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Band41

108 Zielsetzung Ziel der

108 Zielsetzung Ziel der vorliegenden Arbeit war es, mögliche Zusammenhänge zwischen Vorerfahrungen und dem Lernprozess des Brustbeinschlages unter besonderer Berücksichtigung der Instruktion zu untersuchen. Der Lernprozess wurde mittels dreier Leistungsparameter beurteilt: Vortriebserzeugung (Stroke Index; SANCHEZ; ARELLANO, 2002), sowie der Grad der Annäherung an die ideale räumliche (Raumindex) 2 und rhythmische (Rhythmusindex 3 ) Konfiguration des Beinschlages wurden herangezogen. Methode Hierfür stellten sich 39 Sportstudenten (20 m. 19 w., 21,2 ± 3,84 Jahre alt) zur Verfügung, die sich zwar mit Kraul- oder Hundekraulbewegungen im stehtiefen Wasser über ca. 13 m fortbewegen konnten, jedoch nach eigenen Angaben keine Erfahrungen im Brustschwimmen hatten. In einem Eingangstest von drei Versuchen über je 13 m wurde die mittlere Geschwindigkeit festgestellt und auf dieser Grundlage die Probanden in vier gleiche Gruppen eingeteilt: visuelle und auditive Instruktion, die jeweils die Information über die typische Metrik 4 der Fertigkeit enthielt oder aber eine alternative Metrik darstellte. Außerdem beantworteten die Probanden einen Fragebogen zu Vorerfahrungen in 1. Unterricht in rhythmusbetonten Fertigkeiten (Musizieren, Tanz, Capoeira, Rhythmische Gymnastik etc.) über mehr als sechs Monate mit insgesamt mindestens 40 Unterrichtsstunden, 2. Teilnahme an Schwimmunterricht in gleicher Menge, und 3. Freies Spielen im Wasser (90 cm tief oder tiefer) im Kindesalter, ab dem 4. Lebensjahr, an wenigstens 30 Tagen pro Jahr. Aus diesen Antworten ergab sich folgende in Tab. 1 dargestellte Verteilung der Vorerfahrungen auf die vier Gruppen (vgl. Tab. 1). 2 Der Raumindex wurde als Prozentwert der Annäherung an eine ideale räumliche Konfiguration des Beinschlages an Hand folgender Merkmale ermittelt: gleichzeitige und symmetrische Beugung der Knie, gleichzeitiges und symmetrisches Auseinanderführen der Füße, gleichzeitiges und symmetrisches Strecken der Knie und gleichzeitiges und symmetrisches Zusammenführen der Füße. Als Vorbild hierfür wurden die Technikbschreibungen in Standardwerken herangezogen (COLWIN 2000; BISSIG ET AL. 2004); UNGERECHTS; VOLCK; FREITAG 2002) 3 Der Rhythmusindex wurde in ähnlicher Form an Hand folgender Merkmale ermittelt: Pause nach dem Zusammenführen der Füße bzw. Streckung der Knie, geringere Beschleunigung der Füße in der Streckphase und stärkere Beschleunigung in der Streck- bzw. Zusammenführungsphase der Knie. Als Vorbild hierfür wurde die typische rhythmische Konfiguration des Beinschlages in Lehrvideos dreier Weltklasse-Brustschwimmer herangezogen (siehe Fußnote 3). 4 Als typische Metrik der Fertigkeit wird hier die optimale Verteilung von Krafteinsatzphasen und Pausen und deren jeweilige relative Dauer (auch relatives Timing genannt) bezeichnet. Beim Brustbeinschlag zeichnet sich die geeignete Metrik durch eine Verteilung der relativen Dauer wie folgt aus: Gleitphase (45%), Rueckholphase (30%), Öffnungsphase (8%), Schlagphase (17%). Hierbei liegt der Kraftimpuls in der Schlagphase, in der auch eine maximale Beschleunigung der Füße zu beobachten ist. Diese Werte wurden durch Analyse der gezeigten Beinschläge in Lehrvideos von drei Weltklasse-Brustschwimmern ermittelt. Als alternative Metrik wurde eine gleichmäßige relative Dauer dieser Phasen angenommen, ohne Veränderung der Geschwindigkeit und ohne Betonung, die einen Kraftimpuls vermitteln würde.

109 107 Tabelle 1: Verteilung der Vorerfahrungen auf die Instruktionsgruppen (AT= auditive Instruktion mit typischer Metrik; AA = auditive Instruktion mit alternativer Metrik; VT = visuelle Instruktion mit typischer Metrik; VA = visuelle Instruktion mit alternativer Metrik) Gesamt AT AA VT VA Gesamtstichprobe 39 11 9 9 10 Ohne Erfahrung in rhythmusbetonten Fertigkeiten 16 3 2 7 4 Mit Erfahrung in rhythmusbetonten Fertigkeiten 23 8 7 2 6 Ohne Erfahrung im Spiel im Wasser 9 1 1 3 4 Mit Erfahrung im Spiel im Wasser 30 10 8 6 6 Ohne Erfahrung im Schwimmunterricht 23 6 5 6 6 Mit Erfahrung im Schwimmunterricht 16 5 4 3 4 Auf Grund der Mehrfachnennungen ergaben sich Kombinationen von Erfahrungen: von den 39 Probanden gaben 10 Erfahrungen in allen drei Bereichen an, sechs verfügten über Vorerfahrungen in rhythmusbetonten Fertigkeiten, sieben im Spiel im Wasser, sechs im Spiel im Wasser plus Schwimmunterricht und weitere sieben im Spiel im Wasser plus Erfahrung in rhythmusbetonten Fertigkeiten. Keiner der Probanden gab an, nur Erfahrung im Schwimmunterricht ohne Spiel im Wasser zu haben. Drei gaben an, keinerlei Vorerfahrungen in diesen drei Bereichen zu besitzen; diese Untergruppe wurde aufgrund der geringen Probandenzahl von den gruppenspezifischen Analysen ausgeklammert. In dem anschließenden Versuch wurde an drei Tagen, mit jeweils einem Tag Pause dazwischen, folgendes Lern- bzw. Testprogramm durchgeführt: während der Lernphase (1. und 2. Tag) erhielt jeder Proband seine gruppenspezifische auditive oder visuelle Instruktion (per Notebook abgespielte Audio- bzw Videodatei), mit typischer oder alternativer Metrik, und führte im Anschluß insgesamt vier Blocks von je fünf Zyklen von jeweils zehn aufeinanderfolgenden Beinschlägen aus. Nach jedem Zyklus begab er sich zum Ausgangspunkt zurück und hatte die Möglichkeit, nach eigenem Ermessen die Instruktion noch ein- oder mehrmals zu hören bzw. zu sehen. Es wurde keinerlei Feedback gegeben. Am dritten Testtag wurde keine Instruktion dargeboten, und der Proband führte fünf Zyklen von je zehn Beinschlägen als Retentionstest aus. Im Anschluß, nach einer fünfminütigen Pause, wurde ein Transfertest in Rückenlage, auch über fünf Zyklen von je zehn Beinschlägen, ausgeführt. Alle Versuche wurden gefilmt und jeweils der erste und letzte Block des ersten und zweiten Tages sowie beide Blocks des dritten Tages ausgewertet. Ein eigens für die Studie entworfenes Referenzsystem bestehend aus farbig unterteilten Schwimmleinen ermöglichte es, die genaue Position des Probanden zu jedem Zeitpunkt während eines Zyklus zu bestimmen, so daß in der Auswertung der Videoaufnahmen mit Hilfe der Software Kinovea (www.kinovea.org) die über die mittleren acht Beinschläge zurückgelegte Strecke, die dafür benötigte Zeit und daraus den Stroke Index als Leistungsparameter festgestellt werden konnte.