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Made in Verden

• In Anita

• In Anita Freitag-Meyers Fabrik in der Siemensstraße laufen jeden Tag 130 Tonnen Kekse vom Band. Mehl, Zucker, Fett und Schokolade, Nüsse, auch mal Eier – viel hat sich in drei Generationen nicht geändert an den Rezepturen, mit denen das Traditionsunternehmen die Tüten der eigenen Marke und vieler bekannter deutscher und internationaler Handelsmarken füllt. Doch wie schafft man es, sich in einem Markt, der ständig nach Neuem schreit, beständig oben zu halten und auch noch zu wachsen? „Ich leiste mir auch mal einen Flop, das finde ich überhaupt nicht schlimm“, Anita Freitag-Meyer sitzt am großen weißen Konferenztisch in ihrem Büro. Sie trägt Créme, Knöcheljeans und Turnschuhe, trinkt frisch gepressten Saft und Kaffee im Wechsel. „Wer nichts versucht, der entwickelt sich auch nicht.“ Ihre Branche verzeichnete im letzten Jahr einen Umsatzrückgang von über zwei Prozent. Die Anforderungen, die Verbraucher an ein schnelles Konsumgut wie den Keks stellen, haben sich geändert. Der Ruf nach Nachhaltigkeit wird lauter, immer mehr Menschen gucken nicht mehr nur auf den Preis, sondern auch auf das, was drin ist. Die Verdener Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag hat ihren Umsatz unter der Führung der Enkelin des Gründers seit 2006 um 30 Prozent gesteigert. 60 Millionen Euro in Keksen setzt das Unternehmen um – bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl. Anita Freitag-Meyer stresst sich nicht. Mit der ihr eigenen 8 Made in Verden

Gelassenheit einer Reingewachsenen trägt sie jeden Tag die Verantwortung für 350 Mitarbeiter. „Letztes Jahr haben wir einen großen Auftrag nicht gekriegt. Heute gewinnste, morgen verlierste“, die 46-Jährige zuckt mit den Schultern. „Dieses Jahr bemühen wir uns wieder, ihn zu kriegen. Und wenn nicht? Derjenige, der mir die Kekse abkauft, ist schon geboren“, sie lacht. „Das sehe ich einfach so.“ Neu erfinden kann man den Keks nicht, ihm aber ein neues Image geben. Anita Freitag-Meyer setzt auf Altbewährtes mit frischem Anstrich. „Wir überschätzen auch diesen Wahn nach Innovationen“, so Freitag-Meyer. „Natürlich kaufen wir alle mal etwas Neues – aber wie oft kaufen wir es nach? Meist geht der Griff dann doch zum Klassiker. Das Mozartstäbchen, das mein Opa erfunden hat und das in jeder unserer Waffelmischungen ist und auch als Mono-Produkt erhältlich, das lieben die Leute. Wie lange gibt es schon den Butterkeks oder den Doppelkeks? Das sind Produkte, die kennt jeder, die liebt jeder. Die bleiben.“ Nichtsdestotrotz treiben Wettbewerb und Endverbraucher auch die Dauergebäck-Hersteller immer wieder dazu, sich Neues auszudenken und das Produkt Keks, wenn nicht von Grund auf, dann aber doch wenigstens imagemäßig neu zu erfinden. Auf der jährlich stattfindenden Süßwarenmesse muss man sich gar nicht ohne drei bis fünf neue Produkte blicken lassen. Die Flop-Rate in der Süßwaren-Industrie liegt bei über 80 Prozent. Bis ein Produkt vom Handel angenommen wird, muss Meterlange Öfen backen Kekse am laufenden Band. Made in Verden 9