KUNSTZUG 2016 Dresden-Görlitz-Breslau

Kulturservice

2016 wurde das Projekt „KUNSTZUG“ auf der Bahnstrecke von Dresden über Görlitz nach Breslau realisiert. Kunstwerke, Ideen, Geschichten wurden auf insgesamt 103 Fahrten von den Künstlerinnen und Künstlern im Zug transportiert.
Wir hoffen, dass auch weiterhin Begegnungen entstehen und sich Niederschlesien und Sachsen immer mehr als eine Region versteht.

Für Swen Hübner war gestern die Nacht

schon kurz nach 4Uhr zu Ende. „Die Polizei

klingelte mich aus dem Bett“, erzählt

der Inhaber mehrerer Vodafone-Shops in

der Region.Die Beamtenwarten auf ihn an

seinem Telefonladen bei Marktkauf in Königshufen

auf der Nieskyer Straße. Die Ursache

ist auch von Swen Hübner dort nicht

zu übersehen: Einbruch.

Erneut habenEinbrecher mit einer sich

in jüngster Zeit wiederholenden Masche

von brachialer Gewalt zugeschlagen: Mit

einem Auto wird direkt gegen Scheiben

oder Türen gefahren, durch das so zertrümmerte

Glas in das Geschäft eingedrungen,

dort die Auslage abgeräumtund in Windeseile

wieder geflüchtet. So auch bei Vodafone

in Königshufen. Dort kracht ein Fahrzeug

gegen einen Türflügel, der aus der

Halterung springt und splittert. Durch die

Wucht des Aufpralls reißt der zweite Türflügel

unbeschädigt mit auf. Beute der zunächst

Unbekannten: 20 Handys.

AlsSwenHübner nochschaut, was alles

gestohlen wurde und Kriminaltechniker

Spuren im verwüsteten Geschäft sichern,

ist die Fahndung nach denTäternbereitsin

vollem Gange. Diesmal haben die Einbrecher

Pech und die Polizei Glück: Zwei Zeugen

haben die Aktion beobachtet und sich

das Kennzeichen des Tat- und Fluchtfahrzeuges,

eines VW Polo, notiert.Dank dieser

Angaben kann eine Polizeistreife das gesuchte

Auto bald schon sichten, und nun

beginnt mit hohem Tempo eine wilde Verfolgungsjagdüberdie

Umgehungsstraße in

Richtung Reichenbach. „Die Flüchtenden

haben auf keine Signale und Anhaltezeichen

reagiert“, berichtet Michael Günzel

vonder Polizeidirektion Görlitz. Daraufhin

wird Verstärkung angefordert, mitStreifen

aus Löbau, Bautzen und der Bundespolizei

ein Fahndungsring aufgebaut, die Hundestaffel

eingesetzt und auch die Dresdener

Hubschrauberbereitschaft um Unterstützung

gebeten. Der Aufwand hat Erfolg: In

Weißenberg endet die Tour der Diebe, als

sie mit ihrem Auto gegen einen Zaun fahren

und zu Fuß weiter flüchten. Einen der

beiden Täter können die Polizisten stellen,

einen 32-jährigen Polen, gegen den bereits

auchein internationalerHaftbefehlvorlag,

ebenfalls wegen schweren räuberischen

Diebstahls. Indem sichergestellten Fahrzeug

finden die Beamten zugleich einen

Teil der Beute aus dem Einbruch bei Vodafone.

Auch die Suche nach dem zweitenTäter

isterfolgreich,bestätigt Polizeisprecher

Tobias Sprunk: „Gegen 10.15 Uhr konnte

der Mann nach Hinweisen einer Bürgerin

zwischen Tetta und Melaune festgenommenwerden.“Esist

ebenfallsein Pole, beide

stehen unter Alkohol und Drogen. Das

Tatfahrzeug wirdbeschlagnahmt.

Die Polizei erhält bei ihrer Suchaktion

viele Hinweise aus der Bevölkerung. „Das

hat uns sehr geholfen“, betont Tobias

Sprunk ausdrücklich. Jetzt wird vor allem

untersucht, ob die beiden Festgenommenen

inVerbindung mit weiteren Einbrüchen

und Diebstählen in Görlitz und dem

Umland stehen. Immerhin hat es in den

vergangenen Wochen schon Einbrüche in

regionale Telefonläden sowie die Anwendung

von Autos als Schaufensterramme gegeben.„Jetzt

also sind unsere Kriminalisten

und die Spezialisten der Spurensicherung

gefragt“, sagt PolizeisprecherSprunk.

Swen Hübner indes freut sich doppelt:

Gut, dass die Einbrecher in seinen Laden so

schnell gefasst wurden. Und gut, dass er

hoffentlich nun nicht so schnell wieder

nachts aus dem Bett geholt wird.

Zwei Festnahmen nach wilder Verfolgungsjagd

Diebe brechen in einen Görlitzer

Handyladen ein. Sie flüchten bis

Weißenberg und Vierkirchen.

Dann klicken die Handschellen.

Von Ralph Schermann

Inhaber Swen Hübner

ordert telefonisch

Ersatz für

20 gestohlene

Handys, zwei

Handwerker nehmen

für die Reparatur

der demolierten

Tür Maß:

Nach einer Notsicherung

geht gestern

Vormittag der

Ladenbetrieb bei

Vodafone in Königshufen

weiter.

Foto:NikolaiSchmidt

Bunde

1,5 Millionen Eur

Thomas Jurk, SPD-Kre

der SPD und Mitglied des Ausschusse

freute sich anschließend sehr, dass „der

Bund einen Beitrag zum Erhalt dieser traditionsreichen

und national bedeutsamen

Kulturstätte leistet“. Sein CDU-Bundestagskollege

Michael Kretschmer ist sich sicher,

dass die frühere Synagoge „nach Abschluss

der Arbeiten der schönste Raum zwischen

Liste n

ler aufgenommen

Bund nicht ganz die noch be

me. Aber auch für den Rest gibt es Vorste

lungen,wie Kretschmer erläutert.Sokönnten

weitere Fördermittel des Freistaates

und Gelder aus Denkmal-Förderprogramsynago

vorsitzender Mark

derwahlimSeptember an,soll

eines Tr

und Rothenburg au

war. Seine Ladung bestandaus e

Rohtabak. Das ist zwar in Deutschland kein

Steuergegenstand und auch nicht strafbar,

aber aufgrund der zu erwartenden Weiterverarbeitung

informierten die Görlitzer Beamten

den polnischenZoll. Der kontrollierte

daraufhin mit deutscher Unterstützung

den Entladeort des Rohtabaks auf polnischemGebiet.

Dabei entdeckten sie eine illegale

Anlage zur Herstellungvon Rauchtabak.

Insgesamt wurden 728 kg fertiger

Rauchtabak und 1,1 Tonnen Rohtabakblätter

beschlagnahmt. Der Steuerschaden beträgtca.

1,2Millionen Zloty (300 000Euro).

Im durchsuchtenObjekt wurdenUnterlagenkonfisziert,

die auf eine erfolgte Herstellung

von insgesamt 14Tonnen Rauchtabak

schließen lassen. Der dabei entstandene

Steuerschaden beläuft sich nach Auskunft

der polnischen Behörden auf rund

zwölfMillionen Zloty(dreiMillionenEuro).

Die weiteren Ermittlungen hat die polnische

Zollverwaltungübernommen. (SZ)

Vor wenigenTagenerst gab es grünes Licht

für den Expresszug Dresden–Wroclaw, der

ab demFahrplanwechseldie beiden Metropolen

wieder direkt verbinden wird –über

Görlitz versteht sich. Gestern nun machte

der Haushaltsausschuss des Bundestages

aus diesem normalen Express einen „Kulturhauptstadtexpress“.

Wroclaw trägt im

kommenden Jahr zusammen mit der spanischen

Stadt SanSebastian denTitel „Kulturhauptstadt

Europas“. Das soll gebührend

auchvon deutscherSeite gefeiertwerden.

Für den „Kulturhauptstadtexpress“

stellt der Bund 250 000 Euro zur Verfügung.

Künstler aus Polen und Deutschland

werden die mehrstündige Fahrt dann verkürzen.

CDU-Bundestagsabgeordneter Michael

Kretschmer erhofft sich „spannende

Begegnungen von Polen und Deutschen“

durch das Kunstprojekt.

Das Vorhaben im kommenden Jahr

greift auch eine Idee der Görlitzer Kulturhauptstadtbewerbung

auf. Ziemlich genau

vor zehn Jahren setzte sich schon einmal

ein Kulturzug in Bewegung. Damals unterstützte

Connex das Projekt, eine Lausitzbahn

trug mit dicken roten Buchstaben an

der Außenhaut den Titel „Kulturzug“. Seinerzeit

rollte der Zug durch die gesamte

Lausitz, brachte das Sorbische National-Ensemble

nach Görlitz, war Teil des lebendigen

Adventskalenders in der Stadt und

wurde auch noch nach der Entscheidung

gegenGörlitz genutzt –soschickte der Förderverein

Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec damals

junge Musiker zum Dank-Konzert

nach Bautzen.

Der Express ist das aktuellste Beispiel,

wie die europäische Kulturhauptstadt Wroclaw

imkommenden Jahr auch nach Görlitz

ausstrahlen wird. Ein anderes ist die

Skulpturenschau, die die Stadt Görlitz zusammen

mit der Kunstakademie aus Wroclaw

vorbereitet. Quer durch das Stadtgebiet

laden im kommenden Jahr Werke junger

bildender Künstler zu einem ganz anderen

Stadtrundgang ein. Die Kunstwerke

werden zeitlich befristet zu sehen sein.

Ausnahme bilden die Salz-Skulpturen im

Uferpark –sie bleibenfür immer.(SZ/sb)

Express der guten Laune

So soll er aussehen:

der Kulturhauptstadtexpress

von Dresden nach

Wroclaw über Görlitz.

Foto:Bombardier/

taktikerWerbeagentur

Im Zug Dresden–Wroclaw gibt es

nächstes Jahr viel Kultur. Das

lässt sich der Bund etwas kosten.

der Prozess der Intonierung von mehreren

tausend Pfeifen viel Zeit erfordere. Es

werde in diesen Monaten ein Nebeneinander

von Veranstaltungs- und Intonationsphasen

geben. Erstmals erklingen

könne die Orgel dann mit Beginn der

Spielzeit 2017/18.

Gespielt wird das Instrument auf vier

Manualen und einer Pedalklaviatur. Kosten

wird es rund 1,3 Millionen Euro. Den

größten Teil davon –mehr als eine Million

Euro – finanziert der Förderverein der

Dresdner Philharmonie aus Spenden, die

er seit 2012 gesammelt hat. Die Eine-Million-Marke

ist Weihnachten 2015 erreicht

worden, wie Lutz Kittelmann berichtete,

der Geschäftsführer des Fördervereins.

Dies war Voraussetzung dafür,dass die

Stadt sich mit weiteren 300 000 Euro

beteiligt. Allein hätte die Stadt die Orgel

nicht finanzieren können, erklärte Kulturbürgermeisterin

Annekatrin Klepsch (Linke).

Der Stadtrat hatte 2012 den Umbau

des Kulturpalastes mit Orgel beschlossen.

Die Orgel werde etwas ganz Besonderes,

versicherte Lutz Kittelmann; etwas,

das es so in Dresden noch nicht gebe. Auf

Wieder einmal schafft es die Kunst

schneller als die Politik, Hindernisse zu

überwinden und Grenzen zu sprengen –

auch in Form einer unangekündigten Protestperformance.

Seit Ende vergangenen Jahres gibt es

sie wieder –die direkte Bahnverbindung

zwischen Dresden und Breslau. Das

brachte die Kunsthochschulen der beiden

Kulturstädte, die eine langjährige freundschaftliche

Verbindung eint, dazu, ein

Projekt ins Leben zu rufen, das über alle

Grenzen hinweg eine publikumswirksame

Verknüpfung schafft. Als Prolog fungiert

nun eine erste einwöchige Ausstellung

der polnischen Werke in der Dresdner

Kunsthochschule. Sämtliche hier

gezeigten Arbeiten sind per Zug mit ihren

Erschaffern angereist –was sonst normalerweise

aufwendige Vorbereitungen und

Transportlogistik erfordert, wurde hier

innerhalb von gerade einmal zwei

Wochen geplant, ausgewählt und unkonventionell

umgesetzt. „Endlich mal ein

Spontanprojekt, für das man nicht drei

Jahre lang planen musste, sondern spontan

agieren konnte,“ freut sich HfBK-Rektor

Matthias Flügge denn auch. Sein Kollege

Piotr Kielan, Rektor der Eugeniusz-

Geppert-Akademie der Schönen Künstle

Wrocław/Breslau sieht in dem Projekt

zudem den Beweis, dass Kunst keine

Grenzen kennt. „Diese Verbindung

zweier Kunsthochschulen hat auch eine

symbolische Dimension. So wie die Stahlschienen

der Zuggleise eine durchgehende

Verbindung schaffen, so werden damit

auch die beiden Städte und ihre Kultur

verbunden.“ Aus der Bahn wird ein

Kunstzug –Transportmittel für Kunstwer-

VONSUSANNE MAGISTER

hochschule am vergangenen Donnerstag

hatten sich auch Sachsens Ministerpräsident

und amtierende Bundesratspräsident

Stanislaw Tillich sowie der polnische

Senatsmarschall Stanislaw Karczewski

mit Grußworten angekündigt. Letzterer

war am Donnerstag zu einem offiziellen

dabei auch die verpasste Kulturhauptstadt

Görlitz mit eingebunden. Aktuell ist

dort an vielen Punkten Kunst im öffentlichen

Raum zu erleben.

Zur feierlichen Eröffnung des „Prolog:

Nach Dresden Nach Dresden // Do Drezna

Do Drezna“ in der Dresdner Kunstke

und Künstler, der am Start- und Endpunkt

sowie an verschiedenen Punkten

auf der Strecke von Mai bis November

immer wieder seine Fracht für Ausstellungen

und Veranstaltungen ‚ausspucken’

und wieder aufnehmen wird. Neben der

aktuellen Kulturhauptstadt Breslau wird

Kunst im Gepäck: Wrocławer Künstler unterwegs. Foto: J. Grulkowski Eine Arbeit des Künstlers Daniel Mateusz Bak. Foto: PR

Ein Jahr vor der Eröffnung des Dresdner

Kulturpalastes wird das erste von insgesamt

56 Registern der Orgel für den Konzertsaal

in der Werkstatt der Bautzner Firma

Hermann Eule gebaut. Die Konstruktion

der Details sei fertig, sagte Geschäftsführerin

Anne-Christin Eule gestern.

„Jetzt sind wir in der Feinplanung.“ Ende

Juni soll die Fertigung der Teile in großem

Maßstab starten, die Orgel ab Ende Oktober

in der Werkstatt aufgebaut werden.

In den Saal des Kulturpalastes kommt

sie, läuft alles nach Plan, Mitte Dezember

und wird dort bis Ende Januar 2017 vollständig

zusammengefügt. Doch ehe sie

gespielt werden kann, müssen die mehr

als 3800 Pfeifen intoniert werden. „Dies ist

die wichtigste und intensivste Zeit“, sagte

Anne-Christin Eule. „Dafür brauchen wir

die größtmögliche Ruhe.“ Die Zeit von

April bis Ende August 2017 sei dafür veranschlagt.

Frauke Roth, Intendantin der Dresdner

Philharmonie, sagte, im Gespräch mit den

Orgelbauern habe sie verstanden, dass

VONTOMASGÄRTNER

Anne Christin Eule, Geschäftsführerin der Bautzner Firma Hermann Eule, mit dem Plan

des Spieltisches für die künftige Orgel im Dresdner Kulturpalast. Foto: Dietrich Flechtner

den Zeiten. Der kraftvolle Eingangssatz

bietet eine derartige Emphase, dass die

nachfolgenden Sätze leichter ausfallen

müssen, und so kommt es auch: ein „Scherzoso“

grüßt deutlich Joseph Haydn, ein

Menuett träumt sich in Mozart-Welten. Im

Finale zeigen unverkennbare Wendungen,

dass das letzte Wort für Beethoven noch

nicht gesprochen ist.

Das 2012 gegründete, nach dem Dresdner

Kunstliebhaber und Mäzen Friedrich

Adolph Collenbusch (1841-1921) benannte

Quartett mit Cordula Fest und Christiane

Liskowsky (Violine), Christina Biwank

(Viola) und Ulf Prelle (Violoncello) überraschte

hier schon mit einem zumeist

schlanken und lyrisch geführten Gesamtklang,

bei dem nicht das Individuum auftrumpfte,

sondern einmal eingeschlagene

Wege des Ausdrucks sich natürlich von

einem Instrument zum anderen fortsetzten.

Gespannt war man dann auf das Quartett

„Black Angels“ des US-Amerikaners

George Crumb (*1929) aus dem Jahr 1970,

das in Reflektion auf den Vietnam-Krieg

entstanden ist und Vergangenes und

Gegenwart ebenso schonungslos beleuchtet

wie Abgründe der Menschheit. Unstrittig

ist, dass die unchiffrierten, nackten

Klänge und mit Zusatzinstrumenten

erzeugten Geräusche des elektrisch verstärkten

Quartetts die Hörer sofort erreichen.

Dem steht eine gewisse Kleinteiligkeit

der Komposition entgegen, die den

klanglichen Schrecken manches Mal doch

zur Episode erniedrigen, trotzdem weitet

sich der Bilderbogen von Kapitel zu Kapitel,

und der dritte Teil wartet dann mit einer

Art Erlösung auf, wobei sich das Gefühl der

Fragilität bis zum Ende selbst beim Erreichen

von Dur-Klängen auf einem Gläserspiel

nicht wirklich auflöst. Das Collenbusch-Quartett

widmete sich dem Werk

von Crumb mit hoher Aufmerksamkeit

gerade für die gebrochenen, im Zerbrechen

befindlichen oder an deren Grenze

schrammenden Klänge, so dass man eher

einer Faszination des Klangsinns erlag,

weniger der Wucht des klagenden Ausdrucks.

Quasi als Bestätigung dieses Höreindrucks

schloss das Collenbusch-Quartett

das abwechslungsreiche Konzert mit dem

1903 entstandenen Streichquartett von

Besuch in Dresden angereist. Beide hätten

aber wohl nicht mit der Begrüßung

gerechnet, die ihnen einige Schafsmasken

tragende Studierende der Dresdner

HfBK bereiteten. Angeführt von einer

Performance-Künstlerin in bunter Volkstracht,

mit goldener Gesichtsbemalung

und folkloristischer Wursthaube, die sich

selbst als „Die Auservolkte“ bezeichnet,

wurden die Staatsmänner mit der sowjetischen

Nationalhymne und Schafsgeblöke

empfangen. Tillich parlierte souverän, die

Botschaft kam dennoch an bei den Besuchern

und sorgte für nachhaltigen

Gesprächsstoff.

Leider geriet im Nachgang der geplante

Ablauf aus dem Gleichgewicht, die

sicher inhaltlich erhellende Begrüßung

der Dresdner Kuratorin Susanne Greinke

wurde dem allgemeinen Tumult geopfert.

Aber letztlich passte auch das zu dem

spontanen Charakter der Aktion und tut

der Qualität der gezeigten Werke keinen

Abbruch. Die Breslauer Studenten präsentieren

eine in großen Teilen zwar

wenig subversive, doch überzeugende

und vielschichtige Bandbreite von grafischen

Arbeiten und Gemälden, über

Video- und Fotokunst, bis zu skulpturalen

Stücken aus Glas, Keramik, Naturmaterialien

und Alltagsgegenständen. Über

allem schwebt die erstaunliche Leistung,

dass diese zum Teil großformatigen und/

oder filigranen Werke völlig unprätentiös

per Zug nach Dresden transportiert worden

sind und in wenigen Tagen auf dem

gleichen Weg wieder verschwinden werden.

Ausstellung „Prolog: Nach Dresden Nach

Dresden // Do Drezna Do Drezna“ bis 27.4.,

täglich 11-18 Uhr im Oktogon der HfBK

Dresden (Georg-Treu-Platz)

Es fährt ein...

...der Kunstzug von Breslau über Görlitz nach Dresden: eine deutsch-polnische Spontan-Kooperation mit Tumult beim Auftakt

ihr werde man sinfonische Werke authentisch

wiedergeben können. Frauke Roth

nannte dafür Komponisten wie Francis

Poulenc, Camille Saint-Saëns oder Sofia

Gubaidulina. Als besonders vorteilhaft

bezeichnete Anne-Christin Eule den

Umstand, dass für die Orgel im Konzertsaal

des Kulturpalastes genügend Platz

zur Verfügung stehe.

Tradition und Erfahrung der Bautzner

Orgelbauer reichen bis 1872 zurück, als

Hermann Eule die Firma gründete.

Bedeutende Orgeln wurden hier gefertigt,

darunter 1969 die in der evangelisch-lutherischen

St.-Marien-Kirche in Zwickau,

die mit ihren 77 Registern als die größte zu

DDR-Zeiten gebaute Kirchenorgel gilt.

Allein in Sachsen existieren bis heute

mehr als 190 Orgeln aus der Eule-Werkstatt.

Hinzu kamen zahlreiche Restaurierungen.

In den zurückliegenden Jahren

fertigte die Firma bedeutende Instrumente

beispielsweise für das Mozarteum in

Salzburg oder für die evangelische Konstantinbasilika

in Trier. Kürzlich schickte

sie eine Orgel auf die Reise per Schiff nach

China.

Erstes Register derKulturpalast­Orgelentsteht

Bautzner Firma Hermann Eule will Instrument bis Ende Januar 2017 einbauen und dann intonieren

Maurice Ravel ab –hier kam es noch stärker

auf ein gemeinsam empfundenes

Klangbild an, das nun mit dem Gefühl des

„Danach“ von Beethoven und Crumb

gehörig an Tiefe gewann. Die leichte

Melancholie und der wogende Klang eines

Mezzopiano lag wie ein Schimmer über

den ersten drei Sätzen. Diese pastellene

Farbe übertünchte auch manche im Werk

liegende himmlische Länge, und schließlich

wartete da auch noch ein Finale, das

den Zuhörer mit seiner kraftvollen Brillanz

–und vom Quartett dennoch mit leichter

Finesse interpretiert –positiv gestimmt in

den Abend entließ.

Das Konzert wird heute erneut als „Philharmonische

Serenade“ ab 20 Uhr auf

Schloss Wackerbarth gegeben.

Gemeinsam empfunden

Collenbusch-Quartett im Kammerkonzert der Dresdner Philharmonie

Das Streichquartett galt und gilt für Komponisten

immer als besondere Herausforderung

–nicht nur, weil man im Schatten

der Musikgeschichte mit unerreichbaren

Größen auf diesem Gebiet konfrontiert ist.

Der spezielle Ensembleklang der vier

Streichinstrumente inspiriert und lässt viele

verschiedene Klangwelten zu. Drei Beispiele

höchst unterschiedlicher,aber in der

Einzelbetrachtung großartiger Werke dieses

Genres stellte das Collenbusch-Quartett

im Kammerkonzert der Dresdner Philharmonie

auf Schloss Albrechtsberg vor.In

Ludwig van Beethovens reichem Quartettschaffen

wirkt das Quartett c-Moll, Opus

18 Nr. 4wie ein Brückenwerk zwischen

VONALEXANDER KEUK

Tucsons

nächstes

Ding

Dresden-Debüt für XIXA,

deren Köpfe schon da waren

Falsch geraten, vermutet, gehofft, (böse

Zungen sagen: befürchtet)! In der Gästeliste

der ersten XIXA-CD namens „Bloodline“

(Glitterhouse) tauchen weder Howe

Gelb noch John Convertino oder Joey

Burns auf. Dabei läge es auf der Hand,

denn Schnittstellen zwischen dem USamerikanischen

Sextett und Giant Sand

beziehungsweise Calexico gibt es jede

Menge. XIXA aber wollen XIXA sein. Sie

schieben sich selbst in Position.

Eine Schnittstelle

an der anderen

Schnittstelle Nr. 1: Tucson/Arizona,

keine 50 Meilen von Mexiko entfernt. Die

aufgehitzte Stadt, die in Sachen Musik

mehr ist als eine City, sondern ein

Schmelztiegel kreativer Köpfe. Aus

einem Lebensgefühl heraus haben Künstler

eine Gemeinsamkeit entwickelt

haben, die einzigartig ist. Liegt auch an

der Größe. VonStadt, Land und Mensch.

Schnittstelle Nr. 2:Eben Giant Sand

und Calexico, die natürlich aus Tucson

kommen. Wo man sich sieht, hört man

voneinander.Also heuerte Howe Gelb die

XIXA-Köpfe Brian Lopez und Gabriel

Sullivan für Konzerte an. 2012 waren sie

gemeinsam zuletzt in Dresden, beide

haben zudem eine eigene Solo-Karriere

vorzuweisen.

Schnittstelle Nr.3:Die Musik, die freie

Auffassung von Folk und Rock, das offene

Gemüt für eine fiebrige Mischung aus

Wurzeln und Trieben. „Bloodline“ verfolgt

in 57 Minuten wirklich eine eigene

Linie: Das krass psychedelische „Down

From The Sky“ wäre schon in Woodstock

abgegangen wie das neueste heißeste

Zeug, „World Go Away“ schreitet forsch

von Arizona bis nach Afrika, „Pressures

Of Mankind“ ist eine wilde Latinrock-Orgie.

Dieses und anderes steht für das

Ansinnen der Band, Chicha und Cumbia,

also Peru und Kolumbien, vom reinen

südamerikanischen Folklorekorsett zu

befreien und als wilden Hybrid mit zackigem

Desert-Rock neu an den Start zu

bringen. Dass XIXA lange Zeit als puristische

Coverband unterwegs waren, hört

man, wenn man richtig zu hören vermag.

Sullivan und Lopez singen multilingual

und trefflich, wobei Ersterer so sehr an

Mark Lanegan gemahnt, dass es schon zu

Verwechslungen kam.

Brian Lopez: „All diese Latin Beats und

Rhythmen sind dein ganzes Leben lang in

deinem Gehirn. Wenn du noch nie in

Latin Music eingetaucht bist, weißt du

nicht, ob du eine starke Empfindung

dafür hast. Ich bin englischsprachig aufgewachsen,

ging aber zu gemischten

Tanzabenden und war Teil einer Folkloregruppe

–der typische Latino der zweiten

oder dritten Generation eben. Denn meine

Großeltern wollten nicht, dass meine

Eltern Spanisch sprechen oder Latinos

sind.“

Schnittstelle Nr. 4:Das besondere Artwork

von Platten, die Optik der Videos.

Was imFalle Calexico vor allem Victor

Gastelum ist, könnten für XIXA Daniel

Martin Diaz und Paula Catherine Valencia

werden, ebenfalls aus Tucson. Das

alles sieht wunderschön aus und hat Format

wie Klasse.

„Wir warenuns des Sounds

noch nie unsicher“

XIXA sind Gabriel Sullivan (Gitarre,

Gesang), Brian Lopez (Gitarre, Gesang),

Geoff Hidalgo (Bass), Efren Cruz Chavez

(Percussions) und Jason Urman (Keyboards).

Sie seien auf der Suche nach

etwas, das sie „Desert Noir Vibe“ nennen.

Nochmals Brian Lopez: „Wir hatten noch

nie Momente, in denen wir uns bezüglich

unseres Sounds unsicher waren.“

XIXA kommen am Sonntag erstmals

nach Dresden und werden –hoffentlich –

mit dem von Giant Sand, Friends Of Dean

Martinez und Calexico seit über 20 Jahren

errichteten „Fandament“ rechnen

können. Alles andere wäre unschön. Und

fast schon peinlich!

XIXA, Vorband: Lord Gecko, Sonntag, 20 Uhr,

Scheune

VONANDREASKÖRNER

unter + 0800 2181 050 oder www.dnn-ticket.de Fürdiese Angeboteist der Verlag Dresdner Nachrichten GmbH &Co. KG nur Vermittler.

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The Gregorian Voices 02.05.16 I 19:30 Uhr

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Die drei ??? Kids und du

08.05.16 I 11/16 Uhr

Boulevardtheater I Dresden ab 22,00 €

rnd Stelter -Wer heiratet teilt sich

eervorher …

.05.16 I 20 Uhr

Fortenbacher´s Intimitate Night

12.05.16 I 20 Uhr

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Horst Lichter 12.05.16 I 20 Uhr

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13.05.16 I 19:30 Uhr

PD „Stadt Wehlen“ I Dresden 55,15 €

Buddy inconcert 14.05.16 I 20 Uhr

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Der kleine Prinz 15.05.16 I 15:30/18 Uhr

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Traumzauberbaum 16.05.16 I 15 Uhr

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mit Hildegard 20.05.16 I 17/20 Uhr

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Dresden 22,50 €

Dixie 2016: Dixieland International

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Herbert Grönemeyer 30.05.16 I 20 Uhr

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Junge Garde I Dresden 72,25 €

Semper Brass Dresden 04.06.16 I 20 Uhr

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Rock Legenden -

Puhdys +City +Karat 04.06.16 I 19 Uhr

Freilichtbühne Großer Garten

Junge Garde I Dresden 48,50 €

Björn Casapietra: Un Amore Italian

19.06.16 I 18 Uhr

Annenkirche I Dresden ab 33,25 €

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The Gershwins Porgy &Bess

14.07.-31.07.16 I 14/14:30/19/19:30 Uhr

Semperoper I Dresden ab 29,50 €

Radio Doria 15.07.16 I 20 Uhr

Freilichtbühne Großer Garten Junge Garde I

Dresden 39,85 €

Niedeckens BAP -Lebenslänglich -

Jubiläumstournee 16.07.16 I 19 Uhr

Freilichtbühne Großer Garten Junge Garde I

Dresden 47,90 €

AUGUST

Blechbläserensemble Ludwig Güttler

20.08.16 I 20 Uhr

Frauenkirche I Dresden ab 19,65 €

Matthias Reim -Phönix Live

26.08.16 I 19:30 Uhr

Freilichtbühne Großer Garten Junge Garde I

Dresden 44,90

Silbermond 27.08.16 I 20 U

Filmnächte am Elbufer I Dresden 38,9

UDO SCHEN

T

K

alkshow

n: Gerd Knieps

KULTUR / BÜHNE DRESDEN 11

|

NR. 95 | SONNABEND / SONNTAG, 23./24. APRIL 2016

LAUSITZERLEBEN ||||||||||||||||||||||||||

19

SÄCHSISCHE ZEITUNG

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KULTUR & GESELLSCHAFT

MONTAG, 15.AUGUST 2016

enn sich ein Zug nähert, geht die

Bahnschranke nach unten. Logisch.

Die Frage ist nur: Was ist unter „sich nähern“

zuverstehen? Autofahrer hatten am

Donnerstag in Ottendorf-Okrilla reichlich

Zeit, darüber nachzudenken. Dalagen die

Schranken gut zehn Minuten unten, ohne

dass sich ein Zug näherte. „Verdammt, ich

habTermine“,fauchte eine Frau. „Die kriegen

alles hin“, schüttelte ein wartender

Fußgänger den Kopf. Endlich kam der

Triebwagender StreckeKönigsbrück–Dresden.

Seine Fahrt über die verschrankte

Straße dauerte keine fünf Sekunden. Endlichging

der Sabotagebalken nach oben.

Dassesauch anders geht, zeigte sichein

paar Stunden später am Bahnübergang

zwischen Medewitz und Gaußig. Die

Schranke ging runter, keine 15 Sekunden

später sauste der Trilex-Express von Görlitz

nach Dresden vorbei, und schon öffnete

sich die Schranke wieder.Schön, wenndas

immer so schnell ginge.

W

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Verzweiflungan

der Bahnschranke

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Von Tilo Berger

Bergers Bonbon

Zittau. Die Klaus Renft Combo begeht ihr

50-jähriges Bestehen und geht auf Jubiläumstournee.

Am 8. Oktober macht die

Band mit Thomas „Monster“ Schoppe als

Sänger im Zittauer Theater Station. Seit

1967 entwickeltesichdie ausLeipzigstammende

Klaus Renft Combozueiner der bekanntesten

und beliebtesten Rockgruppen

der DDR. Ab 1974 nannte sie sich Renft. Immer

wild und unberechenbar, wurde sie

1975 verboten und damitzur Legende, teilt

der Veranstalter mit. Jeder im Osten

Deutschlands kenne die Band, in keiner

Plattensammlung fehlten ihre Lieder. Ihre

Songs waren facettenreich, vonFolk, Blues

über Balladen bis hin zumRock.

Heute präsentiert sich Renft akustisch,

betont Clubatmosphäre und lässt die Texte

besser zur Geltungkommen, heißt es.Dem

letzten aktiven Mitglied, Thomas „Monster“

Schoppe, stehen zurSeite: Delle Kriese

an den Drums, Marcus Schloussen am Bass

und GitarristGisbert„Pitti“ Piatkowski. Im

Programm sind auch bekannte alte Songs

wie „Gänselieschen“, „Als ich ein Vogel

war“und „Wer die Roseehrt“. (SZ/st)

RenftspieltimOktober

im Zittauer Theater

Es warein bisschenwie beieinem Klassentreffen:

Lange nicht gesehen, wie gehts

dennso, und jetzt gucken wir uns mal alte

Fotos an. Zwischendurch, wenn uns danach

ist, können wir ja auch singen –aber

das war für den Ex-Puhdy amFreitag nicht

lein Seligmachende. Er wollte vor aleben

erzählen, das auch

uhdys begonin

auch das Jonsdorfer Publikum hören durfte,

sollte, musste. Die Titelseite besagten

Buchesprangte unterdessenauf der Videowand,

die im Laufe des Abends wohl mehr

als einhundert Bilder aus dem Leben des

jetzt 72-Jährigen zeigten.

Quasters Redefluss wurde zum einen

immer wieder unterbrochen von seinem

„Schatten“. Über den Stichwortgeber war

nicht viel mehr zu erfahren, als dass sich

seit Ewigkeiten kennen, der Mann

sich mit Flöte, Mundharskennt.

Zum

h- sen, aberimmer wiedergernhören:Wie er

asching Peter Meyer kennenlernte

vor seiner Tür stand und

bei den Ur-

-

Karriere begannen.Als er dann seinen Gast

PeterRasym auf die Bühne bat, standen auf

dieser schon mal zwei Fünftel der Puhdys

und sangen einige Lieder der Band. Als

Quaster „Alt wie ein Baum“ anstimmte,

wie jahrelang zuPfingsten auf der

gbühne: Das Publikum

e Zugaben.

r

Klassentreffenmit Quaster

Ex-Puhdy Dieter Hertrampf

bot seinem Publikum auf der

ne Jonsdorf zwei

rhaltung –

Der doppelte

Quaster auf der

Waldbühne Jonsdorf:

vorn am Freitagabend,

auf dem

Foto ganz links in

einer Band der

60-er Jahre. Der

blonde Sänger im

Vordergrund war

übrigens Franz

Bartzsch, später

Bandchef von Veronika

Fischer.

Foto:RafaelSampedro

Großräschen. Das brandenburgische Großräschen

erhält 1,1 Millionen Euro für den

Stadtumbau. Mit dem Geld sollen unteranderem

eine Kita erweitert, ein Schulgebäude

wieder nutzbar gemacht und leer stehende

Wohnungen zurückgebaut werden,

teilte das Bauministerium mit. Das Geld

kommt aus den Bund-Länderprogrammen

Stadtumbau Ost und Soziale Stadt. InStädten,

in denen die Bevölkerung abnehme,

unterstütze das Land den Rückbau und

gleichzeitig die Aufwertung der Quartiere,

erklärte Staatssekretärin Ines Jesse. (dpa)

Gut eine Million Euro für

Umbau in Großräschen

swar eine der seltsamsten Verkehrsmeldungen

der letzten Wochen. Autofahrer

wurden vor Bauschaumteilen auf

der A4 Richtung Görlitz gewarnt. Bauschaum?

Wird der nicht vor Ort verarbeitet?!

Eswaren keine Spraydosen und auch

keine kompletten Bauteile, eswar Kunst,

was da kurzdie Fahrbahn blockierte.

Nadine Baldow kann inzwischen darüber

lachen, dass beim Transport ihres

Kunstwerks das Netz riss, das die bunten

Teileauf dem Pkw-Anhängersichern sollte.

Künstliche GewächseinPinkund Blau und

Gelb ergossen sich über die Fahrbahn.„Wir

haben sofort die Polizei gerufen. Die Autobahn

wurde kurz gesperrt, und Polizisten

haben die Teile wieder eingefangen“, erzählt

die Künstlerin. Eine Geldstrafe und

ein Punkt in Flensburg – „aber ich bin

dankbar und sehr froh, dass niemandem

etwas passiert ist und die Polizisten meine

Arbeiten so sorgsam behandelt haben“.

Nun schweben Baldows Geschöpfe ineinem„SuperToxic

Terrarium“.

Science-Fiction auf dem Bahnsteig

Wer am Görlitzer Hauptbahnhof ankommt

oder abfährt, mag sich fragen, was

das für eine Speziesist, ob sieweiterwächst

und was dann passiert. Das „giftige“ Glashaus

leuchtet den Reisenden am Gleis

11/12 entgegen. Dort hält auch der Regionalzug,

der Dresden mit Wrocłlaw verbindet,

Europas Kulturhauptstadt in diesem

Jahr. An manchen Tagen transportiert er

Kunst und Künstler, Aktionen und Performances

von einer Kunstakademie zur anderen.

Die Grenzstadt Görlitz klinkte sich

in das Kunstzugprojekt der Hochschulen

ein, und die Bahn gab das Wartehäuschen

gern als Kunstraum frei. Außer ein paar

Männern, die sich dort gern zum Biertrinken

treffen, scheint das niemanden zu stören.

Manchefragtenneugierig: „Ist das abstrakte

Kunst?“Jemand schimpfte:„Erst die

Flüchtlinge, nun die Künstler. Was denn

noch alles?!“

E

Darüber schmunzelt Nadine Baldow,

denn in gewisser Weise ist auch sie ein

Flüchtling. Sie braucht Asyl für ihre Kunst.

Unfreiwillig verließ sie dieHochschule, wo

man ihr im Januar dieArbeit mitdem Bauschaum

verbot, weil dessen Verarbeitung

gesundheitsschädlich sein könnte. Lange

Zeit hatte niemand Bedenken gehabt. Es

gabsogar mal eine Klasse, die „Bauschaumklasse“

genannt wurde, weil viele Studenten

mit diesemMaterialarbeiteten.

„Ich habe angeboten, dass ich frühmorgens

imAtelier arbeite, wenn noch kein

Kommilitone da ist, und große Teile im

Freien herstelle und sie erst im ausgehärteten

Zustand im Atelier montiere. Aber die

Hochschule ist darauf nicht eingegangen“,

sagt sie. Die Studentin ist nicht leichtsinnig.

Sie arbeitet mit einer Maske, trägt

Handschuhe und langärmligeKleidung. Sie

öffnet die Atelierfenster, wenn sie ihre fragilenGebilde

ausBauschaumformt.Inzwischen

hat sie ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Die Luftbelastung imRaum wurde

gemessen. Vonihr und einer Kommilitonin

werden Urinproben untersucht. Sie hofft,

beweisen zu können, was der Herstellerbehauptet:

Das Zeug istnicht giftig.

Ein Atelier außerhalb der Hochschule

kann sich die 26-Jährige nicht leisten. „Ich

habe lange darüber nachgedacht, doch ich

bleibe beimeinemMaterial. Die Hochschule

hat nicht die Macht, mir das zu verbieten,

auch wenn sie mich von meinem Arbeitsplatz

verweist“, sagt sie. Vor der „Pfote“,

dem Hochschulgebäude an der Pfotenhauerstraße

inDresden, steht schon seit

Wochen ein Großplakat mit der Aufschrift

„I am super toxic“,darunter Baldows Webadresse.

Auch auf dem Görlitzer Bahnhof

hat sie so ein Poster aufstellen lassen, auf

dem ein silbriges Alien sich an einen kargen

Hang in einer von Asche überzogenen

Landschaft schmiegt. Ist das Wesen einem

Vulkan entsprungen oderaus der Aschegewachsen?

Was ist natürlich, was nicht? Ist

unsere Vorstellung von Natur eigentlich

realistisch oder romantisch verklärt?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich Nadine

Baldow in der Kunst und imLeben. Sie

unternimmt immer wieder abenteuerliche

Touren, um herauszufinden, ob sie noch

Teil der Natur sein kann. Dann ziehtsie mit

anderenKünstlern in dieböhmischen Wälder,schläftineinerHütte

ohne Wasser,ohne

Strom auf dem Erdboden. Oder sie wandert

allein durch die Alpen, verbringt die

Nächte im Zelt. „Ich halte vielaus,aber bin

immer wieder erstaunt, wie weit ich von

der Natur entfernt bin“, sagt sie.

Die Tage auf dem Görlitzer Bahnsteig

11/12 waren für sie eine neue Erfahrung,

die sie nicht missen möchte: „Ich wollte

schon immer Kunst im Gewächshaus machen.“

Im Wartehäuschen mit seinem

Glasaufbau, das in DDR-Zeit ein Imbiss-

Kiosk war, arbeitete die Künstlerin wie in

einem gläsernen Atelier. Ständig war sie

unter Beobachtung, die Kommentare der

Reisendenwarennicht nur freundlich. „Ich

fühle mich zurzeit wie eine Künstlerin auf

Wanderschaft und bin sehr dankbar, dass

ichhierarbeiten durfte“,sagt sie.

Eine Reise umdie Welt

In Dresden sind in diesem Sommer übrigens

zwei Arbeiten von Baldow auf der internationalen

Kunstausstellung Ostrale zu

sehen. Und im Herbst geht die Wanderschaft

weiter. Ein sechswöchiges Stipendium

führt sie in ein entlegenes Dorf im Himalaya.

Zehn Künstler aus aller Welt treffensichinder

Einsamkeit, um das Verhältnis

von Natur, Reisen, Leben und Kunst zu

untersuchen. Nimmt Nadine Baldow Bauschaum

mit nach Indien? „Vielleicht“, sagt

sie verschmitzt. „Vielleicht versuche ich

mich in Landschaftsmalerei oderbeschäftige

mich mit Schafwolle.“ Sie wird den

Schafen nichts antun.Sovielist gewiss.

Bis31. August am BahnhofGörlitz,Bahnsteig11/12

Mitdem Kunstzug zwischen Dresdenund Wroclawreist

am 15., 22., 29. August die Dresdner Künstlerin Alexandra

Wegbahn. Sie will im Zugzeichnen.Mitreisende können ihr

dabei zuschauen und gern mitihr insGespräch kommen.

web www.kunstzug.eu

Weil dieKünstlerin Nadine Baldow mitBauschaumarbeitet,geht sie nun nicht ganz freiwillig auf Wanderschaft.

Von Birgit Grimm

Schwebend im Wartehäuschen

Keine Angst vor

wuchernden, wabernden

Wesen

und grellen Farben:

Die Dresdner

Kunststudentin

Nadine Baldow inmitten

ihres „Super

Toxic Terrariums“

auf dem Görlitzer

Bahnhof.

Weitere Arbeiten

von ihr sind derzeit

in Dresden auf

der Ostrale zu sehen.

Foto:ThomasKretschel

Ein unscheinbares Häuschen macht Karriere: Erst Bockwurst-Kiosk, dann Wartehalle,

nun ist esbis Ende August ein Kunstpavillon. Foto:ThomasKretschel

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Art Train: artists on the Wroclaw-

Dresden train

2016-08-05

From Wroclaw to Dresden and back again, the art train runs again since

June. Students of the Academy of Fine Arts from the Polish and German

cities have used this fact, and it is on the train that we will have the

opportunity to mingle with art. Many campaigns involving passengers have

been planned until October.

Project "Kunstzug" between Wroclaw and Dresden

A fashion show has been held already, and what still lies ahead are: a

performance using a separating tape, talks about art and our lives, as well as

peeking inside a suitcase. In this journey, is better not to read newspapers.

The way-out train

The "Kunstzug" project, which is organized by Goerlitzer

Kulturservicegeselschaft and Polish partners, e.g. the Lower Silesia Railways

and PKP Polish Railways started de facto from railway, because

after a long period of absence, a connection between Wroclaw and Dresden

was restored to the railway timetable. Many people welcomed the fact,

including students of art schools of both city. First, Germans invited Poles and

organized an exhibition for them in Dresden Gallery Oktagon, and then it was

decided that the train Trilex is as good a place to present works of art. That

was the turning point. A decision was made that from June to October,

passengers travelling between Wroclaw and Dresden won't be dozing off,

bored, or read newspapers, or browse their smartphones. They will be

involved in art.

Haute couture, en route

The first trip of the art train was on July 16, and the astonished passengers

saw, among others, a fashion show, with a climax at the station in Görlitz.

Polish students went to Germany for the Sommerfest, which is the time when

students of the Faculty of Stage Design of the Dresden Academy of Visual Arts

always organize a fashion show. You couldn't fail to notice a Polish touch

during this fashion meeting, as the artists from Wroclaw have used paper to

make many of the outfits. On Sunday, July 31, students from Wroclaw

sketched situations observed in the train, and even more extraordinary

campaigns still await.

Seite 1 von 2

Art Train: artists on the Wroclaw-Dresden train | www.wroclaw.pl

http://www.wroclaw.pl/en/art-train-artists-on-the-wroclawdresden-train

NA STYK

PIERWSZY POCIĄG DO SZTUKI. Z

WROCŁAWIA

Czterogodzinna jazda „Pociągu do sztuki” zakończyła

się o godz. 10 w Dreźnie. Tu, Wrocławianie spotkali się

z niemieckimi kolegami i wzięli udział w pokazie mody

organizowanym na Akademii Sztuk Wizualnych w

Dreźnie.

Dworzec: Wrocław Główny, sobota, 16 lipca, godz. 06:00.

Grupa dwunastu studentów wsiadła do pociągu

jadącego do Drezna. Ale nie była to zwykła podróż. Bo 16

29.09.2016

http://www.nastyku.pl/2016/07/19/pierwszy-pociag-sztuki-wroclawia/

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TAUSCHAKTION IM KUNSTZUG

“Kunst gegen Schinkenstulle” hieß es am 3. September 2016 im Kunstzug auf der Strecke Dresden – Wroclaw: Die KünstlerInnen Birgit Schuh, Chris

Rodde, Jarek Grulkowski und Juliane Schmidt speisten Minikunstwerke in die deutsch-polnische Verbindung ein. In kleinen Streichholzschachte

ben die KünstlerInnen je 20 Editionen vorbereitet. Gegen ein Tauschobjekt ihrer Wahl konnten die Mitreisenden eine der Editionen wählen. Einzig

terium: Das Tauschobjekt musste auch in eine ebensolche Streichholzschachtel passen.

Eindrücke und Ergebnisse der Aktion werden in einer Ausstellung vom 10. bis 26. November 2016 in der Galerie SOCATO in Wroclaw präsentiert.

werden den Besuchern die Miniarbeiten noch einmal zum Tausch angeboten. Außerdem haben sie in der Galerie die Möglichkeit, von allen vier

rInnen weitere Arbeiten zu sehen, die auf unterschiedliche Weise auf das Thema eingehen und dieses erweitern.

Im Rahmen der Ausstellung wird ein Faltblatt erscheinen, das auch die Tauschaktion dokumentiert. Dafür wird die Kunsthistorikerin Franka H

nen Text schreiben, was durch die KULTURPATEN DRESDEN erst ermöglicht wurde.

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Tauschaktion im Kunstzug | KULTURPATEN DRESDEN

http://www.kulturpaten-dresden.de/news/tauschaktion-im-kunstzug

Kunstzug in der Presse_65

64_Pociąg do Sztuki w prasie

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