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Erika Rödiger-Diruf

Erika Rödiger-Diruf Ernst Fries (1801 Heidelberg – Karlsruhe 1833) Zeichnungen aus dem Nachlass – eine Auswahl Ernst Fries gehört zu den hervorragenden deutschen Künstlern, die vor allem im Bereich der Zeichnung in den 1820er Jahren Außerordentliches geleistet haben. Als Schüler des Universitätszeichenmeisters Friedrich Rottmann (1768 – 1816) in Heidelberg zeigte sich schon früh seine diesbezügliche Begabung. Nicht nur, dass zu seinen Mitschülern bei Friedrich Rottmann auch die später für die Kunstgeschichte zu außerordentlicher Bedeutung gelangten Landschaftsmaler Carl Philipp Fohr (1795 – 1818) und Carl Rottmann (1797 – 1850) gehörten, sondern auch der glückliche Umstand, dass das Elternhaus von Fries sowohl wohlhabend als auch kunstliebend war, trug sicher zur Förderung seiner künstlerischen Begabung bei. Durch Friedrich Rottmann erhielt Fries eine solide Ausbildung insbesondere als Zeichner, zudem bekam er um 1815 Unterricht bei dem Karlsruher Hofmaler Carl Kuntz (1770 – 1830), und 1818 war er für ein paar Monate Schüler an der Münchner Kunstakademie bei dem Landschafts-, Tier- und Porträtmaler Wilhelm von Kobell (1766 – 1853) sowie bei dem Figurenmaler Robert von Langer (1783 – 1846); im Winter 1818/19 nahm er noch Unterricht bei dem Darmstädter Architekten Georg Moller (1784 – 1852). 1819 ist sein künstlerisches Vermögen bereits so weit fortgeschritten, dass er mit dem etwas älteren Maler Johann Heinrich Schilbach (1798 – 1851) aus Darmstadt und dem Sohn von Carl Kuntz, Rudolf Kuntz (1797 -1848) sowie weiteren Kameraden wie Carl Rottmann eine Studienreise entlang des Rheins unternimmt. Auftraggeber dieser Reise war der Heidelberger Verleger Joseph Engelmann, der Vorlagen für ein geplantes Werk mit Kupferstichen von Ansichten des Rheins, der Mosel und des Taunus haben wollte. Von 1820 bis 1823 bereist Fries mehrere Male das Berchtesgadener und Salzburger Land, bevor er von 1823 bis 1827 nach Italien geht. Von dort zurückgekehrt, führen ihn seine Wege nach München, Heidelberg und Karlsruhe, gründet er eine Familie, wird badischer Hofmaler und stirbt im Oktober 1833 an einem Scharlachfieber. Im folgenden geht es nicht darum, die einzelnen Etappen von Fries‘ künstlerischem Werdegang nachzuzeichnen, die sich grob vereinfacht auf drei Lebensabschnitte reduzieren lassen, nämlich auf die Anfänge bis zur Italienreise, der Italienaufenthalt bis 1827 selbst sowie die Zeit danach, sondern einige von jenen Papierarbeiten näher zu betrachten, die aus dem Nachlass auf uns gekommen sind. Es handelt sich dabei überwiegend um Arbeiten, die nicht zum Verkauf bestimmt waren. Vielmehr wird bei näherer Betrachtung deutlich, dass es unterschiedliche Gesichtspunkte gegeben hat, die wohl ursächlich dafür waren, dass fast alle dieser Werke das Atelier des Künstlers nicht verlassen haben und bis 1918 im Familienbesitz verblieben. Dann durch Ankauf in den Besitz des Münchener Sammlers und Architekten Eugen Dreisch gelangten. Faszinierend ist nicht nur die Spannbreite an Techniken der Zeichnung, die Fries versiert anwendet, sondern auch der Mut zum Experimentellen, ganz Privaten und sicher nicht für einen kaufinteressierten Rezipienten gedacht. Souverän verwendet Fries verschiedene Ausdrucksformen des Bleistifts unterschiedlicher Stärke sowie Feder, Tusche, Aquarell, Deckfarben, Gouache, Tusch-/Sepialavierung, Kreide oder Deckweisshöhung. Vergleichsweise oft verwendet er farbiges Papier; auch finden sich vielfach schriftliche Notate auf der Darstellung, wohl als Erinnerungsnotizen, wenn offenbar die Zeit oder die Situation vor Ort für die Fertigstellung der Zeichnung nicht ausgereicht haben. Die Ausführlichkeit des zeichnerischen Vortrags ist unterschiedlich: Sie bewegt sich zwischen großzügigen Konturen in Bleistift beispielsweise bei Terrainformationen oder von Laubbäumen bis hin zu detailliert ausgeführten Motiven mit Licht- und Schattenpartien, von flächendeckenden Gesamtdarstellungen bis hin zu einem Ausschnitt aus einem landschaftlichen Kontext oder Einzelmotiven wie etwa eine Baum- oder Felsstudie. Für fast alle Arten an Zeichnungen aus dem Nachlass finden sich entsprechende Werke von Fries, die Sigrid Wechssler 2000 verdienstvoller Weise in ihrem Werkverzeichnis 1 zusammengetragen hat. Im weiteren vorliegenden Text sind die Vergleichsbeispiele 15