Berliner Kurier 10.07.2019

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SERIE

Abenteuerauf

dem Wasser

Lust auf eine Tour über die Seen? Keinen

Kahn zur Hand? Kein Problem: Bei vielen Firmen

kann sich jeder einen schwimmenden Untersatz

leihen. KURIER besuchte den größten

Floß-Vermieter der Region

Es muss nicht immer ein Stripper

auftreten, wenn eine zukünftige

Braut kurz davor ist, in den Hafen

der Ehe zu schippern, manchmal hilft bei

der Reise in den neuen Lebensabschnitt

auch ein richtiges Boot. So wie hier: Sieben

Frauen, ein schwimmender Untersatz

–was kann da schon schiefgehen?

„Na ja, ein paar Startschwierigkeiten hatten

wir schon“, sagt Nicole (30). „Man

muss ja doch ein paar Knöpfe und Hebel

bedienen und verschiedene Regeln verinnerlichen.

Aber das haben wir schnell

rausbekommen. Und unserer Braut hat

es gefallen!“ Nicole ist Trauzeugin, organisierte

den Junggesellenabschied für ihre

Freundin Esther –und mietete dafür

ein Floß. „Wir wollten keine typische

Party, sondern etwas entspannter feiern“,

sagt sie. „Das kam ich auf die Idee,

den Tag auf dem Wasser

zu verbringen.“

Eine Tour über Flüsse

und Seen ist nur für jene

möglich, die einen eigenen

Kahn besitzen?

Fehlanzeige. Zahlreiche

Anbieter vermieten

Boote, auch und vor allem

in der Ferienzeit.

Huckleberry Tours ist

eines dieser Unternehmen

–anverschiedenen

Standorten in Berlin und

dem Umland stehen hier traditionelle

Holzflöße zur Ausleihe

bereit. Inklusive Hütte an Bord, in

der man sogar übernachten kann.

Die Hauptstation der Firma liegt in Potsdam,

hier warten 36 Flöße auf Besucher –

und hier wurde die Firma vonGeschäftsführer

Ole Bemmann gegründet. „Wir

starteten im ersten Jahr mit vier Flößen,

nach kurzer Zeit erhöhten wir auf sechs“,

sagt Thomas Winkelmann (30), der technische

Betriebsleiter der Station. „Im

nächsten Jahr stockten wir dann schon

auf zwölf Stück auf.“ So ging es weiter –

heute verleiht Huckleberrys 56 Flöße an

mehreren Standorten: in Werder, Beeskow,

Zehdenick, am Schwielochsee und

im Finowtal. Eine echte Erfolgsgeschichte,

die von der Lust am Abenteuer lebt.

„Die Leute wollen raus aus der Stadt und

wieder zurück in die Natur“, sagt Winkelmann.

„Sie wollen geweckt werden vom

Quaken der Frösche, nicht vom klingelnden

Wecker. Sie wollen mit ihren Kindern

wieder angeln gehen, nichtnur am Computer

sitzen.“ Er selbst mag das Ursprüngliche,

die Ruhe in der Natur. „Wenn der

Akku leer ist, ist das Handy eben aus.“

Die Gäste kommen nach der Anreise eine

Routenempfehlung –vom kurzen Ausflug

bis zur längeren Tour ist vieles möglich.

Eine denkbare Runde: „Die Leute

fahren hier los, drei Stunden bis Werder,

ankern und übernachten dort“, sagt Winkelmann.

„Dann geht es über Ketzin einmal

um Potsdam herum. Das ist eine entspannte

Fahrt mit zwei Übernachtungen

auf der Strecke.“ Die Flöße selbst sind

urig, aber dafür gemacht: Stühle und einen

Tisch gibt es an Bord, außerdem Stauraum

für Gepäck, es darf gegrillt

werden,imHäuschen kann eine

komplette Liegefläche

Ahoi,

Berlin!

GESCHICHTEN VOMWASSER

Die große Ferien-Serie

im KURIER –Teil 3

eingerichtet werden, auf

die bequem zwei Erwachsene

und zwei Kinder

passen. Das Übernachten

(fast) unter

freiem Himmel sei ein

Abenteuer –manchmal

sogar mehr als gedacht.

„Wir hatten mal eine Familie

zu Gast, Mutter und

Kinder schliefen drinnen, der

Vater draußen“, sagt Winkelmann.

„In der Nacht wachte er auf, weil

Wildschweine an das Floß schwammen“,

sagt Winkelmann. Er erschrak so, dass er

mit dem Schlafsack ins Wasser fiel.“

Derlei Pannen passierten den jungen

Frauen bei ihrem Junggesellenabschied

übrigens nicht –imGegenteil. „Wir sind

ein Stück gefahren, haben dann in einer

Bucht geankert, gegrillt und uns ein paar

gemütliche Stunden gemacht“, sagt Nicole.

Nach neun Stunden Tour ließen sie

den Abend in der Sauna einer Freundin

ausklingen. Denn: „Wir waren ziemlich

kaputt. Das Wetter, der Wind, die frische

Luft haben uns einfach müde gemacht.

Wir hatten danach gar keine Lust mehr

auf eine Partynacht“, sagt sie und lacht.

Stößchen! Natürlich darfbei einer

Floßtour auch das gemütliche Bier

nicht fehlen –der Floßführer muss

aber unbedingt nüchtern bleiben.

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