Berliner Zeitung 03.12.2019

BerlinerVerlagGmbH

Der Fall Michael K.: VomTopverdiener zum Verbrecher – Seite 3

Auf eine

Curry mit

Gregor Gysi

Seite 12

-1/5°

Viele Wolkenfelder

Wetter Seite 2

Wenn Hartz-IV-Empfänger

aus der Wohnung müssen

Berlin Seiten 14 und 15

www.berliner-zeitung.de

Interview: Friedrich Merz

über die große Koalition

Tagesthema Seite 2, Politik Seite 5

Dienstag,3.Dezember 2019 Nr.281 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Götz Aly rügt den Umgang

mit der Gläsernen Blume

Meinung Seite 8

Der

Spielmacher für

Generationen

VonJan Bojaryn

Die Playstation wird heute 25

Jahrealt. Sieist eines der beliebtesten

Spielzeuge des 21. Jahrhunderts,wirdgenutzt

vonJugendlichen

und Erwachsenen. Wer indie Welt

der mutigen Helden, fiesen Gangster

und unterschätzten Fabelwesen eintauchen

will, der greift meistens zur

Playstation, um mit seiner Spielfigur

auf fremde Planeten, in die Vergangenheit

oder in

die Zukunft zu

reisen. Und natürlich

um Spielpartner

zu treffen.

Ein Mann ist

MarkCerny

weiß, wie Menschen

gernespielen.

Playstation

besonders eng

mit der Revolution

der Spielewelt

verbunden:

Mark Cerny. Der

leise und bescheidene

US-Amerikaner wird in

der Branche wie ein Star verehrt. Mit

Leonardo da Vinci wurde er verglichen,

als er vor zehn Jahren für sein

Lebenswerk ausgezeichnet wurde.

Damals war er Mitte 40.

Cerny liebt das Programmieren.

1982 stieg der 17-jährige Studienabbrecher

aus Kalifornien bei Atariein,

leitete kurz darauf sein erstes Team

und schaffte mit dem Spiel „Marble

Madness“ einen zeitlosen Klassiker.

Er lernte schnell, beherrschte neben

Informatik bald auch Gamedesign

und Produktion. 1985 wechselte er

zu Sega, seitdem spricht er fließend

Japanisch. Bei dem Konzern lenkte

Cerny seinen Fokus auf neue Technologien.

Als Sony 1994 die erste

Playstation auf den Markt brachte,

produzierte Cernymit„Crash Bandicoot“

und „Spyro the Dragon“ zwei

der erfolgreichsten Spiele für die

Konsole.

Auch am Start der Playstation 2

war er maßgeblich beteiligt. Dass die

Konsole von Fans damals als leistungsstark

gesehen wurde, liegt an

Menschen wie ihm. Viele Schlüsselspiele,die

von1994 bis 2011 auf Playstation

1, 2und 3erschienen sind,

hat er besser oder überhaupt erst

möglich gemacht. 2013 präsentierte

Sony dann den Coup: Cerny wurde

zum Lead Architect der Playstation 4

ernannt. Er bestimmte maßgeblich,

was in der Konsole steckte. Die neueste

Playstation ging konsequent auf

die Bedürfnisse der Spieler ein. Sie

war schneller und trotzdem billiger

als der Konkurrent Xbox One. Über

100 Millionen Mal wurde sie verkauft.

Zurzeit arbeitet Cerny an der

Playstation 5, die im Verlauf des

kommenden Jahres erscheinen soll.

In einem Interview kündigte er an,

dass die neue Plattform fundamentale

Änderungen bringen werde. Sodann

demonstrierte er den Fachleuten,

wie sich die Ladezeit eines Spiels

dank eines besonders leistungsstarken

Laufwerks von15auf 0,8 Sekunden

verkürzte. Vielleicht muss man

ein Spielefan sein, um den Wert dieser

Innovation richtig beurteilen zu

können.

Sind wir noch zu retten?

Als erstes Bundesland soll Berlin an diesem Dienstag eine „Klimanotlage“ beschließen.

Ist das Politik oder nur Symbolpolitik? Kritiker sind skeptisch

VonPeter Neumann

Antonio Guterres wählte

eindringliche Worte. „Wollen

wir wirklich als die Generation

in Erinnerung

bleiben, die den Kopf in den Sand

steckte, die herumbummelte, während

die Erde in Flammen stand?“,

fragte der Generalsekretär der Vereinten

Nationen am Montag zum

Auftakt der 25. UN-Klimakonferenz

in Madrid. Beim Klimaschutz müsse

die Menschheit zwischen dem Weg

der Hoffnung und dem der Kapitulation

wählen, mahnte Guterres.

WieinBerlin reagiertwerden soll,

ist für Regine Günther (Grüne) klar.

Die Senatorin für Umwelt, Verkehr

und Klimaschutz will erreichen, dass

der Senat an diesem Dienstag eine

„Klimanotlage“ anerkennt und weitere

Anstrengungen beschließt.

Doch was folgt daraus für Berlin?

DieLage sei ernst, sagt die Senatorin.

Seit 1881 habe sich die Atmosphäreum1,5

Grad Celsius erwärmt.

Der Weltklimarat verweise auf steigende

Meeresspiegel, Hitze- und

Dürreperioden sowie die Beschleunigung

des Artensterbens. Allein in

Deutschland wurden 2006 und 2015

jeweils 6000 Hitzetote gezählt. Auch

der Berliner Wald müsse mit zunehmenden

Belastungen zurechtkommen.

Nur noch acht Prozent des Bestands

seien gesund, rund 36 Prozent

der Bäume seien schwer geschädigt.

Mehr autofreie KiezeinBerlin

Viele Politiker nahmen die Situation

zum Anlass,den Klimanotstand auszurufen.

Jüngst fasste eine Mehrheit

des EU-Parlaments einen solchen

Beschluss –wie zuvor rund 70 Kommunalparlamente

in Deutschland.

In Berlin waren dies die Bezirksverordnetenversammlungen

Pankow

und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Doch in der Senatsverwaltung steht

man dieser Übersetzung des Begriffs

„Climate Emergency“ skeptisch gegenüber.InDeutschland

werdeNotstand

mit der Einschränkung demokratischer

Rechte in Verbindung gebracht,

hieß es.„Ichschlage vor, dass

wir ein Zeichen setzen –indem das

Land Berlin anerkennt, dass der Klimawandel

in einer dramatisch beschleunigten

Geschwindigkeit voranschreitet“,

sagte die Senatorin. Es

sei dringend notwendig, die Ziele

anzupassen und das Pariser Klimaschutzabkommen

als Handlungsgrundlage

anzuerkennen.

Günther:„Das bedeutet, dass wir

vor 2050 klimaneutral werden müssen

–und dass in Berlin die Emissionen

im Vergleich zu 1990 um mindestens

95 Prozent sinken müssen.

Dazu brauchen wir eine Novellierung

des Energiewendegesetzes, in

dem dieses Ziel ausdrücklich verankert

ist.“ Um die Ziele zu erreichen,

müsse die Verwaltung noch stärker

als bisher „in eine Vorbildfunktion

hineinwachsen“. Auch müssten alle

klimarelevanten Vorhaben auf ihre

Auswirkungen geprüft werden –„Klimavorbehalt“

ist das Stichwort. „Das

Herzstück wird die Entwicklung

neuer Maßnahmen im Rahmen des

Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms

Anfang 2020 sein.“

Werden keine Straßen mehr gebaut?

Darf der Senat bald nur noch

Elektroautos als Dienstwagen nutzen?

Muss künftig jeder Neubau Solaranlagen

haben? Darauf hat Günther

noch keine Antworten. Um solche

Themen bewerten zu können,

müsse noch eine Methodik entwickelt

werden, weshalb auch die Kosten

noch unklar wären, sagte sie.

So listen offizielle Papiere vorerst

nur längst beschlossene Maßnahmen

„Notlage heißt auch: Wir drehen alle

die Heizung ’runter. Wir fliegen weniger

und fahren in der Stadt mehr Fahrrad.

Wir essen weniger Fleisch und

trinken Wasser aus Berlin.“

Andreas Otto, Abgeordneter der Grünen und Sprecher für Baupolitik

auf –etwa den Ausbau des Radwegenetzes

oder den Kauf vonElektrobussen

bei der BVG. Doch derWerkzeugkasten

für weitereMaßnahmen ist gefüllt.

So soll nicht nur derWrangelkiez

autofrei werden, und auch von„Zero

Emission Zones“, die für Fahrzeuge

mit Verbrennungsmotoren tabu sind,

ist wieder einmal die Rede.

„Der Senat muss ehrlich sagen,

welche Konsequenzen die Notlage

hat und wie jede Verwaltung damit

umgeht. Es darf nicht bei guten Vorsätzen

bleiben“, sagte Tilmann Heuser

vom Bund für Umwelt und Naturschutz

Deutschland (BUND). Er

forderte, den Weiterbau der Autobahn

A100 in Treptow zustoppen

und auf den Lückenschluss in der

Tangentialverbindung Ost zwischen

IMAGO/NBL BILDARCHIV

Marzahn und Köpenick zu verzichten.

Zwar soll der Flughafen BER öffnen,

„schon deshalb,weil Tegel dann

schließen kann“. Doch Berlin brauche

auch ein Luftverkehrskonzept,

das Kurzstreckenflüge beschränkt.

Wo bleiben die neuen Radwege?

Morddrohung

gegen

Sawsan Chebli

Politikerin auf „Todesliste“

von Rechtsextremisten

Die Berliner Staatssekretärin

Sawsan Chebli wird nach eigenen

Angaben von mutmaßlichen

Rechtsextremisten mit dem Tode bedroht.

DieSPD-Politikerin veröffentlichte

am Montag

auf Twitter

ein von Unbekannten

an sie

gerichtetes

Schreiben mit einer

Morddrohung.

Chebli

habe es auf „unsere

Todesliste

geschafft“, heißt

es in dem Text, in

DPA

Sawsan Chebli,

Staatssekretärin

dem die 41-Jährige beschimpft und

rassistisch beleidigt wird. Er endet

mit den Worten: „Heil Hitler.Die Soldaten

der Cyberreichswehr.“

Chebli erstattete nach eigenen

Angaben Anzeige. Zudem kündigte

sie an, in ihrem Wirken für eine offene,

tolerante Gesellschaft nicht

nachzulassen. „Ich lasse mich von

Euch Nazis nicht einschüchtern,

werde weiter meine Stimme erheben,

mich für Vielfalt einsetzen,

werde weiter für eine offene Gesellschaft,

für Migranten, Flüchtlinge,

Schwarze, Juden, Muslime und alle

kämpfen, die Eure Feinde sind“,

twitterte sie.„Jetzt erst recht.“Chebli

ist in der Berliner Senatskanzlei

Staatssekretärin für Bürgerschaftliches

Engagement und Internationales.

Zuletzt hatten die Grünen-Politiker

Cem Özdemir und Claudia Roth

E-Mails mit Morddrohungen des

mutmaßlich deutschen Ablegers einer

rechtsextremistischen Gruppe

namens „Atomwaffen Division“ erhalten.

In dem Brief an Chebli wird

darauf ausdrücklich Bezug genommen.

Erwähnt wird zudem der Kasseler

Regierungspräsident Walter

Lübcke, der am 2. Juni mit einem

Kopfschuss auf der Terrasse seines

Hauses im Landkreis Kassel getötet

wurde. Ein Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft,

die Bundesanwaltschaft

geht von einem rechtsextremenHintergrund

aus.

Bereits im Oktober waren Bombendrohungen

gegen die Rathäuser

in München, Köln und Bremen eingegangen.

Sie blieben folgenlos. Gezeichnet

waren die Drohbriefe mit

„Cyber Reichswehr“. (dpa/kop.)

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Entgelt bezahlt

Dass es eine Klimakrise gibt, sei

längst Gemeingut, sagte der SPD-

Umweltpolitiker Daniel Buchholz.

Konkrete Maßnahmen seien wichtiger,als

eine Notlage auszurufen. Bislang

käme Berlin beim Bauvon Radfahrstreifen

und Tramstrecken „nur

in Trippelschritten“ voran – wofür

Günther, die auch der Verkehrsverwaltung

vorsteht, verantwortlich sei.

„Vielleicht sollte die Klimaschutzsenatorin

mal mit der Verkehrssenatorinsprechen“,

so Buchholz ironisch.

„Endlich bewegt sich der Senat“,

sagte Marco Dörre von der Initiative

Klimanotstand Berlin, die dem Abgeordnetenhaus

im Sommer rund

43 000 Unterschriften für eine entschlossene

Klimapolitik überreicht

hat. Doch wenn Berlin tatsächlich

erst 2050 klimaneutral werden soll,

würden 20 Jahrevertan. „Was der Senat

plant, reicht nicht aus“, so Dörre.

Der FDP-Umweltpolitiker Henner

Schmidt bemängelte die „Symbolpolitik“

des Senats.InBerlin fehle

es „an einer zielgerichteten Umsetzung

und an klugen, innovativen

Ideen, die der großen Herausforderung

des Klimawandels gerecht werden“.

Andreas Otto von den Grünen

erinnert daran, dass jeder einzelne

zur Problemlösung beitragen könne.

„Notlage heißt auch: Wir drehen alle

die Heizung ’runter. Wir fliegen weniger

und fahren in der Stadt mehr

Fahrrad. Wir essen weniger Fleisch

und trinkenWasser ausBerlin“, sagte

der Abgeordnete. PolitikSeite 4, Leitartikel

Seite8,Wissenschaft Seite16 4 194050 501603

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2 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Tagesthema

Nach dem Beben vomWochenende

herrscht in

der SPD vor allem ein

Gefühl vor: Unsicherheit.

Aufwelches Personal setzen die

neuen Parteivorsitzenden Saskia Esken

und NorbertWalter-Borjans? An

welchen Stellen wollen sie die SPD

politisch neu aufstellen? Und natürlich:

Wie geht es weiter mit der großen

Koalition? Diese Fragen stellen

sich am Montag viele –Antworten

haben nur wenige.

Das liegt auch daran, dass Esken

und Walter-Borjans in der Berliner

Politik nicht sonderlich gut vernetzt

sind. Der Empfang der beiden im

Willy-Brandt-Haus soll eher sachlich

gewesen sein, wichtige Dinge besprechen

die designierten Vorsitzenden

lieber in dem kleinen Team, das

bisher ihren Wahlkampf organisiert

hat. Die früheren NRW-Juso-Vorsitzenden

Veit Lemmen und Frederick

Cordes sollen dabei eine wichtige

Rolle spielen, heißt es.

Erstes Zeichen der Veränderung:

Der Leitantrag für den Parteitag, der

vom scheidenden Vorstand bereits

weitgehend fertiggestellt worden

war, wird umgeschrieben. Am

Dienstag soll das Dokument von

dem um die Fraktionsführung erweiterten

Parteipräsidium beschlossen

werden.

Mandat auf Parteitag

Manche in der SPD lesen nun zum

ersten Mal aufmerksam das „Fortschrittsprogramm“

– jenes Papier,

das Esken und Walter-Borjans im

Wahlkampf vorgelegt hatten, und

das nun als Blaupause für den Leitantrag

dienen soll. Vier Themen heben

die beiden darin hervor: Investitionen,

Klimaschutz, Arbeit und Digitalisierung.

Bei diesen Punkten

werden sie Nachverhandlungen mit

der Union verlangen. Der Parteitag

soll dafür ein Mandat erteilen.

Mit Spannung erwartet werden

die konkreten Formulierungen. Machen

Esken und Walter-Borjans tatsächlich

ernst mit ihrer Forderung

nach einem 500-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm?

Fordern sie

von der Union einen höheren CO 2 -

Preis oder die Erhöhung des Mindestlohnes

auf zwölf Euro?

Neues SPD-Führungsduo will mit der Union über Investitionen, Klimaschutz, Arbeit

und Digitalisierung verhandeln. Dabei ist nicht klar,wie lange die Koalition noch hält.

Die Arbeit in der großen Koalition wird für Annegret Kramp-Karrenbauer,Angela Merkelund Olaf Scholz (v.l.) nach dem SPD-Mitgliederentscheid nicht einfacher werden.

Die Überlebenschancen der Berliner

Regierungskoalition hängen

maßgeblich von diesen Fragen ab.

Als wahrscheinlich gilt es, dass der

Leitantrag eine Frist vorsieht, bis zu

der eine Einigung mit der Union erreicht

werden soll. Gut informierte

Kreise sprechen vom Sommer. Die

Forderung nach einem sofortigen

Entscheidung im Sommer

Ausstieg aus der großen Koalition

wäredamit vomTisch.

In der Personalfrage sind erste

Entscheidungen inzwischen gefallen.

Es sieht so aus, als würden die

von sechs auf drei reduzierten Stellvertreterposten

alle neu besetzt. Die

bisherige stellvertretende Parteichefin

Malu Dreyer, die die SPD zuletzt

Nach der Wahl

VonMarina Kormbaki und Andreas Niesmann

DPA

kommissarisch geführt hat, wird

nicht wieder kandidieren. Nach Informationen

der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland)

gilt das auch für den in der Stichwahl

unterlegenen Olaf Scholz. Manuela

Schwesig und Natascha Kohnen haben

bereits abgewunken. Lediglich

Ralf Stegner hat sich noch nicht erklärt.

Die Chancen des Mannes aus

Schleswig-Holstein werden parteiinternaber

als gering eingeschätzt.

Die Brandenburgerin Klara Geywitz

wird antreten. Auch Arbeitsminister

Hubertus Heil und Juso-Chef

Kühnert liebäugeln mit einem Posten.

Mindestens einer der drei Vizeposten

muss aber aus Gründen der

Gleichberechtigung mit einer Frau

besetzt werden – zumindest wenn

Lars Klingbeil Generalsekretär und

Dietmar Nietan Schatzmeister

bleibt, wovondie meisten ausgehen.

Die CDU nutzt die Aufregung in

der SPD, umsich nach heftigem internen

Personal- und Positionsstreit

als Garant von Stabilität zu präsentieren.

Abwarten und gelassen bleiben

lautet die Devise, die Parteichefin

Annegret Kramp-Karrenbauer

am Montagmorgen in einer Telefonschaltkonferenz

mit dem Parteivorstand

ausgibt. Kramp-Karrenbauer

lehnt Nachverhandlungen des Koalitionsvertrags

ab und erhält dafür

einmütige Zustimmung. Erst mal

wollen die Konservativen den SPD-

Parteitag abwarten.

CDU: Keine neuen Schulden

Einentschiedenes Nein zu Nachverhandlungen

kommt aus Bundestagsfraktion

und Ländern. So erteilte

der haushaltspolitische Sprecher der

Unionsfraktion im Bundestag, Eckhardt

Rehberg, den Forderungen

nach einer Ausweitung der Neuverschuldung

eine klare Absage. „Die

Debatte um die schwarze Null ist absurd“,

sagt Rehberg. „Es bleibt dabei,

was im Koalitionsvertrag vereinbart

wurde: keine neuen Schulden. Wir

werden darüber nicht verhandeln.

Punkt.“

Auch Thüringens CDU-Landeschef

Mike Mohring plädiert gegen

eine Überarbeitung des Koalitionsvertrages.„In

der Union gibt es sichtbar

keine Zustimmung für ein Update

des Koalitionsvertrages“, sagt

das CDU-Präsidiumsmitglied. „Die

SPD tut gut daran, in dieser Woche

ihre Personalfragen und ihr Verständnis

von künftiger verlässlicher

Zusammenarbeit in der Bundesregierung

zu klären.“

Hinter vorgehaltener Hand warnen

Unionspolitiker allerdings auch

vor allzu rigorosen Ansagen an die

SPD.Damit, so die Befürchtung einiger,heizeman

die Anti-GroKo-Stimmung

unter den Genossen noch

weiter an und schädige sich am Ende

womöglich selbst. Denn an einem

Aus der GroKo ist –bei allem Verdruss

über die Genossen –kaum jemandem

in der Union gelegen.

VonTobias Peter

Esist eine der bemerkenswertesten

Szenen aus den 23 SPD-Regionalkonferenzen.

„Wir werden noch

nicht mal dem heiligen Kevin gehorchen,

weil wir unseren eigenen Kopf

haben“, wirft Gesine Schwan dem

Kandidatenduo aus Saskia Esken und

NorbertWalter-Borjans an den Kopf.

Der „heilige Kevin“, damit ist Juso-

Chef Kevin Kühnert gemeint. Und

Schwan, 76 Jahre alte Politikwissenschaftlerin

und Vorsitzende der SPD-

Grundwertekommission, will Esken

und Walter-Borjans damit sagen: Ihr

seid gar nicht richtig unabhängig, ihr

macht doch im Zweifel das, was der

Juso-Vorsitzende voneuch verlangt.

Eines ist klar: Esken und Walter-

Borjans –mit 53,06 Prozent die Sieger

in der Stichwahl der Mitgliederbefragung

gegen Vize-Kanzler Olaf Scholz

und die Brandenburgerin Klara Geywitz

– wären ohne die Unterstützung

vonKevin Kühnertwahrscheinlich

nicht Parteichefs geworden. Es ist

das machtpolitische Meisterstück

Kühnerts, zwei Kandidaten durchgebracht

zu haben, die noch bis kurzvor

Beginn der Regionalkonferenzen niemand

auf dem Zettel hatte.

Denn viele in der Partei hatten im

Sommer darauf gewartet, ob Kühnert

–prominentester GroKo-Kritiker

in der SPD –selbst ins Rennen

zieht. Doch der Juso-Chef schreckte

zurück. „Kandidieren sollte man nur

Die Machtpolitik des Kevin Kühnert

mit der klaren Überzeugung, das

Amt im Erfolgsfall auch mit aller

Konsequenz ausfüllen zu wollen und

zu können“, sagte Kühnertdamals.

Ohne eine Kandidatur Kühnerts

drohten die zahlreichen Kandidaturenlinker

Teams sich gegenseitig die

Stimmen wegzunehmen. Das hätte,

so damals die Analysen, bedeuten

können, dass mit Scholz/Geywitz

und dem Duo aus Boris Pistorius

und Petra Köpping zwei vergleichsweise

konservative Teams das Rennen

unter sich ausmachen. Kühnert

wollte das verhindern. Er erklärte

seine Unterstützung für Walter-Borjans

und Esken und organisierte

auch eine entsprechende Empfehlung

des Juso-Bundesvorstandes.

Juso-Chef

Juso-Chef Kevin Kühnertunterstützte Saskia

Esken und NorbertWalter-Borjans. DPA

Das und die Unterstützung großer

Teile der NRW-SPD brachten

Walter-Borjans und Esken die Rolle

des Favoritenteams auf dem linken

Flügel ein. Walter-Borjans, der während

seiner Zeit als Finanzminister

in Nordrhein-Westfalen mit gekauften

Daten-CDs Jagd auf Steuersünder

gemacht hatte, wurde in der öffentlichen

Wahrnehmung zum Anti-

Scholz. Auf den Regionalkonferenzen

stellten viele Jusos

Walter-Borjans und Esken freundliche

Fragen –und anderen Teams kritische.

Dastrugdie beiden durch die Regionalkonferenzen

– und das, obwohl

sich auch in dem Jugendverband

die Begeisterung über die Auf-

tritte von Esken und Walter-Borjans

auf den Regionalkonferenzen in

Grenzen hielt.

Der Sieg der Underdogs Walter-

Borjans und Esken ist damit nicht

nur Ausdruck davon, wie satt es viele

Mitglieder haben, dass ihre Partei in

der großen Koalition Kompromisse

macht. Er ist auch ein Zeichen davon,

dass es noch nie einen Juso-Vorsitzenden

gab,der in seiner Amtszeit

so einflussreich war wie Kevin Kühnert.

Andrea Nahles, die letzte wichtige

Juso-Vorsitzende vor dem Berliner,

war es nicht. Der spätere Bundeskanzler

GerhardSchröder war als

Juso-Chef machtpolitisch ein Nobody

im Vergleich zu Kühnert und

seinem heutigen Einfluss.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint bei zahllosen Wolkenfeldern nur ab und andie Sonne. Die

Höchstwerte pendeln sich bei 4bis 6Grad ein, und der Wind weht nur

schwach aus Südwest. In der Nacht sind 3bis 0Grad zu erwarten. Dazu

ist es stark bewölkt bis bedeckt.

Biowetter: Die einströmenden Luftmassen

bewirken vermehrte rheumatische

und asthmatische

Beschwerden. Migräneattacken und

Wittenberge

Kopfschmerzen treten häufiger auf 1°/6°

als sonst üblich.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 39 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 26 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 15 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 87%

Gefühlte Temperatur: maximal 3Grad.

Wind: leichter Wind aus Südwest.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

0°/6° -1°/5°

Luckenwalde

-2°/4°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

heiter sonnig Regen

1°/6° -1°/4° -1°/5°

Prenzlau

-1°/4°

Cottbus

-2°/4°

Frankfurt

(Oder)

-1°/4°

Hoch Sarena wandert über uns ostwärts und sorgt für trockenes, teils freundliches,

teils trübes Wetter von Westeuropa bis zum Baltikum. Mit milder Luft erfassen

Regenwolken Skandinavien. Über Westrsussland sind Schneefälle

unterwegs. Regengüsse sind im Osten Spaniens und imNorden Marokkos zu

finden.

Köln

2°/6°

Sylt

5°/8°

Saarbrücken

0°/6°

Hannover

0°/6°

Konstanz

0°/4°

Hamburg

2°/7°

Erfurt

-1°/4°

Frankfurt/Main

0°/5°

Stuttgart

-1°/6°

Rostock

2°/7°

Magdeburg

2°/7°

Nürnberg

-2°/3°

München

-2°/3°

Rügen

0°/7°

Dresden

0°/4°

Deutschland: Heute wird die Sonne

gelegentlich von Wolken verdeckt.

Dabei werden während des Tages

3bis 8Grad erreicht, nachts kühlt es

dann auf 4bis minus 4Grad ab. Der

Wind weht schwach aus Südwest.

Morgen gibt es zeitweise Sonnenschein,

ab und zu aber auch Wolken,

und die Höchsttemperaturen sind bei

2bis 7Grad anzutreffen. Der Wind

weht schwach aus Südost.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 5°-7°

Nordsee: 7°-10°

Mittelmeer: 14°-24°

Ost-Atlantik: 10°-16°

Mondphasen: 04.12. 12.12. 19.12. 26.12.

Sonnenaufgang: 07:56 Uhr Sonnenuntergang: 15:55 Uhr Mondaufgang: 13:02 Uhr Monduntergang: 22:48 Uhr

Lissabon

16°

Las Palmas

21°

Madrid

10°

Reykjavik

10°

Dublin


London


Paris


Bordeaux


Palma

16°

Algier

21°

Nizza

18°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

11°

Tunis

21°

Rom

16°

Warschau


Wien

4° Budapest


Palermo

19°

Kiruna

-8°

Oulu

-2°

Dubrovnik

16°

Athen

17°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa


Varna


Istanbul

14°

Iraklio

19°

Archangelsk

-3°

Moskau

-1°

Ankara


Antalya

18°

Acapulco 32° heiter

Bali 29° heiter

Bangkok 29° heiter

Barbados 30° Gewitter

Buenos Aires 24° bewölkt

Casablanca 17° wolkig

Chicago 3° bedeckt

Dakar 29° heiter

Dubai 27° sonnig

Hongkong 21° heiter

Jerusalem 14° sonnig

Johannesburg 33° heiter

Kairo 22° sonnig

Kapstadt 19° wolkig

Los Angeles 19° wolkig

Manila 28° Schauer

Miami 21° sonnig

Nairobi 29° Gewitter

Neu Delhi 23° sonnig

New York 6° wolkig

Peking 7° wolkig

Perth 39° heiter

Phuket 32° heiter

Rio de Janeiro 23° wolkig

San Francisco 14° wolkig

Santo Domingo 29° heiter

Seychellen 29° Gewitter

Singapur 32° wolkig

Sydney 30° wolkig

Tokio 16° heiter

Toronto 3° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 3

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Seite 3

Der eiskalte Doktor

Die Justizvollzugsanstalt in Tegel. Hier verbüßt der Angeklagte Michael K. eine mehrjährige Haftstrafe. Mitgefangene sagen, dass sie Angst vor ihm haben.

IMAGO

Der Gegensatz könnte größer

kaum sein: Auf der einen Seite

Michael K., der vom Manager

Magazin hochgelobte Jungmanager.Der

schon Gesprächsthema Nummer

eins auf den Fluren des Grand Hotels in Kitzbühel

gewesen sein soll, bevor er sich in der

österreichischen Kleinstadt als „CEO of the

Future“ unter 19 000 Bewerbern durchsetzten

konnte.Der Business-Prinz sei ein druckreifer

Schnellredner mit brillanten analytischen

Fähigkeiten, hieß es im Manager Magazin

über ihn, ein Mann, der in die Nadelstreifen-Anzüge

geboren zu sein schien.

Und dann ist da derselbe Michael K., der

mit Handschellen aus der Vorführzelle des

Berliner Landgerichts in den Verhandlungssaal

geführt wird. Er trägt legere Kleidung –

stets ein helles Hemd unter dem grauen Pullover.

Nur die Farbe der Hose variiert während

der Verhandlungstage. Stockend und

langsam redet er und manchmal etwas unverständlich.

Dort, wo man nun auf den Flurenüber

ihn spricht, gibt es keinen Glamour.

Hier in der Justizvollzugsanstalt (JVA)Tegel

sitzen Schwerverbrecher in Haft – ebenso

wie der einstige Spitzenmanager Michael K.

VomTopverdiener zum Verbrecher

Zwischen den beiden Welten des Michael K.

liegen 14 Jahre. Jahre, in denen seine Karriere

eine Berg-und Talfahrtmachte:VomTopverdiener

zum verurteilten Verbrecher. Und

noch immer ist die Talfahrtoffenbar nicht zu

stoppen. Glaubt man der Staatsanwaltschaft,

dann hat Michael K. während seiner

Strafhaft in Berliner Gefängnissen versucht,

für viel Geld unliebsame Zeugen aus dem

Wegräumen zu lassen. Nicht mit Brachialgewalt.

Alles sollte stets wie ein Unfall aussehen,

so die Anklage. Versuchte Anstiftung

zum Mord in zwei Fällen lautet der Vorwurf.

Es könnte sogar noch ein Fall hinzukommen.

Seit drei Wochen steht Michael K. deswegen

voreiner Schwurgerichtskammer.

Doch kann der Staatsanwalt die Vorwürfe

gegen den 43-Jährigen beweisen? Wieaussagekräftig

sind die Berichte von Belastungszeugen

in diesem Verfahren? Zeugen wie

NayefA., der zwölf Jahrewegen Drogendelikten

im Gefängnis gesessen hat, sieben Jahre

davon in Tegel. Er erzählt, dass Michael K. jemanden

gesucht habe, der einen Mitgefangenen

in der JVAHeidering beseitigen könne.

DerZeuge behauptet außerdem, dass er Michael

K. aus seiner Zelle geworfen habe,als er

vonden mutmaßlichen Mordplänen erfuhr.

Michael K. schweigt nicht zu den Vorwürfen.

Im Gegenteil. Er hat dazu gleich zu Beginn

des Prozesses erst vehement den Kopf

geschüttelt und sich dann stundenlang geäußert.

So etwas habe er nie gemacht, erklärt

er.Und er habe Angst vornoch schlimmeren

Missverständnissen. Irrtümer,die ihm in seinen

Augen auch schon die beiden Vorstrafen

eingebracht haben.

Michael K. war einst ein preisgekrönter Topmanager.

Dann wurde er wegen Veruntreuung von Firmengeldern verurteilt.

Noch während der Untersuchungshaft in Bayern versuchte er,den Richter

entführen zu lassen, um einen Freispruch zu erpressen.

Nun sitzt er in Berlin ein –und steht wegen eines

Mordkomplotts erneut vor Gericht

Michael K. –blasses Gesicht, hohe Stirn,

blonde Haare –spricht von einer Intrige, die

die Mitgefangenen gegen seine Person geschmiedet

hätten. Weil sie an sein Geld wollten.

Schon am ersten Taginder JVATegel sei

er zu seiner Gruppenleiterin gegangen und

habe sie schon einmal gewarnt: Es sei nur

eine Frage der Zeit, wann jemand zu ihr

kommen und ihn belasten würde.

Doch warum sollten die Strafgefangenen

lügen, wenn sie schon mit den Behörden reden?

Weil der Doktor, wie Michael K. im Gefängnis

genannt wird, ein Exot ist? Noch

dazu offenbar ein wohlhabender. Einer, den

man deshalb einschüchtern und ausnutzen

kann. Aber würde sich der einst so redegewandte

und nach eigenen Worten auch risikofreudige

Topmanager das überhaupt gefallen

lassen? Gibt es nicht Möglichkeiten,

sich zu schützen? Und vor allem: Sprechen

die Vorstrafen nicht gegen den angeklagten

Michael K.?

Es ist das dritte Strafverfahren, das gegen

den einstigen Unternehmenschef geführt

wird. Und die Geschichten dahinter werden

immer abstruser. Als Geschäftsführer des

Textil-Discounters NKD mit einem 500 000-

Euro-Jahresgehalt zweigte der Vater zweier

Kinder 3,7 Millionen Euro von Firmenkonten

ab,wurde deswegen Mitte 2013 verhaftet

und stand wegen Untreue vor dem Landgericht

im bayerischen Hof. Zwei Jahre später

wurde er zu einer Freiheitsstrafe von sechs

Jahren verurteilt. Doch noch während des

Untreue-Prozesses hatte Michael K. in der

Untersuchungshaft nach Kriminellen gesucht,

die denVorsitzenden Richter derWirtschaftsstrafkammer

entführen sollten. Eine

halbe Million Euro in Immobilien bot er bei

Erfolg.

Mitder Entführung des Richters wollte K.

seine Freilassung und die Einstellung des

Untreue-Verfahrens erpressen. Er gab den

zwei Mitgefangenen, die sich auf sein Angebot

scheinbar einließen, genaue schriftliche

Anweisungen, wie der Richter die Freilassung

begründen sollte. „Alle Argumente

müssen sehr gut sein“, stand auf einem Zettel.

Oder: „Alle Argumente der Verteidigung

VonKatrin Bischoff

nehmen“. Sogar eine „Entschuldigung bei

Angeklagten für falsche Entscheidung“ sollte

der Richter abgeben. Der Plan war es, den

Vorsitzenden der Kammer freizulassen und

ihn dann mit einem GPS-Sender zu überwachen.

Er sollte stets daran erinnert werden,

dass auch seine Kinder in Gefahr seien.

Sollte sich der Richter weigern, war sein

Tod geplant. Es sollte wie ein Herzinfarkt

aussehen, der Entführte in einer Garage

durch eine Insulinspritze sterben. Doch die

Mitgefangenen offenbarten sich. Michael K.

bekam in einem zweiten Prozess einen Haft-

Aufschlag. Die Gesamtstrafe belief sich nun

Statt Anzug trägt Michael K. nun legere Kleidung.

Die Straftaten streitet er ab.

OLAF WAGNER

auf neun Jahre Freiheitsentzug wegen Untreue

und Anstiftung zu einem Verbrechen.

Er ließ sich nach Berlin verlegen, um seiner

Familie nahe zu sein. Doch in der Hauptstadt

machte der Doktor offenbar dort weiter, wo

er in Hofaufgehörthatte.

In der Justizvollzugsanstalt Moabit sprach

er laut Anklage RoyW.an. DerMitgefangene

sollte jemanden finden, der einen der „Hofer

Verräter“ töten würde. Mit einer Überdosis.

RoyW.und der Auftragskiller sollten dafür an

den Immobilien des Angeklagten beteiligt

werden. Doch auch Roy W.ging nur zum

Schein auf das Angebot ein und verständigte

die Sicherheitsabteilung in Moabit. Ein An-

ruf inBayern ergab: Die Aussage gegen Michael

K. sollte durchaus ernst genommen

werden. Roy W.wurde nach Heidering verlegt,

Michael K. kam nach Tegel.

DerDoktor ließ nicht locker.Als er erfuhr,

dass RoyW.gegen ihn ausgesagt hatte,wuchs

in ihm laut Anklage der nächste Mordplan.

„Er war wie ein Krebsgeschwür“, sagt der

einstige Mitgefangene und Zeuge Nayef A.

Der Doktor habe innerhalb weniger Tage so

viele Leute inTegel gekannt, wie anderenicht

in vier Jahren Haft. Michael K. soll den Palästinenser

in Tegel angesprochen haben, weil

er davon ausgegangen sei, dass NayefA.über

„Kontakte zu Personen“ verfüge, die Roy W.

umbringen könnten. W. solle in der Haftanstalt

Heidering beim Duschen einen tödlichen

Unfall erleiden.

Nayef A.ist 49 Jahre alt. Er sagt aus, er

habe Familie und seine lange Haftstrafe mittlerweile

abgesessen. Er spricht nicht besonders

gut deutsch, deswegen übersetzt eine

Dolmetscherin seine Worte aus dem Arabischen.

Während Nayef A. seine Aussage

macht und vom Vorsitzenden Richter über

Stunden detailliert befragt wird, schaut ihn

Michael K. nicht einmal an. Demonstrativ

dreht sich der Angeklagte zur Richterbank.

Nayef A.erzählt, dass die meisten Jungs in

Tegel Michael K. aus dem Weg gegangen

seien. Weil sie Angst vor ihm gehabt, ihn für

einen verdeckt arbeitenden Polizeibeamten

gehalten hätten.

Das Kennenlernen beschreibt der Zeuge

so: Der Doktor sei eines Tages in seine Zelle

gekommen, sie hätten Kaffee getrunken und

sich ganz normal unterhalten. Erst auf

Deutsch, dann auf hocharabisch. „Er sprach

gut hocharabisch“, erinnert sich Nayef K.

undnickt zu dem Angeklagten, der schon bei

seiner ersten Aussage bestritt, des Arabischen

mächtig zu sein. Nach Angaben von

Nayef K.habe man sich einige Male getroffen,

bis Michael K.ihn gefragt habe, ober

ihm vertrauen könne. Dann habe er immer

wieder davon angefangen, jemanden beseitigen

zu wollen. Er habe nichts mehr hören

wollen und den Doktor aus der Zelle geschubst.

Er habe seine Ruhe haben wollen.

Warum ausgerechnet er von Michael K.

angesprochen worden sei, will der Vorsitzende

Richter von dem Zeugen wissen.

Nayef A.zuckt mit den Schultern, sagt dann

aber doch nach kurzem Überlegen: „Wahrscheinlich

dachte er,dass ich das arrangieren

kann. Er wusste, dass ich Palästinenser bin.

Undvielleicht glaubte er,Palästinenser bringen

Menschen um.“ Der Zeuge berichtet,

dass der Doktor ihn auch nach einem der

arabischen Clans gefragt habe. „Ich hatte

aber keinen Kontakt zu denen“, sagt NayefA.

Später will er gehörthaben, dass K. auch andereGefangene

angesprochen habe.

Nayef A.meldete sich im November 2016

bei der Sicherheitsabteilung der JVA. DemBeamten

erklärte er,Kenntnis darüber zu haben,

dass Michael K.die Ermordung eines gewissen

Roy plane. Der Sicherheitsbeamte, als

Zeugevor Gericht befragt, gibt an, damals sofort

die JVA Heidering informiert zuhaben.

Auch an einen anderen Gefangenen, der von

einem Mordkomplott gesprochen habe,erinnert

sich der Sicherheitsmann. Den habe er

allerdings nur für einenWichtigtuer gehalten.

Vertragmit einem Mithäftling

Diesen anderen Insassen erwähnt auch Michael

K. Mit ihm habe er einen Vertrag geschlossen.

Der Mitgefangene sollte die Verwaltung

von Wohnungen übernehmen und

dafür Geld bekommen. DasPapier nennt der

Angeklagte einen Darlehensvertrag. Er habe

den Mitinsassen damit beschäftigen und von

„abstrusen Mordkomplottgeschichten gegen

mich“ abbringen wollen, wie er erklärt.

Roy W., der in dem Verfahren gegen Michael

K. als Zeuge aussagen sollte,wirdwohl

nicht bei Gericht erscheinen. Er weigertsich,

Heidering zu verlassen. Seine belastende

Aussage gegen den Doktor hat er mittlerweile

zurückgenommen. Es sei alles eine

Lüge gewesen, ließ er mitteilen. Michael K.

schüttelt den Kopf, als der Richter ihn fragt,

ob er RoyW.bedroht habe.„Nein, niemals“,

sagt er.Erhabe weder den Zeugen noch dessenFamilie

unter Druckgesetzt.

MichaelK.wirdindemVerfahren vondrei

Anwälte verteidigt. Siesagen, das angebliche

Mordkomplott sei durch Schwätzereien der

Häftlinge auf dem Flur entstanden. Es müsse

doch stutzig machen, dass selbst die Sicherheitsbeamtin

in Moabit nicht von den angeblichen

Mordplänen des Angeklagten aufgeschreckt

worden sei und nicht sofort alle

Hebel in Bewegung gesetzt habe –sondern

erst am nächsten Tag. Es gebe in demVerfahren

viele kolportierte Mordaufträge, die nie

einen Menschen in Gefahr gebracht hätten.

MichaelK.nickt.

Katrin Bischoff

wäre als Drehbuchautorin mit dieser

Storyganz sicher abgeblitzt.


4 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Rat gegen sexuelle Gewalt

an Kindernnimmt Arbeit auf

EinNationaler Ratgegen sexuelle

Gewalt an Kindernund Jugendlichen

soll in den kommenden eineinhalb

Jahren Konzepte für einen besseren

Schutz vorMissbrauch erarbeiten.

DasExpertengremium kam

am Montag in Berlin zu seiner konstituierenden

Sitzung zusammen.

Ihmgehören mehr als 40 Mitglieder

aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft

und Fachpraxis an, außerdem

auch Betroffene. (dpa)

Orientierung für Lehrer im

Kampf gegen Antisemitismus

DieBundesländer wollen künftig

verstärkt gegen Antisemitismus an

Schulen vorgehen. DieKultusminister

der Länder beriefen dafür gemeinsam

mit dem Zentralrat der Juden

und der Bund-Länder-Kommission

der Antisemitismusbeauftragten

eine 15-köpfige Arbeitsgruppe

ein. Dieneue Arbeitsgruppe soll eine

Empfehlung erarbeiten, um Lehrern

eine Orientierung für den Umgang

mit den verschiedenen Formen von

Antisemitismus zu geben. (dpa)

Trump folgt Einladung zu

Impeachmentanhörung nicht

Trotzt Wind und Wetter:US-Präsident Donald

Trump.

AP/ANDREW HARNIK

US-Präsident Donald Trump setzt

weiter auf einen Boykott der Impeachment-Untersuchung

des Kongresses

zur Ukraine-Affäre. Wieder

Rechtsberater des Weißen Hauses

am Sonntag mitteilte,werden weder

Trump noch seine Anwälte am Mittwoch

an einer Anhörung des Justizausschusses

des Repräsentantenhauses

teilnehmen. (AFP)

Bericht: Extreme Gefahren

bei Rückkehr nach Syrien

In Syrien gibt es nach Einschätzung

der Bundesregierung keine Region,

in der sich zurückgekehrte Flüchtlinge

sicher fühlen können. „Immer

wieder sind Rückkehrer,insbesondere–aber

nicht nur –solche,die als

oppositionell oder regimekritisch

bekannt sind oder auch nur als solche

erachtet werden, erneuter Vertreibung,

Sanktionen beziehungsweise

Repressionen, bis hin zu unmittelbarer

Gefährdung für Leib und

Leben ausgesetzt“, heißt es in einem

internen Bericht des Auswärtigen

Amtes. (dpa)

China verurteilt uigurischen

Ex-Politiker zu Haftstrafe

China hat einen der einst ranghöchsten

uigurischen Politiker des

Landes zu einer lebenslangen Haftstrafe

verurteilt. WieStaatsmedien

berichteten, wurde NurBekriam

Montag wegen des Vorwurfs der Korruption

vomMittleren Volksgericht

der Stadt Shenyang verurteilt. Bekri

war Direktor der Energieagentur und

stellvertretender Leiter der Nationalen

Entwicklungs- und Reformkommission,

Chinas wichtigster Aufsichtsbehörde

für Wirtschaftsplanung.

Zwischen 2008 und 2014 war

BekriGouverneur der Unruheregion

Xinjiang. Während seiner Zeit im

Amt war die Region Schauplatz von

Gewaltausbrüchen zwischen Uigurenund

den herrschenden Han-Chinesen.

(dpa)

Jetzt aber wirklich

Das Motto der Klimakonferenz in Madrid lautet: „Zeit zum Handeln“. Selbst die Atomenergiebehörde will helfen

Unter dem Eindruck weltweiter

Klimaproteste

und zerstörerischer Wetterextreme

hat UN-Generalsekretär

António Guterres die

Weltklimakonferenz in Madrid mit

einem Appell zum raschen Umsteuern

eröffnet. Die Menschheit müsse

wählen zwischen dem Weg der

„Hoffnung“ und dem der „Kapitulation“

beim Klimaschutz, sagte Guterres

am Montag vorVertretern aus

fast 200 Ländern. Er mahnte,dieWelt

stehe an einem „Wendepunkt“ und

sollte nun den „Weg der Entschlossenheit

und der dauerhaften Lösungen“

einschlagen,„bei dem die fossilen

Energien bleiben, wo sie sind –

im Boden und bei dem wir bis 2050

CO 2 -Neutralität erreichen“. Dazu

müsse die „Abhängigkeit von der

Kohle“ aufgegeben werden. Das

Konferenzmotto lautet „Tiempo de

actuar“ –„Zeit zu handeln“.

Das will die EU und strebt an, bis

2050 klimaneutral zu werden. Jetzt

müsse gehandelt werden, sagte auch

die neue EU-Kommissionschefin

Ursula von der Leyen bei einer Gesprächsrunde

mit mehreren Staatsund

Regierungschefs. „Wir sind bereit,

unseren Beitrag zu leisten.“ Von

der Leyen kündigte an, im Märzerstmals

ein EU-Umweltgesetz vorzulegen.

Damit solle der Handel mit Verschmutzungsrechten

auf alle Sektorenausgeweitet

werden.

Zudem wird die EU einen „Green

Deal“ präsentieren, eine neue

Wachstumsstrategie,die Emissionen

senken, Jobs schaffen und die Lebensqualität

erhöhen werde, sagte

von der Leyen. Nötig seien massive

Investitionen, etwa eine Billion Euro

über die nächsten zehn Jahre.

Kritik an Deutschland

Spaniens Regierungschef Pedro

Sánchezsagte in Madrid, weil Europa

eine historische Verantwortung für

die Erderwärmung trage und seine

Bürger es forderten, müsse es den

Ausstieg aus den fossilen Energien

„anführen“. Einige Hilfsorganisationen

sehen allerdings bei der EU eine

Mitschuld für die schleppende Umsetzung

des Pariser Klimaabkommens.

Greenpeace-Chefin Jennifer

Morgan etwa sagte, Deutschland sei

beim Klimaschutz derzeit auf dem

„Weg zurück in dieVergangenheit“.

Deutschland will zwar seinen

Treibhausgasausstoß bis 2030 um 55

Prozent verringern. Außerdem hat es

zugesagt, bis 2050 CO 2 -Neutralität zu

erreichen. IhrKlimaziel für 2020 wird

die Bundesregierung aber verfehlen:

Statt einer Emissionsminderung um

Bei der Konferenz treffen sich Staatschefs, Politiker und Aktivisten aus aller Welt. GETTY

196

Delegationen reisen zur

UN-Klimakonferenz nach

Madrid. Es sind 29 000 Teilnehmer,1500

Journalisten

haben sich akkreditiert.

KONFERENZ IN ZAHLEN

113 000

Quadratmeter umfasst das

Messegelände Ifema. Sieben

Pavillons wurden für die

Konferenzteilnehmer

eingerichtet.

2000

Freiwilligesind an den zwölf

Konferenztagen im Einsatz.

4000 Techniker und 450

private Sicherheitsleute sind

ständig in Bereitschaft.

Warten auf die Wende

40 Prozent werden voraussichtlich

nur 32 Prozent erreicht. Umweltorganisationen

dringen darauf, dass in

Madrid ein paar große Emittenten

eine Anhebung ihrer Klimaschutzziele

fest zusagen.

Weitere Knackpunkte sind Hilfen

für die Entwicklungsländer bei der

Bewältigung klimabedingter Schäden

sowie konkrete Regeln zur Einbeziehung

des Emissionszertifikatehandels

in die internationalen Klimaschutzbemühungen.

Mit Blick auf die Klimaschutzbewegung

Fridays for Futuresagte Guterres

in Madrid, die Regierungen

sollten „den Menschenmassen, die

den Wandel fordern“, zuhören und

wissenschaftliche Erkenntnisse über

die Gefahren des Klimawandels

nicht ignorieren. Bislang steigen

aber die weltweiten Treibhausgas-

Emissionen immer weiter.

Die Hilfsorganisation Save the

Children hob hervor, dass in diesem

Jahr in Teilen Afrikas bereits mindestens

1200 Menschen durch die vom

Klimawandel verstärkten Wetterextreme

ums Leben gekommen seien.

Die Organisation Oxfam verwies auf

jährlich 20 Millionen Klima-Flüchtlinge.Die

Präsidentin der Marschall-

Inseln, Hilda Heine,sagte in einerVideobotschaft,

kleine Inselstaaten

wie ihrer befänden sich wegen des

klimabedingten Anstiegs der Meeresspiegel

schon „im Todestrakt“.

Rund 450 Reaktoren in Betrieb

Ausgerechnet die Atomkraft kann

nach Überzeugung des neuen Chefs

der Internationalen Atomenergiebehörde

(IAEA), Rafael Grossi, im

Kampf gegen den Klimawandel helfen.

„Atomkraft ist nicht Teil des Problems.

Sie kann für die, die das wollen,

Teil der Lösung sein“, sagte

Grossi am Montag in Wien. Er werde

den Klimagipfel in Madrid besuchen,

um diese Botschaft zu verbreiten,

so der argentinische Diplomat.

Im Gegensatz zu manchen Prognosen

nehme der Einsatz der Kernkraft

weltweit zu. Grossi verwies auf

rund drei Dutzend Atomkraftwerke,

die in den vergangenen Jahren in Betrieb

gegangen seien. Die Sicherheitssorgen

müssten ernst genommen

werden. Daher werde die IAEA

weiter an den hohen Standards arbeiten,

die die Betreiber einhalten

müssten, so Grossi.

Aktuell sind weltweit rund 450

Reaktoren in Betrieb. Mehr als 50

sind laut IAEA in Bau, die meisten in

Asien. Der deutsche Wegeines Ausstiegs

aus der Kernenergie findet zur

Zeit wenig Nachahmer. (AFP,dpa)

Polens Fixierung auf die Kohle verursacht Smog und lässt ganze Städte verschwinden. Nur langsam beginnt ein Umdenken

VonUlrich Krökel, Bytom

Wer kann, geht weg aus Bytom.

Mehr als 20 000 Einwohner hat

die Stadt im oberschlesischen Kohlerevier

seit der Jahrtausendwende

verloren. Die übrigen 165 000 Menschen

droht die Erde zu verschlingen.

Denn seit Beginn der Kohleausbeutung

vor 70 Jahren haben sich

große Teile von Bytom um rund sieben

Meter abgesenkt. Immer wieder

kommt es zu kleineren Erdbeben,

die vonden Arbeiten unter Tage ausgelöst

werden oder von schlecht gesicherten

alten Stollen.

Hunderte Häuser abgerissen

2011 war das bislang größte Katastrophenjahr

für Bytom. „Man kann

nachts hören, wie die Wände aufbrechen“,

berichteten damals Bewohner

des Stadtteils Karb,der schlagartig

abgesackt war. Kurz darauf wurden

die Menschen in Sicherheit gebracht

und Hunderte Häuser

abgerissen.

Wer heute nach Karb kommt,

sieht nur noch die Freiflächen. Er

sieht aber auch, wie sich in der nahen

Zeche Bobrek die Förderräder

drehen. Denn die Kohleausbeutung

geht weiter. Ander Zecheneinfahrt

prangt in Großbuchstaben die trotzige

Parole: „Es lebe der Bergarbeiterstand.“

Wer nach dem Sinn der fortgesetztenVerfeuerung

vonKohle in Polen

fragt, wird den Stolz der Kumpel

als wichtigen Posten in Rechnung

stellen müssen, auch wenn die Gegenargumente

weit schwerer zu wiegen

scheinen.

Von den 50 Städten mit der

schmutzigsten Luft in Europa liegen

33 in Polen. An der energiepolitischen

Ausrichtung des wirtschaftlich

boomenden Landes ändert das

wenig. Noch immer bezieht Polen

fast 80 Prozent seiner Primärenergie

aus Kohle.

Die rechtsnationale PiS, die seit

vier Jahren in Warschau regiert, will

daran festhalten. Staatspräsident

Andrzej Duda erklärte ausgerechnet

zur Eröffnung der Weltklimakonferenz

2018 im oberschlesischen Katowice:

„Ich werdenicht zulassen, dass

irgendjemand unseren heimischen

Bergbau ermordet. Kohle ist unser

größter Schatz.“ Er gehe davon aus,

dass Polen das schwarze Gold noch

200 Jahreverfeuernwerde.

Kurz vor der Klimakonferenz

2019 in Madrid hat die PiS-Regierung

immerhin einen Beauftragten

für Erneuerbare Energien ernannt.

Aber die Partei verspricht den Bergarbeitern

auch sichere Jobs. Patryk

Bialas, der als einziger Grüner im

Stadtrat vonKatowice sitzt, hält beides

für vereinbar. Man müsse die

Jobs nur jenseits der Zechen schaffen.

„Unsere Kumpel haben fantastische

Fähigkeiten in vielen technischen

Bereichen“, sagt der Klimaschützer.

„Wir können sie umschulen.“

Tatsächlich werden im boomenden

Polen händeringend Facharbeiter

gesucht. Allerdings sind in der

Kohleindustrie aktuell noch rund

80 000 Menschen beschäftigt. „Das

ist viel“, gibt Bialas zu. Gerade deshalb

sei es so wichtig, schnellstmöglich

die entsprechenden Förderprogramme

aufzulegen und Weiterbil-

dung zu ermöglichen. „Das Wichtigste

für die Menschen ist

Planungssicherheit.“

Die Regierung dagegen setzt auf

Langsamkeit. Den Anteil der Kohle

am polnischen Energiemix will sie

bis 2030 maximal auf 60 Prozent zu

reduzieren. „Das wird nicht reichen“,

sagt Bialas und verweist auf

neueste Umfragen. Demnach sprechen

sich 72 Prozent der Polen für

eine Energiewende aus,weg vonder

Kohle.

Sehnsucht nach sauberer Luft

Dasist ein überraschend hoher Wert

für ein Land mit einer so großen

Kohletradition. Allerdings ist in vielen

Regionen Polens derWintersmog

zu einem derart existenziellen Problem

geworden, dass die Sehnsucht

nach sauberer Luft enorm gewachsen

ist. Derzeit sterben Jahr für Jahr

mehr als 40 000 Menschen vorzeitig

wegen der hohen Schadstoffbelastung.

Patryk Bialas ist deshalb auch

davon überzeugt, dass Polen eine

Zukunft ohne Kohle hat: „Die grüne

Wende kommt.“

Abwesenheit

von

Vertrauen

Ischinger mahnt Staaten

zur Zusammenarbeit

Vor dem Beginn des Nato-Gipfels,

der an diesem Dienstag und

Mittwoch in London stattfindet, hat

der deutsche Sicherheitsexperte

Wolfgang Ischinger für internationale

Zusammenarbeit geworben –

und vor den Risiken bewaffneter

Konflikte gewarnt. Nicht zuletzt sei

ein „großer Krieg“ ein weit unterschätztes

Klimarisiko. „Ein großer

Krieg, und die gesamten Klimaziele,

die wir haben, können Sie alle einstampfen“,

sagte der Leiter der

Münchner Sicherheitskonferenz in

der ARD. „Wer Klimaschutz will,

muss auch mit dafür sorgen, dass wir

keine Kriege bekommen.“

Das gelte auch für große Kriege,

an denen der Westen nicht beteiligt

sei.„Die Lage ist gefährlich“, sagte Ischinger.

Sie sei gekennzeichnet von

völliger Abwesenheit von Vertrauensbildung

und demVerlust der Rüstungskontrolle.Der

UN-Sicherheitsrat

sei oft blockiert. Auch andere Institutionen

funktionierten nicht ausreichend

gut, weil viele Staaten

meinten, sie könnten ihre eigenen

Ziele besser alleine fördern.

Aufdem Gipfel in London soll das

70. Jubiläum des westlichen Militärbündnisses

gefeiert werden. Das

Treffen ist jedoch überlagert von

Konflikten innerhalb der Allianz.

Weiter schwelt der Streit mit US-Präsident

Donald Trump über die Verteidigungsausgaben,

die Türkei

überrumpelte die Verbündeten mit

dem Einmarsch in Syrien, und

Frankreichs Präsident Emmanuel

Macron attestierte dem Bündnis in

einem Interview gar den „Hirntod“.

Ohne Frieden hilft auch kein Klimavertrag,mahnt

Wolfgang Ischinger. DPA/NIETFELD

Nach Ischingers Einschätzung

bedrohen die Auseinandersetzungen

die geopolitische Grundordnung.„Eigentlich

steht auf dem Spiel

die Zukunft des Westens. Gibt’s den

Westen noch?“, fragte Ischinger. Der

Nato-Gipfel werde ein symbolischer

Akt zur 70-Jahr-Feier.Eswerde keine

„großartigen Sachverhandlungen“

geben, aber viele Experten würden

sich Gedanken machen über den

Zustand des Bündnisses. „Wird die

Nato ihren Zielen gerecht?“

Tatsächlich soll in London nach

Angaben aus deutschen Regierungskreisen

ein „Reflexionsprozess“ zur

Zukunft des Bündnisses eingeleitet

werden. In einem Entwurffür die Abschlusserklärung

werde Nato-Generalsekretär

Jens Stoltenberg damit

beauftragt, den Außenministern der

29 Mitgliedstaaten einen Vorschlag

zur Gestaltung dieses Prozesses zu

machen, der dann auch unter Führung

Stoltenbergs stattfinden soll.

Ziel sei es,„die politische Dimension

der Nato weiter zu stärken“.

Zunächst will sich das Bündnis

aber auf seine Grundsätzebesinnen:

Schon im ersten Absatz der Abschlusserklärung

wollen die Staatsund

Regierungschefs ein ausdrückliches

Bekenntnis zur Beistandspflicht

laut Artikel 5ablegen, wie es

am Montag aus Nato-Kreisen hieß.

Diese Regelung sei das „Herzstück

der Nato“, mahnte Generalsekretär

Jens Stoltenberg. Eigentlich sollte

das eine Selbstverständlichkeit sein.

Doch solche scheint es derzeit in der

Weltpolitik nicht zu geben – auch

nicht unter vermeintlichen Partnern.

(BLZ/AFP/dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 5

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Politik

„Eine Koalition ist keine Selbsthilfegruppe“

Friedrich Merz über die Zukunft von Schwarz-Rot nach der Wahl der neuen SPD-Vorsitzenden und seine Pläne für die CDU

Dass Friedrich Merz niemand

ist, der sich mit Kritik

an der eigenen Partei

zurückhält, ist auch im

Vorfeld des CDU-Parteitages wieder

deutlich geworden. Im Interview betont

der Politiker allerdings seinen

Teamgeist –und verrät, was er tun

würde,wenn er Bundeskanzler wäre.

Es gab Kritik an einzelnen Entscheidungen,

auch am Erscheinungsbild

der Regierung. Aber das

hat niemand als einen Aufstand gegen

die Parteivorsitzende gesehen,

mich selbst inbegriffen. Die Vermutungen,

dass daraus ein Aufstand

oder gar ein „Putsch“ würde, waren

reine Medienspekulationen.

Herr Merz, die SPD-Mitglieder haben

für Saskia Esken und NorbertWalter-

Borjans als neue Parteichefs votiert.

Beide wollen den Koalitionsvertrag

nachverhandeln. Sollte die CDU dabei

mitmachen?

Nein.

Warum nicht?

Eine Koalition ist keine Selbsthilfegruppe

für neue SPD-Parteivorsitzende.Und

sie ist auch keine Therapieeinrichtung,

wie Frau Kramp-

Karrenbauer richtigerweise gesagt

hat. Der Koalitionsvertrag muss die

Grundlage bleiben.

Die Union hat eine Unternehmenssteuerreform

vorgeschlagen. Auch

das könnte Gegenstand vonNachverhandlungen

sein. Sehen Sie dafür

noch eine Chance?

Die Erfahrung zeigt, dass eine

wirklich große Steuerreform nur gelingen

kann, wenn zwei Bedingungen

erfüllt sind: Mehrheiten in Bundestag

und Bundesrat sowie ein früher Zeitpunkt

in der Wahlperiode. Beides ist

gegenwärtig nicht der Fall. Deshalb

nehme ich an, dass es in dieser Wahlperiode,

wenn überhaupt, nur zu

kleineren Korrekturen etwa im Tarifverlauf

der Einkommensteuer, vielleicht

der Körperschaftsteuer kommt.

Glauben Sie, dass Projekte wie diese

mit den neuen SPD-Vorsitzenden

schwieriger umsetzbar sind?

Ja. Auch Finanzminister Olaf

Scholz hat ja schon seit geraumer

Zeit sehr viel Rücksicht auf die Wünsche

der eigenen Partei nehmen

müssen. Die SPD gibt ihren Vorsitzenden

und denen, die es werden

wollen, halt keine Beinfreiheit. Das

merkte man bei Scholz leider schon

seit vielen Wochen. Er ist als Finanzminister

in sozialpolitischen Fragen

und bei den Ausgaben aufWegen unterwegs,

auf die ein Finanzminister

normalerweise nicht gehört. Und

das wird nach der Entscheidung der

SPD mit einem Vorsitzenden Walter-

Borjans jetzt noch schwieriger, innerhalb

der SPD,aber damit auch in

der Regierung.

Also hoffen Sie nicht auf pragmatischere

Regierungsarbeit mit der

neuen Führung?

DieSPD wird, wenn sie denn überhaupt

bleibt, bis zum Ende der Wahlperiode

mit der Arbeit dieser Regierung

immer weiter hadern. Olaf

Scholz wird, wenn er denn überhaupt

Finanzminister bleibt, permanent

nach Kompromissen suchen und in

alle Richtungen Zugeständnisse machen

müssen. Der Fortbestand der

Koalition wird ein ständiges Ringen

um Fragen sein, die innerhalb der

SPD hoch umstritten sind.

Würden Sie sich wünschen, dass dieses

Bündnis bald endet?

Das ist schwer zu sagen, weil ungewiss

ist, was denn danach folgt.

Würden Sie für eine Minderheitsregierung

plädieren?

DerBundeshaushalt ist beschlossen,

eine Minderheitsregierung

könnte im Jahr 2020 regieren. Ichwar

bereits 2017 der Meinung, dass man

dieses Modell zumindest ausprobieren

kann. Der experimentelle Charakter

und die veränderte Rolle des

Parlaments haben Charme. Aber

eine solche Regierung birgt auch Risiken.

Bundeswehrmandate müssten

zum Beispiel ohne sichereMehr-

ZUR PERSON

Friedrich Merz wurde 1955 in Brilon im Sauerland geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte

er Rechtswissenschaften in Bonn.

Mit17Jahren trat Merz in dieCDU ein. Stationen seinerKarriere waren das Europa-Parlament

und der DeutscheBundestag,woervon 2000-2002 Vorsitzender der Unionsfraktion war.

Er ist Partner der Anwaltskanzlei MayerBrown LLP und seit 2019 Vizepräsident des Wirtschaftsrates

der CDU e.V.

heiten verlängert werden. Ähnliches

gilt für notwendige Entscheidungen

rund um die deutsche EU-Ratspräsidentschaft

2020. Das kann gelingen,

ist aber nicht ohne Risiko.

Wenn Siefür einen TagBundeskanzler

wären, was würden Sieals Erstes tun?

So ein Amt hat man nicht nur für

einen Tag.

Ohne zeitliche Begrenzung: Waswürden

Sieals Erstes ändern?

Losgelöst von dem Amt gibt es

neben vielen anderen zwei große

Themen, zu denen wir in Deutschland

Antworten finden müssen: Wo

stehen wir außen- und sicherheitspolitisch?

Und wie versöhnen wir

Ökonomie und Ökologie so miteinander,

dass Deutschland als Industrieland

wohlhabend bleibt und

trotzdem nachhaltig wirtschaftet.

Dassind aus meiner Sicht die zentralen

Herausforderungen dieser Zeit.

Aufdem CDU-Parteitag vorgut einer

Woche haben Sie Ihre Teamfähigkeit

IMAGO IMAGES/THOMAS IMO

betont. Sie wollen „mitarbeiten“. In

welcher Funktion?

Ich meine es genau so, wie ich es

gesagt habe: Es geht nicht in erster

Linie um meine Person. Sondern es

geht darum, ein starkes Team aufzustellen.Wasdas

genau bedeutet, darüber

werden wir uns nicht zuletzt im

Licht der aktuellen Ereignisse in den

nächsten Tagen Gedanken machen.

Gute Teamarbeit war schon im vergangenen

Jahr das Ziel der CDU.

Täuscht der Eindruck, dass das bei den

Kontrahenten um die Kanzlerkandidatur

nicht immer gut geklappt hat?

Den Eindruck teile ich überhaupt

nicht. Wirhaben uns in der Phase der

Bewerbung um den CDU-Parteivorsitz

nicht ein einziges Malpersönlich

angegriffen, und auch danach ist die

Zusammenarbeit konstruktiv und

vertrauensvoll weitergegangen. Und

es gibt auch keine „Kontrahenten um

die Kanzlerkandidatur“, ganz einfach,

weil diese Frage nicht ansteht.

Vordem Parteitag hatte mancher einen

Aufstand gegen Annegret Kramp-

Karrenbauer erwartet. Warum blieb

er aus?

Ihre Kritik wirkte aber auf manchen

wie die Vorbereitung eines Putsches.

Ich habe gesagt: Es kann so nicht

weitergehen. Da ging es vor allem

um das Erscheinungsbild der Regierung

mit Blick auf die Niederlagen

bei Europa- und Landtagswahlen

und die quälende Debatte um die

Grundrente. Das war nie eine Fundamentalkritik

an der Regierung.

Siehaben auf dem Parteitag auch für

ein schärferes außen- und sicherheitspolitisches

Profil geworben. Annegret

Kramp-Karrenbauer fordert

mehr Bundeswehreinsätze. Teilen Sie

die Idee?

Ja. Esist gut, dass die Verteidigungsministerin

über dieses Thema

eine grundsätzliche Diskussion beginnt.

Es geht um die strategische

Frage, obwir unsere Sicherheit verteidigen

wollen und dies dann auch

wirklich können.

Am Mittwoch begehen die Staatsund

Regierungschefs den 70. Geburtstag

der Nato. Frankreichs Staatspräsident

Emmanuel Macron hat sie als

„hirntot“ bezeichnet, US-Präsident

Donald Trump als „obsolet“. Wie bekommt

man den Jubilar wieder flott?

Beides sind Weckrufe.Ich teile die

Einschätzung der Bundeskanzlerin,

dass die Nato unverzichtbar ist und

Europa sich heute noch nicht selbst

verteidigen kann. Es ist wichtig, dass

auch der europäische Nato-Teil dafür

sorgt, dass das Bündnis die Aufgaben

erfüllen kann, die es sich vorgenommen

hat. Dabei geht es nicht

nur um mehr Geld, sondern auch

um strategische und organisatorische

Fragen wie die gemeinsame Beschaffung

von Rüstungsgütern. Da

ist Trump für uns vielleicht sogar

eine Chance. Er zwingt uns, diese

Fragen zu beantworten. Der große

Bruder richtet’s halt nicht mehr.

Noch ein Blick in die Zukunft: Wo

steht die Union in einem Jahr?

In einem Jahr ist die Union sauber

aufgestellt mit einem Team für die

Bundestagswahl. Undinden Umfragen

liegt sie dann deutlich jenseits

der 30 Prozent.

DasGespräch führten

Gordon Repinski und Daniela Vates.

Malta in Aufruhr

Ministerpräsident Muscat kündigt nach Demonstrationen seinen Rücktritt für Januar an. Er zieht die Konsequenz aus dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia

Die Familie der ermordeten maltesischen

Journalistin Daphne

Caruana Galizia ist empört über die

Verzögerung des Rücktritts von Premierminister

Joseph Muscat. Sein

weiterer Verbleib an der Macht sei

für alle,denen Gerechtigkeit am Herzenliege,nicht

zu tolerieren, heißt es

in einer Mitteilung der Hinterbliebenen.

„Seine Rolle bei den Ermittlungen

zum Mord an unserer Frau und

Mutter ist rechtswidrig.“

Muscat hatte am Sonntag seinen

Rücktritt für Januar angekündigt. Er

werde als Regierungschef abtreten,

wenn am 12. Januar ein neuerVorsitzender

seiner Labour-Partei gewählt

werde, sagte er in einer Fernsehansprache.

Damit zieht der Premier

nach tagelangen Protesten der Bevölkerung

die Konsequenzen aus

dem Skandal, der das EU-Land seit

mehr als zwei Jahren erschüttert. Am

Wochenende wurde auch der mögliche

Drahtzieher der Tatangeklagt.

Caruana Galizia war am 16. Oktober

2017 mit einer Autobombe in die

Luft gesprengt worden. Die damals

53-Jährige hatte unter anderem über

Korruption bei Regierung und Geschäftsmännern

auf Malta recherchiert.

Drei Männer wurden bisher

angeklagt, den Mord ausgeführt zu

haben. Werdie Hintermänner sind,

war bisher unklar.

Am Wochenende wurde der Unternehmer

Yorgen Fench als mutmaßlicher

Hintermann angeklagt.

Ihm wird unter anderem Mittäterschaft

vorgeworfen. Er soll auch

Kontakte zum ehemaligen Stabschef

Muscats gehabt haben.

Kein Vertrauen

„Wir haben nicht nur drei Menschen,

denen dieser Mord vorgeworfen

wird, sondern auch jemanden,

der beschuldigt wird, die Hauptperson

hinter diesem Mord zu sein“,

sagte Muscat. DieFestnahmen seien

„nur wegen unserem Willen möglich,

Gerechtigkeit für diesen schockierenden

Mord zu finden“. „Ich

war nicht perfekt. Ich habe meine

Malta: Demonstranten mit Fotos der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia. AP

terte, der verzögerte Rücktritt sei

ein Rückschlag für die Gerechtigkeit.

DasVertrauen in die Regierung ist

dahin. Seit Tagen ziehen Protestierende

durch Valletta. Nur mit einem

sofortigen Rücktritt Muskats könne

es eine „freie und umfassende“ Auf-

Fehler, und dafür entschuldige ich

mich, auch wenn für diese Mängel

jemand anderes verantwortlich

war“, sagte er.

Kritiker und die Familie der Verstorbenen

hatten einen sofortigen

Abgang des Premiers gefordert. Oppositionsführer

Adrian Delia twitklärung

des Falles geben, sagte Caruana

Galizias Schwester, Corinne

Vella. Tausende Menschen protestierten

auch am Sonntag und riefen

„Mörder“ oder „Weg mit euch“.

Deal mit der Justiz

Dem Unternehmer Fenech wird

auch die Förderung einer kriminellen

Vereinigung vorgeworfen. Auch

soll er bei einer Explosion mitgeholfen

haben. Fench hatte angeboten,

Informationen zu dem Mordfall zu

liefern, und im Gegenzug Straffreiheit

gefordert. Dies war ihm verwehrt

worden. Er will wissen, dass

auch Muskats Stabschef Keith

Schembriinden Mord verwickelt ist.

Fench war vor knapp zwei Wochen

festgenommen worden, als er mit einer

Luxusjacht angeblich fliehen

wollte.

Er ist Direktor eines Konsortiums,

das 2013 vonder Regierung den Auftrag

erhalten hatte,ein Gaskraftwerk

zu bauen. 2018 kam heraus,dass ihm

auch eine geheime Offshore-Gesellschaft

namens 17 Black gehörte.Carmona

Galizia hatte Monate vor ihremTod

über 17 Black geschrieben.

Vordem Hintergrund der Mordermittlungen

war auch Stabschef

Schembri zurückgetreten und vorübergehend

festgenommen worden.

Er und der frühereEnergie und Tourismusminister

Konrad Mizzi waren

von Caruana Galizia bezichtigt worden,

Schmiergelder vonFench angenommen

zu haben. Alle beteuern

ihreUnschuld.

Für Montag waren wieder Proteste

gegen die Regierung in Valletta

angekündigt. Auch war eine Delegation

von Europa-Parlamentariern

unterwegs in das kleinste EU-Land.

„Die Mafia will entscheiden, wer

Maltas nächster Premierminister

wird. Muscat tritt zurück, um als Premierminister

weiterzumachen“,

sagte der Blogger Manuel Delia, der

zu den Organisatoren der Proteste

gehört, am Montag der Deutschen

Presse-Agentur.„UnsereDemokratie

ist in großer Gefahr.“ (dpa)


6 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Geringere Ansprüche bei

Bahnverspätung?

Bahnreisende sollen nach dem Willen

der nationalen Regierungen in

der Europäischen Union künftig weniger

Entschädigungsansprüche bei

Verspätungen haben. DieEU-Verkehrsminister

verständigten sich am

Montag in Brüssel darauf, Bahnunternehmen

in Fällen höherer Gewalt

–etwabei extremen Wetterbedingungen

–von der Entschädigungspflicht

zu befreien. Bevordie

Änderungen in Kraft treten können,

müsste jedoch noch eine Verständigung

mit dem Europaparlament gefunden

werden. DieAbgeordneten

hatten sich in der Vergangenheit kritisch

dazu geäußert. (dpa)

Türkische Wirtschaft

schwächelt

DasWachstum dertürkischen Wirtschaft

hat sich in den Sommermonaten

überraschend abgeschwächt.

Im drittenQuartal ist die Wirtschaftsleistung

im Vergleich zum

Vorquartal um 0,4 Prozent gestiegen,

wie die nationale Statistikbehörde

in Ankaramitteilte.Analysten

hatten im Schnitt für die Monate Juli

bis September eine Zunahme des

Bruttoinlandsprodukts (BIP) von1,1

Prozent erwartet. Nach Einschätzung

vonExperten wirddie türkische

Wirtschaft durch politische Unsicherheiten

und die Sorgevor Wirtschaftssanktionen

durch die Vereinigten

Staaten belastet. (dpa)

BMW investiert

400 Millionen Euro in iNext

Der BMWiNext alsStudieauf derFrankfurter

Automesse. FOTO: JAN HUEBNER/IMAGO IMAGES

BMW investiert400 Millionen Euro

in sein größtes europäisches Werk

im niederbayerischen Dingolfing.

Damit soll der Standortfür die Produktion

des vollelektrisch und hochautonom

fahrenden Luxus-SUV iNext

vorbereitet werden, wie der

Autohersteller mitteilte.Die Fertigung

soll 2021 anlaufen. Dervollelektrische

iNext werdeinDingolfing

vomselben Band laufen wie

schon jetzt Hybride und Fahrzeuge

mit Verbrennungsmotor.„Mitden

flexiblen Fertigungsstrukturen sind

wir bestmöglich für die unterschiedlichsten

Marktanforderungen gerüstet“,

betonte Produktionsvorstand

Milan Nedeljkovic.Dingolfing ist das

größte BMW-WerkinEuropa. 18000

Mitarbeiter produzieren dortrund

1500 Autos am Tag. (dpa)

Stada expandiert

in Osteuropa

DerPharmakonzernStada setzt seine

Einkaufstour in Osteuropa fort.

DasUnternehmen übernimmt nach

eigenen Angaben vomukrainischen

Anbieter Biopharma das Geschäft

mit verschreibungspflichtigen Medikamenten

und rezeptfreien Produkten.

Es handele sich um eine der

größten Investitionen im ukrainischen

Pharmasektor,teilteStada am

Stammsitz in BadVilbel bei Frankfurtmit.

DerPreis liegtnach dpa-Informationen

im mittleren zweistelligen

Millionen-Bereich.

Mitdem Zukauf habe Stada künftig

eine Produktionsstätte vorOrt nahe

Kiew,sodas Unternehmen. (dpa)

Die klassischeLebensversicherung als privateVorsorgefürsAlter wirft immer weniger ab.

Lebensversicherung geht die Luft aus

Branchenführer Allianz senkt im kommenden Jahr die Gesamtverzinsung um 0,3 Prozentpunkte

Von Thomas Magenheim

Drei Jahre lang konnte die

Allianz Leben als heimischer

Branchenführer

bei Lebenspolicen ihre

Verzinsung konstant halten. Unter

dem Druck von Negativzinsen kündigen

nun aber auch die Stuttgarter

für 2020 an, ihre Gesamtverzinsung

in der Lebensversicherung um

0,3 Prozentpunkte zu senken. Wer

bei der Allianz noch eine klassische

Policehält,darfnur noch mit3,1statt

3,4 Prozent Zins auf seine Sparbeiträge

abzüglichAbschluss- undVerwaltungskosten

rechnen. Besitzer

neuartigerPolicenmitabgespeckten

Garantien kommen auf 3,4 statt 3,7

Prozent. „Eine gute Botschaft zur

richtigen Zeit“, findet Allianz Leben-

Chef Markus Faulhaber trotz dieser

Rückgänge. InZeiten von Null- und

Negativzinsen seien das moderate

Abschläge. Konkurrenten schlagen

sichallerdings vereinzelt besser.

So hat das Branchenschwergewicht

Axa für 2020 eine gleichbleibende

Verzinsung angekündigt.

Gleiches gilt für DEVK oder Ideal.Die

meisten der hierzulande immer

noch gut 80 Lebensversicherer haben

ihre Zinspläne allerdings noch

nicht offenbart. Traditionell gibt

Branchenführer Allianz einen Fingerzeig,

wohin es mitLebenspolicen

in Deutschland geht.

So erwartet die Ratingagentur Assekurata

für 2020 durchschnittlich

ein Absinken der laufenden Verzinsung

von Lebenspolicen auf rund

2,30Prozent.ImlaufendenJahrliegt

der Branchenschnitt noch bei

2,46 Prozent. Die laufende Verzin-

Eine neugegründete Fachkräfteagentur

soll die Vermittlung

vonPflegekräften aus dem Ausland

beschleunigen. Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn und der

saarländische Ministerpräsident

Tobias Hans (beide CDU) stellten

am Montag inBerlin die Deutsche

Fachkräfteagentur für Gesundheits-

und Pflegeberufe(DeFa)vor.

Vermittlungsverfahren, die derzeit

mehr als zwei Jahre dauerten,

sollen mit deren Hilfe binnen sechs

Monaten abgeschlossen sein, sagte

Hans. Die Agentur hat ihren Sitz in

der saarländischen Hauptstadt

Saarbrücken.

Ohne Garantiezins: Viele

Assekuranzen bieten inzwischen

keine Produkte mit

klassischem Garantiezins

mehr an. Die Versicherungsgesellschaften

setzen im

Neugeschäft in der Regel inzwischen

auf Verträge, die

lediglich den Erhalt der eingezahlten

Beiträgeganz oder

teilweise zusagen. Dafür sollen

sie eine etwas höhere

Rendite abwerfen.

Hilfe aus dem Ausland

Neue Fachkräfteagentur soll Vermittlung von Pflegkräften beschleunigen

Gegründet wurde die Agentur

den Angaben zufolge bereits am

4. Oktober. Bearbeitet werden dort

demnach bereits rund 4200 Anträge

auf die Vermittlung von Pflegekräften.AlleEinrichtungen

desGesundheitswesens

können sich an

die Fachkräfteagentur wenden,

wenn sie Pflegekräfteaus demAusland

einstellen wollen oder Unterstützung

bei der Abwicklung der

Bürokratie brauchen.

Die Agentur kümmert sich den

Angaben zufolge umVisa-Anträge,

um die Anerkennung von Berufsabschlüssen

sowie um die Aufenthalts-

und Arbeitserlaubnisse.

FINANZAUFSICHT IN SORGE

Bafin: Mit wachsender Sorge

beobachtet die Finanzaufsicht

Bafin die Lageder

Assekuranzen. „Die Situation

der Lebensversicherer

und Pensionskassen erfordert,

dass wir unsere Kontrolle

verstärken“, so die Versicherungsaufsicht.

Die

jüngste Zinssenkung im

Euroraum habe die Herausforderung

für die Versicherer

noch einmal vergrößert.

Geldpolitik: Die Europäische

Zentralbank hatte im

Kampf gegenKonjunkturschwäche

und eine niedrige

Inflation ihre ultralockere

Geldpolitik im September

nochmals verschärft. Dazu

zählen höhere Strafzinsen

(negativer Einlagenzins) für

Banken, frische Milliarden

für Anleihenkäufe sowie ein

auf unbestimmte Zeit zementiertes

Zinstief.

sung setzt sich aus zwei Komponenten

zusammen: dem Garantiezins

und der Überschussbeteiligung.

Trotz der jetzigen Absenkung liegt

die Allianz in dieser Hinsicht weiter

über dem Branchenschnitt. Siekündigt

für garantiereduzierte Policen

2020 eine laufende Verzinsung von

2,6 Prozent an, für klassischen Policen

2,5 Prozent. Um zurGesamtverzinsung

zu kommen, muss man als

dritte Komponente noch den

Schlussüberschuss dazurechnen.

Weil Lebenspolicen teils über

Jahrzehnte laufen und in früheren

Zeiten das allgemeine Zinsniveau

deutlich höher als heute war,

schlummerninden Büchernder Assekuranz

noch viele Verträge mit Garantiezinsen

von bis zu 4Prozent.

Diese Versprechen sind heute von

den Versicherern angesichts Nullund

Negativzinsen an den Kapitalmärkten

immer schwierigerzuerfüllen.

DieFinanzaufsicht Bafin beäugt

die Branche deshalb skeptisch. Mit

dem Finanzministerium diskutiert

sie derzeit eine erneute Absenkung

des staatlich verfügten Garantiezinses

für Lebenspolicen, der bei mageren0,9

Prozent liegt.

In dieser Situation sei eine Drei

vordem Kommabei der Deklaration

des Zinssatzes für Lebenspolicen im

kommendenJahr einstarkes Signal,

meint Volker Priebe, Produktvorstand

vonAllianz Leben. 2019sei für

seine Branche ein turbulentes Jahr

gewesen, das anfängliche Hoffnungen

auf ein langsames Ende der

Niedrigzinsphase mit dem Anschwellen

von Negativzinsen ins

Gegenteil verkehrt habe. „Noch nie

war der Zinsabstand zwischen Le-

Gesundheitsminister Spahn betonte,

der Pflegebedarf in Deutschland

werdeweiter starksteigen. Die

Zahl der Menschen, die Leistungen

aus der Pflegeversicherung beziehen,

sei in den vergangenen drei

Jahren von 3auf 4,1 Millionen gestiegen.

Der Bedarf an Pflegekräften

sei nicht allein durch Ausbildung,

Umschulung und eine Verbesserungder

Arbeitsbedingungen

in Deutschland zu decken, sagte

Spahn.

Die Bundesregierung wirbt seit

einiger Zeit gezielt für Pflegepersonal

aus dem Ausland, unter anderem

aus Mexiko und von den Phi-

FOTO: STEPHANIE PILICK/DPA

benspolicen und anderen sicheren

Formen vonVorsorgesparen so groß

wie heute“, betont Prieb. Ob die

nächsten Jahredennoch weiterbröckelnde

Zinsen für Lebenspolicen

bringen, traut sich auch der Experte

nicht abzuschätzen. DieAllianz versuche

mit alternativen Anlagen, wie

der Finanzierung von Gewerbeimmobilien,

Infrastrukturprojekten

wie Autobahnen oder erneuerbaren

Energien, entgegenzusteuern. Heute

würden rund 40 Milliarden von

286 Milliarden Euro Anlagegelder

bei der Allianz Leben auf solche Anlageklassen

entfallen. Binnen drei

Jahren soll es ein Drittelsein.

Von den Kapitalmärkten ganz

entkoppeln könne sich allerdings

auch die Allianz nicht. Was den Zuspruch

vonVorsorgesparern betrifft,

bleiben die Stuttgarter indessen erfolgreich.Inden

erstenneun Monaten

dieses Jahres hat Allianz Leben

160000 neue Lebenspolicen verkauft

und damit nun 10,2 Millionen

Verträge im Bestand. Jeder dritte

neueVorsorge-Eurofließthierzulande

heuteindie Taschen der Stuttgarter.

Wohin der Trend bei Vorsorgeprodukten

geht, könnte eine neue

RentenpolicenamensPrivate Finance

zeigen. Dabei garantiert die Allianz

nicht einmal mehrdie Rückzahlung

eingezahlter Gelderwie dasbei

neueren und garantiereduzierten

Lebenspolicen der Fall ist. WerinPrivate

Finance anlegt, muss nun vollendsauf

die Anlageexpertise der Allianz

vertrauen. Verbraucher,die sich

heute noch eine Chance auf höhere

Rendite erhalten wollen, müssenmit

mehr Risiko anlegen, heißt das.

lippinen. Spahn und Hans betonten,

um Pflegekräfte würde nur in

den Ländern geworben, indenen

die Bevölkerung besonders jung ist

und über Bedarf Pflegekräfte ausgebildet

werden. Spahn zufolge

sind in jüngerer Zeit rund 2.000

Pflegekräfte aus den Philippinen

nach Deutschland gekommen.

Der Bundesgesundheitsminister

erläuterte, der Bund stelle als

Hauptauftraggeber in den nächsten

vier Jahren 4,7 Millionen Euro

für die Agentur zur Verfügung.

Nach Worten von Regierungschef

Hans werden 15 bis 20Mitarbeiter

dorttätig sein. (epd)

Fairer

Handel

per Gesetz

Bundesregierungwill gegen

Ausbeutung vorgehen

Von RasmusBuchsteiner

B undesentwicklungsminister

Gerd Müller (CSU) und Arbeitsminister

Hubertus Heil (SPD) bereiten

ein Gesetz gegen Dumping, Ausbeutung

und Umweltzerstörung in

globalen Lieferketten vor. „Standards

imsozialenundökologischenBereich

umzusetzen –das geht“, sagte Müller

bei einemBesuch in einer Textilfabrik

in der äthiopischen HauptstadtAddis

Abeba.In LändernwieÄthiopienwerde

eine Jeans für 5Euro produziert.

Existenzsichernde Löhne zu bezahlen

bedeute einen Euro mehr im Einkauf.

Arbeitsminister Heil setzt ebenfalls

auf ein Gesetz. „An Verantwortung

der deutschen Wirtschaft wird

am Ende nichts vorbeigehen“, sagte

der SPD-Politiker. „Wir brauchen

Fairness in den Lieferketten.“ Dasgilt

für die Textilwirtschaft, die Kaffeeproduktion

und für viele andere Wirtschaftszweige.

Derzeit läuft eine Befragung

von Unternehmen, mit der

herausgefunden werden soll, ob und

wie sie international anerkannte soziale

und ökologische Mindeststandards

in ihren Lieferketten sicherstellen.DieErgebnissederUntersuchung

sollen in der kommenden Woche vorliegen.

„Eine Pflicht zum Handeln“

Entwicklungsminister Müller geht

davon aus, dass sie nicht zufriedenstellend

sein werden. „Deshalb kommen

wir jetzt an den Punkt, ein Lieferkettengesetz

auf den Weg zu bringen“,

so der CSU-Politiker. Ineinem

Positionspapier, das die beiden Minister

während ihrer Äthiopien-Reise

vorstellten, wirdeineRichtungfür das

möglicheGesetzaufgezeigt.„Wirwollen

eine Pflicht zum Handeln, aber

keine Übernahme von Garantien“,

heißt es in dem Papier.Entscheidend

für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht

soll sein, dass Unternehmen „alles Erforderliche“

unternehmen, umVerletzungen

von Mindeststandards zu

verhindern.

„Es geht nicht darum, Mittelständler

zu überfordern“, so Arbeitsminister

Heil. „Wir werden da verhältnismäßige

Möglichkeiten schaffen.“ Im

Klartext könnte das heißen: Betriebe

mit weniger als rund 500 Beschäftigten

würden befreit vonder Verpflichtung

zur Einhaltung von Mindeststandards

–etwa zufairen Löhnen,

Arbeitsschutz, zum Verzicht auf KinderarbeitundzurEinhaltungökologischer

Standards. Sodenkt die Regierung

nicht daran, von Handwerkern

eine Garantie zu verlangen, dass von

ihnen verwendete Kupferkabel ohne

Ausbeutung vonArbeitnehmernhergestellt

worden sind. Größere Unternehmen

müssten jedoch haften, allerdings

sollen nach den Plänen der

Bundesregierung „nur nachweisliche

zurechenbare Handlungen“ zu einer

Haftung führen. „Betroffene müssen

ihre Recht besser geltend machen

können“, heißt es in dem Ministeriumspapier

außerdem.

Arbeits- und Entwicklungsministerium

verweisen darauf, dass ProdukteundRohstoffe,dieausallerWelt

nach Deutschland geliefert werden,

zum Teil „unter untragbarenArbeitsund

Umweltbedingungen“ hergestellt

würden. Als besonders problematische

Beispiele werden in diesem

Zusammenhang der Kakaoanbau in

der Elfenbeinküste,die PalmölgewinnunginIndonesien,dieTextilproduktion

unter anderem in Bangladesch

oder der Lithiumabbau in Argentinien

genannt.

„Wichtig ist, dass wir unseren

Wohlstand in Deutschland nicht auf

Armut und Ausbeutung in anderen

Ländernaufbauen“, sagte Arbeitsminister

Heil. Das Thema Fairness in

globalen Lieferketten werdedie Bundesregierung

während ihrer EU-Ratspräsidentschaft

auch auf europäischer

Ebene vorantreiben.


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 7 *

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Wirtschaft

Putin

gibt

Gas

Russland nimmt gleich drei

Pipelines in Betrieb

Von Ulf Mauder

Pünktlich zum Startinden Winter

ist Kremlchef Wladimir Putin in

seinem Element –mit dem Knopfdruck

für das größte Gas-Pipeline-

Projekt seines Lebens. „Kraft Sibiriens“

(auf Russisch: Sila Sibiri) heißt

diese erste Leitung zwischen Russland

und China. Jährlich 38Milliarden

Kubikmeter Gas will die Energiegroßmacht

künftig durch die am

Ende 3000 Kilometer lange Leitung

in das Reich der Mitte pumpen. Putin

und Chinas Staats- und Parteichef

Xi Jinping haben lange auf den

Moment hingearbeitet. Aber für

Russland und seinen Gasmonopolisten

Gazprom ist das erst der Anfang

in der kalten Jahreszeit. Die

blaue Flamme –das Gazprom-Symbol

–soll auch zum Startzweier weiterer

Großprojekte brennen.

Kurz nach dem Startins neue Jahr

will Putin am 8. Januar in der Türkei

mit Präsident Recep Tayyip Erdogan

die durch das SchwarzeMeerverlegte

Leitung Turkish Stream in Betrieb

nehmen. Ein zweiter Strang soll

dann Gas später womöglich durch

Griechenland leiten und von dort

weiter nach Süd-und Südosteuropa.

Am heikelsten für den Kremlchef

ist aber weiter der Start der neuen

Ostseepipeline Nord Stream 2. Die

USA, mehrere EU-Staaten und vor

allem die Ukraine wollen die

1230 Kilometer lange Leitung am

liebsten stoppen. US-Präsident Donald

Trump hatte die Europäerdavor

gewarnt, sich zu Geiseln russischer

Energielieferungen zu machen. Er

hofft, mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren

gewonnenes Flüssiggas

in Europa zu verkaufen. Doch

kann Russland aus seinen immensen

Lagerstätten den Rohstoff noch

lange deutlich günstiger anbieten.

Die Rohre für Nord Stream sind

schon zu mehr als zwei Dritteln am

Boden der Ostsee verlegt – und

könnten noch bis Ende des Jahres

den deutschen Anlandepunkt nahe

Greifswald erreichen. Kostenpunkt

rund 10 Milliarden Euro. 55Milliarden

Kubikmeter Gas sollen damit

künftigindie EU fließen.

Mitte 2020 funktionsfähig

Der russische Vize-Regierungschef

Dmitri Kosak geht davon aus, dass

die Leitung nicht Ende 2019, wie es

zuletzt hieß, sondernerst Mitte 2020

voll funktionsfähig sein wird. Die

Russen schauen derweil immer

noch aufmerksam auf die USA. Ihre

Hoffnung ist groß, dass die von Washington

angedrohten Sanktionen

gegen Nord Stream 2schon aus Zeitgründen

nicht mehr kommen, bevor

die Pipeline fertig ist.

Nahezu euphorisch berichteten

deshalb russische Medien über den

ebenfalls am Montag in Deutschland

angesetzten Start der „Begasung“

der neuen EUGAL-Pipeline

von Lubmin bei Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern).

Sie soll

künftig Gas aus der Leitung Nord

Stream 2erhalten. EUGAL führt auf

480 Kilometern Länge Richtung Süden

nach Deutschneudorf (Sachsen)

bis nach Tschechien. (dpa)

Empfangsstation der Ostseepipeline

NordStream2.

FOTO: STEFAN SAUER/DPA

Von Frank-Thomas Wenzel

Das hat Lufthansa-Chef

Carsten Spohr gerade

noch gefehlt. Akbar Al-

Baker,ChefvonQatarAirways,hat

eindeutige Avancen gegenüber

der Kranich-Linie gemacht.

Wenn es Möglichkeiten gebe,bei der

deutschen Airline zu investieren,

dann würde er dies gerntun, sagte Al-

Baker am Randes des Besuchs von

Niedersachsens Ministerpräsident

Stephan Weil (SPD). Kapitalbeteiligung,

gemeinsame Flüge im sogenannten

Codesharing, Kooperation

in der Vermarktung – der Airline-

Chef kann sich viel vorstellen.

Doch das Frankfurter Management

hat ihm einen Korb gegeben –

wohl auch, weil der Konzern gerade

genug andere Baustellen hat. Der

Marktist umkämpft, die Billigtochter

Eurowings muss in die Spur gebracht

werden, und mehrere Tarifkonflikte

schwelen. Für die LH-Führung geht

es derzeit vordringlich darum, für

Ruhe zu sorgen und Arbeitskämpfe

zu vermeiden. Davon hängen auch

die Geschäftszahlen für dieses Jahr

ab.

Türöffner gesucht

Al-Bakers Ansinnen liegt da einigermaßen

quer. Erhat es vor allem darauf

abgesehen, stärker auf dem

europäischen Marktpräsent zu sein,

auch um seine staatlich kontrollierte

Airline aus den roten Zahlen zu holen.

Da Start- und Landerechte für

außereuropäische Airlines äußerst

restriktiv vergeben werden, könnte

die Lufthansa den Türöffner spielen.

Deutschlands größte Airline aber

hält nichts von einem Einstieg des

arabischen Staatsunternehmens.

DieLufthansa sei hierzulande in den

Neunzigerjahren nicht privatisiert

worden, um sie in Katar wieder zu

verstaatlichen, sagte ein Konzernsprecher.Spohr

hat vielfach die massiven

staatlichen Subventionen kritisiert,

die den Fluggesellschaften von

der arabischen Halbinsel Wettbewerbsvorteile

bringen.

EinBündnis brächte der Lufthansa

wohl nicht viel. Spohr und seine

Strategensindstattdessengerademit

einem neuen Konzept für touristische

Langstreckenflüge beschäftigt.

Im Ansteuern der sogenannten

Warmwasser-Ziele sieht der Lufthansa-Chef

große Potenziale.Hier soll im

neuen Jahr eine neue Marke kreiert

und das operative Geschäft effizienterorganisiertwerden.

Zugleich erwarten viele Beobachter,

dass es bald Zuwachs geben

könnte. Spohr hat schon mehrfach

sein Interesse an Condor bekundet,

dem Ferienflieger des pleitegegangenen

Reisekonzerns Thomas Cook.

Dortbeginnt gerade die heiße Phase

der Übernahmeverhandlungen.

Condor-Chef Ralf Teckentrup hat

schon deutlich gemacht, dass er eine

Akquisition durch die Lufthansa begrüßen

würde. Wie ein Signal wirkt

da, dass Condor gerade damit begonnen

hat, auf den Leitwerken wieder

den stilisierten Kondor zu zeigen, der

Schlechtes Timing

Qatar Air will sich mit der Lufthansa verbünden –aber diehat ganz andere Sorgen

Ericsson steht bereit

werden sollten. „Ericsson verfügt über

ein breites Portfolio an 5G-Produkten,

mit denenwir Kunden auf allen Kontinenten

beliefern“, sagte Jejdling, der

beiEricssondieNetzwerk-Sparteleitet.

Als Ausrüster von 235G-Netzen, die

sich bereits im Livebetrieb befinden,

habe Ericsson bishermehr als vierMillionen

5G-fähige Funkeinheiten ausgeliefert.

„Als globales Unternehmen

stehenwir bereit,unsere KundeninallenMärkten

zu beliefern.“

In den westlichen Ländern wird

auch vor dem Hintergrund des Handelskriegsder

USA gegen China kontrovers

diskutiert, ob insbesondere der

chinesische Konzern Huawei beim

Aufbau des5G-Netzesnicht vonvornherein

ausgeschlossen werden sollte.

Vertreter der USA, aber auch etliche

PolitikerinDeutschland und in anderenwestlichen

Ländernsehendie Gefahr,dassHuaweiaufgrund

dergesetzlichen

Bestimmungen in seinem Heimatland

gezwungen sein könnte, Informationen

und Daten, dieeigentlich

geschützt werden sollen,dem Heimatland

zurVerfügung zu stellen. Huawei

weistdieseBedenkenals unbegründet

zurück.

In der Diskussion um einen Huawei-Bann

tauchte immer wieder das

aus den Zeiten stammt, als Condor

schon einmal zur Lufthansa-Gruppe

gehörte.

Neben den strategischen Baustellen

braucht auch das Tagesgeschäft

volle Aufmerksamkeit. DieLufthansa

mussteindiesemJahrschonzweimal

ihre Gewinnprognose nach unten

korrigieren.WenndieZielejetztnicht

erreicht werden, würde das für viel

Ärger bei den Investoren sorgen, es

wäre eine große Blamage für Spohr,

und der Aktienkurs würde abermals

abstürzen. Dieser hatte sich in den

vergangenen Wochen berappelt,

liegt aber immer noch 17 Prozent

niedriger als vorzwölf Monaten. Was

der Konzern jetzt gar nicht gebrauchen

kann, sind Streiks im wichtigen

Weihnachtsgeschäft.

So drehte das Management im

Streit um die Zukunft der Catering-

Tochter LSG bei und legte am Wochenende

ein neues Angebot vor. Die

erhoffte Reaktion bei der Dienstleistungsgewerkschaft

Verdi stellte sich

prompt ein: Siesagte einen für Montag

geplanten Streik ab.

Dauerstreit um Tarife

Die Lufthansa hatte Anfang voriger

Woche beschlossen, das europäische

Geschäft des weltweit zweitgrößten

Luftfahrt-Caterers an die Schweizerische

Gate-Gruppe zu verkaufen. Verdifordert,dassdieLufthansavordem

Unterschreiben des Verkaufsvertrages

die Gehälter für rund 7000 Beschäftigte

absichert. Nun hat das

Lufthansa-Management unter anderem

Altersteilzeit-Modelle vorgeschlagen.

Der LSG-Deal dürfte auch

bei der LH-Aufsichtsratssitzung an

diesem Dienstag auf der Tagesordnung

stehen.

Daneben schwelt weiter der

Dauerstreit mit der Flugbegleiter-

Gewerkschaft Ufo. Ende voriger Woche

wurde ergebnislos verhandelt.

Die Arbeitgeberseite habe die Gespräche

über eine Schlichtungsvereinbarung

nicht ernsthaft geführt,

sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies.

Voneinem Ausstand will die Unabhängige

Flugbegleiter Organisation

aber erst einmal absehen. Mansetze

auf die bereits benannten Schlichter

Matthias Platzeck und Frank-Jürgen

Weise.Seitnunmehr gutdreiWochen

geht es aufgeregt hin und her. Verhandlungen

wurden vereinbart und

kurzfristig wieder abgesagt. DieLufthansa

zog vor Gericht, mehrere Verfahren

sind anhängig.

Die Querelen gehen auch auf das

Konto der Arbeitsdirektorin und Vorständin

Bettina Volkens. Schon bei

früheren Arbeitskämpfen kam immer

wieder von der Gegenseite der

Vorwurf, dass bei ihr keine klareLinie

zu erkennen sei und es immer wieder

zu unerwarteten Querschüssen

komme. Nun soll der Stuhl von Volkens

wackeln –ein weiteres Thema

für das Treffen der Aufsichtsräte. In

Branchenkreisen heißt es allerdings,

dass Volkens erst einmal nicht gefeuert

wird. Das würde die laufenden

Verhandlungen erschweren und käme

auch bei Anlegernund Analysten

nicht gut an.

Schwedischer Ausrüster kann nach eigenenAngaben Europa mit genügend5G-Funkeinheiten versorgen

Von Andrej Sokolow

D erschwedischeMobilfunkausrüster

Ericssonsieht sich in derLage,

Europa mitgenügend 5G-Funkeinheitenzuversorgen,umdie

Netzefür die

fünfte Mobilfunkgeneration aufzubauen.

Das sagte Ericsson-Manager

Fredrik Jejdling amMontag der DeutschenPresse-Agentur.

Jejdling trat damitBefürchtungenentgegen,

Ericsson

verfügenichtübergenügendKapazitäten,

alleeuropäischen Mobilfunknetzbetreibermit5Gzubeliefern,wennchinesische

Anbieter wegen Sicherheitsbedenken

in Europa ausgeschlossen

Qatar Airwayshat eine der modernsten Flotten.

Die Wurzeln: 1993 wurde

Qatar Airways auf Initiative

der Herrscherfamilie Al Thani

gegründet. Heute betreibt

das Unternehmen mit knapp

50000 Mitarbeiternmehr

als 200 Flugzeuge, die über

160 Ziele anfliegen. Die

Fluggesellschaft machte im

vergangenen Geschäftsjahr

einen dreistelligen Millionenverlust.

QATAR AIRWAYS

Die Strategie: Das Emirat

hat Qatar Airways systematisch

und mit viel Staatshilfe

zu einer führenden Fluggesellschaft

ausgebaut. Um

auch in Europa wachsen zu

können, hat sich das Unternehmen

an mehreren Airlines

beteiligt. Unter anderem

gehören ihr 20 Prozent

an IAG, dem Mutterkonzern

vonBritish Airways.

FOTO: SILAS STEIN/DPA

Die Probleme: Die Vereinigten

Arabischen Emirate,

Saudi-Arabien, Bahrain und

Ägypten werfen Katar Terrorfinanzierung

vor. Sie brachen

im Sommer 2017 die diplomatischen

Beziehungen ab

und verhängten eine Blockade,

die bis heute in Kraft ist.

Das Geschäft vonQatar Airways

hat darunter massiv

gelitten.

Argument auf, 5G-Netze in Europa

könnten eigentlich nur mit Hilfe der

Chinesen aufgebaut werden, weil die

europäischen Huawei-Konkurrenten

Nokia und Ericsson gar nichtüberdie

notwendigen Kapazitäten verfügten.

AußerdemkönntendieEuropäer technologischnicht

mit Huawei mithalten.

Der Lateinamerika- und Europachef

vonEricsson, Arun Bansal, wies in

einem Beitragauf LinkedIn dieseArgumentation

zurück. „Wir sind führend

bei 5G“, erklärte Bansal und verwies

dabei auf eine Studie der AnwaltskanzleiBird&Birdzur

Qualität der 5G-Patente.

(dpa)

DAX-30 in Punkten

3.9.19

3.9.19

MÄRKTE

▼ 12964,68 (–2,05 %)

Rohöl je Barrel Brent inUS-Dollar

Euro in US-Dollar

3.9.19

Stand der Daten: 02.12.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

2.12.19

▲ 60,91 (+0,30 %)

2.12.19

▲ 1,1023 (+0,37 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 02.12. zum Vortag

ProSiebenSat.1 13,80 +1,36 WWW

Aurubis 43,50 +1,26 WWW

K+S NA 10,35 +0,93 WWW

Zalando 39,24 +0,36 WW

Dt. Pfandbriefbank 13,69

+0,15 W

Alstria Office 16,60 +0,12 W

Verlierer

2.12.19

aus DAXund MDAX vom02.12.zum Vortag

United Internet NA 29,04 WWWWWWWWWWW –5,56

RWESt. 25,45 WWWWWWWWWWW –5,43

Evotec 19,15 WWWWWWWWWW –4,77

RocketInternet 21,84 WWWWWWWWW –4,29

Dialog Semic.NA 44,56 WWWWWWW –3,51

LindePLC 180,40 WWWWWWW –3,48

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 02.12. ±% z. 29.11.

Euro Stoxx 50 (EU) –2,08

3733/2909 3626,66

CAC 40 (FR) – 2,01

5967/4556 5786,74

S&P UK (UK) – 0,84

1562/1323 1469,00

RTS (RU) – 0,39

1488/1033 1432,81

IBEX (ES) –2,09

9588/8286 9156,30

Dow Jones (US) –0,87

28175/21713 27806,94

Bovespa (BR) +0,72

109672/83892 108873,80

Nikkei (JP) +1,01

23608/18949 23529,50

Hang Seng (HK) +0,37

30280/24897 26437,08

Stx Singap. 20 (SG) –0,71

1657/1395 1604,04

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

Advanzia **

advanzia.com - 0,30 0,30

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,30 0,30 0,30

RaboDirect *

rabodirect.de 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,12 0,12 0,12

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Edel- &NE-Metalle (Freitag),

Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung


8 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Meinung

Rechnungshof

ZITAT

Mehr Kontrolle

bitte

Jens Blankennagel

hofft auf noch mehr Disziplin

beim Ausgeben vonSteuergeld.

Das Parlament in Potsdam, das die Gesetze

für das Land Brandenburg beschließt,

tagt öffentlich. Jeder Bürger kann

also bei der Arbeit der Demokratie zuschauen.

Doch wenn ein Gesetz erlassen

ist, obliegt es den zehn Ministerien und

ihren fast unzähligen nachgeordneten

Behörden mit ihren tausenden Beamten

und Mitarbeitern, diese Gesetze umzusetzen

–ohne Zuschauer. Obdabei Geld

verschwendet wird, prüft später der Landesrechnungshof.

Derhat nun seinen aktuellen

Bericht vorgelegt und viele Missstände

offengelegt.

Der Chef des Brandenburger Rechnungshofs

spricht von einer präventiven

und abschreckenden Wirkung, die die

bloße Existenz seiner Behörde hat. Gemeint

ist: Weil es die Kontrolleure gibt,

trauen sich so manche Beamten nicht,

alte schlechte Gewohnheiten fortzusetzen.

Mitunter handelt es sich dabei um

eine völlig sinnlose Geldverschwendung

oder um wirkungsloses Agieren oder um

Handlungen, die an Korruption oder ähnliches

grenzen. Deshalb ist Kontrolle gut.

Dereinzige Nachteil ist, dass Kontrolle

immer erst im Nachhinein erfolgt. Der

Rechnungshof kann Fehlentwicklungen

meist erst Monate oder gar Jahre später

öffentlich machen. Es ist doch zum Beispiel

beschämend, dass sich die Landesregierung

vornimmt, innerhalb von fünf

Jahren 2000 neue Sozialwohnungen

bauen zu lassen und am Ende sind gerade

einmal 59 Wohnungen fertig.

Warum gibt es in den Behörden in

Brandenburg und anderswo keine wirksame

innereKontrolle? Einsehr plakatives

Beispiel: Warum prangert keine Kontrollbehörde

regelmäßig an, dass es unzählige

Baustellen auf Berlins Straßen gibt, auf denen

so gut wie nie gearbeitet wird?

Pflege

Schnelle Hilfe aus

dem Ausland

TimSzent-Ivanyi

findet ein neues Projekt des

Gesundheitsministers sehr gut.

Jens Spahn ist ein Politiker, der nicht

lange fackelt, wenn er sich etwas vorgenommen

hat. Dabei schießt der Gesundheitsminister

immer mal wieder übers

Ziel hinaus, wie etwa zuletzt bei seinem

Versuch, die Daten der Krankenversicherten

für die Forschung zu verwenden. Kurz

vor der Beschlussfassung im Bundestag

musste das Gesetz auch auf Drängen aus

den eigenen Reihen verändert werden,

um Datenschutz sicherzustellen.

Dennoch kann man seiner Arbeitsweise

viel abgewinnen. So ist der Minister

selbst nach Mexiko und in den Kosovo gefahren,

um dort auf die deutsche Pflegemisere

aufmerksam zu machen und Personal

anzuwerben. Und nun hat er zusammen

mit dem Saarland eine Agentur

aus der Taufe gehoben, die Krankenhäusern

und Pflegeeinrichtungen bundesweit

dabei helfen soll, ausländische Pflegekräfte

so unkompliziertund schnell wie

möglich nach Deutschland zu holen. Eigentlich

wäre das eine Aufgabe der Bundesagentur

für Arbeit, doch die ist offensichtlich

zu schwerfällig.

Schon heute sind Zehntausende Stellen

in der Kranken- und Altenpflege unbesetzt,

der Personalbedarfaber wirdimmer

höher. Pflegekräfte aus dem Ausland können

dabei helfen, die Lücke kleiner zu machen.

Doch sie müssen monatelang auf ein

Visum warten, für die Anerkennung der

Berufsabschlüsse gibt es in jedem Bundesland

eigene Regeln. Zwei Jahredauertesim

Schnitt, bis alle Genehmigungen für eine

Arbeitserlaubnis vorliegen. Künftig soll alles

zusammen schon nach sechs Monaten

erledigt sein. Funktioniert die Agentur,

sollte sie unbedingt Schule machen. Denn

nicht nur in der Pflege werden händeringend

Fachkräfte gesucht.

Nato-Familienfoto

Es ist verwirrend. Zurzeit wird mindestens

einmal pro Woche irgendwo

der Klimanotstand ausgerufen.

In jüngster Zeit waren es

zum Beispiel der globale Klimanotstand, erklärt

von mehr als 11 000 Wissenschaftlern

aus aller Welt, der Klimanotstand in Europa,

benannt vom EU-Parlament, sowie Klimanotstände

in den Städten Frankfurt (Oder),

Leipzig und Pfaffenhofen. Jetzt also Berlin.

EinStadtstaat in Klimanotlage.Sowirdesder

Senat wohl diesen Dienstag beschließen.

Damit sind es fast 70 Städte hierzulande,

die anerkennen, dass dem Klimawandel

schleunigst Einhalt geboten werden muss.

Weltweit gibt es diese Bewegung schon länger.Vor

fast genau drei Jahren machte das australische

Darebin City in der Nähe von Melbourne

den Anfang. Seither haben weltweit

mehr als 1200 Städte sowie einige Dutzend

Länder und Provinzregierungen erklärt, dass

sie den Klimawandel als Riesenproblem sehen,

das sofortiges Handeln erfordert.

All diese Initiativen sind gut und richtig.

Man darf die Erklärungen nur nicht falsch

verstehen. Sie sind gewiss nicht der Beginn

einer Ökodiktatur. Das signalisiert auch die

Entscheidung der Umweltsenatorin Regine

Günther, für den im Englischen gebräuchlichen

Begriff „Climate Emergency“ nicht den

Begriff Klimanotstand zu wählen, sondern

ihn mit Klimanotlage zu übersetzen. Denn

mit dem Begriff „Notstand“ haben viele

Menschen hierzulande negative Assoziationen.

Die einen denken an die Notstandsgesetzevon

1968, die den Staat auch in Krisensituationen

handlungsfähig halten sollten.

Die anderen an die Notverordnungen der

Weimarer Republik, die wesentliche Grundrechte

außer Kraft setzen konnten und Adolf

Hitler an die Macht verhalfen.

Einst bildete die Gläserne Blume den Mittelpunkt

im Foyer des Palasts der Republik.

Doch seit 2006 ruhen deren Einzelteile

in einem baufälligen Depot des Deutschen

Historischen Museums und damit im Zuständigkeitsbereich

von Staatsministerin

Grütters.Weil der Berliner Zeitung im Frühjahr

2019 der Zugang zu den verpackten Segmenten

der Blume verwehrt worden war,

fragte ich in meiner Kolumne vom5.November:Was

ist da los? Daraufhin durften wir ins

Depot (siehe den gestrigen Bericht).

Gleichfalls von meiner Kolumne angeregt,

fragte Simone Barrientos, Abgeordnete

der Linken im Bundestag: „Beabsichtigt die

Bundesregierung das kulturpolitisch und

historisch bedeutsame Kunstwerk ‚Die gläserne

Blume‘ für Ausstellungszwecke zu restaurieren?“

Liest man die Antworten, die

Staatsministerin Grütters am 22. November

erteilte, muss man sagen: Sie fertigte den

Deutschen Bundestag mit Halb- und Unwahrheiten

ab: Entgegen dem Urteil der

Fachleute des DHM bestritt sie die Restaurierbarkeit

der Blume; wahrheitswidrig behauptete

sie, „beide“ Schöpfer des monumentalen

Glaskunstwerkes sähen „eine Wiederaufstellung

des Kunstwerks als unangemessen

an“. Der eine Künstler, Richard

Wilhelm, hat öffentlich längst das genaue

Gegenteil erklärt („Das Kunstwerk gehört

nach Berlin, dortsoll es aufgestellt werden“),

der Sohn des anderen Miturhebers,Reginald

Richter, teilte dieser Zeitung mit, man habe

vor Jahren die Blume im Depot besichtigt,

Klimawandel

Stadt

in Not

Anne Brüning

freut sich über das Bekenntnis zum Klimaschutz und hofft, dass

es mit der Klimaneutralität in Berlin nun schneller vorangeht.

Derartiges Ermächtigen oder außerparlamentarisches

Handeln ist mit Climate Emergency

nicht gemeint. Dazu fehlte auch jegliche

rechtliche Grundlage. Eshandelt sich lediglich

um offizielle Einsichten, um Selbstverpflichtungen.

Unddarum darf man nicht zu

viel erwarten. Mit Notstandserklärungen signalisieren

Stadtparlamente, Landesregierungen

und bestimmte Gruppen von Menschen,

dass sie verstanden haben, wie ernst

und akut das Problem des Klimawandels ist.

Damit rückt es auf der politischen Agenda

nach oben. Unddagehörtesauch hin. Denn

die meisten von uns haben die Erderwärmung

und ihreFolgen viel zu lange ignoriert,

verdrängt, heruntergeredet, nicht ernst genommen.

Erst die Hitze- und Dürrerekorde

KOLUMNE

Monika Grütters

und die Zukunft

der Palastblume

Götz Aly

Historiker

und dabei seien mit einem Fachmann, den

die Stiftung Humboldt-Forum hinzugezogen

habe, „Ideen einer möglichen Technologie

zur Restaurierung“ erörtertworden.

Nachdem vor mehr als zehn Jahren erwogen

worden war, die Blume als Erinnerung

an den Vorgängerbau Palast der Republik

im Humboldt-Forum zu präsentieren,

wurde dieser Plan irgendwann verworfen.

Zu kompliziert, keine Lust, zu ostig –ich

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

der vergangenen zwei Jahre inKombination

mit der beharrlichen „Fridays-for-Future“-

Bewegung haben uns vorAugen geführt, wie

riskant und dumm das war.

Natürlich reicht es nicht aus, die Dringlichkeit

des Problems anzuerkennen. Es

müssen Taten folgen. Interessanterweise hat

Berlin dafür schon einige Vorarbeit geleistet.

Im April 2016 wurde das Berliner Energiewendegesetz

verabschiedet. Es legt fest, dass

das Land Berlin bis zum Jahr 2050 klimaneutral

werden soll. Für den Wegdahin hat

das Abgeordnetenhaus vor knapp zwei Jahren

das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm

beschlossen, kurz BEK 2030. Es

enthält rund 100 Maßnahmen in den Bereichen

Klimaschutz sowie für die Anpassung

an die Folgen des Klimawandels. Und es

sieht jährliche Monitoringberichte vor, um

die Fortschritte zu kontrollieren.

Berlin hat also im Grunde schon den Fahrplan

und die Instrumente für den Wegindie

Klimaneutralität. Nun wird nachjustiert. Die

Erklärung der Klimanotlage wäre eigentlich

nicht notwendig gewesen. Sieist so etwas wie

ein nachträglicher Eilstempel für das ohnehin

schon begonnene Projekt. Aber das ist okay.

Der Senat befasst sich auf diese Weise noch

einmal mit dem Thema. Und den Bürgern

wird signalisiert, dass man es ernst meint.

Alle,die fürchten, dass ab übermorgen Autos

mit Verbrennungsmotor in Berlin verboten

werden,dürfen jetzt ruhig ausatmen. Und

all diejenigen, die endlich etwas bewegen

wollen, sollten tief Luft holen. Berlin muss

schleunigst die Mobilitätswende vorantreiben,

seine Gebäude sanieren, die Energieversorgung

umkrempeln, seine Wälder umbauen

und vieles mehr. Dafür braucht es einen

langen Atem. Aber inNotlagen wächst

der Mensch ja bekanntlich über sich hinaus.

weiß nicht, was die verantwortlichen Damen

und Herren bewog, den Mantel des

Vergessens über der demontierten Blume

auszubreiten.

Aber was wäre jetzt zu tun? Zunächst

könnte man den erinnerungspolitischen

Scherbenhaufen sichtbar machen. Wiewäre

es, wenn die in Holzverschalungen verpackten

zehn Blätter der Blume, der Schaft und

die gleichfalls zerlegte innere Glaskugel im

Humboldt-Forum gezeigt würden –sowie

sie sind. Dazu wäredann die Geschichte des

Objekts zu erzählen. AufBildschirmen könnten

die Meinung des Publikums,der Künstler

und Architekten hör- und sichtbar gemacht

werden. Da man heutzutage die Partizipation

des Publikums liebt, könnten die Kommentare

der Besucher fortlaufend filmisch

dokumentiert und gezeigt werden, insbesondere

derjenigen, die Blume und Palast

noch kannten. Am Ende stünde dann womöglich

die Restaurierung.

Aber wohin mit dem Großkunstwerk?

Hier mein Vorschlag: Wegen afrikanischer

Rückforderungen von „völkerkundlichen“

Objekten aus der geplanten, extrem kolonial

geprägten Dauerausstellung wird womöglich

bald Platz geschaffen. Dann aber wären

wir Deutsche jählings auf dieVolkskunde unseres

eigenen, oftmals seltsam dämonischen

Germanenstammes zurückgeworfen. Und

neben Originalteilen unserer Kanonenboote,

Stukas, Krematorien etc. würde sich

die Palastblume dann als Insel der Friedfertigkeit

und Selbstbesinnung ausnehmen.

„Ich mag mir gar nicht

vorstellen, wie Willy Brandt

und Helmut Schmidt

jetzt im Himmel sitzen

und das Drama mit

ansehen müssen.“

Brigitte Seebacher-Brandt, Witwedes früheren Kanzlers

und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt, in der Bildzeitung

zum Ausgang des SPD-Mitgliederentscheids.

AUSLESE

Die Reize der

Minderheitsregierung

Das Ergebnis des Mitgliederentscheids

der SPD hat auch ein internationales

Echo hervorgerufen. So schreibt die Londoner

Financial Times:„Manche Christdemokraten

finden insgeheim die Vorstellung

verlockend, dass die SPD die Koalition

verlässt, was es der CDU und ihrer bayerischen

Schwesterpartei CSU ermöglichen

würde, allein mit einer Minderheitsregierung

zu herrschen.“ Das wäre allerdings

beispiellos im Nachkriegsdeutschland.

Außerdem habe Angela Merkel eine solche

Option schon mehrfach ausgeschlossen.

„Aber sie hätte ihreReize.“

Die Amsterdamer Zeitung de Volkskrant

hält das Liebäugeln der SPD mit

Neuwahlen für riskant: „Schnelle Neuwahlen

sind für die SPD ein großes Risiko.

Die Partei könnte weiter an Zustimmung

verlieren, zumal noch kein neuer Spitzenkandidat

gefunden wurde. Esken und

Walter-Borjans selbst scheinen für eine

Spitzenkandidatur zu unerfahren zu sein.

Keiner vonihnen hatte jemals in der Bundespolitik

eine führende Position inne.“

„Dass die deutschen Sozialdemokraten

künftig von den relativ ungeprüften Norbert

Walter-Borjans und Saskia Esken geführtwerden,

ist ein Schock, der aber keine

Überraschung sein sollte“, meint die liberale

schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter.

„Sozialistische Gedanken finden in

immer mehr etablierten Parteien Einzug –

eine Erinnerung daran, dass sich nicht nur

die Rechten auf gefährliche Weiseradikalisieren.“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Die Kolumne:

Auf eine Curry

mit GregorGysi

Seite 12

Mehr Gewalt: Die Polizeipräsidentin stellt die Kriminalitätsstatistik vor Seite 10

Mehr Schulden: Der Bericht des Landesrechnungshofs Seite 13

Stadtbild

Nichts ist

sicher

Stefanie Hildebrandt

geht DDR-Geschichte nach.

InPankow gibt es jede Menge Gebäude

mit Geschichte.Doch an einem

ging ich in den letzten Jahren

immer nur vorbei, nie hinein. Ein

Fehler.Man muss sich meine Begegnung

mit dem grauen Plattenbau an

der Pankower Pestalozzistraße unterlegt

mit Musik vorstellen. „Why

must all good things come to an

end?“, etwa. Oder: „Es war ne geile

Zeit“.

Für die Künstler des Vereins

Kunstetagen Pankow (KEP), die hier

in den letzten Jahren ihre Ateliers

hatten, geht genau diese Zeit jetzt zu

Ende. Bis zum Jahresende müssen

sie aus ihren Atelierräumen im ehemaligen

Intrac-Gebäude ausziehen.

In dem Gebäudekomplex an der Pestalozzistraße

5bis 8hatte die Intrac,

der einzige Global Player der DDR,

ihren Sitz. Mitüber 700 Mitarbeitern

war die Handelsgesellschaft die

wichtigste und größte Firma des Bereichs

Kommerzielle Koordinierung

(KoKo) unter Alexander Schalck-Golodkowski.

Bei Intrac handelte man

am sozialistischen Plansoll vorbei

mit Antiquitäten, Schmuck, Diamanten,

Erdöl, Edel- und Buntmetallen.

An der Pestalozzistraße sicherten

Kameras und Klingeldraht

erfolgreiche Geschäfte.ImKeller rostet

noch heute ein verschlossener,

großer grüner Tresor vorsich hin.

Nach der Wende zogen kleinere

Gewerbe und Künstler in die Intrac-

Büros. Über 80 Briefkästen im getäfelten

Foyer erzählen noch von der

bunten Mischung. Ingenieure, eine

Musikschule, Architekten, Maler,

Freischaffende, eine Theaterschule,

Beratungsstellen fanden hier bezahlbare

Räume und bildeten eine

einzigartige Hausgemeinschaft.

Noch heute finden sich in den Büros

und Ateliers Original-Einbauten.

Wandschränke, schwere Konferenztische,

inden VIP-Zimmern sorgten

Klimaanlagen vonPanasonic für gutes

Klima. In den Etagenküchen stehen

AEG-Herde, ineinem Schrank

warten seit 30 Jahren Cognacgläser

mit Goldrand auf ein Prosit zum Vertragsabschluss.

Christian Badel, einer

der hier ansässigen Künstler,hat

einen ganzen Karton mit Modeschmuck

made in GDR gefunden.

Mitder Kantine auf dem Gelände,

die bereits dem Abriss zum Opfer gefallen

ist, verschwand auch DDR-

Kunst am Bau, Plastiken und Skulpturen.

„Das Denkmalamt wollte oder

konnte nicht rechtzeitig schauen, ob

Schützenswertes vorhanden ist“,

sagt Grafiker Christian Badel, der

wenigstens fotografierthat, was war.

Denn wo früher Sozialisten richtig

Kohle machten, soll auch heute wieder

gut verdient werden. Anstelle der

Ateliers sollen Eigentumswohnungen

entstehen, heißt es.

Lange Zeit hatte es in den Verhandlungen

mit dem Eigentümer

Hoffnung gegeben, dass hier doch

noch bezahlbarer Raum für Kunst

geschaffen würde,doch diese erwies

sich als trügerisch. DieKünstler werden

jetzt in einen Plattenbau in der

Prenzlauer Promenade ziehen. Hier

haben sie Verträge für neun Monate

bekommen. „Wenn nichts sicher ist,

ist alles möglich“, steht auf dem

Schild an einer Ateliertür. Ergilt leider

auch für die Zukunft der Kunstschaffenden.

Blick auf den Checkpoint Charlie. Verschiedene Interessen prallen an dem geschichtsträchtigen Ortaufeinander.

Ein Platz zum Wohnen und Erinnern

Der Bebauungsplan für den Checkpoint Charlie soll beschlossen werden. Doch es gibt auch andere Ideen

VonUlrich Paul

Der ehemalige Grenzübergang

Checkpoint Charlie

soll nicht nur Anziehungspunkt

für Touristen

sein, sondern zugleich Wohnort

für Berliner werden. Das geht aus

dem Bebauungsplanentwurf aus

dem Hause von Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher (Linke)

hervor, der an diesem Dienstag im

Senat beraten werden soll.

Neben einer Fläche für ein Museum

des Kalten Kriegs sind danach

auf dem 1,3 Hektar großen Areal ein

Stadtplatz sowie eine gemischte Bebauung

mit rund 300 Wohnungen

vorgesehen. Eigentlich wollte sich

Lompscher für ihren Plan bereits am

vergangenen Dienstag die Zustimmung

der Landesregierung holen,

doch konnte sich die Koalition zu

dem Zeitpunkt noch nicht einigen.

Grund dafür war dem Vernehmen

nach, dass von SPD-Seite Forderungen

nach dem Bauvon zwei bis zu 60

Meter hohen Gebäuden („Hochpunkten“)

auf dem Areal unterstützt

wurden, während der Entwurf aus

dem Hause Lompscher die Hochpunkte

nicht vorsieht. Jetzt soll es

zwar weiterhin keine Hochpunkte

geben, doch signalisierte Lompscher

bereits in der vergangenen Woche

Entgegenkommen. Es gebe bei dem,

was städtebaulich und architektonisch

möglich sei, eine „Menge

Spielraum“, sagte sie.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass

der Bebauungsplan durch den Senat

gehen wird“, sagte die Grünen-Abgeordnete

Daniela Billig am Montag.

„Damit wir wirklich auf der sicheren

Seite sind, müssen wir den Bebauungsplan

bis zum 14. Februar 2020

beschlossen und veröffentlicht haben.“

Die Gefahr sei sonst zu groß,

dass Gerichte gegen die Interessen

Berlins entscheiden.

Veränderungssperreläuft aus

Hintergrund: Mitte Februar 2020

läuft eine sogenannte Veränderungssperre

für das östliche Grundstück

am Checkpoint Charlie aus.Sie

verhindertwährend der Arbeiten am

Bebauungsplan, dass Bauwünsche,

die den Interessen des Landes widersprechen,

genehmigt werden. Zwar

gibt es immer wieder Äußerungen,

wonach die Veränderungssperre für

das östliche Grundstück verlängert

werden könnte,doch hat die Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung

diese stets zurückgewiesen. Dies sei

nur möglich, wenn besondere Umstände

vorlägen. Dies sei hier aber

nicht der Fall.

Der ehemalige Wirtschaftssenator

Wolfgang Branoner (CDU) wies

am Montag unter Berufung auf ein

Gutachten darauf hin, dass selbst bei

der Aufhebung der Veränderungssperre

noch Zeit bleibe, umamBebauungsplan

weiterzuarbeiten. Für

die Erteilung einer Baugenehmigung

sei nämlich die Rechtslage zum

Zeitpunkt der Genehmigung maßgeblich,

also nach Abschluss eines

mehrmonatigen Genehmigungsverfahrens.

Folglich bestehe noch nach

dem 14. Februar 2020 für mindestens

sechs bis neun Monate die Möglichkeit,

den Bebauungsplanentwurf

zu ändern und zu ergänzen. Dafür

plädiert Branoner, der heute die Beratungsfirma

SNPC führt.

Unterstützung für TimRenner

Branoner stärkt damit den ehemaligen

Kulturstaatssekretär TimRenner

(SPD), der sich im Sommer für ein

anderes Konzept am Checkpoint

Charlie ausgesprochen hatte. Renner

favorisiert Studentenwohnungen

an Stelle einer normalen Wohnbebauung.

Zudem sähe er die Friedrichstraße

gerne als verkehrsberuhigte

Zone. Branoner und Renner

sind miteinander befreundet, seitdem

Universal Music Deutschland –

damals mit Renner als Chef –imJahr

2002 seinen Sitz von Hamburg nach

Berlin verlegte. Der „Checkpoint“

des Tagesspiegel hatte zuerst über

das Gutachten im Auftrag von Branoners

Firmaberichtet.

Lompschers Plan sieht vor, östlich

der Friedrichstraße einen Bildungs-

und Erinnerungsort einzurichten.

Dort soll ein Museum entstehen,

das an die Zeit des Kalten

Kriegs erinnert. Westlich der Friedrichstraße

ist ein Stadtplatz vorgesehen.

Die Wohnungen sollen aus

Gründen des Lärmschutzes möglichst

in jenen Bereichen entstehen,

die vom Stadtplatz und Museum

abgewandt sind. Lompschers Plan

hebt sich deutlich von den Überlegungen

des Investors Trockland ab,

mit dem das Land Berlin sehr lange

über den Checkpoint Charlie verhandelte,

zudem es aber nach Berichten

über ein komplexes Firmennetzwerk

mit Zweigen in Steueroasen

wie Luxemburg und Zypern auf

Distanz ging. So ist beispielsweise

kein Hotel mehr vorgesehen, das

Trockland ursprünglich bauen

wollte. Das Unternehmen will aber

trotzdem weiter am Checkpoint

Charlie investieren.

Es gibt, wie berichtet, auch noch

einen ganz anderen Vorschlag für

den Checkpoint Charlie.Der Bremer

Investor Alexander Ruddat bietet an,

das Museum des Kalten Kriegs in

dem von ihm erworbenen Haus an

AFP/ JOHN MACDOUGALL

der Zimmerstraße 19 einzurichten –

in unmittelbarer Nähe zum Checkpoint

Charlie.Damit hätte Berlin die

Chance, den Ort der Blockkonfrontation

voneiner Bebauung freizuhalten

–und die charakteristische Leere

des Platzes erlebbar zu machen. Beraten

wird Ruddat vom Unternehmen

des ehemaligen Stadtentwicklungssenators

Peter Strieder (SPD).

NACHRICHTEN

„Dieselfahrverbote

nicht kontrollierbar“

Fahrer alter Diesel haben nach Einschätzung

der Gewerkschaft der Polizei

in den Fahrverbotszonen in Berlin

nicht allzu viel zu befürchten.

„Der Personalkörper der Berliner Polizei

gibt es nie im Leben her,dass wir

alle Verbotszonen im Blick behalten

und dortregelmäßig kontrollieren

können“, erklärte die Gewerkschaft.

DieFahrverbote seien unter den gegebenen

Voraussetzungen nicht

kontrollierbar.Die Gewerkschaft forderteine

automatisierte Kennzeichenerkennung

in den betroffenen

Straßenabschnitten. DerSenat hatte

im Juli Dieselfahrverbote für mehrere

Stellen in der Hauptstadt beschlossen,

um die Stickoxidbelastung

zu senken. (dpa)

GSG 9bis Ende 2020

permanent in Berlin

Gutes aus

Artgerechter Tierhaltung

DieSpezialeinheit GSG 9will einen

neuen StandortinBerlin bis Ende

kommenden Jahres mit dauerhaften

Kräften besetzt haben. Dazu werde

die Einheit der Bundespolizei auch

etwa um ein Drittel wachsen, berichtet

die ARD in der Dokumentation

„GSG 9–Terror im Visier“. „Ich gehe

davon aus,dass wir Ende nächsten

Jahres Kräfte fest hier haben, die

dann permanent in Berlin sind“,

sagte GSG 9-Kommandeur Jerome

Fuchsineinem Interview. (dpa)

VORBESTELLUNG

FÜR DIE

WEIHNACHTSTAGE

an den Theken der

100 %Bio ·von Bauern aus der Region

keine Antibiotika ·Verzicht auf Geschmacksverstärker

BIOMANUFAKTUR-HAVELLAND.DE


10 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Berlin

Alles auf Grün

Die Liste der beliebten Politiker

führt ein Linker an. Bei den Parteien dagegen

liegt klar die Umweltpartei vorne

+1,2

VonMelanie Reinsch

+0,8

+0,7

Beliebtheit der Berliner Senatoren

Bewertung anhand einer Skala von +5bis –5(dargestellt ist jeweils der Mittelwert)

+0,7

+0,6

+0,5

+0,4

–0,4

–0,6

–0,7 –0,7

Veränderung zum Vormonat

+0,1 +0,2 +0,2 +0,2 +0,1

+0,1 +0,1

–0,1

+0,1 +0,3

Bekanntheit

0

75 % 75 %

69 %

65%

96 %

70 %

55 %

60 %

80% 74 %

70 %

Klaus Lederer

(Linke)

Andreas Geisel

(SPD)

Matthias Kollatz

(SPD)

Dilek Kalayci

(SPD)

Michael Müller

(SPD)

Ramona Pop

(Grüne)

Elke Breitenbach

(Linke)

Dirk Behrendt

(Grüne)

Katrin Lompscher

(Linke)

Sandra Scheeres

(SPD)

Regine Günther

(Grüne)

BLZ/GALANTY; QUELLE: FORSA

Kurz vor Weihnachten werden

im politischen Berlin

die Karten neu gemischt.

Denn am Wochenende hat

sich die Bundes-SPD auf ein neues

Führungsduo geeinigt: Saskia Esken

und Norbert Walter-Borjans. Damit

hatte kaum einer gerechnet, denn

das Duo gilt als links, führungsunerfahren

und GroKo-kritisch. Welche

Auswirkungen das Ergebnis haben

wird, darüber scheiden sich die Geister.Denn

während die einen der SPD

nun den Untergang prognostizieren,

sind sich andereKommentatoren sicher,

dass die Wahl des Duos Esken/Borjan

die Stunde Null in Richtung

Neustartmarkiert.

Befragung vorSPD-Entscheidung

In der aktuellen November-Umfrage

des Meinungsforschungsinstituts

Forsa im Auftrag der Berliner

Zeitung spielen diese Effekte noch

keine Rolle, denn die Zahlen sind

vor der Wahl erhoben worden. Die

neuesten Entwicklungen bei der

SPD werden also erst im nächsten

Monat sichtbar. Und so bleiben die

Werte imNovember noch stabil mit

Sonntagsfrage Abgeordnetenhaus

November 2019 „Wenn am Sonntag

Abgeordnetenhauswahl wäre...“

in KlammernVeränderung zum Vormonat

SPD

16 %

(+1)

Grüne

24 %

(–1)

Linke

17 % (+1)

CDU

17 % (–1)

FDP

5%(±0)

AfD

11 % (±0)

Sonstige

10 % (±0)

geringfügigen Änderungen zum

Vormonat.

Forsa befragte im Zeitraum zwischen

dem 21. und dem 28. November

1006 Berliner. Die Grünen bleiben

danach weiterhin stärkste Kraft

in Berlin, verlieren aber im Vergleich

zum Vormonat einen Prozentpunkt

und kommen so auf 24 Prozent. Hinzugewinnen

konnten allerdings die

Koalitionspartner – jeweils einen

Prozentpunkt. Die Berliner SPD

kommt innerhalb der Regierung auf

Platz drei mit 16 Prozent und liefert

sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit

den Linken, die auf 17 Prozent kommen.

Man nähert sich also wieder

langsam an. Knapp zwei Jahre vor

der nächsten Abgeordnetenhauswahl

hält das Dreier-Bündnis also

weiterhin eine solide Mehrheit von

57 Prozent – allen Querelen zum

Trotz. Das ist in Zeiten, in denen

Bündnisse durch die Zerfledderungen

der Parteien immer schwieriger

werden, durchaus eine Erwähnung

wert. Beispiel Thüringen: Dort ist

eine Koalition nach der Landtagswahl

bisher nicht in Sicht. Auch in

der Opposition bleibt es im November

ruhig. Die FDP schabt wie auch

im Oktober schon an der Fünf-Prozent-Hürde

entlang, die AfD kommt

erneut auf elf Prozent, und die

Christdemokraten verlieren einen

Prozentpunkt und landen damit bei

17 Prozent. Sie teilen sich in der Gesamtwertung

den zweiten Platz mit

den Linken.

35 Prozent sind mit der Arbeit des

Berliner Senats zufrieden oder sehr

zufrieden, 37 Prozent weniger zufrieden

und jeder fünfte Berliner „gar

nicht“. Eine Koalition aus SPD,CDU

und Grünen, wie sie kürzlich in

Sonntagsfrage Bundestagswahl

November 2019 „Wenn am Sonntag

Bundestagswahl wäre...“ in Klammern

Veränderung zum Vormonat

SPD

14 %

(+1)

Grüne

24 %

(±0)

Linke

16 % (+1)

CDU

20 % (–2)

FDP

7%(+1)

AfD

11 % (±0)

Sonstige

8%(–1)

BLZ/GALANTY; QUELLE: FORSA

Brandenburg geschlossen wurde,

fände unter den Berlinernwenig Anklang.

Mehr als die Hälfte (51 Prozent)

kann sich so ein Bündnis für

die Hauptstadt nicht vorstellen.

Obwohl die Grünen nach den

Umfragewerten am besten dastehen

und die Sozialdemokraten nur

auf dem vierten Platz landen,

trauen nur 15 Prozent der Berliner

der Ökopartei zu, mit den Problemen

in Berlin am besten fertig zu

werden – damit stehen sie fast

gleichauf mit der SPD, die hier auf

14 Prozent kommt. Für die SPD ist

das der beste Wert seit April 2018.

Im Juli trauten nur 8 Prozent der

Berliner der SPD das zu. Für die

Grünen ist es dagegen der schlechteste

seit März 2019. Im Juli 2019

trauten noch 21 Prozent der Befragten

den Grünen zu, die Probleme

der Stadt am ehesten in den Griff zu

bekommen. Die Linken erhalten

hier im November einen Wert von 8

Prozent, die CDU von 9Prozent. 49

Prozent der Berliner gab allerdings

an, dass keine Partei in der Lage sei,

die Probleme der Stadt zu lösen.

Grünen im Bund stärkste Kraft

Wäre amWochenende Bundestagswahl,

so hätte vorallem die CDU am

stärksten verloren. Siebüßt zwei Prozentpunkte

ein und landet bei

20 Prozent. Stärkste Kraft bleiben die

Grünen mit 24 Prozent (+/- 0). Auch

auf Bundesebene gewinnt die SPD

einen Prozentpunkt hinzu und

kommt so auf 14 Prozent. Auch Linke

(16 Prozent) und FDP (7 Prozent)

konnten jeweils um einen Prozentpunkt

zulegen. Die rechtspopulistische

AfD stagnierte im November

bei 11 Prozent.

Gnädig zeigten sich die Befragten

bei der Bewertung der Senatoren

und Senatorinnen. Fast alle werden

positiver als im Oktober bewertet –

nur Justizsenator Dirk Behrendt

musste 0,1 Punkte einbüßen und

Verkehrssenatorin Regine Günther

(beide Grüne) blieb in der Bewertung

gleich, so dass sich Günther den

letzten Platz mit SPD-Bildungssenatorin

Sandra Scheeres teilen muss.

Letzterekonnte allerdings am stärksten

von allen (+0,3) zulegen. Zu

schwach waren ihreWerte allerdings

im Vormonat, so dass es trotzdem zu

keinen größeren Sprüngen auf der

Treppe reicht.

Gewinner bleibt wie auch in den

Vormonaten Kultursenator Klaus Lederer

(Linke), gefolgt von drei SPD-

Senatorinnen und -senatoren: Innensenator

Andreas Geisel, Finanzsenator

Matthias Kollatz und Gesundheitssenatorin

Dilek Kalayci.

Der Regierende Bürgermeister

Michael Müller, ebenfalls Sozialdemokrat,

landet in diesem Monat auf

dem fünften von elf Plätzen –abermals

vor Wirtschaftssenatorin Ramona

Pop(Grüne).

Gestiegene Gewaltbereitschaft

Die Polizei registriert mehr Vorfälle gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle –zeitgleich sank die Aufklärungsquote

VonMelanie Reinsch

InBerlin ist die Zahl homophober

und transphober Übergriffe auf

Schwule,Lesben oder Transsexuelle,

die polizeilich erfasst wurden, in diesem

Jahr eklatant angestiegen. In

den ersten drei Quartalen verzeichnete

die Polizei 261 Fälle. ImVergleichszeitraum

waren es im Jahr

2018 insgesamt 184 Fälle. Die registrierten

Vorfälle fallen in der Kriminalitätsstatistik

in den Bereich der

Hasskriminalität gegen sexuelle Orientierung

beziehungsweise gegen

geschlechtliche Identität.

Aufklärungsquote sinkt

Auch die Aufklärungsquote der Taten

sank von 47Prozent im vergangenen

Jahr auf 38 Prozent in diesem

Jahr. Amhäufigsten ereigneten sich

die Übergriffe in Mitte, Tempelhof-

Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzbergund

Neukölln.

Der Grad der Gewaltbereitschaft,

Homophobie und Transphobie

weite sich immer weiter aus, sagte

die Berliner Polizeipräsidentin Barbara

Slowik am Montag bei der Vorstellung

der aktuellen Zahlen. Mit

größtem Bedauern und Erschüttern

sei festzustellen, dass die Zahlen im

Jahr 2019 gestiegen seien. Slowik

glaubt, dass die Zahlen vor allem

durch die zunehmende Polarisierung

in vielen Bereichen der Gesellschaft

zu erklären seien. Diese führe

zu einem Ansteigen von Hasskriminalität.

„Das ist eine gesamtgesellschaftliche

Aufgabe“, so Slowik. Positiv

sei zu verzeichnen, dass es eine

erhöhte Anzeigenbereitschaft gebe.

Generalstaatsanwältin Margarete

Koppers erklärte,dass ein Blick in die

Statistik zeige,dass es auch nur zu einem

geringen Teil zu Verurteilungen

käme.„Nur inknapp 60 Prozent der

Fälle konnten wir den Täter oder die

Täterin namhaft machen. Dasist ein

Homophobe und

transphobe Übergriffe

in Berlin, jeweils die ersten drei Quartale

2018 2019

184 261

BLZ/GALANTY; QUELLE: POLIZEI

Problem vonHasskriminalität im Internet,

die vielfach aus der Anonymität

begangen wird“, so Koppers.Dort

stoße man an Grenzen, auch durch

die mangelnde Mitwirkungsbereitschaft

der Netzbetreiber.

Derüberwiegende Teil der Anzeigen

musste daher eingestellt werden,

weil die Fälle nicht ausreichend

nachweisbar waren. In 51 Fällen kam

es zu Anklagen. Laut Koppers sei das

im Vergleich zu den vorigen Jahren

„schon eine recht große Zahl“. Die

Verfahren endeten überwiegend mit

Geldstrafen. Jugend- oder Freiheitsstrafen

wurden in vier Fällen verhängt

–dazu zählte schwerer Raub

und gefährliche Körperverletzung.

„Das Dunkelfeld ist nach wie vor

sehr groß. Wir leben in einer Zeit, in

der Hasskriminalität und Menschenfeindlichkeit

zum Alltag geworden

ist“, betonte die Generalstaatsanwältin

weiter. Die Zahlen

stiegen stetig. Minderheiten stünden

im Fokus rechtsradikaler Kreise.„Jeder

kann betroffen sein oder ist es

schon“, machte Koppers deutlich.

Respektpreis verliehen

Im Zuge der Vorstellung der Zahlen

wurde am Montag auch zum neunten

Malder Respektpreis vomBündnis

gegen Homophobie verliehen.

Ausgezeichnet wurde der Türkische

Bund in Berlin-Brandenburg (TBB),

der sich vorallem in den Communitys

türkischstämmiger Menschen

engagiert und dort kontinuierlich

Aufklärungsarbeit zum Thema Homosexualität

leistet. Anfang 2018

startete der TBB das Projekt „Mein

Kind –ohne Wenn und Aber! Stärkung

von LGBTQI und ihrer Familien“,

mit dessen Hilfe sich Eltern

über geschlechtliche Identitäten

und sexuelle Orientierungen informieren

können. Safter Çinar vom

TBB bedankte sich für die Auszeichnung

und sagte, dass besonders „in

unserer Community noch mehr Aufklärungsbedarf“

bestünde.

Dirk Behrendt (Grüne), Senator

für Justiz, Verbraucherschutz und

Antidiskriminierung, betonte, dass

Gewalt und Diskriminierung leider

auch in Berlin zum Alltag vieler

LSBTI-Menschen gehörten. „Ich

finde das unerträglich. Die Zahlen

zeigen aber auch: Es ist wichtiger

denn je, sich für Respekt und Toleranz

einzusetzen“, so Behrendt.

Auch aus diesem Grund werde Berlin

bald ein Landesantidiskriminierungsgesetz

(LADG) haben. Das Gesetz,

das der Senat bereits im Juni beschlossen

hat, muss noch das Abgeordnetenhaus

passieren. Mit dem

LADG sollen die europäischen Vorgaben

im Bereich des Antidiskriminierungsrechts

im Berliner Landesrechtumgesetzt

werden.

Damit wäre Berlin das erste Bundesland,

das ein entsprechendes Gesetz

auf den Weggebracht hat. Betroffene,

die sich zum Beispiel von

der Polizei, in Behörden oder Schulen

benachteiligt sehen, sollen dann

ein Instrument haben, um dagegen

vorzugehen. Der Gesetzentwurf aus

dem Haus der Justizverwaltung stößt

allerdings bei der Gewerkschaft der

Polizei auf Kritik. So sorgt die Beweislastumkehr

für Unmut. Sie befürchtet,

dass die Polizei unter Generalverdacht

gestellt würde. Aktuell

wird das Gesetz in den Ausschüssen

beraten, vermutlich soll es im Januar

verabschiedet werden.


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 11

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Berlin

„Wir müssen ertragen, was wir nicht begreifen können“

Hunderte erwiesen ihm die letzte Ehre: Am Montag wurde der getötete Fritz von Weizsäcker beerdigt

VonNorbertKoch-Klaucke

Hunderte kamen. Familie,

Freunde, Mediziner-

Kollegen, sogar einstige

Patienten erschienen,

um den getöteten Chefarzt der

Schlosspark-Klinik, Professor Fritz

vonWeizsäcker,die letzte Ehrezuerweisen.

Der 59-jährige international

anerkannte Mediziner, der im November

von einem psychisch Kranken

erstochen worden war, wurde

am Montag auf dem Waldfriedhof in

Dahlem neben seinem Vater, dem

einstigen Bundespräsidenten und

früheren Berliner Regierenden Bürgermeisters

Richard von Weizsäcker

(1920-2015), beigesetzt.

FDP-Chef unter den Gästen

Trauerfeier für Fritz von Weizsäcker:Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens tragen den Sarg aus der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem.

Zuvor wurde unter großer Anteilnahme

ein Gedenkgottesdienst in

der Jesus-Christus-Kirche abgehalten.

Das1927 erbaute Gotteshaus an

der Dahlemer Hittorfstraße war bei

der einstündigen Trauerfeier bis auf

den letzten Platz gefüllt. Etwa 600

Trauergäste seien es gewesen, teilte

das mit der Ausführung beauftragte

Berliner Bestattungsunternehmen

Hunold &Co. mit.

In der ersten Reihe saß die Familie

des Mediziners: die Ehefrau, die

drei Töchter und der Sohn von Fritz

von Weizsäcker, sowie dessen 87

Jahre alte Mutter Marianne von

Weizsäcker. Unter den Trauernden,

die an dem Gedenkgottesdienst teilnahmen,

waren auch FDP-Chef

Christian Lindner, ein Freund des

Arztes, und der Berliner Kunstfördererund

Anwalt Peter Raue.

Im Altarraum stand der mit Blumen

geschmückte Eichenholzsarg.

EinBild des Toten, wie oft bei prominenten

Trauerfeiern üblich, gab es

jedoch nicht. Neben dem Sarg standen

Gestecke mit Rosen und Gerbera

und drei große Kränze. Einen

hatte der Regierende Bürgermeister

Michael Müller geschickt. Viele

Gäste hatten sich aber wohl an die

Bitte der Familie gehalten, statt überbordender

Blumen Geld für die Sanierung

der Jesus-Christus-Kirche

zu spenden.

DiePfarrerin der Dahlemer Evangelischen

Kirchengemeinde, Cornelia

Kulawik, erinnerte zu Beginn der

Trauerfeier an die gewaltsame Tat,

durch die Fritz von Weizsäcker aus

dem Leben gerissen wurde. „Wir

müssen hinnehmen, was geschehen

ist. Wir müssen ertragen, was wir

nicht begreifen können“, sagte sie.

Worte des Trostes fand die Pfarrerin

in dem Glaubensbekenntnis des von

den Nationalsozialisten ermordeten

SABINE GUDATH

Pfarrers Dietrich Bonhoeffer, das

dieser 1943 geschrieben hatte. Kulawik

zitierte daraus: „Ich glaube, dass

Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft

geben will, wie wir

brauchen.“

Fritz vonWeizsäcker war seit 2005

Chefarzt für Innere Medizin an der

Schlosspark-Klinik in Charlottenburg.

Dort wurde der Mediziner am

19. November während eines Vortrages

von einem Zuhörer mit einem

Messer erstochen worden. Laut

Staatsanwaltschaft sei der Angreifer

psychisch krank und habe „wahnbedingt“

eine Abneigung gegen die Familie

vonWeizsäcker.Der 57-jährige

Mann aus Rheinland Pfalz wurde in

die Psychiatrie eingewiesen. Die Ermittlungen

laufen weiter.

Bei der Trauerfeier würdigte Altbischof

Wolfgang Huber in seiner

Predigt Fritz von Weizsäcker als einen

„herzensgütigen Menschen“

und Humanisten, der als Arzt stets

für das Wohl seine Patienten im Einsatz

war.Erhabe sich für Familie und

Beruf gleichermaßen interessiert.

VonWeizsäcker mochte Schach und

Primzahlen. Privat sei er gerne nach

England und Italien gereist, liebte

Musik, spielte Klavier.

So erklangen während der Trauerfeier

Werke von Johann Sebastian

Bach und vonFilmkomponisten, die

von Weizsäcker verehrte. Dazu gehörte

auch das „Liebesthema“ aus

dem Hollywood-Klassiker „Der

Pate“. „Denn nicht der Todhat das

letzte Wort, sondern die Liebe.“,

sagte Huber. „Im Namen der Liebe

Gottes nehmen wir Abschied von

Fritz vonWeizsäcker.“

Auf dem Waldfriedhof in Dahlem

wurde der Arzt neben dem Grab seines

Vaters beigesetzt. Mutter Marianne

von Weizsäcker stand gefasst

davor, als der Sarg ihres jüngsten

Sohnes in die Tiefe gelassen wurde.

Stasi-Museum:

Mielkes Gold geraubt?

Herkunft und Verbleib des Schmucks sind ungeklärt

Gratis für Sie:

VonPhilippe Debionne und Klaus Oberst

Waren es Sammler auf der Jagd

nach seltenen Zeitdokumenten

oder doch nur gewöhnliche Kriminelle?

Nach dem Einbruch in das

Stasi-Museum in der Ruschestraße

in Lichtenberg gibt es noch keine

heiße Spur zu den Tätern. Doch es

wurden nicht nur Orden und andere

DDR-Devotionalien entwendet,

sondern auch wertvoller Goldschmuck

aus früheren Stasi-Beständen.

Einzelheiten zu den gestohlenen

Exponaten, bei denen es sich um

Trauringe sowie mit Edelsteinen besetzte

Ringe handeln soll, wollte die

Polizei zunächst nicht bekanntgeben.

Allerdings wurde dieser Zeitung

aus Ermittlerkreisen bestätigt, dass

es sich nach derzeitigem Kenntnisstand

um bei der Wende entdeckten

Schmuck aus Stasi-Beständen handeln

soll, deren rechtmäßige Besitzer

bislang nicht ausfindig gemacht

werden konnten. DasBundesamt für

offene Vermögensfragen habe die

Stücke dem Museum als Dauerleihgabe

überlassen. Zuerst hatte der Tagesspiegel

darüber berichtet.

Damit stammen Teile der jetzt gestohlenen

Stücke möglicherweise

aus der berüchtigten „Aktion Licht“

aus dem Jahr 1962. Damals ließ die

DDR-Führung unter der Führung

von Erich Mielke persönlich rund

21 000 Bankschließfächer und Tresoreaufbrechen,

die nach 1945 nicht

mehr geöffnet worden waren. Der

Großteil der Besitzer war entweder

von den Nazis ermordet worden

oder lebte im Westen.

„Eventuell vorhandene Alarmanlagen

wurden im Vorfeld mit Hilfe

eingesetzter IM in den Banken geortet

und außer Betrieb gesetzt“, heißt

es auf der Internetseite des Bundesbeauftragten

für Stasi-Unterlagen.

Und weiter: „Ausgespäht werden

sollten darüber hinaus auch Privathäuser,

in die offensichtlich ebenfalls

konspirative Einbrüche geplant

waren, um auch dortinvergessenen

Safes nach weiterem Gesellschaftseigentum“

wie Schmuck, Uhren, Silberbesteck,

Briefmarkensammlungen

oder auch Aktien und Sparbüchernzusuchen.

Mit Erfolg: Im Oktober 1962 sei

„die Beute des staatlichen Raubzugs

dem DDR-Finanzministerium übergeben“

worden. Eine Auflistung, „an

die Tresorverwaltung des Ministeriums

für Finanzen (...) erfasst Gegenstände

im Gesamtwertvon rund 2,37

Millionen DM“. Doch es ging den

Stasi-Plünderern nicht etwa darum,

die gefundenen Wertgegenstände

wie Schmuck, Aktien, Edelmetalle

und Kunstgegenstände den ursprünglichen

Besitzern oder deren

Erben zurückzugeben.

Ziel sei laut Stasi-Unterlagen vielmehr„die

Ermittlung und Sicherstellung

der bisher nicht ordnungsgemäß

erfassten Wertgegenstände, die

gesellschaftliches Eigentum sind,

um Schieber- und Spekulantentum

zu unterbinden“ gewesen. Zu diesem

Zwecke seien die Wertgegenstände

„in einem besonderen Tresor

der Deutschen Notenbank zu verschließen

und vom MfS zu versiegeln“.

In einem zweiten Schritt sollten

die Wertgegenstände entweder

in den Edelmetallfonds der DDR fließen

oder „durch modisch bedingte

Umarbeitung dem Export bzw.

durch Neuanfertigung von

Schmuckstücken aus vorhandenem

Material dem Export zugeführt“,

also verkauft werden.

Allerdings sorgte der staatliche

Raubzug sogar innerhalb der Stasi

für Kritik. So hieß es Jahre später in

einem Aktenvermerk: „Der Ursprung

der einzelnen (...) eingelieferten

Gegenstände ist nicht nachvollziehbar

und bekannt. Selbst in Fällen,

wo frühere Eigentümer bei Einlieferung

der Masse bekannt waren,

ist durch die Zusammenfassung der

einzelnen Gegenstände nach Verwendungszweck

und Verwertungsmöglichkeit

(...) dieser Nachweis

nicht mehr zu führen“.

So wie im Falle des Goldschmucks,

der jetzt aus dem Stasi-

Museum gestohlen wurde.

Die aktuelle „digito“ jeden ersten

Sonnabend imMonat inder Berliner Zeitung!

Am

Sonnabend in

der Berliner

Zeitung


12 * Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Berlin

Wohnungen

am Platz der

Luftbrücke

Parkplätze weichen neuem

Bauprojekt in Kreuzberg

Inder Nähe des Platzes der Luftbrücke

sollen rund 90 Wohnungen

in einem gemischten Stadtquartier

entstehen. Das sehen Pläne des Architekturbüros

Wolff vor, die am

Montag präsentiertwurden. Geplant

ist danach anstelle einer baufälligen

Garage der Bauvon vier Häusernim

rückwärtigen Teil der Grundstücke

Mehringdamm 120/128 und Dudenstraße

2und 4.

„Quartier Mehring“ heißt das

Projekt. Neben Wohnungen sind

Künstler-Ateliers, Räume für Startups

und kleine Gewerbetreibende,

eine Kindertagesstätte und Büros für

Migrantenselbstorganisationen geplant.

Ein Teil der Wohnungen soll

von Trägern für betreute Wohnprojekte

genutzt, ein Teil frei vermietet

werden.

Die politisch Verantwortlichen

sind mit dem Projekt zufrieden. „Ein

schönes Beispiel, wie in Friedrichshain-Kreuzbergmit

Privaten zusammengearbeitet

wird“, sagt BaustadtratFlorian

Schmidt (Grüne). (ulp.)

Die vier Häuser sollen in Holz-Beton-Bauweise

entstehen.

WOLFFARCHITEKTEN

Herr Gysi, wann waren Sie das letzte

Maltanzen –und wo?

Oh, damuss ich nachdenken, es

ist bestimmt länger als zehn Jahreher.

Ichüberlege,wann, wo und wie ich es

nachhole.

Jeder dritte Tourist kommt wegen der

Clubs nach Berlin, heißt es in einer

Studie des Wirtschaftssenats. Aber die

wachsende Stadt verdrängt auch viele

Betriebe, akut sind Sage- und KitKat-

Club bedroht. TutBerlin genug für den

Wirtschaftsfaktor Party?

Es gibt nicht wenige in Berlin, die

sagen, dass zu viel für den Party-Tourismus

getan wird, der für Menschen,

die in den Szenevierteln wohnen, mit

erheblichen Belästigungen verbunden

sein kann. Das ist nachvollziehbar,

aber die Stadt wird nicht Weltmetropole,

ohne dass Menschen

auch zum Feiern hierher kommen.

Man muss das richtige Maß finden

und dabei die Bewohnerinnen und

Bewohner mit einbeziehen. Dass

Clubs gelegentlich schließen, ist nicht

ungewöhnlich. Bestimmte Konzepte

überleben sich halt. Aber viele Selbstständige

–auch Clubbetreiber –leiden

unter der generellen Mietentwicklung,

die bei Gewerbemieten

noch dramatischer als bei Wohnungsmieten

ausfällt. Gewerbemieten

werden leider kaum reguliert. Die

Inhaber kleiner Läden können bei

dem Runauf das schnelle große Geld

nicht mithalten. Hier muss endlich

vom Gesetzgeber gegengesteuert

werden.

Wo es enger wird, wachsen auch die

Konflikte mit Anwohnern. Haben Sie

Verständnis für Menschen, die einen

hippen Kiez ziehen und sich dann

über Ruhestörung beschweren?

Werineine Wohnung über einer

Kneipe zieht, weiß, was er tut, und

muss sich mit einer gewissen Belästigung

abfinden. Aber es gibt auch

nicht wenige, die schon lange in einem

Kiez leben, der sich später erst

zu einem hippen entwickelt. Nächtlicher

Lärm bleibt so oder so eine Be-

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar

Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Ein paar Minuten nur,solange man

eben zusammensteht für eine Curry am Mittag.

Unser Thema in dieser Woche:

die Clubszene der Stadt

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

lastung. Das Beste ist immer, eine

Verständigung zu suchen und nicht

jede Nacht die Polizei wegen Ruhestörung

zu rufen, die wir häufig auch

woanders dringender brauchen.

Der Easyjet-Tourismus der Partypeople

hat die Stadt stark verändert,

viele Berliner sind genervt. Hätten Sie

eine Lösung zur Befriedung?

Generell meine ich, dass Bahnfahrten

billiger sein müssen als Flüge.

Unabhängig davon sollte die Stadtverwaltung

bei Gewerbegenehmigungen

mehr darauf achten, in welchem

Umfeld man Hostels, Eventlocations,

Szenekneipen und anderes

ansiedelt, auch um eine Ballung in einem

Kiez nicht zuzulassen. Eine Ausnahme

kann eine Straße wie in Hamburg

sein, die ausschließlich diesem

Zweckdient.

DieClubszene hat eine große, medienaffine

Lobby. Sogar die CDU macht

sich jetzt starkfür sie.Wenn eine kleine

Kiez-Kneipe schließen muss, weil sie

die Mietenicht mehr zahlen kann, geschieht

das meist im Stillen. Istdas gerecht?

Für den Späti oder die Eckkneipe

machen sich aber auch immer mehr

Menschen stark. Die Stadtpolitik

muss dafür sorgen, dass wirnicht wie

in Hamburg Armen- und Reichenviertel

bekommen. Berlin war inden

Kiezen immer durchmischt und

sollte es unbedingt auch bleiben. Das

gilt fürsWohnen wiefür dasGewerbe.

Kann Amüsement ein nachhaltiges

Wirtschaftskonzept sein?

Natürlich nicht als Standbein,

aber der Tourismus ist ein wichtiger

Bestandteil unserer Berliner Wirtschaft.

Bestimmte Auswüchse wie

beim Missbrauch vonWohnraum als

Ferienwohnung werden schon zurückgedrängt.

Aber wie gesagt, eine

Weltmetropole wirddie beschauliche

Ruhe einer schwäbischen Kleinstadt

nicht bieten können. Wir wollen ja

alle auch nicht ständig einschlafen

vorLangeweile,oder?

Serie

von

Straftaten

Drei junge Männer

auf der Anklagebank

Gegen drei junge Männer,die für

eine Serievon Straftaten in Berlin

verantwortlich sein sollen, hat

der Prozess vor dem Landgericht

Berlin begonnen. Es geht um insgesamt

24 Fälle, darunter einen Diebstahl

von 68hochwertigen Winterjacken

im Wert von rund 45 000

Euro.Obsich die teilweise einschlägig

vorbestraften Angeklagten zu

den Vorwürfen äußern werden,

blieb am ersten Verhandlungstag

am Montag zunächst offen.

Die mutmaßliche Serie begann

laut Ermittlungen im Oktober 2017

im Stadtteil Wilmersdorf. Damals

hätten mehrereTäter die Eingangstür

eines Textilfachgeschäftes aufgehebelt

und Bekleidungsstücke

entwendet. Zwei der Angeklagten

sollen entweder an dem Diebstahl

beteiligt gewesen sein oder in

Kenntnis des Einbruchs die Beute

übernommen und „tatplangemäß

verwertet“ haben. In einem anderenFall

sollen zwei der Angeklagten

und ein bislang unbekannter Komplize

37Kisten Milch sowie 15 Kilogramm

Champignons vomGelände

eines Großmarktes gestohlen haben.

Die drei 20- bis 23-Jährigen sollen

laut Ermittlungen Straftaten

teils gemeinsam, teils aber auch allein

oder mit gesondert verfolgten

Komplizen begangen haben. Die

Anklage lautet auf gewerbsmäßigen

Diebstahloder Hehlerei, Urkundenfälschung,

Sachbeschädigung, Betrug

sowie Geldfälschung. Der Prozess

wird am4.Dezember fortgesetzt.

(dpa)

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Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 13 *

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Berlin/Brandenburg

Mehr

Reichsbürger

in Berlin

Der Verfassungsschutz

zählt 670 Personen

Sie halten die Bundesrepublik

nicht für existent und sprechen

ihren demokratisch gewählten Repräsentanten

die Legitimation ab: so

genannte Reichsbürger und Selbstverwalter.

Unter diesem Begriff erfasste

Berlins Verfassungsschutz in

diesem Jahr 670 Personen. 2017 warenes500.

Im Jahr 2016 zählte die Behörde

in Berlin 400 Reichsbürger und

Selbstverwalter. Letztere sind Personen,

die ihren Grundbesitz zu exterritorialem

Gebiet erklären. Diese Zahlen

stehen in einer Antwort der Innenverwaltung

auf eine Anfrage des

FDP-Abgeordneten Marcel Luthe.

2015 hatte der Verfassungsschutz

erstmals 100 Reichsbürger auf dem

Schirm, die er als rechtsextremistisch

eingestufte. Inzwischen wissen die

Verfassungsschützer, dass das Spektrum

von Reichsbürgern und Selbstverwaltern

mehr Personen umfasst

als nur Rechtsextremisten.

Allen gemein ist die Auffassung,

die Bundesrepublik sei ein von den

Alliierten geschaffenes Konstrukt –

eine GmbH, aus der man austreten

kann. Reichsbürger argumentieren

mit verschwörungstheoretischen

Mustern und lehnen die geltende

Rechtsordnung ab.Sie verweigerndie

Zahlung von Steuern und Bußgeld,

basteln „Personenausweise“, die anstatt

der Personalausweise mitgeführt

werden sollen und blockieren

mit langen Schriftsätzen die Verwaltung.

Für die Innenverwaltung war

dies ein Grund, eine Arbeitshilfe mit

Handlungsempfehlungen für Landesbedienstete

zu veröffentlichen.

Dass Reichsbürger und Selbstverwalter

oft nicht harmlos sind, zeigt

ein Vorfall im Burgenlandkreis. 2016

schoss ein 42-Jähriger, der seinen

Staat„Ur“ ausgerufen hatte,auf einen

Polizisten an. Kurz darauf wurde in

Bayern ein Polizist voneinem Reichsbürger

erschossen, als dessen Waffenarsenal

beschlagnahmt wurde.

Im September durchsuchten Polizisten

in Berlin Wohnungen der

Gruppe „Geeinte deutsche Völker

und Stämme“. Siesoll in Drohschreiben

an den Brandenburger Justizminister

versucht haben, die Freilassung

des inhaftierten Holocaust-

Leugners Morst Mahler zu erzwingen.

Ihr werden Sachbeschädigungen,

versuchte Erpressungen,

Nötigungen und Freiheitsberaubung

vorgeworfen. (kop.)

Oberster Kontrolleur und Mahner in Finanzfragen: Christoph Weiser,der Präsident des Landesrechnungshofes von Brandenburg.

Scharfe Rüge für Milliardenschulden

VonJens Blankennagel, Potsdam

Als der Landesrechnungshof

am Montag in Potsdam

seinen jährlichen Bericht

vorlegte, ging dies mit einer

harten Kritik an der neuen Regierung

einher und einem Lob an die

vorherige. Der Rechnungshof ist

eine unabhängige Behörde, die das

Handeln der Regierung darauf prüft,

ob Geld verschwendet wird.

Dieneue Kenia-Koalition in Potsdam

ist noch nicht einmal zwei Wochen

im Amt, da wird sie schon von

Rechnungshofpräsident Christoph

Weiser scharf kritisiert. Die Regierung

aus SPD,CDU und Grünen will

noch im Dezember einen Zukunftsfonds

für zehn JahreinHöhe voneiner

Milliarde Euro auflegen.

Lob für die Linke

Das sind Schulden, die noch schnell

gemacht werden sollen, bevor am

1. Januar die Schuldenbremse in

Kraft tritt. Weiser stellte am Montag

klar, dass dieses Vorhaben verfassungsrechtlich

nicht zu beanstanden

sei. Gleichzeitig hob er hervor:

„Wir stellen die Frage, obSchulden

in dieser Höhe nötig sind.“ Denn die

Gesamtverschuldung werde sich

nicht nur zum ersten Mal seit dem

Jahr 2010 wieder erhöhen. „Sie erreicht

zugleich einen neuen Höchststand

seit der Gründung des Landes

Brandenburg“, sagte er.

Der Rechnungshof beklagt, dass die neue Regierung massive Mehrausgaben plant

Sozialwohnungen: Der Bestand

schrumpft seit Jahren

–allein in Brandenburg von

2012 bis 2017 um die

Hälfte. Deshalb sollten von

2016 bis 2019 insgesamt

2000 neue gebaut werden.

Nach seiner Kritik an der aktuellen

Regierung lobte er die Geldpolitik

der vorherigen rot-roten Landesregierung

mit Finanzministern der

Linkspartei. Die hätten in ihrer fast

zehnjährigen Regierungszeit einerseits

gespart und auch noch alte

Schulden getilgt. So seien die finanziellen

Rücklagen der Regierung

ständig erhöht wurden und erreichten

nun ein Rekordniveau von zwei

Milliarden Euro. Insgesamt hat das

Land Brandenburg derzeit 18 Milliarden

Euro Schulden.

Der Präsident hob hervor, dass

der Rechnungshof die Regierung

seit vielen Jahren wegen ihrer

Schuldenpolitik kritisiert, die teilweise

noch aus der Zeit vor Rot-Rot

stammt. „Viele Geschäfte sind Spekulationsgeschäfte

gewesen“, sagte

Weiser, „die sollte ein Land nicht

WOHNUNGSBAU

Fördersumme: Um den Bau

dieser Wohnungen zu fördern

waren 300 Millionen Euro

vorgesehen. Ein Drittel des

Geldes wurden freigegeben

für den Neubau von893

Wohnungen.

Fertigstellung: Doch bis

zum Ende 2018 waren von

diesen 893 Wohnungen gerade

einmal 59 Wohnungen

tatsächlich fertiggestellt.

Das nannte der Rechnungshof

„dramatisch“.

DPA/RALF HIRSCHBERGER

machen.“ Es handelt sich um sogenannte

Derivate aus dem Jahr 2008.

Solche Geschäfte mit Laufzeiten

von 20oder 30 Jahre seien hochriskant

und könnten statt der erhofften

Gewinne auch Verluste einfahren.

So muss Brandenburgineinem

Fall wegen der einst festgelegten

Zinsen nun 27,5 Millionen Euro

mehr ausgeben.

Anschließend stellten Mitglieder

des Rechnungshofes einzelne Fehlentwicklungen

vor. Die Einzelfälle

klingen mitunter absurd. So hat die

Landesregierung 2005 beschlossen,

dass es eine zentrale Stelle gibt, über

die möglichst alle Behörden ihren

Grundbedarf vom Papier über die

Möbel bis zu den Computern bezieht.

Damit solle auch Personal in

den Einzelbehörden reduziert werden.

Heute werden aber nur 20 Prozent

der Einkäufe über die Zentralstelle

abgewickelt, die heute auch

noch mehr Personal hat als damals.

Speziell wurde auch der Einkauf

im Landesbetrieb Forst kritisiert.

Dort wurden 2015 und 2016 Aufträge

über 55 Millionen Euro abgewickelt.

Der Rechnungshof untersuchte

124 Vorgänge. Das Ergebnis:

Alle Verfahren waren fehlerhaft.

Gründe sehen die Prüfer in der

mangelnden Organisation. So wurden

17 Bürostühle nicht auf einmal

gekauft, sondern in 17 separaten

Vorgängen.

Drogen im Büro

Die Prüfer kontrollierten auch, wie

die Polizei die Asservaten verwaltet –

also Dinge, die bei Straftaten beschlagnahm

wurde; meist handelt es

sich um Handys, Drogen, Waffen,

Computer oder Autos von Kriminellen.

Zwar lagen die Asservate meist

recht gut gesichert, aber da die Polizei

dafür zu wenig Platz hatte auch

mal in Garagen oder auf Dachböden

oder in früheren Boxen der Hunde.

Oder Drogen lagen in Schränken im

Büroder Polizisten.

DieLagerung kann richtiggehend

unrentabel werden: So stellte die Polizei

drei Kinder-Squads sicher. Das

sind Mini-Motorräder mit drei Rädern,

die später für 1362 Euro versteigert

werden konnten. Doch für

die Lagerung waren bei der Polizei

zuvor 20 000 Euro angefallen.

Wegen Foto

vor Spruch:

Verfahren

Ermittlung gegen neun

Beamte der Polizei

Wegen eines Fotos vonPolizisten

vor dem Spruch „Stoppt Ende

Gelände“ hat die Polizei Brandenburg

Disziplinarverfahren gegen

neun Beamte eingeleitet. „Wir rechnen

mit einem zeitnahen Ergebnis“,

sagte ein Sprecher des Brandenburger

Polizeipräsidiums am Montag.

Erste Gespräche seien bereits geführt

worden. Die neun Bereitschaftspolizisten

hatten vergangene

Woche in Dienstuniformvor den Klimaprotesten

in der Lausitz vor dem

Spruch an einer Wand posiert, weshalb

sie von dem Großeinsatz abgezogen

worden waren. Siehätten laut

Polizei Brandenburg gegen das

Neutralitätsgebot verstoßen.

„Ende Gelände“ ist eine Gruppe

von Anti-Kohle-Aktivisten, die zum

Protest in der Lausitz aufgerufen

hatte.Das Foto,das die Polizisten vor

dem Spruch zeigte,war in den sozialen

Netzwerken verbreitet worden

und hatte viele Reaktionen hervorgerufen.

Nach Angaben des Polizeisprechers

Torsten Herbst sollten die

Polizisten den Spruch „Stoppt Ende

Gelände“ und ein Krebs-Symbol

übermalen. Es ist dem Stadtwappen

vonCottbus entlehnt und wirdauch

von Rechtsextremen in der Lausitz

benutzt. Die gekaufte Farbe reichte

jedoch nicht, sagte Herbst. Am Freitag

waren der Krebs und die letzten

beiden Buchstaben des Wortes

„Ende“ weiter zu sehen. Beidem „E“

war der Querstrich übermalt, so dass

„DC“ zu sehen war. (dpa)

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Klasse 4: 845 x2867,40 Euro

Klasse 5: 5020 x160,80 Euro

Klasse 6: 37 657 x42,80 Euro

Klasse 7: 86 795 x18,60 Euro

Klasse 8: 674 589 x10,70 Euro

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14 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Report

Unruhige

Wohnlage

Unsere Serie „Geräumt“: Wohnungsnot, Renditedruck

und überforderte Ämter in Berlin –ein System am Anschlag.

Hartz-IV-Empfänger geraten besonders oft in Wohnungsnotlagen. Die Jobcenter

übernehmen Mietkosten nur bis zu einem bestimmten Grenzwert. Werdarüber liegt, muss

oft umziehen oder draufzahlen.

VonGabriela Keller und Isabella Galanty (Grafik)

Hartz IV und Zwangsräumungen

hängen eng zusammen, und wer

wissen will, wie soziale Verdrängung

strukturell funktioniert,

muss nur einen Blick auf die Zahlen werfen:

DieJobcenter bezahlen in aller Regel die Mieten

vonHartz-IV-Empfängern–bis zu einem

Grenzwert. Steigt die Miete,kann dieser Wert

schnell überschritten sein. Berlinweit erhielten

im Mai dieses Jahres rund 243 000 Haushalte

ihre Miete vom Jobcenter überwiesen.

Davon lagen knapp 90 000 über den Grenzwerten

–also in etwa zwei vonfünf.

Dabei hat das Land Berlin die Richtwerte

in diesem Jahr bereits angehoben; noch 2017

lag fast die Hälfte der Haushalte darüber.Das

Jobcenter kann die Miete in Härte- und Sonderfällen

trotzdem voll bezahlen; davon profitierten

unter anderem Alleinerziehende, Ältereund

Schwangere, 2018 rund 21 000 Haushalte.Die

übrigen müssen oft umziehen oder

die Differenz selbst bezahlen –von ihrem Regelsatz,

der ja das Existenzminimum abbilden

soll. Dabei klafft die Scherezwischen Jobcenterleistung

und Mietmarkt mitunter erheblich

auf: In Neukölln lag der Fehlbetrag der betroffenen

Haushalte im Schnitt bei 139 Euro,

in Mitte sogar bei 147 Euro.

Zahlungslücken und Mietrückstände

DieSenatsverwaltung für Arbeit und Soziales

verweist darauf, das nach der Anhebung der

Mietzuschüsse 23 000 Bedarfsgemeinschaften

mehr innerhalb der Grenzen bewegen;

speziell für Alleinerziehende mit einem Kind

habe sich dies positiv ausgewirkt, deren Mieten

nun zu knapp 58 Prozent voll abgedeckt

sind. Damit wolle das Ressort verhindern,

dass Menschen mit niedrigem Einkommen

ihreWohnung verlieren: „Die Lage am Berliner

Wohnungsmarkt ist angespannt. Daher

dürfen auch die Transfergeldempfangenden

dieser Stadt nicht mit steigenden Mieten allein

gelassen werden.“ Aber: Die Angebotsmiete

lag 2018 im Schnitt bei 10,32 Euro pro

Quadratmeter. Der aktuelle Richtwert nettokalt

dagegen beträgt 6,77 Euro.

Hartz-IV-Empfäger,bei denen es eine Lücke

zwischen den Zahlungen vomJobcenter

und der tatsächlichen Miete gibt, geraten

leicht in Bedrängnis und sammeln Mietschulden

an. Sobald ein Mieter länger als

zwei Monate mit mehr als einer Monatsmiete

im Rückstand ist, kann ihm der Vermieter

fristlos kündigen. Jobcenter und Bezirksämter

übernehmen in manchen Fällen

Mietschulden,wenn der Vermieter den Mieterdann

in der Wohnung bleiben lässt.

Insgesamt gingen bei den Jobcentern

2018 6121 Anträge auf Mietschuldenübernahme

ein; bewilligt wurde knapp die Hälfte

davon. Die Anzahl ist verglichen mit dem

Vorjahr um fünf Prozent gesunken, die Zahl

der Hartz-IV-Haushalte ebenso. Das Aufkommen

der Anträge hat sich also nicht verändert.

Im Vergleich der Jobcenter zeigt sich

aber, dass die Bewilligungsquoten deutlich

voneinander abweichen. Hierbeistechen vor

allem fünf Bezirke mit Bewilligungsquoten

von 75 Prozent und mehr hervor: Mitte,

Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf

und Treptow-Köpenick.

In Neukölln dagegen wurden nur 13,6

Prozent der Anträge bewilligt, wobei nur 30

Prozent überhaupt bearbeitet wurden. Zum

Vergleich: Die Bearbeitungsquote der übrigen

Bezirke liegt im Schnitt bei 80 Prozent.

„Das kann angesichts der drohenden Wohnungslosigkeit,

die mit Zahlungsrückständen

im Mietverhältnis und anhängigen

Räumungsklagen einhergeht, nicht zufriedenstellen“,

teilt die Senatssozialverwaltung

mit.

Die Gründe für die großen Unterschiede

liegen mehr im Ermessen der Jobcenter als in

der Menge der Anträge; Neukölln liegt mit

Lichtenberg fast gleichauf mit je rund 1400

Anträgen; Lichtenbergaber hat rund 55 Pro-

Beispiel Lichtenberg: Zahl der Räumungsklagen

nach Postleitzahlbereich, 2015 bis mitte 2019

pro 1000 Einwohner/innen

Mietsteigerung

13051

111,7

125%

MALCHOW

WARTENBERG

13059

73,5

97%

13057

FALKENBERG

Zahl der Hartz-IV-Haushalte, die nach Aufforderung des Jobcenters

umziehen mussten in Berlin

556

293

476 481

303

Stand

Juni

124

NEU-HOHENSCHÖNHAUSEN

13053

49,7

110%

117,0

130%

2014 2015 2016 2017 2018 2019

Wenn die Mietkosten über den Regelsätzen liegen, kann das Jobcenter ein Verfahren zur Kostensenkung einleiten,

etwadurch einen Umzug.Umdies zu vermeiden, hat das Land Berlin 2018 einen „Umzugsvermeidungszuschlag“ von

zehn Prozent eingeführt.

13055

ALT-HOHENSCHÖNHAUSEN

10369

57,5

Jobcenter-Wechsel von März 2018 bis März 2019

61,1

138%

Lichtenberg

+645

120%

FENNPFUHL

10367

56,4

121%

RUMMELSBURG

10317

76,9

130%

Lichtenberg zählt zu den wenigen

Bezirken, die Räumungsklagen für

jeden Postleitzahlenbereich erheben.

Vergleicht man die Zahl mit der

Mietentwicklung,zeigt sich, dass sich

erzwungene Umzüge vor allem dorthäufen,

wo die Mieten besondersstarkgestiegen sind.

10365

46,9

121%

LICHTENBERG

10315

87,6

132%

FRIEDRICHSFELDE

10319

44,5

122%

KARLSHORST

10318

29,2

111%

QUELLEN: BEZIRK LICHTENBERG, SENATS-

VERWALTUNG FÜR ARBEIT UND SOZIALES

Spandau

Marzahn-Hellersdorf

Treptow-Köpenick

Pankow

Reinickendorf

Steglitz-Zehlendorf

Charlottenburg-Wilmersdorf

Tempelhof-Schöneberg

Friedrichshain-Kreuzberg

Neukölln

Mitte

–562

–399

–266

–143

–166

–67

+20

Die Zahlen zeichnen die Gentrifizierung Berlins nach: Ein Jobcenter-Wechsel ist in aller Regel Folge eines Umzugs,

vereinzelt sind auch Menschen erfasst, die sich in den Jobcenternneu an- oder abgemeldet haben. Deutlich

wird dennoch, wo Hartz-IV-Empfänger schwinden, vor allem in Mitte und Neukölln. Die meisten Zugänge verbuchen

dagegen Bezirke außerhalb des S-Bahn-Rings wie Lichtenberg und Spandau.

+215

+249

+242

+232


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 15

· ·

·······················································································································································································································································································

Report

NEUKÖLLN

STEGLITZ-ZEHLENDORF

40 585

TREPTOW-KÖPENICK

Ineinigen Bezirkenstieg die Zahl der Haushalte,

deren Mieten sich oberhalb der Grenzen des Jobcenters

bewegen, in den vergangenen Jahren starkan.

Zuletzt machten alle roten Linien einen Knick nach

unten, weil das Land Berlin die Richtwerte angehoben hat.

MITTE

33 597

30 574

13 975

zent davon bewilligt. Die Entscheidungen

fallen also durchaus willkürlich aus.

Die Statistiken belegen zudem, dass der

Anteil derWiederholer recht hoch liegt, also

derer, die schon einmal einen Antrag auf

Mietschuldenübernahme gestellt haben.

Berlinweit liegt der Schnitt bei 36 Prozent, in

Neukölln bei drastischen 85 Prozent –offenbar

alles Haushalte, die dauerhaft damit

überfordert sind, ihreMieten zu bezahlen.

Demnächst in Teil 4: „Der Schuldnerhat immerSchuld“ -

Porträt eines BerlinerGerichtsvollziehers

PANKOW

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

33 088

41 533

22 521

18 263

’09

’19

’19

’09

’19

’09

’19

’09

’19

Berlin 2019: Gesamt244 458 Haushalte

Wo Hartz-IV nicht

mehr zum Wohnen reicht

’09

Zahl der Haushalte, die Mietzuschüsse

vom Jobcenter erhalten

davon Haushalte

... deren Bruttokaltmieten

innerhalb der Richtwerte liegen

... deren Bruttokaltmieten

über den Richtwerten liegen

9463

’19

16 601

’09

’09

’19

14 117

20 080

18 932

23 042

REINICKENDORF

Gabriela Keller hat den Behörden mit ihrenAnfragen

nach Zahlen vielArbeit gemacht. ZumTeil

sind diese Zahlen noch nie abgefragt worden.

28 208

21 840

’09

’19

’09 ’19

’09 ’19

’09

’19

20 069

23 104

SPANDAU

’09

’19

TEMPELHOF-SCHÖNEBERG

27 341

19 028

27 104

10 000

20 000

30 000

20 062

15 992

24 688

CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF

Mietschuldenübernahmen beim Jobcenter

beantragte Beträge gerundetinMillionen Euro

Gesamtsumme

8,941 Millionen Euro

MARZAHN-HELLERSDORF

40 000

QUELLE: SENATSVERWALTUNG

FÜR ARBEIT UND SOZIALES

LICHTENBERG

Neukölln

1,784

Lichtenberg

1,415

Spandau

1,237

Mitte

0,577

Pankow

0,366

Viele arme Menschen, dazu starksteigende Mieten: In Neukölln spitzen sich die Probleme zu.

Tempelhof-Schöneberg

0,870

Reinickendorf

0,837

Treptow-Köpenick

0,721

Marzahn-Hellersdorf

0,691

Friedrichshain-Kreuzberg 0,092

Steglitz-Zehlendorf 0,124

Charlottenburg-Wilmersdorf 0,227

Übernahme von Mietschulden bei den Jobcentern (Betrag beinhaltet auch Energieschulden)

Zahl der Anträge pro Jahr

Zahl der Anträge nach Bezirken 2018

Entwicklung in Millionen Euro

10 211

10 065

9634

8280

7083

6607

6484 6121

’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18

00

Anträge

insgesamt

davon

abgelehnt

SPANDAU

533

47,1%

PANKOW

REINICKENDORF

7,6%

59,3% 275

509

MITTE 14,9%

167

STEGLITZ-ZEHLENDORF

58,6%

58

375

357

LICHTENBERG

1429

44,7%

FRIEDRICHSHAIN-

KREUZBERG

22,2%

54

CHARLOTTENBURG-

WILMERSDORF

4,8%

TEMPELHOF-

SCHÖNEBERG

53,5%

MARZAHN-

HELLERSDORF

440

49,6%

NEUKÖLLN

TREPTOW-KÖPENICK

19,1% 25,7%

1390

534

14,13

12,96

12,16

12,41

10,20

9,89

9,60

8,94

’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18

QUELLE: SENATSVERWALTUNG FÜR ARBEIT UND SOZIALES

Im Vergleich zu 2017 ist die Menge der Anträge um fünf Prozent gesunken.

Die Zahl der Hartz-IV-Empfäger aber auch. Das Aufkommen bleibt also gleich.

Die Ablehnungsquote variierterheblich –wobei nicht gesagt ist, dass der Rest bewilligt

wurde. In Neukölln zum Beispiel wurden 80 Prozent der Anträge gar nicht bearbeitet.

Die beantragte Höhe der Mietschulden ist in den vergangenen Jahren

zurückgegangen. Im Schnitt betragen die Rückstände pro Fall 1500 Euro.


16 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Wissenschaft

„Es ist noch alles drin“

Nur ein globales Umdenken wird die Erderwärmung stoppen, sagt der britische Forscher Mike Berners-Lee. Er glaubt, dass die Zeit endlich reif dafür ist

Neun Stunden Zugfahrt,

ein Tag in Berlin, neun

Stunden Zugfahrt zurück.

Ist doch wunderbar,

sagt Mike Berners-Lee, sohabe

er viel Zeit zum Lesen und Arbeiten.

Er ist einer der profiliertesten Denker

zu der Frage, welche Veränderungen

nötig sind, um den Klimawandel

in den Griff zu bekommen.

Unddeshalb fliegt er nicht von England

nach Deutschland. Nach

Deutschland ist Berners-Lee gereist,

um über sein neues Buch zu sprechen:„Es

gibt keinen Planet B“, heißt

es,und ist genauso grundsätzlich gemeint,

wie der Titel klingt.

Herr Professor Berners-Lee, nachdem

ich Ihr Buch gelesen hatte, war ich

mir nicht sicher, obich optimistisch

oder deprimiertsein soll.

Keins vonbeiden. Siesollen motiviertsein.

Einerseits zeigen Sie: Wir können das

Ruder herumreißen. Der Mensch

kann auf diesem Planeten leben,

ohne auf Dauer ihn und damit seine

eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.

Die Lösungen sind sogar alle

schon da. Wir müssten unsere Lebensweise

allerdings grundlegend

ändern. Unddas ist nicht wirklich in

Sicht.

Es ist klar, dass wir in große

Schwierigkeiten kommen werden,

wenn wir nicht sehr bald sehr viel

ändern. Aber es ist noch alles drin.

Wir haben auch eine große Chance,

in Zukunft besser denn je zu leben.

Und esgibt keinen Grund zu glauben,

dass uns das nicht gelingen

kann.

Doch –die Tatsache, wie wenig bis

jetzt passiert ist. Seit Montag beraten

Tausende Experten in Madrid darüber,was

die Staaten tun müssen, um

das Pariser Klimaabkommen einzuhalten,

also die Erderwärmung auf

unter zwei Grad zu begrenzen. Im wenige

Tage zuvor erschienenen UN-Bericht

steht zugleich, dass die Emissionen

im Jahr 2018 weiter angestiegen

sind –das Gegenteil von dem, was

passieren müsste.

Das stimmt, die CO 2 -Emissionen

gehen weiterhin in dem Maße nach

oben, wie sie es täten, wenn die Erderwärmung

nie festgestellt worden

wäre. Aber es ist so: DieKipppunkte,

die jetzt beim Klimawandel befürchtet

werden, weil sie alles auf fatale

Weise beschleunigen könnten –die

brauchen wir auch in der Gesellschaft.

Wir benötigen ein globales

Übereinkommen, damit fossile

Brennstoffe im Boden bleiben. Was

ist nötig, damit das passiert? Es muss

die richtige Politik geben. Und wie

gibt es die richtige Politik? Die Menschen

müssen sie fordern, die Unternehmen

müssen dahingehend handeln,

all das interagiert. Wenn man

einen Systemwandel braucht, ist es

sehr schwer zu sagen, wie nah man

an dem Kipppunkt ist, an dem plötzlich

alles möglich wird. Es kann sein,

dass wir sehr nah dran sind. Wir haben

jetzt eine Chance.Wenn wir jetzt

keinen Adrenalinstoß verspüren,

dann arbeiten unsere Gehirne nicht

richtig. Denn die Nachrichten, die

aus der Wissenschaft kommen, sagen

uns, dass wir auf großen Ärger

zusteuern. Aber die gute Nachricht

ist, dass wir vielleicht nicht mehr

weit wegsind vonder großen Veränderung,

die wir brauchen.

Das Gefühl, dass sich etwas verändert,

hat viel mit den Demonstrationen

in diesem Jahr zu tun.

Und Mut machen mir nicht nur

die Demonstrationen an sich, sondern

auch deren Stil. In Großbritannien

habe ich viele Aktionen vonExtinction

Rebellion gesehen. Im besten

Fall ist es ein Blick auf eine bessereWelt:

Siesind freundlich, es gibt

kostenloses Essen, interessante Gespräche,

sie räumen ihren Müll auf

und den vonanderen Leuten, sie singen

den Polizisten etwas vor, die gar

nicht gewohnt sind, dass Demonstranten

so nett zu ihnen sind. Wir

„Wir waren eine kleine Artauf einem robusten Planeten, jetzt sind wir eine große Artauf einem fragilen Planeten“. So sieht es MikeBerners-Lee.

müssen zeigen, dass es eine bessere

Welt ist, die wir schaffen wollen.

Also ist Extinction Rebellion die Idealform

eines Protests, der die von Ihnen

geforderte Veränderung im Denken

mit anstoßen könnte?

Wenn sie sich von ihrer besten

Seite zeigen, ja. Sie machen Fehler.

Doch die Bewegung als Ganzes ist

sehr nah an den Werten, die ich in

meinem Buch als unabdingbar für

den Wandel analysiert habe. Es

herrscht großer Respekt, jedem gegenüber,

bis hin zu den Leuten von

den Unternehmen für fossile Brennstoffe,

die uns Lügen erzählen –das

ist eine machtvolle Botschaft. Und

sie fordernWahrheit, auch wenn die

ungemütlich ist.

Im Moment hat man den Eindruck,

dass es ein neues Bewusstsein gibt. Ist

das nicht vielleicht nur eine Phase?

Ich kann die Zukunft nicht voraussehen,

aber ich weiß, was wir

jetzt tun müssen. Wir müssen jetzt

ein Momentum schaffen. Das Aufwachen

muss weitergehen.

Warum sind wir da so langsam?

Es ist auch eine Frage vonVorstellungskraft.

Wenn wir uns in diesem

Raum umsehen, erzählt nichts vom

Klimawandel. Wir sehen nichts, das

uns davon abhalten sollte,unser Leben

weiterzuführen wie bisher. Aber

wenn wir unsere Vorstellung ein

bisschen anstrengen und uns zum

Beispiel fragen, wie wahrscheinlich

es ist, dass es im nächsten Sommer

einen beachtlichen Ernteausfall

beim Reis gibt –nämlich ziemlich

wahrscheinlich – und welche Auswirkungen

das hätte,sieht die Sache

schon anders aus. Es ist nicht so,

dass die Menschen im gemütlichen

Deutschland oder in England davon

unberührtwären. Daswürde uns alle

betreffen.

Ihr Buch bringt unsere Vorstellungskraft

durch viele Fakten in Fahrt. Wie

haben Siedie zusammengetragen?

Es war harte Arbeit, und viele

Leute haben mir geholfen. Es gibt so

viele Statistiken in dem Buch, weil

sie einen zwingen, die Perspektivezu

wechseln. Einige davon lassen einem

die Kinnlade herunterkippen.

Da ist zum Beispiel diese Zahl: Auf

der Erde werden so viele Lebensmittel

angebaut, dass jeder Mensch jeden

Tagfast 6000 Kilokalorien zur Verfügung

hätte. Also viel mehr, als jeder

einzelne bräuchte. Trotzdem sind 800

Millionen Menschen unterernährt.

Da fragt man sich doch: Wo geht

die Nahrung hin? Ein Teil wird weggeworfen,

ein Teil wird für Biokraftstoff

verwendet und der größte Teil

wirdanTiereverfüttert. Diese Statistik

gibt uns also ganz klar Aufschluss

ZUR PERSON

MikeBerners-Lee ist Professor am Institute for Social Futures an der britischen Lancaster

University und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem CO 2 -Fußabdruck des Menschen und

damit, wie man ihn verringernkann. Präzise Angaben machte der Physiker in seinem Buch

„Howbad are bananas?“. Sein neues Buch „Es gibt keinen Planet B“ (Midas, 25 Euro) hat er

noch grundsätzlicher angelegt, als „Handbuch für die großen Herausforderungen unserer

Zeit“. MikeBerners-Lee ist der jüngere Bruder des Physikers und Informatikers TimBerners-

Lee, der das Internet maßgeblich mitbegründet hat.

darüber, was falsch läuft bei unserem

Umgang mit dem Boden und

der Nahrung, die dort wächst. Wir

müssen damit aufhören, Nahrung,

die Menschen ernährt, in großem

Maßstab an Tierezuverfüttern. Und

wir müssen Biokraftstoffe mit großer

Vorsicht einsetzen.

Auch dazu haben Sie eine Zahl: Der

Weizen, den man braucht, um einen

Toyota Corolla mit Bioethanol 1,7 Kilometer

weit zu fahren, würde genügen,

um einen Menschen einen Tag

lang zu ernähren.

Was ich hier beschreibe ist Biokraftstoff

der ersten Generation, bei

dem essbare Pflanzen verwendet

werden. Wenn wir es schaffen, flüssige

Kraftstoffe aus Zellstoff herzustellen,

werden die Zahlen besser.

Aber der Konflikt zwischen Nahrung

und Treibstoff ist deutlich.

GETTY, BENJAMIN PRITZKULEIT

Dabei hatte man ja mal große Hoffnungen

in Biokraftstoff als CO 2 -neutrale

Lösung gesetzt. Einweiteres Beispiel

dafür, wie kompliziert der Weg

ist.

Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Nehmen Sie die Solarenergie.

Ein Stück Land, das ungefähr 370

mal 370 Kilometer groß ist und vollgepackt

mit Solarmodulen, könnte

den Energiebedarf der ganzen Welt

decken. Natürlich ist es komplexer

als das: Manmuss die Energie dahin

bekommen, wo sie gebraucht wird,

und was macht man, wenn keine

Sonne scheint? Aber diese technischen

Herausforderungen lassen

sich lösen. Die Technik ist nicht der

Flaschenhals, wenn es darum geht,

den Übergang zu einer Welt der sauberen

Energien zu schaffen.

DerMensch ist der Flaschenhals. Und

so lange es die großen Lösungen nur

in der Theorie gibt, fragt sich der Einzelne,

was es nützt, wenn man zum

Beispiel beschließt, nicht mehr zu

fliegen.

Man muss es anders sehen.

Nicht zu fliegen, kann Teil einer Botschaft

sein, und sie auszusenden,

kann es anderen Menschen leichter

machen, genauso zu handeln. Die

Frage, die man sich stellen muss,

heißt: Waskann ich dazu beitragen,

die Bedingungen zu schaffen, unter

denen der Systemwandel, den wir

brauchen, möglich wird? Und da

kann jeder viel tun, wir nehmen täglich

Einfluss: dadurch, wie wir unser

Geld ausgeben, dadurch, wie wir

uns gegenüber Freunden, am Arbeitsplatz,

in der Familie verhalten.

So passiertVeränderung: Dinge, die

sozial akzeptabel waren, sind es

plötzlich nicht mehr, und andere

Dinge werden es.

Ihr Resümee ist, dass es am Ende von

unseren Werten abhängt, ob wir in

Frieden auf einem stabilen Planeten

leben werden.

Ich habe mit vielen Experten gesprochen

und es war bemerkenswert,

wie viele zu mir gesagt haben:

Wissen Sie was, amEnde läuft alles

auf eine Wertedebatte hinaus. Ob

man die Welt ernähren oder den Klimawandel

bekämpfen will, es hat alles

mitWerten zu tun. Diegute Nachricht

ist: Die Erfahrung zeigt, dass

Menschen in der Lage sind, ihre

Werte zuändern, einfach nur, weil

sie es wollen. Den drei zentralen

Werten, die ich definiere, liegt reiner

Pragmatismus zugrunde. Ohne sie

können wir die globalen Probleme

nicht lösen, mit ihnen schon. Alle

Menschen mit Respekt zu behandeln,

ist der erste. Obman es mag

oder nicht: Zum ersten Mal inder

Menschheitsgeschichte befinden

wir uns alle in einem Boot. Dann

brauchen wir Respekt für den Planeten,

für alle anderen Arten. Unddrittens:

Wir brauchen dringend mehr

Wahrheit. Wie unangenehm Fakten

auch sind, wir können darauf bestehen,

sie zu bekommen.

Siedeuten an, dass Religion und Spiritualität

weiterhelfen könnten.

Ichfühle mich nicht sehr kompetent

auf dem Gebiet, aber ich fand,

dass das Buch nicht vollständig

wäre, wenn ich diesen Gedanken

nicht erwähnen würde. Einige der

klügsten Ideen zu Klimawandel und

Naturschutz finden sich in Glaubensgemeinschaften.

Ich will keine

bestimmte Religion hervorheben,

aber ich denke, sie kann ein Werkzeug

sein, um die Art zudenken zu

kultivieren, die im Anthropozän nötig

ist.

Sie benutzen oft das Wort Anthropozän.

Finden Sie, das sollte der Name

für eine neue Erdepoche sein, wie es

seit ein paar Jahren diskutiertwird?

Ich verliere schnell die Geduld

mit den sehr technischen Diskussionen

darüber,was genau des Anthropozän

ist und wann es aus geologischer

Perspektive begonnen haben

könnte. Aber dieses Wort hilft, uns

darüber klar zu werden, dass wir

selbst es nun sind, die den Planeten

verändern. Wirwaren eine kleine Art

auf einem robusten Planeten. Und

jetzt sind wir eine große Art auf einem

fragilen Planeten. Wirhatten einige

Dekaden, in denen wir uns

schon im Anthropozän befanden,

aber lebten, als ob das nicht so wäre.

Jetzt aber ist der Moment, in dem wir

damit nicht mehr davonkommen.

Vor ein paar Tagen war Ihr Bruder

Tim Berners-Lee, Erfinder des World

Wide Web, in Berlin, und hat auch

zum dringenden Handeln aufgerufen,

in einer anderen Sache: Er fordert

einen globalen Gesellschaftsvertrag

für das Internet, um das soziale Netzwerk,

wie er es sich mal vorgestellt

hatte, zu retten, wie er sagt. So einen

globalen Vertrag brauchen wir doch

auch für den Planeten.

Ja, den bräuchten wir. Mein Bruder

und ich haben verschiedene

Blickwinkel, aber wir sind auf derselben

Seite.Wenn Leute sagen, wir haben

noch zehn Jahre, um den Planeten

zu retten –das stimmt nicht. In

den vergangenen zwölf Monaten ist

viel Wichtiges passiert. Die Frage

muss nun sein: Wie anders kann die

Welt in zwölf Monaten aussehen, wie

anders kann die Gesellschaft, die Politik

sich anfühlen? Wir müssen das

jetzt in Angriff nehmen.

Ihren Bruder und Sie drängt es beide

zu den globalen gesellschaftlichen

Themen.

Nun eine Sache haben wir gemeinsam:

Wir hatten wunderbare

Eltern.

Washaben sie richtig gemacht?

Ich würde sagen, sie haben uns

zum Denken gebracht. Und sie waren

auch einfach sehr nette Menschen.

DasGespräch führte PetraAhne.


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 17 *

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Sport

„Niemand

darf uns

stoppen“

Coach Petkovic peilt mit den

Füchsen das Final Four an

Fünf Tage nach dem Heimsieg gegen

die MT Melsungen in der

Handball-Bundesliga kommt es für

die Füchse Berlin zu einem schnellen

Wiedersehen im Pokal. Am

Dienstagabend kämpfen die Berliner

in Kassel im Viertelfinale um den

Einzug ins Final Four (19.00 Uhr).

Das ist eines der großen Saisonziele

des Pokalsiegers von 2014. „Wir haben

uns jetzt gefunden. Niemand

darf uns stoppen“, gibt sich Trainer

Velimir Petkovic optimistisch.

Die Serie von zuletzt sechs

Pflichtspielsiegen hintereinander

soll am Dienstag keinesfalls enden.

Nach der überzeugenden Vorstellung

beim 28:22-Erfolg am Donnerstagabend

war Petkovic deshalb sofort

bemüht, den Druck aufrecht zu

erhalten. „Wir brechen nicht in Euphorie

aus,wir sehen die zwei Spiele

zusammen“, sagte er.

An Selbstbewusstsein mangelt es

den Füchsen momentan aber nicht.

„Wir können auf jeden Fall nun einfacher

nach Melsungen fahren“,

meint Nationalspieler Paul Drux. Allerdings

erwarten die Füchse hinsichtlich

der spieltaktischen Ausrichtung

eine komplett andere Partie.„Jeder

wirdversuchen, etwas anders

zu machen“, so der

Rückraumspieler weiter. Und auch

dessen Nationalmannschaftskollege

Fabian Wiede erwartet am Dienstag

mehr Gegenwehr.„Siewerden es uns

sicherlich nicht noch einmal so einfach

machen, wie in der zweiten

Halbzeit“, glaubt er.

Gerade diese zweite Hälfte macht

aber auch jede Menge Mut. „Somüssen

wir das auch am Dienstag wieder

angehen“, fordertWiede. Besonders

in der Abwehr überzeugten die

Füchse. Lediglich sieben Gegentore

fielen nach dem Seitenwechsel. Das

soll auch am Dienstag der Schlüssel

sein. Petkovic sieht aber dennoch

Verbesserungsbedarf. „Es gibt schon

Punkte, die wir besser machen können“,

sagt der Coach. (dpa)

Ein paar

Niederlagen

zu viel für Fiel

Zweitligist Dresden trennt

sich von seinem Trainer

S

ieben Niederlagen in den vergangenen

acht Spielen, Sturzans Tabellenende:

Fußball-Zweitligist Dynamo

Dresden hat nach einer rasanten

Talfahrt die Notbremse gezogen

und sich nach „intensiven und offenen

Gesprächen“ von Trainer Cristian

Fiel, 39, getrennt. Laut Klub-

Mitteilung einvernehmlich. Co-Trainer

Patrick Mölzl muss ebenfalls gehen.

Wer die Mannschaft am

Sonntag im Heimspiel gegen Sandhausen

betreuen wird, ist noch offen.

Dresden will zunächst eine Interimslösung

präsentieren.

„Diese Entscheidung ist uns sehr

schwergefallen. Cristian und ich

standen während der gesamten Zusammenarbeit

immer in einem engen

und vertrauensvollen Austausch.

Wirhaben die Zusammenarbeit

beendet, weil wir zu dem gemeinsamen

Entschluss gekommen

sind, dass die Mannschaft dringend

einen neuen Impuls braucht, um

den Klassenerhalt noch zu erreichen“,

sagte Dynamos Sportgeschäftsführer

Ralf Minge.

Fiel war von 2010 bis 2015 Profi

bei Dynamo, arbeitete im Anschluss

im Nachwuchsbereich des Klubs.

Nach einer Phase als Interimstrainer

wurde er nach der Beurlaubung von

Maik Walpurgis im Februar 2019

Cheftrainer. (sid)

National in dieser Saison bislang ungeschlagen: Die BR Volleys um Sergej Grankin, Benjamin Patch und Samuel Tuia (v. l.).

Hallo Europa

Die BR Volleys starten mit dem besten Kader,den sie je hatten, in die Champions League

VonKarin Bühler

Zusammensetzung: In der

Champions-League-Vierergruppe

mit den BR Volleys

und ACHVolleys Ljubljana

gelten die beiden russischen

Klubs VK Kusbass Kemerowo

sowie FakelNowij

Urengoi als Favoriten.

Wenn wir in der Champions

League irgendetwas

erreichen wollen,

dürfen wir dieses

Spiel nicht verlieren“, sagt Volleys-

Trainer Cedric Enard. Nach13 Siegen

in 13 nationalen Pflichtspielen steht

für Berlins Volleyballer zum Auftakt

der europäischen Königsklasse an

diesem Dienstag (19.30 Uhr, Schmelinghalle)

die Partie gegen Sloweniens

Meister ACH Volleys Ljubljana

an. Tatsächlich macht sich der deutsche

Meister Hoffnungen, auf europäischer

Ebene einen Schritt nach

vorne zutun. „Wir haben vorige Saison

alles gegeben, um überhaupt in

der Champions League dabei zu

sein. Jetzt wollen wir das Optimum

herausholen“, sagt Enard.

Der Kader der Berliner wirkt so,

als sei er in diesem Jahr vorallem mit

Blick auf die Champions League zusammengestellt:

Noch nie hatten die

Berliner so viel Qualität und Erfahrung

im Zuspiel, wo für den russischen

Olympiasieger Sergej Grankin

jederzeit der französische Europameister

Pierre Pujol einspringen

kann, wenn es eine Strategieänderung

braucht. Auf der anderen

Schlüsselposition, im Diagonalangriff,

punktet US-Nationalspieler

Benjamin Patch seit Wochen auf hohem

Niveau, im Mittelblock sind Nationalspieler

aus den USA und

Frankreich im Einsatz, dazu die

deutschen Nationalspieler Moritz

Reichertund Julian Zenger.

So gut besetzt war der Kader der

BR Volleys noch nie. „Das habe ich

unserer Mannschaft gestern auch in

einer Besprechung erklärt“, sagt Manager

Niroomand.„Das gilt nicht nur

für unsere erste Formation, sondern

auch für die dahinter. Das sind alles

hungrige Leute. Essitzt keiner draußen,

der mosert.“ Wobei Niroomand

betont, dass er bei der Kaderzusammenstellung

in erster Linie die Verteidigung

des Meistertitels im Sinn

hatte. „Sich nur für die Champions

League aufzustellen wäre Lotterie

gewesen. All In sind wir nicht gegangen.“

Denn die Auslosung entschei-

MODUS IN DER CHAMPIONS LEAGUE

Zusammenfassung: Ljubljanas

Trainer Matija Plesko

hat die Rolle der eigenen

Mannschaft ebenfalls klar

definiert: „Wir sind Außenseiter.Ich

hoffe, die Gegner

unterschätzen uns und wir

können darauf reagieren.“

Zusammenschnitt: Ausinsgesamt

fünf Vorrundengruppen

erreichen nur die Erstplatzierten

sowie die drei

besten Zweiten das im K.-o.-

System ausgetragene Viertelfinale.

Die Gruppenphase

läuft bis 19. Februar 2020.

det ja über dieWegstrecke in Europas

Königsklasse mit. Und da wurden

den Berlinern schon in der Gruppenphase

in den sibirischen Klubs,

Russlands Meister Kemerowo sowie

Fakel Nowij Urengoi, was Spielstärke

und Anreise angeht, die denkbar unangenehmsten

Gegner zugelost.

Als Budget, in dem Marketinggebühren,

Produktions- und Reisekosten

enthalten sind, nennt Niroomand

allein für die Gruppenphase

knapp 180 000 Euro. Bislang war die

Champions League für die Klubs ein

Zuschussgeschäft. Seit voriger Saison

schüttet der Europäische Volleyball-Verband

(CEV) 400 000 Euro für

die Finalsieger, 200 000 für die -verlierer

aus. „CEV-Präsident Boricic

müht sich eifrig,Voraussetzungen zu

Das Pokerspiel ist eröffnet

schaffen, dass auch Geld zu den Vereinen

kommt, die nicht in der obersten

Reihe stehen, damit sie Chancen

haben, hinterherzukommen“, sagt

Niroomand. Damit sich Topklubs

wie Perugia, Lube Civitanova oder

Kasan, die zuletzt meist im Finale

standen, nicht immer reicher werden

und sich vomRest entfernen.

Ljubljana holte zuletzt 15 Meistertitel

hintereinander, ist der nationalen

Konkurrenz entwachsen und

spielt in der Middle EuropeanVolleyball

Zonal Association. Die Gegner

dort kommen aus Kroatien, Österreich

und Bosnien-Herzegowina.

Diese Liga, die manche K.-u.-K.-Liga

nennen, führt Ljubljana ebenfalls

an. Ein solches paneuropäisches

Modell steht für Niroomand nicht

zur Diskussion. Dafür, soglaubt er,

sind die Ligen in Italien, Polen, Russland

und Deutschland zu stark.

Wobei er natürlich weiß, dass

Gegner wie den TV Bühl, den dieVolleys

am Sonnabend in der Liga mit

3:0 abfertigten, und Kemerowonicht

vergleichbar sind. Niroomand hofft

daher, dass die Champions League

sein Team auf ein höheres Niveau

heben wird, „damit wir es schaffen,

so nah wie möglich an Europas Spitzenteams

heranzukommen.“ Sein

Plan: „Ljubljana müssen wir schlagen,

am besten gegen die Russen unsere

Heimspiele gewinnen – und

dann auf den lieben Gott hoffen.“

Nach dem Saisonfinale 2019 beginnt in der Formel 1bereits die spannende Weichenstellung für das Jahr 2021

VonElmar Brümmer

Lewis Hamiltons Machtdemonstration

zum Abschluss seines

sechsten Championsjahr? Geschichte.

Ferraris erneuter Pannen-

Grand-Prix, haarscharf aneiner Disqualifikation

vorbei? Nur noch eine

Fußnote. Die Formel 1denkt nach

dem Großen Preis von Abu Dhabi

längst weiter. Und zwar schon an die

übernächste Saison. Dasist selbst für

eine Disziplin, die sich in ihrer Aufgeregtheit

gelegentlich selbst überholt,

erstaunlich. Aber 2021 ändern sich

die Regeln gewaltig, nicht nur technisch.

Dann gilt ein Budgetdeckel von

175 Millionen Dollar, was die großen

Rennställe einbremsen und damit

das Feld ausgeglichener machen soll.

Diegroßen Gewinner,vor allem finanziell,

können dabei die Rennfahrer

sein. Sie werden dann ein noch

stärkerer Faktor für den Erfolg. Denn

die Chauffeurgehälter sind von der

Deckelung ausgenommen, außerdem

laufen im kommenden Sommer

bei den drei Top-Teams Mercedes,

Ferrari und Red Bull Racing alle Verträge

aus. „Wenn sich die Autos angleichen,

werden die Fahrer wieder

der wichtigste Faktor.Das werden sie

sich bezahlen lassen“, vermutet Red-

Bull-Berater Helmut Marko eine Explosion

der Gehälter.

Ein möglicher Ringtausch zwischen

Hamilton und Sebastian Vettel

würde eine Menge frischen

Wind in die Szene bringen.

So fantastisch, wie das momentan

klingt, ist es gar

nicht. Fiat-Boss John Elkann

hat sich in diesem

Jahr schon zweimal mit Hamilton

getroffen. „Ich verstehe

es, wenn ein Fahrer

verschiedene Optionen

evaluiert. Wir wollen mit

Lewis weitermachen. Also

müssen sicherstellen, dass wir das

beste Auto hinstellen. Dann werden

wir auch die besten Fahrer in unseren

Autos haben“, gibt sich Mercedes-

Teamchef TotoWolff gelassen.

DieSummen, um die es geht, sind

beachtlich: Lewis Hamilton wird auf

50 Millionen Dollar per anno taxiert,

Sebastian Vettel auf 40 Millionen. Da-

gegen sind MaxVerstappen mit zwölf

Millionen und Charles Leclerc mit

drei Millionen noch Schnäppchen.

Aber das wirdsich schnell ändern.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner

zum beginnenden Poker: „Die

Formel 1kann froh sein, mit Maxund

Charles Leclerc zwei sohochkarätige

Fahrer aus dieser Generation

zu haben. Sie werden

sich in Zukunft große

Kämpfe liefern. Hamilton

wird auch noch eine Weile

dabei sein. Er ist motiviert,

es den Jungen noch mal zu

GETTTY IMAGES/NEL

zeigen. Schreibt mir auch

Sebastian nicht ab. Der

Und alle Optionen: kommt zurück.“

Max Verstappen Hamilton hat verkündet,

dass er als Pionier in

der neuen Ära mitwirken möchte,

und natürlich um Michael Schumachers

Rekord von sieben Titeln zu

brechen. Vettel, der viel Mühe mit

sich und dem Auto, aber noch mehr

mit Charles Leclerc hatte, schließt

auch nach der Geburtdes dritten Kindes

eine weitere Karriere inder Königsklasse

nicht aus.

IMAGO IMAGES/BERND KÖNIG

Charles Leclerc, 22, bringt mit seiner

jugendlichen Respektlosigkeit

und seinem Talent die Ferrari-Hierarchie

über diese Saison hinaus in die

Bredouille. Allein vom Alter und der

Perspektive her müsste Scuderia-

Chef Mattia Binotto künftig voll auf

den Monegassen setzen.

Am einfachsten scheint die Entscheidung

für Max Verstappen zu

sein, den stärksten Mann des letzten

Saisondrittels.Der Niederländer profitiertvon

den erstarkten Honda-Motoren,

die Japaner haben sich zudem

als erster Konzern über 2020 hinaus

zur Formel-1-Teilnahme bekannt.

Mit 22hat er noch ein Jahr lang die

Chance,jüngster Weltmeister der Geschichte

zu werden. Red Bull wäre

dieses Kunststück dann nach Vettel

erneut gelungen. Ganz sicher aber

kann Christian Horner nicht sein, wie

die Verstappens entscheiden. Vater

Joshat immer Großes vormit seinem

Sohn, und er hat schon imVorjahr,als

Red Bull die richtige Motorisierung

fehlte, Kontakt zu Mercedes aufgenommen.

Alte Kontakte zu intensivieren,

kann sich lohnen.

NACHRICHTEN

Mainz gewinnt 2:1 gegen

Eintracht Frankfurt

FUSSBALL. DerFSV Mainz 05 hat

das 23. Rhein-Main-Derbyinder

Bundesliga mit 2:1 (0:1) gegen Eintracht

Frankfurtfür sich entschieden.

Beim Heim-Debüt vonNeu-

Trainer Achim Beierlorzersiegten

die Mainzer am Montagabend in

Überzahl vor33184 Zuschauern

durch Tore vonKarim Onisiwo (50.

Minute) und Adam Szalai (69.). Eintrachts

Martin Hinteregger hatte die

Frankfurter in der 33. Minute in Führung

gebracht. Auch im zwölften Anlauf

verpassten die Hessen damit einen

Sieg in Mainz. Vier Tage nach

dem 2:1 in der Europa League beim

FC Arsenal tat sich die Mannschaft

vonTrainer AdiHütter in Unterzahl

sehr schwer.Nach der Roten Karte

für Dominik Kohr (Notbremse/44.

Minute) mussten die Gäste eine

Halbzeit lang mit neun Feldspielern

auskommen. DasSpiel begann mit

zehnminütiger Verspätung, weil

Frankfurt-Fans kurzvor dem Anpfiff

einen Böller zündeten und mehrere

Raketen auf den Rasen feuerten.

Doncic führtMavericks zum

Sieg gegen die Lakers

Luka Doncic (M.) ist in der NBA der

Mann der Stunde.

AFP/LOTZE

BASKETBALL. DieDallas Mavericks

haben in der nordamerikanischen

Profiliga NBA die eindrucksvolle Serieder

Los Angeles Lakers um Ausnahmespieler

LeBronJames gestoppt.

DieMavs setzten sich gegen

das Team aus Kalifornien, das zuletzt

zehn Spiele in Folge gewonnen hatte,

114:100 durch. Mavericks-Topscorer

Luka Doncic war mit 27 Punkten,

zehn Assists und neun Rebounds der

überragende Akteur.

Draisaitl erzielt

seinen 50. Scorerpunkt

EISHOCKEY. Nationalspieler Leon

Draisaitl hat mit zwei Treffernseine

beeindruckende Saison in der NHL

fortgesetzt. Der24-Jährige war mit

seinem Doppelpack der Matchwinner

beim 3:2-Sieg der Edmonton Oilers

bei den Vancouver Canucks.Zugleich

erreichte Draisaitl damit bereits

nach 29 Spieltagen die Marke

von50Scorerpunkten. Dergebürtige

Kölner hat in dieser Spielzeit bereits

18 Tore und 32 Vorlagen auf seinem

Konto.

ZAHLEN

Fußball

Bundesliga, 13. Spieltag

FSV Mainz 05 -Eintracht Frankfurt 2:1 (0:1)

1. Bor.Mönchengladbach 13 28:15 28

2. RB Leipzig 13 36:15 27

3. FC Schalke04 13 24:16 25

4. Bayern München 13 34:18 24

5. Borussia Dortmund 13 28:19 23

6. SC Freiburg 13 23:17 22

7. BayerLeverkusen 13 20:17 22

8. 1899 Hoffenheim 13 18:20 21

9. VfL Wolfsburg 13 15:13 20

10. Eintracht Frankfurt 13 22:20 17

11. 1. FC Union 13 16:19 16

12. FSV Mainz 05 13 19:32 15

13. Werder Bremen 13 22:28 14

14. FC Augsburg 13 18:25 14

15. Fortuna Düsseldorf 13 16:24 12

16. Hertha BSC 13 18:27 11

17. 1. FC Köln 13 12:28 8

18. SC Paderborn07 13 16:32 5


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 – S eite 18

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Sport

Bei Hochrisikospielen wie dem Nordderbyzwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV braucht es eine extra Portion Polizei, gernauch hoch zu Ross.

IMAGO IMAGES/MIS

Zwischen allen Stühlen

Bei der Frage nach der Beteiligung des deutschen Profifußballs an zusätzlichen Polizeikosten könnte sich das Novum ergeben, dass sich 35 Klubs gegen einen stellen

VonFrank Hellmann, Frankfurt

Auch wenn die Zeiten längst

passé sind, dass die deutsche

Nationalmannschaft

im Kempinski Gravenbruch

in Neu-Isenburg ihr Quartier

bezieht, taugt das Domizil vor den

Toren Frankfurt immer noch dafür,

wegweisende Beschlüsse für den

deutschen Fußball auf den Weg zu

bringen. Am Dienstag findet in dem

ehemaligen Jagdsitz die nächste Mitgliederversammlung

der Deutschen

Fußball Liga (DFL), auf der ein brisantes

Thema besprochen werden

muss: Wieist mit der Beteiligung des

deutschen Profifußballs an zusätzlichen

Polizeikosten bei Hochrisikospielen

zu verfahren?

Undhier könnte sich das Novum

ergeben, dass sich 35 Klubs gegen einen

stellen. Denn bislang ist in den

komplexen Fall nur der SV Werder involviert,

nachdem der Bremer Senat

vom Leipziger Oberverwaltungsgericht

Recht bekam, die Gebührenbescheide

vonder DFL erstatten zu lassen.

Die hat inzwischen die ersten

Überweisungen für vier Partien an

das Land Bremen getätigt. Insgesamt

geht es um 2,3 Millionen Euro,die von

der Liga-Versammlung nun zu 100

Prozent dem SV Werder aufgebürdet

werden sollen. Ein entsprechender

Antrag ist formuliert. In den Teilversammlungen

der Bundesliga und

Zweiten Liga war das Votum eindeutig,

diese Kosten nicht umzulegen.

Hoch verschuldeter Stadtstaat

Werder hat jüngst auf seiner Mitgliederversammlung

eine Klage gegen

den Liga-Verband angekündigt. Notfalls

würde juristisch geprüft, ob die

DFL nicht ein Mitveranstalter sei, der

zu einer Kostenbeteiligung verpflichtet

werden kann. Die aktuelle Beschlussvorlage

erschüttere „das Gefüge

der Ersten und Zweiten Liga als

Solidargemeinschaft“, hieß es bei den

Grün-Weißen, die aber wohl gegen

Windmühlen kämpfen. Die DFL verweist

darauf, dass das Polizei-Monopol

wie bei jedem Stadtfest, Rockkonzert

oder jeder Demonstration beim

Staat läge.Und dafür würde der Profifußball

genug zahlen: ImWirtschaftsreport

2018 ist hinterlegt, dass der

deutsche Profifußball bei einem Rekordumsatz

von4,42 Milliarden Euro

auch 1,28 Milliarden an Steuern und

Abgaben entrichtet hat. Zudem

würde mit den Investitionen in die

Fanprojekte ja noch Präventionsarbeit

verrichtet.

DasMeinungsbild ist nicht mal innerhalb

der Parteien einhellig: Während

Niedersachsens Innenminister

Boris Pistorius (SPD) die Weitergabe

der Mehrkosten bei Polizeieinsätzen

grundsätzlich für systemwidrig hält,

hat der hoch verschuldete Stadtstaat

„Wir haben zwar den juristischen Fingerzeig

bekommen, dass es grundsätzlich möglich ist,

eine solche Gebühr zu erheben, aber kein

Richter dieser Welt hat gesagt, dass es eine

gute Idee ist.“

Hubertus Hess-Grunewald gibt als Werder-Präsident

den Pionier.

Bremen mit seinem streitlustigen Innensenator

Ulrich Mäurer (SPD) einen

Präzedenzfall geschaffen, bei der

vor allem der Sportverein Werder als

vorbildlich sozial und gesellschaftlich

agierenden Leuchtturm der Hansestadt

jetzt zwischen allen Stühlen zu

sitzen scheint.

„Wenn Werder 100 Prozent der

Kosten zahlen muss,wirddas Verursacherprinzip

außer Kraft gesetzt“,

argumentiert Klaus Filbry, der Vorsitzende

der Geschäftsführung. Sein

Vorschlag: die Kosten zwischen dem

SV Werder,der DFL als Mitveranstalter

und dem jeweiligen Gastverein zu

dritteln. Vereinspräsident Hubertus

Hess-Grunewald („Wir haben zwar

den juristischen Fingerzeig bekommen,

dass es grundsätzlich möglich

ist, eine solche Gebühr zu erheben,

aber kein Richter dieser Welt hat gesagt,

dass es eine gute Idee ist“)

brachte ins Spiel, den Mehraufwand

bei Hochrisikospielen –inder Vergangenheit

die Nordderbys gegen

den Hamburger SV oder Hannover

96, aber auch Spiele gegen Eintracht

Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach

–inZukunft zu vermeiden,

indem möglicherweise das Kartenkontingent

für Gästefans reduziert

wird. „Das zeigt, dass es nicht ein reines

Problem vonWerder ist, sondern

auch andereVereine betrifft.“

Diese Einschätzung trifft insofern

zu, dass die Bremer bald gar nicht

mehr so allein stehen könnten. Wie

der Kicker berichtet, plant auch das

Land Rheinland-Pfalz die Polizeimehrkosten

direkt bei seinen Profiklubs

zu vereinnahmen: Innenminister

Roger Lewentz (SPD) will offenbar

eine entsprechende Gebührenregelung

erlassen. Betroffen ist

damit der FSV Mainz 05, der die Erhebung

von Gebühren ebenfalls kategorisch

ablehnt. „In der Konsequenz

könnte das bedeuten, dass

dadurch unter dem Aspekt des Wettbewerbs

und der Chancengleichheit

einzelne Klubs benachteiligt werden“,

teilte derVorstandsvorsitzende

Stefan Hofmann mit.

Auch für den Zweitligisten Hamburger

SV könnte ein gravierender

Standortnachteil entstehen, wenn

die Politik der Hansestadt dem Bremer

Beispiel folgt. Die Parteigenossen

Lewentz und Mäurer wollen das

Thema bereits am Mittwoch vor der

Innenministerkonferenz (IMK) in

Lübeck vorbringen und schlagen neben

einem von der DFL gebildeten

Fonds gleich eine Mustergebührenordnung

vor. Eine Mehrheit wird

sich auf dieser Ebene zwar so schnell

nicht organisieren lassen, aber es

zeichnet sich bereits ab,dass sich die

Problematik schon bald nicht mehr

als isoliertes Problem des kleinsten

deutschen Bundeslandes betrachten

lässt.

Schleifer mit Weitsicht

Herthas neuem Trainer Jürgen Klinsmann schwebt ein laufintensives Spiel vor.Nicht nur deswegen setzt er auf die Dienste von Athletik-Coach Werner Leuthard

VonSebastian Schmitt

Nach dem missratenen Debüt als

Cheftrainer vonHertha BSC hat

Jürgen Klinsmann, 55, seinem Team

anstrengende Trainingseinheiten in

Aussicht gestellt. „Wir haben den

Spielern noch einmal deutlich gemacht,

dass jetzt sehr viel mehr Arbeit

auf sie zukommt“, erklärte der

ehemalige Bundestrainer nach dem

1:2 gegen Borussia Dortmund. Klinsmann

verspricht für die heute beginnende

kurze Trainingswoche, bevor

am Freitagabend das Spiel bei Eintracht

Frankfurt stattfindet, dass er

und sein Trainerteam „die Intensität

nach oben schrauben werden“. Im

taktischen Bereich wirddas eine Aufgabe

für Herthas neuen Co-Trainer

Alexander Nouri. Für die Fitness der

Profis ist seit vergangenen Mittwoch

Werner Leuthardzuständig.

Der 57-jährige Niederbayer, einstiger

Oberleutnant in der Bundeswehr,

arbeitete jahrelang unter Trainer

Felix Magath, wurde beim FC

Bayern „General“ getauft und genießt

in der Branche inzwischen einen

exzellenten Ruf. „Er ist ein sehr

kompetenter Fachmann. Wir haben

sehr erfolgreich zusammengearbeitet“,

sagt Magath.

Seit sie sich 2002 beim VfB Stuttgart

kennenlernten, gab es Magath

und Leuthard nur noch im Doppel-

Pack: in München, in Wolfsburg, auf

Schalke, wieder in Wolfsburg und

beim FC Fulham. Zusammen feierten

sie drei Meisterschaften und zwei

Pokalsiege.Beim VfB bekam Magath

damals seinen berühmten Spitznamen

verpasst. Dereigentliche „Quälix“

war aber Leuthard.

Nach seiner sechsjährigen Zeit als

Gebirgsjäger bei der Bundeswehr

kam Leuthard über Umwege zum

Profisport. Nach jahrelanger Arbeit

mit den Tennisspielerinnen Steffi

Graf und Anke Huber zogesihn zum

Hat die ganze Sportwissenschaft im Blick: Fitness-Trainer Werner Leuthard.

Fußball. Leuthard gilt als harter

Hund, der selbst gestandene Profis

zur völligen Erschöpfung bringt.

Spaniens ehemaliger Nationalstürmer

Raúl, der nach seinem Wechsel

von Real Madrid zum FC Schalke

noch mal aufblühte, sagte mal über

Leuthard: „Das Medizin-Ball-Trai-

CITY-PRESS

ning hat mich fünf Jahre jünger gemacht.“

In Frankfurt formte Leuthard

unter Trainer Adi Hütter vergangene

Saison die „Bullenherde“.

Die mittlerweile abgewanderten

Stürmer Ante Rebic, Luka Jovic und

Sébastian Haller überrollten mit ihrerPhysis

die halbe Liga.

Bei Hertha hoffen sie, dass der

neue Mann mit seiner Arbeit ähnliche

Effekte erzielt. Klinsmann

schwebt ja ein laufintensives Spiel

vor, bei dem der Gegner im Idealfall

durch ein gut funktionierendes Gegenpressing

erst gar nicht zur Entfaltung

kommt.

Assistent vonUrs Fischer

Doch Leuthard machte sich nicht

nur als reiner Konditionsbolzer einen

Namen, sondern auch als Muskel-Versteher.

„Wir waren so erfolgreich,

weil wir nicht nur konditionell

spitze waren, sondern über Jahre

hinweg die wenigstenVerletzten hatten.

Das war sein Verdienst“, lobt

Magath. Dagegen zieht sich bei den

Blau-Weißen das Thema „Muskel-

Verletzung“ seit Jahren wie ein roter

Faden durch den Trainingsbetrieb.

„Bei einer großen Mehrheit der Verletzungen

im Fußball gibt es keine

gegnerische Einwirkung. Man kann

in diesem Bereich sehr großen Einfluss

nehmen“, sagte Leuthard einst

der Basler Zeitung.

Magath hätte ihn liebend gerne

mit nach China genommen, als er im

Sommer 2016 den SD Luneng übernahm.

Doch Leuthard stand beim

FC Basel im Wort. Trainiert wurde

der FCB damals von Urs Fischer.„Er

hat ein unheimlichesWissen und die

Zahlen sprechen für sich“, sagte der

heutige Coach des 1. FC Union einst

über Leuthard.

Beim Köpenicker Stadtrivalen soll

Leuthard nun die Spieler fit und robust

genug machen, um möglichst

schnell den Tabellenkeller zu verlassen.

Richtige Veränderungen wird er

aber erst in der Vorbereitung auf die

Rückrunde vornehmen können.

„Man kann während einer Saison

nicht großartig eingreifen. Jetzt zählen

andereAspekte.Man braucht Ergebnisse“,

erklärt Magath vor Herthas

Spiel bei der Eintracht.


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 – S eite 19

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Feuilleton

Peter Uehling über die

neue „Traviata“ an der

Komischen Oper.

Seite 20

„Sie spielen einen präzisen wie hochenergischen Siebziger-Funk.“

Markus Schneider über das aktuelle Album der Band Die Zöllner Seiten 22 und 23

Handschrift

Angriff der

Schreibroboter

Ulrich Seidler

trauertumeine letzte

Bastion der Individualität.

Handgeschriebene Texte finden

mehr Beachtung als gedruckte.

Siegelten als verbindlicher.Und dies,

bevor man überhaupt den Inhalt zur

Kenntnis genommen hat −was bei

mancher Sauklaue dann kaum möglich

ist. Es wird sich schon um etwas

Wichtiges handeln, denkt man, wenn

sich jemand die Mühe gemacht hat,

es handschriftlich aufs Papier zu bringen.

Und auch der Adressat selbst

darf sich wichtig genug für diese

Mühe fühlen. Diese suggerierte Exklusivität

und Wertschätzung ist ein

hohes Gut, das eine Berliner Start-up-

Firma seit 2015 für Werbebelange

ausbeutet und dies laut einem aktuellem

Bericht des Branchenmediums

Horizont mit messbarem Erfolg.

Wunderpen heißt das 2015 gegründete

Unternehmen, das Schreibrobotern

echte Stifte (Kulis oder Füller,

je nach Wunsch) in die Kralle

drückt. Die Roboter lassen die Tinte

viel schneller, geduldiger und auch

fehlerfreier fließen als jeder Mensch

dies könnte. Sodass kleine Varianzen

ins Schriftbild programmiertwurden,

um noch mehr Authentizität zu suggerieren.

Graphologen könnten daraus

Rückschlüsse auf die Persönlichkeit

und psychische Verfassung der

Roboter ziehen. Am Ende hat der

Kunde eine Karte imBriefkasten, die

von einer handgeschriebenen nicht

zu unterscheiden ist und entsprechend

sein Interesse für die unterzujubelndeWerbebotschaft

entfacht.

Wemdas noch nicht anrüchig genug

ist, der kann ein paar Zeilen in

einer dem Adressaten bekannten

Handschrift vorlegen, die der Roboter

nachahmt. Was für Möglichkeiten!

Es ließen sich fingiert-authentische

Liebesbriefe, Denunziationen

oder Beförderungsmitteilungen in

hoher Auflage verschicken − und

dramatischste Verwirrung stiften.

Deshalb unser Rat: Lesen Sie lieber

keine zweifelhaften Briefe −auch

wenn Ihnen die Schrift noch so bekannt

vorkommt, sondern die Texte

Ihrergedruckten Zeitung.Wiediesen

hier,der nur für Siegeschrieben und

gedruckt wurde.

VonArnoWidmann

Nie wieder Auschwitz

„Sucht nach uns“ heißt die neue Aktion des „Zentrums für Politische Schönheit“

Säule mit Asche aus den Verbrennungsöfen

DPA/CHRISTOPHE GATEAU

Zwischen Bundestag und

Bundeskanzleramt, dort

wo einst die Krolloper

stand, steht seit Montagmorgen

eine 2,5 Meter hohe und vier

Tonnen schwere Installation. In derenMitte

befindet sich eine Gedenksäule.Sie

enthält einen Bohrkernaus

einem der nationalsozialistischen

Vernichtungslager.Essind die Überreste

menschlicher Asche. Errichtet

wurde die Installation vomZentrum

für Politische Schönheit. Die Künstler

sind mehr als zwei Jahre lang einer

einzigen Frage nachgegangen:

Wasgeschah mit der Asche aus den

Verbrennungsöfen der Vernichtungslager?

Sie ist nicht verschwunden.

Sie ist in jedem der ehemaligen

Lager zu finden. DieÜberreste,die in

die Flüsse geworfen wurden, sind an

deren Biegungen angeschwemmt

worden und dort zusehen. In der

Asche sind kleine Knochenstücke.

Diesen Relikten begegnet man überall.

Das ist kein Geheimnis. Schüler

und Erwachsene haben immer wieder

kleine Knochenstücke aus dem

Boden der Vernichtungslager als Andenken

mitgenommen.

Das Zentrum für Politische

Schönheit hat sich jetzt erstmals systematisch

um die Frage gekümmert:

Wasgeschah nach der Verbrennung

mit der Asche? DasErgebnis ist nicht

nur das Denkmal und die es begleitende

Aktion, sondern auch eine

knapp siebzigseitige Broschüre, die

über den Umgang mit der Asche der

vernichteten Juden und anderer Naziopfer

informiert. Den Umgang der

Nazis damit und den heutigen Umgang:

„Auf den 37 Quadratkilometern

des Interessengebiets Auschwitz

befinden sich bis heute die

Überreste von dort ermordeten

Menschen. Dabei handelt es sich um

hunderte Tonnen menschlicher

Überreste, auf denen die Besucher

der Gedenkstätte Auschwitz täglich

umherschreiten, die heutigen Anwohner

auf den ehemaligen Wirtschaftshöfen

des Interessengebiets

spazieren gehen und in denen sie in

den Flüssen Sola und Weichsel sowie

in den Schwimmteichen bei Harmense

baden.“

DieKünstler des Zentrums haben

sich als erste der Aschenreste angenommen,

haben versucht aufzuklären,

was nach den Verbrennungen

von den Vernichteten übrig blieb,

nachdem auch noch ihre Überreste

zusammengestoßen worden waren.

Den Nazis ging es nicht um die Ermordung

der Juden. Sie wollten ihre

völlige Vernichtung. Es sollte eine

Welt ohne Juden geben, eine, inder

nichts mehr an Juden erinnerte. Ein

wahnsinniges Vorhaben, das scheiternmusste.

Das Zentrum erklärt: „An 23 Orten

in Deutschland, Polen und der

Ukraine wurden über 200 Proben genommen.

Laboruntersuchungen ergaben

in über 70 Prozent Hinweise

auf menschliche Überreste. Mitunter

lagen Knochen direkt unter der

Grasnarbe und ragten metertief in

einen Abgrund. Wir fanden Knochenkohle,sedimentierte

Asche und

menschliche Fragmente in den

Flussläufen der Weichsel, Zähne direkt

auf Feldern, Knochenreste in allen

erdenklichen Körnungsgrößen.

Es gibt dort kein Grab, keine letzte

Ruhestätte.“

Der in Berlin zu besichtigende

„Bohrkern“ führtuns vorAugen,was

wir hätten sehen oder uns hätten

denken können. Auschwitz, die systematische

Vernichtung, hat Spuren

hinterlassen. Oft muss nicht einmal

gegraben werden. Die Asche mit

Knochenüberresten darin lag und

liegt vielerorts vor uns auf dem Boden.

Die Nazis benutzten sie zum

Dammbau, zur Düngung, als Isolierungs-

und Frostschutzmittel und

sie warfen sie in die Flüsse.

Wir atmen die Asche der Verbrannten

ein. Nein, wir in Deutschland

tun das nicht. Die Verbrennungsöfen

standen nicht hier. Die

Nazis schafften die Asche nicht nach

Berlin. Dashat jetzt das Zentrum für

Politische Schönheit getan. Es konfrontiert

uns mit den Taten unserer

Großväter und mit unserem gar zu

lässigen Umgang mit ihnen. Die

Asche der Vernichteten in der Nähe

des Reichstages konfrontiert die Politik

und uns mit den Folgen unserer

Handlungen oder den Folgen unseresNichthandelns.

DieKrolloper,auf deren ehemaligem

Gelände die Installation steht,

war der Ort, in den das Parlament

nach dem Reichstagsbrand verlegt

wurde. Hier wurde der Übergang in

die rassistische Diktatur vollzogen.

Das Zentrum für Politische Schönheit

hilft uns wie schon bei seinen

früheren Aktionen mit schmerzhaften

Symbolen. Als zum Beispiel die

Kreuze der Mauertoten an die europäische

Ostgrenze verlegt wurden,

oder eine im Mittelmeer ertrunkene

Mutter in Berlin beerdigt wurde,ging

es darum, uns mit den Verbrechen,

die wir heute begehen, zu konfrontieren.

Die Künstler tun das, weil sie uns

in Bewegung setzen wollen. Es geht

ihnen darum, dass wir es nicht beim

Nachdenken, nicht beim Gedenken

belassen. Das meinen sie wohl mit

„Gedenken heißt kämpfen“. Die

Säule mit den Überresten der Ermordeten

schockiert uns. Sie stellt uns

ein Stück der Wirklichkeit der Vernichtung

vordie Augen. Wirerschrecken.

Wenn das Gedenken uns nicht

hilft, eine Wiederholung der Verbrechen

von damals zu verhindern, ist

es ganz und gar sinnlos,nichts als ein

überflüssiges Ritual. „Nie wieder

Auschwitz“ sollte,daran erinnertuns

das Zentrum für Politische Schönheit

–diesmal mit der Asche der von

unseren Großvätern Verbrannten –,

die Maxime unseres Handelns sein.

Das Denkmal ist noch bis 7. Dezember

zu sehen. Danach erlischt

die Genehmigung. Die Säule sollte

bleiben. Wirbrauchen sie.

NACHRICHTEN

Externe Experten verlassen

Literaturnobelpreis-Jury

Zwei externe Experten des Nobelkomitees

der Schwedischen Akademie

räumen nach nur knapp einem Jahr

ihrePosten. Diebeiden Schriftsteller

Gun-Britt Sundström und Kristoffer

Leandoer hätten mitgeteilt, das Komitee

vorder Arbeit an der Literaturnobelpreisvergabe

im kommenden

Jahr zu verlassen, teilte die Akademie

am Montag mit. Leandoer begründete

seinen Entschluss mit unterschiedlichen

Auffassungen darüber,

wie schnell der Veränderungsprozess

bei der Akademie nach dem

Skandaljahr 2018 vonstattengehen

müsse.Während ein Jahr in seinem

Leben eine lange Zeit sei, sei es in der

Akademie nur eine kurze. (dpa)

Deutsche Welle bekommt

neue Chefredakteurin

DieDeutsche Welle (DW)bekommt

eine neue Chefredakteurin. Manuela

Kasper-Claridge,bisher Stellvertreterin,

wirdimMai 2020 die Nachfolge

vonInes Pohl antreten, wie der

Auslandssender der Bundesrepublik

am Montag in Bonn mitteilte.Pohl

wechsle nach drei Jahren im Amt als

Studioleiterin zurück nach Washington.

Seit Oktober 2017 ist Kasper-

Claridge stellvertretende Chefredakteurin

der Deutschen Welle.Zudem

leitet sie die Abteilung Wirtschaft,

Wissenschaft und Umwelt. (dpa)

Nobelpreisträgerin Olga

Tokarczuk gründet Stiftung

Diepolnische Literaturnobelpreisträgerin

Olga Tokarczuk (57) hat mit

einem Teil ihres Preisgeldes eine Stiftung

zur Förderung vonKunst und

Kultur gegründet. Siewerde der Stiftung

umgerechnet rund 82 000 Euro

zur Verfügung stellen, sagte Tokarczuk

laut Nachrichtenagentur PAPam

Montag in Breslau. „Wir wollen auch

die Beteiligung vonFrauen am kulturellen

und gesellschaftlichen Leben

fördernund wissenschaftliche

Untersuchungen zum Feminismus

unterstützen“, so die Schriftstellerin.

In den Ratihrer Stiftung habe sie bereits

die polnische Filmregisseurin

Agnieszka Holland sowie den Direktor

des Literaturhauses in Breslau,

Irek Grin, berufen. (dpa)

UNTERM

Strich

Meine Tiere

Das letzte

Ringen

VonHilal Sezgin

Vergangene Woche musste ich zusehen,

wie ein altes Schaf zusammenbrach und

starb. Dass es an Leukämie litt, war bereits

bekannt gewesen; dennoch hatte sich nicht

absehen lassen, dass es so rasch und plötzlich

sterben würde.

„Es starb an Leukämie“ −das hörtsich so

simpel an, wie ein überschaubarer Vorgang.

Wenn man nicht oft mit dem Todzutun hat,

stellt man ihn sich meist wie eine Artsukzessives

Abschalten vor; etwas im Körper funktioniertnicht

mehr,und irgendwann stellt er

das Funktionieren ganz ein. Wenn man

Glück hat,„geht es schnell“, und dieses Schaf

–eskäme mir irgendwie indiskret vor, seinen

Namen zu nennen – starb relativ schnell.

Und doch: Fast jedes Sterben ist ein Sich-

Quälen, ist ein Ringen. Es ist keine Freude,

dabei zuzusehen. Kein Mensch, dessen Herz

auch nur halbwegs am rechten Fleck sitzt,

sieht gern, wie sich ein anderes fühlendes

Wesen quält und stirbt.

Doch da sind nun auch die Jäger. Heute

streifen sie durch den benachbarten Wald;

vom Schreibtisch aus kann –muss! −ich einen

von ihnen in seiner Warnweste sehen;

mit dem Gewehr steht er auf einem Holzstapel

und wartet, dass ihm Hunde und Männer

Tiere vor die Flinte treiben. Zigmal hat es

heute schon ohrenbetäubend geknallt –jeder

Schuss ein Tod, eine Verletzung, ein

Streifschuss vielleicht.

Auch das Erschossenwerden auf der Jagd

stellen sich Uneingeweihte als schnellen

Todvor, als relativ leicht. Doch selbst wenn

sie „richtig“ getroffen werden, fallen Tiere

nicht einfach tot um. Körper lassen sich

nicht einfach so abschalten; sie taumeln

HENDRIK JONAS

und kreiseln und bäumen sich auf. Es wird

geschätzt, dass mindestens ein Drittel aller

Schüsse nicht tödlich sind. Viele Tiere

schleppen sich stunden- und manche tagelang

schwer verletzt davon.

Ich sehe durch das Fenster diesen Mann

mit der Flinte und ertappe mich bei Gedanken,

die ich mir nicht erlauben möchte. Ich

beschimpfe ihn im Geiste mit Wörtern, die

mir nicht wirklich über die Lippen gehen.

Wieso ist es überhaupt erlaubt, 50 Meter neben

einem Wohnhaus zu schießen? Daswird

durch das deutsche Jagdrecht geregelt; nicht

einmal eine Absperrung ist nötig. Jedes Jahr

treffen Kugeln aus Jagdgewehren Spaziergänger,

Autos, Fensterscheiben von Wohnhäusern.

Manchmal treffen sie auch einen

anderen Jäger. Müsste mich das genauso

traurig stimmen, wie wenn ein Unbeteiligter

angeschossen wird? IstesinOrdnung, daran

zu erinnern, dass dieses Jagdopfer allerdings

kein Unschuldiger ist, dass er selber es als legitimes

Freizeitverhalten ansieht, mit dem

Gewehr zu verletzen und zu töten? Aber wem

hilft es, wenn jetzt ein Jäger im Krankenhaus

liegt? Ich möchte kein Mensch werden, der

sich schadenfroh die Hände reibt. Ichmöchte

nicht vonder Wutaufgefressen werden. Aber

das Gefühl der Ohnmacht drückt mich nieder,

da kann ich machen, was ich will.

Eben wieder eine Explosion. Ein Jagdhund

läuft vorm Haus vorbei. Wildschweine

und Rehe hetzen über die Wiesen unddurch

den Wald. Es ist ein Inferno für alle Tiere, die

gute Ohren haben und den Willen zu leben.

Wieeine KatzeanSilvester möchte ich mich

am liebsten unterm Sofa verkriechen. Auf

meiner Wildkamera, mit der ich die nächtlichen

Besucher meines Gartens beobachte,

habe ich vorein paar Tagen einen verwundeten

Fuchs gesehen; ich hoffe,erhat für heute

ein besseres Versteck gefunden als ich.


20 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Feuilleton

In der herbstlichen –mithin wenigstens farbschönen –Wüstenei der szenischen Darstellung:Ivan Magrì als Alfredo

IMAGO /MARTIN MÜLLER

Vomvölligen Fehlen der Form

Nicola Raab inszenierte eine neue „La traviata“ an der Komischen Oper –die von Hans Neuenfels musste dafür aus dem Repertoire weichen

VonPeter Uehling

Die neue „Traviata“ an der

Komischen Oper beginnt

unversehens.

Noch bei brennendem

Saallicht dringt elektronisch manipulierte

Verdi-Musik von der Bühne

und mit einem Mal steht da eine

Frau, die anscheinend aus der Stadt

heimkommt, die ersten Streicherakkorde

erklingen, dann winkt der Generalmusikdirektor

Ainars Rubikis

das Orchester der Komischen Oper

wieder ab.Die Frau entnimmt einem

Umschlag Röntgenbilder ihrer

Lunge. Die Musik geht weiter, die

Frau fährt ihren Rechner hoch. Bilder

werden projiziert, Bilder ihrer

Lunge, Bilder ihrer Träume von

Liebe, Bilder ihrer Arbeit. Um diese

letzte Projektion ihres Oberkörpers

in Korsage richtig zu verstehen,

muss man das Programmheft gelesen

haben, in dem die Regisseurin

Nicola Raab erklärt, dass Violetta

eine Sexarbeiterin im Internet ist.

Wenn sie da auf ihrem Bürodrehstuhl

sitzt, würde man das nicht unbedingt

vermuten –wer zahlt Geld

für den Anblick angezogener Frauen

auf Bürodrehstühlen?

In Berliner Opernpremieren

muss man zur Zeit sehr stark sein.

Nach der Uraufführung von Chaya

Czernowins prätenziös leerer „Heart

Chamber“ an der Deutschen Oper

und dem in den Ofen geschossenen

Sandalenfilm-„Samson“ an der

Staatsoper kommt nun eine der

weltweit meistgespielten Opern als

extra-langweilige Inszenierungssimulation.

DieIdee einer „Aktualisierung“

der Kurtisane Violetta als Online-Stripperin

ist so naheliegend

und banal, dass man sie als Regisseur

eigentlich sofort vom Notizblock

streichen muss.Nicht nur,weil

daraus keine Erkenntnis folgt. Wie

Filmregisseure schon vor vielen Jahrengemerkt

haben, entzieht sich die

digitale Welt weitgehend der Visualisierung,

und das gilt für die Bühne in

noch höherem Maße als für das bewegliche

Auge der Kamera.

Kunstgriff als Alibi

Und somuss Nicole Raab das, was

dann in der Oper namens „La traviata“

geschieht, als Traum Violettas

ausgeben. Damit ist nun vollends gar

nichts gewonnen, denn dieser

Traum unterscheidet sich von der

Oper praktisch nicht. Der Raabsche

Kunstgriff hat nur einen Vorteil: Er

rechtfertigt sich auf dem Papier als

inhaltliche Deutung und fühlt sich

damit von der Bewältigung der dramatischen

Form entbunden, denn

man bietet scheinbar Wesentlicheres.

Dasaber schlägt im Ergebnis mit

Spannungslosigkeit und Langeweile

zurück.

Wäre die „Traviata“ substanziell

so öde, wie sie hier erscheint, sie

hätte ihren Siegeszug durch die

Opernhäuser nicht antreten können.

Für das Fehlen formalen Bewusstseins

musste eine Zeitlang und immer

wieder eine szenische Metapher

einstehen –auch diese gibt es hier

nicht. Die Ziegelwand markiert einen

unbestimmten Ort, ebenso die

gerasterte Scheibenwand, die mal

näher, mal ferner dem Bühnenrand

aufgestellt wird.

Fehlt Fantasie, sollte das Handwerk

stimmen –doch auch davon

mag man nicht sprechen. Nicola

Raab hat viel in Wien inszeniert, in

Finnland, in Moskau, in Chicago und

Los Angeles –abgesehen von einer

Produktion in ihrer Geburtsstadt Regensburg

ist dies ihre erste Arbeit in

Deutschland. Dass ihretwegen eine

„Traviata“ von Neuenfels aus dem

Repertoiregenommen wird, ist nicht

leicht zu verstehen. Musikalisch ist

die Aufführung nicht so schlecht.

Rubikis dirigiert das Werk ohne Sen-

timent, trocken im guten, knackigen

Sinn. Das spiegelt die Differenzierungen

der Partitur nicht immer im

vollen Umfang wider, dafür klingt es

allerdings auch nicht so abgespielt,

wie man es oft erlebt. Auch der von

David Cavelius einstudierte Chor

zeigt sich in sehr guter Form, inder

Tongebung wesentlich schlanker, in

der Intonation sicherer als die Chöre

der anderen Häuser.

Dass in italienischer Sprache gesungen

wird, nimmt man an der Komischen

Oper schon kaum noch zur

Kenntnis,und hier,wosich ein engerer

Bezug zwischen Text und Inszenierung

kaum erkennen lässt, ist es

womöglich auch vonVorteil. Für die

Titelrolle konnte man mit Natalya

Pavlova eine Sängerin gewinnen, die

bis 2017 am Opernstudio des Mariinsky-Theaters

gelernt hat. Siebringt

eine jugendliche, beinah fruchtig zu

nennende Stimme mit und gibt der

Aufführung vokalen Glanz, der sich

von der Wüstenei der szenischen

Darstellung nicht vollständig ersticken

lässt.

Ivan Magrì als Alfredo indes neigt

zu aufgerissen-trompetenhaften Tönen,

und auch mit Günter Papendell

in der Rolle des Vaters wird man in

dieser Produktion nicht ganz froh; er

verbleibt in einer dumpfen Tongebung,

aber auch darin erkennt man

die Verlassenheit von einer sinnvollen

Personenführung: Die Herren

können die Plattheiten ihrer so verstandenen

Rollen nicht durch Gestaltung

wettmachen. DasPublikum

feiert dennoch seine Lieblinge –

während beim Auftritt der Regisseurinweder

Protest noch Zustimmung

laut werden und der Applaus plötzlich

eigentümlich hohl klingt.

Guiseppe Verdi: „Latraviata“,7., 13., 17., 20.,

23.,25. und 28.Dezember, 19. 30 Uhr,KomischeOper,Behrenstr.55–57,Karten

unter Telefon

47 99 74 00.

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Großes Berliner Weihnachtsfestkonzert 2019

Donnerstag, 26. Dezember 2019 |20Uhr |Konzerthaus Berlin, Großer Saal

Die Anhaltische Philharmonie präsentiert alljährlich im großen Saal des Konzerthauses ein Weihnachtsfestkonzert von höchster Qualität mit

preisgekrönten Solisten. Dieses Jahr bringt das Orchester die mehrfach preisgekrönte Pianistin Evgenia Rubinova mit. Sie ist in Felix Mendelssohn

Bartholdys Klavierkonzert Nr. 1g-Moll op. 25zuerleben. Des Weiteren erklingen die Sinfonie Nr. 103 Es-Dur „Mit dem Paukenwirbel“ von

Haydn sowie die Sinfonie Nr. 7d-Moll op. 70 von Dvořák.

Christmas Harmonists –Weihnachtslieder &Hits der Comedian Harmonists

Montag, 23. Dezember 2019 |20Uhr |Konzerthaus Berlin, Großer Saal

Das Solistenensemble Berlin Singsmen führt Sie in einen musikalischen Weihnachtstraum. Moderiert vom niederländischen Schauspieler und

Moderator Paul Hörmann erleben Sie die unvergessenen Hits der Comedian Harmonists und die schönsten Weihnachtslieder. Begleitet vom

Orpheus Salon Orchester erwartet Sie ein kurzweiliger Abend in der bezaubernden Atmosphäre des Konzerthauses.

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Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 21

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Feuilleton

Realismus

aus der

Nudelküche

„Skylight“ von David Hare

im Schillertheater

VonJanis El-Bira

Wie viel symbolisches Potenzial

passt in einen Topf Spaghetti

Bolognese? In „Skylight“, mit dem

der britische Edeldramatiker David

Hare seit der Londoner Premiere

1995 Erfolge feiert, lautet die Antwort:

jede Menge.Bis hin zum steinharten

Parmesankäse, der von den

ungleichen Klassenverhältnissen

zwischen Liebenden erzählen will.

„Skylight“ ist ein kleiner Klassiker

des jüngeren britischen Theaters

und ein Spätausläufer des dort in

den Fünfzigern und Sechzigern als

„kitchen sink“ („Spülbecken“) bekannt

gewordenen sozialen Realismus.Deshalb

wirddas Pasta-Gericht

–wie immer, wenn dieses Stück gespielt

wird–auch bei der Premierein

der Kudamm-Komödie tatsächlich

live gekocht. Schwerer Zwiebel-Tomaten-Dunst

wabert in der ersten

Hälfte des Abends von der filmreif

naturalistischen Bühne in die Reihen

des Schillertheaters.

Kaum Eindruck macht das auf

Tom(Dominic Raacke), einen vermögenden

Gastronomen, der in einer eisigen

Winternacht seine frühere Geliebte

Kyra (Henriette Richter-Röhl)

in ihrer heruntergekommenen Wohnung

im Londoner Osten besucht.

Ein Wiedersehen nach Jahren, eine

Kollision von Welten und Anschauungen.

Längst hat Kyra sich vom Luxusleben

mit Tomverabschiedet und

unterrichtet nun an einer Problemschule.

Es geht um Schuld (Toms

Frau verstarb an Krebs) und vertane

Chancen, um soziale Ungerechtigkeit,

die Liebe in Zeiten des Spät-

Thatcherismus und die Ideale von

NewLabour,die Kyra mit rotwangiger

Emphase verkörpert.

Tomund Kyra (Dominic Raacke, Henriette

Richter-Röhl) in der Küche. IMAGO/FREDERIC KERN

So wirkt „Skylight“ ein bisschen

wie ein Historienstück aus den britischen

Neunzigern, dem das Altern

nicht überall gut bekommen ist. Was

auch daran liegt, dass David Hare

seine Texte von den Theatern nicht

frisch zubereiten, sondernlieber behutsam

aufwärmen lässt. Regisseur

Tobias Wellemeyer zeigt sich entsprechend

als Vertreter einer gutbürgerlichen

Literaturtheaterküche,

wenn er Hares Stück bis ins vielzitierte

und hoffnungslos anachronistische

„Branchenverzeichnis“ folgt,

aus dem Tomdas Mobiliar für sein

Leben zusammenbestellt. Das fernsehgestählte

Darstellerpaar hält

Wellemeyer dabei an der ganz kurzenLeine

–als gäbe es irgendwo eine

Kamera, die stärksten Momente einzufangen.

Aber der fugendichte Naturalismus

dieses Kammerspiels lastet

schwer,weil sich die Verhältnisse verschoben

haben. Der gefallene Engel

aus besseren Kreisen, der wie Kyra

das Authentische der „einfachen

Leute“ sucht, stünde heute unter Paternalismusverdacht.

Etwas davon

ahnte Hare schon 1995, wenn Tom

Kyras Reinwaschungsstrategien sekundenkurzzudurchblicken

scheint.

Am Ende aber triumphiert die gute

Tat: der ehrliche Teller Nudeln.

Skylight ensuite bis 29. Dez., KomödieimSchillertheater,

Karten &Termine: komoedie-berlin.de

Pollocks Pate

„Zwischen-Welten“ -Der französische Surrealist André Masson in den Chemnitzer Kunstsammlungen

VonIngeborg Ruthe

Chemnitz, in der öffentlichen

Wahrnehmung seit

2018 bekanntlich eine

Stadt der gesellschaftspolitischen

Gegensätze, mit vielen

Menschen, die mutig gegen Rechtsradikalismus

und Fremdenfeindlichkeit

angehen, will 2025 europäische

Kulturhauptstadt werden. In

vorderster Reihe stehen dabei die

Kunstsammlungen.

Hier wird es europäisch, hier

taucht man in die folgenreiche

Avantgarde-Kunst gerade der Franzosen

ab den Zwanzigerjahren des

Jahrhunderts der Moderne ein. Damit

setzt der junge Generaldirektor

Frédéric Bußmann fort, was seine

Vorgängerin Ingrid Mössinger erfolgreich

begann. Soeben ist das Lebenswerk

eines der eigensinnigsten

Surrealisten ausgebreitet: André

Masson (1896–1987), der es freilich

bloß fünf Jahre imKreis von André

Breton aushielt, dann seiner eigenen

Wege ging –und doch sein Leben

lang Surrealist blieb.

Der Bauernsohn von der Île de

France bestätigt die ketzerische Feststellung,

dass große Talente nicht

selten aus ländlichen Gegenden

stammen. Massons Halbbruder war

übrigens der Psychoanalytiker Jaques

Lacan (1901–1981). Masson

war Maler, Illustrator, Literat und

Bühnenbildner. Erhatte an Akademien

in Brüssel und Paris studiert

und wurde im Ersten Weltkrieg

schwer verletzt. Früh geriet er in den

Kreis der Surrealisten, deren Einfluss

er sich jedoch immer wieder entzog.

1942 floh er mit seiner jüdischen

Frau vor der deutschen Besatzung

nach NewYorkund kehrte 1946 nach

Pariszurück.

Die soehrgeizige, lehrreiche wie

sinnliche Schau beginnt mit Bildern

ab 1922. Was noch wie psychedelischer

Symbolismus wirkt, nimmt zusehends

Formen des Kubismus auf.

1924 schloss Masson sich den Surrealisten

an. Ihn faszinierte die Wirkung

des Psychologischen auf die

Kunst: Körper, Pflanzen, Insekten,

spitzebedrohliche Gegenstände versinken

im Mal-Strudel. Alles sehr

mythologisch. Offenbar war sein

Grundthema Bewegung, Angst, Gewalt.

Dann fertigte Masson Zeichnungen

wie mit automatisierten Linien

an. Bald darauf erfand er Bilder

aus Leim und Sand. Aber schon fünf

Jahre später distanzierte er sich von

der surrealistischen Bewegung, in

VonJohannes von Weizsäcker

Viele modische junge Menschen

waren am Sonntagabend in das

in einem ehemaligen Krematorium

angesiedelte Kulturzentrum Silent

Green in Berlin-Wedding gekommen,

um zum Ausklang des Wochenendes

der Musik gewordenen

Unsicherheit von modischen Menschen

in ihren Zwanzigern zu

lauschen. Zerrissen, leer, bedrohlich,

schön und fragmentiert klang

diese, so wie die britische Post-

R’n’B-Sängerin Tirzah und ihre Begleitmusiker

sie bei wenig bis gar

keinem Bühnenlicht präsentierten.

Tirzah, die bereits mit Erscheinen

ihrer ersten EP vorsechs Jahren

als Zukunftshoffnung gehandelt

wurde, schien sich danach auf ein

äußerst sympathisches Desinteresse

an Karriere verlegt zu haben –

schlussendlich erschien ihr Debütalbum

„Devotion“ dann im vergangenen

Jahr.

Darauf singt Tirzah Lieder über

Verlust und Hoffnung in die Düsternis

wackeliger Klangräume hinein;

die Entschleunigung und Desorientierung

dieses Albums kann man

„Porträt des Poeten Heinrich von Kleist“, 1939 PRIVATSAMMLUNG/ VG BILDKUNST BONN 2019

Frühes Action Painting: „Massaker“, 1931 PRIVATSAMMLUNG PIETZSCH/ VG BILDKUNST BONN 2019

Versüßte Hoffnungslosigkeit

der fest daran geglaubt wurde, dass

Kunst die Welt verändern könne.

Ihmwiderstrebte auch Bretons autoritäres

Gehabe. Lieber hielt sich

Masson an Bataille, der die „Dissidenten“

unter den Surrealisten Anfang

der 30er-Jahreumsich scharte.

Damals, 1931, entstand „Massaker“

(Leihgabe der Berliner Sammlung

Pietzsch). „Der Tod erscheint

nicht mehr in Gestalt von Grabmälern,

sondern inForm von Phantasmagorien“,

notierte Masson, fast wie

die Vorahnung der Gräuel, die bald

darauf mit der Machtergreifung der

Nazis in Deutschland und im Spanischen

Bürgerkrieg geschahen. Sein

kurzer Aufenthalt auf der iberischen

Halbinsel endete 1936 abrupt. Zurück

in Paris und wieder im Kontakt

mit den Surrealisten, malte er die

„Labyrinth“-Motive und abermals

„automatische“ Bilder, auch „Augenblicksmalerei“

genannt.

Im Porträt des Dichters Heinrich

vonKleist, 1939, kulminieren alle bis

dahin ausprobierten Stilismen: Symbolismus,

Fauvismus, Kubismus,

Surrealismus,Automatismus.ImExil

in den USA malte er 1944 die große

Tafel „Résistance“, unübersehbar

eine Korrespondenz mit Picassos

„Guernica“. Nach dem Krieg zurück

in Paris, entdeckt Masson die Kalligrafie

und die fernöstliche Zen-Philosophie

für sich. 1955 und 1964 lud

ihn die Documenta Kassel ein.

Dieser Maler der Brüche, wie die

Chemnitzer Schau es belegt, blieb

bis zu seinem TodSurrealist. Waser

erfand, auf Leinwand setzte oder als

Plastiken formte, war wie eine Vorwegnahme,

zugleich Übertragung.

Anders als die meisten Surrealisten

benutzte Masson kein Zeichensystem,

unterlag seine Bildsprache keiner

Bedeutungslast. Er selbst nannte

das „die Haaresbreite“ zwischen Vision

und Umsetzung. Der Akt des

Malens war bei ihm vomTempo bestimmt:

Er spuckte Tinte auf die

Leinwand, bewarf sie mit colordurchtränkten

Lappen, kippte Farbe

aus und ließ sie hin- und herlaufen.

Er war kein „Abstrakter“, aber er

wollte die „unbedingte Spontaneität“,

wollte „die Materie ihrer Trägheit

entreißen“. Das erklärt die Wirkung

Massons im NewYorker Exil auf

den jungen Amerikaner Jackson Pollock.

So wurde der Franzose wohl der

Pate vom Action Painting, dem Abstrakten

Expressionismus.

Kunstsammlungen Chemnitz Theaterplatz 1.

Bis 12.1., Di, Do–So 11–18/Mi14–21 Uhr.

Musik für modische junge Menschen: Die britische Musikerin Tirzah trat im Silent Green auf

Drängte sich als Hauptsongautorin gar nicht in den Vordergrund: Tirzah

sich als eine ArtTrip-Hop für Millenials

vorstellen. Maßgeblich daran

beteiligt ist die Produzentin, Tirzahs

Schulfreundin Mica Levi, die bereits

als Teenagerin gegen Ende der Nullerjahreals

Micachu and the Shapes

auf sich aufmerksam machte, unter

anderem indem sie ihre klassische

Gitarre extrem verzerrte, sich selbst

gerne auf der Bühne mit einem

Live-Staubsauger begleitete und

ROLAND OWSNITZKI

das alles aber in Popliedform bewahrte.

Wie stets wurde Tirzah auch am

Sonntagabend von Mica Levi sowie

dem Musiker und Sänger Coby Sey

unterstützt, letzterer sang die Zeile

„Solisten to me“, die sich durch den

Titelsong von Tirzahs Album zieht,

beinahe noch brüchiger als auf der

Aufnahme. Und Levis merkwürdig

zerdehnte und durch die Effekt-

mangel gedrehte Klavierarpeggien

wirkten noch entrückter.Vom Basswummern

und Minimalklackern

der sparsamen Beats ganz zu

schweigen –eines der besonderen

Highlights, das Stück „Fine again“,

kam sogar komplett ohne Beats aus

und entfaltete zu Tirzahs durchaus

hoffnungsvoll tremolierenden Ichbin-immer-für-dich-da-Bekennungen

einen apokalyptischen Einsamkeitskontrast.

Überhaupt toll, wie Tirzah als

Hauptsongautorin gar nicht daran

gelegen war,imVordergrund zu stehen,

gerne ließ sie ihren beiden

Freunden auf der Bühne Raum und

streichelte dafür ein bisschen auf

Bongos oderWindspiel herum. Zum

Ende des letzten Stückes„Affection“

verließ sie vorzeitig die Bühne,während

Levi und Sey das vormals

durch einen einzigen sich wiederholenden

Klavierakkord strukturierte

Stück in eine beinah versöhnlich

ratternde Club-Sache fortführten,

die die jungen Menschen dann

allerdings doch, ohne Zugabe, in

eine leicht versüßte Hoffnungslosigkeit

entließ. So klingt Leben als

Musik.

Wieman

mit Gefühl

einkauft

Philipp Weber zerlegt

Werbung in der Ufa-Fabrik

VonTorsten Wahl

Nur zehn Prozent unserer Käufe

dienen essentiellen Bedürfnissen,

erklärt Philipp Weber –und in

diesen Wochen dürften es noch viel

weniger sein. Ein Kabarett-Programm

über die Mechanismen des

Marketings passt zur Vorweihnachtszeit

besonders gut. Der aus

dem Odenwald stammende Weber

spielt das Thema zunächst an der eigenen

Profession durch. Zwar will er

als aufklärerischer Kabarettist natürlich

kein „Büttel des internationalen

Konsumkapitals“ sein, aber auch er

muss ja Publikum locken. In Süddeutschland

tritt Philipp Weber in

großen Häusernauf, im Norden ist er

bisher Geheimtipp geblieben.

Mit dem Titel seines fünften Programms

„No5–Ich liebe ihn“ bedient

er sich er bei der Werbung vonChanel

bis McDonald’s. Dabei hat er sich

längst einen eigenen Ruf erarbeitet.

Der Naturwissenschaftler,

der

Abschlüsse in

Biologie und

Chemie hat, gilt

als der Verbraucherschützer

unter

den Kabarettisten

und hatte

sich zuvor Der Kabarettist

ebenso lustvoll Philipp Weber

wie lustig mit Essen

und Trinken auseinandergesetzt.

Auch in seinem aktuellen Programm

reibt er sich nicht nur an besonders

nervenden, hohlen oder aggressiven

Werbesprüchen, sondern

erklärt die neuro-anatomischen

Hintergründe. Da steigt der Zuschauer

in die Maslowsche Bedürfnispyramide

ein und erfährt, warum

die Emotionen zwar massiv den Verstand

beeinflussen –aber der Verstand

kaum die Gefühle.

Philipp Weber, der ununterbrochen

babbelnd und giggelnd über

die Bühne tigert, echauffiert sich

nicht nur über Paula, die rappende

Pudding-Kuh von Dr. Oetker, sondernplädiertfür

ein Verbot vonWerbung,

die sich an unter Zwölfjährige

richtet. Die Wirkung von Werbung

auf Erwachsene demonstriert er

gern ansich selbst. Als Küchengeräte-Fetischist

zählt er auf, warum er

so viele Arten von Milchschäumern

und ein 45-teiliges Messerset haben

muss,mit Messernzur „Lardieren“.

Am Beispiel der Pharma-Industrie

zeigt er auf, wie über das Marketing

neue Medikamente eingeführt

werden. Um „rosa Viagra“ für die

Frau zu verkaufen, musste zuvor„sexuelle

Unlust“ zur Krankheit gemacht

werden. Dabei ist der konsumkritische

Weber immer ein politischer

Kopf geblieben, denn mit

Verlustängsten lassen sich ja nicht

nur Produkte verkaufen; und Parteien,

die „Sicherheit“ anbieten, sind

meist erfolgreicher als jene,die „Gerechtigkeit“

versprechen. Nur wenige

Kabarettisten schaffen es, nicht

nur die Lachmuskeln im Bauch, sondern

auch gleichermaßen das Hirn

anzusprechen.

INKA MEYER

TOP 10

Sonntag,1.Dezember

1 Tatort ARD 9,14 26 %

2 Tagesschau ARD 6,24 19 %

3 Terra X ZDF 4,82 15 %

4 Rosamunde Pilcher ZDF 4,68 13 %

5 heute-journal ZDF 4,42 14 %

6 RTL aktuell RTL 3,67 14 %

7 Anne Will ARD 3,52 12 %

8 Berlin direkt ZDF 3,42 12 %

9 heute ZDF 3,31 12 %

10 Formel 1 RTL 3,26 20 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Passagier 23

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Un ballo in maschera

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30: Das Missverständnis

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Bande áPart–Tanzbare Veranstaltung für

Außenseiter:Falling in Love (Noemi VLevovnik, Kenny

Stenger)

HAU3(✆25 90 04 27)

11.00: Der Klang der Sehenswürdigkeiten (Kulturklasse

der Fritz-Karsen-Schule)

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Der Revisor

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Skylight

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Die Gerechten

20.30 Studio: Oder:Duverdienst deinen Krieg (Eight

Soldiers Moonsick)

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.30 Glaspalast: Rapunzel /Der Teufel mit dendrei

goldenen Haaren (Hexenberg Ensemble)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Die Anderen

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

19.00: Freischwimmer*innen–The Future is Female*:

Angry Hour (Tiina Sööt, Dorothea Zeyringer)

20.30: Freischwimmer*innen –The Future is Female*:

Wild Bore (Zoë Coombs Marr, Ursula Martinez,

Adrienne Truscott)

Staatsoper Unter denLinden (✆ 20 35 45 55)

19.00: Samson et Dalila

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

19.30: suiteMinimale

Theater Lichterfelde (✆ 84 31 46 46)

10.00: Der Weihnachtshase (Theater Vagabunt).

Anm. erf.

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

19.30: Der Untertan

KABARETT/VARIETÉ

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: AusJux und Dollerei

(Genz &Hausmann)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die Zukunft istkeinPonyhof (Studio-Ensemble)

20.00: Zirkus Angela

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Habel am Reichstag (✆ 28 09 84 84)

19.00: Der Lametta-Mörder –Dinner-Krimi (Ensemble

artdeshauses). Anm. erf.

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Soda (✆ 44 31 51 55)

18.00, 20.00 Salon: close-up-club: Zauberkunst,

erstaunlich, anders. Anm. erf.

LaLuz (✆ 45 08 92 30)

19.30Theater-Restaurant: La Famiglia –Dinner-Komödie

(Claudio Maniscalco, Pascale Camele,

SantiagoZiesmer,Swinging Rossinis, Cara Ciutan

u. a.)

Palazzo (✆ 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Wermit wem? (TheatersportBerlin)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Strictly Stand Up –The English ComedyNight

(hosted by Christian Schulte-Loh)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: MammaMia!–Das Musical mit denHits

vonABBA

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: So, als ob du schwebtest (Ursli &Toni Pfister

als Cindy&Bert)

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Zauber Zauber –Nichts ist, wie es scheint

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Heinz Becker:DOD –Das Leben ist das Ende

(Gerd Dudenhöffer)

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00Gr. Saal: Bach-Chor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche,

Kammerorchester Capella

Amadeus, Ltg.Chih-Yin Huang-Niemand, Alexander

Malter (Klavier), Glinka: Ouvertüre zur Oper „Ruslan

und Ludmila“; Grieg: Konzertfür Klavier und Orchester

a-Moll op. 16; Bach: Magnificat für Soli, Chor und

Orchester D-Dur –Benefizkonzertdes Fördervereins

der Kirchlichen TelefonSeelsorgeBerlin-Brandenburg

20.00 Kl. Saal: Ensemble Korea (Ensemble Nabiya,

Gyeonggi Gayageum Ensemble), Ltg.Joongbae Jee,

Festival für koreanische Neue Musik, Jin Han: „Soul

Gate“; Bonknam Lee: „Traum des Golddrachen“ für

4Gayageum; Dae-sung Kim:„Silk-fog“ fürDaegeum

und Gayageum; SangukKim: Nailing Sounds; Min

Hee Yu:Eine Ballade fürFrida Kahlo –„Prayerfor the

Afflicted Soul“; Gui Sook Lee: GeomungoinSudeoksa

Temple; Sophie Youjung Lee: The faraway, Nearby

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Martin Stegner (Viola), Taneli Turunen

(Violoncello), EskoLaine (Kontrabass), Lunchkonzert,

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen in

Bearbeitung fürStreichtrio

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

19.15: Einführung (Avi Avital, Venice Baroque

Orchestra)

20.00: Avi Avital (Mandoline) und das Venice

Baroque Orchestra, Vivaldi: Concerto für Streicher

und Basso continuo C-Dur,Sinfonia d-Moll, Concerto

für Laute, zwei Violinen und Basso continuo D-Dur,

Concerto für Violine, Streicher und Basso continuo

a-Moll; B. Marcello: Sinfonia Nr.3G-Dur für Streicher

und Basso continuo; F. Geminiani: Concerto grosso

für Streicher und Basso continuod-Moll „La Follia“

nach A. Corellis Violinsonate op. 5Nr. 12 u. a.

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00: 48. Tonkünstlerkonzertmit Jingyi Cao (Flöte),

Detlef Bensmann, Moyi Chen,Friedemann Graef,

Michele Leisibach (Saxophon),Markus Wenz (Klavier)

u. a., Kompositionen vonFriedemann Graef, Wolfgang

Jacobi, Johann Sebastian Bach, RobertSchumann

u. a.

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

9.30, 11.30 Studio: Des Kaisers neue Kleider (ab

5J.)

10.30: Albirea –Nur ein Kind kann die Welt retten,

Fantasy-Singspiel mit Video-Mapping,Kammerorchester

und Chor (ab10J.)

Bali (✆ 811 46 78)

11.00: The Clown Who Lost His Circus, Platypus

Theater,English Children’s Theatrezum Mitmachen

(ab 3bis 9J.). Anm. erf.

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ beiCABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

Dasweite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: Peter und derWolf, Gastspiel Theater des

Lachens, FFO,musikalisches Märchen (ab 4J.)

Lesung

Lied

des

Landeskindes

Die Vertretungen der Bundesländer

in Berlin haben

es auch nicht leicht. Natürlich

erwartet ihr Heimatland von

ihnen ein Kulturprogramm,

mit dem sie die hessische oder

mecklenburg-vorpommersche

oder sachsen-anhaltinische

Kultur der Hauptstadt ordentlich

unter die Nase reiben.

Andererseits tragen sie damit

nicht nur sowieso Eulen nach

Athen, sondernoft sogar Athener

Eulen, denn die meisten

Kulturschaffenden deutscher

Sprache leben nun mal bereits

hier, egal, woher sie kommen,

zumindest eine Zeitlang und

vor allem, wenn sie jung sind.

Maren Kames etwa, 1984 am

Bodensee geboren –„lebt als

freie Autorin in Berlin“, steht

auf ihrer Website. Wir würden

sie also eine Berliner Autorin

nennen. In der baden-württembergischen

Vertretung

stellt sie ihr zweites Buch, den

Nachtgesang „Luna Luna“ als

süddeutsches Landeskind vor.

PetraKohse

Maren Kames,19Uhr,Tiergartenstr. 15

Erinnertmit ihrem hellen Tonfall und den entspannt jazzigen Settings an den Neo-Soul der späten Neunziger:Ari Lennox

Heute eine kleine Retrokolumne,

ausnahmsweise

mal nicht mit Sixtiesstyles,

sondern allerlei

Spätfunk. Das London Afrobeat

Collective arbeitet sich ebenso kurios

wie fachmännisch und -fraulich

an –der Name sagt’s ja schon –dem

Afrobeat ab, wie er Anfang der 70er-

Jahre wesentlich von der nigerianischen

Ikone Fela Kuti erfunden und

vertreten wurde.Das ziemlich global

besetzte,neunköpfige Ensemble um

die kongolesisch-argentinische Sängerin

Juanita Euka poliert jedoch

nicht nur treffsicher die massive

Funk-, Jazz- und Highlife-Mischung

Kutis auf; sie führen explizit auch

dessen Protesttradition fort.

Im Sound bleiben sie dabei nah

am Original, nur hier und da fügen

sie ein wenig Progrock hinzu oder

verschärfen die Synkopen in Richtung

P-Funk. Letzteren zitieren sie

auch in der Coverart ihrer Alben und

Singles –psychedelische Bilder des

Künstlers Ben Hito (der laut Selbstbeschreibung

mit Arbeiten für Funkadelic

und Parliament bekannt

wurde, was die Freunde des im vergangenen

August verstorbenen

Markus Schneider

empfiehlt den authentisch lebhaften Afrobeat

des London Afrobeat Collectives,

den energischen Original-Discosoul der

Zöllner und den naturgetreu smoothen

Neunziger-R&B der US-Sängerin

Ari Lennox.

Funkadelic-Grafikers Pedro Bell vermutlich

eher wundernwird).

Schon ihr früher Minihit „Power

to theWomen“ zeigt, dass die Londoner

politisch näher an der westlichen

Wirklichkeit entlang denken als ihr

Vorbild. Der Titel feiert zwar im engeren

Sinne die kongolesischen

Frauen, die in den verschiedenen

Kriegen und Kleinkriegen des zentralafrikanischen

Staates besonders

zu leiden hatten. Aber die Botschaft

vonknackigen Tracks wie„Prime Minister“

unterstreichen, dass die Londoner

über (post-)kolonialistische

Kritik hinaus denken. Es geht ihnen

insgesamt ums Elend der Welt, und

der engagierten Haltung steht die

kämpferische und vor allem lustund

tanzfreudige Musik sehr gut. Es

eilt ihnen der Ruf voraus, eine vorzügliche

Liveband zu sein, was ich

angesichts der schweren, bläserakzentuierten

Grooves gernglaube.

Das gilt auch für den hochklassigen

Disco- und Soulfunk, den die

Zöllner auf ihrem neuen Live-im-

Studio-Album„Zack! Zack!Zessions“

spielen. Überraschenderweise und

ausweislich einiger hier aufgefrischter

älterer Nummern tun sie dies

KINO

CHARLOTTENBURG

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Die schönste Zeit

unseres Lebens –Labelle epoque (OmU) 15.15;

Französische Filmwoche: Vif-argent –Der flüssige

Spiegel: Burning Ghost (OmU) 18.00; Französische

Filmwoche: Die Kunst der Nächstenliebe –Les bonnes

intentions (OmU) 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Lara 15.00,

17.30,20.00

DelphiLUX (✆ 322931040) Bis dann, mein Sohn

15.45,19.30; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 14.15; Der Leuchtturm –The Lighthouse

(OF) 16.30, 19.00, 21.30; ArethaFranklin: Amazing

Grace (OmU)15.00;Parasite 17.10, 20.00; Human

Nature: Die CRISPR Revolution (OmU) 13.40; Mein

Ende. Dein Anfang. 16.00, 18.30; Hustlers (OmU)

18.00,21.00; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 13.30, 18.30;Official Secrets(OmU)

16.00, 21.00; Systemsprenger 15.20; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 20.30; Joker (OmU) 21.20;

Pferde stehlen 14.00;Land des Honigs–Honeyland

(OmU) 16.40; DowntonAbbey (OmU) 18.40

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Snorri &der Baby-

Schwimmclub –Dive: Rituals in Water (OmU)17.00;

Aretha Franklin: Amazing Grace 18.00; The Good

Liar –Das alte Böse 20.00

Kant Kino (✆ 319 9866) Die Eiskönigin II15.40,

18.10, 20.40; Die schönste Zeit unseres Lebens

15.00, 17.45, 20.30; Official Secrets 14.40,

20.00; Ich war noch niemals in New York 15.20;

Nurejew –The White Crow 18.00; Porträt einer jungen

Frau in Flammen 17.20; Bernadette 20.00;

Das perfekte Geheimnis 14.40, 17.20, 20.30

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D,Atmos: Die

Eiskönigin II14.10, 16.45; Atmos: Das perfekte

Geheimnis 19.30; Atmos: Joker 22.30; Hauptrolle

Berlin: Comedian Harmonists 20.00; Das perfekte

Geheimnis 23.10; Last Christmas 14.45, 17.15;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 19.50; 3D: Die

Eiskönigin II 23.15; Die Eiskönigin II14.50, 17.30;

3D: Die Eiskönigin II 20.15; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 22.50; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.00; Die schönste Zeit unseres Lebens

19.40; Joker 22.30; Die schönste Zeit unseres Lebens

15.10, 17.45; Last Christmas 20.30; Terminator

–Dark Fate 23.00; LeMans 66: Gegen jede

Chance 14.20; Joker 17.45; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 20.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88)Lara (DFmenglU)

11.00; The Irishman (OmU) 12.45; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.30; Systemsprenger

(DFmenglU) 18.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 20.00; Midsommar (OmU) 22.15; Gott

existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi,

imeto i‘ ePetrunija (OmU) 11.00; Memory Games

(OmU) 12.45; Djon Africa (OmU) 14.15; Pferde

stehlen 16.00; Campo (OmU) 18.00; Lara (DFmenglU)

19.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.20; Mishima –Director‘s Cut –Mishima:

ALife In Four Chapters (OmU) 11.00; Bernadette

–Where‘d You Go, Bernadette (OmU) 13.00; Marianne

&Leonard –Words of Love (OmU) 15.00;

But Beautiful –Nichts existiert unabhängig (OmU)

16.45;Mein Ende. Dein Anfang. (DFmenglU) 18.40;

Joker (OmU) 20.30; The Report (OmU) 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Das Kapital

im 21. Jahrhundert – Capital in the Twenty-First

Century (OmU) 14.00; 2040 –Wir retten die Welt!

(OmU) 16.00; Deutschstunde 17.45; The Irishman

(OmU) 20.00; Joker (OmU) 23.45; Verteidiger des

Glaubens –Defender of the Faith 14.15; Congo

Calling (OmU) 16.00; Ich bin Anastasia 17.45;

Aretha Franklin: Amazing Grace (OmU) 19.45; Bitte

nach Mitte! 21.30; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 22.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 13.40; 3D: Die Eiskönigin

II 13.45, 16.20; Last Christmas 13.50, 17.50,

20.45; Die Eiskönigin II 14.00, 14.10, 15.10,

16.50, 17.00, 17.40, 17.50, 19.15; Das perfekte

Geheimnis 14.15, 17.15, 19.30, 20.00; IMAX 3D:

Die Eiskönigin II14.30, 17.30, 20.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.45; Joker 14.45, 18.00,

20.30;The Good Liar –Das alte Böse 14.50,21.00;

Hustlers 15.00,17.45,20.45;Dann schlaf auchDu

–Chanson douce (OmU) 15.15; Le Mans66: Gegen

jede Chance 16.00, 19.30; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 16.20, 20.40; Bernadette 17.40;

Menschsein –Wer sind wir füreinander 20.00; Zombieland

2:Doppelt hält besser 20.20; Terminator

–Dark Fate 20.30

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Mein Ende. Dein Anfang.

(OmenglU) 20.20; Parasite –Gisaengchung (OmU)

22.30; Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles

(OmU) 18.00; Frau Stern 20.00; Easy Love

(OmenglU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 0200) Hustlers 13.30,

16.30, 19.50; Ich war noch niemals inNew York

13.40; Everest: EinYeti will hoch hinaus 13.50; Die

EisköniginII13.50,16.40, 19.30; DasperfekteGeheimnis

14.00, 17.00, 20.00; Die Addams Family

14.10; 3D: Die Eiskönigin II14.20, 17.15, 20.15;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 16.20; Last

Christmas 16.45, 19.40; Joker 17.00, 20.00; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 19.20

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Der Glanz der Unsichtbaren

14.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.00; Ich war noch niemals in New York 17.45;

Parasite 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.00; Die Eiskönigin II

14.20, 16.00, 17.00, 19.40; Der König der Löwen

14.20; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.30,

20.15; Die Addams Family 14.40; Das perfekte Geheimnis

14.45, 17.30, 19.50; Angry Birds 2: Der

Film 14.50; Hustlers 15.00,17.40, 20.10; 3D: Die

Eiskönigin II15.00, 17.30, 20.00; Last Christmas

16.50, 19.30; Joker 17.00, 20.20; Ich war noch

niemals in NewYork 17.10; Der letzte Bulle 17.15;

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen 19.40; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 19.50

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Der Leuchtturm –The

Lighthouse (OmU) 17.00, 19.30, 22.00; B Official

Secrets (OmU) 16.00; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 18.30; Joker (OmU) 21.20

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Lara (OmenglU)

18.00; Angelo (OmU) 18.15; Französische

Filmwoche: La verite –TheTruth (OmU) 20.00; Mein

Ende. DeinAnfang.(OmenglU) 20.30

Moviemento (✆ 692 47 85) Cinefete: Dilili inParis

–Dililili aParis (OmU) 11.00; Der Leuchtturm –The

Lighthouse (OmU) 15.00, 17.30; disappearing berlin:

Marianna Simnett (OF) 20.00; Systemsprenger

22.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 10.00;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

12.00;Yung 14.15; Booksmart (OmU) 16.30; Mein

Ende. Dein Anfang. 18.45; Der Leuchtturm –The

Lighthouse (OmU) 21.15; Systemsprenger 11.00;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 14.45; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 16.45; Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 19.00; Yung (OmenglU) 21.45

Sputnik (✆ 694 11 47) Human Nature: Die CRISPR

Revolution (OmU) 16.00; Bernadette –Where‘d You

Go, Bernadette (OmU) 17.45; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait delajeune fille enfeu

(OmU) 20.00; Morgen sind wir frei 22.15; Booksmart

16.00; Was gewesen wäre 17.45; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 19.30; Joker (OmU) 22.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Aretha Franklin: Amazing

Grace (OmU) 15.00; Parasite 17.00, 20.00; New

Lara 14.50,17.10,19.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.00; Bernadette 14.45,

20.00; Die Eiskönigin II 15.00, 16.00, 17.30; 3D:

Die Eiskönigin II 15.30, 18.00,20.30; Die Addams

Family 15.30; Das perfekte Geheimnis 17.15,

20.15; Hustlers 17.45, 20.15; Last Christmas

18.30, 20.45

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Le Mans 66:

Gegen jede Chance 13.00, 16.30, 20.00; Bernadette

13.15; 3D: Die Eiskönigin II13.30, 15.45,

18.00, 20.15; Marianne &Leonard –Words of Love

15.45; Land des Honigs 18.00; Morgen sind wir frei

20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; 3D: Die

Eiskönigin II14.10, 14.20, 16.50, 17.00, 19.30;

Dora und die goldene Stadt 14.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30; Hustlers 14.30,

17.15, 20.00; Die Eiskönigin II 14.30, 14.45,

17.15, 17.20, 19.45; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 16.45; Last Christmas 17.20, 20.15; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 20.00; Joker 20.00;

Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 17.00; Leid und Herrlichkeit 20.45;

Bamboo Stories (OmU) 18.00; Was gewesen wäre

18.45; Götter von Molenbeek: Gods of Molenbeek

–Aatos ja Amine (OmU) 20.00; Pferde stehlen –Ut

og stjaele hester (OmU) 21.30

Babylon (✆ 242 59 69) M. C. Escher: Reise in die

Unendlichkeit (OmU) 17.45; Born tobeWild: Frau

Stern 17.45; Die Stadt als Beute (OmenglU) 18.15;

Und der Zukunft zugewandt 19.30; Systemsprenger

(OmenglU) 19.30; The Irishman (OmU) 20.00; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 21.45; Pulp Fiction

(OmU) 21.45

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Cinefete: Comme des garcons (OmU) 10.00; Der

Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 13.45, 16.00,

21.00; Cleo (OmenglU) 18.30; Cinefete: Dilili in

Paris –Dililili aParis (OmU) 11.30; Joker (OmU)

14.30,21.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Yung (OmenglU) 19.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Die Eiskönigin

II 11.00, 14.20, 17.00, 20.10; Das perfekte

Geheimnis 11.00, 13.45, 16.45, 19.50, 23.00;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.10; Die

Addams Family 11.10, 14.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 11.15; Dora und die goldene Stadt

11.20; 3D: Die Eiskönigin II 11.40, 13.40, 16.30,

19.15,22.40; Unsere Lehrerin, dieWeihnachtshexe

12.10;Last Christmas13.30,17.30, 20.30, 23.15;

Als ich mal groß war 13.50; Hustlers 14.00, 16.50,

19.50, 23.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30; Maleficent: Mächteder Finsternis 16.20;

Joker 16.20,19.30,23.00; Zombieland 2:Doppelt

hält besser 16.40, 20.10, 23.10; Le Mans 66:

Gegen jede Chance 19.20; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 19.40, 22.45; Terminator –Dark

Fate 22.15; Midway –Für die Freiheit 22.55

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Systemsprenger

(DFmenglU) 14.15; Bernadette (OmU) 17.00,

19.30;Was gewesen wäre 15.00,19.00; Land des

Honigs – Honeyland (OmU) 17.00; Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 14.00, 20.00; Bis dann, mein Sohn

–Dijiu tian chang (OmU) 16.30; Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.00; The Irishman (OmU) 19.30;

Lara (DFmenglU) 15.15

Z-inema (✆ 28 38 91 21) House –Willkommen in

der Hölle 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Die Schwarze aus

Dakar –Lanoire de... (OmU) 19.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF) 14.10; Das perfekte

Geheimnis 14.10, 16.40, 19.50; Die Eiskönigin

II 14.15, 14.45, 16.40, 17.30; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.20; DieAddams Family 14.20,

17.10; Recep Ivedik VI 14.30, 17.10, 20.20; Dora

und die goldene Stadt 14.30; 3D: Die Eiskönigin II

14.30, 17.15, 19.40; 7. Kogustaki Mucize –Das

Wunder in Zelle Sieben (OmU) 16.50, 19.40; Last

Christmas 16.55; Hustlers 17.00, 20.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 19.30; Le Mans 66:

Gegen jede Chance 19.30; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 19.45; Joker 19.50

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Systemsprenger (DFmenglU)

10.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian

chang (OmenglU) 12.10; Pferde stehlen –Utog

stjaele hester (OmU) 15.30; Dicktatorship –Macho

Made in Italy (OmU) 17.45; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 19.30; Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait de la jeune fille enfeu (OmU)

21.50

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Der Leuchtturm –The

Lighthouse (OF) 16.30,19.00,21.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Die schönste Zeit unseres

Lebens –Labelle epoque (OmU) 15.00,17.45,

20.30; Joker (OmU) 17.00, 19.45; Sneak Preview

22.30; Systemsprenger 15.40, 18.15; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 20.50; Bis dann, mein Sohn

–Dijiu tian chang (OmU) 16.20, 20.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.00, 20.00; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en

feu (OmenglU) 17.45; Französische Filmwoche:

Entre mer et mur –AWall Within (OmenglU) 20.30;

Hustlers (OmU) 17.00, 19.30, 22.00; But Beautiful

–Nichts existiert unabhängig (OmU) 16.30;

Booksmart (OmU) 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 21.30;Joker (OF) 16.20, 21.30;Official

Secrets (OmU) 19.00

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Die Eiskönigin II13.50, 14.30, 16.30, 17.15; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 16.50, 19.45; 3D: Die

EisköniginII14.10, 14.50, 17.00,20.00; Dora und

die goldene Stadt 14.20; Maleficent: Mächte der

Finsternis 17.05; Last Christmas 17.30, 20.30; Joker

19.30; Hustlers 20.00; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.15

Wolf (✆ 921 039333) Born in Evin –Alles über

Evin (OmU) 11.00; Götter von Molenbeek: Gods of

Molenbeek (OmU) 12.00; Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

13.40; Marriage Story (OmU) 14.10,21.10; Neues

von uns Kindern aus Bullerbü 16.10; Querencia –

Heimkehren (OmU) 17.00; Angelo (OmU) 18.50;

Auf das, was wir lieben –Anos amours (OmU)

19.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian chang

(OmU) 21.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Die Eiskönigin

II 15.45, 18.10, 20.20; Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.40, 20.30


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 23

· ·

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Tagestipp

KALENDER

Funk ohne Grenzen

Die Acts der Woche pflegen Traditionen,

POP

London Jazz Collective 6. 12., 21 Uhr,

Yaam, An der Schillingbrücke3

Die Zöllner 5. 12., 20 Uhr,Kesselhaus,

Schönhauser Allee 35

Ari Lennox 8. 12., 20 Uhr,Lido, Cuvrystraße

7

ohne sich staubig zu machen

IMAGO IMAGES

schon seit den letzten Tagen der

DDR. 1990 erschien, gleichsam als

Abschied vomStaatslabel Amiga, ihr

nach der Band benanntes Debüt, das

wiederum einer ziemlich legendären

Live-Premierefolgte.

1987 von Dirk Zöllner und dem

Keyboarder AndreGensicke gegründet,

versuchte sich die Band 1988

beim größten Popfestival der DDR

erstmals und vor 70000 Leuten als

breit besetztes Funk-Ensemble, mutigerweise

im Vorprogramm von

James Brown. Seither hat die Band

eine recht wechselhafte, teilweise

turbulente Karriere hinter sich gebracht,

zwischendurch hatte man

sich auch verkracht und aufgelöst.

Vorallem daran dürfte es liegen, dass

ihr Einflussgebiet wesentlich auf den

Osten Deutschlands begrenzt ist. Er

sei, sagte Zöllner in einem Interview

mit dem Deutschlandfunk, ein regionaler

Künstler.

Da ichvom ostdeutschen Popder

Vorwende keine Ahnung habe, weiß

ich nicht, wie tief die Soultradition

insgesamt imArbeiter-und-Bauernstaat

verwurzelt war –aber die Genresicherheit

der aktuell elfköpfigen

Zöllner ist schon erstaunlich überzeugend.

Ichmusste gelegentlich an

den jüngst verstorbenen westdeutschen

Soul-Pionier Edo Zanki denken,

der neben Leuten wie Grönemeyer

und den Söhnen Mannheims

1994 auch die Zöllner produzierthat.

Aber „Zack! Zack!“ steht mit seinem

ebenso präzisen wie hochenergischen,

bläser- und Backingchor

grundierten Siebziger-Funk mehr

noch auf einer Linie mit den jüngerenDisco-Produktionenvon

JanDelay–wenn

manvon denmir etwas zu

seriös gefühlten Texten absieht, die

der 57-jährige Zöllner indes mit einer

sehr angenehmen, soulvollen

Beiläufigkeit singt.

AriLennoxist knapp dreißig Jahre

jünger als Zöllner und besinnt sich

mit ihrem Anfang 2019 erschienenen

Debüt „Shea Butter Baby“ auf

den Neo-Soul der späten Neunziger.

Ihr heller Tonfall, sowohl in der

Stimme als auch dem warmund entspannt

jazzigen Setting, erinnertmit

anderen Worten an die frühe Erykah

Badu, wobei ihr Produzent (und Labelchef)

J.Cole das Ganze natürlich

voller und moderner ausgestattet

hat. Nichts Neues, aberdies sehr bezaubernd.

Pop

Lieder

für den

Winter

Die britische Sängerin

Kimberly Smith war sich

früh der Tatsache bewusst,

dass ihr Ruhm, den sie unter

dem Namen Kim Wilde angehäuft

hatte, nur eine Episode

war. Die „Kids in America“

wurden erwachsen, und der

blonde Popstar verwandelte

sich in den 90er-Jahren in eine

Autorin, Zeitungskolumnistin

und Landschaftsgärtnerin. In

den verschiedenen popmusikalischen

Erinnerungswellen

kehrte sie jedoch auf die

Bühne zurück, und dabei fiel

angenehm auf, dass sie ein solides

Bewusstsein von ihrer

früheren Rolle ausstrahlte. Im

Duett mit Nena, das von Uwe

Fahrenkrog-Petersen produziert

worden war, ließ Kim

Wilde durchblicken, dass der

britische Popeine ganz andere

Hausnummer als die in die

Jahregekommene Neue Deutsche

Welle darstellt. Diesmal

singtKim Wilde weihnachtlich

und akustisch. HarryNutt

Kim Wilde 20 Uhr, Heimathafen Neukölln,

Karl-Marx-Straße141

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00 Raum 302: Der Weihnachtszwulf verkürzt die

Weihnachtswarterei, Zwulf, (ab 3bis 9J.)

10.00 Raum 214: Brunos Abenteuer,Nicole Gospodarek,

Puppentheater (ab 6bis 12 J.)

Figurentheater Grashüpfer (✆ 53 69 51 50)

10.00: Die Weihnachtsgans Auguste, Artisanen,

Figurentheater (ab 4J.)

Freizeitforum Marzahn (✆ 542 70 91)

10.00: Hops &Hopsi im Spielzeugzimmer des

Weihnachtsmannes, Clowns-Theater (ab 3bis 10 J.)

18.00: Ein Weihnachtsmärchen für Walter,Marie

Mallè und Walter Plathe

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show(ab 5J.)

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Alle außerdas Einhorn(ab 11 J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

11.00: Das Nacktschnecken-Game (ab 12 J.)

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: Wundersame Wichtelwelt, Puppenspiel (ab

3bis 8J.)

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

11.00: TopCard Camilla, Platypus Theater,Englisches

Kindertheater (ab 6bis 10 J.). Anm. erf.

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Nikolaus vonMyra (ab 4J.)

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00: Ein räuberisches Weihnachtsfest

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

10.00: Weihnachtliche Heimlichkeiten, Gastspiel

Puppentheater Böhmel/Dresden, Lustiges weihnachtliches

Puppenspiel (ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

10.00: Kasper und das kleine Weihnachtspaket,

Gastspiel FriedhartFaltin, Halle/Saale

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die Zertrennlichen (ab 9bis 13 J.)

10.00: Die fürchterlichen Fünf (ab 5bis 9J.)

Theater Mirakulum (✆ 449 08 20)

10.00: Weihnachten beiPrinzessin Marzipan und

König Schokolade, Thomas Mierau, Puppentheater

(ab 3bis 10 J.). Anm. erf.

Theater MorgensternimRathaus Friedenau

(✆ 92 35 59 50) 9.00, 11.15: Am 4. Advent morgens

um vier (ab 6J.)

Theater Zitadelle (✆ 335 37 94)

10.00: Weihnachten beim kleinen Hasen, Theater

Couturier (ab 3J.)

LITERATUR/VORTRAG

Akademie der Künste Hanseatenweg

(✆ 200 57 20 00) 19.00 Clubraum: Fünf Mann

Menschen /Die Humanisten –Hörspiele vonErnst

Jandl und Friederike Mayröcker,sowie Gespräch mit

Hermann Bohlen und Jochen Meißner

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

20.30: Retif de la Bretonne, der erste Pariser Flaneur,

vorgestellt vonFrank Arnold und Hartmut Mangold

Bücherbogen am Savignyplatz (✆ 312 19 32)

19.30: Bedeutsame Belanglosigkeiten, Vittorio

MagnagoLampugnani, Buchpräsentation

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: Erinnerungen an einen Staat, mit Alexander

Scheer,Corinna Harfouch, Musikalische Lesung

DODO (✆ 53 09 40 72)

20.00: Offene Lesebühne, Moderation: Regine &

Dago

exploratorium berlin (✆ 84 72 10 52)

18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur, Lesung und

Diskussion mit Reinhard Gagel. Anm. erf.

Helene-Nathan-Bibliothek (✆ 902 39 43 42)

18.00: LEA Leseklub

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Don’t be aStranger.Britisches Casino am

Wannsee, mit Glen James Brown, Michael Donkor,

Irenosen Okojie und Kim Sherwood Moderation:Tom

Zille

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Sarah Kirsch –Christa Wolf: „Wir haben uns

wirklich an allerhand gewöhnt“. Der Briefwechsel,

Buchvorstellung und Gespräch mit Sonja Hilzinger

und Sabine Wolf

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

18.30: Festival Jüdische Literaturen: „Verquere Verortungen“,

mit Jo Frank, Janika Gelinek, EvaLezzi, Sonja

Longolius, Rachel Salamander u. a.

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: LSD–Liebe Statt Drogen

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.00: Porki –Ein Schweinchen sucht dasGlück,

Lissa Lehmenkühler,Lesung und Werkstattgespräch

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00: Männerphantasien, Klaus Theweleit, im

Gespräch mit Margarita Tsomou

KONZERT

Acud Macht Neu (✆ 98 35 26 13)

21.00: Tamar Aphek &Band, guests: Angels

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

20.30: Quantic &Band, support: Simon Houghton

(aka Sneaky of Fingathing)

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Maria Baptist &Jan vonKlewitz

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Bernd Begemann Solo

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Amilli

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Boris

Columbiahalle (✆ 69 81 75 86)

20.00: Hot Chip, Alaskalaska

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

19.30: BuryTomorrow, special guests: Employedto

Serve,Blood Youth

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

20.00: Kim Wilde, Wilde Winter Acoustic

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.00: Michael Kiwanuka, Celeste

Kulturbrauerei/Kesselhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: Beranger

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: JoeBowie &Defunkt

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00 Schwarzes Zimmer:Yuna

20.00 Blaues Zimmer:Jesse Marchant, Charly

Klauser

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Highly Suspect

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: EttaScollo

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

SO36 (✆ 61 40 13 06)

20.00: Exumer,Reactory, Pripjat

Tempodrom (✆ 69 53 38 85)

20.00: White Lies, support: Boniface

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Molly Joker, RockoGaroni, Luíz Sabema, See

Bastian

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois

BALLROOM

Haus der Sinne (✆ 44 04 91 55)

20.00: DJ Leandro y Gaia Pisauro at Haus der Sinne

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Die Eiskönigin

II 15.00, 16.00, 18.20, 20.50; Der Leuchtturm

–The Lighthouse (OmU) 18.20, 21.00; Französische

Filmwoche: Jeanne d‘Arc –Jeanne (OmU)

20.30; Lara 16.40, 19.00; Joker (OmU) 21.20;

Aretha Franklin: Amazing Grace (OmU) 15.00; Die

schönste Zeit unseres Lebens 15.45, 17.45, 20.40;

Parasite 17.10, 20.00

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Die schönste Zeit unseres Lebens 13.30, 16.15,

19.45; Das perfekte Geheimnis 13.30, 16.30,

19.30; Systemsprenger 14.00, 22.30; Die Eiskönigin

II 14.00, 17.00, 19.40; Als ich mal groß

war 14.15; Bernadette 14.20; Lara 14.45, 17.15,

19.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.50; Parasite 16.30; Joker (OmU) 16.50; Official

Secrets 17.00;The Good Liar –Das alte Böse

17.20; Sneak Preview (OmU) 20.00; Ricordi?

(OmenglU) 20.00; Menschsein –Wer sind wir füreinander

20.00; Der Leuchtturm 20.00; Le Mans

66: Gegen jede Chance 21.45; Der Leuchtturm –

The Lighthouse (OmU)22.20; Joker(OF) 22.30;The

GoodLiar –Das alteBöse (OF) 22.40; Parasite –Gisaengchung(OmU)22.40;

Porträteiner jungenFrau

in Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

22.50; Die Eiskönigin II–Frozen 2(OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Land des Honigs –Honeyland

(OmU) 17.30; Premiere: Havelland. Fontane

(mit Gast) 19.00

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Bamboo Stories

(OmU) 17.00; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 18.30; Corpo celeste –Für den Himmel bestimmt

(OmenglU) 20.00; Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

21.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Das

perfekte Geheimnis 14.10, 17.00, 19.50, 22.45;

Hustlers 14.15, 17.10, 20.00, 22.45; 3D: Die Eiskönigin

II 14.15, 16.50,20.00, 22.45; Die Eiskönigin

II14.20, 15.00, 17.10, 17.40; Angry Birds 2:

Der Film 14.25; Die Addams Family 14.35; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.45; Dora und

die goldene Stadt 14.45; Last Christmas 15.00,

17.35, 19.50; Joker 16.45, 19.45, 22.30; Ich war

noch niemals in New York 16.50; LeMans 66: Gegen

jede Chance 16.55, 20.10; Bernadette 17.20;

Terminator –Dark Fate 19.40; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.10, 22.45; Systemsprenger

20.15; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

20.15; Scary Stories to Tell in the Dark 22.45

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 0200) Last Christmas

13.40, 16.30, 19.40; 3D: Die Eiskönigin

II 13.45, 16.45, 19.45; Hustlers 13.50, 16.40,

19.30; Das perfekte Geheimnis 13.50, 16.30,

20.10; Die Addams Family 14.00; Maleficent

14.05;Angry Birds 214.15; Der letzteBulle 14.20;

Die Eiskönigin II14.30, 17.15, 20.15; 3D: Maleficent

16.45; Joker 16.50,19.55;Terminator 17.00;

Ich war noch niemals in New York 17.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 19.30; Le Mans 66

19.40; Zombieland 220.15

SCHÖNEBERG

CinemaamWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04) Ich

war noch niemals in NewYork 14.35;The Good Liar

– Das alte Böse 17.35, 20.15

Cosima (✆ 85 07 58 02)Nurejew 18.00; Deutschstunde

20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Der Leuchtturm (OmU)

15.45, 20.30; Aretha Franklin (OmU) 18.15

Xenon (✆ 78 00 15 30) Spatzenkino: Weihnachtswunder

10.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen

(OmU) 17.30; Yung 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.00; Everest 10.00;

Die Eiskönigin II10.00, 12.35, 15.10, 18.00; 3D:

Die Eiskönigin II11.55, 14.25, 17.15, 20.00; Die

Addams Family 12.10; Bayala 12.10; Das perfekte

Geheimnis 14.00,17.00, 20.45; Maleficent14.10;

Le Mans 66 16.45, 19.30; Last Christmas 16.50,

19.55; Joker 20.10

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Downton Abbey 13.00; Die schönste Zeit unseres

Lebens 15.30, 20.15; Ich war noch niemals in New

York 17.45

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11)Last Christmas 14.30,

17.15,20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.10; Mein Lotta-Leben 10.00; Dora 10.00; Die

Eiskönigin II10.00, 11.45, 14.40, 15.00, 17.25,

23.00; Angry Birds 210.00; 3D: Die Eiskönigin II

11.00, 14.15, 17.45, 19.50; Everest 12.00; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 12.10; Maleficent

12.15; Die Addams Family 12.30, 14.25; Die

Eiskönigin II (OF) 14.10; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.00, 20.10, 23.00; Bernadette 14.50;

Joker 16.40, 20.30;

Le Mans 66 16.50, 19.30; Die schönste Zeit unseres

Lebens 17.00, 20.00; Hustlers 17.35, 20.20,

22.45; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

20.30, 22.45; Zombieland 223.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) 3D: Die Eiskönigin

II 15.30, 18.00; Die Eiskönigin II15.30,

18.00, 20.30; Das perfekte Geheimnis 15.30,

18.00, 20.30; DieAddams Family 15.45; Dem Horizont

so nah 18.00, 20.30; Last Christmas 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Gaumont: Barbara

(OmenglU) 20.00; re-selected: Kurzfilmprogramm

(1956-1969; m.Einführung) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Die Eiskönigin II 12.30, 13.40, 16.00, 16.40,

18.00, 19.00, 22.40; Playmobil: Der Film 13.00;

3D: Die Eiskönigin II 13.00, 14.30, 15.10, 17.30,

19.40; Maleficent: Mächte der Finsternis 13.30,

16.30, 19.45, 20.00; Joker 13.30, 16.40, 19.40,

19.50, 23.00; Der König der Löwen 13.30; Last

Christmas 13.40, 16.45, 19.45; Ich war noch

niemals in New York 13.45; Dora und die goldene

Stadt 13.50; Die Addams Family 13.50; Hustlers

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.00; Die schönste Zeit unseres Lebens

14.00,16.30, 19.45; DasperfekteGeheimnis

14.00, 16.00, 17.00, 19.20, 20.30, 22.45; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.10; Zombieland

2: Doppelt hält besser 16.30, 20.50, 22.30;

The Good Liar –Das alte Böse 16.30, 19.30; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.40, 20.15,

20.40, 22.20; Downton Abbey 16.40; Der Leuchtturm

16.50, 19.30, 22.20; Bernadette 16.50; Parasite

17.00, 19.30, 22.50; Menschsein –Wer sind

wir füreinander 18.00; Official Secrets 19.40; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 20.15; Once Upon

aTime in... Hollywood 22.30; Midway –Für die

Freiheit 22.30; Black and Blue 22.40; Terminator

–Dark Fate 22.50; Gemini Man 22.50; Halloween

Haunt 23.00

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Maleficent:Mächte derFinsternis –Maleficent: Mistress

of Evil (OF) 13.30; Die Eiskönigin II –Frozen

2(OF) 13.30, 16.20, 19.30; Bernadette –Where‘d

You Go, Bernadette (OF) 13.40; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm –Shaun the Sheep Movie:

Farmageddon (OF) 13.50; 3D: Die Eiskönigin II –

Frozen 2(OF) 14.00, 16.45, 22.15; Der Leuchtturm

–The Lighthouse (OF) 14.15, 20.00, 23.00;

Last Christmas (OF) 14.30, 17.10, 19.50; Hustlers

(OF)16.20,19.20, 22.30;LeMans66: Gegen jede

Chance –Ford vFerrari (OF) 16.30,19.30;

Joker (OF) 16.30, 20.00, 23.00; The Good Liar –

Das alte Böse (OF) 17.10; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen (OF) 19.20; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 22.40; Zombieland 2:Doppelt

hält besser – Zombieland 2: Double Trap (OF)

22.45; Terminator –Dark Fate (OF) 23.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D, IMAX:

Die Eiskönigin II–Frozen 2(OF) 11.45, 14.30,

17.15, 20.00; IMAX: Le Mans 66:Gegen jede Chance

–Ford vFerrari (OF) 22.50

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Joker (OmU)

17.45; Porträt einer jungen Frau inFlammen –Portrait

de la jeune fille en feu (OmU) 20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser –Zombieland2:Double

Trap (OF) 22.15

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.00; Die Eiskönigin II 14.00, 14.30,

16.30, 17.00, 19.00; Das perfekte Geheimnis

14.30, 17.15, 20.00, 22.30; 3D: Die Eiskönigin II

15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Die Addams Family

16.00; Last Christmas 18.00, 20.15; Zombieland

2: Doppelt hält besser 19.15, 22.30; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 21.15; Joker 21.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Lara 16.00; Ich war

noch niemals inNew York 18.00; Bohemian Rhapsody

20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Dora und die goldene Stadt 14.00; 3D: Die Eiskönigin

II14.00, 17.20, 20.00; Angry Birds 2:Der

Film 14.00; Das perfekte Geheimnis 14.10, 16.40,

20.00; Last Christmas 14.20, 17.10, 20.15; Ich

war noch niemals in New York 14.20; Hustlers

14.25, 17.20, 19.45; Everest: EinYeti will hoch hinaus

14.30; Die Eiskönigin II14.30, 16.45, 19.30;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 16.25, 19.50;

Joker 17.00, 20.00; Die Addams Family 17.10;

Maleficent: Mächte der Finsternis 17.20; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 19.45; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.10; Die Eiskönigin

II –Frozen 2(OF) 14.10; Die AddamsFamily 14.10;

Recep Ivedik VI(OmU) 14.20, 17.50, 20.20; 3D:

Die Eiskönigin II 14.20, 17.00, 19.50; Die Eiskönigin

II 14.45, 15.00,16.30, 17.30; Hustlers 16.50,

19.50; Last Christmas 17.00, 19.30; Das perfekte

Geheimnis 17.00, 20.00; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 19.30; Joker 20.30

CityKinoWedding (✆ 01 77/270 19 76)Französische

Filmwoche: Preview: Die Kunst der Nächstenliebe–Les

bonnes intentions(OmU)19.00; FranzösischeFilmwoche:Auf

der Couch in Tunis –Undivan

aTunis (OmU) 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Internationaler Tag

der Menschen mit Behinderung: Menschsein –Wer

sind wir füreinander (OmU) 19.00; Mishima: Ein Leben

in vier Kapiteln (OmU) 21.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Die Eiskönigin II

11.45, 14.15, 16.45, 19.15; Das perfekte Geheimnis

12.30, 15.00, 17.30,20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Parasite

15.30; Porträt einer jungen Frau inFlammen 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Official Secrets

15.15; Menschsein –Wer sind wir füreinander (mit

Diskussion) 18.00

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Wenn wir erst tanzen 18.00;

Yoga: Die Kraft des Lebens 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Die schönste Zeit unseres

Lebens 15.15, 20.30; Lara 18.00

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Mahlzeiten(m. Einführung) 17.00;Film und Diskussion

(m.Einführung) 19.30

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Das perfekte

Geheimnis 13.30, 16.00, 18.30, 21.00;

Bernadette 13.45, 18.15; Mein Ende. Dein Anfang.

14.00; Aus Liebe zum Überleben 14.15; Die

schönste Zeit unseres Lebens 16.15, 20.45; Lara

16.15, 20.45; Snorri & der Baby-Schwimmclub

16.30; Official Secrets 18.15; Was gewesen wäre

18.45; Der Leuchtturm 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Die

Eiskönigin II 13.40, 14.00, 14.20, 16.40, 17.20;

Die Addams Family 13.40; Das perfekte Geheimnis

13.50, 16.50, 19.40; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.00; Last Christmas 14.00,

17.10, 19.55; 3D: Die Eiskönigin II 14.10, 17.15,

20.10; Joker 16.30,19.55; Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.45; Hustlers 17.00, 20.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 19.40; Zombieland

2: Doppelt hält besser 19.50; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 19.50

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis17.15,

20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Lara 17.15; Eshätte schlimmer kommen können –

Mario Adorf 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Die

Eiskönigin II 14.00, 16.50, 19.45; Das perfekte

Geheimnis 14.00,17.15, 20.10; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.10; Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.15, 17.00;Die Addams Family14.15,

17.30; Die Eiskönigin II14.30, 17.30, 20.15; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.40; Last Christmas

14.45, 17.00, 19.50; Hustlers 14.45, 17.15,

20.20; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.45; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.45, 19.50; Joker 16.50, 20.15; Der letzte Bulle

17.00; LeMans 66: Gegen jede Chance 19.30;

Menschsein –Wer sind wir füreinander 20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.20

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 5454) 3D: Die

Eiskönigin II15.00, 17.45, 20.30; Last Christmas

15.15; Die Eiskönigin II 15.15; Dem Horizont so

nah 17.45; Das perfekte Geheimnis 17.45, 20.30;

Der Glanz der Unsichtbaren 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828) Le

Mans 66: Gegen jede Chance 14.15; DieEiskönigin

II 14.30, 17.00; 3D: DieEiskönigin II 15.00, 17.30,

20.00; Maleficent: Mächte der Finsternis 15.15;

Das perfekte Geheimnis 17.15, 19.45; Last Christmas

17.45, 20.15; Hustlers 19.50; Lebens(w)

ende: Im Angesicht des eigenen Todes –Testimony

22.30

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Die Eiskönigin

II 16.30, 20.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Die Eiskönigin II17.00, 19.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) 3D: Die

Eiskönigin II 14.45, 17.15, 19.45; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 16.00; Systemsprenger

18.00; Das perfekte Geheimnis 20.30

Scala Kulturpalast Werder (✆ 033 27/462 31 75)

Systemsprenger 13.30; Das perfekte Geheimnis

15.45; Ich war noch niemals in New York 18.00;

Last Christmas 20.00

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Was

gewesen wäre 16.15; Deutschstunde 18.00; Lara

20.15

Weltspiegel Kino Finsterwalde (✆ 035 31/22 11)

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45; Die Eiskönigin

II15.00; Das perfekte Geheimnis 17.15,

20.00; 3D: Die Eiskönigin II17.30, 20.00


24 Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019

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Netzwerk

CHAT

„Mein Kopf ist

zu Hause

immer frei“

Kurze Fragen, schnelle Antworten:

Im Chat kommen Menschen

zu Wort, die sich beruflich in

der digitalen Welt bewegen: Stephan

Weber ist Head of Product bei PayFit

Deutschland und hat das deutsche

Produkt für intuitive Lohn- und Gehaltsabrechnungen

aufgebaut. 2016

gegründet, hat PayFit mittlerweile

rund 400 Mitarbeiter an vier Standorten

in Europa.

Womit beginnt Ihr Einstieg in die digitale

Welt am Morgen?

Früher habe ich meinen Handy-

Wecker bis ins Endlose gesnoozed

und damit meine Nachbarn zur

Weißglut getrieben. Heute höre ich

den Deutschlandfunk und starte

entschleunigt in den Tag, mit ruhigen,

informativen Nachrichten und

Interviews.

Ein großes Thema ist Künstliche Intelligenz

zurzeit. Wie werden Menschen

und Computer in Zukunft zusammenleben?

Im Arbeitskontext definitiv in einer

Symbiose –die Vorteile sind einfach

zu deutlich. Im Privatleben bin

ich skeptisch –zwischen den Technikverweigerern

und den Liebhabern

als Extreme wird eseine große

Varianz geben. Ich persönlich kann

keine persönliche Bindung zu Siri,

Alexaund Co.aufbauen.

Sind Ihre Daten eigentlich gut gesichert?

Was ist Sicherheit? Sicherheit ist

eine Empfindung. Ich nutze professionelle

Services wie 1passwordund

wurde noch nie wissentlich gehackt.

Ansonsten gebe ich mich keinen Illusionen

hin, nicht auch Opfer zu

werden.

Was geht gar nicht in der digitalen

Welt, was verurteilen Sie?

Shitstorms und der allgemeine

Hang zur Pöbelei im Netz. Ich frage

mich häufig, was die Menschen antreibt,

die in Kommentarspalten

grässliche Dinge hinterlassen.

Welchen Science-Fiction-Film haben

Sienicht nur einmal gesehen?

Ganz klar „Matrix“ – das Verschwimmen

zwischen Realität und

Fiktion begeistert mich noch heute.

Undden Stil findet man bis heute im

Berghain.

Lesen SieBücher in der digitalen oder

gedruckten Version?

Gedruckt –das schafft eine gewisse

Atmosphäre. Außerdem verlangt

meine Eitelkeit, das Buch im Anschluss

alsTrophäe im Regal zu haben.

Es gibt Menschen, die behaupten,

Computer sind nur erfunden worden,

damit gespielt werden kann.

Spielen Sieauch?

Leider nein –außer an dem realen

Tischkicker im Büro –und das obwohl

ich häufig verliere!

Fällt es Ihnen schwer, amAbend abzuschalten?

Nein, wir bei PayFit legen großen

Wert auf Transparenz und direkte

Kommunikation – sofern ich mal

frustriert bin oder es mir schlecht

geht, spreche ich das einfach an. Zuhause

ist mein Kopf immer frei.

StephanWeber ist Produktchef

bei PayFit –Anbieter für

Lohnabrechnungen.

Welche Verbindungen führen ins Ausland –mit der Frage beschäftigen sich die russischen Sicherheitsdienste zurzeit.

Das Netz unter Kontrolle

Russlands Sicherheitsbehörden wünschen eine Abschottung wie in China, doch es gibt technische Hürden

VonMichael G. Meyer

Russland will sein Internet

stärker in den Griff bekommen

–die Rede ist immer

wieder von einer Art russischen

Variante der „Great Firewall“

in China. Seit dem 1. November gilt

ein neues Internetgesetz für ein souveränes

russisches Netz, wie es

heißt. Russische Offizielle teilten

mit, es gehe darum, sich stärker vor

Cyberangriffen aus dem Ausland zu

schützen. Doch Kritiker sagen: Die

russische Regierung wolle eher Kritiker

mundtot machen und im Netz

verhindern, dass sich Kritik viral verbreiten

kann.

Vom Internet-Kill-Switch ist die

Rede,also der kompletten Trennung

des Netzes von ausländischen Servern

und Daten. In Ländern wie der

Türkei, Ägypten oder dem Iran ist

das schon zeitweise praktiziert worden.

Doch ist das in Russland auch

so einfach?

Klima der Unsicherheit

Klaus Landefeld, Experte für IT-Sicherheit

und im Vorstand des Internetverbands

Eco engagiert, bezweifelt,

dass das in Russland gelingen

kann: In China habe man beispielsweise

von Anfang an auf dieses Modell

„Great Firewall“ gesetzt, „da sind

es fünf Verbindungen ins Ausland,

Zentralpunkte, über die die Verbindungen

laufen, Russland hat etwa

3000 Verbindungen ins Ausland“.

Insofern sei Russland nicht so einfach

mit China zu vergleichen, außerdem,

so Landefeld: „Es gibt in

Russland auch nicht nur zwei große

Unternehmen, die diese Verbindungen

organisieren wie in China, sondernessind

Dutzende vonCarriern,

die auch nicht staatlich kontrolliert

Gesetz: Anfang November

beschloss die russische Regierung

ein umstrittenes Internetgesetz.

Das Ziel ist es

angeblich, das Land besser

vorCyberangriffen zu schützen.

Kritiker sehen darin eher

eine Ausweitung staatlicher

Kontrolle.

PUTINS HOFFNUNG

Gefahr: Russland will Souveränität–

auch im Netz. Der

Kreml will unabhängig sein

vomWorld Wide Webund

sich sein eigenes Internet

unter kompletter Staatskontrolle

errichten. Deshalb soll

eine neue Netz-Infrastruktur

aufgebaut werden.

Schutz: Das autonome Netz

soll den Vorteil bieten, sich

bei Cyberattacken abschotten

zu können, ohne dass

die Infrastruktur im Land

komplett abgeschaltet werden

muss. Attacken wie

Wannacryhaben die Staaten

Milliarden gekostet.

werden, wo auch die Mehrheitsverhältnisse

ganz andere sind.“ Insofern

werde es für Russlands Zensurbehörden

schwierig, das Netz komplett

unter Kontrolle zu bringen.

WasimWesten kaum bekannt ist:

Unter dem Radar der staatlich stark

kontrollierten Presse und des Fernsehens

ist in Russland eine kritische Internet-Szene

entstanden, die Millionen

Nutzer hat. Auch bei YouTube

tummeln sich Mutige und eine Reihe

von Journalisten, wie etwa Juri Dud,

Russlands bekanntester YouTuber.

Online-Magazine wie Meduza, The

Insider oder The Bell erreichen viele

Millionen Menschen. Und das in einer

Zeit, in der auch in Russland die

Nutzung klassischer Medien abnimmt

und stattdessen die von kritischen

Online-Medien stark zunimmt.

Die Stimmung bei den Online-Redaktionen

sei aber vongroßer

Unsicherheit geprägt, bestätigt Irina

Malkowa. Sieist Chefredakteurin des

sehr erfolgreichen Internetmagazins

The Bell. Malkowa und ihr Team berichten

hauptsächlich über Wirtschaftsthemen:

Warum fällt der Rubel,

wie steht es um die Renten, wie

geht es weiter in der russischen Wirtschaft?

The Bell berichtet aber auch

über Korruptionsverdacht in Behörden.

Dennoch sagt sie: das neue Gesetz

betreffe sie und ihre Redaktion

noch nicht: „Wir wissen aber nicht,

wie es weitergehen wird, im Moment

spüren wirnoch gar nichts.“

Kurios ist, dass die Zensoren und

Medienregulierer ein sehr uneinheitliches

Bild abliefern, was erlaubt ist

und was nicht. Ulrike Gruska, Referentin

bei „Reporter ohne Grenzen“,

hat einen neuen 50-seitigen Bericht

über die Situation der Internetmedien

in Russland verfasst. Gruska

sagt, dass diese Ungenauigkeit Methode

hat: „Es wird sehr selektiv entschieden.

Es ist nicht so,dassder,der

einen Bericht über Korruption veröffentlicht,

danach sofortins Gefängnis

kommt. Mancher schreibt die krassesten

politischen Kommentare in

seinem Blog und es passiert nichts.

Genauso gibt es Medien und Journalisten,

die sind dafür verhaftet worden.“

Wie willkürlich die russische

Zensur arbeitet, beweist das Beispiel

Auf der Suche nach den Urhebern

Bundeskriminalamt will gezielter gegen die Verfasser von Hasskommentaren vorgehen

ziale Netzwerke wie Facebook künftig

dem Bundeskriminalamt verpflichtend

melden. Derzeit müssen

die Anbieter solche Inhalte nur löschen.

Zudem will der Bund das

Strafgesetzbuch um Regelungen zur

Hasskriminalität ergänzen.

Nach im Juni veröffentlichten

BKA-Zahlen lässt sich ein Großteil

der Hasskommentare (77 Prozent)

dem rechtsextremen Spektrum zuordnen,

knapp 9Prozent sind linksextrem,

die verbleibenden 14 Prozent

sind ausländischen oder religiösen

Ideologien, beziehungsweise

keiner konkreten politischen Motivation

zuzuordnen. Münch sagte:

„Wir können wohl nicht die Einstel-

ISTOCK/ANYA BERKUT

des Elektrikers Andrej Bubejew, der

auf Vkontakte,der russischen Version

vonFacebook, einen Text mitdem Titel„Die

Krim gehörtzur Ukraine“ veröffentlicht

hatte.Gerade einmal zwölf

Freunde hatte er auf Vkontakte, dennoch

reichte das für eineVerurteilung

zu zwei Jahren und drei Monaten

Haft. Heute lebt Bubejew in der

Ukraine.Das Beispiel belege: Es gehe

darum, ein Klima der Angst und der

Unsicherheit zu schaffen, sagt Ulrike

Gruska.

Protest mit Papierfliegern

Doch noch weit mehr als nur kritische

Meinungsäußerungen beschäftigt

russische Zensoren und Medienregulierer

derzeit dieVernetzung von

Bürgern über Plattformen. In Russland

steht an erster Stelle mit 42 Prozent

Marktanteil Vkontakte, die

Hälfte der Handybesitzer nutzen

WhatsApp, etwas weniger vertrauen

Viber oder dem Messengerdienst Telegram.

Dennoch war vorallem Telegram

den Behörden ein Dorn im

Auge –denn darüber wurden eine

Reihe vonDemonstrationen in Moskauorganisiert.

Wie geht es nun weiter im russischen

Internet? Das sei schwer zu

prognostizieren, sagen Experten

wie Ulrike Gruska, allerdings gibt

es eine größer werdende, vor allem

von jungen Leuten getragene kritische

Öffentlichkeit in Russland, die

sich nicht mehr alles bieten lässt.

Im April des vergangenen Jahres

protestieren 12 000 Menschen in

Moskau gegen das Verbot vonTelegram.

Sie warfen in Anspielung auf

das Logo Papierflieger indie Luft.

MitErfolg: Obwohl laut Gerichtsurteil

offiziell immer noch verboten,

ist Telegram nach wie vor frei zugänglich.

Das Bundeskriminalamt will

rechten HetzernimInternet das

Leben deutlich schwerer machen –

und damit rechtsextremistische

Straftaten verhindern helfen. Die

Zahl der Hasskommentare werde

mit der Zeit zurückgehen, wenn die

Urheber merkten, dass ihr Treiben

nicht ungeahndet bleibe,sagte BKA-

Präsident Holger Münch. Man

müsse die rote Linie zwischen Meinungsfreiheit

und Strafbarkeit klar

markieren und durchsetzen.

Hasskriminalität und ihre Ursachen

sind bis Donnerstag das

Hauptthema bei einem Treffen von

Sicherheitsexperten in Wiesbaden

–der BKA-Herbsttagung. Die digitale

Gewalt, die Hassbotschaften

sind vielfältig: Antisemitische oder

rassistische Botschaften sind genauso

darunter wie frauenfeindlicher,homophober

und sexistischer

Hass oder ganz persönliche Anfeindungen.

Viele der Beispiele,die

etwa das Portal „hassmelden.de“

auflistet, sind menschenverachtend,

darunter der Aufruf zum „Abstechen

und Entsorgen“ oder

„Drecksviechern von hinten in die

Birneschießen“.

Die Bundesregierung hatte kürzlich

ein Maßnahmenpaket gegen

Hetze und Rechtsextremismus im

Internet beschlossen. Morddrohungen

und Volksverhetzung sollen solung

der Menschen ändern, die ihren

Hass insNetz und auf die Straße tragen.

Aber wir können daran arbeiten,

ihr Verhalten zu verändern und

sie daran hindern, ihren Hass und

ihre verbale Gewalt weiter ungehinderteiner

breiten Öffentlichkeit aufzuzwingen.“

Ausgrenzung und Hass

bereiteten den Boden für physische

Gewalt.

Das Bundeskriminalamt will außerdem

bereits aktenkundige, gefährliche

Rechtsextremisten künftig

„noch besser beurteilen und effektiv

überwachen“, sagte Münch. Vorbild

ist ein standardisiertes Verfahren,

das bereits bei Islamisten angewendet

wird. (dpa)

Apple

verteidigt seine

Krim-Politik

Dienste sollen weltweit

nutzbar bleiben

Apple hat die Entscheidung verteidigt,

die Schwarzmeer-Halbinsel

Krim in Russland als russisches

Staatsgebiet anzuzeigen. Man wolle

sicherstellen, dass Kunden überall

auf der Welt die Karten und andere

Apple-Dienste nutzen könnten, erklärte

der iPhone-Konzern amWochenende.

Zugleich verwies Apple

darauf, dass die veränderte Darstellung

nur bei Betrachtung von Russland

aus gelte,wodies gesetzlich verlangt

werde.

Russland hatte die völkerrechtlich

zur Ukraine gehörende Halbinsel

2014 gegen internationalen Protest

annektiert. „Wir prüfen genauer,

wie wir mit umstrittenen Grenzverläufen

in unseren Diensten umgehen,

und könnten als Folge in der

Zukunft Änderungen vornehmen“,

betonte Apple. Das Unternehmen

steckt in der Klemme, weil die USA

neben der EU gegen Russland wegen

der Krim-Annexion Sanktionen verhängt

haben. Unternehmen, die

Russland in der Krim-Frage entgegenkommen,

werden oft mit Sanktionen

des Westensbestraft.

Der ukrainische Außenminister

Wadim Pristaiko hatte verärgert reagiert

auf die Änderung. Per Twitter

forderte er die Technologiefirma

zum Umdenken auf und bezeichnete

die Krim als Herzstück seines

Landes. Die Firma mit dem Apfel

solle bei dem bleiben, womit sie sich

auskenne: Hochtechnologie und

Unterhaltung. „Globale Politik ist

nicht ihre starke Seite“, betonte der

Diplomat. Die US-Firma ist in der

Ukraine –anders als in Russland –

nicht vertreten. (dpa)

Frankreichs Finanzminister Bruno Le

Maire will hartbleiben. AFP/PHILIPPE LOPEZ

Frankreich hält

an Digitalsteuer

fest

Finanzminister Le Maire

dringt auf Fairness

Frankreichs

Finanzminister

Bruno Le Maire hat die französische

Digitalsteuer vor der Bekanntgabe

möglicher Sanktionen seitens

der USA verteidigt. „Wir werden den

Willen, die digitalen Riesen fair zu

besteuern, um ein faires Steuersystem

des 21. Jahrhunderts zu haben,

nie,nie,nie aufgeben“, sagte der Minister

dem Sender France Inter am

Montagmorgen. Die US-Handelsvertretung

USTR wollte am Montag

einen Bericht zu Frankreichs Digitalsteuer

vorlegen. Diefranzösische Digitalsteuer

soll vor allem Unternehmen

wie Amazon und Facebook treffen.

US-Präsident Donald Trump

hatte im Sommer mit Strafzöllen auf

französische Weine gedroht, sollte

Frankreich den nationalen Alleingang

gehen. Im August hatte Frankreichs

Präsident Emmanuel Macron

bekanntgegeben, dass er und Trump

einAbkommen erzielt hätten, das einen

direkten Konflikt verhindern

soll. Man sehe nun, dass die USA einen

Rückzieher machen würden, so

Le Maire. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 25

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Familie Dr.Kleist 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Natur 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

Arztserie. Momente der Wahrheit.

Susanne weiß immer noch nicht, ob sie

nach Wien gehen soll. Amal drängt auf

eine Entscheidung und spricht bereits mit

einem potenziellen Nachfolger.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

21.45 (für HG) Report Mainz

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Bauerfeind –

Die Show zur Frau

23.45 (für HG) Nachtmagazin

0.05 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

RTL

5.00 Der Blaulicht Report 5.25 Exclusiv –Das

Starmagazin 5.35 Explosiv –Das Magazin 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns 9.30 (für

HG) Alles was zählt 10.00 Der Blaulicht Report

11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –

Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Mensch Papa! Väter allein

zu Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv–Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bachelor in Paradise

Dateshow. Mit Amelie und Ernestine

ziehen zwei ganz unterschiedliche Frauen

ins Paradies, die Männer können sich auf

einiges gefasst machen. Die Herren

dürfen die Rosen verteilen.

22.15 Bauer sucht Frau –Das große

Wiedersehen

0.00 RTL Nachtjournal /Wetter

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Der Mann mit dem Knochen

1.25 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Kein Mann in der Leichenhalle

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Einfach genial 20.15 (für HG) Umschau 21.00

(für HG) Der Stausee Hohenfelden 21.45 (für

HG) MDR aktuell 22.05 (für HG) Unser

Deutschland 22.48 MDR aktuell 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110: Walzerbahn. Krimireihe, DDR 1979

23.50 Der Proband 0.20 WaPo Bodensee

Bayern

15.30 Schnittgut 15.58 Sternstunden 16.00 (für

HG) Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.28 Sternstunden 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG)

Dahoam is Dahoam 19.58 Sternstunden 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Hindafing

21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00 (für

HG) Capriccio 22.30 (für HG) Wolfgang Herrmann

–Ein Leben für die Wissenschaft 23.15

nacht:sicht 23.45 Mariss Janson dirigiert

Mozart-Requiem 0.40 RundschauNacht

Vox

8.50 Verklag mich doch! 9.50 Verklag mich

doch! 10.50 VoxNachrichten 10.55 Mein Kind,

dein Kind 12.00 Shopping Queen 13.00

Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind 15.00 Shopping Queen 16.00 4

Hochzeiten und eine Traumreise 17.00 Zwischen

Tüll und Tränen 18.00 First Dates 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 herrlich

ehrlich –kennstdudein kind? 21.15 herrlich

ehrlich –kennstdudein kind? 22.40 Die

wunderbare Welt der Kinder –Wir sind 5! 0.30

VoxNachrichten 0.45 Medical Detectives

Super RTL

9.25 Thomas &seine Freunde 9.35 Weihnachtsmann

Junior 10.10 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.10 Alvinnn!!! 11.40 Go Wild!

12.10 Friends 12.30 Trolls 12.50 Polly Pocket

13.15 Tomund Jerry 13.45 Weihnachtsmann &

Co. KG 14.15 Angelo! 14.45 Dragons 15.15

Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally Bollywood

16.40 Barbie 17.10 Grizzy &die Lemminge

17.40 Angelo! 18.10 Weihnachtsmann &Co. KG

18.40 Woozle Goozle und die Weltentdecker

19.10 Alvinnn!!! 19.40 Tomund Jerry 20.15

Snapped 0.05 Böse Mädchen 0.35 Infomercials

Sport1

5.45 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

Normal 16.00 Bondi Rescue –Die Rettungsschwimmer

17.30 StorageWars –Geschäfte in

Kanada. Doku-Soap. Zeit ist Geld 17.55

Eishockey.Champions Hockey League.

Viertelfinale, Hinspiel: Djurgarden Stockholm –

EHC Red Bull München, live 20.30 Magenta

Sport: Arena 21.30 Goooal! –Das internationale

Fußball Magazin 22.00 3. LigaPur 22.45

Scooore! –Internationales Fußball Magazin

23.30 Sport1 News Live 0.00 SportClips

ZDF

5.25 Deutschland vonoben 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoKöln 19.00 (für HG) heute

19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG) Die

Rosenheim-Cops. Krimiserie. Hochzeit in Gefahr

20.15 (für HG) ZDFzeit

Wo leben Senioren am besten? –Die

große Deutschland-Studie. Mehr als 17

Millionen Senioren leben in Deutschland.

Aber in welchen Regionen leben sie am

besten? Und wo gibt es Probleme?

21.00 (für HG) Frontal 21

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Nur das Heute zählt

Familienleben mit Demenz

22.45 Mann,Sieber!

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

Sat.1

5.00 AufStreife 5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! 12.00

Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz

14.00 AufStreife 15.00 AufStreife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer.Eine 17-Jährigekleidet sich im

Hochsommer wie im kältesten Winter.Schämt

sich das Mädchen, weil ihr Exfreund sich über

ihre Figur lustig gemacht hat? 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

Die Ruhrpottwache 19.00 Genial daneben –das

Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Auszeit. Ein junges obdachloses Paar wird

nachts aufgeschreckt.Als sie aus dem

Zelt sehen, entdecken sie eine Leiche.

Der ehemaligeMarine Richard Wilson

wurde kaltblütig erschossen.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Killer an Bord

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie.Zurück in die Zukunft

23.10 Focus TV –Reportage

Achtung Notruf!

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

11.55 (für HG) Nashorn, Zebra &Co. 12.45 (für

HG) WDR aktuell 13.05 (für HG) Elefant, Tiger&

Co. 13.55 (für HG) Und es schmecktdoch!?

14.25 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens 16.00 (für

HG) WDR aktuell 16.15 Hier und heute 18.00

(für HG) WDR aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Abenteuer Erde 21.45 (für HG)

WDR aktuell 22.10 (für HG) Tatort: Die Frau im

Zug.Krimireihe,D2000 23.35 Tatort: Der Pott.

Krimireihe, D1989 1.05 Menschen hautnah

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) NaturNah

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15

(für HG) Panorama –die Reporter 21.45 (für HG)

NDR Info 22.00 (für HG) Tatort: Dinge, die noch

zu tun sind. Krimireihe, D2012 23.30 (für HG)

Weltbilder 0.00 (für HG) Bücherjournal

Kabel eins

5.25 Abenteuer Leben Spezial 5.55 Blue Bloods

9.25 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS

11.10 Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.00

(für HG) Castle 14.00 (für HG) The Mentalist

14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins

news 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben

täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir kümmern

uns drum 20.15 (für HG) Während du schliefst.

Liebeskomödie, USA 1995 22.30 (für HG) Doc

Hollywood. Komödie, USA 1991 0.35 (für HG)

Während du schliefst. Liebeskomödie, USA 1995

RTLZWEI

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Daniela Katzenberger –Mit Lucas im

Babyglück 15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die

Wache Hamburg 17.00 News 17.04 Wetter

17.05 Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05

Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15

Armes Deutschland –Deine Kinder 22.15 Hartz

und herzlich 0.15 Autopsie –Mysteriöse

Todesfälle 1.10 Die Forensiker –Profis am Tatort

Eurosport 1

8.30 Snooker.UKChampionship 2019 in York. 3.

Runde 10.30 Ski Alpin 11.30 Ski Alpin 12.30

Judo. Grand Slam in Osaka. Highlights 13.00

Snooker.UKChampionship 2019 in York. 3.

Runde 14.00 Snooker.UKChampionship 2019

in York. 3. Runde, live 17.30 Snooker.UK

Championship 2019 in York. 3. Runde 18.30

Handball 19.40 Nachrichten 19.45 Snooker.UK

Championship 2019 in York. 3. Runde, live 23.30

Snooker.UKChampionship 2019 in York. 3.

Runde 0.30 Nachrichten 0.35 Skispringen

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR DOKUMENTATION

Kuba im globalen Spiel (1+2/2)

Kubas Ziel war von Anbeginn an die Weltrevolution: Fidel Castro und Che

Guevarawollten das Land zum Vorreiter nationaler und antiimperialistischer

Freiheitsbewegungen in Afrika und Lateinamerika machen.Doch zunächst

geriet Kuba zwischen die Fronten zweier Großmächte. Es musste sich

gegen die von der CIA angezettelten Angriffe der USA wehren und willigte

in die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen ein, was die Welt an

den Rand eines Atomkrieges brachte. Als die UdSSR die Raketen abzog, ohne

Castro davon zu unterrichten, kehrte Kuba dem Ost-West-Konflikt den Rücken

und fand seinen eigenen Weginder Bewegung der blockfreien Staaten.

DieInsel war überall präsent. Doch als die UdSSR zusammenbrach, gerieten

auch Kubas Visionen von der Weltrevolution ins Wanken.

(D/2019)

Foto: ARTE

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9 2

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5 2

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Berliner Zeitung Leserreisen

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www.berliner-zeitung.de

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AUFLÖSUNG

vom VOM2.12.2019

2019

mittel MITTEL

6 7 5 2 1 9 4 3 8

4 2 1 8 7 3 6 5 9

3 9 8 5 6 4 2 1 7

9 5 7 1 4 8 3 2 6

2 4 6 3 9 5 8 7 1

1 8 3 6 2 7 5 9 4

7 3 9 4 5 6 1 8 2

5 1 4 9 8 2 7 6 3

8 6 2 7 3 1 9 4 5

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 2. 12. 2019

vom 2.12.2019

schwer

SCHWER

©26793686 Dmitry Ersler -Fotolia.com

3 5 9 4 2 8 6 7 1

8 6 4 7 1 9 2 3 5

7 1 2 3 6 5 8 4 9

6 9 7 8 3 4 5 1 2

5 4 1 9 7 2 3 6 8

2 8 3 6 5 1 4 9 7

1 7 5 2 4 3 9 8 6

4 2 8 1 9 6 7 5 3

9 3 6 5 8 7 1 2 4

RBB

5.20 Berlin erwacht –Winter 5.30 (für HG)

Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb 7.20 (für HG)

Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30

(für HG) Abendschau 9.00 (für HG) In aller

Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20

(für HG) Sturmder Liebe 12.10 (für HG) Julia

–Eine ungewöhnliche Frau 13.00 rbb24 13.10

(für HG) Verrückt nach Fluss 14.00 (für HG) Die

göttliche Sophie. Komödie, D2009 15.30 (für

HG) Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt–Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb

UM6 18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Ein Sommer in Sanssouci

Das Schloss Sanssouci war schon im 18.

Jahrhundertein Publikumsmagnet und ist

es bis heute. Auch, weil es wie kein

andererPlatz verwoben ist mit der

Geschichte seinesSchöpfers.

21.00 (für HG) Besser geht immer

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Urteil oder Unsinn

22.45 (für HG) Nuhr im Ersten

23.30 Talk aus Berlin

0.00 Der Kommissar und die Alpen:

Schwarze Piste Krimireihe, I2016

ProSieben

5.00 2BrokeGirls. Sitcom 5.40 The Middle.

Comedyserie 6.20 (für HG) Twoand aHalf Men.

Sitcom 7.40 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom 9.00 (für HG) HowIMet Your Mother.

Sitcom 10.45 Fresh Off the Boat. Sitcom.

Pinguinkuscheln! 11.10 Mike&Molly.Sitcom.

Weihnachtsferien 11.35 2BrokeGirls. Sitcom

12.30 Mom. Sitcom 13.20 (für HG) Twoand a

Half Men. Sitcom 14.40 The Middle. Comedyserie.

Die Zweitjobs /Der Kaffee-Alarm 15.35 (für

HG) The Big Bang Theory. Sitcom. Festgehalt statt

Taschengeld /Das Mississippi-Missverständnis /

Es muss Liebe sein 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 (für HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Magazin

20.15 Galileo Big Pictures: Genial –30

Bilder zwischen Einfall und Reinfall!

Moderator Aiman Abdallah präsentiert30

unglaubliche, emotionale und zugleich

faszinierende Bilder zu bestimmten

Themen.

22.15 (für HG) Uncovered: All-Inclusive

DomRep: Urlaub zwischen Palmen und

Prostitution.

23.20 10 Fakten: Urlaub extrem

Infotainment

0.20 Galileo Big Pictures: Genial –30

Bilder zwischen Einfall und Reinfall!

Arte

8.00 (für HG) Drachenrätsel 8.45 Stadt Land

Kunst 9.30 (für HG) Die Inseln der Queen 12.15

Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land Kunst

13.55 Marry Me! –Aber bitte auf Indisch.

Liebeskomödie, D2014 15.25 Fotografen auf

Reisen 15.50 (für HG) Geheimnisvolle

Wildblumen 16.45 Xenius 17.15 Amerika mit

David Yetman 17.40 Shoyu 18.35 Madagaskar

19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15 Kuba im

globalen Spiel (1+2/2) 22.15 Adios Fidel.

23.10 Mord auf Malta 0.05 Venezuela –Das

bittere Erbe des HugoChávez

3Sat

7.30 Alpenpanorama 9.00 (für HG) ZIB 9.05

Kulturzeit 9.45 nano 10.15 (für HG) Hartaber

fair 11.40 Natur im Garten 12.10 (für HG) Er

würde sich im Grabe umdrehen 13.00 (für HG)

ZIB 13.20 (für HG) TerraX:Die Macht der Vulkane

14.50 Wildes Überleben 18.30 nano spezial

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Schwarzach 23:

Und die Jagd nach dem Mordsfinger. Kriminalfilm,

D2016 21.45 kinokino 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 Im Schatten des Glücks 23.55 Kaffee

zum Glück 0.20 10 vor10

Phoenix

10.00 phoenix vorort 10.30 Schule im

Brennpunkt 11.30 Chronik Klimagipfel 12.00

phoenix vorort 12.45 Unsere Welt in Zukunft

13.15 Bundeswehr am Limit 14.00 phoenix vor

ort 14.45 Kinderarmut 16.00 Der neue Kalte

Krieg 16.45 Alte Bündnisse, neue Bedrohungen

17.30 phoenix der tag 18.00 Rotes Gold 18.30

(für HG) 1918 –Aufstand der Matrosen.

Doku-Drama, D2018 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Das Ende des erhabenen Staates 21.45

(für HG) heute journal 22.15 Phoenix Runde

23.00 phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

13.45 (für HG) Die Zeitfälscherin 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Tinkas

Weihnachtsabenteuer 15.25 (für HG) Schneewelt

15.50 (für HG) Mascha und der Bär 16.05 (für

HG) Lassie 16.50 Peter Pan–Neue Abenteuer

17.35 (für HG) Der kleine Prinz 18.00 (für HG)

Beutolomäus und der wahre Weihnachtsmann

18.15 Esme &Roy 18.35 (für HG) Weißt du

eigentlich, wie lieb ich dich hab? 18.47

Baumhaus 18.50 Unser Sandmännchen 19.00

Sherazade 19.25 pur+ 19.50 (für HG) logo!

20.00 (für HG) Kika Live 20.10 My Move 2

Dmax

5.40 Bad Buddies 6.00 Chris &Mäx 6.50

Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.20 Auction

Hunters 9.50 Infomercial 10.15 BaggageBattles

11.15 Die Zwangsvollstrecker 12.15 Steel

Buddies 13.15 Airplane Repo 14.15 Australian

Gold 16.15 Outback Opal Hunters 17.15 Steel

Buddies 18.15 Helden der Baustelle 19.15

Deutschland 24/7 20.15 Steel Buddies

Unboxing 21.15 Cash für Chrom 22.15 112:

Feuerwehr im Einsatz 23.10 DMAX News 23.15

Fire Brigade 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Verborgene Bodenschätze in NRW–wa

schlummertunter unserenFüßen? 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Super.Markt

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Verliebt, verlobt, verprügelt 20.00

Tagesschau 20.15 Hartaber fair 21.30

Tagesschau 21.32 Zwei Engel für ein Hallelujah

22.00 Marktcheck 22.45 MDR Kultur –Das

Filmmagazin 23.00 Tagesthemen 23.30 Report

Mainz 0.00 Unter Beschuss –Auslösen! 0.45

Tagesschau vor20Jahren 1.00 Nachtmagazin

ONE

5.45 Lindenstraße 6.15 Hubertund Staller 7.10

Brisant 7.50 Die Landärztin –Schicksalswege.

Arztreihe,D/A2011 9.15 Brisant 9.55 Hot in

Cleveland 10.15 Hot in Cleveland 10.35

Lindenstraße 11.05 Hubertund Staller 11.55

Sturmder Liebe 12.40 Sturmder Liebe 13.30

Um Himmels Willen 14.20 Die Wüstenärztin.

Drama, D/A 2012 15.50 Hubertund Staller

16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in Cleveland

17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich

18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe

20.15 Doctor Who 21.00 Doctor Who 21.45

Doctor Who 22.30 Class 23.15 Class 0.00

Doctor Who 0.45 Doctor Who 1.30 Doctor Who

ZDF NEO

6.40 (für HG) Der Wormser Wunderbau 7.20 (fü

HG) MagischesDeutschland 8.05 Topfgeldjäger

9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG) Bares

für Rares 10.35 (für HG) Bares für Rares 11.30

Du &Ich –Unverbesserlich!? 12.15 (für HG)

Monk 12.55 (für HG) Monk 13.35 Psych 14.15

Psych 15.00 (für HG) Monk 15.40 (für HG)

Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 (für HG)

Bares für Rares 18.35 Du &Ich –Unverbesserlich!?

19.20 (für HG) Bares für Rares 20.15 (fü

HG) Kommissarin Heller: Vorsehung.Krimireihe, D

2018 21.45 (für HG) Die Chefin 22.45 (für HG)

heute-show 23.15 Shapira Shapira 23.45 (für

HG) Eichwald,MdB 0.20 (für HG) Eichwald,MdB

ZDF INFO

7.05 ZDF-History 7.50 ZDF-History 8.23 heute

Xpress 8.25 ZDF-History 9.10 Erbarmungslos

9.55 Daphne –Tod einer Journalistin 10.40

Mördernauf der Spur 11.10 Serienkiller 11.55

Serienkiller 12.40 WarofThrones 13.25 Warof

Thrones 14.10 WarofThrones 14.55 Warof

Thrones 15.45 Burgen 16.30 Burgen 17.15

Burgen 18.00 Burgen 18.45 ZDF-History 19.30

Lost Places 20.15 (für HG) Superbauten –Wettlauf

zum Himmel 21.00 (für HG) Superbauten–

Säulen für die Ewigkeit 21.40 (für HG)

Superbauten –Wahnsinnund Visionen 22.25

Böse Bauten 23.10 Böse Bauten 23.50 Böse

Bauten 0.35 (für HG) heute journal

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Streifzügedurch das

klassische Musikleben der Hauptstadt. Mit Kai

Luehrs-Kaiser,ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert St. Georg Nürnberg: „Magnificat anima

mea Dominum“ /„Bleibe bei uns“ /„Egote

laudo“ /„Confitebor tibi, Domine“ /„Nunc

dimittis“ /„Christus ist mein Leben“ /„Laudate

Dominum omnes gentes“, ca. 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt MieczyslawWeinberg zum

100. Geburtstag.AmMikrofon: Clemens

Goldberg,ca. 56 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles –

eine Ehe in Briefen (12/20). VonTheodor

Fontane /Gelesenvon Jennifer Antoni und Max

vonPufendorf, ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Mexiko–Hoffnung im Narco-Land?

VonErika Harzer und Wolf-DieterVogel /Regie:

Nikolai vonKoslowski, ca. 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Hörspiel des Monats /Hörspielpremieren

im Dezember/MitHörspielenspielen–Von

Martin Stengel. /Storytelling fünf Jahre nach

„Serial“ –Von Esther Schelander /Karteileichen

–Von Anna Panknin, ca. 50 Min.

MAGAZIN

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Gewinner und Verlierer: Kaschmir-

Konflikt in Indien. VonAntje Stiebitz, ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin „Ohne Frauen ist kein Staat zu

machen“ –Die Gründung des Unabhängigen

Frauenverbands der DDR. VonSylviaConradt,

ca. 26 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen Sind neue Genossenschaften die

besseren Firmen? VonNorbertZeeb und Claas

Christophersen, ca. 55 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die Jazzsängerin Lyambiko. Mit Ortrun

Schütz, ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Istanbul Groove.Mit Pete

Rixen, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz Live Eric SchaeferQuartett „Kyoto, mon

amour“. Mit Anja Buchmann, ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 281 · D ienstag, 3. Dezember 2019 – S eite 26

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Andrea Petkovic (32) war nie nur eine

Tennisspielerin. Neben ihrer eigentlich

ausfüllenden Tätigkeit als Profisportlerin

studiertsie Politikwissenschaften,

schreibt auf den Internetseiten

der Frankfurter Allgemeinen

Zeitung über ihr Leben und im Magazin

der Süddeutschen Zeitung eine

Kolumne über dies und das.Erst am

Sonntag legte sie ihr Debüt als Moderatorin

der ZDF-„Sportreportage“ mit

Bravur hin. Petkovic hat, wie man in

Hamburgsagt, Hummeln in die Büx.

Es ist beinahe wie ein Zwang:„Ich

fühle mich unwohl, wenn ich mal einen

Tagnichts mache.Ich habe einmal

Strandurlaub gemacht, das war

nix für mich.“ Klingt super,die ehemalige

Top-Ten-Spielerin aus Darmstadt

befindet sich im Dauerzustand

der Fleißpreisanwärterschaft.

Thomas Gottschalk (69) entdeckt mit

fortschreitendem Alter dieVorzüge

des Kürzertretens,sie sind vorallem

gesundheitlicher Natur.Eben deswegen

hörtder Moderator jetzt mit seiner

Radio-Showfür den Bayerischen

Rundfunk auf:„Ich merke doch, dass

mein Körper sein Recht fordert“,

sagte er in seiner Sendung am Sonntagabend,

die seine vorerst letzte gewesen

sein soll.„Mein Arzt hat mir gesagt,

es wärehochriskant, wenn ich

weiter wie bisher einmal im Monat

das Bett verlasse“, beliebte Gottschalk

des weiteren zu scherzen. Oh

Thommy,deineWitzelsucht –obwir

sie jemals vermissen werden?

Oli P.(41) springt auf den

Öko-Zug auf und bekennt

sich als Veganer,

weshalb er wegen der

tierischen Zutaten

auch auf Süßigkeiten

verzichtet.

„Inden Süßigkeitengang

im

Supermarkt gehe

ich dann halt einfach

nicht“, erklärt

uns der Sänger.

Kann man die Welt

am Supermarktregal

retten? (schl.)

Er weiß: Süßes ist

nicht immer vegan.

IMAGO IMAGES

TIERE

3.

Dezember

Haustiere haben in dieser Familie nie

eine Rolle gespielt. Dafür dominierendie

Berliner Eisbären seit nunmehr

sieben Jahren Alltag, Urlaubsplanung,

Freizeitgestaltung und gemeinsame

Essenszeiten. Insider wissen,

dass beim Vater die

Eishockey-Sicherungen durchgebrannt

sind. Nun, wir haben zwei

entsprechende Kuscheltiere: Eisbär,

der Ältere, wie die Tochter inzwischen

3,5 JahreJahr alt, hat bei Aufnahme

in die Familie den Titel Uwe-

TommerDonnie bekommen –dabei

handelt es sich um die Aneinanderstrickung

vergangener Berliner Eishockey-Trainer.Eisbär,der

Jüngere,

der etwas später hinzukam, ist einfach

da –ohne Titel. Er wirdgeduldet,

mehr nicht. Benedikt Paetzholdt

„Ich hatte

Angst, zur

Heulsuse

zu werden“

Der französische Schauspieler

Vincent Cassel über seinen

neuen Film „Alles außer

gewöhnlich“ und die Arbeit mit

autistischen Kindern

Vincent Cassel: Mit dem Motorroller durch NewYorkgeirrt auf der Suche nach echt französischen Camembert.

Schlagzeilen machte er zuletzt,

weil er ein 30 Jahrejüngeres

Model heiratete und

mit 52 Jahren noch mal Papa

wurde. Aber der französische Charakterdarsteller

Vincent Cassel

spricht lieber über seine Arbeit. In

„Alles außer gewöhnlich“ (ab Donnerstag

im Kino) sieht man ihn mal

weder in Action, Thriller oder einer

Komödie, sondern als Sozialarbeiter,

der sich aufopfernd um

Schwerbehinderte und Autisten

kümmert, die durch das soziale

Netz gerutscht sind und vom Staat

vergessen wurden. Wir treffen Vincent

Cassel in Pariszum Gespräch.

Vimcent, Siestehen schon seit über 30

Jahren vor der Kamera. Wird das

Spielen für Sieimmer einfacher?

Schauspielen ist einfach! Schwierig

ist es nur, wenn man in schlechten

Filmen mit schlechten Regisseuren

dreht, dann muss man auch als

Mime mehrere Jobs gleichzeitig machen,

um das auszugleichen. Wenn

man jedoch mit guten Regisseuren

dreht und das Projekt kohärent ist,

ist das Spielen immer leicht.

Selbst, wenn Ihr Gegenüber ein autistisches

Kind ist?

Beim Drehen sucht ein Schauspieler

unbewusst immer kleine Abweichungen

oder Vorkommnisse,

auf die er spontan reagieren muss –

denn dann blitzt plötzlich etwas

Wahrhaftiges durch. Abweichungen

vom Drehbuch schaffen Authentizität.

Mit den autistischen Laien zu

drehen, war nicht anders als mit einem

Kind zu spielen, das eine geringere

Aufmerksamkeitsspanne hat

und immer bei Laune gehalten werden

will. Natürlich ist anfangs auch

etwas Angst dabei, wie man sich am

besten verhält. Ich hatte kaum Ahnung

von Autismus. Höchstens ein

etwas romantisiertes Bild von jemanden,

der Klavier spielt, aber

sonst menschenscheu ist.

Also ein Kenntnisstand wie aus Hollywoods

„Rain Man“.

Genau. Die Kids haben mich so

beeindruckt, dass ich nicht wusste,

wo ich Leichtigkeit hernehmen sollte.

Wasmir half, waren die „Papotins“,

eine Theatergruppe von Autisten, jeder

in einem anderen Alter und mit

anderen Symptomen der Krankheit.

Die interviewten mich. Die Fragen

waren so weit her geholt oder auch in

Babysprache,dass ich lachen musste.

Wir befanden uns ja alle auf unbekanntem

Terrain.

Vincent Cassel, eigentlich

Vincent Crochon, wurde

1966 in Paris geboren, sein

Vater war der Schauspieler

Jean-Pierre Cassel, seine

Mutter die Journalistin Sabine

Litique. Die Elternließen

sich 1980 scheiden.

Mit 17 besuchte Vincent

eine Zirkusschule.

Hat diese Erfahrung Sie nur beeindruckt

oder sogar bereichert?

Gegen Drehende hatte ich Angst,

am Set zur Heulsuse zu werden.

Denn diese Kids haben mich sehr

bewegt und wir hatten viele enge Beziehungen

aufgebaut. Siehaben keinen

Filter. AmAnfang habe ich viel

mit ihnen abgehangen, um mich an

ihreArt zu gewöhnen. Zwei-, dreimal

die Woche bin ich mit ihnen zum

Reiten gegangen oder zum Essen.

BisSie sich sicher fühlten?

Bisich nach zwei Wochen zumindest

spielen konnte, dass ich selbstsicher

wäre. (lacht) Einer der Jungs

hat zu Ende jedes Drehtags seinen

Kopf auf alle unsereSchulterngelegt,

ein Zeichen, dass es ihm mit unserem

Chaos aus Profis und Amateurengut

ging.

Sie scheinen angstfrei zu sein. Ist es

Ihnen auch egal, was über Sie geschrieben

wird? Lesen Sie Kritiken

und Kommentare?

Ichlese vieles,denn mich interessiert,

was die Leute denken, was ich

ZUR PERSON

In New York, wo seine Mutter

lebte, lernte Cassel am Actors

Institute gegenden Rat

des Vaters die Schauspielkunst

und begann nach seinerRückkehrinFrankreich

an Theaternzuspielen; es

folgten erste Fernseh-und

Kinorollen. Cassel versuchte

sich auch als Regisseur.

Bekannt wurde Cassel einem

breiterenPublikum

durch actionreiche Filme wie

„Irreversibel“(2002) und

„Oceans12“ (2004). Sein

neuester Film „Alles außergewöhnlich“

ist eine Komödie

und handelt vonderArbeit mit

autistischen jungen Menschen

und ihren Betreuern.

Szene aus dem Film „Alles außer gewöhnlich“: Der Sozialarbeiter Bruno (Vincent Cassel)

und der autistische Joseph (Benjamin Lesieur,l.).

PROKINO

wohl tue und lasse. Aber es definiert

mich nicht. Wenn ich eine Nacht

drüber geschlafen habe,erinnereich

mich nur noch an das, was für mich

relevant ist.

Ihr Vater Jean-Pierre Cassel, der 2007

starb, war einer der berühmtesten

Mimen Frankreichs. Er hatte Ihnen

von dem Beruf abgeraten, weil Sie es

schwer haben würden, sich aus seinem

Schatten zu befreien. Hatte er

recht?

Es ist interessant: Wenn deine Elternsterben,

hörst du auf, sich gegen

sie aufzulehnen –und fängst an, so

auszusehen wie sie! Mein Vater hat

mir früher geraten: „Wenn du dich

verliebst, schau dir die Mutter deiner

Freundin gut an. Denn genau so wird

sie später auch.“ Und erlag damit

ganz richtig! Ich bemerke auch an

mir, wie ich meinem Vater immer

ähnlicher werde. Das ist wohl der

Schlüssel zur Unsterblichkeit.

Sie leben schon seit Jahren in Rio de

Janeiro. Fühlen Sie sich nicht mehr

an Frankreich gebunden?

AFP/ALBERTO PIZZOLI

Ich bin Pariser, aber mir gefallen

auch viele andereSachen. Mein Herz

schlägt zum Beispiel für die brasilianische

Kampfkunst Capoeira. Ich

bin 25 Jahrelang immer wieder nach

Rio gereist. Irgendwann dachte ich

mir,ich kann auch einfach dortbleiben.

Durch das Drehen bin ich eh

immer ganz schnell wieder weg und

unterwegs zum nächsten Set. Ichbin

schon durch meinen Beruf gezwungen,

ein Vagabund zu sein.

Beeinflusst es Ihre Identität, dauernd

in Bewegung zu sein?

Die Identität ergibt sich daraus,

wie du aufwächst. Ich fühle mich

auch mit NewYorksehr eng verbunden.

Meine Mutter lebte dort, ich war

oft bei ihr und ging dortauchauf die

Schauspielschule, das Actors Institute.

InNew York kam ich mit Hip-

Hop inBerührung, für mich wurde

damit ein Traum wahr.InFrankreich

galt ich immer als Amerikaner.

Sie, der Paradefranzose?

Ja,ich lief in Turnschuhen herum

und aß Junk Food, als die Franzosen

mit dieser Kultur in den 80ern noch

nicht vertraut waren. Mit New York

wurdezwarmein Traum wahr.Doch

dort begriff ich auch, wie typisch

französisch ich doch bin.

Also doch!

Einmal war ich so heimwehgeplagt,

dass ich auf dem Walkman

Edith Piaf hörte und mit meiner

Vespaquerdurch NewYorkfuhr, um

irgendwo Camembert aufzutreiben!

Unddabei weinte ich Rotz und Wasser…

In dieser Nachtwurde mir klar,

wie französisch ich bin. Vive la Revolution!

Washalten Sievon derversuchten Revolution

der Protestbewegung der

„Gilets Jaunes“, derGelbwesten?

Diese Bewegung zeigte, wie viel

Zorn in der französischen Gesellschaft

vorherrscht. Frankreich sitzt

ganz schön in der Tinte. Ich glaube,

dass ich generell den zivilen Ungehorsam

gut finde. Zumindest war

der Anfang dieses Protests legitim

und positiv, aber wenn dann Tausend

Menschen losziehen, nur um

Fensterscheiben einzuwerfen und

Vandalismus zu betreiben, wird ihnen

das auch nicht weiterhelfen. Die

Bewegung ist urfranzösisch und ich

war sehr stolz darauf. Aber jetzt wird

sie längst nur noch für Randale missbraucht.

Interview: Mariam Schaghaghi

Fünf Tote bei Unwetternin

Südfrankreich

Beischweren UnwetterninSüdfrankreich

sind fünf Menschen ums

Leben gekommen. Drei Rettungskräfte

starben in der Nacht zu Montag

bei einem Hubschrauber-Absturz,

wie das französische Innenministerium

mitteilte.Mit ihnen verliereFrankreich

drei „Alltagshelden,

die ihr Leben gegeben haben, um die

Franzosen zu beschützen“, erklärte

Innenminister Christophe Castaner.

Zwei weitereMänner kamen in den

Fluten ums Leben. (AFP)

Dänischer Wildschweinzaun

an deutscher Grenze fertig

Nach zehn Monaten Bauzeit hat Dänemarkseinen

umstrittenen Wildschweinzaun

entlang der Grenzezu

Deutschland fertiggestellt. Bauarbeiter

befestigten am Montagvormittag

das letzte Zaunteil nahe dem

Grenzübergang Sofiedal knapp 20

Kilometer nordwestlich vonFlensburg.

DerWildschweinzaun ist eine

vonmehreren Maßnahmen, mit denen

Dänemarkseine wichtige und

gewinnbringende Schweinezucht

vorder Afrikanischen Schweinepest

schützen will. (dpa)

Melania Trump präsentiert

Weihnachtsdeko

Der „Geist Amerikas“ weht dekorationshalber

durchs Weiße Haus. TWITTER/@FLOTUS

Alle Jahrewieder:Amerikas First

Lady Melania Trump hat die weihnachtliche

Dekoration im Weißen

Haus präsentiert. Die49Jahrealte

Ehefrau vonUS-Präsident Donald

Trump (73) veröffentlichte am Sonntagabend

(Ortszeit) und am Montag

mehrereTweets mit Fotos und einem

Videoclip zu der diesjährigen Weihnachtsdeko

in der US-Regierungszentrale.Der

„Geist Amerikas“ erstrahle

im Weißen Haus,schrieb sie

dazu. (dpa)

Toter Pottwal mit 100

Kilogramm Müll im Magen

Im Magen eines toten Pottwals haben

Experten in Schottland etwa

100 Kilogramm Müll entdeckt.

Reste vonFischernetzen, Seile,Tüten,

Verpackungsbänder und Plastikbecher

hatten sich im Magen zu

einem riesigen Ball geformt, wie

der britische Sender BBC am Montag

berichtete.Der Müll stammt

demnach vomFestland und vonFischerbooten.

(dpa)

Australische Polizei filmt

Handy-Sünder im Auto

MitKameras geht die Polizei im australischen

NewSouth Wales jetzt gegen

die verbotene Handy-Nutzung

im Straßenverkehr vor. Seit Anfang

Dezember filmen die Behörden den

Fahrerbereich vonAutos mit hochauflösenden

Kameras,wie die Regierung

in Australiens bevölkerungsreichstem

Bundesstaat am Montag

mitteilte.Bislang wurden Handy-

Sünder nur verwarnt, demnächst

sollen Strafen von344 australischen

Dollar (210 Euro)gelten. (dpa)

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