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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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Kausalzusammenhang

Kausalzusammenhang zwischen Glykogenakkumulation und der in der Folge eintretenden Rhabdomyolyse ist noch unklar. 3.1.5.4 Diagnostik Einen wichtigen Hinweis auf das Zugrundeliegen einer Myopathie liefert die Kontrolle der Serum-Creatininkinase (VALBERG et al. 1992). Dieses Muskelenzym kann als Ausdruck der Muskelzellintegrität bei erkrankten Pferden bereits im Ruhezustand erhöht sein und ist unter Belastung um ein Vielfaches höher als dies unter physiologischen Bedingungen der Fall ist (VALBERG und DYSON 2003). Eine Bestätigung der Diagnose erfolgt über die histopathologische Untersuchung von Skelettmuskelbioptaten. Hierbei geben VALBERG et al. (1992) folgende auffällige Veränderungen als typische Merkmale an: zahlreiche subsarcolemmale Vakuolen innerhalb der Muskelfasern, Bereiche ausgedehnter zentrofaszikulärer Atrophie, über PAS-Färbung (Periodic-Acid-Schiff-Färbung) tiefdunkel anfärbbare Bereiche als Ausdruck von Glykogenakkumulation, Infiltration von Makrophagen. Im Unterschied zur hyperkaliämischen periodischen Paralyse ist noch kein Gentest verfügbar. 3.1.5.5 Therapie Bei akuten Fällen von PSSM kann über die Verabreichung von Glukokortikoiden eine vorübergehende Reduzierung der Insulinsensibilität erreicht werden (VALBERG und DYSON 2003). Die Autoren empfehlen bei schmerzhaften Zuständen darüber hinaus den Einsatz nichtsteroidaler Antiphlogistika. Eine Fütterungsumstellung sollte als prophylaktische Maßnahme in Erwägung gezogen werden. DE LA CORTE et al. (1999) konnten in einer Studie nachweisen, dass über die - 30 -

Fütterung stärkearmer, rohfaserreicher Rationen unter Ergänzung von Fettanteilen die Glykogenkonzentration in den Skelettmuskelzellen reduziert werden kann. Betroffene Pferde sollten nach einer akuten Episode möglichst schnell wieder kontinuierliche Bewegung erhalten. VALBERG und DYSON (2003) geben an, dass bei einer täglichen Boxenruhe von mehr als 12 Stunden die Inzidenz der Erkrankung ansteigt. 3.1.5.6 Tierschutzrechtliche Bewertung und mögliche zuchthygienische Maßnahmen Milde Verlaufsformen der PSSM können mit geringgradigen Einschränkungen des Wohlbefindens betroffener Individuen einhergehen. Dies kann sich in Form von Muskelsteifheit äußern, die jedoch bei ausgeprägterer Symptomatik bis zur Unduldsamkeit bei solchen Belastungen führen können, die die Grenzen des verfügbaren Leistungspotentials erkrankter Pferde erreichen oder sogar überschreiten. Dementsprechend sollte bei dem Verdacht einer PSSM die notwendige Diagnostik frühzeitig durchgeführt werden, um erkrankten Pferden keine Leistungen abzuverlangen, die diese erkrankungsbedingt nicht zu leisten imstande sind. Bei den seltenen hochgradigen Verlaufsformen der PSSM mit kolikartigen Schmerzen, Muskelatrophie und Nierenversagen ist von erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden auszugehen. Ähnlich der hyperkaliämischen periodischen Paralyse wird auch bei der PSSM ein autosomalrezessiver Erbgang vermutet (VALBERG et al. 1996), jedoch kann diese Erberkrankung nicht mittels molekulargenetischer Untersuchungsmethoden diagnostiziert werden. Diese Tatsache macht das Auffinden der Anlageträger mittels der bereits aufgeführten diagnostischen Methoden zur Voraussetzung für ein zuchthygienisches Eingreifen. Anlageträger sollten von der Zucht ausgeschlossen werden, um das Risiko einer Verbreitung dieser Erkrankung zu reduzieren. - 31 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover