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SchlossMagazin Bayerisch-Schwaben März 2018

16 | REGION | I WILL

16 | REGION | I WILL DANCE! I Will Dance! Francisco Ruiz-Echarri Laguna lebt seinen Schülern Ballett vor. So jung und schon Ballettlehrer mit Leidenschaft? Kaum zu glauben, aber wahr. Der spanische Profitänzer Francisco Ruiz-Echarri Laguna, genannt Paco, gerade einmal 25 Jahre alt, unterrichtet seit September vergangenen Jahres Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen in der Ballettakademie Erich Payer. Und findet darin seine Erfüllung. TEXT Hannelore Eberhardt-Arntzen FOTOS Nicolaos Doede. Dimas Casinha, SchlossMagazin Auf den ersten Blick mag es erstaunlich sein, dass ein ausgebildeter Balletttänzer sich in so jungen Jahren bereits hauptberuflich dem Lehrerdasein widmet, wo doch seine Kollegen und Altersgenossen noch in Companien auf der ganzen Welt ihre Bühnenkarriere verfolgen. Doch dem sportlich-schlanken jungen Mann mit dem sympathischen Lächeln nimmt man seine Beweggründe sofort ab, wenn man ihn nach seiner Lebensphilosophie fragt. Hinter seinem tänzerischen Können lässt sich eine für sein Alter ungewöhnliche Reife entdecken. Sein Einstieg ins Tänzerleben erinnert ein wenig an den Hauptdarsteller des preisgekrönten Tanzfilms „Billy Elliot – I Will Dance“, der auf wahren Begebenheiten beruht. Wie Billy Elliot fand Paco mit 8 Jahren Unterstützung von seiner kulturbeflissenen Großmutter, als er nach einem gemeinsamen Besuch einer Aufführung von „Schwanensee“ den Wunsch äußerte, Ballett zu lernen. Eine Novität in seiner Familie. Trotzdem durfte er die renommierte private Ballettschule Escuela de Danza María de Ávila in seiner Heimtatstadt Saragossa besuchen, die praktischerweise nur wenige Gehminuten von seinem Zuhause entfernt

| REGION | 17 war. So wurde das Ballett neben der Schule zu seinem Lebensinhalt. Und schon damals assistierte er (wen wundert’s) als Teenager seinen Lehrern, die ihn förderten, bei der Einstudierung von Schulaufführungen. Hierbei erfuhren er und seine Kameraden, wie motivierend und lehrreich ein Bühnenauftritt an der Seite von Tanzprofis ist. Auch in Spanien gilt das Sprichwort: una imagen dice más de mil palabras – ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Sehen und lernen – eine Maxime, die er seither konsequent verfolgt. Wie auch Billy Elliot musste Paco auf dem Weg zum Profitänzer schließlich seine Heimat verlassen. Er ging nach Hamburg und legte seine Abschlussprüfung beim berühmten Ballett John Neumeier ab. Mit dieser Companie bereiste er die ganze Welt und tanzte mit vielen berühmten Kollegen. Für ein Privatleben außerhalb der Companie blieb nicht viel Zeit. 2013 erhielt er ein Engagement beim Ballett des Augsburger Theaters, wo er sein Debut in „Das Bildnis des Dorian Grey” gab. Doch nach zwei weiteren Jahren kamen ihm plötzlich Zweifel. Hatte er sein Leben bisher ausschließlich seiner Passion, dem Tanzen, gewidmet, acht Stunden täglich, die ganze Woche lang, überkam ihn plötzlich das Bedürfnis, die Perspektive zu wechseln. Zu eng war das Korsett der Companie geworden. So hängte er die Ballettschuhe kurzerhand an den Nagel und betrachtete ein Jahr lang als Stewart die Welt von oben. Doch bald merkte er, wie sehr er das Ballett vermisste und strebte zurück auf den Boden der tänzerischen Tatsachen. JUNIOR-PARTNER BEI PAYER Der Zufall wollte es, dass er mit dem Leiter der Ballettakademie Augsburg, Erich Payer, den er schon in seiner Zeit am Augsburger Theater aushilfsweise als Lehrer vertreten hatte, wieder in Kontakt kam. Und so fügte es sich, dass die renommierte Augsburger Ballettschule im 35. Jahr ihres Bestehens in Paco Ruiz-Echarri Laguna einen Junior-Partner und designierten Nachfolger in der Leitung fand. Denn für Paco bedeutete dieser Arbeitsplatz eine Idealkombination: Selbst zu tanzen, andere die Freude daran zu lehren und Wurzeln schlagen zu können – unabhängig von den Schattenseiten eines Lebens auf der Bühne. Nach eingehenden Gesprächen waren sich die Partner jedenfalls rasch einig, denn in ihrer Philosophie stimmten sie überein. LEHREN HEISST PASSION WECKEN Für Paco Ruiz-Echarri Laguna steht die Freude am Tanz, an der Bewegung im Vordergrund. Die will er vermitteln. Aber Ballett hat auch andere Vorzüge. Paco weiß aus Erfahrung: Ballett stählt Körper und Geist, schult die körperliche Präsenz und bildet den Charakter. Doch von nichts kommt nichts. Auch Hobbytänzer sollten als Basis eine Portion Disziplin mitbringen. Das gilt besonders für Kinder, die lernen müssen, dass nicht allein Tutu und Spitzenschuhe eine Ballerina elegant aussehen lassen, sondern Technik und Ausdruck. Beides will erarbeitet werden. Und Paco Ruiz-Echarri Laguna ist sicher: „Wer sich im Ballett anstrengt, bringt auch anderswo gute Leistungen. Es liegt eben an der richtigen Einstellung.“ Dabei kommt es ihm nicht darauf an, aus möglichst vielen Schülern Berufstänzer zu machen. Schließlich geht es um die Freude. Doch jeder Schüler soll aus seinen körperlichen Möglichkeiten das Beste herausholen wollen: „Es gibt immer etwas, das sich verbessern lässt. Aber man muss dem Ganzen Zeit geben.“ Und das tut er mit Geduld und Charme. Wenn die Schüler dann zufrieden und ausgepowert nach Hause gehen, ist das für ihn als Lehrer der schönste Lohn. Für Paco Ruiz-Echarri Laguna ist es der größte Erfolg, wenn seine Schüler Erfolg verspüren. Dabei arbeitet er ständig an sich, um in Pädagogik und Choreografie dazuzulernen, von erfahrenen Ballettlehrern wie Erich Payer und Dimas Casinha. Regelmäßig trainiert er auch selbst mit der Augsburger → RESPEKT FÜR TRADITION