Aufrufe
vor 4 Jahren

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.1: Die beiden Hauptformanten F1 und F2 (in Hz) und die Zentren der Realisationsfelder der Kardinalvokale. In PETITOT (1985a) werden die drei ersten Formanten F1, F2, F3 untersucht, und der Autor schlägt eine dynamische Modellierung im Rahmen der elementaren Katastrophe: Schmetterling (A5) vor. Dieser Vorschlag ist allerdings als vorläufig zu betrachten, da die auditiven Korrelate der akustischen Spektren nicht ausreichend erforscht sind (siehe ibidem: 299). Wir wollen eine von PETITOT (1985a) abweichende Modellierung vorschlagen, welche höhere Entfaltungen (Umbilike) ins Spiel bringt und Vorschläge von UNGEHEUER zum artikulatorisch-auditiven Raum integriert (UNGEHEUER, 1958). Die Veränderungen der Formanten betreffen im Wesentlichen die beiden ersten: F1 und F2, während F3 relativ konstant bleibt. Dieser Formant wird uns deshalb als Fixpunkt für die Analyse der Dynamik dienen. Da die Formanten per definitionem Maxima der Intensität sind, ist die Intensität eines Frequenzbereiches eine natürliche Potentialfunktion, und ein (positives) Gradientenmodell liegt nahe. Wir wollen die beiden Formanten als gekoppelte dynamische Systeme betrachten und beobachten, wie das Feld der Vokale durch eine Entfaltung des Gesamtsystems entstehen könnte. Die rekonstruierte Entfaltung wird am Ende des Abschnittes mit Ergebnissen zu einer universalen implikativen Ordnung der Unterscheidungen, die in Phonemsystemen angetroffen werden, konfrontiert. (1) Die Entfaltung des Teilsystems F1. Sie erlaubt die deutliche Differenzierung der Vokale: (a) = hoher Frequenzwert (ca. 1150 Hz im Deutschen, vgl. KÖSTER, 1973: 422 ff.) und der Vokale /i/ und /u/ mit tiefem Frequenzwert (/i/ bei 280 Hz, /u/ bei 290 Hz). Wenn wir von einer neutralen Ruhestellung der Artikulationsorgane im (vagen) Bereich von () und (), also in der Mitte zwischen 600-1000 Hz (// nach UNGEHEUER, 1958), ausgehen, erhalten wir als erste Entfaltungsstruktur: 56

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.2: Bifurkation aus der neutralen Position. In der Terminologie phonetischer Merkmale entspricht dieser Bifurkation die Opposition: kompakt versus diffus. Diese Unterscheidung greift nur einige Eigenschaften des Prozesses heraus. Wir können auch von zentral versus peripher sprechen. Dies wird deutlich, wenn wir die Beziehung von F1 zu dem relativ konstanten dritten Formanten F3 berücksichtigen (mit schematisierter Intensität). Abb. 3.3: Position relativ zum dritten Formanten F3. Die Distanz zwischen F1 und F3 vergrößert sich bei /i/ und /u/. Sie sind in dieser Beziehung peripher. /a/ liegt jedoch näher an F3 und ist somit zentral. Allerdings erfasst [+diffus] zusätzlich die geringere Schärfe der Formanten in ihrer Abgrenzung (vgl. auch WERNER, 1973: 46). (2) Die Entfaltung des Systems F2. Eine ähnliche Bifurkation finden wir zwischen /i/ und /u/, wenn wir den zweiten Formanten F2 betrachten. Wenn wir von einer mittleren Position ausgehen, in deren Bereich /a/ liegt, so kommt es zu einer Divergenz. Wir stellen diesen Prozess in Abb. 3.4 anhand der Fläche der kritischen Punkte der Kuspenkatastrophe (vgl. Kap. 2.2) dar. Die Konfliktkatastrophe (bei gleichem Minimum) ist durch die Kanten der divergierenden Flächen markiert. 57

Deutschtürkische Frozzeleien Kraftvoll und dynamisch Bremer ...
Erzählen im Comic und Film - Universität Bremen
Probleme der Kodierung - Universität Bremen
Jahresbericht 2003/2004 - Biba - Universität Bremen
Wolfgang Wildgen Dynamische ... - Universität Bremen
Das Objekt-orientierte Paradigma - FB3 - Uni Bremen - Universität ...
PAradigma - Universität Passau
Wolfgang Wildgen - Fachbereich 10 - Universität Bremen
Germanistische Linguistik - Philipps-Universität Marburg
Nichtlinear dynamisches Modell zum ... - im KN-Bremen
Thesenpapier Koloniallinguistik - Universität Bremen
Sommersemester 2007 - Institut für Linguistik - Universität zu Köln
DGS-Tagung Frankfurt/Oder 24.06.2005 - Universität Bremen
Deutscher Kolonialismus und Diskurslinguistik - Universität Bremen
Numerik Dynamischer Systeme - Universität Bayreuth
Stilblatt für Linguistik - Romanistik - Ludwig-Maximilians-Universität ...
Numerik Dynamischer Systeme - Universität Bayreuth
Dynamische Prozessmodellierung und - Ruhr-Universität Bochum
Hispanistik/Spanisch - Universität Bremen
Antragspaket Dynamisches 3D Sehen - im ZESS - Universität Siegen
Ordnung und Chaos: Theorie dynamischer Systeme - Institut für ...
Komplexe Dynamische Systeme - Technische Universität Darmstadt
Prädikation - Fachbereich 10 - Universität Bremen