GAB Juli 2019

blumediengruppe
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darauf also verzichten kann, freuen wir uns

immer. Außerdem hätten Penisse vielleicht

auch zu sehr abgelenkt von der eigentlichen

Schönheit der Geschichte. Sicherlich

werden sich einige „Messer im Herz“ in der

Hoffnung auf heiße Sexszenen anschauen.

Doch ich hoffe, diese Zuschauer sind dann

am Ende nicht enttäuscht, sondern verzaubert

von der Zärtlichkeit und den tiefen

Gefühlen, die sie stattdessen entdecken.

Waren Sie eigentlich ein Fan von dem

platinblonden Seventies-Look, der

Ihnen für den Film verpasst wurde?

Das können Sie laut sagen. Mein Vorbild,

was Haare und Make-up angeht, war

Debbie Harry, die ich immer schon

großartig fand!

Auch musikalisch?

Klar. Überhaupt sind die Siebzigerjahre für

mich das tollste Jahrzehnt, was die Musik

angeht. Zusammen mit den Sechzigern. Ich

liebe auch Jazz, aber was mich selbst als

Sängerin und Musikerin immer schon am

meisten beeinflusst hat, waren die Siebziger.

Auch wenn man das vielleicht nicht

allen meinen Songs auf Anhieb anhört.

Erst vor einem halben Jahr ist Ihr

neustes Album „Les Sources“ erschienen,

nun ist „Messer im Herz“

nach „Das Familienfoto“ bereits Ihr

zweiter Kinofilm in diesem Jahr. Sind

die Schauspielerei und die Musik für

Sie gleichermaßen wichtig?

Hmmm ... Fast gleichermaßen, würde ich

sagen. Musik ist für mich wie die Luft

zum Atmen. Ohne sie könnte ich nicht

leben, glaube ich. Ganz so weit würde ich

bei der Schauspielerei nicht gehen. Was

aber nicht heißt, dass ich freiwillig darauf

verzichten würde.

Vor rund zwei Jahren erschütterte

#MeToo nicht nur, aber vor allem

die Filmbranche, seither scheint

sich einiges zu verändern, wie mit

Themen wie sexuellem Missbrauch

und Belästigung, aber auch allgemein

Gleichberechtigung und Diskriminierung

umgegangen wird. Wie erleben

Sie diese Entwicklung?

All die Dinge, die seit 2017 an die Öffentlichkeit

gekommen sind und zum Thema

wurden, betreffen uns

alle und gehen uns

alle an. Niemand kann

sagen, er habe damit

nichts zu tun. Und ich

finde es gut und wichtig,

dass wir über all

diese Dinge öffentlich

sprechen, denn das

ist bereits der erste

Schritt zur Lösung

eines Problems. Wir

erleben gerade, wie

Frauen mehr denn

je eine Stimme

bekommen und sich

nicht nur unsere

Branche, sondern die

Gesellschaft allgemein

dahingehend verändert, dass wir vielleicht

den Platz bekommen, der uns zusteht. Das

alles geschieht ziemlich langsam, keine Frage,

denn unsere Welt ist ein Dinosaurier, der

sich nicht gerade schnell bewegt. Aber ich

blicke sehr positiv auf alles, was da gerade

passiert.

Haben Sie selbst als Frau an Filmsets

häufig schlechte Erfahrungen

gemacht?

Im Leben allgemein sicherlich, wie wohl jede

Frau. In der Arbeit hatte ich aber eigentlich

FILM

immer viel Glück. Ich war fast immer von

sehr netten Menschen umgeben, die mich

sehr anständig behandelt haben. In der

Musikbranche übrigens genauso.

Ihre Tochter Lily-Rose Depp ist

inzwischen zwanzig Jahre alt und

auch schon als Schauspielerin und

Model erfolgreich. Erkennen Sie, die

auch sehr jung durchstartete, sich

in ihr wieder?

Ich glaube, diese neue

Generation ist ganz anders,

als wir damals waren.

Allein schon durch all die

technischen Möglichkeiten,

mit denen diese Kids

aufwachsen, entwickeln

sie ganz andere Persönlichkeiten

als wir früher.

Außerdem kommt im Fall

meiner Kinder dazu, dass

sie in den USA zur Schule

gegangen sind, und die

Privatschulen dort ermutigen

die Schüler sehr,

eigene starke Persönlichkeiten

zu entwickeln. Das

ist nicht vergleichbar mit

dem rigiden Bildungssystem

in Frankreich. Selbstbewusstsein

wird in Amerika sehr gefördert, das hat mir

immer gut gefallen. Ich selbst brauchte

damals viel länger, um herauszufinden, wer

ich bin und was ich will. Deswegen freue

ich mich umso mehr zu sehen, was für ein

kluges, tolles und starkes Mädchen meine

Tochter ist.

*Interview: Jonathan Fink

„Messer im Herz“,Kinostart: 18. Juli,

salzgeber.de

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