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Erbliche Defekte und Dispositionen beim Pferd - Vetsuisse-Fakultät ...

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3.5 Sehorgan 3.5.1

3.5 Sehorgan 3.5.1 Equine rezidivierende Uveitis (ERU) / Periodische Augenentzündung 3.5.1.1 Symptomatik Ein akuter Schub der ERU erfolgt über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen und ist durch eine deutlich verstärkte Lakrimation, Blepharospasmus und Fotophobie gekennzeichnet. Darüber hinaus können vermehrte Wärme der Augenlider, Rötung der Konjunktiven und ein Korneaödem beobachtet werden. Im weiteren Verlauf eines solchen Schubes können eine Miosis mit verzögerter Pupillenreaktion, eine Rubeosis iridis sowie eine Glaskörpertrübung festgestellt werden. Oft gehen die aufgeführten Symptome mit einem reduzierten Allgemeinzustand einher (SPIESS 1997, SCHMIDT 1999, GERHARDS und WOLLANKE 2001). Nach SCHMIDT (1999) kann bereits nach 4 bis 8 Wochen ein erneuter Schub auftreten, der neben den aufgeführten Symptomen mit hämorrhagisch-fibrinöser Exsudation einhergehen kann. Es kommt zu einer adhäsiven Iritis mit hinterer Synechie, Irisatrophie, Linsentrübung bis hin zur Linsenluxation sowie Degeneration von Chorioidea, Retina und Sehnerv. Eine langfristige Folge wiederholter Entzündungsschübe kann die Erblindung des erkrankten Auges sein. 3.5.1.2 Rassezuordnung, Epidemiologie und Vererbung Die equine rezidivierende Uveitis (ERU) gilt als eine der häufigsten Augenerkrankungen des Pferdes und ist weltweit die häufigste Ursache für das Erblinden von Pferden (SPIESS 1997). SZEMES und GERHARDS (2000) konnten bei einer Untersuchung im Großraum Köln-Bonn eine Prävalenz von 7,6 % feststellen. Die Erkrankung wird häufiger bei Warmblütern, Islandpferden und Quarter Horses als bei Vollblütern festgestellt, Wallache sind signifikant häufiger vertreten als Hengste oder Stuten (SZEMES und GERHARDS 2000, WOLLANKE 2002). Eine genetische Prädisposition für die ERU wird vermutet (DWYER et al. 1995). Der - 52 -

exakte Nachweis der genetischen Grundlagen gestaltet sich aufgrund der komplexen, polyfaktoriellen Ätiologie schwierig und wurde noch nicht erbracht. 3.5.1.3 Ätiologie und Pathogenese Die equine rezidivierende Uveitis wird als eine serofibrinöse, nicht granulomatöse Entzündung der Uvea und benachbarter Strukturen eines oder auch beider Augen definiert. Der Verlauf dieser Erkrankung erfolgt akut und chronisch rezidivierend und kann durch fortschreitende Schädigung der Strukturen im Augeninneren Phthisis und Erblindung zur Folge haben (GERHARDS und WOLLANKE 2001). Es wird eine Vielzahl von Faktoren als mögliche Auslöser der ERU diskutiert. Unterschieden werden hierbei infektiöse und nichtinfektiöse Faktoren: Sowohl bakterielle (Leptospiren, Brucella abortus, Streptococcus equi, Actinobacillus equuli, Escherichia coli, Rhodococcus equi), virale (Influenzavirus, Equines Herpesvirus 1 und 4, Equine Arteriitisvirus, Equine Anämievirus) und parasitäre Erreger (Antigene von Onchocerca, Strongyloides und Toxoplasma gondii) als auch Pilzinfektionen (Guttoromyces equi) gelten als mögliche Auslöser der ERU. Darüber hinaus sind Traumen mit nachfolgender entzündlicher Reaktion zu nennen (SCHMIDT 1999). DEEG et al. (2001) vermuten eine autoimmune Beteiligung in der Ätiologie der ERU. Wie bereits aufgeführt wird eine genetisch bedingte, individuelle Prädisposition diskutiert, konnte allerdings bislang noch nicht nachgewiesen werden. 3.5.1.4 Diagnostik Eine sorgfältige Anamnese sowie die klinische Untersuchung mit Hilfe eines Ophthalmoskops ermöglichen die Diagnosestellung. WOLLANKE (2002) gibt die Untersuchung des Kammerwassers auf Leptospirenantikörper als Möglichkeit zur Absicherung der Diagnose an. - 53 -

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