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Das hatte ich gemacht.

Das hatte ich gemacht. Und nun, spät in der Nacht, spazierte ich am Wasser der Außenalster entlang und nahm innerlich das Gespräch mit Schuberth noch einmal auf. An genau der Stelle, an der wir es vorhin unterbrochen hatten. „Was wäre“, fragte ich in die Stille hinein, „wenn wir …“ Ich sprach den Satz nicht zu Ende, aber ich dachte weiter. Und plötzlich war ich so aufgeregt, dass ich nicht länger allein hier draußen bleiben konnte. Als wäre ein Schwarm Bienen hinter mir her, eilte ich zurück ins Hotel, grüßte nachlässig den Nachtportier und rannte die Treppen hinauf. Ich musste unbedingt sofort mit Lara reden. Ich fand, meine Idee war eine Sache, die wir nicht auf die lange Bank schieben sollten. Letztlich wartete ich dann doch bis zum nächsten Morgen. Laras Schlaf war ungebrochen tief und ich brachte es nicht über mich, sie zu wecken. Ich selbst machte kein Auge mehr zu, bis Lara von allein aufwachte. Dabei saß ich die ganze Zeit auf einem Sessel vor ihrem Bett und schaute sie an. Zunächst sah ich nicht viel außer den groben Umrissen ihres Körpers unter der Decke. Aber schon bald fiel etwas Dämmerlicht durch die Vorhänge ins Zimmer und Laras Bild wurde immer deutlicher. Ich war so froh, dass sie hier war, dass ich sie jederzeit berühren konnte, wenn ich es nur wollte. Aber sie hatte sich mir schon so oft entzogen, dass ich noch immer nicht sicher war, dass sie dieses Mal bei mir bleiben würde, auch wenn ich mir nichts so sehr wünschte wie das. Ich brannte darauf, endlich mit ihr zu reden und danach zu handeln. Gleichzeitig wünschte ich mir mit der gleichen Intensität, diese Augenblicke im Hotelzimmer würden nie vergehen. Es war, als würde ich ihre Schönheit noch einmal ganz neu für mich entdecken. Mit der Regelmäßigkeit von Meereswellen, die an den Strand gespült werden, durchliefen warme Ströme meinen Körper und meine Seele. Ich fühlte Liebe. In der letzten Nacht hatte ich Lara begehrt und ich würde sie wieder begehren, aber was ich im Augenblick spürte, war etwas ganz 236

anderes. Bis an mein Lebensende hätte ich einfach nur so sitzen können und ihr zuschauen, wie sie schlief und Kräfte in sich sammelte. Ich wollte nichts. Dann schlug sie die Augen auf. Ich hatte ewig nicht zur Uhr geschaut, es war bereits nach sieben. Die Zeit der Ruhe und des Wartens war vorbei. Jetzt war es wichtig, zu handeln. Die Dinge mussten sich entwickeln. Stillstand gefährdete nicht nur unsere Liebe, sondern vor allem Lara selbst. Unbedingt und möglichst schnell musste sie wissen, was in der Weihnachtsnacht vor zweieinhalb Jahren weiter passiert war. Sonst würde sie auch in Zukunft keine ruhige Minute haben. Genau wie während der letzten Jahre. Inzwischen hatte das Rad längst begonnen, sich schneller zu drehen. Die Frage war, wie lange ein Mensch das alles aushalten konnte, ohne den Verstand zu verlieren. Ich legte mich zu Lara, streichelte ihr Gesicht. „Guten Morgen“, sagte ich leise und küsste sie. Lara bettete sich in meinen Arm. Sie brauchte eine Weile, um sich darüber klar zu werden, wo wir uns befanden und was passiert war. Ihr Körper fühlte sich warm und gut an. Ich unterdrückte mein Verlangen nach mehr. Es war nicht die Zeit. „Lass uns gleich nach dem Frühstück losfahren“, sagte ich. „Und wohin?“, fragte Lara überrascht. „Nach Hause“, sagte ich. „Zu Maurice?“ Der Gedanke schien sie kurz zu beflügeln, aber schon im nächsten Moment zusätzlich zu hemmen. Genau das war es! Das war der Grund, aus dem wir handeln mussten. Die Dinge waren in Fluss geraten, wir durften sie nicht aus Angst wieder versickern lassen. Wir durften nicht vor dem, was möglicherweise ans Tageslicht kommen konnte, erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir mussten alle Energie und Willenskraft sammeln und mit unserem ganzen Mut noch einmal durchstarten, um die Wahrheit zu erfahren, wie auch immer die aus- 237

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    Ole Hansen Das gefundene Kind Roman

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    Kapitel 4 „Was macht Ihre Frau?

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