Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

darmstaedter.geschichtswerkstatt.de

Karl Plagge - Darmstädter Geschichtswerkstatt

Auftrag zur Vernichtung des „jüdisch-bolschewistischen Untermenschentums“ schloss dabei den Genozid an

den osteuropäischen Juden und Massenmorde an der Zivilbevölkerung der angegriffenen Länder ein.

„In der Morgendämmerung … marschierten die ersten deutschen Einheiten

in die Stadt ein. Ihnen folgten mit Maschinengewehren bestückte Motorräder,

auf denen je drei Soldaten saßen. Und im Anschluss daran rollte mehrere

Tage und Nächte ununterbrochen, wie eine Stahllawine, die deutsche

Armee durch die Stadt … Mit dem Erscheinen der ersten deutschen Einheiten

in der Stadt begannen die sogenannten litauischen ‚Aktivisten’ … mit

der Jagd auf Bolschewiken und Juden. Die Aktivisten schienen gut bewaffnet

zu sein; sie trugen Hakenkreuzbinden an den Ärmeln. Auf den Straßen

der Stadt und am Bahnhof verprügelten und verhafteten sie alle, nach denen

ihnen gerade der Sinn stand. Einige der Festgehaltenen wurden an Ort

und Stelle ohne Gerichtsverfahren erschossen.“ 2

...rücksichtsloses Durchgreifen

„1. Der Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozialistischen deutschen

Volkes. Dieser zersetzenden Weltanschauung und ihren Trägern gilt

Deutschlands Kampf.

2. Dieser Kampf verlangt rücksichtsloses und energisches Durchgreifen

gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden und restlose

Beseitigung jedes aktiven oder passiven Widerstandes.“ 3

Von der deutschen Besatzungsmacht

verbreitetes

Plakat: „Der Jude – euer

ewiger Feind! Stalin und

die Juden – das ist eine

einzige Halunkenbande!“

Jüdisches Untermenschentum

„Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch

Träger einer unerbittlichen völkischen Idee und Rächer für die Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem

Volkstum zugefügt wurden. ... Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten,

aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben.“ 4

„Tötungsbilanz“ der Einsatzgruppe A,

Ende 1941

Tafel 4: Überfall auf die Sowjetunion

„Ich kann heute feststellen, dass das Ziel, das Judenproblem für

Litauen zu lösen, vom EK. 3 erreicht worden ist. In Litauen gibt es

keine Juden mehr, außer den Arbeitsjuden incl. ihrer Familien.

Das sind in Schaulen ca. 4500, in Kauen (Kaunas, Red.) ca.

15.000, in Wilna ca. 15.000. Diese Arbeitsjuden incl. ihrer Familien

wollte ich ebenfalls umlegen, was mir jedoch scharfe Kampfansage

der Zivilverwaltung (dem Reichskommissar) und der Wehrmacht

eintrug und das Verbot auslöste: Diese Juden und ihre Familien

dürfen nicht erschossen werden! Das Ziel, Litauen judenfrei

zu machen, konnte nur erreicht werden, durch die Aufstellung

eines Rollkommandos mit ausgesuchten Männern unter Führung

des SS-Obersturmführers Hamann, der sich meine Ziele voll und

ganz aneignete und es verstand, die Zusammenarbeit mit den litauischen

Partisanen und den zuständigen zivilen Stellen zu gewährleisten.“

5

Litauische Kollaboration

Die Nazi-Propaganda vom „jüdischen Bolschewismus“ traf auf vorbe-

reiteten Boden. In der litauischen Bevölkerung hatten sich seit der so-

wjetischen Annexion 1939/40 antijüdische Vorurteile bis hin zu gewaltbereitem Judenhass gesteigert.

Antreiberin war u.a. die antisemitische „Front der Aktivisten Litauens“ (LAF), eine Untergrundorganisation

mit der Zentrale in Berlin. Hetzparolen wie „Schlagt die Juden, rettet Litauen!“ signalisierten die Bereitschaft,

an der späteren Judenvernichtung mitzuwirken. Schon in den ersten Tagen der deutschen Besatzung

organisierten so genannte litauische „Partisanen“ grausame Pogrome, denen Tausende Juden zum Opfer

fielen. Die SS-Einsatzgruppenleitung fasste kurz darauf die litauischen Verbände zu Hilfspolizeibataillonen

– 21 –

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine