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Anzeige 150 kennen. Sie kam aus Hamburg und war ein paar Jahre älter als ich. Wir freundeten uns ein wenig an. Sie war freischaffende Hebamme und wir beschlossen, dass sie zu meiner Hausgeburt nach Kiel kommen würde. Marlies war es auch, die eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin eine weitere, diesmal kleinere Reise mit dem Auto für unbedenklich erklärte. Es war die Vorweihnachtszeit. Bruno hatte ein Ferienhaus an der Küste bei Wilhelmshaven für uns gemietet. Es lag etwas abgelegen unweit vom Strand. Rechtzeitig zum Geburtstermin wollten wir wieder in Kiel sein. Als es weiterhin keine Anzeichen dafür gab, dass die Geburt direkt bevorstand, verlängerten wir. „Wenn etwas sein sollte“, beruhigte Bruno mich, „sind wir in ein paar Stunden zu Hause.“ Ich hörte auf ihn. Heute kann ich nicht sagen, ob aus der alten Angst heraus oder ob es tatsächlich wieder etwas wie ein erstes, hauchdünnes Vertrauen zu ihm gab. Jedenfalls blieben wir.

Am übernächsten Tag tauchte plötzlich Marlies auf. Bruno hatte mit ihr telefoniert und sie herbestellt. Ich konnte mir zunächst keinen Reim darauf machen. Dann rückte er mit der Sprache heraus. „Hier ist es viel schöner als in Kiel“, sagte er. „Du bringst das Kind hier zur Welt. Etwas Besseres kann es nicht geben.“ Da war er wieder, der alte Bruno. Es ging um mich, aber er fragte nicht nach meiner Meinung. Ich erschrak tief über die plötzlich zurückgekehrte Herrschsucht in seiner Stimme. Mich befiel eine furchtbare Angst, die ich zunächst nicht greifen konnte … Paul, ich sitze jetzt seit einer geschlagenen Viertelstunde vor dieser Mail. Ich schaffe es nicht, an diesem Punkt weiter zu schreiben. Und sie in diesem Stadium abzuschicken, macht überhaupt keinen Sinn. Ich werde sie jetzt also wieder löschen. Verzeih mir, ich kann nicht anders … Lara Kapitel 21 Durchs Internet gelang es mir, zwei in Hamburg frei praktizierende Hebammen mit Vornamen Marlies auszumachen: Marlies Puck und Marlies Schwalm. In dieser Reihenfolge wählte ich die Telefonnummern. Marlies Puck praktizierte offenbar nicht mehr. Es meldete sich ein Herr Janssen, der einfach nur genervt war durch meinen Anruf. Er hatte die Nummer der Hebamme ohne seine Einwilligung zugewiesen bekommen und erhielt nun häufig Anrufe, die eigentlich Frau Puck galten. Ich brach das Gespräch mitten im Satz ab, nachdem ich erfahren hatte, dass Frau Puck sich vor einigen Monaten zur Ruhe gesetzt hatte. Die Hebamme, von der Lara geschrieben hatte, war nur ein paar Jahre älter gewesen als sie. Marlies Schwalm meldete sich sofort selbst. Ihre Stimme klang verhalten freundlich. Instinktiv nannte ich mit Werner Berg einen falschen Namen. 151