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Vorprogrammiertes Chaos

oder mehr Freude am Fußball?

Kontroverse Diskussion um Futsal beim Schiedsrichterlehrgang des NFV-Kreises Nienburg

Lehrwartin Liane Lindenberg konnte als Referent Marcus Schierbaum in

Marklohe begrüßen. Foto: Lucenz

er Schiedsrichter-Lehraus-

Dschuss des NFV-Kreises Nienburg

hat einen Lehrgang für

Futsal-Referees ausgerichtet. Im

Markloher Herbert-Fisbeck-Heim

fanden sich 22 Unparteiische

ein. Auf Wunsch des Bezirks organisierte

Lehrwartin Liane Lindenberg

die Bildungsmaßnahme

und durfte auch aus den Nachbarkreisen

Diepholz, Schaumburg

und Verden Gäste begrüßen.

Das Ganze geschah mit

Hinblick auf die Bezirksmeisterschaften

der A- und B-Junioren,

die im Februar kommenden Jahres

in Uchte stattfinden und

nach den Futsal-Regeln ausgespielt

werden sollen. Fünf

gut ausgebildete Schiedsrichter

muss der Kreis Nienburg stellen.

Als fachkundiger Referent wurde

Marcus Schierbaum gewonnen.

Der 37-jährige Hildesheimer

darf seit 1999 im Verband

Spiele leiten. Seit 2006 befindet

er sich auf der offiziellen

Schiedsrichter-Futsal-Liste. Bundesweit

gibt es nur 14 Futsal-

Referees, davon drei aus Niedersachsen.

Schierbaum ist offizieller

Referent des NFV in Sachen

Futsal. Das Ziel des NFV ist es,

in den nächsten Jahren komplett

in allen Klassen Futsal zu

spielen. In Verden und Hildesheim

wird dies schon seit drei

Jahren erfolgreich praktiziert.

„Schnelle Ausführungen,

wenig Fouls und präzises spielen,

das ist Futsal“, brachte es Liane

Februar 2013

Lindenberg auf den Punkt. Der

Vortrag des Experten sorgte bei

den Anwesenden anfangs für

sehr viel Verunsicherung: „Wir

reden hier über die komplizierten

Regeln. Aber kennen die Spieler

sie auch?“ Marcus Schierbaum

beruhigte den Lehrgangsabsolventen

aus Hagenburg. „Vor jedem

Spiel findet eine technische

Besprechung für alle Teilnehmer

statt.“ Der Futsal-Referent fand

in Kreisjugendobmann Markus

Schenke einen hartnäckigen

Skeptiker, der mehrere Einwände

und Bedenken vortrug.

Was anfangs noch sehr

kompliziert klang, wurde dann

am Nachmittag in der Lemker

Sporthalle von den Schiedsrichtern

im Demospiel umgesetzt.

Futsal – vorprogrammiertes

Chaos oder mehr Freude am Fußball?

Markus Schierbaum beantwortete

die Frage eindeutig:

„Ganz klar mehr Freude!“ Am

Ende hatte der Lehrgang allen

Beteiligten Spaß und Freude bereitet.

Statements der

Lehrgangsteilnehmer

und Beteiligten

Michael Brauns (Schiedsrichter

VfL Bad Nenndorf):

Das Stellungsspiel beim Futsal

ist ganz anders als beim Hallenfußball.

Außerdem ist das Spiel

viel schneller. Dennoch macht es

mir Spaß. Als Schiedsrichter

kommst du beim herkömmli-

chen Hallenfußball mit erheblich

weniger Bewegung aus. Probleme

sehe ich darin, wenn die

beiden Referees nicht harmonieren,

der eine hart und der andere

weich pfeift.

Joshua Chebib (Schiedsrichter

SV Sebbenhausen-Balge):

Futsal ist ein temporeicher

und anspruchsvoller Sport. So

auch für uns Schiedsrichter,

weshalb, nach der FIFA, auch

drei Schiedsrichter pro Spiel

benötigt werden. Das könnte allerdings

hier im Kreis schwer

umzusetzen sein. Das Regelwerk

ist äußerst umfangreich und

kompliziert, außerdem noch

nicht weit genug verbreitet.

Beim Futsal sollten das technische

Können und die Spielfreude

im Vordergrund stehen, weshalb

von uns Schiedsrichtern

kleinkarierter gepfiffen werden

muss, als es im Feldfußball der

Fall ist. Schade ist aber, dass

diese großartige Form des Fußballs

bisher nur im Juniorenbereich

gespielt wird. Futsal könnte,

wenn er hier bei uns bekannter

gemacht wird, eine tolle

Alternative zum normalen

Hallenfußball sein.

Sven Schröder (Schiedsrichter

SV Nendorf): Durch die

neuen Regeln beim Futsal wurde

das Spiel beschleunigt und

das Verletzungsrisiko gesenkt.

Bereits am nächsten Tag durfte

ich die erste offizielle C-Junioren-Hallenkreismeisterschaftleiten,

bei denen diese Regeln umgesetzt

werden sollten. Es ist

schon komisch, wenn man als

Schiedsrichter einer der wenigen

ist, der das Regelwerk kennt.

Nach der Teambesprechung und

Erklärung der Regeln wurde ich

erstaunt angeschaut. Die Mannschaften,

wie auch ich, haben

diese Premiere gut über den

Hallenboden gebracht. Nach

den ersten ungewöhnlichen

Spielsitutionen haben sich die

Mannschaften gut angepasst.

Wirkliche Probleme sind nicht

aufgetreten. Man verfällt schnell

in die Regelkunde des „normalen“

Hallenfußballs. Daher ist

höchste Konzentration vom

Schiedsrichter gefordert. Meiner

Meinung nach wird der Hallenfußball

mit diesen Regeländerungen

optimiert.

Liane Lindenberg (Schiedsrichterlehrwartin

des NFV-

Kreises Nienburg): Futsal ist

die fairste Möglichkeit, um in

der Halle Fußball zu spielen.

Wichtig ist nun, in den Vereinen

den Beteiligten alles vernünftig

und richtig zu erklären, um die

Verunsicherung, die noch überall

herrscht, zu nehmen. Das

wird nicht von heute auf morgen

gehen. Durch die faire

Spielart gibt es nur ganz wenig

Aggressivität im Spiel, auch gegenüber

den Schiedsrichtern.

Ich glaube schon, dass der Futsal

in den nächsten Jahren hier

im Kreis für die Kids das A und

O sein wird. Auch technisch

schwächere Spieler haben hier,

durch den nur wenig springenden

Ball, die Möglichkeit mitzuwirken

und sich technisch zu

verbessern.

Marcus Schierbaum (NFV-

Referent für Futsal): Die Spieler,

gerade die Jugendlichen,

kommen mit dem modifizierten

Regelwerk und dem sprungreduzierten

Spielball sehr gut zurecht.

Die Herren trauen sich

hier leider noch nicht ran, obwohl

diejenigen, die es ernsthaft

mal getestet haben, begeistert

von Futsal sind. Ich würde

mich freuen, wenn in Niedersachsen

in den nächsten zwei

bis drei Jahren nur noch Futsal

gespielt wird. Ein eigener Spielbetrieb

wäre ein Traum. Die Futsalregeln

sind von der FIFA und

dem DFB freigegeben und auch

durchdacht. Es hat keinen Sinn,

die Regeln für eigene Veranstaltungen

abzuändern. Außerdem

habe ich noch keine Halle gesehen,

in der man keinen Futsal

spielen kann.

Markus Schenke (Kreisjugendobmann

des NFV-Kreises

Nienburg): Ich halte grundsätzlich

den Futsalball als das richtige

Spielgerät für den Hallenfußball.

Im Gegensatz zu den Bezirksturnieren

spielen wir außer

den G-, F- und E-Junioren schon

mit diesem Ball. Daher wollen

unsere Vereine in diesen Altersklassen

auch mit dem normalen

Hallenball ihre Hallensaison spielen.

Ich halte die Hallenregeln in

der uns vorgestellten Form im

Jugendbereich für nicht umsetzbar.

Wir spielen schon jetzt im

zweiten Jahr mit abgespeckten

Regeln im C-Jugendbereich Futsal.

Um den kompletten Hallenspielbetrieb

auf Futsal umzusetzen,

benötigen wir circa 800

Schiedsrichteransetzungen.

Dann würden wir ungefähr die

gleiche Anzahl an Turnieren den

Junioren und Juniorinnen anbieten

können. Ist dies von den

Vereinen zu bezahlen? Ich bin

mir sicher, dass dies so erst einmal

nicht gewollt ist. Ich bin mir

auch sicher, dass wir in der

kommenden Hallensaison im C-

Juniorenbereich mal eine Hallenrunde

unter diesen Regeln und

somit mit allen Schiedsrichtern

anbieten werden. Danach werden

wir sehen, ob es eine Möglichkeit

gibt, den Vereinen Futsal

so schmackhaft zu machen,

dass sie dies auch so haben

wollen. Jens Lucenz

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