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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

auftraten (MYERS

auftraten (MYERS und GORDON 1975). Darüber hinaus gelten Infektionen sowie Vitamin- und Mineralstoffunterversorgung tragender Stuten als potentielle Auslöser dieser Stellungsanomalie (LITZKE und DIETZ 1999). Der mit einer Bockhufbildung einhergehende erworbene Sehnenstelzfuß der Fohlen ist durch das Missverhältnis zwischen schnellem Knochenwachstum und der langsameren Entwicklung der Beugesehne bedingt (HUNT 2003). Auslösende Faktoren hierfür sind zu hohe Energieaufnahme der Fohlen und eine genetische Prädisposition für schnelles Wachstum (HUNT 2003). Auch werden ein Mangel an Bewegung und ungünstige Bodenverhältnisse mitverantwortlich gemacht (LITZKE und DIETZ 1999). Längerfristiges Aufstallen in zu weicher Einstreu ermöglicht ein zu tiefes Einsinken der Hufvorderwand und kann zu einer Kontraktur der tiefen Beugesehne führen. Ein zu harter Weideboden in trockenen Sommermonaten führt zur stärkeren Abnutzung der Zehe, beeinflusst hierdurch die Stellung des Hufes und kann somit eine Änderung der Zehenachse bewirken. Alle Formen von Schmerz, die zu Entlastung der betroffenen Gliedmaße führen, können die Kontraktur sekundär verstärken (HUNT 2003). 3.1.2.4 Diagnostik Das klinische Bild und der Zeitpunkt der Erkrankung ergeben die Diagnose des angeborenen Sehnenstelzfußes (HERTSCH 1990). Auch beim erworbenen Sehnenstelzfuß des Fohlens ist die Symptomatik als charakteristisch zu bezeichnen. Mit Hilfe der Röntgendiagnostik kann hier eine Subluxation des Fesselgelenks oder eine Fesselgelenksschale ausgeschlossen werden (LITZKE und DIETZ 1999). 3.1.2.5 Therapie Leichtere Formen des angeborenen Sehnenstelzfußes können bereits durch eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffversorgung des Fohlens ausheilen (LITZKE und DIETZ 1999) oder über physiotherapeutische Maßnahmen in Form von Dehn- und Streckübungen sowie ein - 14 -

Bewegungsregime mit allmählich gesteigerter Belastung positiv beeinflusst werden (FA- CKELMANN und KELLER 1982, LEITCH 1985). Bei ausgeprägteren Verlaufsformen kann durch das Anlegen von bis über das Karpalgelenk reichenden Stützverbänden eine Streckstellung der betroffenen Extremität und damit eine allmähliche Dehnung der Beugemuskulatur erreicht werden (HUNT 2003, LITZKE und DIETZ 1999). Eine weitere Möglichkeit der Therapie besteht in der systemischen Gabe von Oxytetracyclin (KÖHLER und LEEN- DERTSE 1996, HUNT 2003). Bereits eine zweimalige Gabe von Oxytetracycline (2-4 mg) führt in vielen Fällen zu einer Normalisierung der Zehenachse, wobei der exakte Wirkungsmechanismus hierbei noch nicht vollständig geklärt ist. Alternativ zu den dargestellten konservativen Behandlungsmethoden besteht die Möglichkeit chirurgischen Eingreifens (LITZKE und DIETZ 1999). Dies geschieht in Form einer Desmotomie des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne oder durch die Tenotomie der Sehne selbst (HERTSCH 1990, WAGNER 1990). LITZKE und DIETZ (1999) betrachten die Prognose als gut. Einschränkungen bestehen hierbei allerdings für solche Fälle, bei denen die Stellungsanomalie bereits eine Deformation der gelenkbildenden Knochen verursacht hat. Die Therapie des erworbenen Sehnenstelzfußes erfolgt konservativ oder ebenfalls chirurgisch (HUNT 2003). Schwerpunkt der konservativen Therapie bildet die Verwendung eines orthopädischen Hufbeschlags, wobei hier über einen verlängerten Zehenteil die Fußung des Hufes dergestalt beeinflusst werden kann, dass eine allmähliche Absenkung des Trachtenbereichs möglich ist (LITZKE und DIETZ 1999). Eine Ergänzung dieser Therapie durch antiinflammatorische Substanzen (zum Beispiel Flunixin-Meglumin) reduziert eine mögliche Schmerzsymptomatik (HUNT 2003). Hierdurch soll eine reduzierte Entlastung der erkrankten Extremität erreicht und somit das Risiko einer sekundären Kontraktur der tiefen Beugesehne verringert werden. Bleibt ein Behandlungserfolg aus, so ist eine chirurgische Therapie angezeigt. Diese erfolgt durch eine Desmotomie des Unterstützungsbandes des - 15 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover