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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Je nach Intensität der Gebrauchsfluktuation (z.B. approximiert durch die Häufigkeit eines "type") werden sprachliche Formen mit der Zeit unschärfer und durch Abschleifung kürzer. Man kann grob sagen, dass das Ordnungsmuster der Form zerfließt. Zu diesem Ordnungsmuster gehören auch paradigmatische und syntagmatische Beziehungen. Auf dieser Ebene "zerfließt" und "schrumpft" die Form im Verwendungsprozess. Diese Prozessebene entspricht der von Systemen in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichtes. (2) Prozesse des Gleichgewichtes Wichtiger als die allgemeinen Verlustprozesse sind Prozesse fern des Gleichgewichtes, welche eine Minimierung der Entropiezunahme im Austausch mit systemexternen Komponenten erzeugen, wodurch das Gesamtsystem längere Zeit in einem stationären Fließgleichgewicht bleibt. Es gibt dazu zwei Typen von Ressourcen: a) Starre Strukturen, welche im Rahmen perzeptiver, kognitiver und elementarer interaktiver Prozesse auftreten (vgl. Kap. 2.2 und 2.6 sowie Kap. 3.3). Sie halten ein Grundinventar von Kategorien stabil, für die jeweils Sprachformen gefunden werden müssen. Wir sprechen von einer tiefenkategorialen Stabilität der Sprache. Auf dem Hintergrund der Verlustprozesse in (1) erhalten wir die Erscheinung der Verstärkung bzw. Wiederauffüllung von Realisierungen in einer Kategorie. Da der Verlustprozess neben der physikalischen Form auch die Verbindungen im Netzwerk der Formen betrifft, kann man parallele bzw. partiell korrelierte Prozesse der "Grammatikalisierung" unterscheiden (vgl. dazu etwa LEHMANN, 1981). Wie seine Analysen zeigen, ist der Verlustprozess im Prinzip zwar kontinuierlich, er weist jedoch Phasen auf, so dass wir für einzelne Sprachen quasistationäre "foci" beobachten können. Wenn wir einerseits eine Skala definieren (in Erweiterung des Ansatzes von LEHMANN), die von der Aktualgenese einer Sprachformung (natürlich im Systemkontext) bis zum totalen Verlust führt, andererseits ein Kategorienerhaltungsgesetz postulieren, ergibt sich (zumindest im idealisierten Fall) ein stationärer Grenzzyklus 9 . Wir spielen dieses konzeptuelle Modell am Beispiel der Kasusrollenmarkierung durch. In diesem Fall mag die Liste der Rollenkonstellationen, die durch die Archetypensemantik definiert ist (vgl. Kap. 3.3) als Hintergrund dienen. Wir vernachlässigen Unterschiede in der Prominenz einzelner Rollen und Rollenkonfigurationen, setzen also ein starres Kategorienschema voraus. Es gibt nun zwei gekoppelte Prozesse. - In der Aktualgenese, z.B. im Rahmen einer face-to- face-Interaktion, also im Diskurs, können Probleme der Differenzierung ad hoc kommunikativ gelöst werden. Wir nehmen an, dass zu Beginn der historischen Prozesse die konventionelle Stützung durch spezialisierte Sprachmittel minimal ist. - Die konventionalisierten (ritualisierten) Regeln/ Markierungen können die stark rekurrenten Eigenschaften der jeweiligen Problemlösungen sammeln, bündeln und organisieren. In dem Maße, wie dies geschieht, wird die Aktualgenese bezüglich dieses Problems in der Kommunikation entlastet. Die Kopplung der beiden Prozesse entspricht grob einem Beute-Jäger-System in der Biologie; die "Jäger" sind die Konventionalisierungen, welche "freie" Problemlösungen "einfangen". Wir erhalten in diesem Modellspiel einen Grenzzyklus, wie er ähnlich bei der Modellierung des Beute-Jäger-Zyklus vorgeschlagen wurde. Als senkrechte Achse nehmen 9 Letztlich sind auch die Kategorien, soweit sie empirischen Gehalt haben und nicht bloß ein Artefakt methodischer Abstraktionen sind, dynamisierbar. Sie könnten durch den weiteren raumzeitlichen Horizont, ihre Verankerung in einem elementaren Interaktionsraum und durch eine feste Codierung im kognitiven System (besonders in der Maturationsphase) herausgehoben werden. 86

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ wir die Skala, die von einer totalen Konventionalisierung zu einer totalen Aktualgenese (ad hoc - Problemlösung) reicht. Abb. 3.23: Grenzzyklus der Grammatikalisierung. In einem Zyklus (ti-tj) werden aktualgenetische Lösungen bis auf einen Restbetrag (eine Art parallele Stützung konventionalisierter Lösungen) durch grammatische Mittel ersetzt. Die Grammatik wird demnach selbst zu einer Phase dieses Prozesses. Sie ist der generalisierte Jäger der aktualgenetischen Prozesse oder in HAKENs Terminologie der "slaving factor" aktualgenetischer individueller Kommunikationsprozesse. Die empirischen Fakten verlangen jedoch eine differenziertere Betrachtung des Grammatikalisierungsprozesses, da dieser Phasen aufweist. So gibt z.B. LEHMANN (1985) die folgenden "foci" der Grammatikalisierung und Kasusrollenmarkierungen für das Lateinische (L), Französische (F) und Japanische (J) an. Grammatikalisierung von Kasusrollen nach LEHMANN. 87 Abb. 3.24: Der in Abb. 3.24 dargestellte synchrone Sachverhalt zeigt für jede Sprache drei Phasen der Grammatikalisierung, d.h. es gibt drei Wellen des Prozesses, die zeitlich nacheinander

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