GAB Dezember 2016

blumediengruppe

GESELLSCHAFT

„Die Bundestagswahl

ist für Lesben

und Schwule eine

Schicksalswahl!“

FOTO: PRIVAT

FOTO: DEUTSCHER BUNDESTAG / STEPHAN ERFURT

Interview

ANSGAR DITTMAR

Alles neu bei den Schwusos

Er führte die Geschicke der Schwusos

acht Jahre lang. Ansgar Dittmar über

die Chancen der SPD, die Ehe für alle

doch noch zu realisieren.

WAS IST DAS SPANNENDE AM NEUEN

NAMEN SPDQUEER?

Während der Debatte um den Namen

wurde deutlich, dass sich Teile der

Community unter dem Label Schwusos

nicht repräsentiert fühlten. Wir haben

inzwischen einen sehr viel aktiveren

Trans*-Bereich und auch wesentlich

mehr Frauen, die sich mit dem alten

Namen nicht identifizieren konnten.

„Die Bundestagswahl

ist für Lesben

und Schwule eine

Schicksalswahl!“

DER NEUE BUNDESVORSTAND SCHEINT

DAS WIDERZUSPIEGELN ...

Absolut. Unter lesbisch-schwuler

Doppelspitze sind bisexuelle, trans* und

sogar ein heterosexuelles Vorstandsmitglied

tätig. Diese breite Vielfalt ermöglicht

es uns, besser in die Communitys

hineinzuwirken.

WIE FUNKTIONIERT DIE ZUSAMMENAR-

BEIT MIT DER FRAKTION?

Der Beauftragte der Fraktion für die

Belange von LSBT*IQ Johannes Kahrs

hat uns als Schwusos immer sehr

unterstützt. Er hat uns zum Teil Türen

geöffnet und war unser Ansprechpartner

im Bundestag. Das hat sich inzwischen

dank gestiegener Akzeptanz sogar noch

um viele weitere Fachpolitiker erweitert,

die unsere Anliegen offensiv vertreten.

Hervorragend ist auch die Zusammenarbeit

mit unseren Ministerinnen

und Ministern – vor allem mit Manuela

Schwesig als auch mit Heiko Maas

arbeiten wir sehr gut zusammen, ebenso

wie mit dem Europaminister Michael

Roth im internationalen Zusammenhang.

IST DIE QUEERPOLITISCHE BILANZ DER

SPD GUT ODER SCHLECHT?

Wir haben viel mehr erreicht, als 2013

nach Unterschrift unter den Koalitionsvertrag

zu erwarten gewesen wäre. Und

der beinhaltet schon mehr, als die CDU

wollte. Die wollte gar nicht über unsere

Themen reden. Gerade die Rehabilitation

und Entschädigung der Opfer des

§ 175 wäre ohne Regierungsbeteiligung

der SPD nicht möglich gewesen. Ich

kenne den Vorwurf, die SPD sei der

Bettvorleger der Union, der ist aber

falsch.

WIRD ABER GERNE UNTERSTELLT ...

Mag dem einen oder anderen so vorkommen.

Aber Politik funktioniert mit

Mehrheiten. Mit 25,7 Prozent haben wir

keine Mehrheit.

DIE EHE FÜR ALLE HAT ABER EINE MEHR-

HEIT IM BUNDESTAG ...

Aber wir haben keine linke Koalition.

Es ist noch ein knappes Jahr bis zur

Bundestagswahl. Ich habe beim Bundeskongress

in Schwerin gesagt: „Sollten

wir es nicht schaffen, die Union zu überzeugen,

dann muss die Bundestagsfraktion

den Mut haben, noch vor Ende der

Legislaturperiode die linke Mehrheit für

die Ehe für alle zu nutzen. Das sind wir

der Community schuldig.“

JOHANNES KAHRS HAT DIES AUCH BE-

REITS ZWEIMAL ANGEKÜNDIGT. IST DAS

NUR HEISSE LUFT?

Nein. Die Union hat als einziges Druckmittel

den Koalitionsvertrag. Kurz vor

der Bundestagswahl fällt das weg. Aber

in jedem Fall bleibt für uns Lesben

und Schwule die Bundestagswahl eine

Schicksalswahl.

WARUM?

Wir müssen uns darüber im Klaren sein,

dass die Union bei einer rein theoretischen

konservativen Mehrheit – mit

oder ohne AfD – die Ehe für alle wieder

kassieren könnte, beziehungsweise

natürlich im Traum nicht daran denken

würde, sie einzuführen. Volker Kauder

hat sogar noch im Bundestagswahlkampf

2013 die eingetragene Lebenspartnerschaft

infrage gestellt.

•Interview: Christian Knuth

http://ansgar-dittmar.de/

Das ungekürzte Interview findest du

auf www.blu.fm

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