SAMStage(ab 4J.)

Das weite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: Aschenputtel (ab 4J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: Dasist Anton Daumesdick, Kobalt Figurentheater,Puppentheater

10.15 Raum 214: Der Froschkönig,The Grimm

Sisters, Puppentheater (ab 4bis 10 J.)

10.30: Die Königin derFarben, Theater Mär, –-–(ab

4J.)

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show(ab 5J.)

Gemeinschaftshaus Lichtenrade (✆ 902 77 70)

10.00: Mathilde, die Mathe-Ratte, RobertMetcalf

(ab4J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Alle außer das Einhorn (ab11J.)

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Aufdem Holzweg,Ausstellung über Holz

10.00: PfiffigeHolzköpfe

14.00: Glühwürmchen im Glas, Bezahlwerkstatt: 3€

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Hänschen klein...(ab 3J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

10.00, 16.00: Die Bremer Stadtmusikanten, Ulrich

Müller-Hönow

Schaubude (✆ 423 43 14)

10.00: Die Schneekönigin, Theater Miamou,

Erzähltheater mit Puppen (ab 5bis 9J.)

Schlossplatztheater (✆ 651 65 16)

10.00: Tomte Tummetott, Theater mit Musik (ab 3J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Jeda, der Schneemann, Teatro Baraonda,

Mini-Musical

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die Unbehausten –Das Battle um die Stadt

(ab 11 bis 15 J.)

10.00:Die kleine Hexe (ab 5bis 10 J.)

LITERATUR/VORTRAG

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

19.00 Jurte: Wortschätze für Erwachsene: Kroatische

Märchen, Abendliche Erzählstundinder Jurte für

Erwachsene. Anm. erf.

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

20.30: „Ich bedaure, dass ich nicht sentimental

bin....“, Ein LebensBild vonAnton Tschechow, vorg-

Diskussion

Ein kritischer

Blick auf den

Modekonsum

Die Ausstellung „Fast Fashion

–Die Schattenseiten

der Mode“ befindet sich

zwar draußen in Dahlem, die

Fishbowl-Diskussion „Kleider

machen Leute –Leute machen

Kleider“ aber findet in der

James-Simon-Galerie statt.

Wem dieses Diskussionsformat

nichts sagen sollte: Es gibt

einen Innenkreis von Diskutanten,

die einen Gaststuhl bereit

halten, auf den man aus

dem Außenkreis wechseln

kann, wenn man etwas beitragen

möchte.Besetzt ist der Innenkreis

mit Gunther Beger

vom Bundesentwicklungsministerium,

Johannes Norpoth

vom Textilbündnis Femnet,

das sich für faireArbeitsbedingungen

einsetzt, Monika

Fuchs von der Hochschule für

Technik und Wirtschaft Berlin

sowie Sabrina Müller von Environmental

Protection bei

Tchibo. Susanne Lenz

Kleidermachen Leute –Leute machen

Kleider 18 Uhr,James-Simon-Galerie,

kein Eintritt

Schwallen

und Hallen

Das CTM kommt mit

Influencergeräuschen, Angel Olsen

mit imposantem Folkrock

Das CTM geht in die

zweite Woche. Einen

Festivalpass braucht

man nicht, wenn man

ein paar der erwartbar vielversprechenden

Performances sehen will.

Es gibt sie alle auch einzeln, oder

als jeweils Abendpaket.

So könnte man sich am Mittwoch

zur Gemeinschaftsnacht mit

dem Schwesterfestival Transmediale

ins Berghain begeben. Dort

hört man zum Beispiel eine Arbeit

des britischen Künstlers Wesley

Goatley, der, sodas Programm, mit

einem Doktortitel in „kritischer

und kreativer Praxis“ die politischen

Verwicklungen untersucht,

die sich in der alltäglichen Rede

über Daten und KI verbergen. Dazu

hat er ein Gespräch zwischen Alexa

und Siri angeregt, worin er deren

Begrenzungen aufzeigen will.

Lachen können bekanntlich nur

Menschen und Flipper, der kluge

Delfin (Hyänen tun nur so). Wieman

es zur psychologischen Konditionierung

des Publikums benutzen kann,

damit beschäftigen sich Ruben

Patiño und Kay Schuttel in ihrer Arbeit

„NoLaughing Matter“, während

Markus Schneider

empfiehlt einigeabenteuerliche Sounds

des CTM-Festivals, dazu Angel Olsen, die

ihre Lieder neuerdings an Phil Spector

orientiert. Und die Heavyrock-Haudegen

Monster Magnet.

Angel Olsen hat ihre zarten Songs mit Stimmemphase, Streichernun

James Ginzburg und James Durgas

alias Emptyset für das ulkig zerbeulte

Brummen, Dröhnen und

Knirschen ihres jüngsten Albums

„Blossom“ ein Programm darauf

trainierthaben, aus ihren bisherigen

Alben sowie neuen Sounds aus Holz,

Metall und Trommelhäuten kohärente

Muster zu filtern. Ichhabe festgestellt,

dass die KI und ich den Begriff

verschieden verstehen.

Am gleichen Abend spielt auch

Helge Sten, der vonden famos progrockigen

Supersilent und Motorpsycho

bekannte Großproduzent aus

Norwegen. Unter dem Projektnamen

Deathprod agierterals „Audiovirus“

und frönt seiner Leidenschaft

fürs sphärisch Unwirsche,Bängliche

und Unheimliche.

Film schaue dem Todbei der Arbeit

zu, findet Jean-Luc Godard

(nach Cocteau). Der dänische Feldrekorder

Jacob Kirkegaard nimmt

dazu in „Opus Mors“ die Ohren. Kirkegaard

habe ich ins Herz geschlossen,

als er mir voretlichen Jahren die

Sounds der Wanderdünen von

Oman erschloss,die es –echt! –inSachen

Überwältigung jederzeit mit

Wagner aufnehmen können. Auf

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51)Crescendo #makemusicnotwar

14.45; Lindenberg! Mach dein Ding

17.15,20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Die Wütenden – Les

miserables 15.00, 20.30; Die Wütenden –Les miserables

(OmU) 17.45

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) 1917 –Der Film

(OmU) 20.00; Judy 14.30

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) 1917 –Der Film

14.30,17.15, 20.00; Das geheime Leben der Bäume

13.20, 15.40; Jojo Rabbit (OF) 15.00, 20.50;

Parasite 18.00; Judy 17.30, 20.15; Judy (OmU)

13.30,17.50, 20.30; Queen &Slim (OmU) 15.00,

21.15; Freies Land 13.30, 16.15; The Peanut Butter

Falcon (OmU) 19.00; Knives Out –Mord ist Familiensache

(OmU) 20.50; Knives Out –Mord ist

Familiensache (OF) 18.00; Vom Gießen des Zitronenbaums

13.20, 15.40; Einsam zweisam 19.00;

Miles Davis: Birth of the Cool (OmU) 21.30; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao 16.00

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Milchkrieg inDalsmynni

18.45; Das Vorspiel 17.00, 20.30; Crescendo

#makemusicnotwar 20.15; Pavarotti (OmU)

17.45

Kant Kino (✆ 319 98 66) Knives Out –Mord ist

Familiensache 14.30, 17.30, 20.30; Lindenberg!

Mach dein Ding 14.30, 17.30, 20.30; ARainy Day

In NewYork 16.15,20.45; Der geheime Roman des

Monsieur Pick 18.30; Latte Igel und der magische

Wasserstein 14.00; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.45, 17.20, 20.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.00; DasVorspiel 16.15,

18.30,20.50

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66)Bad Boys for Life

17.30, 20.20, 23.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.15; Die Hochzeit 17.15, 20.10, 23.10;

Vier zauberhafte Schwestern 14.45; Jojo Rabbit

23.00; Die Hochzeit 13.45; Jojo Rabbit 19.50; Knives

Out –Mord ist Familiensache 22.40; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.30; Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 14.00; Lindenberg! Mach

dein Ding 21.30; Joker23.00;KnivesOut –Mordist

Familiensache 19.45; Lindenberg! Mach dein Ding

16.30; Das perfekte Geheimnis 13.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 12.45; Faltenrock 20.00;

LatteIgelund der magischeWasserstein 16.15;Der

Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 14.15; Miles

Davis: Birth of the Cool (OmU) 17.45; Das Vorspiel

(OmenglU) 11.00;

Why Don‘t You Just Die! –Papa, sdokhni (OmU)

22.50; Freies Land (DFmenglU) 19.30; Jeanne

d‘Arc –Jeanne (OmU) 15.00; Midsommar (OmU)

21.40;Mishima–Director‘s Cut –Mishima: ALife In

Four Chapters (OmU) 11.00; Systemsprenger (DFmenglU)

13.00, 17.30; Einsamzweisam –Deuxmoi

(OmU) 17.00; Die Eiskönigin II 15.15; The Farewell

(OmenglU) 18.50; Joker (OmU) 22.45; Milchkrieg

in Dalsmynni 13.30; Motherless Brooklyn (OmU)

11.00; Parasite –Gisaengchung (OmU) 20.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 16.00; Freies Land 20.10;

Das geheime Leben der Bäume 14.00, 18.15; Joker

(OmU) 22.35; Aretha Franklin: Amazing Grace

(OmU) 20.15; Der geheime Roman des Monsieur

Pick –Lemystere Henri Pick (OmU) 18.15; Der

marktgerechte Mensch 16.20; Schönheit & Vergänglichkeit

22.00; Systemsprenger 14.00

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1917 –Der Film

14.00, 17.00, 20.00; 3Engel für Charlie 14.10,

19.10; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.20;

Bad Boys for Life 17.30, 19.40; Bad Boys for Life

(OF) 20.40; IMAX: Bad Boys for Life 13.50, 16.50,

20.10; Cats 17.20; Die Eiskönigin II14.20,16.45;

Das geheime Leben der Bäume 20.10; The Grudge

21.00; Die Hochzeit 15.00, 17.15, 20.00; Jojo

Rabbit 17.10, 19.50; Jojo Rabbit (OF) 18.00; Jumanji

–The Next Level 14.00, 16.50, 20.45; Knives

Out –Mord ist Familiensache 14.20, 16.40; Latte

Igel und der magische Wasserstein 14.50; Lindenberg!

Mach dein Ding 17.15, 20.30; One Piece:

Stampede 20.30; The Peanut Butter Falcon 14.10;

Das perfekte Geheimnis 19.20; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.40; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 14.50, 17.30, 20.50; Thomas

und seine Freunde: Große Welt! Große Abenteuer!

13.50; Vier zauberhafte Schwestern 15.00; Die

Wolf-Gäng 14.40,18.00

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Der Leuchtturm

–The Lighthouse (OmU) 22.50; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 20.20; Systemsprenger (OmenglU)

18.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait

de la jeune fille en feu (OmU) 18.00, 22.15;

VomGießen des Zitronenbaums –ItMust Be Heaven

(OmU) 20.20

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –Der Film

16.45,19.40; Bad Boys for Life 16.50, 19.50; Die

Eiskönigin II 13.40, 16.30; Die Hochzeit 13.45,

17.10,20.10; Knives Out –Mord ist Familiensache

20.00; Lindenberg! Mach dein Ding 19.40; One

Piece: Stampede 20.00; Das perfekte Geheimnis

13.50;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.00;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.20; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.45; Violet Evergarden

und das Band der Freundschaft 17.00; Die

Wolf-Gäng 14.15,16.50

Kino Kiste (✆ 998 7481) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.00; Morgen sind wir frei 18.00;

Rotschühchen und die sieben Zwerge 16.10; Die

schönste Zeit unseres Lebens 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) 1917 –Der

Film 17.30,20.00; Bad Boys for Life 14.40, 17.00,

20.00;3D: DieEiskönigin II 14.15; DieEiskönigin II

14.20; Die Hochzeit 14.30, 17.10, 19.50; Jumanji

–The NextLevel 17.20, 20.10;KnivesOut –Mordist

Familiensache 20.15; Latte Igel und der magische

Wasserstein 15.00; Lindenberg! Mach dein Ding

16.40, 19.30; One Piece: Stampede 20.00; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.50; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.45, 19.50;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15, 20.10;

Vier zauberhafte Schwestern 14.45, 17.10; Violet

Evergarden und das Band der Freundschaft 18.00;

Die Wolf-Gäng 14.30,17.20

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Jojo Rabbit (OmU)

17.30, 20.00, 22.30; B Knives Out–Mord ist Familiensache

(OmU)16.00,21.30;Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.45

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Little Joe –

Glück ist ein Geschäft (OmU) 21.45; Milchkrieg in

Dalsmynni –Heradid (OmU) 17.30; Das Vorspiel

(m.Gast) 19.30; Das Vorspiel 19.30; Die Wütenden

–Les miserables (OmU) 17.45, 20.00,22.15

Moviemento (✆ 692 4785) Preview: Darkroom –

Tödliche Tropfen 20.00; Jojo Rabbit (OmU) 10.00,

12.30, 15.00, 17.30, 22.30; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 12.45, 15.15, 17.45; Jojo Rabbit

(OmU) 20.15; Der kleine Rabe Socke 3–Suche

nach dem verlorenen Schatz 11.00; Searching Eva

(OmenglU) 22.45; Der kleine Rabe Socke 3–Suche

nach dem verlorenen Schatz 14.45; Little Joe

–Glück ist ein Geschäft (OmU) 16.30, 21.15; Vom

Gießen des Zitronenbaums –ItMust BeHeaven

(OmU) 19.00

Sputnik (✆ 694 1147) Alles außer gewöhnlich

16.45;Joker (OmU) 23.00; MilesDavis:Birth of the

Cool (OF) 21.00; Kinderfilm des Monats: Pettersson

und Findus: Findus zieht um 10.30, 15.00; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao –Avida invisivel

deEuridice Gusmao (OmU) 18.45; The Farewell

(OmU) 20.00;

Human Nature: Die CRISPR Revolution (OmU)

15.00; Judy (OmU) 22.00; Der marktgerechte

Mensch (OmU) 18.30; Milchkrieg in Dalsmynni –

Heradid (OmU) 16.45; Kinobar imSputnik Filmclub

(OmU) 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Das geheime Leben der

Bäume 15.20, 17.40; Parasite 20.00; New Knives

Out –Mord ist Familiensache 16.40,19.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Bad Boys for Life

17.30, 20.30; Die Eiskönigin II15.00; Die Hochzeit

15.00, 17.30, 20.15; Knives Out –Mord ist Familiensache

17.15, 20.15; Lindenberg! Mach dein

Ding 17.00, 20.00; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 14.45; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 20.00; Vier zauberhafte Schwestern

15.15; Die Wolf-Gäng 14.45, 17.45

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 15.15; Die Eiskönigin II

15.15; Freies Land 20.15; Knives Out –Mord ist

Familiensache 17.45; Latte Igel und der magische

Wasserstein 15.45; Lindenberg! Mach dein Ding

13.00, 17.30, 20.15; Vom Gießen des Zitronenbaums

13.00, 20.30; DasVorspiel 13.00,18.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) 1917

–Der Film 17.15, 20.00; Bad Boys for Life 14.00,

17.00, 20.00; Die Eiskönigin II14.00, 16.50; Die

Hochzeit 14.10, 17.05, 20.00; Jumanji –The Next

Level 14.10,17.00; Knives Out –Mord ist Familiensache

19.45; Lindenberg! Mach dein Ding 16.35,

19.40; OnePiece: Stampede 20.00; Sneak Preview

20.30; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.15; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

19.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.05,

16.30; Vier zauberhafte Schwestern 14.15; Die

Wolf-Gäng 14.30, 16.55

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Lara (OmenglU) 18.45;

Parasite 20.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 17.00; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 19.45; Das Kapital im21. Jahrhundert

–Capital inthe Twenty-First Century (OmU)

21.45; Der marktgerechte Mensch (OmU) 17.45

Babylon (✆ 242 59 69) Cinebrasil –Brasilianisches

Filmfestival: Broder! (OmenglU) 18.00; Cinebrasil

–Brasilianisches Filmfestival: Edificio Master

(OmenglU) 22.00;Cinebrasil–Brasilianisches Filmfestival:

Simonal (OmenglU) 20.00; Premiere: True

Sight: The 2019 (OmenglU; mit Gästen) 19.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Captain

Fantastic –Einmal Wildnis und zurück (OmU)

10.00; Fritzi –EineWendewundergeschichte 15.30;

Der kleine Maulwurf (1963-1975) 12.30; Queen

&Slim (OmU) 17.15, 20.00; Thomas und seine

Freunde: Große Welt! Große Abenteuer! 13.45;

Yung (OmenglU) 22.45; Joker (OmU) 21.15; Der

Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 16.30; Queen

&Slim (OmU) 14.00; Vom Gießen des Zitronenbaums

–ItMust Be Heaven (OmU) 19.00

CineStarCUBIX (✆ 04 51/7030200) 1917 –Der

Film 16.30, 19.50; 1917 –Der Film (OF) 11.00,

13.50, 17.10, 19.30, 22.50; 3Engel für Charlie

23.15; Bad Boys for Life 11.00, 14.00, 16.40,

20.10,23.15;Bad Boys forLife (OF) 19.40,22.40;

Cats 11.30; Die Eiskönigin II12.00; Die Eiskönigin

II –Frozen 2(OF) 15.10; Die Hochzeit 11.30,

14.20,17.20,19.30, 23.10;Joker (OF) 22.20; 3D:

Jumanji –The Next Level 18.00; Jumanji –The Next

Level13.20;Der kleineRabeSocke 3–Suche nach

demverlorenen Schatz11.10; Knives Out –Mordist

Familiensache 20.10, 22.40; Knives Out –Mord ist

Familiensache (OF) 17.00; Lindenberg! Mach dein

Ding 14.00; One Piece: Stampede 20.00; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.30; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 11.45, 19.00;

Star Wars: DerAufstieg Skywalkers 16.15; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers –StarWars: The Rise

of Skywalker (OF) 22.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers –Star Wars: The Rise of Skywalker (OF)

21.00; Vier zauberhafte Schwestern 11.10, 13.45;

Violet Evergarden und das Band der Freundschaft

17.00; Die Wolf-Gäng 11.15,13.50, 16.30

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) 1917 –Der Film

(OmU) 16.30, 19.00, 21.30; Miles Davis: Birth of

the Cool (OmU) 14.00; The Farewell (OmU) 16.45;

Premiere: How toSteal aCountry (OF) 19.30; Lindenberg!Mach

dein Ding14.00; Jojo Rabbit(OmU)

17.15, 19.30, 21.45; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao –Avida invisivel de Euridice Gusmao

(OmU) 14.30; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

14.30; Die Wütenden – Les miserables (OmU)

17.00, 19.15, 21.30; Little Joe –Glück ist ein Geschäft

(OmU) 14.45, 21.30; Das Vorspiel (teilw.

OmU) 17.00, 19.15

Z-inema (✆ 28 38 91 21) Mendocino &Berlino –

Neue Super-8-Filme von Dagie Brundert 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Pripad pro zacinajiciho

kata –Fall für einen beginnenden Henker

–Pripad pro zacinajiciho kata (OmenglU) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

1917 –Der Film 16.50, 19.45; 1917 –Der Film

(OF)19.55; Baba Parasi(OmU) 19.55;Bad Boys for

Life 17.00, 20.00; Cep Herkülü: Naim Süleymanoglu

–Pocket Hercules (OmU) 14.15; Die Eiskönigin

II 14.15,17.15; DieHochzeit 14.15, 17.05, 19.30;

Jumanji –The Next Level 14.00, 17.20, 20.10; One

Piece: Stampede 20.00; Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe

–Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe (OmU) 14.10,

17.15; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00,

16.30,19.45;Türkler Geliyor –Adelatin Kilici (OmU)

16.15, 19.30; Vier zauberhafte Schwestern 14.45;

DieWolf-Gäng 14.00, 16.50

IL KINO (✆ 91 70 29 19) The Farewell (OmenglU)

17.40; Land des Honigs – Medena Zemja:

Honeyland (OmU) 14.20; Milchkrieg inDalsmynni

–Heradid (OmU) 16.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 12.00; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao – A vida invisivel de Euridice Gusmao

(OmU) 21.30; Die Wütenden – Les miserables

(OmU) 10.00, 19.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Queen &Slim (OmU)

16.30,19.30, 22.30

Passage (✆ 68 23 70 18) 1917 –Der Film (OmU)

15.00, 17.45, 20.30; Sneak Preview 22.30; Als

Hitlerdas rosa Kaninchen stahl 15.00; Joker(OmU)

17.30, 20.00; Lindenberg! Mach dein Ding 15.20,

18.10, 21.00; Judy (OmU) 16.00, 18.30; Motherless

Brooklyn (OmU) 21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.30, 20.30; Jojo Rabbit (OF) 16.30,

19.00,21.30; 1917 –Der Film –1917 (OF) 17.00,

19.45,22.30; DieWütenden –Les miserables –Les

miserables (OmU) 17.00, 19.30, 22.00; The Farewell

(OmenglU) 16.30; Knives Out –Mord ist Familiensache

(OF) 18.50; Queen &Slim (OF) 21.40

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

1917 –Der Film 16.55, 19.45; Bad Boys for Life

14.25, 17.20, 20.10; Die Eiskönigin II 14.40; Die

Hochzeit 14.05, 16.45, 19.50; Jumanji –The Next

Level 17.10, 20.00; One Piece: Stampede 20.00;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 17.15,

20.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00;

Vier zauberhafte Schwestern 14.30; Die Wolf-Gäng

15.00,17.00

Wolf (✆ 921 03 93 33) The Farewell (OmenglU)

16.30; Little Joe (OmU) 18.40; Die Sehnsucht der

Schwestern Gusmao –Avida invisivel deEuridice

Gusmao (OmU) 18.20; Die Tigerentenbande –Der

Film 16.40; Vom Gießen des Zitronenbaums (OmU)

21.10; Die Wütenden (OmU) 11.00, 21.00


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 23

· ·

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Tagestipp

KALENDER

d Synthkram aufgebauscht.

POP

Angel Olsen 30.1., Huxleys, 20 Uhr

Monster Magnet 1.2., Huxleys. 20 Uhr.

CTM-Festival noch bis 2.2. an verschiedenen

Orten

XXXXXX

„Opus Mors“ hingegen findet er mit

entsprechender Experten-Unterstützung

(Dr. Frankenstein vermutlich)

seine Töne in Leichenhalle, Forensik,Verbrennung

undVerwesung.

Er nahm übrigens auch schon 2005

„Four Rooms“ in der „Zone der Entfremdung“

in Tschernobyl auf. Dort

spielt die vielfach mit Golden Globes

und Emmys ausgezeichnete TV-Serie„Chernobyl“,

für die Cellistin Hildur

Gunnarsdottir die Musik aufgenommen

und geschrieben hat, die

sie als frisch gebackene Grammygewinnerin

gleich zweimal aufführt.

Zur Erholung empfehle ich das

kleine Clubjazzfusion-Ding von

HenryWu(als Kamaal Williams), das

im Kontext natürlich argleichtgeistig

daherkommt. (Ist aber hübsch).

Popmusik: Angel Olsen spielt im

Kern einen feinen Folkrock. Mit ihrem

letzten Album „All Mirrors“ jedoch

hat sie ihre zarten Songs mit

Stimmemphase, Streichern, Synthkram,

Zischdrums und viel Hall aufgepumpt,

und lässt sie dennoch

wunderlich fragil. Die Entwicklung

kam nicht wirklich unvorbereitet,

denn auch auf ihren früheren Alben

mit schönen Songs wie „Unfucktheworld“

zeigte sie neben kleinen

akustischen Arrangements schon

recht dynamische, jafast wuchtige

Folkrock-Arrangements unter ihrer

hell schweifenden Stimme.Die Form

folgte noch der Idee,dassLieder,die

vom Inneren erzählen –Liebe und

Beziehung bzw. die anstrengenden

Partner,die damit einhergehen –am

besten auch mit entsprechend privat

codierten Instrumenten stattfinden

sollten. Nun schwillt und schwallt

die Klangmauer, ein Hauch von Sixtiesgirl-Group

umgibt die recht klassisch

gebauten Stücke und sie erzählt

von Geduld mit dem ewigen

Sichverlieben und von der Sehnsucht

nach Schnurzigkeit gegenüber

der ewigen Trennerei. Dafür tauchte

sie nicht zu Unrecht in praktisch allen

Jahrescharts auf.

Die Stonerrock-Band Monster

Magnet ist der Bud Spencer des

Bluesmetal. Haltung und Methoden

haben sich über die 30 Jahre

ihresWirkens nicht ein Yota verändert,

mit Black Sabbath und Hawkwind

als rechter und linker Hand

desTeufels.Das macht sie nicht gerade

aufregend. Istabervermutlich

auch nicht ihr Begehr.

Literatur

VonMasken

und

Ritualen

Definitiv ist das Theater die

Leitkunst dieser postproduktiven

Zeit. Es geht ja an immer

mehr Stellen vor allem

darum, so zu tun als ob.Allzeit

gut aussehen und beide Daumen

nach oben recken, als sei

die Aufregung es wirklich wert,

ist das Gebot der Stunde in Politik

und Wirtschaft. Immerzu

sorgenvoll das Ende des

Abendlandes prognostizieren

in Gesellschaft und Kultur.Dazwischen

zermalmt einen der

von beidem ungerührt sich

abrollende Alltag ... Die Maskenalsound

die Rituale.Wenn

etwas entstanden ist, gibt es

auch jenseits der Bühne gerne

eine Premiere – obwohl das

Wort ja nur dann sinnvoll ist,

wenn es auch eine Dernière

gibt, ein letztes Mal. Und für

sein neues Buch hat der

Schriftsteller und Theaterdramaturg

John von Düffel nun

sogar eine Vorpremiere angesetzt.

Ob sie bereits im Kostüm

gespielt wird? PetraKohse

John vonDüffel:Der brennende See,20

Uhr, Ocelot, Brunnenstr.181

Deutsches Institut für Menschenrechte

(✆ 259 35 90) 18.30: Gegen Morgen, Lesung und

Gespräch mit Deniz Utlu und Max Czollek. Anm. erf.

Fahimi (Skalitzer Str. 133)

20.00: Verbrecher Versammlung:„Sonne, Mond,

Zinn“,Alexandra Riedel,Buchpremiere

Helene-Nathan-Bibliothek (✆ 902 39 43 42)

18.00: LEA Leseklub

Karl-Liebknecht-Haus (KleineAlexanderstr.28)

10.00: Seniorenklub: Gegen Vergessen, Verdrängen

und Beschönigen.Halt dem offenen Drang des

Faschismus zur Macht, Prof. Dr.Wolfgang Triebel,

Vortrag,Moderation: Christian Beyer

Lettrétage (✆ 692 45 38)

19.00: Textem-Lesung,Lesung mit Dagrun Hintze,

Annette Weber,Martin Lechner, Tobias Premper und

Stefan Panhans

LiteraturhausBerlin (✆ 887 28 60)

19.30: PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb /Politisch

schreiben, mit KaSka Bryla, EvaSchörkhuber,

Yael Inokai und Ariane Hassan Pour-Ravazi, Release

Party

ocelot, not just another bookstore

(✆ 97 89 45 92) 20.00: Der brennende See, John

vonDüffel

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00 Bruckner-Foyer: Das geht auf meine Kuhaut!,

Vicki Spindler,Autorenlesung

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

Topographie des Terrors (✆ 25 45 09 50)

19.00 Auditorium: Fotos aus Sobibor. Die

Niemann-Sammlung zu Holocaustund Nationalsozialismus,

Buchpräsentation mit PD Dr.Martin Cüppers,

Dr.Steffen Hänschen,Andreas Kahrs undAnne

Lepper.Moderation: Prof.Dr. Michael Wildt

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: Karl Schloz –Made in Berlin &Surprise

Guests

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Johannes Kersthold Band

Anzeige

Kirill Petrenko Dirigent

Nicola Hümpel Regie

Karajan-Akademie der

Berliner Philharmoniker u.a.

Giacomo Puccini

Suor Angelica »Faith to Face«

01.02.20 19 Uhr

02.02.20 16 Uhr

In Kooperation mit

Nicoand the Navigators

Philharmonie Berlin

GroßerSaal

Tickets: 030/25488999

berliner-philharmoniker.de

Foto:Michael Trippel

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

21.00: The Swag Jam

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Reggie Moore Trio, Cookin’ with Jazz

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

21.00: CTM 2020: AshleyFure –„HiveRise“,Dis Fig,

Mohammad, Rakta

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

21.00: Chris Staples

Cafe Tasso (✆ 48 62 47 08)

20.00: Vera &Joy

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

20.30: Jeff Parker

Hintersee Bar (Greifenhagener Str.55)

20.30: Grgur Savic (sax)&Friends

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.00: Steel Panther,Wayward Sons

Jazz-Institut Berlin (✆ 31 85 13 55)

19.00 Georg-Neumann-Saal: Moving On –Verabschiedung

vonProf. JudyNiemack

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Tyler Childers, The Local Honeys

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Béla Meinberg

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: ManuKatché

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Composers’ Orchestra Berlin, Ltg.Hazel Leach

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

19.30: Jazzschule Berlin SemesterabschlussPart. I

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: The Zig ZagJazzed Up Jam Session –Uri

Gincel (p), Yonatan Levi (b), Tobias Backhaus (dr)

CLUB

Bar Tausend (✆ 41 71 54 69)

22.00: Tausend Brazil–TuesdaySpecial

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois

Suor Angelica

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Lindenberg!

Mach dein Ding 17.40, 20.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.20; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 14.45, 17.20; Knives Out

–Mord ist Familiensache 20.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) 1917 –Der

Film 15.20, 18.00; 1917 –Der Film (OmU) 20.45;

Das geheime Leben der Bäume 17.40; Parasite

20.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

15.30; Freies Land 15.30; Jojo Rabbit (OmU)

18.20,21.00; Lindenberg! Mach dein Ding 17.30;

Die Wütenden –Les miserables 15.00,20.30; Knives

Out –Mord ist Familiensache 14.50, 20.30;

Knives Out –Mord ist Familiensache (OmU) 17.40

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

1917 – Der Film (OmU) 14.00, 16.30, 19.30,

22.45; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.45;

Freies Land 21.30; Das geheime Leben der Bäume

17.00; Jojo Rabbit (OmU) 23.00; Jojo Rabbit

(OF) 14.45, 17.30, 20.15; Judy 17.45; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

14.00; Knives Out –Mord ist Familiensache 19.40;

Lindenberg! Mach dein Ding 14.15, 16.00, 19.30;

Little Joe –Glück ist ein Geschäft 15.00; Milchkrieg

inDalsmynni 14.30; The Peanut Butter Falcon

(OmU) 22.40; Queen &Slim 19.30; Queen &Slim

(OmU) 22.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers –

StarWars:The Rise of Skywalker (OmU) 20.30; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers –StarWars: The Rise

of Skywalker (OF) 22.30; Vier zauberhafte Schwestern

14.30;Vom Gießen des Zitronenbaums 17.20;

Das Vorspiel 19.00; Die Wolf-Gäng 14.00, 17.00;

Die Wütenden –Les miserables 19.50; Die Wütenden

–Les miserables (OmU) 22.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Gundermann Revier

21.00; Schönheit &Vergänglichkeit 18.00; Swimmingpool

amGolan –Eine deutsche Familiengeschichte

(teilw.OmU) 19.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Berlin, Prenzlauer

Berg –Begegnungen zwischen dem 1. Mai und

dem 1. Juli 1990 18.15; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 22.00; Rote Räte –Die bayrische Revolution

aus der Sicht von Augenzeugen 17.15; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao –Avida invisivel

deEuridice Gusmao (OmU) 19.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) 1917

–Der Film 14.20, 17.05, 19.45, 22.35; 3Engel für

Charlie 16.50; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

19.50; Bad Boys for Life 14.25, 17.00, 19.55,

22.45; Die Eiskönigin II 14.30,17.10;

Das geheime Leben der Bäume 17.10; The Grudge

22.40; Die Hochzeit 14.15, 17.00, 19.50, 22.45;

Joker 22.35; 3D: Jumanji 17.00; Jumanji 14.15;

Knives Out –Mord ist Familiensache 19.50, 22.45;

LatteIgelund dermagische Wasserstein 14.45; Lindenberg!

Mach dein Ding 16.40, 19.40;One Piece:

Stampede 20.00; Das perfekte Geheimnis 19.55;

Queen &Slim 22.40; Spione Undercover 14.20;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.45,

22.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15,

19.40; Underwater 19.45, 22.40; Vier zauberhafte

Schwestern 14.35; Die Wolf-Gäng 14.40, 17.20

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –Der

Film 16.40, 19.55; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 12.00, 13.30; Bad Boys for Life 14.15,

16.55, 20.00; Die Eiskönigin II 14.05, 16.55; Die

Hochzeit 14.05, 17.00, 20.10; Jojo Rabbit 14.00,

17.30, 20.00; Jumanji –The Next Level 13.55; Knives

Out –Mord ist Familiensache 16.15, 19.40;

Lindenberg! Mach dein Ding 19.30; One Piece:

Stampede 20.00; Das perfekte Geheimnis 20.15;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.00;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.30; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.45; Vier zauberhafte

Schwestern 13.45; Violet Evergarden und

das Band der Freundschaft 17.00; Die Wolf-Gäng

14.40, 17.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Freies Land 14.35; Das perfekte Geheimnis 17.30,

20.15

Cosima (✆ 85 07 58 02) Alles außer gewöhnlich

18.00; Parasite 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Jojo Rabbit (OmU) 15.00,

20.30; Knives Out –Mord ist Familiensache (OmU)

17.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Crescendo #makemusicnotwar

(OmU) 20.15; Judy (OmU) 17.45

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) 1917 –

DerFilm16.50;Bad Boys forLife17.00, 19.55; Die

Eiskönigin II12.20, 14.50; Das geheime Leben der

Bäume 14.30; Die Hochzeit 14.15, 17.20, 20.10;

Jumanji –The Next Level12.10, 17.00;Lindenberg!

Mach dein Ding 20.10; Anime Night: One Piece:

Stampede 20.15; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 12.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.55,19.40;Vier zauberhafte Schwestern

10.00, 12.15,14.40; Die Wolf-Gäng 10.00, 12.15,

14.25

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.45, 18.00; Der

geheime Roman des Monsieur Pick 16.00; Lara

20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.00, 17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

1917 –Der Film 14.00, 19.45, 22.50; Bad Boys

forLife 17.00,20.00, 23.00; Bad Boys for Life(OF)

23.00; Die Hochzeit 13.15, 17.00, 19.55, 23.00;

Jumanji –The Next Level 14.05, 16.10; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

10.00,12.15; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.50, 19.55, 23.00; Latte Igel und der magische

Wasserstein 10.00, 12.15; One Piece: Stampede

20.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

10.00, 14.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

10.00, 19.55; Vier zauberhafte Schwestern 10.00,

11.45,14.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Bad Boys for

Life 17.45, 20.30; Die Eiskönigin II 15.30; Die

Hochzeit 15.45, 18.00, 20.30; Hustlers 18.15,

20.30; Lindenberg! Mach dein Ding 20.30; Vier

zauberhafte Schwestern 15.30; Die Wolf-Gäng

15.45,18.15

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) 70mm: Projekt Brainstorm

(OmschwedU) 20.00; Magical History Tour:

Liebling, ich werde jünger –Monkey Business (OF)

19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

1917 – Der Film 13.30, 14.00, 16.40, 19.45,

20.00, 23.00; 7500 –Der Film 23.10; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 17.20; Bad Boys for Life

13.40, 16.40,17.00,19.15, 19.20, 22.45, 23.00;

Cats 17.00; Die Eiskönigin II 16.00; Das geheime

Leben der Bäume 19.30; The Grudge 22.45; Die

Hochzeit 14.00, 17.00, 20.15, 22.45; Jojo Rabbit

14.15, 17.00, 17.15, 19.45, 20.15, 23.00;

Joker 20.00; 3D: Jumanji –The Next Level 20.00,

22.50; Jumanji –The Next Level 12.30, 17.00,

20.10, 23.00; Knives Out –Mord ist Familiensache

14.10, 16.40, 20.10, 22.20, 22.35; Lindenberg!

Mach dein Ding 13.30, 16.30, 19.30; Anime Night:

One Piece: Stampede 19.45; Parasite 19.45; Das

perfekte Geheimnis 16.40, 19.40; Queen &Slim

23.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.00, 17.00, 20.30, 22.50; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 12.40, 13.00, 15.45, 16.00,

19.40, 20.00,22.40; Die Wolf-Gäng 13.50,16.30

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Jam (OmU)

17.30; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

(OmU)21.30;Why Don‘tYou JustDie! –Papa, sdokhni

(OmU) 19.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Bad Boys for Life 17.15,

20.00, 22.30; Die Eiskönigin II 14.30; Das geheime

Leben der Bäume 16.00, 18.00, 20.15, 22.30;

Die Hochzeit 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Jumanji

–The Next Level 18.00; Lindenberg! Mach dein

Ding 17.00, 20.15; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung14.30;StarWars:Der Aufstieg Skywalkers

20.30; Vier zauberhafteSchwestern 14.00; Die

Wolf-Gäng 14.00, 16.00

Casablanca (✆ 677 57 52) ARainy Day InNew

York 16.30; Gundermann Revier 18.30; Knives Out

–Mord ist Familiensache 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

1917 –Der Film 14.10, 20.15; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.30; Bad Boys for Life 14.15,

17.15, 20.15; Die Eiskönigin II 14.30, 16.50; The

Grudge 20.15; Die Hochzeit 14.20, 17.15, 20.00;

Jumanji –The Next Level 14.00, 17.15; Knives Out

–Mord ist Familiensache 16.50, 19.50; Lindenberg!

Mach dein Ding 19.30; One Piece: Stampede

20.00; Das perfekte Geheimnis 19.45; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.20; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.55; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 19.30; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15, 17.15; Violet Evergarden und

das Band der Freundschaft 17.00; Die Wolf-Gäng

14.40,17.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) 1917

–Der Film 17.00, 19.40; Bad Boys for Life 17.00,

20.00; Die Eiskönigin II14.15, 16.40; Die Hochzeit

14.15, 16.45, 20.00; Jumanji –The Next Level

19.50; Anime Night: One Piece: Stampede 20.00;

Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe –Rafadan Tayfa 2:

Göbeklitepe (OmU) 15.00;Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 14.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 16.45; Türkler Geliyor –Adelatin Kilici

(OmU) 19.30; Die Wolf-Gäng 14.15, 17.20

City KinoWedding (✆ 01 77/270 19 76) Motherless

Brooklyn (OmU) 21.00; Kiezkultur: Reformorange

(mit Gästen) 19.30

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Jeanne d‘Arc –

Jeanne (OmU) 20.00; Jeannette: Die Kindheit der

Jeanne d‘Arc –Jeanne: L‘enfance deJeanne d‘Arc

(OmU) 18.00

Toni & Tonino (✆ 92 79 12 00) Die Eiskönigin

II 15.45; Der geheime Roman des Monsieur Pick

18.00; Joker 20.15; Der kleine Rabe Socke 3–Suche

nach dem verlorenen Schatz 14.00; Systemsprenger

11.15; Die Abenteuer vonTim und Struppi:

Das Geheimnis der Einhorn –The Adventures of Tintin:

Secret of the Unicorn (OmU) 9.15; Lindenberg!

Mach dein Ding 11.30,14.15, 17.00,19.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 18.00; Psyche und Film: Engel

über Europa –Rilke als Gottsucher (m. Gast)

20.30; Miles Davis: Birth of the Cool (OmU) 15.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Crescendo #makemusicnotwar

15.30; Dasgeheime Leben der Bäume

18.00; Vom Gießen des Zitronenbaums 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Exhibition on Screen: Leonardo:

Die Werke –TheWorks 20.30; Zwingli –Der Reformator

18.00

Capitol (✆ 831 6417) Das geheime Leben der

Bäume 15.20; Judy 17.45; Knives Out –Mord ist

Familiensache 20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 8112) Lara

17.00; Szenen meiner Ehe (m. Gespräch) 19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 15.45; Crescendo #makemusicnotwar

14.00; Die Eiskönigin II 13.45;

Freies Land 21.00; Das geheime Leben der Bäume

18.45; Jojo Rabbit 16.15, 18.15, 20.45; Lindenberg!

Mach dein Ding 13.00, 16.00, 20.45; Kinotopp

–Autism Friendly Cinema: The Peanut Butter

Falcon 16.30; Vom Gießen des Zitronenbaums

18.45; Das Vorspiel 14.00, 18.45; Die Wütenden

–Les miserables 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70)

1917 –Der Film 14.00, 17.00, 20.15; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 13.50; Bad Boys for

Life 13.45, 17.00, 20.00; Die Eiskönigin II14.15,

17.35; Die Hochzeit 14.00, 16.50, 20.10; 3D: Jumanji

–The Next Level 16.45; Jumanji –The Next

Level 20.05; Lindenberg! Mach dein Ding 16.45,

19.40; One Piece: Stampede 20.00; Das perfekte

Geheimnis 19.50; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.30, 20.00; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.15; Vier zauberhafte Schwestern 14.20;

Die Wolf-Gäng 13.45, 17.10

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Knives Out

–Mordist Familiensache17.00,20.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.30

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Judy 17.00; Pferde stehlen 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –

Der Film 17.00, 20.20; Bad Boys for Life 14.45,

17.20, 19.50; Die Eiskönigin II14.20, 17.00; The

Grudge 20.40; Die Hochzeit 14.30, 17.20, 20.15;

3D: Jumanji –The Next Level 20.15; Jumanji –The

Next Level 14.20, 17.20; Knives Out –Mord ist

Familiensache 20.10; Latte Igel und der magische

Wasserstein 15.00; Lindenberg! Mach dein Ding

17.05, 20.00; One Piece: Stampede 20.00; Das

perfekte Geheimnis 15.00, 20.00; SpioneUndercover:

Eine wilde Verwandlung 14.30; 3D: Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 17.30; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.20, 19.45; Vier zauberhafte

Schwestern 14.45, 17.40; Violet Evergarden und

das Band der Freundschaft 17.00; Die Wolf-Gäng

14.40, 17.10

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Bad

Boys for Life 20.30; Die Eiskönigin II 15.15; The

Farewell 20.30; Die Hochzeit 15.00,17.45,20.30;

Hustlers 18.00; Lindenberg! Mach dein Ding17.30;

Vier zauberhafte Schwestern 15.15

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Bad Boys for Life 18.00, 20.30; Die Eiskönigin II

14.45; Die Hochzeit 15.00, 17.30, 20.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 17.00, 19.45; One Piece:

Stampede 20.00; Vier zauberhafte Schwestern

14.00, 16.00; Violet Evergarden und das Band der

Freundschaft 18.00; DieWolf-Gäng 14.00, 16.00

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Star Wars:

DerAufstieg Skywalkers 20.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 18.15; Bad Boys for Life

17.45, 20.15; Jumanji –The Next Level 15.30; Knives

Out –Mord ist Familiensache 20.45; Spione

Undercover: Eine wildeVerwandlung 15.00

KammerspieleKleinmachnow (✆ 03 32 03/84 75 84)

Candelaria –Ein kubanischer Sommer 17.00; Latte

Igel und der magischeWasserstein 10.30; Vom Gießen

des Zitronenbaums 19.00

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 20.15; Judy 18.00;

Vom Gießen des Zitronenbaums 16.15

UnionKino-Center Luckenwalde (✆ 033 71/40 16 41)

Die Eiskönigin II 15.30; Die Hochzeit 15.15, 17.35,

20.15; Jumanji 17.35; Knives Out 20.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 17.35, 20.00; Vier zauberhafte

Schwestern 15.30


24 Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020

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Netzwerk

DOKUS

Der Roboter

als bester

Freund

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetzten

Welt?Werkennt sich wirklich aus mit

den technischen Veränderungen?

Und was bringt die digitale Zukunft

für die Menschheit? Zwei TV-Dokus

reisen nach Kalifornien, Japan und

Russland.

„Hi, AI –Liebesgeschichten aus der

Zukunft“: Harmony ist die treue Begleiterin

eines einsamen Mannes

während seiner Wohnmobil-Tour

durch Kalifornien. Sie ist immer gut

gelaunt und wird amLagerfeuer sogar

philosophisch. Pepper ist mit 1,20

Metern so groß wie ein Kind und

bringt Schwung in den Alltag von

Oma Sakurai in Japan. Sie singt mit

ihrer Schwester für den Roboter

Volkslieder. Regisseurin Isa Willinger

hat für ihre 90-Minuten-Doku „Hi,

AI“ ungewöhnliche Begegnungen arrangiert

und beobachtet. Denn Harmony

und Pepper sind humanoide

Roboter, deren Alltagstauglichkeit

hier spielerisch getestet wird –Harmony

wirdeigentlich als Sex-Roboter

verkauft. Was bedeutet diese Entwicklung

der Künstlichen Intelligenz?

Die Frage beantworten Experten im

Film.

Zu sehen im ZDF am Montag,3.Februar,um

0.00Uhr.Inder ZDF-Mediathekist der Film vom

2. Februar bis zum2.März verfügbar.Pepper hat

am 7. Februar bei 3Sat seinen nächsten Auftritt:

Hiermoderiertermit Cecile Schortmann eine Extra-Ausgabe

des MagazinsKulturzeit mitdemTitel

„Die Roboter kommen!“

Die Roboterpuppe Harmonywird zur Begleiterin

eines einsamen Mannes. SHINE CINEMA

„Hacker, Hightech, Hetze“: Auch in

Russland wird mit humanoiden Robotern

experimentiert. Schließlich

klingt Roboter ja nicht zufällig wie das

russische Wort „Rabota“ –die Arbeit.

In seiner ntv-Reportage „Hacker,

Hightech, Hetze“ besucht Autor Niko

Karasek die „Digitalmacht Russland“

und zeigt, dass hier beileibe nicht nur

Troll-Armeen und Hacker-Gruppen

aktiv sind. Die Suchmaschine Jandeks

und das Netzwerk VTsind in

Russland selbst schon führend, die

Firma Kaspersky schützt den Bundestag

vorIT-Angriffen. Niko Karasek

spricht mit Hackern, Programmierern

und IT-Forschern, besucht das

Innovationszentrum „Innopolis“, in

dem einmal 60 000 Menschen studieren

und forschen sollen, und die

Hightech-Schmiede Skolkowo, das

sich zum russische Silicon Valley entwickeln

soll.

„Hacker,Hightech, Hetze-Digitalmacht Russland“

läuft am Montag,3.Februar,um22.10 Uhr

auf ntv und ist danachauf der PlattformTVNow

abrufbar.

Torsten Wahl staunt

über die Ambitionen der

Digitalmacht Russland.

Die Spiele-Entwickler Sebastian Schulz und Jörg Friedrich, gezeichnet im grafischen Stil ihres Spiels. HANDY GAMES (2)

Widerstand im Alltag

Drei JahreArbeit: Das Berliner Studio Paintbucket Games hatsein sehrpolitischesSpiel endlichfertiggestellt

VonJan Bojaryn

Inden ersten beiden Jahren der

Entwicklung bestand das Studio

Paintbucket Games nur aus

zwei Personen: Jörg Friedrich

programmierte, Sebastian Schulz

gestaltete künstlerisch, und beide

zusammen feilten in Berlin an der

Spielidee. Nur zum Vergleich: Große

Spielproduktionen werden heute

von internationalen Teams oft an

verschiedenen Standorten mit mehrerenHundertMenschen

entwickelt.

Diskussion um Hakenkreuze

Und doch sorgten die beiden Macher

mit „Through the Darkest of

Times“ schon vor dem Erscheinen

für Schlagzeilen, denn Computerspiele

mit einer politischen Botschaft

waren in Deutschland bis vor

kurzem nicht vorgesehen. Die USK,

Vergabestelle für Altersfreigaben,

verweigerte Spielen mit verfassungsfeindlichen

Symbolen in aller Regel

die Freigabe. Die Folgen waren absurd.

Spiele wie die antifaschistischen

„Wolfenstein“-Egoshooter, in

denen ein jüdischer Held Nazis tötet,

erschienen in Deutschland mit wegretuschierten

Hakenkreuzen. Ein altersseniler

Hitler, der dort kurz als

Witzfigur auftritt, wurde in der deutschen

Version zu „Heiler“ umgetauft,

sein Schnurrbart abrasiert. Für die

Gaming-Szene war es unverständlich,

warum Filme anders bewertet

wurden als Spiele. In dem Hollywood-Erfolg

„Inglourious Basterds“

von Quentin Tarantinos beispielsweise

hatten die Nazi-Symbole niemanden

gestört.

Friedrich und seine Kollegen gingen

deshalb davon aus, dass sie die

Symbole weglassen müssten. Dann

aber entfachte sich 2018 eine Debatte

um die überholte Praxis, im

Sommer des Jahres fiel das Verbot.

Friedrich hält es für ein Riesenglück,

dass sein Team nun klar zeigen darf,

was war. In„Through the Darkest of

Times“ sehen die Nazis auch wie Nazis

aus –sie tragen Uniformen mit

Hakenkreuzbinden.

Die Spielidee: Es ist das Jahr, in

dem die Nazis die Herrschaft übernommen

haben. Die Spieler steuern

eine Widerstandsgruppe. Sie rekrutieren

Mitstreiter, fällen strategische

und moralische Entscheidungen. Genau

geht es um die Lebensleistung

einfacher Menschen, die sich wehrten

im Unrechtsstaat. Friedrich will

Geschichte auf die Dimension des

Einzelnen herunterbrechen, er zitiert

den Talmud: „Wer einen Menschen

rettet, rettet die ganzeWelt.“

Friedrich ist ein politischer

Mensch, die Motivation hinter seinem

neuen Spiel eine aufklärerische:

„Wir sind entsetzt über das Erstarken

des rechtsnationalen Hasses“, sagt

Die Macher: Jörg Friedrich,

und Sebastian Schulz entwickelten

bereits seit mehr als

15 Jahren Computerspiele,

bevorsie Paintbucket Games

gründeten. Unter anderem

arbeiteten sie für das große

Berliner Studio Yager.

Kreuzberger Jungs: Jörg Friedrich und Sebastian Schulz arbeiten am Kottbusser Tor.

er. Erwill mit dem Spiel verdeutlichen,

wohin der Hass in der Vergangenheit

geführthat.

Friedrich und Schulz sind erfahrene

Profis,sie haben schon bei dem

Berliner Spielestudio Yager an dem

großen Shooter„Spec Ops: The Line“

mitgewirkt, der als eine Art Antikriegsspiel

Aufmerksamkeit erregte.

Anfangs entwickelten Friedrich und

Schulz den Titel in ihrer Freizeit, erst

ab April2018 ging es in Vollzeit. Ende

2018 wurde aus dem Duo ein vierköpfiges

Team, unterstützt von zwei

Externen und dem Team des Publishers

Handy Games.

„Through the Darkest of Times“

ist, wie Friedrich selbst sagt, ein

recht kleines Spiel. DenUnterschied

KAMPF GEGEN DIE NAZIHERRSCHAFT

Die Motivation: Friedrich

und Schulz gründeten Paintbucket

Games, um politisch

und gesellschaftlich relevante

Computerspiele verwirklichen

zu können. Das

Debütwerk heißt „Through

the Darkest of Times“.

Der Modus: „Through the

Darkest of Times“ spielt während

der Naziherrschaft in

Berlin. Es geht um die Strategie

im Widerstand. Das Spiel

erscheint am 30. Januar als

Download für den PC. Der

Preis ist noch unbekannt.

zu den großen Produktionen sieht

man schnell; das Spiel aus Berlin ist

nicht bombastisch, es montiert Menüs,Text

und Bilder zu einer kleinen,

atmosphärisch dichten Erzählung.

Es gehört ineine Reihe mit politischen

Spielen aus der unabhängigen

Entwicklerszene wie dem dokumentarisch

inszenierten „Attentat 1942“

oder dem pointierten Indie-Hit

„Papers, Please“, in dem der Spieler

als Grenzbeamter die Aufgabe hat,

Pässe zu kontrollieren und die Einreise

zu gewähren oder zu verweigern.

Dabei entscheidet er über Lebensschicksale

–auch das seiner Familie.

In weiten Teilen der Öffentlichkeit

sind diese Artvon Spielen noch nicht

richtig angekommen. Oft werden

Computergames als pure Unterhaltung

abgetan, als geschmackloser

Eskapismus.Das bekamen die Berliner

zu spüren. Familienministerin

Franziska Giffey (SPD) und der Israel-Botschafter

Jeremy Issacharoff

äußerten sich abwertend bis schockiert.

Die Reaktion war anfangs belastend

für das Studio, schließlich

wollte man nicht provozieren, sondern

ein Zeichen gegen den Hass in

der Gesellschaft setzen. Nicht alle

waren gesprächsbereit. Ein paar

aber doch. Franziska Giffey ließ sich

den Titel auf der Gamescom in Köln

präsentieren und zeigte sich nachher

umgestimmt.

Bedenken der Politiker

Offen für Kritik waren aber auch die

Macher bei Paintbucket Games.

Nicht nur von Testspielern, sondern

auch von „Angehörigen von Widerstandskämpfern,

vonGedenkstätten

und von Historikern und Historikerinnen“

hätten sie Rückmeldungen

eingeholt, erklärt Friedrich. Recherche

und Diskussion gehörten zur

Projektarbeit. So ein offener Umgang

mit einem halbfertigen, unerprobten

Spiel ist nicht selbstverständlich.

Aber er hat sich ausgezahlt. Seit

Jahren erscheinen anerkennende

Vorabberichte über den Titel. Friedrich

berichtet von Testern, die mit

Tränen in den Augen vom Spieltisch

aufstanden.

Jetzt sind die Diskussionen und

Tests überstanden, am Donnerstag

erscheint „Through the Darkest of

Times“. Drei Jahre Entwicklungsdauer

klingen für ein vermeintlich

kleines Spiel sehr lang. Aber die Zeit

ist im Branchenvergleich normal.

Die Entwicklung eines Spiels, auch

eines kleinen, macht überraschend

viel Arbeit.

Die Frage, warum die paar Texttafeln

und Bilder so lange brauchten,

beantwortet Friedrich mit einem

anschaulichen Beispiel: „Unser

kleines Spiel besteht aus 125 000

Wörtern Text –also rund 480 Seiten.“

Der Text besteht aus unzähligen

kleinen Meldungen und Erzählschnipseln,

und er musste auch

noch übersetzt werden. Dank der

Kooperation mit Handy Games erscheint

„Through the Darkest of

Times“ zeitgleich in sieben Sprachen.

Wie gut es sich verkaufen

wird, das ist eine spannende Frage.

Menschen, die dem Medium Computerspiel

mehr zutrauen, freuen

sich schon über den erfolgreichen

Abschluss des Projektes.

JanBojaryn findet, dass

Spiele auch eine politische

Botschaft haben dürfen.

Kooperation

mit

Tech-Konzern

VW arbeitet enger mit

Microsoft zusammen

Volkswagen setzt beim Konzernumbau

in Richtung E-Mobilität

und Digitalisierung auf eine noch

engere Zusammenarbeit mit Microsoft.

Der Autobauer kooperiert

schon mit dem US-Softwareriesen,

um seine Autos in der „Volkswagen

Automotive Cloud“ voll zu vernetzen.

Künftig soll die langfristig angelegte

Partnerschaft aber auch Nachhaltigkeit,

digitale Bildung und Mitarbeiter-Engagement

umfassen, erklärten

die Unternehmen am

Montag.

Klimaschutz und digitale Transformation

seien die zentralen Themen

für die Zukunft von Wirtschaft

und Gesellschaft, sagte Ralf Pfitzner,

Leiter Nachhaltigkeit im Volkswagen-Konzern:

„Die Herausforderungen

sind immens –daher ist es besonders

wichtig, dass die Transformation

auf breiter gesellschaftlicher

Basis stattfindet, und dass wir die

Menschen mitnehmen.“

Microsoft wirddabei ein digitales

Trainingsprogramm an der „Fakultät

73“ vonVolkswagen anbieten. Damit

sollen sowohl VW-Mitarbeiter als

auch externe Jobsuchende für den

digitalen Arbeitsmarkt aus- und weitergebildet

werden. Die ersten 100

Studierenden werden ab Frühjahr

das Programm absolvieren können.

Beieinem „Thinkathon“ in der Autostadt

sollen außerdem Konzepte entwickelt

werden, wie mit Hilfe von

Künstlicher Intelligenz der Ausstoß

von Kohlendioxid reduziert werden

kann.

VW strebt an, die wichtigsten

Komponenten der neuen Auto-Generation

–Batterien und Software –

selbst herzustellen. „Wir müssen

hier nachhaltig Kompetenz aufbauen“,

sagte Chef Herbert Diess

jüngst vor Mitarbeitern. Für seine

neue Software-Einheit will der Konzern

im kommenden Jahr 2500 Experten

einstellen und weitere selbst

ausbilden. (dpa)

Mediennutzung

der Kinder

einschränken

Ärzte lehnen radikale

Lösungen aber ab

K

inderärzte haben sich in einer

Umfrage dafür ausgesprochen,

die Mediennutzung der Kinder zeitlich

zu begrenzen. Mehr noch als

die Inhalte von Videos und Apps

schade die Dauer der Bildschirmzeit

den Jüngsten, ergab eine Befragung

von100 niedergelassenen Kinderärzten.

Dasgrößte Problem aus Sicht der

Kinderärzte: Die Zeit mit Smartphone,Konsole

oder Tablet im kindlichen

Alltag nimmt überhand. Das

sagen 98 Prozent der Mediziner. 70

Prozent halten auch die Art und die

Inhalte der Spiele, die gespielt werden,

für mitunter problematisch.

Dennoch lehnt eine große Mehrheit

der Ärzte radikale Verbote ab.81Prozent

der Pädiater finden es weltfremd,

Kindernheutzutage den Umgang

mit digitalen Medien komplett

zu untersagen.

Drei von vier Kinderärzten sprechen

sich stattdessen für eine zeitliche

Begrenzung der Mediennutzung

aus. „Das sollte vom Alter der

Kinder abhängig gemacht werden“,

sagte die Beratungsärztin Imke

Schmitz-Losem. Die Studie „Smart

aufwachsen 2019?“ wurde im Oktober

2019 im Auftrag der pronova

BKK durchgeführt. pronova BKK ist

ein Zusammenschluss der Betriebskrankenkassen

namhafter Weltkonzerne.

(BLZ)


Berliner Zeitung · N ummer 23 · D ienstag, 28. Januar 2020 25

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TV-Programm

ARD

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45

(für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen. Telenovela 15.00

(für HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder

Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Meer 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Werweiß

denn sowas? 18.50 (für HG) WaPo Berlin. Alle in

einem Boot 19.45 (für HG) Wissen voracht

–Natur 19.50 (für HG) Wetter /Börse voracht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Um Himmels Willen

Familienserie. Rückschläge. Als

Weihbischof Landkammer den

KaltenthalerNonnen einen Überraschungsbesuch

abstattet, sind diese

wenig begeistert, was ihm nicht entgeht.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Arztserie. Unter Vätern

21.45 (für HG) Report Mainz

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Kölner Treff –Best of

Talkshow

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.05 Der Blaulicht Report 5.25 Exclusiv –Das

Starmagazin 5.35 Explosiv –Das Magazin 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns 9.30 (für

HG) Alles was zählt 10.00 Der Blaulicht Report

12.00 Punkt 12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00

Die Superhändler–4Räume, 1Deal 15.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 16.00 Die

Superhändler:Lieblingsdeals 17.00 Herz über

Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily Soap

18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –

Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL

Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG) Alles was

zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Deutschland sucht den Superstar

Die Castings. Heute singt Amadeus vor,

der im Jahr 2018 vonder JuryimCasting

eine Absageerhielt. Damals weigerte er

sich, das Studio zu verlassen, bis ihm

eine zweite Chance versprochen wurde.

22.30 Absolut Xavier Naidoo

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Deutschland sucht den Superstar

Castingshow. Die Castings

2.20 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Ein Verräter im Feuer

MDR

12.30 (für HG) Mutter auf Streife. Komödie, D

2015 13.58 (für HG) Aktuell 14.00 (für HG)

MDR um 2 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) MDR um 4 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG)

Sandmann 19.00 Regionales 19.30 (für HG)

Aktuell 19.50 (für HG) Einfach genial 20.15 (für

HG) Umschau 21.00 (für HG) Wohnprojekt

Weimar 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG)

DDR vereist 22.48 Aktuell 22.50 (für HG) Polizeiruf110:

... und tot bist du. Krimireihe, D1993

0.15 (für HG) Klemperer 1.48 Aktuell

Bayern

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 (für HG) Blickpunkt

Sport. Ski Alpin. Nachtslalom Herren, 1. Lauf, live

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Blickpunkt Sport. Ski Alpin. Nachtslalom Herren,

2. Lauf, live 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Capriccio 22.30 Traumhäuser

23.15 (für HG) puzzle 23.45 KlickKlack 0.15

Mariss Jansons und Yefim Bronfman

Vox

5.15 CSI: NY 6.00 Bones –Die Knochenjägerin

6.55 CSI: Vegas 7.50 CSI: Vegas 8.50 Verklag

mich doch! 9.50 Verklag mich doch! 10.50 Vox

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 12.00 Shopping Queen 13.00

Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst du denn? 15.00 Shopping

Queen 16.00 Salonfähig –Wer macht schöner?

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Hot oder Schrott

–Die Allestester 0.15 VoxNachrichten

Super RTL

10.05 PawPatrol 10.35 Sammy 11.05 Die

Dschungelhelden 11.30 Grizzy &die Lemminge

11.55 Go Wild! 12.15 Trolls 12.45 Friends

13.10 Sally Bollywood 13.40 Angelo! 14.05 Die

Tomund JerryShow 14.30 Voll zu spät! 14.55

Dragons 15.20 Scooby-Doo! 15.45 Alvinnn!!!

und die Chipmunks 16.15 Grizzy &die

Lemminge 16.40 Dennis &Fletscher 17.10 Go

Wild! 17.40 Voll zu spät! 18.05 Die Tomund

JerryShow 18.40 Woozle Goozle 19.10

Alvinnn!!! und die Chipmunks 19.30 Angelo!

20.15 Snapped 0.00 Böse Mädchen

Sport1

5.40 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

Normal 16.00 Cajun Pawn Stars –Pfandhaus

Louisiana 16.30 StorageWars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap.

Komme, was wolle /Alles

auf Risiko 17.30 StorageWars –Geschäfte in

Texas 18.00 StorageWars –Geschäfte in Texas

18.30 Sport1 News 19.00 Magenta Sport: Arena

20.00 StorageHunters 20.30 StorageHunters

21.00 StorageHunters 21.30 StorageHunters

22.00 StorageHunters 22.30 Scooore! 23.15

Die 2. Bundesliga. 19. Spieltag 0.15 SportClips

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) SokoWismar.Abgeschminkt 12.00

heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. In der Höhle des

Mörders 17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoKöln. Schlangengrube

19.00 (für HG) heute /Wetter 19.25 (für HG)

Die Rosenheim-Cops. Beichte eines Toten

20.15 (für HG) Ein TaginAuschwitz Vor75

Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die

Rote Armee Auschwitz. Der Ortgilt heute

als Synonym für den Holocaust. Der Film

erzählt aus Sicht der Opfer und einiger

Täter voneinem TagimLager.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Wir ticken anders

Leben mit Tourette

22.45 (für HG) Markus Lanz

0.00 heute+

0.15 (für HG) Die Kinder von Windermere

Drama, D/GB 2020

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

12.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

AufStreife –Die Spezialisten. Als Anna ihre Eltern

besucht, stößt sie auf ein grauenhaftes Szenario:

Ihr Vater liegt in desolatem Zustand auf dem

Küchenboden, und vonihrer Mutter fehlt jede

Spur.Wahnhaft spricht der Erkrankte voneinem

Trommeln im Gemäuer.Was ist hier bloß los?

19.00 Genial daneben –das Quiz 19.55 Sat.1

Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Hand und Fuß. Gibbs braucht sein Team,

denn auf einem Friedhof taucht ein

reiterloses Pferd auf, welches abgetrennte

Füße in seinen Steigbügeln trägt. Wo

ist der dazu gehörigeKörper?

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Das Virus

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie.Quinn Liu

23.10 SpiegelTV–Reportage

Notruf in Nürnberg

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

12.45 (für HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant,

Tiger&Co. 13.55 (für HG) Hogräfer packt’san

14.25 (für HG) Um Himmels Willen 16.00 (für

HG) Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

Aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Abenteuer Erde 21.00 (für HG) Quarks

21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Über die

Grenze: Gesetzlos. Krimireihe, D2017 23.35 (für

HG) Krieg in London –The Crime. Kriminalfilm,

GB 2012 1.25 (für HG) Schweig.Oder Stirb.

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) NaturNah

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15

(für HG) Panorama 3 21.45 (für HG) NDR Info

22.00 (für HG) Polizeiruf 110: Kindeswohl.

Krimireihe, D2019 23.30 (für HG) Weltbilder

0.00 (für HG) Wildes Herz. Doku-Film, D2017

Kabel eins

5.55 (für HG) Castle 6.45 (für HG) The Mentalist

7.40 (für HG) Navy CIS: L.A. 8.40 Navy CIS 9.30

Blue Bloods 11.15 Numb3rs 12.10 (für HG)

Castle 13.05 (für HG) Castle 14.00 (für HG) The

Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50

kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle! Wir

kümmernuns drum 20.15 Der Diamantencop.

Komödie, USA/D 1999 22.15 (für HG) Eraser.

Actionfilm, USA 1996 0.35 (für HG) Blitz. Thriller,

GB/F/USA 2011 2.10 kabel eins late news

RTLZWEI

5.20 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 PrivatdetektiveimEinsatz

7.00 Die Straßencops Süd –Jugend

im Visier 8.00 Frauentausch 10.00

Frauentausch 12.00 Frauentausch 14.00 Die

Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben 15.00

Die Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben

16.00 Hartz und herzlich –Tag für TagRostock

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Armes Deutschland –Stempeln oder

abrackern? 22.15 Hartz und herzlich 0.15

Autopsie –Mysteriöse Todesfälle 1.05 Autopsie

–Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

5.00 Tennis. Australian Open. Viertelfinale, live

7.00 Tennis 8.45 Matchball Becker 9.00 Tennis.

Australian Open. Viertelfinale, live 12.00

Matchball Becker 12.30 Fechten 13.40 Snooker

15.05 Bahnradsport 16.00 Ski Alpin 16.50 Ski

Alpin 17.35 Ski Alpin. Slalom der Männer,1.

Durchgang,live 18.45 Springreiten 19.45

Nachrichten 19.50 Ski Alpin 20.35 Ski Alpin.

Slalom der Männer,2.Durchgang,live 21.45

Nachrichten 22.05 Radsport 23.00 Radsport.

Vuelta aSan Juan. 3. Etappe, live 0.30 Tennis

TV-Tipps

ARD, 18.50 UHR KRIMISERIE

WaPo Berlin

Die feierliche Einweihung des Pilotprojektes „Wasserkriminaldezernat

Eins der Wasserschutzpolizei Berlin“ –kurzWaPo Berlin –hat gerade

begonnen, als schon der erste Einsatzbefehl die Rede der Polizeipräsidentin

unterbricht. Das neue Team um die Kriminalhauptkommissarin Jasmin

Sayed (Sesede Terziyan) und Wolf Malletzke (Christoph Grunert) wird zu

einem Leichenfund am Wannsee gerufen. Fast zeitgleich wird aus dem an

der Spreeliegenden Berliner Dom ein bedeutendes Exponat gestohlen. Besteht

zwischen beiden Fällen ein Zusammenhang? Das gesamte WaPo-Team,

das sich mit diesem Fall als überzeugende kriminalistische Einheit beweisen

muss,ermittelt in alle Richtungen ... Mitder Episode „Alle in einem Boot“

startet der „WaPo Bodensee“-Ableger,die neue ARD-Vorabendserie.

(D/202)

Foto: ARD

Anzeige

Kleine Schiffe ganz groß

Eintritt

frei!

Um Anmeldung

wird gebeten.

Berliner Zeitung Leserreisen

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

2 1 7

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7 5

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

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6

LESERREISEN

INFOS &ANMELDUNG

030–23 27 66 33

www.berliner-zeitung.de

/leserreisen

Info-Abend

Mit Kreuzfahrten-Expertin

Wann? 19.02.2020, 17 Uhr

Wo? Verlagshaus,

Alte Jakobstr. 105

Freuen Sie sich auf einen kleinen Sektempfang.

LESERREISEN

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM27.1.2020

2020

mittel MITTEL

3 4 7 9 6 2 1 8 5

2 9 5 8 7 1 4 3 6

8 6 1 4 5 3 7 2 9

7 8 2 3 4 6 5 9 1

9 3 6 5 1 7 2 4 8

5 1 4 2 8 9 3 6 7

1 2 8 6 3 5 9 7 4

4 5 9 7 2 8 6 1 3

6 7 3 1 9 4 8 5 2

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 27. 1. 2020

vom 27.1.2020

schwer

SCHWER

6 1 5 7 9 2 4 3 8

2 7 4 6 3 8 5 1 9

8 3 9 4 5 1 6 7 2

4 9 1 3 8 5 2 6 7

5 8 6 1 2 7 3 9 4

7 2 3 9 6 4 1 8 5

1 6 7 5 4 9 8 2 3

9 4 2 8 1 3 7 5 6

3 5 8 2 7 6 9 4 1

RBB

5.30 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb

7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg

aktuell 8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für HG)

In aller Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen

11.20 (für HG) Sturmder Liebe 12.10 (für HG)

Hauptstadtrevier 13.00 rbb24 13.10 (für HG)

Verrückt nach Meer 14.00 (für HG) Tiere bis

unters Dach 14.30 (für HG) Die Gipfelstürmerin.

Familienfilm, D2007 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.00 rbb

wetter 18.02 rbb UM6 18.27 zibb 19.27 rbb

wetter 19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte

Die „Neue Synagoge“ in Berlin ist immer

mehr gewesen als ein Prachtbau –sie ist

ein Symbol für die Hoffnung der

jüdischen Gemeinschaft, in der

deutschenangekommen zu sein.

21.00 (für HG) Schalom Neues Deutschland

–Juden in der DDR

21.45 (für HG) rbb24

22.00 Thadeusz und die Beobachter

23.00 (für HG) Nuhr im Ersten

23.45 Die Florian Schroeder Satireshow

0.30 (für HG) Abendshow

ProSieben

5.05 Mom 5.25 The Middle 6.05 (für HG) Two

and aHalf Men 7.30 (für HG) The Big Bang

Theory 8.50 (für HG) HowIMet Your Mother

10.40 Mike&Molly 11.00 Fresh Off the Boat

11.30 Last Man Standing 12.00 2BrokeGirls

12.25 Mom. Sitcom 13.20 (für HG) Twoand a

Half Men. Der böse Alan /Ich bin eine

Aztekenpriesterin /Haben wir eine Trittleiter?

14.40 The Middle.Das Schlammloch /Das

Mörderhaus 15.35 (für HG) The Big Bang Theory.

Das Plagiats-Problem /Das Notting-Hill-Paradigma

/Die Keine-Konstante-Katastrophe 17.00

taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die

Simpsons. Werist Homers Vater? /Die Straße

der Verdammten 19.05 Galileo

20.15 Schlag den Besten

Spielshow. Im Sommer räumteAllrounder