Aufrufe
vor 3 Wochen

Stadionzeitung_2017_18_12_VfB_Ansicht

48 Heimstark 19 seiner

48 Heimstark 19 seiner 20 Zähler verbuchte der VfB Stuttgart in der Heimat. In der Mercedes-Benz- Arena gewann der VfB sechs von neun Partien. Auswärts dagegen holten die Schwaben erst einen Punkt. Ende November gelang in Hannover ein 1:1. Heimkehrer Mario Gomez verkörpert die Hoffnung des VfB Stuttgart auf den Klassenverbleib. Mitspieler und Vorgesetzte schwärmen von der Präsenz des 32-Jährigen, mit dem auch die Auswärtsschwäche verschwinden soll: Erst einen Punkt ergatterten die Schwaben in dieser Saison in fremden Arenen. Das ist nun wieder eine dieser Geschichten, bei denen man denkt: Och nö, komm, das ist jetzt ein bisschen arg konstruiert, das kauft dir doch keiner ab.“ Mario Gomez also feiert nach 3158 Tagen der Abwesenheit sein Comeback im Trikot das VfB Stuttgart – und hat einen herausragen-den Anteil daran, dass die Schwaben mit einem 1:0 über Hertha BSC in die Rückserie starten und als Tabellenzwölfter in ihr Mainzer Gastspiel gehen. Die 78. Spielminute: Daniel Ginczek schickt Gomez in des Gegners Strafraum; Hertha-Verteidiger Niklas Stark ahnt das Unheil, verhält sich im Zweikampf tapsig, reißt Gomez um; der Nationalstürmer schlägt eine Art Purzelbaum – und Stark lupft den Ball ungewollt über Torwächter Rune Jarstein ins Netz des eigenen Tores. Eine Szene, so kurios wie unfassbar. „Für mich war die Situation abgehakt und klar: Elfmeter und Rot“, erzählt Gomez später, „gnädigerweise hat der Hertha-Verteidiger gesagt: Nimm das Tor und lass uns weiterspielen. Da hab ich mich nicht gewehrt.“ Simon Terodde hat den VfB Stuttgart zwar mit 25 Treffern als Schützenkönig der Zweiten Bundesliga zurück ins Oberhaus geführt, dort aber funktionierte er als Torgarant nicht mehr. In der Winterpause verabschiedete er sich zum 1. FC Köln. Gomez wurde für 3,5 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg ins Ländle transferiert, zu jenem Verein, für den er schon von 2002 bis 2009 tätig gewesen war, wo er Großteile seiner Ausbildung genossen hatte und zum begehrten Kicker geworden war. Eine Herzensangelegenheit. In der Bundesliga wäre Gomez zu keinem anderen Verein gewechselt. Der 32-jährige soll in Stuttgart nicht nur Tore schießen, an ihm sollen sich die jungen Profis anlehnen und im Abstiegskampf Selbstvertrauen schöpfen. Und die Kontrahenten sollen ins Grübeln geraten. „Mario ist jemand, der einfach eine Wirkung auf gegnerische Verteidiger hat“, sagt Kapitän Christian Gentner. Torwart Ron-Robert Zieler ergänzt: „Mario hilft uns schon mit seiner Präsenz. Er kann nicht nur Tore schießen.“ Sportdirektor Michael Reschke bedeutet: „Mario ist auch außerhalb des Platzes wichtig. Er schwimmt in der Mannschaft und er schwimmt im Verein.“ Mit Gomez scheint sich plötzlich auch Fortuna auf die Seite des VfB zu schlagen, wie Trainer Hannes Wolf erkannt haben mag: „Wir waren streckenweise nicht gut – aber in der Hinrunde haben wir kaum ein Spiel auf diese Art und Weise gewonnen.“ Das Glück, ergänzte Michael Reschke, sei allerdings nicht vom Himmel gefallen, man habe es sich erarbeitet. 19 Punkte hat der VfB Stuttgart im eigenen Stadion erspielt, in der Fremde kommt die Elf von Trainer Hannes Wolf auf einen einzigen Zähler, resultierend aus einem

Unser Gast 49 Fliegender Rückhalt: Keeper Ron-Robert Zieler. Von La Plata direkt in die schwäbische Startelf: der Argentinier Santiago Ascacibar. „Mario hilft uns schon mit seiner Präsenz. Er kann nicht nur Tore schießen.” RON-ROBERT ZIELER 1:1 bei Mitaufsteiger Hannover 96. Die zurückliegenden beiden Auswärtspartien in Hoffenheim und Bremen gingen jeweils mit 0:1 verloren. 21 Gegentreffer nach 18 Spielen repräsentieren die drittbeste Defensive, 14 erzielte Tore indes die zweitschlechteste Of-fensive. Zum Vergleich: Mainz 05 hat drei Punkte weniger verbucht, aber siebenmal öfter getroffen. Dürftige Effizienz wirkte sich auch im Achtelfinale des DFB-Pokals aus, als der VfB in der OPEL ARENA beim FSV mit 1:3 unterlag. „Es wird Zeit für einen Auswärtssieg“, sagte Trainer Hannes Wolf unmittelbar nach dem Erfolg über Hertha BSC, bei dem sich alles um Mario Gomez drehte. Dabei hatten auch andere Spieler ein dickes Kompliment verdient. Timo Baumgartl etwa. Der Innenverteidiger glänzte im Zweikampf wie in der Spieleröffnung und ließ Berliner Gegenangriffe mit exquisitem Stellungsspiel oft schon auf Höhe der Mittellinie ins Leere laufen. Sportdirektor Reschke rühmte den Jungspund für eine „nationalmannschaftstaugliche“ Leistung. An der Seite des zuletzt angeschlagenen Holger Badstuber kann Baumgartl reifen. Das Fachmagazin „Kicker“ führt Badstuber in der Rangliste der Top- Verteidiger mit einem Notenschnitt von 2,91 auf Rang vier, allein Naldo, Mats Hummels und Phillip Max wurden besser bewertet. Gegen die Hertha kam Badstuber nach 82 Minuten in die Partie. In Mainz dürfte er beginnen. Wie Gomez, der sich bei seiner Rückkehr in längst vergangene Zeiten versetzt fühlte: „Ich musste zwei-, dreimal über mich schmunzeln, als ich gemerkt habe, dass es in mir kribbelt. Das hat mich an meine ersten Spiele hier erinnert, wo ich noch ganz jung war und die Bundesliga für mich etwas Galaktisches und Außerirdisches.“