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DER MITTELSTAND. 4 | 2019

SCHWERPUNKT

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Unsere Schüler müssen es uns wert sein, dass man sich mit Können,

Wissen und Persönlichkeit um sie kümmert. Eine schulartbezogene

Lehrerbildung trägt den unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen

der Schüler Rechnung und hilft dabei, ständige Misserfolge

zu vermeiden.

Lehrkräfte leisten Besonderes, wenn es darum geht, die jungen Menschen

auf ihr berufliches Leben vorzubereiten. Die berufliche Orientierung

nimmt eine zentrale Stellung an der Realschule ein. Mit

Projekten wie „Schüler im Chefsessel“, Projektwochen für Berufsorientierung,

hauseigenen Berufsmessen, Projekttagen für Gastro-,

Pflege- oder IT-Berufe, Anleitungen zu Bewerbungsschreiben, Assessment

Centern, Vorstellungsgesprächen, begleitenden Potenzialanalysen

und nicht zuletzt Kniggekursen bieten insbesondere Realschulen

Maßnahmen, die sich sehen lassen können. Dass manche

Schüler immer noch nicht die nötige Ausbildungsreife mitbringen,

liegt womöglich nicht an der Schule, sondern an anderen soziokulturellen

Größen.

Digitalisierung ersetzt kein Wissen

Die Schüler müssen sich wieder konkretes Wissen aneignen, um in

der Welt von morgen bestehen können. In Alltagssituationen ist es

müßig, nur zu wissen, wo man nachsehen könnte, wenn man eine

Adhoc-Entscheidung hier und jetzt treffen muss. Als Lehrerin kann

man sich ein Vertrösten und ein „Da-muss-ich-erst-Nachschauen“

vielleicht einmal leisten. Dem Ansehen dient es jedoch nicht, wenn

man Eltern zu einem neuen Gesprächstermin bitten muss, weil man

gerade keine Ahnung hat.

Da hilft auch ein endlich durchgeboxter Digitalpakt nicht. Viele denken

nach wie vor, dass in einer guten Infrastruktur eine seligmachende

Wirkung liegt. Mal ganz abgesehen davon, dass die bereitgestellten

Gelder hinten und vorne nicht reichen werden, um die

tausendfach angeschafften Endgeräte zu erhalten und zu warten.

Und: WLAN, Tablet und Co. ersetzen niemals die Persönlichkeit und

Interaktion der Lehrkraft.

Medienbildung und -ethik werden in den kommenden Jahren massiv

an Bedeutung zunehmen. Verantwortliche tun gut daran, schon jetzt

eine Vorstellung zu entwickeln, wie mit Sozialen Medien, Fake News

und einer Überflutung mit Informationen umgegangen werden soll.

Wie die ideale Schule von morgen aussehen wird, weiß wohl niemand.

Sicher ist nur eins: Menschen und nicht Maschinen werden

auch in Zukunft die Hauptakteure sein.

Gut zu wissen

n Die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg,

Hessen und Nordrhein-Westfalen

halten bislang am dreigliedrigen Schulsystem

fest

n Die östlichen Bundesländer, die Stadtstaaten,

das Saarland, Rheinland-Pfalz und

Schleswig-Holstein haben ein zweigliedriges

Schulsystem

n In Niedersachsen wurden Haupt- und

Realschulen teilweise zu Oberschulen

zusammengefasst

www.vdr-bund.de

Waltraud Erndl

Stellvertretende

Schulleiterin einer

Realschule in

Bayern,

Pressesprecherin

des Verbands

Deutscher

Realschullehrer

(VDR) und der

Bildungsallianz,

Botschafterin

des Bundes-

Berufswahlsiegels

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