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46 Selbst für uns

46 Selbst für uns Hessen ist die Anreise schon etwa 1150 km lang, so dass wir diese Strecke auf zwei Etappen fahren. Eine Strecke am Dienstag bis nach Südtirol, ein Tag Pause ( Kräfte sammeln mit deftigen Speisen und Kulturprogramm in Bozen und Meran ) und dann am Donnerstag weiter zum Fahrerlager am ‚Misano World Circuit Marco Simoncelli‘. Marco Simoncelli, der 2011 tödlich verunglückte MotoGP Fahrer, stammte aus Cattolica in 5 Kilometern Entfernung von der Rennstrecke an der Adria. Er wird hier immer noch sehr verehrt, unter anderem mit der Ausstellung einiger seiner Maschinen, eine Dokumentation seiner Karriere in Fototafeln und eben auch in dem Namen der Rennstrecke. Angekommen in der Warteschlange vor dem Einlass zum Fahrerlager, öffnete ein alter italienischer Rennhaudegen seinen Transporter, in dem neben seiner Yamaha TZ auch ein erklecklicher Vorrat an vergorenem Rebensaft gelagert war. In unnachahmlich italienischem Überschwang wurden einige Korken entfernt und ein Begrüßungstrunk verkürzte die Wartedauer. Weder sprach der Italiener Deutsch oder Englisch, noch waren wir des italienischen mächtig, trotzdem verstanden wir uns sofort! Nach dem streng organisierten Einlass begann wie gewohnt der Aufbau der Boxeneinrichtung und des Pavillons als ‚Hospitality Center CB- Fourclub‘. Wir teilten uns wie im Vorjahr eine Box mit dem Team von Klaus Dony’s ‚Bikeside Classic Endurance‘, eine sehr angenehme Partnerschaft ohne Konkurrenzdenken. Freitags beginnen nach der technischen Abnahme, die sehr professionell und gewissenhaft abläuft, die offiziellen Trainings der zwei oder drei Fahrer der Langstreckenteams. Schon vorher kann aber im ‚Prove Libere‘, einem freien Fahren, das vor Ort in 20 Minuten- Turns gebucht werden kann, die Streckenkenntnis verbessert werden. Trotz eines engen Zeitplans klappte hier die Organisation über den Tag perfekt, so dass das abendliche Endurancetraining pünktlich um 17:00 Uhr beginnen konnte. Jeder Fahrer unseres Teams absolvierte seinen Turn diszipliniert und wir konnten schon den Fahrerwechsel mit Tankstop trainieren. Der Ablauf am Samstag war ganz ähnlich, nur das Zeittraining fand mittags statt und am Abend um 18:30 begann dann endlich das 4-Stunden

zu verdeutlichen, hier ein Vergleich mit der aktuellen Superbike-WM: WSBK: Rundenzeiten 1:35 bis 1:38 auf den vorderen Plätzen Classic Endurance: Rundenzeiten 1:53 bis 1:59 bis Platz 10 Und das bei doppelter Leistung, Quickshifter, ABS, Bremsen wie Wurfanker, Wheelycontrol, 50 kg niedrigerem Gewicht und Slicks bei den aktuellen Motorrädern. All diese Fahrhilfen sind bei den klassischen Rennen nicht erlaubt und wir müssen mit relativ schmalen (max. 150er Hinterreifen) 18 Zoll Profilreifen fahren. Darüber hinaus beträgt die Renndauer bei der WSBK etwa 35 Minuten pro Lauf, wir fahren ca. 45 Minuten pro Turn, insgesamt aber 4 Stunden! Die ersten 30 Minuten werden noch im goldenen Abendlicht gefahren, aber schon bald bricht die Nacht an und gleißend helle Lichtkegel rasen um die Strecke, die allerdings recht großzügig mit Lichtmasten ausgeleuchtet wird. Von Startplatz 19, der aus den gemittelten Zeiten der Fahrer hervorging, ins Rennen gestartet, verbesserten wir uns nach und nach bis auf Platz 15 in der Gesamtwertung und auf Platz 6 in unserer Klasse. Zuverlässiges Material, HONDA eben, und vernünftige Fahrweise zahlen sich im Langstreckensport eben immer noch aus. Das Team Bikeside hatte leider ein technisches Problem und fiel nach 30 Runden aus. Nach anfänglich gedrückter Stimmung bei Klaus und seinen Teammitgliedern wurde aber doch noch ein gemeinsamer gemütlicher Abend (oder war es ein Morgen?) in der Box bei gemeinsamem Genuss eines eigens zum Geburtstag eines Teammitglieds mitgebrachten 5-L Fässchens hessischen Licher-Biers sowie einiger Tannenzäpfle begangen. Rennen. Nach klassischer Art wird der Start in Le Mans- Weise durchgeführt, alleine das ist schon gänsehautverdächtig. An der Spitze setzten sich die Guareschi-Brüder mit einer unglaublich schnellen Moto Guzzi schon leicht vom restlichen Feld ab. Diese beiden Brüder waren Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre in der Supersport und Superbike nicht ganz erfolglos: 2 mal Rang 2 in der Supersport-WM, 1 mal Rang 10 bei den Superbikes. Um das sehr hohe sportliche Level Die gesamte Veranstaltung in Misano wird auf der sportlichen und technischen Organisationsseite sehr professionell durchgeführt. Das alles aber auch nicht ohne italienische Grundstimmung, die meistgebrauchte Antwort auf unsere Fragen: No Problem! in einem angenehmen italienischen Englisch. Wir werden 2018 wieder kommen! Werner Koch 47