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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

ynam.Paradigma ____ Dynamische Modellkonzepte____________________46 Abb. 2.34: Erreichen des Grenzzyklus unter mehreren Ausgangsbedingungen. Nun sind zeitliche Schwankungen zwar wesentlich für Prozesse, wie wir sie bei chemischen und biologischen Uhren vorfinden, sie führen aber noch nicht zur Bildung neuer Strukturen. Allerdings können zeitliche Schwankungen über die Fluktuationsprozesse zu räumlichen Schwankungen, d.h. zu so genannten chemischen Wellen führen. Dadurch ergeben sich räumliche und zeitliche Inhomogenitäten und es entsteht die Erscheinung, die man "Symmetriebruch" nennt. Diese Inhomogenitäten und Symmetriebrüche können unter geeigneten Randbedingungen fern des thermodynamischen Gleichgewichts stabilisiert werden. Auf diese Weise entsteht dann eine Menge "neuer" koexistierender, stabiler Zustände. Wir erhalten den einfachsten Fall einer Höherorganisation auf der Basis von Variation und Zufallsschwankungen. Abb. 2.35 (vgl. PRIGOGINE und STENGERS, 1983: 169) zeigt einen Verzweigungsbaum mit dem Verzweigungsparamter . Die stabilen Zweige sind durchgezogen, die instabilen sind gestrichelt. Abb. 2.35: Verzweigungsbaum mit dem Verzweigungsparamter Dieser Typ von Gabelverzweigungen ist uns aus Kap. 2.2 und 2.3 wohlbekannt (vgl. Abb. 2.7 und Abb. 2.14), d.h. die Theorie dissipativer Systeme geht formal nicht über das in Kapitel 2.3 thematisierte hinaus, sondern zeigt im wesentlichen Anwendungen, welche Hinweise geben können für die prinzipielle Höherentwicklung besonders im Bereich der physikalischen Chemie und der Molekularbiologie. Zumindest qualitativ vergleichbare

ynam.Paradigma ____ Dynamische Modellkonzepte____________________47 Prozesse können bis in Bereiche der Zellentwicklung, der humanen Reifungsprozesse und des neuronalen Wachstums des Gehirns angenommen werden (vgl. SCHARF, 1983). REGELMANN und SCHRAMM (1986) sind allerdings skeptisch ob solcher Ausweitungen der primär physiochemischen Modelle PRIGOGINEs in Bereiche der Biologie. Auch WEIZSÄCKER (1986) nimmt zumindest zusätzliche, mit PRIGOGINEs Konzepten nicht zugängliche Strukturebenen an. Diese Kritik ist insofern auch unabhängig von konkreten Anwendungen plausibel, weil PRIGOGINE im Gegensatz zu den in Kapiteln 2.2 bis 2.5 geschilderten dynamischen Systemen keine eigentlich neuen Ansätze vorbringt, sondern eher eine spezifische (erfolgreiche) Modellbildung in der physikalischen Chemie extrapoliert. In den Kap. 2.2 bis 2.5 waren dagegen mathematische (empirisch neutrale) Systeme die Startbasis (vgl. auch die Diskussionen in THOM, 1980b). 2.7 Selbstreferentielle und autopoietische Systeme Bei den bisher betrachteten Strukturtypen dynamischer Systeme bestand systematisch eine Kluft zwischen den Bereichen der eigentlichen, reinen Anwendbarkeit, die meist äußerst eng waren, und den Analogiemodellen, die davon ausgehend bis weit in die Sphäre der Humanwissenschaften reichen. Mit der Synergetik HAKENs sind komplexe physikalische Prozesse mit starker Kooperation von Teilsystemen (vgl. den Laser), mit PRIGOGINEs Theorie dissipativer Strukturen sind chemische Katalyseprozesse beschreibbar. Im folgenden Abschnitt stellen wir Ansätze dar, welche diese Linie bis zur Entstehung des Lebens (vgl. EIGEN und SCHUSTER, 1979) weiterführen und somit die Türe zu einer höheren Modellbildung aufstoßen. Trotzdem bleiben die Extrapolationen auf komplexe, lebende, soziale oder gar symbolische Systeme prinzipiell jenseits einer exakten Mathematisierung und einer ausreichenden empirischen Fundierung. Wir wollen diese Fortsetzung der Theorie dynamischer Systeme, bei der letztlich doch wieder die einfachen Begrifflichkeiten der vorherigen Abschnitte neu verwendet werden, kurz skizzieren und somit das Feld dynamischer Konzepte vervollständigen. Der Selbstbezug katalytischer Systeme kann gesteigert werden dadurch, dass die Katalysatoren bzw. die Katalysezyklen in verschiedenen konkurrierenden Varianten auftreten und sich schließlich in einem geschlossenen Zyklus, dem sog. Hyperzyklus, reorganisieren. In JANTSCH (1982: 276-270) wird eine ganze Hierarchie solcher Selbstorganisationsformen betrachtet. Die wachsenden bzw. nicht schwindenden Systeme werden von JANTSCH nach ihrer Wachstumscharakteristik geordnet (vgl. ibidem: 257, Abb. 33). 1. Stufe: Selbstregeneration (Autopoiese) In der Chemie gibt es z.B. Reaktionsprozesse, bei denen sich Entstehen und Vergehen autokatalytischer Substanzen auf Grund bestimmter Randbedingungen die Waage halten. (vgl. die Belousov-Zhabotinsky-Reaktion, vgl. ibidem: 64 ff. und EIGEN und WINKLER, 1979: 117 sowie PLATH, 1997: 9). Genereller kann man ganze Ökosysteme wegen ihrer Recycling- Funktionen mit einer solchen autopoietischen Struktur in Verbindung bringen (vgl. JANTSCH, 1984: 259 f.); die globale Energiezufuhr besteht in energiereichem Licht, die Abfallstoffe sind energiearmes Licht im Bereich der Wärmestrahlung. Diese Systeme sind durch Prozesse des inneren Wandels mit Selbsterhaltung aber ohne notwendiges Wachstum und Evolution charakterisiert. 2. Stufe: Systeme mit Wachstumsdynamik Das Wachstum kann linear, exponentiell oder hyperbolisch sein. EIGEN und WINKLER (1979: 264) fassen die Ergebnisse ihrer dynamischen Simulation von Wachstumsprozessen wie folgt zusammen:

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