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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

einen Tierarzt

einen Tierarzt beziehungsweise Fachtierarzt wird von einzelnen Verbänden vorausgesetzt. Es könnte sich als effektiv erweisen, im Hinblick auf bestimmte erbliche Erkrankungen den vorgeschriebenen Umfang der Diagnostik zu erweitern, so zum Beispiel verbindliche Röntgendiagnostik zum Ausschluss von Erkrankungen des Skelettsystems (beispielsweise Deutscher Trakehner Verband). Nichtsdestotrotz bleiben auch bei umfangreicheren konventionellen Untersuchungsmethoden Lücken. Der Einsatz von molekulargenetischen Untersuchungsmethoden ist bei einigen Erbkrankheiten zwar möglich (zum Beispiel beim „Overo lethal white syndrome“), wurde aber bislang noch nicht als vorgeschriebener Bestandteil in eines der hier aufgeführten Zuchtprogramme etabliert. Der Schwerpunkt bei der Zuchtzielsetzung der einzelnen Zuchtverbände liegt auf der Aufrechterhaltung der rassespezifischen Eigenschaften der jeweiligen Rasse und der Bewertung der Leistung des zur Zucht angedachten Individuums. Der Aspekt der erblichen Defekte und Dispositionen wird nur begrenzt oder unvollständig und nach tierärztlichen Maßstäben nicht immer den Kriterien der Praktikabilität genügend berücksichtigt. Neben einer Berücksichtigung bekannter, anerkannter Erberkrankungen sollte die Festlegung umfangreicherer Untersuchungsmethoden vor der Zulassung eines Pferdes zur Zucht und während des Zuchteinsatzes einen essentiellen Bestandteil eines jeden Zuchtprogramms in der Pferdezucht darstellen. Insbesondere im Bereich der molekulargenetischen Diagnostik ist in den kommenden Jahren ein starker Zuwachs an Untersuchungsmethoden zu erwarten. Daher sollte durch eine konsequente Aktualisierung der Zuchtprogramme diese neugewonnenen Möglichkeiten in die Programme aufgenommen werden. Auf die einzelnen Aspekte der bereits verfügbaren Gendiagnostik wird im Abschnitt „Molekulargenetische Diagnostik – Möglichkeiten und Grenzen“ genauer eingegangen. - 68 -

4.3 Tierschutzrechtliche Aspekte der Pferdezucht 4.3.1 Das Tierschutzgesetz in Deutschland als Grundlage der Bewertung von erblichen Defekten und Dispositionen Seit dem 17. Mai 2002 ist der Tierschutz in der Bundesrepublik Deutschland als Staatsziel Bestandteil des Grundgesetzes. Vor dieser Änderung des Grundgesetzes rangierten dementsprechend die im Tierschutzgesetz verankerten Rechte hinter den Rechten des Grundgesetzes wie beispielsweise der Freiheit der Wissenschaft, der Kunst oder der Religion. Das mögliche Konfliktpotential durch eventuelle Interessenkonflikte innerhalb des Grundgesetzes soll an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden. Vielmehr soll verdeutlicht werden, dass diese Grundgesetzänderung auch Konsequenzen für künftige Veränderungen der gesetzlichen Grundlagen innerhalb des Bereichs der Tierzucht hat. Mit der Verankerung des Tierschutzes in der Verfassung wurden die Rechtsebenen zwischen den unterschiedlichen Interessen der Tiernutzung und dem Anspruch von Tieren auf den Schutz vor Schmerzen, Leiden oder Schäden angeglichen. Die Herleitung der verfassungsrechtlichen Absicherung des Tierschutzes aus dem bereits in Artikel 20a Grundgesetz geregelten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen war bislang unzulänglich, da der Schutz des einzelnen Tieres vor vermeidbaren Leiden, Schäden oder Schmerzen nicht erfasst wurde. Für den Gesetzgeber wurden mit der Verankerung des Tierschutzes in der Verfassung die rechtlichen Grundlagen geschaffen, die im Tierschutzgesetz hoch gesteckten Ziele, Leben und Wohlbefinden der Tiere aus der Verantwortung des Menschen heraus zu schützen, effizienter umzusetzen, um der Mitgeschöpflichkeit und dem Schutzbedürfnis des Tieres in verantwortungsvollem, angemessenen Rahmen Rechnung zu tragen. Diese erweiterten Möglichkeiten der Tierschutzgesetzgebung sollten sich nicht nur auf allgemeingültige Rechtsvorschriften erstrecken, sondern auch detailliert auf die spezifischen Voraussetzungen, Anforderungen und Bedürfnisse einzelner Spezies eingehen. Dies gilt selbstverständlich auch für den in dieser Arbeit thematisierten Bereich der Pferdezucht und - 69 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover