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D Waret über de Isidor W. (ZH)

D Waret über de Isidor W. (ZH)

D Waret

D Waret über de Isidor Wanner Wanner Das gaat Si en füechte Dräck aa. Zieht an der Zigarette und wirft sie angewidert zu Boden. Und sogar wänn i i däm chäibe Zug drin gsi wäär. Das häisst no lang nöd, dass ich die blööd blaui Dissggette gfunde han. Hungerbühler Nöd? Und vo woo wüssed Si i däm Fall, dass d Dissggette blau gsi isch? Ich mäin, di mäischte Dissgette sind grau oder schwarz. Es git si aber au i root oder grüen oder gälb, mängisch sogar i orange, minere Lieblingsfaarb. Wanner nach einem Schluck Bier, fast schon müde. Warum haued Si’s nöd äntli zum Tüfel. Hungerbühler Ich cha Si mit Irne Gwüssensbiss doch nöd eläi laa, Wanner. Entnimmt dem Ordner ein Blatt. Ich han es schriftlichs Geständniss vorberäitet, wo Si äifach chönnd underschriibe. Söll ich’s Ine voorläse oder chönnd Si öppe läse? Wanner Entreisst Hungerbühler zornig das Blatt, liest stockend. „Hiermit gestehe ich, Isidor Wanner, im Vollbesitz meiner bescheidenen geistigen Fähigkeiten, dass ich...“ Zerknüllt das Blatt und wirft es weg. Hungerbühler Ts, ts, Si händ gar nonig färtig gläse, Wanner. Wanner Ich underschriib gar nüüt. Hungerbühler Si chönnd au äifach drüü Chrüüzli anetue. Ich ha no es paar Zädel debii. Wanner Ich ha nüüt gstole. Ich ha die Dissggette gfunde. Hungerbühler Natüürli. Immer voruusgsetzt mer gsäch de Begriff „finde“ es bitz weniger äng als de Duden deet, gälled Si. Wanner Ich ha si im Fundbüro wele abgää. Aber – s isch zue gsi. Hungerbühler blättert im Ordner. Ire Schnällzug isch am sächzäni nullfoif aachoo – allefalls mit drüü, vier Minuute Verspöötig – , s Fundbüro schlüüsst under de Wuche © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 29 -

am zää vor elfi znacht. Sächsehalb Stund müsstet äigetli grad no so lange. Wanner Ich bi pressant gsi. Ich ha das choge Ding am nöchschte Taag weleabgää. Hungerbühler Was Si nöd säged. Wanner Ich ha’s i minere Täsche vergässe. Glaubed Si blooss nöd, ich hett mer wäge däm ständig de Chopf zerbroche. En Arbetsloose mit Ruggeschade hät ganz anderi Soorge, das chan ich Ine säge. Hungerbühler So? Sind Si drum mit däre Dissggette diräkt zum nöchschte Verlaag gsecklet und händ sich als grosse Schriftsteller uusgää? Wanner trinkt eine Dose leer und wirft sie weg. Also guet, Sii Näärvtööter. Ich verraat Ine, wie’s würkli gsi isch. Hungerbühler S wird au langsam Ziit. Wanner Im letschte Summer han i z Züri en Computerkurs für Arbetsloosi bsuecht. Hungerbühler mit Blick in den Ordner. Vom Juli bis Septämber binere Frau Lydia Rueschterholz. Wanner Schlimm. Nöd nume wäg däre Frau Rueschterholz, sondern au wäg däne winzige Taschte. Und äm flirrende Bildschirm. Ich ha immer en riise Brummschädel gha. Uf jede Fall han i die verwünscht Dissggette mit i dä Kurs gnoo, zum luege, öb’s überhaupt öppis druff hebi. Hungerbühler Und da händ Si Irne Auge nöd traut, gälled Si? Wanner Stimmt. Es völlig birewäichs Chuderwälsch hät’s druff gha. Wie vomene Irrehüüsler. Hungerbühler Das isch doch... Wanner Zerscht han i no tänkt, es stimmi öppis nöd mit em Computer. Hungerbühler entrüstet. Jetzt langet’s öppe, Si Kunschtbanaus. Wanner Aber plötzli isch die Frau Rueschterholz hinder mir gstande und hät wele wüsse, ob das scho mini © Teaterverlag Elgg in Belp. Kein Bearbeitungs- und Kopierrecht. Kein Aufführungsrecht. - 30 -

Wahrheit über Isidor
Unter Druck
Dr. W. D. von Lucius
Steizyt
511-D-1998-de