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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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Verhaltensstörungen

Verhaltensstörungen verursachen“. Darüber hinaus darf das Züchten die „Würde des Tieres nicht verletzen“. Dies erscheint erwähnenswert, da das schweizerische Tierschutzgesetz mit dem Begriff der „Würde“ den bisherigen Anspruch der Tierschutzgesetzgebung deutlich erweitert. Dieses gilt insbesondere im direkten Vergleich mit dem deutschen Tierschutzgesetz, in dem eine vergleichbare Begriffsbestimmung nicht enthalten ist. Die Eidgenössische Ethikkommission für die Gentechnik im außerhumanen Bereich (EKAH) und die Eidgenössische Kommission für Tierversuche (EKTV) haben im Februar 2001 in einer Broschüre den Begriff der „Würde des Tieres“ genauer zu definiert: Der Schutz der Würde des Tieres setzt demnach die Anerkennung des Eigenwertes eines jeden einzelnen Tieres voraus. So führen die Autoren aus, dass „die Anerkennung des Eigenwertes verlangt, dass das Tier um seiner selbst willen in seinen artspezifischen Eigenschaften, Bedürfnissen und Verhaltensweisen respektiert wird“. Neben der Anerkennung des in der Revision des Schweizerischen Tierschutzgesetzes bereits berücksichtigten „Schutzes vor ungerechtfertigten Leiden, Schmerzen und Schäden sowie vor ungerechtfertigtem In-Angst-versetzen“ als wesentliche Merkmale eines Schutzes der Würde der Kreatur führen die EKTV und die EKAH als weitere Aspekte einer möglichen Beeinträchtigung der Würde einen „Eingriff ins Erscheinungsbild“, „Erniedrigung“ und „übermäßige Instrumentalisierung“ auf. Die Autoren geben als Voraussetzung einer Bewertung eine „Güterabwägung“ an. Hierbei sollen die einander gegenüberstehenden Interessen abgeschätzt werden, um festzustellen, inwieweit die Würde des Tieres eingeschränkt wird und ob die entsprechenden Beweggründe des Menschen dieses rechtfertigen können. Das österreichische Bundesgesetz über den Schutz der Tiere ist am 1. Januar 2005 in Kraft getreten. Die Gesetzgebungskompetenz liegt nunmehr auf Bundesebene, während der Vollzug - 76 -

auf Länderebene stattfindet. Dieses bundeseinheitliche Gesetz ist auf Grundlage des zuvor geltenden Tierschutzrechts auf Länderebene entstanden und nennt in Paragraph 1 als Ziel den „Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf“. Nach den Erläuterungen zum österreichischen Tierschutzgesetz (Bundesministerium für Gesundheit und Familie 2006) besteht das Wohlbefinden eines Tieres in der vorhandenen Möglichkeit zur „Befriedigung seiner Bedürfnisse“ und der „Abwesenheit von Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwerer Angst“. Im Hinblick auf den Bereich Qualzucht erfolgt die rechtliche Regelung über den Paragraph 5. Entsprechend diesem „Verbot der Tierquälerei“ ist „es verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen“. Die Formulierung „ungerechtfertigt“ entspricht hierbei der des Schweizerischen Tierschutzgesetzes. Im darauf folgenden Absatz 2, Ziffer 1 heißt es „Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere, wer 1. Züchtungen vornimmt, die für das Tier oder dessen Nachkommen mit starken Schmerzen, Leiden, Schäden oder mit schwerer Angst verbunden sind (Qualzüchtungen), oder Tiere mit Qualzuchtmerkmalen importiert, erwirbt oder weitergibt“. Die Erläuterungen zum österreichischen Tierschutzgesetz kommentieren hierzu: „Um Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst in tierschutzrechtlichen Verfahren objektiv feststellen zu können, wird man auf mit diesen Befindlichkeiten typischerweise einhergehende Symptome abzustellen haben“. Weiterhin heißt es „Da es sich bei der „Qualzucht“ um einen außerordentlich komplexen Tatbestand handelt, soll gemäß Abs. 5 die näheren Regelungen auf Verordnungsebene erfolgen“. Das österreichische Tierschutzgesetz bildet den rechtlichen Rahmen, innerhalb dessen der Bereich Qualzucht geregelt wird. Jedoch müssen über entsprechende Verordnungen objektive Beurteilungskriterien festgelegt werden, anhand derer bestimmt werden kann, ob der Tatbestand der Qualzucht erfüllt ist oder nicht. - 77 -

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Abteilung Tierhaltung und Tierschutz, Vetsuisse Fakultät Bern
Hauterkrankungen beim Pferd - Tierärztliche Hochschule Hannover