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91. Spengler Cup Davos - Jahrbuch 2017 (30-er Jahre)

Spengler Cup Davos 2017 Eberli ( Tor ), Toni Buchli, Franz Geromini, Pic Cattini, Albert « Tiger » Geromini, Hans Cattini, Christian Badrutt und Hans Trauffer. Zuschauer gab es an diesem Tag wie noch selten zuvor. Die Tribüne war bis zur letzten Treppenstufe besetzt, Sitzplatzbänke mussten noch herbeigeschafft werden, und die Stehplatzrampen waren schwarz von Menschen. Tausende begrüssten das Siegestor mit Indianergeheul, da dieses Mal die Sympathien naturgemäss zwar nicht gegen Rapid, aber doch sehr für die Einheimischen waren. Die Preisverteilung fand in den übervollen Sälen des Palace Hotels statt und wurde vom Vizepräsidenten Dr. Alexander Carl Spengler, genannt « Tuggi », in Abwesenheit des erkrankten Präsidenten Dr. Fritz Kraatz geleitet. Cup 1936 mit Topbesetzung Trotz des « ni »-Sturmes, der jetzt regelrecht am Aufblühen war, vergingen drei Jahre, bis Davos erneut jubeln konnte. 14 Jahre wurde in der Zwischenzeit um denselben Wanderpokal gespielt und wiederum wurde zu Beginn des Turniers die Frage aufgeworfen, ob dieser erstmals in den Besitz einer Mannschaft überginge. Das Eishockey habe sich im letzten Jahrzehnt stark entwickelt, hiess es im einheimischen Blatt. Wohl hatte man damals bereits mehrere Jahre mit dem Eisho- ckey-Stock auf dem Eis herumgetrudelt, und die Zeit, wo ein einziger guter Spieler innerhalb einer Anfängermannschaft eine andere Anfängermannschaft mit 24 : 0 abfertigen konnte, wie dies in den ersten Nachkriegsmatchs der St. Moritzer Unger tat, war vorbei. Davos war von den rein europäischen Amateurmannschaften unbestritten die stärkste Mannschaft Europas geworden. Zu den Favoriten auf den Spengler Cup-Sieg gehörte aber auch der LTC Prag mit seinen Überseespielern Mike Matthew Buckna und Stephan Beda und den ausgezeichneten tschechoslowakischen Spielern wie Josef Maleček. Die Mannschaft reiste bereits am 24. Dezember an und das tschechoslowakische Radio übertrug alle Spiele seines Teams. Ohne spezielles Höhentraining reiste Berlin am 27. Dezember an, da es am 26. noch ein Spiel in der Heimat austragen musste. Am Morgen des 28. Dezember trat es dann ins Turniergeschehen ein. In der Davoser Zeitung wurde von der besten Spengler Cup-Besetzung aller Zeiten gesprochen. Bei der Captain-Sitzung wurde bestimmt, dass nur zwei Ausländer pro Team eingesetzt werden dürfen. Damit wurde sich gegen die « Ausländerspielerei, wie sie ja auch von Davos seit Jahren bekämpft wird, ausgesprochen ». 2000 Zuschauer beim Finalspiel Drei Rundfunkreporter, ein « halbes Hundert » Zeitungsvertreter und Fotografen sowie 2000 Zuschauer sahen am 1. Januar 1937 Davos in der Verlängerung siegen. In einem ausgeglichenen Spiel gewann das Team, welches das erste Tor erzielte. Davos konnte in diesem Turnier seine Taktik des ständigen Angreifens nicht durchführen. Es stellte hingegen seine Taktik von Anfang an auf Prag ein und übernahm im günstigsten Moment selbst dessen vorsichtige Spielweise mit rasanten Angriffen. Prag hatte Mühe, die Nerven zu behalten. Davos war moralisch gut beieinander und verdiente nicht zuletzt deshalb den Sieg, weil die Spieler trotz der ungeheuren nervlichen Anspannung bis zum Schluss restlos ruhiges Blut behalten konnten. Chancen für Treffer gab es genug. Neben den Feldspielern, die beidseitig mindestens so viel verteidigten und den Backs stören halfen, wie sie angriffen, hielten die beiden Goalkeeper mit fantastischer Sicherheit und viel Glück alles, was theoretisch eigentlich nicht zu halten gewesen wäre. Aufgeregtes Publikum Das Publikum schliesslich, das wahrscheinlich aufgeregter war als die Spieler, benahm sich laut Medienberichten mustergültig: « Es gab einen berechtigten gewaltigen Applaus, und der Heisern mag es noch heute in Davos viele geben.» Was aber nie ausartete, seien die Missfallensäusserungen gewesen. Viel war in der Zeitung nicht zu lesen. So stand in der Davoser Zeitung: « Nachdem halb Davos am Match teilnahm und wahrscheinlich nicht nur Davos, sondern Der Pokal-Bildhauer Johann Jakob Wilhelm Schwerzmann schafft Siegespokal und Skistürzebrunnen Der zweite Pokal des Spengler Cup, der erstmals 1938 zum Einsatz kam, entstand nach einem Entwurf von Johann Jakob Wilhelm Schwerzmann ( *1877, † 1966 ). Der bekannte Bildhauer, Plastiker und Gestalter von Marionetten schuf im Weiteren vor allem Kunst im öffentlichen Raum. Sein bekanntestes Werk ist der Skistürzebrunnen, der noch heute gegenüber dem Hotel Seehof zu sehen und eigentlicher Glücksbringer der Skifahrer ist. Im Weiteren sind auch der Brunnen mit Wolf, Steinbock und Bär im Kurpark sowie zahlreiche Grabsteine und Reliefs bei der Ruhestätte der Einsamen auf dem Waldfriedhof von seiner Hand. Der Spengler Cup-Pokal, gestiftet von der Landschaft Davos, war recht massiv und zeigte einen Eishockey- Goalie zuoberst auf dem Kübel.

1930 – 1939: DAS TURNIER IM AUFSCHWUNG 17 auch die Umgebung, verzichten wir hier auf einen langen Bericht über den Spielverlauf. Die nicht dabei waren, mögen es entschuldigen. Wären sie gekommen, hätten sie es ja selbst erleben dürfen.» Davos gewann 1 : 0 gegen den LTC Prag in der Verlängerung, was die Krönung eines in jeder Hinsicht erfolgreichen Turniers darstellte. Kein deutsches Team 1938 Der dritte Sieg des Hockey Club Davos in den 1930er-Jahren wurde erst im Februar 1939 eingefahren, nachdem das Finalspiel abgebrochen werden musste. Erstmals wurde dabei um den neuen Spengler Cup, gestiftet von der Landschaft Davos, gespielt. Dieser war kurz vor Weihnachten in Davos eingetroffen und wurde im Schaufenster des Verkehrsvereins ausgestellt. Bereits damals war es schwierig, Teams zu verpflichten. So hiess es: « Nachdem zuerst der Berliner SC abgesagt hat, weil er die Spieler nicht freibekam und mit Urlaubsschwierigkeiten und Verletzungen zu tun hatte, kann nun auch der Wiener Eislauf-Verein wegen der Verpflichtung, Meisterschaftsspiele bis zum 31. Dezember zu beenden, nicht nach Davos reisen.» Am 21. Dezember war damit noch nicht klar, ob eine deutsche Mannschaft dabei sein würde. Schliesslich konnte keine mehr verpflichtet werden. Schlägerei führte zu Abbruch Als Besonderheit war dafür mit Göta Stockholm ein schwedisches Team in Davos. Nach spannenden Partien – das Turnier wurde nach dem Prinzip « jeder gegen jeden » ausgetragen – standen sich ein weiteres Mal der LTC Prag und der Hockey Club Davos im Finalspiel gegenüber. Dieses musste allerdings abgebrochen werden. Dem Abbruch des Finalspiels ging eine Schlägerei voraus: Pic Cattini traf im Sturz nach einem Foul von Josef Maleček denselben Spieler mit dem Stock am Kopf, worauf sich Maleček auf Cattini stürzte und sich eine allgemeine Schlägerei entwickelte, in die auch das Publikum eingriff. Der Davoser Schiedsrichter versuchte, Mike Buckna von hinten zu fassen, um ihn davon abzuhalten, an der Schlägerei teilzunehmen. Dieser wertete dies aber : Ein Helfer wischt bei einem Spiel mit starkem Schneefall einem Spieler der schwedischen Mannschaft IK Göta mit einem Besen den Schnee weg. als Angriff und begann, auf Schiedsrichter Fasel loszudreschen. Glücklicherweise gelang es der Polizei und den Offiziellen rasch, der Prügelei ein Ende zu setzen. Die Tschechoslowaken jedoch verliessen das Spielfeld und kamen nicht mehr zurück. Zusammen mit der Leitung der tschechoslowakischen Mannschaft wurde mit dem tschechoslowakischen Verbandspräsidenten in Prag Kontakt aufgenommen. Dieser entschied, dass die tschechoslowakische Mannschaft wieder anzutreten hätte. Diese hatte sich aber bereits umgekleidet und die Garderoben verlassen. In der Davoser Zeitung wurde Folgendes geschrieben: « Es ist selbstverständlich, dass solche Zwischenfälle ausserordentlich bedauerlich sind, sie beweisen aber nur, wie angespannt die Nerven der Spieler bei solchen Endspielen sind, sodass eine Kleinigkeit genügt, dass sie ihre Beherrschung verlieren.» Bemerkenswerter Sieg Das Finale wurde am 15. Februar 1939 wiederholt. Die Prager konnten ihre Nationalspieler sowie den Kanadier Mike Buckna einsetzen. Davos hingegen musste auf den verletzten Hans Cattini verzichten. Deshalb war der Sieg der Davoser umso bemerkenswerter. Dieses Mal überzeugten beide Teams vor einer grossen Zuschauerkulisse durch grosse Fairness. In guter Form präsentierten sich die beiden Torhüter, die einige Chancen zunichtemachten. Das Siegestor der Davoser fiel bereits nach neun Minuten des ersten Drittels. Es war ein Vorstoss Franz Gerominis, der dicht gefolgt von Pic Cattini alles durchbrach und ohne abzugeben einen unhaltbaren Treffer erzielen konnte. Dieses Mal hatten die Schiedsrichter sehr wenig Arbeit, da sie während der ganzen 45 Minuten keinen einzigen Spieler vom Platz stellen mussten. So kam es nach Überlieferungen zu einem schönen und äusserst fairen Spiel. Auf beiden Seiten waren die Torhüter die Ruhe selbst und machten die Chancen der Stürmer zunichte. Davos spielte mit Buzz Cronk im Tor, Albert und Franz Geromini und Hans Trauffer als Backs, Bibi Torriani, Beat Rüedi und Pic Cattini als ersten Sturm sowie Adank, Hans Dürst und Romagnoli von der zweiten Mannschaft.