Aufrufe
vor 5 Monaten

meinviertel_april_2018

mein/4 Stadtteilmagazin Berlin, Ausgabe Frühjahr 2018

Die Eltern sind an allem

Die Eltern sind an allem schuld Wer auf der Schultoilette beim Telefonieren, Chatten oder Spielen erwischt wird, muss das Handy abgeben. Das trifft jeden mal. Man wird entdeckt oder verpetzt. An vielen Schulen dürfen die Kinder ihre Handys nach dem Unterricht nicht selbst aus dem Sekretariat abholen. Die Eltern müssen kommen. Natürlich zu den Öffnungszeiten. Am Freitag ist das Sekretariat ab 14:00 Uhr geschlossen. Franziska Hauser Nach Schulschluss, wenn ich wissen will, ob der Schulbus im Stau steht, ob das Kind direkt nach Hause kommt oder zu Freunden geht, ob es vom Basketball abgeholt werden muss oder nicht, fängt der Safe im Sekretariat an zu klingeln. Am Montag hole ich mir den strengen Blick der Sekretärin ab, während sie in der Kiste mit den abgenommenen Handys wühlt, auf denen Klebezettel mit den Namen der Kinder kleben. Im Durchschnitt seien es vier Handys pro Woche, sagt die Sekretärin einer großen Schule. Manche Lehrer seinen tolerant, andere nicht. Mit dem Handy gebe ich den strengen Blick aus dem Sekretariat an das Kind weiter. Ich darf auf mein Kind wütend sein. Die Schule nicht. Aber was ist, wenn ich mich auf die Seite des Kindes stelle, statt auf die der Schule? Was ist, wenn ich nicht auf das Kind sauer werden will, weil ich seinetwegen in die Schule muss, sondern lieber auf die Schule, weil ich mir am Freitag unnötige Sorgen gemacht habe? Ich bin nachsichtiger mit meinem Kind als die Lehrerin, bereit es gegen jede Ungerechtigkeit zu verteidigen und mich bei der Schulleitung über diese Maßnahme zu beschweren. Klagen von Eltern gegen Schulen, Beschwerdeattacken auf Lehrer und Erzieher nehmen zu. Noch nie hatten Lehrer und Erzieher so stark das Gefühl, unter den Erziehungsfehlern der Eltern leiden zu müssen. „Wer noch nie verklagt wurde, ist kein richtiger Lehrer“, sagt man schon unter den Lehramtsstudenten. Dass Eltern immer öfter das Gefühl haben, sich für ihre Kinder einsetzen zu müssen, obwohl die Schüler besser vor Bestrafung und Willkür geschützt sind als je zuvor, klingt paradox. Niemand wird geschlagen oder muss dem Gesicht zur Wand stehen. Kein Lehrer darf ein Schulkind zur Strafe aus dem Unterricht weisen, zum Hausmeister schicken, um Stühle zu reparieren oder den Hof zu fegen. Selbst die Abnahme des Smartphones wird heute von den Eltern als Verletzung der Würde angesehen, wie ein Präzedenzfall zu dem Thema zeigte, der von den klagenden Eltern verloren wurde. Wenn ein Kind zur Strafe in der Schule Toilettenpapier verteilen müsste, weil es den Unterricht gestört hat, erschiene das vielen Eltern als direkter Weg zum Versager, als erstes Anzeichen dafür, dass das Kind später unter der Brücke landen werde. Die Lehrer müssten integrieren und dafür sorgen, dass jeder an allem teilhaben könne. Bestrafen ist tabu. Trotz der kontinuierlichen Abschwächung der Möglichkeiten, Schüler für unerwünschtes Verhalten zu sanktionieren, wächst der Ärger mit den Eltern und auf Seiten der Lehrer wächst mitunter das Bedürfnis, statt der Kinder die Eltern zu erziehen.

Die Eltern sind an allem schuld Wenn Schüler im Unterricht mit dem Handy spielen, wenn sie sich vom Schulgelände stehlen, sich im Sportumkleideraum prügeln, im Unterricht essen oder gar Lehrer beschimpfen, dann werden die Eltern zum Gespräch gebeten. Und dann stehen die Eltern ratlos vor der unlösbaren Aufgabe, das Verhalten des Kindes während ihrer Abwesenheit unter Kontrolle zu bekommen. Denn verantwortlich für inakzeptables Verhalten von Schülern sind grundsätzlich die Eltern. Auch für den Druck, den die Schule den Kindern nicht machen sollte, sind scheinbar die Eltern verantwortlich. Konsequenzen dürfen Lehrer nur über die Eltern androhen. Gleichzeitig ist Elterninitiative gefragt wie nie. Mütter und Väter sollen nicht nur ihre eigenen Kinder unterstützen, sondern auch beim Kuchenbasar und beim Sportfest helfen, sich einbringen in die Organisation der Schule, an Elternvertreterversammlungen teilnehmen und notfalls beim Senat Druck machen, wenn Lehrer oder Gelder fehlen. Die Schulen brauchen das Engagement der Eltern. Aber die Intentionen der Eltern sind andere, als die der Schule. Lehrer sind daran interessiert, Eltern in die Schule zu holen, um in ihrer Arbeit und ihren Lehrmethoden unterstützt zu werden, während Eltern durch den gesellschaftlichen Erfolgsdruck eher an der Begünstigung ihres eigenen Kindes interessiert sind. Immer mehr Eltern haben das Gefühl, die Ausbildung ihrer Kinder immer detaillierter mitbestimmen zu müssen. Vor dem Klassenraum begegne ich nach dem Unterricht einer weinenden Mutter. Sie habe die Hausaufgabe falsch verstanden und ihr Sohn habe dafür eine schlechte Zensur bekommen. Die Lehrerin findet, dass der Junge aber hätte wissen müssen, wie es richtig ist, wenn er im Unterricht aufgepasst hätte. Das Argument der Mutter: „Aber er hat doch gedacht, er hätte es im Unterricht falsch verstanden.“ Das Kind steht dazwischen, hat seine Mutter zum Weinen gebracht und dazu noch eine schlechte Zensur bekommen. „Die Eltern müssen lernen, den Kindern nicht bei den Hausaufgaben zu helfen“, sagt die Lehrerin. „Wie soll ich das sonst bewerten, wenn es die Eltern machen?“ Die Mutter findet es notwendig, das Kind zu unterstützen. „Er schafft das nicht alleine“, sagt sie. So ist die Aufforderung zu Elternengagement nicht gemeint. Aber Eltern, die das falsch verstanden haben, können nicht so einfach in die Schranken gewiesen werden. Man kann leicht aggressiv werden auf heulende Mütter. „Dass die das nicht peinlich findet, hier rumzuheulen“, sagt die Lehrerin später im Lehrerzimmer und lässt sich von ihren Kollegen bestätigen, dass es richtig war, nicht nachzugeben. „Die Arbeit ist okay, wenn nur die Eltern nicht wären“, sagen Lehrer und Erzieher in Schulen und Kindergärten. „Die Eltern sind das Schlimmste!“ Beschwerden verhärten oft die Fronten – und zwischen den Fronten stehen die Schüler, vielleicht mit Charly Browns typisch trauriger Haltung: „Wir sollen in der Schule aufpassen, damit wir später einen von den guten Jobs bekommen und unsere Kinder an gute Schulen schicken können, damit sie später einen von den guten Jobs bekommen und so weiter.“ Ein schlechter Lehrer, der ein klares Feindbild abgibt, kann damit möglicherweise den Klassenzusammenhalt stärken. Aber Lehrer wollen längst keine Feinde mehr sein, sondern versuchen, individuelle Lernmethoden zu finden und die Eigeninitiative der Schüler zu fördern. Sie haben weit mehr Aufgaben, als Wissen zu vermitteln und Leistungen zu bewerten. Nicht nur an sozialen Brennpunktschulen, an denen mehr als die Hälfte der Schüler von Zuzahlungen befreit sind, müssen Lehrer immer öfter auch als Sozialarbeiter fungieren. Ohne dafür ausgebildet zu sein, müssen sie Elterngespräche führen, mit dem Jugendamt zusammenarbeiten und erkennen, wo eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, was üblicherweise Vernachlässigung bedeutet. Kindeswohlgefährdung durch Hyperprotektion an High Society Scharfe Sicht. Sicheres Fahren. Entspanntes Ankommen. SEIKO DRIVE ist ein für den Autofahrer optimiertes Glasdesign, kombiniert mit der innovativen Spezialbeschichtung SEIKO RCC für blendfreies Sehen. SICHERE FAHRT. SICHERE ANKUNFT. MEIN SEIKO DRIVE. www.augenoptik-in-berlin.de Bötzowstr. 27 · 10407 Berlin Tel 030 - 49 780 321 · Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-16 Uhr

mein/4 Prenzlauer Berg 2017/2018
Mein/4 Sept-Okt 2017
Mein/4 Juli-August 2017
August 2009
Februar 2009
Rahlstedter Leben März 2015
Mai 2017
Dezember 2010
November 2016
Dezember 2015
März 2015
August 2016
PDF Dokument Download - Ausgabe 3/2011 - Lebenshilfe Berlin
Mein/4 Spezial 2017/2018
Aktuelle Ausgabe - Philologenverbands Sachsen-Anhalt
MLZ-Ausgabe Nr. 6 - MLLV - BLLV
Szenebezirk und innovationsstandort - Pankow-Wirtschaft
Unser Borsigwalde (Frühling 2018)
Bonusheft mit Coupons zum runterladen 8. Ausgabe - S-Bahn Berlin ...
umschlag für pdf-version.indd - Verband für sozial-kulturelle Arbeit
Ausgabe 4/2006 - Landschaftsverband Rheinland
BUBB-VK_3-2017
Schullaufbahnberatung auf der 4.Schulstufe - Schulpsychologie
Studieren mit Kind in Berlin - HWR Berlin
Interview auf Seite 4 - gesunde AHS
Ruederblatt – 4. Ausgabe 2013 im Dezember - Gemeinde ...