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willst treffen du die ausgefeimte Bande,

und es begrinst gemütlich jeder Schuft

als Landsmann dich in diesem Lande.

Glossen

DAS PUBLIKUM

In demselben Blatt, an demselben Tag:

Nach elftägiger Verhandlung ist der

aufsehenerregende Ehescheidungsprozeß

zu Ende geführt worden, den

Lord — —, der Sohn und Erbe des

Lord — —, gegen seine Gattin, die

Tochter eines Obersten, angestrengt

hatte ...

Der Prozeß drehte sich in der

Hauptsache um die Vaterschaft des

Kindes, das Lady — — im Oktober

1921 zur Welt gebracht hat und als

dessen Erzeuger sie ihren Gatten

angibt. Dieser bestreitet aber die

Vaterschaft auf das entschiedenste.

Er habe sich seiner Gattin, so erklärte

er vor Gericht, schon lange vor

der in Betracht kommenden Zeit

nicht nähern dürfen. Nicht einmal

einen Kuß wollte sich die Lady von

ihm gefallen lassen. Das Paar schlief

in getrennten Zimmern. Jeden Annäherungsversuch

wies sie grob, mitunter

sogar mit Fußtritten ab. Demgegenüber

gab Lady — — zwar zu,

daß sich ihr Eheleben im großen

und ganzen in der von dem gekränkten

Gatten geschilderten Weise abgespielt

habe, sie behauptet jedoch,

daß es ihrem Mann eines Nachts

dennoch gelungen sei, seine ehelichen

Rechte auszuüben. Lord — —

sei nämlich mondsüchtig und sei zur

kritischen Zeit in somnambulem Zustande

unvermutet in Ihr Schlafzimmer

gedrungen …

Ein hoher ungarischer Ministerialbeamter

forderte kürzlich beim Budapester

Wohnungsamt die Wohnungen

Franz Molnars und seiner Gattin,

der berühmten ungarischen

Schauspielerin Sari Fedak, mit der

Begründung an, daß sie zwar eine

Ehe geschlossen hätten, aber jedes

seine Wohnung behalten habe. Dies

sei Unfug. Anständige Eheleute

müßten beisammen leben. Wenn

Franz Molnar und Sari Fedak sich

dieser allgemein anerkannten Sitte

nicht zu fügen gedächten, dürfe man

sie doch für eine solche Zuchtlosigkeit

nicht noch belohnen und ihnen

zwei Wohnungen bewilligen. Das

Budapester Wohnungsamt verhandelte

vor einem großen und an dieser

Stelle sonst nicht anwesenden

Publikum diesen Anforderungsprozeß

und lehnte zuletzt das Anforderungsgesuch

des Ministerialbeamten

ab. In der Begründung des Urteils

erklärte das Wohnungsamt, daß

der Ministerialbeamte, also eine außenstehende

dritte Person, keinesfalls

das Recht habe, das Zusammenleben

der beiden Ehegatten zu

verlangen. Ihr Leben nach ihrem

Gutdünken einzurichten, sei ausschließliches

Recht der Eheleute

und ihre rein private Angelegenheit.

Außerdem fordere es der gute Ruf

Ungarns, daß Franz Molnar und

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