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Kapitel 13 „War das

Kapitel 13 „War das nicht trotz allem etwas hart vorhin?“, fragte ich, als wir das Krankenhaus hinter uns hatten und wieder im Auto saßen. Bis dahin hatte ich den Kopf nicht dafür frei gehabt, an die Geschichte mit der Praktikantin auch nur zu denken. „Fanden Sie?“, fragte Lara. „Haben Sie nicht gehört, wie sie Maurice genannt hat? Kleiner Blödmann hat sie gesagt. Verdammter kleiner Affe.“ „Sie war vollkommen durch den Wind“, sagte ich. „Sie wusste nicht mehr, was sie von sich gab.“ Wieder saß Lara mit Maurice auf der Rückbank. Ich sah beide im Rückspiegel. Maurices Verfassung und Stimmung ließen nichts zu wünschen übrig. Er war so quicklebendig, dass Lara fast schon Schwierigkeiten hatte, ihn in seinem Kindersitz zu halten. Mein Herz war leicht wie eine Feder. „Und möglicherweise“, sagte ich, „war Maurice tatsächlich mehr schuld an der ganzen Sache als sie.“ Es fiel mir leicht, so zu reden. Die Untersuchungen hatten ergeben, dass mit Maurice alles okay war. In diesen Minuten hätte ich jedem Menschen der Welt fast alles vergeben. Der Arzt hatte vermutet, dass Sandras angebliche Beobachtung von Maurices Bewusstlosigkeit wahrscheinlich eher eine panische Phantasie von ihr war. „Sie können ganz beruhigt sein“, hatte er uns mit einem Lächeln verabschiedet. „Ihr Sohn hat einen guten Schutzengel.“ Seine Worte waren an Lara und mich gerichtet. Natürlich musste er vermuten, dass sie die Mutter von Maurice war. Während sämtlicher Untersuchungen war sie dabei gewesen. Nina hatte ich erst telefonisch informiert, nachdem der Arzt Entwarnung gegeben hatte. „Von dem Unfall mal abgesehen“, sagte Lara, „dieses Mädchen ist wirklich vollkommen ungeeignet für den Beruf.“ Unsere Blicke trafen sich im Rückspiegel. 86

„Und warum?“ Plötzlich grinste sie. „Als sie Stephan die volle Windel wechseln sollte, hat sie sich allein bei dem Gedanken übergeben.“ „Wirklich?“ „Sie hat mitten in Charlottes Wohnzimmer gekotzt“, lachte sie. „Klasse, oder?“ Als ich mir das entsetzte, rot gefleckte Gesicht der Praktikantin vorstellte, musste ich auch lachen und schließlich lachten wir zusammen. „Mitten ins Wohnzimmer“, wiederholte Lara noch ein paar Mal. „Das muss man sich mal vorstellen. Und wegmachen durfte ich es. Sie konnte es nicht.“ Beim letzten Satz prustete sie los wie zuvor noch nicht. „Unglaublich“, rief sie ausgelassen. „Sie konnte es einfach nicht.“ „Was halten Sie davon“, fragte ich, als wir uns allmählich wieder beruhigt hatten, „wenn wir drei noch etwas zusammen unternehmen? Zur Feier des Tages, dass Maurice nichts passiert ist. Und danach vielleicht noch Charlotte im Krankenhaus besuchen? Maurice fragt sehr viel nach ihr.“ Über den Rückspiegel forschte ich in ihrem Gesicht. „Warum nicht?“, sagte sie schließlich. „An was haben Sie denn gedacht, bevor wir zu Charlotte fahren?“ Es war sonnig und warm, aber es war ein gewöhnlicher Mittwochnachmittag und im Zoo war nicht allzu viel los. Neben den Schimpansen, Gorillas und den Nilpferden faszinierten Maurice die Erdmännchen am meisten: witzige kleine Tiere, die meistens auf den Hinterbeinen stehen und aussehen, als ob sie unentwegt die Lage checken. „Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in einem Zoo“, sagte Lara. „Genau genommen nicht mehr, seit ich ein kleines Kind war.“ Ich erzählte, wie ich als Kind einmal über die Absperrung zum Affenkäfig geklettert war. „Irgendein kleiner Affe“, sagte ich, „hat mich an den Haaren gezogen und einfach nicht mehr los gelassen.“ 87

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