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Band41

56 ANNE KUHN

56 ANNE KUHN Anforderungen und ausgewählte Beispiele der methodischen Gestaltung des Trainings zur Verbesserung des Absprungs beim Schrittstart Hausarbeit Ausbildung Lizenztrainer A Schwimmen 2015/16 Vorwort Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit den Anforderungen, die für eine Vervollkommnung des Absprungs beim Schrittstart im Schwimmen bestehen, einschließlich der praktischen Umsetzung im Training. Seit Anfang 2010 wird bei internationalen Wettkämpfen ein neues Startblockmodell verwendet - der Omega Start Block (OSB11). Der Hersteller verspricht, dass durch die längere und leicht steilere Oberfläche, sowie einer verstellbaren Fußstütze ein „revolutionärer" Schwimmstart möglich sein soll. Fest steht, dass sich mit Einführung des neuen Startblocks auch die Starttechnik geändert hat. Die Ergebnisse, die aus Untersuchungen mit dem OSB11 erlangt wurden, werden in dieser Arbeit zusammengetragen, sowie die daraus gewonnenen Erkenntnisse bezüglich des Trainings zur Verbesserung des Absprungs von diesem Startblockmodell. Seit einigen Jahren führt der Nachwuchslandestrainer des Hessischen Schwimm-Verbandes Lehrgänge zur Verbesserung des Startsprungs mit Kadersportlern aus Hessen durch. Ich hatte einige Male die Möglichkeit, ihn bei diesen Maßnahmen zu unterstützen. Die Gestaltung dieses Startsprungtrainings werde ich in dieser Hausarbeit ebenso vorstellen. Einleitung Die ersten Schwimmwettkämpfe wurden um die Jahrhundertwende ausgetragen. Aufgrund fehlender Startvorrichtungen konnten die Rennen zu dieser Zeit nur aus dem Wasser gestartet werden. 1912 führte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) Startvorrichtungen, die einen Start mittels Startsprung ermöglichten, ein. Von 1920 bis 1924 wurden alle Schwimmarten mit einem Sprung gestartet, danach wurden die Rückenwettkämpfe wieder aus dem Wasser begonnen. Seit Beginn der 70er Jahre haben sich verschiedene Startsprungtechniken herausgebildet (vgl. UNGERECHTS/ VOLCK/ FREITAG, 2002). Die Funktion des Startsprunges liegt darin, den Wettkampf mit einer hohen Bewegungsgeschwindigkeit einzuleiten. Untersuchungen von internationalen Schwimm-wettkämpfen haben gezeigt, dass die Werte für die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Absprungs im Bereich von 4 bis 5 m/s liegen und somit 2 bis 3 mal höher sind als die Geschwindigkeiten, die während der zyklischen Schwimmbewegung maximal erreicht werden können (vgl. KÜCHLER/ LEOPOLD, 2000). Während der Start für die längeren Strecken eine nicht ganz so bedeutende Rolle spielt, hat sich der Start im Sportschwimmen in den vergangenen Jahren zu einem leistungsentscheidenden Faktor auf den Sprintstrecken entwickelt (vgl. WIEDNER/ PFEIF- FER, 2006). Bei den 50m-Strecken macht der Startabschnitt auf der Langbahn bis zu 30% der Wettkampfstrecke aus. Zudem haben Untersuchungsergebnisse (vgl. KÜCHLER, 1998) von internationalen Wettkämpfen gezeigt, dass bei den Kurzstrecken (50 und 100m) oftmals schon der Startabschnitt über Sieg und Niederlage entscheidet (vgl. KÜCHLER/ LEOPOLD, 2000) und die Weltbesten vom Start an das Renngeschehen bestimmen (vgl. LYTTLE/ BEN- JANUVATRA, 2004). Das bedeutet, dass der Zeitverlust im Startabschnitt nur selten durch eine bessere schwimmerische Leistung kompensiert werden kann (vgl. KÜCHLER/ HOFF-

MANN, 1987). Hinzu kommt, dass die Leistungsdichte in der Weltspitze in allen Disziplinen weiter zugenommen hat (vgl. GRAUMNITZ/ KÜCHLER, 2009). Oft entscheiden nur wenige 100stel-Sekungen über die Platzierungen. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking siegte Britta Steffen über 50m Freistil mit nur 0,01 Sekunden Vorsprung – über 100m mit 0,04 Sekunden. Gegenstand dieser Arbeit ist es, darzustellen, mit welcher Startsprungtechnik die schnellste Startzeit erreicht wird, welche Anforderungen bestehen, um einen schnellen Start zu realisieren und mit welcher Art von Training der Startsprung verbessert werden kann. Außerdem werden Möglichkeiten zur methodischen Gestaltung des Startsprungtrainings aufgezeigt. Forschungsstand Entwicklung der Starttechniken Seit Beginn der 70er Jahre haben sich verschiedene Startsprungtechniken herausgebildet und immer weiter entwickelt - vom Armschwungstart, zum Parallel- und Schrittstart und weiter zum Kickstart. Zunächst wurden viele Jahre lang verschiedene Varianten des Armschwungstarts praktiziert. Bei einer der Varianten werden die Arme in der Ausgangsstellung nach hinten oben gehalten (vgl. Abb. 1). Mit dem Startsignal werden die Arme mit einer Schwungbewegung schnell nach vorne in Sprungrichtung bewegt. Bei einer weiteren Variante des Armschwungstarts befinden sich die Arme in der Ausgangsposition vor dem Körper (vgl. Abb. 2). Hier wird beim Ertönen des Startsignals mit einer Ausholbewegung der Arme nach hinten begonnen, um sie dann nach vorne in Sprungrichtung zu beschleunigen (engl.: straight backswing start) (vgl. LEWIS, 1980; MAGLISCHKO, 2003). Vorteil dieser Technik ist der längere Beschleunigungsweg, der durch die Ausholbewegung der Arme entsteht und somit eine höhere Absprunggeschwindigkeit ermöglichen soll. Nachteil dieser Starttechnik ist allerdings, dass sich durch den längeren Beschleunigungsweg auch die Blockzeit verlängert. 57 Diese Startvariante wurde dann durch den kreisförmigen Schwungstart (engl.: circular backswing start) ersetzt. Während sich die Ausgangsstellung nicht vom straight backswing start unterscheidet, differiert die Armbewegung nach dem Startsignal. Beim circular backswing start werden die Arme schwungvoll mit einer rückwärtsgerichteten Kreisbewegung bis nach vorne in Sprungrichtung beschleunigt (vgl. LEWIS, 1980; MAGLISCHKO, 2003). Alle drei Armschwungstarttechniken wurden aufgrund der langen Schwungzeiten und somit des hohen Zeitverlustes durch den Parallelstart ersetzt.