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TITEL PFLEGE – GUT

TITEL PFLEGE – GUT VERSORGT IM ALTER Plötzlich ist nichts mehr, wie es war Als eine von derer 13 Einrichtungen in NRW ist das Demenz-Servicezentrum Bergisches Land zuständig für die Regionen Wuppertal, Solingen, Remscheid, Rheinisch-Bergischer Kreis und Oberbergischer Kreis. Alleine in diesem Gebiet geht man von rund 20.000 Erkrankten aus. Servicezentrum- Leiterin Monika Wilhelmi und Susanne Bäcker wissen, wie sehr die Diagnose „Demenz“ in das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen eingreift. Frau Wilhelmi, Frau Bäcker, bitte skizzieren Sie doch einmal die Aufgaben eines Demenz- Servicezentrums. Monika Wilhelmi: Zum einen sind wir eine erste Anlaufstelle für Ratsuchende. Wir sind informiert, welche Angebote es für die Patienten und ihre Angehörigen im gesamten Bergischen Land gibt und können gezielt darauf verweisen. Weiterhin sind wir Ansprechpartner für die Pflegeeinrichtungen und regen Projekte an. Zum Beispiel haben wir besondere Konzerte mit den Bergischen Symphonikern, Besuche im Von-der- Heydt-Museum oder einen speziellen Gottesdienst für Demenzkranke initiiert. Dabei geht es um kulturelle Teilhabe der Betroffenen. Bei unseren Veranstaltungen wie den Demenz-Tagen stehen dann Information und Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. Susanne Bäcker: Eine unserer wesentlichen Aufgaben ist, dass wir gut vernetzen – in den Kommunen, zwischen den Senioren- und Pflegeberatungen. Wir organisieren Fachtagungen, Schulungen und Fortbildungen und moderieren runde Tische Demenz. So sind wir Mitglied in allen Gremien der Städte, wie etwa den Pflege- und Gesundheitskonferenzen. Dort können wir fachbezogen und inhaltlich Stellung beziehen. Wer finanziert die Demenz-Servicezentren? Monika Wilhelmi: Alle 13 Zentren in Nordrhein-Westfalen werden vom Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales und den Pflegekassen sowie von verschiedenen Trägern finanziert. Bei uns ist dies die Evangelische Stiftung Tannenhof. Für jedes Zentrum sind zwei Vollzeitstellen vorgesehen, wir teilen uns die Arbeit zu dritt. Mit Arnd Bader als Sozialwissenschaftler, Susanne Bäcker als examinierte Krankenschwester und mir als psychologische Psychotherapeutin sind unsere Kompetenzen breit aufgestellt. Wir decken verschiedene Beratungsschwerpunkte ab. Außerdem sind wir eines der wenigen Zentren mit ärztlicher Unterstützung. Mit welchen Fragen wenden sich die Menschen an Sie? Monika Wilhelmi: Das ist ein buntes Bild, angefangen von der Frage, wo man eine Diagnostik findet bis hin zur Sterbebegleitung für Demenzkranke. Aber immer merkt man die Not der Menschen. Nach der Diagnose tut sich für die Betroffenen und ihre Familien ein Urwald auf, durch den man den Weg erst einmal nicht findet. Man hat den Eindruck, dass Demenz erst in den letzten zehn, 15 Jahren ein Thema gewor- 18 www.bvg-menzel.de

älteren Generation gibt es einen großen Druck, den Mann oder die Frau nicht ins Heim „abzuschieben“. Wenn es aber nach manchmal vielen Jahren häuslicher Pflege gar nicht mehr anders geht, haben die Ehepartner ein total schlechtes Gewissen. Dabei stellen sie dann später fest, dass es die richtige Entscheidung war. Durch die vielfach guten Angebote in den Einrichtungen erleben der Betroffene, aber auch seine Angehörigen nochmal eine neue Gemeinschaft mit Aktivitäten, die zu Hause gar nicht mehr möglich gewesen wären. Monika Wilhelmi: Pflegende Angehörige möchten für die Patienten alles tun, verlieren aber häufig völlig das Maß für ihre eigenen Bedürfnisse. Das übersteigt auf Dauer die eigenen Kräfte. Monika Wilhelmi (l.) und Susanne Bäcker schaffen Netzwerke im Bergischen Land zum Wohle der Demenzpatienten und ihrer Angehörigen. Zum Team des Demenz-Servicezentrum Bergisches Land gehört auch Arnd Bader als Pflegeexperte. den ist, das gesellschaftliche Relevanz hat. Gab es früher tatsächlich weniger Patienten oder hieß nur die Diagnose anders? Susanne Bäcker: Natürlich gibt es heute deutlich mehr Hochbetagte. Außerdem sind die diagnostischen Möglichkeiten eben weitaus differenzierter. Monika Wilhelmi: Der medizinische Fortschritt spielt sicher auch eine Rolle. Es wird eben viel dafür getan, dass wir älter werden. Alter ist aber immer noch der größte Risikofaktor für eine Demenzerkrankung. Jedoch haben sich die Informationen in den letzten Jahren auch deutlich verbessert. Monika Wilhelmi: Ja, das ist sicher richtig. Als ich vor 23 Jahren mit der Gründung einer Angehörigengruppe begonnen habe, gab es sehr wenig Wissen über die Krankheit und den Umgang mit ihr. Das hat sich tatsächlich verändert. Man sagt, die pflegenden Partner oder auch andere Familienangehörige geben sich selbst oft auf. Können Sie das bestätigen? Susanne Bäcker: Das ist häufig so. Gerade in der Was fehlt aus Ihrer Sicht in der Pflege und Betreuung demenziell Erkrankter? Monika Wilhelmi: Es müsste für Betroffene und Angehörige viel mehr und regelmäßige psychotherapeutische Unterstützung geben. Für den Erkrankten steht das Nicht-mehr-Funktionieren im Vordergrund und dies zu erfahren, ist sehr schmerzvoll. Die betreuenden Partner oder Kinder erleben ein Abschiednehmen, das sich manchmal über viele Jahre hinzieht. Auch sie brauchen Beistand, um das zu verarbeiten. Im Rahmen Ihrer Arbeit informieren Sie auch über Prävention. Kann man einer Demenzerkrankung überhaupt vorbeugen? Monika Wilhelmi: Ja und darüber gibt es gesicherte Erkenntnisse. Mit gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung und der Pflege sozialer Kontakte kann man die Risikofaktoren grundsätzlich positiv beeinflussen Was raten Sie grundsätzlich, wenn jemand an Demenz erkrankt?? Susanne Bäcker: Gehen Sie offen damit um. Wer einen Herzinfarkt erleidet, tut dies in der Regel ja auch. Und dann kommt vielleicht mal der Nachbar und hilft, die Einkaufstasche zu tragen. So sollte es bei einer Demenzerkrankung auch sein. Diese Offenheit zu erreichen, daran arbeiten wir. Das Gespräch führte Stefanie Bona Foto: BVG der Bergische Unternehmer 04|18 19

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