Berliner Kurier 10.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

34 PANORAMA BERLINER KURIER, Mittwoch, 10. Juli 2019*

Maria ist

inzwischen

19 Jahre. Ihre

Jugend

verbrachte

sie mit

Bernhard H.

Sechs Jahre Haft

Fotos: dpa

für Marias

Ein Herzziertden Ordner,mit

dem Bernhard H. sein Gersicht

verbirgt.Erbetonte immer

wieder,Maria zu lieben.

Kidnapper

Fünf Jahretauchte Bernhard H. mit dem Mädchen unter und missbrauchte es

Freiburg –Mit 13 Jahren war

Maria aus Freiburg plötzlich

verschwunden. Der 40 Jahre

ältere Bernhard H. war mit

dem minderjährigen Mädchen

im Ausland untergetaucht. Erst

fünfJahre später kehrte Maria

als 18-Jährige überraschend

zurück zu ihrer Familie. Nun

wurde der Mann aus Blomberg

(NRW) wegen Kindesentführung

und sexueller Missbrauchs

zu sechsJahrenKnast

ohne Sicherungsverwahrung

verurteilt.

Damit bliebdas Gerichtunter

den Forderungen der Staatsanwaltschaft,

die sieben Jahre

und drei Monate Gefängnissowie

anschließende Sicherungsverwahrung

gefordert hatte.

Die Verteidigung plädierte für

viereinhalb Jahre ohne Sicherungsverwahrung.

Der vorsitzende RichterArne

Wiemann sah es als erwiesen

an, dass der Mann im Jahr 2013

mit der minderjährigen Maria

querdurch Europa nach Italien

gereistwar, wo die beiden in einem

Dorf in Sizilien lebten. Zudem

soll Berhard H. die Jugendliche

mehr als 100Mal sexuell

missbraucht haben.

Der Kontakt zwischen den

beiden kam bereits im April

2011 zustanden. Die damals elfjährige

Maria hatte ihren späteren

Peiniger in einem Chat-

Forum kennengelernt. Zunächst

habe sich Bernhard H.

als 14-jähriger Teenager ausgegeben,späteroffenbarte

er sein

wahres Alter. Bald kam es zu

ersten Treffen. In dieser Zeit

wurde H. von seiner Frau verlassen,sie

zeigte ihn an.Inder

Folge informierte Polizisten

Marias Mutter über den Umgang

ihrer Tochter. Die verbot

ihr den Umgang mit dem 40

Jahre älteren Mann, doch der

schaffte es, den Kontakt aufrecht

zu halten.

AnfangMaiflohendiebeiden,

wohl auch, weil MariasMutter

misstrauisch wurde. Zunächst

ging es Richtung Osten. In Polen,

der Slowakei, Ungarn und

Slowenien hinterließen sie ihre

Spuren, bis sie in Sizilien ankamen.

Dort lebten sie zunächst

in einem Zelt, später in einer

einfachen Baracke. Vor den

Einheimischen gaben sie sich

als Vater und Tochter aus, daheimlebten

sie als Paar, hatten

Geschlechtsverkehr. Der Missbrauch

endete erst, als BernhardH.Erektionsproblemebekam.

In den gesamten fünf Jahren

durfteMaria keinen Kontakt zu

anderen Menschen haben. Sie

durfte keine Telefon oder das

Internet nutzen. Auch eine

Schule besuchte sie nicht.

Bernhard H. machte das Mädchen

von sich abhängig. So

sehr, dassMaria ihrenPeiniger,

als sie kurznach ihrem18. Geburtstag

nach Deutschland

flüchtete,zunächst nichtbelasten

wollte. Erst ein gewisser

Der verurteilte Bernhard H.

Abstandbrachten sie zum Umdenken.

Im Prozess trat die

heute 19-Jährige als Nebenklägerin

auf –auch bei der Urteilsverkündung

warsie dabei.

Debatte nach Gruppen-Vergewaltigung

Sollen Kinder schon ab 12 Jahren strafmündig sein?

Hier wurde die junge Frau vonden

Jugendlichen überfallen.

Foto: dpa

Mülheim –Nach der schweren

Sexualstraftat in Mülheim an

der Ruhr ist die Debatte über

die Absenkung des Alters für

Strafmündigkeit bei Kindern

entbrannt. Unter anderem forderte

der Chef der Deutschen

Polizeigewerkschaft Rainer

Wendt dies. Ein Vorteil wäre,

dass Jugendämter mit den 12-

und 13-Jährigen nicht mehr alleingelassen

würden und den

Kindern über die Jugendgerichtshilfe

frühzeitig geholfen

werden könne, so Wendt. Der

Deutsche Richterbund ist jedoch

gegen eine Absenkung des

Alters. „Die Gleichung „Mehr

Strafrecht gleich weniger Kriminalität“

geht bei den Jugendlichen

nicht auf“, erklärte Verbandschef

Jens Gnisa.

Das Jugendstrafrecht habe

sich im Grundsatz bewährt,

meinte Gnisa. Auch der Deutsche

Kinderschutzbund spricht

sich gegen diese Forderung aus.

In Mühlheim stehen drei 14-

Jährige und zwei 12-Jährige im

Verdacht, eine junge Frau vergewaltigt

zu haben. Ein 14-Jähriger

sitzt seit Montag in U-

Haft. Er fiel bereits früher wegen

zweier sexueller Belästigungen

auf.

Den Familien der beiden

zwölfjährigen Tatverdächtigen

wurde vom Jugendamt Hilfe

angeboten, die die Familien

aber nicht angenommen haben.

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